
Flix-Gründer Daniel Krauss: 5 Dinge, die ich gerne mit 20 gewusst hätte
18. April 2025, mit Joël Kaczmarek
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Joel Kaczmarek: High Five Leute, hier ist euer Joel und ich habe wieder eine tolle Person am Start, die mir heute ihre fünf Dinge verrät, die sie gerne schon mit 20 gewusst hätte. Und zwar ist das ein alter Businessfreund, würde ich glatt sagen, weil er hat ein sehr tolles Unternehmen großgezogen, mit dem ihr vielleicht sogar schon mal unterwegs wart, nämlich Flix. Also vielleicht seid ihr schon mal FlixBus gefahren oder FlixTrain. Und Daniel ist halt wirklich schon von Stunde Null an dabei, Gründer und Geschäftsführer und vor allem jemand, den ich als sehr reflektiert erlebe, auch als sehr bodenständig. Und ich finde das sehr angenehm, dass er halt auf dem Wege einfach auch, ja, sich viele Themen anguckt, links und rechts von dem, was er tut und irgendwie mit dem Herz in der Hand oder auf der Zunge unterwegs ist. Von daher, lieber Daniel, freut mich sehr, dass du da bist. Moin, moin.
Daniel Krauss: Moin, Joel und danke für die Anladung, dass ich wieder einmal mit dir schlacken darf und ich für die netten Worte natürlich.
Joel Kaczmarek: Ja, cool. Habe ich dich denn akkurat vorgestellt, beziehungsweise, also ich glaube, dein Produkt kennen ja wirklich fast alle Menschen da draußen, aber gibt es noch was, wo du sagst, es gibt noch so ein, zwei Baustellen über dich, die sollte man wissen, wenn man jetzt dich gerade kennenlernt und dir irgendwie bei deinen fünf Dingen lauscht?
Daniel Krauss: Das war eigentlich on point. Zwei Sachen, wenn man sich damit beschäftigen möchte, die noch interessant sind. Es gibt ja immer mal wieder die Frage, wer irgendwie Vorbilder sind und Da nenne ich mal zwei Personen. A, mein Großvater, weil der moralisch, emotional einfach einen sehr klaren Koppass gegeben hat. Und auf der Businessseite, wo ich das am besten reflektiert gefunden hatte, muss man jetzt mittlerweile leider sagen, war bei Heinz Dürr. Und der war mal Bahnchef, AEG-Chef, dann der Vorstand und natürlich bekannt für das Familienunternehmen Dürr. Was der gesagt hat, ist, ein Unternehmen ist eine gesellschaftliche Veranstaltung. Ich glaube, das zusammen mit meinem Credo, work hard and be nice to people, das sagt eigentlich schon alles aus, was mich im Leben so antreibt. Und unter anderem, was ich jetzt über die letzten zehn, das sind fast schon zwölf Jahre eigentlich, bei Flix mit einsetzen durfte.
Joel Kaczmarek: Und sag mal, ich frage natürlich immer gerne, wenn man auf die 20 zurückschaut, von wo aus man das tut. Also wie alt bist du jetzt, Status Quo?
Daniel Krauss: Du müsstest mich genau in der Hälfte durchhalten sozusagen. Ich bin 40. So, it's been 20 years.
Joel Kaczmarek: Komm, dann lass uns rein starten. Was ist der erste Punkt, den du gerne mit 20 gewusst hättest?
Daniel Krauss: Ein Punkt, der mit 20 für mich durchaus relevant war, war diese Unbetbarkeit. Du bist grad fertig mit der Schule, tausend Dinge passen auf dich ein. Du hast Erwartungen deiner Familie, deiner Eltern, Dinge, von denen du glaubst, dass du sie tun solltest. Also sehr viele exogene Faktoren. Und das führt schon häufig dazu, und auch bei mir, dass der endogene Antrieb, ich sage mal, etwas übertüncht werden kann. Und ich habe einige Jahre gebraucht, wirklich herauszufinden, was mir Spaß macht, worauf ich Lust habe, so richtig, also wofür ich brenne. Und das ist für mich absolut ausschlaggebend, vor allem, nicht nur, aber vor allem darauf zu hören, weil ich glaube fest daran, nur das, worauf man richtig Bock hat, daran kann man auch wirklich gut sein. Und das braucht man einfach im Wettbewerb und dann auch vor allem mit einem langen Atem. Das ist ja sozusagen so ein Sprint-Marathon-Ding durchs ganze Leben, um da wirklich kontinuierlich dieses Energie-Niveau an den Tag legen zu können. Muss man herausfinden, worauf hat man Bock und sollte da angreifen. Und das ist auch was, worauf ich jetzt bei jungen Menschen vermehrt achte. Man unterscheidet ja manchmal zwischen Fertigkeiten, also Dingen, die man gelernt hat, die Werkzeuge, Kiste mit all den Werkzeugen und Fähigkeiten, die eher persönlichkeitsnah sind. Und diese Fähigkeiten, die drehen sich schon darum herum, worin ist man gut, was zeichnet einen aus, worauf hat man, wie gesagt, Bock. Und diese Fähigkeiten sind für mich elementar herauszufinden bei jungen Menschen, insbesondere wenn es zum Beispiel darum geht, wer sich für welchen Job hier beispielsweise bei uns interessiert, um zu gucken, matchen diese Fähigkeiten, haben die Leute Bock auf den Job, auf die Company, Weil, ja, es gibt schon vielleicht auch Ausnahmen, aber schlussendlich, it's a people business und das gilt für sehr, sehr viele Dinge und es wird in Zukunft noch relevanter werden, weil das Zwischenmenschliche ist das einzige, meiner Meinung nach, was uns dauerhaft erhalten bleibt. Vieles andere wird vielleicht irgendwann mal von Robotern und künstlicher Intelligenz erledigt, was auch cool ist. Das ist eine große Hilfe. Aber das bedeutet nur das, was uns ausmacht als Gesellschaft. Das sind Fähigkeiten, sehr wichtig. Und wie gesagt, vor allem, worauf man Bock hat. Und da hätte ich, das hätte ich gern mehr gewusst, wie wichtig das ist.
Joel Kaczmarek: Florian Heinemann hat mal zu mir gesagt, es gibt so die talentfreie Zone. Das heißt, es ist die, wo du einfach nur trainieren brauchst, während es die Talente gibt, die dir vielleicht angeboren sind. Von daher Fertigkeiten ist dann wahrscheinlich talentfreie Zone und Fähigkeiten ist das Talent. Und ich überlege gerade so, wie ist es denn dir ergangen, wenn du mal so deine ersten 20 Jahre dir überlegst? Ich finde, manche Menschen funktionieren ja so oft über die Kindheit hinweg wie so ein Radiator. Also die senden dich so voll mit ihrer Wärme. Und schicken dir so Signale rüber, was doch wichtig sei im Leben und was zu tun ist, oft durch ihre eigene Vita geprägt. Und dann ist es ja genauso, wie du sagst, dass es sich so ein bisschen gilt, da durchzunavigieren. Also wie war es denn in deiner Kindheit? Vielleicht mal als Teil 1 der Frage.
Daniel Krauss: Man muss da unterscheiden zwischen wohlwollender, passiver Bestrahlung, Wärmebestrahlung, Thema Radiator. Also ich glaube, meine Mutter hat da Extremes geleistet, weil sie einfach unverrückbar und aus absoluter tiefer Liebe heraus klar gemacht hat, egal was ist, I'm always there, ohne mich sozusagen zu überschütten mit Küsschen und hier und Schleifchen und das Ganze nicht, also overprotecting und das ist sehr, sehr positiv. Und auf der anderen Seite, ich hatte meinen Großvater vorhin erwähnt, bei allen Entscheidungen, egal ob groß oder klein, hatte ich immer irgendwie den Eindruck, ja, so hätte ich auch entschieden. Und das hat er nicht gesagt. Er hat nicht gesagt, schau mal Daniel, hier so, dann musst du so machen und abwägen und hier und da. Sondern er hat halt einfach sein Leben gelebt und ich durfte teilhaben und beobachten und habe mir gesagt, ja, so will ich auch entscheiden. Und das war sehr, sehr gut. Bei aktiver Anteilnahme, da kommt es immer darauf an, Weil das ist manchmal das Problem, dass dann die Menschen, die da aktiv teilnehmen wollen, die meinen das natürlich alle gut, die allermeisten. Aber die schießen von sich auf andere. Das tue ich ja jetzt auch. Und das ist tatsächlich eine Herausforderung. Also so ein bisschen. deswegen aktive Anteilnahme, not so much. Passiv, ja, ich glaube, mit Good Intentions, wovon wir ja ausgehen bei den meisten Menschen, die uns entgegen, ist das, glaube ich, okay. Von daher finde ich das Bild von dem Radiator gar nicht so falsch.
Joel Kaczmarek: Bei mir war das Thema so, mein Vater ist in der 12. Klasse von der Schule abgegangen und kam dann immer zu mir und meinte, Junge, das war die dümmste Entscheidung meines Lebens, ich hätte nur noch ein Jahr an der Schule sein müssen, dann hätte ich das Abi gehabt und so weiter. Macht das nicht. Also war bei mir immer angesagt, Schule, Leistung, Noten, zack, bumm. Und es ist halt genau so ein Beispiel. Also ich habe auch mir gedacht, 12. Klasse ist ja mega doof abzugehen. Das hättest du ja schon mit der 10. machen können, aber hast du zwei Jahre halt versenkt so ungefähr. Naja, whatsoever. Aber das ist halt genau so ein Beispiel. Auf der einen Seite hat es mich in so einen Drive getrieben. Also irgendwie hat es so einen positiven Aspekt, ja. Also du hast halt viel Systematik gelernt. Ich habe Ebenen kennengelernt, die er nicht kennengelernt hat, mit Hochschule und so weiter und so fort. Auf der anderen Seite merke ich so, brauche ich gar nicht so. Also es war seine Geschichte und nicht meine. Und das ist immer
Daniel Krauss: meine direkten Umfragen, Umfeldvorfahren, also mein Bruder beispielsweise, mein Vater, mein Vater und Onkel, alle mindestens einmal promoviert. Und also klar, gerade mein Vater und so, hat das schon gesehen, das fand er nicht immer so geil, dass ich erst mal Fachhochschuldiplom gemacht habe. Aber dieses wissenschaftliche Arbeiten, das ist quasi gleichbedeutend wie Latein. Und das hat mir schon in der Schulzeit das Gefühl gebracht. Von daher, ich glaube, ich werde halt nicht mehr probieren. Punkt. It's not me.
Joel Kaczmarek: Mein Gesangslehrer ist einer, ich würde sagen, einer der besten Gesangslehrer Deutschlands und nicht sogar Europas. Und der hat halt erzählt, sein Vater wollte immer, dass er Jurist wurde. Hat echt bis zum ersten Staatsexamen Jura studiert. Hat er gesagt, nee, ist scheiße, mach ich nicht. Das ist für den natürlich Todsünde. Das ist der Horror, dass der irgendwas Kreatives macht. Aber es zahlt so auf das ein, was du sagst. Das macht ihm Spaß und der ist halt der Beste in Deutschland.
Daniel Krauss: Auf der anderen Seite, der ist singender Staatsanwalt. Das würde auf alle Fälle für eine Reality-TV-Soap oder so mindestens gehen.
Joel Kaczmarek: Ja, stimmt. Stimmt, hätte auch Charme. Und sag mal, du hast ja gesagt, dass es so ein bisschen gebraucht hat, bis du entdeckt hast, was dir richtig Spaß macht. Wie hast du das denn gemacht? Wie hat dich gefunden, was dir gefällt?
Daniel Krauss: Da komme ich direkt zum zweiten Punkt. Ich war ein bisschen Rebell, enfant terrible, wie auch immer man in der Schulzeit hat, ein paar Schulen besucht. Ich habe immer noch und hatte damals noch viel mehr als jedes Problem mit den Obrigkeiten, insbesondere, also nicht grundsätzlich. Ich kann, ich denke, für sinnvoll erachte, wenn mich jemand inspiriert, ich kann folgen und für Menschen arbeiten. Aber häufig gab es da keine Erklärungen oder es war einfach dummes Zeug und da bin ich allergisch dagegen. Auf der anderen Seite habe ich über die Zeit eben auch festgestellt, und das ist Punkt zwei, was ich schon etwas eher gerne gewusst hätte, ist, dass Erfahrung und Ausbildung schon auch relevant ist und nicht komplett für die Füße. Das fängt an mit Prozentrechnen. bis hin zu der Tatsache, dass es, glaube ich, sehr hilfreich war, dass ich vorher schon ein, zwei Unternehmen von innen sehen durfte, bevor ich mit André und Jürgen verwechseln konnte. Und ich glaube, das ist relevant und das führt auch zu der Antwort auf deine Zwischenfragen. Ich habe Relativ früh, mit 15, 16, bei Siemens das Arbeiten angefunden. Was ich da in der Zeit feststellen durfte, das habe ich quasi bis ans Studium gemacht, da durfte ich mal feststellen, dass die augenscheinlich cooleren Jobs, fordernden Jobs, also die Jobs, wo ich mir gedacht habe, oh, sowas kann ich mir auch mal vorstellen, wenn ich groß bin, da war eine riesige Korrelation von, die hatten irgendwie einen Studienabschluss in irgendeiner Art und Weise. Und Jobs, wo ich mir gedacht habe, ganz nett, aber irgendwie repetitiv, wüsste ich jetzt nicht, ob ich es bis zur Rente durchstehen könnte. Das waren halt Jobs, die eben nicht so eine starke Korrelation hatten. Also man kann das nicht eins zu eins sagen, aber es war da schon, es gab so eine Beobachtung, wo ich mir festgestellt habe, A, vielleicht macht es dann doch Sinn, die Schule durchzuziehen, abzuschließen und vielleicht auch zu studieren. Aber ich glaube in der Zwischenzeit dann verknüpft mit, worauf habe ich Bock, habe ich mich dann auch für Wirtschaftsinformatik entschieden und nicht irgendwie, was mir gar nicht, also Jura beispielsweise gelegen wäre. Aber die Tatsache, dass ich da feststellen konnte, ah, okay, vielleicht gibt es schon irgendwie ein Stück weit Ausbildung und so, das macht schon Sinn, das hätte ich früher wahrscheinlich gerne gewusst oder wissen, ob das in dem Fall ausgereicht hätte oder ob ich das früher auch dann verinnerlichte müssen, weiß ich nicht. Da hätte ich dann wahrscheinlich schon irgendwie ein, zwei, drei anstrengende Jahre sparen können oder Vorher hätte ich es immer in die Mutter schlagen können, aber
Joel Kaczmarek: Aber um das mal zu challengen, ich überlege gerade so, ich habe mich manchmal oft gefragt, wenn ich mir so das Studium angeguckt habe, was ich gemacht habe, ich habe irgendwie Kommunikationswissenschaft und Medienwissenschaft studiert, per se hat es mir wahrscheinlich Handwerk gelernt, was ich jetzt benutze. Aber ich hatte immer so das Gefühl, dass vieles, was ich da gelernt habe, in der Praxis nutzlos war.
Daniel Krauss: Weiß ich nicht. Es gibt so ein paar Sachen. Grundlagen Betriebswirtschaftslehre.
Joel Kaczmarek: Also Methodik. Grundlagen Mathematik.
Daniel Krauss: Grundlagen Informationstechnik. Das sind schon Sachen, selten, manchmal auch eher implizit unterschwellig. Da greife ich darauf zurück. Aber auch Dinge wie Gruppenarbeiten, Präsentationen und dass das sozusagen Common Practice ist. Das war bei uns während der Schulzeit kaum relevant, hast du mein Gedicht vorgetragen. Und das kann dann eher Also von daher sind es da schon Dinge. Ist das jetzt so, dass das alles wie so ein inneres Bockhaus abzurufen ist? Nein, natürlich nicht. Das wäre auch meiner Meinung nach Quatsch, weil wir heutzutage ja Gott sei Dank Google und ChatGDT und anderes haben. Aber das stelle ich immer wieder fest, dass ich überhaupt weiß, was ich googeln muss oder weiß, wie ich eine Frage gegenüber ChatGPT formuliere. Das ist schon was, da hat es häufig mal einen Bezug, der sehr weit zurückgeht ins Studium, teilweise auch bis in die Schule.
Joel Kaczmarek: Komischerweise geht es mir genauso. Ich habe gerade so gedacht, wenn wir uns kennengelernt hätten und du hättest gesagt, du, ich will mit zwei so einem Dudes so ein Ding gründen, wir wollen so Fernbusreisen machen und wir suchen noch einen vierten Mann. Du hättest mich, glaube ich, nicht einmal nach meinem Studium gefragt. Nevertheless, glaube ich, du hast recht, dass man so Basics hat, so Struktur. Einfach so ein bisschen wie eine Architektur. Das Gerüst wird dir sozusagen in der Uni gegeben. Du baust sozusagen das Hochhaus und die Stahlträger sind da. Aber die Verkleidung, der Innenausbau, wie das Ding designt wird und so weiter und so fort, das ist dann eigentlich eher so das Praktische.
Daniel Krauss: Also der Informatikteil, das war immer Robby so ein Stück weit. This is what I really like. Deswegen bin ich nach wie vor bei uns auch für Technologie verantwortlich. Aber bei so einer Firmabox, so ein Werkzeug an Betriebswirtschaftslehre, eine Bilanz lesen und solche Sachen. Und konnte ich das immer perfekter oder, das war jetzt nicht mein Lieblingsfach. Aber du verstehst es. Und wenn du dann eben, wenn ich jetzt unsere Bilanzrechte das nicht verstehe, dann weiß ich zumindest nach was ich suchen muss, weil ich die Zusammenhänge, wie du schon sagst, die Struktur verstanden habe. Und das sind schon Sachen, Da gebe ich durchaus Kudos an die Ausbildung, wie gesagt, bis hin zur Schule teilweise, weil Sozialwissenschaften, das sind Demokratiefunktion, das sind Grundzügen. Das war, wenn ich mich daran erinnere, erinnere ich mich ans Gymnasium oder die Hauptstädte von vielen Ländern, muss ich nicht googeln, weil, kenn ich ja noch. Und den muss man schon Rechnung tragen. Deswegen darf man auch, das ist so typisch deutsch, dass immer über alles geästert wird und ich bin der große Verfechter, dass unser Bildungssystem abgeübt wird. Aber es ist nicht alles immer so kacke, wie es in der Mediathek ist.
Joel Kaczmarek: Und sag mal so als abschließende Frage zu deinen ersten zwei Punkten. Du hast ja sicherlich oft die Situation, dass Menschen vor dir sitzen, die Teil deines Unternehmens werden wollen. Was ist denn so deine Methodik, nach der du feststellst, ist da jemand, der das, was ich hier eigentlich zu besetzen habe, der das, was wir tun, was wir anbieten, dem das auch wirklich Spaß macht? und ist quasi dieser Erfahrungsschatz, dieser Ausbildungsschatz, den er hat, ist der sozusagen darauf passend? Perfekt.
Daniel Krauss: lässt sich das herausfinden, wie sich Menschen dann mit dem Detail beschäftigt haben, mit der Historie, mit dem, was uns auszeichnet. Ob die wirklich Bock haben, ob die nur einen Job wollen oder sozusagen einen Beruf im Sinne einer Berufung, also ob die was verändern wollen. Das stellt man, wie gesagt, an den Kleinigkeiten fest, wie sich Menschen damit beschäftigt haben. Und was ich super mächtig finde, ist an den Fragen, die Leute stellen. Weil wenn du als Interviewpartner sozusagen die Ordnung, Ordinary questions. Stellen Sie mal in fünf Minuten Ihren Lebenslauf vor. Das ist eine gute Frage, aber nur, um zu sehen, ob jemand strukturiert da durchgehen kann oder sich dann verliert. Umgekehrt finde ich es aber mega mächtig, auch zuzuhören und zu reflektieren, was stehen die Leute für Fragen. Weil dann rede ich mir ein, kann ich teilweise darauf zurückschließen, okay, wie kommen sie auf die Fragen und wie haben sie sich damit beschäftigt. Und das ist so ein bisschen das, was ich eigentlich versuche rauszufinden.
Joel Kaczmarek: Was ist dein dritter Punkt?
Daniel Krauss: Mein dritter Punkt, und ich glaube, das wusste ich schon, aber eher unterschwellig, ist die Tatsache, dass Zurückgeben genauso wichtig ist wie Bekommen. Aber gerade mit 20, nach dem Abitur, da fängt ja so ein Race an. Wer hat den coolsten Job? Wer hat das erste oder schnellste Auto? Das ist alles so ein bisschen der ganze Modus. Mein Haus, das man doch nicht hat. Mein Auto, das man doch nicht hat. Mein Boot, das man wahrscheinlich nie haben wird. Aber das ist so dieser Modus, weil du das erste Mal so in die Freiheit gehst und dann wird gehasselt. Und manche verliehen sich da. Das ist schade. Denn mir macht Schenken unfassbar viel Spaß. Und ich glaube, wenn man das auf den Lifespan betrachtet, dann ist es so, das ist eine Balance. Und man sagt ja auch häufig, wie man in den Wald hineinschreit, so kommt es wieder hinaus. Und ich glaube, das Geben genauso wichtig ist, wie das Nehmen. Das ist was, das hätte mir vielleicht den einen oder anderen nutzlosen Wettbewerb erspart. Ich bin ein großer Ich. I love competition, geil. Aber halt nur sinnvoll.
Joel Kaczmarek: Was sind die Symptome von dem Zurückgeben, die dir gezeigt haben, dass es so wertvoll ist? Weil ich bin auch, weißt du, gab ja immer diesen kirchlichen Satz, geben ist seliger denn nehmen. Und du hast immer so gedacht, so, ja komm, Story, ne? Aber es ist ja wirklich so.
Daniel Krauss: Ich glaube, insgeheim geht es ja schon darum, was ist die Legacy, was hinterlassen wir den Fußabdruck. Und in so einem Chaos, in dem wir gerade auch unterwegs sind weltweit, ist every little positive impact, jeder kleine Touch wichtig. Und es geht halt nur, wenn man auch was gibt. Erfahrung, mal Geld, ob es dann irgendwie Straßenmusik ist oder wie auch immer. Oder auch nur mal eine Umarmung, einfach Emotionen, Wärme. Der Radiator, das ist, glaube ich, wichtig, weil das vergisst man so schnell, insbesondere in der heutigen Zeit, wo ja quasi die Geschwindigkeit extrem zugenommen hat.
Joel Kaczmarek: Es ist ganz komisch, wie Leute auch darauf reagieren. Gestern war ich hier so in den Arkaden bei uns um die Ecke. Und dann sieht mir eine Frau voll an die Tür auf, zweimal hintereinander, aber du gehst ja meistens durch so Doppeltüren durch. Und dann sagte ich so, Dankeschön, so ganz deutlich. Und sie so, sie sind aber fürsorglich. Die hat mich so irritiert angeguckt, die hätte, glaube ich, kurz nachgedacht, ob ich sie beleidigt hätte, ja. Da dachte ich so, hörst du, ich habe doch noch was Nettes gesagt. Und dann ging ich so runter in die untere Etate. Und ich finde immer nett, wenn man irgendwie an so Kassen steht und man macht so diesen American Style, sagt, hallo, wie geht's? Und in den USA ist es ja immer so, hey, how are you? Oh, I'm fine, thank you. Das ist ja so eine scheiß Floskel. Die meinen das ja gar nicht so. Aber bei Deutschen ist das ganz faszinierend, wenn du dann sagst so, hallo, wie geht's? Dann sagt die Kassiererin echt, was in seinem Leben so los ist. Ach ja, muss ja, ne? Das wäre aber nicht so nett. Ja, ich wäre gerne lieber draußen. Das Wetter ist so schön. Ich wäre lieber in der Sonne als hier unten. Da freuen sich die Leute. aber, ja?
Daniel Krauss: Ja, stimmt.
Joel Kaczmarek: Aber der Satz gefällt mir, den finde ich gut. Da brauchen wir gar nicht viel drüber diskutieren, den lassen wir so stehen. Der ist sozusagen in die Moses-Tafel eingemeißelt. Da können wir uns schon den vierten angucken.
Daniel Krauss: Das ist auch so ein Teil der Brücke von dem, was wir jetzt besprochen hatten. Denn Zeit. Zeit ist das ultimative Gut. Und ich habe damals nicht gewusst, wie wertvoll Zeit ist. Und dass du wirklich darauf achten solltest, sie mit den Dingen zu füllen, die dir gut tun, mit deinen Liebsten. Einfach sinnvoll, aber schlussendlich, Zeit läuft einfach ab. Und ich weiß noch, und da muss ich immer so schmutzeln, auch da wieder, da führen einem Kinder. Die eigene Jugend, mir zumindest, ist so drastisch wieder vor Augen. Kinder sind ja langweilig. Mir war als Kind auch langweilig. Aber Langeweile stirbt irgendwann. Also gibt es nicht mehr. Hört irgendwann auf mit der Pubertät. Stimmt. Und ich denke mir immer, oh Gott, wenn ihr wüsstet, wie kostbar Zeit ist. Und das ist, also ich habe schon, verschwendet klingt so drastisch. Und ich bereue nichts oder fast nichts. Aber manchmal hätte mir etwas mehr Bewusstsein dafür, glaube ich, auch mit 20 schon gut getan. Und es ist, die Wählerungzeit ist nicht, also man sollte nicht alles darauf optimieren. Das ist auch irgendwie sehr asketisch, finde ich. Aber diese Überlegung sollte Teil einer jeden Gleichung sein, glaube ich. Und Das war es mit 20 definitiv nicht, weil da ist Zeit quasi unendlich da und du hast dann eher kein Geld. Und dann ist das Problem auch Zeit. Ja, blöd. Und die Mischung macht es. Man sollte, glaube ich, irgendwie gucken, dass es balanciert ist.
Joel Kaczmarek: Ich habe dazu auch mal einen interessanten Satz gehört von einem Top-Manager. Ich glaube, das hat mir Dominik von Payback mal erzählt. Der meinte, du, das ist ganz lustig. Als junger Mensch hast du viel Zeit, aber wenig Geld. Als erwachsener Mensch hast du viel Geld, aber wenig Zeit.
Daniel Krauss: Es gibt ja auch Konzepte dazu, Tod und Teufel, alles Mögliche. Weil das Problem ist ja auch dann, Erbe. Da sind ja Menschen teilweise auch schon alt, wenn alles gut läuft, die das bekommen oder Rente und so. Das ist alles so ein bisschen umgekehrt, weil du bräuchtest ja früh mehr Ressourcen, weil dann kannst du vielleicht mehr Impact schaffen, damit du dieses Dilemma bespielen wirst. Aber das ist nicht so einfach. In theory it's always easy. Aber das ist schon ein Punkt, der mich auch gesellschaftlich durchaus zum Nachdenken gebracht hat, weil du willst ja eigentlich früher mehr Ressourcen haben, um richtig schön Impact generieren zu können und nicht am Schluss dann da hocken, wie darüber stark auf dem Haufen voller Taler und ein bisschen blöd schauen. Das ist ja auch irgendwie nutzlos.
Joel Kaczmarek: Bist du denn in diese Falle getappt? Es gibt ja diesen schönen Satz, die einzigen, die sich später daran erinnern, wie viel du gearbeitet hast, sind deine Kinder, den ich so unfassbar deprimierend auch finde. War das bei dir auch ein Thema, dass du das für dich abwägen musstest? Wie viel Zeit investierst du in Beruf und wie viel in Familie?
Daniel Krauss: Also meine Frau ist wahrscheinlich, wenn man es aufsummiert, die am meisten leidtragende in dem Zeitaspekt. Ich glaube, dass wir es immer gut gemanagt haben und ich denke schon auch, dass sie die Vorzüge, die damit jetzt dankbarerweise kamen, mit einschlechtet. Ein Fleck, das ist richtig, aber ich glaube schon, ich kann Deutsch nicht. Und deswegen das ausgeglichen betrachtet, aber die wir die Hauptarbeit angehen. Was die Kinder angeht, ist es ja so, dass mein Sohn ist 2019 geboren und dann kam gleich Covid, da war so quasi mehr Zeit daheim. Und meine Tochter ist 21 geboren und jetzt mittlerweile hat er auch bei uns so eine gewisse hybride Arbeitsart und Weise einzugehalten. Das heißt, im Schnitt bin ich drei Tage weg. Und das hält sich, glaube ich, in Grenzen. Und damit denke ich nicht, dass es so extrem ist, wie es vielleicht zeitweilig in Generationen vor uns war, sondern ich glaube, ich kriege das ganz gut. Und es ist auch eine Frage, schaffst du es, dein Umfeld zu verdeutlichen, und zwar nicht in dem du es sagst, sondern in dem du auch danach handelst, dass sie, also damit meine ich jetzt mein Direktumfeld, meine beiden Kinder, meine Frau, genauso wichtig sind wie Flix. Denn wenn das so ist und mit der Tatsache, dass ja alle drei Menschen plus das Unternehmen, weil wir sehr positiv konnotiert sind, extrem hohen Stellenwert haben, dann spricht man über alle vier Lebenselemente gleichermaßen positiv und das nehmen die voneinander mit. Also es ist schon so, dass ich glaube, dass die Kolleginnen und Kollegen hier, dass sie wissen, okay, der liebt seine Familie, das ist für ihn extrem wichtig und ich denke auch, dass selbst meine Kinder schon mitbekommen haben, dass mir Flix extrem wichtig ist.
Joel Kaczmarek: und Und jetzt kommen wir zu deinem letzten Punkt. Weil ich mich nicht verzählt habe, ist einer noch offen.
Daniel Krauss: Api und Theorie don't count. Nur Reality matters. Und Da hat man früher schon immer wieder über Dinge sinniert, die nicht real waren und hat dann irgendwie so Wolkenkucksheime gebaut und so. Alle, also die Realität, das, ne, if it hits you in the face, then it hurts, then it's reality. Und das ist wichtig, weil du dich sonst verzettelst, ne. Also Gedanken sind toll, Fantasie ist prima und Träumen ist mega wichtig, aber das ist nur der eine Teil. Und der größere andere Teil ist, wenn du die Augen auf hast mit beiden Beinen im Leben stehst, that's reality. Und warum sage ich das? Weil das damals mir nicht so klar war. Dann manchmal hast du auch so, wenn du prokrastinierst und Sachen schiebst, so Träumereien und denkst dir, das wird sich ja alles irgendwie geben. Nichts gibt sich. Entweder du gestaltest es in Realität oder es ist einfach Zufall. Das ist wie Würfel. Und der Punkt, warum ich es als letzten jetzt gerade hier nenne, ist, weil ich glaube, das ist wesentlich eklatanter geworden. Denn heutzutage mit TikTok und Instagram habe ich schon mit jungen Menschen gesprochen, die mir erklärt haben, nee, in den Urlaub und so, das fahre ich gar nicht. Also, guck mal, das soll doch Instagram machen. Und dann, da muss ich ja, da habe ich, also, ich bin, glaube ich, eher ein Stoiker und jemand, der schwer aus der Uhr zu bringen ist, aber da, da muss ich mich in Selbstkontrolle üben, weil ich mir denke, gestaltet euer Leben, packt euch in den Bus, packt euch in den Zug, schaut euch was an, ihr könnt doch nicht, ihr könnt doch nicht vor den Kissen sitzen. Also, ich meine, come on. So, nee, brauche ich nicht hinfahren, habe ich schon auf Instagram gesetzt. Was? Oder sie fahren dann irgendwo hin, um quasi das in Realität gar nicht zu genießen, sondern ein Foto zu machen und online zu stellen. Hey, hey, hey, hey, hey. Nein, nein. Reality matters. Der Rest ist netter Scheiß. Beiwerk. Und ob das Facebook oder damals StudiVZ hieß oder ob das jetzt Instagram und zwischenzeitlich Snap und dann TikTok. Es ist not reality. Und da gibt es sogar Menschen, die gaukeln einem was vor. Deswegen geh raus, spür es selbst, selbst wenn es weh tut. It's real.
Joel Kaczmarek: Sag mal, ich hatte den Eindruck, als wir unser Gespräch gestartet haben, du hast dir die fünf Punkte gar nicht vorher so aufwendig überlegt. Ist das, was wir heute besprochen haben, so ein bisschen DNA von dir, dass es dir so leicht fällt, sowas zu reproduzieren?
Daniel Krauss: Das ist sehr nett von dir formuliert, aber du kennst dich ja so gut, dass du weißt, dass ich es liebe zu improvisieren, weil ich sonst das Gefühl habe, dass man überdenkt, overthinking. Und dann verlebst du dich vielleicht was, was eben nicht in der Realität ist. Und deswegen habe ich tatsächlich relativ knapp vorher da ein bisschen Struktur reingebracht, dass es nicht so viel Grauen und Rüben ist. Aber das sind Themen, die allgemeingültig sind. Das ist so für mich super subjektiv. Und von daher musste ich da jetzt nicht tagelang mir den Kopf drüber zerdrücken.
Joel Kaczmarek: Ich kann das total nachvollziehen, was du sagst mit dem Overthinking. Also freue ich mich über mich selber, dass ich mich darauf eingelassen habe.
Daniel Krauss: Also das Gute ist an dem Thema, dass das ja sehr persönlichkeitsnah ist. Das heißt, dann muss man sich ein bisschen die Gedankenordnung und Struktur anbringen. Aber da geht es ja darum, was diese persönlichen fünf Dinge sind. Und wenn ich jetzt aber einen Fachvortrag halten muss, Nur was, wo ich jetzt nicht Experte drin bin, was nicht meine Persönlichkeit angeht, aber Fachvorteil. Da muss man gucken, dass es inhaltlich korrekt ist und sauber. Das ist was anderes. Improvisieren heißt nicht, irgendwo einfach reinzustolpern. Ja, by the way, ach so, das würde ich mir selbst nicht gerecht werden. Aber so eine gewisse Leichtigkeit, dass du in den Flow kommst, das ist besser. Kennst du das? Das ist für mich immer die Hölle. Manchmal, wenn ich unsicher bin und wenn ich so richtig super serious bin, nicht, dass unser Gespräch heute nicht ernst wäre, aber sowas, also super serious, dann schreibst du es auf. Und ich muss mich dann selbst immer sehr hart dazu zwingen, nur Stichpunkte aufzuschreiben und nicht ganze Sätze. Weil ganze Sätze führt bei mir dazu, dass ich glaube, ich muss es genauso wiedergeben, weil ich dann dachte, so ist es perfekt formuliert. Und wenn mein Hirn das dann nicht schafft, Dann verharrte ich mich und wiederhole mich und dann denke ich mir, was sollst du mir aber anders sagen? Und dann fange ich es nochmal dazu. Und wenn ich wieder habe, denke ich mir, oh Gott, das war scheiße. Von daher versuche ich da, mir eben Struktur und Stützen zu geben. Aber schon ein hohes Maß an Freiheit. Weil sonst verstolper ich mir quasi selber.
Joel Kaczmarek: Lieber Daniel, vielen, vielen Dank. Und vielleicht machen wir mal ein Recap in ein paar Jahren. Weil ich finde das auch mal ganz spannend.
Daniel Krauss: Likewise, sehr gerne.