So investiert BMW mit i Ventures in Startups

22. August 2019, mit Patrick Setzer

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Patrick Setzer: Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Mobility-Podcast von Digital Kompakt. Mein Name ist Patrick Setzer, ich bin Gründer und Geschäftsführer der Digital Entry GmbH, der Beratung, die sich auf digitale Transformation spezialisiert hat. Und wie ihr wisst, machen wir das, indem wir Unternehmen bereits früh in der Strategiefase der Digitalisierung unterstützen und je nach Marktlage dann entweder den eigenen Aufbau eines Startups oder, wenn der Wettbewerb bereits stark ist, den Kauf von Startups gemeinsam mit den Kunden umsetzen. In der heutigen Folge des Mobility-Podcasts geht es unter anderem darum, wer iVentures, der Risikokapitalgeber von BMW ist, wie man im Silicon Valley auch als deutscher Kapitalgeber Erfolg hat, welche Mobility-Startups aus der Corporate-Venture-Sicht weltweit aktuell die interessantesten sind, was das BMW Elektroroller-Investment Lime macht und wie BMW die globale Elektro-Scooter-Szene sieht und wie man das eigene Pitch-Deck bei iVentures nach oben auf den Stapel bekommt. Und wenn euch der Podcast heute gefällt, einfach bei Google Podcast oder Apple Podcast abonnieren und ihr verpasst keine Folge mehr. Wie immer im Mobility Podcast sprechen wir heute wieder über die spannendsten Themen rund um die Mobilität der Zukunft mit den interessantesten Köpfen aus der Startup-, Venture-Capital- und Konzernwelt, geliedert nach der ACES-Struktur Autonomous, Connected, Electrified und Shared. Das erläutere ich heute noch einmal kurz. Das A steht für autonomes Fahren ohne direktes menschliches Zutun. C ist Connected, die Verbindung von Mensch, Vehikel und Umwelt durch vernetzte Systeme. E wie Electrified, also die Elektrifizierung der Autoflotte und die dazugehörige Ladeinfrastruktur. Und zuletzt Shared, also das Teilen von Vehikeln jeder Art durch Technologie und neue Geschäftsmodelle. Und heute habe ich mir für diese Themen jemanden eingeladen, der nun wirklich in allen vier ACES-Bereichen global wie kaum ein anderer am Puls der Zeit ist, nämlich einen der deutschen Superstars der Corporate Venture Capital Welt, mitten in Mountain View im Silicon Valley angesiedelt, Uli Quay von BMW iVentures. Hallo Uli.

Ulrich Quay: Hallo Patrick, freut mich.

Patrick Setzer: Vielleicht mal direkt zum Anfang. Uli und ich kennen uns noch aus alten BMW-Zeiten, bei denen du auch schon damals den Risikokapitalarm bei BMW geleitet hast. Sei doch so nett und sag den Zuhörern mal kurz ein paar Worte zu dir, wer du bist und was du machst.

Ulrich Quay: Ja, Ulrich Kwei. Ich bin seit 19 Jahren bei BMW, habe dann seit 2011 die Corporate Venture Gruppe aufgebaut. Zunächst mit Off-the-Balance-Sheet-Investments für die ersten fünf Jahre, ausschließlich in Mobilitätsdienste. Und seit 2016 hatten wir unseren eigenen Fonds. Das ist ein 375 Millionen Euro Fonds, aus dem wir investieren können. Und ja, das Mandat ist mittlerweile deutlich breiter als am Anfang.

Patrick Setzer: Und das Beteiligungsmanagement? hast du praktisch jetzt 19 Jahre bei BMW gemacht?

Ulrich Quay: Nee, nee, ich war bei BMW 19 Jahre. Vorher war ich in der Rechtsabteilung.

Patrick Setzer: In der Rechtsabteilung?

Ulrich Quay: Ja, und bin dann 2011 auf die andere Seite gerutscht.

Patrick Setzer: 2011, okay. Also seit acht Jahren schon in dem Bereich aktiv. Super. Und die iVenture selbst gibt es seit wann?

Ulrich Quay: Seit 2011. Also ich habe das angefangen. Also direkt? Ja, ich habe das angefangen. Erst alleine, dann ein kleines Team aufgebaut. Und jetzt mittlerweile sind wir elf, zwölf Leute. Drei davon in München. Der Rest sind Mountain View in Kalifornien, in der Regel mit substanzieller Venture Capital Erfahrung. Also wir rekrutieren extern bei anderen VCs, haben wie gesagt seit 2016 einen eigenen Fonds, der starke finanzielle Ziele hat und starke strategische Ziele.

Patrick Setzer: Und über die könnt ihr frei verfügen, in welcher Investmenthöhe pro Deal denn?

Ulrich Quay: Das ist nicht beschränkt. Wir können frei verfügen, wir treffen die Entscheidung selber, wir treffen die Entscheidung innerhalb unseres Teams selbst. Aber natürlich treffen wir oft die Entscheidungen auf Grundlage von, vor allem technischen Einschätzungen von BMW. Gerade wenn es um technologische Investments geht, wäre man ja dumm, wenn wir nicht das Know-how von BMW nutzen würden. Das heißt, wir beziehen BMW oft ein bei der Diligence, wenn es hilft. Wir müssen es nicht, aber wir machen es in der Regel, weil es in der Regel hilft. Und treffen dann auf der Grundlage, präsentieren die Entscheidung. Es gibt immer ein Deal-Team von zwei Leuten. Und dann wird, wie beim normalen finanziellen VC, wird dann eben ein Vorschlag gemacht. Das investiert wird und darüber wird abgestimmt von den Partnern unter den Investment Principles. Und wenn die Mehrheit da ist, die nötig ist, dann darf investiert werden. Das kann teilweise nur zehn Tage dauern. Unser Rekord ist bisher zehn Tage. Lieber ist mir, wenn wir da vier bis acht Wochen haben. Dann ist das alles nicht so ganz so eilig, sondern gründlicher und solider.

Patrick Setzer: Okay. Und jetzt, wenn ich mir vorstelle, BMW, ein Automobilhersteller als Risikokapitalgewerbe, der wird wahrscheinlich hauptsächlich in Autothemen, Mobility-Themen, vielleicht noch Technologie investieren. Wie ist euer Branchenfokus?

Ulrich Quay: Wir machen im Grunde alles, was BMW irgendwie helfen kann. Da haben wir auch keine Beschränkungen. Die Investmentbereiche sind, wir haben acht Investmentfelder. Wen es interessiert, die sind auf unserer BMW iVentures Website. Die sind aber relativ bewusst breit aufgestellt, sodass wir nicht mehr immer die Frage stellen, kann das für BMW irgendwie relevant sein, strategisch. Und wenn die Frage mit Ja beantwortet wird, sind wir grundsätzlich in unserem Investmentmandat.

Patrick Setzer: Und was wären zum Beispiel Sektoren, wo du sagst, da sind wir raus, das passt nicht mehr dazu?

Ulrich Quay: Ja, das kommt manchmal vor. Letztens eine Trucking-Startup, wo dann eine bestimmte technische Vorrichtung den Benzinverbrauch reduziert hat. Das war für mich jetzt nicht relevant, auch wenn es grundsätzlich im Bereich Mobilität ist. habe ich keine automobile Applikation gesehen. Und das war eine Sache, wo ich gesagt habe, das ist für mich jetzt zu weit raus aus dem Mandat. Insofern ist es schon relativ breit. Wir haben Sachen, die dem Vertrieb dienen. Wir haben Sachen, die der Entwicklungsabteilung dienen. Wir haben Sachen, die der Produktion dienen. Das sind so unsere Hauptkunden, aber auch BMW Bank zum Beispiel. Wir haben schon relativ viele Ansprechpartner, haben über 100 Projekte identifiziert mit Portfoliofirmen. Und die verfolgen wir, haben Ansprechpartner und legen die auch intern offen dar, welche das sind und was da gerade läuft.

Patrick Setzer: Ich kann mich erinnern, ich nehme an, du hast in München gestartet, dann vor acht Jahren.

Ulrich Quay: In New York haben wir angefangen.

Patrick Setzer: In New York.

Ulrich Quay: Wir sind direkt nach New York gegangen, ersten fünf Jahre und sind seit 2016 in Mountain View, Kalifornien, weil dort auch die meisten Investments waren. New York war als Start gut, aber jetzt sind wir halt da, wo die meisten Investments sitzen. Ich würde sagen, von unseren 41 Investments sitzen bestimmt 70 Prozent in Nordkalifornien, im Silicon Valley oder in San Francisco.

Patrick Setzer: Und aber erstmal zu euch. Ihr sitzt auch in München, auch im Silicon Valley, auch in New York und noch in weiteren Städten?

Ulrich Quay: In New York haben wir kein Büro mehr. Wir sind dann umgezogen von New York nach Kalifornien. Haben drei Leute in München und haben, ich glaube, acht Leute gerade jetzt in Kalifornien. Sitzen da zusammen mit dem BMW Technology Office. Was natürlich ganz hilfreich ist, weil die im Grunde eh nicht einen Auftrag haben, aber von der anderen Seite kommen. Die gucken auf Kooperationen, wir gucken auf Investments plus Kooperationen. Insofern finden wir da oft Firmen auf unterschiedliche Art und Weise, die wir miteinander teilen, wo wir auch dann unsere Einschätzung gegenseitig teilen. Das ist sehr, sehr, würde ich sagen, gegenseitig befruchtend.

Patrick Setzer: Und der Investitionsschwerpunkt, hast du schon gerade gesagt, regional ist jetzt ein bisschen USA eher, aber die Deals, wo kommen die ungefähr her, jetzt abgesehen von den USA?

Ulrich Quay: Regional, würde ich sagen, 70, 80 Prozent USA und der Rest ist in Europa.

Patrick Setzer: Israel?

Ulrich Quay: Israel auch.

Patrick Setzer: Asien?

Ulrich Quay: Zähle ich jetzt mal zu Europa. Asien haben wir momentan kein Mandat. Vielleicht ändert sich das, weil es natürlich ein wichtiger Markt auch für BMW ist. Gucken wir uns gerade an. Aber noch ist es kein Bereich, in den wir investieren.

Patrick Setzer: Den Podcast hören ja viele Gründer, aber auch Leute aus dem Mittelstand und aus Konzernen, die mitten in der digitalen Transformation stecken. Wie leicht habt ihr es eigentlich als VC im Konzern gehabt und wo steht ihr heute? Ich kann mich erinnern, als ich noch bei BMW war. war der Investmentarm tief in die BMW-Prozesse noch integriert. Das hat sich dann nach einer Zeit positiv geändert. Kannst du mal kurz beschreiben, wie euer Anfang war, wie ihr prozessual in der Organisation vielleicht auch aufgehängt wart und was sich dann verändert hat und wie es dann heute ist, sodass ihr jetzt heute schneller Investitionen einsetzt?

Ulrich Quay: Ja, hast du schon richtig beschrieben. Die ersten fünf Jahre waren wir im Grunde eine BMW-Fachabteilung. Und wenn wir Geld brauchten, mussten wir durch die dafür vorgesehenen Prozesse gehen. Und das konnte dann schon mal ein paar Wochen dauern natürlich und viele Abstimmungen intern. So fangen die meisten VCs an. Insofern ist das glaube ich jetzt keine Besonderheit. Ich kenne eigentlich fast keinen, der sofort als Fonds angefangen hat. Aber für den Anfang war es, glaube ich, gut als vertrauensbildende Maßnahme. Schneller sind wir natürlich jetzt. Jetzt haben wir seit 2016 Autonomie, haben natürlich ein Bullporting zu BMW, aber bei der Investmententscheidung selbst treffen wir die Entscheidung, was natürlich die Entscheidung schneller macht.

Patrick Setzer: Aber warum ist es denn ein Problem, dass der Konzern befragt wird und vielleicht auch dafür Zeit braucht? Da sitzt ja auch Know-how. Könnte das nicht auch ein Mehrwert sein?

Ulrich Quay: Ja, das nutzen wir auch. Da, wo Know-how sinnvoll ist, nutzen wir es auf jeden Fall. Aber es ist halt immer optional. Das ist auch für Kollegen, die jetzt ein Venture-Case bewerten sollen, ist es was ganz anderes, als wenn ich jetzt die Profitabilität der Dreierreihe bewerte. Und wir hatten jetzt hier, wir waren einfach eine ganz normale Abteilung, die ganz normal mit Leuten zu tun hatte, die auch sonstige Business Cases bewerten. Und das ist natürlich jetzt für solche Fälle, das ist schon ein anderer Fall. Ob ich jetzt einen Venture Case bewerte oder den ausgereiften Business Cases eines reifen Unternehmens, das seit 100 Jahren besteht.

Patrick Setzer: Ja, das ist auch meine Erfahrung, dass das einfach komplett unterschiedliche, obwohl es beides Business Pläne sind oder Cases, die man bewerten muss. Eine Notwendigkeit, Technologie zu bewerten, ist eine andere als ein, wie schön sage ich es, als ein Auto Business Case zu bewerten. Ich bekomme auch mit Digital Entry immer mal die Frage gestellt, ob man als Unternehmen einen Incubator, Accelerator, Corporate Venture Capital Arm eigentlich gründen müsse. Abgesehen von dem Potenzial, Gewinne zu erwirtschaften, vielleicht auch Risiken, Verluste zu erleiden, aber ich glaube größer eben den Potenzial, Gewinn einzustreichen. Was ist denn aus deiner Sicht der Grund, warum man das machen sollte? Warum macht es Sinn? einen Incubator, einen Accelerator oder einen Corporate Venture Capital Arm zu gründen.

Ulrich Quay: Ja, bevor ich das beantworte, vielleicht ganz kurz die Aktivitäten von BMW. Wir haben eben eine Ventures-Einheit, unsere Gruppe. Auf der anderen Seite haben wir die BMW Startup Garage, die auf Kooperationen fokussiert ist und die praktisch Startups helfen soll, mit BMW zu kooperieren. Die dritte Initiative ist die Urban X in New York, Accelerator. Also BMW hat auf drei verschiedenen Ebenen Kooperationen.

Patrick Setzer: Also hat im Grunde alles drei, die Incubator, Accelerator und Venture Capital.

Ulrich Quay: Warum machen die das? Es ist halt einfach so, dass ein Großteil der Innovationen in diesen stark von Software gebrächten Zeiten außerhalb von großen Einheiten passiert. Man sieht, dass immer mehr innovative Lösungen aus kleineren Gruppen kommen. Wenn in der Vergangenheit vielleicht der normale große Zulieferer Sachen geliefert hat, kommen solche Sachen oft von kleineren Einheiten, die dann sicherlich in irgendeiner Form mit dem größeren Zulieferer dann mal zusammenarbeiten. Aber es ist für ein OEM von Vorteil, wenn man die Verbindung mit diesen kleinen Einheiten schon früh sucht, um dann eben auch denen zu helfen, das Produkt so zu reifen zu lassen, dass es dann zu einer Serienreife auch kommen kann. Und für beide ist es hilfreich. Für Startup ist es hilfreich, weil natürlich die Prozesse so perfektioniert werden müssen, dass die Serienreife dann möglich ist. Und für BMW ist es gut, weil dadurch der Prozess beschleunigt wird. Also man muss aktiv aus meiner Sicht frühzeitig den Kontakt suchen. Und da sind solche Dinge wie eine Venture-Einheit notwendig. Oder eine Gruppe, die auf Kooperation spezialisiert ist. Oder ein Accelerator sind da aus meiner Sicht sehr hilfreich.

Patrick Setzer: Auch meine Überzeugung, Innovators Dilemma muss man einfach mal verstanden haben, weshalb die meisten Innovationen heute nicht aus Unternehmen kommen, die 100 Jahre alt sind, sondern eben aus dieser Startup-Welt. Bringt mich auch ein bisschen dazu, warum ihr es macht. Was ist denn das strategische Ziel der Ventures?

Ulrich Quay: Ja, das Ziel ist, dass wir mit den besten Startups der Welt zusammenarbeiten. Und das kann man eigentlich nur schaffen, wenn man ein gutes Setup hat als Venture-Gruppe. BMW möchte gerne Early Access zu Technologie haben. Sie möchte verstehen, was die Trends sind. in der Welt, wie die Mobilitätswelt sich ändert. Und wir haben ja Autonomie und Elektrotechnologie, sehr viele anspruchsvolle Themen, wo sich sehr viel ändert und wo viele Innovationen eben in kleineren Einheiten erfolgt. Und da will man vorne mit dabei sein, will führen und nicht den anderen Leuten folgen, wie es bei BMW eben üblich ist seit vielen Jahren. Und das ist, glaube ich, der Gedanke dahinter. Und dass wir gleichzeitig eben als Venture-Einheit auch im Grunde nichts kosten, in Anführungsstrichen. Unser Ziel ist es, für BMW profitabel zu sein, mindestens so profitabel wie andere Abteilungen. und finanzielle Gewinne zurückzuführen. Und da hat man im Grunde eine Win-Win-Situation. Man hat im Grunde sehr guten Zugang zu technologisch Weltklasse-Firmen. Und auf der anderen Seite ist es eine Sache, die das Unternehmen über einen 10-Jahres-Zeitraum im Grunde nichts kostet, sondern die Gewinne reinbringen. Also da fallen mir eigentlich wenig Gründe ein, es nicht zu machen. Wenn man es erfolgreich, das Setup gut hinkriegt und ein gutes Team zusammenbekommt, dann ist das aus meiner Sicht eine sehr sinnvolle Sache.

Patrick Setzer: Wir kommen ja auch gleich nochmal zu eurem Portfolio, da habt ihr ja ein paar sehr gute Investments gemacht, stellt aber trotzdem die Frage, wenn das so ist, dass das ja strategisch für den Konzern ist und ihr habt erfolgreiche Startups, habt euch früh beteiligt in der C-Round, A-Round, B-Round, ist dann das Ende der Geschichte eigentlich, dass ihr diese Firmen übernehmt und integriert? Dann ist es ja eventuell wieder das Ende des Startups. Wie geht ihr denn mit dieser Polarität um?

Ulrich Quay: Ja, die Akquise ist jetzt keine Erwartung. Das wird in der Regel auch nicht passieren, sondern wir wollen eigentlich Startups haben, die mehrere Kunden haben. Eine Technologie kann sicherlich auch mal so wichtig sein, dass eine Akquisition möglich wäre, aber das wird nicht der Regelfall sein. In der Regel wollen wir nur sicherstellen, dass wir eine der ersten OEMs sind, die mit denen arbeiten. Und wenn die darüber hinaus noch weitere Kunden haben, ist uns das auch recht. Wenn es dafür sorgt, dass die Firma solide wirtschaften kann und langfristig überlebt, ist das völlig in Ordnung. Nur mit den BMW als Kunde werden sie nicht ein Weltmarktführer werden. Die müssen andere Kunden haben. Das ist für uns auch völlig in Ordnung. Wir wollen nur eben gerne jemand sein, der einer der ersten OEMs ist, der mit denen was macht.

Patrick Setzer: Und wenn ich jetzt mal den Blickwinkel rumdrehe aus Startup-Perspektive, was ist der USP für eine iVentures? Was ist das Extra des Kapitalgebers iVentures für ein Startup? Warum ich mit euch als VC zusammengehen sollte?

Ulrich Quay: Ja, ich glaube, dass wir vor allem mehr als nur Geld bringen können. Im Silicon Valley insbesondere gibt es sehr, sehr viel Kapital. Und wenn jemand nur Kapital sucht, dann sind wir vielleicht nicht der Richtige. Für viele ist es unterschiedlich. Im Grunde so eine Art Auszeichnung oder eine Art Validation, wenn die von BMW ein Investment bekommen. Wenn wir jetzt ein hochtechnologisches Investment machen, da haben wir schon in vielen Fällen bei uns im Portfolio gesehen, vielleicht zu einer Phase, wo andere das noch nicht abschließend beurteilen können, dann wird das extrem interessant für andere Finanzinvestoren, weil die sehen, ach guck mal hier, diese Radartechnologie, das ist wirklich was. Ja, da ist BMW dran, da ist vielleicht noch ein anderer OEM dabei. Das ist eine Sache, wo wir frühzeitig auf solche Sachen gesetzt haben, wo man den Erfolg noch nicht messen kann an der Anzahl der Kunden. oder am Umsatz. Aber man kann sehen, wenn wir uns engagieren, dann spricht sehr viel dafür, dass BMW der Sache auf den Grund gegangen ist und dass sie es für sehr gut befunden haben. Für viele Startups ist das ein guter Schritt, um dann im nächsten Schritt die Bewertung nach oben zu bekommen. Wir haben wirklich eine Reihe von Fällen, wo das sehr, sehr gut gelungen ist, wo wir zu einer ganz gemäßigten Bewertung reingekommen sind, investiert haben und danach hat das Startup Runden gemacht für 100, 300, 400 Millionen Euro, weil eben diese Validation da war. Das ist, glaube ich, für viele ein wichtiger Punkt. Andere Startups kommen vielleicht aus einem anderen Vertical und die wollen ins Automotive Vertical rein. Und dann gucken sie sich an, welche Gruppen gibt es denn da? Und da sind wir wahrscheinlich eine der führenden Gruppen, die es da gibt. Andere Gruppen wollen im Grunde Kunden generieren. Wir können natürlich den Startups dabei helfen, wenn die sagen, wir sind jemand, der OEM als Kunden gewinnen möchte, können wir denen natürlich bei BMW extrem gut helfen.

Patrick Setzer: Aber wenn ich mal kurz dazwischen gehen darf, bei 130.000 Mitarbeitern bei BMW, Ihr habt jetzt ein Investment in ein Startup gemacht. Ihr könnt ja nicht sicherstellen, dass die dann tatsächlich die fremden Abteilungen oder die vielen Abteilungen bei BMW mit diesen Startups zusammenarbeiten. Das ist ja schon eine ganz schöne Hürde.

Ulrich Quay: Ja, deswegen. Das ist ja unsere Funktion, denen dabei zu helfen. Wenn es für ein Startup an sich sehr, sehr schwer ist, mit den richtigen Leuten zu sprechen. Bei uns im Team haben wir Leute dabei, die seit, wie ich, seit 19 Jahren und zum Teil auch länger bei BMW sind. Wir haben ein sehr gutes Netzwerk und wir können die halt sofort zu demjenigen schicken, der das entscheidet. Und das ist, glaube ich, sehr hilfreich. Wir können denen erklären, wie die Entscheidungsprozesse innerhalb von BMW sind. Wir können denen nicht garantieren, dass ein Vertrag unterschrieben wird. Aber wir können denen garantieren, dass sie mit den richtigen Leuten sprechen, die Chance haben, ihre eigenes Produkt vorzustellen. Und alles andere liegt dann in den Händen der Fachabteilung und der Startups.

Patrick Setzer: Nur fair ist nur fair. Auch zu wissen, dass das dann am Ende in der Verantwortung der Startups liegt.

Ulrich Quay: Ja, keine Garantie. Es gibt keinen Zwang, dass BMW mithin was machen muss. In der Regel erleben wir das so, dass ein Investment kommt. Habe ich eigentlich noch nicht erlebt, dass dann die Fachabteilung sagt, wir finden aber Firma B ist stärker. Aber es ist natürlich nicht immer so, dass dann danach ein substanzieller Vertrag folgt. Das kommt vor. Wir haben Fälle, wo BMW in 80 Millionen Vertrag unterzeichnet. in der Folge, aber das ist sicherlich kein Automatismus.

Patrick Setzer: Und umgekehrt, wie sieht es aus mit einem Nachteil als strategischer Investor? Wenn ich ein kurzes bisschen aushole, bei meinem ersten Startup 99, einem Internetmarktplatz für ähnlich gelbe Seiten, hatten wir 3i, einen damals sehr großen Private Equity, damals auch Venture Capital Kapitalgeber, sowie einen der gelben Seitenverlage als Investor zur Auswahl. Allerdings hat sich 3i, also der reine finanzgetriebene Investor, klar positioniert, dass wenn wir den Strategen mit in die Investitionsrunde nehmen würden, also diesen gelben Seitenverlag, mit in den Gesellschaftskreis nehmen würden, dass sie dann nicht investieren würden, weil strategische Investoren eben abgesehen von dem Unternehmenswert zu steigern, noch andere strategische Ziele hätten. Was entgegnest du einem Startup in so einer Situation?

Ulrich Quay: Ich würde entgegnen, dass wir eben nicht nur strategische Ziele haben, sondern für uns genauso wichtig die Erreichung der finanziellen Ziele. Und die sind ähnlich ambitioniert wie die finanziellen Ziele von finanziellen Venture Capital Investoren. Ich habe im Grunde dieselben finanziellen Interessen. Ich habe daneben noch einen weiteren Job. Aber ich habe es bisher noch nicht erlebt, dass wir andere finanzielle Interessen haben als die anderen finanziellen Investoren. Weil ich werde daran gemessen, wie mein Return ist von meinen Investments. Und da sind meine Wünsche und meine Anforderungen genauso hoch wie beim normalen finanziellen Investor. Was du sagst, trifft sicherlich zu auf Firmen, die ausschließlich strategischen Fokus haben. Da kann ich mir Konflikte gut vorstellen. Bei uns ist das bisher noch nicht passiert.

Patrick Setzer: Okay, und es gibt aber unter Kapitalgebern generell ja schon harten Wettbewerb. Man muss ja nicht gleich einen 100-Milliarden-Fonds wie Softbank raisen, aber es gibt doch schon einige Finanzinvestoren, die Fonds im Milliardenbereich haben. Wäre es nicht als DAX-30-Konzern adäquat in ähnlichen Finanzsphären mit seinen Fonds unterwegs zu sein, mit seinen Risikokapitalaktivitäten, um wettbewerbsfähig zu sein?

Ulrich Quay: Meinst du, einen größeren Fonds zu haben? Das hängt so ein bisschen auch ab, wann man investieren möchte. Unser Fonds ist jetzt absolut okay für Investitionen in Series A und Series B. Wenn man jetzt später investieren wollte, müsste man sicherlich einen größeren Fonds haben. Und da gibt es sicherlich auch Bedarf. Also ich würde das jetzt gar nicht sagen Ich glaube, wenn man da jetzt sagen würde, ihr habt da nochmal 100 Millionen mehr oder 200 Millionen, könnte man das auch sehr gut investieren. Wir würden nicht mehr Investments machen, sondern eben spätere mit weniger Risiko. Das wäre so die Folge. Ich glaube nicht, dass wir dann dadurch mehr Portfoliofirmen hätten. Aber ich hätte da durchaus Verwendung für. Aber es ist jetzt nicht so, dass man sagt, das ist jetzt nötig. Die 100 Millionen fehlen jetzt, damit wir wettbewerbsfähig sind. Ich konkurriere ja mit meinen Fonds. Mit anderen Fonds, die ungefähr eine ähnliche Größe haben und Softbank konkurriere ich im Grunde nicht. Die investieren in unsere Firmen zum späteren Zeitpunkt. Da haben wir auch ein paar Beispiele im Portfolio. Die investieren dann, wenn sie 100 Millionen investieren können. Wir könnten natürlich nie 100 Millionen investieren, aber durchschnittliches Investment liegt so zwischen 3 und 10 Millionen, wie es eben für einen 375 Millionen Fonds üblich ist.

Patrick Setzer: Ich war in meinem Startup mit einem recht veritablen europäischen Investorenkreis als Angel investiert und ohne Namen zu nennen, da war ein Corporate Venture Arm eines DAX 30 Unternehmens dabei. Das Startup ist aus Deutschland in die USA umgesiedelt, das macht operativ Sinn und ich kann nur sagen, die Venture Capital Branche im Silicon Valley hat auf die Startup wie auch auf diese Investoren eher zurückhaltend reagiert. Im Valley kennt man eben gefühlt maximal zehn europäische VCs und der Rest ist einfach im Silicon Valley Buddy-Netzwerk nicht bekannt. Ist es eigentlich sehr schwer, in dieses Silicon Valley-Netzwerk reinzukommen als deutscher Corporate?

Ulrich Quay: Ich habe das persönlich als schwer empfunden.

Patrick Setzer: Oder siehst du es denn erstmal ähnlich?

Ulrich Quay: Ja, das ist schon so. Das Europäer-Spiel natürlich jetzt im weltweiten Fokus nicht so eine ganz große Rolle. Es gibt ein paar einzelne Amerikaner, die halt nach Europa gerade bei der hochpreisigen Phase, die ein bisschen noch versucht haben, in Europa mehr zu machen, weil da die Preise noch deutlich vernünftiger sind. Aber statistisch ist es glaube ich so, dass die europäischen Investments weniger Return als die amerikanischen. Deshalb sind die Amerikaner lieber auf ihrem Home Turf und investieren da. Da reinzukommen, empfand ich persönlich jetzt als nicht so schwierig. Ich glaube, wichtig ist wirklich, dass man nicht empfunden wird als Ballast am Bein, der Sachen verzögert, sondern dass man genauso schnell Sachen entscheiden kann wie eben andere finanzielle Investoren. Und wenn man sich da einen Ruf erarbeitet, dann ist man auch sehr willkommen. Wir sorgen ja letztlich dafür, oder die sprechen uns an, wenn wir einen Mehrwert darstellen. Wenn jemand vielleicht in der Seed-Phase in eine Technologie investiert hat, die für uns relevant ist und er durch unser Investment, sein eigenes Investment, den Wert erhöhen kann. Und insofern finde ich die ganze Atmosphäre sehr kooperativ. Natürlich machen die das nicht, weil die jetzt wahnsinnig eng befreundet sind mit uns, sondern die wollen haben ihren eigenen Nutzen im Auge. Aber das ist auch völlig in Ordnung. Für uns ist es eben mehr wert, wenn die finanziellen Investoren dabei sind. Und in vielen Fällen ist es ein Mehrwert für die, wenn wir dabei sind. Und dann gibt es einfach oft Win-Win-Situationen.

Patrick Setzer: Und jetzt mal so privat, wie ist das als Deutscher, wenn man in den Silicon Valley zieht? Bist du nach San Francisco gezogen oder bist du im Valley?

Ulrich Quay: Ich habe eine Familie mit drei Kindern. Wir sind deshalb typischerweise in die South Bay gezogen, in die Nähe von Mountain View. Letztlich ist es nicht so, dass man jeden Tag aufsteht und sagt, ich bin in Kalifornien. Es ist nett da, das Wetter ist schön, genieße ich auch und das Meer ist in der Nähe. Aber man merkt auch auf der anderen Seite auch Sachen schätzen, die man in Deutschland für gegeben da sieht. Es ist halt nicht alles so gut wie in Deutschland. Einige Sachen sind besser, aber viele Sachen sind auch in Deutschland besser. Insofern schärft das auch den Blick auf die Vorzüge des eigenen Landes. Wir fühlen uns da wohl, alles ist in Ordnung, Wetter ist schön. Aber es gibt auch viele Sachen, die ich in Deutschland vermisse und die ich nicht habe in Kalifornien. Das muss man sich auch bewusst sein.

Patrick Setzer: BMW und Daimler hat ja die Mobilitätsdienstleistung jetzt zusammengeworfen in Berlin und die haben auch eine gewisse Kapitalausstattung. Hat das irgendeine Relevanz für dich?

Ulrich Quay: Ne, das sind zwei ganz verschiedene Aktivitäten. Wir arbeiten mit den Leuten natürlich eng zusammen. Wenn wir Firmen haben, die relevant sind für unsere Gruppe, dann verbinden wir die natürlich regelmäßig. Ich freue mich, dass wir da so eine Aktivität gestartet haben, wo wir auch vorhaben, viel zu investieren. Ich glaube, das ist wichtig, in den Bereichen viel zu investieren, weil das für die Zukunft sehr, sehr relevante Themen sind. Insofern ist das überhaupt kein Konkurrenzverhältnis, sondern absolut komplementär.

Patrick Setzer: Sag doch mal, was sind denn die größten Erfolge zurzeit aus deiner Sicht, die du im Portfolio hast? Was sind so ein paar Firmen, die du super findest, spannend findest?

Ulrich Quay: Als Venture Capitalist sind natürlich immer die Firmen besonders aufregend, die wahnsinnig schnell wachsen. Es gibt eine Reihe von sehr guten und schön wachsenden Unternehmen. Die, die so rausfallen, sind halt die, die ihren Umsatz jedes Jahr verfünffachen, verzehnfachen und innerhalb von zwei Jahren zu einer Milliarde Company werden. Das sind natürlich die Sachen, die man versucht zu finden. Das gelingt ja nicht jedes Mal, aber da haben wir ein paar schöne Beispiele. Ein Beispiel sicherlich FAIR, eine Leasing-Plattform in den USA.

Patrick Setzer: Du wirst lachen, FAIR ist bekannt, die haben wir nämlich letzten Monat im Podcast gehabt.

Ulrich Quay: Ja, wir haben halt in eine Series A investiert, die im Grunde noch eine Seed war, aber die noch gar nicht gelauncht haben zu dem Zeitpunkt. haben also deren Series A angeführt und jetzt, zwei Jahre später, haben sie eine Bewertung von über einer Milliarde von Softbank. Das kommt jetzt nicht bei jedem Investment vor, aber sowas ist natürlich schön, extrem aggressiv, was auch so eine Sache ist, die so ein bisschen anders ist als in Europa bei den Investoren, bei den Unternehmern. Europäische Unternehmer sind oft besorgt mit Burn und wie aggressiv kann ich wachsen. versuchen, ein bisschen organischer zu wachsen oder sich selbst zu finanzieren und weniger Geld aufzunehmen. In Amerika erlebe ich halt ganz viele Leute, dass sie ganz oft als Unternehmer sehr, sehr aggressiv sind mit den Wachstumszielen, mit dem, wie viel Capital sie raisen. Die sind relativ verwässerungsunsensibel in vielen Fällen. Ja, die sagen halt, ich habe lieber 3% an einer 1-Milliarde-Firma als 20% an einer Firma, die 100 Millionen wert ist. Insofern, das ist ein bisschen der Ansatz. Das geht auch in Amerika, weil da das Kapital da ist. Und da gibt es halt Leute, die halt das schon in vielen Fällen gemacht haben. Bei FAIR zum Beispiel ist der CEO hat in seinem Leben schon 3 Milliarden Dollar geracet. Das hilft natürlich, Vertrauen bei den Investoren zu wecken. Das ist jetzt einfach ein Beispiel von einer Firma, die von ganz klein nach ganz groß geworden ist. Ein anderes Beispiel wäre ChargePoint, da sind wir schon ein bisschen länger dabei, aber trotzdem eine Firma, die wir schon ganz früh, relativ früh investiert haben und die jetzt wirklich schon auch sehr weit sind, auch eine Bewertung über eine Milliarde. In einem Bereich, den ich persönlich auch unheimlich interessant finde, Laden mit elektrischen Fahrzeugen, sicherlich gehört denen die Zukunft und die haben da einen Marktanteil von 70 Prozent in den USA. Also da Freue ich mich darüber, dass sie sich so entwickelt haben. Das war jetzt 2013, als wir investiert haben. Auch nicht unbedingt absehbar, dass dieser Elektromobilitätsmarkt so gut sich entwickelt.

Patrick Setzer: Und sagen wir mal, künstliche Intelligenz kenne ich noch, das Thema, Norto. Wie hat sich das entwickelt? Da bist du früh auch drin gewesen.

Ulrich Quay: Ja, sind wir auch ziemlich früh reingegangen. Da ist auch Softbank später reingekommen, im großen Investment. Wir haben jetzt, glaube ich, vier, fünf Unicorns. Die finanziellen Ziele, die wir haben, die haben wir, wenn man die Buchwerte zugrunde legt, erfüllen wir die.

Patrick Setzer: Und Norto ist ja gegründet von einem Deutschen. Warum schaffen wir es nicht, dass diese Leute genau, die German Auto Labs sitzen hier in Deutschland, warum kriegen wir es nicht hin, dass wir in Europa oder in Deutschland diese Firmen haben, die zu Unicorns werden? Gerade im AI-Bereich, wo wir auch wirklich ja schon Kompetenz haben.

Ulrich Quay: Gibt es schon auch hier gute Unternehmer und Leute, die es hier schaffen? Vielleicht ist es ein bisschen einfacher einfach im Valley, wenn man da gute Ideen hat und Visionen hat. Das Kapital ist eben da, dass man in sehr disruptive Sachen investieren kann.

Patrick Setzer: Also Risikobereitschaft ist einfach höher.

Ulrich Quay: Risikobereitschaft ist höher und das Kapital ist auch mehr da. Es gibt mehr Fonds, die solche ganz großen Checks schreiben können. In Deutschland fehlt es ein bisschen, finde ich, an den Later-Stage-Investoren. Man kommt so in frühphasigen Bereichen, glaube ich, ganz gut zurecht mittlerweile. Das hat sich schon deutlich verbessert. Und es fehlt dann so ein bisschen so die große Kapitalspritze, die halt natürlich auch wegen der Begrenztheit des Marktes ein bisschen schwieriger ist für deutsche Investoren. Man kann nicht jedes Produkt, gerade Verbraucherprodukte, man kann die nicht einfach in anderen Ländern ohne weiteres launchen. Man muss im Grunde, auch wenn es eine Europäische Union ist in jedem einzelnen Markt einzeln launchen. In den USA launche ich halt ein Produkt einmal. Und da muss ich natürlich Truppen vor Ort haben, aber ich brauche nicht verschiedene Sprachen und der Launch ist einfacher und der Markt ist größer. Und die Leute, die in den USA gewinnen, werden oft auch zu Weltmarktführern. Was jetzt in Deutschland nicht unbedingt immer der Fall ist.

Patrick Setzer: Na gut, mit dem fragmentierten Markt, das wird wohl erstmal so bleiben in Europa. Dennoch sind Investitionen dieser Art, glaube ich, notwendig, um hier Nachhaltigkeit zu sichern.

Ulrich Quay: Ja, das darf man auch nicht sagen. Es ist wirklich auch schon viel passiert. Es ist deutlich besser geworden als noch vor fünf oder zehn Jahren, glaube ich. Und es wird auch noch besser und ich bin da ganz optimistisch eigentlich.

Patrick Setzer: Dann habe ich gelesen, ein Investment in Manif Mobility, ein israelischer 100-Millionen-Fonds, der Geld von iVenture, also von euch, aber auch von Renault, Nissan, Mitsubishi, von Aptiv, Hyundai, Lear, von Shell, Deutsche Bahn, Digital Ventures, sehr unterschiedlich. Seit wann investiert ihr denn als Fonds in Fonds?

Ulrich Quay: Das ist unser einziges Fondsinvestment, das wir gemacht haben. In der Regel brauchen wir das nicht, weil wir eine gute Abdeckung haben. Wir haben in Europa, machen wir aus München und USA machen wir aus Mountain View. Und in Israel haben wir die einzige Ausnahme von unserem Grundsatz gemacht, weil wir glauben, dass dort sehr viel frühphasig passiert. Und da müssten wir jetzt im Grunde Leute hinschicken, die sich da vor Ort ein eigenes Büro aufmachen in Israel. Und das war jetzt für uns auch eine Überlegung, das zu tun. Aber wir glauben, dass wir mit einem relativ kleinen Investment in Maniv einen besseren Zugang auf Dealflow haben, als wenn wir jetzt da umständlich zwei, drei Leute in Israel platzieren würden. Vielleicht machen wir das mal eines Tages. Momentan haben wir das Gefühl, dass das so ein guter Ansatz ist, um jetzt nicht überall so viele Büros zu haben.

Patrick Setzer: Okay, und sind denn Investments auch schon total gefloppt? Also im Konzern, wer einen Fehler macht, fliegt? Umgekehrt, wer im Startup Fehler macht, der lernt. Lerneffekte sind wichtig und ihr habt ja sicherlich auch mal ein paar Flops gehabt in diesen ganzen Investments und ich finde das auch total normal. Wir wissen auch, dass im Risikokapitalgeschäft 80 bis 90 Prozent eigentlich Ausfälle sind. Das sind ja die 10, 20 Prozent, die dann alles rausreißen. Hast du so ein, zwei, die du mit den Zuhörern teilen kannst?

Ulrich Quay: Ja, klar. Das ist jetzt nicht. jeder Deal ist so, dass es da einen super Return gibt. Totalausfälle hat man, glaube ich, erst zwei. Ein Investment, das war noch vor meiner Zeit, da kann ich keine Verantwortung übernehmen. Das zweite, das war ein relativ kleines, ein sehr frühphasiges Investment. Und dann gab es ein paar kleinere, wo halt der Exit nicht so lukrativ war, wie er hätte sein können. Aber ich glaube, das ist auch jedem klar. Das haben wir auch immer kommuniziert, dass es Verluste geben wird, dass Leute ausfallen. Das ist Teil des Systems. Wenn man große Returns will muss man große Risiken eingehen. Wenn jedes Firma überleben würde, dann wäre der Ansatz nicht richtig, dann hätte man mit hoher Wahrscheinlichkeit auch keine hohen Returns.

Patrick Setzer: Aber gibt es Lerneffekte, sodass das nicht nochmal passieren kann oder weniger wahrscheinlich passieren kann? Kannst du irgendwas bei diesem Beispiel jetzt, was du sagst, könntest du im Nachhinein sagen, ich mache jetzt Folgendes anders, weswegen das in der Form nicht mehr passieren wird?

Ulrich Quay: Das wird immer passieren, aber manchmal sieht man so ganz frühe Warnsignale und sagt dann, ach nee, ist wahrscheinlich schon noch okay und dann scheitert das vielleicht gerade mal an diesem einen Punkt. Aber man denkt eigentlich immer, was tief gehen kann und überlegt man sich bei jedem Investment. Würde ich jetzt nicht sagen. Ich glaube, insgesamt gesehen ist für mich wichtig, die Persönlichkeit des Unternehmers. Das ist halt, wenn man sich unser Portfolio anguckt, was läuft gut, dann sind es oft Leute, die schon einfach eine Historie haben, Sachen erfolgreich entwickelt zu haben und auch einen erfolgreichen Exit gemacht zu haben. Das ist im Grunde ein Erfolgskriterium. Und bei uns laufen im Grunde die Firmen, wo wir gedachten, die Bewertung ist eigentlich zu hoch, das sind eigentlich die Firmen, die am besten laufen. Also ich würde jetzt, zumindest meine Prämisse ist, Nur weil irgendwas für einen Schnäppchenpreis zu haben ist, heißt das nicht unbedingt, dass es ein gutes Investment ist. Manchmal ist das, was scheinbar zu teuer ist, besser. Weil letztlich, wenn das wirklich fliegt, dann fliegt es halt richtig und dann ist es manchmal nicht ganz so wichtig, ob man da jetzt 1,6% von hat oder 2,5. Es ist auch bei 1,6% kann es sehr, sehr interessant sein.

Patrick Setzer: Okay, und dann kommen wir jetzt mal zu einem der heißesten Themen zur Zeit, zu dem Thema Elektroroller. Ihr seid in Lime investiert, die mittlerweile 765 Millionen US-Dollar von euch, Andreessen, Google, Fidelity, Bain bekommen haben. Anfang des Jahres normal um die 300 Millionen US-Dollar in einer Runde. Dafür auf jeden Fall schon mal Respekt, da zwei Milliarden Bewertungen innerhalb von ein, zwei Jahren zu zaubern, ist ja eine Leistung. Das kommt gerade raus. dass Bird eine ähnliche Runde wieder um die 300 Millionen sucht. Leider zu einer schlechteren Zeit. Warum? Weil herauskam, dass Bird im ersten Quartal nur 15 Millionen Umsatz bei 100 Millionen Dollar Verlusten gemacht hat. Verluste kann man jetzt strategisch sehen. Würde ich jetzt nicht als Auskriterium sehen. Allerdings der Umsatzeinbruch von 40 Millionen US-Dollar im vierten Quartal 2018 zu 15 Millionen US-Dollar im ersten Quartal diesen Jahres ist natürlich eine Indikation. Sehr zyklisches Geschäft offensichtlich. Wahrscheinlich ist zwischen Oktober und März kommen die Leute nicht so auf die Idee, einen Roller zu fahren. beunruhigt dich das mit deinem Investment in Lime?

Ulrich Quay: Ich kann jetzt Bird nicht kommentieren, ich kenne die Zahlen nicht. Ich weiß nur, dass den Lime-Kollegen sind wir in engem Kontakt und wir sind mit der Entwicklung bisher sehr zufrieden. Die haben jetzt zum Teil andere Ansätze als Bird. Es ist generell immer so, dass es immer so Zyklen gibt. Dann gibt es einen Hype-Zyklus, dann gibt es einen Zyklus, wo sich alles wieder ein bisschen mehr beruhigt. Das hat ja auch Vorteile als Investor. Ich glaube, grundsätzlich für uns war jetzt wichtig, dass wir an diese Mikromobilität glauben. Jeder, der das selber schon mal genutzt hat, weiß, dass es ein sehr attraktives Fortbewegungsmittel ist. Für uns ist es strategisch interessant, weil es sehr schön komplementär ist zu unseren Carsharing-Diensten. Das heißt, wenn ich manchmal nach einem Fahrzeug suche und ich müsste zehn Minuten laufen, dann bin ich vielleicht nicht bereit, das zu machen, aber neben mir ein Leim-Scooter steht, mit dem ich zum Auto fahren kann. bin ich sehr wohl bereit, das zu tun. Insofern strategisch für uns eine schöne Sache, auch um Erfahrungen im Bereich Mikromobilität zu bekommen. Und finanziell sind wir bisher sehr zufrieden mit dem Team. Die haben super eine Abdeckung, die haben ganz viele Städte exklusiv, wo sie wirklich der einzige Anbieter sind. Was natürlich immer besonders interessant ist, die haben beeindruckende Wachstumszahlen nach wie vor. Insofern kann ich nur sagen, mit dem Lime Investment sind wir sehr zufrieden. Aber es ist auch klar, dass es jetzt immer Hype-Zyklen gibt und Zyklen, wo sich das ein bisschen neutralisiert. Zu dem Preis, zu dem wir jetzt eingestiegen sind, ist das für uns völlig in Ordnung.

Patrick Setzer: Weil ihr relativ früh drin wart?

Ulrich Quay: Ja, wir sind eingestiegen zu einer Zeit, wo die Bewertung für uns noch im guten Bereich war. Wir konnten noch nicht mal so viel investieren, wie wir wollten. Insofern, wenn wir jetzt zusätzlich einen Appetit haben, noch mehr zu investieren, kann das auch eine gute Chance sein. Würde ich jetzt auch gerne machen, weil Leim soll selber, wenn sie es veröffentlichen wollen, sollen sie es tun. Meines Wissens haben sie es nicht veröffentlicht.

Patrick Setzer: Okay. Und die größten zwei Firmen, zumindest mal in der westlichen Welt, wenn ich jetzt die Didi, Choochings und sowas rausnehme, sind Uber und Lyft. Börsengange gemacht, Hosentaschen voller Geld, Uber alleine 7, 8 Milliarden, glaube ich, aufgenommen beim IPO. Und beide investieren jetzt zusammen eine Milliarde Dollar in die Eigenentwicklung des Scooter-Themas. Und es steht auch bei beiden voll im Fokus, genau aus denselben Gründen, die du gerade sagst, für Carsharing. Also wir glauben ja alle an die Mikromobilität. Glaubst du, dass die eine Buy-and-Build-Strategie fahren und amerikanische und europäische Roller-Startups am Ende praktisch kaufen? Oder lassen sie sich Zeit und verlassen sich darauf, dass denen am Ende das Geld ausgeht? vielleicht, weil in Lime und Bird, wenn die noch ein paar solche Quartale abliefern, dann wird es sicherlich nicht so einfach für Bird, eine andere 300 Millionen runterzumachen.

Ulrich Quay: Ich kenne jetzt die Strategie von Uber und Lyft nicht. Ich weiß, dass sie mit mehreren Mikromobilitätsanbietern in Gesprächen sind, Angebote gemacht haben. Ich weiß, dass sie selber Initiativen ergreifen. Aber ich kann jetzt nicht sagen, wie deren Strategie ist. Selber zu machen hat ein paar Vorteile, hat auch Nachteile. Das Kaufen macht sicherlich einen Auch viele Vorteile, wenn man das für einen vernünftigen Preis machen kann. Ich glaube, grundsätzlich ist es in dem Bereich so eine Landgrab-Situation, dass die Leute, die frühzeitig in den Märkten sind und eine gute Abdeckung haben, einen großen Vorteil haben. Und das jetzt zu replizieren, kostet halt in der Regel sehr viel Geld und Zeit. Und gerade bei den Services kann ich mir vorstellen, dass das für die relevant ist. Also wenn ich jetzt der Leiter von M&A über Lift wäre, würde ich mir da schon überlegen, ob ich das alles selber von Grund auf selber machen wollte. oder ob ich nicht für einen vernünftigen Preis einen der Marktführer akquirieren würde. Aber müssen die natürlich selber entscheiden. Grundsätzlich glaube ich, dass die Leute, die frühzeitig eine gute Abdeckung haben und in vielen Märkten sind, dass die schon strategisch einen sehr guten Vorteil haben.

Patrick Setzer: Und wie ist die Investitionsstimmung generell im Valais? Irgendwelche grauen Wolken in Sicht oder ist die Stimmung noch genauso wunderbar wie in den letzten zwei, drei Jahren?

Ulrich Quay: Viele Leute erwarten ja schon seit Jahren so einen Einbruch. Momentan ist es noch nicht passiert. Es liegt unter anderem daran, dass viele Fonds halt auch geraced wurden. Die Taschen sind voll, sag ich mal.

Patrick Setzer: Und die Zinsen bleiben unten.

Ulrich Quay: Die Zinsen sind unten und nach wie vor sehe ich Firmen mit wirklich sehr ambitionierten Bewertungen. Es gibt mal so einzelne Bereiche, die vielleicht nicht mehr ganz so heiß sind, wie es noch vielleicht vor ein paar Jahren war, aber Insgesamt gesehen habe ich das Gefühl, dass vielleicht so eine leichte Korrektur passiert ist, aber dass immer noch ein gutes Klima herrscht. Das ist jetzt in keinem Fall eine Krisenstimmung aus meiner Sicht.

Patrick Setzer: Und was sind so zurzeit die heißesten Themen im Valley, wenn wir mal durchgehen, Autonomous, Connected, Electrified, Shared Sektor, jeweils mal einzeln zum Thema autonomes Fahren?

Ulrich Quay: Ja, das hat man jetzt gesehen, dass in der Presse so ein paar Akquisitionen auch kamen, wo der Preis nicht so hoch war, dass man das Gefühl hatte, es wäre ein Acquihire, wo Firmen für die Leute investiert wurden. Also da kristallisiert sich so ein bisschen raus, dass es so ein paar große Player gibt mit hohen Bewertungen und es gibt halt für die Firmen, vielen kleineren wird es anspruchsvoller. Früher reichte vielleicht zu sagen, ich bin autonomes Vehicle Startup, dann kriegt man Geld. So einfach ist es heute nicht mehr, weil es eben etablierte Leute gibt, die schon relativ weit sind. Insofern ist das ein Bereich, wo vielleicht so ein bisschen so ein Realitätscheck passiert ist. AI ist sicherlich ein Buzzword, aber da sehen wir sehr viele Firmen, die unheimlich interessante Sachen machen und auch Interesse der Investoren wecken. Data Storage, finde ich, habe ich jetzt auch in der Zeit sehr viele Sachen gesehen, die da in the Cloud, on-premise interessante Angebote liefern, auch an Corporates, die üblicherweise in anderer Form ihre Datenstorage-Themen behandelt haben.

Patrick Setzer: Aber Datenstorage im Auto oder für welche Funktion?

Ulrich Quay: Generell auch für Unternehmensunterhändedaten, aber auch für Autodaten. Also da haben wir jetzt in letzter Zeit relativ viele Sachen gesehen, auch eigene Investments zum Teil gemacht. Insofern gibt es immer wieder spannende Sachen. Es wird nie langweilig. und bei der Industrie 4.0 sehen wir auch viele Themen, die uns überrascht. Wir machen mehr 4.0-Investments einfach gedacht haben. Da sehen wir auch viele interessante Sachen, ob es im Bereich Robotics ist, IoT. Ja, da haben wir ganz viele interessante Firmen.

Patrick Setzer: Ladeinfrastruktur hast du schon gesagt, seit ihr mit Chargepoint investiert. Ist das auch noch ein Thema? Ist ja auch nicht so leicht profitabel zu kriegen, Ladeinfrastruktur. Tut sich da was? Da kommt Electrify America gerade auf der Volkswagen-Seite.

Ulrich Quay: Also für mich wäre jetzt, wenn wir jetzt in Europa einen Exit gehabt, Chargemaster wurde verkauft. Das war für uns ein gutes Investment. Chargepoint ist inzwischen in Europa und in den USA tätig. Da würden wir jetzt nicht in Wettbewerber investieren, weil wir da selber schon investiert sind.

Patrick Setzer: Und auf der Shared-Mobility-Seite, der Seite mit Lime zum Beispiel unterwegs, hast du da sonst noch Investments oder guckst du dir Sachen an?

Ulrich Quay: Ja, wir haben einige Investments. Wir haben Scoop, das ist ein Carpooling Investment, das sich wirklich rasant entwickelt. Super letzte Runde gemacht hat vor ein paar Monaten. Wir haben eine Firma, die heißt Zoom. Da geht es um Child Transportation, über für Kindertransport, für Schulen. Ganz spezifisch für die. Sequoia ist ein Investor. Also wir haben eine Reihe von Mobilitätsinvestments im Bereich Shared und ich sehe da auch Bedarf oder interessante Möglichkeiten, was zu machen. Aber ich glaube nicht, dass alle Fälle von Uber und Lyft abgedeckt werden. Und wenn die in solche Bereichen rein wollen, dann glaube ich, dass es für die interessant sein kann, solche Firmen auch sich zu überlegen zu kaufen oder mit denen.

Patrick Setzer: Wie viele Businesspläne bekommt ihr so pro Jahr über den Daumen?

Ulrich Quay: Wir investieren ungefähr in 10 bis 15 Firmen pro Jahr. Man macht ungefähr ein Investment pro 90 Firmen, die man sich anschaut. Du kannst dir die ausrechnen in ungefähr 15 mal, 10 mal 100 ungefähr. Das ist die Zahl, die wir uns angucken. In unterschiedlicher Intensität. Manchmal dauert es 15 Minuten, manchmal zwei Monate. Aber auf der Grundlage dessen, was wir in unsere eigenen Systeme eingeben, würde ich sagen, 1000 Firmen gucken wir uns locker an.

Patrick Setzer: Und die kommen auf euch zu? Gibt es auch Wege, wie ihr aktiv an Startups rankommt?

Ulrich Quay: Ja, das ist auch ein Punkt, der wichtig ist, wie man VCs eigentlich anspricht. Es ist meiner Ansicht nach der falsche Weg, einfach irgendwelche Cold Emails zu schreiben und zu sagen, ich möchte Geld. Es ist nicht wie versprechen, ich bekomme am Tag wahrscheinlich ein Dutzend Pitches zugeschickt, die jeweils 20, 30 Seiten da sind. Wenn ich mir die angucke, bis ins letzte Detail, dann mache ich am Tag nichts anderes mehr. Insofern muss man gucken, wie kriege ich die Aufmerksamkeit von jemandem. Da ist es natürlich immer gut, jemanden zu haben, der eine Introduction macht, der jemanden kennt, wo er dann sagen kann, ich kenne den Unternehmer, ich habe mich mit der Firma schon befasst. Sowas guckt man sich mit höherer Wahrscheinlichkeit an. Wenn ich jetzt von Andresen Horowitz einen Tipp bekomme, dann mache ich das mit hundertprozentiger Sicherheit. Wenn jetzt eine kalte E-Mail kommt, dann hängt ein bisschen davon ab, ob ich gerade Zeit habe oder nicht, wie intensiv ich mir das angucke. Angucken tue ich es mir immer, aber mit einer unterschiedlichen Intensität. Deshalb ist es auf jeden Fall gut, dass man über einen Dritten im Grunde Zugang bekommt und nicht einfach in 250 VCs eine kalte E-Mail schreibt. Das ist nicht sehr erfolgversprechend.

Patrick Setzer: Also an alle Startups, wer Kontakt zum Uli Kweifel, mal gucken, wen man vielleicht bei LinkedIn über Bande kennt. Vielleicht nochmal kurz zum Ablauf eines Prozesses. Jetzt nehmen wir mal an, ein Startup hat dich erfolgreich kontaktiert bzw. deine Aufmerksamkeit erlangt. Wie ist dann von der, ganz grob nur von der Idee aus, Aha, wir könnten eventuell hier investieren bis zum Closing. Wie lange dauert es ungefähr und was sind so die drei, vier wichtigen Schritte dazwischen?

Ulrich Quay: Wir können es in zehn Tagen machen, aber lieber, wie gesagt, in vier bis acht Wochen. Erster Schritt ist, ich schaue mein Deck an. Zweiter Schritt ist ein Meeting. Dann würden wir uns überlegen, welche Fragen haben wir, würden so die wichtigsten Fragen versuchen zu lösen, indem wir mit anderen sprechen, indem wir mit Know-how-Trägern uns austauschen. Nächster Schritt wäre dann eine Vorstellung vor dem Team, wo er eine Stunde eine Chance hat, sich zu zeigen und die Firma und das ganze Team entscheidet, dann machen wir weiter oder nicht. Wenn es weiter geht, geht man in die tiefere Due Diligence, wo dann weitere Customer Calls gemacht werden, Technology Deep Dives, wo wir tiefer reinbohren. Und dann machen wir irgendwann ein Investment Memo und auf der Grundlage treffen wir dann die Investmententscheidung.

Patrick Setzer: Okay. Und sag mal, wenn du jetzt rückblickend auf acht Jahre Risikokapitalgeschäft zurückblickst, was ist der Deal, der beste Deal, wo du dir am meisten auf die Schulter klopfst, dass du ihn gemacht hast?

Ulrich Quay: Da gibt es jetzt nicht einen. Ich will da jetzt auch nicht Stolz ist man immer auf die, wo viele gesagt haben, das klappt sowieso nicht. Und wo man trotzdem davon persönlich überzeugt ist, dass es doch fliegt. Das sind immer die Sachen, die dann echt klasse sind. Wenn alle sagen, super, super, dann ist es im Grunde nicht so schwer. Wenn alle sagen, Mensch, wenn ich da nur reinkommen könnte. Das ist dann auch schön, wenn man reinkommt, freut man sich. Aber stolz ist man auf Sachen, die man halt sieht, wo alle gesagt haben, das klappt doch sowieso nicht. Wenn es dann doch klappt, dann freut man sich immer darüber. Aber ich würde da jetzt auch keine Firma hervorheben. Das kommt öfter mal vor, aber nicht so, dass ich da jetzt eine Firma raushebe. könnte.

Patrick Setzer: Okay. Wir sind leider schon wieder am Ende. Uli, sehr spannender Podcast. Vielen Dank für die Insights zu Adventures und das Leben in Silicon Valley. Merci für deine Zeit.

Ulrich Quay: Hat Spaß gemacht. Dankeschön.

Patrick Setzer: Danke dir.