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00:00:52,920 --> 00:01:22,520 [Joël] Hi, five Leute, hier ist Joel und ich habe heute eine ganz tolle Person da, und zwar die liebe Ariane Hingst. Und ich kann euch sagen, die gute Ariane, liebevoll Ari genannt, hat mehr Europameistertitel als ich Socken habe und Weltmeistertitel auch. Sie ist nämlich Profifußballerin, kennt ihr vielleicht noch. Mittlerweile auch Expertin und teilweise auch schon Coachin und vor allem auch Unternehmerin mit dem FC Viktoria Berlin. Also ein richtig buntes Paket. Und noch mal zum Mitschreiben: Vier Europameistertitel und zwei Weltmeister, richtig?
00:01:22,520 --> 00:01:25,880 [Ariane] Das ist korrekt aufgezählt. Gute Recherche betrieben. [Lachen]
00:01:25,880 --> 00:01:33,160 [Joël] Also das ist ja nur sozusagen auf internationaler Bühne. Deutsche Meisterschaften glaube ich auch zwei, DFB-Pokal viermal habe ich es richtig im Kopf. Also Olympia Bronze.
00:01:33,160 --> 00:01:33,800 [Ariane] Genau.
00:01:33,800 --> 00:01:35,340 [Joël] Bei dir war alles dabei.
00:01:35,340 --> 00:01:40,420 [Ariane] Alles dabei, nur die Goldene bei Olympia hat nicht gereicht. Aber eine Olympia-Medaille ist auch mit im Rennen. Ja, das stimmt.
00:01:40,420 --> 00:01:42,220 [Joël] Machst du noch als Trainerin im nächsten Jahr?
00:01:42,220 --> 00:01:43,050 [Ariane] Nee. [Schmunzeln]
00:01:43,050 --> 00:01:59,740 [Joël] Seh ich schon. Also du hast viel von der Welt gesehen und hast sozusagen dich in den Extremen des Sports bewegt. Und dann bin ich immer neugierig, was die Leute da so mitnehmen. Und ähm, bevor wir jetzt mal mit deinen fünf Dingen gleich straight starten, ist ja bei Frauen immer so eine Sache, aber ich bin immer neugierig, wie alt die Menschen sind, weil dann kriege ich so einen Blick auf, wie viele Jahre gucken wir denn zurück? Wie ist das bei dir?
00:01:59,740 --> 00:02:11,100 [Ariane] Ähhhm, ich, ich, find's super, dass ich wusste, dass diese Frage sehr wahrscheinlich kommt, weil ich mittlerweile ein Alter habe, wo ich nachrechnen muss. Und weil ich das gestern schon getan habe, kann ich dir ganz spontan sagen, ich bin sechsundvierzig Jahre alt.
00:02:11,100 --> 00:02:12,740 [Joël] Okay, sieht man aber nicht. Also du bist ja-
00:02:12,740 --> 00:02:13,640 [Ariane] Ja, danke, danke.
00:02:13,640 --> 00:02:25,320 [Joël] Das macht der Sport. Okay, also wir gucken über zwanzig Jahre, sozusagen ein Vierteljahrhundert, mehr sogar, in die Vergangenheit. Komm, gehen wir mal gleich rein. Was ist denn so das erste Ding, wo du sagst, mit zwanzig hätte die junge Ariane gerne schon gewusst?
00:02:25,320 --> 00:03:12,040 [Ariane] Die junge Ariane hätte vor allem mit Hinblick, wir sind im Herbst, es wird kälter, äh, die Knochen sprödig, hätte ich gerne gewusst, wie Krafttraining und Athletiktraining, äh, meinen Körper besser schützen kann in der Leistungssportphase. Äh Prophylakte--Prophylaxe, aber auch Verschleiß und dergleichen. Ähm, zu meiner aktiven Karriere war das Thema Krafttraining noch nicht so ausgereift im Fußball, muss man, muss man sagen. Es kam dann so ein bisschen rein und natürlich gab es dann auch Ansagen vom Trainerinnen oder auch von Physiotherapeuten: „Ihr müsst auch Athletiktraining machen, aber das war nicht ausgefeilt genug und leider habe ich das in meiner Jugend zu wenig gemacht. Und ähm, ja, die Folgen spüre ich doch, glaube ich, mehr, als ich sie hätte spüren müssen.
00:03:12,040 --> 00:03:15,600 [Joël] Blöde Frage: Athletik meint eigentlich genau was?
00:03:15,600 --> 00:04:03,540 [Ariane] Ähhhm, wirklich diese Stabilisationsübung, die du machst, diese Dehnübung, diese Flexibilität. Mittlerweile kennt man es, ne? Spieler, Spielerinnen in sämtlichen Sportarten, bevor sie ins Training starten, sind sie vorher noch mal bestimmt eine halbe Stunde im Kraftraum oder in Räumlichkeiten, um sich besser aufs Training vorzubereiten und einfach die Gesamtstatik des Körpers da auch besser vorzubereiten. Den ganzen Rumpftraining, solche Themen. Ähm, für mich war, wenn es extra Einheiten mal gab, war für mich klar, ja, die mache ich auf dem Platz. Ähm, und ja, dieses Zusammenspiel, ähm, Athletik, aber auch, es ein bisschen breiter zu fassen, dann natürlich auch mentales Training, Ernährungslehre und so weiter. Das sind ja Dinge, die erst im Laufe der Zeit so ein bisschen dazugekommen sind. Und, ähm, ja, ich glaube, das hätte mir gutgetan, hätte ich da früher Ahnung von gehabt und das auch besser umgesetzt.
00:04:03,540 --> 00:04:20,160 [Joël] Ich meine, das ist ja auch ein super aktuelles Thema gerade. Also ich habe das gerade in Erfahrung gebracht. Ich glaube, pro Spieltag verletzen sich gerade zwei Spielerinnen, also weltweit gesehen, mit dem Kreuzbandriss. Also die Belastung im Sport ist jetzt auch so hoch, dass das heute noch mal eine ganz andere Relevanz hat, ne?
00:04:20,160 --> 00:05:10,560 [Ariane] Ja, absolut. Es sind wirklich extrem negativ Schlagzeilen, die wir sehen. Ähm, jetzt kann man sich natürlich auch fragen, wissen wir es mehr, weil wir einfach weltweit eine größere Berichterstattung auch über Frauenfußball haben? Gab es die vielleicht früher auch schon? Man hat es bloß weniger mitbekommen. Ich glaube, da steckt auch ein bisschen Wahrheit dahinter. Und natürlich, der Sport wird immer schneller, wird extremer, wird professioneller und, äh, die Anpassung des weiblichen Körpers kommt da vielleicht auch nicht so mit. Und natürlich immer wieder das gleiche Thema: Wir haben viel zu wenig Studien. Ähm, Trainingseinheiten, Trainingssteuerung sind auch weiterhin noch sehr auf den männlichen Körper zugeschnitten und wir wissen noch zu wenig, wie man es positiver, äh, beeinflussen kann. Da rennen wir noch Jahre hinterher und deshalb haben wir gerade echt viel zu viele schlechte Schlagzeilen über Verletzungen von Spielerinnen, was unbedingt ganz schnell aufgeholt werden muss.
00:05:10,560 --> 00:05:36,600 [Joël] Also ich schweife da mal eine Sekunde ab, bevor wir wieder auf dein Thema zurückkommen, weil ich habe mich heute gerade mit meiner Mitgründerin Maria unterhalten. Die hat gesagt: „Ja, eigentlich müssten Frauenfußballfelder auch kleiner sein. Und ich sage: „Was willst du dir jetzt vornehmen? Jetzt müssen die zehn Meter schmaler sein oder was meinst du? Ja, das ist richtig krass. Man hat mal bei Männern wohl, ich glaube, in der Uni, in der Schweiz oder so, die Felder mal größer gemacht. Die sind überhaupt nicht klargekommen, die haben total gestöhnt, wo sie dann meinte, das hat schon Verhältnis sozusagen, Körper zu Fläche, die ich bespiele. Ist das echt so?
00:05:36,600 --> 00:05:52,640 [Ariane] Ja, tatsächlich. Ich hatte die Studie auch gesehen und die haben es dann tatsächlich angepasst und dann männlichen Fußballspielern, ich glaube, war im Jugendbereich, schwerere, größere Bälle und so weiter gegeben. Äh, natürlich könnte man das machen. Ähm, ich bin da nicht unbedingt großer Freund davon, denn, ähm,
00:05:52,640 --> 00:06:46,410 [Ariane] ich glaube nicht, dass man jetzt sagen kann, weil wir die gleiche Feldgröße haben, die gleiche Torgröße, die gleiche Ballgröße, Schwere und so weiter, dass, äh, der weibliche Körper das nicht hinbekommt. Ähm, ich glaube einfach nur, dass es ein anderer Sport ist, ein anderes Spiel ist. Ähm, ich denke, ähm-Glaube wirklich eher diese äußeren Faktoren. Wir haben mehr Spiele, wir haben mehr Spiele auf sehr hohem, schnellen Niveau. Man ist mehr gefordert, es sind weniger Regenerationszeiten da. Wir haben weiter noch leider viel zu viele Spielerinnen, die nicht twenty four seven Fußballprofi sein können, sondern auch noch diesen Nebenjob haben. Und da zeigt es sich dann schon, wie viel Regenerationszeit du hast. Ich glaube, dass es eher in die Richtung geht. Ich verstehe die Diskussion, dass man es anpassen könnte, dass man dann ein anderes Spiel hätte. Da bin ich ein bisschen anderer Meinung, aber ich finde die Diskussion total spannend und stelle mich der auch. Und ja, ich finde, man sollte sich da schon austauschen drüber gut.
00:06:46,410 --> 00:07:12,110 [Joël] Aber kommen wir mal zu deinem Thema zurück, weil hier hören ja viele Menschen zu, die sind ja jetzt nicht wie du auf Olympia und Weltmeisterschaftsniveau in irgendwie einem Breitensport unterwegs, sondern auch so Normalsterbliche. Und selbst für uns Normalos ist es ja so, dass man halt hört, ey, ab 40 bauen die Muskeln ab und so, mach mal was. Was ist denn so dein Insight, den du bei Krafttraining und Athletik gewonnen hast? Also was müsste ich tun, damit mir diese Mittel helfen, gesünder alt zu werden?
00:07:12,110 --> 00:08:05,470 [Ariane] Ja, ich glaube in den Medien, jeder hört jetzt auch von Longevity und solche Themen, die sind mittlerweile einfach im Alltag deutlich präsenter. Und ich denke gerade diese Basic Themen, was Beweglichkeit anbelangt. Und früher war es denn ja, die Frauen machen alle Yoga oder Pilates. Ich glaube, dass es auch spannende, interessantere Übungen gibt oder allgemeine Athletikfitnessübungen, die du mit deinem eigenen Körpergewicht machen kannst. Ob es wirklich nur die 10 bis 15 Minuten am Morgen oder abends sind. Wir sind beide, als wir ins Studium gegangen sind, die Treppen hochgestiegen. Da hast du mir auch gesagt, ja, hoch geht, aber runter muss ich den Fahrstuhl nehmen, weil die Knie nicht mehr mitmachen ohne Hochleistungssport. Und ich denke, wenn auch der Ottonormalverbraucher ein bisschen anders auf seinen Körper auch achtgibt, glaube ich, kann man da dem ganzen auch schon besser vorbeugen. Und auch so Themen im Alltag, wie häufig benutzen wir denn die Treppe oder wie häufig sind wir auf den
00:08:05,470 --> 00:08:30,610 [Ariane] Gott, wie heißen die Rolltreppen? Rolltreppen heißen sie. Ganz einfaches Wort. Wir sind auf Rolltreppen unterwegs oder am Flughafen hast du denn das Band, wo du drüber gefahren wirst? Also wir sind ganz anders im Thema Mobilität unterwegs und da hast du natürlich auf einmal höhere Belastungen. Ich glaube, dass man da mehr Prophylaxe betreiben kann durch ganz einfache Mittel. Und wie gesagt, wenn man es dann in Hochleistungssport rein nimmt, dann ist es unbedingt noch mehr Pflichtaufgabe.
00:08:30,610 --> 00:08:33,390 [Joël] Was für Sport machst denn du eigentlich so tagtäglich?
00:08:33,390 --> 00:09:16,510 [Ariane] Viel zu wenig. Also tatsächlich, und das ist die große Problematik, die ich habe, so Thema Joggen gehen kann ich einfach gerade gar nicht, weil da meine Knie überhaupt nicht mitspielen. Ich kann Rad fahren, da fehlt dann aber auch so ein bisschen die Zeit dafür. Halbe Stunde laufen, Äquivalent zu zwei, zweieinhalb Stunden Fahrrad fahren, das ist dann eine Problematik. Wir kommen ein bisschen später noch dazu, was ich als Sport mache oder als als Hobby, um das so ein bisschen auszugleichen. Also im Moment mache ich leider viel zu wenig. Ich muss da meinen Schweinehund wieder ein bisschen mehr in Bewegung kriegen und vor allem mein Körper besser in Schuss kriegen. Da bin ich aber einfach leider Gottes halt so ein bisschen eingeschränkt, weil mir da doch der Leistungssport, der hat mir dann schon ein bisschen Grenzen für meinen Körper aufgezeigt.
00:09:16,510 --> 00:09:57,510 [Joël] Interessant, da wollte ich mit dir gerne mal eintauchen, falls du dich wohlfühlst darüber zu reden, weil wie du es gerade mit dem Laufen gesagt hast, ich habe mal mit Franziska van Almsick zusammengestanden, dann meinte die ey, ich kann überhaupt nicht laufen, ich kann überhaupt nicht joggen. Ich schwimme, ist doch so ein mega Sport für Ausdauer. Ja, aber meine Gelenke sind es nicht gewohnt, wenn ich laufe. Das ist so ein bisschen so wie fühlt sich so wie aus Gummi und so, das geht gar nicht. Und was ja viele Menschen glaube ich nicht so richtig mitkriegen ist, was für ein Preis eigentlich auch Sport hat, wenn man auf Leistungsniveau betreibt. Wie ist es denn bei dir? Weil ich will so ein bisschen auf den Punkt hinaus. Du hast gesagt, wenn ich gewusst hätte mit 20, dass Krafttraining und Athletik, das, also wie hätte dein Leben denn dann ausgesehen heute? Was hätte das anders gemacht für dich?
00:09:57,510 --> 00:10:14,530 [Ariane] Also ich glaube, egal wie gut du dich vorbereitest und was für medizinische Möglichkeiten hast oder Prophylaxemöglichkeiten, Leistungssport, du zahlst dein Tribut als Sportler ist es einfach Fakt. Also das hinterlässt Spüren an deinem Körper. Und trotzdem
00:10:14,530 --> 00:10:40,650 [Ariane] bin ich jetzt 20 und du sagst mir, pass auf, du wirst die und die Karriere haben, aber du wirst körperliche Probleme haben, du wirst eingeschränkt sein im Alltag, deine Knie werden wehtun, dein Rücken wird wehtun. Ich würde trotzdem nichts anders machen. Ich würde trotzdem genau diese Karriere so haben wollen. Und ich bin bereit, diesen Preis zu zahlen mit dem Körper. Ich glaube, dass ich bloß kleine Weichen hätte anders machen können und ein, zwei 3 %
00:10:40,650 --> 00:10:43,890 [Ariane] anders jetzt drauf wäre. Aber
00:10:43,890 --> 00:11:09,270 [Ariane] ja, was mir der Leistungssport gegeben hat, und da geht es gar nicht unbedingt nur um die Titel oder Erfolge, die man hat, sondern die Menschen, die ich treffen durfte, Werte, die ich fürs Leben gelernt habe, die ich in meinen Alltag mit übernehme, Länder, die ich bereisen durfte, die ich sonst nie gesehen habe, Kulturen, die ich kennenlernen durfte. Das ist alles ein so großer Zugewinn, dass ich sage, ich zahle den Preis der körperlichen Belastung. Kein Problem.
00:11:09,270 --> 00:11:28,750 [Joël] Ja, ich finde, da denkt man immer nicht so drüber nach. Viele Menschen sagen so, der hat das so viel Kohle, das will ich auch. Aber was du für gezahlt hast, fragen viele nicht. Jetzt hast du gesagt, Knie und Rücken. Ist das so die Sphäre, in der du dich da auch bewegst? Weil ich habe das z.B. über Nowitzki mal gelesen. Schweinsteiger kommt glaube ich sowas mal durch. Also das ist halt schon echt ein hartes Ding, was du da.
00:11:28,750 --> 00:12:33,905 [Ariane] Ja, ja, also wirklich auch so gerade so zum Ende der Karriere. Das war dann schon lustig. Ich bin noch aus der Zeit, wo wir Doppelzimmer hatten. Also Birgit Prinz war meine Zimmerpartnerin und die ist zwar meistens morgens früher aufgestanden als ich, aber ab und zu sind wir dann doch mal gleichzeitig aufgestanden. Und es war dann schon sehr lustig, wenn du morgens probierst deine Socken anzuziehen und da ist noch so eine Körpersteife da, also du kommst kaum nach unten runter. Und das hat sich jetzt auch nicht verändert. Also gerade kalte Jahreszeit lässt grüßen. Das merkt man dann schon. Also wirklich diese Steifheit, die da ist. Und du hast vorhin die Kreuzbänder angesprochen. Tatsächlich, Kreuzbänder ist das beste in meinen Knien. Bei mir hat es denn eher den Meniskus erwischt und den Knorpel, also dass dann wirklich Knochen auf Knochen ist und das merkt man halt einfach. Ja, diese Morgensteifung, man ist nicht mehr so beweglich. Und ich meine, ich liebe die vier Jahreszeiten, aber ich freue mich dann schon wieder, wenn es wärmer ist und man doch besser aus dem Bett wieder rauskommt. Aber ich glaube, das kennst du ja auch. Also ich.Ich kann mir vorstellen, so ganz geschmeidig kommst du auch nicht mehr aus dem Bett raus und die ersten Schritte des Morgens sind vielleicht etwas steifer.
00:12:33,906 --> 00:12:47,986 [Joël] Ich freue mich einfach gerade ein bisschen, dass du mir sagst, dass eine Birgit Prinz, wenn du dir mit dir ein Zimmer geteilt hast, heißt das ja, ihr wart beim Turnier, heißt das ja Peak Level der Karriere. Dass sie da auch Probleme hatte, ihre Socke auszuziehen, zweimal auseinander denkst du Gott.
00:12:47,986 --> 00:12:52,746 [Ariane] Ja, das kam dann zum Ende der Karriere. Das hat alle betroffen. Ja doch.
00:12:52,746 --> 00:13:14,586 [Joël] Hast du vielleicht abschließend zu dem Punkt noch so eine kleine Mindset Geschichte? Also je länger so eine Karriere ja auch voranschreitet, desto merkbarer wird der Preis ja auch und es fallen vielleicht auch Sachen schwerer. Was war so dein Hebel im Kopf, dass du geschafft hast, entgegen der Widerstände und der Schmerzen vielleicht trotzdem Leistung zu bringen und das zu machen, was du liebst?
00:13:14,586 --> 00:13:18,305 [Ariane] Das ist der Ehrgeiz, der einfach da ist und diese
00:13:18,305 --> 00:14:31,665 [Ariane] Wettkampfreude und Wille daran. Und Fußball hat mir vor allem in erster Linie immer extrem viel Spaß gemacht. Und diese Freude geht nicht verloren, nur weil es einem vielleicht ein bisschen schwerer fällt. Und natürlich ist das Bewusstsein da, wenn ich dann in die Trainingseinheit gehe. Ich brauche vielleicht ein, zwei, drei Minuten länger, um warm zu werden und fange ein bisschen früher an, um meine Bahn zu laufen. Aber wirklich, die Freude an dem Sport, die war so groß, das wollte ich noch nicht aufgeben. Und auch sich selbst auch noch mal beweisen zu wollen, es geht noch, ich kann es noch. Ich kann auch mit den Jüngeren mithalten und vielleicht jetzt nicht auf der körperlichen Schiene, was jetzt das Spieltempo anbelangt, aber mit meiner Erfahrung, die ich mitbringe, dadurch Spielsituationen anders lesen zu können, da was anderes mit reinzubringen oder auch im mentalen Bereich jüngere Spielerinnen, da vielleicht ein bisschen ein Wegweiser zu sein. Also andere Qualitäten werden im Laufe des Alters dann irgendwann wichtiger. Und ich glaube, das ist auch total normal. Also manche Dinge in jungen Jahren haben mich nicht interessiert, ich habe halt einfach gekickt. Also da war mein Gehör noch gar nicht bereit dazu oder ich war von der Einstellung auch noch gar nicht so. Ich glaube, das gehört einfach im normalen Leben dazu. Wir entwickeln uns weiter und so ist es im Sportlerleben auch. Und es verändert sich halt einfach die Perspektive. Und
00:14:31,665 --> 00:14:38,246 [Ariane] der Ehrgeiz, das war für mich das Wichtigste, die Triebkraft für mich bei dem Spaß, den ich immer hatte.
00:14:38,246 --> 00:14:43,305 [Joël] Hast du eine Vermutung, wo der bei dir herkommt, also was dich ehrgeizig gemacht hat im Leben?
00:14:43,306 --> 00:14:47,806 [Ariane] Oh, jetzt kriegen wir aber die richtig tiefgründigen Fragen.
00:14:47,866 --> 00:15:39,545 [Ariane] Nee, ich glaube, dass ein gewisser Ehrgeiz, den musst du auch in dir drin haben. Der muss irgendwie da sein. Und ich glaube, wenn du dann etwas gefunden hast in deinem Leben, was dir wirklich Spaß macht. Ich glaube, dass du diesen Ehrgeiz dann auch irgendwann steigern kannst, wenn du einfach siehst, was gibt es denn? Was kann ich denn dadurch erreichen? Was für Träume kann ich mir eventuell auch erfüllen? Und ich glaube, dass das gesteigert wird. Dieses Grundverständnis muss aber, glaube ich, in dir drin sein, weil sonst gehst du bestimmte Wege nicht. Also das ist schon ein steiler Weg und dann gibt es genug Momente, wo es dann auch einfach mal wehtut. Und ich glaube, das kennt jeder in seinem Arbeitsleben, in seinem Privatleben. Und es gibt halt Menschen, die schneller aufgeben. Klingt jetzt so negativ, aber die schneller sagen, den Weg, den will ich auch vielleicht gar nicht so gehen. Da ist mein Ehrgeiz nicht ganz so groß und ich glaube, das ist eine Grundeinstellung, die dann auch vorhanden ist.
00:15:39,545 --> 00:16:34,466 [Joël] Ich habe gestern mit einem Mindset Coach aus den USA mich unterhalten. Der ist Brite und wohnt in Utah. Da hat er gesagt, er ist darauf spezialisiert, nur die Top fünf der Welt immer zu trainieren. Das heißt, du gehst zu dem, wenn du sagst, pass mal auf, ich bin hier irgendwie Top 50, ich will bei Top fünf sein. Im Sport, im Business, whatever. Das Poker auch ganz viel. Und da hat er gesagt, das war echt super spannend. Ganz viele Menschen geben nur 80 % Leistung, sind nicht bereit, die letzten 20 zu geben. Und ein Grund dafür ist, dass wenn sie es nicht schaffen, sie immer sagen können, ich habe es noch nicht richtig versucht, ich hätte ja noch mehr gekonnt. Das ist so ein Egoschutz für den Selbstwert sozusagen. Ich fand das total spannend, aber ich frag mich oft, was ist denn so der Ursprung von Ehrgeiz? Weil ich bin so wie du, ultra kompetitiv, trotzdem Teamplayer. Und für mich ist immer so, klar, wie, nee, Deutscher Meister werden, Champions League spielen, weißt du, das ist so, wenn ich so härter meinen Lieblingsverein angucke, denke ich mal so, oh.
00:16:34,466 --> 00:16:35,376 [Ariane] Schwere Zeiten.
00:16:35,376 --> 00:16:56,586 [Joël] Das ist purer Masochismus, leider. Aber da denke ich so, okay, du hast den auf, ich weiß nicht, als die aufgestiegen sind, zweite Liga, hatten die noch zwei Spiele. Da habe ich gesagt, die müsst du trotzdem noch gewinnen. Führt gar kein Weg dran vorbei, weil das ist doch so Mindset, du kommst dann sozusagen anders in so eine neue Liga rein. Ja, beide verloren, die Penner. Ja. So, ja. Und ich frage mich das oft, woher kommt diese Triebfeder Ehrgeiz? Und ich frage mich, das ist ein Biographie-Ding z.B..
00:16:56,586 --> 00:17:47,066 [Ariane] Ja, ich finde es super spannend, auch diese Aussage. Und ich glaube, da bist du dann genau bei dem Punkt. Du hast extrem erfolgreiche Menschen im Sport, im Berufsleben und so weiter. Und wirklich nur die Spitze ist deshalb erfolgreich, weil sie eben ein anderes Mindset hat und eben nicht zu sagen, ich lasse mir den Puffer. Ich habe ja auch nicht alles reingegeben, sondern dieser Zuhörer das höre ich gerade das erste Mal so, Gott, der Gedanke wäre mir im Leben nicht gekommen. Und ich glaube, deshalb landest du dann letztendlich auch an der Spitze des Erfolgs. Aber ja, es ist ein wahnsinnig spannendes Thema. Ich habe auch den Momente gehabt, wo ich dann im Umfeld mich gefragt habe, warum gehen die denn jetzt nicht mit? Ob es mal Mitspielerinnen waren oder auch im Außerberuflichen. Ja, weil wir Menschen sind halt einfach verschieden und es geht halt nicht jeder bis ans Limit. Muss er ja auch nicht. Aber ja, diese Erkenntnis finde ich auch super spannend.
00:17:47,066 --> 00:18:32,466 [Joël] Ich war sehr fasziniert, dass vieles einfach aktive Selbstsabotage ist. Also ein Faktor, ich habe den gefragt, was sind die meisten Gründe, warum Leute das nicht schaffen? Das eine war das, dass die sich Puffer lassen um. Das andere war z.B. dass sie Angst vor sozialer Ächtung haben, wenn sie erfolgreich sind. Oh, also gerade in Deutschland ist es ja so, wenn du reich bist, ist es irgendwie schmutzig. So? Ja, oder? Er erzählte mir dann auch, wenn Unternehmer eine Firma verkauft haben für hundert Millionen Dollar und das erste, was die machen wollen, ist ihren Freundeskreis reich, weil sie völlig entwachsen sind. Also sie sind auf einmal sehr einsam, weil keiner mehr relaten kann auf das Niveau, auf dem du bist. Ich meine, war das bei dir ähnlich, dass du auf so einem, du spielst auf einmal Weltmeisterschaft in deinem Sport, kommst wieder nach Hause und keiner hat ja diesen Wachstumssprung mitgemacht, so wie du. Weißt du, was ich meine? Ja.
00:18:32,894 --> 00:19:21,074 [Ariane] Gar nicht. Nun muss ich dazu sagen, dass ich ein ganz fantastisches Umfeld hatte, also familiär eine brutale Unterstützung da war. Meine Mama ist auch wirklich zu einigen Turnieren gereist em in England, Olympische Spiele in Athen, solche Geschichten. Also wirklich fantastisch. Und mein Freundeskreis auch. Natürlich wird der Freundeskreis sehr klein. Diese engen intimen Freundschaften, die du hast, die außerhalb der Fußballwelt sind, denn du hast halt einfach keine Zeit. Ich habe Freunde monatelang einfach nicht gesehen und es machen die wenigsten mit im Sinne von ja wo ist denn da dieses Verhältnis? Und wenn ich mich mit denen bewegt habe, die waren stolz auf das, was ich erreicht habe. Aber Fußball war größtenteils überhaupt kein Thema. Und wir hatten dann halt andere Dinge, über die wir gesprochen haben. Und das waren dann wirklich diese zwei Welten. Und deshalb
00:19:21,074 --> 00:19:32,094 [Ariane] kann ich, also wenn du es sagst, ich finde es interessant und spannend und sage okay, kann ich mir vorstellen. Für mich hat das zum Glück nie zugetroffen.
00:19:32,094 --> 00:19:45,234 [Joël] Kennst du diesen Effekt, wenn du nach Hause kommst? Ich denke so an so Musiker, da hört man das immer ganz oft, stehen vor in so einem Stadion und dann kommen sie nach Hause und die Frau drückt ihnen irgendwie die schmutzige Windel und sagt hier komm mach mal und immer das Kind wickel mal und so. Weißt du, was ich meine?
00:19:45,234 --> 00:19:48,353 [Ariane] Und du bist immer so back to earth.
00:19:48,354 --> 00:19:50,934 [Joël] Hast du sowas auch erlebt?
00:19:50,934 --> 00:21:09,033 [Ariane] Nee, tatsächlich nicht. Sondern eher in die Richtung, dass das ist so Wahnsinn. Also ich habe es ja erzählt, wir kommen aus Zeiten, in der Nationalmannschaft hast du Doppelzimmer oder auch mit dem Verein, wo da die Reisen natürlich anders waren am Wochenende. Dann hast du aber auch den Zeitplan, die wird genau vorgegeben. Dann ist Frühstück, dann ist Mittagessen, dann ist Training, dann ist Besprechung. Also dein Tag ist ja komplett getaktet. Natürlich hast du Freizeiten, aber die festen Uhrzeiten musst du einhalten. Die wird vorgegeben, was du anziehst. Ja und wir haben da teilweise Späße draus gemacht. Wenn wir nach Vorbereitung und dann auch noch einem größeren Turnier, dann sprechen wir teilweise vom Zeitraum. Da warst du zwei bis drei Monate sehr intensiv miteinander unterwegs. Und dann ist das Turnier vorbei und dann hast du ein, zwei Wochen Urlaub und dann kommst du zu Hause an und dann ist erstmal eine Lehre da. So oh Gott, was ziehe ich denn jetzt an? Wann stehe ich denn auf? Wann gehe ich denn jetzt duschen? Also weil du bist auf einmal wirklich so oh Gott, ich muss selber Entscheidungen treffen. Und da haben wir uns teilweise dann wirklich drüber lustig gemacht. Dann gab es dann doch die eine oder andere Gruppe. Zum Ende der Karriere gab es dann auch ein bisschen andere Social Media, WhatsApp und dergleichen. Was machen wir denn jetzt? Wann treffen wir uns denn? Das ist es vielmehr, dass da diese Lehre so eingesetzt hat. Oh Gott. Eigenverantwortung, selbstständige Entscheidung zu treffen, das war das Thema bei mir.
00:21:09,034 --> 00:21:22,313 [Joël] Ich habe mal bei Wayne Rooney gelesen, dass der erst mit Ende 30 gelernt hat, wie man eine Waschmaschine bedient, dass der nicht in der Lage war, Kleidung zu waschen, weil er meinte, du hast die Sachen immer an so einem Ding und dann hast du halt da so einen Platzwart oder ein.
00:21:22,313 --> 00:22:12,954 [Ariane] Brutales Thema. Also da siehst du dann wieder die Unterschiede zwischen Männer und Frauenfußball. Aber das ist auch immer diese Diskussion, wenn es jetzt um Akademien geht, in den Nachwuchsleistungszentren. Wie viel Arbeit wollen wir den Jugendlichen auch abnehmen? Was sollen sie selbst entscheiden? Wie bereiten wir sie auch aufs Leben vor? Ganz, ganz spannendes Thema. Auf der einen Seite wird gesagt, ja, sie sollen eigenständiger sein, auf der anderen Seite wird über um Talente gebuhlt. Und wenn du denen nicht alles bietest, wenn du dem Elternhaus nicht sagst, wir haben den, der kümmert sich darum und so weiter. Entscheiden die sich dann wirklich für dieses Leistungszentrum oder gehen sie woanders hin, wo alles gemacht wird? Also das sind die ganz großen Unterschiede. Männerfußball, Frauenfußball. Ich habe von klein auf wirklich alles gelernt. Mehr schlecht als recht. Also Kochkünste sind da vielleicht nicht ganz so ausgeprägt, aber generell, ich weiß, wie man Verträge abschließt, ich weiß, wie man eine Wohnung sich mietet und ich weiß auch, wie man die Wäsche wäscht.
00:22:13,014 --> 00:22:32,754 [Joël] Wie geht es dir manchmal? Jetzt mal unabhängig von Männer vs. Frauen. Aber wenn du jetzt irgendwie liest, keine Ahnung. Harry Kane verdient 30 Millionen im Jahr. Also ist ja auch sportunabhängig. Ein Vettel hat zu Hochzeiten 60 Millionen verdient im Jahr. Das ist ja irgendwie auch so ein bisschen entrückt alles, oder? Dieses, was das Geld mit dem Sport macht.
00:22:32,754 --> 00:23:14,654 [Ariane] Absolut. Absolut. Also ich denke, es ist auch extrem ungesund. Generell bin ich der Meinung, es ist absolut gerechtfertigt, wenn da wirklich hohe Gehälter gezahlt werden oder Werbeeinnahmen oder so dergleichen da sind. Denn du gibst schon dein Privatleben komplett auf. Also ich habe es ja jetzt so nicht kennengelernt, aber man sieht es. Also deren Privatleben sieht völlig anders aus. Und da dann wirklich auch hohe, hohe Gehälter zu verdienen, denke ich, ist generell okay. Wenn man es aber wirklich ins Verhältnis setzt mit dem Rest der Bevölkerung und in diesen Bereichen, da stellt man sich schon die Frage, wie viel ist zu viel? Und sollte es da nicht irgendwie auch Obergrenzen geben?
00:23:14,694 --> 00:23:42,994 [Ariane] So wie sich der Kapitalmarkt aber irgendwie darstellt, glaube ich, sind wir da meilenweit von entfernt. Und man kann die Diskussion ja auch von dem Sportler ins Wirtschaftsleben übertragen. Die Top Manager sind deren Gehälter noch gerechtfertigt? Ja, sie tragen einen Haufen Verantwortung. Aber sind Millionen Boni gerechtfertigt, wenn Mitarbeiter entlassen werden oder Streichungen und so weiter hinnehmen müssen? Also in welchem Verhältnis sind wir denn dann da? Also
00:23:42,994 --> 00:24:01,994 [Ariane] ich finde es extrem ungesund, keine Frage. Aber nicht nur Sport, sondern auch gesellschaftlich. Also diese Disparität. Und mir geht es nicht darum, jeder muss alles gleich kriegen, um Gottes Willen. Ich finde das Leistungsprinzip schon auch gut. Aber in irgendeiner Art und Weise eine Deckelung zu haben, fände ich deutlich gesünder.
00:24:01,994 --> 00:24:07,334 [Joël] Gut, also so viel zu dem ersten Ding. Mehr Kraft, Athletik und den Effekt verstehen. Was ist das zweite, wo du sagst 20?
00:24:07,334 --> 00:24:13,474 [Ariane] Das zweite, und das schließt ja so ein bisschen an, Tauchen ist das schönste Hobby der Welt.
00:24:13,474 --> 00:24:14,734 [Joël] Tauchen?
00:24:14,734 --> 00:25:21,070 [Ariane] Ja. Und also ich liebe tauchen, weil wenn ich jetzt tauchen gehe, ist so, meine Gelenke tun nicht weh, du bist im Wasser, du bist schwerelos. Es ist alles deutlich leichter. Es ist wahnsinnig toll. Es kann keiner mit dir reden. Das einzige, was du hörst, sind die Blubberbläschen von deinen Atemgeräuschen. Und dann hast du andere Geräusche gelassen. Das Knistern, wenn du an einem Rift tauchst, hörst du tatsächlich.Unterwassergeräusche, ob es Fischlaute sind, wenn da an den Algen geknabbert wird oder so dergleichen. Wahnsinnig faszinierend. Und ich habe das Tauchen 2008 kennengelernt, auch natürlich mit einem Fußballkontext. Ich habe in der Zeit in Schweden gespielt und Schweden hat eine andere Saison und in Schweden hat es dazu geführt, dass man eine längere Winterpause hat, also über mehrere Wochen Zeit hat. Sonst zum Rest meiner Karriere, da habe ich häufig im Sommer mal eine Woche, maximal zwei Wochen gehabt im Urlaub. Da musste ich aber auch schon viel davor bereiten und da wusste ich okay, ich kann jetzt sechs Wochen wirklich in den Urlaub fliegen. Ich habe mir damals Thailand ausgesucht, wollte eine Rundreise machen und meine damalige Mitspielerinnen, Nadine Angerer
00:25:21,070 --> 00:25:38,889 [Ariane] benannt Natze. Der eine oder andere Fußballkontext kennt das noch. Die hat mich damals gelöcht und gesagt Ari, du musst tauchen gehen, du bist in Thailand, du musst tauchen gehen. Und ich hatte da absolut null Interesse dran. Ich hatte auch Angst vor gehabt. Ich dachte oh nee, ich kann nur ein bisschen klaustrophobisch sein. Wassermengen über mir. Also ich wollte es einfach nicht. Und
00:25:38,889 --> 00:26:27,810 [Ariane] Natze hat so eine Penetranz an den Tag gelegt, dass ich irgendwann zu ihm gegangen habe und gesagt Natze, halt die Klappe, ich kann es nicht mehr hören. Ich verspreche dir, ich werde es ausprobieren. Ich werde einen Kurs buchen und ich probiere es aus. Aber du darfst nichts mehr sagen. Und ich bin ihr bis heute dankbar, dass sie so penetrant war. Weil wirklich allererste Sekunde das erste Mal unter Wasser. Klar, alles neu. Ich fand es so toll, ich fand es so aufregend und bin begeisterte Taucherin. Und die Tauchwelt hat sich verändert. Ich glaube vor 20 25 Jahren hast du noch ganz andere Erlebnisse gehabt. Zum einen natürlich, die Natur war intakter, aber auch es war noch nicht so weit verbreitet. Du hattest deutlich weniger Taucher unter Wasser. Du hast Orte bereist, die abenteuerlicher zu erreichen waren. Heute ist es deutlich einfacher und ich hätte das Tauchen gerne ein bisschen früher entdeckt. Für mich geht's dir auch so.
00:26:27,810 --> 00:26:31,490 [Joël] Ich habe das auf Mallorca gerade gemacht mit diesen geilen Schnorchelmasken, die man sich miteinander.
00:26:31,490 --> 00:26:33,889 [Ariane] Hör mir auf.
00:26:33,889 --> 00:26:42,990 [Joël] Also du denkst wahrscheinlich voll der Noob hier, aber für mich war das von so mit Schnorchelzug. Wow. Man kann so 360 Grad sehen. Schon echt was. Und mir geht's immer so.
00:26:42,990 --> 00:26:48,449 [Joël] Ich finde das offene Meer unfassbar faszinierend und gleichzeitig unfassbar beängstigend.
00:26:48,449 --> 00:27:38,110 [Ariane] Unterschreibe ich eins zu eins. Ja, ist wirklich. Es gibt ja Tauchorte, da bist du dann mit deinem kleinen Dinghi, wirst du dann Tauchspot gefahren. Vielleicht siehst du irgendwie eine Insel in der Nähe. Manche Spots sind aber auch wirklich sehr remote und da ist weit und breit irgendwie nichts. Und dann tauchst du in das offene Meer ab und du siehst am Anfang erstmal gar nichts. Das ist schon nicht wirklich Angst, aber es ist schon ein interessantes Gefühl. Und ab dem Zeitpunkt, wo du dann runter gehst und den ersten 1020 Meter, siehst du nichts. Und dann irgendwann siehst du den Grund oder das Riff oder das Wrack, was du betauchst. Genau. Und dann ist wirklich einfach nur noch Freude da und Spaß. Und dann, wenn man dann aber wieder hochkommt und dann darauf wartet, dass das Boot einen wieder einsammelt, dann merkt man schon auch, wie klein ist man eigentlich hier? Wie ist man der Natur ausgeliefert?
00:27:38,110 --> 00:27:41,750 [Ariane] Ja, genau diesen Mix unterschreibe ich eins zu eins.
00:27:41,750 --> 00:27:43,850 [Joël] Ich finde, man ist da irgendwie auch Gast.
00:27:43,850 --> 00:27:45,350 [Ariane] Oh, tausendprozentig.
00:27:45,350 --> 00:27:52,649 [Joël] Ja. Also ich meine, es ist so, wir sind schon Teil dieses Ökosystems. Aber du merkst, die Gesetze hier schreibe nicht ich. So kann man es sagen, ne?
00:27:52,649 --> 00:28:11,350 [Ariane] Hundertprozentig. Absolut. Also man ist Gast, man darf die Welt mit entdecken, man darf Zuschauer sein, aber genau, du bist allem ausgeliefert, der Tierwelt, der Pflanzenwelt, aber natürlich auch Strömungen und dergleichen. Also du bist ein Spielball der Natur.
00:28:11,350 --> 00:28:13,850 [Joël] Bist du schon mal in Gefahr geraten dabei?
00:28:13,850 --> 00:28:39,489 [Ariane] Nein, bin ich nicht. Es gibt natürlich auch die Ausbildungen sind in der Regel ganz gut. Ich würde mich selber als auch eine sehr verantwortungsbewussten Taucherin bezeichnen und daher also noch nicht mal kalkuliertes Risiko. Klar gehst du vielleicht auch mal in ein Wrack rein, wobei das jetzt nicht meine Spezialdisziplin ist. Ein bisschen klaustrophobisch bin ich dann. Aber auch da hast du ja Absicherungsmethoden. Und
00:28:39,489 --> 00:29:22,750 [Ariane] ich bin auch schon in eine Situation geraten mit meiner Tauchpartnerin zusammen. Wir waren an einem Riff und haben Manta beobachtet. Und in einem kleinen Moment sind wir vom Riff ein bisschen weggekommen und wir haben es denn nicht mehr geschafft zurückzuschwimmen. Und dann waren wir wirklich in so einer Waschmaschine drin mit extremen Strömungen. Und dann bist du in einer Sekunde noch auf 10 m, auf einmal sagst du auf 30 m ab und dann schießt du wieder auf 5 m hoch. Also das war ein unangenehmes Gefühl. Aber das Beste, was du in dem Moment machen kannst, ist ruhig zu bleiben und total zu entspannen, weil du kannst nicht dagegen ankämpfen und irgendwann wirst du auch wieder hochgehen. Und deshalb mit der Ausbildung, mit dem Wissen, was ich hatte, war ich da zum Glück entspannt, bin ruhig geblieben und deshalb ist auch wirklich nichts passiert. Gehört dazu.
00:29:22,750 --> 00:30:08,929 [Joël] Fast so ein bisschen eine Lebenslektion. Ich habe ein Buch gelesen von John Strielecki bis Café am Rande der Welt. Ist ein ganz verbreitetes Buch. Und da gibt es diese Geschichte, wie die eine Frau erzählt, wie ihr eine Schildkröte beigebracht hat, entspannter im Leben zu sein, weil die ging immer tauchen und dann schwamm da eine Schildkröte. Und ich meine, Schildkröten sind jetzt an Land eher langsame Tiere und im Wasser, aber relativ agil. Und die hat sich gewundert, wie kann es sein, dass diese Schildkröte viermal so schnell vom Land wegkommt wie ich? Was war der Trick? Die Schildkröte hat immer wenn die Wellen landeinwärts kamen, stillgehalten und wenn sie landauswärts gingen, gerudert. Also war so die Lektion dieser Planet. Das fand ich sehr smart zu sagen hey, wenn du Widerstände im Leben hast, mach dich locker und das was du ändern kannst, da gibt Gas. Ja.
00:30:08,929 --> 00:30:17,469 [Ariane] So schöne Geschichte. Da nur kurz einhaken. Das ist wieder, was wir von der Natur auch lernen können und unter Wasser. Es gibt eine ganz tolle
00:30:17,550 --> 00:30:56,448 [Ariane] Dokumentation auf Netflix. My octopus teacher und auch eine wahre Gegebenheit. Also die Hörer Hörerin guckt sie euch an, es ist wahnsinnig spannend. Auch ein Mensch, extrem viel Stress im Leben gehabt usw ich muss mal runterfahren. Ist dann tauchen gegangen. Freitauchen ab Null tauchen und hat einen Oktopus unter Wasser gesehen kennengelernt und den über viele Tage, täglich, wochen, monatelang beobachtet und dann eine Verbindung aufgebaut und extrem viel gelernt. Und da ging es auch ums Thema Entschleunigung und was man alles mitnehmen kann. Wieder die Unterwasserwelt oder generell Natur und Tierwelt, wo wir extrem viel lernen können als Menschen.
00:30:56,449 --> 00:31:07,050 [Joël] War das bei dir auch ein bisschen so? Weil du hast eben beschrieben Gott sei Dank, da bin ich unter Wasser, da kann mich keiner vollquatschen. Also ist das ein bisschen so dein Ort der Ruhe, den du brauchst vor irgendwie anderen Menschen oder vor Stress?
00:31:07,578 --> 00:32:01,197 [Ariane] Geht ja auch ohne Tauchen. Ja, also ich hatte erzählt 2008 habe ich angefangen. Da hatte ich noch ungefähr so drei Jahre wirklich auf allerhöchstem Niveau Nationalmannschaftskarriere auch gehabt und dann die letzten zwei Jahre dann noch auf auf Clubebene. Und ähm da habe ich es dann schon geschafft, mir eine Woche Urlaub auch mal freizuschaufeln, wo ich dann tauchen gehen konnte und da konnte ich brutal entspannen. Und ähm ja, im weiteren Leben auch. Da verändert sich der Stress und das sind wirklich für mich meine meine Oasen definitiv. Ähm Ja, ich meine, klar, man kann selbst wählen. Ich kann auch an Land irgendwie dafür sorgen, dass das jetzt keiner mit mir redet. Aber da es ist nicht unhöflich, weil es kann ja keiner mit mir sprechen. Ähm Wenn am Land, da musst du dann schon mal erklären, warum ziehst du dich denn jetzt zurück? Warum willst du denn nicht den Sozialkontakt haben? Und da unten bist du ja, du tauchst ja nie alleine, ähm häufig auch in einer kleinen Gruppe zusammen, aber ähm du bist dann trotzdem in deiner eigenen Welt, was ich extrem schön finde.
00:32:01,197 --> 00:32:05,957 [Joël] Was heißt denn eigentlich tauchen bei dir? Also welche Orte? Wie tief? Welche Art?
00:32:05,957 --> 00:32:32,477 [Ariane] Ähm Auf jeden Fall Warmwassertauchen [kichern], also kalte Seen, da musst du mir nicht kommen. Also unter fünfundzwanzig Grad finde ich es schon frisch, aber ähm mache ich dann auch. Südostasien ist tatsächlich so mein Traumgebiet, gerade Indonesien, Philippinen, ganz, ganz viele tolle Orte. Und das Ding ist ja, je mehr man unterwegs ist, je mehr man auch reist, je mehr man kennenlernt, desto mehr Gebiete gibt es noch, die man bereisen will, die man betauchen will. Ähm
00:32:32,477 --> 00:32:52,217 [Ariane] ja, Tiefe kommt gar nicht so drauf an. Also im Schnitt ist das schon meistens so zwischen zwanzig und dreißig Meter. Ich habe aber auch wundervolle Tauchgänge gehabt, die waren so zwischen fünf und zehn Metern. Im seltensten Fall, ja, ich bin auch mal auf vierzig Meter runter getaucht, ähm weil da ein Schiffsrack lag. Aber irgendwann wird es dann auch nur noch dunkel und und und weniger Farben. Ähm
00:32:52,217 --> 00:33:51,878 [Ariane] Und tatsächlich, ein Tauchgang kann für mich auch schön sein, wenn ich vermeintlich noch nicht mal was sehe, weil nicht viel Fischleben da ist oder weil die Riffe vielleicht auch mal kaputt sind oder so dergleichen. Aber dann entspanne ich auch anderweitig, weil es gibt immer irgendwas zu erleben und einfach nur und unterwegs zu sein. Ähm Und was ich neuerdings auch gemacht habe, ich habe noch einen Kurs gemacht im Freitauchen, im Apnötauchen, weil ich das auch noch mal ganz, ganz toll finde. Da kannst du auch noch mal mit der Unterwasserwelt anders agieren. Plus ähm, es gibt auch mehr und mehr Sportler, über die man das hört, die auch in diese Richtung gehen. Du kannst nur gut freitauchen, wenn du komplett locker lässt, wenn du entspannt bist, wenn dein Kopf frei ist ähm und gewisse Atemtechniken auch einhältst und so ähm dein ja, dagegen ankämpfst, atmen zu müssen, weil musst du eigentlich gar nicht. Wir alle sind eigentlich in der Lage, mehrere Minuten den Atem anzuhalten. Wir machen es aber nicht, weil es unangenehm ist für den Körper und solche Dinge. Also das finde ich gerade so ein neues Feld, was ich für mich entdecke. Zum einen zum Tauchen, aber auch so
00:33:51,878 --> 00:33:54,838 [Ariane] im Alltag so eine Entspannungsmöglichkeit zu haben.
00:33:54,838 --> 00:34:00,957 [Joël] Ich finde das ja auch crazy. Ich war letztens in Vietnam, passt ja zu Südostasien, ehhh in so einer Eistonne.
00:34:00,957 --> 00:34:01,767 [Ariane] Ach. [lachen]
00:34:01,767 --> 00:34:04,038 [Joël] Dann Atemtechnik nach Wimhof. Ich fand das irre.
00:34:04,038 --> 00:34:04,977 [Ariane] Ja, hast du gemacht?
00:34:04,977 --> 00:34:15,938 [Joël] Ja, hat der Typ mir so beigebracht. Erste Mal dachte ich, mir sterben die Glieder ab. Das zweite Mal dachte ich, cool. Nice. Wir haben vier Durchgänge gemacht. Fairerweise habe ich danach meine Glieder nicht mehr richtig gefühlt. [lachen]
00:34:16,098 --> 00:34:20,817 [Ariane] Irgendwann wurden sie blau. Ich weiß nicht, ob der Nebeneffekt so gewünscht war. [lachen]
00:34:20,817 --> 00:34:32,877 [Joël] Der Typ war auch mal ein bisschen lustig. Der meinte ja, Guys, anything more than fifth minutes. This is just a dick swinging battle. Ja, das ist dann sozusagen nur noch, wer hat es am meisten hier? Ähm Ja. Aber deswegen, was mit Atem geht, ist irre.
00:34:32,877 --> 00:34:59,598 [Ariane] Ja, und wirklich einfach Mindset. Also was unser Körper eigentlich alles zu leisten möglich ist. Ähm Aber unser Gehirn mag halt Bequemlichkeit, will keine Schmerzen, will nicht Unangenehmes haben. Und dem dann entgegenzukämpfen. Also, ich ziehe da wirklich meinen Hut. Also gerade diese Eistonnen-Geschichten, da bin ich komplett raus. Da komme ich nicht ran. Also da habe ich wahrscheinlich auch die Sperre, da will ich auch gar nicht irgendwie erfolgreich sein. Aber ich finde es super, auch so was zu entdecken.
00:34:59,598 --> 00:35:05,758 [Joël] Bei Fußballern wundern mich das immer, wie die das jedes Mal machen gefühlt. Da denke ich mir auch so, okay, mal als Action-Event meinetwegen, aber ähm ...
00:35:05,758 --> 00:35:11,917 [Ariane] Nein, das war zum Glück bei meiner Karriere. Das kam erst zum Ende und da war ich dann zum Glück schnell raus. Musste ich nicht mehr machen.
00:35:11,917 --> 00:35:16,478 [Joël] Wie machst du denn das eigentlich mit den Ohren? Also wenn ich so tiefer drei Meter tauche, dann merke ich so, [sogenanntes Geräusch].
00:35:16,478 --> 00:35:45,158 [Ariane] Ja, Druckausgleich. Geht ja So wie, ich hätte es gerne auch, hätte man mit auch nehmen können, so die ersten Schwimmunterrichtseinheiten, die man hatten und da musst du den Tauchring hochziehen. Und es lag ja nie daran, dass man nicht die Luft anhalten kann, aber die Ohren sind geplatzt. Ja, einfach Druckausgleich machen und da passiert überhaupt nichts. Und ist auch extrem wichtig. Aber einfach diese Info nur zu haben, die würde so vielen Schulkindern helfen, wenn sie den Tauchring von drei Meter äh Höhe hochholen müssen. Ja, ganz banale, einfache Lösung.
00:35:45,158 --> 00:35:49,308 [Joël] Okay, also tauchen, so wie in deiner Meditation, lerne ich. Was ist das Dritte bei dir?
00:35:49,308 --> 00:37:05,598 [Ariane] Ich muss hier auf den Spickzettel gucken, welche Reihenfolge. Ah ja, wir machen einen ganz kleinen Sprung und Cut. Ähm Thema Geldanlage. Also nicht auf diese vermeintlichen Finanzexperten zu hören. Ähm Das ist wahnsinnig interessant. Ist jetzt in der Zeit, wo ich gespielt habe, habe ich jetzt nicht irgendwelches Vermögen, Reichtümer oder sowas anhäufen können. Aber äh sicherlich war auch in meinen jungen Jahren irgendwie zehn Euro im Monat, zwanzig Euro im Monat, irgendwann vielleicht auch mal ein bisschen mehr. Sicherlich wäre das kein Thema gewesen, das auch zur Seite zu legen und zu sparen. Ich war immer ein sparsamer Mensch. Mir haben aber die Hebel und das Wissen und die Informationen gefehlt: Was macht man denn am besten? Ähm Wenn man mich jetzt googelt, dann kommt raus, dass ich gelernte Bankkauffrau bin. Deshalb finde ich das noch mal [kichern] beschämender, dass ich da nicht genug Wissen hatte, wie man das macht. Natürlich war damals die Finanzwelt auch noch eine bisschen eine andere. Und dann kommen die Klassiker in jungen Jahren: „Ja, machst du denn eine Lebensversicherung oder meinetwegen den Bausparvertrag? Ähm Und eigentlich habe ich erst so in den letzten ein bis fünf Jahren mich individueller damit auch beschäftigt. Ähm Und ja, aber so vor zehn, fünfzehn Jahren, wo man dann ein bisschen Geld hatte: „Was mache ich denn? Dann gehst du zum Finanzexperten und
00:37:05,598 --> 00:37:48,518 [Ariane] der sagt dir dann: „Dieses Produkt ist extrem gut, da kannst du rein investieren. Und leider gehöre ich jetzt auch zu den Menschen, die sehr naiv sind, die sehr schnell jemandem glauben.Geld anlegen, ähm, wenn die mir sagen, das ist gut, dann wirds auch gut sein, wenn die doch die Experten in diesem Markt sind und ich mittlerweile festgestellt habe, also das Geld hätte ich wirklich deutlich besser anders anlegen können und, ähm, besser spät als nie. Ich habe jetzt ein bisschen mehr Wissen, eigne mir auch mehr Wissen an, aber es hätte schon nicht schlecht getan, auch vor fünfundzwanzig Jahren schon anders Geld zu sparen, ähm. Nicht das Geld deswegen, aber um eine Unabhängigkeit zu haben und eine Absicherung zu haben und dergleichen. Und da hätte ich gerne früher mit angefangen.
00:37:48,518 --> 00:37:59,298 [Joël] Ich finde bei den Finanzexperten irgendwie immer schwierig, dass die halt eine Intensivierung haben, dir bestimmte Produkte zu verkaufen. Wenn sie neutral wären und sagen würden, ich berate dich auf deiner Basis, was es ja anscheinend auch, wusste ich gar nicht-
00:37:59,298 --> 00:37:59,498 [Ariane] Ja.
00:37:59,498 --> 00:38:03,678 [Joël] -dass es auch Leute gibt, dann zahle ich denen für die Stunde Geld und die stellen mir was zusammen. Okay.
00:38:03,678 --> 00:38:03,937 [Ariane] Ja.
00:38:03,938 --> 00:38:12,888 [Joël] Ähm, dann hast du ja einen ganz anderen Geschmack. Aber wenn du da hingehst und dann sagst dir hier so Bausparvertrag und denkst so: „Hä? Wenn dann so siebzig-jährigen Frauen- [Schablonengeräusch] Ja. -irgendwie 'ne Lebensversicherung verkauft wird, ja-
00:38:12,888 --> 00:38:13,318 [Ariane] Ja. Ja.
00:38:13,318 --> 00:38:14,458 [Joël] What the heck?
00:38:14,458 --> 00:39:15,418 [Ariane] Genau. Und das, das Spannende ist ja, also, ne, man geht ja nicht zu dem Finanzexperten-- also klar weiß man, da, da, da ist eine Leistung, die erbracht wird, die will ich auch bezahlen, ne? Und natürlich diese-- dass da irgendwelche Kosten dann auch vorhanden sind, ja. Aber wirklich dann jetzt mal zu sehen, which Geldanlagen hatte in irgendwelchen Fondsmanagmentbereichen. Und natürlich kriegt man die Aufschlüsselung, was das jährlich kostet. Aber da habe ich mich nicht genug mit beschäftigt und jetzt mit deutlich mehr Wissen, auch selber mal ein bisschen Geld anders anzulegen. Und dann gucke ich mir ein, wie viel ich auf die Jahre an Tausenden von Euro gezahlt habe an Gebühren. Und da denke ich mir: „Boah, Wahnsinn." Also, ne? W-w-wirklich, ich zahle gerne, wenn ich gut beraten werde, ähm, den Einstieg oder den Stundensatz oder so. Ja, aber leider Gottes ist die Finanzwelt vor allem in der Vergangenheit nur so aufgestellt gewesen. Ich muss ja dauerhaft an einem Produkt verdienen und das ist nicht individuell, sondern: Wo kann ich einfach auch Geld mit verdienen? Und das ist, ähm-- leider
00:39:15,418 --> 00:39:19,398 [Ariane] bin ich auch eine von denen gewesen, die da eher drauf reingefallen ist, ja.
00:39:19,398 --> 00:39:25,858 [Joël] Erlebst du das Thema Finanzvorsorge für Frauen noch mal schwieriger als für Männer?
00:39:25,858 --> 00:40:59,138 [Ariane] Ja, ähm, auf jeden Fall. Ich meine, jetzt passt es auch, ne, mit Viktoria Berlin. Jetzt haben wir mit Scalable Capital einen Partner an unserer Seite gefunden, ähm, der auch gerade das Thema Finanzen für Frauen extrem noch mal pushen will. Und, ähm, es gab auch schon die ersten Workshops mit unseren Spielerinnen, die so dankbar und froh waren, ähm, einfach Wissen über das Thema zu haben, sich auch mal austauschen zu können, ähm, und ja, einfach andere Möglichkeiten zu geben. Ich glaube, leider Gottes ist es in der heutigen Gesellschaft immer noch so, dass viel zu viele Frauen sich damit nicht beschäftigen, weil der Ehemann hat's gemacht oder es ist ein leidiges Thema oder ich will mit Zahlen auch nicht. Oder wie beschäftige ich mich, oder? Auch heutzutage in Deutschland, wir reden ja nicht über Geld, ne? Entweder ist der Neid da oder man will bloß nicht wissen, irgendwie austauschen oder man will vielleicht auch nicht zugeben, dass man da eine Wissenslücke hat. Ähm, ich spreche auch immer wieder mit der Mama und die sagt auch so: „Mir ist das so anstrengend. Eigentlich will ich mich gar nicht drum kümmern, ne?" Und dann: „Ja, aber du musst ein bisschen", dann probiere ich der so ein bisschen zu helfen. Ähm, ich glaube, dass da noch extrem viel Aufholbedarf ist. Ich finde es aber gut, dass es mehr und mehr, äh, Mechanismen heutzutage gibt, um das auch zu verändern. Und da ist so eine Sichtbarkeit, wie jetzt bei uns im Sponsorenpartner, auch enorm wichtig, ähm, ja, Dinge da zu verändern und auch dieses Selbstvertrauen für Frauen aufzubauen, äh, zu sagen, du kannst dich selber drum kümmern. Das ist übrigens gar kein Hexenwerk. Mit gezieltem Training kannst du relativ schnell das deutlich besser verstehen, das Thema. Und ich glaube, dann werdens auch viel mehr Menschen machen.
00:40:59,138 --> 00:41:07,717 [Joël] Was ist heute so deine Philosophie? Also, wenn du es noch mal, äh, in die Vergangenheit beamen könntest, was würdest du da investieren unter der Prämisse, dass es vielleicht damals die gleichen Anlagen gibt wie heute?
00:41:07,718 --> 00:42:08,517 [Ariane] [lacht] Ja, na, klar bist du da in dem Thema ETFs auch natürlich anders bei. Also vor allem würde ich solche Produkte wählen, wo die Verwaltungskosten, die jährlichen Gebühren und Kosten, die anfallen, deutlich geringer sind. Ähm, wirklich diese Streuung auch zu haben, im Aktienmarkt drin zu sein, aber auch die sicheren, im Anleihenbereich, Thema Immobilien auch anders anzugehen. Was für Möglichkeiten hat man da denn eigentlich? Also diese breite Streuung da anders zu haben. Ähm, ich bin ein Mensch, der jetzt zum Glück auch nicht risikoscheu ist. Also ein Teil des Geldes, da sage ich: „Okay, ich freue mich, wenn am Ende da doch ein Plus rauskommt, aber wenn ich da einen Verlust habe, ist es für mich jetzt auch nicht weniger tragisch, aber wirklich anders aufgestellt und gestreut aufzustellen zu sein. Und ich freue mich auch immer noch, dass ich eine Lebensversicherung habe keine Frage. In ein paar Jahren, da kommt gutes Geld raus, aber es gibt halt nicht nur diese Lebensversicherung oder diesen gemanagten Fonds, der mir zwar einen Gewinn eingebracht hat, aber wo ich viel zu viel Geld gezahlt habe, was ich nicht hätte tun müssen.
00:42:08,518 --> 00:42:10,218 [Joël] Okay, dann bist du ja richtig ab pro jetzt hier.
00:42:10,218 --> 00:42:44,718 [Ariane] Ich wünschte-- Nee, also ich bin weit davon entfernt, aber ich bin einfach offener und, und probiere Dinge auch mal anders aus. Und natürlich hat man auch jetzt andere Möglichkeiten. Ja, dann machst du das Internet auf und, ähm, du kannst dir anderes Wissen aneignen und, ähm, auch gelernt, auch das Internet nicht eins zu eins-- beim Internet fällt's mir leichter. Da glaube ich nicht direkt das, was ich sehe. Bei Menschen bin ich, wie gesagt, da falle ich leichter drauf rein. Da bin ich naiver unterwegs. Aber da, wenn ich im Internet unterwegs bin, ähm, befasse ich mich mit dem Thema kritischer und probiere, mich da so ein bisschen mehr einzulesen. Ich glaube, dass man heutzutage auch andere Möglichkeiten hat, da auch mehr aufgeklärt zu werden.
00:42:44,718 --> 00:42:49,378 [Joël] Na gut, also von Kraft über Tauchen zu Geld. Was ist deine Nummer vier?
00:42:49,378 --> 00:43:46,122 [Ariane] Ähm, oh, super Punkt. Das ist das Schönste mit dem Altern, äh, Gelassenheit. Je älter man wird, äh, desto gelassener wird man in vielen Themen. Also gerade, ich hab's noch mal in Anführungsstrichen geschrieben: „Du kannst nicht jedem gefallen." Ich glaube, in jüngeren Jahren war es bei mir deutlich ausgeprägter, äh, vielleicht nicht unbedingt nach außen, aber so nach innen: „Was denken andere Menschen von mir, über mich? Wie reagieren sie auf bestimmte Dinge?" Gar nicht unbedingt das Bedürfnis zu haben, ich muss gefallen und, und, ich muss toll sein, aber eine deutlich größere Unsicherheit, ähm, und mich mehr davon ableiten lassen, wie mich andere Menschen beurteilen-Interessanterweise ein Unterschied, ob ich im Fußball unterwegs war oder im Privatleben. Also da konnte ich deutlich besser differenzieren. Und je älter man wird, also ich denke, dass du es auch unterschreiben wirst,
00:43:46,122 --> 00:44:04,162 [Ariane] so viele Dinge sind einem einfach deutlich mehr egal. Ja, dann sagt er halt was über mich. Wir Menschen werden immer den anderen gefallen wollen. Wir sind soziale Wesen, aber ich gehe mit so vielen Dingen so viel gelassener um und das ist, es entspannt das Ganze. Finde ich so toll.
00:44:04,162 --> 00:44:09,402 [Joël] Meine Mama hat immer zu mir gesagt: „Ein Drittel mag dich, ein Drittel kann dich nicht leiden, einem Drittel bist du egal.
00:44:09,402 --> 00:44:14,362 [Ariane] Ja, gute Aufteilung. Konntest du das damals, also in jungen Jahren noch umsetzen und sagen: „Ist so?
00:44:14,362 --> 00:44:30,382 [Joël] Nein, wahrscheinlich irrt sie sich auch. Ich würde sogar fast tippen, dass du wahrscheinlich achtzig Prozent egal bist. Also die Leute, die dich nicht leiden können, ist ganz klein und die dich leiden können, wahrscheinlich auch. Also wenn du ein gutes Leben führst, mögen dich sehr viele Leute, aber man staunt, wie viele Menschen sich eigentlich eher für sich selbst interessieren.
00:44:30,382 --> 00:44:41,882 [Joël] Und als du gerade gesagt hast, „geht mir gar nicht so sehr darum, anderen zu gefallen, kam mir so die Fortsetzung im Kopf: „Ja, aber manchmal wahrscheinlich so ein bisschen, dass man versucht, den anderen nicht nicht zu gefallen.
00:44:41,882 --> 00:44:45,682 [Ariane] Sehr gut formuliert. Das ist wahrscheinlich noch mehr.
00:44:45,682 --> 00:44:55,162 [Joël] Und ich finde es manchmal ganz lustig, wie viele Leute sich auf Erfolg verwehren oder Dinge auszuprobieren mit der Begründung: „Was würden denn die Nachbarn sagen? [lachen] Das ist so ein alberner Satz.
00:44:55,162 --> 00:44:57,302 [Ariane] Ja, auf jeden Fall.
00:44:57,302 --> 00:44:58,622 [Joël] Das haben viele, glaube ich.
00:44:58,622 --> 00:45:32,962 [Ariane] Ja, definitiv. Wie gesagt, ich glaube, je jünger man ist, ist es mehr so: „Was sagen die Nachbarn? Oder „Wie denken die? Oder Entscheidungen wurden, glaube ich, auch, oder von meiner Seite vielleicht vermehrt getroffen: „Wie reagiert die Familie? Wie reagiert der Freundeskreis? Während heute, natürlich hat man so seinen engen Kreis, wo man sich ehrlich auch noch mal fragt, aber ich mache heute viel häufiger auch Dinge, probiere es auch einfach mal aus und ich kann ja eh nicht Einfluss darauf nehmen, wie andere darauf reagieren, sondern einfach mehr mich selbst zu reflektieren: War das jetzt gut für mich? War das schlecht für mich? Wie gehe ich selber damit um? Und
00:45:32,962 --> 00:45:35,862 [Ariane] es ist total spannend, diese Reise dann noch mal zu machen.
00:45:35,862 --> 00:45:46,902 [Joël] Was glaubst du, wenn du sagst, Gelassenheit ist so ein Stück weit ein Symptom des Alters? Woher kommt die? Ist das so Lebenserfahrung oder muss ich, wie du, zweimal einen Weltmeister gewinnen damit? [lachen]
00:45:46,902 --> 00:45:55,322 [Ariane] Nein, im Sport, da habe ich deutlich weniger Gelassenheit, als im nicht sportlichen Kontext. Ich glaube, das ist wirklich das Thema
00:45:55,322 --> 00:46:27,122 [Ariane] Erfahrung, die man sammelt. Und ich glaube auch, mit zwanzig Jahren kannst du gar nicht so gelassen sein. Da fehlt dir zum einen die Lebenserfahrung und du bist natürlich auch anders drauf und man blickt, glaube ich, auch anders aufs Leben. In unseren Jahren, du bist jetzt ungefähr bei der Hälfte des Ganzen angekommen. Und was ist denn eigentlich gerade wichtig? Wo willst du deine Prioritäten setzen? Ich möchte meine Zeit wirklich nicht mit Menschen verbringen, die nicht gut für mich sind. Und ich glaube, man nimmt das Ganze auch anders wahr, weil man andere
00:46:27,122 --> 00:46:33,462 [Ariane] Prioritäten hat und setzt und auch eine andere Achtsamkeit, glaube ich, drauf hat. Ich glaube, das ist das Entscheidende.
00:46:33,462 --> 00:47:15,922 [Joël] Zu mir hat so ein Soldat was Interessantes gesagt. Der hat ja wirklich fünfzehn Karrieren gehabt oder so. Angefangen eigentlich Schule, dann irgendwie Lehre, dann noch mal Abitur nachgemacht, dann beim Bund, dann irgendwie auf einmal Flieger geworden. Crazy. Und dann hat er diesen schönen Satz gesagt: „Ja, dein erster Job muss nicht der sein, der dich reich und glücklich macht. Und ich finde, in jungen Jahren spürt man noch einen viel größeren Druck. Und der Mindset-Coach, mit dem ich gestern geredet habe, hat gesagt, die erfolgreichsten Menschen, die er sieht und immer bedenken, der hat sozusagen einen krass kleinen Filter, Top fünf in ihrer Branche, irrwitzig klein, aber die meisten von ihnen sind in den Fünfzigern. Ich weiß nicht, wie es dir so geht, aber ich hatte immer den Eindruck, alles klar, zwanzig, jetzt musst du racken. Ab fünfunddreißig wird es dann ruhiger und das ist eigentlich gar nicht so.
00:47:15,922 --> 00:48:43,842 [Ariane] Hundertprozentig. Ich glaube auch, dieser Moment, du hast die Schule beendet, egal jetzt ob Realschluss oder Abitur oder was auch immer und dann so die Erwartungshaltung: „Was machst du denn jetzt mit deinem Leben? Du musst doch wissen, welchen Beruf wählst du, deine Karriere, wo geht die lang, so gradlinig. Und da schreibe ich komplett und ich finde es auch wahnsinnig spannend. Mir hat das da auch sehr den Horizont geöffnet, erweitert. Ich war auch anderthalb Jahre in Australien unterwegs. Zum Ende meiner Fußballkarriere konnte das so ein bisschen verbinden. Und da sind wir Deutschen auch wahnsinnig extrem. Also das verändert sich ja zum Glück, aber gerade in der Vergangenheit, wenn du in Deutschland einen Lebenslauf hattest, wo du fünf verschiedene Jobs hattest, dann wurde das nicht als positiv gesehen im Sinne von: „Boah, wie viel unterschiedliche Erfahrungen hast du denn? Du hast dich als Mensch verändert? Hast du es denn auch deinem Leben angepasst, sondern da war eher die Frage: „Wieso hast du denn fünf verschiedene Jobs? Hat dich keiner länger genommen? Wurdest du rausgeschmissen? Hast du es nicht ausgehalten? Bist du nicht beständig? Du passt ja nicht zu uns rein. Währenddessen in Australien war von Anfang an das total in Ordnung, fünf, zehn verschiedene Jobs zu haben, auch zu sagen: „Okay, ich arbeite jetzt zwei Jahre richtig hart und dann nehme ich mir eine Auszeit für ein halbes Jahr, bereise unser wunderschönes Land und dann suche ich mir den nächsten Job. Und ich glaube, da hast du auch ganz große kulturelle Unterschiede. Und wie gesagt, ich finde, das bricht in Deutschland auch mittlerweile deutlich mehr auf und das ist auch deutlich gesünder. Also wir verändern uns auch. Wir haben andere Interessen oder
00:48:43,842 --> 00:49:14,302 [Ariane] mit zwanzig weiß ich doch noch gar nicht, wo sind alle meine Interessen oder so? Wo sind meine Stärken? Und bleibt doch auch offen. Selbst wenn ich es vermeintlich weiß, probier dich doch aus. Manche Dinge hast du noch gar nicht kennengelernt. Wo willst du denn eigentlich wissen, ob es nicht was gibt, was dir viel mehr Spaß macht? Oder auch zurückzugehen und zu sagen: „Ich bin jetzt nicht gescheitert, sondern einfach, ich habe was gemacht, aber das passt gar nicht zu mir. Aber ich bin froh, es ausprobiert zu haben und jetzt suche ich mir aber was anderes, was viel mehr meinen Interessen entspricht oder meinen Stärken oder dergleichen. Also ja.
00:49:14,302 --> 00:49:20,122 [Joël] Das ist in der Wissenschaft auch so, dass Falsifikation fast wertvoller ist als Verifikation.
00:49:20,122 --> 00:49:25,722 [Joël] Ich weiß, was du meinst. In Israel haben die gesagt, die Top-Investoren, wir finanzieren nur Gründer, die schon ein-, zweimal gescheitert sind.
00:49:25,722 --> 00:49:26,702 [Ariane] Ja, auf jeden Fall.
00:49:26,702 --> 00:49:38,202 [Joël] Ich weiß auch, warum. Weil du natürlich die dummen Fehler schon mal gemacht hast, hast dein Lehrgeld schon gezahlt. Also gebe ich dir recht. Ist manchmal ulkig, wie so Kultur da wirkt. Wie war es bei dir sonst? Hast du
00:49:38,202 --> 00:49:41,182 [Joël] viel Druck im Leben empfunden, auch wenn man so eine Karriere baut wie du?
00:49:42,366 --> 00:51:34,526 [Ariane] Gibt's, ähm? Nein, tatsächlich nicht. Und das ist ja [Sprecher 2 hustet] wieder dieses, dieses Spannende, ähm, ne, grade jetzt über, über Leistungssport zu, zu, zu sprechen. Ähm, da ist jeder natürlich auch unterschiedlich, aber die meiste Antwort, die man ja immer wieder hört, ist, der Druck, den man sich selbst macht, ist immer der größte. So, und, d-das ist auch so und das war für mich auch so. Ähm, und da ist man halt in diesem Bereich, ne, warum ist man denn erfolgreich? Ich glaube, du kannst nur erfolgreich sein, Sport oder auch im, im Leben, wenn du ein Ziel hast. Und wo will ich denn eigentlich hin ohne Ziel? Hast du keinen Erfolg, weil dann, dann treibst du ja irgendwo dergleichen. Und dieses Ziel muss natürlich auch extrem hoch gesteckt werden. Natürlich mit der Gefahr, dass ich auch scheitern könnte, aber wenn ich nicht danach strebe, Weltmeister zu werden, wie soll ich denn Platz drei erreichen? Wenn ich sage, ich will unter die Top zehn kommen, dann komme ich vielleicht genau Top zehn, aber ich hätte eigentlich vielleicht noch besser sein können. Und ich glaube, das ist dann, was man dann natürlich mitnimmt, den Druck, den man sich selbst macht. Und für mich war es denn so gewesen, ähm, ich will immer das Maximale aus mir rausholen und manchmal ist es einem gelungen und manchmal ist es sicherlich nicht gelungen. Und das war viel entscheidender. Ähm, und ja, natürlich, ab und zu kriegst du's dann von, von außen mit. Ähm, ich glaub, das beste Beispiel war für uns die, 2011 haben wir die Weltmeisterschaft zu Hause in Deutschland gehabt und da war sicherlich ein Druck von außen da und eine Erwartungshaltung. Ich glaube, dass es aber viel mehr war, auch eine ganz andere Öffentlichkeit, wo, wo, wo wir nicht drauf vorbereitet waren, was wir nicht erwartet hatten. Und das kann man dann natürlich vielleicht auch mit Druck vergleichen und daran sind wir dann gescheitert, weil wir mental nicht darauf eingestellt waren und damit sicherlich auch nicht umgehen konnten. Ähm, aber für mich war es wirklich eher, was habe ich mir selber als, als Ziel gesetzt? Wie bin ich da mit Druck umgegangen? Und
00:51:34,526 --> 00:51:38,126 [Ariane] ja, also ich bin da echt entspannt unterwegs.
00:51:38,126 --> 00:51:48,986 [Joël] Ist ja mal 'ne spannende Frage: Verträgt sich Gelassenheit mit Leistungssport? Also, wenn du auf dem Platz bist und hast so 'ne, jetzt nicht leck-mich-am-Arsch-Stimmung, aber so ein bisschen
00:51:48,986 --> 00:51:54,406 [Joël] lockerer sein, ein bisschen in dir ruhend, kannst du trotzdem dann, äh, hohe Leistungen bringen?
00:51:54,406 --> 00:53:13,566 [Ariane] Hundertprozentig, teilweise glaube ich, aso-- sogar besser. Und, ähm, ich glaube, das, das merkst du dann auch, äh, erfahrene Sportler, die gehen anders um. Also, natürlich haben sie Erfahrungen gemacht, sie hatten deutlich mehr Misserfolge dann auch mal dabei oder haben die Fehler gemacht oder konnten damit umgehen. Wenn du ein junger Sportler bist, hast du dein Ziel und jetzt machst du den Fehler, und, äh, im Fußballkontext, keine Ahnung, du verursachst dann, verursachst das Gegentor und du verlierst so, weil du diesen Fehler gemacht hast. Jetzt hast du zwei Möglichkeiten: Entweder, ähm, zerbrichst du da dran, oh Gott, und kommst ins Negative, oder du sagst, okay, ich hab den Fehler gemacht, ich muss ihn aber ganz schnell abhaken. Und da bist du dann bei dem Thema Gelassenheit, die Person, die es schneller schafft, diesen Fehler abzuhaken, weil den kannst du ja nicht mehr verändern und diese gewisse Gelassenheit mitzubringen, ähm, die wird schneller erfolgreich sein. Und deshalb glaube ich, eine gesunde Mischung, ähm, ist, ist sehr, sehr hilfreich diesbezüglich. Oder, keine Ahnung, spielst du vor fünfhundert Zuschauern oder spielst du auf einmal vor achtzigtausend Zuschauern. Ähm, wenn du diese, diese Gelassenheit in dir drin hast, dann, dann sind diese achtzigtausend eher euphorisierend für dich. Die pushen dich eher nach vorne und nicht im Sinne von: „Oh Gott, alle gucken mir jetzt zu und was mache ich denn damit?" Also von daher, ja, ähm,
00:53:13,566 --> 00:53:19,086 [Ariane] sie muss nur im ge-- richtigen Kontext sein und, und, äh, angewendet werden.
00:53:19,086 --> 00:53:33,706 [Joël] Wie war das so bei dir? Weil ich habe das auch von Leuten, die sich professionell damit beschäftigen, was erfolgreiche Menschen erfolgreich gemacht hat. Gerade im Sport kamen öfters mal dieses, Leute, die schneller Niederlagen abhaken können und Fehler. Wie ist dir das gelungen?
00:53:33,706 --> 00:53:43,286 [Ariane] Äh, unterschiedlich und da auch wieder sicherlich zum Ende der Karriere schneller, besser, leichter. Ähm,
00:53:43,286 --> 00:54:38,166 [Ariane] ja, genau. Es war sicherlich auch, auch 'n Prozess, aber generell, ähm, und das ist auch wieder so dieses, dieses Schöne am Teamsport natürlich, warum ich's einfach liebe: Wenn ich 'nen Fehler mache, hab ich 'ne Mitspielerin neben mir, die die Chance hat, diesen Fehler wieder wettzumachen. Ne Spielsituation ist, ich verliere den Ball, die erkämpft ihn zurück oder, ähm, keine Ahnung, ich hab 'n Gegentor verschuldet, aber 'ne Stürmerin schießt dann den Ausgleich zum Glei-- zum Beispiel. Also das eine, jemanden neben mir zu haben, der diesen Fehler auch ausbügeln kann und auf der anderen Seite auch für mich die Freude, 'ne Mitspielerinnenn macht 'nen Fehler und ich bin in der Lage, diesen auszubügeln oder ihr zu helfen, sie zu unterstützen. Dieses Zusammenspiel ist, äh, eines der schönsten Gefühle, was man irgendwie auch haben kann. Ähm, und deshalb glaube ich, dass ich relativ früh auch schon gut damit umgehen konnte, aber natürlich, je, je mehr Erfahrung, desto leichter ist es mir dann auch gefallen.
00:54:38,166 --> 00:55:17,566 [Joël] Weil ich erinnere mich immer an die Situation... Bin ja ein großer Formel-eins-Fan. Mhm. Und dann gab's diese, diesen, diesen Wettbewerb, Ferrari gegen Mercedes. Sebastian Vettel will hier das erste Mal den roten Titel wiederholen. Dann ist er in Hockenheim bei Regen ins Kiesbett gerutscht. Boah, das war ein Schmerz. Dann kamen die mal auf den zu und haben gesagt: „Stimmt sein Mindset nicht? Ist mit der Einstellung was los, dass er Fehler macht?" Und er hat da recht grantig reagiert und gesagt: „Ich weiß nicht, was ihr von mir wollt. Ich arbeite mit den besten Leuten der Welt und ich glaub, mein Mindset ist schon ziemlich okay." Nein. Und ich hab mich dann immer gefragt, wie sieht sowas aus? Also welche Mentalität verbindet sich mit dem Thema Fehler abhaken? Mhm. Hast du für dich da was entwickelt oder war das so 'n bisschen natürlicher Prozess, dass das mit der Zeit einfach kam?
00:55:17,566 --> 00:56:22,550 [Ariane] Ich glaube, das ist auch so'n, so'n natürlicher Prozess, aber auch, ähm, was für ein Umfeld hast du? Was für-- Wie, wie reagiert denn dein Trainerteam da drauf? Und generell glaube ich, dass der Sport eine richtig gute Fehlerkultur hat, ähm, auch Dinge anzusprechen. Ich glaube, das, das fehlt im Alltag noch deutlich zu sehr und da, da sind wieder die Dinge, wo, wo man vom Sport extrem viel lernen kann. Wir als Sportler wissen, dass Erfolg, Misserfolg steht und fällt mit, mit Fehlern, ähm-Lernst du eigentlich, wie gehst du mit diesem Fehler um? Ja, es ist klar, dass ich den Ball verlieren werde, dass ich einen Zweikampf verlieren werde. Aber vielmehr die Frage, warum habe ich ihn denn verloren? Und dann gibt es zwei Antworten. Entweder weil ich nicht gut genug war, weil ich nicht die Fähigkeiten, die ich vielleicht habe, angewandt habe, weil mir vielleicht aber auch ein Wissen gefehlt hat. Also ich muss meine Technik meinetwegen noch verfeinern. Ich kann den Ball noch nicht richtig gut stoppen, also es ist etwas, woran ich arbeiten kann.
00:56:22,550 --> 00:57:00,410 [Ariane] Aber auch die Erkenntnis, das lernst du auch recht zügig, recht schnell. Ich habe alles richtig gemacht und trotzdem verliere ich den Ball, wenn mein Gegenüber besser war. Und das auch anzunehmen und zu akzeptieren und sagen, okay, ich selber konnte es jetzt vielleicht nicht verändern, aber wie können wir als Mannschaft das vielleicht anders abfangen? Und das lernt man eigentlich von klein auf im Sportgeschäft und verfeinert es durch Rückmeldung vom Trainerteam oder von Mitspielerinnen. Und auch der kritische Umsichtungsgang mit sich selbst. Also jeder Sportler ... Gesundheit, muss man das rausschreiben. Jeder Sportler
00:57:00,470 --> 00:57:28,330 [Ariane] kennt Selbstkritik, dieses Feedback. Sportler wollen Feedback. Sie wissen es teilweise selber, aber auch von außen. Wie war das denn? Aber warum war es denn so? Was kann ich anders machen? Wir lechzen danach und das ist etwas, wo ich auch immer Freude drin habe, das zu probieren, in die Außenwelt ein bisschen weiter rauszutragen, weil Fehlerkultur in Deutschland ja Es wird besser, aber es ist ja immer noch nicht so leicht, das Menschen zu geben. Ich habe einen Fehler gemacht. Wie kann ich aber daraus lernen?
00:57:28,330 --> 00:57:32,650 [Joël] Ich habe alles richtig gemacht und trotzdem verliere ich. Das stelle ich mir richtig schwer vor.
00:57:32,650 --> 00:58:46,970 [Ariane] Tausendprozentig, absolut. Und im ersten Moment ist es auch ... Keine Ahnung, du verlierst und du hast ein richtig gutes Spiel gemacht und du verlierst. Ist scheiße, magst du nicht, tut weh. Da ist sicherlich auch eine Trauer da. Und wenn du dann aber mit Abstand dann einfach guckst: „Na, aber wie war es denn? Habe ich alles gegeben? Ja, ich habe alles gegeben, dann hast du trotzdem eine Zufriedenheit, weil das ist enorm wichtig oder das war mir zumindest immer wichtig. Ich wollte vom Platz gehen und auf dem Turnier beenden und gesagt haben: „Ich habe alles Menschenmögliche in dem Moment gemacht, was in dem Moment von mir 100% waren. Und wenn das der Fall war, habe ich trotzdem eine Zufriedenheit. Und dann gehört es – und das ist wieder der Sportsgeist natürlich –, dann gehört es für mich dazu, auch Leistung anderer anzuerkennen. Die sind besser. Ich weiß, es gibt auch andere Beispiele. Dieses Klassiker als Kind: „Ich konnte nicht verlieren und dann schmeiße ich die Spielfiguren vom Tisch. Fand ich fürchterlich, konnte ich nie was mit anfangen, aber hatte auch seine Berechtigung. Aber ich gehöre wirklich zu den Menschen: „Ich kann andere Leistungen wirklich anerkennen, auch wenn es bedeutet, dass ich in dem Moment verloren habe und die anderen waren besser. Dann bin ich stolz drauf, was ich geleistet habe und sage: „Wow, Wahnsinn, was du geschafft hast.
00:58:46,970 --> 00:59:01,990 [Joël] Ich finde, da gibt es aber auch einfach so krasse Beispiele, weil ich habe mal mit dem erfolgreichsten Pokerspieler der Welt gesprochen, der hat genau dasselbe erzählt: Ganz oft spielst du die Hand ideal. Du hast nichts falsch gemacht und verlierst trotzdem. Und es ist nicht selten so, sondern häufig so.
00:59:01,990 --> 00:59:32,770 [Joël] Es gibt ja auch immer diese Roger Federer-Geschichten: Wie viel Prozent seiner Aufstege hat der gewonnen und wie viel Prozent seiner Spiele? Und dann hast du gemerkt, der hat eigentlich fast jeden zweiten Punkt, glaube ich, verhauen. Aber er hat halt die entscheidenden gewonnen und hat an den entscheidenden Momenten, wenn er einen Fehler gemacht hat, schnell die Lösung gefunden. Mit diesen 15 Sekunden. Kennst du das? Ganz geil. Er hat immer gesagt: „Ich gebe mir 15 Sekunden. Fünf Sekunden, mich zu ärgern, fünf Sekunden, zu überlegen, was ich das nächste Mal anders machen kann und fünf Sekunden, mich zu freuen, dass ich gerade gewachsen bin. Das ist eine geile Haltung irgendwie.
00:59:32,770 --> 00:59:54,830 [Ariane] Hundertprozentig, genau. Da bist du ja bei dem ... Die wirklich Guten zeichnet aus: Schnell abhaken, weitermachen, daraus lernen. Ich meine, wenn du es innerhalb von 15 Sekunden sogar direkt umsetzen kannst, ist er fantastisch. Deshalb war er auch so erfolgreich, aber natürlich auch in der Nacharbeitung, nach dem Spiel. Was war es denn? Ja, das sind die Unterschiede zwischen: Ich bin gut oder ich bin wirklich Weltspitze.
00:59:54,830 --> 00:59:57,090 [Joël] Was würdest du sagen?
00:59:57,090 --> 01:00:06,250 [Joël] Manchmal hat es auch mit Nischen zu tun. Was war so dein Aspekt, der dich in die Weltspitze gebracht hat?
01:00:06,250 --> 01:00:12,550 [Ariane] Ich glaube, der unendliche Ehrgeiz.
01:00:12,550 --> 01:00:31,850 [Ariane] Ich war sicherlich eine sehr gute Spielerin. Es gab aber auch in meinem Jahrgang, selbst in Berlin, ein, zwei Spielerinnen, die waren besser als ich. Die hatten aber nicht den Willen, den ich hatte. Und dann bist du wieder bei „Ehrgeiz schlägt Talent, sozusagen.
01:00:31,910 --> 01:00:34,630 [Ariane] Ganz kleine Anekdote:
01:00:34,630 --> 01:01:05,290 [Ariane] In der Schule Deutschunterricht, man fängt an mit Diktaten und dann irgendwann schreibst du diesen ersten Aufsatz in der dritten Klasse oder so dergleichen: Was möchtest du später einmal werden? Was ist dein Berufswunsch? Ich habe aufgeschrieben, ich möchte Fußballprofi werden. Ich wusste nicht, was das bedeutet, aber ich wollte. Ich wollte nur Fußball spielen. Ich wollte erfolgreich sein. Irgendwann habe ich Fernsehen gesehen, da gibt es eine Nationalmannschaft. Da gab es die Frauen noch nicht mal, da gab es die Männer. Ich habe gedacht, ich kann auch in einer Männer-Nationalmannschaft spielen. Habe ich sie nicht kapiert. Ich wollte also da oben hin und genau das hat mich erfolgreich gemacht.
01:01:05,290 --> 01:01:06,610 [Ariane] Ich
01:01:06,610 --> 01:01:24,210 [Ariane] bin zur WM gefahren. Ich will gewinnen, ich will Weltmeister werden und habe trotzdem dauerhaft diesen Spaß dabei gehabt und ich war bereit, Sacrifices einzugehen. Verzicht gehört dazu. Ich wusste, wie gesagt, ich habe meine Familie häufig nicht gesehen. Die Geburtstage, die ich verpasst habe, die
01:01:24,210 --> 01:01:49,689 [Ariane] Ostern, was gefeiert wurde, wo ich nicht da war. Meine Abiturzeit, ich habe die Abifeier verpasst. Ich habe die Prüfungsphasen irgendwie verpasst. Das gehörte dazu. Ich konnte nicht in den Urlaub reisen, wie ich wollte. Das waren dann Verzichtmomente, um diesen Erfolg zu erreichen. Und dann, wenn es erfolgreich war, dann konnte ich auch Party machen. Ich konnte es aber nicht davor. Ich musste halt andere Zeiträume haben und da war ich bereit, einfach alles zu geben.
01:01:50,218 --> 01:02:03,158 [Joël] Was ist denn in der Crunch-Time? Also USA, Brasilien, Spanien, die haben ja auch alle Leute, die sagen, ich will Weltmeister werden. Ich hacke mir hier den linken Zeh ab oder so. Hast du da so ein Feeling gehabt, was es dann auf den letzten Metern ist?
01:02:03,158 --> 01:02:28,778 [Ariane] Ich glaube, das war wirklich wahnsinnig spannend in Deutschland, diese Mentalität, die noch mal anders ist, gerade auch in der Zeit, wo wir erfolgreich waren, so zweitausenddrei bis zweitausendsieben mit Weltmeistertitel auch verteidigt, ist das falsche Wort, aber zweimal hintereinander das zu gewinnen, war auch eine Phase, wo Schweden, ich weiß nicht, wir haben, glaube ich, dreimal im Finale gegen die gestanden, haben sie zweimal mit Golden Goal besiegt.
01:02:28,778 --> 01:02:41,938 [Ariane] Die Schweden waren wahnsinnig gut, aber wir Deutschen hatten eine andere Mentalität. Da war wirklich das letzte Funken noch mal anders rauszuholen. Und das war, glaube ich, der Unterschied, der dann da war.
01:02:41,938 --> 01:02:44,638 [Joël] Spannend. So, eins fehlt noch.
01:02:44,638 --> 01:02:47,298 [Ariane] Wir sind schon am Ende.
01:02:47,298 --> 01:03:00,317 [Ariane] Es ist wahnsinnig schwer. Also ich musste mich wirklich zwischen zwei entscheiden. Vielleicht kann ich einen kleinen Spaß plus one am Ende dazufügen. Sprachen lernen, tatsächlich. Und zwar,
01:03:00,317 --> 01:03:15,918 [Ariane] ich habe in der Schule, klar, man hat Englisch gelernt und ich hatte dann auch Französisch gehabt boah, war das eine Vollkatastrophe. Und diese Vokabeln lernen, wozu eigentlich? Und man hat die Anwendung nicht gesehen. Habe ich im Englischen auch nicht gesehen. Das kam dann erst später mit meiner Karriere dazu und da ist eigentlich
01:03:15,918 --> 01:03:18,737 [Ariane] nichts übrig geblieben. Und
01:03:18,738 --> 01:03:33,458 [Ariane] ich hätte gerne, weil es natürlich mit jüngeren Jahren einem einfacher fällt, Sprachen anders gelernt noch. Also Französisch und Spanisch, das sind zwei Sprachen, die ich gerne noch sprechen würde. Und das kommt mit der Erkenntnis,
01:03:33,458 --> 01:04:09,218 [Ariane] im Laufe der Jahre durch den Fußball viel gereist, denn viel kennengelernt, jetzt in meinem Privatleben, ich liebe es zu verreisen, auf vielen Ländern dieser Erde, in vielen Ländern dieser Erde unterwegs gewesen, jetzt auch vermehrt mit dem Fußballkontext, mit FIFA reisen unterwegs. Und da sieht man klar, Englisch kann jeder, das kann ich auch perfekt, aber spanisch zu sprechen ist jetzt auch nicht so verkehrt oder französisch. Und das hätte ich gerne gehabt, um auch noch mal eine andere Möglichkeit der Kommunikation zu haben. Gerade, ich war im März im Urlaub in Kolumbien mit meiner Freundin zusammen
01:04:09,218 --> 01:04:40,178 [Ariane] und wir können beide kein Wort Spanisch. Und wir gesagt, okay, wir reisen trotzdem hin. Wir haben uns dann eine kleine Unterkunft, Homestay, im Amazonas besorgt und ja, die Leute sprechen halt einfach nur Spanisch. Und wir hatten einen Übersetzer gehabt für Ausflüge und dergleichen, aber diese Familie, die war so toll. Wir haben zwar kein Wort verstanden, aber sie haben trotzdem sich die ganze Zeit mit uns unterhalten. Und das war der Moment, wo ich dachte, „Boah, wie schön wäre es, wenn ich doch Spanisch sprechen und verstehen könnte. Dann hast du einfach eine andere Nähe zum Menschen. Und
01:04:40,178 --> 01:04:49,518 [Ariane] ja, das hätte ich gerne früher gemacht und gelernt. Ich weiß, ich könnte es heute auch noch machen, aber boah, das fällt schon deutlich schwerer jetzt, so eine Sprache zu lernen.
01:04:49,518 --> 01:04:59,158 [Joël] Das ist so ein Thema, was mich immer so wurmt, weil ich würde mir das manchmal wünschen, so wie bei den Matrix-Filmen früher immer, wenn einer so am Computer sitzt, musst du dann einfach ein und zack, hat dir die Fähigkeit beherrscht.
01:04:59,158 --> 01:04:59,917 [Ariane] Ja. Ja.
01:04:59,918 --> 01:05:17,998 [Joël] Weil ich mir so denke: „Boah, es gibt so viele Sprachen, die ich schön finde. Ich finde, Arabisch klingt schön, Russisch ist irgendwie spannend, Spanisch. Mir geht es so wie du. Ich habe auch manchmal darüber nachgedacht. Ich dachte: „Okay, ganz Lateinamerika hältst du schon mal abhaken, sprichst da kein Wort, bist dann in der Pampa und dann kannst du nicht. Aber es ist jetzt so fucking schwer, das nachzuholen.
01:05:17,998 --> 01:05:20,418 [Ariane] Genau das.
01:05:20,418 --> 01:05:24,038 [Ariane] Klar ist natürlich auch, wie wurde damals
01:05:24,038 --> 01:05:34,278 [Ariane] Sprachunterricht in der Schule? Das war schon ... Soll ich jetzt wirklich auf Englisch ein Buch interpretieren? Das ist nicht wirklich das, was ich in meinem Alltag irgendwie brauche.
01:05:34,278 --> 01:06:12,858 [Joël] Ich hatte mal gesagt bekommen, der Gründer von StudiVZ hat mir das lustigerweise immer beigebracht, der Tecki von denen, wo ich dachte: „Wie? Du bist Programmierer? Baust du ein Social Network und auf einmal lernst du Sprachen, am fließt man? Und er hat mir beigebracht, das fand ich einen interessanten Insight, dass wir Sprachen oft falsch lernen. Wir lernen die oft so: Links deutsches Wort, rechts spanisches Wort. Und er meinte: „Du musst es so lernen, wie du es als Kind gelernt hast. Du bist doch auch nicht zu dem Kind hingegangen und hast dem gesagt: „Waschmaschine und dann irgendwie Dishwasher. So geht ja gar nicht. Oder Washing Machine. Sondern du hast einfach geredet und hast aus dem Kontext die Sachen so sukzessiv erschlossen. Da gibt es Techniken. Vielleicht sollte ich den noch mal anrufen, wenn ich jetzt hier mit dir rede.
01:06:12,858 --> 01:06:34,837 [Ariane] Und definitiv, so habe ich damals, als ich in Schweden Fußball gespielt habe und dann auch die schwedische Sprache, das ist eine sehr leichte Sprache, war jetzt nicht so schwer zu lernen, aber ich habe schwedisches Kinderfernsehen geguckt, vor allem Pippi Langstrumpf. Es ist die einfachste Sprache, die gesprochen wird, im Sinne von, wenn man es sich auch auf Deutsch anhört, das sind einfache Worte. Und es wird langsam gesprochen und verständlich.
01:06:34,877 --> 01:06:49,198 [Ariane] Kinderfernsehen, jetzt nicht unbedingt alla Teletubbies. Ich glaube, da lernt man die Sprache nicht so gut, aber Kinderfernsehen in einer anderen Sprache ist perfekt. Ich nehme jetzt aber heutzutage leider nicht die Zeit, da Spanisch zu lernen oder Französisch oder so dergleichen.
01:06:49,198 --> 01:06:54,018 [Joël] Ich habe Asterix auf Französisch geguckt. Ich habe kein Wort verstanden.
01:06:54,018 --> 01:07:00,096 [Ariane] Wobei die Frage ist, Asterix, Obelix ist Kinderfernsehen oder ist es nicht auch größtenteils Erwachsenfernsehen, wo doch sehr schnell gesprochen wird?
01:07:00,098 --> 01:07:18,358 [Joël] Ja, mir geht es ganz oft so, dass ich mir so denke: Was für schöne Redewendungen gibt es im Deutschen und was für bildhafte Sprache kennt man im Englischen? Und jetzt denkt das mal weiter, wenn du jetzt Persisch liest, was muss es da für schöne Gedichte geben? Oder Spanisch für tolle Fluchereien oder italienische Schimpfwörter, you name it.
01:07:18,358 --> 01:07:31,877 [Joël] Oder auch Bilder, wie Leute einfach reden, mit was für Sprachbild. Ich meine, das ist ja auch so ein bisschen ... In Deutschland sagen wir, eine Hand wäscht die andere. Auf Englisch sagst du, scratch each other's back. Und ich finde, da steckt so viel drin. Deswegen kann ich das ... Du machst mich auf wehmütig jetzt hier am Ende, Sammer.
01:07:31,877 --> 01:07:53,337 [Ariane] Aber ich das will nicht verstehen. Das ist schön, dass ich dich da erwischt habe. Aber ich gebe dir total recht. Diese Art und Weise, Sprache zu lernen, dieses Eins-zu-eins-Übersetzen, funktioniert ja nicht. Da macht es ja auch keinen Sinn. Da gibt es ja die tollen Denglisch-Aussprüche. Klar, wenn du das Deutsche direkt eins-zu-eins ins Englische übersetzt, macht es keinen Sinn. Aber ja, diesen Hinweis mit, wie wir Sprache lernen, hätte ich auch schon früher gebraucht.
01:07:53,821 --> 01:08:17,051 [Joël] Ich finde auch, manchmal habe ich ein bisschen Sorge, ob jetzt KI dazu führt, dass die Leute aufhören zu lernen. Weil wenn du mit Kindern dich unterhältst, sagen die so also meine Kinder noch nicht so, aber so die mit Teenagern sagen die so: „Papa, warum soll ich das lernen? Guck mal hier. Was ist das und das? Antwort. What about it? Informationen finden mich. Ich muss eigentlich gar nichts mehr. Und das finde ich, ich glaube nicht, dass es smart ist auf lange Sicht. Du bist halt völlig abhängig.
01:08:17,051 --> 01:08:47,001 [Ariane] Auf gar keinen Fall. Mal schauen, wie sich das entwickelt. Weiß nicht, im Amazonas sind es erschreckend. Da hast du teilweise wirklich richtig guten Internetempfang, wo wir waren, aber zum Glück dann auch noch Strom mit Generator und dergleichen. Und dann gab es denn Internet gab es denn nur zwischen neunzehn und zwanzig Uhr und das Signal vom normalen Handy war einfach nicht vorhanden. Super. Also klar, du kannst es dir auch offline runterladen, aber häufig die technischen Geräte, die funktionieren gar nicht. Toll, super. Und dann? Wie kommst du dann klar?
01:08:47,001 --> 01:08:49,421 [Joël] Ich meine, deswegen, ich finde ja dieses
01:08:49,421 --> 01:08:57,022 [Joël] Kopfhörer mittlerweile drin haben, die nehmen was auf, übersetzen es dir und du sprichst rein und auf deinem Telefon wird angezeigt in der Sprache. Das ist ja schon ein bisschen Star Trek so, oder?
01:08:57,022 --> 01:09:17,081 [Ariane] Hundertprozentig. Da ist man auch in dieser Bequemlichkeit irgendwie drin. Aber ich glaube, was für mich ... Aber das sind halt unterschiedliche Ansätze. Ich will ja diesen direkten Kontakt mit den Menschen halt haben und ich glaube, wenn du halt einfach immer nur übersetzt, da ist eine Maschine dazwischen, dann hast du nicht die hundertprozentige Interaktion.
01:09:17,081 --> 01:09:42,402 [Joël] Das stimmt. So, als kleines Resümee unserer hundertprozentigen Interaktion. Ariane Hings, Nummer eins: Krafttraining und Athletik können deine Gesundheit länger bewahren und sind wichtig für dich. Nummer zwei: Tauchen ist das beste Hobby. Nummer drei: Geldanlage solltest du selbst können, nicht mit Finanzexperten. Nummer vier: Lerne Gelassenheit, weil du kannst es eh nicht jedem recht machen. Und Nummer fünf: Sprachenlernen ist etwas, was dich sehr voranbringt und wertvoll ist.
01:09:42,402 --> 01:09:43,322 [Ariane] Genau so.
01:09:43,322 --> 01:09:49,442 [Joël] How cool is that? Was glaubst du? Äh, jetzt haben wir gesagt, vierundvierzig war es, glaube ich, ne?
01:09:49,442 --> 01:09:50,142 [Ariane] Vierundvierzig was?
01:09:50,142 --> 01:09:51,062 [Joël] Dein Alter?
01:09:51,062 --> 01:09:51,411 [Ariane] Äh, sechsundvierzig.
01:09:51,411 --> 01:09:51,881 [Joël] Sechsundvierzig.
01:09:51,881 --> 01:09:53,751 [Ariane] Danke. Danke, ja. [lacht]
01:09:53,751 --> 01:09:59,501 [Joël] [lacht] In den nächsten fünfundzwanzig wird es ähnlich aussehen in diese Richtung, wie wir es jetzt hatten? Oder was glaubst du, kommt noch?
01:09:59,501 --> 01:10:12,052 [Ariane] Nein, da werden definitiv andere Punkte draufstehen. Ist auch das Schöne im Leben. Da reflektiert man anders. Ähm, das wird superspannend sein. Ich habe keine Ahnung, was draufsteht, aber den einen Bonus, den muss ich noch reinschmeißen.
01:10:12,052 --> 01:10:12,782 [Joël] Ja, stimmt. Bitte.
01:10:12,782 --> 01:10:25,402 [Ariane] Mango Sticky Rice ist das beste Dessert, was es gibt. Habe ich erst vor drei bis vier Jahren kennengelernt. Hätte ich auch gerne schon früher gewusst, vor allem in meiner aktiven Karriere, da konnte ich noch besser essen. Da habe ich nicht so schnell angelegt. Was für ein geiler Nachtisch.
01:10:25,402 --> 01:10:30,302 [Joël] Ist ja lustig. Ich habe überlegt, ob ich dich jetzt nicht noch einlade zum Sushi-Essen beim Vietnamesen.
01:10:30,302 --> 01:10:34,342 [Ariane] [lacht] Geht in die richtige Richtung mit dem Asiatischen.
01:10:34,342 --> 01:10:37,962 [Joël] Na gut, dienen wir noch mal aus. Hey, du, vielen Dank. War mir ein großes Vergnügen.
01:10:37,962 --> 01:10:41,382 [Ariane] Danke, dass ich hier sein durfte. Hat Spaß gemacht.
