Cover der Folge „Nina Meinke: 5 Dinge, die ich gerne schon mit 20 gewusst hätte | Boxweltmeisterin“

Nina Meinke: 5 Dinge, die ich gerne schon mit 20 gewusst hätte | Boxweltmeisterin

9. September 2026, mit Joël Kaczmarek und Nina Meinke

Transkript

Nina Meinke: Ich hatte einfach wirklich Angst zu versagen.

Joël Kaczmarek: Du merkst ja schon, da kommen mir ein bisschen die Tränen.

Nina Meinke: Ich glaube, mein Herz hängt einfach am Boxen, und wenn es nach mir ginge, würde ich für immer boxen. Wenn der Kopf will, kann der Körper auch alles schaffen, aber dein Körper wird nichts schaffen, wenn dein Kopf nicht mehr will.

Joël Kaczmarek: High Five,

Joël Kaczmarek: Leute Hier ist Joël und ihr wisst, am Wisdom Wednesday, Da löchere ich spannende Menschen zu den fünf Dingen, die sie gerne schon mit 20 gewusst hätten. Und heute aus der Welt des Sports... Und lustigerweise einen, den ich auch mal gemacht habe. Und gerne mag, nämlich Boxen. Die Liebe Nina Meinke ist nämlich zweifache Boxweltmeisterin. Also schön, hier, meinen Gast zu haben, der auch mich vermöbeln könnte. IBF und IBO sind ihre Titel. Ich glaube, du bist sogar die erfolgreichste deutsche Boxerin damit, oder?

Nina Meinke: Na, aber es gibt noch die Tina Rupprecht, die war ja undisputed. Die hat sogar alle Titel auch gewonnen.

Joël Kaczmarek: Bis zum Ziel brauchst du ja noch.

Nina Meinke: Ja, aber ich bin ganz froh, dass ich auf jeden Fall die erste und einzige deutsche Boxerin bin, die die zwölf mit drei Minuten gegangen ist.

Joël Kaczmarek: Also, wenn das nicht aller Ehren Wert ist, weiß ich auch nicht. Und falls ihr das selber mal trainieren, wollt, Sie hat im schönen Schöneberg mit Brave Boxing auch einen eigenen Club. Ich werde da wohl auch mal vorstellig werden, um mal wieder ins Game reinzukommen. Und heute bin ich aber mal neugierig. Jemand, der quasi kämpfend durchs Leben geht, trotzdem, ja aber auch den Menschen. Zugewandt ist. Was hat der denn so für fünf Dinge, die er sagt, hey, das wäre mit 20 zu wissen, schon wertvoll gewesen. Von daher bin ich gespannt. Schön, dass Du da bist.

Nina Meinke: Ich freue mich sehr, hier zu sein. Danke, Joël.

Joël Kaczmarek: Es ist immer so eine Sache, mit dem Alter bei Frauen und so zu fragen, Aber ich finde mal ganz spannend zu verstehen. Wie weit gucken wir denn zurück? Wie alt bist du denn heute?

Nina Meinke: Ich bin jetzt 33 Jahre alt.

Joël Kaczmarek: Ah, schöne Schnapszahl. Ja. Also 13 Jahre sozusagen in der Rückschau. Und lass uns mal direkt rein, starten. Also was war so das Erste, wo du sagst, hey, mit 20 wäre schön gewesen?

Nina Meinke: Also, ich muss sagen, ich hätte mir gerne damit schon gesagt, um mir so ein bisschen Zweifel vorwegzunehmen, Trust the process. Weil in meiner Karriere war es ein Ziemliches Auf und Ab. Was ich erlebt habe, sei es Kämpfe. Die Niederlagen, die man erlebt, hat, woraus man natürlich aber auch wieder viel Erfahrung gesammelt hat. Aber dieses Trust the Process ist einfach, Heißt nicht mal so, dass man an alles immer glauben muss in der Form, weil es gibt eben diese Momente, wo du eben nicht dran glaubst, aber dann trotzdem weitermachen und sagen, hey, Langfristig gesehen wird sich das alles auf jeden Fall bewähren.

Joël Kaczmarek: So ein bisschen die Unsicherheiten, durch die man manchmal durchgeht, so macht das alles Sinn, was ich hier mache und warum und so, ne?

Nina Meinke: 100 Prozent. Also, ich SAg mal... Bei mir hat es halt auch ein paar Anläufe gebraucht, bis ich Weltmeisterin wurde. Ich habe drei Anläufe tatsächlich gebraucht, dafür. Und das ist ganz witzig, weil irgendwie die drei ist, immerhin 33 Jahre. Aber die Drei ist irgendwie so eine spezielle Zahl. Auch in meiner Karriere, weil. Ich habe zum Beispiel meine ersten drei Amateurkämpfe verloren. Und auch damals hat mir viele Leute gesagt, Mensch, Jetzt hör doch auf mit den Boxen, weil die Wussten auch, Ich war unglaublich niedergeschmettert danach, weil ich hasse, es auch zu verlieren. Und hätte ich da auf die Leute gehört und gedacht, ja, okay, Es ist vielleicht der leichtere Weg, jetzt einfach aufzuhören, Dann wäre alles folgende natürlich nicht passiert.

Und genauso habe ich drei Anläufe gebraucht, Weltmeisterin zu werden. Und die Kämpfe, Ich habe halt zwei Kämpfe verloren im Vorfeld, wo es um die Weltmeisterschaft ging. Einer tatsächlich, der hat einfach nicht stattgefunden. Das war ja das Ding in Puerto Rico, wo ich ja gegen Amanda Serrano eigentlich kämpfen sollte. Um die vier Gürtel. Und der Kampf wurde ja kurzfristig abgesagt. Und das war halt wieder so ein Rückschritt gewesen. Wo man denkt, kann das eigentlich wahr sein? Wie oft muss ich es noch versuchen? Und genau, das waren auch so drei, Ich würde nicht sagen Misserfolge, sondern einfach drei Erfahrungen, die man vorher sammeln konnte, wo man noch nicht zum Ziel gekommen ist. Bis es dann endlich geklappt hat, und ich dann IBF-Weltmeisterin wurde und jetzt im letzten März dann Doppelweltmeisterin.

Joël Kaczmarek: Also erstmal Glückwunsch, Aber dann ist jetzt hoffentlich klar, wenn die drei Deine Zahl ist, muss noch mindestens einer her. hier. Ja, das stimmt. Okay, und wenn du sagst, Trust the process, Ich überlege gerade so, bist du jemand, der jetzt so an Schicksal glaubt oder Bestimmung, dass Du glaubst, Es gibt so einen Plan für dich?

Nina Meinke: Ja, ich glaube für alle. Also, ich glaube auch nicht an Zufälle. Ich denke, alles ist irgendwie vorherbestimmt. Ich habe tatsächlich auch ein Tattoo, Was sagt, Das Schicksal ist unausweichlich. Also, ich glaube, unsere Geschichte ist schon vorgeschrieben, aber wir können trotzdem gestalten, wie sie geschrieben wird. Und ja, das...

Joël Kaczmarek: Ich habe immer so die... Wie soll man das sagen? Meine Überzeugung, mein Glaube ist ja, dass wir so als Seelen, uns irgendwie in so einem Energiebereich befinden. Und dass man so in so einen Körper inkarniert, mit einem Ziel. Also, dass man sich was vornimmt fürs Leben, was man irgendwie schaffen will. Weißt du, wie ich meine?

Nina Meinke: Ja, doch.

Joël Kaczmarek: Und weil es ist ja immer so ein bisschen so, dass viele Menschen, Wenn die hören, Schicksal, alles ist vorgeschrieben, dann ist ja egal, was ich mache. Nee. Und ich glaube, das ist es nicht, sondern ich glaube, man steuert schon ein Stück weit.

Nina Meinke: Auf jeden Fall. Also, das ist tatsächlich auch eine Sache, wo ich... Auch so eine Sache, die ich mir gerne als 20-Jährige schon erzählt hätte, weil wir gerade über Schicksal sprechen, wie man es eben gestaltet. Und da geht natürlich auch dieses positive Denken viel mit ein. Und man sagt ja immer so, Positivität zieht Positivität auch an. Und das ist immer so leicht gesagt, wenn man sagt, du musst positiv denken und alles wird gut. Ja, das ist ganz einfach gesagt, aber schwer umgesetzt. Und ich habe in den letzten Jahren vor allem auch gelernt, Gerade als ich dann auch angefangen habe, mit meinem Mentalkurs zusammenzuarbeiten, dass man eben Positives Denken, auch trainieren muss.

Du musst deinen Kopf oder dein Gehirn genauso trainieren, wie eigentlich auch den Körper. Und das kommt halt nicht von Anfang an. Und das heißt nicht, Ich glaube nicht, dass jeder von uns aufsteht und Montagmorgen immer, sagt, ich fühle mich richtig gut, ich habe Bock auf die Woche, das ist alles, Ich bin total erholt und super motiviert. Sondern wir kennen, das bestimmt alle, Man wacht morgens auf und denkt sich, ich bin total müde, ich hatte gar nicht genug Schlaf. Eigentlich geht es mir gerade total dreckig, und dann ist es aber, Was machst du aus dem Tag? Und man kann natürlich dann sagen, man kann aufstehen mit schlechter Laune. Und dann schleppst du diese Negativität auch so in den Tag hinein.

Und dann ist es auch schwierig zu erwarten, dass dir positive Dinge zufliegen. Man sagt Ja immer so schön, wie es in den Wald reinschallt, schallt es auch wieder raus. Wenn ich natürlich mit so einer Miene durch die Gegend laufe, kann ich nicht erwarten, dass mir jeder Freudestrahlend entgegenkommt und sagt, hey, kann ich dir was gutes tun? Sondern du projizierst das ja natürlich auch so auf dein Umfeld. Wenn du aber lernst, morgens aufzustehen, du bist kaputt, du bist müde, Du hast nicht genug gepennt und zu sagen, ey, egal, Der Tag wird trotzdem gut, Dann fängst du an, schon den Tag ein bisschen anders zu gestalten. Und auch die Aktionen, die danach folgen, werden anders aussehen. Wenn ich dann schon sage, hey, egal, Ich bin zwar jetzt kaputt, aber es wird trotzdem ein guter Tag.

Und die Sachen werde ich gut erledigen und eigentlich freue ich mich darauf. Letzten Endes macht es mir ja Spaß, was ich gerade auch mache. Ob es jetzt den Boxclub betreiben, ist, Ob es das Training ist, Natürlich ist das nicht immer Spaß, aber ich weiß, wofür ich es ja tue. Und wenn du da dann eben schon positiver in den Tag startest, wird das auch reflektiert werden. Also Ich denke, du würdest da auch bessere Entscheidungen treffen, Andere Situationen erfahren, die einfach positiver sind.

Joël Kaczmarek: Und wenn du sagst Mentaltrainer, wie trainiert man eine positive Einstellung?

Nina Meinke: Also, es ist eigentlich, Ich habe mich damals an ihn gewandt, weil. Das war in der Zeit vor dem letzten Weltmeisterschaftskampf, wo ich die IBF kämpfen sollte, den IBF-Weltmeisterschaftstitel, Die erste Mal, Die zwölf Mal drei Minuten. Und das war nach dem Serrano-Kampf oder Nicht-Kampf, der ja nicht stattfand. Ich war danach wirklich in einer sehr, sehr schwierigen Zeit. Kopfmäßig ging es mir nicht gut. Ich war auch alles andere als motiviert. Super frustriert, Depressive Züge auch angenommen, habe es wirklich schwer gefunden, auch wieder ins Training zurückzufinden und dieses Positive eigentlich darin zu sehen. Und dann hatte ich mich an den Peter Humphrey gewandt, den habe ich in England kennengelernt, als ich dort im Trainingslager war, weil.

Ich war schon in der Vorbereitung für den nächsten Kampf, Aber ich habe beim Training gemerkt, Im Spannring kam ich nicht richtig rein. Der Kopf hat nicht das gemacht, was eigentlich mein Körper machen sollte. Die beiden Kopfkörper haben nicht richtig miteinander kommuniziert. Ich habe viel zu viel nachgedacht, Ich war total verkopft und verkrampft im Sparring. Dadurch hat das dann nicht so funktioniert. Ich habe die Momente verpasst, war dann natürlich frustriert. Das hat alles nicht besser gemacht. Und so ist die Vorbereitung, Die hat auch nicht so 100% gelaufen. Also, ich war nicht so zufrieden. Und er hat mir dann gezeigt, wie man aus diesem negativen Denken wieder rausfindet. Und das ist ganz witzig, weil er hat mit mir durch so eine Art wie...

Hypnotherapie hat mir gezeigt, wie ich so meinen eigenen Happy Place kreiere in meinem Kopf. Und diesen Happy Place, den kannst du jederzeit, ja, ist halt immer zugänglich. Ich mache die Augen zu für zwei Sekunden, du kannst sofort an deinen Happy Place gehen. Und das wirkt eben darauf, auf dein Gehirn positiv, weil es ist, so, So wurde es mir gesagt, ich kann es natürlich nicht wissenschaftlich und so belegen in der Form, Aber es ist eigentlich so, dass du aus dieser Negativspirale wieder raus und bei deinem Gehirn wieder Serotonin ausschüttet. Und dadurch kommst du aus diesem Primitive. Brain wieder in dieses normale Denken und kann Sachen halt auch besser umsetzen. Er hat mir halt gezeigt, diesen Happy Place zu kreieren.

Und das sind dann so Sekunden, wo du einfach kurz in dich gehst und an diesen Ort kehrst. Und das einfach ein positives Gefühl in dir auslöst. Und dann sozusagen wieder diese Blockade eigentlich entlöst. Ist natürlich alles noch viel, viel tiefgründiger. Das ist auch nicht in ein, zwei Sitzungen gemacht, sondern Wir arbeiten jetzt auch schon eine ganze Weile zusammen. Aber und war auch Übungssache. Also auch das. Kommt nicht von heute auf morgen, sondern ich musste mir das auch wirklich ein bisschen antrainieren. Genau, Und das hat mir sehr geholfen, in meiner Vorbereitung. Und ich konnte das dann eben auch im Kampf umsetzen. Ich hatte natürlich dann den Kampf, wo ich in der zweiten Runde direkt das große Cut auf der Stirn bekommen habe.

Und in jeder anderen Situation wäre ich vielleicht wirklich, Es war so ein Druck, Ich wollte diesmal unbedingt Weltmeisterin werden. Und dann kommt in der zweiten Runde der erste 12x3-Minuten-Kampf. Das Fette Cut, Blut überströmt, Das konnte nicht gestoppt werden. Und da positiv. Zu bleiben und nicht zu denken, Oh Gott, was ist, wenn es jetzt wieder nicht funktioniert? Und in diese Zweifel? Und dann rutscht man ja in diese Negativspirale rein. Da habe ich es wirklich geschafft, eigentlich fokussiert zu bleiben und mich einfach auf die Sachen zu konzentrieren, die ich machen musste und konnte dadurch auch den Kampf gewinnen.

Joël Kaczmarek: Es fasziniert manchmal, wie viel macht so ein Verstand. Irgendwie über einen hat und beide Richtungen.

Nina Meinke: Hundertprozentig. Also, ich sag mal, Wenn der Kopf will, Kann der Körper auch alles schaffen. Aber dein Körper wird nichts schaffen, wenn dein Kopf nicht mehr will. Wenn dein Körper dir sagt, ich bin kaputt, du bist am Mindestens bei 40, 50 Prozent gerade mal. Aber wenn dein Kopf noch sagt, hey, das geht weiter, kannst du es auch schaffen. Umgekehrt ist es nicht möglich.

Joël Kaczmarek: Warum hat denn eigentlich der eine Kampf nicht stattgefunden? Hat die Schüsse gekriegt oder was war da los?

Nina Meinke: Das ist ja dieser Riesenboxskandal gewesen, wo keiner wirklich weiß, also, ich sag mal so, Der Kampf fand nicht statt, aufgrund einer Augenverletzung vorher. Ihr ist irgendwie Haargel ins Auge gelaufen, war die Begründung. Das seltsame war aber, dass. Wir waren ja beim Medical Check, wir waren beim Wiegen, es war alles gut, Da hatte sie ihre Haare schon gemacht, den Tag vorher. Also, es war nichts, Es waren so ganz kuriose Sachen, die dann auch passiert sind. Da wurde gefragt, ob der Doping-Test vor dem Kampf gemacht werden kann, was natürlich total sinnfrei ist. Meine Meinung nach ist es, dass sie hatte, einen größeren Kampf anstehen, wovon noch keiner wusste in dem Moment.

Gegen Katie Taylor sollte sie kämpfen. Ich glaube, sie hat unterschätzt, wer zu ihr nach Puerto Rico kommt, um gegen sie zu kämpfen. Und ich habe das ja in der Vorbereitung auch schon so ein bisschen mitverfolgt. Da war eine Gym-Opening, da war hier und da mit Jake Paul. Und irgendwie war alles andere. Ein bisschen interessanter, glaube ich, als der Kampf, bis es dann soweit war. Und ich glaube, da hat sie halt auch realisiert, dass das Risiko größer war, auch zu verlieren und nicht so zu performen. Und dann wäre natürlich auch der Kampf gegen Katie Taylor ins Wasser gefallen. Aber es lässt sich immer alles spekulieren. Letzten endes ist es Vergangenheit. Ich habe daraus Stärke ziehen können und habe es geschafft, Weltmeisterin danach zu werden.

Von daher ist alles so gekommen, wie es sollte. Also trust the process.

Joël Kaczmarek: Vielleicht so als abschließende Frage zu dem ersten Punkt. Welchen Anfang hatte denn der Prozess? Also ich meine, du hättest ja auch Versicherungskauffrau werden können, oder? Was anderes? Also, warum bist du Sozusagen professionell? Leuteverklopperin, sage ich mal so spaßig?

Nina Meinke: Weil ich bei den Amateuren nicht das erreicht, habe, was ich mir immer vorgenommen habe. Also, als kleines Kind habe ich mir schon gewünscht, Weltmeisterin zu werden. Das fing damit an, als ich mit acht Jahren bei Sven Ottkes Kampf dabei war. Das ist mein Patenonkel und bin ja mit ihm aufgewachsen. Und eigentlich wurde ich von meinen Eltern nur zu seinem Kampf mitgenommen, um ihn halt anzufeuern. Ich glaube, sie haben nicht realisiert, was Sie damit taten und was das alles da mit sich bringen würde. Weil für mich war dieser Moment, wie er auf den Ringsaalen stand, Das ganze Konfetti, darunter flog. Und diese Halle hat einfach gebebt. Und das war so beeindruckend für mich, dass ich dachte so, boah, da will ich auch mal hin.

Ja, und so fing das Ganze an, Ein Traume als kleines Kind. Dann bin ich ja, ja, habe ich mit zwölf angefangen zu boxen, war bei den Amateuren, habe dann auch für die deutsche Nationalmannschaft gekämpft. Aber auch da war es immer ein Auf und Ab. Und es hat nicht so funktioniert. Ich wollte Weltmeisterin werden. Da habe ich noch gar nicht an Profis gedacht an sich und habe es bei den Amateuren aber nicht geschafft. Dann habe ich mir die Hand gebrochen, musste dann zweimal operiert werden und habe dann eigentlich mit dem Amateursport eingepackt. Bin ja dann auch wieder nach England, auch alles ein Hin und Her. Und als ich dann in England war, Da hatte ich im Schrotthandel gearbeitet und Katalysatoren eingekauft.

tatsächlich, habe ich einen Boxclub direkt um die Ecke gefunden. Und da fing ich wieder an, nach der Arbeit hinzugehen. Und da meinten die, Mensch, willst du nicht für uns boxen? Und dann dachte ich mir... Und eigentlich ist ja dann noch dieser Traum, Dieses Ziel, was irgendwie jetzt schon im Hinterkopf ein bisschen schlummerte, dachte ich, weißt du, was, Ich gehe nach Deutschland zurück, Ich werde Profi, und ich versuche da, Weltmeisterin zu werden. Dann war es wirklich von einem Tag auf den anderen, Kündigung eingereicht und wieder zurück nach Berlin. Meinte zu meinem Vater auch, also, ich werde jetzt Profi. Und der dachte sich nur, Oh, Gott, ich dachte, dieses Podcast war jetzt eigentlich abgeschlossen.

Und ja, Und dann ging alles wieder weiter.

Joël Kaczmarek: Okay, also so ein bisschen in die Wiege gelegt. Begeisterung entdeckt. Und so ein Feuer Da ist spannend. Schön. Was ist dein zweites Ding?

Nina Meinke: Ja, also habe ich ja tatsächlich, ist es, Dieses positive Denken ist tatsächlich was, Da bin ich so ein bisschen den zweiten Punkt schon übergegangen, weil es ist etwas, was ich gerne auch schon früher gelernt hätte, weil es hätte mir eigentlich, Ich glaube, viele Zweifel, viele schwere Momente, vielleicht ein bisschen erleichtert. Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch, und auch wenn ich ein lebensfroher Mensch bin, ein offener Mensch, fliegt mir in manchen Situationen der Optimismus nicht unbedingt zu. Also auch da habe ich meine Probleme, ich habe Zweifel, Gerade wenn der Druck hoch ist, gibt es einfach auch Momente, wo ich auch eine schwere Zeit mit meinem Kopf hatte. Also, das Ziel war immer klar, ich habe auch immer durchgezogen, daran gab es auch gar nicht, Aber wie kommt man am Ende auch dahin? Und natürlich ist das alles Erfahrung, die ich auch gesammelt habe, und deswegen würde ich es auch nicht komplett ändern wollen, Aber ich glaube, diese Hilfsmittel zu haben, Wie denkt man positiv, wie trainiert man sich? Das Ganze an, hätte mir in manchen Situationen einiges erleichtert.

Joël Kaczmarek: Ich hatte vor einer Weile einen Held meiner Kindheit hier, Axel Kruse von Hertha. Also, ich bin ja Masochist, also. Hertha BSC-Fan, Da ist man ja leicht masochistisch. Und da habe ich ihm so davon erzählt, dass ich meinte, ja, weißt du, Ich weiß noch, als ich zu Studienzeiten im Fußballverein war, ich war da. neu, Ein Student, gefühlt in einem Arbeiterclub. Ein Typ aus der Stadt in einem kleinen Dorf, boah, Das war so hart und dann hatte ich mich endlich rangekämpft, habe echt jeden Tag trainiert und bin Laufengang regelmäßig. Und dann war endlich Startaufstellung da und bin ich krank geworden. Habe ich eine Grippe oder so gekriegt?

Nina Meinke: Genau.

Joël Kaczmarek: Und du kannst dir vorstellen, was er gesagt hat, Er meinte, hast du mir überlegt, ob das vielleicht Absicht war? Und ich sage, wie, das war Absicht. Naja, warst du vielleicht nicht bereit? Hast du sozusagen Schiss gehabt oder was war los, dass dein Körper dich sozusagen vorbeschützt hat? Da dachte ich, okay, habe ich noch nie so gedacht. Ich habe immer gedacht, ach, scheiße, Pech gehabt.

Nina Meinke: Und tatsächlich genau so eine Situation habe ich auch schon in meiner Boxkarriere gehabt. Tatsächlich, Der Körper sagt einem ja im Unterbewusstsein schon viel mehr, als man eigentlich mit dem Kopf wahrnehmen will. Und ich hatte das auch nach dem einen Kampf, den ich verloren habe. Ich hatte den knapp verloren, aber da ist vorher auch vieles irgendwie schief gegangen. Da komme ich auch gleich schon zu meinem dritten Punkt tatsächlich. Und danach musste ich mich auch wirklich erst mal wieder aufraffen. Das Ding war, dass... Wenn Selbstzweifel erstmal im Kopf drin sind und sich so festigen, da kann einem jeder sagen, du bist gut, du bist fit. Wenn du selbst nicht daran glaubst, bringt das alles gar nichts.

Und genau so war das, weil ich hatte danach ein Angebot bekommen, um die Europameisterschaft zu kämpfen. Gleich ein nächster großer Kampf. Ich hatte gerade einen Kampf verloren und war total am Boden und frustriert, habe mich selber sehr kritisiert und dachte, was habe ich falsch gemacht? Wir haben natürlich auch sehr viel analysiert und ausgewertet und gesehen, was im Vorfeld irgendwie schiefgelaufen ist. Aber trotzdem bin ich in die Vorbereitung gegangen, habe trainiert, war fit, Der Kampf rückte näher und auf einmal wurde ich krank. Genau das Gleiche. Und dachte mir, das kann doch gar nicht sein. Du isst gesund, du nimmst deine Supplemente, du trainierst, Ich habe auf alles geachtet, bin nirgendwo hin, wo zu viele Menschen sind, damit man bloß nicht krank werden kann.

Und aus dem Nichts wurde ich krank. Dann bin ich gesund geworden, Der Kampf rückte wieder näher, war alles gut. Einer meinte, hey, du bist fit, bin wieder krank geworden. Dann war es anderthalb Wochen vorm Kampf. Also, es war schon wirklich an dem Punkt, wo denen gesagt haben, okay, Ey Nina, Wir müssen uns entweder in den Kampf... absagen, Weil so geht das natürlich nicht. Und da habe ich mir dann auch gedacht, okay, irgendwas stimmt hier nicht, weil das kann nicht sein. Bin dann in den Wald gegangen und habe mir gesagt, okay, wenn der Kampf jetzt abgesagt wird, Und ich wusste ja, wie ich mich innerlich fühle, auch mit dieser Angst irgendwie zu versagen. Ich hatte einfach wirklich Angst zu versagen.

Dann dachte ich, okay, wenn der Kampf jetzt abgesagt wird, Weil du es hier irgendwie nicht gerafft, kriegst, jetzt mal durchzuziehen und einfach den Fokus zu bekommen, dann verschiebst du das ganze negative Gefühl, eigentlich nur nach hinten. Das wird ja nicht besser, sondern du drückst dich davor. Ich bin eigentlich niemand, der vor was wegrennt. Wenn du das jetzt machst, dann gibst du sozusagen wirklich auf. Und nächstes Mal wird es nicht besser. Dann dachte ich mir, okay, jetzt reiße ich zusammen. Willst du das oder willst du es nicht? Und diese Frage musste ich mir halt richtig stellen. Willst du jetzt Boxen oder lass es sein? Aber ansonsten wirst du danach auch nicht mehr in den Ring steigen.

Das war so ein, ja und da, Ich hatte richtig Gänsehaut beim Laufen, habe so einen richtigen Schwitzanfall bekommen und habe mich dafür entschieden, so nein, Das liegt nicht, in meiner Natur aufzugeben. Ich mache den Kampf. Ab dem Zeitpunkt wurde ich nicht einmal mehr krank. Ich habe einen... Unglaublichen Kampf hingelegt und bin Europameister geworden. Aber auch nur, weil ich selber mich dafür entschieden habe und gedacht habe, ich mache das. Kein anderer hätte mir dadurch helfen können. Und das ist das, Man muss für sich selber diesen Gedanken fassen und stark sein von innen. Da kannst du keine Hilfe von außen, also kannst du nicht darauf vertrauen.

Joël Kaczmarek: Ja, es ist wirklich spannend, weil. Ich erinnere mich noch damals, Die ganze Fitness war mit einem Schlag weg, Weil diese Krankheit mich irgendwie voll niedergelegt hat, und das war jetzt, nervt. Und ich habe immer nie diesen Gedanken gestellt. Ich kam gar nicht auf die Idee, dass das mit dem Kopf zu tun hat. Und ich stelle das fest, dass oftmals körperliche Symptome auch eine emotionale oder seelische Ursache haben. Ganz viel,

Nina Meinke: ja. Auf jeden Fall.

Joël Kaczmarek: Was war denn nochmal dein dritter Punkt, wenn du sagst, wir sind genau an der Brücke?

Nina Meinke: Die Intuition tatsächlich. Und zwar habe ich oft Momente gehabt, und sei es jetzt im Sportlichen, im Privaten, Manchmal im Beruflichen, dass ich mir gewünscht hätte, manchmal mehr auf meine Intuition zu hören. Und das war bei dem einen Kampf eben der Fall. Wir leben heutzutage in einer Zeit, wo alles so schnell und digital läuft. Wir haben Strukturen, wir haben Pläne, Wir haben diese Verbindlichkeiten, die wir eingehen, und das ist alles so sehr gesteuert. Und wir vergessen eigentlich diesen sechsten Sinn, manchmal wirklich wahrzunehmen und darauf auch ein bisschen zu hören. Und ich hatte das in dem Kampf tatsächlich, dass irgendwie fühlte sich was nicht richtig an. Ich weiß nicht, wieso, ich kann es Ihnen gar nicht sagen.

Ich habe das noch nie gehabt, Das war tatsächlich der erste Kampf, der ich in der ersten Runde ein Déjà-vu hatte. Und dieses Déjà-vu war aber mit einem negativen... Gefühl verbunden. Und ich kann das auch gar nicht benennen, was das war. Ich wusste, ich war schon mal hier, also, so kam es mir vor, Ich wusste, ich war schon mal hier und ich wusste irgendwie, Dieser Kampf wird nicht gut ausgehen. Kann es aber nicht benennen. Und habe natürlich durchgezogen, aber bin auch nach der fünften Runde durchs Übertraining viel gleich blau gelaufen. Also bin übersäuert gewesen, habe einen Cut bekommen, habe dann knapp nach Punkten verloren und hat alles nicht so funktioniert. Also, es war schon so ein Kampf in dem Kampf.

Das war ganz seltsam, weil intuitiv habe ich irgendwie, Ich weiß nicht, Das Unterbewusstsein, der Körper, der sagt einem Ja, manchmal schon, das ist ja Intuition, Der sagt ja schon, was, was der Kopf noch gar nicht benennen kann. Und ja, das war tatsächlich ein so ein Fall, aber genauso habe ich das auch manchmal bei Menschen gehabt, wo ich irgendwie, Nicht mal Antipathie, sondern wo man irgendwie wusste, Irgendwas fühlt sich nicht ganz richtig an, aber der ist total nett oder die ist total nett, Diese Person. Und dann willst du das gar nicht so wahrhaben. Und später kam dann doch eigentlich raus, dass genau die Intuition da endlich richtig lag. Deswegen denke ich mir, Manchmal sollten wir doch mehr darauf hören.

Joël Kaczmarek: Was hat dich denn persönlich davon abgehalten, darauf zu hören? Ich glaube,

Nina Meinke: ich glaube echt oft an das Gute in Menschen, wenn es um Personen ging. Und weil der Kampf war, zum Beispiel, Ich habe zugesagt, da gab es kein Zurück mehr. Ja, ich würde da, und das ist tatsächlich, ich weiß nicht, ob du den Fall kennst. von, Sugar Ray Robinson, Der war damals, 1947 war das, der hat den Kampf gemacht gegen, Ich glaube, Jimmy Doyle. Ich glaube, Jimmy Doyle war das, glaube ich. Jedenfalls, Das ist nämlich so. Intuition. Der hat eine Nacht vor dem Kampf geträumt, dass er seinen Gegner K.O. Schlägt und er stirbt. Und er ist schweißgebadet, aufgewacht und hat gesagt, ich kann den Kampf nicht machen, ich will nicht kämpfen, er wird sterben. Und dann meinten die zu ihm, Hey komm, Das war ein Traum, Die haben Priester gerufen und alles vor dem Kampf und alles Mögliche gemacht.

Es ist tatsächlich so gewesen, dass er in der achten Runde den Gegner K.O. Geschlagen hat, den Doyle. Der ist mit dem Hinterkopf so auf den Boden geknallt, Dass er dann an den Hirnverletzungen später krank ausgestorben ist, noch in der gleichen Nacht. Ich kriege Gänsehaut, weil es ist so was, Das ist so ein extremes Zeichen. Eigentlich irgendwie. Und es wurde halt nicht ernst genommen von den Leuten. Und obwohl der so, Und jetzt musst du dir mal diesen... Also Robinson, das musst du dir mal vorstellen, du hast dieses Gefühl irgendwie vorher schon gehabt, Auf einmal wurde es Wirklichkeit, das ist unglaublich. Und klar, da kann man wieder sagen, der ist in Verpflichtung eingegangen, deswegen sage ich, wir haben Pläne, wir haben Strukturen, Wir haben Sachen, die vorgegeben sind, wo wir zusagen.

Und dann sind wir da so verbissen, das Halt durchzuführen, Obwohl man vielleicht eigentlich das Bauchgefühl sagt, hey, vielleicht ist das jetzt diesmal tatsächlich gar nicht so eine gute Idee. Manchmal sollten wir vielleicht ein bisschen genauer darauf hören. Jetzt nicht zum Beispiel, wenn man sagt, ich wache morgens auf und denke, Ich habe kein gutes Gefühl, zum Training zu gehen, weil ich keinen Bock habe. Also Faulheit zählt jetzt nicht unbedingt dazu. Aber wenn man mal wirklich tief in sich geht, sollte man ein bisschen mehr darauf achten.

Joël Kaczmarek: Ja, ich weiß, was du meinst. Also ganz oft ist ja auch so Dieses Thema muss oder müssen. Ich muss, ich muss, ich muss. Du musst eigentlich gar nichts. Das Einzige, was du musst, ist sterben. Du musst nicht mal atmen, dann stirbst du halt. Aber du musst nicht mal atmen. Du musst eigentlich nichts. Und irgendwie ist es so. Das war die Karin Kuschik, die dieses Buch geschrieben hat, 50 Sätze, die das Leben leichter machen. Und die hat es immer so beschrieben, müssen, sagt jemand. Immer dann, wenn er nicht bereit ist, den Preis für etwas zu zahlen. Also, wenn er etwas macht, wo er eigentlich keine Lust hat, das, was dafür notwendig ist, zu tun. Das fand ich einen interessanten Blick da drauf und habe aber auch gerade so darüber nachgedacht. Ich glaube, intuitiv hat jeder so, dass man den Unterschied kennt zwischen, Das fühlt sich nicht richtig an, Ich sollte es lassen und es fühlt sich nicht richtig an, weil mir tun alle Geräten, weh. Ich habe keinen Bock. Ja,

Nina Meinke: ich habe keinen Bock, genau.

Joël Kaczmarek: Weil es gibt ja auch diesen schönen, und da treffe ich auf dich, dann echt zu, dieser Satz. Bei Rocky war das doch immer so, It doesn't matter how hard you can hit, It doesn't matter how hard you can get hit and stand up again. Ja,

Nina Meinke: genau.

Joël Kaczmarek: Also dieses immer einmal mehr aufstehen, als man hinfällt, ist so ein bisschen dein Motto, lerne ich daraus.

Nina Meinke: Ja, vor allem, Ich sage mal so, es sind ja alles, Alle Sachen bringen ja Erfahrungen mit sich. Und manchmal muss man halt im Leben auch mal zwei Schritte zurückgehen, wieder so ein bisschen eine Weit... Weiteren Blick auf die ganze Situation zu bekommen, Damit du danach wieder nach vorne gehen kannst und langfristig wieder dein Ziel verfolgen kannst. Also, es ist, ja, wie soll man sagen, ich glaube, man sollte auch gar nicht Niederlagen als Niederlagen betrachten, sondern Du gewinnst immer an Erfahrung. Das ist nichts Schlechtes in der Hinsicht. Es ist halt, wie gesagt, was machst du danach wieder daraus? Und da sind wir wieder bei dem positiven Denken. Was ist danach? Du kannst alles zum Negativen, du kannst alles zum positiven umwandeln. Jede Niederlage kann dich entweder zerbrechen, oder sie lässt sich stärker wieder zurückkommen.

Joël Kaczmarek: Ja, ich denke noch so darauf rum, Die Jogging-Runde, von der du erzählt hast, wo du gesagt hast, okay, fuck, Ich bin jetzt das zweite Mal krank geworden, was ist hier los, willst du das eigentlich richtig? Gänsehaut, Schweißausbrüche. Also, das war ja eigentlich so ein bisschen ein Sieg des Willens, höre ich da auch raus, weil Du hättest ja auch intuitiv sagen können, okay, Ich habe davor Angst, ich habe Angst zu versagen, ich möchte das nicht, ich lasse es sein. Also hätte ja auch eine Antwort sein können. Aber bei dir ist es in was anderes geswitcht. Bei dir ist es so, nee, das habe ich mir vorgenommen, okay, Es hat einen Preis, aber ich bin bereit, den zu zahlen, Let's go.

Nina Meinke: Ja, ich glaube, Das sind auch, so die Prinzipien, die man auch ein bisschen für sich selber hat. Und bei mir ist das eben, Ich gehe nicht gerne den Weg des geringsten Widerstands, weil ich glaube, du kannst dich IMMER nur... Also, ich bin dann stolz auf mich, wenn ich was hart erarbeitet habe. Und nicht, wenn mir was zugeflogen kommt. Dafür bin ich dann, Ich glaube, die Dankbarkeit ist dann eine andere. Und auch die Wertschätzung für dich selber. Und das ist egal, was andere Leute sagen. Aber für mich ist es so, ich muss ja mit dem Gefühl auch leben. Und wenn ich Sachen nur geschenkt bekomme, dann habe ich nie für mich selber. Auch diese Wertschätzung, die ich mir eigentlich mal erarbeiten will.

Joël Kaczmarek: Und das ist schlimm, wenn du die nicht hast?

Nina Meinke: Ich glaube, ich bin jetzt so lange auch im Leistungssport, Dass man irgendwie so ein bisschen, kann man auch fast sagen, süchtig, danach wird.

Joël Kaczmarek: Bist du viel im Kopf oder bist du auch gut im Körper? mittlerweile?

Nina Meinke: Wie meinst du?

Joël Kaczmarek: Naja, Es ist ja so, also, das sagt ja jemand, der offensichtlich weiß, wovon er redet, der selber sich viel im Kopf aufgehalten hat. Mir ging es immer so, ich habe viele Sachen mit dem Kopf gelöst, weil es mir Sicherheit gab und Kontrolle. Und darüber den Körper vergessen. Und wenn Körper gegen Kopf kämpft, dann gewinnt am Ende immer eigentlich der Körper. So auf eine Art. Weil er die fieseren Mittel hat. Hat mal ein Oberarzt an der Charité zu mir gesagt, die ein Interview hatte. Ich lerne es gerade so, dass manchmal, also ich merke manchmal, wie sehr ich mich teilweise getrieben habe. Oder auch immer noch treibe und Geißle und unter Druck setze und durchziehe. Und dann merke ich, oh, jetzt verstehe ich, Da hat mal eine Osteopathin zu mir gesagt, Joël, dieses Fühlen, das musst du regelmäßig machen.

Nicht nur so, als so eine Übung mit, Ich mache jetzt mal Meditation, sondern so daily. Und ich weiß mittlerweile ein bisschen, was sie meint, weil. Ich habe mich so dabei ertappt, wenn ich dann so einen Schreibtischtag hatte. Gestern zum Beispiel habe ich drei Aufnahmen an einem Tag gemacht. Ich habe quasi durchgängig vor einem Mikro gesessen. Und da hast du immer Adrenalin, Konzentration und so weiter und so fort. Und dann habe ich so gemerkt, Ah, ja, krass, Der Körper funktioniert die ganze Zeit. Ich gehe immer sozusagen, ich performe, aber ich brauche eigentlich auch den Moment, dass ich mich mal spüre.

Nina Meinke: Ja.

Joël Kaczmarek: Und ich habe dann echt verstanden, so in den letzten Tagen und Wochen, was es heißt, sich zu spüren. spüren, zu sagen, alles klar. Der Kopf kann dir vieles mit Willen überschreiben. Aber es ist schon auch, gehört zum Teil der Gleichung, dass ich mal rein merke,

Joël Kaczmarek: okay, bin gerade erschöpft.

Nina Meinke: Ja, das kenne ich tatsächlich sehr gut. Also, ich bin ein unglaublich verkopfter Mensch, auf jeden Fall. Und mein Körper musste auch in den letzten Jahren ordentlich leiden, weil ich dem auch schon ziemlich bis zum Ende teilweise getriezt habe. Und auch Ich müsste mir mehr die Momente nehmen, wo ich einfach mal ganz kurz ruhig. Zur Ruhe komme und mal auf die Atmung achte, Dann gibt es ja auch verschiedene Atemtechniken, die man zwischendurch machen kann. Und ich glaube, die Momente sollte man sich, egal, ob man Leistungssportlerin ist, Ob man im Berufsleben, egal wie, Ich glaube, jeder Mensch sollte sich das einfach auch mal nehmen, Die Zeit für sich. Weil wir sind in einer so unglaublich schnellläufigen Zeit, dass wir das total vergessen. Und wenn es nur sieben Minuten auf dem Boden liegen, ist und einfach mal ganz kurz spüren, wie du es eben sagst. Ja, irgendwann kommt dann der Moment und ich glaube, In der Gesellschaft gibt es da viele Fälle von, Wo du halt diesen Burnout hast und wo es dann gar nicht mehr geht. Und ist es das wirklich wert, jedes Mal bis zum Ende sich so zu pushen? Tut man sich damit wirklich einen Gefallen oder macht man am Ende dann doch die drei Schritte mal zurück? Und denkt sich, mal ganz kurz durchatmen?

Joël Kaczmarek: Und ich meine,

Joël Kaczmarek: Jetzt gehört ja auch zur Wahrheit dazu, du hast schon zwei Rücken-OPs durch, hast wahrscheinlich, also Hand gebrochen, lernig und wahrscheinlich noch ein paar andere Verletzungen.

Nina Meinke: Zwei Mal die Hand, ja. DAS ist...

Joël Kaczmarek: Wann würdest du aufhören? Wann ist denn der Zeitpunkt, wo du sagst, der Preis wird zu hoch?

Nina Meinke: Schwierig. Es ist gerade... Also ja, es ist eine schwierige Frage, weil ich glaube, mein Herz hängt einfach am Boxen. Und wenn es nach mir ginge, würde ich für immer boxen. Man muss irgendwann vernünftig sein und schauen, wie es dann auch weitergeht, weil... Wie gesagt, wenn der Preis zu hoch ist, Es gibt ja auch noch ein paar Jahre nach dem Boxen, Man möchte ja auch vielleicht eine Familie gründen. Und wenn man dann wieder zurückschaut, ist halt der Boxabschnitt eigentlich so viel, wenn danach hoffentlich noch 30, 40, 50 Jahre kommen, Wer weiß, wie lange ich leben, werde. Aber ja, da muss man natürlich abwägen.

Joël Kaczmarek: Ich überlege gerne, ob ich das erzähle, weil ich bin ehrlich gesagt Nicht sicher. Du merkst ja schon, da kommen mir ein bisschen die Tränen. Ich finde es so ein bisschen faszinierend. Ich bin, wie du so ein Kandidat zum Überperformen. Hatte gestern diese drei Podcast. Der letzte drehte sich um KI, wie KI. Unsere Kinder irgendwie prägt. Ey, Das war echt gruselig. Und dann lief ich hinterher so durch den Wald und Hab gedacht, boah, diese Welt, Die Kinder, die nur noch mit Social Media, die reden nicht mehr miteinander, Die werden mit KI-Freunden groß. Die wissen nicht mehr, was echt ist und so. Ich fand es voll bedrückend. Und das war echt da und hab gedacht, fuck, So fühlt sich jemand, der so verzweifelt ist, wenn du es auf der Arbeit schwer hast, werden irgendwie, Entschuldige. Ich kann mal durchatmen. Wenn alles irgendwie anstrengend ist und du denkst, okay, warum funktioniert alles nicht? Und dann sitzt du hier und erzählst mir, hey, Trust the process.

Nina Meinke: Also, ich kann das sehr, sehr mit dir fühlen, weil, wie gesagt, Ich möchte auch irgendwann Kinder haben und das ist unglaublich schwer, Sich das aber in der heutigen Gesellschaft und in der jetzigen Zeit vorzustellen. Einfach nur. Und wir kennen das aus unserer Jugend, was man für eine Coole Kindheit hatte. Und wenn ich jetzt dieses, ich bin auch nicht der Freund von diesem ganzen Digitalen. Und wenn man mal diese Welt anguckt, ob es politisch gesehen, was alles in der Welt abgeht, ist super frustrierend. Und ich habe auch manchmal Momente, wo ich da sitze und denke, boah, Wie geht das jetzt eigentlich weiter? Unser Leben generell. Nicht das Gefühl, dass sich das Halt so zum Positiven verändert.

Das Problem ist, Wir werden so wenig Einfluss darauf haben können, den ganzen Weg, Wie das weiter geht in Zukunft. Da sind wir leider viel zu klein, um zu sagen, Wir werden jetzt die große Masse und diese ganze Weltveränderung irgendwie ändern können. Aber ich glaube, deswegen muss man immer für sich wieder diese guten Dinge aus dem Leben ziehen. Und das ist genau das Ding, weil man kann daran zerbrechen, wie in allen anderen Situationen, Dass man sagt, die Welt ist scheiße, die Politik, Da geht alles den Bach runter, und wir können auch nichts ändern. Aber wie ist dann das eigene Leben? Das wird nur frustriert. Es ist eine so schwierige Zeit und deswegen glaube ich, dass es wichtig ist, dass man sich da auch wieder so aufbaut und will, sagen, ob es Projekte sind, wo man einfach ein kleines bisschen den Menschen zurückgeben kann.

Ich sehe das jetzt mit dem Boxclub. So, weil es einfach, Ich werde irgendwann niedergeschmettert sein, irgendwann selber nicht mehr boxen zu können. Das wird wirklich schwer zu verarbeiten. sein. Aber wenn ich dann sehe, die Jungs, die jetzt bei mir im Boxclub sind und ihre Leidenschaft da finden. Und ich das wieder irgendwie weitergeben kann, Dann habe ich vielleicht so ein bisschen dazu beigetragen, da wieder, was gutes Draus zu schöpfen.

Joël Kaczmarek: Deswegen, ich ziehe da echt was draus, weil ich dachte so, boah, Ich glaube, es geht vielen Menschen draus. Und deswegen dachte ich, fuck, red. Das Halt an, Auch wenn es nicht unangenehm ist. Dass du dir die Welt anguckst und denkst, Alter, das ist ja alles Toast. Wassermangel, Hitze, Politikscheiße, Wir bauen Bahnhöfe 35 Jahre lang, Wir kriegen Flughäfen nicht gebaut.

Nina Meinke: Die voll falschen Leute an der Macht und die, die Macht haben, sind dann auch noch so eine, ja, nicht die besten Menschen auf der Welt, wo du immer denkst, wie kann das passieren, Dass genau die Menschen immer weiterkommen. Manchmal hat man ja auch das Gefühl, dass so diese, wenn ich das jetzt so sage, Aber das sind Arschlöcher. Irgendwie immer weiterkommen, denkst du Dir ja manchmal. Und denkst, wie kann das sein? Aber auch da ist es so, Wichtig ist, fühlst du dich mit dir selber gut? Also, da geht es nicht um Erfolg, um diese ganzen materialistischen Sachen. Ich glaube, daran sollten wir auch Sachen gar nicht bemessen. Der ist reich und ist aber irgendwie ein Vollidiot. Aber ist das das, was man will? Will ich jetzt reich sein und aber irgendwie über Leichen gehen, um da hinzukommen? Oder will ich eigentlich später in den Spiegel kommen? Und irgendwann sagen, mein Karma ist gut und ich habe für mich das... Ich habe niemandem was Schlechtes getan. Ich kann für mich mit ruhigem Gewissen sagen. Ja, das ist immer die Frage, was will man?

Joël Kaczmarek: Ich habe zwei Impulse dazu. Das eine war eine Bekannte, hat mir etwas zu mir gesagt. Das hat die in den Newsletter geschrieben, fand ich echt nett. Die hat einen Yoga-Lehrer und der hat gesagt, The Good Travels slow. Das Gute reist langsamer, aber es kommt immer an. Also manchmal ist es so, man denkt so, okay, Irgendwie die Arschlöcher sind diejenigen. Genau,

Nina Meinke: die geht dann so und man selber.

Joël Kaczmarek: Es dauert manchmal länger, aber es kommt an und es kommt natürlich nachhaltiger an. Und der zweite Impuls ist, dass ich denke, mein Konzept von Hölle ist, dass Leute sich manchmal ihre Hölle selber schaffen. Genau mit sowas, dass du dann da sitzt und denkst, Fünf Leute hier irgendwie die Karriere kaputt gemacht, Drei Menschen, einen in den Suizid getrieben. Es ist ja furchtbar, was manchmal so die Preise sind.

Nina Meinke: Auf jeden Fall ist es das alles wert. Und deswegen glaube ich auch, wenn du mit reinem Gewissen Schlafen gehen kannst und dich in den Spiegel anschauen kannst und sagen kannst, hey, lieber so. Dann habe ich lieber weniger Geld und so, aber ein reines Gewissen. Ich glaube auch.

Joël Kaczmarek: Also Ich sehe schon, ich werde mir deinen Mentalcoach hier demnächst vorstellen lassen.

Nina Meinke: Ja, der ist klasse. Das kann ich dir immer empfehlen.

Joël Kaczmarek: Und frag dich in der Zwischenzeit nach deinem vierten Ding.

Nina Meinke: So, mein Viertes Ding. Das Umfeld. Wähle dein Umfeld weise. Das ist eine Sache, die auch sehr, sehr wichtig ist. Weil ich glaube, erfolgreiche Menschen, oder ob es sportlich, beruflich, egal wie, Ich glaube, wenn der Erfolg groß ist, dann hast du auch immer viele Menschen an deiner Seite. Alle sind cool mit dir. Aber du siehst dann, lernst du eigentlich dein Umfeld kennen, wenn Du verlierst oder wenn die Erfolge mal nicht da sind. Wer ist dann noch an deiner Seite? Ich habe das schon mitbekommen, manchmal bei Boxern, Die haben verloren. Vorher standen alle in der Ecke, Der verliert, Auf einmal steht er alleine da. Das bricht mir das Herz, so zu sehen. Also, du kannst nicht immer...

Also du weißt, wer deine Menschen sind, wenn es dir eben halt nicht gut geht, wie die da sind für dich. Und das ist die eine Sache, aber andersrum auch. Man sollte diese Menschen, die eine gleiche Mission haben, So an seiner Seite haben, die die gleiche Einstellung zum Leben haben. Weil es gibt auch Freunde, die wissen, du bist in der Boxvorbereitung. Du musst dich auf einen wichtigen Kampf vorbereiten und sagen, komm, trotzdem ja, Freunde. Komm raus, Lass uns einen Trinken, gehen. Ach, man, komm, ist doch noch so lange hin. Trink Mal jetzt einen mit uns. Und versuchen dich, da zu überreden zu etwas, wo die wissen, Das tut ja eigentlich in dem Moment nicht gut, Aber weil sie es selber machen, so versuchen Sie dich, da mit reinzuziehen.

Und das ist auch so eine Sache, wo man vorsichtig sein muss. Auch wenn viele einen immer preisen und sagen, ja, toll. Und am Ende, handeln Sie wirklich so oder nicht? Und das sollte man für sich auch erkennen. Und dann gibt es aber auch diese anderen Menschen an deiner Seite. Die für sich selber zurückstecken, damit du nach vorne kommst. Und das ist vielleicht hart für dich in dem Moment. Und natürlich ist es nicht schön, dass zum Beispiel, Dass ich dann lange im Trainingslager bin, und ich kann dann nicht zu Hause sein. Und natürlich ist dann Stress, und man hat in den Vorbereitungen auch, Du musst Gewicht machen, du bist nicht so gut drauf. Und ich habe einen Partner an meiner Seite jetzt, der einfach sagt, ich weiß, Für ihn ist das natürlich auch nicht schön.

Der hört das auch nicht gerne. Jetzt muss Nina wieder drei, vier Wochen irgendwie in der Welt rum. Düsen Und man sieht sich nicht oder man hat viel zu tun. Und er unterstützt mich da, aber vollkommen und sagt, ich trete da selber zurück, weil ich weiß, es wird dir gut tun. Und dann können wir den Erfolg gemeinsam feiern und dann werden auch wieder andere Zeiten kommen. Dieses Mal für sich selber zurücktreten, dass es dem anderen besser geht. Dann gibt es eben auch solche Menschen. Und mit denen sollte man sich dann umgeben.

Joël Kaczmarek: Ich weiß, was du meinst, als ich ein Kind war, so ein Jugendlicher, Sind wir mal Fußball spielen gegangen. Und es gab immer die Araber-Mannschaft, die wir gespielt haben, ab und zu. Die waren immer ab und zu, und da haben sich irgendwie immer so zusammengefunden. Und so. Die waren halt immer so unglaublich, schwer zu bespielen, weil die haben alle eine andere Sprache gesprochen. Wenn die gesagt haben, Lauf, links, Lauf, rechts, hast du nichts verstanden. Und die waren halt alle, so, hatten ein hohes Spielniveau. Und ich habe immer gemerkt, wenn wir gegen die gespielt haben, waren wir selbst auch besser. Und so dieses Prinzip, glaube ich, das merkt man ja wirklich, dass dein Umfeld, Man sagt ja auch immer so ein bisschen, Du bist irgendwie der Mix aus den sieben Menschen, die die am nächsten sind. Oder irgendwie so in der Art. Und dann frage ich mich manchmal, da bin ich mal neugierig auf deine Perspektive. Ich habe das auch so gemacht, dass ich Leute, die ich für Toxisch halte oder wo ich sage, nö, ist nicht meine Wellenlänge oder gehe nicht mit dem gleichen Anspruch durch die Welt, wie ich, aussortiert. Aber hat ja auch den Preis, dass du dann in so einer Bubble bist, die halt sehr homogen ist auf eine Art oder wo dir so ein bisschen auch Reiz. Manchmal fehlt. Weißt du, was ich meine?

Nina Meinke: Ja, also, ich würde gar nicht mal mich darauf beschränken, zu sagen, jeder, der zum Beispiel erfolgreich sein will, der muss in meinem Umfeld sein. Ich glaube, so würde ich das gar nicht sehen, sondern Menschen können in vielen verschiedenen Arten und Weisen viel geben, ohne dass sie jetzt sagen, ich bin Unternehmer oder Unternehmerin und habe mein Ziel, jetzt eine Million zu machen. Und dann bin ich Sportlerin, und ich will auf jeden Fall auch Weltmeisterin werden. Das ist gar nicht das Ziel, sondern es ist, Welche Energie geben Sie dir. Das ist das Wichtige, weil du hast auch Menschen, die machen voll ihr eigenes Ding, Aber die sind damit total zufrieden. Und das ist doch deren Entscheidung, ihr Leben zu führen.

Und das heißt nicht, dass es was schlechteres ist. Oder jemand hat nicht die Ansprüche, wie ich sie vielleicht habe. Ich möchte keine Weltmeisterin werden, Aber das ist okay. Das heißt ja, nicht, dass ich mich damit mit dem nicht abgebe, sondern die positive Energie, Die muss stimmen. Und das, was man selber davon bekommt. Ich habe Freundinnen in meinem Umfeld, Die sind aus einer ganz anderen Sparte. Die kommen auch gar nicht aus dem Sport. Aber wenn ich mit denen Zeit verbringe, die unterstützen mich und ich unterstütze sie, Sie geben mir positive Energie. Und damit wächst man ja auch zusammen. Also, ich glaube, dass... Darf man immer gar nicht so beschränken auf irgendwelche Ziele in der Form.

Joël Kaczmarek: Also, es geht gar nicht so darum, dass du jetzt nur Performer um dich hast, sondern es geht darum, Dass die Energie, die Wellenlänge sozusagen, stimmt, dass man sich hinterher besser fühlt als vorher.

Nina Meinke: Es gibt Menschen, mit denen unterhältst du dich? Und wenn zum Beispiel so du Schwarz, Male oder du sagst, auch heute schönes Wetter und die sagen, Ja, morgen soll es aber regnen oder später regnet. Und dann sagst du, ja, ach, guck mal, Heute ist das, ja, Aber da ist die Bahn wieder ausgefallen und das ist irgendwie scheiße. Es gibt ja so, welche, die Halt wegen alles ins Negative ziehen. Das ist zum Beispiel was, womit ich mich nicht umgeben möchte, weil das zieht mich selber runter. Und das bringt mich von diesem, dass ich mir auch, oder wo ich ja auch manchmal schwierigkeiten habe, positiv zu denken, und das zieht mich dann noch mehr runter. Und dann weiß ich, das sind Energierauber für mich, da muss ich mich mit denen nicht unbedingt viel umgeben. Aber wenn ich jemanden habe, wo das eben, wie gesagt, ich fühle mich gut, Ich kriege Energie, ich kann Energie geben, dann auch, und das ist dieses Positive, Dann ist das egal, Wer was macht.

Joël Kaczmarek: Ich bin immer neugierig, weil wir das ja auch gerade so als Thema hatten mit der Politik. Und dass man da irgendwie so, wie ich so einen Deprimment haben kann. Guckst Du manchmal aktiv Weg bei Sachen? Also, wenn du zum Beispiel siehst, wie du gerade gesagt hast, Gesellschaftlich kann ich manche Sachen nicht also Ich könnte sie formen, Aber dann müsste ich es zu meiner Hauptmission machen und anders meine Kräfte einsetzen, so kann man vielleicht sagen. Bist du dann so ein bisschen, dass du keine Nachrichten konsumierst, dass Du sagst, was ich nicht ändern kann, lasse ich gar nicht an mich ran oder? Wie ist so deine Haltung?

Nina Meinke: Ich glaube, wir müssen lernen, ein bisschen mehr zu filtern. Wir sind halt sehr overloaded mit allen möglichen Informationen. Und die Mediengestaltung ist natürlich auch, Was erregt Aufmerksamkeit, negative Nachrichten. Das ist halt auch so ein Ding. Sie wollen Schlagzeilen haben, da wirst du nicht sehen. Also das ist halt sehr selten. Positives, Was berichtet wird, was halt eine Schlagzeile macht. Sondern es ist ja immer Drama. Drama zieht Leute. Gewisses Drama muss ich mir dann aber auch nicht geben, und da filter ich einfach. Also wichtige Sachen, natürlich, auf was politisch manchmal abgeht, muss man sich natürlich auch informieren. Da kann man auch nicht wegschauen. Wie gesagt, wie nah lässt man es dann aber an sich auch ran, ist die Frage. Und gewisse Sachen, da sage ich auch, brauche ich gerade nicht, bringt mich überhaupt nicht voran, habe ich überhaupt gar keinen Mehrwert von, und dann schaue ich mir das jetzt auch nicht an.

Joël Kaczmarek: So, eine haben wir noch offen, wenn ich mich nicht verzählt habe.

Nina Meinke: Ja, das ist so ein Mix. Einmal habe ich zum Beispiel noch was, Es gab mal Momente, auch, wo mir viel vorgeschrieben wurde oder wo Menschen versucht haben, mir irgendwie zu sagen, wie ich was machen soll, was ich machen soll. Und ich glaube, manchmal bin ich als junges Mädel noch ziemlich darauf eingegangen und habe darauf gehört. In gewissen Situationen würde ich mir jetzt sagen, lerne mehr Nein zu sagen. Und du kannst es nicht jedem Recht machen. Ja, manchmal ist. Nein, sagen tatsächlich nicht immer was Schlimmes, aber das ist nichts Leichtes, tatsächlich.

Joël Kaczmarek: Hattest du so einen Moment, wo der Gorschen gefallen ist? Manchmal hat man das doch, dass man so eine Situation erlebt oder dass so fünf Erfahrungen auf einmal so zusammenputzeln. War das bei Dir so, dass Du gemerkt hast, okay, komm,

Joël Kaczmarek: fuck, Kannst du das eh nicht allen Recht machen, sag auch mal Nein?

Nina Meinke: Ja, also, ich glaube, das war so ein Prozess über verschiedene Situationen, über Jahre und irgendwann, wenn man... Ich glaube, je mehr man mit sich selber zu sich findet, zufriedener wird und sich selbst auch wertschätzt. Und man sagt ja auch immer, man muss sich auch immer erst mal lieben, bevor jemand anderes einen lieben kann. Und ich glaube, wenn man irgendwann an den Punkt kommt, wo man eine Zufriedenheit mit sich selber hat und die Wertschätzung sich selbst gegenüber hat, Dann fällt es einem leichter, Nein, zu sagen, weil du nicht versuchst, das Einrecht zu machen. Sondern weißt du, hey, nee, und du stehst selber mehr zu dir.

Joël Kaczmarek: Ich glaube, das ist eine spannende Geschichte, und das erinnert mich an. was, als ich im Boxclub war. Gab es mal einen Typen, der war mir. Zwei Köpfe größer als ich. Und das war so ein Bulli.

Joël Kaczmarek: Der kam immer so an, der hat so leicht gelistet, der hat mal gesagt, ey, was hast du da für eine Steiße am Laufen? Weißt du,

Joël Kaczmarek: so immer so ein giftiger Typ. Und irgendwann hat er gemerkt, okay, Der Typ haut nicht nach zweimal Training ab, sondern der ist auch irgendwie im Monat sechs noch hier und macht einen ganz okayen Job und so. Und dann war es okay. Dann war ich sozusagen, so accredited. Und dann bin ich halt irgendwann zu dem Trainer, Dann haben wir uns mal so unterhalten und haben gesagt, manche sind ja so ein bisschen Arschloch. Was ist das für ein Scheiß? Hier mit dem und so und da, und dann mit der. Boxen ist ein Sport, der tendenziell eher unsichere Menschen anzieht. Also, es sind häufig Menschen, die emotional unsicher sind und sich sozusagen, Selbstsicherheit durch diese Körperlichkeit und dieses sich wehren können und kämpfen können.

Nina Meinke: Anderes Ventil sozusagen suchen.

Joël Kaczmarek: A, hast du das auch? so erlebt? Und B, würdest du dich, da als Betroffen sozusagen? Auch sehen? War das für dich auch so ein bisschen, dass du von Unsicherheit durch den Sport in Sicherheit kamst? Oder ist das bei dir nicht? Teil der Reise?

Nina Meinke: Ne, Tatsächlich hat mich der Boxsport einfach Leidenschaft. Also, ich habe einfach die Leidenschaft nach der ersten Trainingseinheit irgendwie gefunden. Und ich war selber überrascht, weil ich saß zu Hause mit meinen zitternden Händen, konnte das Glas kaum noch heben, weil mir das vor die Arme wehtaten. Und dachte, das ist ein geiles Gefühl, ich liebe es. Und dann gab es halt auch nichts anderes. Aber das war jetzt nicht, dass ich aus Unsicherheit zum Boxen gegangen bin. Aber ich finde es schön, dass Menschen, die vielleicht für sich selber unsicher sind, Durch solchen Sport Sicherheit finden. Und da gab es ja jetzt gerade erst, Jetzt kommt ja der Film von Christy Martin Raus in den Kinos.

Da ist, glaube ich heute sogar der Filmstart. Das ist ja über die erste Profiboxerin in Amerika, die bei Don King auch unterschrieben hat. Unglaubliche Geschichte. Also, ich kann es auch jedem wirklich nur empfehlen, sich das mal anzuschauen. Da geht es nicht nur um die sportliche Leistung. Sie hat auch viel mit häuslicher Gewalt zu tun gehabt, Weil ihr Trainer und der auch Trainer und Mann war, sie da sehr unterdrückt hat. Ganz krasse Geschichte, einfach. Ich habe mir das dann auch mal genauer noch durchgelesen. Und sie wurde tatsächlich von ihm erstochen und in die Brust geschossen und hat das überlebt, konnte fliehen. Und dann ist die letzte Szene in dem Film, Also die Geschichte. Kann man ja natürlich bei Google auch schon nachlesen.

Also, ich Spoiler jetzt eigentlich nichts. Entschuldigung. Aber sie sagt eine Sache, sie sagt, ich will wieder in den Ring. Dieser Ring ist das Einzige, was mir Grenzen und Regeln und Ruhe gibt, außerhalb dieses ganzen Chaos. Und es ist so schön, dass in einer Situation, wo Sie wirklich im absoluten... Also, es ist ja Wahnsinn, du bist JA gerade... Fast gestorben und gehst bis aus der OP Raus und sagst, Eigentlich will ich wieder boxen, weil mir das Ruhe gibt. Das ist eigentlich genau das Gegenteil, was man mit einem Boxsport eigentlich assoziiert. Und dass es Menschen solche Kraft gibt, Sport, Egal, was jemand macht, Das wünsche ich jedem, dass man die Leidenschaft und diese Ruhe findet. Egal, ob es jetzt malen ist, irgendwas Kreatives, sportlich gesehen, wünsche ich jedem Menschen, dass man einen Ort findet, wo man so zur Ruhe kommt und einfach mal den Kopf ausmachen kann.

Joël Kaczmarek: Ich war gerade am Begriff dich zu fragen, was das genau ist, Die Magie am Boxen, Warum du es so liebst. Dann habe ich gedacht, ich liebe Fußballspielen, ich liebe das. Und ich kann aber nicht erklären, warum. Kannst du es beim Boxen?

Nina Meinke: Ich schalte, ich habe Tage gehabt, da war ich schlecht drauf. Bin zum Training und dachte mir, ich habe eigentlich gar keinen Bock. Habe trainiert und bin mit einem strahlenden Lächeln raus und dachte mir, das war wie Urlaub, wie Therapie. Also für mich ist Boxen auch teilweise wie Therapie. Ich brauche das auch, mich auszupowern. Ich merke das auch jetzt nach meiner Rückenoperation wieder, wie es mir in den Händen kribbelt, endlich wieder loszulegen. Und das mich frustriert, eigentlich, nicht so arbeiten zu können, wie ich es gerne würde, Weil. Manchmal ist es einfach, die Emotionen einfach rauslassen. Boxen ist natürlich auch ein sehr koordinativer Sport, viel mit dem Kopf. Du hast keine Zeit, an, was anderes zu denken, eigentlich. Und wenn du es tust, dann merkst du, dass es im Boxen ja doch nicht so funktioniert, So, wie es bei mir manchmal bei den Sparrings, dann war. Aber an sich ist für mich die Boxhalle wie so ein Therapieort.

Joël Kaczmarek: Ich stelle gerade fest, ich habe einen Freund, der ist Imker und der hat mir das Gleiche, erzählt. Der hat gesagt, meine Meditation ist das Imkern, weil Bienen, wenn du gestresst bist, du musst runterkommen, sonst stechen die dich.

Nina Meinke: Genau.

Joël Kaczmarek: Also ich denke, gerade eigentlich ist Boxen deine Meditation in Bewegung sozusagen.

Nina Meinke: Ja, auf jeden Fall. Und ich glaube, wie gesagt, das gibt es auf ganz viele verschiedene Ebenen. Imkern, Fußball, Boxen. Wie schön, wenn jemand das findet. Das wünsche ich wirklich jedem.

Joël Kaczmarek: Und Sag mal... Ein Thema ist ja, wenn du da mit acht am Ring stehst und siehst das Konfetti fliegen, wie du gesagt hast, Role Models braucht es ja oft. Und jetzt hast du auf den Kerl geguckt. Also, es gab eigentlich, wenn ich mal ehrlich bin, ich bin jetzt sportinteressiert, Die Einzige, die mir immer so präsent war über die Jahre war Regina Halmich. Oder hier die Muhammad-Ali-Tochter noch, wo ich schon den Vornamen vergessen habe. Asche auf mein Haupt.

Nina Meinke: Leila Ali.

Joël Kaczmarek: Danke. Wie war das für dich, dass du das auch als realistisch wahrgenommen hast? Also, dass du sozusagen gesagt hast, hey, was der Typ da macht mit seinen 80 Kilo. Oder was weiß ich, kann ich auch machen. Obwohl ich eine Frau bin, das ist auch, weißt du, was ich meine? Das ist ja so ein bisschen...

Nina Meinke: Also, Regina war ja auch zu der damaligen Zeit natürlich auch sehr, sehr präsent. Sie war damals Weltmeisterin und ich fand, Sie hat natürlich auch für uns Boxerinnen in Deutschland den Weg geebnet. Das darf man auch nicht vergessen. Sveni war natürlich für mich die erste Bezugsperson. Aber auch Ginas Kämpfe habe ich verfolgt. Ich war auch bei ihrem letzten Kampf mit dabei. Und auch das, Sie hat ja gezeigt, es funktioniert. In der Zeit, wo noch viele Vorurteile herrschten. Sie hat sich damals durchgequält, gegen Männer diskutiert, Warum eine Frau boxt. Genauso habe ich das auch damals, noch vor über 21 Jahren. Da war die Zeit auch noch eine andere. Aber sie hat ja zum Beispiel gezeigt, dass es funktionierte.

Das heißt, Sie hat auch einen großen Part damit vorbeigetragen. Und wenn wir von Vorbildern sprechen, was Frauen angeht, muss ich halt wirklich immer wieder eine Sache sagen. Ich habe zwei Vorbilder in meinem Leben, weil ich Frauen bin. Das ist tatsächlich meine Oma Olga, 94 Jahre alt und meine Mom. Weil die beiden haben mir von Anfang an immer gezeigt, was starke Frauen sind. Und die Geschichte von meiner Oma ist wirklich unglaublich. Und eine Sache hat sie mir schon sehr früh immer mitgegeben. Und zwar mach Dich niemals abhängig und steh auf deinen eigenen zwei Beinen. Und sie hat es vorgemacht, Egal in welchen Situationen. Meine Mama hat es mir gezeigt, auch, wie es geht. Und diese Stärke, die, die mit den Frauen verkörpern, das ist sowas, wo ich wirklich aufschaue.

Joël Kaczmarek: Wobei das Faszinierend ist, Wenn man sich das in der Nachschau anschaut, merke ich auch so ein bisschen, Es sind immer die Ratschläge eines Lebens, Was in einer Zeit passiert. Also deine Oma-Kriegsgeneration. Ich meine, wenn man sich das Mal anguckt, damals war, glaube ich nicht mal. Scheidung. Teilweise erlaubt. So eine Späßchen, also Du warst ja völlig abhängig. Das macht ja was mit Menschen. Ich habe andere erlebt, die sind total sparsam, weil sie aus dem Krieg nichts hatten, das gewohnt waren.

Nina Meinke: Es formt ja auch Charakterzüge. Also die Vergangenheit, Die hat ja auch unglaublichen Einfluss. Auf das zukünftige Ich. Und wenn wir dabei sind, gerade eigentlich zu sagen, was würde ich meinem früheren ich auch sagen? Diese Tipps, die man ja bekommen, hat, die meine Oma oder meine Mama mir gegeben hat, Die konnten Sie ja nur geben, weil sie die Erfahrung gemacht haben. Und Tipps sind ja immer schön, aber ich glaube, du musst die Erfahrung immer selber sammeln. Und wenn ich jetzt mir selber die Tipps geben würde, würde ich Sie gar nicht mal als eine Korrektur sehen. Und sagen, mach das nicht, weil dann passiert das und das, sondern ich würde es eher, Ich würde sie mir einfach mitgeben, damit ich vielleicht manchmal weniger zweifle.

Aber ich würde nichts anders machen. Und das ist eine Sache, wo ich auch hinterkam, als ich mir Gedanken gemacht habe. Über die fünf Dinge, die ich vielleicht meinem früheren ich sagen würde. Wie gesagt, ich würde keine Korrektur vornehmen, sondern ich würde es einfach, um mir vielleicht manche Zweifel ein bisschen zu erleichtern. Und letzten Endes gucke ich aber zurück und sage, und da bin ich unglaublich dankbar für, Ich würde nichts anders machen, in meinem Leben. Hätte ich mich damals als zwölfjähriges Mädchen gefragt, hey, willst du das wirklich machen? Ja, will ich. Willst du das erste Mal nach England ausfahren? Will ich. Willst du das zweite Mal nach England ausfahren? Will ich auch.

Willst du wieder zurückkehren, Profiboxerin werden? Yes, man. Egal wie, ob es die privaten Entscheidungen waren, Die beruflichen, die sportlichen, Es hat mich am Ende mit den ganzen Höhen und Tiefen dahin gebracht, wo ich jetzt bin, und ich kann, Ich bereue gar nichts davon. Weil aus diesen ganzen Sachen, die schwierig liefen, habe ich so viel Erfahrung gesammelt und meine eigenen Geschichten irgendwie für mich auch geschrieben, aus denen ich jetzt super viel ziehen kann. Und für die Zukunft vielleicht anderen dann auch mal Tipps geben kann oder eben auch für mich gelernt habe.

Joël Kaczmarek: Ganz ehrlich, ist doch schön, so soll es doch auch sein. Und ich denke gerade an diesen Spruch, Auch Ratschläge sind Schläge. Von daher, es ist doch gut. Also, Nina Meinke, Nummer 1, Trust The process. Nummer 2, Positives Denken. Nummer 3, Hör auf deine Intuition. Nummer 4, wähle Deine Umfeldweise. Nummer 5, Lerne mehr Nein zu sagen. Du kannst es nicht allen Recht machen. Gute Sammlung, oder? Könnte ich dir auf einen Bilderrahmen oder so rahmen und kann man sich immer so neben den Tisch stellen.

Nina Meinke: Kann man sich immer wieder anschauen, ja.

Joël Kaczmarek: Also, ich danke dir ganz herzlich.

Nina Meinke: Ich danke dir.

Joël Kaczmarek: Drücke Dir die Daumen, Schlag dich durch. Und top, Top für die Nummer 3. Gibt es eigentlich noch mehr als drei Titel? Könntest du noch mehr sammeln?

Nina Meinke: Also, Es gibt fünf große internationale.

Joël Kaczmarek: Ja, mal gucken. Vielleicht erfinden wir noch einen, dann hast du zweimal drei, dann passt es ja. Also lieben Dank Dir und alles Gute.

Nina Meinke: Ich danke dir, mein Lieber.

Automatisch erstellt und redaktionell nicht durchgesehen – vereinzelte Fehler sind möglich.

Cover des Podcasts digital kompakt

Abonnieren

Keine Folge verpassen

Jeden Montag, Mittwoch und Freitag eine neue Folge – abonniere da, wo du ohnehin hörst.