Cover of the episode “Smartphone-Sucht: Endlich wieder abschalten”

Smartphone-Sucht: Endlich wieder abschalten

3 July 2026, with Joël Kaczmarek and Sven Lindberg

Transcript

Joël Kaczmarek: High Five, Leute! Hier ist Joël und am Feel Good Friday geht's um deine Gesundheit, Genauer um das Ding, das du gerade wahrscheinlich in der Hand hältst, dein Smartphone und wie es dich süchtig macht. Weil vielleicht kennst du das, kurz mal bei Instagram. Reingucken und zack, sind anderthalb Stunden weg. Und du weißt gar nicht, wohin. Diese Folge ist für dich, wenn du da rauskommen möchtest. Und ich habe mir dafür jemanden geholt, der das wirklich beurteilen kann, den lieben. Sven Lindberg, Professor für Klinische Entwicklungspsychologie an der Uni Paderborn. Und das ist... Der Mann, den die Medien anrufen, wenn es um Psyche und Smartphone geht. Und Sven räumt erstmal auf mit etwas. Und zwar der Frage, ist das überhaupt eine Sucht? Und die anderen sprechen über deinen Schlaf, über diesen Ruhemodus im Kopf, den die meisten gar nicht mehr kennen. Und ganz am Ende kriegst du richtig konkrete Tipps an die Hand. Vom Handytisch bis zum Smartphone-Sessel, mit denen du wirklich runterkommst. Also, bleib... Bleib unbedingt bis zum Ende dran. Gerade am Schluss nimmst du jede Menge mit. Achso, und schreib doch mal in die Kommentare bei Spotify oder YouTube. Glaubst du, du selbst bist smartphonesüchtig? Und was tust du, um deine Screentime zu reduzieren? So,

Joël Kaczmarek: und nun legen wir los. LIEBER Sven, schön, dass Du da bist. Moin, moin.

Sven Lindberg: Hallo, ich grüße dich.

Joël Kaczmarek: Erste wichtigste Frage, wenn ich dein Handy jetzt aufmache, welche Screentime steht bei Dir so pro Woche da?

Sven Lindberg: Da steht gar nicht so viel, weil ich tatsächlich viele Dinge, die viel Zeit kosten, am Computer mache. Und genau, das ist der Trick für Profis. Also LinkedIn, Instagram und Co. Habe ich auf dem Browser am PC verlegt? sozusagen. Und das mindert dann so ein bisschen meine Smartphone-Time. Also, das ist tatsächlich schon ein vorgegriffener Trick. Aber ansonsten ist es halt so, dadurch, dass ich viel Podcast höre, natürlich auch digital kompakt. Wie soll es anders sein? Auch das zählt ja als Kühltime, wenn man das laufen lässt.

Joël Kaczmarek: Lass uns doch mal einsteigen, weil wir deklinieren jetzt fünf Dinge durch. Und du hast mir gesagt, Joël, Das Erste, worüber wir reden sollten, ist, sucht ist die falsche Diagnose. Why? Ist das keine Sucht?

Sven Lindberg: Genau, du hast jetzt auch sogar Sucht und Diagnose schon reingeworfen. Und das ist halt so ein bisschen das Schwierige, dass wir aus der Fachwelt da einfach ganz klare Definitionen haben. Und das ist natürlich in der öffentlichen Debatte kein Thema, Sondern da spricht man dann von allen möglichen Süchten, so wie auch von der Smartphone-Sucht. Aber streng genommen ist das so nicht richtig. Also, aktuell ist das Abhängigsein vom Smartphone keine eigene klinische Diagnose, weil es einfach noch nicht so untersucht ist. Und so erkannt ist, dass das ein eigenes klinisches Phänomen ist, dem man eine Diagnose geben kann.

Joël Kaczmarek: Aber ist das dann so ein Fall von... Wir sind in der Wissenschaft ein bisschen langsam, Wir haben dem ganzen Ding einfach noch kein Label gegeben, Aber eigentlich ist es eine Sucht oder würdest du sogar wirklich sagen, nein, Es gibt schon Faktoren, die da drin eigentlich einem Suchtfaktor widersprechen?

Sven Lindberg: Ja, das kann man eigentlich sogar tatsächlich ganz klar definieren. Es ist erstmal so, was auch nicht viele Leute wissen, dass diese Klassifikationssysteme, wo Krankheiten reinkommen, Da kommen immer wieder neue Krankheiten rein, und es fliegen auch, welche raus. Weil es ist zum einen so, dass immer das, Was so der Zeitgeist, das Gesellschaftliche auch... Mit sich bringt. Das bringt dann oft neue Störungen und Krankheiten mit. Und gleichzeitig aber auch immer die Erkenntnisse, die man aus der wissenschaftlichen, vor allem aus der medizinischen und klinischen Forschung kennt. Und da ist es dann eben oft so, dass wenn Phänomene auftreten, dass die erstmal untersucht werden und dass man dann erstmal schaut, Ist es wirklich ein abweichendes Verhalten, Was aber auch zu leiden, führt, dass Leiden dann von Krankheitswert ist.

Und wenn das erfüllt ist, dann wird das mit aufgenommen. Ein Beispiel ist tatsächlich die Computerspielsucht und die Spielsucht, also quasi wirklich Glücksspiel, war lange Zeit sozusagen immer auf der Kippe und wurde dann aber aufgenommen, weil es eben tatsächlich zu großen Leiden geführt hat, auf Seiten der Betroffenen, aber auch auf das Umfeld. Weil Das ist gerade bei psychischen Störungen oft so, dass eine Definition ist, leidet die Person darunter und oder leiden andere darunter. Also das heißt, da passiert gerade einiges. Deswegen würde ich tatsächlich davon ausgehen, dass wir in den nächsten Jahren dort irgendwann auch eine eigene Diagnose bekommen.

Joël Kaczmarek: Okay, also, ich habe ja nicht, wie du eine fachliche Verantwortung. Ich habe jetzt sozusagen keinen Professorentitel in dem Bereich und habe auch keine Studenten vor mir sitzen. Ich würde jetzt mal sagen, für mich ist das eine Sucht, was ich so wahrnehme. Kannst du uns mal dafür abholen, Woran erkennt man typischerweise eine? Sucht? Also wann würdest du sagen, spricht man von einer Sucht bei einem Verhalten?

Sven Lindberg: Genau, das ist das Spannende. Wenn man sich das anschaut, wie das diagnostiziert wird, Egal, ob Alkoholsucht, Substanzsucht, pornosucht oder eben auch die Spielsucht, Dann ist erstmal die Definition, Ich mache das mehr, das Verhalten, als ich eigentlich möchte. Also das heißt, ich möchte weniger machen, davon oder sogar ganz damit aufhören, aber ich mache es trotzdem weiter. Also das heißt, ich habe eigentlich eine andere Intention, Einen anderen Willen, kann das aber nicht umsetzen. Das ist schon mal einer der... Der Kernkriterien, die erfüllt sein müssen. Dann ist das nächste Kriterium, Es hindert mich daran, meine Tätigkeit nachzugehen. Sei es meine Arbeit, sei es die Verantwortung meinen Kindern gegenüber.

Das heißt, Ich vernachlässige Sachen, wo ich eine Verantwortung habe. Also zum Beispiel, Ich gehe nicht mehr zur Arbeit oder ich mache die Arbeit schlechter. Oder ich vergesse, mein Kind abzuholen, weil ich eben mit dem Spielen, mit dem Trinken oder sonst was beschäftigt bin. Das heißt, das ist einer der... Hauptkriterien, die sehr wichtig sind, Ich vernachlässige Dinge, wo ich Verantwortung trage. Dann ist der nächste Schritt, dass ich tatsächlich das zu häufig mache, als ich eigentlich möchte. Also das heißt, ich nehme mir zum Beispiel vor, nur einmal am Tag ein Bier zu trinken, fange dann aber morgens schon mit an. Dann geht es schon sehr stark in die Richtung, dass das ein Suchtverhalten ist.

Und ein weiteres Nebenkriterium ist, dass eben auch andere im Umfeld darunter leiden, also zum Beispiel Freunde, Verwandte, Familie und so weiter.

Joël Kaczmarek: Was würdest Du sagen, wenn Du dir jetzt dieses Feld hier mal anguckst, was sind denn so die typischen Symptome? Und vielleicht auch Folgen, die Du da siehst? Weil bei mir poppten gerade schon so Bilder hoch, Gerade als du auch gesagt hast, mein Umfeld leidet darunter, habe ich so diese ganzen Eltern im Kopf, die im Podcast schon nur noch sitzen mit Smartphone. Oder wenn die Kinder beim Sportspielen begleitet werden. Also ist so ein Beispiel, was mir einfällt. Wenn ich mir in Kreuzberg eine schöne Döner-Tasche hole, dann sehe ich immer den Typen, der da steht, wie so Doom-Screams auf seinem Handy mit der linken Hand, aufs Handy gucken mit der rechten, Den Salat in die Dings machen. Das sind, so die Bilder, die ich im Kopf habe. Aber was sagt der Profi? Was würdest du sagen, sind so Symptome? Und was sind Folgen, die sich auf lange Sicht einstellen?

Sven Lindberg: Symptome sind einmal tatsächlich, dass ich es einfach permanent nutze. Und das ist eben auch das Gefährliche an dem Smartphone. Es ist halt so schön. mobil. Dadurch habe ich es immer mit dabei. Und was die meisten Leute ja vergessen, Das Gerät ist ja tausende Geräte. Da kann ich Videos gucken, da kann ich Musik hören, da kann ich Nachrichten lesen, schicken, anhören und so weiter und so fort. Ich kann das Wetter schicken, ich kann gucken, wie die Börsenentwicklung ist und, also? Das heißt, wenn man sich da mal in die 90er zurückbeamt, Wenn ich all das irgendwie bei mir haben wollte, dann müsste ich einen Riesen Karren neben mir herziehen. Und dann hätte ich trotzdem ein Problem, weil es kein Internet, kein WLAN und Nichts gibt.

Aber das kann das Gerät jetzt alles. Und das führt natürlich dazu, dass ich eigentlich permanent verführt werde. Das heißt, die Leute lernen oder haben nicht mehr das Problem, dass Sie sagen, ich langweile mich jetzt, weil ich kann ja an der Kasse. Oder das mit dem Dönermann, was du gerade gesagt hast, dass ich jetzt langweilig hier zwischen nächste Bestellaufnahme und Salat in die Tasche pressen. Das ist ja langweilig, da kann ich ja auch nochmal kurz gucken, wie Galatasaray gespielt hat. Also, das ist halt tatsächlich die Geschichte, Die Leute haben eigentlich Langeweile eliminiert, weil sie dieses Gerät dann immer einspringen lassen, wenn irgendwie sowas wie Leerlauf eintritt. Und das ist tatsächlich nicht gut, weil zum einen, Und da sind wir eben bei den Suchtähnlichen, Ich mache das viel häufiger, als mir eigentlich lieb ist, weil.

Es ist natürlich auch unhöflich und es ist auch problematisch. Wenn ich dadurch meine Konzentration im Straßenverkehr, Also, wie oft hat man schon Leute gegen eine Straßenlaterne laufen sehen? Oder jemand mit dem Handy auf dem Fahrrad, Das ist eine tödliche Gefahr. eigentlich. Aber immer mehr Leute gehen das ein. Und zwar nicht aus einer Entscheidung heraus, sondern weil sie einfach merken, ich brauche die ganze Zeit diese Reize, weil sonst fühle ich mich unterreizt. Und das ist tatsächlich auf Hirnebene ein Riesenthema. Ist viel komplexer, aber es lässt sich schön vereinfachen. Also wir haben so eine Art Aktivitätsmodus. Also immer, wenn ein Reiz kommt, springen wir drauf und verarbeiten das.

Das ist erstmal gut, weil das heißt, wenn von außen was kommt, reagiere ich, kann es einordnen und mich darum kümmern. Das machen wir beim Arbeiten, das machen wir aber auch, wenn Gefahr droht und so weiter und so fort. Aber dadurch ist sozusagen immer all das im Gehirn aktiv, was mit Aktivitäten zu tun hat. Wir haben aber auch noch einen anderen Modus. Das ist der sogenannte Default Network. Modus oder der Ruhemodus kann man es nennen. Und das ist eigentlich immer dann, wenn wir zum Beispiel spazieren gehen, wenn wir am Meer sind, unsere Gedanken schweifen lassen und so weiter. Und der Modus ist mega wichtig, weil. Das ist sozusagen die Phase, wo wir auch Vergangenes verarbeiten und aber auch Gedanken in die Zukunft schweifen lassen.

Und das ist neben Schlafen nochmal ein ganz eigenes System. Also im Schlaf wird idealerweise alles nochmal geordnet, was am Tag passiert und so weiter und so fort. Aber dieser Ruhemodus hilft uns halt. Eigentlich so ein bisschen zwischen der vergangenen und der Passiven und der aktiven Welt zu vermitteln. Und das wird eigentlich ausgeschaltet, wenn wir permanent sozusagen, in jeder stillen Sekunde das Smartphone einfach ranziehen, um irgendwas zu machen, was mir einen Reiz liefert.

Joël Kaczmarek: Hat das mit diesem ganzen Dopaminkino zu tun, von dem man ja allerortens liest, dass man halt, sagt, Das aktuelle Social Media ist immer durch seine Hooks darauf ausgerichtet, dass immer wieder so ein Ping im Gehirn angeregt wird. Und du dann immer wieder, ah, okay. Also Innen passiert Hormonschub, außen passiert, Ich werde aufmerksam, ich gucke, ich gucke, ich gucke. Hat es damit zu tun?

Sven Lindberg: Absolut, und das ist eigentlich auch nochmal wichtig, dass man dieses Belohnungssystem besser versteht, Weil. Das Belohnungssystem ist eben nicht nur Dopamin, sondern das Belohnungssystem besteht eben aus einem ganzen Cocktail von Hormonen. Also wir haben halt eben auch Serotonin, was uns eher so eine Zufriedenheit gibt, eher ein bisschen Glück. Wir haben Oxytocin, was halt ein Bindungshormon ist, was aber auch ausgeschüttet wird, Wenn ich... Mit Freunden zusammen bin oder ich mich nah, jemand fühle. Es wird auch ausgeschüttet beim Katze Streicheln und beim Hund angucken. Also insofern, Das sind dann eher so die, Man sagt dann auch so ein bisschen, das Kuschelhormon. Ich habe auch Endorphine, die ausgeschüttet werden.

Zum einen, wenn ich irgendwie eine Verletzung habe, dann hilft mir das sozusagen, das besser zu verarbeiten. Und die haben alle, so ihre Funktionen. Und Dopamin ist interessanterweise eben nicht jetzt das Glückshormon an sich, sondern eigentlich ist Dopamin ein Erwartungshormon. Was Mega ist, weil ohne das würden wir nicht aufstehen, nicht irgendwie Sachen machen, weil es ist sozusagen ein Hormon, was uns schon belohnt, wenn wir an etwas in der Zukunft denken. Also sowas, wenn ich jetzt jagen gehe und das Mammut erlegt habe, Ja, Mann, dann hat das ganze Dorf, was zu essen. Also da Ballert, quasi Dopamin. Und das ist das, was letztendlich sich so ein bisschen die Industrie zunutze gemacht hat, indem sie gesagt hat, ey, lass uns DOCH in...

Einatur-Mini-Erwartungen wecken, Weil das ist ja eine Sache, die die Leute motiviert, dran zu bleiben. Und das ist nun ein bisschen die Geschichte, wenn wir jetzt die anderen Sachen uns angehört haben. Serotonin gibt mir Zufriedenheit und Ruhe. Oxytocin gibt mir Geborgenheit. Endorphine Geben mir tatsächlich echte Glücksmomente. Dann wird das alles eher weiter zurückgefahren, Weil ich eigentlich die ganze Zeit in so einer endlos Ja, das könnte ich noch machen, ich mache das noch, ich mache das noch. Ich switche, von der einen Seite zum nächsten, von dem Video zu dem Video, bleibe. Bei einem länger hängen, hier mal einen Like, da mal vielleicht dann wieder wechseln. Und das führt eigentlich dazu, dass ich ständig dranbleibe.

Und das ist dieses Phänomen, glaube ich, was jeder von uns kennt. Ich bin mal kurz vor fünf Minuten bei Instagram und dann sind anderthalb Stunden rum. Und das ist einfach, weil mich diese Schleife quasi da drinnen gelassen hat. Und das Problem ist, Ich komme da nicht zur Ruhe. Also, ich habe dann nicht anderthalb Stunden eine schöne Pause gehabt, sondern mein Gehirn war ja im Aktivitätsmodus. Und das ist tatsächlich eine Geschichte, was auch dazu führen kann, Dass die Leute immer mehr erschöpft, sind.

Joël Kaczmarek: Hallo Leute, an dieser Stelle ein ganz kurzer Werbehinweis, denn mal ehrlich, Monatsabschlüsse, Rechnungsprüfungen und Abstimmungen gehören selten zu den Dingen, auf die sich Finance-Teams am Montagmorgen freuen. Und gerade in wachsenden Unternehmen läuft noch viel über manuelle Prozesse, Excel-Listen und Rückfragen per Mail. Das kostet natürlich Zeit, Nerven. Und es macht nicht gerade einfacher, den Überblick über Cashflow, KPIs und aktuelle Zahlen zu behalten. Und genau hier kommt unser Partner Sage ins Spiel. Deren Tool Sage Intacct automatisiert zentrale Finanzprozesse in Echtzeit, von der Buchhaltung über Debitoren und Kreditoren bis hin zu schnelleren Abschlüssen. Und der Rechnungseingangsassistent liest Rechnungen automatisch aus, gleicht sie mit Bestellungen ab und erstellt Buchungsentwürfe.

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Joël Kaczmarek: Ah, okay, spannend. Also, wenn wir uns jetzt mal so die Folgen durchdeklinieren, habe ich jetzt schon mitgekommen, Ich bin nicht mehr in diesem Ruhemodus, wo ich vielleicht auch mal plane an die Zukunft, denke. Ich bin gar nicht so entspannt, weil ich ertappe mich auch dabei. Manchmal ist es so, okay, sich berieseln lassen, abends, was reinziehen. Und dann ist es aber eigentlich gar nichts Entspannendes, sondern es fährt eigentlich dein System eher hoch. Und das andere, was mich ja nochmal interessieren würde, ist auch so die Folgen, weil ich habe den Eindruck... Viele Menschen leben ein immer digital kompakt Leben und vergessen, so die wirkliche Welt und kriegen so Anknüpfungsprobleme in der echten Welt. Ich habe mir so die Frage gestellt, ob wir nicht in so einer Gesellschaftsform irgendwie driften, wo die Menschen gar nicht mehr miteinander reden können, in der echten Welt, weil die digital sozusagen, sich nur noch aufhalten.

Sven Lindberg: Was jetzt die Gefahr der digitalen Welt ist und dass es sich möglicherweise entfremdet. Von der echten Welt, sehen wir gerade massiv bei den verschiedenen Chatbots. Weil, was machen die? Die sind immer positiv. Die geben dir, wenn Kritik, dass die

Joël Kaczmarek: Kritik... KI-Bots Meinst du jetzt? KI-Bots, genau.

Sven Lindberg: Weil letztendlich gibt er dir vielleicht eine Einschätzung und Kritik, aber immer freundlich und immer, dass du trotzdem als der Gewinner dastehst. Also das heißt, egal, ob du jetzt Profi in einer Sache bist oder in Anführungszeichen ein Vollidiot, Die KI wird immer sagen, Ah, ja, das ist eine spannende Frage. Aber hier bist du vielleicht ein bisschen unscharf. Ich werde vielleicht dir noch ein bisschen Informationen zur Verfügung stehen. Das heißt, du kriegst immer Bestätigung. In der echten Welt kriegst du nicht immer Bestätigung, vor allem nicht, wenn Du Blödsinn erzählst. Und die andere Geschichte ist eben die, Dass die KI-Bots ja immer mit einer weiteren Frage oder mit einem Angebot aufhören.

Auch hier ist die Idee, du könntest noch das machen, du könntest noch das erfahren und so weiter und so fort. Das heißt, wir sind hier wieder in der nächsten Endlosschleifen-Maschinerie, die gleichzeitig aber auch noch dir eine Interaktion vorgaukelt. Die menschlich klingt, aber absolut nicht menschlich ist. Dann wird es irgendwann komisch, wenn du mit einer echten Frau, mit einem echten Mann sprichst, Weil. Die werden nicht in einer Tour so mit dir sprechend reagieren. Und dann ist tatsächlich ja, wenn du da verletzt bist, dich zurückgesetzt fühlst, die digitale Welt deutlich attraktiver und auch deutlich leichter. Weil die ist rund um die Uhr verfügbar, die kannst du aber ausschalten, wenn du genervt bist, beziehungsweise umschalten.

Und das ist tatsächlich eine Sache, die wir weltweit sehen. Da sind Männer deutlich mehr davon betroffen als Frauen. Dieser Zurückzug in die digitale Welt. Und das kann halt tatsächlich mehr und mehr problematisch werden.

Joël Kaczmarek: Ich beobachte das auch. Ich weiß nicht, ob das so ein Generationending ist, Aber ich habe ein bisschen den Eindruck, Dass es in den jüngeren Generationen zum Beispiel verpönt, ist, jemanden einfach anzurufen. So wie, du rufst mich einfach an.

Sven Lindberg: Die haben Angst davor, tatsächlich. Ich habe mal mit den Studierenden darüber gesprochen, habe auch gesagt, also witzigerweise genau, Ob das wirklich ein Phänomen ist oder ob das jetzt wieder irgendwie nur irgendwie mal zwei, drei Leute auf Social Media gepostet haben. Nee, aber ist total so. Und es geht jetzt mittlerweile sogar weiter, Weil die Sprachnachricht hat das Telefonieren abgelöst. Jetzt, mittlerweile haben die Leute sogar schon quasi, fühlen, sich unwohl, eine Sprachnachricht zu schicken. Weil man sich immer bewertet fühlt und auch das Gefühl hat, ja, was soll ich denn sagen? Oder was ist, wenn mir nicht das Richtige einfällt? Also das heißt, Teilweise werden diese Dinge so überkognitiv.

behandelt, dass es dann zu einer Blockade kommt und dass man es dann immer weiter runterpackt. Und mittlerweile ist es tatsächlich so, dass viele Leute auch sagen, okay, ja, eine Sprachnachricht, Ja, das können die Leute dann ja auch in Anführungszeichen gegen mich verwenden. Und so weiter und so fort. Mittlerweile ist es auch so, dass junge Leute sehr viel ChatGPT und Co. nutzen, um zu antworten, weil sie dann halt quasi das Gefühl haben, Das ist dann eine geschliffene Nachricht und die wird dann schon in Ordnung sein. Und das ist natürlich dann, also Dieser Trend ist natürlich Absurd, wenn ich quasi irgendwie schätze die Frage, was ich meiner Mama antworten soll, wenn die sagt, bist du gut?

Nach Hause gekommen.

Joël Kaczmarek: Naja, Aber ich finde, Die Technik zieht halt darauf hin. Also bei Apple-Usern ist es ja mittlerweile so, Wenn du jemanden anrufst und bist nicht im Handy abgespeichert als Kontakt, dann geht gar nicht. Der Mensch ran, hast du gar keinen Hebel mehr, ist voreingestellt, musst du halt aktiv ausstellen, sondern dann sagt Halt So eine KI, Stimme zu dir, hallo, wer bist du, bitte? Sag mir deinen Namen und dein Anliegen, dann gucke ich, ob die Person verfügt. ist. Also Du hast sozusagen schon einen digitalen Gatekeeper, der Dich abschirmt vor ungewollten Anrufen. Das ist zwar nett, wenn das Callcenter anruft und dir irgendwie Bitcoin aufschwatzen will, Aber wenn sozusagen Menschen, die vielleicht mal die Nummer verlegt haben, miteinander reden, ist das schon bizarr.

Und ich glaube auch, dass KI. Das beschleunigt, weil das merke ich bei mir sogar selber auch, wenn man immer drei, Vier KI-Fenster anstößt, die irgendwas machen, wenn man immer Produktivität herstellen kann. In jeder Sekunde. Dann fällt es irgendwie schwer, mal so nichts zu tun. Dann denkst du immer so, Oh Gott, Oh, Gott, ich könnte jetzt gerade Credits investieren in Firmenproduktivität. Also gut, aber ich sehe schon. Also, es ist eher ein Problem auf Steroiden. Und jetzt bin ich ja nochmal, Oder können wir vielleicht nochmal auf einen Aspekt eingehen, so das zweite Ding, was du mir mitgegeben hast. Und so haben wir uns, glaube ich, auch lustigerweise kennengelernt. Das hast du ganz früh mal zu mir gesagt, so dass die reine Präsenz schon reicht.

Also, es ist gar nicht so, Ich muss das Ding aktiv von der Nase haben, sondern Du sagst sogar, hey, Nur wenn das Ding in der Nähe ist. Dann macht das schon einen Effekt.

Sven Lindberg: Absolut. Und zwar gab es schon irgendwie so. 2016, 2017 Erste Forschung, wo man gucken wollte, Was macht denn das Smartphone mit uns, weil man eben gemerkt hat, dass diese ganzen Signaltöne und auch dieses Vibrieren uns ablenkt. Das war relativ offensichtlich. Und dann ist man mal auf die Idee gekommen, zu gucken, ja, was ist denn, wenn das Handy ausgeschaltet ist? Ist es dann sozusagen nicht mehr ein Problem? Und da hat man erste Hinweise gefunden, dass uns das auch trotzdem ablenkt. Aber man hat das Halt einfach nicht so wirklich experimentell untersucht. Und das haben wir in unserer Arbeitsgruppe gemacht und haben tatsächlich dann ein Experiment gemacht. Und haben Leute eine Konzentrationsaufgabe machen lassen.

Einmal mit dem Smartphone daneben und einmal ohne. Und das Smartphone komplett ausgeschaltet, Also nicht Flugmodus oder irgendwas, sondern aus. Und die Leute sind da tatsächlich deutlich schlechter. Das heißt, die Arbeiten langsamer, machen mehr Fehler. Und das ist, je nach Individuum, macht das 10 bis 12 Prozent geringere Leistung aus. Und das ist halt einfach krass, wenn du das Halt überlegst, wenn du das auf, Wie viel weniger lerne ich dann in der Schule, Wie viel weniger habe ich Arbeitsleistung in meinem Job. Und das ist natürlich frappierend. Und mittlerweile gibt es noch mehr Forschung dazu. Und es bestätigt sich immer wieder. Und wir gehen halt einfach davon aus, dass es damit zusammenhängt, Das...

Das so in unser Leben gedrungen ist, dass uns permanent natürlich klar ist, was möglich wäre. Also, man muss sich das so vorstellen, Wir haben so eine Art Aufmerksamkeitskapazität. Und das Gerät schneidet dann einfach davon immer permanent einfach mal ein paar Prozent von ab. Und zwar substanziell.

Joël Kaczmarek: Okay, also, wenn ich es jetzt richtig verstanden habe, ist es einmal so, dass ich quasi den ganzen Möglichkeitenraum kenne. Und es wirkt sich in zwei Wegen aus. Punkt eins, Ich könnte ja gerade was tun. Also, da liegt ja eine Verführung vor mir. Und Punkt 2, OH Mann, Es könnte ja jeden Moment klingeln. Da könnte ja der WhatsApp reinkommen. Oder Mama ruft an oder, oder. Also das lenkt mich so ab. Und jetzt hast du mir gesagt, so das dritte Ding, Und ich finde das doch nahtlos an, Deswegen können wir das ja mal aufgreifen, ist, Normalerweise würden ja viele Menschen jetzt sagen so, ja, Ich konzentriere mich einfach, Ich mache das Handy auf lautlos und lege es neben mich. Reicht das dann sozusagen in deiner Logik schon nicht? Also muss ich dann sozusagen, wirklich das Ding in die Schublade packen oder ins Nebenzimmer?

Sven Lindberg: Genau, Und das ist tatsächlich nochmal wichtig, so dieses, Ah ja, okay, also, es wird sich ja, Es gibt ja Restaurants, Universitäten, Schulen, die sich damit beschäftigen, Wie gehen wir denn mit Smartphone-Einschränkungen um? Reicht es denn dann nicht einfach zu sagen, Flugmodus und mit Bildschirm nach unten hinlegen? Oder wir machen jetzt eine Schublade, und die ist dann an jedem Tisch dran. Könnte man ja sagen, wir machen jetzt immer eine Handyschublade in den Schulen und auf der Arbeit. Aber das ist quasi zu nah. Also, wir wissen mittlerweile sehr gut auch aus verschiedenen Daten, Wir brauchen Distanz dazwischen. Also das heißt... Nur weg ist Weg tatsächlich, weil sonst frisst es immer noch etwas von meiner Aufmerksamkeit. Es macht total Sinn, sich zu überlegen, An welchen Orten kann ich das hinbekommen, Distanz zwischen dem Gerät und mir hinzubekommen, weil ich dann halt eben auch einfach mehr Möglichkeiten habe, mich auf das, was ich gerade machen möchte, zu konzentrieren. Und ich habe dadurch einmal eine höhere Leistung.

Joël Kaczmarek: Aber heißt das dann wirklich, dass wenn die Frau Meier aus der 7C vorne? Die ganzen digitalen Möhren alle einmal, so Zack in die Schublade macht und zumacht, dass das nicht ausreicht. Also, ich müsste es theoretisch sozusagen, sogar außerhalb des Raumes haben. Es geht auch wirklich so um die geografische Distanz zwischen mir und diesem Gerät.

Sven Lindberg: Ja, das ist jetzt ganz witzig, weil das Würde reichen. Wir haben nämlich eine Studie genau dazu gemacht, wo quasi einmal das Smartphone auf dem Tisch lag bei den Schülern, Einmal das Smartphone außerhalb der Klasse und einmal aber das Smartphone in einem Tresor vorne bei der Lehrerin. Und da hatte der Tresor bei der Lehrerin den besten Effekt, weil es war nicht mehr bei den Kindern. Nah dran. Also, es war ausreichend weit weg, aber es war auch ein verschlossener Container. Also das heißt, sie wussten, Ich komme da jetzt nicht dran, aber sie wussten, Das ist in Sicherheit. Wenn halt das Smartphone aber im Sekretariat war, war das eine hohe Belastung für die Schülerinnen und Schüler, Weil die Halt eben Angst hatten, dass es vielleicht wegkommt oder dass jemand reinguckt.

Also das heißt, man merkt, und das ist eigentlich das Haupt... Ding, Dieses digitale Gerät ist zum Teil unserer Persönlichkeit, also eigentlich zum Teil unseres Körpers geworden. Und deswegen sind diese Effekte auch, so krass. Und deswegen ist es aber auch wichtig zu gucken, wie gehe ich damit um, dass ich halt eben zum Zuwachs in der Leistung, in der Konzentration komme. Also ist es zu präsent, nimmt es mir was weg. Ist es quasi zu nah dran, nimmt es mir was weg. Ist es weg, dass ich Angst habe, ich hätte, es könnte es verlieren, stresst es mich auch. Ich brauche halt quasi eine Mischung aus. Ich kann nicht dran, aber ich weiß, es gehört mir noch und es ist nicht weg.

Joël Kaczmarek: Ja, spannend. Weil ich finde einfach auch so plausibel, was du vorhin gesagt hast, so geht es mir auch oft, dass ich so drüber nachdenke und immer wieder feststelle, das ist ja nicht ein Gerät, das sind ja wirklich 50. Oder die Funktionen, die ich damit machen kann. Weil ich finde, wenn man sich jetzt sagt, ich verschreibe mir eine Diät, Dann gibt es ja trotzdem immer Momente, wo du es dann rein funktional im Alltag brauchen, kannst. Mit einer Park-App Dein Auto zu parken, ist schon leichter, als irgendwie 30 Meter nochmal nach vorne zum Parkautomaten zu gehen, der dann irgendwie defekt ist und dann 30 Meter in die andere Richtung und so weiter. Oder die Essensbestellung, wo ich nicht für ins Restaurant fahren muss oder die Telefonnummer raussuchen, die ich aber auch wieder im Internet, im Handy raussuchen würde.

Also, da gibt es ja sozusagen, so eine ganze Achse. Und deswegen verstehe ich das schon, dass es a, immer wieder so funktionale Verführungen gibt, b, Man sozusagen wissen will, okay, das ist in meinem Besitz und es geht jetzt nicht kaputt oder ist weg. Oder was ist denn, wenn was wichtiges ist? So, ja, was, weiß ich. Jemand ruft an wegen Verletzung, Haken hinter. Und jetzt würde ich gerne mit dir nochmal so über einen Punkt reden, du hast gesagt, so immer online sein ist, so dieses ganz große Ding. Und dass man dann eigentlich nie präsent ist. Und dieser Fokus fehlt, weil das ist, was ich auch mit dem Thema so assoziiere, dass viele Menschen halt so ein bisschen abwesend wirken durch Smartphones.

Und da würde mich mal so deine Perspektive drauf als unser viertes Ding sozusagen, interessieren. Wie verhält es sich damit eigentlich?

Sven Lindberg: Genau, also dieses Always on, aber nicht wirklich da. Das ist so ein bisschen das Phänomen, was wir mittlerweile überall beobachten. Ich glaube, die meisten von uns sehen das oft krass, wenn Sie einfach irgendwie sehen, dass irgendwie ein Vater oder eine Mutter mit einem Kind an der Hand läuft, aber aufs Handy guckt. Oder andersrum, Man ist im Restaurant und denkt sich so, ach, krass, ist ja ganz schön ruhig hier. Und es sind ja so viele Kinder hier, aber es ist ja ruhig. Ja, weil sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen alle auf die Bildschirme starren. Also, es hat dann manchmal ja wirklich so ein bisschen. Was von Zombie-Abkollipse, dass man irgendwie merkt so, hei, hei, hei, was ist denn hier los?

Und zum einen ist es so, dass es ein weltweites Phänomen ist. Das heißt, mittlerweile haben wir auch, Selbst in den ärmsten Ländern, haben die Leute vielleicht kein Wasser, aber Sie haben Smartphones. Das heißt, Die Smartphone-Durchdringung ist massiv. Und durch das Internet, also außer in Deutschland, ist es mittlerweile so, durchs WLAN, dass man halt eigentlich fast überall quasi online sein kann. Und das hat halt das, was wir auch so ein bisschen am Anfang hatten, nochmal das alles verstärkt. Also, ich muss mich nicht mehr langweilen. Ich kann halt jede Gedankenpause füllen. mit, Ah ja, okay, ehe ich jetzt hier auf das Wasser warte, gucke ich doch noch einmal schnell, weiß nicht, was, Was ist nächste Woche, Wie hat der Fußballverein gespielt?

und, Und das ist so ein bisschen die Verdrängungshypothese. Immer wenn ich was mit dem Smartphone oder online mache, mache ich eine andere Sache, nicht. Und das ist halt einfach eine Geschichte, das kannst du halt, wenn du das in Mikromomente packst, natürlich in jede soziale Interaktion reinmachen. Also jedes Mal, wenn ich aufs Handy gucke, gucke ich dir nicht in die Augen. Jedes Mal, wenn ich irgendwie ein Video mit Ton laufen. lasse, höre ich da mehr zu, als die Zwischentöne vielleicht bei dir mitzubekommen. Und das ist ein Problem. Und dieses sich gegenseitig stören oder auch gestört fühlen, gibt es mittlerweile auch einen wissenschaftlichen Begriff für, das sogenannte Phubbing. Also das ist ein Kunstwort aus Phone und Snubbing.

Also Snubbing ist ein bisschen ein englischer, Alter Begriff für vor den Kopf stoßen. Und das ist ein Phänomen, was wir überall finden. Das Traurigste ist, Phubbing unterbricht die soziale Interaktion mit Kindern, also auch auf Bindungsebene. Aber zum Beispiel, das kennt vielleicht jeder mal, dass man ein Meeting hat. Und zwei, drei Leute währenddessen in einer Tour das Handy in der Hand haben. Und das führt dann wirklich auch dazu, dass man zum einen erst mal irritiert ist, Aber dann auch teilweise wirklich Emotionen hochkommen und man wütend wird. Da sind wir dann wieder bei der nächsten Geschichte. Mit die meisten Phubbing-Effekte haben wir bei Partnerschaften. Also dieses, du hörst mir nicht richtig zu, oder jetzt nimm doch mal das Scheiß Ding weg.

Also hat, glaube ich, auch jeder schon mal entweder selber oder bei wem anders gehört. Und das sind wirklich Phänomene, die wir durch dieses Always-On haben, weil es halt einfach uns Interaktionsmomente im Großen und im Kleinen nimmt. Und das Halt permanent. Und wenn man sich das dann mal summieren lässt, ja, dann wird einem ganz schlecht.

Joël Kaczmarek: Also Phubbing, heißt, Ich fühle mich dadurch gestört, dass jemand anders mit seinem Telefon interagiert und nicht mit mir.

Sven Lindberg: Genau, Phubbing heißt, Die Unterbrechung wird wahrgenommen. Und das finde ich nicht gut. Genau.

Joël Kaczmarek: Und mich würde mal interessieren, Ist das eigentlich anstrengender, Always On zu sein? Also mir geht es oft so, Wenn ich an meine Elterngeneration denke, habe ich den Eindruck, Das war alles so entschleunigt, so ruhig und so vermeintlich leicht. Also, es fühlt sich alles heutzutage viel Anstrengender an. Aber ich weiß immer nicht, ob... Ob das so Subjektiv nur verklärt, ist, Ob unsere Eltern auch voll das arschschwere Leben hatten oder ob es wirklich so ist, dass dieses, Ich bin ständig präsent im digitalen Raum, ich bin ständig erreichbar, es gibt immer Dinge, die nach meiner Aufmerksamkeit rufen, Plus der ganze übliche Wahnsinn, den so ein Leben mit sich bringt, Ob das Anstrengender ist.

Sven Lindberg: Es ist absolut so. Also die Sache ist ja die, also, wer jetzt ein einfacheres Leben hat, kann man nicht vergleichen, weil ich glaube, Krieg und ein Land aufbauen, ist schon deutlich anstrengend. Aber nee, was halt tatsächlich ein Problem ist, Und da sind wir halt gerade ja bei der Sache gewesen mit diesem, Wir kommen nicht mehr in diesen Ruhemodus. So, Und die nächste Geschichte ist die, und das betrifft viele Leute, nicht nur Kinder und Jugendliche, ist, dass man nicht mehr vernünftig schläft, weil man halt quasi sagt, okay, ich kann halt nicht schlafen, also lasse ich das Handy laufen. Dann gucke ich nochmal rein oder ich werde wach. Die meisten Leute werden zwischen drei und vier Nachts wach, was normal ist, weil dann sozusagen vom Biorhythmus her sich hormonell Was umstellt.

Wenn ich quasi einen gesunden Schlaf habe, dann merke ich das gar nicht, dass ich wach bin, drehe mich um und schlafe wieder ein. Wenn ich in dieser Pause zum Handy greife, dann unterbreche ich quasi meinen Schlaf. Und dadurch gehe ich weg. Von der Erholung und auch der Verarbeitung meiner Gedanken und all dem, was halt quasi sortiert werden muss. muss. Und das ist halt einfach ein Riesenproblem. Und wir merken halt auch, also, das sind ja gerade jetzt auch, so Daten, die man weltweit hört, Eigentlich müssten wir jetzt noch älter werden, alle, werden wir aber gerade nicht. Und auch bestimmte Krankheitstypen, die sonst erst im Alter aufgetreten sind, treten jetzt häufig auch schon bei jungen Leuten auf.

Und das sind oft Sachen, wo man sagt, okay, Wahrscheinlich ist ein Punkt unsere Stressbelastung. Und die ist nicht unbedingt höher, Die ist aber viel präsenter und gleichbleibender da. Also, das heißt, wir haben quasi Mikrostress. Und das ist eine Sache, die, glaube ich, Momentan ein Riesenproblem ist und die auch eben damit zu tun hat, dass ich halt quasi permanent mit diesen Reizen zu tun habe, und ich nicht, Eigentlich kaum bis gar nicht mehr richtig. runterfahre. Also, ich bin 79 geboren, das heißt, Ich kenne noch beide Welten und ich war halt auch ein ziemlich Early Adapter und alles, was digital war, fand ich super und habe ich ausprobiert. Aber ich kenne ja trotzdem noch die Zeit, wo ich halt einfach gesagt habe, ja, ich gehe jetzt raus, und meine Eltern mussten dann halt einfach darauf vertrauen, dass ich irgendwie nach Hause komme oder mich irgendwann mit der Telefonkarte von der Telefonzelle melde.

Joël Kaczmarek: Da hören jetzt Leute zu und sagen, was ist das?

Sven Lindberg: Genau.

Joël Kaczmarek: Das ist ganz interessant, weil als du das eben so erzählt hast, habe ich gerade so darüber nachgedacht. Bei meinem Nachwuchs habe ich es teilweise erlebt, kommt aus der Schule und sagt, ich muss jetzt erstmal Roblox zocken. Ich will mich erstmal irgendwie entspannen und ich versuche dann immer rüber zu bringen, ja, da fährst du aber dein Sympathikotonus-System oder Parasympathikus-Sympathikus fährt hoch und nicht runter. Und ich komme aber aus der gleichen Ecke, also, ich bin auch mit allen Videospielen groß geworden, die es so gibt und verstehe, sozusagen total dieses Bedürfnis. Wie bringt man sowas denn aber rüber? Also, was sagt denn, so ein Professor Sven? dazu, wenn irgendwie jemand sich versucht, mit Videospielen oder Smartphone-Handykonsum zu beruhigen?

Sven Lindberg: Ja, das sind jetzt erstmal ganz viele unterschiedliche Sachen. Was halt tatsächlich eine Geschichte ist, Ist diese Passivität. Also es heißt wirklich Videos scrollen, und das ist halt einfach. krass. Also, es gibt Studien, wo man halt sehen konnte, okay, Da hat jemand in einer Stunde 380 Videos geguckt und kann sich aber maximal an drei Inhalte erinnern. Und die Inhalte sind dann auch noch nicht mal akkurat, weil sie halt einfach vermischt werden. Mit diesen ganzen anderen Inhalten, die man sich da reingeholt hat. Und das ist erstmal nochmal schädlicher, als wenn ich tatsächlich was Aktives, Gestalterisches mache. Also, wenn ich mit dem Smartphone zum Beispiel Musik mache oder ich Videos aktiv drehe oder eben ein Computerspiel mache, wo ich mich anstrengen muss.

Und so weiter, dann ist es quasi erstmal besser, weil ich viel, viel mehr Funktionen nutze. Das heißt, ich muss reagieren, ich muss planen, ich muss nachdenken. Das ist schon ein aktiver, ein proaktiver Prozess. Und da ist dann eher das Problem, Mache ich das zu viel? Sodass es quasi einmal auch zu viel Zeit reinnimmt. Und zum anderen, genau, was du gesagt hast, habe ich genügend Momente, wo ich auch runterkomme. Und deswegen würde ich immer sagen, okay, wenn dein Kind jetzt gerne zockt, gerne Coole. Videos dreht, Aber die Möglichkeit hat, sich auszuruhen und idealerweise die ganze Nacht durchpennt und auch einmal mal verträumt. Irgendwie auf der Wiese liegt, ja, das ist dann einfach okay. Weil dann habe ich eine Balance zwischen den Sachen.

Wenn ich aber jemanden habe, der tatsächlich permanent die Treppe rauf, geht, immer ein Handy in der Hand hat, immer nur Videos guckt und so weiter, die ganze Nacht sich dadurch unterbrechen lässt, Dann habe ich ein Riesenproblem, weil ich eigentlich wirklich, Und deswegen ist dieser Zombie-Fall gleich ganz gut. Ich bin ja eigentlich passiv, drifte ich durch die Welt und das ist einfach tatsächlich dann deutlich schädlicher.

Joël Kaczmarek: Man sagt ja auch Smombie, der Smartphone-Zombie.

Sven Lindberg: Absolut. Und ich finde es halt einfach, wenn man manchmal so Bilder sieht, ist ja auch ganz lustig, gibt ja auch so ein Foto aus dem Parlament, wo man irgendwie sieht, dass da 80 Prozent der Bundestagsabgeordneten irgendwie ein Handy in der Hand haben. Das ist ja eigentlich ein Ort der aktiven Debatte. Und irgendwie hat man das Gefühl, Jeder ist da in seinen Smartphone gefangen. Was eigentlich nur noch mal zeigt, Es betrifft uns halt alle. Und wichtig ist, dass wir eben gucken müssen, Wir brauchen halt einen Ausgleich. Also, eigentlich ist es ganz einfach. Ich brauche Aktivität, also mein Gehirn muss gefordert werden und muss arbeiten, Aber es braucht halt quasi eine Zeit, wo es im Ruhemodus kommt und damit ist nicht Schlaf gemeint, also quasi so einen aktiven Ruhemodus, und ich brauche aber den Schlaf. Und all das kann halt quasi einen zu hohen Konsum von Smartphone und Smartphone-Inhalten, Wenn das das Halt permanent unterbricht, ja, dann kann es eben auch dazu führen, dass ICH halt... Auf hormoneller Ebene zu viel Cortisol, zu viel Adrenalin permanent habe. Und das führt wiederum dazu, dass eben jetzt mittlerweile auch viele Krankheiten einfach früher ausbrechen und häufiger werden.

Joël Kaczmarek: Komm, dann machen wir uns ans fünfte Ding. Ich kann nochmal ganz kurz zusammenfassen. Also wir hatten Nummer 1, Sucht, Ob das überhaupt eine Diagnose ist, Was sind die Folgen, Was sind die Effekte davon. Dann hatten wir Nummer 2, Schon die bloße Präsenz sozusagen, zieht Aufmerksamkeit. Nummer drei, nur wegwirkt, also lautlos, alleine reicht nicht. Und Nummer vier, immer online heißt eigentlich die Präsenz sein. Jetzt bin ich ja neugierig, wie komme ich da? raus? Also Hilfe zur Selbsthilfe. bitte, Dr. Sven.

Sven Lindberg: Genau, wir haben ja schon einige Sachen gehört, also, dass halt eben eine echte physische Distanz zum Gerät total sinnvoll ist. Und da ist einfach, glaube ich, wichtig, dass ich erstmal eine Analyse mache, wie lebe ich, also tatsächlich, Wie lebe ich in der Wohnung, Wie lebe ich im Haus? Wann brauche ich wirklich? Auch das Gerät? Also, dass man halt einfach jetzt nicht einfach sich selber knechtet und sagt, okay, Ich arbeite jetzt irgendwie mit so und so viel Minuten, und ich muss die Bildschirmzeit runterkriegen. Und so weiter. Wenn ich halt das beruflich viel brauche oder wenn ich das auch brauche, weil ich halt. Eben als Eltern ständig irgendwie in drei, vier, fünf, sechs Organisationsgruppen bin, von Sportvereinen.

Und so weiter, Da halt erstmal tatsächlich so eine Art Buchführung zu machen und zu sagen, wo brauche ich das, Wo macht es Sinn? Und wo ist aber quasi wirklich noch Potenzial, dass ich das runterfahre. Und da hilft, glaube ich, wirklich sich dieses, Ich brauche aktive Phasen, ich brauche Ruhephasen, ich brauche Schlaf. Und wenn man dann sieht, Ruhephase und Schlaf, habe ich zu wenig, dass man dann eben guckt, wie kriege ich das optimiert. Und deswegen, also mit einer der größten Game Changer ist, Holt euch irgendeinen Wecker, holt euch einen Tageslichtwecker. Oder sonst was, ABER wirklich... Verbannt das Smartphone aus dem Schlafzimmer. Und viele Leute kennen das, wenn man vielleicht irgendwie die Eltern oder Krankheitsfall oder sonst was in der Familie hat.

Und sagt, ich muss ja erreichbar sein. Ja, dann legt das Smartphone vor das Schlafzimmer und stellt Favoriten ein, dass nur die anrufen können. Und dann weißt du, wenn was schlimmes ist, dann werde ich erreicht, dann höre ich das auch, aber schütze deinen Schlaf. Also das ist, glaube ich, meine Nummer 1 Empfehlung, weil ich damit einfach zum einen Dann... Noch dieses Nachts daran rumhängen quasi reduziere. Und gleichzeitig aber auch dafür sorge, dass ich einen besseren Schlaf habe. Und da muss man jetzt wieder immer sagen, okay, Wie realistisch ist das für einen umzusetzen? Weil ich kenne ganz viele Leute, die sagen, ja, Aber ich höre darüber Hörbücher oder Meditationsmusik oder sonst was. Dann holt euch da ein Gerät für.

Und dann ist es eben so, dass man sagt, alles klar, also Schlafzimmer ist heilig. Und wenn ich eben nicht schlafen kann, weil ich Musik oder ein Hörspiel brauche, dann holt euch dafür ein Gerät, gibt es immer noch. Kann man immer noch gut machen. Aber das ist erstmal so die Geschichte. Wenn man das schon macht, dann hat man richtig viel erreicht. Und die nächste Geschichte ist dann zu sagen, alles klar, fällt es mir wirklich so schwer, Eigentlich will ich irgendwie ein Buch lesen, eine Gartenarbeit machen oder mich mit Freunden treffen, Aber ich merke, dass wenn ich nach Hause komme, bin ich so kaputt, ich bleibe dann trotzdem. Zwei Stunden am Handy hängen. Wenn ich das nicht will, dann halt zu überlegen, okay, wie kann ich das sinnvoll für mich irgendwie eingrenzen.

Und ich mag diese Geschichte mit dem Smartphone-Sessel oder dem Smartphone-Stuhl, Dass man sagt, keine Ahnung, was, Ich nehme jetzt in meinem Haus, in meiner Wohnung, auf dem Sessel darf ich rumdaddeln, darf ich rumscrollen und so weiter. Und dann kann ich mir auch was Gutes tun, Mache ich mir einen Kaffee oder was auch immer, setze mich da hin, und dann stelle ich einen Timer. Und dann kannst du auch ruhig nochmal sagen, ja, komm, macht gerade so viel Spaß, mache ich nochmal 10 Minuten länger, ja, super. Mach das, aber dann fühlst du dich auch besser, aber dann hast du halt eine klare Regel, weil du erstmal, also deswegen meine ich halt so, Dieses Konzentration bei Design. Designe Dir das, weil sonst wird es willkürlich.

Alles, was willkürlich ist, kann ich nicht kontrollieren. Und deswegen bring Kontrolle rein, indem du halt die Regeln schaffst, die du aber auch einhalten kannst. Und deswegen mag ich das mit diesen Smartphone-Sesseln ganz gut, weil es das Halt symbolisiert. Und dann ist es auch okay, mir mal die Erlaubnis zu geben, ja, ich Versack jetzt auf diesem Sessel.

Joël Kaczmarek: Einer der häufigsten Smartphones, Das sind bei vielen, ist, glaube ich, die Toilette, habe ich so den Verdacht, oder?

Sven Lindberg: Absolut, Und da wird dir jeder Arzt. Und auch sagen, ist der Hämorrhoiden-Pusher Nummer eins, zu lange auf Toilette sitzen. Also insofern, ja, heute schon an Morgen denken, also lieber auf den Sessel, Weil dann habe ich quasi dieses Problem nicht.

Joël Kaczmarek: Gut. Okay, also, ich fasse schon mal ein bisschen zusammen. Also physische Distanz, Schlafzimmerfrei finde ich gut. Punkt zwei, den Smartphone-Sessel mit Timer. Punkt drei, Die Toilette nicht. Also mein Punkt vier, Hast du ja vorhin gesagt, dass du dir auch gerne mal sachen? Auf dem Desktop installierst, anstatt dann auf dem Smartphone zu machen, die sehr arbeitsintensiv sind. Vielleicht kannst du ja dazu noch mal ein bisschen, was erzählen.

Sven Lindberg: Genau, also, das macht eigentlich total Sinn, Auch weil es wieder wie mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt, Weil viele Sachen auf dem Computer, auf dem Laptop weniger Spaß machen. Das heißt, Instagram ist, Man verbringt deutlich weniger Zeit, einfach, weil die Mechanik umständlicher ist. Also selbst WhatsApp und so weiter auf dem Computer installieren, weil man ist da so ein bisschen drin, was auf dem Computer ist, ist irgendwie nochmal so eine Sache so, ja, dann klick ich mal hier und so weiter. Das führt schon dazu, dass man weniger Zeit verliert, ungeplant. Und das ist eigentlich schon mal eine gute Geschichte. Und auch dann nochmal sich mehr Regeln einzusetzen und zum Beispiel zu sagen, okay, LinkedIn oder sowas, Wie nutze ich das?

Dass man dann das Halt auch zeitlich mehr bindet. Und dann kann man halt einfach sagen, und das ist eine Sache, Die habe ich durch viele Bekannte gelernt, Die legen immer Zeiträume fest, wo sie zum Beispiel Instagram oder LinkedIn die App löschen und sagen, Sie haben dann einen festen Block, wo Sie das am Computer machen. Ganz viele Leute machen das zum Beispiel, Das ist auch absolut empfehlenswert, bevor man in den Urlaub fährt. Die Dinge, Wo Man weiß, da bleibe ich hängen, löschen. Und zu sagen, okay, also auch zum Beispiel, also witzigerweise, Ältere Leute haben zum Beispiel oft eine SPIEGEL ONLINE oder eine t-online-Sucht, weil da immer deren Nachrichten sozusagen aufpimpen. Und wenn die dann sagen, Ich fahre jetzt in Urlaub und will aber eigentlich nicht so viel am Handy hängen, Dann löschen die Quasi diese Apps, die sie viel gebrauchen.

Und haben aber immer die Option zu sagen, ich kann mich ja zur Not über den Browser, Auch auf dem Handy kann ich mich ja über den Browser auch einloggen. Aber der Witz, man macht das nicht. Und das ist einfach daran, Sehen wir mal, was wir für Gewohnheiten aufgebaut haben. Und die kann man dann halt auch so ein bisschen austricksen, weil sobald es dann tacken, umständlicher ist, weniger convenient, Dann lassen wir es lieber sein.

Joël Kaczmarek: Und das ist eigentlich ein ganz schöner Trick und der funktioniert erstaunlich gut. Hast du noch einen abschließenden Tipp, vielleicht speziell fürs jüngere Publikum, also Kinder und Jugendliche? Gibt es da irgendwie Faktoren? Ich sage mal schon Handynacken zu denen, wenn die an der Bushörderstelle so stehen. Und du kannst hinten schon Glas auf dem Nacken abstellen, ist ja furchtbar. Was rätst du da?

Sven Lindberg: Also jetzt zu der Geschichte tatsächlich zu sagen, Leute, hört Podcast, hört Hörbücher und so weiter. Also quasi wirklich, weil ihr sollt auch auf euch aufpassen. Das heißt, wenn ich die ganze Zeit im Bus, im Straßenverkehr und so weiter aufs Handy gucke, habe ich halt einfach weniger Aufmerksamkeit und das ist gefährlich. Und dann lieber zu sagen, okay, in diesen Momenten ruhig, dann eben, Wenn ich das Gefühl habe, ich brauche Inhalte, dann lieber irgendwas Auditives nehmen. Und eine andere Geschichte, Und das betrifft dann eher auch das Zusammenspiel mit der Familie, einigt euch auf Orte, wo das Handy verboten ist. Und das muss aber dann auch für Mama, Papa und für alle gelten. Und man darf auch Ausnahmen machen, Aber die sollte man dann anmelden. Und deswegen, Das ist sozusagen, so diese andere Empfehlung neben dem Bett und dem Schlafengehen, mindestens eine Mahlzeit, Idealerweise alle Mahlzeiten, Handy frei zu machen.

Joël Kaczmarek: Ich habe auch gerade gedacht, ich glaube, Bei uns wären es Toilette, Schlafzimmer und Esstisch. Das sind schon mal ganz drei gute Orte, wo es verboten ist.

Sven Lindberg: Und das ist es, was ich meine mit diesem Design. Die Sachen, die ich jetzt erzählt habe, machen wir als Familie, aber gemeinsam. Und das heißt, wenn ich dann zum Beispiel beruflich da ran, muss, dann sage ich halt Bescheid. Und andersrum, wenn dann zum Beispiel mein Sohn sagt, ich muss ins Handy, dann fragen wir nach, warum. Ich muss halt irgendwie dem Trainer antworten, dann ist das okay. Aber dann hat man halt quasi sozusagen miteinander. Und wir haben jetzt zum Beispiel dann gemerkt, Viele Sachen fielen uns noch schwer. Also gerade zum Beispiel diese Schlafzimmer-Geschichte. Und wir haben jetzt einfach so einen kleinen Tisch mit so einem Korb geholt. Da ist unten ein Multifunktionsstecker drin, wo alle Handys angeschlossen werden können.

Und der steht halt oben im Flur. Und das heißt, da ist das Elternschlafzimmer, Kinderschlafzimmer und so weiter. Und da ist halt jetzt mittlerweile das Ritual. Also es ist halt einfach wie Zähneputzen, so. Du putzt die Zähne und danach... Legst Du das Handy auf den Handytisch. Und das ist total banal, aber einen handytisch zu haben, symbolisiert das. Man manifestiert das, macht es quasi explizit, es hat einen Namen, funktioniert tausendmal besser, also es funktioniert tausendmal besser, als zu sagen, bevor du schlafen gehst, leg das Handy weg. Ja, wo lege ich das denn hin, wann mache ich das? Und so weiter. Und das ist halt einfach, So funktionieren wir Menschen halt so. Dieses, Nach dem Zähneputzen packst du das Handy auf den Handytisch.

Joël Kaczmarek: Sheryl Sandberg, eine der großen Köpfe hinter Facebook, Ja, Topmanager damals, ist ja in Burnout gegangen und hat dann erzählt, Eines der wesentlichen Merkmale war, dass sie ein Handybett... Bei sich eingeführt hat. Also, sie hat Ihr Handy sozusagen in ihr eigenes Bett geführt. Ich glaube, sogar verschlossen, meine ich sogar. Aber ich kann es teilen, weil wir haben auch so, Ich habe mir Mit dem 3D-Drucker habe ich mir so eine Dockingstation gedruckt, wo man sozusagen fünf Handys so alle nebeneinander einlegen kann. Dann sieht es auch noch ordentlich aus, weil man hat ja so einen Kabelsalat. Kann man aber auch kaufen, davon abgesehen.

Sven Lindberg: Bei dir?

Joël Kaczmarek: Stimmt, Das hat ein Geschäftshaushalt. Nein, aber was ich Familie, Dockingstation. Aber das glaube ich. total. Und ich glaube, das Wichtige ist auch, Ich hatte mal hier den Ähm. Daniel Wolff im Podcast, Der hat ja ein Buch geschrieben, allein mit dem Smartphone, wenn Kinder mit dem Smartphone alleine sind. Und der hat dann auch gesagt, ey, Weil ich ihn gefragt habe, ich sag so, ja, aber schleichen sich die Kinder nicht runter, Wenn wir sagen, es gibt da den einen Ort, wo wir das haben, dann? meint er so, nein, in der Regel nicht, und selbst wenn, weißt du, Die zwei, Drei Mal, die das passiert, sei es Ihnen auch gegönnt, dass sie dann sozusagen so geschickt geschlichen sind, dass das mal irgendwie nicht durchgeht, Aber im Kern halten die das schon ein.

Und wichtig ist dann aber genau das, was du sagst, das muss dann halt für alle gelten. Wenn Mama und Papa sich nicht dran halten, Das sind halt. Die größten Lehrer. Kinder lernen nicht von dem, was du sagst, sondern von dem, wie du dich verhältst. Das fand ich schon ganz eindrücklich. Also, LIEBER Sven, vielen, Vielen Dank. Ich habe ganz viel gelernt. Also, ich werde mich jetzt wieder mehr langweilen. Habe ich mir schon mal mitgenommen. Und auch einige Orte, an denen wir das Smartphone weglassen, reusbar. Von daher ganz, ganz herzlichen Dank. Und ja, ich drücke den Daumen, dass wir das alle gut hinkriegen. Vielleicht können wir die Leute auch mal aufrufen, dass die auch mal kommentieren. Hier fleißig bei Spotify ihre Tipps und Tricks, wie sie Smartphones quasi loswerden und verbannen.

Die Zeit ein bisschen runterkriegen, sodass es sich trotzdem noch kompatibel anfühlt. Von daher in diesem Sinne, lieber Sven, Vielen Dank.

Sven Lindberg: Ja, sehr, sehr gerne. Und eine Sache muss ich noch erwähnen. Bester Move, Und das kann man überall machen, ist spazieren, gehen. Also ich bin tatsächlich, also ich finde, spazieren gehen sollte. Trendsport Nummer 1 werden in Deutschland.

Joël Kaczmarek: Lustigerweise habe ich das auch gerade, Ich gehe immer ums Viertel rum. Ich habe festgestellt, es ist dann am besten, wenn ich nicht das Telefon in der Hand habe. Gar nicht, weil ich immer drauf gucke, sondern weil ich weiß halt, Wenn ich über Dinge nachdenke, Dann ist jetzt sozusagen eine Runde, die es erfordert, also, ich kann halt nichts machen. Und wenn ich das Telefon dabei hätte, Würde ich das sofort zücken. Und was recherchieren oder eine Nachricht schreiben, was mir gerade eingefallen ist oder schon mal irgendwie was vorbereiten. Und es geht mir auch so, dass ich es gerade merke, so einfach, es dauert nicht lange, Es kostet vier Minuten, einmal, um den Block zu gehen. Und zack, hast du aber den Kopf, so resettelt, hast den auch mal benutzt, weil man denkt ja auch gar nicht mehr nach, das ist ja das Nächste. Wenn du mit KI nur noch arbeitest, du merkst ja, wie faul du wirst, wie denkfaul. Ja,

Sven Lindberg: also? Ich glaube, Spazierengehen braucht einen neuen Namen und eine größere Lobby. Aber das ist tatsächlich einer der Sachen, die würde ich bei den Empfehlungen unbedingt nochmal mit reinwerfen.

Joël Kaczmarek: Na, gut, wenn man hier mit Fabbing um die Ecke kommt, Der findet auf Spazieren noch ein cooles Wort. Von daher Sven, in diesem Sinne, danke dir.

Sven Lindberg: Alles klar, sehr gerne, Mach's gut, ciao, ciao.

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