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Joel Kaczmarek: High Five Leute, hier ist Joel und ihr wisst ja immer, bei 5D20 gibt es inspirierende Menschen, die mir netterweise Lernabkürzungen bescheren, indem sie mir sagen, was sie denn gerne schon für 5 Dinge mit 20 gewusst hätten. Und wie immer mache ich es so, dass ich am Anfang dich mal mit auf die Reise nehme, meinen Gast mal ein bisschen kennenzulernen, weil ich finde das immer wichtig für den Vertrauen zu aufbauen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, Möchte ich dem eigentlich zuhören bei seinen fünf Dingen? Und ich kann dir sagen, der Gast, den ich heute habe, das möchtest du, weil der liebe Erik Pfannmöller ist ein extrem geil strukturierter Mensch, der total hohe Werte hat und gleichzeitig aber auch ganz viele Theorie-Dinge verstanden hat, weswegen er es schafft, diese Dinge, die er sich vornimmt, auch wirklich umzusetzen. Und vielleicht liegt es daran, dass er früher Leistungssportler war. Er ist nämlich Weltmeister geworden im Kanufahren. Wir reden gleich auch noch über sein beinahe Olympia-Erlebnis, weil er hat drei Jahre lang die Weltrangliste auch angeführt. Dafür hat er es nicht zur Olympia geschafft, hat aber gesagt, hey, da habe ich total viel daraus gelernt. Und dann hat er zwei spannende Firmen gegründet, ist jetzt dabei, Unternehmen dabei zu helfen, eine geile Kultur aufzubauen. Also ihr merkt, Erik hat ganz viele Ebenen, die in ihm drin schlummern. Das Technische, das Unternehmerische, aber vor allem auch das Sportliche. Und ich kann euch sagen, ich kenne ihn schon eine ganze Weile. Ich glaube, das gibt eine sehr gute Mischung ab. Von daher, lieber Erik, hallo und schön, dass du da bist.
Erik Pfannmöller: Danke, Joel. Freut mich, wie immer bei dir zu sein.
Joel Kaczmarek: Ja, ich habe ja schon angedroht, dass wir dich jetzt erstmal so 10, 15 Minuten noch ein bisschen kennenlernen wollen. Ich weiß, du hast zwei Brüder, weil einen anderen Bruder kenne ich auch. Ich glaube, Sport ist euch auch so ein bisschen in die Wiege gelegt. Erzähl mal so ganz kurz, was hast du so für eine Jugend? Wie bist du dazu gekommen, dass du in so einem Kanu sitzt und um Weltmeisterschaften fährst?
Erik Pfannmöller: Ich sage immer, ich habe meine Jugend im Kanuboot verbracht und mehr Stunden auf kaltem Wasser im Gesicht als eigentlich mit Jugendlichen und einem Bier in der Hand. Man muss dazu sagen, meine Mama war mal DDR-Meisterin im Kanu-Slalom. Die Schwester meiner Mama war mal Weltmeisterin. Mein Papa ist Vereinsvorsitzender geworden und ich habe zwei große Brüder, einmal acht und vier Jahre älter und Weil die auf Wettkämpfen waren. Der eine war mal Nationalmannschaft, der andere hat sogar eine Olympiamedaille gewonnen. Musste ich mit fünf Jahren schwimmen lernen, weil meine Eltern Angst hatten, dass ich untergehe, wenn ich mit am Wettkampf bin, obwohl ich noch gar nicht starten durfte. Das heißt, ich bin vor der Kita. von sechs bis sieben Uhr bin ich in den Schwimmkurs gegangen, weil es einfach so wichtig war, dass ich sehr früh sehr gut schwimmen konnte. lernen konnte. Und dann war es eigentlich ganz klar. Ich meine, unser ganzes jugendliches Leben hat sich um den Sport gedreht. Der Verein war 500 Meter entfernt. Wir waren bei allen Wettkämpfen dabei. Wie gesagt, Vater, Vereinsvorsitzende, Mama, mittlerweile Trainer, alle Brüder in der Nationalmannschaft. Es war klar, dass ich als Jüngster Bock habe, früh da mitzumachen. Und ich war auch schon sehr früh dabei. Und das ist, wenn man sich so Profisportkarrieren anschaut Wenn das Familienumfeld darauf getrimmt ist, dann ist das irgendwie klar, weil man sehr früh rankommt. Und so ist es auch passiert, dass ich in der jüngsten Altersklasse mit zehn Jahren mit Abstand Deutscher Meister geworden bin. Auf Anhieb, bei einem meiner ersten Wettkämpfe.
Joel Kaczmarek: Krass, und war das denn aber für dich unangenehm? Also waren so diese Fußstapfen, die dir da schon ausgelegt wurden, für dich welche, die du vielleicht im Nachhinein gar nicht ausfüllen wolltest?
Erik Pfannmöller: Ähm. Das ist eine sehr gute Frage. zu der Kompetitivität unter Brüdern. Zum Glück hatte mein Bruder nicht unterschiedliche Disziplinen. Das heißt, das eine war den Paddel rechts und links und das andere waren die Kanadier, wo man so dieses eine Paddel hat und manchmal kniet. Das heißt, wir hatten die gleiche Sportart, sowas wie Leichtathletik und ich war Hürdenläufer und er war Weitspringer, so ungefähr. Das heißt, wir hatten unterschiedliche Disziplinen und bei uns war es positiv, weil meine Disziplin circa vier Prozent schneller war und ich gemerkt habe, je älter ich wurde, dass ich ihn irgendwann mit so 16, 17 Jahren angefangen habe zu überholen. Das heißt, es gab eine sehr schöne, positive Kompetitivität. Wenn du aber die gleiche Sportart hast und die Brüder gegeneinander antreten, dann kann das sehr, sehr negativ werden, weil meist einer der Unterlegene ist.
Joel Kaczmarek: Was ist das für ein Leben, was du als so ein Leistungssportler führst? Weil ist es die ganze Zeit Verein, Druck, trainieren und auch unangenehm? Ist es aber auch irgendwie Kameradschaft? Wonach fühlt sich das so an?
Erik Pfannmöller: Für mich war es schon ein sehr durchstrukturiertes Leben. Ich musste früh anfangen, ich war auf einer normalen Schule, auf so einem naturwissenschaftlichen mathematischen Gymnasium. Und ich musste in der Freistunde, da habe ich zwei Stunden frei, 16 Jahre, habe ich Krafttraining gemacht. Bin hin, Verein, Metall gestemmt und dann konnte ich den Stift nicht mehr halten in der nächsten Stunde. Das heißt, das war sehr, sehr organisiert. Irgendwie kommt aus meiner Familie, und das meine ich ohne Wertung, sondern dieses Funktionieren als Kind. Das wurde mir irgendwie in die Wiege gelegt. Und für mich war immer die Funktion von Sachen wichtig. Und ich will so viel wie möglich trainieren, aber ich muss natürlich auch meine Schule schaffen. Und das Leben als Profi-Sportler in der Schule, bis ich 18 war, war einfach sehr durchgedaktet. Ich habe wenig Zeit vergammelt und ich war eigentlich jeden Tag mit coolen Leuten im Verein unterwegs und durfte Länder bereisen und mir wurde immer auf die Schulter geklopft und ich habe viele Goldmedaille mit nach Hause genommen. Das war ziemlich cool. Es war auch sorgenfrei. Und dann kommt sozusagen mit 18 bin ich direkt nach der Schule ins Landesleistungszentrum, bin Sportsoldat geworden, bin zu Hause mit einem kleinen Mini damals, den ich von einem Auto ausgestellt bekommen habe, mit 70 PS, war total stolz wie Bolle, Auto voll, zuletzt das Snowboard drauf und dann bin ich halt Richtung München gegangen und bin Profisportler geworden. Und dann wurde es schon auch ernster, bisschen mehr Druck, dann ist man auch körperlich viel mehr an seine Grenzen gegangen und Dann wurde es schon wie ein Beruf. Das hat dann nicht immer Spaß gemacht. Aber ich will mich gar nicht beschweren, weil Leistungssportler sein ist absolut ein sorgenfreies Leben.
Joel Kaczmarek: Wobei ich höre bei dir gerade so raus, Arnold Schwarzenegger hat ja immer so erzählt, dass der von seinem Vater dieses Be Useful mitbekommen hat. Ich glaube, du weißt auch, das ist das zweite Buch von dem. Und ich hatte den Eindruck, der leidet da eigentlich auch auf der Art drunter. Also es ist ja auch was, womit so ein Charakter so ein Stück weit entwertet wird, so nach dem Motto, nur wenn du nützlich bist, bist du was wert. Hast du das auch gespürt, dass du so diesen Leistungsdruck und dieses, weil es ergibt auch viel Kindheit zu verloren, wenn man so was, so einen Lebensstil hat wie du?
Erik Pfannmöller: Be useful ist ein Thema, weil das faktisch die Emotionen rausnimmt. Das ist ein Thema, an dem ich viele, viele Jahre, vielleicht sogar jetzt Jahrzehnte, 20 Jahre mit meiner Frau zusammengearbeitet habe, das Thema Be useful. Es gibt auch Emotionen, die darf man auch zulassen. Also wir hatten immer das Thema, nur wenn es weh tut, geht es voran. Und wenn es weh tut, dann tun wir noch einen drauf. Und das ist auch das, was einer als Sportler, weil der, der am meisten trainiert hat und immer hat und es geht über Schmerzen und in gewisser Art und Weise ist das auch so. Und mittlerweile habe ich aber verstanden, dass das im Geschäft in gewisser Art und Weise nicht so ist, sondern über Intelligenz und nicht über Physis. Aber being useful, das ist, und dazu kommen wir auch noch, das Thema, nur der Erfolg macht mich zu einem guten Menschen. Aber ich kann auch ein guter Mensch sein, wenn ich nicht den direkten, messbaren, monetären Erfolg habe. Und ich bin nicht weniger schlecht, wenn ich Vierter werde bei irgendwas, aber wenn ich trotzdem was Gutes dabei getan habe. Dann hat es einfach nicht geklappt oder es gab Zufall oder andere Dinge.
Joel Kaczmarek: Ich bin gerade hellhörig geworden bei dem Wort Emotionen, weil so wie ich dich kennengelernt habe, bist du einer der strukturiertesten Menschen, die ich kenne. Du arbeitest viel so mit Logik durch und hast eine unglaublich hohe Disziplin. Wie ist denn das Thema Emotionen bei dir gelagert? Weil auf mich wirkst du immer so mit so einem Herzschlag von, weiß ich nicht, Ruhepuls von 50. So sehr flat in den Emotionen, also sehr gerade.
Erik Pfannmöller: Mein Ruhepuls ist nachts sogar unter 40. Da habe ich manchmal die Warnung von der Apple Watch bekommen, dass ich einen so niedrigen Herzschlag habe. Das liegt aber an meinem Sportlerherz. Und solange ich darüber nachdenke, über Emotionen zu sprechen, fällt mir schwer, insbesondere über negative. Positive Freude gerne. Ich habe immer gelernt, negative Emotionen, drück sie weg, mach dein Training, das wird schon. Und das ist auch Mittlerweile habe ich verstanden, dass Emotionen zu verstehen, dass sie da sind, Sinn macht und man sich dann aktiv entscheiden kann, wie man damit umgeht. Und dass manchmal eine emotionale Reaktion auch die bessere ist, als es nicht zu machen oder in sich reinzufressen. Hängt von der Situation ab.
Joel Kaczmarek: Und sag mal vielleicht so abschließende Frage zu deinem Werdegang, die Businesswelt, in die du dann eingetaucht bist. Wie viel konntest du von deinem Sportler-Dasein da übertragen? Weil ich kann ja mal so im Express-Format kurz beschreiben, deine erste Firma, da habt ihr Sportartikel verkauft, also die MySportGroup hast du erfolgreich verkauft und deine zweite Firma war eine KI-Firma, die ihr dann auch in Richtung Kundendienst gedreht habt. und jetzt machst du schon eine dritte Firma, wo du anderen Unternehmen dabei hilfst, in Form von Beratungen, wie man eine geile Kultur in der Firma baut. Was davon hast du denn aus deiner Sportwelt mitgenommen?
Erik Pfannmöller: Man muss dazu sagen, das war ja diese Hightech-Venture-finanzierte Welt. Diese schnelle Startup-Welt, wo man jungen Leuten sehr viel Geld in die Hand drückt und die dann in schneller Geschwindigkeit und unglaublicher Arbeitsdisziplin und Output Dinge machen, die sonst für unmöglich gehalten werden. In die Welt habe ich super reingepasst, weil ich habe sehr hart, sehr strukturiert gearbeitet. Ich habe eine sehr hohe Belastungsfähigkeit, auch durch den Sport. War auch sehr fokussiert und deswegen habe ich voll reingepasst in dieses Startup. Damals E-Commerce 2010, wir haben sehr viel gearbeitet, sehr viele coole Dinge gemacht. Es gibt sehr viel Startup-Mentalität, die gehört zu sportlichen Werten. Ehrgeiz, Growth-Mindset, Fehlerkultur, Teamwork, harte Arbeit. Es gibt aber auch zwei, drei Sachen, wenn man Gründer wird und ohne jetzt ins Detail zu gehen, weil das ist kein Business-Podcast, das Thema Selbstmachen, Selbstoptimierung als Sportler versus die Rahmenbedingungen für eine Firma setzen. Das ist ein ganz klares Mindset-Thema. Als Gründer musst du Rahmenbedingungen setzen und nicht selbst performen. Du bist nicht der Mittelstürmer, der die Tore schießt. Du bist die, die das Team enabelt. Du bist ein Coach. Und diese Transition vom Mittelstürmer zum Coach, die ist schwer. Außerdem habe ich verstanden, dazu kommen wir aber noch nachher gleich, Intelligenz und nicht harte Arbeit führt zum Ziel, sondern die Kombination von beiden.
Joel Kaczmarek: Okay, komm, dann ist doch jetzt ein guter Zeitpunkt, um mal in deine fünf Dinge reinzutauchen. Was ist das Erste, was du gerne schon mit 20 gewusst hättest?
Erik Pfannmöller: Ich fange ganz philosophisch an, und zwar Alles folgt dem Sog der Persönlichkeit. Da geht es bei mir um ein Thema wie Zuversicht und Urvertrauen. Irgendwie gibt es Themen, die Steve Jobs damals schon gesagt hat, 2004, Commencing Speech in Stanford, Connecting the Dots Backwards. Und wenn man ein bisschen Erfahrung hat, dann merkt man, ich bin an einem Punkt, weil ich vorher Entscheidungen getroffen habe. Ich bin ein fester Verfechter von Determinismus. Was ich heute tue, hat einen Effekt auf morgen, hat einen Effekt auf übermorgen und dann baue ich darauf auf und dann gibt es eine logische Kette, die man rückverfolgen kann. Und was meine ich damit? dass ich heute Firmenkultur mache. Nachdem ich eine sehr starke Firmenkultur hatte, in meiner vorherigen Firma, hängt irgendwie zusammen. Dass ich da lebe, wo ich jetzt lebe, nämlich ich arbeite sehr viel remote und lebe gerne in den Bergen, weil ich immer noch sehr viel Sport mache, hat auch damit zu tun, dass ich früher mal Sportler war, weil ich sozusagen damals die Persönlichkeit war. Meine erste Firma hatte Sportsachen im Internet verkauft, als E-Commerce-Firma, weil ich mal Sportler war. Und der Sportler war ich, weil meine Familie sozusagen sehr sportlich war. und habe ich mich jetzt entschieden oder nicht? Ist auch eine Frage. Es war einfach so. Und wenn man jetzt Zurückblickend ist connecting the dots backwards ziemlich einfach. Aber die vorwärtsgerichtete Sache hätte ich gerne gewusst, nämlich Erik, man trifft ja jeden Tag tausende Entscheidungen, wirklich tausende. Was esse ich? Was ziehe ich an? Wie erziehe ich meine Kinder? Auf welche Schule sollen meine Kinder gehen? Wie gehe ich mit meiner Partnerin um? Wie bin ich sozusagen auf Arbeit? Entscheide ich mich, diese Person oder die andere einzustellen? Irgendwie ist alles, was man tut, so ein bisschen zurückzuführen auf die eigene Handlung, dem Sog der Persönlichkeit. Und Den Satz, den hat eine ganz tolle Business-Coachin zu mir gesagt, mit der ich mal, nachdem ich zu viel gearbeitet habe, 2013 gesagt habe, du Erik, entspann dich mal, es folgt sowieso alles deiner Persönlichkeit. Und jetzt, 15 Jahre später, sage ich, Es ist so eine Art Karma. Und Karma ist, wenn man nach zehn Jahren merkt, zu der Person habe ich damals was gemacht. und zehn Jahre später in der nächsten Firma ist sie die Person, die entscheidet, weil ich damals nett war, obwohl ich sie leider entlassen musste, dass wir die Kundenbeziehung kriegen. Das heißt, connecting the dots backwards oder es folgt sowieso alles in so einer Persönlichkeit. Erik, entspann dich mal. Es wird passieren, weil du hast gewisse Eigenschaften und du wirst die Entscheidung treffen, aber zermater dir nicht den Kopf und das würde ich meinen Kindern gern sagen, was in der Zukunft passiert, denn es wird sowieso passieren.
Joel Kaczmarek: Jetzt können wir ja nochmal die Worte auseinandernehmen, weil in Sprache schmeckt ja ganz viel drin. Das ist der zweite Baustein, das Thema Persönlichkeit. Und ich habe aus deinen Ausführungen so darüber nachgedacht, was formt denn eigentlich eine Persönlichkeit oder ist die schon da? Also ich glaube, so ein Stück weit, wenn wir auf die Welt kommen, ist vieles schon angelegt in uns. Aber als du gesagt hast, ganz viele Menschen fragen sich, wo bin ich in fünf Jahren? Ich glaube, denen fällt manchmal auch schwer, Persönlichkeit von Umfeldfaktoren zu unterscheiden. Also dann sind es irgendwie deine Eltern, die dich prägen, die Schule, you name it, gibt es ja ganz viele Einflussquellen. Das heißt, was ist denn so dein Blick auf das Thema Persönlichkeit? Was würdest du sagen, wie bildet die sich heraus?
Erik Pfannmöller: Ich bin ein Freund von Studien und Wissenschaftlern und nicht eigener Meinung. Ich würde gerne den Coursera-Kurs The Science of Happiness empfehlen. Und da wird eine Studie zitiert, die sagt, 50 Prozent des Charakters ist angeboren, 40 Prozent ist Prägung und 10 Prozent Zufall. Gene, wie baut sich das Gehirn zusammen? Ist Biochemie ganz kompliziert? 40 Prozent ist, wen lernst du kennen? Das kann man ja auch nicht steuern. Wer sind die Freunde von meinen Kindern? Wen treffe ich durch Zufall? Dass ich dich getroffen habe, hat mein Leben verändert, weil ich dadurch mal Podcast-Moderator war für drei Jahre. Und immer noch Podcasts mag. Und so formt sich der Charakter. Auch Umstände kommen sozusagen dazu. Einfach durch die Lebenserfahrung. Da kommt dieser 10% Zufall. Weil Unfall, weil politische Krise, weil, ich meine, ich stehe ja immer vor die Wände. Die hat meine Eltern verändert zum Beispiel. Oder jetzt das Thema KI. Das heißt, ich glaube fest daran, dass Charakter sich festfährt über die Zeit, aber dauerhaft veränderbar ist.
Joel Kaczmarek: Habe ich gerade aber richtig bei dir verstanden, dass du eher Studien glaubst als deiner eigenen Meinung?
Erik Pfannmöller: Ja, ganz fest. Ich versuche Studien zu finden und wenn Forscher Dinge herausfinden, dann glaube ich an das, was Forscher in einer Doppelblindstudie nachgewiesen haben, als das, was ich fühle. Ich glaube an Expertise. Man sagt ja, 10.000 Stunden etwas tun im Leben, dann ist man Meister. Und ich glaube, ich bin eine believable Person, was Kanu und Strömungen angeht. Mittlerweile vielleicht auch als CEO oder Geschäftsführer von Hightech-Startups. Und Diese Believability ist derjenige weißes, der hat es gemacht und er hat aufgeschrieben, was seine positiven und negativen Sachen waren. In einer Studie, dem glaube ich. Man muss natürlich Dinge hinterfragen und es gibt eine Intuition. Ich versuche aber, sie immer mit Fakten zu hinterlegen.
Joel Kaczmarek: Interessant, wie du da tickst. Was ist dein zweites Ding?
Erik Pfannmöller: Be relentless, but smart. Ich habe lange über die Formulierung nachgedacht, mir ist keine bessere deutsche eingefallen. Und jetzt würde ich gerne diese zwei Wörter erklären. Nämlich, relentless heißt sowas wie unnachgiebig, klingt noch nicht so cool auf Deutsch. Das heißt, die extra Meile gehen. hart trainieren. Ich kann immer noch eine Wiederholung mehr machen. Ich kann auch eine E-Mail mehr schreiben. Be relentless. Just do it. Es gibt keinen Plan B. Du gehst nur den Plan A. Du wirst auf den Berg steigen und du wirst es schaffen. Und du kannst dich selbst nur weiterentwickeln, wenn du deine eigenen Grenzen pusht. Das ist Relentlessness. Und auf der anderen Seite, und ich nenne das manchmal auch diese operative CPU in meinem Kopf oder die Froschperspektive. Aus der Froschperspektive machst du einfach Dinge. Und dann gibt es aber auch die strategische CPU oder die Vogelperspektive, das ist die Smartness. Und die ist vielleicht nur 10 bis 20 Prozent aktiv. aber die hinterfragt sozusagen, die stellt die Rahmenbedingungen, die ist der Steuermann, der den Kurs steuert. Aber sich parallel, kontinuierlich in bestimmten Abständen zu fragen, ist das richtig oder nicht, das ist für mich total wichtig zu verstehen, dass es eben nicht ist, du musst viel arbeiten, sondern du musst smart arbeiten und dann, wenn du weißt, dass es smart ist, einfach mal Dinge wegschaffen.
Joel Kaczmarek: Ist das dein Rezept für alles, was du im Leben angehst? Also bist du bei allem relentless oder wählst du auch Dinge aus, wo du nicht relentless bist?
Erik Pfannmöller: Es ist so ein bisschen wie im Sport. Wenn du irgendwas erreichen willst, sagen wir mal, du willst Kanu-Weltmeister werden, dann müsstest du ja viel trainieren, aber du musst dich auch fragen, trainiere ich das Richtige? Und ich habe damals den Trainingsmannschaften die Frage gestellt, warum trainieren wir 30 Prozent unserer Sachen im Winter ausschließlich Grundlagen-Ausdauertraining, so ganz langsames Training? Und die Antwort war, wollen wir das schon immer so machen? Und damit war ich nicht zufrieden, sondern ich habe mir die Frage gestellt, was brauche ich im Wettkampf, worauf kommt es an? Gibt es Studien, die beweisen, dass viel Ausdauer das macht? Und ich habe zuerst vertraut im ersten Schritt und ich habe einfach das nächste Jahr den höchsten Trainingsumfang gemacht im Ausdauertraining. Habe mich aber nicht verbessert. Weder in der Wettkampfleistung noch sonst wie. Dann habe ich herausgefunden, dass ich einen Herzfehler habe und dass ich gar nicht so gut bin in Ausdauer. Und ich hätte hinterfragen sollen, es gibt Sportlerprofile, es gibt analytische und nicht analytische. Ich bin ja analytische. Und ich habe im nächsten Jahr herausgefunden, dass meine Stärke ist, mir sehr lange, sehr konzentriert Videos von anderen Sportlern anzuschauen und mich dann reinzuversetzen, wie der Sport funktioniert. Und somit kann ich mehr trainieren als andere, weil es nicht mehr physisch, sondern geistig ist. Und das ist so ein typisches Beispiel für. Du musst nicht mehr Ausdauertraining machen, sondern du musst dir überlegen, worauf kommt es an. Du musst die Technik und das Wasser lesen. Ich habe mir Frame für Frame Bilder angeschaut, um vorher zu sagen, wenn das Boot und der Kanute so steht, was wird passieren? Und das ist dieser smarte Teil. Und ich glaube, der passt auf fast alles im Leben.
Joel Kaczmarek: Und jetzt finde ich es nur irgendwie eine interessante Aussage, zumal du ja zu deinem ersten Punkt alles folgt dem Sog der Persönlichkeit gesagt hast. zu mir. Das hat mir eine Frau gesagt, eine Coachin, als ich mal irgendwie mit Überlast zu tun hatte. Also da klang für mich so das Thema Burnout irgendwie ein Stück weit raus. Also ist dein zweiter Punkt nicht auch gut dafür geeignet, dich übers Ziel hinauszuschieben, wenn du nicht aufpasst?
Erik Pfannmöller: Ich gebe es zu, was ich gemacht habe ist, ich habe mal Vollzeit studiert und war Weltranglistenführender an der Präsenzuni. Und da habe ich 120 Stunden pro Woche gemacht mit absolutem physischem Training. Und ich bin morgens aufgestanden, zwei Vorlesungen, Training, Vorlesungen, Training, abends noch gelernt für Prüfung. Und da bin ich an meine körperliche Leistungsgrenze gekommen. Und das habe ich gemerkt und ich wusste, ich mache das ein Semester noch und dann war ich fertig mit Grundschulen. Ich wollte das durchziehen, weil ich danach Studienwechsel an eine andere Uni gehen wollte, Regelstudienzeit. Und ich hatte das Mindset immer noch, als ich meine erste Firma gegründet habe und dann Vater geworden bin und das zweite Kind unterwegs. zu viel, weil auch noch der Stress von einem nicht profitablen Venture Capital finanzierten Startup dazu kam. und ja, ich bin da über meine Leistungsfähigkeit gegangen und dann kann das Gehirn nicht mehr so positiv denken, dann kommt man diesen negativen Stress rein und der, wenn er über lange Zeit anhält, führt zu Burnout, ist faktisch eine Depression, Männer nennen das nur cooler, weil sie sagen, ich bin cool, ich habe viel gearbeitet, ich habe Burnout, aber ich glaube, ich habe es noch rechtzeitig gemerkt, vielen Dank an meine Frau, weil sie hat gesagt, du musst zu professioneller Hilfe gehen. und ja, Das war richtig.
Joel Kaczmarek: Können wir den Punkt ja mal abhaken und ich bin jetzt schon gespannt auf deinen vierten, aber bevor der kommt, hast du noch einen dritten. Wie lautet der denn?
Erik Pfannmöller: Der heißt, infinite Ziele mit finiten Meilensteinen. Und der ist angelehnt an Simon Sinek. Was heißt das? Infinite Ziele sind, da geht es um den Trend und um die Tätigkeit. Bei finiten Meilensteinen geht es darum, etwas zu erreichen. Ich mache Beispiele. Das eine ist, ich möchte in den nächsten vier Wochen fünf Kilo abnehmen. Finites Zielmeilenstein. Das andere ist Living Healthy. Das eine ist, wir brauchen zwölf neue Kunden. oder ich habe Spaß, Dinge zu verkaufen. Oder ich will 5000 Kilometer pro Jahr Fahrrad fahren oder ich will meine Leidenschaft am Fahrradfahren genießen. Was ich verstanden habe und was nochmal das Prinzip kommt von Simon Sinek ist, nach dem einen Meilenstein kommt der nächste. Und ich war mal Weltmeister. Und die Frage war, was kommt danach? Danach kommt wieder Weltmeister sein oder eine Olympiamedaille. Und Du hast es vorhin kurz angesprochen. Ich war Weltranglistenführende und bin dann ganz knapp, weil nur ein Deutscher fahren durfte zu Olympia, bin mit 0,3 Sekunden an dem Olympia-Ticket gescheitert und war unglaublich enttäuscht. Die tiefste Enttäuschung, die man sich vorstellen kann. Nochmal, ich bin in dem Jahr Weltranglisten-Führender geworden. Und wenn man jetzt sich überlegt, infinites Ziel, ich bin sportlich, ich bin erfolgreich, ich habe Spaß daran, auf wildem Wasser durch Togo zu fahren oder ich will unbedingt zur Olympia, weil mir das von der Gesellschaft so eingepflanzt wurde. Bei dem einen kann ich nicht enttäuscht werden und bei dem anderen nicht. werde ich enttäuscht. Und jetzt vielen Leuten, denen ich das sage, die sagen dann, ja Erik, aber wenn du keine Ziele mehr hast, dann. Und ich sage, richtig. Deswegen gehst du ja auch bei OKRs, das Objective und die Key Results. Und es ist nichts gegen Meilensteine zu sagen. Meilensteine sind wichtig und gut, weil sie objektivieren die Themen. Sie sind aber nur Hinweise, aber nicht notwendig für die Lebenszufriedenheit. Das heißt, dieses Thema geht um Lebenszufriedenheit. Und ich mache ein Beispiel. Kinder kommen nach Hause, haben eine schlechte Note in der Schule und ich sage, I don't care. ob du schlechte Noten hast oder nicht. Hauptsache, du wirst versetzt, weil du bist smart, du lernst, du bist neugierig und das ist, was zählt. Dass das infinite Ziel ist, Lifelong Learning. Und das ist auch so ein bisschen mit diesem Hustle for Goods. Die Welt der Kapitalismus sagt dann so ein bisschen, ja, du musst jetzt aber ein cooles Auto fahren oder du musst ein Haus bauen. Und do what you love and the money will follow ist mehr oder weniger das zugrunde liegende Thema. Mach Dinge, die dir Spaß machen und genieße den Moment, anstatt zu sagen, leb in der Zukunft, wenn du dir vielleicht mal das Auto oder dein Haus oder den Job oder die 5000 Kilometer Fahrrad im Jahr geschafft hast.
Joel Kaczmarek: Ich weiß ganz gut, was du meinst. Ich war in New York und ich war irgendwie in Saigon, also ich war ganz im Westen, ich war ganz im Osten und in beiden gab es die gleichen Marken und die gleichen Luxusmarken, die dir sagten, wenn du mich kaufst, dann bist du was, dann hast du es geschafft, dann bist du glücklich. Und dann den Leuten dabei zuzugucken, wie die so darauf hasseln, so ein Thema, so ein Produkt zu besitzen und welchen Preis sie dafür aber eigentlich zahlen. Ich fand das echt schade oder auch auf eine Art enttäuschend, dass ich dachte, wow, du bist am anderen Ende der Welt in beiden Richtungen und hier ist der gleiche Shit irgendwie am wirken wie bei dir. Warum folgen wir eigentlich diesen falschen Zielen? Und jetzt denke ich so mal nach, bei deinem Punkt gerade mit den infiniten Zielen, habe ich so ein bisschen gedacht, ob das nicht geschummelt ist. Wenn ich mir ein Ziel setze, was ich nie verfehlen kann, also hier lebenslanges Lernen, ich möchte mein Leben lang lernen, das brauchst du einfach nur machen. Da gibt es ja gar keinen Endzustand so richtig. Deswegen, das möchte ich noch besser verstehen, was dieses Infinit für dich bedeutet.
Erik Pfannmöller: Ich habe einen Freund und der verdient gutes Geld und die haben jetzt überlegt, sie wollen sich jetzt einen Porsche kaufen. Und er hatte die Wahl zwischen weniger arbeiten und im Prozess leben oder mehr arbeiten und dann einen Porsche fahren. Und ich persönlich habe ihm ganz klar gesagt, du brauchst das Ding nicht, weil es ist auch nachgewiesen, dass materielle Dinge nach drei Monaten nicht mehr zum Glücksempfinden kommen. sondern dass du das Nächste brauchst, das Nächste ist was anderes, das mehr ist und meist teurer. Und dieses Hustling führt einfach zu nichts, weil du nach dem einen Ziel kommt das Nächste, du kommst in ein Loch und kommst sozusagen nicht weiter. Es ist aber eine Mindset-Frage, das heißt, du drehst es eigentlich nur herum, du sagst, Ich bin zufrieden, wenn ich die Welt zum besseren Platz mache, weil ich durch wertorientiertes positives Verhalten mit einer Spezialberatungsfirma Konflikte auf der Welt verhindere und das Leben von Menschen positiv verändere. Das wäre ein infinites Ziel. Das Finite Ziel wäre, ich brauche 20 Kunden. Und das eine führt ja zum anderen. Die Frage ist nur, was macht man persönlich als Motivation?
Joel Kaczmarek: Also du hast so ein higher good, würde ich das jetzt mal übersetzen, so ein höheres Gut, das du anstrebst und auf dem Weg zu diesem höheren Gut, wo du aber vollkommen offen lässt, wann das erreicht ist oder das ist eigentlich fast mehr ein Zustand, würde ich sagen, als ein Ziel.
Erik Pfannmöller: Es ist ein Zustand. Das kann auch ein Hobby sein, beim Fahrradfahren zum Beispiel. Es gibt Leute, die sagen, ich will 10.000 Kilometer fahren. Und ich bin schon mit Leuten Fahrrad gefahren, die sagen, wir sind 90 Kilometer, super schön, Berg und Tal, also war eine echt anstrengende 5-6 Stunden Tour. Der sagt, ich muss noch 10 Kilometer fahren, weil ich will mein Tagesziel schaffen, sonst schaffe ich mein Wochenziel nicht. Und ich wäre der Typ, der sagt, ich genieße den Sonnenschein und die warme Luft und ich bin froh, draußen zu sein. Und es ist eigentlich egal, ob ich an dem Tag meine Kilometer schaffe oder nicht. Und jetzt sagen viele, ja, das ist ja laissez-faire und dann machst du gar nichts mehr. Aber das ist halt nicht zu verwechseln mit, wenn ich sage, ich will geschäftlich der beste Programmierer sein und ich habe Spaß daran zu programmieren. Dann habe ich gleichzeitig ein Mindset, in dem ich mir Ziele setzen kann mit, ich will die Sprache lernen, ich will das machen, ich will das schaffen. Nur, die Meilensteine sind nicht für das Glücksempfinden, sondern das Glücksempfinden passiert im Moment. Mhm.
Joel Kaczmarek: Das ist aber gar nicht so einfach.
Erik Pfannmöller: Das finde ich gut und das alleine reicht mir schon.
Joel Kaczmarek: Ich weiß ein Stück weit auch sehr genau, wie es dir geht, weil alle erfolgen, nicht alle, aber einige erfolgreiche Menschen, die ich erlebt habe, können sich über ihre Erfolge gar nicht freuen. Die reißen irgendein richtig krasses Ziel, also reißen meine ich die Erfüllnis und es wartet aber schon das nächste. So hey, weißt du, wenn du so den ersten großen Kunden gewonnen hast, dann freust du dich unfassbar, dann machst du eine Party abends mit deinem Team. Beim zehnten feierst du schon nicht mehr. Und beim 100. feierst du auch nicht mehr. Und bei der Million Umsatz feierst du, bei den 10 Millionen aber irgendwie, wer weiß. Und das habe ich bei ganz vielen Leuten erlebt, die erfolgreich sind, die das dann eigentlich gar nicht glücklich macht, sich hohe Ziele zu stecken und die zu erreichen, weil dann immer die Frage ist, was kommt denn danach?
Erik Pfannmöller: Und das ist dieses Paradoxon. Wenn man ein Ziel hat, das ist schwierig zu erreichen und man arbeitet darauf hin, dann ist es unglaublich satisfying. Aber sobald du sie hast, in dem Moment, brauchst du das nächste Ziel. Und wenn die Ziele immer zu schnell zu groß werden, ist die Gefahr, dass man sich in den Zielen verliert und nicht den Moment genießt. Aber das Gefühl, was du beschreibst, kenne ich. Und das habe ich sogar selbst erlebt, weil irgendwann ist die Frage, what's next?
Joel Kaczmarek: Das ist der vierte Punkt.
Erik Pfannmöller: Ich habe gedacht, ich mache was ganz Operatives und zwar plane Zeitbudgets und halte sie aktiv ein. Ich würde sogar noch sagen, plane Lebenszeitbudgets und halte sie aktiv ein. Warum ist das so wichtig? Es gibt die Rushhour des Lebens. Das ist einfach so. Und zwar meist mit Familie oder mit Karriere oder beidem und vielleicht in einer Partnerschaft. Und wenn man sich jetzt überlegt, ich habe 24 Stunden am Tag, 365 Tage die Woche und man rückwärts geht, wie viel schlafe ich? Was brauche ich für Körperpflege? Was brauche ich für Hygiene? Was brauche ich für normale Sachen? Und welche Kategorien habe ich denn da? Da gibt es eigentlich nur vier Kategorien. Und zwar Arbeit, Partnerschaft, Familie, wenn man sie hat und wenn man keine Kinder hat, dann ist es die eigene Familie mit Eltern oder sonst was oder Brüdern oder Geschwistern. Ansonsten ist Familie ein Riesenthema mit eigenen Kindern. Und die vierte Kategorie ist ich. Und die fünfte Kategorie ist Zeitpuffer. Aber die ist nur mathematisch. Ich kam mit diesem Burner 2012 drauf. Und seit 2012 schreibe ich jeden Tag die Zeit auf, die ich mit Arbeit verbringe. Weil Arbeit typischerweise das ist, was alles überschattet sozusagen. Und was Arbeit, mehr Familie, nein, ich habe keine Zeit. Wenn man es aber umdreht und sagt, ich überlege mal, wie viel ich arbeiten will, und zwar pro Woche, pro Monat, runtergebrochen auf Jahresarbeitsstunden, wie viel Urlaub möchte ich gern haben, dann hilft einem das. Und ich kann dir sagen, ich bin als Vater von drei Kindern und Startup-Gründer nur da durchgekommen und nicht verrückt geworden. Mir haben mehrere Leute gesagt, das geht doch eigentlich gar nicht, weil ich ganz klare Zeitbudgets hatte. Es gibt Leute, die sagen, du musst Arbeit maximieren, nur mit Maximalprinzip kommst du voran. Und ich sehe das anders. Be relentless, but smart. Und wenn du jetzt ein Zeitbudget hast und da kann jeder seine eigene Zeit festlegen. Manche wollen drei Stunden arbeiten am Tag, manche sechs, manche acht und manche haben einfach einen bestimmten Job. Aber es nicht zu planen, führt dazu, dass andere Dinge zu kurz kommen. Und deswegen ist mein Learning kleine Zeitbudgets. Wenn ich 40% des Jahres habe, aber schon 50% gearbeitet habe, dann muss ich irgendwie nachsteuern. Und halt weniger arbeiten. Oder ich muss mein Ziel anpassen. Und jetzt kommt der Punkt zurück zu der Geschichte vorher mit dem Bekannten, der sich einen Porsche gekauft hat. Die Frage war eigentlich nicht, will ich einen Porsche oder nicht, sondern will ich mehr arbeiten oder will ich mehr Zeit bei meiner Familie? Weil arbeitest du mehr, kannst du es leisten oder willst du es nicht. Und meistens trifft man Entscheidungen, die irgendwie zu Konflikten führen.
Joel Kaczmarek: Naja, es gibt so ein Konstrukt, was ich mir überlegt habe. Ich nenne es das prophylaktische Stressparadoxon. Das ist cool, ne? Man braucht nur hochtrabende Namen, dann klingt es schon per se gut. Und zwar ist der Gedanke dahinter, dass es manchmal vorkommt, dass du in dem Versuch, Stress zu vermeiden, indem du Dinge zum Beispiel sehr genau planst oder indem du Aufwände betreibst, damit bestimmte Zustände nicht eintreten, du dadurch aber gleichzeitig Stress kreierst. Also Beispiel, ich will von A nach B fahren, habe Angst, es kommt dort ein Stau vor, also drücke ich mir irgendwie die Route aus und habe noch ein zweites Navigationsgerät mit, falls mein Handy ausfällt, um sicher zu sein, dass ich pünktlich ankomme. Damit hast du schon mal definitiv Stress geschaffen in irgendeiner Form, weil du hast schon mal Aufwände erzeugt. Während wenn du nichts davon gemacht hättest, dann hättest du diesen definitiven Stress nicht gehabt und den, ich komme in den Stau rein oder ich verfahr mich, vielleicht gehabt, also unter Umständen. Und ich denke gerade darüber nach, ob deine Lebenszeitplanung nicht so ist. Es gibt dir natürlich etwas, aber es hat auch einen Preis. Also das Paradoxon daran ist, du willst sozusagen etwas vermeiden und erzeugst dadurch aber etwas anderes.
Erik Pfannmöller: Joel, du bist 100% richtig. Alles hat Kosten und bei mir ist es die Kosten der Spontanität. Ich als persönlicher Charakter habe aber Freude daran, dass ich weiß, was passiert. Das heißt, ich bin sehr geplant, sehr analytisch, sehr strukturiert und ich mag das.
Joel Kaczmarek: Das ist klug. Bist du arbeitssuchtgefährdet? Ja.
Erik Pfannmöller: Definitiv. Aus meiner Sozialisation. Ich hatte ja vorhin gesagt, ich war Profisportler und habe Vollzeit studiert in Präsenz. Ich habe dann ein Startup gehabt und eine Familie und habe dann irgendwann auch erkannt, das ist auch zu viel. Und es ist besser, wenn man ein faires, ausgeglichenes Verhältnis hat, weil nur dann kann man auch zufrieden sein. Das funktioniert anders nicht. Jeder Mensch hat bestimmte Bedürfnisse und ich finde es gut, sich über seine Bedürfnisse klar zu werden. Ich habe das Bedürfnis Zeit mit meiner Frau zu verbringen. Und die muss ich mir nehmen. Ich habe das Bedürfnis, so und so viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen und sich aktiv dazu zu entscheiden, statt in diese passive Opferrolle, oh, will nicht wieder. Und dann kann man auch aktiv sagen, mein Bedürfnis ist. Alles klar. Na gut, komm.
Joel Kaczmarek: Dann machen wir mal vollständig hier. Ein Punkt fehlt ja noch.
Erik Pfannmöller: Ich habe mal gedacht, der wird einfach. Und das ist eine Hommage an einen meiner besten Freunde. Nummer 5. Wir sind alle Erdlinge. Das muss ich erklären und das ist auch zum Schmunzeln gedacht, man versteht es aber gleich. Das kommt an die Hobbits von den Halflings, die auch manchmal Earthlings genannt werden. Wenn man sich vorstellt, wir alle sind Menschen auf dieser Erde und wir alle sind aus falschem Blut und essen was und trinken was und gehen auf Toilette und müssen schlafen, dann hilft einem das, andere Menschen besser zu verstehen. Es geht um grundsätzliche Entmenschlichung im Sinne von Menschen sind anders wegen einer anderen Hautfarbe, wegen einer anderen sexuellen Orientierung, wegen des anderen Geschlechts, weil sie dick sind, weil sie dünn sind, weil sich die Haare blau oder rot färben. Und ob sie an einen anderen Gott glauben oder nicht, wenn man sich überlegt und dieses Mindset erweitert, wir sind alle auf der Erde, wir sind alle Menschen auf dieser Erde. dann kann man eigentlich positiv an die Zukunft sehen. Und kann sich überlegen, die Menschen machen das ja gar nicht absichtlich. Die sind nur Ergebnis ihrer Sozialisation. Eigentlich sind wir alle Menschen. Und wenn alle eigentlich denken, dass sie Menschen sind und alle nach der goldenen Regel behandle dich nur so, wie andere dich behandeln sollten behandeln, dann würde es keine Gewalt mehr geben auf dieser Welt.
Joel Kaczmarek: Ja, das Lustige ist, ich habe gestern ein Gespräch geführt und es war ein Freund von mir, der extrem international unterwegs ist, sehr viel auf der Welt reist, in anderen Ländern gelebt hat, gearbeitet. Also er hat einen sehr, sehr breiten Horizont. Und dann hat er was ganz interessantes gesagt, wir haben uns mit einem gemeinsamen Dritten unterhalten und der meinte so, ja, der Dritte ist halt total anders als viele andere. Ist okay, dass der so ist, ist gar keine Frage. Es ist nur trotzdem so, wenn du dich in einer Gemeinschaft aufhältst, dass du trotzdem so diese Anknüpfungspunkte manchmal brauchst. Weil wenn du der eine bist, der so totally different ist, komplex. Das ist ja komplett in Ordnung, aber it sometimes comes at a price. Das war so sein Aspekt. So nach dem Motto, mach dich trotzdem noch anknüpfbar. Also sei anders, aber sei noch andockbar an die anderen, dass die mit dir noch was relaten können. Wenn du halt bei allen Gesprächen sagst, ah, das interessiert mich alles nicht, da bin ich komplett raus, das ist überhaupt nicht meine Welt, pipapo, Hände abgewischt und weg, dann hast du halt nicht mehr diese Anknüpfung. Dann bist du zwar du, wie du bist und das ist auch okay, Aber dann bist du halt nicht mehr connected und wir brauchen ja alle, der Mensch ist ein Rudeltier, also wir sind ja alle eine Gemeinschaft, das heißt wir brauchen irgendwie diesen gemeinschaftlichen Zugang und trotzdem haben wir alle so unsere Einzigartigkeit. Und da so eine Mischung zu finden, finde ich so einen ganz interessanten Punkt, der so deinen fünften Aspekt irgendwie erweitert. Weißt du, was ich meine?
Erik Pfannmöller: Wir sind definitiv soziale Wesen. Es gibt ganz wenig Menschen, die nur mit sich klarkommen und wenn man sehr speziell ist, wie du das sagst, hat man keine Anknüpfungspunkte. Ich meine damit sozusagen, ich treffe einen Menschen und die sind typischerweise anders. Ich bin ja ins Ausland gezogen, ich lebe ja jetzt in Österreich und Menschen hier sind anders. Und wenn ich das erstmal positiv sehe und sage, selbst wenn sie anders sind, dann haben sie eine andere Historie, ich kann sie verstehen, aber wir alle teilen etwas gemeinsam. In jedem Konflikt ist ja eine der Lösungen zu sagen, was haben wir gemeinsam. sowohl mit Menschen, mit Freunden, mit Partnern. Was ist unser gemeinsames Ziel? Selbst wenn der Geiselnehmer mit dem Verhandler spricht, dann geht es darum, Gemeinsamkeit zu machen. Und die einzige Gemeinsamkeit, die alle Menschen auf der Erde zusammen haben, sie leben auf der Erde. Und ich weiß, das ist sehr abstrakt, aber wenn man es versucht zu verstehen, dann sollte eigentlich, bis auf einige wenige Menschen, die wirklich böse sind. Die kann man raus, finde ich nicht gut. Die meisten Menschen, das ist Unvermögen, keine Absicht. Wenn man sich versucht reinzuversetzen und sagt, das ist ein Mensch, der will eigentlich nur geliebt werden und positiv auf der Welt sein, das finde ich gut. Und das hätte ich gerne mit 20 schon gewusst.
Joel Kaczmarek: Ich habe mal eine ganz lustige Geschichte dazu gehört, das hat eine Coachin so erzählt, da ging es um Tiere. Und dann hat die so gesagt, wenn ein Adler die Welt sieht, dann sagt er sich, was stellt ihr euch alle so an, ist doch alles zu sehen, ihr braucht doch nur die Welt zu überblicken. Wenn ein Regenwurm die Welt sieht, dann sagt er, was ist mit euch los, was ist euer Problem, ihr könnt euch doch jederzeit eingraben und ihr seid geschützt. Nimm irgendein Landtier, weiß ich, ein Gepard, das sich sozusagen die Welt anguckt, sagt er so, was habt ihr denn alle, ich kann doch jederzeit loslaufen in alle Richtungen. Also die Moral von der Geschichte so ein Stück weit war, jeder schaut anders auf die Welt und alle geben ihr Bestes. Und ich glaube, das steckt so in deinem Punkt drin, dass wenn jemand irgendwie einen Fehler macht, sind wir ja immer schnell dabei, den Leuten so eine böse Absicht zu unterstellen oder es kommt oft so eine Wut auf. Hat ja auch viel mit Überforderung dieser Tage zu tun. Und wenn du dir aber bewusst machst, du, der oder die hat gerade ihr Bestes gegeben. Und aus irgendeinem Grund war es vielleicht nicht genug, vielleicht zu geringe Wissenslage, vielleicht haben die Kräfte nicht ausgereicht, vielleicht whatever it is, dann sieht man die Welt natürlich einen Ticken anders, als wenn man den Leuten irgendwie böse Absicht oder Bösartigkeit unterstellt.
Erik Pfannmöller: Das ist eine Sichtweise, irgendwie in uns drin, vielleicht auch biologisch, dass man sagt, oh, der ist böse, weil jemand, der größer ist oder der irgendwas tut, ist schwierig.
Joel Kaczmarek: Nachgewiesen sind Babys Xenophob, by the way, hat man rausgefunden.
Erik Pfannmöller: Was heißt Xenophob, Joel?
Joel Kaczmarek: feindlich gegenüber Fremdartigkeit. Also Babys erkennen das schon. Wer sieht aus wie ich? Hautfarbe, Gesichtsform, Behaarung, whatever it is. Und es gibt Tests mit Babys, die belegt haben, du bist im Prinzip fremdenfeindlich, könnte man sagen, von Geburt an. Und das hat mit Rudelverhalten vermutet man zu tun. Also, dass wir ja eigentlich der Mensch in seiner Urform, in seinem Urzustand, war ja eigentlich eher nomadisch und gruppenbasiert, sprich Rudeltier. Und Und dann hast du natürlich ein Rudel, was du beschützen musst und wo du aufpasst, dass es, wenn ich das durchmische oder wenn ich auf andere Rudel treffe, was passiert dann? Um es auch mit einer Quelle zu benennen. Es gibt dieses schöne Buch und das ist vielleicht ein schöner passender Abschluss auch zu dem Punkt und eine Erweiterung für dich. Im Grunde gut, von Rutger Bregman. Weiß nicht, ob du das mal gelesen hast. Da habe ich das unter anderem her, da führt er das aus. Und das dreht sich um diese Frage, ist der Mensch im Kern gut oder ist der Mensch im Kern schlecht? Und der kommt halt über 250, 300 Seiten zu dem Ergebnis, nee, der ist gut. Der ist im Kern gut.
Erik Pfannmöller: Das freut mich.
Joel Kaczmarek: Und leitet das her.
Erik Pfannmöller: Das ist doch ein guter Abschluss. Der Mensch ist im Kern gut. Er meint es eigentlich nicht so. Auch wenn das schwierig ist, in der aktuellen Zeit zu folgen, das zu sagen.
Joel Kaczmarek: Ich habe eine Sache festgestellt. Ich habe festgestellt, wenn Menschen sich blöd verhalten, dann ist es entweder, wie gesagt, Unvermögen, Mangel an Informationen, whatever. Oder, und das ist vielleicht eine der Hauptfedern, Angst. Meistens haben Leute vor irgendetwas Angst. Oder fühlen sich nicht gesehen. Also das Urbedürfnis des Menschen ist, sich gesehen zu fühlen. und wenn irgendwie Angst oder das, wenn einfach in diesen beiden Emotionen, das ist auch was ganz Interessantes, was ich by the way gelernt habe, Gefühle entstehen im Körper und erst wenn du die Gefühle im Gehirn verstehst, dann werden es Emotionen. Also Gefühle sind im Körper, Emotionen sind im Gehirn. Wenn diese Emotionen quasi getriggert werden, entweder Angst oder Wut oder etwas Vergleichbares aus, ich fühle mich unsicher oder ich fühle mich nicht gesehen, dann fangen die Leute an, komisches Zeug zu machen. Das ist so meine Erfahrung. Dann machen die dumme Sachen, dann machen die unfaire Sachen, dann machen die immer gemeine Sachen. Und wenn du die eigentlich wieder in diesen Zustand zurückführst, guck mal, jetzt werde ich hier dein Punkt, dann passiert eigentlich so Liebe. Dann können die die Liebe teilen, die eigentlich in ihnen intrinsisch angelegt ist. Also der Mensch ist im Kern lieb. So, Herr Erik Pfannmüller, dass wir nochmal so emotional werden mit dir hier auf den letzten Metern. Erik van Müller, Kanu-Weltmeister und erfolgreicher Unternehmer, Familienvater mit drei Kindern. Erster Punkt, alles folgt dem Sog der Persönlichkeit. Zweitens, be relentless but smart. Drittens, infinite Ziele mit finiten Meilensteinen. Viertens, plane Lebenszeitbudgets und halte sie aktiv ein. Und fünftens, wir sind alle Erdlinge.
Erik Pfannmöller: Vielen Dank, Joel.
Joel Kaczmarek: Danke dir.
