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Marina Löwe: Herzlich willkommen zu Make it Mindful bei digital kompakt.
Wie viele Gehirne haben wir eigentlich? Und kann dir ein Mord dabei helfen, deine Work-Life-Balance wiederherzustellen? Das sind einige der Fragen, auf die du Antworten in dieser Podcast-Reihe findest. Make it Mindful ist der Podcast für dein achtsameres Arbeitsleben. Und falls du dich irgendwann schon mal gefragt hast, was dieses ganze Tamtam rund um Achtsamkeit eigentlich soll und was für dich drin wäre, wenn du dich ansatzweise mit dem Thema beschäftigen würdest, dann bist du hier richtig.
Ich bin Marina Löwe, Talentteam und Unternehmensentwicklerin. Und in dieser ersten Folge nehme ich dich gerne mit in den Boxring. Es geht in dieser Folge um Autopilot. Wie kommst du vom Tunnel wieder in die Kontrollzentrale? Dazu starten wir in Washington. Ich nehme dich einmal kurz mit in einen Boxring. Und zwar, es ist der 23. Juli 2019.
Du siehst die beiden Boxer Maxim Dadashev aus Russland und Suprior Matthias aus Puerto Rico. Maxim Dadashev hat sich als russischer Amateurboxer hochgekämpft tatsächlich in die amerikanische Profiliga und ist jetzt kurz davor, die Green Card für seine Frau und seinen Sohn Daniel zu bekommen und sich in Amerika voll und ganz niederzulassen. Man muss dazu wissen, dass er 13 Kämpfe lang ungeschlagen ist bisher und bis Runde 9 auch wirklich ordentlich gekämpft hat. Ab Runde 10 und 11 kassiert er allerdings immer mehr Treffer und kann die Deckung kaum noch aufrechterhalten. zieht er sich in dem Kampf 319 Schläge zu und davon 260 signifikant an Kopf und Körper. Selbst sein Coach Bobby McGirt kommt immer mehr aus der Ruhe und sagt, Max, lass es mich stoppen, lass mich das Handtuch werfen, du wirst einfach zu oft getroffen. Aber Maxim stillt den Kopf, er will weiterkämpfen. Und als Bobby McGirtin doch endlich das Handtuch wirft, kommt die Entscheidung für den jungen Boxer leider zu spät. Er bricht nur wenige Minuten nach dem Kampf zusammen und er liegt wenig später im Krankenhaus, den Folgen des Kampfes.
Der Tod dieses jungen Boxers hat mich auf irgendeine merkwürdige Art und Weise berührt, gerade beim Vorbereiten auf diesen Podcast. Und ich habe mich gefragt, was hat eigentlich dieser Boxkampf gerade mit Achtsamkeit im Business zu tun? Als ich so drüber nachgedacht habe, ist mir eingefallen, in wie vielen Situationen oder auch Führungskräfte-Coachings oder Workshops ich den Eindruck habe, dass einige von uns tatsächlich auch das Arbeitsleben wie einen Boxkampf sehen. Du hast dann viele Parallelen. Es gibt einen Gegner, gegen den du antrittst. Es geht darum, am Ende auf jeden Fall als Sieger dazustehen und definitiv keine Schwächen zu zeigen.
Aufgeben ist Nulloption. Und wie viele Schläge wir dabei einstecken und an welchen Stellen wir auch stehen bleiben und uns weigern, das Handtuch zu werfen, auch wenn es diesen Kampf einfach nicht mehr zu gewinnen gibt und wir langfristig dabei einfach nur verlieren. Und das ist mir hängen geblieben beim Thema Gewinn.
Was sind die Parallelen zwischen Boxen und Business? Du hast Automatismen, die ablaufen, die auch fantastisch sind, weil du das, was du im Training gelernt hast, deine Fähigkeiten, deine Kompetenzen, die Techniken automatisiert abrufen kannst. Da verlierst du einfach keine Energie mehr. Aber diese Automatismen sind eben Angriff, Deckung, Verteidigung. Ist das wirklich das, was wir im Business brauchen? Das ist genau das, was wir immer wieder über agiles Arbeiten, New Work oder Agile Work hören. Hier braucht es was komplett anderes. Hier brauchst du Fehlertoleranz, hier brauchst du permanentes Selbstmanagement für dich. Es gibt die klassischen Hierarchien und Spielregeln nicht mehr und Das, was du an Automatismen und Techniken irgendwann mal gelernt hast, das, was dir Sicherheit gibt, musst du hier auf einmal fallen lassen. Und es gibt zwei Ebenen von Tunnel, in denen wir da verschwinden können. Es gibt auf der einen Seite die positive Art von Tunnel, die der unaussprechliche Autor Mihaly Csikszentmihalyi als Flow-Zustand beschreibt. Der Autor und emeritierte Professor für Psychologie an der University of Chicago beschreibt, wie im Flow-Zustand das Gefühl für unsere Existenz oder das Gefühl für unseren Körper und unsere Identität sogar zeitweise komplett verschwindet.
Und vielleicht kennst du solche Momente, wo du selber komplett im Tunnel bist, je nachdem, ob du an der Präsentation arbeitest, im Meeting sitzt oder vielleicht auch jemand bist, der laufen geht oder eine andere Art von Sport macht, wo du diesen Moment kennst, wo du ganz in dem Moment aufgehst. Man könnte meinen, das wäre doch Achtsamkeit, oder? Vielleicht hast du mal gehört, dass es bei Achtsamkeit darum geht, ganz im Moment zu sein. Wir reden ja aber von was anderem. Denn in dem Moment, wo du im Flow bist, bist du in einer Art von Tunnel. Und wir werden gleich gucken, was das für unser Gehirn bedeutet. Denn da sind andere Mechanismen zugange, als bei dem, was wir mit Achtsamkeit erreichen wollen. Im Tunnel siehst du nämlich einfach nicht, was links und rechts ist oder oben und unten ist. Sondern du guckst nur stumpf geradeaus auf das Ziel, auf das Arbeitsergebnis. Da ist nur noch der Gegner, da ist nur noch das Ziel, den Kampf zu gewinnen.
Aber was rechts und links noch an Optionen wäre oder die Konsequenzen, die siehst du in dem Zustand einfach nicht. Und diese Momente, wo wir im Flow sind, wenn du dich mal erinnerst, hast du da eigentlich ein Gefühl für Durst, für Hunger? selbst für das Bedürfnis, zur Toilette zu gehen oder aufzustehen. Das ist einer der Gründe, warum diese Apps, die wir auf den Handys oder in den Smartwatches haben, gerade so wahnsinnig gefragt sind, weil wir anscheinend im Flow-Zustand sogar eine Erinnerung brauchen für, hey, du hast hier körperliche Bedürfnisse oder du hast schon lange keine Pause mehr gemacht. Es ist doch schon lustig, dass wir eine Erinnerung von außen für sowas brauchen, oder? Und Auch wenn dieses Ausblenden von Raum und Zeit den absoluten Fokus hat, dass wir in dem Moment hoch konzentriert sind und mega fokussiert und auch wirklich viel geschafft kriegen, schaffen wir es vielleicht wie Maximus in die zwölfte Runde des Kampfes. Den Blick auf den Gegner, das Ziel, stehen bleiben, durchhalten, egal wie. Aber es gibt eben auch Momente, in denen wir dringend den Blick von oben oder von der Seite brauchen, wo du einfach mal checken musst, ist der Motor okay, ist der Tank noch voll, bin ich eigentlich noch auf der richtigen Route und ist das Ziel, auf das ich gerade zusteuere, eigentlich nach wie vor das, wo ich hin will. Und da sind wir beim Thema Achtsamkeit.
Achtsamkeit ist eine Form von Aufmerksamkeitslenkung. Das mentale Training. Jetzt mal ganz im Ernst, so wie kein Boxer jemals so dumm wäre, in den Ring zu steigen, ohne vorher trainiert zu haben, sollte man doch eigentlich meinen, dass niemand, der mit seinem Kopf arbeitet, so dumm wäre, nicht dafür zu trainieren. Aufmerksamkeit ist der neue Faktor für Leistungsfähigkeit. Das sagt zumindest Tom Davenport und der ist distinguierter Professor für Informationstechnologie und Management am Babsen College.
Wenn Aufmerksamkeit also der neue Faktor für Leistungsfähigkeit ist, wo kommt das bitte her? Das liegt zum einen daran, dass wir aus Untersuchungen und Studien wissen, dass unser Geist zu 47% auf Wanderschaft ist. Das bedeutet also, wir sind zu mehr als der Hälfte der Zeit gar nicht bei der Sache. Damit ist die Frage erstens, wie bleiben wir länger bei der Sache? Und zweitens, sind wir eigentlich bei der richtigen Sache? Und das ist für mich einer der Hauptunterschiede im Bereich Achtsamkeit. Denn wir haben hier zwei unterschiedliche Ebenen. Fokus ist die eine und Bewusstsein ist die andere. Fokus ist unsere Fähigkeit, uns über einen längeren Zeitraum auf eine Sache zu konzentrieren. Ist super, brauchen wir auch. Bewusstsein ist allerdings die weise Entscheidung darüber, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Und im Boxen und vielen anderen Sichtweisen auf das Business gehören Automatismen ja auch dazu. Angriff, Verteidigung, Deckung, Ausweichen, bloß keine Schwäche zeigen, siegen um jeden Preis und jeder Fehler kann dich den Sieg kosten. Also schön aufpassen, dass dir keiner an den Karren fährt. Wenn du jetzt aber in der agilen Welt überleben willst, dann brauchst du eine andere Vorgehensweise.
Und dieses aktive und bewusste Selbstmanagement, über das wir gerade schon gesprochen haben, ist ein ganz anderer Job fürs Gehirn. Stell dir dazu mal kurz deinen präfrontalen Cortex vor. Das ist der Bereich vorne unterhalb deiner Stirn, auf den du dir vielleicht gerne schlägst, wenn der Groschen endlich fällt, dieses Groschen. Ah, ja. Das ist die Kontrollzentrale, deine Exekutive. Und hier werden deine Gedanken, Worte und Handlungen gesteuert. Je mehr präfrontale Action du hast, desto besser kannst du deine Tendenz zur Ablenkung deaktivieren und wirst präsenter, fokussierter und aufmerksamer.
Dieser kleine hyperaktive Affe, den wir gerne im Kopf haben, der rechts und links springt und der dafür sorgt, dass du im einen Meeting noch an das letzte denkst oder schon an die E-Mail, die du gleich noch schreiben musst, auch der wird durch die Kontrollzentrale gesteuert und gebändigt. Im Autopiloten, egal ob im positiven Flow-Zustand oder im Stressmoment, ist da quasi in der Kontrollzentrale keiner zu Hause. Und Achtsamkeit löst durch wiederholtes Training die Verschiebung der kognitiven Kontrolle von diesem wilden Durcheinander in deinem Kopf in diese frontale Hirnregion aus. Damit haben wir dann endlich die Möglichkeit, wieder unsere Welt, unsere Emotionen und auch die anderen Menschen ohne Kampf- und Fluchtreaktionen wahrzunehmen und können wieder bewusster agieren, anstatt automatisch zu reagieren. Ganz ehrlich, Achtsamkeit ist kein neues Konzept.
Es ist eine Praxis und Haltung, mehr im Moment zu sein, aus dem Autopiloten auszusteigen und auch wertfreier wahrzunehmen. Es geht also genau nicht darum, Gefühle oder Emotionen beiseite zu schieben oder sie auszuschalten, wie das manchmal vorgeworfen wird. Denn ganz ehrlich, der Kram holt uns sowieso irgendwann wieder ein. Im Idealfall halt nicht als Faustschlag, sondern es geht im Gegenteil genau darum, wertfrei wahrzunehmen, diese Check-in-Punkte zu haben. Was ist eigentlich gerade? Überhaupt zu bemerken, bin ich gerade im Autopiloten unterwegs? Bin ich gerade schon wieder im Tunnel? Und was bedeutet das? Anstatt automatisch zu reagieren, dir wieder die Möglichkeit zu schaffen, diese eine Sekunde zu haben, die du brauchst, um bewusst zu entscheiden, wie will ich jetzt eigentlich wirklich handeln? Und Achtsamkeit hat so viele Formen und wirklich jeder seinen eigenen Zugang. Nutze einfach die Übungen am Ende jeder Folge gerne dazu, um mal zu gucken, was ist deins, womit kannst du was anfangen? Und auch da, hey, Hochleistung. Im Sport erfordert diszipliniertes Training. Du rennst nicht einfach so zum Marathon los. Kannst du machen, ist die Frage, wie es dir am nächsten Tag geht und wie groß die Erfolgschancen sind.
Aber auch der Effekt von Achtsamkeit erhöht sich natürlich, je häufiger du trainierst. Okay, wo kannst du jetzt anfangen? Am einfachsten beginnst du tatsächlich klassisch mit deinem Atem. Denn zum einen fährt der ruhige und tiefe Atem unser Nervensystem runter. Er verlangsamt zum Beispiel auch unseren Puls. Wer zum Beispiel hyperventiliert oder wem das Hals bis in den Hals schlägt, da weißt du auch, der kann nicht klar denken. Nicht umsonst sagen wir ja gerne erstmal tief durchatmen, bevor du im Effekt was Unbedachtes tust oder sagst und die E-Mail vielleicht über Nacht nochmal liegen lassen zum Beispiel. Zum anderen verlagerst du über die Aufmerksamkeit auf deinen Atem den Fokus auf deinen Körper.
Du schaltest also dein Bewusstsein für dein Befinden und auch für die Umgebung aktiv wieder ein. Falls du jetzt gerade joggst, kochst, einkaufst oder sonst irgendwas parallel machst, während du diesen Podcast hörst, nimm dir also gerne nur einen kurzen Moment, um mal innezuhalten. Und wenn du magst, leg kurz eine Hand auf deinen Bauch. Und spür mal bewusst, wie dein Bauch beim Einatmen sich ausdehnt. Vielleicht ist das eine kleinere Bewegung, vielleicht ist sie auch schon größer. Ist dein Atem eigentlich tief oder flach? Ist er langsam oder schnell? Bleibt er gleich oder verändert er sich, je länger du beobachtest? Und beobachte gerne einfach nur, ohne zu beurteilen. Hier gibt es gerade kein richtig und falsch. Es gibt nur das reine Beobachten.
Und falls du in Gedanken gerade abdriftest, dann bemerk das nur und bring deine Aufmerksamkeit einfach zurück auf deinen Atem. Beginne vielleicht heute mit ein paar Sekunden und baue das dann schrittweise aus. Du wirst merken, dass es dir mit Training immer leichter fallen wird, den Fokus auf deinen Atem dann auch länger zu halten. Und dein Atem bietet dir einfach den besten Anker, den du jederzeit zur Verfügung hast, egal ob im Boxring oder im Meeting.
Und am besten ist, du verwechselst es nicht. Halte einfach kurz inne und nimm wahr, wie es dir gerade geht. Damit gönnst du deinem Nervensystem eine kurze Entspannung und kannst dann bewusst wieder entscheiden, anstatt automatisch, wie es weitergeht. Damit enden wir heute frei nach Eugen Roth. Ein Mensch nimmt guten Glaubens an, er hat das Äußerste getan. Nun stellt er fest, es war vermessen, ich habe das Innerste vergessen.
Und daran knüpfen wir in der nächsten Folge an.
Ich freue mich, wenn du dann auch wieder dabei bist. Bis dahin, make it mindful. Hey! Hey!
Diese Episode dreht sich schwerpunktmäßig um Achtsamkeit: Tief durchatmen und in den Bauch horchen! Auf deinem Weg in ein achtsameres Arbeitsleben begleitete dich bei uns regelmäßig Marina Löwe. Von ihr erfährst du in verschiedenen Folgen, welche Potenziale in dir stecken, wenn du Achtsamkeit als Haltung in deinen Berufsalltag integrierst.