Joey Kelly: Gib immer mehr als du nimmst

10. Oktober 2025, mit Joël Kaczmarek

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Joël Kaczmarek: High Five, Leute! Hier ist Joël und heute habe ich einen ganz besonderen Gast. Joey Kelly. Ja, genau, der Joey Kelly, bekannt als Extremsportler, Musiker mit der The Kelly Family und Motivationsspeaker. Und wer kennt sie nicht, diese unglaublichen Geschichten. 100 Marathons, Ironmans, Ultras, also wirklich die Definition von mentaler Stärke, Durchhaltevermögen und Haltung. So und Joey steht ja wirklich wie kaum ein anderer dafür, Grenzen zu sprengen, körperlich, mental und emotional. Und darum war ich super gespannt, welche 5 Dinge er heute gerne mit 20 gewusst hätte. Und das Gespräch, das du jetzt hörst, ist ein klein wenig besonders. Ich hab Joey nämlich live auf dem E-Commerce Barbecue in Karlsruhe interviewt. Das ist ein ziemlich cooles Event von ScaleCommerce, wo Joey zunächst einen Vortrag gehalten hat. Und ich dann mit ihm vor großem Publikum gesprochen habe. Und deshalb ist es in dem Gespräch auch öfter so, dass ich auf Inhalte des Vortrags von ihm eingehe. Weil genauer gesagt hatte Joey sich seine fünf Dinge ehrlicherweise vorher nicht so genau überlegt. Aber der Vortrag enthielt diese eigentlich komplett. Und deshalb habe ich immer wieder auf diese Inhalte zurückgeführt mit ihm. Und so haben wir es rund gemacht. Also, hab heute ein wenig nachsehen,

Joey Kelly: wenn die Formattreue ein wenig leidet. Es wurde auch so ein sehr inspirierendes Gespräch, kann ich dir sagen. So, komm, legen wir los.

Joël Kaczmarek: Ja, ihr Lieben. High Five, würde ich sagen. Geiler Typ. Und ich habe jetzt die Aufgabe, aus dir noch ein bisschen mehr rauszukitzeln. Vielleicht ja auch viele der Dinge, die wir schon gehört haben, zu vertiefen. Und Joey hat aber zu mir gesagt, ey, wie lange willst du das machen? 45 Minuten? Keine Chance. 15? Vergiss es. Die Leute wollen trinken, die Leute wollen quatschen. Die sind zum Netzwerken hier. Ich habe mir als Ziel gesetzt, 5 mal 5, also 25 Minuten. Vielleicht kriegen wir das ja hin. Starten wir mal rein. Was ist das erste Ding, wo du sagst, das hätte ich gerne schon mit 20 gewusst? Die erste Lebensweisheit, die erste Einsicht.

Joey Kelly: Ich weiß es nicht. Mit 20 war ich jung und dumm. und wusste nicht, wo ich genau hin will.

Joël Kaczmarek: Also hättest du mit 20 eigentlich gerne schon dein Ziel gekannt?

Joey Kelly: Also ich wusste schon mit 18, dass ich Unternehmer werden will, dass ich selbstständig werden will und dass ich finanziell frei will.

Joël Kaczmarek: Weil ich hatte so den Eindruck von dem, was du erzählt hast, dieses Laufen, dass das so ein bisschen die Berufung war, die dich gefunden hat und dass du eigentlich versucht hast, diesen Traum, das, was dich eigentlich antreibt, reinzupressen in das, was du bis dahin eigentlich gemacht hast. War das so ein bisschen Familienzwang, das Musikgeschäft und eigentlich das Laufen, das, was dich antrieb?

Joey Kelly: Das Laufen war definitiv etwas, was ich alleine machen konnte und was mir natürlich Kraft gegeben hat und mich natürlich auch stolz gemacht hat, dass ich dann halt einen Marathon oder einen Ironman oder einen Büstenlauf packe. Aber klar, irgendwann nach zwei Jahren hat es keine mehr interessiert, ob ich jetzt noch einen Marathon, noch einen Ironman mache. Dann ist es irgendwann ein Teil deiner Berufung und dann machst du das, weil du es geil findest. Und das hat auf jeden Fall verstärkt, dass man halt ins Berufsleben wächst. definitiv, weil wenn man jung ist, dann fehlt manchmal halt quasi der Ausdauer und es fehlt manchmal auch der... exakte Ziel, aber wenn du Ironmans läufst, dann hast du alles drin, was du brauchst als junger Mensch. Halt als junger Mensch, nicht Frau, sondern Mann, erwachsen zu werden.

Joël Kaczmarek: Und sag mal, du hast ja eben erzählt, du bist irgendwie nach Frankreich bei deinem Deutschlandlauf rübergewuppt so ein Stück, hast Schnecken gegessen, die eigentlich erst hätten entgiftet werden sollen, hast den nächsten Tag gekotzt bis zum Gehtnichtmehr. Du hast tote Hasen von der Straße gegessen. Wahrscheinlich ist dir am Südpol der Rotz eingefroren, die Finger wurden taub, du Podcast dich gar nicht. Also ich glaube, ich könnte wahrscheinlich... endlos Schmerz aufzählen. Was ist denn eigentlich dieses Feuer, was dich innen drin so wärmt, dass du dich so quälst?

Joey Kelly: Es ist natürlich auch die Leidenschaft zu dem Ausdauersport, zu Adventure, zu Challenging. Ich mag Natur, ich mag es, wo es dann halt unbequem ist. Ehrlich gesagt, ich mag keine Fünf-Sterne-Hotels, ich brauch keine Suite. Ich fahre ein ganz normales Cougar und fliege kein Business. Also wir fliegen nach USA, LA, Santiago und natürlich für die Teilnehmer habe ich alle Business geflogen. Und Fünf-Sterne-Hotel, weil die kommen halt quasi und ich bin der Gastgeber, aber ich fliege mit der Crew Economy und wir schlafen halt in ein anderes Hotel. Und so ist es halt, weil ich habe eine Verantwortung, wenn ich halt der Kopf bin, dann muss ich auch mit der Mannschaft halt sie bei dem sein.

Joël Kaczmarek: Mir geht es bei dem Thema Laufen ein bisschen so, dass ich mich gefragt habe, läufst du vor was weg oder läufst du auf etwas hinzu?

Joey Kelly: Also ich laufe bestimmt nicht mehr von irgendwas weg. angekommen. Ich bin 52, ich habe eine Frau, vier Kinder, die haben mich nicht verlassen. Ich habe ein Haus gebaut, einen Baum gepflanzt, ist alles da. Das Ego ist voll, mir geht es gut.

Joël Kaczmarek: Jetzt hast du gesagt, ich laufe nicht mehr vor etwas weg. Bist du mal vor etwas weggelaufen?

Joey Kelly: Als junger Mensch läuft man oft nicht von etwas weg, sondern hinaus. Also mit dem Ironmans bin ich eigentlich zum Ziel gelaufen, auch berufliche Ziele. Ich wollte in meiner Firma die Geschäftsführung übernehmen, das mache ich schon seit. Ich bin 27 und das wird auch die nächsten 20 Jahre halten, weil ich das einfach kann. Ich verdiene aber da kein Geld mehr als die anderen. Jeder macht sein Bestes. Ich habe Geschwister, die geben Gas mit Musik, die geben Gas mit Social Media, die geben Gas mit Products. Ich habe aber auch Geschwister, die machen nichts. So ist es halt. Familie kannst du dir nie aussuchen, aber ich liebe die trotzdem.

Joël Kaczmarek: So ein bisschen bist du mir ausgewichen bei der Frage, ob du mal vor was weggelaufen bist, oder?

Joey Kelly: Eigentlich nicht, nein. Ich bin nie von etwas gelaufen. Ich habe immer faced the fear. Ja, immer. Den harten Weg genommen. Den leichten Weg habe ich nie genommen.

Joël Kaczmarek: Warum nicht?

Joey Kelly: Weil es einfach keinen großen Erfolg bringt. Der leichte Weg ist

Joël Kaczmarek: Mainstream. Was wäre mit dir passiert, wenn du aufgegeben hättest irgendwann mal in deinem Leben? Was hätte das für dich bedeutet?

Joey Kelly: Also eins muss man sagen, hätte ich beim ersten Triathlon und beim ersten Ironman nicht angekommen, dann wäre eins faktisch, ich wäre heute nicht hier. Und das sind die Konsequenzen, die du nimmst, wenn du aufgibst. Und deswegen das Thema Never Give Up funktioniert schon ganz gut.

Joël Kaczmarek: Hast du darunter gelitten, wie das mit deiner Familie war? Weil ich meine, Laufen ist ja an und für sich irgendwie auf eine Art auch ein Sport, den man eher alleine macht. Du kannst natürlich in einer Gruppe laufen, aber es wirkte für mich so ein bisschen, als ich dich jetzt kennengelernt habe in deinem Vortrag, dass du da in so einem System Familie drin warst, das auf eine bestimmte Art funktioniert hat. Aber hat man dich eigentlich mal gefragt, ob du das willst und hast du dich damit wohlgefühlt?

Joey Kelly: Man hat mich nicht gefragt. Ich bin geblieben. Ich bin geblieben und ich wollte die Firma übernehmen und ich wollte zu Hause für meine Geschwister und meine Eltern da sein. Wenn meine Eltern noch leben würden, meine Mutter würde bei mir leben, mein Vater auch. Ich würde eine Villa für meine Mutter bauen. Glauben Sie mir, ich bin Familienmensch durch und durch. Und deswegen, nein, das ist das Größte, was es geben würde. Ich habe jeden Tag entschieden, ich könnte auch andere Wege gehen. Ich bin aber auch andere Wege parallel gegangen. Ich habe vier Betriebe und alles läuft. Ich arbeite viel und verdiene viel.

Joël Kaczmarek: Welche Rolle spielt in deinem Leben Verantwortung?

Joey Kelly: Verantwortung bedeutet viel. Wer Verantwortung übernimmt, wird nicht everybody's darling sein. Ganz einfach. Aber wenn du die Verantwortung übernimmst, musst du einfach Entscheidungen treffen. Und diese Entscheidungen haben Konsequenzen. Und deswegen, ich habe immer gerne Verantwortung übernommen, Aufgaben gemeistert und das Optimum daraus gemacht. Und was ich auch gut kann, ist Probleme lösen. Ich gebe einfach nicht auf. Und ich könnte wirklich eine Stunde referieren über Millionen von Geld, die verbrannt worden ist und wie wir halt quasi die Kurve geschafft haben, dass wir nicht komplett wieder pleite sind.

Joël Kaczmarek: Ich frage ja immer noch 5 Dinge mit 20. Jetzt hast du gesagt, ich habe da gar nicht so viel drüber nachgedacht, weil ich fand in einem Punkt in deinem Vortrag fand ich spannend, Aufgeben fängt im Kopf an. Und jetzt ist ja die Frage, wie ist es dir gelungen, heute sagt man so im modernen Mindset, wie ist es dir gelungen, den Kopf so weit in den Griff zu kriegen, dass du diese Qualen durchstehst und nicht aufgibst?

Joey Kelly: Erziehung, gute Erziehung von meinen Eltern. Mein Vater war trotz seines einmal sehr strenger Art, hat es vorgelebt, er hat selber sehr hart gearbeitet, selber nie aufgegeben. Und deswegen, der hat es vorgelebt und das habe ich von ihm gelernt. Da bin ich stolz, ja.

Joël Kaczmarek: Also es ist reine Verinnerlichung sozusagen von etwas, was du woanders gesehen hast?

Joey Kelly: Aber nicht nur mein Vater. Ich habe zum Beispiel, alles was ich tue in jedem Bereich, wo ich arbeite, habe ich Mentoren. Ich habe Vorbilder, ich habe Leute, die ich bewundere, die das schon vor Jahrzehnten gemacht haben und machen es noch besser und noch stärker und noch schneller und noch höher. Und deswegen, ich habe ganz viele Vorbilder, die ich dann halt bewundere und von denen halt quasi lerne. Und ich finde, alles was ich tue, ich suche mir halt einen Meister. Und wenn man halt jung ist und man brennt wirklich und dann stehst du für jemanden, der quasi das achtmal geschafft hat und der sieht, du brennst, dann ist es so, dass er halt quasi auch gibt, weil du nimmst nichts mit. Du kannst nichts mitnehmen. Und deswegen, es gibt nichts Geileres, als quasi dein Know-how und Knowledge zu teilen an Leuten, die das quasi weiterleben.

Joël Kaczmarek: Jetzt fällt mir noch ein anderes schönes Zitat an, was ich finde, was ganz gut passt zu dem Thema mit dem Kopf und zwar, der Weg ist das Ziel. Weil es ist ja so, wenn du sagst, aufgeben fängt im Kopf an, du hast ein Ziel vor Augen und beim Laufen, ja, wortwörtlich. Und ich weiß nicht, ganz viele Menschen, die jetzt hier auch sitzen, so Unternehmer, die haben ja ganz oft das Problem, wenn ein Ziel erreicht ist, dann fallen die in so eine Leere. Von daher, ich habe so eine Doppelfrage an dich. Zum einen, was ist für dich denn immer wichtiger gewesen, der Weg oder das Ziel? Und wie zelebrierst du eigentlich deinen Erfolg, dass du das genießen kannst und nicht, wenn du durch die Ziellinie gelaufen bist, schon wieder den nächsten Ironman oder die nächste Radtour oder das nächste Extrem suchst?

Joey Kelly: Also ich bin noch nie in ein Loch gefallen nach... So ein Challenge. Ich habe dieses Problem nicht. Ich weiß, viele Marathonläufer und Sportler haben dieses Problem, aber ich habe es nicht gehabt. Ich freue mich immer wieder auf das nächste Challenge und mache nach jedem Challenge eine Woche Pause an Sport und dann fange ich wieder an, weil der Sport ist für mich einfach Urlaub und auch eine Zeit, die ich für mich nehme und Energie und den Körper halt Gesundheit zu geben und Ausgleich. Und der Weg ist der Ziel. Ja, auch, aber ohne quasi ein festes Ziel. Ich hatte heute einen Vortrag auf Englisch für ein IT-Unternehmen aus Holland für 400 Leute. Wo war das? In Bamberg. Und da fragte einer, ich würde gerne einen Ironman machen. Und dann habe ich ihn angeguckt und gesagt, bist du schon mal Marathon gelaufen? Sagt er, ja. Und wie mache ich das, Joey? Ich sage, ganz einfach, du meldest dich heute an. Einfach so. Ich sage, du meldest dich an, da wirst du den Druck spüren und du wirst anfangen zu trainieren und du wirst es schaffen. Dann mache ich das. Super.

Joël Kaczmarek: Und die Frage, die ich noch eben hatte mit dem Weg. Ging es dir bei deinen Läufen auch mehr um den Weg oder um das Ziel, um das Erreichen von etwas?

Joey Kelly: Der Ziel, ja. Also ich arbeite nur mit Zielen. Für mich ohne Ziele macht das keinen richtigen Sinn.

Joël Kaczmarek: Machst du das überall im Leben? Machst du das auch im Privatleben?

Joey Kelly: Auch, ja.

Joël Kaczmarek: Wie sieht es dann aus?

Joey Kelly: Wie meinst du das privat?

Joël Kaczmarek: Hast du mal so ein Beispiel, wo du dir private Ziele setzt? Sagst du, ich will fünf Kinder haben bis 2090?

Joey Kelly: Ja, du brauchst erstens deinen richtigen Partner. Ich bin sehr dankbar, dass meine Frau mir vier gesunde Kinder gegeben hat. Das ist ein Geschenk Gottes. Jedes Kind ist ein Weltwunder. Ich wünsche, dass ich halt quasi mit meinen Kindern arbeiten darf. Also anders wie früher, wo mein Vater sagte, my way or the highway. Und heute sagst du highway zu den Kindern und wenn die eine gute Ausbildung haben, dann sind die auf der Highway und brauchen dich irgendwann nicht mehr. Und jetzt unter uns, ich lerne persönlich mehr von jüngeren Menschen als von Leuten in meinem Alter. Leute in meinem Alter, in 50, sind entweder Gewinner oder Verlierer. Es gibt meistens dazwischen nichts. Entweder die jammern nur noch, früher war das besser. der Untergang oder du bist einfach angekommen, gibst Gas. Aber es gibt einen Schlag von jungen Menschen, ich sage so unter 35, die richtig gut drauf sind. Und das macht riesen Spaß, mit jungen Menschen zu arbeiten. Ich sage nur zum Beispiel, der ganze Kosmos von diesen ganzen Social Media, die es gibt. Man denkt, diese ganzen YouTuber, die sind nur zufällig erfolgreich geworden. Also alle, die ich kennengelernt habe, arbeiten 24-7. Ich nehme mal ein Beispiel. Ich kannte die vorher nicht. Meine Tochter war Fan von ihr. Das Mädel heißt Julia Beautx. Julia Beautx ist 25 Jahre jung und die ist YouTuberin, Creator, Twitcher, alles. Sie hat 4,1 Millionen auf Instagram. Also das heißt, jeder 20. in Deutschland folgt dieses Mädel und dann auch eine Zielgruppe, die jünger ist als über 50, also eher so bis 35, wenn überhaupt. Dann hatte ich 2,5 Millionen auf YouTube Abonnenten. Und dann hat sie auf Twitch, ich glaube, auch 1,5 Millionen. Dann hatte ich noch einen Podcast. Also, und ich habe dieses Mädel 14 Tagen... in New Zealand beobachtet, wie wir halt in der Wildnis abgesetzt wurden bei Minusgrad und nach Minus 8 Grad und nichts zu essen. Und da zeigt sich auch im Extremsituation immer Charakter. Ob sie immer noch Danke, Bitte und im Team arbeitet und alles. Und ich war begeistert. Ich dachte, siehst du, sie ist nicht das zufällig erfolgreich. Sie ist erfolgreich, weil sie einfach gut drauf ist. Weil sie richtig reinklotzt.

Joël Kaczmarek: Siehst du. Patterns bei Leuten, die sowas haben? Also die erfolgreich sind aus Leistung heraus? Also haben die alle Gemeinsamkeiten? Weiß ich, wie sie groß geworden sind oder was die für Charakter-Trades haben oder sowas?

Joey Kelly: Nein, ich glaube, es gibt tausend Wege zu Erfolg. Jeder findet seinen eigenen Weg. Ich glaube, der einfachste Weg ist, du musst deine eigene Nische finden. Authentisch sein und du musst halt einfach mehr geben als nehmen. Ein geiles Team aufbauen, einfach Spaß und natürlich deine Berufung finden. Und wenn ich sage, meine Berufung, heißt auch, wir standen eine Stunde im Stau. Das macht auch keinen Spaß. Ich lebe im Auto. Ich bin heute Morgen um halb fünf aufgestanden, war aber erst um zwei ins Bett, weil ich gestern Abend für die Provinzialen Vortrag hatte und 54 Azubis dann zweieinhalb Stunden durch die Nacht gelaufen mit dem. Ja, das Gesamte, das Ergebnis ist das, was zählt.

Joël Kaczmarek: Den Punkt merke ich mir gleich als dein drittes Ding. Und vorher habe ich noch eine Frage. Wir haben noch gar nicht über Preise gesprochen, was es dich manchmal auch kostet, sowas zu machen. Was würdest du sagen, ist so der größte Preis, den du dafür zahlst, deiner Berufung so nachzugehen?

Joey Kelly: Ja gut, Zeit ist alles, was wir haben. Aber wenn es deine Berufung ist und es macht dir Spaß. dann bist du auf dem richtigen Weg. Und Erfolg kostet natürlich auch Zeit. Aber kein Erfolg, du hast viel Zeit, aber ich glaube, man ist vielleicht nicht so unfassbar glücklich. Also ich könnte es mir nicht vorstellen, einfach nur quasi in den Tag hineinzuarbeiten oder etwas zu tun, was mir keinen Spaß macht. Oder einen Job zu machen, wo ich dann denke, ich mache das nur, weil ich das Geld brauche, um meine Miete zu zahlen. Dann sollte man vielleicht nicht sofort kündigen, aber anfangen halt darüber nachzudenken, ob ich einen Plan B anfangen kann und irgendwann halt quasi das mache, was ich mag.

Joël Kaczmarek: Planst du eigentlich irgendwann mal in Rente zu gehen?

Joey Kelly: Nein, nein, auf keinen Fall.

Joël Kaczmarek: Was machst du, wenn du das nicht mehr machen kannst, was du gerne machst?

Joey Kelly: Ich werde immer das tun, was ich tun kann. Also ich muss jetzt nicht mit 70 Marathons laufen. Es reicht auch, wenn ich zwei Stunden spazieren gehen kann. Mein Traum wäre, dass halt einige von meinen Kindern Bock hätten, mit mir halt quasi weiter zu arbeiten. Mein älterer Sohn Luke, der ist bei mir im Betrieb eingestiegen vor zwei Jahren im August. Und das macht riesen Spaß. Aber der andere, der studiert in den USA. Und der geht seinen eigenen Beruf und der hat seine vier Semester hinter sich und der brennt dafür und der wird halt quasi seinen Weg da machen. Und das ist auch gut so.

Joël Kaczmarek: Sag mal, da hatte ich irgendwie Sekundenschlaf. Was ist denn eigentlich dein Unternehmen? Wenn du sagst, du bist auch Unternehmer, was ist genau der Inhalt?

Joey Kelly: Genau, also es sind vier verschiedene Geschäftsäulen. Es ist einmal The Kelly Family, nach wie vor bringt sehr gute Einnahmen durch den kompletten Bergkatalog, weil wir alle Rechte. zu Trademark und alle Produkte immer selber produziert haben und alle Rechte selber haben. Und das ist etwas, was nach wie vor läuft und das wird halt quasi ausgeschüttet. In den einzelnen GbR-Mitgliedern sind acht in der GmbH und GbR. Da bin ich zuständig für die Finanzen. Das ist eine coole Geschichte. Alle paar Jahre gehen wir auf Tour. 2017 waren wir auf Tour bis 2022 Herbst. Mit ein bisschen Corona-Pause hatten wir 127 Konzerte, zwei Millionen Zuschauer, 2,5 Millionen CDs dazu verkauft. Also irre. Dass man wieder die SAP Arena füllen kann und die Köln, die Westfalenhalle sechsmal und was auch immer. Und das ist eine Geschäftszeile. Dann gibt es halt quasi, ich habe eine ganze Flotte von Unternehmen, die ich für arbeiten darf. Also über 20 Unternehmen, wo ich dann halt quasi feste Verträge habe. Angefangen von Finanzdienstleister, Autoindustrie und dies und das. Und das sind Kooperationen. Und das läuft sehr, sehr gut. Und die meisten Unternehmen arbeiten wir zehn Jahre, 15 Jahre. Und das geht immer in die Zukunft. Da gibt es halt quasi auch natürlich Termine, die ich dann halt abarbeite. Dann darf ich ab und zu einen sinnlosen Vortrag halten. Und das sind halt ein paar im Jahr. Also ich sage mal so, ich bin der Redner, der am meisten arbeitet. Über 200 Vorträge im Jahr. Europaweit auf Englisch, Deutsch. Und das wird auch sehr gut bezahlt, auch wie heute. Und dann habe ich noch ein Immobilienunternehmen. Und da ist mein Sohn angestiegen. Also seit 23 Jahren habe ich einen Baubetrieb. Und kaufe Immobilien, vermiete, verwalte und saniere. Und das ist auch super. Ich habe neun Angestellte. Und das sind die vier. Vier Betriebe, die ich habe und alles läuft.

Joël Kaczmarek: Wann schläfst du noch?

Joey Kelly: Ich schlafe im Auto oft. Heute Morgen bin ich dann zwei. Ich habe jemanden, meinen besten Freund, Phoebe, der quasi mit mir unterwegs ist. Wir sind ein Team und wir arbeiten No Limits und dann geht es unterwegs. Wir nutzen die Gelegenheiten, es läuft gut, es macht Spaß, es ist geil hier zu sein. Ich bestelle mir gleich einen Wein und das Leben ist schön. Ich freue mich auf Gespräche mit so viele interessante, coole Leute. Und später irgendwo, wenn wir fertig sind, werde ich halt quasi hier auch Geschenke bringen. Und zwar für alle. Kelly-CDs, die keiner mehr will. Und wenn Sie Fragen haben, natürlich freue ich mich auch. Ich übernachte sogar heute in Karlsruhe, weil ich morgen in Stuttgart halt quasi weitere Tätigkeiten habe. Und es geht alles weiter. Das Leben ist schön.

Joël Kaczmarek: Ich weiß nicht, vielleicht ist es ein bisschen unsensibel, dich das zu fragen, aber wenn man sich so quält wie du, steckt da auch das Thema Selbstliebe drin, was dir vielleicht manchmal fehlt?

Joey Kelly: Nee, also ich bin mit mir selbst im Klar.

Joël Kaczmarek: Habt ihr noch Power für ein bisschen? Yes! Ich habe euch leider nicht gehört. Hast du noch Power für zwei?

Joey Kelly: Ich habe Power, ja.

Joël Kaczmarek: Du hast eben das dritte Ding ja schon angerissen. Gib mehr, als du nimmst. Was heißt das für dich?

Joey Kelly: Das heißt, dass du investierst quasi in das, was du tust und dein Team und deine Partnern und das kommt alles zurück.

Joël Kaczmarek: Ich erlebe ja ganz viele Menschen, dass die genau mit dem umgekehrten Weg durch die Welt gehen. Kannst du mal vermitteln, warum das zurückkommt? Ich glaube, ganz viele können sich das gar nicht vorstellen, dass dieses What goes around comes around. den Ort besser hinterlassen, als man ihnen vorgefunden hat, dass sich das auszahlt. Ich finde das aber sehr inspirierend.

Joey Kelly: Es ist aber eigentlich logisch. Ich meine, wenn wir unterwegs halt quasi in der Blutspur hinterlassen, dann ist es nur eine Frage von Zeit, wenn du irgendwann quasi ganz alleine bist. Geschäftlich sowieso und privat auch. Also auf beide Ebenen. Wenn ich, sag ich mal, kein, sag ich mal, fairer Freund bin, dann wird es irgendwann so sein, dass man halt wirklich alleine da ist. Und das ist doch irgendwie Selbst schuld.

Joël Kaczmarek: Heißt das aber wirklich, dass du in deinem Leben manchmal Dinge machst, die für dich vielleicht in der Sekunde gar nicht so vorteilhaft sind oder sogar von Nachteil, um quasi in so eine Beziehung zu investieren?

Joey Kelly: Möglicherweise, ja. Natürlich muss man halt auch investieren. Und dann manchmal ergibt sich das Ergebnis nicht. Dann ist es halt so. Und mit der Zeit natürlich lernt man auch besser zu investieren. Besser halt quasi Menschenkenntnis. Und es ist okay. Ich brauche auch kein großes Freundeskreis. Also ich bin voll, ich habe wirklich eine Handvoll Freunde. Und wir... telefonieren auch nicht jede Woche, sondern halt auch immer wieder. Aber natürlich habe ich sehr, sehr viele Menschen, die ich kenne. Und es macht sehr, sehr viel Spaß mit vielen Leuten, die quasi selber halt quasi sich nach vorne bewegen. Es ist schön. Es ist wirklich. Also ich bin sehr glücklich. Also vor kurzem, vor einem halben Jahr, mein Freund, Hubert Schwarz heißt er, ne? Und ich habe jetzt den letzten halben Jahr 21 Kilo abgenommen. Und letzten Herbst war ich ein bisschen schwer. Und der hat mich angerufen und der ist mein Freund und Mentor und Trainer gewesen. Und der sagt, Joey... Er ist 70 und sagt, ich mache mich Sorgen über dich. Du musst was tun. Und dann hat er nicht aufgehört. Und dann habe ich ihm gesagt, Hubert, Hubert, Hubert, ich bin glücklich. Und dann sagt er, okay, dann höre ich auf.

Joël Kaczmarek: Wie gehst du denn damit um, wenn dieses Vertrauen in Menschen auch mal enttäuscht wird?

Joey Kelly: Keine Ahnung, es ist mir egal eigentlich. Früher hat es wahrscheinlich auch oft wehgetan oder whatever. Ich gehe einfach weiter. Ich lasse mich nicht ärgern. Ich lasse mich nicht irgendwie von irgendjemand quasi. Zum Beispiel, wenn ich Arbeit mache. Das kommt nie vor. Das ist halt einmal in zehn Jahren vorgekommen. Die zahlen die Rechnung nicht. Ich verklage nicht. Ich lasse sie auf der Strecke liegen. Ich verschwinde meine Energie nicht mal halt quasi irgendwie mit Negatives. Es lohnt sich nicht. Ich habe die Zeit, die Energie nicht. Und deswegen gehst nach vorne. Die werden sich selber irgendwann... Das Thema Karma gibt es. Es gibt Karma. Die ist da. Und jemand, der quasi sich nicht gut verhält, er wird selber irgendwann wissen und auf der Strecke einfach selber bleiben.

Joël Kaczmarek: Vielleicht als vierten Punkt. Ich fand auch in deiner Präsentation einen schönen Satz. Der Hut lügt nie. Das ist ja unter Unternehmern, sag ich mal, ich glaube, der wichtigste Rat. die man so haben kann. Wie integrierst du das denn in deinem Leben?

Joey Kelly: Ja, das war mein erster Job, dass ich nicht nur Musik machte, sondern halt mit dem Kopf rumging. Und ich konnte das immer gut und kann es heute noch. Und der Hut lügt nicht, die Fakten spielen für sich. Also die Fakten, genau, die sprechen für sich. Und deswegen ist es ein Satz, der sehr authentisch ist, finde ich. Weil dieser Satz habe ich nie irgendwo anders gehört. Und mein Vater hat immer gesagt, der Hut lügt nicht. Und die Fakten einfach mit den Zahlen sprechen für sich, dass du halt quasi auf dem richtigen Weg bist.

Joël Kaczmarek: Was ist der beste Weg, um Leute dazu zu bewegen, in dich zu investieren? Also was waren so deine Tipps und Tricks, wenn du mit dem Hut rumgegangen bist?

Joey Kelly: Ja, also wenn man zum Beispiel, also wir bauen auf, wir spielen. Ich bin auf der linken Seite und alle 20 Minuten gehe ich von dieser kleinen Bühne, die 30 Zentimeter hoch ist, runter und dann hole ich mir den Korb. Und das Erste, was ich mache, ist, ich muss mir innerhalb von einer Sekunde den ersten Kunde aussuchen und der sollte auch spenden. Und irgendwann habe ich das so raffiniert gemacht. dass du gefühlt, 99% habe ich immer den richtigen gefunden, weil wenn du den richtigen findest, dann ist es wie so eine Kettenreaktion, dass die anderen auch. Und wenn du dich halt quasi in diesem Publikum bewegst, man muss sich das so vorstellen, die Leute, die auf der Straße quasi einen zuhören, die sind nicht zufällig da, weil die wissen, dass du da bist, sondern halt die gehen da vorbei und eigentlich sind die auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause oder einkaufen. Also musst du gucken, dass du möglichst das Publikum nicht verscheuchst. Weil die Hälfte der Leute, die am Publikum stehen, die stehen nur, weil die anderen stehen. Die sind neugierig. Nur das entsteht ein sogenannten auf Englisch a fever. Und dieser Fever ist so, dass es halt quasi, dass die Leute mehr Stimmung machen und die mehr Leute da stehen, die quasi, die cooler es ist und der Applaus ist größer und der Lacher ist größer und alles läuft gut. Und dann musst du dich in diesem Publikum so bewegen, dass diejenigen, die nicht spenden, nicht das Gefühl bekommen, dass sie spenden müssen. Ist auch nicht schlimm. Du machst es dem angenehm. Du guckst sie nicht in den Augen, du bewegst dich einfach so wie eine Gazelle, einfach elegant. Aber wenn ich in 20 Minuten wieder zurückkomme und die stehen nur da, dann spenden die so 98%. Und das ist halt quasi etwas, was man halt lernt auf der Straße, die sogenannten Streetwise-Business. Und das kannst du auch mitnehmen für das normale Business.

Joël Kaczmarek: Wie hast du denn immer die richtigen Leute identifiziert, wenn du sagst, 98% hat es getroffen?

Joey Kelly: Du baust irgendwann ein Instinkt. Meistens habe ich auf Frauen gesetzt. Weil Frauen sind emotionaler und besser wie wir Jungs. Und dann guckst du, zack, und dann entscheidest du für eine tolle Frau, die dich im besten Fall von halbem D-Mark spendet. Und dann lässt du dir Zeit und bedankst dich. Und dann gehst du ganz langsam nach vorne und bewegst dich durch das Publikum und guckst, dass du die Ambiente nicht kaputt machst und die Stimmung bleibt oben. Und trotzdem sammelst du Spenden und das funktioniert.

Joël Kaczmarek: Ich habe mich immer gefragt, wenn man ein Restaurant aufmacht, ob es nicht schlau wäre, da zehn Leute kostenlos essen zu lassen, um dieses Fever herzustellen. Wäre das für euch nicht auch gegangen? Die halbe The Kelly Family macht Musik und die andere stellt das Publikum?

Joey Kelly: Ja, so viele waren wir auch nicht. Wir waren insgesamt zwölf Geschwistern, aber es gab immer die ganz Kleinen, die quasi nicht dabei waren. Irgendwann, wenn die groß waren, waren die doch dabei. Das The Kelly Family auf der Straße war immer. Der harte Kern waren fünf und das war Kathy, Patricia, John. Jimmy und ich. Und dann kamen Maite, Paddy und Angelo dazu und Barby.

Joël Kaczmarek: Wo habt ihr eigentlich eure Bildung her? Wurdet ihr sozusagen on the road auch unterrichtet von euren Eltern?

Joey Kelly: Genau. Wir haben keine normalen Schulenbesuch. Gar keine Schulen. Und wir haben alle keinen Schulabschluss und deswegen nie was gelernt.

Joël Kaczmarek: Ja, aber läuft ja trotzdem für dich. So, vier haben wir. Hast du noch eine letzte Sache, wo du sagst, mit 20 hätte ich das gerne gewusst? Aus dem Bauch raus. Also, wir hatten finde deine Berufung. Der Hut lügt nicht. Gib mehr, als du nimmst. Was habe ich noch vergessen? Hilf mir mal einer. Habt ihr auch nicht aufgepasst, wa? Du wartest nur bis ich... War nur die vier. Und eine Sache noch. Was bringst du deinen Kindern denn bei als letztes? Wo du sagst, der eine Wert, wo du sagst, hey, wenn meine Kinder mal durchs Leben gehen sollen, ist mir wichtig,

Joey Kelly: dass sie ihren Weg gewinnen. Ihren Weg finden und das tun, was die lieben. Ihre Berufung, nicht meine Berufung. Dass die dann wirklich das tun, wofür die brennen. Und ich wünsche, die bleiben gesund und tolle Partnern finden. Und ich würde mich sehr, sehr freuen, wenn ich das erleben darf, dass ich Opa werden darf. Und ich werde mich um die Enkelkinder kümmern. Der beste Paar Opa. Die kriegen alles, was ich will. Alles. Und jetzt gebe ich es dir noch so. So ein weiteres Family Tool. Ich bin immer der beste Onkel von allen meinen Neffen. Wirklich. Und wir haben 25, habe ich.

Joël Kaczmarek: Das sind viele.

Joey Kelly: Und wie mache ich das? Ich investiere keine Zeit, gehe mit dem nicht Eis essen, rufe die auch nicht an. Gar nichts. Ich habe das von meinem Onkel übernommen. Onkel Jim. Hat er sie mal gemacht. Wenn du die siehst, gib dir immer einen Zehner. Ich schwöre es dir, es ist geil. Als Kind, es gibt nichts Schlimmeres, als wenn du Geschenke bekommst von deinem Onkel und die sind immer falsch. Aber wenn du Kohle bekommst, dann kannst du genau das kaufen, was du selber willst. Und dann ist es so, meine Geschwister sagen immer, hör auf dabei, Joey. Aber die Kinder lieben das. Und ich gebe mal noch ein Beispiel. Gabriel Kelly, der Sohn von Angeloo, der letztes Jahr Let's Dance gewonnen hat. Der ist ja mittlerweile 3,24. Den habe ich immer getippt. Und der ruft mich so zwei, drei Mal im Jahr und sagt, Onkel Joey, was kann ich für dich tun? Da sage ich, ich brauche Karten für die Let's Dance-Geschichte. Meine Nachbarn, die wollen da hin. Kriegst du alles, was du willst. Also es zahlt sich zurück.

Joël Kaczmarek: What goes around, comes around. Na dann, ich würde sagen, war Zeit, was zu essen und was Gutes zu trinken.

Joey Kelly: Dankeschön, vielen Dank, schönen Abend.