
Trendscout: Warum Neugier & Disziplin die Superkräfte unserer Zeit bleiben
28. Januar 2026, mit Joël Kaczmarek
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Joël Kaczmarek: Los geht's Hi Five Leute, hier ist Joël. Wir haben Wisdom Wednesday und ich habe einen ganz besonderen Gast, der mir heute verrät, was? Denn seine fünf Dinge sind, die er gerne schon mit 20 gewusst hätte. Und zwar ist das der Liebe Rafael Gielgen, liebevoll, auch Rafa genannt. Und der hat einen total geilen Job. Der ist nämlich trendscout und macht sich darüber Gedanken, Wie denn eigentlich die Zukunft der Arbeit aussieht, könnte man sagen. Und er tut das für eine Firma namens Vitra. Vielleicht kennt ihr die ja. Das ist eine der bekanntesten Designfirmen, die es gibt. Und Rafa ist halt wirklich auf der ganzen Welt unterwegs. Von Asien bis USA in Europa. Also Ich glaube kaum einen Zentimeter dieses Planeten, den er noch nicht gesehen hat. Und deswegen bin ich ja total neugierig, was der gute Rafa so mitgebracht hat. Naja, Erstmal schön, dass Du da bist. Hallo Rafa.
Rafael Gielgen: Ja, Servus Joël. Und Junge, lange, Lange haben wir uns nicht gesehen. Und gehört.
Joël Kaczmarek: Doch wiedererkannt, sagt mein Vater dann immer.
Rafael Gielgen: Ja, ich hätte dich auch wiedererkannt, hätte dich sogar angesprochen.
Joël Kaczmarek: Verrätst du mir eigentlich wie alt du bist? Von wo wir auf die 20 zurückgucken?
Rafael Gielgen: Ja klar. Ich bin 56 und ich arbeite seit 40 Jahren. Also, ich habe in 5 Jahren mein Rentenbeitrittsalter erreicht. Du sprichst mit einem Menschen, der am Ende seiner Erwerbsbiografie ist. Ist das nicht sensationell?
Joël Kaczmarek: Wobei ich mir nicht so richtig vorstellen kann, dass du in Rente gehst.
Rafael Gielgen: Achso doch. Ich mag meine Arbeit, aber das Leben bietet natürlich auch sehr viel Möglichkeiten, Potenzial Entfalten jenseits der Arbeit.
Joël Kaczmarek: Das ist wahr.
Rafael Gielgen: Und was dann ist, das weiß ich nicht, aber ich kann mir beides vorstellen.
Joël Kaczmarek: Na, gut, das ist ja ein ganz gutes Timing, dass wir mal eine Rückschau machen. Fangen wir doch mal an. Was ist so das erste Ding, wo du sagst, das hätte ich gern schon mit 20 gewusst?
Rafael Gielgen: Also, ich glaube das erste, was ich gern gewusst hätte, dass es sich lohnt, mehr zu lesen, sich mehr zu informieren. Und nicht so, in den Tag hinein zu leben. Also, ich war nicht faul, ich war damals auch fleißig, habe eine Ausbildung gemacht, Mit 20 habe ich dann in einer Schreinerei als Schreiner gearbeitet, Aber das hätte ich gerne gewusst, dass jede Zeitung, damals zu der Zeit war ja nur physisch, also Papier und jedes Magazin, was ich lese, am Ende Der Grundstock meines Wissens ist, aus dem ich gestalten kann, das hätte ich gerne gewusst.
Joël Kaczmarek: Aber wenn du das sagst, an, was denkst du da? Also Du denkst dann an Informationen, also an Nachrichten oder denkst Du auch an Literatur?
Rafael Gielgen: Genau, an einfach Wissen, genau. Ja, mit 20 bist du ja schon aus der Schule raus. Also hättest Du gesagt, Rafa, das hättest du gerne mit 10 gewusst. Ja, hättest du mal ein bisschen mehr angestrengt in der Schule, Dann hättest du vielleicht noch ein bisschen länger zur Schule gegangen. Oder hättest vielleicht eine Uni besucht, dann hätte... Das ist total okay, wie es gelaufen ist, Aber das ist eine sehr ehrliche Antwort auf deine Frage. So und mit 20 war die Schule dann schon vorbei, Nichtdestotrotz mit 20. Bist du ja dann schon ein bisschen älter und aufgeklärter, und das hätte ich dann schon gerne gewusst. Ich will nicht sagen, dass ich mit 20 vielleicht zum Handelsblatt gegriffen hätte, Aber es gab ja durchaus tolle Magazine und Zeitungen, die ich mir dann hätte. Zur Brust ziehen sollen.
Joël Kaczmarek: Und was sind so die Informationen, die du da gerne gezogen hättest? Weil ich habe mal so diesen schönen Spruch. Von jemandem gehört, dass Nachrichten so sind. Für den Geist wie Zucker, für den Körper. Also das ist manchmal auch... Ja,
Rafael Gielgen: ich glaube, das war Frederik Pferd. Und dem Frederik Pferd sage ich an der Stelle immer, Man muss sich auch leisten können, keine Nachrichten zu lesen. Also, ich mag ihn sehr, er inspiriert mich sehr. Da sind wir gegensätzlicher Meinung. Das ist aber total okay. Ja, ich weiß ja, was er? meint. Nein, ich will das mal anders sagen. Mit all den Informationen, die Du aufnimmst, bist du in der Lage, Kontexte abzubilden. Aufgrund der Kontexte und auch der Insights bist du ja besser in der Lage, Dinge zu verstehen und zuzuordnen. Und daraus kannst du Aktionen ableiten. Und das ist ja am Ende wie ein großer Schatz. Also wie... Ich habe jetzt in Shanghai Bände gesehen. Der größten Enzyklopädie der Welt, der vier großen Schätze von China. Die größte Enzyklopädie mit 36.000 Bänden. EY sorry, Selbst wenn du in Sieben reinschaust, Dämlicher, gehst Du da nicht nach Hause. Also meine These wäre, wenn ich das getan hätte, Hätte ich in frühen Berufsjahren auf einen anderen Fundus an Wissen zurückgreifen können. Und der hätte dann vielleicht andere Weichen gelegt. So, das wäre die Antwort.
Joël Kaczmarek: Und wie machst du es heute? Also, wie lernst du heute?
Rafael Gielgen: Heute lese ich wie ein Verrückter. Ich investiere bestimmt 12 bis 20 Stunden pro Woche. Ich habe VIA, habe. Bloomberg abonniert, The New York Times, The Wall Street Journal, The Atlantic, Dann DER SPIEGEL, das Handelsblatt und dann noch die anderen Reports, die es gibt. Und ein Großteil meiner Arbeit besteht darin, die ganzen Bewegungen aufzunehmen, zu lokalisieren. Das, wo ich denke, wow, Hinter diesem Geräusch ist ein bisschen mehr. Beiseite zu legen und später miteinander zu verknüpfen. Das ist sogar ein essenzieller Teil meiner Arbeit geworden. Seit der Pandemie. Was hat sich verändert bis zur Pandemie? Hat alles das, was ich beobachtet habe, nur mit einem Gebäude zu tun? Das hieß das Büro. Alle kennen die Geschichte, Zitat VP Real Estate Adidas. Christian Scheier, Das Büro hat das Monopol auf Arbeit verloren. Und auf einmal musste ich meinen Kosmos ausweiten. Und dann fand ja eine große Verschiebung statt. Das heißt, es ist wichtig, in meiner Arbeit Wirtschaft zu verstehen, Es ist wichtig, in meiner Arbeit Technologie zu verstehen, Es ist wichtig, in meiner Arbeit Gesellschaft zu verstehen. Und deshalb ist es wichtig, ziemlich viel zu lesen. Und ehrlich gesagt, Gestern hatte ich einen Podcast mit bei Hello Agile. Und dann meinte er so: "Guckst du Netflix?" Da hab ich gesagt: "Nein, da hab ich keine Zeit für." ICH sag: "Erstens haben wir hier den Hof und zweitens die Zeit, die ich dann habe. Ich mag auch ein bisschen zu trödeln, nichts zu tun, aber was dann meinen... Was mir den Kick gibt..." Ich will nicht sagen, ich bin ein News-Junkie, Aber ich genieße das Morgens so von halb sieben bis um neun durch die Gazetten zu gehen.
Joël Kaczmarek: Und sag mal, wie machst du das, Wenn du jetzt mehrere Informationsangebote vor dir liegen, hast, zu entscheiden, welche davon die relevanten sind? Also, wo du eben gesagt hast: "Da steckt, was dahinter"?
Rafael Gielgen: Also, was du wissen musst, Ich habe keine Newsletter. Mein Google wird jeden Abend wieder auf Null gesetzt. Das heißt, Die Suche fängt jeden Tag von vorn an. Warum tue ich das? Ich habe es da so wie einen Förster, der seinen Wald betritt und der durch die Beobachtung lebt. Also der immer noch seine Intuition trainiert. Dann, also. Mittlerweile weiß ich, Wie die New York Times aufgebaut ist, wie Bloomberg aufgebaut ist. Also, ich würde mal sagen, ich habe eine gute erste Sichtungsgeschwindigkeit. Und gehe dann in die Themen rein. Also, ich lese keinen Sport, ich lese da wenig Kultur, ja, also kaum. Dann hast du ein Überangebot an das ganze Thema Technologie und Wirtschaft. Und so weiß ich schon so ein bisschen, wonach du suchen musst. Auch hier wieder beim Förster zu bleiben, Schönes Bild. Der den Wald betritt und angenommen, Der beobachtet im Sommer eine Wassersenke, wo das Wasser immer weniger wird, Da schaut er immer wieder drauf. Und so in etwa funktioniert das bei mir auch.
Joël Kaczmarek: Spannend. Also ich meine, was ich aber bei dir gedacht hätte, wäre, dass du viel durchgesprochen spräche, lernst, weil Du hast ja bei Zeitungen den Faktor, Die Information ist ja gefiltert durch jemand anderen.
Rafael Gielgen: Okay, ich gebe dir mal ein Beispiel. Also, wenn die Financial Times über diesen Gripen Kampfjet schreibt, der in 20 Stunden autonomen Flug mit der Software von Helsing eine Million Flugstunden gelernt hat, Kann das jetzt bewertet sein, wie es ist, Aber, dass eine Maschine in 20 Stunden eine Million Flugstunden lernt, das ist mal eine Information, wo du sagst, wow. Dann ist mir eigentlich der Duktus des Journalisten auf Deutsch gesagt, ziemlich, egal. Weil die Message ist eigentlich genau das Element. Oder wenn du darüber liest, dass Saudi-Arabien Das erste Land ist, was ein Large Language Model in eigener arabischer Sprache heißt, dann verzaubert mich das geradezu, wie das jetzt sein müsste, Die ganzen alten Schriften in dieses Modell zu laden und dann über die Geschichte des Landes zu reden. Also auch da wäre mir im Prinzip der Duktus des Journalisten egal. Ich glaube, man muss zwei Sachen teilen. Ich suche nicht nach Meinungen, Ich suche nach Insights. Und Insights sind ja quasi Feststellungen, dass es passiert. Der Friedman zum Beispiel, der für die New York Times hier schreibt: "Bei ihm genieße ich auch gerne die Meinung." Oder es gibt einen Troy Pollack, Historiker und Ökonom. Bei ihm mag ich auch sehr die Meinung. Hat aber damit zu tun, weil das so. Die Gedanken sind, die mir nahe sind. ABER BEI anderen... Also, wenn du das jetzt nicht gesagt hättest, hätte ich gar nicht drüber nachgedacht.
Joël Kaczmarek: Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich in meiner Gilde sozusagen, in meiner Sphäre Artikel gelesen habe, dass ich die teilweise richtig schlecht fand. Wo ich so dachte: Wahnsinn, Ich kenne die Beteiligten, das und das stimmt nicht, Das ist irgendwie fehlinterpretiert, da hast du Wertungen drin. Also, wenn man mal selbst betroffen ist, merkt man das.
Rafael Gielgen: Ich will es mal anders beschreiben. Ich habe relativ früh, als ich gestartet bin, bei Vitra, Ich bin ja nicht gelernter Forscher oder Analyst oder Schreiner gelernt. Und Kaufmann, das war's. Jetzt keine methodische Ausbildung, das zu tun. Und da war mir eins klar: Wenn du das Gute sehen willst, musst du dir auch das Schlechte anschauen. Die zweite These war, in der Sonne nicht den Schatten zu suchen. Und das Dritte war, beim Betrachten im Rahmen deiner Profession hast du weder eine Moral noch eine Ideologie. Weil im Verstehen, also. Natürlich habe ich Moral, ich würde mich nicht als Ideologe bezeichnen, aber natürlich habe ich eine Moral. Aber in der ersten Suche, Wenn du den Filter vor dir legst, dann hast du überhaupt keinen Muskel mehr, der dich irgendwo hinführt. Aber das ist jetzt meine sehr persönliche Entscheidung, wie ich die Dinge tue.
Joël Kaczmarek: Ich bin ja vor allem mal neugierig auf den zweiten Satz. Du hast gesagt, in der Sonne nicht den Schatten sehen. Erzähl Mal mehr, was du damit meinst.
Rafael Gielgen: Ja, dass du so oberkritisch wirst und obersensibel und dann in den Kleinteilig verfällst, ohne das große Bild zu sehen. Wie viele Gespräche führe ich jetzt? Also, ich arbeite zu 80 Prozent für Vitra. Vitra ist in Deutschland der sogenannte Hauptarbeitgeber, Heißt das steuerlich. Und dann habe ich eine freiberufliche Selbstständigkeit, in der Kunden unterschiedlicher Art einfach nur eine Einpreisung der Zukunft in ihr Tun haben möchten. Und da pralle ich jetzt oft, ob das der Kontext Robotik ist, also physische KI oder KI, Dass die Leute dann im zweiten Satz sofort sagen, und was mache ich? Und dann sage ich, okay, schauen Sie mal, angenommen. Ich hätte jetzt eine schwere Krankheit, dann wünsche ich mir vom Uniklinikum in Regensburg, Dass die alle Potenzial einer Technologie oder einer KI heben, damit ich wieder gesund werde. Und das Zweite, was ich zu denen sage, ist: Schauen Sie mal, wie viel Arbeit machen Sie heute, die einfach nur Monkey Business ist? Arbeit, die überhaupt nicht ihre Potenzial entfaltet. Ich bin natürlich bei Ihnen, dass Sie jetzt sagen, Sie haben Furcht, darum, dass Sie weniger Arbeit haben. Aber ehrlich gesagt, das ist auch keine Arbeit, die man haben möchte. Und das Potenzial ist ja... Ich sag ja auch den Leuten, ich fühle mich jetzt. Am Ende der Werbszoologie privilegiert, jetzt nochmal ganz andere Dinge zu tun. Und das meine ich mit dem Schatten in der Sonne suchen. So zu überzubewerten und überhaupt gar nicht, schau, wir diskutieren jetzt ja, Diese Rechenzentren brauchen, verdammt viel Energie. Aber diese Infrastruktur der Wirtschaft ist nicht verhandelbar. Dann lass uns lieber die Energiefrage lösen. Aber doch nicht, dass wir jetzt, Das wäre dasselbe, wenn das Ruhrgebiet nicht stattgefunden hätte, weil einer gesagt hat, die schloten uns, die qualmen uns hier die ganzen Städte zu, was dann? So war. Ja, aber heute sind wir aufgeklärt und haben andere Möglichkeiten. Das meine ich damit, mit den Schatten in der Sonne zu suchen.
Joël Kaczmarek: Das ist so ein bisschen Deutsch, hätte ich jetzt aus der Hälfte gesagt, oder?
Rafael Gielgen: Ja, ja, da bin ich bei dir. Es gibt Länder, also Ich fahre in Länder, da hätte man die Denke gar nicht. Und also auch zu diesem Thema Deutsch, Ich glaube, ich habe ja bestimmt. Seit der Pandemie, war ich bestimmt. In 35 Ländern, also komplett USA, Asien, Mittlerer Osten und von Finnland bis unter nach Portugal. Und die Pandemie, also eins, ist in unserem Land passiert. leider, Wir haben das Vermögen verloren, miteinander hart in die Diskussion zu gehen. Denn wir haben in der Pandemie, in dieser ganzen Diskussion mit Freiheit und Impfen. Und wie auch immer, sind sogar das Familientuch zerrissen worden, stellenweise. Bis heute. Und damit haben wir eine Art Grundordnung verloren, Die war, dass wir durchaus in die Debatte gingen. Also, ich weiß noch bei mir im Dorf, und da habe ich ja heute noch einen guten Draht zu. Die Urgrünen und die Bunds und die Lunas, also, die hatten sich dann harte Fights geliefert, damals mit der CDU oder mit den Sozis in Anführungsstrichen. Ey, Aber das war total okay. Und danach am Karnevalswagen warst du zusammen und hast ein Bier getrunken und hast das Dorf mit gereiht, was auch immer du gemacht hast, bis heute. Aber da war ein Bruch drin. Und das Krasse ist, dieser Bruch, der da entstanden ist, Der hat jetzt dazu geführt, dass wir so hypersensibel geworden sind. Wie so ein verletzter Muskel. Also, wo du einfach das Bein mal ruhen lassen müsstest oder was auch immer. Wo du gerade eine Krankheit hast. Und das führte sogar dazu, dass das Brennglas noch präziser geworden ist. Ja und ehrlich gesagt können wir es nicht gebrauchen. Und wir haben ja mittlerweile Podcast, die wirtschaftlich oder auch die Themen ansprechen. Aber die dann nicht dazu aufrufen, dass wir uns diesen Themen stellen, sondern die eher dazu aufrufen, dass wir spalten. Und das können wir uns überhaupt gar nicht leisten. Also egal, wer du bist, ob du hier in dem Land super vermögend bist, ob du nicht vermögend bist, ob du Gläubiger oder nicht, Es nützt nichts, weil am Ende ist das unser Land. Das macht überhaupt keinen Sinn, sozusagen.
Joël Kaczmarek: Und sag mal, der Gedanke, mit diesem in der Sonne nicht den Schatten suchen. Wie entscheidest du denn, wann man kritisch sein sollte und wann nicht? Weil wenn wir jetzt nicht in diesen Modus verfallen wollen, dass man das Kritische übersieht?
Rafael Gielgen: Wie ist das bei dir? Schöne Frage. Also, erstens habe ich natürlich Glück, Dass in dem Bereich, in dem ich mich bewege, komme ich sehr selten an. Eine Grenze, wo es um ethische Grundsätze geht, wo es um Gesetze geht. Oder HR, Da wäre das anders. Braucht man gar nicht drüber? reden. Also, da würde ich mal sagen, da läufst du, Da würdest du regelmäßig gegen den elektrifizierten Koppelzaun rennen, muss man so zu sagen. So die Situation habe ich nicht. Ich würde sagen, mir begegnet diese Situation so zweimal im Monat. Ich habe kritische Zeitgenossen auf LinkedIn, also die mir folgen oder auch in meiner Umgebung, die mich immer wieder darauf hinweisen. Das schätze ich sehr und... Da geht es ja gar nicht darum, mich nicht angreifbar zu machen. Also, das ist ja überhaupt gar nicht mein Ansinn. Sondern ich lade dazu ein, also ich bin ein Freund davon, den Möglichkeitsraum. So größt wie möglich zu halten. Eine lange Zeit, bevor man eine Entscheidung trifft. Und ja, du hast recht. Irgendwann musst du Haltung beziehen. Irgendwann musst du position beziehen. Irgendwann musst du sagen, wofür du stehst. Das eine schließt das andere nicht aus. Aber wenn du den Möglichkeitsraum reduzierst, wenn Du den Paradox nicht erträgst, weil eben in dieser Gegensätzlichkeit, In diesem starken Kontrast entsteht die Spannung. Und je enger du das machst, Es hat keine Spannung mehr drin.
Joël Kaczmarek: Ich denke gerade darüber nach, weil ich habe... Vorgestern habe ich gerade einen Artikel im manager magazin gelesen, Da wurde so analysiert, wie die Wetten auf KI eigentlich finanziert sind. Also, wenn du diese ganzen Rechenzentren baust, wenn es nicht klappt, wenn du kein Geschäftsmodell findest, was sehr weit trägt, Wer zahlt dann eigentlich die Zeche? Und es war halt sozusagen sehr bedenklich, weil selbst Versicherungsfonds ja mittlerweile da rein investieren. Oder du hast große Immobilienfinanzierer, wo du normalerweise denken würdest? Okay. Die Bauen Parkhäuser, Lagerhallen, Bürogebäude. Nein, die Bauen, aber auch Rechenzentren, also die kaufen eigentlich Chips.
Rafael Gielgen: Ja. Genau, bauen jetzt Rechenzentren.
Joël Kaczmarek: Und das sind so die Momente, wo ich dann mich manchmal frage, ab wann ist es sozusagen sinnhaft, sich über sowas Gedanken zu machen? Also, da hat man halt eine große Allokation von Kapital mit einem Risiko. Und wo sollte man eher den Möglichkeitenraum groß halten und eher innovativ denken?
Rafael Gielgen: Wow, also ja, jetzt muss man sagen, Der Mensch ist auch schon mal ein Lump und ist immer nur ein guter Mensch. Und diese KI-Wette, Die ist sehr reizvoll oder andersrum. Es gibt in dieser Welt der KI Protagonisten, vor allen Dingen aus der Hardware heraus, die das Tempo setzen. Und dann gibt es die anderen bis zu den Glücksrittern, die gerne mitspielen. Und dieses Mitspielen musst du dir leisten können. Übrigens auch die an der Forefront, also die wirklichen Technologie- und Themenführer, Die wissen das. Also, wenn du mit denen sprichst, ich habe mit denen gesprochen, die wissen das und die sagen, das ist ein Teil des Geschehens. jetzt, DASS wir... Ein Teil, dass wir Abschreibung haben. Sehr verkürzt, gesagt, so. Aber wie konnte das entstehen? Also auf der einen Seite ist es das gute daran, dass die Leute sagen, Wir investieren in diese Infrastruktur von morgen, damit wir andere Rechenleistungen haben für Klimaberechnungen, für dies, für das. I don't know. Und auf der anderen Seite gehört natürlich auch der Spring über Leute mit drauf. Aber das ist die Geschichte, da kannst du in die Geschichte der Menschheit zurückgehen, das hat es immer gegeben. Und wir sind halt... Nicht gut darin, vernünftig zu sein. Ja. Nein, weißt du, wie? Ich habe mir gestern Abend einen Schnaps getrunken, einen wunderbaren Waldhimbergeist.
Joël Kaczmarek: Ja,
Rafael Gielgen: wenn ich vernünftig gewesen wäre, hätte ich den gestern Abend nicht getrunken. Das ist eine kleine Entscheidung. Und dann gibt es die großen Entscheidungen, über die wir gerade gesprochen haben.
Joël Kaczmarek: Sag mal vielleicht so abschließende Frage zu deinem ersten Punkt, weil wir gerade über das Thema KI reden. Ich denke öfters darüber nach, Was ist das? Wie bringe ich der jungen Generation bei, dass man Dinge noch lernen sollte? Weil wenn du natürlich die KI alles fragen kannst, sagen die immer, Papa, was soll das hier? Guck mal, fünf Sprachen und so weiter.
Rafael Gielgen: Wunderbare Geschichte, also Zwei Dimensionen. Die eine Geschichte ist Wie folgt. Am MIT in Boston, Also eine der Unis, wo ich sage, wo ich immer gerne hinfahren würde. Also wenn jetzt einer anruft, du musst jetzt morgen hin, dann ist alles klar, wann muss ich am Flughafen sein? Die haben ein Programm ins Leben gerufen. Ich weiß gar nicht, wie lange das her ist. How to make almost anything. Und 90% aller Studentinnen und Studenten belegen diesen Kurs. Und zuerst ärgern die sich, weil jetzt angenommen. Du studierst irgendwie eine Geisteswissenschaft, dann stellst du Dir Fragen: warum muss ich lernen, wie eine Platine gelötet wird? Wie wird ein Semiconductor gebaut? Wie zersäge ich ein Brett? Wie schweiße ich eine Naht? Wie mache ich eine Schraubverbindung? EY wollt Ihr mich verarschen? Aber das Wesen des MIT ist es, dass jede Idee in einem Modell endet. Also, dass du über ein physisches Modell deine Idee adressierst oder Pitzt und über das Machen passiert. Was in deinem Kopf. Wenn du heute in Blogbeiträge siehst, gehst von Studentinnen und Studenten, die die Erfahrung gemacht haben, Da sagen, die alle sensationell. So jetzt kann natürlich nicht jeder immer mit studieren. Mein jüngerer Bruder, Ich glaube, der ist so alt wie du, hat einen Kumpel, den Jan. Jan hat vier Kinder, wohnt im Rheinland, wo meine Eltern wohnen, so ein bisschen am Land. Und was auch immer Jan macht, also Jan hat seine Kinder zu allem mitgenommen, was er macht draußen. Ob er sein Wohnmobil repariert, ob er einen Gartenteich einlegt, Es ist Futzegal von der ersten Stunde. Und der ist so überhaupt nicht helikoptermäßig, Der hat auch die Säge liegen lassen und den dicken Hammer. Oder was weiß ich, was. Aber ich sag immer, wenn Jan mit seinem Wohnmobil unterwegs ist. Im Tiefen Norwegen und die Karre verreckt, Da können seine Kinder zwischen 8 und 14 Jahren die Karre reparieren. Ich glaube, das fängt auch mit Vorleben an. Und mit Möglichkeit, übrigens Möglichkeit geben. Jetzt wohnst du hier in Berlin, da hat man ja NICHT überall... Also die Möglichkeit, das zu tun. Aber Rafa ist fest davon überzeugt, ich kenne das jetzt in Berlin nicht, dass es in Berlin sehr wahrscheinlich im Umkreis, da, wo du jetzt wohnst, von 10 Kilometern, Viele Möglichkeiten gibt, genau das zu tun. Also das eine ist High Level, ist mit die Geschichte, also über diese Erfahrung. Die andere ist die Jan-Geschichte. Sei ein Jan oder eine Janine und lass dir immer ran, bei allem, was du tust. Und ich gebe dir recht. Also, man spricht ja auch der Ford CEO, dessen Name mir jetzt nicht mehr im Kopf kommt, Der hat auf diesem Aspen Idea Festival über die Essential Economy gesprochen. Aber über die Ökonomie des Echten Machens. Also die, die auf physischen Assets basiert und nicht in irgendwelchen Softwarecodes oder Apps verschwindet. Und ich war ja jetzt jüngst noch mal in China. Und du merkst es einfach, wie wichtig es ist, wenn das, wenn ein Land eine tiefen Struktur des Machens hat. Japan. Wunderbares Beispiel. Übrigens, Wir haben diese Tiefenstruktur auch, aber wir haben dieser Tiefenstruktur nie eine Lobby gegeben. Und diese Tiefenstruktur mit ihren Verbänden wie den Handwerkskammern hat auch diese Rolle gar nicht wahrgenommen, also will da keinem zu nahe treten und hat dann genau dieser Tiefenstruktur im Gesicht gegeben. Und ich mache eine Wette mit dir: das kommt zurück. Wir werden jetzt im ländlichen Raum, Also, wenn du damals in die Epizentren, sag, mal du pilgerst nach nach Berlin, eher den Maschinenraum oder zu TUM in den Makerspace oder nach Bielefeld. Wir pilgern demnächst aufs Land, weil dann eins passieren wird. Durch den Preisverfall in den Technologien und ja damit verbundenen Zugänglichkeiten zu Menschen dort, wie mein Nachbar Hans, den könntest du bei der NASA reinschieben, der könnte alles machen. Also, wenn er eine Woche bei der NASA im Lab wäre, könnte er jede Maschine bedienen. Und das ist, glaube ich, die nächste Welle, die uns erreichen wird.
Joël Kaczmarek: Spannend. Vielleicht nochmal eine Frage dazu, wie bist Du eigentlich zu deinem Job gekommen, wo du so viel lesen kannst, wo du Trendscout ist, wenn Du eigentlich sagst, du hast eigentlich Tischlage gewinnen?
Rafael Gielgen: Indem du nicht liest. Indem du nicht gelesen hast und nur neugierig, warst. Nein, ich hatte ja die Geschichte erst schon zwölf Jahre. Also Rafa, seinem alten Arbeitgeber, ging es damals nicht so gut. Er hat gesagt, bevor du jetzt mit dem in die zweite Liga gehst, willst du lieber gerne weiter in die Erste Liga spielen, also musst du einen anderen Club suchen. Ja, dann wusste ich schon immer, Real Madrid, FC Bayern München, Da gibt es irgendwie Vitra. Und die von Vitra sagten, Ey, Rafa, da ist immer Platz für dich. Bis hierhin. Dann hatte ich aber ein Wettbewerbsverbot, konnte nicht direkt wechseln zu Vitra und dann holte mich da. In der Zeit der Ivo Leif von der art aqua, Die machen so große Wasserwände, Grüne Wände. Da sagte er, Rafa, du hast doch jetzt nur ein Jahr Zeit, komm. Doch zu uns, kannst noch ein bisschen Geld verdienen und so. Ich sage, ich weiß aber gar nicht, was ich bei dir tun soll. Und dann meinte er, ja, hier gibt es genug zu tun. Es endete dann so nach dem Motto, Rafa, du gehst uns jetzt jeden Tag auf die Tüte, um uns zu sagen, was wir alles noch nicht gemacht haben. Und wo noch? Was ist. Wir wollen herausfinden, wie groß ist das eigentlich wirklich, was wir tun? Oder sind wir nur selbst? verliebt? Und dann habe ich recht schnell herausgefunden, dass das eigentlich meine eigentliche Berufung ist. Dinge zu hinterfragen, auf den Kopf zu stellen und damit einem Unternehmen bei der Erneuerung zu helfen. Genau. Und dann musste ich ja in diesem einen Jahr nur mit Vitra dazu kommen, dass wir gesagt haben, na, Ich komme jetzt nicht für irgendeine Account-Funktion, da gibt es ja wahrscheinlich bessere. Ich würde gerne dafür kommen, lass uns das ausprobieren. So ist das entstanden.
Joël Kaczmarek: Witzig.
Rafael Gielgen: Und jetzt muss man fairerweise sagen, ich war dann schon alt, also 44, da hast du schon ein bisschen was gelernt, gelesen, da hat es schon ein Netzwerk, du fängst dich bei Null an. Ja, aber dann hat das eine dann das andere ergeben. Und ich kam ja auch in eine Zeit dann, Da fing es gerade an, dass die Plattformökonomie im Silicon Valley laufen lernte. Und dass diese Unternehmen ihren wirtschaftlichen Aufschwung verbunden haben. Mit einem Ort, Das war dann The Office. Das heißt, Es kam zu einer Blütezeit des Büros in seiner letzten Variante in diese Welt dann rein. Und das war natürlich ein perfekter Match.
Joël Kaczmarek: Was glaubst du, wo wärst Du gelandet, wenn du schon früher mehr gelesen hättest? Hätte dein Leben sehr anders ausgesehen?
Rafael Gielgen: Ja, wäre ich politiker geworden. Wäre ich jetzt im Deutschen Bundestag. Um Gottes Willen. Das wäre geil, oder? Nee. Also, Natürlich ist das alles, wie es jetzt passiert ist, sensationell. Aber ich glaube, hätte ich das früher gemacht, dann wäre ich sehr wahrscheinlich. Als Architekt geendet. Also geendet, wie sich das anhört. Gelandet oder als Bauingenieur.
Joël Kaczmarek: - Interessant. So, NA gut, okay, Dein erstes Ding haben wir einen Haken hinter. Was ist das zweite, was du gerne mit 20 gewusst hättest?
Rafael Gielgen: Ja, wie wichtig es ist, dass man Computer bedienen kann und sollte. Also heute wird man dazu Technology Literacy sagen. Ich habe mich ja ehrlich gesagt mit 20 0,0 für Gaming, gut damals war das noch sehr, ich würde mal sagen bei Atari und Commodore C64, das war eine andere Zeit. Aber ich habe mich damals 0,00 dafür interessiert. Null. So. Und ich glaube, ich bekam meinen ersten... E-Mail Account, DA WAR ich... Alter 29 Wie es in München bei Objektform angefangen hat. Da hatte ich, also doch, Ich hatte privat schon einen E-Mail Account, Den habe ich glaube, ich nie benutzt. Und da bekam ich mein erstes Notebook. Einen alten Toshiba. Boah Junge, Damit würdest Du heute... Könntest du ein Flugzeug nicht betreten, weißt du, das wäre eine Waffe. Genau und damit fing damals alles an. Also Überleg dir mal, Da waren von 20 bis, das waren mal neun Jahre Detox. Technology Detox. Ich habe trotzdem überlebt. Ja, aber es hätte mir geholfen. Ich habe also, ich habe im Nachhinein spätestens ab der Rolle bei Vitra sehr viel Zeit investiert, das alles zu verstehen und zu lernen. Also die Mechanismen.
Joël Kaczmarek: Wie hast du das gemacht?
Rafael Gielgen: Weißt du, Ich habe ja keine Chance ausgelassen, auf irgendeine Technologiekonferenz zu gehen. Ich weiß auch noch, als ich das erste Mal beim MIT war oder in Stanford da... Der Professor auf mich eingeredet. Ich habe, ich würde mal sagen, 70 Prozent überhaupt nicht verstanden, Aber nicht, weil mein Englisch, so Mies, war, Ich wusste gar nicht, was er mir erzählt. Dann hat er mir immer Notizen gemacht wie ein Geisteskranker. Und abends im Bett habe ich dann auf Google alles nachgelesen, was der gemeint hat. Und dann hat das, Ich würde mal gesagt, es hat gedauert. 14, 15, vielleicht bis Ende 16. Und dann würde ich mal sagen, ja, Prüfung bestanden, ja. Und dann ging das dann weiter. Also nehmen wir das Beispiel mit der KI jetzt. Ich war vor drei Jahren, als die KI in unser Leben kam, am MIT mit einer Reisegruppe. Dann haben die sofort losgelegt. Dann war ich noch im Januar direkt auf der CES und dann fing es da schon an, dass die KI implementierten, Ich sag mal von der Zahnbürste bis in den Caterpillar-Radlader oder Dumper. Und von dem Tag an habe ich, glaube ich, jeden Tag bis auf Kinderkommunion meiner Neffen, Geburtstag, Weihnachten, Neujahr, Jeden Tag zu dem Thema gelesen. Jeden Tag
Joël Kaczmarek: also Lesen und sozusagen dich lehren lassen, anleiten. Von anderen waren, so Deine Pfade, um Technologieaffiner zu werden?
Rafael Gielgen: Ja. Und auch, weißt du, wenn du egal... Ich bin ja so einer, der dann, Wenn er mit dem Auto irgendwo hinfährt, dann sehe ich irgendwie eine Fabrik oder irgendwas. Ich meine, damals ging das ja nicht, da konnte es ja nicht irgendwie Internet, also, da gab's das ja nicht. Heute schaue ich mir alles an. Meine Frau bringt das echt zu einem Rand der Verzweiflung, aber ich interessiere mich für alles. Letztes Jahr lag ich im Krankenhaus, da war ich gerade raus mit dem Warnbeinbruch. Ich habe in diesen 13 Tagen, wo ich im Uniklinikum Regensburg war, von der Seelsorge bis zum Dual-Use-Helikopter, der Tag und Nacht fliegt, also mobile Herz-Lungen-Maschinen sind in Regensburg erfunden worden, wie ist die deutsche Luftrettung entstanden, wie funktioniert ein Schockraum? Ich habe nichts ausgelassen.
Joël Kaczmarek: Du bist dann am Rollstuhl rumgefahren oder was? Hast du Dir das zeigen lassen?
Rafael Gielgen: Ja, also nein. Klar, die ganzen Leute, die nicht auf die Tüte gehen. Aber ich war auf der einen Seite ein beliebter Patient. Für Studentinnen und Studenten, Medizinstudenten, die im Rahmen ihrer Ausbildung Amnese-Gespräche machen mussten. Und habe dann jeden Kontakt, ob mich einer zum Röntgen brachte oder ob einer das Gespräch sowieso mit mir führte. Oder diese, das zu Operationen, habe ich jedes Gespräch genutzt, Dinge zu erfahren. Und dann natürlich zu Hause und dann nachgelesen im Zimmer. Dann hast du irgendwie eine Maschine gesehen am Gang, also dann wartest du ja auch auf deine Untersuchung. Und dann siehst du ja auch erstmal das Leid, das ist ja dann auch tragisch. Kleine Kinder und so mit den Eltern, boah, Ich schütze mich jetzt noch. Und dann siehst du die Gerätschaften. Und dann denke ich, boah, die Spiker. Und dann guckst du dir an, Amerikanische Unternehmen, Was die alles machen. Ja, jeder andere wird sagen, Der Typ hat sie nicht mehr alle, aber Sie ist am Straße bis zur Bewusstlosigkeit.
Joël Kaczmarek: Was hast du daraus gezogen? Zahlt es auf irgendwas bei dir ein oder ist es einfach nur Befriedigung deiner Neuheit?
Rafael Gielgen: Im Krankenhaus meinst du jetzt?
Joël Kaczmarek: Ja, diese Neugierde.
Rafael Gielgen: Ja hilft mir immer, hilft mir immer. Ich würde mal sagen... Gut jetzt müsstest du fairerweise andere fragen, Aber andere Leute würden sehr wahrscheinlich sagen: "Boah ich kenn keinen Typen, der sich so schnell in Themen reindenken kann." Ich glaube, das ist es. Ich bin nicht der, der so viel... Ja, ich würde mal sagen, ich weiß ja wahrscheinlich mehr wie der Durchschnitt, Aber ich würde sagen, meine Superkraft ist, dass ich in wenigen Augenblicken mich in Themen reindenken kann. Ich war bei John Deere mit Nils Müller im Werk für die Häcksler. Also man muss so einen Mais-Häcksler oder so ein Mähdrescher kosten. SO 650, 750.000. Ein Mais-Häcksler bis zu eine Million. Das sind Hochleistungs-Erntemaschinen, Computer. Und am zweiten Tag hatten wir Gespräche mit den ganzen Ingenieuren, also sehr unterschiedliche Dinge im Werk machen. In Zweibrücken. Und ich habe mit denen über die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert. Weil natürlich, weil. Und jetzt wird es spannend, und das ist erst die neue Zeit. Hatte eine Technologie, eine Domain-Zugehörigkeit und wurde da genutzt. Punkt. Und das war wie ein geschlossenes Behältnis. In der Zeit, in der wir jetzt sind, wirken mehrere Technologien gleichzeitig auf eine Domain wie auf die Landwirtschaft und geben da andere Möglichkeiten. Das heißt, gut, Grundwissen über Landwirtschaft zu haben, schadet mir erstmal nicht. Also den Kontext musst du immer haben. Aber das andere, Ich will nicht sagen, da sind die dann auch blank, Aber in dem anderen bin ich halt ziemlich gut. Und dann ist es wie beim Zehnkampf. Dann kompensierst du das, aber du bist auf jeden Fall ein interessanter Gesprächsbachter für die.
Joël Kaczmarek: Verstehe. Also du überträgst quasi dein wissen so auf andere Bereiche und kannst dann quasi Transfer wissen, was du anwenden, kannst. Wenn wir nochmal auf diese Computer Literacy drauf schauen... Wie findest du denn eine gute Mischung? Weil ich ertappe mich so dabei. Vielleicht geht es dir auch, so, wenn man viel mit diesen Geräten arbeitet, leidet ja der Rücken. Man Podcast nicht so viel. Also Manchmal ist man auch so ein bisschen, knecht der Technologie und hat halt Auswirkungen.
Rafael Gielgen: Also, erstens bin ich einer, der darüber liest und der weder programmiert noch eher einen Rack zusammenbaut. Und das andere ist, wenn du so wohnst, wie ich da draußen, Da wird dir regelmäßig ein Positiven in der Stärke gezogen. Und dann bist du da draußen in der ganz normalen Welt. So ist das.
Joël Kaczmarek: Also Du hast einen Ausgleich sozusagen, einen Analogen, wenn man so will.
Rafael Gielgen: Ja, genau, ich bin jetzt nicht irgendwie da... Ich bin nicht verloren. Ich fühle mich schon geerdet oder ich stehe radikal mit einem Bein Fest am Boden.
Joël Kaczmarek: Komm, Wir hangeln uns weiter. Also zwei Punkte haben wir schon, Was ist das dritte, was du gerne mit 20 gepustet hättest?
Rafael Gielgen: Ja, dass es wichtig ist, sich für die Geschichte zu interessieren und Museen aller Art zu besuchen.
Joël Kaczmarek: Warum ist das wichtig?
Rafael Gielgen: Ja, das ist... Es gibt ja diesen Spruch, da können wir jetzt sofort ins Phrasenschwein, einen Zehner reinwerfen. Jetzt oder fünf Euro. Ohne Herkunft keine Zukunft, Aber da ist was dran. Wenn man überlegt, Die Vereinigten Staaten von Amerika werden nächstes Jahr 250 Jahre und angenommen, wie ich jetzt da in Shanghai war, war nicht ein Museum und habe mir Bronzearbeiten, Kalligrafie angeschaut, Keramik. Und dann steht es da vor Bronzearbeiten, dann steht da 3500 Jahre vor Christus. Oder vor Textilarbeiten und denkst: "Wow, Ich schaue aus wie Missoni." Oder du stehst vor Schuhen und denkst: "Sieht ja aus wie Prada." Dann weißt du: da war doch was. Ja, also Herkunft und Zukunft gehören irgendwie zueinander. Und das andere ist natürlich auch die Historie. Ich glaube Goethe sagte mal: "Die Historie ist die magische Werkstatt Gottes." Die Historie ist dann natürlich auch so ein Fenster, wo du so eine Zeitreise machen kannst und wo du Ableitungen für heute treffen kannst. Ich war damals natürlich viel zu jung, also ehrlich gesagt, hätten mich meine Eltern ins Museum geschleppt oder Freundinnen oder Freunde, hätte ich vielleicht auch nichts verstanden. So braucht doch alles seine Zeit. Nichtsdestotrotz, weißt du, du hast ja gefragt, Wenn ich das gewusst hätte, dann wäre das mit Sicherheit, dann hätte ich mir das beherzigt. Ich bin ja immer viel rumgekommen, aber ich habe erst spät angefangen, wenn ich in Städten war, mir doch das Beste, also einfach dort in die Museen so reinzugehen. Also über das Land und oder das, was da sehr besonders ist.
Joël Kaczmarek: Ich frage jetzt mal wie so ein völliger Banause, aber was ziehst Du da raus, wenn Du da irgendwelche Dachziegel aus 300 vor Christus siehst oder irgendwelche Papyrusrollen oder Handwerk? Oder also, was ist sozusagen der Impact auf dein Leben und der Genuss?
Rafael Gielgen: Gehen wir mal kurz nach Japan. Dieses Land lebt ja durch diese enormen Kontraste. Also das heißt, angenommen. Du nimmst eine Stadt wie Tokio, dann stehst du in Shibuya Crossing oder Woanders in einem Bahnhof, in Shinagawa und siehst vor lauter schwarzen Mäckifrisuren, dunklen Mäckifrisuren nichts mehr. Und ich sagte, was ist hier los? Wo wollen die alle hin? So. Und dann gehst du um die Ecke und da ist ein kleiner Schrein oder ist ein kleiner Garten. Und der ist vielleicht nur acht Quadratmeter groß oder zehn Quadratmeter. Und dann macht es auf einmal nur noch "Uff, uff, uff, uff". EY Du kommst komplett runter. So. Und das ist mal eine sehr einfache Beschreibung der Kontraste dieses Landes. Der andere Kontrast heute wäre: Du fährst aus Tokio raus, vielleicht 45 Minuten im Zug und siehst die Papiermacher, die noch Handpapiermacher, Du siehst die Könige des Denims. Und wo dieser Denim nur von Generation zu Generation übertragen werden kann, weil Du DA über... Du kannst ja kein Tutorial dazu machen. Oder die, die die Messer machen, dann musst du erst mal verstehen, wie du das Feuer legst. Also, da ist die erste Prüfung: Du legst das Feuer Du legst diese Zweige oder Hölzlein so, dass der genau weiß, er wird diese Temperatur erzielen. Aber dann musst du jetzt nicht glauben, dass da irgendwie ein Temperaturmesser ist. Der erkennt das an der Farbe der Flamme. So. Und gleichzeitig verlässt du das wieder und siehst dann, wie technologiezugewandt. Dieses Land ist. Und innerhalb dieser Kontraste, ja, also das eine ist so zu wissen, dass aus dieser tiefen Aufmerksamkeit, die du brauchst, etwas entstanden ist, Was dem Land heute noch Ordnung gibt und dass das Neue auch aus diesen tiefen Momenten basiert. Also angenommen, Ich würde jetzt im Ruhrgebiet ein Museum besuchen, welches das Zeitalter der Gastarbeiter und der Industrialisierung beschreibt. Jetzt, in meinem Kontext der Arbeit, dann würde ich sehr wahrscheinlich die größte Lehrstunde im Kontext des, Welche kulturelle Kraft hatte? Arbeit lernen, Die New Work nie geschafft hat? Weil die Verbundenheit, die die Bergleute zu dieser Zeit miteinander hatten, Generationen- und länderübergreifend, hat es so nie wieder gegeben. Sogar in ihrer eigenen Sprache, in ihren eigenen Codes, in ihren eigenen Ritualen. Das ist das, was du lernen kannst. Oder andersrum, Du bist in Prado, in Madrid und... Das ist so geil. In Prado, in Madrid? Im Sommer immer gut, ist schön klematisiert. Gibt es im Souterrain Goya, den spanischen Maler, den ich jetzt ehrlich gesagt? Vorher nicht, so kannte. Und es gab Goyas schwarze Phase. Genau so sieht das da aus. Dann gehst du rein, bist in Schumrig und dann siehst du nur Bilder, die, bitte nicht falsch verstehen, Das Elend dieser Zeit beschreiben. Und da ich mir nicht diesen hier Audiohörer besorgt hatte oder Führer, habe ich mir einfach geguckt, im Podcast gibt es irgendwas über Goya. Und dann fand ich von SWR eine Doku, wo einer, was über Goya erzählt hat. Und ich bin einfach sitzen geblieben. Und war dann nachher froh, dass ich da wieder raus war. Also worum ging es da? Dass man einfach sieht, Damals hat man diese Epoche, wo Menschen etwas ertragen mussten. Also im wahrsten Sinne des Wortes ertragen oder eine biblische Prüfung, Da war die Kunst, das Medium damit umzugehen. Und jetzt Überleg mal die Pandemie und 30 Jahre später, Deine Kinder gehen mit ihren Kindern in einen Ort, wo die Pandemie aufbearbeitet, wird. Was haben wir daraus gelernt? Das ist immer so der Move.
Joël Kaczmarek: Aber es ist ja spannend, dass du quasi so nach Übertragungen suchst, lerne ich daraus, dass Du Dir quasi Dinge der Vergangenheit anguckst und überlegst, was ist da heute sozusagen, was fehlt uns davon, was haben wir, Was sind Entsprechungen? Und so gehst Du vor.
Rafael Gielgen: Ja, und das ja auch nicht trainiert oder so. Das irgendwann war... Also, ich bin ja damals, wenn ich das... Also durch Vitra fing ich an, viel zu reisen. Und da waren ja Länder dabei, Ich würde sagen, die Hälfte habe ich dann das erste Mal betreten. Und dann habe ich immer so... Meine kleine Grundübung war immer: Wo kommt das Land eigentlich her? Wie alt ist es? Einwohnerdichte? Wo kommt das BIP her? Also, wie groß und woher? Kulturelle Prägung, Religion, so. Ich sage mal, wie so ein Schnellcheck, ne? So dass du so ein bisschen... Natürlich nicht so, wie einer, der eine Studienreise macht mit der Zeit, ja? Aber ich wollte da nicht blank hingehen. Und übrigens, Auch das ist ja wichtig: Ich habe ja vor Ort mit Menschen zu tun aus diesem Land. Und dann ist es nie verkehrt. Ein Grundmaß. Also, da hilft die Übertragung natürlich enorm.
Joël Kaczmarek: Und sag mal, geht's dir wie mir? Beziehungsweise vielleicht hast du auch ein schlaueres Vorgehen, als ich. Ich ertappe mich dabei, Ich brauche irgendwie immer so eine Art Tourguide. Also wenn ich manchmal in so einem Museum bin und gucke mir die Dinge an, Dann sprechen die noch gar nicht so sehr zu mir. Es braucht ja irgendeine Form der Einordnung. Mal ist es ein Video, mal ist es ein Text, Mal ist es ein Mensch.
Rafael Gielgen: Ja, ich bin offen für alles. Also, ich weiß gar nicht, wo... Also, wie ich die Japan-Reisen gemacht hatte. Also, da ist natürlich klar, ein Guide, Es geht nichts über einen Guide. Aber du kannst ja leider nicht immer einen Guide haben. Oder in dem Museum, wo wir jetzt waren, in Shanghai, so ein riesen... Boah, So ein Riesen Tromm. Da habe ich auf die Tafel geguckt, wo es war, da bin ich nach Neigung gegangen. Bronze bin ich reingegangen, weil unsere... Also die ganze Reise, die wir uns begleitet hatten, Das war Ihr persönliches Interesse. Da dachte ich, ist ein guter Einstieg. Dann bin ich ein Freund der Kalligrafie, da bin ich schon alleine durch. Also, da sind wir halt ohne jetzt einen Guide durchgegangen, auch Keramik. Aber weißt du, wie das heute geht? Du hältst dein Smartphone mit einem GPT dran, du machst ein Bild und Junge, dann kriegst du Dinge. Ich weiß nicht, woher das alles war. Keine Ahnung. Keine Ahnung, ey. Irre.
Joël Kaczmarek: Wie machst du eigentlich den Transfer hinterher? Weil es gibt ja manchmal im Leben diese Situation, Dass man selbst etwas erlebt, hat, etwas erfahren hat und hat sich dadurch verändert. Kommt dann in sein Umfeld zurück, was aber in der Sekunde latent. Statisch war, das nicht diese Erfahrung gemacht hat. Und wo ja dann, also speziell In deiner Jobrolle ist es ja deine Aufgabe, diese Erfahrung zu transferieren. Wie machst du das?
Rafael Gielgen: Ich würde mal sagen, ich habe über die Zeit unterschiedliche Radiosender aufgebaut, muss man so zu sagen, oder Sendungsformate. Eine Vielzahl an Kolleginnen und Kollegen folgen mir auf LinkedIn und dort teile ich alles das, was mich interessiert. Also alles das, was richtigen Bums bei mir gemacht hat, das stelle ich auf jeden Fall ein. Dann gibt es mittlerweile eine Gruppe, eine "Hello Rafa"-Gruppe per WhatsApp. Da sind, glaube ich jetzt 950 Leute drauf. Die geht nur in eine Richtung, Das heißt, die Leute haben... Ich schicke in den Briefkasten der Leute Insights mit einem kurzen Text dazu. Ich sage mal: "Warum geht es? Was habe ich entdeckt? Warum könnte das interessant sein?" Und ob die oder der das dann liest, Da habe ich ja gar keinen Einfluss drauf. Aber die können es nicht kommentieren. Die Gruppe ist eine reinige Download-Gruppe. Da sind auch viele Kollegen drin, auch Kunden und Partner. Dann gibt es natürlich meine Talk-Formate. Ich habe, glaube ich, In der ersten Jahreshälfte zu 3200 Menschen physisch und zu 1500 Menschen per Video gesprochen. Da war dann immer irgendeiner von meinen Kollegen dabei. Und so überträgst du das. Weißt du, wenn du in Tokio, in der Stadt morgens durch den Meiji-Schrein gehst, Wo Geschäftsleute... Die ersten Touristen, aber auch Stadtbewohner reingehen, um zu bitten, also zu beten, aber auch, um zu bitten. Ja, das kannst du natürlich, da kannst du ein Bild einstellen, aber diese Stimmung kannst du natürlich nicht übertragen. Was BTW gut ist, sonst, Das wäre nochmal ein ganz anderes Bild von der Welt, wenn wir das alles irgendwie könnten.
Joël Kaczmarek: Wie schaffst du es denn dabei, trotzdem verwurzelt und verbunden zu bleiben? Auch mit deiner Familie, mit deiner Heimat? Nimmst du die zum Beispiel mit? Also fährt deine Frau dann mit dir auf Reisen oder bist du da? detached?
Rafael Gielgen: Ne. Wir haben ja hier einen kleinen Hof mit vielen Tieren. Den kannst du nicht verlassen. Und meine Frau will auch nicht in den Flugzeug steigen. Also hat sich das erledigt. Aber sie hat kein Problem, dass ihr Mann das tut. Und ich würde mal sagen, das Ganze. Hier hat schon eine sehr eigene Gravitationskraft und einen sehr starken Bezug zu sich selbst. Sonst würde es hier draußen nicht funktionieren. Also das hier draußen Bedarf einer hohen Verpflichtung. Das ist kein Hobby. Das ist so, Ja, ich würde das Mal bezeichnen, wie wenn du Kinder hast, die ich nicht habe. Weißt du, die dir auch die ersten 16 Jahre nicht aus deinem Auge abfüllen lässt. So, aber du weißt nicht, wie lange. Und das ist hier ähnlich. Und dadurch entsteht nicht, Also meine Herausforderung ist es nicht, Das, was du gerade gesagt hast. Es war mal in Anfängen, also in den Anfängen, weißt du so, in dieser Honeymoon-Zeit meines Jobs, da hast du schon gedacht, Alter, Wieso lebst du nicht in Shanghai? Wieso lebst du nicht in San Francisco? Wieso lebst du nicht in Boston? Aber dann irgendwann ist das gut, also irgendwann entdeckst du ja für dich, wo dein Platz ist. Aber das ist nicht meine Herausforderung.
Joël Kaczmarek: Bist du dabei aber nicht einem der größten Risiken, die man in einer Beziehung haben kann, ausgesetzt, nämlich asymmetrisches Wachstum? Also... Du wächst auf so einer Reise gigantisch, Deine Frau hat das alles nicht mitgemacht, du hast dich verändert, kommst wieder nach Hause und...
Rafael Gielgen: Geile Frage. Haben wir noch nie drüber nachgedacht. Aber ich bezeichne meine Frau immer gerne als Indianerin. Also, wir haben ja unter anderem Hunde aus dem Tierschutz, die zu uns kommen, Weil die vom Tierheim oder von ihren Pflegestellen nicht so konditioniert werden konnten, dass sie zu einer Familie konnten oder zu einem Hundebesitzer. Und wenn ich der Transcraft bin, dann ist meine Frau genau die Art Hundeflüsterin, die das macht. Und deshalb entsteht auch das nicht, was du da gerade sagst. Und es ist natürlich auch, Weil der Hof dann, also wenn jeder ein seins hat, dann ist dieser Hof unseres und der hält es zusammen. Angenommen, hypothetisch, Meine Frau wäre Juristin in Regensburg, in der Kanzlei. Und ich hätte diesen Job, und wir hätten einen Etagenwohnung oder ein kleines Haus am Regensburger Stadtrand. Ja, da könnte es jetzt sein, dass wir jetzt nicht mehr zusammen sind. Also die Wahrscheinlichkeit wäre da größer, aber so wie das jetzt ist, wir sind, ich glaube, 23 Jahre verheiratet nächste Woche.
Joël Kaczmarek: Sag mal noch abschließend eine Frage zu deinem Geschichtspunkt. Es gibt doch so diesen Satz, History Repeats itself. Hast du eine Vorstellung, warum das so ist? Oder stimmt das überhaupt? Beobachtet das auch, Wenn Du dir die Geschichten der Welt anguckst, dass Du merkst, Sachen wiederholen sich immer in Zyklen?
Rafael Gielgen: Ja, ich glaube, die haben erstmal mit dem Mensch zu tun. Nimm mal das ganze Drama, Liebe, Tod. Da hast du schon zwei Themen. Das ist eine permanente Wiederholung. Krieg, Frieden, Permanente Wiederholung. Sieg, Niederlage, permanente Wiederholung. Verstehst du? Oder nimm mal die großen Erfinderungen. Das ist natürlich immer wieder eine andere Erfindung, Permanente Wiederholung. Übrigens, Gutes Buch liegt da vorne irgendwo. Nichts als die Welt von Bruno Grunold beschreibt, glaube ich, aus zweieinhalb tausend Jahren Geschichte. Menschheit die 50 Jahre. 50-Epochale Ereignisse. Übrigens auch da kennst du ja auch Sternstunden der Menschheit. Stefan Zweig ist ja mindestens genauso ein Abräumer.
Joël Kaczmarek: Na gut, sehe ich schon. Werde ich immer verlinken. Komm, wir machen uns auf zu deinem vierten Ding. Was hättest du als Viertes gerne mit 20 gewusst?
Rafael Gielgen: Sprachen. Also Ich hatte in meiner achten Klasse, ich war in der Realschule Wörnerstraße in Düren. An dieser Stelle einen schönen Gruß, falls da auch einer Mal war. Damals noch eine kleine, eine reine Jungrealschule. Und da hatte ich französisch mit der Frau Rosenau. Aber es lag nicht an ihr, Ich war einfach in Französisch ein Zentralausfall. Jetzt hatte ich eine spanische Mutter, das heißt, ich konnte zu der Zeit Spanisch. Wir sind auch als Kinder in die Spanischschule gegangen, also am Nachmittag. Dreimal die Woche zur spanischen Schule. Oder zweimal. Meine Mutter hat Deutsch mit uns zu Hause geredet, Sonst hätten wir nämlich auch mit den Großeltern, mit den Deutschen, mit der Familie spanisch gequarkt. Das war dann irgendwie meiner Mutter zu dumm, als sie mit uns Deutsch geredet hat. Aber im Französischen waren es zentrale Fragen. Und die Frau Rosina hat dann irgendwann zu mir gesagt, nach meinem ersten Jahr: "Ja Vielleicht wäre es einfach besser, dass ich etwas anderes wähle." Aber da war ich für Physik zu Dumm und Sprache kam ja nicht in Frage. Und dann bin ich dann in den Kurs der Sozialwissenschaften gegangen. Das war ein großes Sammelbecken an älteren und jüngeren Klassenkameraden. Aber im Nachhinein war es so ein perfekter Match. Aber ich bedauere das. Ich würde sehr gerne mehr Sprachen, also, ich würde gerne meine empathischen Fähigkeiten mit dem Vermögen einer Sprache kombinieren. Schade,
Joël Kaczmarek: habe ich nicht.
Rafael Gielgen: Und so stotter ich mich durch die Welt, in meinem Englisch.
Joël Kaczmarek: Ich weiß nicht, was du meinst. Mir geht das auch oft, so. Es gibt so viele Sprachen, die ich gerne können, würde, Aber irgendwann wachsen Sie in meinem Kopf auch durcheinander. Als ich Russisch gelernt habe, habe ich immer französische Bausteine irgendwann reingesetzt und so. Hast du es nie versucht, wieder Sprachen zu lernen?
Rafael Gielgen: Junge, Ich wüsste nicht mal. Also, wenn ich jetzt Grammatik zerlegen müsste, wie das war mit Adjektiv, Dativ, Was weiß ich für ein Dativ. Ich wüsste gar nicht mehr, was das ist.
Joël Kaczmarek: Ich habe aber mal gelernt, Dennis Bemmann, der eine Gründer von StudiVZ, Der hat mir hinterher mal erzählt, dass er total viele Sprachen lernt. Jedes Jahr eine oder so.
Rafael Gielgen: Dennis war mit mir mal in Shenzhen unterwegs. Aber weißt du, was der auch ist? Der Typ ist halt einfach. mörderschlau. Also, es gibt ja, und ich glaube Das musst du dir auch eingestehen. Du musst einfach eingestehen, Was ist dein Talent. Und jetzt kann keiner sagen, ich hab keins. Das gibt's gar nicht. Es gibt immer eine innere Stimmung und es gibt immer Talent. Das war meines nicht. Ja? Sondern es gibt Leute, wo ich denke: "Wie viele Seiten, sechs Sprachen, blablabla." Ja, aber ist okay. Weil am Ende musst du zufrieden sein mit dem, was der Herrgott dir gegeben hat. Oder wer auch immer.
Joël Kaczmarek: Ja, Dennis hat mir nämlich beigebracht, er hat gesagt: "Du Joël, Man muss sprachen, anders lernen. Nicht so wie bei uns in der Schule, wo du sagst. Deutsche Vokabel, englische Vokabel, Sondern Du musst das so lernen wie ein Kind. Bei einem Kind gehst du ja auch nicht hin und sagst: "Das heißt das in der Sprache. Und das heißt das." Sondern Du redest einfach mit dem und durch das Erfahren und den Austausch lernst du das. Mach mal die Spülmaschine leer, und dann weißt du irgendwann: Ah, ok. Die Spülmaschine ist offensichtlich das und so. Ich fand das spannend. Er hat thailändisch gelernt, wo ich dachte:
Rafael Gielgen: What the heck Ja das glaube ich genau. Also, da bin ich jetzt, das würde ich jetzt unterschreiben. Und wenn ich jetzt angenommen, Sprache lernen würde, glaube, ich würde es genauso tun.
Joël Kaczmarek: Aber ich, meine, du müsstest für dich ja auch jetzt eigentlich dankbar sein, wenn man hier die neuen AirPods hat, die dir irgendwie live übersetzen. Und mit KI, also, da geht ja schon was.
Rafael Gielgen: EY, das ist jetzt wie mit meiner... Ich habe ja immer gesagt Leute haben mir gesagt: Rafa, was wünschst du dir? Wie es noch keinen GPT gab, habe ich immer gesagt, ich wünsche mir so ein BB-8, So eine Knutschkuhl, wie bei Star Wars, die im hinterher rollt. Und mir alles erklärt. Heute habe ich meinen GPT und kann alles knipsen, beschreiben, bam, Kriege alles. Boah, ist ja wie, Ich habe gestern gesagt, das ist, wir können Dummheit bekämpfen. So wie du eine Impfstämme oder jetzt eine Spritze gegen Krankheiten, Wir haben jetzt die Möglichkeit, mit den GPTs Dummheit zu bekämpfen, Weil es Unwissenheit nicht mehr geben darf.
Joël Kaczmarek: Das sehe ich eigentlich.
Rafael Gielgen: Ja? Ja.
Joël Kaczmarek: Mir geht es oft auch so, Ich glaube, ich weiß, was du meinst, wenn man auch wie du gerne liest. Ich sitze dann manchmal da und denke mir so, Oh, das ist ein schönes, englisches Sprachbild, Das ergänzt meine deutsche Sprache super. Und dann denke ich so, meine Güte, Was wäre denn, wenn ich jetzt noch Persisch könnte oder Russisch oder Italienisch, Was muss es denn dafür geile? Sprachbilder geben, ja? Aber gut, hilft ja nichts der Wehmut.
Rafael Gielgen: Ja, wie in Japan, wie die Baumschule, Die Berichtlichkeit kommt ja aus Japan, ja? Und das hatte damit zu tun, dass man einen Baum, also dieses Umschulen, einen Baum umgesetzt hat. Und in Japan bereitet man den Baum ja darauf vor, dass man ihn schon Wochen vorher umsticht, Also mit dem Spaten, dass man die Wurzeln trennt, dass er sich darauf vorbereiten kann. Sagte Mir gestern Oliver Vogt. So. Und das habe ich nämlich auch noch nicht gewusst. Und da kommt die Begrifflichkeit der Baumschule vorher. Ihr habt das nicht, überprüft. Aber nicht, dass der Lump mich... Da ist kein Lumpen, nicht, dass er mich in die Falle hält. Er sagte gestern im Gilding, Den Jahre ich noch in Box war. Also sprache ja. Und die Sprache genau aus dem Punkt, Je mehr sprachen Du sprichst, desto besser verstehst du die Welt und die Dinge.
Joël Kaczmarek: So, wenn ich richtig mitgezählt habe, Eine Sache fehlt noch, ein Ding.
Rafael Gielgen: Ich hätte nochmal... Anders an meiner eigenen Disziplin gearbeitet. Aber das nicht so krampfhaft, sondern über ein Hobby, über ein Medium, über einen Sport, Der Disziplin verlangt, über das Erlernen eines Musikinstrumentes. Und vielleicht das Spielen in einem Orchester oder von mir aus. Das Singen in einem Chor. Denn ich will nicht sagen, dass ich undiszipliniert bin, aber... Dieses Maß an Disziplin, wie ich es ab und zu bei einer Familienunternehmerin oder Unternehmer vorfinde, die in einem hohen Alter vor mir stehen, mir tief in die Augen schauen, Handdruck geben. Und der dann 58 Jahre das Schiff gesteuert hat, morgens Sein Sportprogramm macht, sich. Die Zeit nimmt für seine Zeitung, die Enkelkinder noch irgendwie managt, Geschweige denn seine Familie. Offen ist wie Neues. Sie ist so, also, das bewundere ich, und ehrlich gesagt habe ich mich dem immer entzogen. Aber nochmal, ich will nicht sagen, aber das ist ein ganz anderes Level.
Joël Kaczmarek: Also, was genau ist es denn daran, Diese Wiederkehr, was du mit Disziplin meinst oder dieses sich auch durch unangenehme Sachen klemmen, was bewunderst Du da?
Rafael Gielgen: Also, das ist das Fokussieren, das nicht ablenken lassen. Diese maximale Aufmerksamkeit oder Dinge, so die ganze Energie in eine Sache so zu bündeln. Das meine ich damit. Oder auch die Wiederholung. Ich hatte durch meinen Wadenbeinbruch, Also, das ist alles super geworden. Zwei Monate stand ich nur auf einem Bein wie so ein Flamingo, und dann ging es wieder los. Dann zu früh angefangen, ohne Krücken hin zurück. Fakt ist, also. Rafa landet beim SAM in der Physiotherapie in Regensburg. Und auf einmal musste Rafael da jede Woche hin und musste Übungen machen. Das ist nicht meins. Aber es ist, also mir ist das bewusst. Ich habe ja damals, ich habe ja mal Triathlon gemacht, Langdistanz. Ich glaube, bin 14 oder 15 Marathons gelaufen. Aber meine Kumpels, wenn die da ihr Trainingsbuch hatten und ihren Ernährungsplan, das habe ich nie gemacht. Und dieses Maß an Disziplin fehlt mir einfach. Aber ich glaube, den Grundstein legst du als Kind dafür. Oder Entschuldigung. Als junger Mensch. Es gibt Sachen, also nach hinten raus wird es schwieriger, das zu tun.
Joël Kaczmarek: Bist Du ein bisschen so ein ADHS-Onkel, dass Du einfach immer diese Abwechslung brauchst?
Rafael Gielgen: Achso, habe ich nie untersuchen lassen. Sagen mir schon mal Leute nach. Also, meine Familie hat mich damit nie konfrontiert. direkt. Also meine Brüder oder hier Frau, Schwiegereltern. Ich bin der Ablenker im Sinne des zwei Möglichkeiten, des Trödelns. Ja, einfach mal, was zu tun, um so rumzutrödeln. Weiß gar nicht, ob man das heute noch, sagt. Und das andere ist der Erheiterung wegen.
Joël Kaczmarek: Also so ein bisschen eigentlich auch Genussmenschlich. Ja,
Rafael Gielgen: genau. Aber eher wie so ein Bonbon. Genau, ja. Eher so wie ein Bonbon. Wisst Ihr noch, was ein Klümschen ist? Ein Bonbon. Das hat der alte Onkel gesagt, Ein Bonbon.
Joël Kaczmarek: Und Du glaubst, mit einem Hobby sozusagen In früherer Jugend hätte Dir das mehr...
Rafael Gielgen: Halt mit einem Hobby war es Disziplin, verlangt. Junge, Die stehen heute noch vor, dir wie ein Baum.
Joël Kaczmarek: Ja gut, also. Rafael Gielgen, der Weltenbummler. Punkt nummer 1. Es lohnt sich, mehr zu lesen und zu lernen, um nicht so Faul in den Tag hineinzuleben. Punkt nummer 2. Computer Literacy. Es ist wichtig, Computer bedienen zu können. Punkt nummer 3. Es ist wichtig, sich für die Geschichte zu interessieren und Museen zu besuchen. Ohne Herkunft keine Zukunft. Punkt nummer 4. Mehr Sprachen in Verbindung mit Einfühlungsvermögen. Eröffnen dir neue Dinge. Punkt Nummer 5. Nutze ein Hobby, Das Disziplin erfordert, um an deiner eigenen Disziplin und Haltung zu arbeiten. Also das ist, würde ich einmal sagen, man sieht so ein gewisses Pattern in deinen Punkten, aber spaßig, weil es irgendwie ganz gut aufeinander eins haltet. Findest du dich denn wieder drin?
Rafael Gielgen: Ja, war auch ein interessanter Talk, nochmal so, Wenn man das mal so Revue passieren lässt, was einem selber nochmal Orientierung gibt.
Joël Kaczmarek: Na, gut, dann bin ich mal gespannt, wenn wir uns vielleicht mit 86 bei dir wiedersehen, Was dann nochmal in 30 Jahren dazugekommen ist.
Rafael Gielgen: Oh mein Gott.
Joël Kaczmarek: Für den Moment auf jeden Fall vielen Dank und Safe Travels hier, Pass auf dich auf, falls du einen Beinbruch hast.
Intro & Outro Speaker: Schönen Dank und bleibt neugierig. Macht's gut. Tschüss.