
Hertha-Legende Axel Kruse: Vom Olympiastadion in die zweite Karriere
4. Februar 2026, mit Joël Kaczmarek
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Joël Kaczmarek: Hi, Five Leute, Hier ist Joël. Und wie immer habe ich eine spannende Person zu Gast, die mir ihre 15 Dinge verrät, die sie gerne schon mit 20 gewusst hätte. Und heute für mich ein besonderer Moment, weil vielleicht wisst ihr ja, ich bin ja Masochist, ich bin ja. Hertha BSC-Fan, Der Fußballverein von Berlin, Der einzige, der zählt. Und ein Mann hat mich ja dabei schon sehr begleitet, also er mich, ich ihn nicht. Und zwar ist das der Liebe Axel Kruse. Der hat ja unter anderem für Hertha gespielt, also Berufsfußballer, Unternehmer und auch mit einem eigenen Podcast am Start. Wenn Ihr wie ich blau-weiß seid oder meinetwegen auch rot-weiß, hört mal rein, Hauptstadtderby. Sehr zu empfehlen. Und ich bin insofern neugierig auf Axel, weil zum einen habe. Ich glaube ich viele Fan-Momente heute, und zum anderen ist er aber einer, der gerade geblieben ist. Also der sagt, wie es riecht und schmeckt, hat auch als Unternehmer Erfahrung von Naja. Ich glaube heute Buntes Bouquet für mich. Also lieber Axel, Es ist mir ein Vergnügen, Schön, dass Du da bist.
Axel Kruse: Ja, hallo.
Joël Kaczmarek: Ist ein bisschen was dran, aber was ich gesagt habe, Mit Masochismus geht es ja auch so mit Hertha?
Axel Kruse: Ja, also manchmal, Mein Sohn sagte Mal, ich habe ihm Hertha vermacht und ich habe ihm die Miami Dolphins vermacht im Football. Und er sagt immer: "Mann, was hast du mir dahinter hinterlassen? Hertha Laufend immer nur Ärger und performen nicht. Bei den Dolphins ist es genauso." Ich sage: "Ja, aber ich hätte ja auch sagen können, du kannst. Bayern München Fan werden. Dann hättest du immer gewonnen, aber das macht doch keinen Spaß. Immer zu gewinnen ist doof."
Joël Kaczmarek: Ja, das ist so ein Vater-Sohn-Ding finde ich beim Fußball viel. In meiner Einnahmefirma kam ich immer ins Büro oder gehe zu unserer einen Mitarbeiterin und sage: "Hertha Am Wochenende war ja ein bisschen blöd." "Ja, nee, Ich bin ja jetzt nicht mehr Fan." Ich sage: "Wie, du bist nicht mehr Fan?" Ja, ich wollte nicht immer für die sein, die verlieren. Ich wollte mal für die sein, die gewinnen. Ich bin jetzt Bayern-Fan und da habe ich gedacht, Alter.
Axel Kruse: Es gibt ja viele, wenn man überlegt in Berlin. Ich verstehe das nicht, wie man als Berliner oder wenn man hier wohnt. Und wenn man von mir aus München kommt, verstehe ich es ja vielleicht noch. Aber sonst, Wie kann man dann irgendwie? Bayern-München-Fan sein? Und man muss die Kinder von Beginn an auch da ein bisschen quälen, indem man sagt, nee. Aber Papa, in der Schule sind dann alle am Bayern-Trikot Und ich sage, nee, wir sind hier aus Berlin und Hertha. Und Papa hat auch für die gespielt. Und dann bleibt man Hertha-Fan Und dann muss man halt mitleiden. Und das macht es auch, glaube ich, ein bisschen mit aus.
Joël Kaczmarek: Mein erstes Spiel war 2. Liga, 5 zu 2 verloren gegen St.
Intro & Outro Speaker: Pauli. Von daher stimmt schon, Muss man so ein bisschen mit der Mutter mich.
Joël Kaczmarek: Aber okay, ich schweife ab. Magst du mir mal verraten, wie alt du eigentlich bist? Weil von wo aus gucken wir jetzt zurück auf die 20 Jahre?
Axel Kruse: Ich bin 58. Also, ich finde, die Frage war schon mal ein Witz. Das ist mein Problem, dass ich schon 58 bin. Mein Sohn ist jetzt gerade vor einer Woche 34 geworden. Da weiß man erst mal, wie alt man ist. Und ja, also die Rente, Die ist schon im Blick. Und alleine, wenn ich darüber nachdenke, dann wird mir schon schlecht.
Joël Kaczmarek: Dann haben wir noch ein bisschen Zeit. Aber ich weiß, was du meinst. Ab Schulzeitalter geht das Leben im Zeitraffer gefühlt. Gut, also 38 Jahre in der Rückschau. Lass uns mal reintauchen. Was ist das erste Ding, wo du sagst: "Das hätte ich gern schon mit 20 gewusst"?
Axel Kruse: Also, ich hätte gerne gewusst, wann mein Karriereende als Fußballer ansteht. Weiß Ich kann man so nicht sagen, aber ich habe ja schon mit 30 aufgehört. Mit 30 war mein letztes Jahr in der Bundesliga und man ist dann auch ein bisschen geschockt. Also eigentlich macht man sich irgendwie so das Thema, dass man mit 35, 36 höre ich dann irgendwann auf. Und das waren dann noch fünf, sechs Jahre und dann mit einmal Knieverletzung oder viele Verletzungen insgesamt. Und dass dann Schluss war, das hat mich dann schon schockiert, weil zum einen schießt du da, was machst du jetzt? Aber zum anderen habe ich vielleicht gedacht, naja, Dann genießt du vielleicht den ein oder anderen Moment mehr und sagst, ja, Aber ich habe ja noch ein bisschen Zeit, und das könnte ich noch erleben, und das könnte ich noch erleben. Nee, dann glaube ich, Fokussiert man sich mehr auf den Moment. Weil man weiß, es kann ganz, ganz schnell vorbei sein.
Joël Kaczmarek: Das stimmt ein bisschen. Heute ist so, Man spielt so bis 30, 33 auf hohem Niveau. Und dann feiert man nochmal ein bisschen in der Saudi-Liga oder in den USA ab. Und macht nochmal die Taschen ein bisschen voll, ehrlicherweise, ne?
Axel Kruse: Mein Vorteil war ja, dass ich danach noch fünf Jahre American Football als Kicker gemacht habe. Die Zeit will ich überhaupt nicht missen. Es war eine tolle Zeit, eigentlich sogar besser, als wenn ich vielleicht gesagt hätte oder ich hätte noch spielen können. Und wäre dann irgendwie in irgendein Land gegangen, wo das Niveau vielleicht nicht so hoch ist beim Fußball. Sondern nochmal eine neue Sportart zu machen, war einfach richtig schön. Hätte ich mir gewünscht, noch länger Profifußball zu spielen. Weil auch in der Rückschau, Es wird nie wieder so schön sein wie als Profifußballer. Das ist einfach viel Geld, wenig Arbeit, extrem, viel Spaß. Also muss man sagen, Als Profifußballer hat man extrem viel Spaß. Man kann eben das, was man von Kindesbeinen an gerne gemacht hat, wo man die Leidenschaft für hatte, das ist mit einmal der Beruf. Und ich habe immer gesagt, man, wieso geben die mir so viel Geld für den Quatsch? Ich mache ja auch umsonst, weil Fußballspielen macht man ja nicht. Wie gesagt, also die Motivation, Heute weiß ich das nicht bei manchen, aber die Motivation war nie Geld. Die Motivation ist, mit seinen Jungs zusammen zu sein, zu trainieren, am Wochenende mit den Jungs zusammen gewinnen. Die Kabine zum Beispiel, Das ist das, was extrem gefehlt hat. Dass man nicht mehr mit seinen Jungs zusammen in der Kabine ist, Spaß zu haben. Und das war dann schon ein Schock.
Joël Kaczmarek: Ich habe eine Million Fragen und vielleicht tauchen wir da mal ein. Wie war denn das, als du da aufgehört hast? Also, wenn er dich immer so geistig zurückversetzt, Kabine fehlte, Man wusste nicht, was man macht. Wie war es vorher, wie war es hinterher?
Axel Kruse: Also Erstmal bist du am Wochenende zu Hause und zwar immer zu Hause. Und ich konnte eigentlich gar nicht glauben, dass es wirklich... Man hat ja immer gesagt, Die Leute putzen am Samstagvormittag ihr Auto. So, Und dann habe ich aus dem Fenster geguckt und habe glücklich gesehen, Die Leute haben Samstagvormittag ihr Auto geputzt, mit einem Eimer und einem Waschlappen. Und dann habe ich mir auch einen Eimer und einen Waschlappen geholt und bin an meiner Frau vorbeigegangen. Und dann hat die gesagt, was ist mit dir los? Ich sage, ich gehe jetzt das Auto putzen. Und sie sagt, wie fordert eine Waschanlage? Nee, ich will jetzt mein Auto putzen. Also das... Das fand ich aber ganz gut.
Joël Kaczmarek: Das war eigentlich das,
Axel Kruse: nur nachmittags, dann, wenn du dann im Fernsehen siehst, Deine Mannschaft, deine Jungs, wie die spielen, Dann kommt schon ein bisschen Wehmut. Dann denkst du, ach, man, würde ich doch auch, Ich wäre auch gerne noch mit dabei. Also der Kopf weiß, Es geht nicht mehr und beziehungsweise der Körper weiß, dass es nicht mehr geht. Und der Kopf sagt aber, man, das wäre doch schön, wenn er vielleicht noch das eine oder andere Jahr dazu hat. Oder da dranhängen könntest.
Joël Kaczmarek: Wird man dann ein bisschen depressiv bei?
Axel Kruse: Ja, also? Ich habe dann schon auch eine Weile gebraucht und darüber nachzudenken, wie geht es jetzt weiter, was willst, du machen? Und ja, man schaut dann auch eine ganze Menge zurück, ist ja klar. Und ich würde jetzt nicht sagen depressiv, aber ja, man... Man hadert mit dem Leben dann. Obwohl man von vornherein weiß, Profifußballer ist endlich. Das weiß man. Zum einen körperlich, aber auch zum anderen die Konkurrenz. Kommt ja von hinten die Jungen, Die kommen jedes Jahr neu da rein, die wollen deinen Platz haben. Du musst jedes Jahr deinen Platz verteidigen. Das ist schwer und von daher, Depressiv würde ich es jetzt nicht nennen, Aber zumindest geht es in die Richtung.
Joël Kaczmarek: Was war denn der Grund, dass du nicht mehr Fußball spielen konntest, aber hier noch Pflaumen beim Football treten?
Axel Kruse: Naja, als Footballspieler, Ich habe immer gesagt, den Job hätte mir einer anbieten müssen. 20 Jahre früher oder 15 Jahre früher. Du kommst ja immer nur aufs Feld, Wenn die dicken Jungs nicht weiterkommen, dann schießt du den Ball zwischen die Stangen, Das sind dann so sechs, sieben Mal. Alle jubeln, machst immer am meisten Punkte. Und den Job hätte mir schon früher einer anbieten müssen, Da habe ich ihm auch Spaß gesagt. Also das war ja einfach, die Dinger da reinzuschießen. Aber bei mir war... Ich hatte Patellasehnenriss. Dann, ich glaube, Ein halbes Jahr, bevor ich aufgehört habe, Hatte ich einen Zusammenprall mit Jens Lehmann, wo ich acht Minuten bewusstlos auf dem Feld war. Und ich nenne das immer eine Ganzkörperverletzung. Es ging psychisch nicht mehr viel, aber physisch eben auch nicht. Und von daher war es dann schon klar... Ja, es ist Schluss. Und bei mir war es auch so ein bisschen, als wenn mir einer die Luft rausgelassen hatte. Ich kann mich noch erinnern, eines meiner letzten Spiele war zu Hause. Gegen HSV und im Olympiastadion gibt es am Marathon-Tor da die Uhr. Und es war so 17 Uhr oder so. Und ich stand in der Mitte vom Feld und habe mich geschämt. Eigentlich für den Gedanken. Habe dann gesagt: "Ach, Jetzt musst du hier noch eine Viertelstunde rumstehen." Eigentlich wollte ich nach Hause. Vielleicht ist das was von Depressionen, keine Ahnung. Aber ich hatte normalerweise, war für mich immer: Du musst gewinnen und ich will unbedingt gewinnen. Und ich war immer motiviert, egal, ob es im Trainingsspiel war oder in einem Bundesligaspiel sowieso. Und hat mir eigentlich viel zu viel Druck gemacht. Und dann mit einmal merkst du, es ist dir egal. Und der Gedanke ist fies. Das ist ein fieser Gedanke. Und da wusste ich, naja, das wird, glaube ich nicht mehr. Ja, das ist ein guter Zeitpunkt. Viele haben dann immer gesagt, man, Kannst du noch auf der Bank sitzen oder kannst du eben noch woanders hingehen? Spielst du wieder zweite Liga oder dritte Liga? Bin ich nicht, und das kann ich auch nicht. Also alleine der Gedanke, auf der Bank, da rumzusitzen und nur des Geldes wegen da zu sein, das wollte ich nicht, und es war wie, als wenn man die Luft rausgelassen hat.
Joël Kaczmarek: Ja, ich sag ja, gerade bleiben, find ich gut. Und sag mal, wie ist das? Ich hatte einen Soldaten im Interview und der sagte zu mir, also, der war Flieger. Und er sagte, ja, Da kommen meine jungen Soldaten und sagen, ich flieg mir den Kopf frei, ich muss mich erst mal frei fliegen. Hat er gesagt, Jungs, hört auf mit dem Scheiß. Wenn ihr hier rausgeht, in ein paar Jahren, dann passiert folgendes: ihr kriegt einen großen Abschied. Dann sagen die Tschüss, wird irgendwie die Trompete blasen und danach seid ihr weg. Und dann interessiert sich aber auch keiner mehr für euch. Dann müsst ihr etwas haben, wo Ihr hinkommt. Eure Familie ist so wichtig. Und ich frage mich gerade, wie war das denn bei dir, wenn du so aus dem Sport weggehst? Wie hat man Dich eigentlich verabschiedet? Also wie war so dieses, der Moment danach?
Axel Kruse: Naja, Es ist genau so, wie der gesagt hat. Es ist genau so. Tschüss, haben mir einen Wimpel in die Hand gedrückt, und dann war's das. Und dann ist übrigens so, Zu Fußballerzeiten hast du ganz viele, die, was von dir wollen. Die um dich rumstehen, du bist wichtig und dann, wenn du aufhörst, drehst du dich um. Und dann merkst du erstmal, wie Licht, das hinter dir ist. Also wie wenig Leute noch da sind, die dann weitergezogen werden. Keiner will mehr, was von dir oder viele merken. Okay, der ist jetzt nicht mehr der Kapitän von Hertha und die ziehen dann weiter. Und das ist dann schon, Ich würde nicht sagen Schock, weil mir war das irgendwie klar. Nur es ist unangenehm, dann. Also, es ist eben schnell vorbei und es ist eben auch ganz schnell, wo du nichts mehr bist, sag ich mal. Wo du dir Gedanken machen musst, wie geht es denn jetzt weiter?
Joël Kaczmarek: So ein bisschen wie wenn du die Schulterklappen abgerissen bekommst und hast keinen Rang mehr.
Axel Kruse: Ja genau, Ich meine... Wenn man ehrlich ist, du hörst mit 30 auf, also zwei Drittel. Deines Lebens stehen dir noch bevor. Und du weißt nicht genau, was du jetzt machen willst. Und das war natürlich, ja, ich habe dann wirklich, Ich glaube, monatelang bei mir auf der Terrasse gesessen und habe überlegt, wie willst du jetzt weitermachen? Und habe dann überlegt, was ist auch das Richtige? Also, ich hatte ja eigentlich einen Anschlussvertrag bei Hertha. Als im Managementbereich irgendwie hätte der lernen können. Ich habe aber gewusst, das ist schwierig, ganz, ganz schwierig. Ich ordne mich ungern unter und bin dann irgendwann zu der Erkenntnis gekommen, du musst alleine irgendwas machen, weil. Ich bin dann zur Hoeneß gegangen und hab gesagt, komm, Vergiss den Vertrag, Lass uns den Vertrag auflösen und haben die dann auch gemacht. Die haben sich ja gefreut, weil so ein. Wir haben immer gesagt, so einen Quertreiber wie Kruse, den braucht man ja nicht. Man braucht ja ganz viele Kopfnicker, die immer ja sagen und haben sich gefreut. Aber für mich war das dann auch eine Befreiung. Ist der schwerere Weg? Ja. Aber ich wusste, das wird schwierig, wenn du da irgendwie Geschäfts hast. Und ich kann auch nicht politisch entscheiden. Bei mir geht es immer um richtig und falsch. Und nicht politisch, nur weil mein Chef das Toll findet. Sag ich, Ja Chef, du hast recht. Das kann ich einfach nicht und ich glaube, dass da manche auch krank werden. Viele,
Intro & Outro Speaker: glaube ich.
Axel Kruse: Ja, glaube ich nämlich auch, weil meine Mutter hat immer gesagt, die Leute saufen nicht umsonst. Jeder hat einen Grund dafür und das eine. Saufen oder Drogen nehmen irgendwie, weil es geht, eben oft in der Wirtschaft oder auch im Verhältnis. Dann Chef, Angestellter, geht es eben nicht um richtig und falsch, um die Sache. Sondern es geht eben darum, wie komme ich am besten oder wie stelle ich meinen Chef am besten zufrieden.
Joël Kaczmarek: Würdest du denn eigentlich sagen, dass Fußballer gut darin sind, so einen Verein hinterher, auch wirtschaftlich oder strategisch zu führen? Weil ich meine, Man hat ja auch versucht. Also Dieter Hoeneß, den du gerade erwähnt. hast, ist ja auch ehemaliger Fußballer. Michael Preetz, Andreas Neuendorf, Gibt es ja so ein paar, die da aktiv waren. Merkst du, dass das was ist, was aufgeht oder ist das eigentlich zu weit? weg?
Axel Kruse: Naja, Es kommt immer darauf an. Also, es gibt ja eine Voraussetzung, dass du ehemaliger Spieler gewesen sein musst. Gibt es jetzt nicht. Und ich finde, du musst auch mehr haben, als nur ehemaliger Spieler zu sein. Aber es hilft natürlich, weil wenn du jahrelang Profi warst, hilft es natürlich erstmal, das Spiel zu verstehen. Und wie so ein Fußballverein tickt. Aber ich glaube, du musst dann schon über Weiterbildung nachdenken, also direkt nach Spielerkarriereende einen Verein zu führen, halte ich für völlig daneben. Und es kommt immer noch mal an, was für einen Aufgabenbereich hast du? Wenn man dann sagt: Okay, Sport und Medien. Was befähigt dich jetzt die Medien zu durchschauen? Direkt nach deinem Karriereende? Du musst dich da reinfinden, du musst da reingearbeitet werden und dann kann das funktionieren. Aber einfach zu sagen: "Bloß weil du immer Spieler warst." Das ist übrigens genau das Gleiche mit einem Trainer. Also bloß, weil Du Spieler warst, bist du noch lange kein guter Trainer. Christoph Daum zum Beispiel war mein Trainer in Stuttgart. Ich glaube, der hat vierte Liga gespielt oder irgendwie sowas und war ein toller Trainer. Der Wusste Wie funktioniert das Spiel und alles. Also, es ist keine Grundvoraussetzung. Einen Verein zu führen, dass du mal Spieler warst und schon gar nicht als Trainer, dass du hoch gespielt haben musst, um ein guter Trainer zu sein.
Joël Kaczmarek: Was würdest du sagen, was war so die Magie von Christoph Daum? Was hat dich da am meisten begeistert?
Axel Kruse: Christoph Daum war schon zu der Zeit, ich hatte den Ja. Von 1993 bin ich nach Stuttgart gegangen, und der war, was man heute sagt, einer der ersten Laptop-Trainer. Der hat ganz viel Detail versessen. Zu meiner Zeit waren oft Trainer, so, Die haben dann gesagt beim Training: "Ball in die Mitte geschmissen und legt mal los." Die waren dann übrigens auch alles. Die waren dann Fitnesstrainer, die waren Psychologe, die waren Taktiktrainer, die waren alles. Christoph Daum hat schon versucht, einen neuen oder anderen Ansatz reinzubringen, Ob das über Fitnesstrainer ging. Nur alleine mein Beispiel: Sein Co-Trainer, Koch hieß der, Den hat er mal losgeschickt nach Freiburg. Der hat den Platz vermessen. Naja, Das war ein wichtiger Punkt, weil wir haben am Wochenende in Freiburg gespielt und wir kamen dann Dienstag zum Training. Und dann war der Platz da abgekreidet und dann haben wir alle gelacht. Und ja, hat er gesagt, warum lacht Ihr denn jetzt alle hier? Na, wir hatten den Platz ja abgekreidet, welcher Idiot. So, und er dann, ja, wir haben den Abkreiden lassen. Ja, aber der ist ja viel zu breit. So, Und dann hat er gesagt, nee, der ist nicht zu breit. Genauso breit ist der Platz in Freiburg. Weil im Freiburg, im alten Stadion, war wirklich extrem breiter Platz, den, die da abgekreidet hatten. Und so haben wir dann natürlich die ganze Woche schon trainiert, um das in den Kopf reinzukriegen. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir trotzdem verloren. Nein, aber er war einer, der mit vielen Details gearbeitet hat. Er war als Motivator sensationell. Also muss man einfach mal sagen, der hat Ansprachen gehalten. Es gibt ja immer dieses, ich weiß nicht, ob du das kennst, Sommermärchen, Wo Jürgen Klinsmann da die Ansprache, hält. Naja, Wenn du eine Ansprache von Christoph Daum gehört, hättest, das war eine Ansprache. Jürgen Klinsmann, Das war eine Kinderansprache, Da hätten wir uns tot drüber gelacht. Aber das, Daum hat wirklich, Er hat dich angeguckt mit seinen stahlblauen Augen und hat dann losgegeben. Für mich war das übrigens ein bisschen zu viel. Weil er hat, weiß ich noch, Mein erstes Heimspiel mit Stuttgart war zu Hause gegen Kaiserslautern. Und zur Halbzeit stand es, war Pokalspiegelstand. 0-2. Christoph Daum kam in die Kabine, hat dann so ein paar taktische Anweisungen gegeben. "Ja das müsst ihr so machen." Und kurz bevor wir rausgegangen sind, kam er zu mir. Hat mich angeguckt und gesagt: "Kruse, hast du immer so einen großen Maul? Spielst du hier wie der letzte Penner? Was soll das gewesen sein? hier? Machst gar nichts!" Und hatte ganz viel Schaum bei mir im Gesicht. Wirklich im Mund ganz viel Schaum, weil. Er hatte genau den Wunden Punkt getroffen. Und dann: "Jetzt zeig mal endlich, dass du was kannst!" Also hat mich richtig motiviert, aber wie gesagt, hat mich angeguckt wie ein Irrer. Dann bin ich raus, und wirklich hatte ich schon Schaum vor dem Mund beim Rausgehen. So, Erste Aktion, langer Ball, Jolly Sverison köpft mir den Ball zurück. Boom, Ich mache ein Tor, 2-1. Noch mehr Schaum. Und dann war es irgendwie Mitte 50. Oder 55. Minute, Flanke von rechts. Mein Gegenspieler, Ich weiß übrigens bis heute nicht, Und das ist 35 Jahre her, fast, oder 30 Jahre her, Ich weiß bis heute nicht, ob das Hand war. Jedenfalls hat das ganze Staunend Hand gebrüllt, Weil mein Gegenspieler ging so mit dem Oberkörper zum Ball. Mich umgedreht, Der Schiri stand hinter mir und hat gezeigt, weiterspielen. Bin ich dem hinterhergelaufen wie ein Irrer, hab den am Arm festgehalten, hab ihn angebrüllt. Was pfeifst Du für eine Scheiße, du Penner? Also völlig durchgeknallt. Und dann wollte er sich irgendwie losreißen, jedenfalls Körper an Körper. Dann ist der hingefallen und lag auf dem Boden. Und dann wusste ich, Oh Mist, Das ist eine ganz blöde Situation. Und dann hat er seine roten Karten wieder eingesammelt. Oder die Rote Karte, hat mir die rote Karte gezeigt. Das war dann für mich das erste Heimspiel. War klar, Zeitungen waren voll, Kruse der Irre und alles. Habe ich zehn Wochen Sperre drauf gekriegt? Und insgesamt 13 Spiele. Also für mich war eben diese Motivationsrede von Daum, Es war einfach zu viel. Es war einfach, ich war von Natur aus, motiviert. Also, er hätte jetzt nicht mich noch weiter hoch pushen dürfen. Also, ich will jetzt übrigens ihm nicht die Schuld geben, Aber das war natürlich einfach ein Fehler. Und da kommen wir, glaube ich dann irgendwann zu meinem dritten Punkt, den haue ich jetzt einfach mal rein: Lerne wie man mit Druck umgeht. Also, für mich war ja der Druck, mein erstes Spiel zu zeigen, dass ich was drauf habe, dass sie mich zurecht verpflichtet haben. Und dann eben kommt einer wie Daum, der mich dann noch hoch pusht. Und das ist dann halt, wie man mit Druck nicht umgehen sollte. Und ich habe natürlich mein Ventil gesucht. Beim Schiri, der Schiri ist schuld. Das weiß ich aber erst heute. Ich bin ja vom Typ her eigentlich ein ruhiger Zeitgenosse. Aber beim Fußball war... Es ist wirklich alles geplatzt, manchmal. Und das ist am Ende nur eine Reaktion gewesen. Auf den Druck, den man sich selber macht, Aber auch der Druck von von Trainern kommt, von Zuschauern kommt und alles. Und das habe ich damals so nicht gesehen.
Joël Kaczmarek: Na, gut, Zu dem Punkt führe ich mich gleich noch hier, du Schlingel. Vorher will ich ja gerne mal wissen, wie hat er denn reagiert? Was hat ein Daumen gesagt, als du in die Kabine bist?
Axel Kruse: Das war ein Freitagabendspiel. Ich habe dann in der Kabine die Flaschen durch die Gegend geschmissen und habe die Kabine fast zerlegt. Und bin dann auch, Wir haben nicht mehr gesprochen an dem Freitag. Und dann war am Wochenende ein Riesentheater. Ich meine, das war die Zeitung, Boulevardzeitungen haben sich gefreut. Alles klar, Schlagzeile der Irre und Bild-Zeitung Erste Seite und schlimm. Und zum Glück war mein Sohn da, gerade mal zwei Jahre alt. Der konnte das alles gar nicht mitkriegen. Oder hat das nicht so mitgekriegt. Und am Montag kam ich zum Training. Ich wollte wirklich aufhören. Ich wollte aufhören mit Fußball. Ich habe zu Christoph Daum, weil ich mochte den Fußball. Der wollte mich unbedingt haben, und der hat sich auch eingesetzt, dafür, dass die mich verpflichten. Und es war natürlich für ihn auch eine blöde Situation. Dann bin ich zu ihm Montagmorgen reingegangen und habe gesagt: "Äh Trainer, vergiss es einfach, Zerreiß meinen Vertrag." "Ich Hör auf, ich hab keine Lust mehr." Mit dem ganzen, was da auf mich medial eingestürzt war, war das unangenehm. Dann hat er mich angeguckt und hat gesagt: "Bist du bescheuert? Was ist denn mit Dir los?" "Der hat sich doch selber hingeschmissen da, das war nix." Ich glaube, er hat sogar gesagt, es wäre eine Schwalbe gewesen von dem. Und ja, kassierst du jetzt eine Fette Sperre dafür, alles sowas, In der Zeit trainierst du hart und danach kommst du besser wieder zurück. Also ohne den hätte ich wahrscheinlich wirklich aufgehört. Er hätte gesagt, kannst du mal einen Vertrag zerreißen? Und das fand ich auch menschlich einfach überragend. Weil da hat man natürlich auch gesehen, in so einer Situation, Wer denn alles so aus seinen Löchern gekrochen kommt und dann auch sich ein Urteil bildet. Und der war halt, Er hat gesagt: "Erstens war es nichts und zweitens Kassier die Strafe." "Und Danach kommst du gestärkt aus dieser Situation wieder zurück." Und davor habe ich immer den Hut gezogen. Es war einfach großartig. Und das zeigt eben, dass er ein guter Mensch war. Weil... Ich hasse das ja auch, wenn Leute, die am Boden liegen, dass man da noch rauf trampelt. Und das hat er nicht gemacht. Und deswegen... Ja, war ein Cooler Trainer.
Joël Kaczmarek: Und Simmer, du hast, erzählt... Dass du dich gefragt hast, warum Sie sich eigentlich bezahlen. Das macht dir so einen Spaß, würdest du für umsonst machen? Ich habe das bei meinem Beruf auch. Und ich frage mich bei Fußball aber, weil ich war auch so ein Tsubasa-Ozora-Kind. Weißt du, den Ball immer am Fuß, Den Ball lieben, der Ball dein Freund. Hat man diesen Spaß trotzdem noch, wenn man Fußball beruflich macht? Ist es dann auch noch ein Vergnügen oder ist es dann irgendwann Pflicht? Und man hat nicht mehr so einen Bock?
Axel Kruse: Naja, Das ist nicht immer ein Vergnügen, aber meistens. Es ist schon schön, wenn du Rauskommst im Olympiastadion, Da sind 70.000 Leute. Oder du spielst in Dortmund, Da sind dann 60.000 oder 70.000. Ich glaube, zu meiner Zeit passten da nur 60.000 rein oder so. Die Atmosphäre, Es ist beides. Es ist zum einen Druck, und ich glaube auch, Angst zu versagen. Aber zum anderen, dafür hast du ja trainiert wie ein Irrer. Du wolltest ja da immer hin. Und manchmal redet man sich dann auch ein, Das ist, glaube ich, aber ein Fehler, dass die nur wegen dir gekommen sind in den Stadion. Aber das ist der Traum von ganz vielen Fußballern. Und du selber schaffst es. Irgendwann mit einem gewissen Alter merkst du dann, Es ist auch ein Geschäft. Oder ziemlich schnell merkst du dann, Es ist ein Geschäft. Aber trotzdem, du kannst das machen und was du wirklich immer wolltest und kriegst dafür noch Geld. Also, ich habe übrigens schon, Auch im Osten, im Osten haben Sie uns immer, erzählt, Bei Hansa Rostock gibt es keinen Profifußball bei uns. Und ich weiß noch, da war ich 18, dann hat, Ich habe so meine ersten Spiele gemacht. Und dann hat Juri Schlünz, Der war Kapitän damals, gesagt, warst du schon beim Chef oben? Dann habe ich gesagt, wie beim Chef oben, was soll ich da? Ich habe nichts gemacht. Ja, nee, aber heute ist doch Dienstag. Was willst du von mir? Muss ich jetzt immer Dienstag zum Chef oder was? Dann hat er gesagt, halt es morgen, komm mit. Dann sind wir hochgegangen und dann stand die ganze Mannschaft im Flur. Und einer nach dem anderen ist immer zum Chef reingegangen. Und alle kamen lachend, grinsend, raus. Und ich als Jüngster, klar, die jüngsten ganz zum Schluss. Dann bin ich auch irgendwann rein. Und dann hat der... Der Chef Robert Pischke ist der, Der war so wie eine Art Präsident von dem Verein. Hat dann gesagt, ja und bei uns. Leistung, lohnt sich ja und muss sich auch lohnen. Und das ist auch wichtig und alles und legt mir 400 Mark auf den Tisch. Muss man zum Vergleich mal sagen. Also meine Mutter hat, glaube ich. Irgendwie 600 verdient und mein Vater 700 im Monat und legt mir 400 Mark auf den Tisch. Und sagt, ja, das ist die Siegprämie für das letzte Wochenende. Aber das ist nur ein Anfang, weil eigentlich... Eigentlich gab es 1000 Mark, Aber weil ich junger Spieler war und das muss ich mir erst verdienen, dass ich auch die volle Prämie kriege. Und ich meine, ich war damals Lehrling, habe 80 Mark Lehrlingsgeld gekriegt oder so? Und der legt mir 400 Mark auf den Tisch. So viel zur Verlogenheit der Kommunisten, Dass ihr alles schön, gibt keinen Profifußball. Aber das war natürlich noch, also ich meine, Ich habe mich gefreut, in der Mannschaft zu sein, dass ich in der Mannschaft bin, wie geil. Und dann gibt es da auch noch Geld für, also mit Besseres konnte ja gar nicht passieren.
Joël Kaczmarek: Geiles Bild. Und sag mal, jetzt bin ich natürlich, ich habe mich verführen lassen, abzuschweifen. Dein Punkt war ja eigentlich, du hättest gerne gewusst, Wann dein Karriereende ist. Was wäre denn anders gewesen, wenn du gewusst hättest, an dem und dem Datum ist Schluss?
Axel Kruse: Die Diskussion, die wir jetzt führen, ist ja alles hypothetisch. Wenn ich es gewusst hätte, wie gesagt, Ich hätte vielleicht in jedem Training noch mehr reingehauen, vielleicht es noch mehr genossen, auch. Erstmal das Genießen des Ganzen. Ich hätte vielleicht jedes Spiel noch mehr genossen, als wie ich es vielleicht gemacht habe. Also, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall wäre es irgendwie schön gewesen, weil es wie gesagt, irgendein Schock war, dass es dann vorbei war.
Joël Kaczmarek: War das eigentlich so? Arztbesuch Nächste Woche Schicht oder war das so halbes Jahr Vorlauf?
Axel Kruse: Halbes Jahr Vorlauf. Es ging immer, wie gesagt, zusammenprall mit Lehmann, Dann Patellasehne gerissen und du kommst ja nicht mehr ran, dann. Dann war irgendwann, Ich habe zum Beispiel versucht, ich habe unseren Arzt gefragt, weil du musst ja wieder auftreten. In die Muskulatur. Mit dem Knie ging das schwierig oder war schwer. Und dann habe ich den gefragt, naja, ob er mir nicht ein bisschen Anabolika geben kann. Das ist ja eigentlich dafür da, um das Bein aufzutrainieren. Da habe ich gesagt: "Ja, auf gar keinen Fall mach das auf gar keinen Fall!" Und das lohnt sich einfach nicht. Also der Venni auf die Idee gekommen, mir sowas zu geben. Oft in so einer Dopingdiskussion sage ich das immer. Als Spieler oder als Sportler: bist du schnell mal dabei zu sagen: "Ich will doch aber noch weitermachen. Ich will doch besser werden." Und dann brauchst du halt einen vernünftigen Arzt, der sagt: "Nein, Mach DAS nicht." Also daran sieht man auch die Verzweiflung. Die man dann auch selber hat, weil das Schönste, was ich vorhin gesagt habe, das Schönste, was Du haben kannst als Fußballer ist Profisportler. Du verdienst damit dein Geld und Du kannst dein Hobby zum Beruf machen. Und damit einmal ist es vorbei.
Joël Kaczmarek: Sag mal, Wie gehen denn Menschen, die Dich dann auch beruflicher? Dafür nutzen in diesem Sport, mit deiner Gesundheit um? Weil mir ist damals so in Erinnerung geblieben, als dieser Clash mit Pep Guardiola und Bayern München war, mit Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der immer gesagt hat, hier. Der Guardiola wollte immer, dass die Fit gespritzt werden, Mit Kortison spritzen, hat die Leute nach Spanien geschickt und der Müller-Wohlfahrt war eher so einer, Der konnte dir Hand auflegen und dir sagen, welche Faszie bei dir sozusagen Krumm liegt. Und er hat gesagt, mach ich nicht. Und das hat mich schon zum Nachdenken gebracht, weil. Ich wäre jetzt nicht so ein Fan davon, wenn ich irgendwie ein kaputtes Bein habe, da eine Kortisonspritze reinzukriegen. Aber da verstehst du ja, du bist ja dann ein Rädchen im Getriebe, Was funktionieren muss. Wie hast du das in deiner Karriere erlebt? Wie geht man mit der Gesundheit von Spielern um?
Axel Kruse: Naja, Man darf ja eben nicht vergessen, Profisport, Es gibt viel Geld, und du musst den Preis dafür auch bezahlen. Ich kann ja nicht sagen, ich kann nicht wie ein normaler Angestellter sagen, kann ich nicht sagen, ich bin jetzt heute mal krank geschrieben, weil ich einen Pickel auf dem PO habe. Also verstehst du, was ich meine? Das ist natürlich ein ganz schmaler Grad, ja. Aber natürlich spielst du auch mit schmerzstillenden Spritzen, du spielst auch manchmal mit Medikamenten. Es war auch, glaube ich, damals ein bisschen zu viel, dass man dann vielleicht mal die ein oder andere Ibuprofen zu viel genommen hat. Und es war damals völlig normal. Aber wenn du nur spielst, wenn du keine Schmerzen hast... Naja, dann wirst du wenig spielen. Also von daher, da musst du eben durch. Wenn du Samstag, Mittwoch, Samstag mit Eintracht Frankfurt haben wir international gespielt, dann nimmst du halt mal die ein oder andere Schmerztablette bzw. Auch der Arzt. Also, ich hatte mal in Stuttgart einen Leistenbruch, und da habe ich natürlich wochenlang mit Spritzen gespielt. Ich konnte gar nicht trainieren. Und dann hast du am Wochenende deine Spritzen gekriegt und dann... Dann hast du ein Spiel gemacht. Aber ich finde, also für mich, für mein Denken war das immer, Das gehört mit dazu. Weil ja, du kannst nicht sagen, also hört mal zu, Ich will hier exorbitant viel Geld haben. dafür, Beziehungsweise kriege dafür. Ich muss eben auch, was zurückgeben und dass das die Gesundheit, dass das nicht gesund ist, würde man so sagen, ist, glaube ich, auch irgendwo normal, oder? Also würde ich jetzt mal so... Bei uns, wie gesagt, lagen ganz viele. Für uns war das normal, wenn man Aspirin aufgelöst, in Wasser mal vorm Spiel, um weniger Schmerzen zu haben. Das waren normale Dinge. Jetzt kann man das bewerten, das geht nicht, aber ich finde, ja.
Joël Kaczmarek: Ich finde es mit dem Preis ganz nachvollziehbar. Was warst du eigentlich für einer an der Kabine? Was warst du denn für eine Type?
Axel Kruse: Wie meinst du?
Joël Kaczmarek: Was war so deine Rolle? Wie hast du dich da verhalten?
Axel Kruse: Meine Rolle in der Kabine? Ja.
Joël Kaczmarek: Ich hätte jetzt nicht gedacht, du warst so die Kotterschnauze da. Hast du immer einen Spruch gehabt? Hast du die Leute motiviert? Und ein bisschen so... .Die。 Jungen unter die Flügel genommen väterlich?
Axel Kruse: Ja, später nachher. Also Ich hab... Man hat DAS ja... .MAN。 Hat das ja gelernt. Also wenn bei Hansa Rostock zum Beispiel... Ganz andere Zeit, nicht so wie heute. Heute kann ja ein 18-Jähriger schon seinen Maul aufreißen und kann den 28-Jährigen auch öffentlich kritisieren. Das war zu meiner Zeit, wo ich 18 war, unmöglich. Ich bin da reingekommen, ich wusste gar nicht am Anfang, sage ich jetzt sie zu denen? Also das waren ja meine Idole. Also Hansa Rostock, Rainer Jaraus war zehn Jahre älter als ich. Das war der Crack da vorne im Sturm. Hab den immer umgeschrieben, wenn ich den angesprochen habe. Weil eigentlich wollte ich es, zu dem sie sagen. Oder hätte ich es... Und dann hat man sich da untergeordnet. Und du bist halt wie ein Lehrling. Du bist halt ein Lehrling, du musst gucken, was machen die Alten. Und die Alten haben das Sagen, das ist einfach so. Und dann musst du dich Step by Step nach oben arbeiten. Also nur mal als Beispiel, als 18-Jähriger, Bei Hansa gab es zwei Kabinen, In der Mitte war die Dusche und hinten die Fiffis. Hinten waren die 19-Jährigen die... Die nicht wirklich dazugehörten. Und nach einem Jahr kam Juri Schlünz nach hinten, Ich hatte so einen Stuhl da mit einem Haken irgendwie und hat gesagt: "Kannst nach vorne kommen." Das war dann so eine Art Ritterschlag. Das war dann so ein Ding: Okay, der ist jetzt, der hat jetzt hier ein Jahr mitgemacht, hat sich nach vorne gearbeitet, hat Leistung gebracht und deswegen kann er sich jetzt hier vorne umziehen. Ich bin trotzdem hinten geblieben, weil es schöner war. Aber nur so vom... Vom Ganzen, wie das so abgelaufen ist. Und...
Joël Kaczmarek: Wie sind wir an deiner Prime, wie man heute Neudeutsch sagt? Also, wo du so auf der Spitze der Karriere warst. Was warst du da für ein Karrieretyp?
Axel Kruse: Ich hab am Anfang auch mal. Christian Fehrmann, heute Stadion-DJ bei Hertha, Der sagte immer: "Ich habe mich ein halbes Jahr mit ihm nicht unterhalten." Ich wusste nicht mal, wie der heißt. Ja, und genauso ist es. Weil Ich musste mir den Respekt verdienen, bei meinen Mitspielern, bei Hansa Rostock, bei den Alten. Und so war das dann später auch. Warum soll ich mich mit dem unterhalten? Zeig erstmal, dass du hier ein Profi bist, dass du dazu gehörst. Viele denken doch heute, die haben einmal mittrainiert und die gehören jetzt dazu. Nein, du gehörst erst dann dazu, wenn du dir den Respekt der anderen Leute erarbeitest. Dann gehörst du vielleicht dazu. Vielleicht war es ein bisschen zu grob, weil hätte ich vielleicht nur ein Vierteljahr mit ihm nicht sprechen dürfen. Mag ja sein. Es wird ganz viel, immer von Respekt gesprochen. Ja, Respekt ist auch erstmal Leistung zu zeigen, bevor ich was haben will. Und deswegen war ich da der Typ, dass ich erstmal geguckt habe, okay, der reißt sich den Arsch auf, der versucht und... Früher war übrigens ganz viel Prämie, also Spielprämie. Also gab es. Heute haben die 80% ihres Gehaltes auf sicher. Bei uns waren 50% Gehalt, und der Rest musstest du dir durch. Siegprämie, Einsatzprämie verdienen. Das heißt also, wenn einer nicht funktioniert hat im Spiel, und du hast ein Spiel verloren, dann war die Prämie weg. Aber wenn einer eben ein Tor gemacht hat, gut gespielt hat, dann hat er die Prämie mitverdient. Und dann hat der meinen Respekt. Woher? Wie gesagt, nur, dass Du da bist, kriegst Du meinen Respekt nicht.
Joël Kaczmarek: Ja, ich habe gerade ein Interview gesehen von Uli Hoeneß, der hier meinte, bei Lennart Kahl, Der spielt super, Aber einen 18-Jährigen nach drei guten Spielen mit Lionel Messi zu vergleichen, ist irgendwie ein bisschen komischer. Gedanke unserer Zeit. Ja,
Axel Kruse: wenn man manchmal sieht, wie junge Spieler, Welche Ansprüche, die auch schon stellen. Mann, Ich finde ja, es gibt nichts gerechteres als Profifußball. Weil du musst dich durchkämpfen, nur Leistung zählt und deswegen zeig was. Also, dann gibt es ja ganz viele, die sagen, der Trainer mag mich nicht. Ja, genau, es mag ja mal sein, dass ein Trainer dich nicht mag. Aber wenn überall, wo du dann bist, Alle Trainer mögen dich angeblich nicht? Nee. Und übrigens Der Trainer wäre ein Vollidiot, wenn er jemanden nicht spielen lässt, der ihm den Sieg bringt oder der ihm einen besseren Teamerfolg garantiert. Wäre da doch ein Idiot. Also worauf ich hinaus will, bevor die Klappe aufreißt, zeig erst mal was. Und das war immer mein Punkt auch in der Kabine. Und ja, ich habe ein gutes Beispiel. Michel Dinsey, den kenne ich noch aus. Stuttgart. Der hat ja bei Hertha gespielt, später nachher St. Pauli. Und Dinsey kam nach Stuttgart, hat der eine große Klappe gehabt. Und dann hat er im Training ganz ordentlich gespielt, aber immer ein großes Maul gehabt. Und dann hat er einmal gespielt. Und wie wir alle, wenn du das erste Mal vor so vielen Zuschauern spielst, das kann extrem lähmen. Das kann extrem lähmen. Und so war es bei ihm. Der hat jeden Ball zum Gegner gespielt. So, ich hab dann zu Jürgen Röhrwein gesagt: "Nimm den raus, vergiss es einfach nach 20 Minuten." Das ging einfach nicht. Dann wurde er auch ausgewechselt und dann war er natürlich so klein mit Hut. Dann bin ich zu ihm hingegangen und hab gesagt: "Junge, ist kein Problem, das ist uns allen passiert, aber hat nicht immer so ein großes Maul? Tu nicht immer so, als wenn hier so... Erstmal musst du, was zeigen, bevor du eine große Klappe haben kannst, aber mach dir keine Sorgen, Ich wollte ihm ja auch helfen." Mach dir keine Sorgen. Ist uns allen passiert, dass man... Das ist dann so... Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Du stehst auf dem Feld und bist gelähmt. Kannst deine Leistung gar nicht abliefern, weil so viel Druck von außen kommt, Die Zuschauer, so viele Eindrücke, dass du deine Leistung einfach nicht abrufen kannst. Bist auch zu aufgeregt dann und alles. Und du bist dann so... Ich weiß nicht, wie man das nennt. Ja, wie gelähmt. Und das ist aber völlig normal. Das kann jedem passieren. Nur, Der hat das dann gerafft und hat dann gesagt, ich sage du, Acker weiter, Dann bist du beim nächsten Mal wieder drin oder vielleicht brauchst du drei, vier Spiele, wo du wieder drin bist. Aber versuch, das zu verarbeiten und das Beste daraus zu ziehen, und dann ist das kein Problem. Und das meine ich ja damit. Nicht vorher schon meinen, Man ist ein Crack und man kann ganz, ganz viel. Und man hat ganz viel auch zu erwarten von seinen Mitspielern. »Es ist im normalen Betrieb doch auch so.« Wenn du irgendwo hinkommst und bist Lehrling, Na, ja, dann solltest du vielleicht erst mal ein bisschen ruhiger sein. Und nicht den alten Leuten sagen, wie das Leben funktioniert.
Joël Kaczmarek: Fair, fair.
Axel Kruse: Oder?
Joël Kaczmarek: Aber komm, ist ein guter Punkt. Du hast ja jetzt deinen dritten Punkt. Wir machen jetzt zu deinem Zweiten mit dem Druck. Also, wie hast du, glaube ich, gesagt, lerne, wie man mit Druck umgeht. Das Learning, Was ich rausgezogen habe. Triffst du das?
Axel Kruse: Ja, absolut. Also mit Druck. Wie ich das vorhin gesagt habe, Bei mir war es ja immer so, dass ich auch die eine oder andere rote Karte kassiert habe. Manchmal auch im Training die Nerven verloren habe, weil. Ich glaube, mir selber, den Druck zu sehr gemacht habe und natürlich der Druck von außen auch einfach zu groß wurde. Und das ist eben im Profisport, so. Es ist ganz, ganz wichtig, den Druck in die richtige Bahn zu lenken. Ich habe mich immer gefragt, zum Beispiel Michael Jordan. Michael Jordan, Diese technischen Sachen war der natürlich überragend, aber vom Kopf her. Ich kann mich noch erinnern, ich weiß gar nicht, welches Jahr das war, wo der im Spiel 6 irgendwie 8 Sekunden vor Schluss den Ball hat, läuft ganz locker Richtung Korb und... Acht Sekunden vor Schluss wirft er den Korb, hat den Arm noch oben. Und so siehst du richtig, Mit welcher Freude, Mit welcher Sicherheit, der das Ding da reingeschmettert hat. Und ich habe dann irgendwann gelesen, dass er gesagt hat, warum soll ich mir Gedanken machen? darüber, wie ich den verwerfe? Die Gedanken hatte der gar nicht, dass er den Ball verwerfen könnte, weil normal hast du einen Eisenarm oder wie beim Tennis, wenn du den Matchball hast, hast du auch einen Eisenarm, sagt man immer so schön. Oder beim Fußball versteckst du dich, vielleicht das ein oder andere Mal. Oder kriegst eben ein Eisenbein, wo du mit einem Mann keine Kraft mehr im Bein hast und so. Und wenn ich das schon gewusst hätte, wie man das ausblendet. Und da ist eben ganz, ganz viel Arbeit auch mit Psychologen, mit Fachleuten. Zu meiner Zeit war das eben nicht so. Dass man da mit Experten gearbeitet hat, Heute gibt es Teampsychologen und alles. Das ist schon... Das hätte ich gerne gewusst, warum ich in bestimmten Situationen so reagiert habe, wie ich reagiert habe.
Joël Kaczmarek: Wie würdest du das heute machen? Also was war dann so dein Weg, Druck zu kanalisieren?
Axel Kruse: Ich hatte gar keinen so richtig. Es ist ja immer so selbst... Man hat das ja auch gar nicht so wirklich zugegeben. Also wie sehr öffentlicher Druck auf einem lastet, merkt man erst, wenn man aufhört. Weil wenn mich einer als Spieler gefragt hätte, hast du jetzt hier Druck und findest du das, Hast du auch manchmal Angst, das gibst du gar nicht zu. Nein, das ist alles, Da habe ich alles im Griff und kein Problem. Und erst, wenn du aufhörst. Merkst Du eigentlich, was von Dir abfällt. Du darfst auch nicht vergessen, ich habe immer gesagt, Ein Spieler spielt sich sein Leben auf dem Balkon ab. Jeder darf zugucken, Ob das privates Leben ist oder das Leben im Stadion. Jeder darf deine Arbeit bewerten. Stell dir mal vor, du an deinem Schreibtisch. Und da sitzen jedes Mal 80.000 Leute, die deine Arbeit bewerten. Jedes Mal. Und zwar von Woche zu Woche. Beim Training gucken die Leute zu, Übrigens ist das auch Druck. Wenn beim Training, Heute dürfen die ja nur noch zweimal zugucken beim Training. Früher war jeden Tag, konnten die zum Training kommen. Und da willst du, Selbst wenn es nur 100 Leute sind, willst du auch gut performen. So, Das ist auch ein Druck. Und nachher beim Spiel auch. Und wenn du aber aufhörst, merkst du, welche Last auch zum Teil von dir abfällt. Ab letztem mit Fabian Lustenberger darüber gesprochen, der hier bei Hertha gespielt hat. Der junge Kerl, mit dem ich wirklich gut befreundet, bin. Und darüber haben wir auch gesprochen. Er sagt: "Ja, genau so ist es, wie du sagst." Genau so. Also, das ist auch eine Befreiung, irgendwie. Obwohl es das ist, was du dein ganzes Leben immer machen wolltest, Ist es am Ende auch eine Befreiung, dass nicht jeder deine Arbeit beurteilen kann.
Joël Kaczmarek: Wie fühlt sich das denn an? Also wie hat es sich für dich angefühlt, wenn du da am Sonntag saßt, hast du die B.Z. am Sonntag in der Hand und liest über dich. Eine Spalte, dass du der letzte Penner in dem Spiel warst? Oder auch das Gegenteil, dass du der Kracher warst. Wie geht es denn einem damit?
Axel Kruse: Am Anfang habe ich denen Misti geglaubt. Am Anfang glaubst du jede Schlagzeile. Mein allererstes Heimspiel für Hertha war 1990 gegen Hannover zu Hause. Wir haben wirklich ein Grottenkick, Grottenspiel und haben 1:0 gewonnen. Ich habe in der 89. Minute Einen Elfmeter reingehauen. Da sieht man auch manchmal, wie man durchgeknallt ist. Ich weiß noch, der Elfmeter war keiner wahr. Ich hab mir den Ball genommen. Und dann kam unser Kapitän Dirk Reiser und hat gesagt: "Eigentlich schieße ich hier den Elfmeter." Da hab ich gesagt: "Ja jetzt nicht mehr." So, und hab den Ball, hab mir den hingelegt und wollte den rechts unten reinschießen. Der ist rechts oben unter die Latte gegangen und dann hinter die Linie, also war ganz knapp drin. Und hat sich gejubelt innerlich: "Ach du Scheiße, wenn du jetzt den Elfmeter verballert hättest, was für ein Scheiß!" Und na jedenfalls nächsten Tag. Schlagzeile: "Große rettet Hertha." Die Schlagzeile denkst du: "Ah wie geil, Das lesen alle alle Leute auf der ganzen Welt. Ungefähr lesen das." Umgekehrt, weiß gar nicht, Wann das war, Jedenfalls haben wir das Öfteren verloren. Und dann schlage ich die Zeitung auf, Da waren dann so Bratwürste und an der Spitze der Bratwurst war mein Kopf. Also von uns allen. Nee, DER Kopf, Also Herr Hertha hat die Bratwürste. Das ist natürlich genau das ganze Gegenteil, was sich dann runterzieht. Und irgendwann merkst du dann, Das ist alles nur wie Theater, Es ist alles nur Show. Und irgendwann merkst du dann übrigens auch, Nichts ist älter als die Schlachtzeile von gestern. Das merkst du dann auch. Aber erstmal nimmst du das alles auf für dich. Und das Schlimme ist ja, dass deine Eltern, deine Freunde, deine Familie insgesamt, Die lesen das auch und was das, mit denen dann auch macht und… Das ist unangenehm. Also, du musst den Leuten dann irgendwann auch erklären, komm, vergiss es einfach diesen ganzen Quatsch da, diese ganzen Schwachmaten, die das, die so was schreiben. Die machen sich nämlich gar keine Gedanken darüber. Weil Kritik ist ja das eine. Aber das hat ja mit Kritik nichts mehr zu tun, wenn du da eine Bratwurst bist oder irgendwie sowas.
Joël Kaczmarek: Gab es sowieso einen Moment, der dir in Erinnerung geblieben ist, wo du gesagt hast oder so gemerkt hast, Jetzt setze ich hier emotional den Stahlhelm auf, Das perlt alles nur von mir ab. Ich habe so eine Leck mich am Arsch. Stimmung, Was diese öffentliche Kritik angeht. Gab es das?
Axel Kruse: Also so richtig abgeperlt, Du redest Dir das ein. Du redest dir ein, naja, Jetzt sollen wir alle mal einen Buckel runterrutschen, aber innerlich zerfrisst dich das. Gerade das Positive, das beflügelt dich ja, aber das Negative, das zerfrisst dich. Übrigens nur mal ein Beispiel, wie… Wie es auf deine Leistung sich auswirkt. Wir haben mal gespielt. Mit Eintracht Frankfurt gegen HSV zu Hause. War irgendwie Vierter gegen Fünfter und war ein enges Spiel, weil wir, oder sollte ein enges Spiel werden, weil wir mit Frankfurt, Wir wollten unbedingt in den internationalen Wettbewerb, Das war damals Pflicht mit der Mannschaft. Und nach 60 Minuten Stand 6-0 für den HSV. Zu Hause, Wir haben zu Hause gespielt. Und glaub mir eins, Die Zuschauer waren dann schon so, Die haben nicht mehr gepfiffen, sondern gelacht. Es war ein bisschen
Joël Kaczmarek: Kein Humor.
Axel Kruse: Ja, genau. Du kriegst nichts mehr zustande. Dir tut auch mit einmal alles weh. Dir tut der Oberschenkel weh, dir tut der Rücken weh. Dir tut alles weh, wenn es nicht läuft. Andersrum, Wenn es gut läuft, du hast schon ein Tor geschossen, führst 2-0 und hörst die Leute, die dich hochpushen, Die deinen Namen brüllen. Ja. Du hast keine Schmerzen. Es ist einfach ein Traum. Es ist einfach ein Traum und du könntest noch stundenlang weiterspielen. Also bei 06 habe ich gedacht, nach 60 Minuten, Damals konnte man nur zweimal auswechseln und ich wollte, komm, jetzt Lass dich schnell auswechseln, dann musst du den Mist nicht mehr ertragen. Dann gucke ich zur Seitenlinie, dann steht der dicke Jeboah da und hat sich an den Oberschenkel gefasst, Weil der hatte den gleichen Gedanken wie ich. Wurde als Zweiter dann ausgewechselt und dann war es vorbei. Dann musste ich noch eine halbe Stunde weiterspielen. Und du triffst nichts. Wie gesagt, Dir, tut alles weh. Aber andersrum ist es eben, Wenn die Leute dir zujubeln und alles, dann denkst du, Hoffentlich ist das Spiel nicht gleich vorbei. Denn du willst weiterspielen. Wir haben mal mit Frankfurt zu Hause gespielt, gegen Schalke. Haben wir 5-0 gewonnen. Ich habe zwei Tore geschossen. Ich habe während des Spiels immer auf die Uhr geguckt, Hoffentlich ist das nicht zu Ende. gleich. Da willst du nicht, dass es vorbei ist. Und das sind dann die Spiele, die du auch nicht vergisst. dann.
Joël Kaczmarek: Wusstest du, du hast mit Anthony Yeboah und Okocha gespielt, damals?
Axel Kruse: Ja, Okocha kam später nachher. Ich habe am Anfang mit Uli Stein, Yeboah, Charly Körbel noch ein Jahr mit Charly Körbel gespielt. Das war eine tolle Mannschaft. Also, das war Andi Möller. Der mit dabei war. Ralf Falkenmayer, Ralf Weber, Edgar Schmitt, Euro-Eddy Schmitt, der später nach Karlsruhe gegangen ist.
Joël Kaczmarek: Na, gut, ich sehe schon, ich lade dich noch zum Schlitzel ein. Und dann machen wir mal ein bisschen. Hier schwelgen.
Axel Kruse: Also wirklich, Das war eine tolle Mannschaft. Aber eben diese, Es ändert sich meistens aber auch nicht. Egal wie alt du bist, Es ist immer diese, wenn es super läuft, dieses Euphorische, Es ist auch wie eine Sucht, dann. Das andere brauchst du natürlich nicht, wenn Sie dich auspfeifen. Und ich glaube eben nicht, müsste man mal fragen, ob es Spieler gibt, die dieses Negative Total ausblenden können. Würde mich mal interessieren, die das gar nicht tangiert, Ob die jetzt pfeifen. Also, es geht ja immer um etwas Persönliches. Also wenn im Auswärtsspiel die Leute dich auspfeifen, ist das ja eher was Tolles. Aber wenn du persönlich angegriffen wirst und persönlich ausgefiffen, wirst und weiß ich nicht, ob es da Leute gibt, die sagen, das ist mir egal, weiß ich nicht.
Joël Kaczmarek: Ja, ich wollte dich das gerade fragen, weil es gibt Ja, manchmal so, The trend is the friend. Also wenn es sozusagen gut läuft, dann macht sich jeder Schritt von alleine. Aber man hat ja ganz oft, Gerade so Abschiebskampf. Ist ja so ein Ding, wenn die immer die Feuerwehrmänner holen, sagt man dann immer. Also es brennt anscheinend. Wie kriegt man sowas ausgeblendet? Also wie kriege ich Druck, der negativ ist? Gibt es auch positiven? Hast du einen Pfad für dich gefunden, wie du sowas ausblenden kannst, dass da alle Buhen und du schon drei Spiele ineinander verloren hast?
Axel Kruse: Also eigentlich, Wenn du ein bisschen älter bist, dann versuchst du einfach, Keine Zeitung zu lesen. Das Ganze völlig von dir fernzuhalten und sich nur noch um die Sache zu kümmern. Dass du dich nur um das Technische... Zu kümmern, Wie laufe ich vorne an, Wie verarbeite ich den Ball. Also einfach zu versuchen, den äußerlichen Einfluss wegzulassen. Das Problem, Was du hast, das kriegst du übrigens leicht hin. Die Zeitung nicht zu lesen, Fernsehen nicht zu gucken. Und all das, das kriegst du leicht hin. Auch übrigens mit den eigenen Verwandten nicht zu sprechen, weil die Sprechen dich auch drauf an. Das kriegst du alles hin. Und dann bereitest du dich übrigens vor, unter der Woche... Da sind dann auch wenige Zuschauer, Manchmal hat man dann unter Ausschuss der Öffentlichkeit gemacht, damit du den Einfluss auch nicht hast. Denn weißt du rein vom Kopf her, was du am Wochenende machen musst, um dieses Spiel zu gewinnen. Und so gehst du auch ins Spiel. Das Problem ist, wenn die ersten Sachen nicht klappen, die du dir vorgenommen hast. Wenn dann mit einmal von außen die eigenen Leute, also Wo dann... Ich habe das immer so gesagt... Ich kann mich noch erinnern, Stuttgart hat vor Jahren ja auch mal gegen Abstieg gespielt. Und wo dann da die eigenen Fans dann mit irgendwelchen komischen Gesten, die eigenen Spieler niedergemacht haben. Oder Schalke, Da haben die sogar Ohrfeigen gekriegt. Dass die abgestiegen sind, ist doch völlig klar. Weil natürlich, das hast du natürlich im Kopf drin und du willst nicht der Arsch sein. Du willst nicht der Arsch sein, und du willst ja auch nicht von den... Von deinen eigenen Fans, Die wurden zum Teil geoffeigt.
Joël Kaczmarek: Bei Hertha war das auch so, dass sie die Trikots ausziehen mussten. Ja,
Axel Kruse: und das ist ja nicht förderlich. Und am Ende, Die Spieler verstecken sich dann. Die Spieler verstecken sich dann, weil sie einfach keinen Fehler machen wollen. Die wollen dann keinen Fehler machen, ist doch klar, weil das willst du nicht erleben. Und die Gedanken machen sich. Manche glaube ich gar nicht, die dann so eine Aktion DA Weil eigentlich wollen alle das Gleiche. Eigentlich wollen alle, dass du nicht Podcast. Aber mit so einer Aktion verunsicherst du deine Mannschaft noch mehr und noch mehr. Es ist ja auch immer so, wenn jemand, sagt, Die Spieler wollen nicht. Naja, Also, das ist immer so ein Punkt, Warum sollen die nicht wollen? Also, das ist meistens Blödsinn. Eigentlich willst du immer, nur manchmal kannst du halt nicht. Weil dein Kopf nicht funktioniert, weil dein Körper nicht funktioniert oder beides zusammen nicht.
Joël Kaczmarek: Wenn man in so einer Rolle ist, was macht denn eigentlich den meisten Druck? Ist es irgendwie die Zuschauer und die Fans? Ist das die Presse? Ist es das Thema Gelderwartung vom Verein? Ist es der Trainer? Sind es die Mitspieler? Ist es vielleicht die Frau auf der Tribüne? Was würdest du sagen, was bewegt einen am meisten?
Axel Kruse: Es ist von allem ein bisschen. Aber am Ende ist, jeder möchte doch gemocht werden. Jeder Mensch möchte gemocht werden. Und das, was ich gerade gesagt habe, du willst nicht der Arsch sein. Stell dir mal vor, nur ein Gedanken. DU musst... 0-0 Spielen. Und bist derjenige, der am Ende ein Eigentor schießt. Wer will das? Immer mit dem Hintergedanken, Da hinten stehen noch welche, die dir dann, Du musst das Trikot ausziehen. Oder was weiß ich auch immer. Übrigens, Dann kommt auch dazu, dass deine eigenen Leute, Die wollen ja auch von dir eine gute Leistung. Oder andersrum, Du möchtest eine gute Leistung bringen, dass deine Leute auf dich stolz sind. Und das macht natürlich Druck. Und ich wollte immer, dass mein Vater stolz ist, auf mich. Wie jeder Junge möchte, dass sein Vater stolz ist. Und mein Vater, der ist ja nur wirklich einer, der quatscht nicht viel. Wie sagt man immer? Nicht getadelt ist genug gelobt. So ist mein Vater drauf. Aber trotzdem, willst du ein Lob von deinem Vater bekommen? Tolles Spiel gemacht, Super Junge und alles sowas. Und das macht alles Druck. Mutter, Vater, Obwohl die das vielleicht gar nicht so wollen, Aber du willst alle glücklich machen.
Joël Kaczmarek: Hast du es bekommen von dem Vater?
Axel Kruse: Ja, manchmal, aber er war so, ja, nicht getadelt, ist genug, gelobt. Also von daher...
Joël Kaczmarek: Na gut, Also Wir hatten Punkt 1, Du hättest gerne gewusst, Wann deine Karriere Ende war. Punkt 2, Hätte ich gerne gewusst, wie man mit Druck umgeht. Was ist dein drittes Ding?
Axel Kruse: Mein dritter Punkt ist ja mein zweiter.
Joël Kaczmarek: Genau.
Axel Kruse: Hätte ich gewusst, dass zwei Jahre später die Mauer aufgeht, hätte ich mir viel ersparen können. Ja, mit 20 war für mich schon klar, ich will aus der DDR fliehen oder ich will hier nicht weitermachen. Und bin mit 21 geflohen. Und vier Monate später ist die Mauer aufgegangen. Jetzt sage ich zum einen natürlich dieses, also im Nachgang, dieses ganze Ding, Ich bin natürlich auch stolz darauf, dass man die Freiheit selber erkämpft hat, sozusagen, Aber viele Sachen waren natürlich, also nur mal alleine, Ich habe erst wirklich gewusst, wie sich meine Eltern fühlen, gefühlt haben müssen, dass sie das nicht tun. Nachdem ich selber Vater geworden bin. Also, ich war 21, bin in den Westen abgehauen und habe eigentlich gedacht, die meine Eltern sehe ich 30 Jahre nicht wieder. Und wenn ich mir überlege, wo ich jetzt selber Vater wurde, das wäre mir passiert mit meinem Sohn. Wie gesagt, da habe ich erst gemerkt, wie schlimm das für meine Eltern gewesen sein muss, ohne dass ich jetzt sage, ich bereue das oder so, überhaupt nicht, null. Weil auch meine Eltern haben immer Verständnis dafür gehabt. Nur es ist trotzdem hart, gerade für meine Mutter. Ich bin ein Mamakind, und gerade für meine Mutter war das sehr, sehr hart. Mit einmal der Junge nicht mehr da. Und immer, Es wusste vier Monate vor dem Mauerfall, wusste keiner, dass die Mauer immer fällt. Aber das war klein, siehst du 30 Jahre nicht wieder. Und das muss sehr, sehr hart gewesen sein.
Joël Kaczmarek: Hat sich mal darüber gesprochen im Nachhinein?
Axel Kruse: Ja. Ja. Ja, also. Für meine Mutter war das, wie gesagt, ganz, ganz schlimm. Und ich habe ja dann, ich habe hier in West-Berlin im Hotel gewohnt. Am Anfang, habe da jeden Tag meine Mutter auf Arbeit angerufen und um sie auch zu beruhigen, dass es mir gut geht, dass Sie meine Stimme hört und alles. Und meine Eltern waren überhaupt nicht Böse auf mich. Ganz im Gegenteil, Die konnten das total nachvollziehen, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Die wussten ja auch, was ich für ein Typ bin. Also, wenn einer in Ostmech gepasst hat, dann ich. Also diese Vorschriften immer da dieses, ja jeder hat, gemeint. Also heute endet das ja, was du für deinen Arbeitgeber machen musst, wenn du nach Hause gehst. Damals warst du immer jedem Rechenschaft schuldig und ich will keinem Rechenschaft schuldig sein. Mein Chef hat mich dann gefragt, wieso ich gestern nicht bei der Hausversammlung war. Ich sagte: "Was für eine Hausversammlung?" "Ja in deinem Wohnhaus, wo du wohnst, wo du in der Hausversammlung hingehst." Ich sage: "Nein, da muss ich gar nicht hingehen." "Ja doch und du musst dort hingehen." Ich sage: "Nein, will ich nicht, geht mir auf den Sack." Brauche ich auch nicht hingehen, muss ich auch nicht. Ich mache mein Zeug sauber, Das, was ich sauber machen muss, und der Rest kennt ihr mich mal. Oder es gab so eine öffentliche Parteiversammlung, wo ich hin musste. Ich bin ja trotzdem nicht in der Partei als Spieler. Von Hansa Rostock. Ich musste öffentlich zur Parteiversammlung und so weiter. Das ging mir alles so mörderisch auf den Geist. Und das waren nur Kleinigkeiten. Und von daher, Meine Eltern wussten, wie ich so drauf bin. Und so richtig ging das ja erst los. Wir sind 1986 Europameister geworden mit der DDR U18 Nationalmannschaft. Und danach wurde ich zum Stasi-Verhör geholt und durfte nicht mehr reisen. Also WM 87 in Chile, dann nachher, wo die DDR Dritter geworden ist. Übrigens ist dann Jugoslawien, die wir bei der Europameisterschaft im Viertelfinale aber locker geschlagen haben, Die sind dann Weltmeister geworden. Das war das Schlimmste, was das sportlich anbetrifft. Dass ich nicht dabei sein konnte. Das war einfach, weil die Waren der Meinung, Ich wolle abhauen und wirklich zu dem Zeitpunkt war, überhaupt nicht in meinem Kopf, abhauen zu wollen. Und ich habe zu Hause, ich war zu Hause und habe geheult. Ich habe da ein paar Spiele übertragen. Aus Chile, Südamerika. Da waren zum Teil bei den Spielen 80.000 Zuschauer. Und da habe ich geheult zu Hause. Da habe ich gedacht, die können mit mir hier machen, was sie wollen. Die müssen sich mal begründen. Und Alles und... Ich wollte frei sein. Ich wollte einfach mein Leben selber gestalten, so leben, wie ich es für richtig halte. Und da ist der Entschluss immer mehr gewachsen, dass ich irgendwann, wenn ich nochmal die Gelegenheit kriegen, sollte, dass ich dann nicht zurückkehren werde. Und das war dann im Sommer 89. Und dann habe ich das Ding auch durchgezogen. Aber mit dem Wissen von heute, dass vier Monate später die Mauer aufgeht, hätte ich natürlich meinen Eltern auch viel Leid ersparen können. Aber nur deswegen hätte ich es gerne gewusst, um meinen Eltern das Leid zu ersparen. Für mich selber eigentlich nicht, weil es eine Erfahrung war, das so durchzuziehen. Da bin ich heute stolz drauf zu sagen, nee, ich ziehe das durch und… Ich ergebe mich nicht meinem Schicksal.
Joël Kaczmarek: Wie hast du es denn gemacht? Wie bist du denn geflohen?
Axel Kruse: Glaub mir, das dauert zu lange jetzt. Das ist eine eigene... Also, wir haben gespielt in Kopenhagen. In der Toto-Runde, Was hieß dann UEFA Intertoto Cup, Glaube ich, irgendwie, so wollte ich mit Hansa Rostock. Und ich hatte einen Fluchthelfer, der mich da abgeholt hat, in Kopenhagen. Bin dann über Hamburg nach West-Berlin gekommen. Hertha war da auch involviert in diese ganze Geschichte mit dem damaligen Vizepräsidenten Peter Geider. Und eine lange Geschichte, glaub mir, das dauert zu lange.
Joël Kaczmarek: Klingt abenteuerlich.
Axel Kruse: Es war sehr abenteuerlich. Und das kannst du auch nur machen, wenn du 21 bist mit ganz, ganz viel Abenteuerlust. Die du da haben musst, Das ist auch eine Mischung aus ein bisschen Blödheit, Weil mit dem Wissen von heute, Ich meine, in meiner Stasi-Akte ist noch mein Haftbefehl drin, Dafür gab es zweieinhalb Jahre Knast für Republikflucht. Ganz lustig, wie das da drin steht. Nach einem genehmigten Grenzübertritt ein nicht genehmigtes, Nicht-Zurückkehren oder irgendwie so ein Blödsinn. Und also, wenn die mich dabei erwischt hätten, im Vorfeld natürlich in der DDR, Wie gesagt, zweieinhalb Jahre Knast. Ich weiß, es ist nicht so ein Knast wie heutzutage hier. Und wie gesagt, da musst du viel Abenteuerlust, viel Blödheit und viel Scheuklappen, einfach und viel Glück halt. Vielleicht, dass du da durchkommst. Aber glaub mir, das ist eine Geschichte.
Joël Kaczmarek: Okay, aber ich würde gerne wissen Wie hast du denn die Leute gefunden, die dir dabei geholfen haben?
Axel Kruse: Ich hatte in der DDR einen väterlichen Freund, der war 20 Jahre älter als ich. Und der kannte in West-Berlin Jemanden von Hertha, und er konnte seinen Onkel hier besuchen. In West-Berlin, So einen normalen Besuch. Und zu dem hatte ich so ein Vertrauen, dass ich gesagt habe, Mann, Wenn ich irgendwann mal wieder fahren darf, dann könntet ihr uns ja abholen. Und das hat er dann gemacht, und dann hat er nur mit dem Ausgemacht in West-Berlin. Wenn ich wieder fahren darf, kriegt er eine Karte von uns, wo drin steht: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Grüße Herr Jakob. Das fragt mich jetzt nicht, wie wir darauf gekommen sind. Das war unsere Karte, und das war das Zeichen, dass ich mitfahren darf. Dann musste der nun noch rausfinden, wo Hansa Rostock demnächst spielt. international. Und das hat der auch rausgefunden. Und der hat mich dann abgeholt. In Kopenhagen. Aber ich glaube mir, die Geschichte ist so lang und so intensiv auch, weil das ist, wenn du dich von deinen Eltern verabschiedest. Und mit dem Wissen, was ich vorhin gesagt habe. Nicht offiziell, sondern einfach: Du weißt, heute ist der Tag, wo du deine Eltern das letzte Mal siehst. Auch meine Schwester, das letzte Mal. Meine Schwester wusste das übrigens. War die Einzige, die das wusste. Das sind harte Momente, die vergisst Du dein ganzes Leben nicht. Auch wenn es alles gut ausgegangen ist, sind die Momente bei Dir drin. Und also das kann ich mal erzählen, nur als Beispiel. Ich war den letzten Tag bei meinen Eltern. Und bin morgens weggefahren. Und an dem Tag sind meine Eltern beide aufgestanden, haben mir beide Kaffee gemacht, was Sie vorher nie gemacht haben. Und ich komme aus einem ganz kleinen Dorf, und dann bin ich losgefahren. Und dann habe ich in den Rückspiegel geguckt. Und dann standen meine Eltern, Das haben die vorher nie gemacht, die wussten nichts. Und standen beide am Tor und haben mir hinterher gewunken.
Joël Kaczmarek: Bist Du sicher, dass die nichts wussten?
Axel Kruse: Naja, die haben schon... gedacht, ja, Dass das irgendwann mal passieren könnte. Aber sie haben es nicht gewusst, dass es da passiert. Oder wir haben auch nie darüber gesprochen, dass ich das jemals Mal machen werde. Niemals. Und das ist so ein harter Punkt, wo du dann in den Rückspiegel guckst und siehst. Deine beiden Eltern, wie sie winken mit dem Wissen, Das war das letzte Mal, das ist emotional, ganz fies. Das ist ein ganz fieser Moment. Und deswegen bin ich so glücklich. Wir feiern zum Beispiel immer den Tag der deutschen Einheit. Feiern wir immer, weil das ist für uns in unserer Familie ein wunderschöner Tag. Weil wir einfach wissen, dadurch sind wir wiedervereint. Dadurch ist uns ganz viel erspart geblieben. Das darf man nicht vergessen. Mein Sohn ist auch schon 34. Meine Eltern haben oder Meine Mutter ist ja schon tot, aber mein Vater hat ein großartiges Verhältnis zu ihrem Enkel. Und das hätten die alles nicht gehabt. dann. Oder wir hätten das alles dann nicht gehabt. Und von daher ist das immer unser Tag, Der Tag der deutschen Einheit.
Joël Kaczmarek: Wie war denn das Wiedersehen, als deine Mauer und dein Papa dann über die Grenze kamen?
Axel Kruse: Die kamen, Ich habe am Ku'damm dann gewohnt und die kamen, haben geklingelt. Und dann habe ich gesagt, naja, ganz schön spät, Weil die Mauer ging auf Donnerstag, war das, und die kamen sonntags. Und da habe ich gesagt, ganz schön spät und kommt rein.
Joël Kaczmarek: Hast du die Herzlichkeit von deinem Vater geerbt?
Axel Kruse: Ja, ja, in dem Fall, in dem Moment schon, aber es war natürlich schön, wie gesagt... Gerade Muttern, DIE dann... Und wie gesagt, ich habe das ja vorhin schon gesagt. Ich kann das erst verstehen oder konnte es erst verstehen, als ich selber Vater war. Wie die sich gefühlt haben müssen. Und deswegen ist es schön. Wäre es schön gewesen, ich hätte Ihnen das ersparen können. Und dann wäre es natürlich wichtig gewesen, zu wissen, Die Mauer geht vier Monate später auf.
Joël Kaczmarek: Na gut, komm. Schauen wir uns mal ein anderes Ding an. Was ist das?
Axel Kruse: Das Leben ist wie Fußball. Mal trifft man alles und mal trifft man gar nichts. Muss sich mein Sohn immer anhören oder muss er sich schon immer anhören? Habe ich immer zu ihm gesagt, wenn mal was nicht funktioniert. Wie beim Fußball ist? Manchmal machst du alles richtig und trotzdem triffst du das Tor nicht. Und manchmal übrigens machst du eigentlich was falsch und du triffst das Tor. Und wenn du es dann mal getroffen hast, dann... Dann kriegst du auch einen Lauf, dann hast du auch einen Lauf. Und so finde ich, ist das im Leben auch. Das geht immer auf und ab, rauf und runter. Und deswegen vergleiche ich das Leben immer mit Fußball.
Joël Kaczmarek: Ja, es gibt ja diesen Spruch beim Fußballmann, da denke ich auch manchmal dran: Hast die Scheiße am Schuh, hast du die Scheiße am Schuh? Irgendwie so eine Art Beziehung.
Axel Kruse: Ja, irgendwie so geht das ja. Ich habe das ja als Stürmer sowieso. Ich habe manchmal Situationen gehabt, wo. Ich habe, mir den Arsch aufgerissen und glaubte auch, alles richtig zu machen. Dann ging der Ball an Pfosten oder der Torwart hat gehalten, weil er durch Zufall, den sogar gehalten oder hat, einen guten Reflex gehabt. Und so. Und manchmal hast du ein Tor geschossen dann und hast einfach nur raufgehalten, hast einfach nur in Richtung Tor geschossen. Und der ist im Winkel geflogen. Und mit einmal lief dann aber auch alles. Dann hast du vor sechs, sieben Mal hintereinander nicht getroffen und mit einmal triffst du dann jeden Ball wieder. Und manche auch, wie gesagt, die du gar nicht so wolltest, wie ich vorhin erzählt habe, Elfmeter gegen Hannover. Wie gesagt, den wollte ich rechts unten reinschießen. Und er ist rechts oben unter die Latte gegangen und ist ins Tor. Und so ist das im Leben auch. Man versucht ja irgendwie gut durchs Leben zu kommen, beruflich da und da. Und dann habe ich meinem Sohn auch gesagt, bewirbst du dich und dann kriegst du den Job nicht. Und ein anderer kriegt den. Und dann mit einmal rechnest du gar nicht mehr damit, und dann mit einmal kriegst du einen Job. Und es ist genau der Job, den du eigentlich wolltest. Also von daher, ja, Das Leben ist wie Fußball.
Joël Kaczmarek: Was ist denn die Message, die du deinem Sohn damit immer mitgeben willst? Heißt das so ein bisschen Lass los, sei ein bisschen gelassener?
Axel Kruse: Nee, die Message ist die, immer dran zu bleiben, es immer wieder zu probieren. Also, wenn du dich, die Message ist, wenn Du dich... 98 Mal bewirbt und du bist 98 mal abgelehnt worden, du wirst nie erfahren, wie es beim 99 Mal gewesen ist. Und das ist die Message, auch im Fußball immer wieder dran zu bleiben, nicht aufzugeben und zu sagen Ach, nee, ich mag jetzt nicht mehr. Nein, dann wirst du nie erfahren, wie es gewesen wäre, wenn du dran geblieben wärst. Und das ist einfach, die Message daran zu sagen Dranbleiben nicht aufgeben.
Joël Kaczmarek: Ich denke da auch oft drüber nach, ich sage das manche dann auch immer, dass so fleiß und harte Arbeit schon mal ein wichtiger Baustell von Erfolg sind. Erlebst du es auch so oder hast du auch mal? Deine Phasen gehabt, wo du gesagt hast, Ich habe mich Krumm gemacht und es kam trotzdem nichts bei rum?
Axel Kruse: Naja, Das ist ja das, was ich gerade gesagt habe beim Fußball. Manchmal hast du dir den Arsch aufgerissen, wirst viel gelaufen. Oder auch in anderen Bereichen. Du hast alles gegeben und trotzdem wurdest du dafür nicht, belohnt. Und das ist im Leben eben auch. Ganz viele Menschen geben alles, arbeiten hart, aber werden dafür nicht belohnt. Ich glaube nur, auf Dauer wird das belohnt. Und das war immer die Message, die ich ihm gegeben habe, zu sagen, nicht aufzugeben, immer sein Bestes zu geben. Weil wenn du, und das kann man jetzt glauben nennen, ich glaube, wenn du immer dein Bestes gibst, wenn du immer hart arbeitest oder versuchst, hart zu arbeiten, geht nicht immer. Manchmal lässt man auch mal alle Fünfe gerade sein. Aber vom Grundprinzip her, dann wirst du belohnt. Wenn du im achten Spiel, was du nicht getroffen hast, aufgibst, ja, dann war's das. Sagst du aber, ich bleib dran und nochmal, Ich arbeite unter der Woche wieder hart, und ich versuche, wieder jedem Ball hinterherzulaufen. Jedem Ball. Und irgendwann wirst du dann, belohnt. Und so ist es im Leben, Von meiner Erfahrung ist es im Leben auch so.
Joël Kaczmarek: Es gibt ja so diesen anderen schönen Spruch, Choose Your battles. Also wähle Dir deine Kämpfe aus. Ich habe gerade darüber nachgedacht, bei dem, was du da beschreibst, wenn du jetzt Stürmer bist beim Bundesliga-Verein, Was ist denn die Alternative? Du kannst ja jetzt nicht sagen, ich höre auf, zu trainieren, ich lasse sein. Also Aufgabe ist ja eigentlich keine Option. Aber?
Axel Kruse: Naja, Natürlich Aufgabe ist, ich kann ja normal weitermachen. Oder ich kann nochmal eine Schippe oben drauf legen. Ich kann nochmal eine Schippe oben drauflegen und eben nicht aufgeben. Ich kann auch sagen: "Ja, Trainer ist doof und der Platz war schlecht und der Ball war nicht aufgepumpt." Also, ich kann jaulen und kann mir erzählen, warum das alles nicht funktioniert. Oder ich kann sagen: "Scheißegal, Es interessiert keinen Schwein. Es interessiert keinen, was die Gründe sind." Ich mache weiter, ich lege noch eine Schippe oben drauf. Ich versuche es immer wieder und werde dann belohnt. Das ist, was ich glaube, und das machen viele eben nicht. Hast du das gesehen? Nur mal als Beispiel: Ich habe ja vorhin erzählt mit der Roten Karte in Stuttgart. 13 Spiele sperre. Und ich war wirklich, glaube ich mir, Von mir wollte keiner eine trockene Stulle. Also Kruse war der Vollidiot. In Stuttgart hätte nur noch gefehlt, Die wechseln die Straßenseite. Und dann war die Sperre abgelaufen. Ich habe mich dann ausleihen lassen. Zum FC Basel, bin nach Basel gegangen, dann, habe da gespielt, was übrigens sehr, sehr schön war. Schweiz hat wirklich Spaß gemacht, da zu spielen, da zu sein. Und im Sommer bin ich wieder, die Laie war zu Ende, wieder nach Stuttgart zurück. Und Dieter Hoeneß hat zu mir gesagt, ja, du kannst den Verein wechseln. Ich sage, ich wechsle nicht. Ja, du spielst hier aber nicht mehr. Da werden wir ja sehen. Nochmal gesagt, du spielst hier irgendwo. Ich war auch Trainer, damals in Stuttgart. Du spielst hier nicht mehr. Ich sage, das werden wir doch sehen. Ich bleibe, ich gehe nicht weg, ich bleibe hier. Dann bin ich zu jedem Training gekommen und habe gedacht, das ist mein letztes Training. Hab mir so den Arsch auf den... Was zum Beispiel bei mir immer schwierig war mit meinen dicken Beinen, so Ausdauerläufe. Wenn der so eine halbe Stunde Ausdauerlauf... War nicht mein Ding. Meistens war ich Letzter, immer so. Aber da bin ich gerannt wie ein bekloppter Fünfter geworden. Und Jürgen Röber hat dann, Dann spielst du so auf dem Dorf gegen irgendwelche Mannschaften, die nichts können, wo du 20:0 gewinnst oder irgendwie so was. Der hat jeden eingewechselt. Ich stand so drei Minuten vor Schluss, immer noch hinterm Tor, und er hat mich warm gemacht. Ich glaube, dann hat er Mitleid gehabt und hat mich dann eingewechselt. Dann habe ich trotzdem noch zwei Tore geschossen. Die drei Minuten habe ich mir so den Arsch aufgerissen. In jedes Training, Ich habe auch kaum mit jemandem geredet. Ich habe mich auf meinen Platz gesetzt und vor dem Training, Wir mussten eine halbe Stunde vorher da sein, Um 10 ging das Training los und jedes Training war mein letztes. Die Vorbereitung war zu Ende. Und dann kam Röber in mein Zimmer und hat gesagt: "Sowas hat er noch nie gesehen." Also, ich hätte wunderbar trainiert, Klasse und erstes Spiel, du spielst. Ich glaube, er wollte noch ein Lob haben, irgendwie, dass er mich jetzt spielen lassen würde. Ich sage: "Ja, ist ja für mich völlig normal. Wie meinst du das?" Ich sage: "Ja, ich war der Beste. Ich habe am wenigsten Einsatzzeit von allen gehabt, am wenigsten. Habe am meisten Tore geschossen. In der Vorbereitung. Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich war der Beste hier. Und wenn es hier nach Leistung geht, dann muss ich spielen. Ja, der hat abgewunken, weil er hat auch mal gedacht,
Joël Kaczmarek: was für ein Komischer Vogel.
Axel Kruse: Und ich habe gespielt. Ich hätte ja auch sagen können, Die Wahrscheinlichkeit hier zu spielen, wird schwierig. Wie gesagt, keiner will von mir eine trockene Stulle und die wollen alle, dass ich gehe. Aber ich bin nicht gegangen. Ich habe hart trainiert und dann kam noch der Gipfel. Die hatten ja Giovane Elber und Fredi Bobic verpflichtet. Und ich habe mit Giovane Elber vorne gespielt. Im Sturm. Und Fredi Bobic kam immer so nach 60, 65 Minuten wurde der für mich eingewechselt. Und der hat jedes Mal ein Tor gemacht, wo der eingewechselt wurde. Und ich habe kein Tor geschossen. Jetzt hätte ich natürlich nach fünf Spielen, Ich glaube, er hat immer noch den Rekord, fünfmal eingewechselt, fünfmal, ein Tor geschossen. Hätte ich ja wieder sagen können, jetzt habe ich wieder kein Tor geschossen. Okay, dann gebe ich mich dann irgendwann mit der Bank zufrieden. Nee. Weiter gemacht, weiter gemacht. Und dann habe ich irgendwann, das war das erste Spiel in Leverkusen, glaube ich, habe ich da wieder getroffen. Und dann lief es eben auch weiter wieder. Dann habe ich danach ein Tor gemacht, noch ein Tor, mal richtig gut gespielt und schon war ich wieder da. Hätte ich aufgegeben? Gut, da kommt natürlich auch mein Naturell ein bisschen dazu, weil ich bin natürlich der typische... Sture Norddeutsche, Wenn mich jemand wegschicken will, dann gehe ich schon mal gar nicht. So und okay, aber das meine ich eben mit, Das Leben ist wie Fußball, Es ist im Leben auch so. Dranbleiben, machen. Und dass man. Dann glaube ich auf Dauer, wie gesagt auf Dauer belohnt wird.
Joël Kaczmarek: Okay, weil. Ich wollte dich ja gerade fragen, im Sinne von Choose Your Battles, Suchst du Dir deine schlachten manchmal aus oder schlägst du jede? Das ist fast ein bisschen eine beleidigende Frage, dann für dich wahrscheinlich.
Axel Kruse: Nee, nicht nämlich jeder. Jede Schlacht nehme ich da nicht. Ich muss schon davon überzeugt sein, dass sich harte Arbeit in dem Fall lohnt. Dranbleiben lohnt.
Joël Kaczmarek: Also, es braucht eine Aussicht auf Erfolg, wenn du dich hart investierst und das, was du da erreichst. Ich kann noch,
Axel Kruse: guck mal, wenn ich... Es geht auch um mich selber. Jetzt habe ich zu meinem Sohn auch mal gesagt, belügen kannst du jeden. Kannst deinen Vater belügen, kannst jeden belügen. Aber dich selber nicht. Und wenn du nämlich alles gegeben hast, wenn du alles gegeben hast und verlierst trotzdem, ist das bitter. Aber du kannst mit dir leben. Weil du sagst, ich habe alles gegeben. Und dann kannst du nicht immer gewinnen. Du kannst nicht immer, aber es geht eben auch darum, für dich selber, mit dir selber gut klar zu kommen. Weil du weißt, so sehr kannst du dich nicht belügen. Du weißt, ob du alles gegeben hast oder nicht. Das weißt du. Und deswegen ist es eben wichtig, das Optimum aus sich rauszuholen. Und dann wird man sehen, wie das am Ende. Das Ergebnis ist.
Intro & Outro Speaker: Fällt mir. Bin ich neugierig auf deinen letzten Punkt.
Axel Kruse: Mein letzter Punkt, den wir da drin haben. Der Kopf von heute und der Körper von damals wäre die perfekte Mischung.
Joël Kaczmarek: Also, wenn du heute wüsstest, was du damals gewusst hättest, was du heute weißt und das zusammenbringen könntest, Dein Körper und dein Gefolgengeist.
Axel Kruse: Mann, Ich war früher so eine Maschine. Ich habe letztens noch ein T-Shirt gekauft. Da ist vorne eine Werbung von Premiere, Was heute Sky ist. Und da ist mein Körper drauf, wo ich mir gerade nach einem Tor das Trikot vom Leib reiße. Und da dachte ich: "Uch, Was für eine Maschine." Ich war auch so... Man hat ja, in den Zwanzigern kann man ja auch alles machen. Man fühlt sich ja sowieso so stark. Und dieses Körperliche von damals? Und wie gesagt das Bewusstsein. Von heute, Das wäre eben die perfekte Mischung. Also Ich glaube, was ich vorhin gesagt habe, mit Druck umzugehen. Ich weiß heute, wie man mit Druck umgeht. Heute habe ich eine gewisse Gelassenheit, dem ganzen gegenüber. Ich weiß genau, wie das Fußballgeschäft funktioniert. Also das meine ich mit Kopf. Und dann nimmt der Körper von damals. Ja, Krass wäre, das wäre die perfekte Mischung. Manchmal, wenn ich Tennis spiele oder spiele mal gegen einen 30-Jährigen oder einen 25-Jährigen Oder so, Der kann so schnell laufen. Ich kotze das richtig an, dass der so schnell laufen kann. Weil dann merkt man erstmal wie auch der körperliche Verfall, den man dann selber hat. Und das regt mich einfach auf, dass das eben nicht mehr da ist. Gut, aber so ist das Halt im Leben. Aber wie gesagt, der Kopf von heute und der Körper von damals, Umso öfter ich es vorlese, umso besser finde ich es. Die perfekte Mischung. Aber das ist übrigens bei jedem so. Das ist ja bei jedem am Ende so. Das Leben wäre, glaube ich, zu einfach, wenn man alles auf einmal hätte.
Joël Kaczmarek: Ich bin die ganze Zeit verführt, dich zu fragen: Wenn dein heutiger Geist in deinem Körper damals gesteckt hätte, hättest du was anders gemacht? Ich finde, Die Frage verbietet sich bei dem Format aber. Weil es ja nicht darum geht, so wehmütig zurückzugucken, Was hätte ich anders machen können? Ich bin eigentlich vielmehr der Meinung, die Umwege, die man vielleicht genommen hat, die du heute vielleicht nicht mehr nehmen würdest, Die haben dich ja eigentlich erst zu dem Geist gebracht, den du heute hast.
Axel Kruse: Absolut. Deswegen ist ja das, was wir hier sowieso machen, ist ja erstens alles hypothetisch, ein bisschen philosophisch von mir aus, keine Ahnung. Aber ja, also genau. So ist eben das Leben, dass man mit 20 eben nicht alles weiß. Oder man denkt, man weiß alles. Ich habe ja Maria geschrieben, ich soll mir fünf Punkte ausdenken, die ich mit 20 gerne gewusst hätte. Da habe ich jetzt zurückgeschrieben, ich wusste doch mit 20 schon alles.
Joël Kaczmarek: Gut, Axel Kruse, Also wir fassen nochmal zusammen. Punkt 1, Ich hätte gerne vorher gewusst, wann mein Karriereende ist. Punkt 2, Lerne Wie man mit Druck umgeht und Angst kanalisiert. Punkt 3, Hätte ich schon vorher gewusst, dass die Mauer sich öffnet, Hätte ich mir viel Stress gespart. Punkt 4, Das Leben ist wie Fußball, Mal trifft man und mal trifft man gar nichts. Und Punkt 5, Den Kopf von heute und den Körper von damals. Ganz Coole Geschichte, wa?
Axel Kruse: Ja, der Punkt 6 wäre dann bei mir gewesen, Welche Aktie war vor 38 Jahren? die, die ich hätte kaufen sollen, UM heute... Ein paar Millionen zu haben.
Joël Kaczmarek: Ist ja ein Glattologen, als er gesagt hat, mach es nicht für die Kohle, sondern mach es für den Spaß.
Axel Kruse: Genau so ist es.
Joël Kaczmarek: Also ein Mann Für die Menschen nehme ich so ein bisschen mit, oder?
Axel Kruse: Bitte?
Joël Kaczmarek: Ein Mann für die Menschen oder die Menschen in deinem Umfeld scheinen ja auch diejenigen zu sein, Die dich So motivieren. Ja. Geil. Hat mir viel Spaß gemacht. Vielen, vielen Dank.
Axel Kruse: Mir auch. Dankeschön.