
eBay-Chefin Saskia Meier-Andrae: 5 Dinge, die ich gerne mit 20 gewusst hätte
14. März 2025, mit Joël Kaczmarek
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Joël Kaczmarek: High Five, Leute! Hier ist Joël und wieder einmal bin ich mit einer tollen Person zusammen, wo ich heute mal eintauche und rauskriege, was sind denn so die fünf Dinge, die die gerne schon mit 20 gewusst hätte. Und ihr wisst, das kann ein breites Spektrum sein. Manchmal ist es mehr businesslastig, manchmal ist es mehr persönlich, bis hin zu auch mal spirituellen Dingen. Und ich glaube, heute wird es ein Ticken Business und ich glaube in sehr spannender Art und Weise, denn die liebe Saskia Meier-Andrae, das ist die Geschäftsführerin von eBay in Deutschland, die hat sicherlich so einiges gesehen. Ich werde mal mit ihr auch ein bisschen darüber reden, was sie vorher schon so gemacht hat, denn auch da war sie schon spannend unterwegs. Und ich war total neugierig und gefesselt, als wir im Gespräch waren und sie gesagt hat, ja, ich hätte auch total Bock da mal. Ja, stimmt, wenn ich darüber nachdenke, mir fallen auch ein paar Sachen ein, weil ich habe so gemerkt, Saskia ist einfach ein sehr besonderer Mensch, der einen besonderen Zugang hat und ich glaube vor allem auch einen sehr internationalen. Also ich glaube mal, wir kommen auch ein bisschen auf ihre Family zu sprechen. Also von daher, heute wird es spannend, ihr Lieben da draußen und that being said, liebe Saskia, hallo, schön, dass du da bist.
Saskia Meier-Andrae: Hallo Joël, ich freue mich sehr hier zu sein, Dankeschön für die Einladung.
Joël Kaczmarek: Ja, ich meine, was für eine coole Geschichte eigentlich auch, oder? In deiner Rolle. Ich stelle mir das ganz lustig vor, wenn du auf so einer Weihnachtsfeier stehst mit Leuten mit einem Punsch in der Hand und dann sagen die, und was machst du so? Und dann sagst du, ich bin die Chefin von eBay. Da hast du doch bestimmt sofort immer ein Thema, oder?
Saskia Meier-Andrae: Ja, oder einfach schweigen und Leute schauen mich an,
Joël Kaczmarek: weil sie ein bisschen überrascht sind. Das habe ich aber bei einer Sache noch mehr, als ich bin die Chefin von eBay, als wenn Leute mich fragen, was ich studiert habe und ich dann sage Mathematik, dann werde ich auch oft mit Schweigen begutachtet. Wobei eine Freundin von mir mir einen sehr guten Tipp gegeben hat, wenn du jemandem eine Frage stellst, wie sowas, was machst du oder was studierst du und dann kommt eine Antwort, die man nicht erwartet, dann als Lückenfüller zu haben, and do you enjoy that? Von daher, das hat mir auch schon in vielen Situationen geholfen, aber genau. Gar nicht schlecht. Ja, verrückt, Mathematik, wie bist du denn dazu gekommen? Mein Papa ist theoretischer Physiker, von daher lag mir das nicht fern. Und ich wollte unbedingt,
Saskia Meier-Andrae: ich habe Abitur auf dem Land gemacht in Nordrhein-Westfalen und das war wunderschön da, aber ich wollte dann schon auch weg und ich habe mir Oxford ausgesucht. Und das ist natürlich sehr kompetitiv und da habe ich mir überlegt,
Joël Kaczmarek: okay, was kann ich denn ganz gut, was andere nicht so gut oft können. Und Mathematik war da naheliegend und ich bin auch einfach begeistert von Mathe. Von daher habe ich mich dann dafür beworben und das auch studiert. Und Konntest du das gut, weil das so eine Passion von dir ist? Oder war es so der dankbare Ausweg? Also manchmal baut man sich ja so eine Brücke weg vom Dorf, egal was es ist. Versus ich liebe das. Nee,
Saskia Meier-Andrae: nee, nee. Das war schon Passion. Das war schon große Passion. Für mich war Mathe, das war für mich wie jeden Tag Kreuzwort Rätsel lösen. Und ich glaube, wenn du mich kennenlernst, dann, wir kennen uns ja schon, aber wenn du mich noch näher kennenlernst, dann weißt du, dass so Rätsel lösen, auch so ganz haptisch so Escape Games machen oder so, das ist total meins, liebe ich. Ja, und deshalb war für mich einfach Mathe studieren, das war so super cool. Ich kann jetzt einfach drei Jahre oder vier Jahre lang einfach jeden Tag Rätsel lösen und am Ende noch ein Diplom dafür kriegen. Mega. Und dann auch quasi das Gutkönnen. Ja, das hat sich gut angeboten. Wobei man bei Mathe auch sagen kann, ich war nicht in allen mathematischen Feldern gut. Also Mathe ist auch ein sehr, sehr breites Spektrum. Ich war primär bei so reiner Mathematik, also Logik, Gruppentheorie, Analytik. Da war ich sehr stark drin. Sobald es super angewandt wurde oder Statistik, war ich auch nicht so der wahnsinnig Beste drin. Von daher auch da hat jeder seinen Steckenpferd.
Joël Kaczmarek: Feel you. Sag mal, wenn ich es richtig entsinne, du und ich waren ja mal auf der K5 zusammen auf der Bühne. Und ich meine, da waren doch auch deine beiden Eltern. Deine Mutter war doch auch was Akademisches, richtig? Genau, meine Eltern waren beide da und waren ganz stolz. Meine Mama war Lehrerin. Die hat ursprünglich Geschichte und Französisch studiert, war dann aber in Deutschland Englischlehrerin und mein Papa war theoretischer Physiker an der Uni Bielefeld. Crazy. Und also normalerweise, ich erlebe das so bei meiner Frau in der Familie, sind auch ganz viele Pädagogen,
Saskia Meier-Andrae: dass es ja so ein bisschen so ist, dass der Stab immer weitergegeben wird. Also hattest du viel Druck von zu Hause? So nach dem Motto, Kind, was machst du da? Geh doch in die Forschung, geh doch in die Schule, sowas?
Joël Kaczmarek: Ich glaube, ich hatte dynamische Unterstützung, würde ich sagen. Druck nicht, aber meine Eltern haben halt schon gesagt, hey, Oxford ist doch schon wirklich toll.
Saskia Meier-Andrae: Und eine Sache, die meine Eltern nicht gut gemacht haben, in Oxford musst du halt sehr, als Engländer musst du da drei A's haben im A-Level, was aber relativ okay ist, weil eine A ist effektiv eine 2+, das kriegst du hin. Aber weil die Engländer das deutsche System nicht verstehen, fragen die meistens nach 14 Punkten. Im Abi. Und wenn du das in drei, und du musst es halt in drei Fächern hinkriegen. Und da haben meine Eltern gesagt, das ist schon ein bisschen tricky, also du kriegst es vielleicht in Mathe hin, aber du kriegst es in allen drei Fächern hin. Und dann haben die mich halt encouraged, das englische Abitur in zwei Fächern, nämlich in Deutsch und Französisch, vorher schon zu machen, ein Jahr vorher. Das heißt, ich konnte mich in Oxford mit zwei A's bewerben und dann habe ich nur 14 von 15 Punkten in Mathe schreiben müssen. Also das meine ich mit dynamischer Unterstützung. Das war schon sehr proaktiv und ich fand das natürlich mega ungeil, weil all meine Freunde in der 12. Klasse da irgendwie schwimmen waren und ich so, jetzt muss ich A-Levels machen, was für ein Mist, aber ich bin im Nachgang so wahnsinnig dankbar. Von daher, ja.
Joël Kaczmarek: Wie ist denn das eigentlich an solchen Elite-Unis? Also das ist ja schon Top, Top, Top-Adresse in Europa. Ist die Qualität des Lehrstoffs da wirklich signifikant besser, weil auch irgendwie die MitschülerInnen alle signifikant besser sind? Oder ist es manchmal einfach auch so ein bisschen nur, also ich glaube, es sind ja auch relativ kleine Gruppengrößen. Ich habe einen Freund, der da hingegangen ist, der meinte, ja, du bist halt mit sieben Leuten da in einem Kurs statt mit 40. Das macht halt einen Unterschied. Also was würdest du denn sagen, ist so die Magic an diesem Ort, jetzt mal jenseits von dem?
Saskia Meier-Andrae: Von den Gebäuden, was schon viel der Magic ist. Ich glaube, es sind natürlich super interessante Leute da und ich glaube, was vor allem das ausmacht, ist, wie du sagst, die Qualität der Unterstützung, die du kriegst. Der Mathekurs, das waren, glaube ich, 40, 50 Leute waren in den jeweiligen Kursen drin, aber ich hatte einen Professor und zwei Professoren, die sich jede Woche eine Stunde mit mir und einem anderen Schüler hingesetzt haben. Also das ist quasi One-on-Two-Tutorials. Das kriegst du sonst halt nicht und das ist natürlich unglaublich, weil dir das so viel Mühe erspart, weil du einfach jemanden hast, der da irgendwie 30, 40 Jahre lang Erfahrung hat und du dem einfach eine Frage stellen kannst und dann kriegst du einfach einen unglaublich schnellen Lehrstoff. reingekriegt und auch, ja, und es macht einfach Spaß, in so einer Situation mit so einem altehrwürdigen Professor, in so einem Zimmer, was so holzvertefelt ist, dann über Mathematik zu philosophieren, also es ist natürlich traumhaft und deshalb,
Joël Kaczmarek: ja, fand ich das ganz, ganz toll. Und was war so dein Werdegang dann, also wie bist du dann in die Internetwelt, in die Businesswelt, in die Managerwelt gekommen? Not by design, wie kann ich das sagen? Ich hab Mathematik, ich hab Masters gemacht, war dann mit 22 fertig und fast Und all meine Freunde, viele von denen waren in Deutschland,
Saskia Meier-Andrae: die waren halt noch auf diesen ellenlangen Studiengängen, die man in Deutschland damals noch gemacht hat und waren irgendwie erst so halb durch. Und deshalb dachte ich, oh Gott, jetzt mit 22 irgendwie jetzt schon zu arbeiten. Und viele von den anderen Leuten, die mitstudiert haben, die sind irgendwie schon zu Goldman Sachs gegangen und was auch immer. Aber mit 22 habe ich mich so jung gefühlt, da habe ich gesagt, nee, ich will jetzt noch nicht hier weg. Ich promoviere noch. Und dann habe ich ein Stipendium bekommen und habe quasi promoviert dann für drei Jahre noch in England und war dann aber auch mit 25 dann mit der Promotion fertig. Also jetzt auch nicht so super alt. Ja, aber das war halt einfach gegeben. Durch vier Jahre Studium und drei Jahre Promotion, dann bist du halt mit 25 fertig, wenn du mit 18 anfängst. Und dann wusste ich aber irgendwie immer noch nicht, was ich machen wollte. Beziehungsweise ich wusste, dass ich nicht Akademie machen wollte. Das hat mir die Promotion dann doch gezeigt. Das hat zwar super viel Spaß gemacht, aber mein Leben lang wäre mir das zu monoton gewesen. Und dann habe ich das gemacht, was alle machen, die nicht wissen, was sie machen wollen, nämlich Beratung. Und dann habe ich zehn Jahre... Unternehmensberatung gemacht und war dann bei BCG im Berliner Büro und fand das einfach super. Ich meine, ich kam da super, super grün hin. Ich wusste wirklich nichts. Ich hatte noch nie eine P&L gesehen, gar nichts. Ich war wirklich reine Mathematikerin vorher und habe da dann dementsprechend in den ersten ein, zwei Jahren einfach unglaublich viel gelernt und vor allem sehr schnell einen Mentor gefunden, der damals Projektleiter war. der mich unter seine Fittiche genommen hat und der mir quasi meine grünen Ohren einmal ausgebügelt hat und mich da wirklich ja angezogen hat. Und dann war das eine phänomenale Zeit. Ich habe da auch viel, also ich habe da primär im pharmazeutischen Bereich gearbeitet, viel Tiergesundheit, viele Flohschutzbänder und Schweineimpfstoffe und sowas. Das war super spannend und habe das dann zehn Jahre lang gemacht und dann irgendwann Mh. Ich habe gesagt, jetzt möchte ich aber auch nicht mehr nur PowerPoint-Slides, jetzt möchte ich irgendwie was machen. Aber ich hatte bislang halt nur solche traditionellen Unternehmen gesehen. Wie gesagt, pharmazeutische Firmen, große industrielle Firmen. Und bei denen wusste ich, da will ich nicht auf der anderen Seite sitzen. Das bin nicht ich. Und dann habe ich einen Anruf bekommen von Wayfair, die ihr europäisches Headquarter in Berlin hatten. Und damals, 2017 war das, glaube ich, massiv das Team aufgebaut haben. Und die haben mir dann quasi einen Job angeboten. Und das war für mich halt eine super, super Opportunity. Vor allem, weil... Weißt du, wenn du in der Beratung bist, dann kriegst du halt schon öfters Jobs angeboten aus der Wirtschaft, aber das ist meistens so, hey, mach doch effektiv Beratung in-house, du kannst irgendwie unser Strategy-Team oder Business-Development-Team übernehmen und hast drei Leute. Aber das ist so ein bisschen same, same. Und die haben mich halt angerufen und gesagt, hey, willst du irgendwie ein Team von 50 Personen übernehmen und unser ganzes Brand-Creative, Brand-Marketing und PR-Team übernehmen? crazy, ich weiß nichts darüber. Und die so, no, no, but you'll be great. Die hatten halt sehr so eine Einstellung, so, nee, wir heilen jetzt nicht basierend auf Erfahrung, sondern auf Potenzial nach vorne. Und ich hatte halt riesen Respekt, als ich da reingekommen bin. Aber das kriegst du halt nicht so schnell. Wenn du aus der Beratung kommst, kriegst du nicht so schnell 50 Leute von einem Tag nach dem anderen als Team und einen kompletten Geschäftsbereich nur für dich. Und das war eine mega Opportunity und das war eine der besten Entscheidungen, die ich hätte treffen können. kann.
Joël Kaczmarek: Was immer, da bist du ja immer so in den, also was sagt man, das Gegenteil vom Nichtschwimmerbecken, so das Top-Athletenbecken, hätte ich jetzt gesagt. Also Oxford, Top-Adresse BCG, Top-Adresse Wayfair, krasser Einstieg gleich. Ist das so ein bisschen dein Naturell auch, dass du a, kompetitiv bist und b, vielleicht auch mal Sachen machst, auch wenn sie dir erstmal zu groß scheinen und versuchst dann da reinzukommen?
Saskia Meier-Andrae: Ich glaube, was... Eher der rote Faden bei mir ist, ist, dass ich mir immer Environments ausgesucht habe, wo andere smarte Leute hingehen. Das war eigentlich eher der treibende Faktor. Und dass das dann dementsprechend dann irgendwie Top-Adressen sind oder so, das hört sich jetzt so fürchterlich snobistisch an, aber es ging mir wirklich mehr um die Menschen. Ich wollte in einem Environment arbeiten, wo coole, smarte Leute sind und habe auch so ein bisschen das Vertrauen gehabt, okay, wenn andere Leute, die ich intellektuell respektiere und die ich irgendwie auch... ja auch menschlich respektiere, wenn die sich dafür entschieden haben, dann kann es ja nicht so schlecht sein als Entscheidung. Und irgendwie hat mich das ganz gut geleitet über die Jahre hinweg.
Joël Kaczmarek: Und sag mal, ich könnte mir vorstellen, dass viele Frauen jetzt zuhören und sagen, krasses Role Model, wow, super gut aussehend, super erfolgreich, krasse Position. Also ich spüre das immer so, wenn ich mich den Frauen in meinem Umfeld so mir so angucke. dass die immer so diese Poster-Chiles haben. Also die machen so Instagram auf und du kriegst ja Instagram, das ist ja so die Anleitung zum Unglücklichsein, kriegst immer gezeigt, was andere so haben. Ich fände mal ganz erfrischend, mal so deine Innenblick zu hören. Also wie hat denn sich das für dich angefühlt, so diese Reise so hoch an die Spitze?
Saskia Meier-Andrae: Ich glaube, als Frau willst du halt, du willst halt nicht unbedingt als, ach Mensch, die Frau immer abgestempelt werden. Deshalb ist es so ein bisschen so ein zweischneidiges Schwert. Aber du, rückwirkend geschaut, Ich glaube... In den seltensten Fällen war das relevant, ob ich Mann oder Frau war. Ich glaube, es gibt so ein paar Knackpunkte. Ich glaube, als ich ganz jung war bei BCG und da angefangen habe, gerade bei diesem traditionellen Unternehmen, da gab es ganz viele Momente, die weniger schön waren, wo ich dann aber ganz schnell einfach mich als Dr. Meier-Andrae und Mathematik und Oxford vorgestellt habe. Und das hat dann auch, ja, das musste halt so ein paar Karten ziehen. Und dann hören die auch auf. Also es gab da so ein paar Momente. Dann ist natürlich das ganze Thema irgendwie, ja, Arbeiten, nachdem du halt, ich habe zwei Kinder und war auch bei BCG zwei Kinder bekommen. Und wie du dann quasi zurück in die Arbeit gehst, das ist was, was auch, was Frauen dann eher stemmen müssen als Männer aufgrund der Rollenverteilung. Und darüber hinaus, jetzt ist es eigentlich weniger ein Thema. Also ich habe jetzt auch ein Führungsteam, was irgendwie 70 Prozent weiblich ist. Das sind alles super smarte, toughe Frauen. Trotzdem, würde ich sagen, sehr empathische Frauen, also auch Frauen, die wirklich Frau sind. Und ja, deshalb, ich glaube, das Thema wird weniger und weniger relevant, desto älter du wirst, in meiner Erfahrung zumindest.
Joël Kaczmarek: Ja, ich hoffe, weil ich frage das so, ich habe nämlich immer den Eindruck, dass gerade in dieser Tech-Bubble, also gerade wenn es technisch orientierte Produkte sind, ich will gar nicht dieses Gläser in der Decke sagen, Ich habe schon den Eindruck, dass es oft so ein ein unangenehmes Spiel war über lange Zeit für Frauen. Also dass es so ein Boys Club war, dass du da vielleicht auch mal blöde Sprüche dir anhören musstest. Deswegen finde ich mal ganz spannend, so eine Inperspektive zu hören von jemandem, der quasi genau auch, ich meine, du bist ja wirklich in so einer Phase bei Wayfair auch eingestiegen. Das war ja früh, also es war ja jetzt nicht 2025, sondern war ja genau in so einem Aufwärtsweg gerade. Ja,
Saskia Meier-Andrae: aber überall, wo ich war, habe ich auch immer mir Kulturen ausgesucht. Also ich habe gesagt, ich habe... Die Menschen haben mich halt immer geleitet. Und wenn ich mir die Firmen anschaue, BCG, Wayfair, eBay, das sind alles Firmen, die super starke, super gute, super diverse Kulturen haben. Und wo auch, wenn du einen Raum mit nur Männern hattest, die auch höflich und freundlich und empathisch miteinander gesprochen haben. Und deshalb hat das, glaube ich, ganz gut geklappt. Ich glaube, hätte ich andere Karriere, also ich glaube, es liegt oft nicht an der Person selber, wie hast du das geschafft, sondern was für Entscheidungen hast du denn getroffen, in was für Environments hast du dich denn injiziert. Ich habe mich mal bei so einem Women's Event auch, da haben sich verschiedene Frauen ausgetauscht. Da war auch eine Frau, die war bei einem bestimmten großen gestandenen deutschen Unternehmen. Und die hat halt darüber berichtet, wie das halt ganz fürchterlich ist und wie sie halt diese Herrenrunden haben und wie sie halt nicht durchkommt und gläserne Decke und all sowas. Und sie hat dann auch die Runde gefragt, ja, was soll ich denn machen? Und ich so, ja, kündigen. Nee, ganz im Ernst, ich will mir doch gar nicht das zur Last nehmen. Ich will doch nicht irgendwelche anderen Unternehmen da, irgendwie deren Transformationen da. Die sollen sich mal selber transformieren, dann können sie sich melden. Aber ich glaube, dann wirklich die Entscheidung zu machen, okay, in was für ein Environment initiiere ich mich? Und das sage ich auch immer wieder irgendwelchen Frauen, mit denen ich halt arbeite, oder generell Menschen, mit denen ihr sucht, euch die Leute aus, mit denen ihr arbeiten wollt. Und wenn die nicht eure Werte teilen und wenn die euch nicht unterstützen und ein inhärentes Interesse haben, euch zu fördern, dann sucht euch um Himmelswellen einen neuen Manager oder ein neues Unternehmen.
Joël Kaczmarek: Und wie erlebst du eBay da? Weil da hast du ja genau das perfekte Extrem. Das ist ja super amerikanisch. Also wenn ich so über eBay Leute reden höre, dann war das immer, ja, die Amis, die schreiben immer ganz groß so ihre Values auf die Wand. Das machen wir Deutschen ja nicht. Und da ist auch alles mal ganz bunt und da gibt es irgendwie für alles auch eine Regel, aber es ist auch sehr zentralistisch geführt. Also der Amerikaner ist der Boss und die Außendependenzen sozusagen haben zu folgen. Und dann auch wieder ganz krasse Regeln. Also ich weiß, ist auch glaube ich in Büchern niedergeschrieben. Wie Jörg Rheinboldt mir das damals erzählt hatte, meinte, ja du, wir haben teilweise Anrufe gekriegt, ja wir haben hier ein Thema wegen sexueller Belästigung oder Diskriminierung. Da meinte er, was, was ist denn los, oh mein Gott, ja da haben zwei Herren aus deinem Team einer Frau die Tür aufgehalten und den Männer nicht. So, ne, also alle Extreme hast du so ein bisschen dabei, dieses sehr compliant, dann wieder dieses sehr purpose, dann wieder dieses sehr bunt und so weiter und so fort. Also das ist mal so das Potpourri an Dingen, die mir zugetragen wurden, aber du sitzt ja mittendrin, wie fühlt sich denn diese Firma aus deutscher Sicht an?
Saskia Meier-Andrae: Für mich fühlt sich eBay in Deutschland, ja natürlich ist es eine amerikanische Firma und wir haben solche Elemente, die du gerade erwähnst, aber nicht ganz so krass. Aber es fühlt sich trotzdem auch sehr deutsch und sehr echt an. Also es fühlt sich nicht unnatürlich an. Ich glaube, es sind einfach nur Werte, wie du gesagt hast, die einen guten Umgang miteinander unterstützen. Und das finde ich gut. Und ich glaube, es ist auch eine Firma, was ich weiß, ist eine Firma, die auch wirklich Diversität nicht nur predigt, sondern auch... Weil das ist ja am Ende das, was zählt. Also man kann sich ja sonst noch was auf die Fahne schreiben. Aber was man macht und wie man agiert, das ist ja wirklich das, was einen ausmacht. Und als Beispiel ist mir letztens aufgefallen, jedes einzelne Land von eBay hat eine weibliche Geschäftsführerin. Also USA, UK, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, Australien, alles Frauen. Nicht bei Design, ich glaube einfach per Zufall. Und das ist jetzt vielleicht so überraschend, aber andererseits, wenn es jetzt alles Männer wären, wären glaube ich auch niemand überrascht. Aber das ist für mich, wenn du wirklich es geschafft hast, als Unternehmen eine Quality herzustellen, ist, wenn du sowas hast, jedes Land wird von einer Frau geführt und keinem fällt es wirklich intern auf. Also ist halt so, ist ja nett. Von daher, mir taugt die Kultur hier wahnsinnig, weil sie kollaborativ ist, weil sie offen ist, weil es darum geht zuzuhören, weil man auch Widerrede geben kann. Das ist eine Sache, wo sicherlich die deutsche Kultur manchmal auf die amerikanische trifft. Und ich auch manchmal sicherlich auch auf die Amerikaner treffe. Ich packe das dann immer so ein, dass ich sage, excuse me, I'm going to be very German here, but I have some concerns or I have some suggestions or some questions. Natürlich gibt es da kulturelle Unterschiede, aber alle sind sich deren bewusst und vor allem wissen alle, dass man gemeinsam an einem Strang zieht. Alle wollen das Beste für das Business. Da gibt es kein Ego, keine Politik, kein Bullshit. Und das ist auch, was ich sehr schätze.
Joël Kaczmarek: Ich habe mal eine Frage, bei der ich mir ein bisschen doof vorkomme, die zu stellen, aber ich frage das mal so ganz ehrlich. Erlebst du das, wenn Frauen in Führungspositionen sind, passiert dann auch das, was bei den Männern in der Vergangenheit leider oft so war, dass man sehr gleichgeschlechtlich wird? Also ist es dann auch so, dass du dann 70 Prozent deiner Abteilungsleiterinnen sind dann wirklich Frauen oder merkst du, dass Frauen diverser führen als Männer?
Saskia Meier-Andrae: Das ist eine große Frage. Ich weiß nicht, ob ich genug Daten habe, um das statistisch relevant zu antworten. Mir ist wichtig, dass ich ausgewogene Teams habe. Das kann sein, dass einerseits es 70-30 ist, dann ist es das nächste Jahr 30-70, aber generell würde ich immer auf die 50-50 zusteuern, weil es immer... bereichernd ist, wenn du beide Geschlechter hast. Aber es geht ja nicht nur um Geschlechter bei Diversität, es geht ja auch um, was für verschiedene Persönlichkeiten hast du. Du willst jetzt auch nicht zehn Extroverts da sitzen haben oder zehn Introverts. Du willst ja insgesamt, dass Leute mit verschiedenen Perspektiven, verschiedenen Meinungen, verschiedenen Ansichten und da ist männlich-weiblich nur eine von ganz vielen Dimensionen. Deshalb, ich würde mir immer mein Leadership-Team so bauen, dass ich halt diese Diversität und also diese Vielfalt in all ihren Dimensionen abbilden kann. Aber ich glaube, man muss immer gegensteuern, egal. Also es gibt so einen Tipping-Point, dass du glaube ich immer gegensteuern musst. Wie gesagt, entlang all dieser Dimensionen, dass du halt das Counterpart auch dabei hast.
Joël Kaczmarek: Ja, beziehungsweise ich erlebe es manchmal auch so, es gibt ja auch Leute, die eine bestimmte Energie haben. Also es kann ja ein Mann sein mit einer weiblichen Energie oder eine Frau mit einer männlichen Energie. Und genau wie du sagst, ich finde auch mal ein bisschen schade, dass wir solche Debatten immer sehr geschlechtsorientiert führen und nicht zum Beispiel nach Kultur, nach Hautfarbe, nach Religion, nach was weiß ich. Aber gut, nur mal so aus Neugierde heraus. Vielleicht letzte Frage, bevor wir mal so auf deine fünf Dinge kommen. Hast du dir so ein Thema überlegt, woran du gemessen werden willst bei eBay? Also ist es so, dass du so eine Art Mission für dich hast? Meine Mission ist, das Unternehmen nachhaltig zu wachsen. Das hört sich jetzt sehr breit an, aber eBay ist halt eine absolute Ikone der Digitalkultur. Das ist ein riesiges Unternehmen. Das ist seit mittlerweile 25 Jahren in Deutschland am Markt. Das ist Nummer zwei am Markt. Jeder kennt eBay. Und es hat eine unglaubliche Daseinsberechtigung,
Saskia Meier-Andrae: weil wir halt diesen Re-Commerce-Teil als so wahnsinnig großen Kern, 40 Prozent unseres Umsatzes, das ist mir nicht neu erwartet, das können, glaube ich, andere E-Commerce-Händler nicht für sich behaupten. Und Re-Commerce ist ein riesiger Wachstumsmarkt, das heißt eine wahnsinnige Daseinsberechtigung. Und diesen Kern zu nehmen, diesen jetzt schon sehr starken Kern,
Joël Kaczmarek: den zu nehmen und jetzt über die Jahre hinweg wirklich weiterhin nachhaltig zu wachsen, ist das, woran ich gemessen werden möchte. Und ich hoffe, wir sind da auf einem guten Weg. Guten Pfad. Ja, habe ich mir sicher. Na gut, aber dann lass uns doch mal eintauchen. Also fünf Dinge, die du gerne schon mit 20 gewusst hättest. Was ist so das Erste, was dir in den Kopf kam? Also ich bin ja halb Engländerin, von daher habe ich für jedes von meinen fünf Dingen mir einen snappy English Title überlegt.
Saskia Meier-Andrae: Und ich hoffe, deine Zuhörerschaft kommt damit klar. Aber ich finde das immer eingängig. Mein erster Punkt ist assume good intent. Also von guten Absichten ausgehen. Und ich kläre das mal ein bisschen. Also wann immer. Wenn immer du mit Teams arbeitest, sei es cross-funktionale Teams oder das Headquarter oder Kunden, es werden immer Momente passieren, wo du dir die Hände über den Kopf zusammenschlägst und denkst, oh Gott, was für Idioten, wieso haben die das und das gemacht? Hätte ich ja ganz anders gemacht. Und die Reaktion hatte ich halt oft auch, habe ich immer noch, wenn irgendwas passiert. Und ich habe dann halt nachgefragt und oft mit so einem vorwurfsvollen Ton. Und was ich gemerkt habe über die Jahre, ist, dass ich fast immer Unrecht hatte. von etwas Schlechtem auszugehen. Weil die meisten Leute, die sind keine Idioten. Die meisten Leute handeln sehr, sehr rational und treffen halt Entscheidungen, die in ihren Rahmenbedingungen, in ihrem Kontext halt total sinnhaft sind. Und fast immer war es so, wenn ich halt so nachgefragt habe, wie hast du das gemacht, dass ich dann erst mal erfahren habe, dass ich vielleicht nicht den ganzen Kontext kenne und nicht deren Motivationen komplett verstanden hatte und eigentlich mir am Ende ein bisschen doof vorkam. Und deshalb... versuche ich das jetzt immer anzunehmen, also wann immer ich irgendwas sehe und das passiert ganz oft, also vor allem in so einem großen Unternehmen, wo man mit ganz vielen verschiedenen Teams zusammenarbeitet, dass irgendwas hochpoppt, was dir in deinem wahrscheinlich recht schmalen Rahmen halt dämlich vorkommt, versuche ich jetzt halt immer mir diese These, so ist Jungel intent, dann rufe ich halt an und sage, hey, ich habe das und das gesehen, ich verstehe es nicht ganz, aber ich bin sicher, erklär es mir doch mal, wieso haben wir das so gemacht und nicht anders, aber ohne diesen Unterton. Ja, sondern wirklich einfach offen und curious. Und in neun von zehn Fällen lerne ich durch diese Frage, die ich dann ganz offen stelle, was, was mir halt einfach die Perspektive öffnet. Und im besten Fall merke ich, hey, das war eigentlich eine ganz coole Sache, weil wenn ich es so betrachte, macht das total Sinn. Und im schlechtesten Fall denke ich, ah, okay, nee, ist wahrscheinlich trotzdem nicht so eine geile Sache,
Joël Kaczmarek: aber die Person wusste nicht, weshalb und denen fehlte vielleicht Kontext. Aber auch dann hast du einfach keine Animosität und kannst es dann besser lösen. Ich kann total nachvollziehen, was du meinst. Ich bin einmal mit einem meiner Investoren in Konflikt geraten und da hat er zu mir gesagt, Joël, was soll das? Warum gehst du dann von diesem und jenem Vorgang aus? Das war gar nicht so. Ich kann dir einen Leitsatz beibringen. Don't assume, ask. Und das hat sich mir so eingebrannt. Dieses nimm nicht an, frage. Genau,
Saskia Meier-Andrae: und frag offen und echt curious. Und das ist ein Punkt, ich weiß gar nicht, am Anfang des Podcast gesagt, es wird sehr businesslastig sein. Das ist ein Punkt, der ich mir immer wieder vorstelle. den ziehe ich aber wirklich knallhart durch mein Leben. Und das trifft ja auch ganz oft auf irgendwelche Freunde. So der und der hat mich nicht zu seinem 50. Geburtstag eingeladen. Ja, das kann ja wohl nicht wahr sein. Was denkt die Person sich? Ja, aber vielleicht war es dann irgendwie doch nur eine ganz kleine familiäre Runde oder was auch immer.
Joël Kaczmarek: Meine Tochter kommt nach Hause und sagt, oh Gott, irgendwie ein anderes Mädel war ganz fürchterlich. Und ich so, na ja, aber vielleicht hatte die gerade irgendwie Stress mit ihren Eltern. Und jetzt deeskalier einfach mal, hör mal lieber zu. Ja, nicht alle sich hochschaukeln. Das ist für mich so das Goldenste, was ich gelernt habe. Ja, es ist lustig, weil ich war gerade im Begriff, dich zu fragen, ob du das auch im Privatleben anwendest. Aber dann lerne ich jetzt schon, also das geht sehr gut. Du gehst dann auch echt hin und fragst sozusagen nach, so ey, du sag mal, ich habe gehört, du wirst 50.
Saskia Meier-Andrae: Ja.
Joël Kaczmarek: Ist die Einladung verloren gegangen? Ich kann einfach sagen,
Saskia Meier-Andrae: du, ich habe gehört, alle anderen haben eine Einladung bekommen. Und es ist total cool, wenn du mich nicht einladen willst. Aber irgendwie, ich will das lieber ansprechen, als dass ich mich irgendwie gräme oder irgendwas falsch gemacht habe. Sagt doch mal. Sonst leidet die Freundschaft, wenn sowas Massives passiert. Das ist mir jetzt nicht passiert. Außerdem bin ich noch lange nicht auf irgendwelche 50. eingeladen. Aber so würde ich damit umgehen. Weil sonst baut sich so eine Missmut in einem auf. Und ich finde solche Sachen einfach ganz offen und möglichst ohne Angst, ohne Missmut zu lösen, ist das Beste.
Joël Kaczmarek: Das ist ganz lustig. Ich stand die Tage im Buchladen und hatte so ein Buch in der Hand. Ich glaube, das hieß irgendwie so sinngemäß, dieses Buch wird ihr Leben verändern. Sie werden lernen, sich mehr zu freuen und weniger zu ärgern. Und dann guckte ich mir das so durch. Es war wirklich ein gutes Buch. Und dann war ein Punkt das Thema Erwartungen. Und da hat er so beschrieben von einem Freund, der in Bayern, glaube ich, ein Restaurant aufgemacht hat, in einem relativ kleinen Ort. Und der war halt so total aufgeregt und dachte so, oh, mal gucken, wie die mich da aufnehmen. Ich komme aus einem anderen Ort. Und dann war er total begeistert zu erleben. Die freiwillige Feuerwehr hat dem geholfen, sein ganzes Lokal einzuräumen und hat da irgendwie getrommelt. Und dann machte der so auf und danach passiert aber irgendwie nichts mehr. Also das Ding ist total dahingedümpelt. Keiner kaufte was zu essen, keiner kam da rein, egal welches Angebot er gemacht hat. Und irgendwann durch Zufall sprach er mal irgendjemand an und sagte, ich verstehe das gar nicht, woran das liegt. Und dann sagte der, du, die sind alle voll sauer auf dich. Und er so, was, wieso, warum denn? Ja, weil du hast der Freiwilligen Feuerwehr kein Bier ausgegeben. Deswegen machen die das ehrlicherweise, dass die das Ding einhaben, die wollen Freibier haben. Das ist sozusagen hier so Usus. Und deswegen sind die alle voll pisst auf dich und deswegen geht keiner zu dir in den Laden. Und das war so ein typisches Beispiel von, du hast da Erwartungen und dann frag dich mal selber in deinem Leben, kommunizierst du mal alle deine Erwartungen an die Leute, ja oder nein? Und da muss ich gerade so dran denken an den Punkt. Und beobachtest du auch, ich stelle es auch öfters fest, Viele Leute machen es genau umgekehrt. Die machen nicht das, was du machst, assume good intent, die machen oft irgendwie assume bad intent. Ja, geht total. Also dann denken die, die werden mich eben ärgern und so, oder? Warum ist das so?
Saskia Meier-Andrae: Ich glaube, damit du assume good intent leben kannst, musst du relativ cool mit dir selber sein. Ja, weil vielleicht ist nicht immer, was du hörst, das, was du hören willst. Und du musst auch die Offenheit und die Ruhe haben, dich erstmal auf andere Leute einzulassen und wirklich zuzuhören. Ich glaube, ganz viele Leute sind oft relativ mit sich selber noch befangen. Ja, machen sich Sorgen um sich selber und wie sie selber rüberkommen etc. Und dann eckt natürlich irgendwas, da hat man nicht dieselbe Lässigkeit, um mit solchen Sachen umzugehen. Weil du brauchst schon Lässigkeit, du musst schon selber sehr so, okay, nee, ich geh jetzt mal in mich und passt schon. Und ich glaube, um diese Lässigkeit zu haben, musst du halt in dir selber ein bisschen ruhen und cool mit dir selber sein.
Joël Kaczmarek: Ja, da könntest du recht haben, weil ich beobachte auch öfters, es ist ja am Ende des Tages, aber du redest ja auch Fehlerkultur, was wir gerade als Thema ein Stück weit haben. Ich beobachte oft, wenn niemandem was Böses passiert, dass die Leute so aggressiv werden und die Leute so anschnauzen. Also, weiß ich nicht, Beispiel, Fahrradfahrer fährt zu dich in einem Auto vorbei, du machst gerade die Tür auf, um ein Haar wird der vom Rad gestochen, brüllen die dich an. Ey, du Arschlauch!
Saskia Meier-Andrae: Fahrradfahrer in Berlin sind eh die, ganz besonderer Schlag.
Joël Kaczmarek: Naja, aber es ist ja schon oft so, ich glaube jetzt nicht, dass der mit Absicht es darauf angelegt hat, dir in deine Tür zu fahren oder deinen Spiegel abzuhauen, sondern... Weißt du, so okay.
Saskia Meier-Andrae: Die Leute sind dünnhäutig.
Joël Kaczmarek: Aber Dünnhäutigkeit hilft dir selber eigentlich am allerwenigsten. Weil es einfach so super unsouverän rüberkommt. Und wie gesagt, du hörst dann halt auch nicht zu, weil du so mit dir selber zu befangen wirst. Aber geht es dir auch manchmal so, ich tue mich schwer, Leuten böse zu sein, wenn ich sie verstehe? Das ist ein ganz komisches Prinzip. Das ist ja quasi das. Also wenn du halt zuhörst und du verstehst, die wenigsten Menschen sind Idioten und die allerwenigsten Menschen sind böse.
Saskia Meier-Andrae: Also die meisten Entscheidungen, die meisten... Ja, Aktionen, die ich vielleicht nicht gut finde, kommen ja trotzdem aus irgendwelchen Motivationen wie
Joël Kaczmarek: Angst oder Sorge oder irgendwie Mangel an Selbstbewusstsein oder irgendwie sowas, was einem eigentlich schon mehr leid tut, als dass man da böse drauf ist. Ich habe darüber nachgedacht, ich könnte mir vorstellen, also entweder ist es auch, sagen wir mal, eine Entscheidung ist nicht so, wie du sie haben willst, dann ist es wahrscheinlich entweder Mangel an Information oder Informationen sind verfügbar, man kommt aufgrund der eigenen Vita aber irgendwie zu einem anderen Ergebnis. Man legt einen anderen Schwerpunkt.
Saskia Meier-Andrae: Oder halt andere Zielkonflikte. Die versuchen, etwas anderes zu optimieren als ich.
Joël Kaczmarek: Ja, stimmt.
Saskia Meier-Andrae: Ja,
Joël Kaczmarek: war's cool. Siehst du, das werde ich mir merken. Also super gut intent. Was ist dein zweiter Punkt?
Saskia Meier-Andrae: Mein zweiter Punkt ist wieder mit einem catchy Title. It's PR not ER. Also it's public relations not emergency room. Und das erkläre ich mal ein bisschen, was ich damit meine. Früher, als ich bei Wayfair war, da war einer der Bereiche, die ich am Anfang geleitet habe, PR. Und die PR-Abteilung lief meistens sehr smooth, aber es gab halt auch ein paar Momente, wo wir wirklich... voll im medialen Kreuzfeuer waren, wo du morgens aufwachst und dein Instagram-Account explodiert und die Kunden rufen dich an und alle sind sauer. Wegen Sachen, die unbegründet waren, aber es kam halt sehr viel auf. Und es war dementsprechend dann auch super high stress, vor allem, weil wenn sowas war, war es meistens global und dann hat es Deutschland getroffen, bevor die Amerikaner aufgewacht haben. Das heißt, ich als Deutschlandchefin habe quasi die volle Ladung abbekommen. Und in ein paar dieser Situationen, es gab eine besondere Situation, wo halt völliges Chaos ausbrach und ich sage es euch zurück. So shit, wie gehe ich jetzt damit um? Und meine PR-Chefin hat mich dann beiseite genommen und meinte, we need to calm down. At the end of the day, it's PR, not ER. Ja, im Sinne von, it's just public relations. Es ist nur Instagram. Es ist nicht, dass irgendwer dir in einer Notambulanz wegstirbt. Ja, es ist, what's the worst that can happen? Das ist so bei mir geblieben und das gebe ich auch immer an meine Teammitglieder weiter, wenn man halt so eine Situation hat, die halt irgendwie High Stress ist und wo es wirklich wichtig ist für das Unternehmen, aber am Ende des Tages, es hängt wahrscheinlich, vielleicht hängen ein paar Dollar dran, aber es hängt kein Menschenleben dran. Und das heißt nicht, dass man das nicht ernst nimmt. Also natürlich ist man bei solchen Situationen trotzdem voll dabei, aber du kannst zumindest die Emotionen und die Angst halt runterschrauben und sagen, okay, ich beweise meinen kühlen Kopf, wie gehen wir jetzt damit um und was ist denn wirklich das Schlimmste, was passieren kann. Und das finde ich auch hilfreich. Ich hatte, als ich in der Beratung war, du in meinem ersten Jahr, ich glaube, ich hatte da irgendeinen Zahlendreher auf irgendeinem Slide drauf. Joël, wie ich mir da, ich weiß noch, wie ich da irgendwie in der Küche saß mit so einer Tasse Kaffee und dachte, oh Gott, oh Gott, meine Karriere ist zu Ende und wie kann ich das machen und solche Schuldgefühle und so, wegen einem Zahlendreher. Ja, und ich bin schon eine Person, die Sachen sehr ernst nimmt und die auch Sachen richtig machen will. Also ich habe da auch so eine ehrgeizige Komponente. Deshalb mich treffen solche... Fehler oder Situationen halt auch schon sehr. Aber umso wichtiger ist es, dass du halt sagst, it's PR, it's not ER,
Joël Kaczmarek: it'll all be fine am Ende des Tages. Es stirbt mir keiner weg. Ich glaube, ich wäre auch ganz furchtbar in der Notaufnahme gewesen. Nicht mein Job. I'm a doctor, but not a doctor of medicine. Genau. Das kommt auch immer im Flugzeug. Is there a doctor here? Or are you a doctor? No, no, no, really not. Ich habe Bioinformatik gemacht,
Saskia Meier-Andrae: nicht Medizin.
Joël Kaczmarek: Ja, krass. Ich meine, ich denke gerade darüber nach, ich glaube, das ist beim jungen Menschen wahrscheinlich sogar auch nochmal krasser, was du gerade beschreibst, weil deren Leben passiert ja nicht selten rein virtuell, also manchmal traurigerweise. Ich lese gerade so ein Buch über Kinder und das Smartphone und dann kriegst du ja mit, wenn die da gemobbt werden zum Beispiel in irgendwelchen WhatsApp-Gruppen. Also das sehen halt alle, das ist sozusagen die Agora des Schulhofs. Die bis Ende des Tages weitergeht, weißt du, im Schulhof. Ich hatte auch sicherlich meine...
Saskia Meier-Andrae: Mobbing-Momente als Kind. Aber da bin ich halt um 13.10 Uhr aus der Schule rausgekommen und dann war Schicht. Aber das WhatsApp bleibt halt ja bis 21 Uhr. Das ist ja den ganzen Tag.
Joël Kaczmarek: Es muss fürchterlich sein. Ja, ich habe gelernt, also ein Kind, die durchschnittliche Anzahl an Nachrichten pro Nacht. Hast du eine Schätzung? Meine Tochter hat noch kein Smartphone, von daher bin ich noch befreit. Ich weiß nicht, 5? Hängt zwei Nullen dran, dann bist du richtig. 500 pro Nacht. Pro Kind? In so einem Gruppenchat. Also, Vor dem Hintergrund finde ich das aber dein Punkt eigentlich umso wichtiger, sich das mal klar zu machen. Auf der anderen Seite hat es natürlich einen neuen Drall auch nochmal gewonnen, weil Instagram, so Profile bauen, virtuell sichtbar sein. Wie erlebst du das so in deinem Umfeld dann auch? Also ist so diese virtuelle Realität, die wir alle aufbauen, bei den Menschen, hat das einen großen Impact?
Saskia Meier-Andrae: Also ich persönlich bin eigentlich fern von Social Media. kein Instagram, ich habe ein Instagram-Kanal, ich logge mich da nie ein, ich habe meine Facebook-E-Mail-Adresse, die ist von meinem vorherigen Arbeitgeber, da kann ich mich gar nicht mehr einloggen. Ich mache ein bisschen LinkedIn, aber ich selber liebe das echte Leben zu viel und vor allem habe ich, glaube ich, Angst vor der FOMO. Also Fear of FOMO ist bei mir der größte Motivator, nicht online zu gehen, nicht in Instagram- Kanäle reinzugehen, weil da siehst du ja nur wunderschöne Menschen, die phänomenale Leben haben und tolle Reisen machen und du selber denkst, Das ist aber mein Leben nicht und das macht dann traurig und das will ich nicht. Oder du fängst selber an, den ganzen Mist mitzumachen und postest nur von deinen Megamomenten und nicht, wenn dein Sohn 39 Fieber hat. Aber das fühlt sich ja auch total falsch an. Von daher mache ich das einfach selber nicht. Aber ich weiß natürlich auch, dass es für ganz viele Menschen und vor allem für die jungen Generationen ein absolut integraler Teil von ihrem Leben ist. Von daher aus Business-Sicht als eBay. Schau mir das natürlich schon Social Media enorm intensiv an. Das ist natürlich ein absoluter Wachstumskanal und da musst du aktiv sein. Aber ich persönlich bin da ein bisschen leiser unterwegs.
Joël Kaczmarek: Das ist genau das, was du beschreibst, was ich auch erlebe. Also ich habe immer noch nicht geschafft, mir diese Doku auf Netflix mal anzugucken zu den ganzen Social Networks, wo es ja aber wirklich darum geht, deine Attention Span eigentlich die ganze Zeit, die Eyeballs irgendwie einzufangen. Es ist genau so, wie du sagst. Also ich erlebe das ganz oft, dass Menschen so kreuzunglücklich sind, weil sie denken, wow, wow, der Typ daneben an. Der hat ja das Raketen-Live und ich bin hier so pennerhaft unterwegs. Und da kriegst du mit, ist gar nicht so. Also ich finde manchmal lustig, kennst du das, wenn du in so einer, weißt du, du sitzt in so einer Rooftop-Bar, wie ich gerade war in Vietnam. Und dann siehst du jemanden, der sich da so voll begeistert, Selfie-mäßig im Hintergrund. Und dann fällt das Handy runter und der Gesichtsausdruck, der freest so. Also es ist gar nicht, dass die dann weiterlächeln und sagen, yeah, ich bin hier auf einem so schönen Ort. Sondern es ist dann so, okay, fertig, nächste, lass mal das Schnitzel essen so.
Saskia Meier-Andrae: Ja, genau. Und dann parallel denke ich mir. Was für ein armes Würstchen wäre ich denn, wenn ich jetzt hier diesen einen Moment, der jetzt ja super cool ist, aber ich komme auch gerade aus dem achtstündigen Business-Meeting raus, das war jetzt irgendwie weniger sexy, wenn ich jetzt nur diesen Moment poste und dann sage, oh wow, look at me. Das ist ja auch nicht mein Leben. Der Großteil ist halt sehr unglamourös von den meisten Leuten wahrscheinlich.
Joël Kaczmarek: Hast du eine Empfehlung? Also wenn du jetzt ein junger Mensch wärst, wenn du jetzt, sag ich mal, gerade in die Berufswelt gestartet wärst, wie würdest du so mit Social umgehen, wissend, dass es auf der einen Seite ein wichtiges Werkzeug ist, auf der anderen Seite so eine... Ja, so ein schwieriges Unterfangen.
Saskia Meier-Andrae: Ich weiß wirklich nicht, ob ich da die kompetenteste Person bin, um da, ich glaube, was immer man macht, sicherzustellen, dass man irgendwie 90 Prozent der Zeit in der realen Welt lebt und da aktiv ist und mit echten Menschen. Weil ich meine, man kann sehr viel Zeit investieren, sein Medien-Image zu optimieren, aber am Ende des Tages, du wirst nicht eine Beförderung kriegen oder einfach besser werden in deinem Job, weil irgendwie du viele Likes auf Facebook oder auf LinkedIn hast. Ja, das interessiert am Ende des Tages. eigentlich niemand. Und deshalb, ja, kann man gerne machen. Hilft, glaube ich, primär dem Ego und deinem Selbstimage. Aber am Ende des Tages ist, glaube ich, wie du like how you show up in deinem Team, bei der Arbeit, bei deinen Freunden, bei deiner Familie, all das sagt viel mehr über dich aus, als ob du virtuell viele Follower hast, wäre meine persönliche Meinung.
Joël Kaczmarek: Ich finde es eine erfrischende, angenehme Haltung von dir, weil Ich glaube, ich bin immer in so einem Sondergame drin, weil mein Business ist ja leider immer auf Reichweite gebaut. Nein, das ist dann... Aber deswegen finde ich das erfrischend, dass eigentlich nochmal so, hey, das echte Leben ist hier der Spaziergang und ist irgendwie das Team, dem du Zuverlässigkeit signalisierst und nicht, dass du 5000 Follower mehr auf LinkedIn hast oder weniger.
Saskia Meier-Andrae: Naja, es gibt halt einige Menschen, die halt ein Business daraus gemacht haben und für die ist es natürlich kritisch, aber das trifft ja auf die allermeisten Leute nicht zu. Die allermeisten Leute haben einen normalen Job. in einem normalen Unternehmen und da kann man das nebenbei machen, wenn es einem Spaß macht und wenn es sich halt in Grenzen hält und wenn man dadurch Freude gewinnt. Ja, man sollte halt immer das machen aus einer positiven Sache heraus. Ja, wenn ich das super geil finde, dann mach das gerne.
Joël Kaczmarek: Aber man muss es, glaube ich, nicht machen, um erfolgreich zu sein. Ich glaube, es zielt nicht unbedingt auf deinen beruflichen Erfolg ab und es soll halt Spaß machen. Und wenn die Sachen gegeben sind oder da das richtige Verständnis herrscht, dann ist es ja fein. Und ich glaube auch diejenigen, die es zum Beruf gemacht haben, das ist manchmal ganz schöner Scheiß, wenn du da immer im Algorithmus... Rhythmus folgen darfst. Von daher feel you. Ich meine, jetzt ist das erste Mal, dass ich so wirklich LinkedIn mache und wenn ich da dann irgendwie höre, so nee, du musst irgendwie vor 9 Uhr posten und dann musst du irgendwie erst kommentieren und dann liken, dann habe ich schon keinen Bock mehr. Also nein, ich mache das natürlich alles. Ich mache es dann auch gerne und das ist auch wichtig,
Saskia Meier-Andrae: aber das ist so ein bisschen, wo ist die Welt hingekommen? Über was für Sachen wir sprechen.
Joël Kaczmarek: Total. Total. Ich habe mittlerweile eine KI gebaut bekommen, die mir zumindest Fotos macht. Dann muss ich mir schon nicht mehr den Stress machen, mich dauernd in Posen zu setzen. Das ist doch gut. Komm, dein drittes Ding. Dein dritter englischer catchy phrase.
Saskia Meier-Andrae: Mein dritter englischer knackiger Begriff ist, don't judge a job by its cover. Und das spielt darauf an, in meiner Beratungszeit gab es sehr viele sexy Projekte, die Leute hatten. Das waren meistens nicht die Projekte, die ich hatte. Aber die Sexy-Projekte, das war halt bei irgendwelchen Sneaker-Filmen oder E-Commerce-Fashion-Playern, also coolen Unternehmen. Und ich habe halt irgendwie bei Implantatsunternehmen oder wie gesagt irgendwie die Schweineimpfstoffe gemacht. Und ja, die haben sich dann immer weniger für Begeisterung bei den Leuten gesorgt, wenn ich davon erzählt habe. Aber die Projekte waren oft die besten. Das waren Themen, die immer intellektuell spannend waren, auch wenn das Kundenumfeld jetzt so ein bisschen verstaubt war. oder nicht glamourös und vor allem auch zu dem Punkt, es war immer mit den besten Leuten, super, super Teammitglieder, von denen ich wahnsinnig viel gelernt habe und mit denen ich wahnsinnig viel Spaß hatte und deshalb würde ich das nicht missen. Mein bestes Beispiel für dieses Don't judge a job by its cover, als ich bei Wayfair war, habe ich, vor Jahren, war ich dann General Manager von unserem Luxury- und Designmöbel. Bereich. Und das war wow, das war für mich, ich war angekommen, es war herrlich. Ich war nur in Diskussionen mit irgendwelchen Luxury-Brands und ich war auf der Salone Möbelschau in Milan und bei Three Days of Design in Kopenhagen und ich habe es geliebt. Da habe ich irgendwann den Anruf bekommen, wir ziehen uns jetzt für Luxury aus dem europäischen Markt zurück und dementsprechend ist quasi die Rolle dann weggefallen. keine Sorge, wir haben eine andere Rolle für dich und zwar als General Manager für Heimwerksbedarf und Sanitärwaren. Das war dann wirklich ein ziemlicher Bruch von den Designmöbeln, was war es, Akkuschrauber, Waschmaschinen, Kloschüsseln, Jacuzzis und Saunas und Leuchten. Lampen waren das Sexieste in meinem Portfolio. Das war echt schön. High end of glamour. Da dachte ich halt auch so, boah, so ein Scheiß. Aber es war der geilste Job. Es war so super. Ich habe so viel gelernt in den, ich habe es zwei Jahre gemacht und habe dann quasi die Deutschlandgeschäftsführerposition angenommen. Oder nee, ich habe es ein Jahr gemacht und dann die Geschäftsführerposition. Und ich habe so wahnsinnig viel gelernt. Ich habe wahnsinnig viel mit den Händlern zusammengearbeitet. Das war das erste Mal, wo ich so richtig ganzheitliches Category Management übernommen habe. ein großes Team geleitet an Sales-Managern, Account-Managern. Und das war, glaube ich, fast eigentlich der geilste Job, den ich bislang hatte. Inklusive der Kloschlüssel-Messen. Und deshalb ist es halt oft so, dass diese Sachen, die halt so super unsexy sind. Ich weiß noch, wo ich meinem Mann beim Abendessen sage, ich saß und ich so, kannst du glauben, was ich jetzt machen soll? Und ich will es nicht. Und er meinte ja so, nee, das musst du machen. Das hört sich super cool an und du bist da super drin. Du wirst wahnsinnig viel lernen. Dann habe ich quasi sofort den Hörer abgenommen und gesagt, weißt du was? Nee, hört sich super an und mache ich gerne. Und dann, genau.
Joël Kaczmarek: Vielleicht war das so der Einstellungstest. Lass mal gucken, was passiert, wenn wir ihr die Designmessen in Milano wegnehmen und Gas, Wasser, Scheiße stattdessen geben.
Saskia Meier-Andrae: Genau, ist sie dann immer noch dabei. Aber ich habe das auch ganz oft bei Teammitgliedern, die halt auch irgendwie sich so ganz kompakt, die halt irgendwie eine Rolle machen, die sich halt irgendwie, ja, die wahrscheinlich auch super cool ist und Spaß macht. sich auch nett anhört, dann gibst du denen halt was anderes und dann die initiale Reaktion ist so, oh nee, das ist ein doofes Thema. Also ganz viele Leute sind auch begeistert, aber ab und zu hörst du halt schon so, oh nee, das ist ein doofes Thema und kenne ich mich nicht mit aus oder ist nicht meins. Ich sage dann auch mal so, Leute, verbreitet euren Horizont. Nimm nicht an, wer ist denn überhaupt der Manager auf dem Team? Wenn das ein cooler Manager ist, dann ist es völlig egal, was das Thema ist. Völlig egal. Ich würde jedes Thema hier im Unternehmen übernehmen. Das ist alles spannend. Am Ende des Tages sind es alles Probleme,
Joël Kaczmarek: die gelöst werden müssen. Das Wichtigste ist, dass du mit Menschen zusammenarbeitest. Und alles andere ist, ob ich jetzt eine Strategie für Waschmaschinen, Schweineimpfstoffe oder Rolex-Armbandwohnen mache, ist alles gleich sexy. Es ist immer eine Strategie für ein cooles Produkt. Ja, vor allem ist ja der Impact vielleicht manchmal sogar ein ganz anderer. Also so doof das klingt, aber Kloschüsseln braucht jedes Haus. Das Designsofa vielleicht nicht.
Saskia Meier-Andrae: Ja, genau. Genau. Nee, deshalb, ich glaube, da ganz, ganz offen sein und seinen Horizont zu erweitern und neue Sachen auszuprobieren. Und am Ende des Tages so stärkst du halt auch dein Profil. Also jemand, der ganz viele verschiedene Sachen gemacht hat und bewiesen hat, dass man in ganz unterschiedlichen Bereichen erfolgreich sein kann. Das ist ja auch jemand, den ich dann gerne auch einstelle und mit dem ich dann gerne auch zusammenarbeite, weil es ist ja eine viel buntere, vielfältigere Person vom Hintergrund her.
Joël Kaczmarek: Hast du trotzdem für dich so eine Art, also ich überlege, wie ich das jetzt formuliere, brauchst du trotzdem eine Technik, um dich auf sowas einzulassen oder fiel dir das immer sehr leicht? Also du hast ja selber gerade gesagt, du saßt am Kotzen da und dein Mann hat dich motiviert.
Saskia Meier-Andrae: Also in der Beratung, ich meine, ich habe zehn Jahre Beratung gemacht, da lernst du natürlich das Handwerk, dich sehr schnell thematisch in Sachen reinzufuchsen. Das heißt, wenn mir jetzt jemand eine neue Funktion... gibt und ich habe oft dann neue Aufgabenbereiche übernommen. Ich kann mich da, ich meine auch jetzt, ich habe halt jetzt alle verschiedenen Aufgabenbereiche quasi unter mir in meiner Rolle. Da muss ich mich auch ganz, von denen ich nicht alle kenne oder immer noch kennenlerne, da muss ich mich auch immer dann halt tief reinfuchsen. Und das habe ich, glaube ich, ganz gut als Handwerk, würde ich sagen, in der Beratung gelernt. Und dann das andere, also über das Handwerkliche hinaus, übernimmst du ja dann immer neue Teams und neue Menschen. Und da, glaube ich, die Fähigkeit zu haben, durch viel Zuhören, durch viel Fragen stellen, durch auch selber thematisch tief reingehen und nicht irgendwie hier oben schwirren, sondern wirklich so, nee, nee, jetzt zeig mir mal das zu und jetzt zeig mir mal das Excel und wieso hast du das gemacht? Und also wirklich nachfragen und tief reingehen, da schnell das Vertrauen aufbauen zu den Menschen, hilft dir, glaube ich, auch dann sehr schnell, solche neuen Themenbereiche zu übernehmen.
Joël Kaczmarek: Erinnert mich auch ein bisschen daran, es gab mit Jim Carrey mal diesen Film der Jahrsager. Also der hatte so eine Art, ich weiß gar nicht, ob es eine Wette war oder so, der musste zu allem immer Ja sagen. Und ich glaube, der war bei so einem Workshop, wie es bei den Amis immer ist, wenn die dann immer in diesen Räumen sind und alle jubeln so und heben die Fäuste. Und die hatten so einen Flyer und da stand immer drauf, say yes to opportunities. Und diese Art Vereinigung hat dann wirklich so eine Aufgabe, du musst zu allem Ja sagen. Und der war halt genau in so einer Situation, dass er so ganz viele Sachen hatte, die er so richtig zum Kotzen fand. So, hey, hast du Lust mit mir nach Las Vegas zu fahren und da irgendwie den Strip zu fegen? Ja, okay. Aber es war genau das, was du gerade beschrieben hast, diese Vielfalt, die sich dann einstellte.
Saskia Meier-Andrae: Genau.
Joël Kaczmarek: Spannend. Na gut, was ist denn der vierte englische catchy Phrase?
Saskia Meier-Andrae: Der ist weniger catchy, muss ich sagen, aber ich führe jetzt nichts Besseres ein. Shortcut Pattern Recognition. Und das erkläre ich jetzt auch mal. Also als ich angefangen habe, also vor allem als ich diesen Switch von BCG zu Wayfair gemacht habe, war das erste Mal, dass ich Team... übernommen habe und ein großes Team. Und ich habe das völlig unterschätzt. Ich hatte ja zehn Jahre Erfahrung, hatte natürlich bei BCG auch viele Teams geführt und dachte, ich bin ja so eine tolle Leaderin, ich kann das ja alles ganz super. Und dann bin ich halt bei Wayfair da reingekommen, hatte 50 Leute und habe relativ schnell gemerkt, dass ich wirklich überhaupt keine Ahnung habe von wirklicher Leadership. Ich hatte noch nie wirklich jemanden eingestellt, ich hatte noch nie wirklich jemanden. weiterentwickelt. Ich hatte noch nie jemanden gehen lassen und da eine schwierige Entscheidung treffen müssen. Und ich hatte Leute auf meinem Team, die per se eigentlich viel weniger Arbeitserfahrung hatten als ich, aber viel mehr Leadership-Erfahrung. Und das war für mich wirklich was, was mir dann bewusst wurde und was mir auch bewusst wurde, ist, dass du kannst es halt nicht total shortcutten. Das ist halt schon, also Leadership ist schon ein Muskel, den du aufbauen musst, wo du einfach ein paar Fehler selber machen musst, wo du einfach mal eine schlechte Entscheidung treffen muss bezüglich, wie ich ein Team aufsetze und dann merken, okay, das war jetzt nicht so geil, dann machst du das nächste Mal besser. Also ein paar Sachen musst du einfach selber einmal durchmachen, um das zu lernen, aber du kannst es ein bisschen shortcutten, denn viel von People-Themen und von Leadership-Themen ist Pattern Recognition, ja, also dass du einfach Muster wiedererkennst und sagst, okay, warte, das ist so ähnlich wie diese andere Situation, da ist das und das irgendwie schiefgelaufen, dann mache ich das hier anders, dass du solche Learnings halt anwendest. Da du selber aber diese Erfahrung noch nicht hast, aber es gibt ja ganz viele Leute um dich herum, die diese Erfahrung schon haben. Und da war für mich einer der eingängigsten Momente, als mein Mentor, der damalige Europachef, mich angerufen hat und meinte, hey, du hast noch nicht so viel Leadership Experience, aber du hast ein gutes Gefühl und eine gute Empathie, du hast all die Grundvoraussetzungen. Wenn du mal mehr als fünf Minuten über so ein Thema nachdenkst, wo du nicht weißt, wie du es machen sollst, ruf mich einfach an, weil im Zweifel habe ich das schon 20 Mal erlebt und ich sage dir dann mal, wie ich es angehen würde. Und das meine ich mit Shortcut Pattern Recognition, wo ich mir einfach das
Joël Kaczmarek: Wissen, das Pattern Knowledge von anderen aneignen kann, um mein eigenes Lernen zu beschleunigen. Ich finde es total charmant und weiß genau, was du meinst. Das ist manchmal so, wie so Leuchttürme. Da blitzt so ein Licht auf und dann denkst du, wait a minute. Und beim zweiten, dritten, vierten ergibt es auf einmal so ein Bild, wie so eine Sternenkarte. und dann merkst du, ah, okay. Ich bring dich zum Beispiel so ein Beispiel an, wo du so so Patterns hast, wo du sagst, okay, das habe ich da mal erlebt und dann beim zweiten Mal war ich fitter?
Saskia Meier-Andrae: Ja, also ich glaube, eine Sache, wo ich jetzt wirklich sehr viele Patterns habe, ist Transitions, also einfach Umstrukturierung von Teams. Gar nicht mal unbedingt mit Effizienzen bezogen, aber wie man Teams umstrukturiert. Das erste Mal ist es halt so total open für dich und du hast es noch nie wirklich gemacht und du versuchst irgendwie so, dass das so alles logisch zu erklären, wie jetzt genau die Kommunikationsreihenfolge ist. Aber es gibt so ein paar Podcast. oder so ein paar Sachen, die sind dann irgendwie offensichtlich, wenn du einmal den Fehler gemacht hast. Aber das ist schon so ein Pattern, den du dir aufbauen kannst. Okay, wenn ich jetzt irgendwie eine große Transformation mache, lass mich erst mal sicherstellen, dass ich, bevor ich das irgendwie groß announce, erst mal die ganzen Leader abhole, dass die Bescheid wissen, dass die sich eingebunden fühlen, dass ich nicht nur das, was sich ändert, kommuniziere, sondern auch das, wie es sich verändert. Also einfach solche Sachen, wo du einfach merkst, ja, das ist wie gesagt alles, das ist jetzt keine Rocket Science, aber wenn du das schon mal gemacht hast, dann kannst du das einfach sehr viel besser. das nächste Mal machen. Oder Feedback-Gespräche, wie du kritisches Feedback übermittelst. Das ist auch wirklich eine Kunst und das musst du selber ein paar Mal schlecht gemacht haben und gemerkt haben, wie schlecht sich das für die Person anfühlt und wie schlecht sich das für dich anfühlt, wenn du da nicht super gut vorbereitet bist, wenn du da nicht bevor du das Feedback gibst, die Person fragst, hey, ist es okay, wenn ich dir Feedback gebe, wenn du nicht ernsthaft transportierst, dass auch dieses kritische Feedback du überträgst, weil dir an der Person was liegt und du willst, dass sie wächst und dafür muss sie das halt hören, auch wenn es schwierig ist. Also diese Punkte, das musst du halt ein paar Mal durchgemacht haben, damit das in dir ein Muskel ist, den du halt dann immer wieder benutzen kannst. Aber andere Leute können dir halt schon mal Hinweise darauf geben, damit du nicht voll in die Wand läufst.
Joël Kaczmarek: Ja, ich meine, was ich von dir jetzt auch schon mal gelernt habe, ist, dass du mit Mentoren arbeitest. Also das machen ja viele Leute nicht, was ich dann irgendwie immer schade finde. Wie war das denn für dich? Also wonach hast du die Menschen ausgesucht, von denen du sagst, okay, das finde ich interessant, das gibt mir was, was die Person mir beibringen kann? Ich benenne die jetzt im Nachhinein als Mentoren, aber ich glaube nicht, dass ich jemals bei denen an der Tür geklopft habe und gesagt habe, möchtest du mein Mentor sein. Das waren einfach mehr Menschen, die wichtig waren in meiner Karriere. Das waren oft meine Chefs oder Peers, die ein Level höher waren,
Saskia Meier-Andrae: wo wir einfach ganz... organisch zueinander gefunden haben und wo der Kontakt, würde ich sagen, aber auch nie nur in eine Richtung ging. Also es war auch dann beidseitig. Ich habe denen dann auch Tipps gegeben, so hey, in der Belegschaft kommt jetzt gerade das und das Thema irgendwie gerade groß und ich glaube, das hast du nicht ganz auf dem Schirm oder du hast das und das gesagt und das kam nicht so gut an und es war schon auch immer eine beidseitige Partnerschaft. Aber das sind schon, es gibt so ein paar Leute bei mir und das waren meistens die Leute, mit denen ich sehr viel zusammengearbeitet habe und denen ich auch gefolgt bin. was glaube ich für beide von uns dann gut war.
Joël Kaczmarek: Also kennst du das, wenn man manchmal Dinge erlebt und nimmt die so wahr, aber es braucht so einen Moment, wo du dann erstmal drüber nachdenkst und sie einordnest, weil das hab ich grad so. Ich hab das öfters schon beobachtet, dass speziell Kerle irgendwie sagen, so nee, ich hatte nie einen Mentor, der hat mir mal ein bisschen geholfen, aber mhm. Ich persönlich finde das eigentlich eine Schwäche. Also wenn man sich nicht von anderen was beibringen lassen kann und nicht in der Lage ist zu sagen, ja wow, wenn die nicht gewesen wäre, hätte ich den Job um 40% schlechter gemacht oder wäre ich nie dahin gekommen, wo ich heute bin. Ich finde, es ist eine Stärke, sich von anderen Leuten da sowas einzuholen.
Saskia Meier-Andrae: Total. Und ich meine, ich würde sogar noch weitergehen. Das ist nicht nur, dass die einem was beigebracht haben, die haben einen mitgezogen. Ja, weil wenn du jemanden, wie gesagt, der eine Mentor, den ich hatte, der war damals Projektleiter bei BCG, aber der ist dann nachher Partner geworden. Und der hat mich dann immer auf seine Projekte mitgenommen, weil ich auch gute Arbeit gemacht habe und wir gerne zusammen gearbeitet haben. Das heißt, abgesehen davon, dass es dir bei deinen Fähigkeiten und deinem Personal Development hilft. Das hilft dir auch einfach ganz faktisch in deiner Karriere, weil du bist im Rückenwind von jemandem, der, also hoffentlich hast du dir einen guten Mentor ausgesucht, aber du bist dann halt im guten Rückenwind und profitierst dann davon. Ich meine, am Ende des Tages, wenn du befördert werden willst, dann müssen Leute dich vorschlagen. Und dann musst du irgendwem wichtig sein. Und idealerweise wichtig, weil du gute Arbeit geleistet hast und weil die eng zusammengearbeitet hat und weil du die Ratschläge holst von dem. Und das sind alles Sachen, die ich unter Mentorship verstehen würde.
Joël Kaczmarek: Ja, guter Hinweis. Stimmt. Weil irgendwie die meisten Leute denken, man muss sich so einkratzen und einschleimen, wenn es ausgeschrieben ist. Aber die Messe wird viel vorher gesucht. Ja, nee, ich weiß nicht. Also ich glaube, die Leute, die ich respektiere, da würdest du mit einschleimen nicht weit kommen. Ich glaube, die schauen auf Substanz und Content. Aber da musst du dann halt leisten. So, fehlt noch eins. Was ist denn der letzte Punkt? Der letzte ist wahrscheinlich einer, den hoffentlich viele Leute sagen, aber das ist auch wirklich was,
Saskia Meier-Andrae: was ich immer noch lernen muss. Und das ist dieses Care for Yourself. Das ist halt wirklich bei all dem Fokus auf die Arbeit, bei all der Wichtigkeit und bei alles, vor allem wenn du ein Mensch bist wie ich, wo Sachen, die mir wichtig sind und gerade Probleme oder Challenges oder Opportunities, die halt komplex und spannend sind, die nehmen mich auch ein und die nehme ich dann auch mit nach Hause und da denke ich dann immer nach, weil ich es spannend finde. Bei all dem muss man trotzdem sicherstellen, dass man auch auf sich selber achtet. Ja, auch dieses Ding, it's a marathon, it's not a sprint, es hilft mir halt nicht. Natürlich gibt es Momente, wo du richtig hart reingreifen musst und wo du dann auch irgendwie lange arbeiten musst und all das ist klar. Aber in den allermeisten Fällen ist es wichtig, dass du halt super effizient und effektiv arbeitest, aber auch ein gesundes Privatleben hast. Und jetzt halt für dich selber Sport zu machen oder mit deiner Familie zu sein oder mit deinem Mann zu sein, das hört sich jetzt alles so banal an. Aber dir selber die Permission zu geben, das ist... nicht nur eine Frivolität ist, das zu machen, sondern dass es absolut notwendig ist, das zu machen. Weil am Ende des Tages, wenn das klappt und wenn du das hinkriegst, dann machst du auch einen besseren Job. Das heißt, du tust dem Unternehmen was Gutes und das wirklich zu verinnerlichen, finde ich schon eine wichtige Sache.
Joël Kaczmarek: Frivolität finde ich ein gutes Wort, weil es stimmt, dass ich das, also gerade bei Menschen, die unternehmerisch tätig sind, dass sie sich schlecht fühlen, wenn die so einen Day-Off nehmen. Und ich bin ja ehrlich gesagt, der umgekehrten Meinung, du solltest dich schlecht fühlen, wenn du das nicht tust, weil du wirst dann deiner Verantwortung den Leuten gegenüber nicht gerecht, indem du a, was Schlechtes vorlebst und b, wenn du abgeschossen bist, dann ist es sehr viel schlimmer, als wenn du jetzt mal dir den einen Tag mehr im Monat fürs Golfen genommen hast, als, ne?
Saskia Meier-Andrae: Total, ich meine, am Ende des Tages, du musst ruhig sein, du musst in deinem Kopf klar sein,
Joël Kaczmarek: du musst gute Entscheidungen treffen, du musst empathisch sein, du musst zuhören, das mache ich alles total gerne, da bin ich auch gut drin, aber nur, wenn ich in mir selber ruhe. Und dafür ist es halt wichtig, dass alles andere drumherum auch klappt. Und das ist halt ein Investment in einen selber als ganzheitlichen Menschen. Was sind so deine Caring-Momente? Was bringt dich wieder in die Balance?
Saskia Meier-Andrae: Ich versuche, jeden Morgen Yoga zu machen für 15 Minuten. Ich stelle meinen Wecker auf Viertel nach 6 und rolle aus dem Bett quasi auf die Yogamatte drauf. Weil das Gute ist, ich bin dann schon halb durch das Yoga durch, wenn ich aufgewacht bin, richtig. Das heißt, ich kriege quasi die ersten sieben Minuten sind for free, weil ich jetzt so im Halbschlaf mache. Das ist das eine, wo ich, wo mir das schon, das ist klein, aber das hilft mir sehr. Und dann, ja, ich glaube, mit der Familie einfach da sicherstellen, dass ich mit den Kindern halt nochmal mit den, weißt du, wenn du mit deinen Kindern bist, dann kannst du wirklich nicht über die Arbeit nachdenken, weil die wollen halt was von dir, die wollen spielen, ja, und dann, das ist, Auch ein bisschen anstrengend manchmal auf seine Art und Weise, aber dann doch wieder total entspannt, weil es halt deinen Kopf freischaltet. Das heißt, Zeit mit Familie, mit Kindern verbringen. Und wenn ich es so wirklich abschalten will, wie schon am Anfang erwähnt, dann spiele ich ein Escape Game. Das ist für mich dann wirklich die absolute Entspannung, weil es ist natürlich total high energy und du musst irgendwie Probleme lösen, es geht gegen die Zeit, also es hört sich ja wahrscheinlich für viele Menschen nicht so unglaublich entspannend an, aber du kannst wirklich an nichts anderes denken.
Joël Kaczmarek: Es ist wie so ein totaler Blocker und bist dann halt eine Stunde in so einem Raum gefangen und musst Rätsel lösen, was ich liebe. Und kommst dann irgendwie raus und fühlst dich wie einmal wieder auf Null zurückgesetzt. Machst du das denn so Teamster oder machst du das alleine? Ich mache das mit einer Freundin und seit Neuestem habe ich meinen Mann auch dazu begeistert, das mit mir zu machen. Er war total dagegen und meinte, er hasst Escape Games. Aber dann habe ich ihm eins zum Geburtstag geschenkt und dann konnte er nicht Nein sagen, weil ich es bezahlt habe. Da habe ich ihn, glaube ich, ein bisschen dazu begeistern können. Jetzt baue ich das strategisch aus. Ich habe immer hier diese Spiele, die man sich für zu Hause kaufen kann, diese Exit Games. Ja, die sind auch super. Und jetzt gibt es ein Buch. Mal gucken, ich habe ein Buch bekommen.
Saskia Meier-Andrae: Okay.
Joël Kaczmarek: Wenn nicht, machen wir das mal zusammen. Genau,
Saskia Meier-Andrae: dann machen wir beide mal ein Escape Game. Das wäre doch cool. Ich finde das super. Diese Exit Games spiele ich auch. Da habe ich auch schon mal eins alleine gespielt. Das ist jetzt so super sad. Ich bin halt geek at heart von daher.
Joël Kaczmarek: Finde ich aber gut. Ich glaube, wenn man darüber nachdenkt, könnte man vielleicht auch sagen, es ist so eine Art Meditation wahrscheinlich für dich. Ich hatte mal einen Freund, der ist Imker und der hat gesagt, Joël, die beste Stressreduktion ist, wenn du Imker bist, weil wenn du bei den Bienen bist, wenn du da nicht konzentriert bist, du wirst gestochen und wenn dich eine sticht, sticht dich die nächste und die nächste und die nächste. Es ist mein Zwang, den Kopf auszuschalten.
Saskia Meier-Andrae: Kann ich total nachempfinden. Also würde ich jetzt nicht unbedingt nachleben wollen, dann lieber das Escape Game. Ich empathisiere da sehr mit.
Joël Kaczmarek: Also, liebe Saskia, erstens, assume good intent. Zweitens, it's PR, not ER. Drittens, don't judge a job by its cover oder vielleicht don't judge anything by its cover. Viertens, shortcut pattern recognition und fünftens, care for yourself. Also, was ist das für eine coole Anleitung hier. Nice.
Saskia Meier-Andrae: Super, danke, dass du dir alles so schön gemerkt hast. Ich hoffe, es war interessant. Ich fand es sehr spannend. Dankeschön für die tollen Fragen und die Zeit.
Joël Kaczmarek: Nein, ich fand das total toll. Vor allem, ich mag immer... Manche Menschen haben so in der Business-Welt so Mantras. Also ich habe auch so einen Freund, der sagt immer so bestimmte Abkürzungen. Und sowas finde ich, was du gesagt hast, das funktioniert super als geistige Abkürzung. So hey guys, it's just PR, not ER. Zack, hast du eine Abkürzung im Kopf und ein Bild. Deswegen, sehr cool. Also, lieben, lieben Dank dir.
Saskia Meier-Andrae: Cool, danke. Tschüss.