Zwischen Pho und Fortschritt: Learnings aus Vietnam 🍜

1. April 2025, mit Mareike Kaczmarek

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Mareike Kaczmarek: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von digital kompakt. Heute mit der wunderbaren Mareike Kaczmarek am Mikrofon. Yeah! Ja, lassen wir das so. Und mir gegenüber sitzt der allseits bekannte Joel Kaczmarek. Ich freue mich. Heute geht es nämlich um deine Reise nach Vietnam. Ich glaube, in Social Media hast du schon ein bisschen berichtet und uns kleinere Einblicke gegeben. Ich finde aber, es ist eine ganze Podcast-Folge wert, dass du uns mal ein bisschen näher berichtest, was du erlebt hast, warum du eigentlich dort warst. ob du wieder hingehen möchtest, was du erlebt hast, was du lieber nicht erlebt hättest. Ich freue mich.

Joel Kaczmarek: Ja, ich freue mich auch. Ich bin übrigens gerade dabei, ein Fotobuch zu basteln. Ich habe jetzt schon eine Seite geschafft. Du machst das ja jedes Jahr für Familienaufnahmen. Ich weiß, warum es anstrengend ist. Und der liebe Lars, Lars Jankowski, der mich dahin eingeladen hat und gesagt hat, hier, schau dir dieses geile Event mal an. Der hat mir, ich glaube, zehn Ordnern mit jeweils 150 Fotos oder auch mal 200, ah, 15 Megabyte geschickt. Ich bin jetzt gerade dabei, oh mein Gott, wie soll ich das? Das sind knallige Bilder. Nun ja, ich schweife ab. In der Tat, ich war im schönen Vietnam. Was willst du wissen?

Mareike Kaczmarek: Warum warst du da eigentlich? Also mir hast du gesagt, du bist dort arbeiten gewesen. Und hast mich alleine zu Hause gelassen mit zwei Kindern.

Joel Kaczmarek: Genau, der liebe Lars, Lars Jankowski, wie gesagt, das ist ein Serientäter im guten Bereich, nämlich beim Gründen. Der hat damals, kennst du bestimmt auch noch, Swoodoo gegründet, die erste Flugsuchmaschine, dann an Kajak verkauft. Dann hat er, glaube ich, Oxit gemacht, war so im E-Commerce-Bereich. Und der ist mittlerweile seit, ich glaube, 15 Jahren oder so in Südostasien unterwegs. Der war auch schon mal bei uns im Podcast. Und Lars hat dort eine Firma namens NFQ. Und NFQ Kann man sich so vorstellen, die machen im Prinzip Softwareentwicklung und Projektarbeit, bisschen auch Beratung, glaube ich, aus Asien heraus, aus Südostasien. Die hat unglaublich viele Sitze, also die haben das Headquarter in Vietnam, sind, glaube ich, als Company gemeldet in Singapur. Oder die haben ein Headquarter in Vietnam, sind in Singapur, in Dubai, in Thailand, in Ägypten. Also ich glaube in Summe zehn oder elf Standorte, wenn ich es richtig erinnere. Und die machen halt einmal im Jahr den NFQ Asia Summit. So, das heißt, die nehmen sich halt ein asiatisches Land. Letztes Jahr war es Thailand, davor immer Vietnam und dieses Jahr auch wieder Vietnam, weil sie sich da halt gut auskennen. Und laden dort spannende Leute ein. Also es ist sehr handpicked auf Einladung. In der Regel so aus dem Bereich E-Commerce, Digitalwirtschaft. Und da verbringt man eine ganze Weile. Also wir reden hier jetzt wirklich nicht so von einen Tag rein und einen Tag wieder raus, sondern ich war da in Summe 13 Tage, also fast zwei Wochen. Muss man auch erstmal sich freischneiden können, to be fair. Aber kann man sich so vorstellen, es ist ein bisschen modular. Also du kannst entweder sagen, ich nehme alles mit oder vielleicht auch nur bestimmte Bauteile. Weil bei mir war es so, ich kam da an, Und dann waren so die ersten zwei Tage, wir erst mal ankommen, da gab es dann Samstagabends Karaoke, Sonntagabend irgendwie Rooftop-Bar, wo wir uns mal austauscht haben, ansonsten gar kein Programm. So und dann ging es so langsam los. Dann haben wir drei Tage, sind wir erst mal mit dem Bus gefahren nach Muine. Weil das Hauptevent fand in Ho Chi Minh Stadt statt, also Ho Chi Minh Stadt, auch bekannt als Saigon. Und von Saigon sind wir erstmal den ersten Tag für drei Tage nach, also zwei Übernachtungen glaube ich, nach Muine gefahren. So Muine ist ungefähr so drei Stunden entfernt mit dem Bus, so richtig schöner Strand, haben da Workshops gemacht, also ich war da Eisbaden zusammen mit irgendwie einigen spannenden Leuten, Randolf unter anderem, der gerade bei mir im 5 Dinge mit 20 Podcast war, dazu später mehr. Also haben wir allerlei gemacht, das war eher so ein bisschen inspirativ, ja, und halt coole Szenerie, dann gab es abends eine Beachparty mit irgendwie Sachen, dann gab es irgendwie einen Desert-BBQ, wir sind in die Wüste gefahren mit Jeeps und so die Dünen runtergebrettert, also siehst, ich habe hart gearbeitet, viel Networking halt, so. und dann gab es drei Tage in Ho Chi Minh statt, richtig Fokus-Konferenz. Wo ich auch einiges gemacht habe. Und dann haben wir noch so drei Tage Seelebaumeln gemacht in Da Nang. Da Nang ist halt so eine gute Stunde Flug von Saigon. Und da war sozusagen Nachlese, Entspannen, Runterkommen. Ja, aber in Summe waren es dann 13 Tage.

Mareike Kaczmarek: Okay, ist es einfach, weil Lars in Südostasien unterwegs ist, dass er auch nur dort Zweigstellen hat, also abgesehen jetzt von Ägypten oder gibt es auch in Europa irgendwo Zweigstellen?

Joel Kaczmarek: Nee, der hat auch mehrere, der hat auch in Emea, also in Saudi-Arabien ist er in Ägypten, ich bringe es mal durcheinander, ich glaube in Litauen ist er in Europa, der hat auch eine deutsche Dependance in Hamburg, also nee, nee, das ist schon international.

Mareike Kaczmarek: Cool. Und wer jetzt sagt, wow, das ist ja eine coole Konferenz, da will ich mitmachen. Das ist jetzt, es steht eigentlich jedem offen. Es stand nicht nur dir offen, weil du auf der Konferenz ein Panel gehalten hast und auch gepodcastet hast, sondern es wird auch jedem Teilnehmer rein theoretisch frei sein, von Anfang an bis Ende mitzumachen.

Joel Kaczmarek: Ja, genau. Also ich glaube, im nächsten Monat, während wir das hier aufnehmen, haben wir März 2025, geht schon wieder die Bewerbungsphase für den nächsten Summit los. Kannst du dich sozusagen als Gast da bewerben.

Mareike Kaczmarek: Das ist ja eine wesentliche Info, also ich muss mich bewerben. Ich darf jetzt nicht einfach mir ein Ticket klicken und gut ist, sondern ich muss eine Bewerbung und mich dafür qualifizieren.

Joel Kaczmarek: Ja, im Prinzip ja. Also der Gedanke ist, es soll halt so ein gemeinsames verbindendes Element geben, was halt in der Regel Digitalwirtschaft mit so einem gewissen Schwerpunkt E-Commerce ist. Also ich glaube E-Commerce muss jetzt nicht, aber viele Menschen, die dort sind, sind so aus diesem Eck. Wir haben dieses Jahr auch eine große Kooperation mit der K5 gemacht, was ja auch eine große E-Commerce-Konferenz ist und die Idee ist halt, geht jetzt gar nicht darum, dass man sagt, da darf nicht jeder Penner kommen, so nach dem Motto, sondern es geht mehr darum, dass man die Leute auch gut abmischt, dass die gut zueinander passen, dass du halt weißt, geil, wenn ich da hingehe, dann nehme ich auf jeden Fall was mit, weil da sind Leute, die mit mir irgendeine Schnittmenge haben.

Mareike Kaczmarek: Geht mir von 500 Leuten oder von 5000?

Joel Kaczmarek: Ich habe heute gerade mit Lars dazu telefoniert und er sagte, weißt du, ich hatte immer so einen Blocker im Kopf. Ich habe immer gedacht, wenn wir zu viele Leute nehmen, dann wird die Experience anders. Deswegen hat er die Grenze gehabt, 100 Leute, 100 Menschen zu dem Event. Aber er hat gemerkt jetzt bei dem, da war zum Beispiel ein Abend eine große Rockparty mit sechs oder sieben verschiedenen Rockbands. Da stimmte er mir jedes Mal aufs Brot, dass ich da nicht dabei war. Ich war mir an dem Abend zu viel. Also, du kennst das ja vielleicht, wenn man so 13 Tage im Ausland ist, ist ja per se auch mit einer Anstrengung verbunden, Umstellung, Jetlag, du isst andere Dinge. Ich habe tierisch viel Sightseeing gemacht, bin da rumgereist und dann habe ich halt mal einen Abend Pause gemacht.

Mareike Kaczmarek: Das kriegst du jetzt immer vorgehalten.

Joel Kaczmarek: Ja, ehrlich gesagt. Das war so geil, das war super passuell. Hatte wahrscheinlich auch recht. Aber da hat er gesagt, hat er realisiert, nee, das geht auch mit mehr. Also ich schätze mal, so wie ich ihn verstanden habe, der nächste wird so in Richtung 200 Teilnehmende gehen. Wir reden ja auch wirklich von mehreren Tagen. Also der Ticketpreis dieses Jahr lag, glaube ich, bei 2500 Euro oder 2900, irgendwie so in dem Dreh.

Mareike Kaczmarek: Das wären nur die drei Tage in Hutschi-Mienstadt?

Joel Kaczmarek: Ich weiß es gar nicht, ich glaube das waren alles, also die verschiedenen Programmsachen, die du da hast und mit Essen. Also wer mal ein Event organisiert hat, der weiß, wie aufwendig das ist, Leute zu verköstigen und wie teuer. Also es war wirklich so, wir haben immer, ich glaube Lars stapelt immer tief und sagt, wir sind ja keine Eventleute, wir machen ja eigentlich Software und machen das so mit. Aber das war Crème de la Crème. Du hast da irgendwie Beach-Locations gehabt, wo du am Strand sitzt quasi, kannst auf die Wellen gucken, gab es feinstes Seafood oder auch vegan, vegetarisch, whatever you liked, ja. Wie gesagt, Grillen in der Wüste und da wurde jetzt nicht nur die Fleischwarte gegrillt, sondern auch der Maiskolben, ja. Manchmal auch der Joel oder der Lars, je nachdem, wenn man Fragen gelöchert wurde. Und mal ehrlich, wie viel Kilo hast du zugenommen? Ich habe abgenommen. Ich habe wirklich abgenommen, weil ich mich da viel bewegt habe. Und in Vietnam, eines der Learnings, worum es ja heute auch geht, die ernähren sich besser. Und ich hatte ja schon mal eine Podcast-Folge auch mit Gunnar, so über Ernährung weiß ich noch. Und ich habe dann auch Lars gefragt, ich habe hier abgenommen, nice. Und er meinte, ja, das liegt daran, dass die essen hier nicht so viel Processed Food. Also mein Frühstück bestand in der Regel aus Obst, einem Omelett und Pföpp. F heißt diese Suppe, zu der alle immer V sagen oder Po.

Mareike Kaczmarek: Ich werde auch immer weiter V sagen, weil F seltsam klingt.

Joel Kaczmarek: Ja, da kann ich ja ein bisschen klugscheiß sein. Ich habe von meinem Freund Evgeny erzählt bekommen, Fö kommt daher, dass die, gleich mal eine wertvolle Info, dann lernen die Leute richtig was hier fürs Leben, für wer wird Millionär, wenn sie mal da sitzen.

Mareike Kaczmarek: Und ihr dann die Hälfte abgeben?

Joel Kaczmarek: Indochina, ja, gute Idee. Indochina war ja lange Kolonialgebiet von Frankreich und viele Vietnamesen waren halt auch Gastarbeiter in Frankreich und denen war da so kalt und die fanden das Essen so bäh, dass sie gesagt haben, wir wollen uns was eigenes schaffen. Dann wollten sie vor allem Suppe, um auf Temperatur zu kommen. Und es war aber nicht mal ganz so einfach, alles da zu kriegen. Und dann haben sie die Franzosen halt immer nach Feuer oder nach Hitze gefragt. Und Hitze heißt auf Französisch Fö. Und deswegen stammt das von Fö heiß auf Französisch, eingespracht sozusagen, eingegliedert in die vietnamesische Sprache zu Fö.

Mareike Kaczmarek: Lass uns mal an den Anfang gehen. Ich habe ja selber eine ganze Weile in Peking gelebt, in China und zehre ja eigentlich bis heute auch noch von den Erlebnissen und wurde damals auch sehr freundlich empfangen. Vielleicht lag es aber auch daran, es ist einige Jahre her und da waren die Langnasen, so wie wir immer bezeichnet wurden, wahrscheinlich noch was Auffälligeres und Besonderes. Ich glaube, das hat sich mittlerweile komplett verwachsen. Wie bist du empfangen worden?

Joel Kaczmarek: Also grundsätzlich war das eines der Elemente, was ich an diesem Land mit am schönsten fand, dass die Vietnamesen eine sehr herzliche, offene Art haben. Aber, und es ist ein Aber, was nicht das eben Gesagte aufheben soll, sondern auch noch ergänzend ein wertschätzendes Aber. Lars sagte mir so schön, weißt du Joel, in Thailand ist es so, da ist man immer nett zu dir, weil man will ja dein Bestes, in der Regel dein Geld. In Vietnam ist es so, wenn dich jemand nicht leiden kann, dann lässt er dich das auch spüren, also die sind halt real, die zeigen dir dann auch, dass sie dich nicht mögen, aber in der Grundnote sind das sehr höfliche, sehr nette Menschen, vor allem natürlich viel auch mit Dienstleistermentalität, also da wird Service gelebt, das heißt man gibt sich einfach Mühe, weil es ist ja auch sehr touristisch geprägt natürlich. Von daher, wie ich diese Menschen erlebt habe, war sehr zuvorkommend, sehr freundlich, sehr offen. Will jetzt nicht sagen bei jedem.

Mareike Kaczmarek: Ja, dann mochten die dich halt nicht.

Joel Kaczmarek: Entweder das oder manchmal sprechen sie auch einfach deine Sprache nicht. Es gibt zum Beispiel eine App in Südostasien, die heißt Grab, G-R-A-B. Das ist so wie früher MyTaxi in Deutschland wäre oder Uber, würde man eigentlich sagen. Das ist so das südostasiatische Uber. Und das Spannende an Vietnam ist, du kommst halt vom Flughafen mit so einem Uber Pendant Grab für drei Euro in dein Hotel. Also das, was in Berlin irgendwie 70 Euro kostet oder in München oder vielleicht auch mal 40, 50 Euro mit dem Taxi, kostet halt drei Euro. Das heißt, du hast ein sehr niedriges Lohnniveau. Und was total geil ist, du kannst dir mit Grab auch einfach so eine Vespa holen. Das heißt, da kommt so ein Motorroller angekurvt. Von dem gibt es Hunderte und Aberhunderte auf den Straßen da. Und dann sitzt du hinten auf dem Ding drauf und der Typ fährt dich. Und die sind halt immer so ein bisschen brummelig oft gewesen. Ich habe immer Xin chào gesagt, ganz stolz, dass ich Hallo sagen kann auf Vietnamesisch. Und dann haben die immer so Helm dir gereicht und dich gefahren. Das heißt, manchmal hast du, glaube ich, eine Sprachbarriere. Aber in der Grundsache Zu vorkommende nette Menschen. Und ganz ehrlich, das ist auch eins der Dinge, was ich da sehr geschätzt habe, im Gegensatz zu Deutschland. Die haben einfach Bock. Die wollen einfach noch machen. Die sagen sich so, ja, lass doch machen. Let's do it. Why not? Und ich habe so eine Situation gehabt. Wir haben uns einen Tag am Sonntag, hat der liebe Nick für uns gefragt. Grüße gehen raus in die Schweiz. Und da haben wir so eine Vespa-Tour gemacht. Das heißt, da sind so 20 von uns auf der Tour haben sich so eine Vespa-Tour gebucht, dann haben die dich morgens um 9 abgeholt, kamen da standen da 20 Vespas mit Fahrer, du hinten drauf und dann sind die mit dir so durch Saigon gefahren, aber vor allem so ins Mekong-Delta und haben uns dort da Sachen angeguckt. Und dann fahren wir da so übers Land und kamen an so eine Shrimp-Farm, da hast du so riesige Wasserbecken gehabt, wo die halt Shrimps drin züchten mit so Luft, die da reingeht. Und die Familie wohnt genau daneben und davon leben die halt. Und dann zeigte die so, guck mal, da hinten sind auch Gräber. Wir Vietnamesen begraben die Leute gerne auch manchmal nah an unserem Haus. Und das kannst du dir so vorstellen, die graben die in die Erde ein und dann bauen die so ein Marmor, so einen Aufbau drauf, dass du fast denken könntest, der Sarg ist über der Erde. So ganz dick ist er aber nicht, der ist eingegraben. Und dahinter ein Grabstein. Und dann haben die gesagt, so ein Deutscher, das ist verboten. Und dann guckte die den ganzen Geist an und meinte, wie verboten? Warum? Da meinten sie, in Deutschland gibt es eine Regel für alles. Da gibt es Regeln für die Regeln. Da darfst du nicht einfach Leute hier verscharren, wo du Bock hast. Darfst auch nicht, wenn du jemanden verbrannt hast in der Urne, die Asche mitnehmen und ausstreuen. Da kennen wir aber nichts. Das darfst du nicht. Und da hat die mich so entgeistert angeguckt oder uns alles. Das konnte ich gar nicht verstehen. Und dann gehst du da als Deutscher so weg und denkst so, vielleicht täte es uns manchmal ganz gut, ein bisschen mehr zu machen und nicht immer alles zu planen oder alles zu regulieren. Ich will das immer so ein Stück weit mitigieren oder wie soll man sagen, nicht so hart bewerten, ich mag schon gerne, dass bei uns vieles geregelt ist, aber wir übertreiben es manchmal einfach und wir haben auch so eine negative Art. Ich mache jetzt mal schamlose Eigenwerbung, ich habe einen Podcast mit Randolf aufgenommen, Randolf Jorberg, Weltenbummler, spannender Typ, knalliger Podcast, der läuft bei 5 Dinge mit 20, meinem anderen Podcast, wo es ja so um persönliches Wachstum geht. Da hat er so erzählt, ja die Deutschen haben immer so dieses German Angst. Als die Amis uns befreit haben, haben sie das schon gemerkt und dem einen eigenen Namen gegeben. Und das ist so eines der zentralen Learnings, dass ich so da war und hab gemerkt, so ja Mann ey, die machen einfach mal. Wir Deutschen haben immer so ein, was ist wenn dies, was ist wenn das. Das ist so Worst-Case-versus-Best-Case-Denke. Ja, wir Deutschen denken immer Worst-Case. Okay, wenn wir jetzt diese Daten alle ins Internet stellen oder daraus ein Modell machen, das Schlimmste, was uns passieren könnte, wäre, dass die jemand klaut. Also müssen wir da jetzt eine Firewall vorbauen und vor die Firewall am besten noch einen Stacheldrahtzaun setzen und dann dies Ich sage nicht, dass Datenschutz nicht was Schlechtes ist. Ich sage nur, wir denken es immer vom schlechtesten Outcome her und machen dann Dinge manchmal nicht oder anders oder kleiner, während die da drüben einfach sagen, ja, lass mal machen, lass mal gucken, was geht. Und dann vielleicht vom Best Case her denken, ey, geil, das Beste, was uns passieren könnte, ist, dass wir hier richtig Umsatz machen und dass Menschen irgendwie glücklich werden durch unser Produkt oder das Leben sich verbessert oder, oder, oder. Und das war halt echt so, ey, wenn du dann mal so eine deutsche Zeitung aufgemacht hast, ich habe da mal so eine App geliehen, weiß nicht, spiegel.de, Du warst auch zur Zeit der Bundesregierungswahl. Ja, ja, da denkst du ja ganz kurz so, ach du Scheiße, die Welt geht wieder unter. Deutschland wird nur noch, ich sag mal, von Tesafilm und Kaugummi zusammengehalten. So, und das ist halt einfach gar nicht so. Da hab ich auch wieder gelernt, wenn du dich dauernd mit Nachrichten auseinandersetzt, hier, Rutger Bregman hat mal dieses Buch geschrieben, im Grunde gut, und da schreibt er ganz schön, Nachrichten sind für den Kopf das, was Zucker für den Körper ist. Ja, das heißt, es tut einem manchmal nicht gut. Man muss ja jetzt nicht so ein uninformierter Stein sein, ja, aber dieser Konsum von Nachrichten, der kann einen echt runterziehen.

Mareike Kaczmarek: Was glaubst du, woran das liegt? Ist das eine andere Mentalität? Liegt es daran, dass wir in Deutschland noch wirtschaftlich sehr stark sind und auch in der Welt ein Standing haben, Technologie und so weiter noch und Vietnam da erst sozusagen in der Entwicklung ist, dass die einfach unbefangen sind?

Joel Kaczmarek: Es ist genau das, was du sagst und es ist auch ganz einfach. Wir haben Wohlstand und uns geht es allen gerade so schlecht. Ich habe mit Judith am Tisch gesessen, die ist Coachin und Therapeutin und die hat gesagt, der Grund, warum viele Menschen auch AfD wählen, ist der Angst vor Wirtschaftsverlust, also vor sozialem Abstieg. Das ist unsere Kernangst gerade. Wir sind oben und wir haben Angst nach unten zu gehen. Easy as it is. Und wenn wir jetzt mal ganz ehrlich sind, sind wir auch oben wegen solchen Ländern wie Vietnam, die wir teilweise ausgebeutet haben. Also wir der Westen, wir Europa, wir Deutschland jetzt keine Kolonien Vietnam, aber nimm mal Afrika dazu, auch bis heute nicht repariert, auch bis heute eigentlich nicht anerkannt und so weiter und so fort. Also uns geht es gerade sehr gut und wir haben Angst davor, dass wir das verlieren und dass es uns schlechter geht. Und denen dort drüben, also denen geht es glaube ich emotional gut, aber die haben natürlich, wenn du dir die Wirtschaft anguckst, also die vietnamesische Währung heißt Dong by the way, so wie Ding Dong, Grüße gehen raus an Waldemar, der gerade eine Company hat, die so heißt. Der vietnamesische Dong ist gefühlt so, ich glaube 25.000 Dong sind irgendwie ein Euro oder drei Euro, also du hast so ein ganz krampfiges, also ein inflationären Unterschied zwischen den beiden Währungen. So, und die haben natürlich Bock, was zu leisten, weil sie nach oben wollen. Und ich erinnere mich, ich hatte ein Gespräch mit jemandem aus Deutschland. Ich war sogar noch in Vietnam, hab da telefoniert, hab gesagt, geil, die haben hier voll Bock, die wollen noch was machen. Ja, was soll das denn auch? Die wollen ja auch noch wachsen und die müssen ja noch. Und ich denke so, ja, was soll denn das? Warum nimmst du denn jetzt sozusagen den Wert aus einem Willen heraus? bloß weil du unten bist. Die können ja auch sagen, ist scheiße hier, ich bin gefrustet. Nee, machen sie aber nicht, die haben Bock. So, Punkt eins. Das heißt, das eine ist mal, wir sind oben, haben Angst vor sozialem Abstieg, die sind unten und haben Bock auf sozialen Aufstieg und geben deswegen richtig Gas die Ackern richtig hart. Zweiter Punkt, was mir da aufgefallen ist, es ist super interessant, wenn man den Verkehr nimmt, weil der Verkehr lehrt dich was über diese Kultur. Wenn du da langfährst, Also wirklich ein Gewusel. Ich bin morgens um 5.15 Uhr oder so angekommen, bin mit dem Fahrrad dann ins Auto, da war es ungefähr kurz vor 6, fährst du da um halb 6 über die Straßen so ungefähr und es ist schon richtig voll. Also du hast da Abertausende von diesen Vespas rumflitzen, du hast irgendwie diese Grab-Taxis, du hast Autos, leider wenig Elektro, was mich gefreut hätte. Ein riesen Trubel, aber es passiert fast nichts. Ich habe kein Auto gesehen, was eine Delle oder eine Beule hatte, was kaputt war, wo ein Schaden war, nichts. Und glaub mir, es war wirklich irre. Du fährst auf einer Rechtsabbiegerspur mit deinem Auto, mit deinem Taxi, wirklich in einen SUV, fährst du und dann kommen rechts von dir noch die Roller, fahren noch vor dir rum, obwohl die geradeaus weiter wollen und dann mal mip, mip, mip, mip, mip, mip, mip. Und hupen auch die ganze Zeit.

Mareike Kaczmarek: Weißt du, wie das ist? Das ist, wenn zwei Vogelschwärme kommen und die krachen nicht ineinander. Das funktioniert miteinander. Das ist eine Bewegung und jeder um einen rundherum. Ich habe das damals auch so erlebt in China. Da ist nie etwas passiert. Da konnte zehn Zentimeter neben dir ein Auto bremsen, dann kommt da noch ein Fahrrad. Es hat nirgendwo gekracht.

Joel Kaczmarek: Ja, und ich habe an so Heringsschwärme oder so, das hätte ich jetzt gedacht, ja, aber es ist ja genau das Gleiche, wenn die so zueinander, es funktioniert, es ist so im Fluss und es deckt sich, warum erzähle ich das, es deckt sich mit etwas, was mir auch Lars so erzählt hat, der hat so über Covid geredet und meinte, weißt du Joel, die vietnamesische Gesellschaft ist eine, die denkt vom Wir und die deutsche Gesellschaft ist eine, die denkt vom Ich. Und es stimmt. Und das merkst du am Verkehr insofern, wenn in Vietnam gehupt wird, dann ist das, um dich darauf aufmerksam zu machen, hier bin ich. oder Achtung, Vorsicht. Wenn in Deutschland gehupt wird, dann ist es, du Arschloch oder ich hab Recht. Du hast was falsch gemacht, deswegen hupen wir. Und die hupen, um dir zu zeigen, dass sie da sind. Und ganz ehrlich, ich glaube, es lässt sich auch, so verrückt das klingt, mit aufs Wirtschaftssystem zurück übertragen. Wir sind eine kapitalistische Gesellschaft, wir gucken darauf, dass wir uns bereichern, dass wir wachsen, wir wollen irgendwie Erfolg. Das ist eine kommunistische Gesellschaft, die denken an die Gruppe. Heißt ja nicht, dass die das alle geil finden. Und viele von denen haben vielleicht auch so einen Politikverdruss wie wir, weil die eine Regierung auch negativ kennengelernt haben. Aber es lief da ganz anders zum Beispiel zu Corona. Lass mir mal erzählen. Da wurde geimpft, da wurde gar nicht diskutiert. Wurde gemacht, fertig, aus. Da gab es gar keine Debatten. Kannst du sagen, das ist diktatorisch? Ja, vielleicht ein bisschen auch. Und es gab da auch Verlierer. Es gab bestimmt auch Leute mit Impfnebenwirkungen und was weiß ich nicht was. Alright. Aber für die gesamte Gesellschaft insgesamt hat es einen besseren Outcome gehabt, hat Corona nicht so hart zugeschlagen wie in anderen Ländern. Heißt jetzt nicht für mich, dass ich jetzt Diktaturfan bin oder sage, wir müssen halt allkommunistisch werden oder eine starke Zentralregierung haben oder oder. Aber es ist schon interessant, wenn man als Gemeinschaft denkt versus wenn man als Individuum denkt.

Mareike Kaczmarek: Lass uns mal ein bisschen zurückgehen. Du hattest vorhin gesagt, die wollen, die wollen machen. Und ich kann mich noch erinnern, du hast mir auch erzählt, du hattest welche getroffen, die hatten ein, zwei, drei Jobs, die hatten mehrere Jobs. Ist es aber so, weil sie es wollen, weil sie wirklich Bock drauf haben, morgens um sechs schon mit ihrer Vespa durch die Gegend zu fahren zum ersten Job, um dann um zwölf zum nächsten und dann irgendwann um 24 Uhr ins Bett zu fallen? Ist es das wirklich, dass sie Bock haben oder weil sie einfach müssen, weil sie es sonst finanziell gar nicht hinkriegen?

Joel Kaczmarek: Das ist glaube ich beides. Also es gibt sowas wie, ich fahre den Tag über Grab, ich stehe am Abend irgendwie im Donutshop und morgens trage ich vielleicht noch die Zeitung vorher aus. Ja, das hat natürlich damit zu tun, dass, wir reden von diesem Gini-Koeffizienten, also wie groß ist die Unverteilung zwischen Arm und Reich, dass es natürlich ein Niedriglohnland ist. Das heißt, der durchschnittliche Lohn in Vietnam liegt bei 300 Euro. So, also da kriegst du mal ein bisschen Schreck. Wenn ich ein Essen gegessen habe für zwei Menschen im, ich sag mal, Michelin-Geed-empfohlenen Restaurant, also sehr hochwertig, inklusive Getränke und wir rollen da raus, haben wir 15 Euro gezahlt. Also das Preisniveau ist halt sehr, sehr niedrig. Ein Teil der Wahrheit. Der andere Teil der Wahrheit ist aber auch, dass es sehr ambitionierte, willentliche Menschen sind. Also die Willen haben, Bock haben, was zu reißen. Wenn du mit Lars redest, bin ich mir ziemlich sicher, wird er dir sagen, praktisch jeder meiner Mitarbeitenden, wenn nicht jeder zweite, hat noch ein Startup nebenbei und ich finde das geil. Also er findet es wahrscheinlich nicht geil, dass er die Fokus auf seiner Company haben, aber die haben alle so viel Drive, dass die sagen, ich will hier meinen Traum realisieren, ich gebe richtig Gas. Und auch wenn sie drei Jobs machen, die legen ja trotzdem was beiseite. und in der Ökonomie dort gehört ja auch dazu, dass drei Euro dort ja was ganz anderes wert sind als drei Euro hier. Muss man ja auch mal bedenken. Das heißt, die kaufen sich dann irgendwann ein Grundstück oder bauen ein Haus und leben dann davon. Und es ist in manchen anderen Ländern ähnlich. Also in Thailand zum Beispiel hat mir Lars auch vieles davon erzählt, dass die dann auch manchmal so Abstiege und Aufstiegswege haben, ja. Aber von daher, ich glaube, es ist beides. Natürlich hast du ein niedriges Niveau und es ist nicht alles geil daran, dass sie sozusagen wirtschaftlich schwach sind, aber sie machen das Beste draus und sie haben Bock, ihre Wahrscheinlichkeiten zu erhöhen.

Mareike Kaczmarek: Stichwort Umwelt. Wie schaut es da aus?

Joel Kaczmarek: Zu meinem Leidwesen. Ich bin ja großer Fan von Recycling. Ich habe mal gehört, einen Deutschen erkennt man daran, der sitzt am Fenster und beobachtet seine Nachbarn, ob sie richtig recyceln. Vielleicht habe ich mich da ein bisschen drin wiedergefunden. Also es ist a sehr verschmutzt teilweise, was jetzt Plastikmüll auf den Straßen angeht. Da ist noch nicht so viel Bewusstsein da. Das kommt erst auf. Es ist aber signifikant besser geworden. Also wenn ich mit anderen Leuten geredet habe, die da, der Summit findet jetzt zum, ich glaube, sechsten Mal hat der stattgefunden. Wenn die da vor fünf Jahren waren, haben die gesagt, riesiger Unterschied. Das heißt, das Bewusstsein dafür steigt. Die Flüsse sind jetzt nicht mehr ganz so verschmutzt mit Plastik. Wenn du dich aber umgeguckt hast, gab es schon noch recht viel. Ich finde auch immer schade, dass es nicht ein Depositsystem gibt, also ein Pfandsystem.

Mareike Kaczmarek: Na gut, wenn du bedenkst, dass manche Länder hier in Europa erst jetzt darauf kommen. Also Flaschenpfand in Österreich und Co.

Joel Kaczmarek: Ja, das ist in Europa noch ein bisschen unverständlicher. So Punkt eins. Punkt zwei, Verbrennermotoren. Du hast halt überall, es ist sehr laut, du hast überall Benziner, Dieselfahrzeuge. Klimaanlagen eigentlich? Ja, viele Klimaanlagen und wenig Elektro. Es gibt Elektrofahrzeuge, es kommt auf. Ich glaube aber, dass man den Schuss gehört hat und dass sich dort viel tut. Also es war zum Beispiel auch so, als ich da ankam, wurde mir mehrfach erzählt, dass es neue Verkehrsregeln gibt in Vietnam. Früher war es so, die sind halt angepaced gekommen und ob die Ampel jetzt grün oder rot war, spielte nicht so eine Rolle. Die haben geguckt, dass du da irgendwie von der Straße warst, dann wurde halt abgebogen, fertig, aus. Es gibt auch eine Regel in Vietnam, nur vorwärts über Straßen gehen, niemals stehen bleiben, niemals rückwärts laufen, weil das ist halt abgefahren, die approximieren halt, wie du läufst, rechnen damit, bis wohin du gekommen bist, wenn sie wo sind und wenn du anhältst oder rückwärts läufst, dann bringt das ihr System durcheinander, also da stößen die Heringe dann aneinander. Und da haben sie wirklich rigide Regeln eingeführt. Also rote Ampel überfahren ist ein Monatslohn für die oder so, was die dann zahlen. Und da stehen die auch alle. Also das ist ja auch ein bisschen Teil der kommunistischen Wahrheit, dass da drei Polizisten dann stehen an der Kreuzung und die winken nicht da genau los raus. Und dann haben sie Ampeln, wo dann der Timer drunter läuft, 25, 24, bis die rot werden. Wenn du bei 1 oder 2 noch rüberbrezelst, nehmen sie dich teilweise auch hops. Das hat einen riesigen Aufschredder gegeben, aber jetzt halten sich alle dran und der Verkehr ist halt viel, viel ruhiger und gesitteter mittlerweile.

Mareike Kaczmarek: Wie ist das mit Nachhaltigkeit? Ich denke jetzt gerade ans Essen, Essen mitnehmen, Pfandsystem hast du ja schon gesagt, ist nicht. Wahrscheinlich dann alles in Plastikdosen und die berühmten Strohhelme?

Joel Kaczmarek: Es geht, also ein bisschen schon. Plastikverpackung sicherlich viel oder auch Tüten und so weiter. Aber was schön ist, die kochen ja sehr naturbelassen. Also wenn du dort Essen kriegst, dann ist es viel Seafruit, also Meeresfrüchte, Obstgeschichten, panierte Sachen, also Sommerrollen, Frühlingsrollen, solche Geschichten mit Bananenblättern in Holzkörben, also

Mareike Kaczmarek: Warst du mal in einem klassischen Supermarkt?

Joel Kaczmarek: Ja.

Mareike Kaczmarek: Springen die Vietnamesen auch jetzt so ein bisschen darauf, auf den Zug Bio, dass dann plötzlich auch Produkte in Bio da sind? oder ist das da noch gar nicht so vertreten?

Joel Kaczmarek: Doch, es stand überall Organic dran. Der Supermarkt, der war auch echt teuer und da war so ein typisches, wo du denkst, die Perversion der Menschheit, wenn du eine Banane in Plastikfolie eingewickelt siehst oder Erdbeeren in so einer Art Plastikschale, wo du sonst so Eier reintun würdest, noch mit Luftpolsterfolie drum, weil Erdbeeren, Blaubeeren, Himbeeren, sowas ist ja sehr teuer. oder Brombeeren, ich glaube Brombeeren ist auch teuer. Von daher, ja, die schreiben überall Organic und ich habe das auch gefragt gehabt, weil es ist natürlich ein Land, was von den Amerikanern ja in den 60er Jahren aufs Übelste mit Entlaubungsmitteln, mit Agent Orange überschüttet wurde. Also wirklich, ich habe mir das im Kriegsmuseum angeguckt, da stand dann drauf, Prozent der Grundfläche, die zweimal damit besprüht wurde, dreimal, viermal, zehnmal. Und es war, weiß ich nicht, Flächen, die zehnmal damit besprüht waren, waren teilweise 40 Prozent oder sehr, sehr viel. Also sie haben sehr viel Pflanzen- und Schutzgifte da aufgeschüttet. Dann natürlich das ganze Napalm und die ganze Kriegsmunition.

Mareike Kaczmarek: Ist der Boden noch verseucht?

Joel Kaczmarek: Und das war nämlich meine Frage. Dass ich gesagt habe, die essen ja da viel Reis. Reis hat die Eigenschaft, dass er durch das Wasser, in dem er wächst, aus dem Boden die Stoffe massiv aufnimmt. Lars sagte mir, aber es ist nicht so schlimm, das geht schon. Sei schon besser. In Vietnam hast du ein großes Problem mit Schwermetallen im Wasser. Das heißt, dein Problem ist nicht, dass Pflanzenschutzmittel den Boden verseucht haben und du dann da irgendwie Pestizidreste in deinem in deiner Sushi-Rolle, würde ich jetzt schon sagen, aufnimmst. Sondern das Problem ist eher, dass die mit Wasserprobleme haben, dass das schwer metallbelastet ist. Das heißt, wenn du was trinkst, Zähneputzen ist jetzt, glaube ich, verschmerzbar. Aber bei Schleimhäuten würde ich mir das vielleicht auch überlegen, wie oft ich das mache, wenn ich da wohnen würde. Da hätte ich vielleicht auch eine Wasserflasche daneben stehen.

Mareike Kaczmarek: Jetzt durch die Pflanzenschutzmittel oder wie?

Joel Kaczmarek: Das weiß ich gar nicht genau, ob es daran lag. Es kann schon sein. Ich weiß nur, dass es so war.

Mareike Kaczmarek: Du hattest ja gerade schon das Kriegsmuseum angesprochen. Was war denn da für dich so? das, was dir so am meisten hängen geblieben ist?

Joel Kaczmarek: Es waren mehrere Dinge. Also das eine ist, du kannst dort halt beobachten, wie Propaganda funktioniert. Weil man sagt ja immer so schön, Geschichte wird von den Siegern erzählt. Im Vietnamkrieg war es so, da hat Amerika verloren. Da waren die Vietnamesen die Sieger. Und dieses Museum zeigt halt alle Gräueltaten der Amerikaner auf. Und ich glaube auch, dass die jetzt nicht unbedingt ausgedacht waren, die hat es schon gegeben mit diesen Tiger-Käfigen. Es waren Käfige, große Wände, keine Decke drin, dann bist du halt von der Sonne gebraten worden, da hat es keinen Schattenplatz, gar nichts, ja, sowas. Oder kleine Metalldraht-Käfige, dass du auf dem Boden zusammengekauert liegen kannst, über dir links, rechts, war aber sofort der Stacheldraht, konntest dich kaum bewegen, konntest dich kaum drehen, nix. Und dann natürlich die ganzen Geschichten mit Agent Orange und dem ganzen Napalm. Die Geschichte kennen wir ja leider alle, oder wahrscheinlich die meisten von uns, wie du dann halt missgebildete Kinder hattest und so. Was für Waffen die da rumgeschossen haben. Also ganz ehrlich, da gibt es kein Parental Advisory, wenn du durch so eine Tür gehst. Da guckst du dir halt Fotos an und auf einmal siehst du da halt jemanden, der einen Menschen trägt mit einer Hand, weil es ist eigentlich nur noch der Kopf und die Wirbelsäule und hängt noch ein Arm dran. Also das ist die Qualität von Bildmaterial in diesem Museum. Also richtig, richtig hart. Und dann hast du unten das ganze Kriegsgerät natürlich stehen, die Chopper hier, die Helikopter, Panzer und solche Geschichten. Also von daher war das eine mal zu sehen, Informationen, die an dich herangetragen werden, die haben einen Absender. Und dieser Absender hat in der Regel eine Intention. Erzählen die Lügen? Nein, aber ich glaube, sie erzählen auch nur einen Teil der Geschichte. Ihre Teile haben sie nicht erzählt, was die dann da alles so gemacht haben, wie die vorgegangen sind. Die Vietnamesen waren die Helden und die Amerikaner waren die Bösen. Sehr vereinfacht, aber du kannst es im Groben skizzieren. Das andere war natürlich die Gräuel. Also furchtbar, wenn man sich immer denkt, ich finde, wir sitzen manchmal auch auf einem hohen Ross. Wir tun alle immer, ach so kultiviert und ach so demokratisch. und dann guckt sie das halt an. und ich meine, was sie da geschrieben haben, dass Vietnam wahrscheinlich für Amerika einfach ein Ort war, wo die mal alle ihre Waffen ausprobiert haben, was denn so geht und was die Effekte sind, das stimmt glaube ich schon. Und das passt für mich jetzt nicht mit dem Verständnis zusammen, was ich von einer kultivierten, weitentwickelten Nation habe. und es ist jetzt nicht Amerika exklusiv, ja, also Russland macht das gleiche gerade in der Ukraine wahrscheinlich, ja, so. Und in Syrien ist wahrscheinlich ähnliches passiert und und und. Und das finde ich halt manchmal schade. Es ist so, es gibt Systeme auf der Welt, da wissen wir, die sind defizitär auf irgendeinem Punkt oder da passieren Dinge, die sind nicht okay. Und dann gibt es Systeme, die gerieren sich als super und fehlerlos und sind es aber gar nicht. Und das finde ich manchmal viel schlimmer, wenn man Dinge erzählt, dass man sie tut und sie sind aber gar nicht so. Und ich bin jetzt nicht so ein Aluhut-Verschwobler, dass ich sage, hier Lügenpresse und Pipapo. Aber wenn ich mir Dinge angucke, auch den Ukraine-Krieg, glaube ich, dass wir schon in unserer Medienlandschaft auch eine starke Färbung haben, die nicht immer alle Punkte berücksichtigt oder die manche Punkte in die eine oder in die andere Richtung überdehnt oder unterdehnt. Das heißt nicht, dass ich Krieg richtig finde. Das heißt nicht, dass ich richtig finde, ein Land anzugreifen. Brauchen wir alles gar nicht diskutieren. Aber dieses, wir sind hier irgendwie mit unserer Meinung ach so richtig und wir geben alles detailgetreu wieder, das ist es auch nicht.

Mareike Kaczmarek: Merkt man doch in der Bevölkerung so eine Traumatisierung von dem Krieg?

Joel Kaczmarek: Also ich habe es nicht gemerkt. Ich habe mich auch gewundert, auf den Straßen gab es so gut wie gar nicht, dass Menschen mit schlimmen Behinderungen betteln würden oder, also kennt man ja so Kriegsversehrte.

Mareike Kaczmarek: Na, so traurig das ist, die werden die wahrscheinlich auch nicht in die Präsenz bringen. Also ich kann mich in meiner Zeit in China an einen Bettler erinnern. Der war definitiv verstümmelt. Ich weiß nicht, ob von Geburt an, aber das hast du nicht gesehen. Du hast keine Menschen im Rollstuhl gesehen, du hast keine geistig beeinträchtigten Menschen gesehen, gar nicht.

Joel Kaczmarek: Dort auch nicht. und ich, also so wie ich, ich hatte Lars mal drauf angesprochen, ich habe es aber nicht so richtig verstanden, es klang für mich so, er hat so sinngemäß was gesagt, die werden gesammelt und es klang für mich aber eher so, als wenn es so Krankenhäuser, Institute gibt, wo man sozusagen, wie sagt man denn dazu, so soziale Arbeit leistet, ja, aber ich glaube es auch, da es touristisch ist, dass die da sehr hinterher sind.

Mareike Kaczmarek: Hattest du die Gelegenheit mit Vietnamesen zu sprechen und da mal ein bisschen reinzuhören in ihre Geschichte?

Joel Kaczmarek: Wenig. Also ich muss mal zu meiner Schande gestehen, weil es halt sehr gut kuratiert war und wir halt viel mit den Menschen auf der Reise zu tun hatten. Es gab natürlich Team NFQ, wo irgendwie viele asiatisch waren aus unterschiedlichen Regionen oder diese besagte Vespa-Tour, wo ich mir dann immer die Leute so nehme und mit denen quatsche. Da konnte ich schon einige Fragen stellen, ja. Aber es hätte glaube ich mehr sein können. Ich versuche eigentlich immer, sonst wenn ich in Land reise, so zu erleben wie die Einheimischen und nicht irgendwie wie so ein Tori Penner, der dann da in seinem Hotelbunker nur haust und sich bedienen lässt und die ganze Welt da draußen eigentlich gar nicht mitkriegt.

Mareike Kaczmarek: Stichwort Religion. Welche Rolle spielt denn das in der Bevölkerung? Das ist eine interessante Frage.

Joel Kaczmarek: Ja, es war ganz lustig. Es gibt verschiedene Glaubensrichtungen. Ich würde es mal so ein bisschen wie so ein Melting Pot bezeichnen. Und manchmal innerhalb einer Religion sogar. Also auf dieser besagten Vespa-Tour sind wir in so eine Kirche gefahren. Die hieß, glaube ich, The Seven Spirits oder so ähnlich. Und die glauben halt an Verschiedenes. Also da hast du dann so ein Altar gehabt, da saß Jesus drauf, Konfuzius, Buddha und noch mehrere andere. Ich war dann der Einzige, ich bin als einer der Letzten da rausgegangen und habe gesagt, ich sage so, Leute, das sind aber acht. Warum sitzen da acht? Uns kommt keiner von den Geister C erklären. Das war ganz witzig. Da dachte ich so, müssen wir die Kirche vielleicht umbenennen. Aber sowas hast du da halt. Und sehr gläubig und sehr, wie soll man sagen, halten das so hoch. Das heißt, es gibt da einen großen buddhistischen Anteil. Und was halt ein großes Geschäft bei denen auch ist, sind diese Räucherstäbchen. Aber jetzt nicht, dass die so einen großen Geruch haben, sondern das kennt man vielleicht. Bei uns zündet man eine Kerze an, da zündet man ein Stäbchen an. Und ich habe gelernt in einer der Fertigungsanlagen, in denen ich war, wenn das gerade Stäbchen sind, dann sind die glaube ich für die Menschen, die schon gestorben sind im Himmel, sozusagen die gerade Verbindung nach oben. und wenn sie so gekringelt sind wie so eine Spirale, dann ist das für die Menschen, die noch leben, also entweder für einen selbst oder für Verwandte, die noch auf der Erde sind. Und es ist manchmal ganz lustig, weil diese Schreine und Altare und die Kirchen, die sind halt so völlig, für europäische Händler würde man sagen, kitschig überstilisiert. Du hast dann da so LED-Leuchtstreifen, du hast knalligste Farben, knalliges Pink daneben, Gelb, Blau, alles mögliche. Und manchmal macht man halt auch so ein bisschen Geschäft drauf, hast du halt gemerkt. Wir haben mal so einen Markt gelaufen, ich und die Frau von Lars, oi, sei gegrüßt, auch wenn sie es auf Deutsch wahrscheinlich nicht versteht, mein Gruß. Und da hast du auf einmal so einen Hof gehabt, dann haben die halt in der Nische eine Buddha-Statue hingestellt, die überkitschig mit Kunstblumen und bunten Farben verziert. Und dann zahlst du halt da so ein Pardon dafür, dass du da beten darfst oder so ein Räucherstäbchen anzünden kannst, sowas halt.

Mareike Kaczmarek: Als ich damals in Peking war, hatte ich das so erlebt, da gab es noch ganz viele Hutongs. Hutongs sind diese traditionellen kleinen flachen Bauten und die waren um Seen, ich erinnere mich gerade an den Hohai, da waren ganz viele Hutongs rundherum gebaut und da haben die gewohnt. Und in der Zeit, wo ich da war, hat man dann angefangen, systematisch diese Rotons abzureißen und künstlich neu herzurichten und dann sozusagen stylische Kunstgalerien reinzubringen und das so touristisch so ein bisschen aufzuwerten. In Shanghai ist das ähnlich. Da hatten sie damals die Altstadt eingerissen. Wie ist das dann in den Städten, wo du jetzt warst? Das waren ja jetzt nur drei Städte. Wie hast du das dort erlebt? Auch schon so, dass Altgebäude weggerissen werden, um sozusagen nach vorne zu zeigen, guck mal, wie toll wir sind, wir bauen hier alles ganz schick auf oder noch traditionell?

Joel Kaczmarek: Also es gab es da nicht so, es gibt jetzt auch nicht so eine Gentrifizierung, wie man vielleicht vermuten würde, so nach dem Motto, reiß die alte Scheiße ab und baue was Neues, Posterchild-mäßiges hin, das war nicht so. Klar gibt es da auch mal teure Hotels, nicht die Frage, aber im Kern fand ich, ist es eher so eine wachsende Stadt, ein bisschen New York-Style, wir bauen auf dem auf, was da ist und verändern es und erneuern es vielleicht, anstatt es komplett neu zu machen, also es lebt mehr, es atmet mehr. Und ich fand manchmal ganz ulkig, es gab so Orte, da ist dann halt das krasseste Restaurant, was du dir vorstellen kannst. und es ist so in eine Hofeinfahrt rein, wo Leute am Mülltonn stehen, einmal rechts abgebogen oder einfach ganz hinten drin, wo du nie gedacht hättest, da ist noch was. Also es hat so eine Hinterhofkultur ganz oft, dass halt so Orte geschaffen werden, ja in Hinterbereichen der Stadt, wo du es gar nicht so gedacht hättest.

Mareike Kaczmarek: Stichwort Digitalisierung. Wie sieht es da aus? Wir haben ja für Tod und Teufel haben wir ja Apps. Gut, wir jetzt hier auf dem Land leider nicht mehr, aber als wir noch in Berlin gewohnt haben, da konnte ich mir meine Medikamente schicken lassen, ich konnte mir meine Lebensmittel schicken lassen, das Essen, alles mögliche. Wie sieht das dort aus? Haben die dort ebenfalls für Hinz und Kunz Apps?

Joel Kaczmarek: Also dieses Thema Grab ist da halt ein Kerninfrastruktur-Thema zum Beispiel. Das heißt, du kannst dir darüber Essen bestellen, du kannst dir darüber Fahrzeuge bestellen und auch liefern lassen. Also was du ganz oft siehst ist, jemand kommt mit einer Vespa an und hat da, wo eigentlich der Mensch hinter dir sitzen würde, einen Aufbau drauf von irgendwie fünf Kartons oder Tüten und Kisten und dann hängt da noch was mit einem Knoten an der Tüte an der Seite dran und dann bringen die dir halt da deine Einkäufe, Lebensmittel oder was auch immer drauf. Ich habe heute zum Beispiel gerade einen Podcast bei LinkedIn, so einen Ausschnitt gehört von Lars, wie er bei Sven irgendwie erzählt von der K5 beim Cheftreff, dass er sich da einen neuen Laptop bestellt hat und der war in 30 Minuten da. That's what we're talking about. Das heißt, du hast dann einen Amazon-Verschnitt oder einen Digital-Player. der dir halt mit so einem Grabfahrer oder einem eigenen, wie auch immer, in 30 Minuten sowas liefert. Und das erwarten die da auch, so wie ich ihn verstanden habe. Das heißt, man kann sich natürlich vorstellen, alles, was dort mit Personalaufwand zu tun hat, also wo Menschen eine Rolle spielen und nicht Waren, ist halt sehr, sehr günstig. Leider, könnte man ja sagen. Das heißt, du kannst natürlich so etwas, so ein Modell, zum Beispiel auch hier, denk mal zurück an Gorillas, Flink und so weiter, das kannst du da natürlich ballern lassen, so ein Modell. Weil das einfach günstige Arbeitskräfte sind. Punkt.

Mareike Kaczmarek: Woran scheitert es denn, dass Flink uns nicht einfach meinen neuen MacBook liefert von Apple? Ob er nun zum Flink-Lager fährt?

Joel Kaczmarek: Ja, da sind wir wieder beim Thema Genie-Koeffizient. Das Personal ist einfach zu teuer. Wenn du eine große Spanne zwischen den Reichen und den Armen hast, also viele Leute, die im Niedrigstlohnsektor tätig sind, dann funktionieren solche Modelle, wenn du halt hohe Personalkosten hast, dann nicht. Das heißt, das ist in Südostasien der eine große Unterschied. Ich fand, dafür war es jetzt nicht so, dass du wie in China, wo ich es irgendwie von Dominik von Payback erzählt bekommen habe in einer Folge bei uns, dass du jetzt überall QR-Codes hättest und sagst so, hier kannst du dir da irgendwie magisch dies, das, jenes machen, das war es nicht. Oder es gab zum Beispiel auf Lars Event auch einen schönen Vortrag über das vietnamesische Audible, was da entstanden ist. Also eine Hörbuchplattform, die halt am Anfang hingegangen sind und gesagt haben, so wait a minute, irgendwie gibt es alle Bücher nur auf Englisch, Max. Also maximal auf Englisch, warum gibt es die nicht auf Vietnamesisch? Und dann hatten sie erst überlegt, ob sie komplett neue Bücher aufsetzen oder wie sie es machen und dann haben sie die neu vertont und es ging so ab. Also die haben gedürstet in diesem Markt nach vietnamesischsprachigen Inhalten, aus denen die wachsen können. Ich habe auch Rich, das ist so einer der Partner von Lars, mit dem haben wir auch ein 5 Dinge mit 20 Interview gemacht, auf der Bühne, das kommt demnächst in unserem. 5 Dinge mit 20 Podcast, den habe ich jetzt auch mal gefragt, ich sage so, was wäre jetzt, wenn ich meinen Podcast auf Englisch machen würde oder auf Vietnamesisch, was wäre da so? das Ding, da hat er gesagt so Joel. We are interested in growth, in personal development. Whatever helps us to get better, we will consume it. So, ob es jetzt auf Englisch ist oder auf Vietnamesisch, Vietnamesisch nice, aber diese Mentalität ist einfach so da, die wollen wachsen. Und da merkst du ja aber auch, der Markt ist noch zurück. Also Podcasting zum Beispiel steckt da noch verhältnismäßig in den Kinderschulen. Da gibt es ganz wenig Angebot. Kann man was machen, hat natürlich auch Komplexität, keine Frage, aber das kommt erst alles noch. Also bei manchen Dingen, wo wir schon vorneweg sind, wo es bei uns schon ganz etablierte Branchenplayer gibt, die gibt es da noch nicht. Andere Sachen sind die halt voll durchdigitalisiert.

Mareike Kaczmarek: Wie ist das mit internationalen Marken? Sind die dort weitestgehend vertreten und eher bevorzugt in der Bevölkerung? oder gibt es dann immer das Pendant dazu, eine vietnamesische, ich denke jetzt gerade McDonalds oder….

Joel Kaczmarek: Ja, nee, ich fand das total traurig. Also ganz ehrlich, das macht mich immer traurig. Als Kind habe ich immer so gedacht, so wow, Amerika gibt es die günstigen Jeans und völlig andere Marken und in Asien auch. Und dann merke ich so, ich war jetzt irgendwie in New York, ich war in Saigon und es ist same, same. How sad is that? Also wie ich dann da durch so ein Einkaufszentrum gegangen bin, das darf man ja nicht vergessen, das ist ja wahrscheinlich für die drei Prozent der Bevölkerung dort nur leistbar, was es da gibt. Dann sehe ich da Brabantia. Brabantia Mülleimer. Seriously? Wir haben jetzt hier, ich glaube es ist eine deutsche Form, aber ich bin nicht toll, wir haben hier einen Mülleimer von Brabantia in Ho Chi Minh Stadt? Da dachte ich, ich stehe im Wald und es ist ja dann nur so. H&M, Uniqlo, Zara, Prada, Chanel, you name it, also einen großen Luxusbereich. Und mich finde das sehr schade, weil was ich halt so dann immer realisiere in solchen Gesellschaften ist, wir reden uns oder lassen uns über Marketing einreden, dass wir bestimmte Dinge brauchen, die uns glücklich machen. In Klammern, wenn wir sie nicht haben, sind wir nicht glücklich. Und dann hasseln wir den hinterher, schaffen einen Lebensstil, der so kostenorientiert ist, dass wir in Rollen verhaften, die uns dann wirklich unglücklich machen. Ja, also mal überspitzt gesagt, du gehst dann hin, brauchst zwangsweise einen Job, der irgendwie gut bezahlt ist, um dein Auto zu finanzieren, dein Haus und die teure Klamotte, die du haben möchtest, ja. Und wenn du diesen Job nicht mehr hast, dann fällt das ja alles weg. Das heißt, du hast so einen Zwang in deiner Jobrolle drin, dass du halt eine riesige Fallhöhe aufbaust. Und das finde ich einfach schade, dass wir da westliche Marken hinflanschen. Man ist ja scheißegal, ob sie aus dem Westen, Norden, Süden oder Osten kommen, aber dass wir da im Prinzip Ideale kreieren, künstlich, wo wir den Leuten suggeriert wird, that's the place to be, so musst du sein, pipapo. Es ist ja in Vietnam zum Beispiel auch schick, weiße, helle Haut zu haben, also nicht gebräunt zu sein, weil es dann heißt, du musst nicht draußen ackern, du hast Kohle.

Mareike Kaczmarek: Jetzt sag mir nicht, dass die in der Bodylotion auch weiß machende Sachen drin haben, weil das kenne ich auch noch.

Joel Kaczmarek: Ist normal, ist glaube ich sehr giftig, deswegen überdenken sie es gerade, also irgendwas wurde da gerade auch angepasst jetzt oder wird, aber ich glaube gibt es da auch. Das hat aber weniger damit zu tun, dass wir jetzt sagen, die Europäer sind so geil, das sind hier die Übermenschen, die sind ja die Gurus, zu denen wir aufschauen, sondern das hat damit zu tun, dass wenn du helle Haut hast, dann heißt das, du bist nicht in der Sonne, dann heißt das, du musst nicht körperlich arbeiten, also hast du eine gute Arbeit oder hast viel Kohle oder am besten Fall beide.

Mareike Kaczmarek: Wie ist das eigentlich so mit Themen wie Mental Health?

Joel Kaczmarek: Ich glaube, es hat da eine sehr nachgelagerte Rolle. Wenn du dir die Kurve anguckst, auf der du bist, aber das weiß ich nicht genau, das ist jetzt Spekulation, dann spielen da, glaube ich, andere Dinge gerade eine Rolle. Also ich meine, drei Jobs machen und so weiter und so fort ist jetzt ja auch nicht ganz ohne. Aber es ist zum Beispiel auch interessanterweise, wenn man darüber geredet, wie würde man sagen, eine matriarchale Gesellschaft. Also es ist eine Gesellschaft, wo die Frauen das Sagen haben. Das kriegst du ja auch manchmal mit, auch in Deutschland. Geh mal in ein vietnamesisches Restaurant und guck mal, wer da hinter der Theke steht und die Ansagen macht. Aber das siehst du nicht so primär, sondern es ist so unterschwellig. Es ist in der Regel eine Frau. Und es ist nicht selten so, also würdest du Lars jetzt fragen, würde ich mal tippen, würde er auch sagen, dass ein Großteil seiner Mitarbeiter Das Geld, ihren Lohn auf das Konto der Frau überweisen lassen, die den Männern dann ein Taschengeld geben.

Mareike Kaczmarek: Woran liegt das?

Joel Kaczmarek: Das weiß ich ehrlich gesagt nicht genau. Ich habe auch darüber nachgedacht, ob Frauen mit Geld besser umgehen können als Männer und ich glaube ein bisschen schon. Männer sind glaube ich ein bisschen mutiger, Testosteron getrieben, machen wir mehr Frauen, da sind wir glaube ich ein bisschen vernünftiger, was aber auch wieder so ein Vorurteil ist auf eine Art vielleicht. Aber es ist da so. War ja auch im Vietnamkrieg, glaube ich, ein Thema, dass die Amis nicht gerafft haben, dass wenn da Frauen waren, die vielleicht einen Massagesalon gemacht haben, dass das die Anführer vom Vietcong waren und nicht irgendwie die Spione oder was weiß ich, sondern dass die halt sozusagen eine führende Rolle einnehmen in dieser Gesellschaft.

Mareike Kaczmarek: Was hast du noch mitgenommen, wo du sagst, das willst du teilen?

Joel Kaczmarek: Also grundsätzlich finde ich, ich habe ja wie gesagt mit Randolf Jorberg bei 5 Dinge mit 20, das war sogar ein Punkt von ihm, dass ich immer merke, diese Perspektivenvielfalt macht uns besser und größer und interessanter. Also so dumm es klingt, es hätte jetzt auch irgendwie Tunesien sein können, wo ich mich 13 Tage aufhalte oder die Niederlande oder keine Ahnung, sich andere Gesellschaften angucken, Niederlande ist jetzt ein bisschen näher dran an Deutschland, so kulturell auch als das, aber und das mit Führung ist ja nochmal besonders geil, wenn du jemanden hast vor Ort, der dir die Sachen erklären kann und dich an die Hand nehmen. Das ist einfach so eine eigene Qualität, die ich irgendwie Menschen echt an die Hand gebe oder ihnen dazu rate, das mal zu tun. Ich weiß, es ist manchmal mit Strapazen verbunden, also mir geht es dann auch so, ich hatte auch zweimal Durchfall gehabt, meinetwegen, oder bin dann mit Jetlag angekommen, so be it, das hat jetzt meinetwegen einen Preis im Sinne von Stress, Komfort. Aber es ist halt total wert. Und ich finde ja manchmal auch lustig, eigentlich ist es traurig, aber es ist irgendwie ironisch, die Landkreise, die am stärksten rechts wählen, die am stärksten ausländerfeindlich sind, sind in der Regel die, wo es die wenigsten Ausländer gibt. Also in ihrer Wahrnehmung ist es so, dass sie das Gefühl haben, mir passiert hier Schlechtes wegen Migranten, wegen was weiß ich. Da spielt wieder das Thema Nachrichten auch eine Rolle und Medienkonsum. De facto ist es ja aber gar nicht so und die Erklärung dafür ist, dass sie teilweise keine Berührung mit den Leuten haben. Ich habe für die Bundesregierung, ich moderiere ja hier den Podcast aus Regierungskreisen, der ruht gerade noch, weil Wahlkampf war, hatten wir mal eine Folge mit einem Diskriminierungsexperten. Und er hat auch gesagt, wenn du den Leuten mal nahe bringst, wenn die sich mal miteinander nahe kommen und sich mal kennenlernen, ach okay, wie ist es hier bei Ramadan, ach guck ihr esst mit Stäbchen, immer ganz banal gesagt, ein bisschen mehr Level dürfen wir erwarten, dann gehen ja die Fenster im Kopf auf. Und vorher sind sie halt zu. Und deswegen wählen die Leute halt aus Angst. Ich erinnere wieder dran, Angst vor sozialem Abstieg. Und wer ist die Ursache dafür? Weil mal ganz ehrlich, überleg mal, vor 10, 15, vielleicht 20 Jahren, wer war da? die Bösen? Die Arbeitslosen. Da haben sie alle gejammert hier über Hartz IV und die Arbeitslosen machen uns die Gesellschaft kaputt. Jetzt sind es die Migranten. Mal gucken, wer es irgendwie im nächsten Jahrzehnt ist. Also was uns manchmal fremd ist oder was uns irgendwie suggeriert wird und was uns bedroht, das macht uns Angst. Und wenn wir uns nicht mit auseinandersetzen, dann werden wir auch nie ein Verständnis dafür kriegen.

Mareike Kaczmarek: Also der berühmte Tellerrand, über den man drüber hinausgucken sollte.

Joel Kaczmarek: Ja, es gibt so ein Adenauer-Zitat. Ich krieg's mir ganz zusammen, es war so sinngemäß. Wir leben alle unter demselben Horizont, aber er hat eine unterschiedliche Breite, je nach Mensch. Und das hab ich da halt wieder gemerkt. Ich find das auch cool, sagen zu können, ey, guck mal hier, das heißt Phil und das kommt von französisch heiß. Ja, geil. High five to myself. Aber dann einfach auch mal, ganz ehrlich, das geht mir in Deutschland einfach auf den Sack. Dieses, ah, ist alles so schlimm und immer wird nur gejammert und es übernimmt auch keiner mehr Verantwortung. Damit habe ich ein echtes Problem, wenn Leute keine Verantwortung mehr in ihrem Leben übernehmen. Ich habe mich ja auch mit jemandem vor Ort verunterhalten, die kam aus Brandenburg und hat gesagt, ey, ich weiß, in meinem Landkreis wohnen tolle Menschen, das sind keine Nazis in dem Sinne, dass das menschenverachtende Menschen sind, sondern ey, die haben einfach eine scheiß Situation und geben leider anderen Menschen die Schulter ran. Und darum finde ich geht es ja, dass man mal guckt, mach den Horizont breit, mach den Blick breit, guck dir andere Dinge an und es ist verdammt nochmal deine Verantwortung, auch aus deinem Leben was zu machen. Du kannst nicht immer nur die Hände in den Schoß legen und jammern, die da oben oder die da drüben machen es irgendwie scheiße. Das war so, was ich aus diesem Land vor allem mitgenommen habe. Aufbruchsstimmung und weswegen ich mich auch zukünftig umgucken werde, dass ich auch mehr Leute interviewe, die aus anderen Ländern kommen und nicht nur so aus unserer deutschen Bubble.

Mareike Kaczmarek: Und das Beste, was ich mitbekommen habe, ist Kaffee.

Joel Kaczmarek: Ja, stimmt. Ich habe dir so vietnamesischen Drip-Coffee, sage ich immer, dazu mitgebracht. Ja, sollte man auch mal probieren. Aber sowas auch. Ich koche jetzt, ich glaube, das dritte oder vierte Mal Sommerrollen und Pfö. Und ich esse Longans zu Hause, hole ich mir im asiatischen Supermarkt. Das ist so wie Litchi, so eine leckere Frucht. Ich meine, wie cool ist das denn bitte, wenn du auch deinen Kindern sowas mitgeben kannst und sagst, hier, guck mal, es gibt Mehr auf der Welt als nur Schnitzel und, also nichts gegen Schnitzel, ich liebe Schnitzel, ja, aber du weißt glaube ich, was ich meine.

Mareike Kaczmarek: Kleinigkeiten, wie sind die Läden, wie bewegen sich die Menschen, was haben sie für Fortbewegungsmittel, was gibt es für Märkte, wenn ich an diese ganzen Märkte denke, wo das Fleisch einfach so in der Sonne liegt und dann wird das geschnitten und dann wird es in eine Tüte gepackt und dann kriegst du die Tüte in die Hand und gehst.

Joel Kaczmarek: Ja, das ist auch mal dem deutschen Lebensmittelschutz ungefähr. Aber es ist genau das, was du sagst.

Mareike Kaczmarek: Da hatte ich nie Probleme gehabt, ganz ehrlich. Ich war im schicksten Restaurant, danach ging es mir monatelang nicht gut. Aber wenn ich in den Garküchen war, wo wirklich? dann mitten auf einem Jahrmarkt dann irgendwie der Wok und dann wurde das Zeug reingeschmissen und dann hast du das irgendwie auf einem Plastikteller serviert bekommen.

Joel Kaczmarek: Das ist auch einfach ein bisschen cool, also mich freut sowas.

Mareike Kaczmarek: Macht ja auch was mit dir im Umgang mit anderen.

Joel Kaczmarek: Ja, jetzt weiß ich wenigstens, wenn ich hupe, was das heißt. Arschloch, ich habe recht. Sehr schön.

Mareike Kaczmarek: Nächstes Jahr, ich bin dabei.

Joel Kaczmarek: Na dann, Lars, wenn du das hier hörst, reservieren wir uns ein Zimmer.

Mareike Kaczmarek: Sehr schön. Ja, ganz lieben Dank für die tollen Einblicke. Ich habe da ja schon längst Bock drauf, hinzufahren und manchmal habe ich das Gefühl, ich ersticke hier in Deutschland. Wahrscheinlich an dem Mief und der schlechten Laune der Menschen.

Joel Kaczmarek: Ja, danke dir. Sollten wir die vielleicht öfters mal bei digital kompakt haben.

Mareike Kaczmarek: Sehr, sehr gerne.

Joel Kaczmarek: Kommentiert mal bei Spotify, wer alles Bock hat, dass Mareike hier öfters tolle Fragen stellt.

Mareike Kaczmarek: Wenn mindestens ein Kommentar ist, schon mal für mich. Juti, danke, mach's gut.