Wie funktionieren Investmentplattformen wie AngelList?

21. September 2016, mit Joel Kaczmarek

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Joel Kaczmarek: Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Podcast von Digital Kompakt. Und zwar, wie das manchmal so im Leben ist, man läuft über eine Konferenz, lernt nette Leute kennen und in meinem Fall war es so, dass ich Alex und Erik von der Deutschen Börse kennengelernt habe. Wir haben uns ein bisschen ausgetauscht, so über die Szene, über die Branche. haben festgestellt, dass wir es irgendwie alle gemeinsam spannend finden, das Thema Börsengang, IPO, Spätphasenfinanzierung zu besprechen. Und dann sind wir da so übergegangen, dass wir gesagt haben, wir tauschen uns inhaltlich ein bisschen aus, wir machen auch irgendwie eine Wirtschaftspartnerschaft zusammen, aber wir wollen vor allem auch geile Inhalte machen, weil man merkt ja dann irgendwann am Ende des Tages, es sind bestimmte Kompetenzen da und die Jungs von der Börse sind einfach super, super gut da drin, sich das ganze Thema Börsengang, was brauche ich dafür, was passiert im Vorfeld anzuschauen. Und dem wollen wir so ein bisschen eine Miniserie widmen, die wir liebevoll Road to IPO nennen. So, mit mir ist einer der beiden heute da, der Erik. Habe ich das grob richtig beschrieben?

Erik Leupold: Ja, ich denke schon.

Joel Kaczmarek: Hervorragend. Dann stell dich doch mal ganz kurz vor.

Erik Leupold: Ja, gerne. Erik Leupold, ich bin seit jetzt sieben Jahren bei der Deutschen Börse tätig und leite im Moment den Bereich Pre-IPO in Capital Markets. Pre-IPO bedeutet in dem Fall, wir haben vor knapp ein bisschen mehr als einem Jahr das Deutsche Börse Venture Network gelauncht und wollen im Pre-IPO Bereich Services aufbauen für Unternehmen, weil wir merken, wir sollten uns einfach früher um Unternehmen kümmern, als die dann erst beim IPO kennenzulernen. Und Capital Markets, der andere Teil von meinem Bereich, naja, das ist halt das klassische Listing-Geschäft, also ein Unternehmen kommt zur Börse, möchte einen Börsengang machen, da sind wir in der Beratung tätig und in der Zulassung der Aktien.

Joel Kaczmarek: Hervorragend. Also für alle, die sich wundern, was IPO ist, Initial Public Offering, IPO synonym für Börsengang. So, aber wir reden heute noch nicht über Börsengänge, sondern eher das, was davor passiert. Und da haben wir uns ein sehr, sehr spannendes Thema ausgesucht mit einem nicht minder spannenden Gast. Also es werden nicht immer nur Erik und ich hier sitzen, sondern auch top Leute. Und in dem Fall sitzt neben mir links der Philipp. Philipp arbeitet für einen spannenden Dienst, den der ein oder andere, der ein bisschen digital Startup interessiert ist, schon kennt, und zwar AngelList. Und wir wollen heute nämlich genau darüber reden, über Investmentplattformen. Das wollen wir heute verstehen. Und mich interessiert natürlich auch, wie sich eine Börse dazu aufstellt. Deswegen finde ich das eigentlich eine ganz spannende Runde. So, Philipp, stell dich doch mal ganz kurz vor, sag ein bisschen, was du machst.

Philipp Möhring: Ja, sehr gerne. Also Philipp Möhring, ich bin Europa-Verantwortlich für AngelList und bin seit ca. 10 Jahren jetzt im VC-Bereich unterwegs, in Deutschland und Europa. Was wir bei AngelList machen, ist in verschiedene Bereiche geteilt. Wir haben eigentlich eine Art Social Network, also eine Plattform, die sich aus Profilen von Personen und Firmen im Startup- und Tech-Bereich zusammensetzt. Und auf diesem Netzwerk haben wir verschiedene Produkte aufgebaut, so zum Beispiel ein sehr erfolgreiches Hiring-Produkt und eben Fundraising, wo professionelle und semiprofessionelle Investoren aus der Branche in Startups investieren können.

Joel Kaczmarek: Jetzt müssen wir mal so ein bisschen das ganze Thema Investmentplattform ein bisschen anreiten. Also das Herz, für das ihr ja steht, ist ja dieser Gedanke zu sagen, ihr bringt Investoren und Startups zusammen. Also Startups und auch junge Unternehmen, die Interesse haben, Geld aufzunehmen. Wie genau macht ihr das? Also was ist jetzt zum Beispiel der Unterschied zu so einem klassischen, ich hatte es ja vorhin angedeutet, Crowdfunding? Wie funktioniert AngelList?

Philipp Möhring: Das lässt sich am besten beschreiben aus der Historie. AngelList hat angefangen als Blog, das hieß damals Venture Hacks oder heißt auch heute immer noch Venture Hacks und war so 2007 rum eigentlich die einzige gründerfokussierte Ressource im Netz, wirklich zu verstehen, wie funktioniert Fundraising, wie funktionieren verschiedene Legal Terms, also wie funktioniert ein Termsheet, wie funktioniert ein Beteiligungsvertrag. Denn man mag es kaum noch glauben, 2006, 7, 8, 9, 10 gab es solche Informationen eben nicht so breit gestreut wie heute. Und daraus hat sich dann entwickelt, okay, jetzt wissen wir, wie wir Fundraising machen, von wem sollen wir jetzt das Geld raisen? Und Nivian Nawal, die beiden Gründer von AngelList, haben dann wirklich AngelList selbst als eine E-Mail-Liste von AngelList gelauncht und

Joel Kaczmarek: haben

Philipp Möhring: Deals, die sie gesehen haben im Silicon Valley eben rausgeschickt an Eine Reihe von Investoren, die sie gut kannten, denen sie vertraut haben, wo sie wussten, dass sie hohe Qualität und zuverlässiges Geld an Startups bringen. Dann 2013 in Amerika gab es eine Gesetzesänderung, der sogenannte Jobs Act. wo die Regulierung im Fundraising-Bereich stark geändert wurde. Also davor war es sehr schwierig für Startups online oder generell Informationen über einen Fundraising zu veröffentlichen. Der Jobs Act hat das geändert. Der Jobs Act hat zusätzlich geändert, wie früher IPOs funktionieren zu haben, wie eben Online-Finanzierung passiert. Und deswegen haben wir dann 2013 Syndicates gelauncht. Langer Rede, kurzer Sinn. Syndicates ist ein Weg für Investoren, die kleinere Summen investieren möchten in High-Quality-Startups. Das können sie auf AngelList, indem sie mit investieren mit bekannten, erfolgreichen und besser vernetzten Angels als sie selbst investieren. Und in dem Fall investiert der sogenannte Lead-Investor in ein Startup und bringt bis zu 100 andere Investoren mit. Wir wickeln das Ganze bei Angelist ab, gründen ein sogenanntes Special-Purpose-Vehicle, das dann diese kleineren Investoren bündelt, welches dann in das Startup investiert zu den gleichen Bedingungen wie der Lead-Investor.

Joel Kaczmarek: Also eigentlich poolt man ja am Ende Nachfrage. Also ich habe Lust, in ein Unternehmen zu investieren. Wie du sagst, gibt es aber Leute, die das besser können oder vielleicht den Zugang haben. Vielleicht sind die gar nicht mehr kompetent, aber sind vernetzter und dann bündelt man die so ein bisschen. Was sich jetzt irgendwie ein geneigter Unternehmer natürlich fragt, ist, wenn ihr da diese Special-Purpose-Vehicle habt mit teilweise Hunderten von Investoren, das klingt immer nach einem Albtraum an Kommunikation, an Abstimmung. Also erste Sorge ist ja immer, gibt es da irgendeine Form von Mitbestimmungsrechten? Und die zweite Frage ist natürlich immer so Informationsaspekte. Da fürchtet man sich natürlich initial davor, a, wenn man nicht so viel weggeben will an Informationen manchmal, nicht so transparent sein und b, weil man viel Aufwand hat. Ist das bei euch so? Also sind das zwei Themen, mit denen sich Unternehmer auseinandersetzen müssen, wenn sie über Angelist sich ein Syndikat an Bord holen?

Philipp Möhring: Das sind zumindest die zwei Themen, die wir sehr gut verstehen und eben wirklich durch dieses Konstrukt versucht haben abzuwehren. Ich denke, das funktioniert ganz gut. Wir haben alle, vor allen Dingen im Team, die Leute, die auf der Fundraising-Seite arbeiten, wirklich lange Erfahrung, entweder als Investor, Gründer, VC, Angel, wie auch immer, und verstehen eben diese Dynamiken sehr gut. Das Wichtigste für uns bei AngelList sind die Dynamiken und die Inzentivierung der einzelnen Teilnehmer in einem Syndicate. Die SPVs und die Syndicate-Vehikel werden gegründet, um eben genau diese kleineren Investoren abzuschirmen vom Startup und das Startup von den kleineren Investoren abzuschirmen. Es geht darum, dass der Lead-Investor wirklich das Zepter in der Hand hat und mit dem Gründer zusammenarbeitet, dass über den Lead-Investor wirklich der Zugang zu einem Deal geschieht, denn das ist das Allerwichtigste in Frühphasen-Startups, das ist am schwierigsten. nicht sich für ein bestimmtes Startup zu entscheiden, sondern wirklich Zugang zu bekommen zu einer Runde, die passiert. Und das kann eben der Lead-Investor am besten. Darüber hinaus wollen die kleineren Investoren idealerweise sowieso nicht operativ etwas mit dem Startup zu tun haben, denn Um im Angel-Bereich Geld zu verdienen, braucht man ein Portfolio von mindestens 30, unserer Meinung nach eher von 50 und mehr Firmen. Das heißt, wenn man das nebenbei als kleine Investmenttätigkeit macht, hat man überhaupt gar keine Chance, sich um so viele Startups zu kümmern.

Joel Kaczmarek: wo du das gerade schon angesprochen hast, Inzentivierung von diesen Syndicate-Leads. Das war auch was, was mich irgendwie interessiert hat. Wie schaffe ich es denn, jemanden dazu zu motivieren, dass er Zeit investiert, dort aktiv zu werden? Ich habe mir mal so ein paar der Leute angeguckt, die bei euch irgendwie aktiv sind und so zu den Bekannten drin gehören. Also irgendwie ein Gil Penchina im E-Commerce-Bereich. Tim Ferriss macht was bei euch zu Healthcare, witzigerweise, wo ich dachte, der, anyway. Oder Nawal Ravikant zu Delivery, solche Leute. Also schon, man merkt es ja so, den einen oder anderen kennt man durchaus auch hierzulande, wenn man ein bisschen aktiv ist. Das sind schon irgendwie Persönlichkeiten. Wie kriegst du die dazu? Also was inzentiviert die aktiv bei euch, Dealflow zu teilen, anstatt zu sagen, den nehme ich mir lieber selber und mache das irgendwie mit meinem persönlichen Netzwerk?

Philipp Möhring: Es gibt einen sogenannten Carry, der bezahlt wird, sobald es einen Exit gibt. Das heißt, wenn ein Startup in das investiert wurde, verkauft wird, sehen natürlich die Investoren ihr Geld zurück. Alles, was über einmal das originale Investment hinausgeht, daran verdient der Syndicate Lead in der Regel um die 15 Prozent. Das ist ein sogenannter Carry, das ist eine ganz übliche Struktur, wie es auch in jedem Venture Capital Fonds gibt, denn diese Investoren sollen nur inzentiviert werden, wenn eine Firma wirklich erfolgreich verkauft wird. Und wir nehmen keine Management-Fees, wir nehmen keine Transaction-Fees, die an uns oder an den Angel fließen. Das Einzige, was bezahlt wird in einer Syndicate-Runde, sind die sogenannten Setup-Fees, also die Kosten für Filings. Also man muss in Amerika in allen 50 Staaten hinterlegen, wer wo investiert hat und so weiter und so fort. Das kostet einiges Geld, das wird am Anfang vom Syndicate selbst bezahlt, aber dann wird nur Performance-basiert zurückgezahlt.

Joel Kaczmarek: Aber wie kriegt sie es jetzt hin, dass die irgendwie einen erfolgreichen Investor, der bei euch Syndicate-Lead ist, dass der nicht die geilen Deals in seinem privaten Netzwerk macht oder für sich und bei euch so ein bisschen den Crap reinhängt, wo er irgendwie sich schwer tut, da eine Finanzierung zu kriegen, aber sagt so, hey, da habe ich ja irgendwie breite

Philipp Möhring: Plattformen. Also erstens mal ist ja alles sehr transparent. Man weiß, wo ein Investor investiert. Man sieht auch, wo ein Investor möglicherweise außerhalb des Syndikates investiert. Wenn jemand sich da gerne die Finger verbrennen möchte in den ersten wenigen Jahren, dann sei das ihm natürlich überlassen. Aber insgesamt ist diese Branche eben so transparent und offen, dass das relativ schnell offensichtlich wird.

Joel Kaczmarek: Was ich mich noch ein bisschen gefragt habe, der Name Gil Penchina taucht bei mir öfters auf, weil ich habe mir den mal ein bisschen intensiver angeguckt. Der macht viele solche Syndicates im Bereich irgendwie SaaS, Mobile und so weiter und so fort. Und wenn man sich das mal anguckt, der strukturiert Finanzierungsrunden über 150.000 Dollar zum Teil. Also relativ frühe kleine Sachen manchmal und gibt aber selbst irgendwie nur 5.000 Euro bei. So, und da habe ich mich so ein bisschen gefragt, ist das nicht irgendwie schief, wenn jemand 5.000 von 150 gibt und dann aber mit 15% Carry sozusagen noch dran partizipiert. Also hast du da nicht irgendwie schon eine leichte Schieflage drin bei dem ganzen Thema? Weil ein Fonds, klassischerweise sagt man ja eigentlich immer, 10% des Fondsvolumens zahlt der General Partner selber.

Philipp Möhring: Ich möchte gerne die prozentuale Anzahl der Fonds sehen, wo der GP 10% einlegt. In der Regel sind das eher so um die 2,5 bis 5%. Wir haben die gleichen Minima von zweieinhalb Prozent auf privates Geld. Allerdings verdient natürlich ein Fondsmanager auch eine ordentliche Management-Fee. Auf der anderen Seite möchte ich ganz klarstellen, die Investoren auf AngelList verstehen, wo sie investieren. Es ist uns sehr, sehr wichtig, dass wir eben Investoren auf der Plattform haben, die verstehen, wie Startups funktionieren, die verstehen, wie wenige Startups Geld verdienen und wie viele pleite gehen. Und dass der Investor selber in der Lage sein muss, zu entscheiden, ob das ein gutes Investment ist oder nicht. Und darüber hinaus natürlich, Gilpen China ist wirklich einer der besten Angels im Silicon Valley. Er weiß, was er tut und ich glaube, das ist auch klar darzustellen, dass er wirklich ein extrem professioneller Angel ist, der investiert. hier eine Operation sicherlich auf Angelist aufbaut, sehr viel professioneller und größer als die meisten anderen, aber eben wirklich da auch die richtigen Deals heranbringt und auf der anderen Seite auch die Backer meist selbst mitbringt.

Joel Kaczmarek: Also verstehe ich das richtig, man gesteht so jemandem zu, dass er drei Prozent einer Finanzierung trägt und trotzdem 15 Prozent Carry on Top zu seinem Anteil kriegt, weil er a, guten Dealflow mitbringt, stark vernetzt ist, Sachen reinbringt, die man sonst nicht hätte. und wenn man so ein bisschen versucht, Management viel Konstrukte auf diese Weise auszugleichen.

Philipp Möhring: Genau, also wir wollen nicht den Markt machen, sondern wir wollen eine Plattform sein, dann den Markt das tun lassen, was der Markt gerne tut.

Joel Kaczmarek: Das ist doch ein hervorragendes Stichwort, Plattform sein, um Erik mal endlich wieder ans Board zu holen hier. Also wir haben jetzt natürlich versucht, so ein bisschen AngelList nachzuvollziehen. Jetzt ist, glaube ich, kein großes Geheimnis, dass ihr versucht, auch mit der Börse in Bereiche vorzustoßen, wo man vielleicht so ein bisschen auch den, du hast ja selber gesagt, Pre-IPO, können wir vielleicht so ein bisschen den Bogen drüber spannen. Eigentlich geht es am Ende des Tages in Stückwelt um vorbörslichen Anteilshandel. Also das ist ja das, was die Jungs hier auch machen mit AngelList. Was ist denn deine Sicht auf dieses Thema? Wollt ihr da rein? Und wie siehst du so ein AngelList im Vergleich zu anderen Ansätzen, die wir bisher in Deutschland haben?

Erik Leupold: Ja, wo fange ich da an? Also ich finde AngelList mega interessant und ich glaube, es wäre aus europäischer Sicht sicherlich gut, wenn so ein Modell auch in ganz Europa funktionieren würde und könnte. Ich glaube, da haben wir regulatorische Rahmenbedingungen noch nicht geschaffen, die es in den USA halt schon gibt. Wo komme ich her? Warum sind wir auch ähnlich zu AngelList, obwohl wir dann vielleicht auch hier ganz anders sind? Gabriel hat vor knapp zwei Jahren mal gesagt, wir sollten in Deutschland noch mal mehr Börsengänge haben und was wir dafür machen könnten und hat damals uns als Auftrag gegeben, wir sollten noch den neuen Markt wiederbeleben oder einen neuen Markt 2.0 schaffen. Eigentlich zur gleichen Zeit haben wir uns schon mal angeguckt, warum haben wir denn so wenig Börsengänge in Deutschland und was können wir als Börse vielleicht Unternehmen im Pre-IPO-Bereich bieten. Und da haben wir eigentlich gesehen, dass gerade in Deutschland das Thema Frühphasenfinanzierung, also wirklich Seed und Early, noch relativ gut funktioniert, weil wir auch einiges an staatlicher Förderung haben, KfW etc. Und haben dann eigentlich gemerkt, dass wir in Deutschland ein ganz anderes Problem haben, nämlich dass die Late-Stage-Finanzierungen, sprich Runden vorm IPO, nicht so zustande kommen, weil a deutsche Unternehmen einmal nicht so das Netzwerk haben zu den großen VCs und wir b eigentlich in Deutschland relativ wenig VCs haben, die so große Runden stemmen können. Da haben wir uns überlegt als Börse, was können wir gut? Wir können Plattformen aufbauen und Leute miteinander vernetzen und zusammenbringen und wollten eigentlich eine Plattform aufbauen und haben das auch geschafft, wo wir mature Unternehmen drauf haben, also Unternehmen, die wirklich schon, wo der Proof of Concept erfolgt ist, die schon Umsätze haben, die schon ordentlich Funding eingesammelt haben, die aber jetzt für das wirkliche Wachstum dann nochmal ordentlich Kapital brauchen. Und da haben wir in Deutschland relativ wenig Investoren. Und dann haben wir angefangen, selber zu sourcen, wer ist denn auf Investorenseite wichtig, wen brauchen wir dabei und wer ist auf deutschen Unternehmensseite wichtig. Wir haben mit deutschen Unternehmen angefangen. Und sind da auch relativ schnell so weit gekommen, dass wir jetzt im Moment bei über 100 Unternehmen schon stehen und knapp 200 Investoren, weil wir einfach auch wollen, dass einmal die Runde zustande kommt, eine 20, 30, 40, 50 Millionen Runde und dass dann diese Investoren aber auch drin sind, die wir brauchen nachher, um ein gescheites IPO durchführen zu können.

Joel Kaczmarek: Also spannend ist ja, dass ihr beide dann eigentlich, die ihr hier sitzt, im Prinzip irgendwie Konkurrenten werdet auf absehbare Zeit. Also machst du dir da wirklich Hoffnung, dass irgendwie aus dem Digitalbereich da relevant was zustande kommt, wenn ihr da schon früher mit reingeht? Es gibt ja sehr, sehr wenige Digitalunternehmen, die es irgendwie zu erfolgreichen IPOs gebracht haben.

Erik Leupold: Wenn ich das nicht glauben oder wenn ich daran nicht glauben würde, dann würde ich nicht hier sitzen und dann würde ich wahrscheinlich dieses Projekt Venture Network auch nicht verfolgen. Ich bin davon überzeugt, dass wir in Deutschland tolle Unternehmer haben und sehr kluge Köpfe haben. Und ich glaube, lange Jahre hat einfach der Mut so ein bisschen gefehlt, nach vorne zu gehen und selbst was zu probieren. Das hat sich jetzt geändert. Wir haben in Berlin hier eine super Community geschaffen und auch viele tolle Universitäten, die irgendwie ihre eigenen Inkubatoren oder was auch immer haben, wo viele gute Ideen rauskommen. Ich denke einfach, wenn junge Leute, die irgendwie im Studium sind, merken, dass das Thema Finanzierung, wo viele großen Respekt vor hatten in den letzten Jahren, doch jetzt ganz gut funktioniert und es viele, viele Optionen gibt, wo man sich anschließen kann, dann bin ich mir ganz sicher, dass wir auch ein großes Unternehmen in den nächsten fünf, sechs, sieben Jahren in Deutschland sehen werden.

Philipp Möhring: Also wenn ich da einspringen darf, ich glaube, das ist extrem wichtig. Also ich stimme absolut zu, dass wir als das Land der Denker und als diejenigen, die weltweit für Engineering und Technologie bekannt sind, wir irgendwie vielleicht gerade mal eine Handvoll digitale Unternehmen im Index haben, dass wir uns eigentlich schon dafür interessieren, wirklich schämen müssen. Und wenn wir der gesamten Aufmerksamkeit des Startup-Bereichs in Deutschland gerecht werden wollen, müssen wir dafür sorgen, als Ökosystemteilnehmer, dass wir wirklich hier auch solche Erfolge feiern können. Ich glaube, das ist genau der richtige Weg, dafür eben zu sorgen, dass diese Also Spätphasenfinanzierung, die heutzutage im Ausland abläuft, so gut wie möglich lokal abgebildet werden kann. Also muss natürlich auch kompetitiv sein mit dem, was anderswo passiert. Aber das ist der einzige Weg, dass eben die Firmen hinterher auch in Deutschland listen und dann nicht irgendwo in London oder in New York. sind, denn da ist die letzte Runde passiert.

Joel Kaczmarek: Ich bin einfach so ein bisschen neugierig. Was wollt ihr denn konkret in dem Bereich machen? Ich sag mal so, wenn man jetzt ein bisschen zynisch ist, könnte man euch vorwerfen, ihr seid ein Konzern, der gefühlt das letzte Mal 1997 innovativ war, als er irgendwie den Xetra geschaffen hat. Was macht ihr anders?

Erik Leupold: Aber was wir starten wollen, ist eigentlich was Ähnliches, was AngelList in den USA geschafft hat. Wir möchten Unternehmen, die zu uns kommen, sagen, hier, ich will eine 10-Millionen-Runde raisen, vielleicht bin ich bootstrapped im Moment noch und kenne keine Investoren, habe kein Netzwerk, könnt ihr mir helfen, Investoren zu finden, dass wir auf Investoren gezielt zugehen können, dass wir diesen Unternehmen einfach durch unser Netzwerk helfen, an Wachstumskapital zu kommen und die nächsten Schritte zu gehen.

Joel Kaczmarek: Meinst du nicht, dass irgendwie Investoren, die eine gewisse Flughöhe haben, so jemanden schon dreimal gesehen haben, ehe derjenige bei dir auf den Plan tritt und sagt, ich brauche Geld, könnt ihr mir helfen?

Erik Leupold: Nee, ist nicht so. Und wir sehen ja auch nicht nur die klassischen Investoren, die großen Index dieser Welt, sondern auch teilweise Family Offices, die vielleicht nicht dieses Netzwerk haben und nicht jeden Deal schon auf dem Tisch hatten. Da ist, glaube ich, noch kein Status erreicht, der gut genug ist.

Philipp Möhring: Ich glaube, es ist auch extrem wichtig, hier einfach neue Player in den Markt zu bringen und wirklich einen Markt zu schaffen. Es geht nicht so sehr um den sekundären Handel, finde ich, sondern es sollte eben für primäre Finanzierungsrunden wirklich ein solider Markt geschaffen werden.

Erik Leupold: Einen Sekundärmarkt aufzubauen für diesen Bereich, das ist nicht so ganz einfach, weil Wir haben in Deutschland keine Unternehmensform in der Regel in den Startups, die auf Aktien basiert, sondern meistens GmbHs, GmbH-Anteile irgendwie auf einem Sekundärmarkt liquide zu handeln. Da sehen wir kaum eine Möglichkeit. Da bleiben wir auf jeden Fall dran, irgendwie da ein Modell finden zu wollen.

Joel Kaczmarek: Also lerne ich daraus, ihr wollt eine Investmentplattform machen, wisst aber eigentlich noch nicht wie, weil es der Markt regulatorisch noch nicht so richtig hergibt?

Erik Leupold: Auf der Sekundärmarktseite, auf der Primärmarktseite sieht es anders aus. Da werden wir ähnlich wie es Investmentbanken machen, letzten Endes die Vorstellung der Unternehmen organisieren, also eine Roadshow organisieren, die Unternehmen vorstellen und wenn da Finanzierungsrunden zustande kommen, werden wir da viel für bekommen.

Joel Kaczmarek: Lass uns mal so einen gemeinsamen kleinen Exkurs ins ganze Thema Crowdfunding machen, weil ihr habt ja selber schon so ein bisschen gesagt, ihr macht das mit AngelList vor allem in den USA und UK. Die Börse guckt es sich an, würde es gerne machen, aber auf dem Sekundärmarkt gibt es da noch kein Thema. Man hat ja bei dem Thema Crowdfunding, was ich bisher mitgekriegt habe, so ein paar Probleme. Also das ist, würde ich sagen, für jemanden wie euch, für eine Börse ist das ja eher relativ unattraktiv. Und so wie ich es verstanden habe, hat das irgendwie vor allem mit diesem Kleinanleger-Schutzgesetz zu tun, dass ihr das bei vielen Themen, du schüttelst den Kopf, eher nicht so.

Erik Leupold: Ja, also bei uns geht es eigentlich nicht um Kleinanleger. Bei uns, die Investoren, die bei uns dabei sind, sind alles professionelle Investoren. Ich glaube, da hat Angelus eher das Thema, dass es hier um das Kleinanlegerschutzgesetz geht. Bei uns sind es Profis und bei uns ist es halt einfach so, wenn wir eine Finanzierungsrunde haben, die wir öffentlich stellen, sind wir in Deutschland im öffentlichen Angebot, wenn wir mehr als eine bestimmte Anzahl an Investoren ansprechen. Wir haben im Moment auch nicht die Ambition, wirklich Kleinanleger anzusprechen. Unser gesamtes Börsengeschäft, was wir haben, ist nicht auf Kleinanleger ausgerichtet.

Joel Kaczmarek: Aber jetzt ist ja so, ein Unternehmen, was irgendwie vielleicht gerade seine Series B abgeschlossen hat, was sein Geschäftsmodell kennt, also ich nenne jetzt mal Grown-Ups, die ihr irgendwie in vorbörsliche Finanzierung vermitteln wollt, die können sich ja jetzt nicht leisten, einen Börsenprospekt für gefühlt eine Viertelmillion Euro irgendwie aufzusetzen. Weil du musst ja eine Anwälte rübergucken lassen, bis der Arzt kommt. Du musst irgendwie jemand haben, der das vernünftig formuliert. Du brauchst am Ende des Tages irgendwie ein CFO. Also mir ist schon klar, dass ihr jetzt nicht hingehen werdet und sagen werdet, Oma Erna kann irgendwie ihr Erspartes irgendwie über euch investieren. Aber Crowdfunding so als Alternative, um Investments in Startups zu tätigen, bevor eine Börse ins Spiel kommt, da spielt ja kleinerleger Schutzgesetz schon insofern eine Rolle, als dass es halt viele Sachen begrenzt. Also was ich mitgekriegt habe, hast du ja zum Beispiel dieses Thema, du kannst das eigentlich nur irgendwie per Nachrangdarlehen machen. Genau, Passage. Also das ist ja schon für viele Investoren per se unattraktiv. Als Einzelperson kannst du nur bis 10.000 Euro investieren, danach musst du irgendwie ein Business haben. Dann gibt es bei uns irgendwie in Deutschland nicht dieses Konzept, was Phil so ein bisschen angedeutet hat, mit den akkreditierten Investoren. Sprich, am Ende des Tages läuft es so ein bisschen darüber hinaus, dass Crowdfunding unter dem Strich unattraktiv ist. Oder habe ich das falsch verstanden?

Philipp Möhring: Also ich glaube, Crowdfunding ist insgesamt so eine sehr romantisierte Geschichte. Ja, es ist einfach so. Also es ist ein Thema, wo jeder, der das zum ersten Mal hört, sagt, ah, das ist ja super, jetzt können alle hier in den Bereichen teilnehmen, wo man viel Geld verdienen kann. So funktionieren Angel-Investments nicht in der Regel. Und so viel Wert wird auch meistens nicht generiert. Und Das Ganze muss nun geschüttet werden in ein Konstrukt oder in ein rechtliches Kleid, das teilweise hunderte von Jahre alt ist, wo es eben zum Beispiel in Deutschland das GmbH-Gesetz gibt, was nun ganz klar darauf ausgerichtet ist, dass es so schwierig wie möglich ist, Anteile zu veräußern. Natürlich gibt es AGs und andere Geschäftsformen, die das Ganze einfacher machen. Diese allerdings sind natürlich über die Jahre hinweg mit Gesetzen und Regulierungen versehen, die es wiederum sehr teuer machen, so eine Konstruktion zu nutzen. Das Ganze jetzt rechtlich mit einem Schlag diesen gordischen Knoten zu lösen, ist vollkommen unmöglich. Und deswegen gibt es so ein Gesetz wie das Kleinanleger-Schutzgesetz, das halt erstmal es ermöglicht und rechtliche Grauzonen beseitigt für die Plattformen, Investoren und Firmen. Aber leider im ersten Aufschlag nun für unser Geschäft nicht praktikabel ist, für andere Firmen anscheinend praktikabel ist. Aber das eben nicht die perfekte Lösung ist. Aber das sehen wir genauso in den anderen Ländern. Es gibt da auf jeden Fall noch nicht die perfekte Lösung aus zwei Gründen. Erstens ist diese Art von Beteiligung und Investments sehr neu. Und zweitens gibt es eben rechtliche Rahmenbedingungen, die man nicht einfach von heute auf morgen durchführt. abändern kann.

Joel Kaczmarek: Was ist denn eigentlich dein Job? Also warum sitzt du eigentlich in Berlin? Weil ihr könnt ja gefühlt in Deutschland auf die nächsten x Jahre gar kein Business hier machen mit eurem Geschäft, oder?

Philipp Möhring: Ich sitze in Berlin, weil ich Berlin sehr schön finde. Ich bin aber weiterhin extrem viel unterwegs. Ich bin viel in London, wo wir unser europäisches Geschäft machen. Ich bin viel in den Staaten. Also von daher ist das eher eine private Geschichte.

Joel Kaczmarek: Worauf ich natürlich hinaus will ist, habt ihr den deutschen Markt eigentlich so ein bisschen abgeschrieben auf die nächsten Jahre. oder haltet ihr es für möglich, dass da was passiert?

Philipp Möhring: Ich halte es für möglich, dass in der nächsten Handvoll Jahre es eine europäische Regulierung und Lösung gibt, die das Ganze möglich macht. Das ist eigentlich für uns und eigentlich auch für jede andere Plattform die einzige relevante Lösung. Denn nun in 28 oder 27 oder wie viel auch immer eine einzelne Lizenz zu bekommen, einzelne Frameworks auf der rechtlichen Seite aufzubauen, verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten, Steuerthemen zu berücksichtigen, ist vollkommen unmöglich.

Erik Leupold: Und es wäre auch unattraktiv, glaube ich, für die Investoren einfach. Ich glaube, wir brauchen in Europa, genauso wie Angelus es in den USA geschafft hat, eine Lösung auf der Crowdfunding-Seite, wo man alle Deals sieht, wo die Investoren sich auf einer Plattform anmelden und die Deals sehen. Alles andere ist doch nicht relevant und nicht interessant.

Philipp Möhring: Also ich habe relativ viel Zeit mit der Europäischen Kommission verbracht. Ich bin vollkommen sicher, dass die Leute da das richtige Ziel vor Augen haben. Es ist nun mal einfach so, dass in Brüssel nicht Entscheidungen getroffen werden können, die dann in Europa angewandt werden, sondern das geht eben so. Zurück in die einzelnen Parlamente. Also es ist wirklich, es gibt 100 Jahre alte Begebenheiten in der rechtlichen Situation für Firmen in jedem einzelnen Land. Und das auf eine Linie zu bringen, ist extrem schwierig.

Joel Kaczmarek: Ich meine, helfe ich mal zu verstehen. Gibt es überhaupt gerade ein Fenster, einen Ansatz, wie man etwas Angelist-artiges machen kann, was dem Anspruch folgt, wie ihr es irgendwie mit der Börse formuliert, zu sagen, wir wollen im vorbörslichen Bereich das Finanzieren von Unternehmen mit einer gewissen Relevanz erleichtern, plattformisieren?

Erik Leupold: Absolut. Also ich glaube, dass was wir gerade machen, was wir vorhaben, was wir auch in den nächsten Monaten umsetzen werden, sprich Transaktionen zu ermöglichen, indem wir Investoren und Unternehmen zusammenbringen, nicht im digitalen Bereich, aber in einem privaten Bereich, ist im Moment das einzige Geschäftsmodell, was es gibt.

Joel Kaczmarek: Hört sich irgendwie noch nicht wie das Ei des Kolumbus an. Also ist ja eher ineffizient, wenn irgendwie ein großer Konzern hingehen muss und ein junges, eigentlich auf Tempo getrimmtes Startup vielen Investoren vorstellen muss. Am Ende des Tages ist es ja so ein bisschen eine Abbildung vom Prozess, wie er schon ist, nur auf größerem Level und mit wahrscheinlich Geschwindigkeitsentnahme.

Erik Leupold: Gut, die Vorstellung der Unternehmen, die kann natürlich digital erfolgen. Also unser Plan ist schon, dass man sagt, ein Unternehmen geht hin und bewirbt die Finanzierungsrunde bei gezielten Investoren, dass sozusagen dieses Matchmaking, wie du es vorhin genannt hast, ich suche 10 Millionen Euro, welche Investoren könnten da in Frage kommen, dass das alles voll digital abläuft. Aber in Deutschland ist es so, wie es Philipp schon ja auch gesagt hat, dass die Transaktion muss offline auch ablaufen. Und das halten wir natürlich auch nicht für sinnvoll. Wir würden die am liebsten auch noch online ziehen.

Joel Kaczmarek: Dann lass uns nochmal so ein bisschen, das ist ja eigentlich eine ganz schöne Brücke, in dieses ganze Thema Matchmaking eintauchen. Also wie man es eigentlich macht, dass man irgendwie Investoren und Startups effektiv zusammenbringt. Wie macht ihr das denn bei Angelus zum Beispiel? Ihr seid eine sehr datengetriebene Firma, ihr fokussiert euch darauf, alles technisch umzusetzen. Wie macht ihr es, dass ihr Investoren und Startups so sauber zusammenbringt, dass ihr wirklich Leute sozusagen in einen Raum steckt, in einen digitalen oder virtuellen, die gemeinsames Interesse aneinander haben?

Philipp Möhring: Ja, es ist eigentlich für uns relativ einfach, da wir dieses Problem outsourcen an unsere Lead-Investoren. Denn die Lead-Investoren bauen selber auf, mit welchem Netzwerk sie investieren bzw. welches Netzwerk bei ihnen co-investiert. Das sind die Leute, die ihnen üblicherweise schon vertrauen, mit denen sie in der Vergangenheit Investments getätigt haben. Das sind im Fall von erfolgreichen Angels oft Gründer, die von den gleichen Angels schon mal Geld bekommen haben und möglicherweise einen Exit hatten. Das heißt, jedes Syndicate für sich ist sein eigenes kleines Ökosystem von einem Lead-Investor, der in einer bestimmten Geografie oder in einer bestimmten Industrie oder in einer bestimmten Firmenphase relevant ist und dort relevante Deals mitbringt. Und der baut sich sein Netzwerk an Co-Investoren auf, die genau danach suchen.

Joel Kaczmarek: Ist das ein Geschäftsmodell? oder beziehungsweise wie seht ihr das? Ihr habt ja bei der Börse das gleiche Thema mit.

Erik Leupold: Also bei uns gibt es eigentlich drei Möglichkeiten. Einmal haben wir auch dieses Lead-Investor-Thema, wo ein Lead-Investor sagen kann, okay, ich suche mal auf der Plattform oder aber auch offline Investoren zusammen, die ich in meiner Runde irgendwie dabei haben will. Dann gibt es die Möglichkeit, dass ich als Startup sage oder als Company sage, okay, ich habe eine Runde, die ich gerade machen will, 20 Millionen Euro. Ich suche mal aus den Investoren raus und nutze mal die Datenbank von Venture Network, welche Investoren in diese Runde investieren könnten, wo die Kriterien irgendwie passen. Nur ist das natürlich so, das basiert sehr, sehr stark darauf, dass die Investoren auch online im Profil ihre korrekten Daten pflegen, weil du weißt selbst, wie es ist. Irgendwie ein Raising-Fonds im Tech-Bereich, die sind irgendwie vor einem halben Jahr nur Fintech unterwegs gewesen. Jetzt im Moment dann ist vielleicht Ad-Tech oder was auch immer. Da ändern sich ja vielleicht auch die Kriterien so ein bisschen. Und die dritte Möglichkeit ist einfach die, dass ein Startup so uns ankommt und sagt, okay, hört mal zu, ich will die Runde raisen. Ich habe aber keine Ahnung, wen ich ansprechen soll. Sucht immer mal die Investoren und wir sprechen die dann für die an. Also ich glaube, das ist auf jeden Fall ein Geschäftsmodell, sonst würden wir es nicht machen.

Joel Kaczmarek: Ich wollte gerade sagen, jemand, der jetzt zuhört und hört, dass ihr solche Sachen macht, berechnet ihr denn dafür was oder wie läuft das für euch wirtschaftlich?

Erik Leupold: Wir werden dafür was berechnen, ja, aber da kann ich erst mal dann was zu sagen, wenn wir es auch gelauncht haben.

Joel Kaczmarek: Phil, kannst du eigentlich nochmal bei dir so ein bisschen auch zusammenfassen, wie funktioniert denn euer Geschäftsmodell auf der Finanzierungsseite? Also du hattest gesagt, ihr habt diese Setup-Fees. Und dann erst verdient ihr, meintest du, wenn wirklich Performance da ist.

Philipp Möhring: Genau, also wir verdienen auch einen Carry. Wir verdienen einen Carry, wenn es einen Exit gibt, dann kriegen wir in üblicher Weise 5% der Gewinnsumme auf die 15% der Gewinnsumme, die der Lead-Investor bekommt, obendrauf. Und so verdienen wir Geld. Das heißt, wir haben genau die gleiche Inzentivierung, dass wir sagen, wir wollen langfristig in Firmen investieren, die Geld verdienen und hoffentlich viel Geld verdienen, dadurch, dass sie zu einem höheren Preis verkauft werden als wir. uns eingekauft haben. Startups sollten nicht für Vorstellungen bezahlen. Startups sollten niemals dafür bezahlen, auf irgendwelchen Business Angel Events zu pitchen oder oder oder.

Erik Leupold: Das ist bei uns genauso übrigens. Also bei uns wird es auch nicht so sein, also erstmal wird es nicht so sein, dass wir irgendwie irgendwas machen, wo wir dann Equity für bekommen, also Unternehmensanteile. Das können wir nicht und das wollen wir auch nicht. Wir werden dann was chargen, was berechnen, wenn wir sagen, okay, wir haben wirklich dafür gesorgt, dass eine Finanzierungsrunde entsteht und dann werden wir, ähnlich wie es auch im Aktienbereich irgendwo ist, wo eine Bank mandatiert wird dafür, werden wir von der Finanzierungsrunde einen prozentualen Anteil für unsere Service, den wir da machen, berechnen.

Joel Kaczmarek: Ich wollte gerade sagen, es klingt ein bisschen, als hätte er dich versteckt gerade angegriffen.

Erik Leupold: Nein, nein, so ist es bei uns. Wir machen jetzt auch nicht, wir sagen nicht, okay, wir machen für euch, wir suchen für euch 500 Toren und kriegen dafür 20.000 Euro. Das halten wir auch nicht für sinnvoll.

Joel Kaczmarek: Aber das hat ja schon Gebührcharakter. Also im Gegensatz zu ihm, der sagt, ich greife erst das Geld ab, wenn was verdient wurde, wenn sozusagen ihr verkauft habt.

Erik Leupold: Das ist natürlich ein ganz anderer Bereich auch. Ich meine, das ist in der Seed-Finanzierung natürlich eine ganz andere Situation, wenn wir hier irgendwie eine 40-Millionen-Runde zustande bringen. Und wir finden da für die Investoren, da würde eine Bank in der Regel 5% für chargen. Das sind 2 Millionen Euro. So toll wird es bei uns nicht werden.

Joel Kaczmarek: Man hat ja einen Punkt, Philipp. Ist man nicht ein bisschen biased, wenn man selbst an der Entwicklung des Startups mitpartizipiert, dass man zum Beispiel sagt, ihr gebt denen eine andere Form von Visibilität oder ihr macht mehr E-Mail-Sachen oder so?

Philipp Möhring: Gut, aber es ist ja auch nach außen transparent, was unsere Inzentivierung ist. Ich glaube, man muss klar sehen, wir kommen eher von der Seite aus, eines Venture Fonds. Ich glaube, für uns ist es sehr viel problematischer, wenn wir wirklich die Inzentivierung rein an Dollar Value in hätten. Also wenn wir wirklich die Inzentivierung hätten, so viel wie möglich in möglichst kurzer Zeit zu raisen. Natürlich kommt die deutsche Börse von einem anderen Geschäftsmodell und sieht das eher als ihre Herkunft und auch wie in der Art und Weise Deals gemacht werden. Also ich denke, das passt für uns beide sehr gut.

Erik Leupold: Und wir werden auch nicht auf Biegen und Brechen, weil wir eine Gebühr da verdienen oder einen Feeder bekommen, versuchen, dass Finanzierungsrunden entstehen. Das wird auch nicht funktionieren.

Philipp Möhring: Ich glaube, also das möchte ich nochmal unterstreichen, das war jetzt nicht als Angriff da gemeint, sondern ich glaube schon, dass das das richtige Geschäftsmodell ist.

Joel Kaczmarek: Dann lass uns doch nochmal so ein bisschen auch weiter irgendwie in das Geschäftsmodell eintauchen, Phil. Also ich habe ja bisher jetzt diesen ganzen Bereich Jobs irgendwie stark ausgeklammert, aber der scheint ja bei euch einen gewissen Aufschlag zu haben. Also Was mir so ein bisschen als Gedanke kam, vielleicht kannst du ja mal so ein bisschen sagen, welchen Impact das bei euch hat, das Thema Jobs, aber mir kam auch so ein bisschen die Überlegung, ob ihr nicht eigentlich auch so ein Kandidat seid, irgendwann mal so ein One-Stop-Shop für, oder im Venture-Bereich für Startups zu sein, dass man sagt, ich kriege bei euch alles von Mitarbeitern über Geld, über Services, Anwälte etc.

Philipp Möhring: Ich persönlich mag das Wort One-Stop-Shop nicht, weil das halt meistens bedeutet, man macht alles, aber nichts richtig.

Joel Kaczmarek: Schön gesagt.

Philipp Möhring: Was wir schon anstreben, ist der Ort zu sein für ein Startup, wo wirklich die wichtigsten Transaktionen stattfinden und dass wir eben für diese wichtigen Transaktionen eine sehr gute Erfahrung bieten und eben aber auch ein sehr gutes Ergebnis. Fundraising ist ganz klar der Bereich, wo wir herkommen und wir haben intern eine Regel. Oder ein Mantra, das ist eben das Ein-Personen-Startup und eigentlich soll jeder bei AngelList sein Ein-Personen-Startup sein. Das bedeutet, man hat eine Idee für ein Produkt oder ein Angebot, dann entwickelt man das Produkt oder Angebot, man codet es oder man bringt es eben manuell auf die Laufbahn. Und sorgt dann eben aber auch für den Service. Man sorgt dafür, dass man eben anderen Support, den man innerhalb der Firma dafür braucht, pitcht und bekommt. Aber man ist eben alleine dafür zuständig, was mit diesem Produkt passiert. Und so ist Talent entstanden, weil einer unserer Ingenieure gesagt hat, also wir haben ja hier die ganzen Leute, die die Startups gegründet haben. Wir haben die Leute auf der Plattform, die in Startups arbeiten, weil die Teams dargestellt werden. Aber diese Leute kriegen jetzt gar nicht so viel Mehrwert, außer sie sind Gründer im Fundraising. Also was können wir machen? Ich möchte gerne ein Talentprodukt anbieten, denn wir haben alle Menschen in der Industrie, die quasi so Startup-Caliber-Talent sind. Leute, die in Startups gearbeitet haben, Leute, die Startups gegründet haben und das sind tolle Angestellte für andere Startups. Und alle haben gesagt, völliger Blödsinn, er hat es natürlich trotzdem gemacht. Und heute ist eben die Hälfte unseres Teams arbeitet an Talent. Wir matchen mehrere tausend Firmen mit Ingenieuren, Designern und anderen Kandidaten pro Woche.

Joel Kaczmarek: Was sind denn aber noch so weitere Ausbaustufen, die du dir vorstellen könntest, wenn du sagst, wichtige Transaktionen wollt ihr begleiten? Also was gibt es da außer Jobs und Geld transferieren noch?

Philipp Möhring: Es gibt nichts, wo wir jetzt aktiv dran arbeiten. Was darüber hinausgeht, weil Talent und Fundraising sind einfach zwei riesen Baustellen, die groß genug sind, um uns für ein paar Jahre erstmal zu beschäftigen. Services ist natürlich so ein Thema, Anwälte, Office Space und so weiter und so fort. Aber da ist sowieso so viel Lärm im Markt, dass wir eigentlich da jetzt nicht einsteigen wollen und irgendwas machen.

Joel Kaczmarek: Wie ist denn der Blick von der Börse darauf, Erik? Schaut ihr euch auch solche Themen an oder macht ihr nur Cash?

Erik Leupold: Was Philipp gesagt hat, dass One-Stop-Shop nicht möglich ist, da würde ich so ein bisschen widersprechen. Ich bin der Meinung, dass es schon möglich ist, aber nur möglich mit Partnern. Und in die Richtung wollen wir uns, glaube ich, auch entwickeln. Wir wollen schon zusehen, dass ein Unternehmen, was im deutschen oder im europäischen Markt aktiv ist, im Startup-Bereich, auf die Venture-Network-Plattform kommt und dort alles findet, was es zum Überleben und zum Weiterleben, zum Wachsen braucht. Das ist natürlich einmal das Thema Finanzierung, das ist wahrscheinlich das A und O und das Wichtigste. Bei uns wird es aber auch bekommen, durch die ganzen Partner, die wir haben von der IPO-Seite, nämlich mit Legal Advisory, WP, also dass man einfach alles findet, Kommunikationsagenturen, Marketingagenturen. Was wir einfach gemerkt haben im Late-Stage-Bereich ist, dass das Thema CFO ein ganz wichtiges ist und dass wir, ähnlich wie es AngelList gemacht hat auf der Talent-Seite, dass wir dort anbieten wollen, okay, du bist ein Unternehmen, du bereitest dich auf einen Börsengang vor, Um als Unternehmen an der Börse zu bestehen, in Investorengesprächen bestehen zu können und auch eine gewisse Reporting- und Governance-Struktur im Unternehmen aufsetzen zu können, da kann man oftmals Leute gebrauchen, die das vielleicht schon mal gemacht haben, die da Erfahrung haben. Und so Leute zu finden und die in Startups ganz gezielt zu platzieren, da die richtigen Matches zu haben, damit kann man schon einen großen Mehrwert liefern.

Joel Kaczmarek: Gut, ich meine, es sind ja hehre Ziele, aber ich verstehe schon ein bisschen, was Phil sagt, man macht irgendwie fünf Sachen, aber irgendwie nichts so richtig, sondern alles eher halb.

Erik Leupold: Genau, wir wollen es ja auch nicht selbst machen. Das ist, glaube ich, der große Unterschied. Ich glaube, wir werden wahrscheinlich davon einige Sachen selbst machen wollen. Bei vielen anderen Themen, klar, das können wir nicht selbst und da werden wir auch nicht die Manpower für vorhalten, aber einfach die Connection machen, die richtigen Partner zu finden, das ist schon was, was wir anbieten möchten.

Joel Kaczmarek: Kannst du eigentlich mal so, wo wir schon über Geschäftsmodelle reden, so ein bisschen sagen, was ihr an Jahresumsatz zum Beispiel macht? Weil ich stelle mir halt schwierig vor, das ist ja auch so das Problem jedes VCs, du hast Steady-Costs, also Kosten, die irgendwie sehr, sehr gleichmäßig, regelmäßig bei dir aufschlagen, aber du hast so Peaks, bei denen du dann sehr, sehr viel Geld im besten Fall auf einmal verdienst und du hast es ja auch nicht selber in der Hand, ob und wie du Geld verdienst.

Philipp Möhring: Genau, also wir sind ein sehr ungewöhnliches Startup. Ich glaube, das hast du jetzt auch schon so ein bisschen rausgehört. Momentan haben wir wirklich keine oder kaum Cash-Umsätze und wir fühlen uns damit eigentlich auch ganz wohl, denn wir haben eine ordentliche Finanzierungsrunde gemacht, sind ein sehr kleines Team für das, was wir tun. Und ja, also wir verdienen langfristig Geld, wenn unsere Kunden Geld verdienen. Und dadurch, dass wir natürlich sehr erfahrene Gründer haben, dass wir sehr gute Investoren haben, ist es möglich, dass wir dieses Modell, wie wir es heute fahren, weiter durchziehen können. Zum Glück.

Joel Kaczmarek: Klingt ja irgendwie ein bisschen merkwürdig.

Philipp Möhring: Ja, ist auch nicht üblich. Also wie gesagt, wir sind ein Startup und ein besonderes Startup, glaube ich, dadurch. Es ist klar, dass man mit Venture Capital Geld verdienen kann, wenn man es richtig macht. Ich glaube, wir haben jetzt so die ersten Erfolge gezeigt, die sicherlich noch nicht uns ins Profitable bringen, aber das dauert halt.

Joel Kaczmarek: Hast du eigentlich so ein bisschen Zahlen zu Wiederkaufsrat, Retention Rate, würdest du im klassischen Business sozusagen sagen? Also Seid ihr so ein One-Off-Geschäft? Jemand kommt zu euch, macht einmal eine Finanzierung und wartet nie wieder. gesehen oder passiert es sogar wirklich, dass man sagt, hey, der kommt nochmal wieder? Das heißt, kann es eigentlich auch für euch ein bisschen Perspektive sein, dass ihr hinten raus in den Bereich, den sich Erik jetzt gerade anguckt, eher auch aktiv werdet?

Philipp Möhring: Die Firmen kommen wieder, denn wir sind ja dann Shareholder mit unseren Vehikeln. und wissen natürlich, wann die nächsten Runden passieren. Wir haben zum Teil dann eben auch die Rechte, in den Runden weiter mitzuinvestieren, was wir dann natürlich auch fleißig tun. Diese Rechte werden natürlich nicht von Angelis gehalten, sondern von den Investoren in den Syndicates. Und natürlich passiert das. Ich kenne jetzt nicht genau die Zahl, wie viele Anschlussrunden wir gemacht haben, aber eigentlich, wenn es eine Anschlussrunde gibt, sind wir in der Regel auch wieder dabei.

Joel Kaczmarek: Was ist denn eigentlich aus diesem 400-Millionen-Fonds geworden, den ihr auch selber geracet habt?

Philipp Möhring: Der CSC Upshot heißt der Fonds. Das ist ein Fonds, der ist Ende letzten Jahres hat er angefangen zu investieren. Die investieren fleißig in Syndicates. Das heißt, es gibt eben nicht nur die Privatinvestoren, die dann in diese Syndicates investieren, sondern es gibt auch mehrere Fonds, also nicht nur CSC. Es gibt einen Fonds, der heißt Mainlane. Wir haben einige Fonds auf der Plattform aufgenommen, die eben wirklich auch von unseren Investoren dann wie ein Indexfonds zum Beispiel in nur Enterprise Firmen oder nur Consumer Startups investieren. Das sind alles Aktivitäten, die wir intern treiben, damit wir weiterhin mehr Kapital eben zu den Leads in ihre Deals bringen. Ich glaube, die interessantere Frage für Wiederkäufer ist eigentlich aber auf der Lead-Seite. Denn die Leads sind ja diejenigen, die die Liquidität durch ihr Netzwerk generieren. Die Leads sind diejenigen, die gute Deals ranbringen. Die Leads sind diejenigen, die ihre Reputation mitbringen. Und die investieren natürlich nicht nur in ein Startup, sondern immer und immer wieder.

Joel Kaczmarek: Also die Syndicate-Leads meinst du damit? Genau. Im Marketing sind ja Leads was anderes.

Philipp Möhring: Ja, Entschuldigung.

Joel Kaczmarek: Na gut, dann sind wir gespannt. Also, euch drücke ich natürlich mit Angelis ganz fest die Daumen, dass ihr bald auch mal in Deutschland aktiv werden könntet. Dass du nicht nur hier wohnst, sondern auch mal hier was machst, richtig, so vor Ort. Und euch drücke ich nicht minder die Daumen, weil ich glaube, was ihr beide macht, ist für den Markt sehr wichtig. Also, dass man da gerade auch so diese Wachstumsperspektive mit reinkriegt. Ich danke euch ganz herzlich für eure viele Zeit, für das viele Wissen, das ihr geteilt habt. All die sympathischen Zuhörer an den Rundfundempfängern ihrer Wahl. Wir freuen uns natürlich, wenn ihr uns mal irgendwie 5-Sterne-Bewertungen bei iTunes gebt. Mein Vermarkter drängt mich nämlich immer. Geh hin und sag deinen Leuten, die sollte ich mit 5 Sternen bewerten. Nur das hilft. Also wenn ihr gute Laune habt, geht zu iTunes. Wir machen ja hier auch irgendwie im Prinzip for free ein bisschen manchmal den Tanz. Also wird uns freuen. Vielen Dank euch beiden und alles Gute.

Erik Leupold: Dankeschön.

Philipp Möhring: Dankeschön.

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