
Neurotraining Teil 2: Rückenschmerzen loswerden ohne Dehnen | Luise Walther
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Luise Walther: Körperposition, Körperhaltung ist ja wie Bewegung, Auch da geht es um Vielfalt. Es gibt nicht richtig oder falsch, Es gibt keine richtige und falsche Körperhaltung, Es gibt keine richtige und falsche Bewegung, Es gibt kein richtiges und falsches Atmen, sondern es geht um die Vielfalt, Es ist anpassungsfähig. Ich sitze jetzt anders da, als wenn ich irgendwie am Schreibtisch sitzen würde. Ich sitze anders da, wenn ich mit Klienten arbeite. Und man merkt es, glaube ich, auch in dem Podcast, Ich sitze sehr dynamisch. Also, ich arbeite viel mehr über Wahrnehmung, Wie fühlt sich das an, viel mehr wirklich über maximalen Bewegungsradius, was weiß ich, ob die Schulter weiter nach vorne oder nach hinten muss. Ja, klassisch muss das alles irgendwie mit der Ellenbogen weiter nach hinten. Ja, ist vielleicht für den scheiße. Vielleicht hat der so hohe Spannung, ja, Aber wo ich immer so denke, ist ja schön, dass das in der Theorie ist. Menschen sind keine Theorie, Wir sind keine Maschine, wo du das Muster oder die Schablone auflegen kannst.
Joël Kaczmarek: HIGH Five, Leute, Hier ist Joël. Vielleicht erinnert ihr euch, Ich habe beim letzten Mal mit der lieben Luise Walther darüber gesprochen, wie wir mit neurozentriertem Training unserem Körper Gutes tun können. Weil Luise ist ja darauf spezialisiert, Die ist einerseits Neurotrainerin, Aber vor allem ist sie auch auf Schmerz und Performance als Coach ausgerichtet. Und wir haben beim letzten Mal ja schon einiges gesprochen. Wir haben über Atmung geredet, wir haben über die Zunge geredet. Und wir haben noch drei Sachen offen. Ihr Wisst ja, wir sind ja immer für fünf Dinge da. Und ich möchte es euch aber portionierbar machen. Deswegen haben wir gesagt, die nächsten drei, Die heben wir in den nächsten Podcast. Das ist er hier. Herzlich willkommen. Und liebe Luise, machen wir doch gleich da weiter. Erstmal schön, dass du wieder da bist. Hallo.
Luise Walther: Ich freue mich sehr und freue mich vor allem, dass dich das Thema so interessiert.
Joël Kaczmarek: Ja, brennend. Wir haben ja in der letzten Folge, als wir zum Beispiel über das Thema Zunge gesprochen haben, schon ganz viel gelernt, was für kleine Dinge sozusagen große Effekte haben können. Oder auch Atmung. Und was ich bei dir charmant finde, ist, dass du vieles auch versuchst, durch alltagstaugliche Übungen mitzugeben. Weil es stimmt. ja, wenn ich halt irgendwie, keine Ahnung, eine Stunde oder jeden Tag, was ganz kompliziertes machen muss, Dann macht man es irgendwie nicht. Das ist ja so ein bisschen deine Stärke, würde ich sagen.
Luise Walther: Ja, ich merke das bei mir selber. natürlich, dass ich da einen sehr pragmatischen Ansatz brauche, und ich finde es aber auch einfach wichtig, der Mensch ist faul. Also Wir sind auf Energiesparmodus ausgelegt, Wir bewegen uns nur, wir machen etwas nur, wenn wir einen Vorteil davon haben. Das heißt dieses, ja, aber der Mensch ist auf Bewegen ausgelegt, ja, wenn er Nahrung braucht oder wenn er irgendwie vom, keine Ahnung, Tiger wegrennen muss, Aber eigentlich sind wir per Se ja auf Energiesparmodus ausgelegt. Und ich finde, das darf man den Leuten auch zugestehen. Und ich finde vor allem, wenn man selber die Unterschiede merkt, dann hast du halt. Auch die nötigen Neurotransmitter ausgeschüttet im Gehirn, die Dir sagen, ey, das ist geil, das will ich wiederhaben. Und dieses, wieder, Für mich ist dieses, gönn dir Gesundheit, eine Leichtigkeit, in diese ganzen Themen zu bringen, Irgendwie total wichtig und nicht so dieses, Du musst mit Willenskraft und Disziplin die Übungen machen. Ja, macht halt keiner.
Joël Kaczmarek: Ja, so ein bisschen Hedonismus tut uns auch immer gut. Das darf mal sein. Ja,
Luise Walther: ich bin sehr hedonistisch, habe ich gelernt. In den letzten Jahren. Und ich feiere es auch.
Joël Kaczmarek: So, Jetzt haben wir beim letzten Mal sehr ausführlich über Atmung gesprochen. Weil die, glaube ich, Eine wichtige Basis auch für viele Dinge war und von dort aus zum Thema Zunge kommt. Und du hattest in dem Gespräch davor auch mal so diese Kette aufgemacht. Also du hast ja eigentlich gesagt, Zunge, dann irgendwie rücken runter und vor allem auch Becken. Und Becken ist so der erste Themenbereich, den ich heute dann mit dir gerne mal angehen möchte, Weil das ist vielleicht erst mal kontraintuitiv, dass man sich so sagt, so warte mal, Was hat denn oben mit unten zu tun? Und das ist ja irgendwie so lustigerweise... Treffe ich das ganz oft an. Also Ich habe mit Leuten aus dem Tantra geredet, Ich habe mit Leuten irgendwie aus der Traumatherapie geredet, die alle mal sagen, SO Kiefer, Nacken, Becken, gehört alles zusammen. So, ich bin ja mal neugierig, was du quasi für eine Perspektive auf unser Becken hast.
Luise Walther: Genau, ich glaube, Ihr habt, also in den Podcast Davor hat man ja schon ganz, ganz viel gehört und auch wirklich aus diesen unterschiedlichen Bereichen. Wenn wir uns das einmal anatomisch angucken, sind Kiefer und Beckenspiegelgelenke, Also. Wir haben immer sogenannte Spiegelgelenke, beispielsweise rechte. Schulter, Linke Hüfte, Rechter Ellenbogen, Linkes Knie. Rechtes Handgelenk, Linkes Sprunggelenk. Also wenn wir uns angucken, wie wir laufen, Vom Bewegungsmuster her, gibt es sogenannte Spiegelgelenke. Das heißt, wenn ich beispielsweise im rechten Handgelenk eine Verletzung habe, kann ich die auch auftrainieren. Übers linke Sprunggelenk. Das klingt für viele immer so ein bisschen, hä, was erzählt sie jetzt?
Und das kann doch alles gar nicht sein. Wenn wir uns Bewegungsmuster angucken, hat man da sehr, Sehr viel Bewegungsspielraum, Was man auftrainieren kann. Und genauso ist es mit Kiefer und Becken. Und Becken ist aber vor allem ja die Verbindung zwischen Unter- und Oberkörper. Wenn wir uns angucken, Evolutionär gesehen, Wir sind irgendwie auf allen Vieren gelaufen, haben uns dann irgendwann aufgerichtet, ist Becken, für viele, aber auch die Sollbruchstelle. Und die meisten merken es ja nicht im Becken, sondern im unteren Rücken. Ich glaube, es gibt fast niemanden wahrscheinlich von den Leuten, die zuhören, weil die alle, Ich würde jetzt mal sagen, wahrscheinlich. Mindestens über 20 sind, die nicht schon mal irgendwie Rückenschmerzen hatten.
Bei den meisten ist es entweder, fängt es mit dem unteren Rücken an. Oder Schulter-Nacken-Bereich. Wenn wir uns jetzt angucken über die Wirbelsäule, ist ja auch wieder alles miteinander verbunden, über Haut, über fasziale Strukturen. Ich will da gar nicht so sehr ins Detail reingehen. Und das Schöne ist aber, dass wir eine Bewegungsvielfalt brauchen. Es geht um jedes Gelenk, können wir per Se jetzt, genauso Sprunggelenk, aber eben auch Knie, vor allem aber auch Becken, weil wir da die Kraftübertragung haben, Egal, ob wir sitzen und aufstehen, ob wir laufen, Wie koordiniert sich der Unterkörper, Was macht der Rumpf, Was macht der Oberkörper. Also Die größten Scherkräfte sind einfach im Becken.
Und Becken wird aber fast nie großartig, irgendwie im Alltag mit beachtet, Sondern wir sitzen den ganzen Tag und denken dann so, hä, warum kann ich nicht mehr lange stehen? Ich hatte das jetzt auch mit unterschiedlichen, auch mit meinem Neffen, mit unterschiedlichen Kunden, die immer so sagen, ja, Sie verstehen gar nicht, wie die Leute früher so lange stehen konnten. Irgendwie nach fünf Minuten merken sie irgendwie, Es wird alles fest, der unteren Rücken wird fest, wenn Sie länger im Auto sitzen, sagen Sie auch irgendwie, Gesäß ist unangenehm. Das hängt eigentlich immer alles mit dem Becken zusammen. Becken haben, glaube ich viele, du hast jetzt schon so Tantra angesprochen, haben dann viele irgendwie so Beckenübungen, Beckenbodenübungen, Alles irgendwie nur für Frauen relevant.
Und dann macht man irgendwie ein bisschen Bauchtanz. Und das wird ja auch oft irgendwie so in eine entweder sehr spirituelle, sehr tantrische Ebene oder so Geburtsvorbereitungskurs gesetzt. Ich habe bestimmt schon fünf, sechs Kunden gehabt, denen ich gesagt habe, wir müssen bei dir am Becken, Beckenboden arbeiten, die so gesagt haben, hä, Aber Männer haben doch keinen Beckenboden. Wo ich jedes Mal so denke, Okay, spannend, Vielleicht sollten wir irgendwie nochmal, Ich weiß gar nicht, ist das 6. Klasse, 7. Klasse, Biologieunterricht, Noch mal so eine kurze Auffrischung machen. Beckenboden haben Frauen und Männer. Und über die Beckenbodenmuskulatur hatten wir bei der Atmung ja schon, hat einen total großen Einfluss darauf, hat aber vor allem auf die Stabilität.
Wie viel Kraft kann ich entwickeln? Wie aufrecht kann ich sitzen, stehen? Und gleichzeitig aber auch, Wie beweglich kann ich sein? Also, es ist ja immer dieser schöne Kontrast aus, Ich will einerseits eine Stabilität. Und eine Kraftübertragung, Ich will gleichzeitig aber auch eine Beweglichkeit, eine Flexibilität haben. Und jetzt können wir über Becken ganz, ganz viele Sachen machen, Ganz viele tolle Übungen machen. Wir machen das mal ganz pragmatisch, weil wahrscheinlich viele, die den Podcast zuhören, auch eher sitzen. Was ich bei Becken immer als Erstes erstmal mache, Kann man überhaupt das Becken richtig aufrichten. Also, wenn man sich jetzt, Ich setze mich mal normal hin, wenn man sich jetzt hinsetzt, kann ich nur über mein Becken, Ohne dass sich die Wirbelsäule bewegt, Leicht ins Hohlkreuz und in Rundrücken gehen.
Nur übers Becken. Und da sind ja Kiefer bewegt in deinem Fall. Da geht das Spiegelgelenk nämlich schon sofort wieder mit. Und kann man das gleichmäßig machen. Das fällt vielen Super schwer. Das heißt, ich sage immer, Erst mal Hände an die Beckenknochen nehmen, also in die Becken schaufeln. Und dann kann man die Bewegung, genau, über die Hände so ein bisschen mitsteuern.
Joël Kaczmarek: Mein Stuhl ist schlecht zu meiner Verteidigung.
Luise Walther: Das sagen dann immer alle, Der Stuhl ist schlecht, Nur die Schuhe sind schlecht, Deswegen geht es dann am Stehen nicht. Aber diese Beckenaufrichtung ist erst mal die erste Bewegung, die eigentlich jeder können, sollte. Dann Die zweite Bewegung ist die seitliche Aufrichtung. Kann ich quasi den rechten Beckenknochen hochziehen? Zum rechten Rippenbogen und umgedreht? Kann ich das machen, ohne im ganzen Körper zu kompensieren, also wirklich isoliert, das Becken zu bewegen, sodass der Schulterbereich fast gleichmäßig stabil bleibt? Bewegt er sich ein bisschen mit, in deinem Fall? Wieder Kiefer locker lassen, Zunge locker lassen, sieht man sofort Ausgleichsbewegungen im Kiefer, Während viele andere, weiß ich vielleicht selber auch merken.
Und dann kann man das natürlich zu Kreisen verbinden. Das sieht am Anfang immer ein bisschen lächerlich aus. Also vor allem, wenn ich mit Sportlern arbeite, Egal, ob es jetzt Fußball, Basketball, Handballbereich oder Sowas ist, oder die Boxer, Und dann werde ich da dazu gebucht. Die recherchieren, die alle nicht, sondern die kriegen dann irgendwie einen Trainingsplan. Und dann sehen die irgendwie Luise Walther oder Luise Walther, Pain-Performance-Coach und denken sich so, geil, Da kommt jetzt so ein auftrainierter Ami als Pain- und Performance-Coach Und dann komme ich da so ran, gestoppt und sage, so. Heute machen wir Becken und Beckenboden. Da hast du natürlich immer erst dann schon so, hä, wer bist du?
Bist du die Assistentin? Wo ist der denn gerne? Wir machen jetzt mal eine Stunde zusammen. Und das Schöne ist aber, Die Übung im Sitzen ist, sage ich mal, relativ, ist eine Lappalie. Aber selbst das können schon viele nicht. Für alle, die mindestens acht Stunden am Tag sitzen, Und das sind 90 Prozent der Leute mittlerweile in Deutschland, Ist das eine Grundvoraussetzung, dass egal, ob ich im Auto sitze, ob ich beim Essen sitze, ob ich am Schreibtisch sitze, ich diese Bewegung machen kann, um eben die Muskulatur aufzulockern. Weil Der Körper ist nicht darauf ausgelegt, die ganze Zeit gerade zu sitzen. Ich sage meinen Klienten immer und mache das auch bei Kinos oder Vorträgen, wenn ich hier online arbeite, ich kann das hier parallel machen, ohne dass man das sieht.
Weil ich das mittlerweile so gut kann, Mein Oberkörper bewegt sich auch wirklich nicht. Also ein leichtes Beckenbewegen, Ich kann das im Schneidersitz, Ich kann das in allen Varianten. Ein Fußballer will das jetzt natürlich nicht im Schneidersitz machen, Weil sein Alltag findet nicht im Schneidersitz statt, sondern da gehen wir in die sportartspezifischen Positionen. Der Golfer geht in die Abschlagsposition, Tennis geht in Aufschlagsposition. Und musst es dann sportartspezifisch machen. Im Training mit Kniebeugen, mit Ausfallschritten. Weil so lernt der Körper erstmal wieder den kompletten Bewegungsumfang.
Joël Kaczmarek: Muss man gerade dafür sitzen? Wenn ich gerade so sitze und das Becken kippe, kriege ich Rückenschmerzen.
Luise Walther: Dann langsamer. Mach Mal die Bewegung langsamer. Gleichmäßiger. Versuch das mal wirklich zu einer smoothen, geschmeidigen Bewegung zu machen. Das fällt den meisten schon schwer. Du kannst jede Übung, egal welche Übung, Das ist immer über drei Faktoren anpassen. Erstens Ausgangsposition, sitzen, stehen, liegen, sportartspezifisch. Zweitens Geschwindigkeit. Die meisten machen Bewegung zu schnell. Wenn Du Bewegung langsamer machst, hast du mehr C-Fasern. Also ohne jetzt da zu sehr ins Detail reinzugehen. C-Fasern sind sehr häufig, aber in der Reaktionsgeschwindigkeit sehr, sehr langsam. Das heißt, Bei schnellen Bewegungen gehören weniger Informationen. Wenn du eine Bewegung ganz, ganz langsam machst, ist es bei den meisten, dass es erstmal super ruckig aussieht, Als ob so ein bisschen Sand im Getriebe ist.
Bewegung langsam in Slowmotion zu machen, ist beispielsweise im Leistungssportbereich, aber zum Beispiel auch bei Musikern. Die lernen auch zum Beispiel bei den Pianisten, die ganz langsam zu spielen und mit den Geschwindigkeiten zu spielen, Weil du dadurch eine bessere Abspeicherung von der motorischen Kontrolle hast. Und dann, also erste Ausgangsposition, zweite Geschwindigkeit und drittens Bewegungsumfang. Ich erwarte, dass man Bewegungen so macht, dass sie nicht wehtun, dass sie nicht unangenehm sind. Das ist super individuell. Wenn ich mit akuten Rückenschmerzklienten arbeite, Die hören schon Rundrücken und Hohlkreuz, das kann ich nicht machen, das tut weh. Dann wird der Bewegungsumfang, also die Bewegung, die ich mache, So reduziert, dass ich die wirklich minimal nach hinten, minimal nach vorne, ganz, ganz langsam.
Und dann mich Stück für Stück herantaste, dass ich den maximalen Bewegungsradius kann. Und der maximale Bewegungsradius ist bei Weitem bei dir zum Beispiel gerade noch nicht erreicht worden. Du kannst noch viel mehr in die Beugung, Du kannst noch viel mehr in die Streckung, auch von der unteren Lendenwirbelsäule. Also, du kannst da noch viel mehr Bewegungsradius rausholen. Und da wird es spannend, Weil in diesen Endpositionen von Gelenken kriegt das Gehirn die meiste Information. Da passieren aber auch die Verletzungen. Die Verletzung, Wenn man das jetzt mal vereinfacht, beim Handgelenk, ist ja nicht, wenn ich irgendwie in diesem Radius bin. Sondern das ist, wenn ich mich irgendwie zu doll in die Beugung, zu doll in die Streckung, Vielleicht noch eine blöde Rotation, das will ich trainieren.
Das heißt, wieder Zurück Zum Becken kann ich in einer Ausfallschrittvariante mein Becken in allen Bewegungen koordinieren. Kriege ich das maximal in Beugung und Streckung, kriege ich das in die seitliche Aufrichtung, Weil wenn man das jetzt nur mal im Sitzen macht, merkt man ja schon, Oberschenkelspannung verändert sich, Wadenspannung verändert sich. Das heißt, die Gelenke, die drüber und drunter liegen, kriegen ja auch eine Information. Geht ja nicht anders, weil hängt ja miteinander zusammen. Wenn ich jetzt mein Bein ausstrecke und mein Becken aufrichte, merke ich sofort, wie Oberschenkel, An- und Entspannung, Beuger und Strecker arbeitet. Wenn ich es locker lasse, merke ich es nochmal doller, weil da ist die Kette nicht komplett gespannt.
Das heißt, wir können über diese vermeintlich kleinen Änderungen die Gelenke drumherum mittrainieren, eine Bewegungsvielfalt aufbauen, eine Stabilität aufbauen. Vor allem aber aus diesen, Ich sage jetzt mal, Schutzmustern rauskommen, wenn wir den ganzen Tag sitzen.
Joël Kaczmarek: Das Ziel der Übung ist also einerseits so kippen und andererseits quasi hier.
Luise Walther: So und dann Kreisbewegung im Uhrzeigersinn und entgegen dem Uhrzeigersinn. Genau, sodass du maximalen Bewegungsvielfalt hast, du ja direkt auch logischerweise hüfte dabei, Du hast unteren Rücken dabei, Du trainierst ja nie, was isoliert. Du hast Iliosakralgelenke in diesen Bewegungsmustern mit dabei. Je sauberer, du das ansteuern kannst, umso besser. Fast keinen Rückenschmerzen mehr. Wichtig, weil du das gerade so gesagt hast, du merkst ja schon, du kommst gar nicht in diese Endposition rein. Der Körper sagt vorher schon so, oh, das bin ich gar nicht gewohnt, Jetzt könnte es prodorolig werden. Wenn du die Geschwindigkeit rausnimmst, kommst Du auf einmal rein. Das heißt, In der Alltagsbewegung kannst du dich viel mehr bewegen. Wenn du ab und zu zum Chiropraktiker musst, weil Atlas und Axis nicht mehr in der idealen Position sind und da zu viel Spannung in der Muskulatur. Drumherum ist, ja, wenn du schon im Unteren Rücken und im Becken nicht in die Endposition kommst, weißt du ja, wie viel Spannung sich nach oben aufbaut.
Joël Kaczmarek: Ich glaube, das ist eine Sache, die man einmal schlucken muss als Tatsache, dass halt alles zusammenhängt.
Luise Walther: Ja, aber das ist geil. Das ist wie bei einem Buffet. Egal, wo du anfängst, Fang bei Atmung an. Der nächste fängt bei Becken an. Der nächste fängt bei Zunge an. Man muss ja nicht alles umsetzen. Dadurch, dass aber alles miteinander verbunden ist, Wenn du etwas optimierst, optimierst Du halt in der Kette. Ganz viele andere Sachen, auch. Man muss ja nicht immer alle Sachen davon machen, sondern manche denken sich bei Zunge, so, Quatsch mich nicht voll. Andere denken sich bei den Beckenübungen, so, Was soll ich denn jetzt beim Becken trainieren? Kann ich schon. Ich kann nur jedem empfehlen, Man vögelt besser mit besserer Beckenbeweglichkeit. Wenn ich dann sehe, wie die, vor allem ehrlicherweise Männer, diese Übungen machen, denke ich mir so, Entschuldigung, Wie ist denn irgendwie euer Sexualleben? Wie könnt Ihr denn eine gleichmäßige Bewegung, Egal jetzt, in welcher Konstellation man das denn hat, weil Das ist ja im Endeffekt genau die Bewegung. Und wenn man nicht mal einen sauberen Beckenkreis hinbekommt, wenn man nicht mal die isolierte Ansteuerung hinbekommt. Tun mir Partner und Partnerin wirklich leid, weil ich mir denke, euch entgeht sehr, sehr viel. Wenn ihr es nicht für euch macht, macht es für Partner und Partnerin.
Joël Kaczmarek: Lustig, lustig. Wenn man mal beim Osteopathen war und sagt, mir tut der Fuß weh. Und dann, sagt er, Sie haben auf einen Kirschkern gebissen, Es liegt an ihrem Kiefer. Und dann sagt er so, hä, wie, mein Fuß und Kiefer?
Luise Walther: Unten tut es weh, nicht da.
Joël Kaczmarek: Das ist schon faszinierend. Und beim Beck nochmal, um nochmal darauf zurückzukommen. Die Idee ist, dass ich durch diese Beweglichkeit was genau erreiche. Also, was ist sozusagen der wichtigste Faktor dabei?
Luise Walther: Du kannst dir das wieder so vorstellen, du hast im Gehirn Landkarten. Wie fühlt sich das an und wie kann ich es bewegen? Je mehr Informationen Man bekommt, quasi umso mehr kann ich reinzoomen in die Landkarte. Die meisten haben, ich sag mal, Eine sehr blurry, also eine sehr verschwommene Landkarte von ihrer Beckenregion. Wenn das Gehirn etwas nur sehr verschwommen wahrnimmt, geht es schneller. In Schutzmodus, geht es schneller in eine... Oh, ich fühle mich da nicht sicher, ich baue da mal Spannung auf, Ich gebe da weniger, wie in deinem Fall, weniger Bewegung frei. Das heißt, wir limitieren uns dadurch, dass wir die... Körperteil jetzt beim Beckenmarsch Spezifisch weniger Bewegen und weniger Bewegungsinformationen ankommt. Je mehr Bewegungsinformationen ankommt, wenn ich mit Geschwindigkeit spiele, mit Bewegungsumfang, Umso klarer wird die Landkarte, Also Ich kann mehr reinzoomen. Das Hirn kann eher sagen, ist das jetzt eine bedrohliche Position oder nicht? Ist das jetzt irgendwie gefährlich oder nicht? Kann ich die maximale Rotation eigentlich ausführen oder nicht? Kann ich mit Kraft, mit Gewicht, mit Widerstand da reingehen oder nicht? Das heißt, was wir eigentlich... Egal, auf welches Gelenk oder Körperteil bezogen ist, Wir wollen eine maximale Bewegungsvielfalt, weil das eine maximale Bewegungsdichte ist. Das ist wie eine Excel-Tabelle,
Luise Walther: wo die Hälfte der Felderzeilen leer ist und du eine Reihensortierung machen willst. Und die Hälfte der Reihen sind aber einfach, da steht nichts. Das heißt, je mehr Informationen. Wir haben,
Luise Walther: Umso klarer kann unser Gehirn überprüfen, bin ich hier gerade bedroht oder nicht. Und Rückenschmerzen sind ganz, ganz oft tatsächlich einfach eine Bewegungseinschränkung, eine zu hohe Muskelspannung, Weil der Körper sagt, Du? Bin ich nicht gewohnt? Oder ich sitze schon zu lange, Die Muskulatur kann das gar nicht mehr halten. Ich bräuchte jetzt hier eigentlich eine Abwechslung. Ich bräuchte jetzt hier eine andere Position, Dynamisches Sitzen. Am Ende geht es immer, ehrlicherweise wie in allen Feldern, um Vielfalt, Bewegungsvielfalt.
Joël Kaczmarek: Jetzt ist es ja so, wenn man viel über Sitzen redet und über das Becken, Das ist doch dann auch das Thema, so Hüftbeuger. Und ich glaube rückseitige Oberschenkelmuskulatur.
Luise Walther: Das gehört ja alles dazu.
Joël Kaczmarek: Kann ich das damit auch ansteuern, dass ich diese Verkürzung, ich weiß, In unserem letzten Podcast Hast du gemeckert, da verkürzt nichts, Muskeln werden ja nicht kleiner.
Luise Walther: Ja, also, ich mag dieses Bild von Verkürzung nicht. Ich weiß, viele arbeiten damit und indirekt, wenn man sich physikalisch anguckt, Klar wird der Muskel kürzer, aber der wird ja nur kürzer, weil er angespannter ist.
Luise Walther: Aber bei vielen ist, so dieses Verkürzen, Die stellen sich dann da irgendwie vor, dass da ein Knoten drin ist und wenn es einmal verkürzt ist, kann es nicht mehr lang werden. So funktioniert der Körper nicht. Ich kann ja mein Bein ausstrecken, selbst, wenn ich eine Verkürzung habe. Was wir damit aber machen, also klar, wenn ich mein Becken nach vorne und hinten kippe. Ist der Hüftbürger dabei? Sind ja die Hamstrings, also hintere Oberschenkel dabei? Wenn ich in irgendeine Bewegung gehe, in irgendeine Dehnung, also Jeder kennt das ja, Die Leute haben zu viel Spannung im hinteren Oberschenkel, dann machen Sie irgendeine Dehnübung, gehen irgendwie in den Schmerz rein, wundern sich, dass es nicht besser wird, machen das jeden Tag oder à La Jubiläare Mal und denken sich so, ja, ich bin einfach so.
Und das ist Quatsch. Unser Hirn ist anpassungsfähig. Unser Hirn und unser Körper kann, bis wir tot sind, sich anpassen, strukturell und funktionell. Nennt sich Neuroplastizität, also die Spannung. Entscheidet ja nicht der Muskel, sondern das Gehirn entscheidet ja, Muss der Muskel jetzt angespannt sein oder nicht. Das heißt, wenn ich jetzt in so eine klassische, ich sage jetzt mal so, Dehnungsposition gehe, wäre jetzt hier, Ich bin doppelt Bandscheiben operiert, Das Bein ist das Betroffene gewesen. Wenn ich das höher ziehe, kriege ich sofort einen Krampf. Also, klappt das jetzt schon? Das heißt, das ist keine gute Idee. Das heißt, ich gehe nicht in die komplette gestreckte Position, gehe ein bisschen weiter runter und gehe jetzt übers Becken.
Und merke auf einmal, wenn ich in den Rundrücken gehe, kriege ich einen Zug, kriege ich die leichte Dehnung. Wenn ich ins Hohlkreuz gehe, gehe ich wieder in die Entspannung. Das heißt, ich kann jetzt super schnell meinem Körper beibringen, hey, das ist gar keine Bedrohung, Diese Bewegungsvielfalt. Jetzt kann ich es ausstrecken. Jetzt kann ich hier halten und wieder reingehen. Das heißt, ich kann über diese Bewegungsvielfalt eine Dehnfähigkeit aufbauen, eine Kraft aufbauen, eine Beweglichkeit aufbauen, Vor allem aber eine Sicherheit aufbauen, Dass mein Nervensystem nicht sagen muss, oh, das ist gerade eine Bedrohung.
Joël Kaczmarek: Bei mir ging es ehrlich gesagt, immer so bei diesem ganzen Dehnen gegen die Verkürzung. Ich konnte dehnen, bis der Arzt kommt und da passierte nichts. Was bei mir ein bisschen dann den Effekt gemacht hat, war die Dehnung länger zu halten. Weil man sagt Ja eigentlich, die ersten, Ich glaube 60 Sekunden so In dem Dreh hält der Muskel. Und dann musst du ja eigentlich locker lassen, damit du diese fasziale Dehnung bekommst.
Luise Walther: Strukturen überhaupt bekommst, ja.
Joël Kaczmarek: Also Faszien ist das Bindegewebe, was auch teilweise die Muskeln umdreht. Das ist sozusagen, Dann kommst du eigentlich nur in die Dehnung rein, weil dann hält nichts mehr fest. Ansonsten arbeitest du eigentlich, dehnst du gegen ein Festhalten. Und wenn es dann, weil die Kraft ausgeht, langsam nachlässt, dann kommst du rein. Das hat ein bisschen geholfen. Ja,
Luise Walther: die Frage ist halt, warum willst du dehnen? Also, ich dehne mich nicht.
Joël Kaczmarek: Warum?
Luise Walther: Ich will Kraft aufbauen, ich will beweglicher werden. Also was ist dein Ziel dahinter?
Joël Kaczmarek: Ja, Beweglichkeit. Beweglichkeit.
Luise Walther: In hinteren Oberschenkeln, würde ich jetzt vermuten. Das Thema ist meistens nicht irgendwie eine Verkürzung oder irgendwelche Verklebungen, Sondern die Frage ist, warum entscheidet dein Gehirn, dass die Bewegung eingeschränkt wird? DAS ist... Ganz, Ganz oft kommen wir dazu mit Gleichgewichtssystemen, dass Dein Körper sagt, wenn du diese Dehnung aufbaust, ist ja meistens entweder, dass du das Bein, So wie ich jetzt im Sitzen, hochziehst oder du stehst und gehst mit dem Oberkörper nach unten. Das sind ja so die Hauptthematiken. Also du veränderst deinen Körperschwerpunkt. Das heißt, dein Hirn muss ausgehen vom Gleichgewichtsorgan, neu berechnen, Wo ist oben, In welche Richtung bewege ich mich.
Wenn es sich nicht sicher fühlt, baut es eine Spannung auf. Wenn du im Sitzen bei der Beckenaufrichtung schon sagst, uh, dann tut mir aber der Rücken weh. Ja, natürlich wird dein Körper dann auch die Bewegung in Beinen nicht freigeben, weil da kommt. Zu viel Zug aufs Rückenmark. Das heißt, Der Körper sagt viel, viel früher, oh, hier hör mal mal auf. Das heißt, in deinem Fall wäre es viel, Viel sinnvoller, in eine dehnungsähnliche Position zu gehen und dann mit dem Bewegungsspielraum zu gehen. Becken aufrichten, nach vorne, hinten, zur Seite. Und dann wirst du innerhalb von ein paar Minuten merken, Ah ja, geil, das fühlt sich ja übelst frei an. Ich muss ja gar nicht, also du kannst auch dehnen, um Gottes Willen, mach, aber die Zeit, die Energie, warum?
Joël Kaczmarek: Aber ist es nicht das, was dir jeder Physio, sagt? Ja.
Luise Walther: Das können Sie ja alle sagen. Hat das in den letzten 70, 80, 90 Jahren irgendjemandem was gebracht? Sind Verletzungen zurückgegangen? Sind Schmerzen zurückgegangen? Also, ich gucke mir die Statistiken an und denke mir eher so, Mir wurde nach der ersten Wandscheiben-OP immer beigebracht, Ich soll in, muss ich ein bisschen aufpassen. Vom Wording, in Wohlfühlschmerz gehen. Dann weiß ich, ich arbeite an der richtigen Stelle. Das Wort Wohlfühlschmerz ist ja schon eine Perversion. Schmerz ist eine Aufforderung zur Verhaltensänderung. Ich will nicht, dass man in Schmerz geht oder in Unwohlsein. Das ist was anderes jetzt im Leistungssportbereich, Das ist Raubbau am Körper, Aber für normale Menschen ist es totaler Quatsch, in eine Belastung reinzugehen, die sich nicht sicher anfühlt, sondern Wir wollen eine Bewegungsvielfalt aufbauen.
Und ich erlebe das ja auch in Workshops und in Kursen, dass die Leute so sagen, ja, hier die ganzen Fußballer, das ist immer so der Klassiker, ja, wir sind halt nicht beweglich, jetzt machen wir alle Yoga. Wo ich so denke, könnte auch machen, Aber Bewegungssteuerung wird hauptsächlich über Augen und Gleichgewicht gesteuert. Vielleicht sollten wir einfach mal anfangen, Augen und Gleichgewicht mit zu bedenken. Und auf einmal sind die beweglich und denken sich so, krass, muss ich mich gar nicht dehnen? Wo ich so denke, macht, was Ihr wollt. Wenn euer Trainer sagt, ihr sollt euch dehnen, macht das. Für mich ist Zeitverschwendung.
Luise Walther: Ich arbeite lieber mit Bewegungsvielfalt und vor allem dann dem Kraftaufbau in unterschiedlichen Bewegungsradien.
Joël Kaczmarek: Da kommen wir ja heute auch noch zu. Jetzt vielleicht nochmal zum Becken. Die Nachfrage. Wenn man üblicherweise Beckenbodentraining macht, dann macht man doch andere Sachen als das jetzt. Das fühlte sich ja relativ so auf die Faszien und auf die Bänder ausgerichtet an. Beckenboden ist doch meistens irgendwie Muskelanspannung. Ist das nicht immer so dieses typische, also bei Männern, ist das so, Pinkelstrahl unterbrechen. Und Frauen müssen meistens mal irgendwas festhalten, Damit Sie sich so vorstellen, dass Sie irgendwas im Beckenboden festhalten. Ist das nicht eigentlich, so der Classic?
Luise Walther: Ja, die Frage ist immer, was man trainieren will. Also Beckenbodenmuskulatur, die liegt ja innen, innen liegen. Klar, das ganze Becken auswendig. Diese Bewegung mache ich trotzdem auch. Beckenbodenmuskulatur schon dabei. Das gezielte Beckenbodentraining, Auch da gibt es eine totale Misconception, weil... Ich bin mir nicht mehr genau sicher. 70 bis 80 Prozent zum Beispiel der Frauen, haben dazu hohe Beckenbodenspannung. Alles, was du aber populärwissenschaftlich liest, ist immer so, Wir müssen unseren Beckenboden trainieren, Wir müssen noch mehr trainieren, noch mehr trainieren. Jetzt hatten wir beim Thema Atmung schon, Dass ganz viele den Bauch anspannen und damit auch schon eine Spannung auf der Beckenbodenmuskulatur haben.
Was wir eigentlich neurologisch und neuroanatomisch machen wollen, Wir wollen beibringen, die Beckenbodenmuskulatur locker zu lassen und dann wieder anspannen zu können. Kannst Du Dir vorstellen, wie beim Bizeps, Der ist bei den Leuten quasi die ganze Zeit schon in der Voranspannung. Und jetzt spannen wir den noch mehr an. Wir wollen ja aber erstmal locker lassen können, um dann maximal anspannen zu können. Und wenn aber ein Muskel, der die ganze Zeit schon, Wir sagen immer, Einen hohen Muskeltonus, also eine hohe Grundspannung, hat, da noch mehr Spannung draufkommt, Dann schiebt man sich da irgendwelche Liebesperlen und irgendwelche Applikatoren rein, dann spannt das dagegen an, Das ist ja so klassisch.
Auch teilweise von den Krankenkassen verordnet. Man lernt aber nie, das wirklich locker zu lassen. Eigentlich müsste man beim Becken-Boden-Training klassisch wirklich sagen, wie kann ich die Muskeln anspannen mit der Einatmung und dann mit der Ausatmung locker lassen. Und wenn du dir... Jetzt anatomisch anguckst, Wie Beckenbodenmuskulatur aufgebaut ist. Ich vereinfache das mal. Das ist nicht ganz korrekt, aber dann kann man sich es besser vorstellen. Ist das ja einmal zwischen den Sitzbeinhöckern quasi anzuspannen, als ob man die Sitzbeinhöcker zusammenziehen will und dann aber vor allem wieder locker lassen, Der Fokus ist immer doppelt so lange locker lassen wie anspannen. Und dann Diagonal gesehen Willst du nochmal, ist jetzt anatomisch nicht ganz korrekt, Aber damit kann man sich es besser vorstellen, zwischen Schambeinknochen.
Und Steißbein zusammenziehen und locker lassen. Ich gehe immer über Knochenpunkte, weil sich das Menschen besser vorstellen können.
Joël Kaczmarek: Ich überlege gerade, wo der Schambein ist.
Luise Walther: Schambeinknochen, hier vorne.
Joël Kaczmarek: Und Steißbein hinten oben.
Luise Walther: Das heißt, ich mache das, wenn ich das mit Klienten mache, auch wirklich, dass ich sage, nehmt die beiden Punkte an den Knochen und versucht, das zusammenzuschieben und locker zu lassen. Genau dasselbe Spiel mit den Beinhöckern, Weil im Endeffekt ist es ja wie so ein Diamant, dass du einmal so zusammenschieben kannst und einmal so zusammenschieben kannst. Wenn man das jetzt noch genauer nimmt, willst du das eigentlich auf drei Ebenen
Joël Kaczmarek: Hm.
Luise Walther: äußerlich, tiefer liegend 1 cm, tiefer liegend 2 cm.
Joël Kaczmarek: XY-Set sozusagen.
Luise Walther: Schambein und Beckenbodenmuskulatur hat eigentlich sogar 6 Schichten. Also, ich kenne niemanden, der die unterschiedlichen 6 Schichten gezielt ansteuern kann. Vielleicht gibt es bestimmt irgendwelche Tantra-Gurus und Ladies, die das können. Ich kann das auf jeden Fall nicht. Aber alleine schon mal, dieses zwischen den beiden Schambeinknochen anspannen und dann locker lassen. Und wenn ich das mit Klienten mache und wirklich dieses Locker lassen, habe ich so oft bei Männern wie bei Frauen, so dieses. Ich kann das gar nicht richtig locker lassen, Da habe ich Angst, dass ich Wasser lasse. Ja, da siehst du, wie viel Spannung da drauf ist. Gerade Richtung Wechseljahrsthematiken bei Männern, Thema Erektile Dysfunktion, Ein Riesenthema, weil da schon so viel Spannung drauf ist.
Jetzt muss man, Frauen, Männer, Beckenbodenmuskulatur, Anspannung. Gerade für einen Orgasmus ist ja nochmal ein bisschen gegensätzlich. Männer brauchen nur Anspannung, Frauen brauchen die An- und Entspannung und diesen schnellen, quasi zyklischen Wechsel. Bei Männern geht es ja wirklich dann nur darum, dass Erektion stattfindet, da hast du nur die Anspannung. Deswegen funktionieren Männer ja tatsächlich sexuell gesehen, auch ein bisschen anders. Und das aber zu lernen, wie kann ich das anspannen, vor allem aber wieder, Wie kann ich das locker lassen. Und das dann mit der Beckenbewegung zu kombinieren. Ich sage allen, ihr werdet ein fantastisches Sexleben haben. Weniger Bauchprobleme, weniger, also einfachere Atmung, weniger Verdauungsprobleme, Weil Sie natürlich, Wenn hier alles die ganze Zeit angespannt ist, auch auf die umliegenden Organe und Organwände auswirkt.
Joël Kaczmarek: Wie lernt man das Entspannen?
Luise Walther: Also, ich gehe tatsächlich, deswegen, ich mache das selbst, wenn ich das erkläre, ja immer über die Hände und über die Finger mit, sich vorstellen, also, wenn du dich jetzt auf die Hände setzt, merkst du ja die beiden Sitzbeinhöcker. Also, wenn man sich auf die Hände setzt und dann so ein bisschen nach rechts und links wackelt, merkt man da zwei Knochen. Das sind die Sitzbeinhöcker. Jetzt, mit der Einatmung schiebst du mit den Händen die Sitzbeinhöcker zusammen, ganz leicht. Da bewegt sich logischerweise nichts, Das ist nur, als, ob du dem Gewebe einen Impuls gibst. Mit der Ausatmung lässt du locker und ziehst die auseinander. Dann fokussierst du dich mal drauf, kannst du diese bewegen?
Stück für Stück über die Muskulatur, anspannen und locker lassen. Deswegen mache ich das immer mit den Händen mit, anspannen, Einatmung, Und das kannst du dann genauso nochmal zwischen Schambein und Steißbein, Selbes Spiel, An Schambeinknochen gehen, an Steißbeinknochen gehen, Einatmung zusammenschieben, Ausatmung locker lassen. Und Stück für Stück, Das dauert eine Weile, weil das ein Bereich ist, der schambesetzt ist, Die wenigsten setzen sich damit auseinander, die meisten werden rot, Wenn ich sage Schambeinknochen oder Sitzbeinhöcker oder Beckenboden, dann sind sie, Ja, brauche ich nicht, habe ich keine Probleme mit. Es ist erschreckend, vor allem im Performance-Bereich, Was das für ein Tabuthema immer noch ist.
Und was das aber für viele für eine Veränderung ist, Also Ich rede ja über Beckenboden und kommen können. genauso, glaube ich, trocken, wie ich über Atmung und Gleichgewicht rede. Ich glaube, das macht es viel noch ein bisschen angenehmer, sich dann dem Thema auch zu öffnen, weil ich mir so denke, bei Spielern, wenn Ihr immer wieder Adduktorenprobleme habt, ja, Adduktoren, Beckenboden, Muskulatur, Es hängt halt alles miteinander zusammen. Da muss man halt lernen oder darf man, Man muss gar nichts, Aber darf man halt lernen, in diese An- und Entspannung zu kommen. Ich sage das auch wirklich deswegen immer so bewusst dazu beim Vögeln. Es gibt ja nichts Geileres bei mir jetzt klassisch Mann-Frau, wenn der Mann das auch noch gezielt ansteuern kann.
Wenn du gekommen bist und dann kannst du nochmal Beckenbodenmuskulatur an und entspannen, hast du quasi nochmal diesen zusätzlichen Reiz. Also die Leute, die du da aus dem Tantra hattest, hattet Ihr Ja, glaube ich auch schon. Unterschiedliche Tipps und Möglichkeiten, wo ich so denke, das ist ja so ein anderer Zugang zum eigenen Körper. Und aber auch für Frauen, Wechseljahrsthematik, Das ist so ein Thema mit Wasserlassen und dass man Angst hat, dass die Blase nicht mehr dicht ist. Wo ich so denke, wenn man das wieder trainieren kann und auf einmal merkt, warte mal, ich kann lockerlassen. Also im wahrsten Sinne des Wortes, Ich kann lockerlassen. Das wirkt sich auf den ganzen Körper aus. Du bist nicht mehr so gefangen in deinem eigenen Körper.
Für Leistungssportler noch mehr. Ganz oft bei Männern, So High Performer, im Beruf Total erfolgreich, Irgendwie kommen nach Hause, Dann müssen Sie sich noch um Frau und Kind kümmern, gesellschaftlich erfolgreich. Die haben so einen hohen Druck. Wie oft die sagen, Sie stehen so unter Druck. Sie haben auch das Gefühl, sie können sexuell gar nicht mehr performen. Es geht gar nicht mehr. Sie haben gar keinen Bock mehr drauf, wie ich so denke. Der Druck muss ja irgendwo hin, Diese Anspannung muss hin, du musst mal lernen, zu entspannen. Und dann ist das aber wie, wenn man mir früher gesagt hätte, du musst mal lernen, zu entspannen, wo ich so denke, Quatsch mich nicht voll. Wenn du dann aber über die Ebene kommst und sagst, ey, rein muskulär, kannst du das machen, Egal, wo du bist, kannst du im Auto, also musst du ja nichts machen.
Das kann man selbst in der U-Bahn machen, weil keiner irgendwas sieht.
Joël Kaczmarek: Ja, aber es ist, finde ich, sehr fein zu steuern und überraschend schwierig am Anfang.
Luise Walther: Total, Um Gottes Willen. Wieder, Ich bin Doppelbandscheiben operiert, Ich hatte Reiterhosen-Syndrom. Für mich war das wirklich, deswegen bin ich in dieses Thema so tief eingestiegen, weil ich so dachte, okay, das ist ja faszinierend. Ich war in der Weiterbildung in Malmö, 99 Prozent Männer und ich. Und wir hatten dieses Thema, es war sehr amüsant, Fast alle aus dem Leistungssport und Fußballbereich. Und die waren alle so, ja, super easy, das zu differenzieren. Ich dachte mir so, also, ich merke da gar nichts. Ich kann alles ansparen und alles locker lassen. Also auch für Leute, die das jetzt mitgemacht haben. Das dauert schon ein paar Tage, Wochen, bis man irgendwann sagen kann, Ach, warte mal, stimmt, Man kriegt eine bessere, Also Diese Kartierung wird natürlich sensibler. Wenn man noch nie Tennis gespielt hat, ist man Scheiße im Tennisspielen. Wenn man noch nie Fahrrad gefahren ist, braucht man ein bisschen, bis man diese muskuläre Koordination hat. Da genau dasselbe.
Luise Walther: Und die Koordination wird dann aber überall besser. Frauen mit PMS, mit Endometriose, Wie viel weniger Krämpfe die haben, wenn die bewusst lernen können, Beckenbodenmuskulatur zu entspannen.
Joël Kaczmarek: Merkst du eigentlich auch, dass es sich emotional auswirkt? Weil man sagt ja, Im Becken liegen extrem viele Emotionen.
Luise Walther: Total. Also das ist spannend. Da bin ich wieder, Ich bin keine Psychologin, ich bin da keine Expertin, aber ich merke schon, Sowohl bei Atemübungen, auch als bei Beckenübungen, Was das mit den Leuten macht. Das sind oft Themen, Die mache ich nicht in der ersten Sitzung, wenn ich die Leute noch nicht kenne, wenn da keine Vertrauensebene da ist. Also da würde ich jetzt nicht anfangen, zu sagen, so, Deine Beckenanstörung ist scheiße, müssen wir mal machen, du musst besser vögeln können, Partner, Partnerin freut sich. Habe ich früher gemacht, da bin ich mittlerweile ein bisschen empathischer und einfühlsamer geworden. Aber zu merken, was macht das mit Menschen, Vor allem die traumatische Erlebnisse haben, Ich frage das vorher aber auch tatsächlich ab, Auch bei gewissen Atemübungen, die schon sehr triggern können, Gerade so blockierte Einatmung oder sowas, wo ich immer sage, ey, wenn dich da irgendwas triggert, Wenn das irgendwas auslöst, Ich bin keine Psychologe und ich habe keine Ausbildung, ich kann den Raum nicht halten, Also, ich kann das auch emotional zu viel.
Ich finde es schon anstrengend, wenn die Leute anfangen zu weinen und dann irgendwie die Tränen fließen, da denke ich mir schon so, Gott, was passiert denn jetzt? Mittlerweile denke ich mir so, geil, da löst sich irgendwas, lass raus. Aber das gehört dann ja trotzdem auf einer anderen Ebene, auch nochmal mit betreut.
Joël Kaczmarek: Jetzt hast du eben schon von der isometrischen Anspannung gesprochen. Was ist das denn?
Luise Walther: Die geilste Möglichkeit, Krafttraining zu machen. Da bin ich tatsächlich über Corona sehr drauf gestoßen, weil auf einmal irgendwie alle Gyms zu hatten. Und ich mir so dachte, ja, Erstens würde ich gerne weiter trainieren und zweitens habe ich Klienten, DIE ZWAR jetzt... Meistens trainingsbedingt auch, eh kaum noch Wettkämpfe machen könnten, Aber wo man irgendwie die Muskulatur aufbauen, muss. Isometrie ist eigentlich nichts anderes als ein Gegendruck. Also, ich kann mich zum Beispiel, wenn ich mich jetzt hinsetze, meine Hände gegeneinander drücke, Kann ich maximale Spannung aufbauen, weil mein Hirn weiß, was drücke ich mit rechts, was drücke ich mit links. Das sieht relativ easy aus.
Wenn ich jetzt hier wirklich sage, okay, ich spanne maximal an, sieht man bei mir schon, kommt sofort der Zitter an. Also, das geht schon richtig in die Anspannung rein. Jetzt kann ich das einfach machen, so wie du, quasi Hände relativ nah an Brustkörper, mit dem Mikros ein bisschen aufpassen. Je weiter weg ich natürlich jetzt. Die Hände nehme, aber trotzdem hochrotiert lasse, Umso schwieriger wird das auf einmal, die Spannung zu halten. Das heißt, ich kann alleine über solche Kraftimpulse wieder, Ich bin sehr praktisch, sehr pragmatisch. Was können Menschen, die viel sitzen, die warum auch immer sagen, Sie haben keine Zeit, keine Priorität, kein Nerv ins Gym zu gehen, Wie können die trotzdem Ihrem Körper die nötigen Impulse geben?
Wie kann ich Oberkörper, Unterkörper mit wenig Aufwand trainieren? Wie kann ich, wenn ich... Viel Reise, PolitikerInnen, die dann irgendwie sowieso gefühlt. Nur vier Stunden Zeit haben, Alle auf Abbahn, viele auf Abbahn und Daunen sind, Wie kann ich da zumindest ein bisschen Bewegungsimpuls noch mit reinbringen? Das sind so isometrische Übungen, Eine super einfache Möglichkeit, weil du brauchst nichts anderes, kannst eine Wand nehmen, kannst genauso gegen eine Wand drücken, Gegen Körper finde ich es immer nochmal einfacher, weil es nochmal schneller ist und das dann wieder mit Bewegungsvielfalt kombinieren. Das heißt, ich kann Oberkörpertraining nur über isometrische Ansteuerung machen, im Bodybuilding, Arnold Schwarzenegger war auch so ein Rüder.
Ich bin ein Riesenfan von isometrischen Übungen, weil du eine andere muskuläre Koordination hast innerhalb des Muskels, weil dein Hirn ja weiß, ich drücke gegen meine eigene Hand und das berechnen kann. Wenn ich jetzt irgendein Gewicht nehme, Das Hirn weiß nicht, was das Gewicht ist. Das heißt, da ist immer in der Gleichung quasi ein unbekannter Faktor. Das heißt, Ich habe eine höhere Stabilität, Ich habe weniger Verletzungswahrscheinlichkeiten, weil es jetzt nicht wahnsinnig technisch aufwendig ist, habe vor allem bei Frauen, aber auch bei Männern sofort einen Effekt auf die Griffkraft. Aus der Langlebigkeit wissen wir mittlerweile, Griffkraft ist einer der größten Prädiktoren für Langlebigkeit.
Je stärker meine Griffkraft ist, hat wieder unterschiedliche Faktoren. Umso besser, Wenn ich stürze, kann ich mich abfangen. Umso länger kann ich noch eigenständig leben. Und jetzt nicht Im Sinne, kann ich mein schwachsinniges Gurkenglas selber aufmachen, Das ist ein schöner Nebeneffekt, Aber wirklich kann ich mich körperlich bewegen, kann ich mich schützen, kann ich meinen Alltag selber gestalten. Und wir lachen da immer so ein bisschen drüber, Aber die meisten Unfälle passieren halt wirklich im Haushalt. Und werden ab einem gewissen Alter natürlich wirklich bedrohlich. Bei Frauen noch mal schlimmer. Wir haben eine erhöhte Sterblichkeit von zwei Jahren nach dem Sturz. Also wenn Frauen stürzen ab einem gewissen Alter, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die innerhalb von zwei Jahren versterben, liegt bei 80 Prozent.
Also das ist total verrückt, wie schnell das dann gehen kann. Und wenn der Körper aber mehr Kraft aufbauen kann, wenn ich das beispielsweise halt auch zu Hause machen kann, wieder, Ich komme irgendwie aus einem Dorf aus Ostthüringen. Da ist es nicht so easy, da kann ich nicht wie hier in Berlin sagen, ach, Heute gehe ich mal ins Aspria und dann ins John Reed, dann ins McFIT und suche mir irgendwie aus. Über Urban Sports Club, in welches Gym ich gehe, sondern ich will die Leute zu Hause irgendwie auch schon dazu bringen. Von mir aus können Sie auf dem Sofa sitzen bleiben, Die Übungen auf dem Sofa machen, aber geben dem Körper schon mal eine Information. Und vor allem isometrisches Training in Kombination mit Lendenwirbelsäule, Brustwirbelsäule, Halswirbelsäulen-Kombination ist die einfachste Möglichkeit.
Auch wieder, ne? Rücken-Schulter-Bereich, Stabilität. Einfluss auf Becken, Atmung haben wir auch gleich wieder mit dabei. Das heißt, da haben wir mit wenig Aufwand. Sofortige Effekte.
Joël Kaczmarek: Was sind denn immer noch so andere Übungen? Also die Arme zusammenpressen, verstehe ich noch, Aber was wären denn andere Beispiele?
Luise Walther: Du kannst das Mega Geil kombinieren, je nachdem. Ich habe zum Beispiel super, viele, so der Klassiker, Immer Rückenschmerzen, immer Schulterprobleme. Das heißt, ich mache mal das Mikro so ein bisschen weg, setze mich mal aufrecht hin, gehe nochmal in die Position. Und finde mal eine Position, die für dich angenehm ist. Also, man kann jetzt die Hände weiter nach unten Richtung Bauch nehmen, Man kann die weiter nach oben nehmen. Da gibt es kein richtig und kein falsch. Wenn du drückst, merkst du einfach, Es sind andere Körperpartien, die du betriffst. Jetzt kannst du das simpel einfach halten. Das finde ich immer so ein bisschen langweilig, macht keiner. Das heißt, Variante 1 wäre jetzt, Du rotierst nur den Kopf.
Also Du hältst hier die Spannung und gehst in die Rotation. Immer nur so weit nach rechts und links, wie das angenehm möglich ist. Relativ simpel. Gehst jetzt von Druck auf Zug, ziehst auseinander, merkst sofort. Und idealerweise wechseln wir ein paar Mal zwischen Zug hin und her. Ihr könnt zu Hause mitmachen. Also Man drückt die Hände gegeneinander, Man zieht die auseinander. Du merkst sofort, Es sind andere Muskelgruppen. Vereinfacht gesagt, Druck aktiviert die vordere Kette. Also da habe ich Bizeps, da habe ich Brustmuskulatur, Bauchmuskulatur. Wenn ich ziehe, habe ich die hintere Kette. Da habe ich Trizeps, da habe ich die ganze Schulterblutmuskulatur, da habe ich die Rücken dabei. Wenn du jetzt ziehst, Selbes Spiel, Rotation.
Die meisten reagieren bei Zug schon besser und werden sagen, ah, da kann ich mich besser bewegen. Halswirbelsäule wird freier. Relativ simpel ist jetzt erstmal nur Halswirbelsäule. Dann gehen wir auf Brustwirbelsäule. Du drückst wieder und gehst jetzt in die Rotation. Kopf bleibt diesmal an der Mitte. Du stellst dir vor, dass Du hier einen Ball dazwischen hast, den Du festhältst. Du rotierst Brustwirbelsäule, während du den Druck hältst. Druck nicht nachlassen.
Joël Kaczmarek: Ja, das ist ja. Für uns stimmt, dass man nicht mehr drückt.
Luise Walther: Genau. Und Kopf bleibt auch an der Mitte. Du willst eine isolierte Brustwirbelsäule-Mobilisierung. Füße bleiben gerade, becken bleibt gerade. Dasselbe mit Zug. Kopf bleibt in der Mitte, also am besten. Man fixiert tatsächlich dann immer was. Schultern bleiben unten. Jetzt wirst du bei Zug merken, Ah, ja, das ist auch für den Chor schon viel, viel anstrengender. Du hast automatisch eine Choraktivierung dabei. Das heißt, das wäre jetzt isoliert. Brustwirbelsäule. Griffkraft merkt man auch relativ schnell, okay, das geht schon auch auf die Hände. Dann kannst du natürlich sagen, es ist ja zu easy, Wir gehen wieder auf Druck. Wir gehen jetzt in eine Gegenbewegung. Augen, Kopf rotieren nach rechts, Arme, Brustwirbelsäule nach links. Jetzt merkst du viel mehr Aktivierung im Rumpf. Gehst in die Gegenbewegung und hältst aber auch den Druck wirklich. Augen geben die Bewegung vor, Wirbelsäule bleibt gerade. Kommst zur Mitte zurück, So könnte man das jetzt weiterspielen. Geht mit Zug genauso. Mit Zug fühlt es sich nochmal ganz anders an. Geh noch einmal in die Zugvariante rein. Augen, Kopf in die eine Richtung. Und da merkt man aber relativ schnell, Im Sitzen ist es jetzt nicht ganz, also im Sitzen ist es schon auch geil und effektiv, Im Stehen hat es natürlich nochmal einen anderen Effekt.
Joël Kaczmarek: Ich mache so. Wollte ich gerade sagen,
Luise Walther: es ist erschreckend, wie anstrengend, das ist. Und dann hast du für Mobility, Wir machen die letzte Variante noch durch, weil es so simpel ist. Du baust wieder den Druck auf, atmest ein und gehst mit der Ausatmung in dieselbe Rotation. ALSO. Augen, Arme, Kopf,
Luise Walther: Alles rotiert in dieselbe Richtung.
Luise Walther: Du kommst zur Mitte zurück, Ausatmung in die Rotation. Einatmung zur Mitte zurück. Wenn du jetzt vorstellst, kannst du variieren. Becken bleibt gerade und rotiert nicht mit. Du hast jetzt das Becken mitgenommen. Das ist nicht falsch. Ich sage nur, das sind unterschiedliche Varianten. Jetzt könntest du rein theoretisch nur die isometrische Spannung halten und gehst nur mit dem Becken in die Rotation. Du bleibst in der Mitte und nur das Becken rotiert. Auf einmal hast du Gesäß, untere Bauchmuskulatur, Beckenmuskulatur dabei. Das ist bei dir jetzt ein bisschen schwerer, weil natürlich die Füße nicht fixiert sind. Dann wird es nochmal ein bisschen einfacher.
Joël Kaczmarek: Ja, zu meiner Verteidigung, Der Sitz ist echt schräg. Ja,
Luise Walther: wollte ich gerade sagen. Und du sitzt mit der Hüfte weiter unten als Knie. Aber selbst da hast du sofort einen Effekt. Das heißt, du brauchst nicht viel Anstrengung, du brauchst nicht viel Platz, merkst aber sofort den Effekt, merkst sofort so, Oh geil, Ich kann das individuell anpassen. Ich kann sagen, welche Schulterposition ist mir angenehm. Ich kann sagen, will ich vielleicht eher in die Rotation, in die Beweglichkeit gehen? Und sage, geh, noch einmal, such dir mal. Eine Variante aus, die für dich gerade angenehm war. Bleib mal dort, Atme tief ein. Mit der Ausatmung noch ein Stück weiter rotieren. Einatmen, Dort bleiben. Mit der Ausatmung noch ein Stück weiter rotieren. Und dann langsam zur Mitte zurück. Das heißt, hier kannst du es jetzt mit Atmung kombinieren und merkst auf einmal, ah, Da ist viel mehr Bewegungsführraum da. Nicht in Schmerz, nicht ins Unwohlsein gehen. Also da darf man das Ego zu Hause lassen. Und ich kombiniere aber immer zuerst Druck, dann Zug, weil ich will. Die Vordere und die hintere Kette haben. Und alleine, das über Atmung zu regulieren,
Luise Walther: Das ist wieder das Thema, was ich vorhin hatte. Ich will ja nicht, dass die Leute Mobility und Kraft und Atmung, Was sollst du denn jetzt alles machen? Das heißt, ich kombiniere die Sachen gerne. Ich mache das einen Tag mal nur auf Kraft, Einen Tag nur auf die Beweglichkeit, einen Tag auf Atmung, einen Tag wirklich nur, Wie fühlt sich das Becken dabei an? Die Übungen mit Leistungssportlern in der sportartspezifischen Position, Die sind durch nach drei Minuten. Wie oft ich am nächsten Tag Nachrichten bekomme mit, Ich hatte noch nie so. Krass. Muskelkater, kann doch nicht sein, Wir haben da gar nichts gemacht. Ich möchte sagen, ich habe sowieso nichts gemacht, das ist nicht mein Körper, das ist euer Körper, Ihr habt das gemacht.
Joël Kaczmarek: Ich wollte gerade fragen, wie lange macht man sowas?
Luise Walther: Solange man will, entweder bis zum Muskelversagen, Ich gehe oft die unterschiedlichen Varianten durch, weil ich ein Riesenfan davon bin, Dieses Erstmal isoliert, Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, dann in Kombination. Wenn ich jetzt Leistungssportler habe, Spitzensportler, Die rotieren nicht erst den Kopf nach rechts. Und links, weil die sagen, danke, brauche ich nicht, bringt dir nichts. Wenn du jetzt Richtung Autosport guckst, machst du das total viel, Weil die natürlich Halswirbelsäule die meiste Stabilität und Sicherheit brauchen. Also, das ist dann tatsächlich immer so ein bisschen abhängig. Nimmst du die Augen noch mit dazu? Müssen die die Augen fixieren und nur den Kopf bewegen? Man kann es sehr geil, sehr detailreich, quasi ins kleine ausbauen. Aber ich finde, das sind so Beispiele. Das macht auch meine 86-jährige Nachbarin. Das kriegt die auch hin und wird dadurch deutlich besser.
Joël Kaczmarek: Kannst du ja vor allem in der S-Bahn sogar machen oder im Zug.
Luise Walther: Ja, da nervst du vielleicht die Leute ein bisschen. Ich stehe ja immer irgendwo. Ich glaube, es gibt wenig Menschen, die dadurch so viel Werbung machen, weil ich jede Zugfahrt, ich fahre wirklich viel Zug, stehe ich da, mache irgendwas und irgendwer kommt und fragt, was machen Sie denn da? Brauchen Sie Hilfe? Und ich denke, nee, ich mache Beckenaufrichtung. Machen Sie gerne mal mit, tut Ihnen auch gut. Ich sehe doch an ihrem Gangbild schon, dass da noch potenzial ist. In der Beckenbewegung. Also Du kommst ja mit den Leuten irgendwie ins Gespräch. Und ich mache, ich lebe gerne vor, was ich mache und wen das interessiert, cool, Aber ich muss die Leute nicht belehren und sagen. Können jetzt bitte hier alle im Abteil mal aufstehen,
Luise Walther: Wir machen jetzt mal eine Atemübung zusammen.
Joël Kaczmarek: Wäre mal gut.
Luise Walther: Wäre mal gut. Es ergibt sich ehrlicherweise bei der Deutschen Bahn ziemlich häufig, dass man dann mit fünf, sechs Leuten ins Gespräch kommt und auf einmal gucken, Meistens sind Kinder ja die ersten Neugierigen. Und so dieses, Mama, Papa, was macht denn die komische Frau da für komische Sachen? Das kann sie nicht sagen. Ich denke, klar kann sie das sagen, es ist doch super, wenn das Kind neugierig ist. Ich erkläre auch gerne, was ich mache, wenn es jemanden interessiert. Wenn ich mache, halt nur die Kinder mit, ist auch okay.
Joël Kaczmarek: Jetzt war das alles oberkörperlastig, Macht man das auch im Unterkörper? Gibt es da auch spezifische Sachen?
Luise Walther: Kannst du im Unterkörper genauso,
Luise Walther: Man unterschätzt das, wenn du das jetzt im Stehen machen würdest, wie anstrengend das für die Beine ist. Genau, also, wenn du mit dieser Rotation in diese Bewegung quasi mit Rein und Raus gehst. Und dann klassisch,
Luise Walther: Es gibt sogenannte auch Türrahmen-Workouts, wo du den Türrahmen dann einfach als Widerstand nimmst. Kannst mit dem Arm dagegen drücken, kannst mit dem Bein dagegen drücken von innen oder außen, Also hast dann quasi genau dieselbe Möglichkeit. Du kannst ganz klassisch, das mache ich immer auch mit den älteren Leuten, so, Beine drücken gegen die Fäuste nach innen, sieht lächerlich aus.
Joël Kaczmarek: Nee, ich kriege das immer, ich meine, Physio, wenn ich auf dem Bauch liege.
Luise Walther: Oder von außen, ja, aber da hält der Physio, mach das Mal selber.
Joël Kaczmarek: Also ist die Idee, dass die Beine nach innen drücken?
Luise Walther: Die Beine drücken jetzt nach innen.
Joël Kaczmarek: Und die Fäuste sollen auch nach außen drücken? Oder sind die passiv?
Luise Walther: Das kannst du machen, wie Du willst. Wenn du den Oberkörper mit dazunehmen willst, drückst du nach außen gleichzeitig. Dann merkst du schön auch Rumpfaktivität. Schultern nach unten, Füße locker lassen. Oder dann halt Gegenbewegungen. Du drückst von außen gegen die Knie. Und die Knie drücken nach außen. Dann kannst du das machen. Mit der Beckenaufrichtung. Gleichzeitig noch atmen, Zunge ist in einer anderen Position. Du kannst die Sachen halt kombinieren. Ersetzt das jetzt ein Krafttraining? Nein. Wenn ich kein Krafttraining machen, kann, Die erste Möglichkeit, Ist es vielleicht der Schritt zum Krafttraining. Mache ich trotzdem meine Kniebeugen mit eigenem Körpergewicht? Ja, natürlich. Mache ich trotzdem? Deadlifts? Ja, natürlich. Aber die Frage ist ja immer, Wie schaffen wir es erstmal, die Leute vielleicht auch in Bewegung zu bringen, die es noch nicht machen? Wie schaffen wir es, unterschiedliche Altersgruppen daran zu führen, dass Sie Ihren Körper überhaupt erstmal wieder spüren und keine Angst davor haben?
Luise Walther: Und wie schaffe ich es dann im nächsten Schritt, Aber auch die Leute, die schon Krafttraining machen, Da vielleicht ein bisschen mehr Bewegungsvielfalt rein, weil die haben meistens kein Kraftproblem, Da scheitert es meistens an der Beweglichkeit.
Joël Kaczmarek: Lustig. Wo kommt dieser Trend oder dieser Ansatz her?
Luise Walther: Ich und ein Großteil der Leute, die so Neuroathletik, neurozentriertes Training gemacht haben, haben fast alle eigentlich bei Dr. Eric Cobb gelernt. Das ist ein Amerikaner, der das Z-Health Institute gegründet hat, der das aber sehr auf Leistungssport ausgelegt hat. Als so quasi Elite-Performance. Und ich hatte das Glück, damals, die erste Weiterbildung in Deutschland zu machen, dann ganz viel in Schweden und in Dänemark. Und habe mir aber so gedacht, also Leistungssport, ist sehr, sehr faszinierend, Super fürs Marketing, Aber es interessiert mich wirklich nicht, ob die höher, schneller, weiter sind im Generellen, sondern ich finde, Das Wissen gehört eigentlich an Schulen, Das gehört in Gesundheitseinrichtungen, Das gehört in den Alltag. Und nicht erst, wenn ich es geschafft habe, an der Spitze zu sein, dann ist es cool. Ich liebe meine Klienten, mit denen ich da arbeite, aber ich finde Eigentlich gehört das in die breite Masse.
Joël Kaczmarek: Habe ich auch gedacht, dass man eigentlich auch, was du mit der Zunge erzählt, hast. Und mit dem Beckenboden, dass man sowas schulisch unterrichten sollte.
Luise Walther: Total. Also bin ich auch in unterschiedlichen Projekten dabei, weil ich mir immer so denke, es ist ja absurd, dass wir älteren Leuten, wie mir beibringen, Was hätte ich in der Kindheit und Jugend anders machen können, und wie kann ich mich jetzt rehabilitieren, anstatt, dass wir irgendwie den spielfreudigen Menschen beibringen, ey, bleibt spielfreudig, bewegt euch viel. Aber trotzdem haben wir natürlich, auch gerade, wenn wir uns Gesellschaftsdichten jetzt gerade angucken, haben wir halt einfach immer mehr, auch ältere Leute. Deswegen glaube ich, Es gibt nicht so das Eine oder das andere, sondern ein bisschen Gießkannenprinzip. Ich glaube, man kann das nicht oft genug betonen und nicht oft genug wiederholen. Und nicht oft genug den Leuten greifbar, erlebbar machen, Weil die Informationen, Wir wissen alle, dass wir uns mehr bewegen sollten. Ja, aber wie, wo kann ich anfangen?
Joël Kaczmarek: So, jetzt haben wir ein Thema noch offen. Das hast du, glaube ich, auch schon mal angerissen, als du von Fußballern erzählt. hast, wo du meintest, Adduktorenprobleme und so Gleichgewicht. Haben wir noch gar nicht drüber geredet. Das wäre so unser Fünfter und letzter Punkt.
Luise Walther: Ja.
Joël Kaczmarek: Ist jetzt hier der Flamingo angesagt?
Luise Walther: Genau, gibt es ganz, ganz viel. Ich glaube, Die meisten bei Gleichgewichtstraining denken irgendwie entweder an Einbeinstand oder so an unebenen Untergrund. wichtig. Gleichgewicht beantwortet ja eigentlich immer nur zwei Fragen. Also, wo ist oben und in welche Richtung bewege ich mich? Wir haben ganz vereinfacht gesagt, im Innenohr haben wir Gleichgewichtsorganen mit unterschiedlichen Kanälen. Das heißt, Gleichgewichtsorgan rechts und links berechnet Beschleunigung. Beschleunige ich schnell nach oben, nach unten? Habe ich Bewegungen im Kopf? Habe ich Geschwindigkeitsveränderungen und Lageveränderungen? Und Leichtgewichtssystem ist direkt verbunden. Mit Blutdruck, Was viele nicht wissen.
In Kanada, In Neuseeland wird erst Leichtgewichtstraining verordnet, bevor Blutdrucksenker verordnet werden. Auch total spannend. Also, da sind die Studien tatsächlich ziemlich eindeutig. mittlerweile, wo ich so denke, man muss ja nicht die Tabletten weglassen. Aber man könnte ja zumindest zusätzlich und ergänzend auch Gleichgewichtstraining mit anbieten. Und vielleicht die Tabletten zumindest in der Dosis reduzieren für den deutschen Markt. Wäre das ja schon mal ein guter Ansatz. Und ich habe das erste Buch tatsächlich auch über Gleichgewicht und Stabilität geschrieben, weil ich immer wieder die Frage gestellt bekommen habe, ich will meine Körperhaltung verbessern, was kann ich machen? Ich habe das Gefühl, ich stehe nicht gerade.
Ich weiß nicht, wie ich sitzen soll. Und genauso Körperposition, Körperhaltung ist ja wie Bewegen. Auch da geht es um Vielfalt. Es gibt nicht richtig oder falsch, Es gibt keine richtige und falsche Körperhaltung, Es gibt keine richtige und falsche Bewegung, Es gibt kein richtiges und falsches Atmen, sondern es geht um die Vielfalt, Es ist anpassungsfähig. Ich sitze jetzt anders da, als wenn ich irgendwie am Schreibtisch sitzen würde. Ich sitze anders da, wenn ich mit Klienten arbeite. Und man merkt es, glaube ich, auch in dem Podcast, Ich sitze sehr dynamisch. Also viele waren früher immer so, boah, Du bist so unruhig und so zappelig und kannst du einfach mal ruhig sitzen, wo ich so denke, nein, kann und möchte ich nicht, Mein Körper ist auf Bewegung ausgelegt.
Also ich brauche irgendwie diese unterschiedlichen Reize. Das Gleichgewichtssystem ist aber deswegen so spannend, weil das entscheidet, Wie viel Spannung wir brauchen. Also muss der Rücken jetzt angespannt sein oder nicht? Ist der Nacken angespannt oder nicht? Habe ich den Kopf zur Seite gelehnt oder nicht? Ist der rotiert oder nicht? Weil diese unterschiedlichen Beschleunigungen in unterschiedlichen Kanälen, Ich mache das jetzt nicht im Detail, weil ich glaube, das überfordert viele, Aber wie gerade stehe ich, Kippe, ich mein Becken nach vorne oder hinten, sind Reflexe. Deswegen bringt dieses sich bewusst aufrecht hinsetzen, hält wieder zwei Minuten an, Dann sack ich aber wieder zusammen. Und der Körper reguliert sich wieder automatisch.
Übers Gleichgewichtssystem aber ein bisschen besser zu trainieren. Das ist das Einfachste für Verletzungsprophylaxe. Weil Gleichgewichte haben, glaube ich, die meisten. Ich weiß nicht, was deine Assoziation dazu ist. Bei den meisten ist es so, die 80-jährigen Senioren, die Gleichgewicht trainieren müssen. Wo ich so denke, ja, super, Aber fast alle Haushaltsunfälle, Fast alle Sportverletzungen sind aufgrund von Gleichgewichtsthematiken. Weil du nicht schnell genug die Spannung anpassen konntest bei einer Veränderung, auch in den Fußballspielen. Wie schnell kann ich nach rechts, links? Wie schnell kann... Mein Sprunggelenk aber stabilisieren. Ich sage ja da nicht, oh, Ich brauche ein bisschen mehr Spannung auf der Wade und ein bisschen weniger auf dem Hamstring.
Das wird ja alles automatisch berechnet, meistens über Reflexe. Und die kann ich aber trainieren. Es gibt ganz viele unterschiedliche Möglichkeiten. Die einfachsten Sachen sind wirklich, die Augen zu stabilisieren, den Kopf zu verändern. Weil viele Denken bei Gleichgewicht immer daran, Ah ja, ich muss irgendwie mich auf Wackelplatten stellen, ah, ich muss auf einem Bein stehen. Das ist Quatsch. Wenn man gleichgewicht wird, Abhängig von Augen und einem Gleichgewichtsorgan, berechnet. Das heißt, die einfachste Variante wäre Ja-Sager, Nein-Sager. Also, wenn man sich, Wir machen es mal im Sitzen, aufrecht hinsetzt, auf seinen Finger schaut, mit beiden Augen. Und jetzt bleibst du fixiert mit beiden Augen auf dem Finger und gehst mal in die Nein-Sager bewegen.
Aber nur so weit, dass du mit beiden Augen den Finger noch sehen kannst und dass das Bild stabil bleibt. Atme mal weiter, während du das machst. Nicht die Luft anhalten. Du willst ja auch eine Sauerstoffversorgung, haben. Jetzt sieht man bei dir schon so einen leichten Unterschied zwischen rechts und links.
Joël Kaczmarek: Bei was?
Luise Walther: Merkst Du einen Unterschied? Du rotierst nach links weniger weit als nach rechts.
Joël Kaczmarek: Ja, stimmt.
Luise Walther: Du Podcast nach links viel, viel früher und dein Auge zieht nicht richtig mit.
Joël Kaczmarek: Ja, fairerweise bin ich auch von hier, beobachtet. Wollte ich gerade sagen,
Luise Walther: andere Lichtverhältnisse, Deswegen muss man immer so ein bisschen gucken, Aber das wäre jetzt das Erste, wo ich so sagen würde, okay, spannend, Warum ist die Rotation in die eine Seite eingeschränkt? Und dann die zweite, Wir machen mal nur die einfachen Sachen. Blick wieder auf den Finger. Und dann quasi Ja-Saga-Bewegung wieder. Blick bleibt auf dem Finger, darfst weiter atmen, Zunge bleibt in der Neutralposition und locker lassen. Fällt Dir das schwer, den Blick zu fixieren?
Joël Kaczmarek: Ich merke mal runter, ist ein bisschen Anstrengender als hoch.
Luise Walther: Ja, da merkt man bei dir auch, springen die Augen, gehen kurz mit runter, springen dann wieder zurück zum Punkt. Das sind wieder, das kann man Variationen, Erste Variante im Sitzen machen. Da hat man oftmals noch nicht so das Gefühl, dass man gerade sein Gleichgewichtssystem trainiert. Wenn du das im Stehen machst, wird es schon ganz, ganz anders und viel schwieriger. Für Leute, Die sagen, ja, ist mir zu leicht, dann stellt man sich hin, nimmt die Füße zusammen, Dann wird es schon viel, viel schwieriger. Wenn man irgendwann sagt, okay, ich kann das gut, machen wir das. Im Laufen, sucht sich einen Punkt, am anderen Ende quasi des Ganges, läuft, macht ein Ja-Sage, macht ein Nein-Sage, Weil was machen wir damit?
Die unterschiedlichen Kanäle im Gehirn müssen quasi reagieren auf diese Beschleunigung, dadurch, dass der Blick aber stabilisiert ist. Über die Augen, muss ich jetzt die Muskulatur anpassen und sagen, okay, warte mal, ich muss mich neu orientieren. Training ist ja eigentlich dafür rausgelegt, dass wir es dem Körper schwerer machen. Das hatten wir vorhin schon bei Stressresistenz. Wir wollen ja die Stresstoleranz ausweiten. Dass das Hirn jetzt lernt, okay, Ich muss meine Bewegungen koordinieren, während aber eigentlich der Kopf eine Bewegung macht, ist genau dieser Trainingseffekt, dass das Gleichgewichtsorgan schneller berechnen kann, was passiert da. Und dann kann man tausend Sachen machen.
Die einfachste Sache ist immer vorwärts, Rückwärts laufen. Und das schätzt man total. Kann man jetzt hier, glaube ich, in dem Setup nicht ganz so gut testen. Könnt Ihr aber, wenn Ihr das zu Hause mal macht, einfach mal ein paar Schritte vorwärts, rückwärts. Aufpassen, dass nicht irgendwas auf dem Fußboden liegt, wo man drüber stolpern kann, weil Vorwärts-Rückwärts-Laufen sofort die Reflexe abändert. Also, wenn du vorwärts läufst, kannst du dir jetzt mal vorstellen, trittst du erst mit der Ferse auf, rollst ab. Wenn du rückwärts läufst, sitzt du erst mit dem Vorfuß auf und rollst langsam ab. Du kehrst jedes Bewegungsmuster um. Du hast eine andere Beschleunigung, du hast eine andere Aktivierung der Schutzmuster und Spannungsmuster.
Wir haben in Studien, sieht man, dass Vorwärts-Rückwärts-Laufen Fünf Minuten einen sofortigen Effekt hat. Auf Schmerzreduktion bei Knieschmerzen. Bei Hüftschmerzen und Rückenschmerzen sogar häufiger einen höheren Effekt, als wenn du medizinische Trainingstherapie machst. Du musst dann immer die Studien, sich natürlich so ein bisschen angucken. Wenn du zweimal die Woche ins Gym gehst und hast keine gute Betreuung, machst du irgendwelche schwachsinnigen Standardgeräte. Gut, dann ist natürlich, wenn du jeden Tag vorwärts und rückwärts läufst, hast du einfach mehr Bewegungsimpulse und mehr Bewegungsvielfalt.
Joël Kaczmarek: Aber du meinst wirklich vorwärts, rückwärts, immer im Wechsel? Einfach am Stück.
Luise Walther: Suchst den Punkt und läufst drei Schritte vor, Drei Schritte zurück, drei Schritte vor, drei Schritte zurück. Mache ich jeden Morgen beim Zähneputzen. Und ich merke so richtig, also, das reguliert ganz viele andere Sachen, auch. Für Blutdruck super, Das ist aber auch für Fokus, für Konzentration. Ich habe viele, weil du das vorhin auch so gesagt, hast, mit denen, Ich habe ganz, ganz viele, die einfach so sagen, Sie haben so das Gefühl, Sie wachen auf und Sie sind gefangen im eigenen Körper. Die haben eine Morgenfestigkeit oder Morgensteifigkeit, zum Teil schon. Die haben sehr, sehr hohe Grundspannung im Körper, teilweise auch durch Medikamente, durch OPs. Wo ich auch sage, Beim Zähnenputzen vorwärts, rückwärts laufen. Es ist erschreckend, Nicht mal zwei Minuten. Ich habe manche, die nach 30 Sekunden sagen, sie merken dann so richtig, wie geschmeidig, das auf einmal alles wird, weil der Körper ja bei jeder Bewegung neu berechnen muss, Wie viel Spannung brauche ich, Wie viel Entspannung brauche ich, Wie kann ich das gelenkte Sprunggelenk besser miteinander kombinieren. Alles, was wir da technisch durch Dehnübungen, durch all diese Sachen machen, ist ja nichts Natürliches, sondern wir wollen ja eine Vielfalt reinbringen. Ist ja nicht nur in der Politik und im sozialen und kulturellen Leben oder bei der Ernährung, so. Je vielfältiger die Bewegung, umso besser.
Joël Kaczmarek: Ich denke gerade darüber nach, bei meinem Chiropraktiker, der kommt wie immer hier zum Thema, Der hat so ein Gerät, da hast du zwei Wagen, links und rechts, stellst dich drauf. Und dann hat er so ein Aufbauapparat hinter, und dann hat er so Linien. Long Story short, Du siehst halt, Wie viel Gewicht, welcher Fuß. Und dann hat er, Ich glaube, Hüfte, Schultern und wahrscheinlich Kopf. Dann kannst du halt sehen, wie du stehst. Und das ist halt schon krass, wenn du manchmal siehst, alles klar, Dein linker Fuß trägt sieben Kilo mehr als der rechte, Weil irgendwie die Hüfte ist nach links gekippt, Ausgleichend ist aber die Schulter nach rechts. Es gibt halt alle möglichen, es gibt, welche, Die sind in eine Richtung komplett geneigt. Manchmal hast du es sozusagen verquer.
Luise Walther: Und das ist aber nur eine Momentaufnahme. Also, wir haben das jetzt in, Ich habe das, in Zürich haben wir das getestet. Wir haben das damals in Ulm getestet, bei so einem Schmerzwaschungsprojekt.
Luise Walther: Es gibt ja ganz viel diese Druckplattenmessung, dass ausgemessen wird, Wie ist das. Also klar, wenn du mehr Gewicht auf die rechte Seite hast, muss ja die Körperkette sich anpassen. Die einfachste Variante, Gleichgewicht und Körperhaltung zu trainieren, ist sich hinzustellen. Wir können es auch im Sitzen machen. Setz dich mal hin. Ist jetzt egal, ob Schneidersitz oder Fußkontakt. Fußkontakt wäre besser, aber geht auch so. Und jetzt gehst du einfach ein paar Mal, Achtest erstmal drauf, atmest ein und aus. Wie sitzt du gerade? Musst du nicht beschreiben, Du achtest einfach nur drauf. Wo spürst Du Druckpunkte, wo spürst du Bauchanspannung? Rückenanspannung, Schulteranspannung.
Kann man im Stehen genauso machen. Also, wenn ihr steht, macht es im Stehen. Und jetzt gehst du mit dem Gewicht mal so ein bisschen nach rechts und links. Und man schwankt einfach nach rechts und links. Achtest Mal drauf, wenn du mehr rechts bleibst, Wie fühlt sich das an? Jetzt im Sitzen hat man es mehr auf dem Sitzbein, Und im Stehen hältst du es jetzt mehr über die Füße. Wie fühlt es sich an, wenn du mehr nach rechts gehst? Mehr nach links? Pegelst dich in der Mitte wieder ein. Gehst nochmal nach rechts und links und achtest mal drauf, Wann spannt Bauch und Rücken an? Spannt da überhaupt was an? Kommst du zur Mitte zurück, jetzt machst du das nach vorne und hinten. Lehnst dich einfach nach vorne und hinten und achtest mal wieder drauf, Wann spannt da was an, Wann lässt da was locker.
Und alle, die jetzt ein bisschen mehr Masse haben, als ich, ja, Auch wenn man Fettschichten hat, merkt man was an und entspannt, weil ich dann immer so habe, ja, da merke ich nichts, wo ich so denke, ja, Drück ein bisschen den Bauch rein, Dann merkst du schon, wenn was anspannt oder locker lässt. Das geht auch durch die Fettschichten durch. Dann kommst du zur Mitte zurück. Und versuchst dich, jetzt wirklich mal so einzupäkeln, rechts-links ausgleichen, vorne-hinten ausgleichen. Wenn man das jetzt im Stehen machen würde, hättest du jetzt die perfekte Position, individuell. Die wird bei mir zum Beispiel, Ich spüre nach der zweiten Bandscheiben-OP den rechten Fuß noch nicht wieder richtig. Das heißt, wenn mich dein Chiropraktiker auf die Platte stellt, werde ich natürlich mehr gewicht.
Rechts haben, weil ich durch mehr Druck mehr Intensität spüre. Ich will gar keine 50-50-Verteilung, weil individuell, Für mich ist das so viel, viel sicherer. Aber dieses Nach vorne, hinten, rechts, links, was machen wir? Die unterschiedlichen Kanäle im Gleichgewichtsorgan bemessen. Wenn ich weiter nach vorne gehe, denkt mein Gehirn, ich falle nach vorne, spannt die hintere Kette an. Wenn ich mich nach hinten lehne, denkt der Körper, Ich falle nach hinten, spannt vorne an. Wenn ich nach rechts gehe, spannt links an und umgedreht. Das sind Reflexe, ob ich will oder nicht. Das geht im Sitzen, Das kann ich auch mit dem Rollstuhl fahren oder mit den Halbseitenspaßdingern machen, die ich online betreue.
Und auf einmal merkt das Gehirn aber so. Aber warte mal, ich habe ja andere Anspannungsmuster. Das heißt, die Landkarte, Wenn wir bei dem Bild bleiben, wird viel, viel klarer. Ich kriege viel mehr Informationen. Meine Excel-Tabelle wird gefüllt.
Luise Walther: Und jetzt kann das Hirn wieder neu berechnen. Ist es sinnvoller, mehr rechts oder links zu stehen? Ist es sinnvoller, mehr nach vorne oder hinten zu stehen? Wenn man das im Stehen macht, merkt man relativ deutlich,
Luise Walther: Steht man mehr auf den Hacken oder mehr auf den Zehenspitzen. Frauen mit hohen Schuhen logischerweise mehr auf den Zehenspitzen. Die lernen das meistens auch bei Flachen. Verschieben Ihr Becken, haben dadurch schon mehr Rückenschmerzen und mehr Anspannung, gehen dadurch schon stärker in die Brustkorbatmung. Je nach Klamotten kann man sich das auch nochmal angucken. Männer mit Anzügen, je nachdem, wie hoch die Hosen sitzen, haben ein anderes. Männer mit den krassen, rutschigen Anzugsschuhen fangen meistens an, die Füße zu krallen, haben dadurch weniger Aktivierung im Gesäß, überspannen dadurch mit den Hamstrings. Also Du siehst ja so gewisse Muster schon alleine an den Klamotten und siehst ja dann, Wie die Leute laufen. Und alleine dieses nach vorne,
Luise Walther: hinten, rechts, links, Neutralposition, Dein Körper brechnet jetzt individuell, was er braucht. Vielleicht willst du mehr nach vorne oder hinten stehen. Vielleicht hast du eine Bandscheiben-OP gehabt. Vielleicht Frauen. Nach Kaiserschnitt-Narbe, haben natürlich eine andere Stabilität. Da sind einmal alle Muskelgeschichten durchgeschnitten.
Joël Kaczmarek: Aber es spannt doch viel mehr an. Also wenn du jetzt sozusagen, durch deinen Bandscheibenvorfall den rechten Fuß nicht so belastest, hast du doch links sozusagen. So ungleiche Muskelspannung als rechts.
Luise Walther: Ich hatte, also mein Körper, sagen wir, war herausfordernd nach und zwischen den OPs, wo ich so dachte, meine Güte, der weiß ja überhaupt nicht mehr, wo oben und unten ist. Deswegen, Ich habe mit diesen kleinen Interventionen super viel gearbeitet. Wenn ich, wann hatte ich das das letzte Mal, irgendwie längere Flüge, selbst so drei Stunden. Flugwende, Da teilweise... Selten aufstehen kannst oder blöd sitzt, Stehe ich danach wirklich auf und noch im Gang laufe ich vorwärts und rückwärts. Und merke so, Oh, geil, das sortiert sich wirklich alles neu. Weil, Also vielleicht kennt man, Manche kennen das ja vielleicht, die dann so anfangen, ach, ich muss gerade sitzen. Oder irgendwelche... Jetzt aufpassen, was ich sage. Irgendwelche Geräte, die den Körper in vermeintlich gute Körperhaltungspositionen bringen,
Luise Walther: verarschen ja eigentlich das Gehirn. Also egal, ob dann so. Dieses klassische Schultern werden nach hinten gezogen. Der Körper reagiert ja aber gegen den Druck. Das heißt, wenn du diese Gurte anziehst, was passiert? Der Körper arbeitet eigentlich aktiv, die ganze Zeit nach vorne. Was man ja eigentlich machen müsste, Du bräuchtest Gurte, die dich nach vorne ziehen, damit du aktiv dagegen arbeitest und in die Aufrichtung kommst. Sage ich nichts zu, habe ich schon Anwaltsbriefe im Posteingang, kann ich mir nicht mehr leisten. Das heißt, auch da zu gucken, Wie kriegt der Körper schnell? Mehr Informationen und den Körper dann aber auch einfach selber machen lassen.
Luise Walther: Wie viele Menschen erlebe ich, die sagen, ja, mir hat ein Arzt, ein Therapeut, Ein Coach, ein Trainer gesagt, ich soll beim Laufen leichten Bauch anspannen. Ich soll beim Laufen die Schultern leicht nach hinten und unten ziehen. Ich soll aufpassen, dass ich gleich mich zwischen rechts und links belasse. Was sollst du denn machen? Das ist ja Quatsch. Das sind Reflexe, die laufen automatisch. Und dann gehst du willkürlich drüber, Das heißt, der Muskel kriegt einmal über die Reflexe, die Information anspannen und dann über willkürlich die Information locker lassen. Und dann ist es total angespannt. Und das ist ja oft das, was man hat. Also für alle, die jetzt abgeschalten haben, lauft vorwärts und rückwärts. zwei, drei Minuten am Tag. Und ihr werdet merken, es ist angenehmer.
Joël Kaczmarek: Aber es stimmt, was du sagst. Ich habe das auch damals erzählt, bekommen. Ich habe mich immer schwer damit getan, wenn es hieß Bauch anspannen, Ob das meinte einziehen oder festmachen. Aber siehst du, wenn wir laufen und dann Füße abrollen? Und so, das ist ein bisschen, wie du schon ein paar Mal jetzt gesagt. hast, das merkt man sich zwei Minuten, vielleicht sogar fünf, wenn man stark ist, zehn. Ja,
Luise Walther: Und das zerstört halt deine Selbstwirksamkeit. Also das ist dieser biomechanische Ansatz. Ich habe das auch gelernt. Wir stellen dich jetzt hin, dein Sprunggelenk, Knie, Hüfte, Schulter und Gehörgang muss in einer Linie sein. Ja, aber warum denn? Und das künstlich zu machen.
Joël Kaczmarek: Wenn man alles gleichmäßig belastet ist,
Luise Walther: hätte ich jetzt gesagt. Ja, in der Theorie. Aber wenn ich das jetzt willkürlich so anspanne, ist ja Quatsch. Wenn ich den Leuten sage, stellt euch mal hin, wir gucken. Keine Ahnung, nichts davon ist in der Linie. Wackelt mal ein bisschen nach vorne, hinten, nach rechts, links, lasst Euren Körper mal sortieren, Was fühlt sich gut an, stellt euch hin, ja, dann stehen die automatisch in dieser Linie. Ich mag diesen korrigierenden Ansatz nicht. Wir sollten nicht korrigieren, Wir sollten dem Körper mehr Informationen geben. Und der Körper organisiert sich selber, der reguliert sich selber.
Joël Kaczmarek: Ich verstehe, das ist eine schöne Philosophie, die da sozusagen deutlich wird.
Luise Walther: Ich bin eigentlich Philosophin, Endlich erkennt das bei jemandem.
Joël Kaczmarek: Also eigentlich ist es ja ein Zwang, den man dem auferlegt. Wenn man jetzt sagt, okay, konzentrier dich darauf, immer das zu machen, wenn...
Luise Walther: Ja, und das zeigt einen Mangel. Das ist eine sehr deutsche Problemorientierung. Du bist nicht richtig, wie du bist. Ich erkläre dir jetzt, wie du stehen musst. Und das macht in vielen Business Cases ja auch Sinn. Auch dieses, du darfst nicht allein ins Fitnessstudio gehen, weil dann weißt du, was Du alles kaputt machen kannst, wenn du die Übung falsch machst. Wo ich denke, was sollst du denn kaputt machen? Mach Halt weniger Gewicht, wieder Ausgangspositionen anfassen, Geschwindigkeit, Bewegungsumfang und dann halt, wenn du mit Gewicht machst, Fang mit leichtem Gewicht. Was willst du kaputt machen? Kein Kind macht sich kaputt, wenn es auf den Spielplatz geht. Wir sind mit einer Bewegungsvielfalt aufgewachsen. Gibt es Verletzungen? Ja. Aber Verletzungen gehören zum Leben dazu, Aber die machen sich ja nicht kaputt. Du sagst einem kleinen Kind idealerweise ja auch nicht, spring da nicht runter. Die klettern ja normalerweise, also, wenn du bist Vater, du weißt das besser, Aber die klettern ja normalerweise auch nur, wenn Sie alleine klettern, So weit hoch, Wie Sie runterspringen können.
Joël Kaczmarek: Aber gut, ich meine, es gibt ja schon, Ich denke zum Beispiel so Kniebeuge. Weiß nicht, haben wir immer beigebracht, bekommen, Knie nicht über die Füße, weil sonst belastest du irgendwie die, Was weiß ich. Quatsch,
Luise Walther: Völliger Bullshit, warum? Wenn du jetzt mit Maximalgewicht trainierst, ist es eine andere Sache, aber fast keiner trainiert ja. One-Rap, also, dass man nur eine Wiederholung schafft, sondern das ist ein super Beispiel. Im Gegenteil, mit allen, mit denen ich trainiere, sage ich, Ich möchte nicht nur, dass dein Knie über das Sprunggelenk geht, ich möchte, dass es so weit nach vorne, so weit nach hinten,
Luise Walther: So weit nach innen und nach außen geht. Weil genau diese Bewegungsvielfalt trainiert ja. Verletzungsprophylaxe. Ich möchte, wenn du, ich meine, dann kurz im Sitzen, wenn du den Fuß aufsetzt. Dass du maximal auf die Außenkante und auf die Innenkante gehen, kannst. Dass dein Knie maximal nach innen, Maximal nach außen den maximalen Bewegungsradius von allen Gelenken kann. Weil dann bist du stark, dann bist du beweglich. Aber dieser alte Ansatz, dein Knie darf nicht übers Sprunggelenk, ja, Aber wenn ich eine andere Anatomie habe, einen längeren Oberschenkel, dann? Also, das ist mit Verlaub so. Training aus den 60ern, 70ern, wo man genau diesen biomechanischen Ansatz gefahren ist. Aber der Mensch ist doch keine Maschine.
Joël Kaczmarek: Wo auch ein bisschen drinsteckt, dass man jeden gleich schaltet, höre ich auch raus.
Luise Walther: Total.
Luise Walther: Alle gehen bitte in diese vor allem Männer dominierte Richtung, weil damals mit, Also, ich will jetzt hier kein Feminismus Thema aufmachen, aber das sind ja. Fast alle Trainingsempfehlungen sind auf Männerkörper ausgelegt, Aber Frauen haben ganz anderen Schwerpunkten. Also beispielsweise dieses Laufen mit Gewichtswesten. Wenn ich als Frau mit diesen Gewichtswesten laufe, die sind viel zu hoch, ich bin nicht Brustkorb dominant, Ich müsste das viel weiter Richtung becken und Hüfte haben, dann wäre das Super für mich. Wenn ich mit den klassischen Gewichtswesten laufe, kriege ich danach Rückenschmerzen und nicht nur ich. Also, das sind so ganz viele Sachen und aber nicht nur, weil es Männer und Frauen unterschiedlich ist, sondern weil auch jeder Mann unterschiedlich ist.
Je nachdem, Wie groß ist dein Oberschenkel im Verhältnis zum Unterschenkel, Wie frei ist, dein Sprunggelenk und jemanden beizubringen, geh ins Gym und mach die Übung nur so, das ist für mich... Deswegen gehen so wenig Leute ins Gym. Deswegen haben so viele Leute Angst, eine Bewegung richtig oder falsch zu machen. Das sind, glaube ich, Die bestbesuchten Workshops bei mir, wo es um Individualisierung und richtige und falsche Bewegung geht, weil alle denken, jetzt lernen sie, wie Sie die Bewegung richtig machen. Und dann ist die erste Aussage, Es gibt keine richtige und falsche Bewegung. Und wir gehen jetzt acht Stunden lang durch sämtliche Gelenke durch. Und ich zeige euch, dass da nichts passiert.
Und wie, das ist, was anderes. Wenn ich das mit maximalem Gewicht belade, dann brauche ich natürlich eine saubere Technik. Wenn ich jetzt Wettkampfsport mache, dann gibt es natürlich Bewegungsmuster, Wie das aussehen soll. Aber für Menschen, die nicht im Wettkampfsport sind, geht es darum, dass sich das Gelenk in jeder Variante bewegen kann. Wenn ich bei deinem Kniebeugebeispiel bleibe, mit dir, würde ich dir beibringen, zu sagen, geh mal in die angedeutete Kniebeuge, Maximale Beckenposition. Im Hohlkreuz, ja, könnt ihr zu viele kriegen, Herzinfarkt, im Hohlkreuz Kniebeuge machen. Mit Rundrücken Kniebeuge machen, dann erst Gewicht drauf. Knie maximal nach innen, wo mir alle im Gym ankommen und irgendwelche dudes mir erklären, oh, das ist aber nicht gut, Deine Knie gehen nach innen und außen.
WO ICH SO denke, ja, Ich trainiere gerade Bewegungsvielfalt. Danke für das Feedback, Weil wenn ihr denkt, ich mache es nicht bewusst, verstehe ich, dass ihr mich korrigieren wollt, macht mal mit. Ich trainiere dann immer alle anderen mit und denke mir so, wir machen das Mal zusammen. Du sollst mal spüren, was wir machen. Auf einmal kriegen die Knie mehr Gewicht, bewegt. WO ICH SO denke, JA klar, weil deine Landkarte pro Gelenk klarer wird. Das Hirn viel, viel besser steuern kann. Was brauche ich denn? Und dann wird es, Das ist vielleicht nochmal wichtig vom Verständnis, Ich sage nicht, dass man dann die ganze Zeit in diesem maximalen Bewegungsradius sein muss, Aber dadurch lernt der Körper, Was ist ideal für mich.
Und dann kann ich in der Idealposition mit Gewicht auftrainieren.
Joël Kaczmarek: Das ist ja die Karte ganz praktisch, also eigentlich deswegen auch neurozentriert, weil sozusagen dein Gehirn, du quasi mehr lernst, Mehr Informationen bekommst, Dadurch dann Bewegung anders ausstellen, kannst. Also, es ist sozusagen ein sehr interaktiver Vorgang eigentlich und damit auch ein sehr individualisierter.
Luise Walther: Und das ist ja das Schöne. Und das finde ich, also, das hat mich so frustriert, dass mir immer so Bewegungen gezeigt wurden, So sollen die sein und so sollen, die sich anfühlen. Und ich dachte mir ganz oft so, ja, fühlt sich aber nicht an, ist übelst unangenehm, ist übelst, scheiße. Und deswegen dieses, Die Übung ist gut bei Rückenschmerzen. Und ich war aber oft quasi der Querulant in den Kursen und dachte mir, es ist richtig unangenehm, es tut richtig weh, ich merke, wie dieses Brennen ins Bein zurückkommt. Und da wurde aber nicht angepasst, sondern ja, das ist dann so. Ja, können wir dir auch nicht helfen, ja, stell dich mal nicht so an. Und da dachte ich mir immer so, also.
Entweder bin ich bekloppt und bin ja irgendwie die Außenseiterin und die Einzige, die es nicht versteht. Und mit je mehr Menschen ich dann aber mal drüber gesprochen habe, Umso mehr haben Sie gesagt, ja, verstehen Sie auch nicht, ja, ist für Sie auch unangenehm, wo ich es gelernt habe. Ja, aber das kann ja nicht sein. Es kann ja nicht sein, dass wir alle Übungen machen und Sport irgendwie mit Angst besetzt ist, was falsch zu machen. Wie viele, auch ältere Frauen erlebe ich, die so sagen, ja, Sie dürfen ja nicht mehr springen, weil wenn Sie springen, weil die Knochendichte zurückgeht und weil ihre Gelenke kaputt sind. Dann könnte was passieren, wo ich so denke, ja, weil ihr nicht mehr springt, gehen die kaputt.
Also im Gegenteil, Sprungtraining. Ich bringe gerade auch meine Arme Nachbarin, die muss alles mit mir immer austesten. 86 ist Sie jetzt gerade, nee, 87 ist sie mittlerweile geworden. Mit der mache ich Sprungtraining. Erstmal auf der Stelle hüpfen, Die springt jetzt keine Sorge. Und ich das jetzt wieder irgendwelche Podcast. E-Mails bekomme. Ich lasse, die nicht auf eine Box springen, von einer Box runterspringen. Wir fangen langsam an. Aber die springt jetzt immer die erste Treppe runter. Zuerst mit beiden Beinen, dann nur mit einem, dann nur mit dem anderen. Nächste Woche springt sie die Treppen Bitte hoch. Erstmal nur eine. Und wir haben angefangen, erstmal nur umstehen, leicht zu wippen.
Ja, die hat zwei künstliche Schultern, zwei künstliche Knie, Die hat auch schon viel gemacht, Aber wo ich so denke, Wir bringen so eine Angst und so eine Defizitorientierung in Gesundheit. Ich komme nicht aus dem Bereich, ich bin kein klassischer Therapeut, ich bin kein klassischer Trainer, Ich habe keine Sportwissenschaften studiert, sondern ich bin ja gleich mit diesem Neuroansatz quasi in diese ganze Branche gestartet, habe die ganzen Trainerlizenzen gemacht. Ich bin aus zwei Akademien geflogen, weil ich gesagt habe, sorry, das ist Körperverletzung, was Ihr hier macht und uns beibringt. Ich darf eh keinen Namen nennen, von daher, aber wo ich so denke, wir haben ein Leben, wir haben einen Körper, wir wollen den alle genießen.
Warum machen wir uns das so schwer? Und kommen dann mit Schablonen an und sagen, so musst du aussehen, So muss die Bewegung aussehen.
Joël Kaczmarek: Schablonen ist das passende Wort, weil. Ich wollte gerade sagen, bei dem, was du beschrieben, hast mit deinen Rückenkosen, wo du der einzige Alien warst, der das nicht schmerzfrei machen kann, oder vermeintlich. Wenn man dann in der Umkleide redet, werden ja die Talks auch immer anders als vor Ort. Da wäre sonst gesagt, wenn du nicht in die Schablone passt, dann ist bei Dir was kaputt. Dann müssen wir erst mal das andere reparieren, damit Du dann an der Stelle wieder in die Schablone... Weil wenn du das nicht machen kannst, ist es wahrscheinlich mit deinem Rücken irgendwas. Und dein Rücken ist vielleicht wegen dem Kiefer und so.
Luise Walther: Und deswegen sage ich immer so, Ich habe auch keine Ahnung, und ich bin aber auch total irrelevant. Also auch, weil ich im 1. zu 1 mit Klienten arbeite. Es geht überhaupt nicht darum, was ich sehe oder was ich wahrnehme. Es geht darum, Wie fühlt sich das für dich an? Was sagt Dir dein Körper gerade? Was sagt dein Nervensystem? Ist das sicher oder nicht? Wie oft habe ich Bewegung oder Übungen bekommen, auch in den ganzen Weiterbildungen. Und dann haben die gesagt, geil, Viel bessere Bewegungsumfangen. Und ich dachte mir so, ja, kann sein, Es fühlt sich übelst unsicher an. Ich habe so richtig Angst, mich jetzt zu bewegen. Ich bin dann natürlich durch die beiden OPs auch ein bisschen vorgeprägt, Aber das war für mich so, dieser Ansatz zu sagen.
Ich hätte gerne, dass Bewegung und der eigene Körper, wieder sehr hedonistisch, dass es geil ist, dass man Spaß daran hat, dass man sich freut, dass es nicht darum geht, was richtig oder falsch zu machen. Das ist so wie in der Schule, wie so dieses Bildungssystem, wo ich so denke, es geht doch darum, neugierig zu sein und zu gucken, Vielleicht kann ja das Knie, was passiert denn, wenn ich mit dem Knie über das Sprunggelenk gehe? Wie fühlt sich das an? Wenn es sich unsicher anfühlt, Ja, mach es halt nicht. Wenn du es langsam machst, mit wenig Bewegungsradius. Und es fühlt sich gut an, Ja, super, dann hast du das erste Mal dein Gelenk wieder im Vollen Radius bewegt. Herzlichen Glückwunsch, Sprunggelenk wird frei.
Joël Kaczmarek: Ich denke gerade an diese Maschinen im Fitnessstudio, wo man sich irgendwelche gewichte, draufpackt. Und entweder hast du sowas vor dir und drückst es weg oder hinter dir.
Luise Walther: Kann ich alles nicht machen. Ich bin 1,60 m und Wiege 50 kg. Das ist leider nicht für meine Körpergröße ausgelegt. Ja, und du lachst. Aber das ist natürlich auch ein Thema, dass wenn ich früher ins Gym gegangen bin, Ich hatte so einen Klienten, Der ist mindestens zwei Meter, wiegt es vierfacher von mir. Mit dem habe ich immer so eins zu eins im Gym gemacht. Und ich musste mir wirklich bei fast jedem Gerät immer erst mal so fünf Scheiben unterlegen. Wenn ich alleine, wenn ich Butterfly mache, ich komme mit meinen, wie hier, das ist wie hier, Ich komme mit den Füßen nicht auf den Boden, wenn ich mich richtig hinsetze. Also, es ist halt für größere Leute, Ich glaube, die sind ja alle für 1,80 ausgelegt.
Joël Kaczmarek: Aber damit ich das nochmal sauber verstehe, weil wenn ich zum Beispiel so etwas wie Butterfly denke. Oder diese Übung, Ganz oft hast Du ja, ja spann den Bauch an, wenn du das machst und so. Also Du sagst, das ist Quatsch, dass man sowas gar nicht beachten muss, sondern dass man mehr in sich reinfühlen soll.
Luise Walther: Je nachdem, wie viel gewicht du hast. Also bei gewissen Übungen, Ja, klar geht man erstmal eine Kursspannung und aktiviert den Bauch. Ich würde aber nie sagen, also... Dieses Bauch einziehen, finde ich totalen Quatsch. Ich gehe wirklich ganz oft mit den Händen. Erstmal über den Bauch, kann ich den leicht anspannen, aber leicht und nicht maximal irgendwie die Luft anspannen. Für mich ist das Wichtigste immer erstmal, kannst du noch atmen? Die meisten, wenn Sie den Bauch anspannen oder Chor, auch ein Pilates anspannen, halten ja die Luft an.
Joël Kaczmarek: Ich wollte gerade sagen, der Witz ist ja, wenn du Spannung aufbaust, dass du nicht, Vielleicht ist das auch genau falsch, Immer so eine Pressatmung entwickelst, wenn du zum Beispiel gegen Gewicht arbeitest.
Luise Walther: Und das kannst du wieder bei sehr hohen, Gewichten, Auch da bin ich oft anderer Meinung, ich würde das alles ein bisschen, oder ich handhabe das anders, Ich mache aber auch nicht so schwere, Gewichte, Aber zum Beispiel bei Butterfly, bei Lattzug, Willst du erstmal atmen können. Und du willst erstmal ein Gefühl. Dafür bekommen, Da kriege ich auch jedes Mal einen Anranzer, wenn ich das mache, Lattzug, Also, wer das nicht kennt, du greifst Griffe und ziehst sie nach unten. So, wenn ich das mit Klienten mache, die ich quasi in ihr langweiliges Home-Training einführe, weil die sagen, Sie wollen halt nur die Geräte machen, ist ja völlig okay, jeder soll machen, was er erstmal machen will, dann sage ich auch.
Wie fühlt sich das an, wenn die Schultern völlig nach vorne gehen? Wenn die völlig nach hinten gehen? Wie fühlt sich das an, wenn du den Kopf nach unten nimmst? Den Kopf nach hinten? Wie fühlt sich das an? Mit gebeugter Brustwirbelsäule? Überstreckter Brustwirbelsäule? Wie fühlt sich das an? Im Hohlkreuz, im Rundrücken? Da gehen wir erstmal alle Bewegungsradien durch. Und dann sage ich so, und jetzt machen wir mit leichtem Gewicht. zwei, drei, die sich sauber und normal und gut für dich anfühlen. Ja, perfekt. So fängst du an. Also Ich arbeite viel mehr über Wahrnehmung. Wie fühlt sich das an? Viel mehr wirklich über maximalen Bewegungsradius. Was weiß ich, ob die Schulter weiter nach vorne oder nach hinten muss.
Ja, klassisch muss das Anliss irgendwie mit der Ellenbogen weiter nach hinten. Ja, ist vielleicht für den scheiße. Vielleicht hat der so hohe Spannung, ja, Aber wo ich immer so denke, ist ja schön, dass das in der Theorie ist. Menschen sind keine Theorie, Wir sind keine Maschine, wo du das Muster oder die Schablone auflegen kannst.
Joël Kaczmarek: Weil du immer sagst, Du kriegst bissige Kommentare. Ja,
Luise Walther: ich bin nicht sehr beliebt in der Branche.
Joël Kaczmarek: Ich hätte dir vorher sagen sollen. Ja, genau. Wir sprechen beim nächsten Mal. Einladung nochmal. Wenn jetzt jemand kommt und sagt, ja, die hat ja schon zweimal Bandscheibe, auf, die will ich gar nicht hören. Weswegen hattest du denn eine Bandscheibe? Oder bist du sozusagen gebildet geworden, dadurch, dass du diese Probleme hattest?
Luise Walther: Ich komme ja aus einem ganz anderen Bereich. Ich habe International Culture and Business Studies studiert, habe zehn Jahre Projektleitung in einer Kulturagentur gemacht. Also ganz viele Events, Berghain, Radialsystem, Museum für Islamische Kunst, die ganzen großen europäischen Veranstaltungen und sowas. Und hatte immer schon stressbedingt so ein bisschen Rückenschmerzen. Das ist dann immer schlimmer geworden. Ich fasste das zusammen, Dann hatte ich die erste Bandscheiben-OP und bin aber dann halt als Kassenpatientin genau in diese Lücke gestoßen. Ich war damals Ende 20 bei der ersten OP, irgendwie frisch verheiratet, Nächste große Projekt in Brasilien stand vor der Tür. Und ich dachte mir so, ja, ich muss das Event absagen, das funktioniert ja nicht ohne mich.
Völlig bescheuert, Wie wichtig ich damals dachte, dass ich bin und wie wenig austauschbar man einfach ist. Hab dann zwei Rezepte Physiotherapie bekommen, hab da so engen Passdehnung bekommen und schön rein in Schmerz. Und es ist halt nicht besser geworden. Ich war auf Morphium, ich konnte nicht laufen, ich konnte nicht richtig, ich wohne im vierten Stock. Mein Hausmeister damals hat mir in jedes Stockwerk einen Hocker gestellt, weil ich ja gesagt habe, ich komme da nicht hoch, ich komme aber nicht runter. Und dachte mir dann so, ja, das ist ja scheiße. Und habe dann den Job gekündigt und gesagt, ich brauche jetzt mal ein halbes Jahr nur für mich. Vielleicht komme ich wieder, vielleicht aber auch nicht.
Und hat dann in so einer Nacht-und-Nebel-Aktion, habe ich gesagt, ich suche mir jetzt Personal Trainer, die mir zeigen, was ich machen soll. Dann hatte ich einen coolen, aber der konnte mir mit den Schmerzen auch nicht weiterhelfen. Und die anderen waren halt so, ja, du musst Bauch trainieren und Hamstrings. Zu der Zeit war ich eh schon auch durch das Morphium so abgemagert. Also, ich war ripped as fuck. Ich hatte ein austrainiertes Sixpack. Das war schon alles so, dass ich dachte, weiß ich nicht, ob ich jetzt irgendwie noch Bauchmuskulatur trainieren muss. Würde ich jetzt eher sagen Vom Gefühl her nicht. Aber gut, kann ich auch machen. Und dann hatte ich einen Orthopäde. Bei dem ich dann immer so rumgemerkert habe und gesagt habe, das ist doch scheiße, Da muss mir doch irgendwer helfen.
Der fand den Fall natürlich total spannend. Und dann bin ich über Zufall, über den, auf die erste Ausbildung von neurozentriertem Training, also von Dr. Eric Cobb gestoßen. Und da war ich, ich konnte nicht richtig laufen, Ich hatte keinen Fußheber, Fußsenker, also, ich konnte nicht auf die Zehenspitzen, nicht auf die Fersen auf der linken Seite, auf der operierten Seite. Und war natürlich ein perfekter Fall für so eine Viertagesweiterbildung, wo sonst nur austrainierte Spitzensportler-Trainer sind, die so immer getestet haben, OB DIE Schulter-In-Rotation Besser wird. Und dann war der immer, Haben wir irgendjemanden mit einer Verletzung? Haben wir? Und ich war immer so, hier, ich kann das nicht, ich kann das nicht.
Und da habe ich das erste Mal halt. Beckenatmung. Und damals hat Lars Lienhard mit mir bei der Weiterbildung auch gearbeitet. Und dann habe ich das Bein wieder gespürt. Das war ja komplett taub. Das ist so wie, wenn es eingeschlafen ist. Die haben mir auch gesagt, der Nerv ist zerstört. So ist es halt. Du kriegst auch als Kassenpatient Morphium. Du kriegst ein Leben lang. Magenschutz. Super, stellst du dich nicht so an, musst halt gucken, ob du wieder arbeiten kannst. Ich bin ja eher so ein bisschen rebellisch und dachte mir, ist scheiße, Ich bin frisch verheiratet, Ich hatte damals irgendwie noch Kinderpläne und dachte mir so, Ich würde schon gerne irgendwie wieder so mein Leben und mein Körper und die Kontrolle zurückbekommen.
Und habe dann aber an diesem Tag das erste Mal das Bein wieder gespürt, konnte so kurz auf die Zehenspitzen und Fersen und dachte so, hä, ich denke, Der Nerv ist zerstört bei der OP. Wieso geht denn das jetzt kurzfristig? Das hat nicht lange angehalten, Aber dann dachte ich mir so, checke ich alles nicht, finde ich faszinierend, will ich verstehen. Und bin Dann glaube ich anderthalb Jahre zu jeder Weiterbildung geflogen. Hab dann in der Praxis angefangen, zu hospitieren, hab dann stundenweise angefangen zu arbeiten, hatte parallel diese ganzen schlechten deutschen Weiterbildungen, also quasi überall für TÜV.
Und hab aber durch dieses amerikanische System ganz egoistisch auch alle Kurse gemacht, weil ich gesagt hab, okay, mein Ziel ist, dass ich danach wieder richtig laufen kann. Und dann habe ich bei jeder Weiterbildung gemerkt, okay, Das ganze System funktioniert irgendwie so, dass viele Leute durch das Raster fallen. Medizinische Grundversorgung ist super, Leistungssport fantastisch. Privatpatienten Viele Möglichkeiten, aber so dieses, Du kommst selber wieder ins Training und Vertraust deinem Körper, Wer macht denn das? Und ich hatte nicht die Kohle, mir die ganze Zeit, einen Personal Trainer zu leisten. Und die hatten aber auch das Wissen nicht. Und dann habe ich halt so gedacht, ja, das mache ich jetzt, das hilft ja nichts.
Joël Kaczmarek: Trotzdem hast du noch einen zweiten Batschei im Vorfeld bekommen?
Luise Walther: Ja, ich würde, also erstens, Ich habe viel zu viele Sachen viel zu ungeduldig umgesetzt. Was ich, mein Körper, Also zwischen diesen ersten beiden, auch ersten drei Quasi Weiterbildungen, Wie oft hat Dr. Cobb gesagt, nicht so viel, langsam. Ich war mega ungeduldig. Ich würde heute ehrlicherweise auch sagen, dass die erste OP nicht gut gelaufen ist, Weil es war bei mir ein Reprolaps. Also die operierte Stelle, Die Bandscheiben sind komplett nochmal auf zwei Etagen aufgegangen. Das ganze Bandscheibenmaterial hat sich quasi als Massenvorfall, dann im Wirbelkanal, wie so ein Kurken. Und dann, also? Ich konnte halt beide Beine nicht mehr bewegen. Und dann, so Reiterhosen-Syndrom.
Kennst du Reiterhosen? Also wenn Frauen Reiten gehen zum Sport, dann haben die Ja innen das so abgenäht, damit, die auf dem Sattel sitzen können. In dem ganzen Bereich war alles weg. Komplette Sensorik und Sowas weg. Ich dachte dann immer so, Oh, Gott, Laufen hier Ameisen lang oder blute ich oder bin ich inkontinent? Weil du halt total krasse Missempfindungen hast. Und dann haben die mich innerhalb von fünf oder sechs Stunden in der Charité sofort notoperiert, Weil Frau, Gebärfähiges Alter, kann die Beine nicht mehr bewegen. Die haben erstmal so alle Ärzte und alle Aipler geholt und haben gesagt, ah, dürfen wir, Wir haben hier so ein paar Studierende, dürfen wir Ihren Fall nutzen? Und dann haben die immer so, Kennst Du auch so diese klassischen Reflexe, kannst du am Knie, also Patellasehne.
Machen und Achilles sehen. Und das ging bei mir halt alles nicht mehr. Und das gibt es relativ selten, vor allem bei jungen, Fitten, Leuten. Und die waren dann immer so, ah, wir haben ja nochmal ein paar Leute. Ich war völlig zugeknallt mit Medikamenten und lag da und war so, Ja, klar, könnte schon alle mal machen. Werde ich heute noch repariert? Darf ich das essen? Ich habe Hunger. Ist ja so völlig, was ist hier los? Und hab dann, aber ich hab. Nach der zweiten OP hatte ich auch gar keine Reha mehr. Da hat mein damaliger Chef gesagt, was willst du denn der Reha? Du nervst alle nur. Du weißt eh mehr, Du widersprichst, denen eh die ganze Zeit, du weißt, was du machen musst, Wir kriegen dich hier mit Osteopathen gut aufbetreut.
Und ich hatte damals einen fantastischen Kollegen in München, mit dem ich dann ganz viel gemacht habe.
Joël Kaczmarek: Aber krasse Leidensgeschichte, die du da durchgemacht, hast.
Luise Walther: Ja, also, ich wäre heute nicht die Person, logischerweise, die ich bin. Ich würde nicht, weil viele ja dann so sagen, ach, das Beste, was mir passieren könnte, Bullshit. Ich würde gerne meinen unoperierten Körper zurückhaben. Geht nicht, kann ich nicht, Aber ich würde heute sagen mit dem Rückblick, Ich habe, glaube ich, das Beste aus der Situation gemacht.
Joël Kaczmarek: Und heute ist es besser? Heute geht es dir gut?
Luise Walther: Ich bin heute fitter, schneller, beweglicher, kräftiger, weniger Angst, ganz anderes Körperverständnis. Ich würde sagen, auch wenn ich trotzdem noch sehr schnell bin und sehr ungeduldig, Ich bin aber viel mehr bei mir und habe mich vor allem jobtechnisch daraus ja irgendwie sowas gebaut, wo ich so denke, ich kann echt mit den Sachen, die ich mache, Leuten, weiterhelfen. Und vor allem, also, ich habe jetzt nicht so dieses typische Helfer-Syndrom, sondern ich kann das System verändern. Ich merke, dass man Möglichkeiten hat.
Joël Kaczmarek: Und wird auch noch dafür bezahlt.
Luise Walther: Und, Ja, sowieso wollte ich jetzt sagen, man wird dafür bezahlt. Und man kann es aber gestalten. Also, ich muss nicht mehr mit Arschlöchern arbeiten. Ich kann mir die Leute aussuchen, mit denen ich arbeite. Ich darf Bücher schreiben, ich darf einen Podcast gehen. Ich kann irgendwie Schulprojekte machen. Ich mache ehrenamtlich so viel unbezahlten Kram, weil Ehrenamt kennt. Jeder und Vereine, wo ich immer so denke, ja, natürlich habt ihr keine Kohle. Aber wenn immer nur die Leute das bekommen, die das Geld haben, dann kommt es ja nie bei den Leuten an, die es eigentlich bräuchten. Deswegen kann ich mir das sehr bewusst aussuchen und gestalten. Das ist cool, das macht Spaß.
Joël Kaczmarek: Liebe Luise Walther, Wir sind ein wenig abgeschweift, aber ich habe das sehr genossen. Ja,
Luise Walther: ich auch.
Joël Kaczmarek: Also in unserer zweiteiligen Reihe, Wir haben gesprochen über Atmung, über die Zunge, über das Becken, über isometrisches Training und über das Gleichgewicht. Was eine spannende Reise und auch so diese ganzen Hypothesen dahinter nochmal zu verstehen. Und die Ansätze. Vielen, vielen Dank dafür. Also vielleicht sollte ich dich mal öfters hier haben.
Luise Walther: Ja,
Luise Walther: gerne. Wie du merkst, Ich rede gerne und viel. Mich muss man daher unterbrechen.
Joël Kaczmarek: Aber auch anschaulich. Das ist schön. Spannend. Vielen, vielen Dank.
Luise Walther: Danke für deine Neugierde
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