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Marina Löwe: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Make it Mindful bei digital kompakt. Ein einfaches Handbuch mit Hinweisen auf die wichtigsten Tipps zur Einführung von Achtsamkeit in deinem Unternehmen gibt dir quasi Jan-Philipp Martini von der Boston Consulting Group heute in unserem Gespräch mit an die Hand. Er ist Berater und agiler Coach bei BCG und Mitgründer und Leiter der Mindfulness at BCG Community. Und zusätzlich zur Einführung der Achtsamkeit im Unternehmen kannst du von ihm auch noch ganz konkrete Tipps mitnehmen für das Integrieren von Achtsamkeit in deinem Alltag. Falls dir die Tipps heute noch nicht ausreichen oder du weitere tägliche Unterstützung brauchst, kannst du wie immer die App von Seven Mind nutzen, die dir einen einfachen Einstieg in die Meditation ermöglicht. Auf allen Geräten verfügbar mit individuellen Tipps und kurzen Meditationen, die du jederzeit einschieben kannst, egal wie dein Tag gerade aussieht. Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß bei der heutigen Folge. Jan Philipp, was war eigentlich deine persönliche erste Erfahrung mit Achtsamkeit?
Jan-Philipp Martini: Meine erste Erfahrung war ein Buch, was ich gelesen habe. Und zwar hieß das Triffst du Buddha, töte ihn. Damals fand ich den Titel ziemlich kontrovers, aber wahrscheinlich hat es mich auch deshalb dahin gezogen. Und das Buch hat sich dann, das war von einem sehr rastlosen Reiseautor, der nach Indien gegangen ist, um einen Vipassana-Kurs zu machen. Es ist eine Form von einem Zehntagesretreat oder einem Meditationsretreat. Und diese paradoxe Linie, die man eigentlich schon in dem Buchtitel sieht, die hat sich dann auch durchgezogen, so wie ich Achtsamkeit verstehe, nämlich immer als Kombination aus Fortschritt, aber auch Bewusstsein. Ich bin von meiner Natur aus eher Im Fortschritt, in der Rastlosigkeit, könnte man manchmal auch sagen. Und glaube aber, dass viel davon aus der Stille kommt. Und diese paradoxe Kombination hat sich dann eigentlich immer wieder gespiegelt. In sehr langen Meditationsretreats kombiniert mit intensiven Arbeitsphasen, die ich zum Beispiel in meinem Leben habe. Das war interessanterweise Das ist mir aber erst viel, viel später aufgefallen, schon in diesem ersten Buch eigentlich. Das habe ich vor ungefähr 12, 13 Jahren gelesen. Da ist das aufgetaucht bei mir schon, diese Kombination aus Langsamkeit, Stille und Fortschritt und Explosivität vielleicht.
Marina Löwe: Genau dieses Paradoxon, was du dir selber in deinem Leben eigentlich auch dann gesucht hast. Also immer viel Gas geben und dazwischen intensiv Ruhe, hast du gerade gesagt. Was nimmst du dann aus diesen Ruhephasen mit?
Jan-Philipp Martini: Was ich da mitnehme, ist, glaube ich, die Inspiration für das, was danach kommt. Und ich habe erst über die Jahre gelernt, eigentlich die Ruhephasen und die intensiven Phasen näher zusammenzubringen. Die waren ursprünglich sehr separiert und sehr separat. Und es hat dann sehr, sehr lange und viele Retreats gedauert, bis ich Ruhe und Explosivität irgendwie zusammenbringen kann.
Marina Löwe: Das heißt, wie sieht das heute bei dir im Alltag aus?
Jan-Philipp Martini: Mein Alltag sieht so aus, dass ich eigentlich eine sehr stabile Praxis habe. Ich nehme jeden Morgen ein bis zwei Stunden Zeit zu meditieren und ein bisschen Bewegungspraxis zu machen. Und da habe ich mein Handy aus. Zum Beispiel, das ist eine Form der Stille. Und danach steige ich dann aber natürlich schon in den Alltag. Und im Berateralltag hat man natürlich recht viel Termine, E-Mails und so weiter. Interaktionen mit Kunden. Und das ist dann eher die explosive Phase. Und ich versuche schon, mich immer wieder bewusst daran zu erinnern, ab und zu mal Stille einzulegen. Aber es gibt auch Tage, da vergesse ich das und merke erst am Abend, oh, du hast den ganzen Tag gar nicht geruht, außer in deiner Morgenpraxis. Und das, obwohl du vorgibst, Achtsamkeit zu leben im Unternehmen. Also beides kommt vor, aber es geht eher Richtung Integration, aber manchmal fällt mir das schwer.
Marina Löwe: Das heißt, was du schilderst, ist ja ein Weg oder ein Prozess. Also du hast den ersten Kontakt gehabt vor 10 bis 12 Jahren über ein Buch. Es hat dich irgendwie angesprochen. Dann gab es Phasen, wo das separiert war. Entweder Vollgas beim Arbeiten oder diese intensive Ruhe und Stille. Und dann eine Zeit, wo du es schrittweise mehr integriert hast. Und auch da ist es dann eben morgens eine Stunde ruhig. Und dann kann es auch mal nonstop pausenlos sein, um dann abends wieder zu merken, oh, vielleicht braucht es doch nochmal Ruhe. Also wie viel Geduld muss man deiner Meinung nach haben, wenn man sich auf den Weg macht, Beachtsamkeit in sein Leben zu integrieren?
Jan-Philipp Martini: Ich sage immer, dass der einzige Maßstab, um seinen Fortschritt bei Meditation zu messen, ist eigentlich die Akzeptanz, die man mitbringt. Ja, das heißt Ich kann schwer messen, wie gut ist jetzt meine Aufmerksamkeit, wie offen ist mein Gewahrsein. Das sind alles Dinge, das sind, glaube ich, Einbahnstraßen, wenn ich mich darin messe, wie gut ich darin bin. Und Akzeptanz ist aus meiner Sicht der einzige Maßstab, wie gesagt. Und das heißt, der muss schon sehr, sehr groß sein bzw. entwickelt sich auch. Und Akzeptanz irgendwo hat sehr, sehr viel mit Geduld zu tun, weil wirklich geduldig sein kann ich natürlich nur, wenn ich das akzeptiere, dass gerade vielleicht nicht das passiert, was ich mir wünschen würde. Das heißt, ich glaube, Geduld ist schon sehr, sehr wichtig. Ich bringe das nicht immer mit, aber spätestens am nächsten Morgen in meiner nächsten Achtsamkeitspraxis habe ich natürlich einen Anker gesetzt, mit dem ich mich wieder fangen kann, wenn ich mal ungeduldig werde. Das heißt, der längste Tagesabschnitt dadurch, dass ich eine stabile Praxis entwickelt habe, ist eigentlich ein Tag, weil normalerweise fange ich mich in meiner Morgenspraxis wieder in meiner Geduld ein, wenn die mal ausgerutscht ist für eine Weile.
Marina Löwe: Also das regelmäßige Training sowie auch das Muskeltraining, was ja auch einfach im Buddhismus immer wieder angesprochen wird, das ist eine Frage der Routine. Und diese Routine hast du jetzt für dich persönlich, aber du hast ja auch die Mindfulness at BCG Community mitgegründet und leitest die jetzt zusammen. Was war da eigentlich für euch so der auslösende Moment oder die Situation, wo ihr gesagt habt, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, dass wir das auch bei der Boston Consulting Group machen?
Jan-Philipp Martini: Ich glaube, das hat zwei Elemente. Das eine Element ist, dass wie in vielen Unternehmen heute ist das als Hobby getrieben, ursprünglich mal angefangen worden als Hobby, sollte ich besser sagen. Und das heißt, dass sich ein sehr seniorer Kollege bei uns und ich haben uns in meinem ersten Projekt, war das glaube ich schon vor etwa vier Jahren, darüber ausgetauscht, dass wir beide zehn Tagesretreats machen. Das aber eher als persönliche Note. sehen. Das ist einfach unser persönliches Hobby. Und wir haben uns entschlossen, eine Veröffentlichung zu schreiben, indem wir das Thema einfach aufbereiten für eine Management-Ebene und das versuchen, verständlich zu machen, was uns mit Einschränkungen gelungen ist. Und das war der erste Schritt. Das heißt, es war ein Hobby, aber dann gab es auf Kundenseite so ein großes Interesse, dass wir gesagt haben, vielleicht sollten wir das auch intern mal probieren. Was heißt eigentlich Mindfulness für BCG? Und das hat sich dann so entwickelt, dass wir eine Mindfulness-Community aufgebaut haben vor etwa zwei Jahren. Und das waren ursprünglich nur vierwöchige Experten-Telefonate, wo wir zum Beispiel mal einen Neurowissenschaftler eingeladen haben, der über die Fakte von Mindfulness gesprochen hat. Und wir haben uns alle zusammen telefoniert und darüber ausgetauscht, was Mindfulness mit uns macht. Und erst jetzt ist es auf viele hundert Kolleginnen und Kollegen gewachsen. Und das liegt viel daran, dass, glaube ich, in der aktuellen Krisenzeit mit Covid-19 Wir sehen, wie verletzlich eigentlich unsere Routinen, unser Alltag ist und dadurch auch gespürt wird, dass diese Leere durch irgendwas ersetzt werden kann. Und glaube ich, Mindfulness ist da ein ganz guter Weg. Und das ist jetzt gerade einer der Aufhängungsfaktoren, einfach der Umgang mit Unsicherheit, der in der Krise sehr, sehr wichtig wird bei uns.
Marina Löwe: Das eine ist ja das Berufliche. Jetzt fangen wir auch hier nochmal bei dir persönlich an, weil du verbringst ja auch immer mal wieder Zeit in einem einsamen Haus am See. Da haben wir auch schon drüber gesprochen, so ein bisschen inspiriert vielleicht auch oder es erinnert an Henri David Thoreau, der auch das Buch Walden geschrieben hat, was ja auch wieder so ein bisschen Renaissance hat. Jemand, der sich in den Wald zurückzieht und einfach sich in die Ruhe begibt für einen längeren Zeitraum, um Dinge tiefer zu durchdringen. um sich größere Gedanken zu machen, wie er das teilweise auch beschreibt. Was bedeutet das für dich, diese Zeit da ja auch eher in der Abgeschiedenheit, gerade in der Situation, wo ja auch viele unter dieser sozialen Abgeschiedenheit eher leiden?
Jan-Philipp Martini: Ich glaube, so wie auch meine Meditationspraxis als Anker am Morgen ist, ist das Waldhaus, in dem ich mache ab und zu Kundenarbeit oder meistens natürlich als Berater. Jetzt gerade habe ich eine Phase, wo ich sehr viel aus dem Waldhaus arbeite. Und so ähnlich wie die Meditationspraxis der Anker ist, am Morgen um Stille zu finden, ist eigentlich auch das Waldhaus ein anderer Anker für mich, um Stille zu finden. Und klar ist es schwierig, ab und zu hier in sozialer Isolation fast zu leben mit meinen Freunden zusammen. Auf der anderen Seite kann ich dadurch aber auch die sozialen Kontakte, die ich außerhalb Von dem Leben in diesem Haus habe wesentlich mehr und tiefer wertschätzen, glaube ich. Das heißt, für mich braucht es immer die beiden Pole, die Einsamkeit und auch das Zusammenleben.
Marina Löwe: Paul Kotes hat was Schönes gesagt. Er hat gesagt, dass jedes Ding ja auch eine andere Seite hat, sodass auch die Einsamkeit, die viele gerade in dieser sozialen Isolation verspüren, eine Kehrseite hat, in der wir paradoxerweise auch eine tiefere Verbundenheit empfinden. Und das höre ich bei dir gerade auch raus, dass du sagst, okay, diese Einsamkeit führt eigentlich dazu, dass die Verbindungen, die ich habe, bei mir noch eine größere Wertschätzung gerade erfahren. Was denkst du von dieser Zweiseitigkeit? Kann man auch wieder zurück transferieren jetzt von dir persönlich in die Zusammenarbeit miteinander in den Unternehmen?
Jan-Philipp Martini: Bevor ich auf die Frage eingehe, vielleicht noch einen Punkt zu der anderen Seite der Münze, die Paul schon angesprochen hat. Ich fand es in meinem Leben immer sehr wichtig, mir Spiegel zu setzen. Und Spiegel, die vielleicht nicht das positiv verstärken, was mir selber schwerfällt. Zum Beispiel bin ich recht rastlos. Und dadurch, dass ich in einer Unternehmensberatung arbeite, die natürlich auch in einer extrem hohen Geschwindigkeit geht, ist es für mich, glaube ich, manchmal schwierig, nur in dieser schnellen Zeit zu sein, weil die das verstärkt in mir, womit ich selber Schwierigkeiten habe. Das heißt, das Gegenteil davon ist natürlich die Stille in dem Haus oder die Stille in Meditationspraxis. Und das ist einfach so eine Art Feedback-Loop, der mir hilft, mich nicht dahin weiterzuentwickeln, was mir eigentlich schwerfällt. Das heißt, es ist eigentlich ein konträrer Gegensatz, der mir hilft, mich zu verankern und nicht den Teufelskreis der Rastlosigkeit hinunter zu strudeln.
Marina Löwe: Okay, das heißt, wenn du diese Schnelligkeit und da gab es auch so ein schönes Bild von Paul, wir hängen an einem Zug angekoppelt, der wahnsinnig schnell fährt und wenn wir nur an dem Zug hängen, dann ist eben nur die Schnelligkeit da, dann ist nur die Geschwindigkeit da. Also wenn du nur in diesem Brateralltag wärst, dann wäre das immer dein Modus, in dem du unterwegs bist. Und die Stille ist dann für dich quasi der Ausgleich, damit du nicht nur diese eine Welt hast oder wie muss ich mir das vorstellen? Ja.
Jan-Philipp Martini: Der Ausgleich, aber auch eine Art Spiegel vielleicht, der mir hilft, mich selber zu sehen in meiner Rastlosigkeit. Die wird natürlich positiv verstärkt, wenn ich in einer Hochgeschwindigkeitsumgebung bin. Während die in einer stillen Umgebung sehr bewusst wahrnehmbar wird.
Marina Löwe: Das heißt, wenn ich eine innere Rastlosigkeit habe, dass das ist, was eigentlich meine Komfortzone ist, nämlich viel zu machen und schnell zu machen, dann ist das was, worin ich mich auch verlieren könnte, oder? Und das wahrzunehmen, ob das überhaupt sinnvoll ist und auf Dauer funktioniert, mich immer in dem zu bewegen, was meine Tendenz noch verstärkt, Braucht ab und zu dann dieses Reflektieren und von außen angucken, okay, was machst du da eigentlich, weil du das in der Schnelligkeit gar nicht so machen würdest.
Jan-Philipp Martini: Genau, ja, also eine äußere Umgebung, die vielleicht das Gegenteil meiner inneren momentanen Realität ist, hilft mir selber zumindest sehr, damit umzugehen, ja. Und gleichzeitig aber auch wahrzunehmen, wie unglaublich tolle Stärken natürlich auch in schwierigen Verhaltensweisen sind, wie zum Beispiel Rastlosigkeit. Das steckt ja auch sehr, sehr viel Energie dahinter und die ist natürlich schon sehr wertvoll.
Marina Löwe: Ja, also was nimmst du für dich mit aus diesem Spiegeln? Was macht das für dich anders, dadurch, dass du dich da reflektierst in dieser Rastlosigkeit?
Jan-Philipp Martini: Ich glaube, was es macht, ist einfach, dass ich mich selber etwas von außen wahrnehme, aus der Umgebung der Stille heraus.
Marina Löwe: Kann ich das auch, wenn ich in der Schnelligkeit unterwegs bin? Weil ich kann ja auch schnell von außen gucken, wie ich unterwegs bin.
Jan-Philipp Martini: Ja, mit Sicherheit. Das wird auch funktionieren. Wahrscheinlich ist das auch sehr persönlich unterschiedlich. Für mich selber fällt es schwer, mich in Schnelligkeit als schnell wahrzunehmen. Mir fällt es leichter, mich in Schnelligkeit aus dem Langsamen wahrzunehmen. Aber das wird wahrscheinlich sehr abstrakt. Das ist eher was, was ich für mich selber jetzt einfach gelernt habe, dass es wichtig ist, mit meiner Umgebungsgeschwindigkeit etwas zu spielen, um mich selber wahrzunehmen.
Marina Löwe: Mit der Umgebungsgeschwindigkeit spielen und gucken, was das macht. Was nimmst du aus dieser persönlichen Erfahrung dann mit in die Arbeitswelt? Also wie ist diese Community gestaltet und wie findest du da diese beiden Seiten aus? Ihr seid entweder in den Meetings zusammen, fast paced, Aufgaben abarbeiten, an Projekten arbeiten und jetzt habt ihr Momente, wo ihr euch mit dem Thema Achtsamkeit bewusst auseinandersetzt und auch achtsam zusammen seid. Was macht das für einen Unterschied?
Jan-Philipp Martini: Also ich glaube, dafür ist es wichtig, Achtsamkeit zu verstehen. Wir verstehen das als Zusammenspiel von drei Dingen. Das eine ist Aufmerksamkeit, das zweite ist offenes Gewahrsein und das dritte ist Akzeptanz. Und Aufmerksamkeit hat was mit Fokus zu tun. Es ist sehr eng. Aber das ist gerichtet auf eine Sache. Und das hat was damit zu tun, dass ich einen Gedanken über einen anderen Gedanken wählen kann. Das zweite Gewahrsein, das ist wesentlich offener. Das hat was mit Kreativität zu tun, mit weiter offener Wahrnehmung. Und das dritte ist dann Akzeptanz. Gedanken, Emotionen so anzunehmen, wie sie kommen und gehen, anstatt Widerstand zu zeigen, was typischerweise Emotionen und Gedanken eigentlich nur verstärkt. Und die drei Sachen sind, glaube ich, grundlegend nicht nur bei BCG, sondern in jedem Unternehmen, ob ich mich jetzt mit Achtsamkeit beschäftige oder nicht, weil das Gegenteil von diesen drei Dingen ist Ablenkung. Gegenüber Aufmerksamkeit, Enge gegenüber offenem Gewahrsein und Widerstand gegenüber Akzeptanz. Und ich glaube, kein Unternehmen würde sich Widerstand, Enge und Ablenkung wünschen. Und daher ist, glaube ich, Mindfulness einfach ein Grundbestandteil von jeder kognitiven und emotionalen Fähigkeit, die meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Unternehmen haben. Und das haben auch wir bei BCG erkannt.
Marina Löwe: Und gerade wenn es darum geht, agiler zu arbeiten oder neue Arbeitsmethoden einzusetzen, das ist ja auch einer deiner Hauptschwerpunkte, du bist ja auch agiler Coach. Wie ermöglicht Achtsamkeit agiles Arbeiten?
Jan-Philipp Martini: Wenn ich jetzt auf unsere Definition von Achtsamkeit gehe, Aufmerksamkeit, Gewahrsein und Akzeptanz, die ich übrigens auch in verschiedenen Praxisen alle drei trainieren kann. Dann, glaube ich, gehen die drei Dinge sehr stark wieder, was im agilen Arbeiten passiert. Was da passiert ist, dass ich mir für einen Zeitabschnitt von ein paar Wochen, vielleicht zwei Wochen, eine sehr, sehr klare Vision gebe, was ich machen will, in der ich dann mit hohem Fokus oder hoher Aufmerksamkeit arbeite im Team, ohne Ablenkung im Idealfall. Das heißt, das ist der Aufmerksamkeitspunkt. Dann der Akzeptanzpunkt ist auch sich nicht gegen Wandel zu widersetzen, der alle paar Wochen bei der Sprintplanung passiert, wenn ich den nächsten Abschnitt plane. Und dann der letzte Punkt, das Gewahrsein. Irgendwoher kommt natürlich auch meine Vision an dem, was ich eigentlich arbeite. Und die kommt natürlich daher, dass ich meine Umgebung sehr offen wahrnehme und weiß, was meine Kunden, was mein Team am besten eigentlich entwickeln soll oder an dem Thema, an dem es arbeiten soll. zwei Wochen lang an einem Arbeitsspeicher zu arbeiten, das kommt aus der Aufmerksamkeit und aus der Akzeptanz kommt dann die Akzeptanz dessen, dass sich das, was ich geplant habe, recht häufig wandelt und dass ich mich da nicht wieder gegen widersetze, weil es sich im Außen so oder so wandelt. Das heißt, die drei Faktoren sind letztendlich der Kern auch von agilem Arbeiten. Und das kann ich ganz, ganz konkret machen in einem Prozess, den ich definiere wie in einem agilen Arbeitsprozess. Das kann ich aber auch ganz konkret machen in einer Meditationspraxis, die ich jeden Morgen mache, wo ich Aufmerksamkeit auf meinen Atem habe. Gewahr bin, wenn ich abschweife von meinem Atem. Irgendwann werde ich typischerweise gewahr und dann akzeptiere bzw. sogar feiere, dass es irgendetwas in mir gibt in meiner Praxis, das mich erinnert, dass ich mich ja eigentlich auf meinen Atem konzentrieren wollte. Das heißt, eine Achtsamkeitspraxis ist eigentlich eine sehr destillierte Form von agilem Arbeiten, könnte ich sogar sagen.
Marina Löwe: Und du hast ja schon beschrieben, dass es eigentlich am Anfang so aus euren eigenen persönlichen Interessen entstanden ist, der Austausch. Also ihr habt zufällig rausgefunden, okay, wir machen beide diese Retreats. Dann habt ihr weitere Gleichgesinnte gefunden. Am Anfang gab es diese vier wöchentlichen Calls mit Experten, auch über Neuro und was das eigentlich macht. Wie sahen dann die weiteren Schritte konkret aus? Also was hat besonders gut funktioniert? Was waren so Erfolgsmomente für euch, wo du gemerkt hast, hier tut sich gerade richtig was und das wird zu einer wachsenden Community?
Jan-Philipp Martini: Naja, Erfolgsmomente sind für mich immer, wenn eine Kollegin oder ein Kollege schreibt, dass sie oder er eine Praxis angefangen hat. Weil ich glaube, darin liegt so viel Entwicklungspotenzial, dass es viel, viel wichtiger ist, dass ich irgendwelche Kennzahlen habe. Wie hat sich Stress verringert? Wie haben sich Krankheitstage verringert? Etc. Ich glaube, das Entwicklungspotenzial, dass ein Einzelner eine Praxis anfängt, ist wesentlich wichtiger als das. Und da bekommen wir sehr, sehr viel Feedback, dass es Menschen gibt bei uns, die gesagt haben, Achtsamkeit interessiert mich. Die Quote bei uns ist extrem hoch. Es gibt recht wenige Skeptiker interessanterweise, die auch wichtig sind. Aha. Aber es ist schwierig, wirklich in eine konsistente Praxis zu kommen. Und ich glaube, bis jetzt, und ich erzähle in Kürze, was wir konkret machen heute, bis jetzt haben wir es geschafft, glaube ich, eine Community aufzubauen, die Personen dabei hilft oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hilft. Eine Praxis aufzubauen und ganz klar verstehen, was heißt eigentlich Achtsamkeit, diese drei Faktoren, die ich vorhin genannt hatte, für deren Alltag. Und das sind Momente, die mich sehr glücklich machen, wenn ich einfach höre, dass diese Gruppe, diese Community, die wir aufbauen, einfach Einzelpersonen hilft, eine eigene Mindfulness-Praxis aufzubauen oder Achtsamkeitspraxis aufzubauen.
Marina Löwe: Was war da so ein Moment, der dich besonders berührt hat oder eine Geschichte?
Jan-Philipp Martini: Ich glaube, was mich am meisten berührt hat, ist, wir haben lange Zeit, wie glaube ich auch viele Grassroots-Movement, wie man das auf Neudeutschland nennt, aus denen Mindfulness im Unternehmen entsteht, haben wir sehr, sehr lange natürlich mit sehr, sehr wenigen Menschen diese Community Calls gehabt und gemeinsam praktiziert. Und jetzt in der Corona-Krisenzeit, hatten wir ein gemeinsames Meeting, wo wir die emotionalen Strategien im Umgang mit der Corona-Krise diskutiert haben. Als Panel-Diskussion und gemeinsam eine Meditation gemacht haben. Und anstatt, dass wie ursprünglich wenige Leute zu diesen Calls gekommen sind, habe ich auf einmal gesehen, dass dieser Call 800 Mal weitergeleitet wurde. Und plötzlich saß ich dort und durfte eine Meditation anleiten für mehrere hundert Kollegen. Und das ist natürlich schon sehr beeindruckend gewesen.
Marina Löwe: Ja, toll. Das heißt Auf der einen Seite schön und auf der anderen Seite erstaunlich. Es braucht also erstmal diese Krise, um die Tür für noch mehr Menschen zu öffnen, weil auf einmal ist genau diese Frage, wie gehe ich jetzt emotional mit dieser Situation um, was sind Strategien, die ich nutzen kann? Und jetzt wird das, was ihr eigentlich schon länger da habt, nochmal verstärkt von einem größeren Kreis genutzt.
Jan-Philipp Martini: Sicherlich wird es von einem größeren Kreis genutzt, weil mehr Interesse da ist, mehr Zeit vielleicht auch, viele alte Routinen, die wegfallen und die jetzt durch neu ersetzt werden können. Das ist ja eine unglaubliche Chance in der Krise gerade. Aber auf der anderen Seite ist es auch ganz pragmatisch gewesen, dass wir einfach kontinuierlich besser und mehr kommuniziert wurden und eigentlich von einer, sag ich mal, Mund-zu-Bund-Werbung zu mehr offiziellen Kanälen kommen. Das ist, glaube ich, auch der Hintergrund, warum auf einmal wir sehr viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, die die Angebote nutzen bei uns.
Marina Löwe: Also wenn ich nicht nur auf eine Krise hoffen wollen würde, was würdest du anderen Unternehmen als Tipps geben? Also was siehst du bei euch oder auch bei Kunden oder anderen Unternehmen als sinnvolle erste Schritte, um so ein Thema zu platzieren oder um es eben auch wirklich wachsen zu lassen?
Jan-Philipp Martini: Ich glaube, drei Sachen sind besonders wichtig. Das erste Thema ist, dass man Achtsamkeit oder Mindfulness einbettet in ein größeres Thema, was relevant ist für das Unternehmen. Bei uns, und das ist pro Unternehmen unterschiedlich natürlich, aber das, was bei uns funktioniert, während wir gerade auch noch damit experimentieren, sind eigentlich drei, sag ich mal, Zugangspunkte für Mindfulness. Das eine Thema ist, das jetzt sehr, sehr relevant ist, ist der Umgang mit Unsicherheit, Resilienz, Wellbeing auf Englisch. Und da geht es einfach darum, wie kann ich lernen, mit schwierigen Emotionen umzugehen? Wie kann ich die Krise so wahrnehmen, wie sie gerade ist, in all dem, was es natürlich für schwierige Einflüsse hat, aber sie gleichzeitig nicht zu verstärken durch Ängste, die ich eigentlich in meinem Gehirn letztendlich erzeuge? Also Umgang mit Unsicherheit ist ein Thema, was bei uns relevant ist. Das zweite Thema ist, was wir nennen Managing Cognition, also Kognition oder die Kapazität des Geistes als limitiert anzusehen. Zu sagen, wie kann ich denn eigentlich bewusst mit meiner Gehirnkapazität umgehen? Und das ist, glaube ich, sehr wichtig, wo wir in einer Zeit leben, wo es unglaublich viele Stimuli gibt, wo das Handy täglich im Durchschnitt 58 Mal aufgenommen wird. Da gibt es wahrscheinlich verschiedene Studien, aber das ist das, was ich mal gelesen habe. Und das nimmt natürlich alles was von limitierter Geisteskapazität weg. Und damit bewusst umzugehen ist ein Faktor oder ein Hintergrund, warum Mindfulness bei uns relevant ist. Also der erste ist Umgang mit Unsicherheit, der zweite Geisteskapazität als limitiert anzunehmen, Kognitionsmanagement. Und das Dritte ist eher auf der kollektiven Ebene, während die ersten beiden ja sehr individuell sind und auch passieren, wenn ich einzeln als Einzelperson Mindfulness praktiziere oder eine Meditationspraxis habe, ist der Dritte kollektiv. Und das heißt bei uns Collective Intelligence. Und worum es geht ist, dass ich sage, wir als BCG haben unglaublich kognitiv starke Kolleginnen und Kollegen. sehr smarte Menschen innerhalb von Teams, die diverse Hintergründe haben. Aber diese Diversität und die Intelligenz der Einzelpersonen bringt natürlich recht wenig, wenn ich mir nicht wirklich gegenseitig zuhöre und wenn ich mich nicht traue, meine wirkliche Meinung auch zu äußern im Team. Und das heißt bei uns kollektive Intelligenz, das ist einfach die Fähigkeit, von einem Team ein komplexes Problem zu lösen. Und die Grundlage dafür ist immer psychologische Sicherheit. Und das heißt, Teammitglieder, die diverse Hintergründe haben, wirklich zuhören zu können. Und dafür ist Mindfulness, glaube ich, eine Grundlage. Und das verstärkt sich aus einer Studie, die wir gemacht haben, auch nochmal, das versteckt die Mindfulness-Praxis, wenn ich das im Team mache.
Marina Löwe: Also das Einbinden in ein größeres Thema oder an unterschiedliche Themen anzukoppeln. Ihr habt das ja jetzt sehr sinnvoll mit den drei Themen eingebettet. Also einmal, wie geht es mir persönlich besser oder wie kann ich mit Unsicherheiten umgehen? Dann Managing Cognition, wie kann ich das, was mein Gehirn theoretisch leisten kann, wirklich effektiver nutzen? Und das Dritte, die kollektive Intelligenz. Wie nutzen wir die diversen Sichtweisen, Perspektiven, Fähigkeiten und das Wissen der Mitarbeiter möglichst effektiv? Also da habe ich schon mal die Themen. Wenn ich das jetzt noch einen Schritt weiter denken möchte und ich möchte mir das wirklich praktisch vorstellen. Wie bringe ich jetzt die Kollegen zum Thema? Also was mache ich mit denen? ganz konkret, wenn ich mich durch dich inspiriert fühle und sage, okay, das möchte ich auch starten?
Jan-Philipp Martini: Du hattest ja ursprünglich gefragt nach den Tipps, die ich Unternehmens geben würde. Also der erste Tipp wäre es, ein Thema einzubetten. Das zweite wäre dann, Achtsamkeit sehr klar zu definieren und abzugrenzen. Und das hatte ich vorhin schon gesagt, für unsere Definition ist einfach, Achtsamkeit ist ein Zusammenspiel aus Aufmerksamkeit, Gewahrsein und Akzeptanz. Und das vielleicht klar zu definieren und auch zu untermauern. Wir haben dann jeweils Studien und so weiter dahinter gelegt, um auch zu zeigen, wie sind denn die Einflussfaktoren auf diese drei Elemente. Und dann das Letzte ist aus meiner Sicht, das geht jetzt spezifischer auf deine Frage, was sind Formate, die im Kontext meines Unternehmens funktionieren? Und unsere Formate funktionieren auf verschiedenen Ebenen. Wir haben ein zweistündiges Starter-Training, was verschiedene Büros offline oder jetzt online machen können. Und in diesem Starter-Training nehmen wir einen Kontext, der gerade passt, zum Beispiel jetzt gerade Umgang mit Unsicherheit. Und dann praktizieren wir gemeinsam Aufmerksamkeitsgewahrsam und Akzeptanzübungen und überlegen uns dann, wie kann ich das Ganze jetzt in meinen Alltag integrieren. Und das heißt typischerweise, die dedizierte Praxis am Morgen herunterzubrechen auf kleine Einheiten, die ich innerhalb des Tages machen kann. Da kann ich gleich noch was zu sagen. Also das ist ein Kerntraining, ein zweistündiges Training, damit jeder ein Grundverständnis hat, was Achtsamkeit heißt und wie es funktioniert. Und dann da aber nicht aufzuhören, sondern weitere Formate, um das Ganze tiefer gehen zu machen, anzubieten. Und bei uns sind das tägliche geführte Meditationen, die wir machen, die wir durch Mindfulness Trainer anbieten, die aber innerhalb von BCG arbeiten. Ich selber zum Beispiel mache gerade eine Mindfulness Trainer Ausbildung und mache einige von diesen Meditationen. Und dann aber auch weitergehende Trainings anzubieten und daran arbeiten wir jetzt gerade erst. Also die zwar freiwillig natürlich sind, aber die innerhalb des Teams, in dem ich arbeite, angeboten werden. Und das ist jetzt bei uns der nächste Schritt, dass wir, sag ich mal, weggehen von Büro-basierten Trainings hin zu Projekt-Team-basierten Trainings. Und das ist was, mit dem wir gerade erst anfangen zu experimentieren, was, glaube ich, aber sehr, sehr wichtig ist, um auch das Gespräch über das Thema Achtsamkeit im Unternehmen zu etablieren. Und es normal zu machen, dass es eine Schweigeminute am Anfang jedes Meetings gibt zum Beispiel. Das ist vielleicht noch weit entfernt, aber das ist so der nächste Schritt, wo es hingehen soll.
Marina Löwe: Also das Neue, Normal, gemeinsam zu entwickeln.
Jan-Philipp Martini: Genau, ja. Ich glaube, wichtig ist das Thema des Kontextes. Warum macht Mindfulness für mich im Unternehmen Sinn? Das Zweite ist, was ist das konkrete Verständnis von Achtsamkeit? Und bei uns sind das alles Praxisten, die diese drei Dinge unterstützen. Man kann auch definieren, dass es integrierte Körper-Geist-Trainings sind. Das kann Yoga sein, das kann Sitzmeditation sein. Und dann das Dritte ist, Formate zu finden, die bei uns im Unternehmen oder bei Ihnen im Unternehmen passen.
Marina Löwe: Und du wolltest noch was sagen Zu dem Integrieren im Alltag.
Jan-Philipp Martini: Genau, ja. Also was ich sehr wichtig finde, ist mit der dedizierten Praxis anzufangen, um den Effekt zu verstehen, den Mindfulness oder Achtsamkeitspraxis hat. Ja, und das kann ganz einfach eine 10-minütige Aufmerksamkeitsmeditation sein, wo ich mich auf meinen Atem konzentriere. Das kann eine Gewahrseinsmeditation sein, wo ich einfach nur meiner Haltung, meines Körpers bewusst bin für 10 Minuten. Wenn ich es aber dabei belasse, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen weiter das jeden Morgen üben, recht gering. Und darum, was wir machen am Ende eines jeden Trainings, ist eigentlich eine Gewohnheitsschleife zu definieren, eine persönliche Gewohnheitsschleife, Habit Loop auf Englisch nennt man das. wo wir sagen, jetzt nehmen wir die Praxis, die für mich gut passt. Sagen wir mal, das ist Aufmerksamkeitsmeditation. Und meine dedizierte Praxis ist, zehn Minuten zu sitzen und dabei auf meinen Atem zu achten. Und immer, wenn ich abschweife, zurück zu meinem Atem zu kommen, dann überlege ich mir, was ist denn die minimal effektive Praxis davon? Und das können zum Beispiel drei Atemzüge sein. Das dauert dann 20 Sekunden. Und diese, das kann man Micropractice nennen, das ist eine Art Wenn wir vorhin von agilem Arbeiten gesprochen haben, das kann ja eine Art MVP oder Minimum Viable Product meiner Gesamtpraxis sein, die drei Atemzüge, was minimal und viable ist. So und diese drei Atemzüge, das ist jetzt meine Micro-Practice. Jetzt habe ich aber immer noch das Problem, dass ich es vergesse, diese drei bewussten Atemzüge zu machen. Das heißt, unsere Empfehlung da ist, die dann in einen Habit-Loop einzubauen. Und ein Habit-Loop sieht immer so aus, dass ich einen Auslöser habe, eine Micro-Practice und einen Reward auf Englisch. Und mein Auslöser kann zum Beispiel sein, immer bevor meine nächste Online-Konferenz anfängt, das ist der Auslöser, nehme ich drei tiefe Atemzüge, das ist meine Micro-Practice, die ich vorher definiert habe, und feiere mich dann, indem ich einmal weit, weit grinse. Und das triggert natürlich in meinem Gehirn, das verstärkt die Praxis, weil ich die Praxis, diese Micropractice jetzt mit einem guten Gefühl verbinde. Und dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich am nächsten Mal vor der nächsten Online-Konferenz daran erinnere, wesentlich größer. Das heißt, das ist ein Weg, glaube ich, um eine Praxis sehr gut zu etablieren, im ersten Schritt abzuleiten, was ist eigentlich meine Micropractice von meiner dedizierten Praxis und die dann zu integrieren in einen Habit-Loop, der für mich Sinn macht.
Marina Löwe: Das klingt total schön. Vor allen Dingen ist es jetzt eigentlich ein kleines Handbuch geworden für jemanden, der in seinem Unternehmen sagt, ich möchte Achtsamkeit starten und einbringen. Vielleicht auch aus der persönlichen Motivation heraus, weil er selber eine Verbindung dazu hat, hast du ein schönes Einmaleins mitgegeben. Also das Wichtige ist, wie kannst du den Kontext schaffen? Also was bringt mir Achtsamkeit im Unternehmen? Was ist das konkrete Verständnis von Achtsamkeit bei uns im Unternehmen? Ihr habt diesen Dreiklang definiert und Der dritte Schritt ist, was sind jetzt konkrete Formate zur Umsetzung? Und auch da gibt es ganz unterschiedliche Ansätze in den Unternehmen, aber ihr habt es aufgezeigt, es kann ein vierwöchiger Chor sein, es können zweistündige erste Trainings sein und da kommt ihr am Ende raus mit, ich glaube, das ist auch was, was ihr als Hörer gut in eurem Alltag testen könnt, wenn dein Zugang zum Beispiel die Atemmeditation ist und der Fokus darauf ist, Dann zu gucken, okay, was kann mein Auslöser sein vor jeder Konferenz oder vor der Arbeit, vor der Mittagspause und vor dem Feierabend, was auch immer für dich Sinn macht. Was ist dein minimal viable product? Nehme ich mindestens diese drei Atemzüge oder gucke mindestens eine Minute aus dem Fenster, was auch immer dann die Praxis ist. Und belohne mich am Ende, egal ob mit einem breiten Grinsen oder Strecken, Gähnen, weiß der Geier, was der persönliche Reward sein kann. Aber das ist eine schöne Anleitung, die du da mitgegeben hast. Und zum Abschluss, vielleicht hast du ja auch noch ein Beispiel oder einen Kollegen im Kopf, wo du sagst, das war ein richtig schöner Aha-Effekt oder ein besonders gutes Beispiel für erfolgreiches Integrieren im Alltag. Also was ist da eine persönliche Erfahrung von einem deiner Kollegen? die du besonders bemerkenswert fandest?
Jan-Philipp Martini: Ich habe einen Kollegen im Kopf tatsächlich, mit dem ich auf einem sechsmonatigen Projekt war und der am Anfang sehr, sehr viel Unruhe in sich hatte, ständig mit dem Bein gewippt hat. Das war so ein äußeres Merkmal davon aus meiner Sicht. Irgendwann liefen wir zu einem Kundenmeeting und der Kunde sagt zu ihm, dass er doch so ruhig wäre in den letzten Wochen und sehr in Balance wirkt. Und das ist ganz interessant, weil wir hatten uns einige Wochen davor über Achtsamkeit unterhalten und er hat mit einer App angefangen zu meditieren. Das heißt, zumindest hat er Bewusstsein dafür geschaffen, für die innere Unruhe und irgendwie hat es recht stark ausgestrahlt. Und der Kollege, von dem weiß ich, dass er bis heute regelmäßig meditiert, weil das natürlich ein tolles Feedback ist, was man von außen bekommt.
Marina Löwe: Ja, wenn es der Kunde schon bemerkt, dass man ruhiger wird.
Jan-Philipp Martini: Genau, ja.
Marina Löwe: Ganz herzlichen Dank dir sowohl für den Einblick in deinen persönlichen Zugang zur Achtsamkeit als auch in eure Strategie bei der Boston Consulting Group. Ich wünsche dir nicht nur in deinem Haus am See, sondern natürlich auch bei der Arbeit weiterhin viel Erfolg. Ich freue mich, wenn wir uns nach der Zeit auch nochmal persönlich statt über den Bildschirm sehen, definitiv. Und ganz, ganz herzlichen Dank für den Einblick und das Teilen.
Jan-Philipp Martini: Danke, Marina. Hat mir Spaß gemacht.
Diese Episode dreht sich schwerpunktmäßig um Achtsamkeit: Tief durchatmen und in den Bauch horchen! Auf deinem Weg in ein achtsameres Arbeitsleben begleitete dich bei uns regelmäßig Marina Löwe. Von ihr erfährst du in verschiedenen Folgen, welche Potenziale in dir stecken, wenn du Achtsamkeit als Haltung in deinen Berufsalltag integrierst.