Arnd Zeigler: Über die wunderbare Welt des Fußballs

14. April 2021, mit Joël KaczmarekSebastian Krumbiegel

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Joël Kaczmarek: Kunst trifft digital.

Sebastian Krumbiegel: Der Podcast.

Joël Kaczmarek: Ladies and Gentlemen, wie immer mit dem sportiven Popprinzen Sebastian Krumbiegel.

Sebastian Krumbiegel: Und mit dem wahnsinnig sportlichen, Sportbegeisterten Podcast Joël Kaczmarek.

Joël Kaczmarek: So und heute, zum Auftakt der Folge müssen wir natürlich mal sagen, es geht um Fußball. Was ist deine Mannschaft? Man weiß es ja, eigentlich.

Sebastian Krumbiegel: Meine Mannschaft ist Leipzig.

Joël Kaczmarek: So, ich bin Sado Masochist hier, meiner ist Hertha BSC und der Mann, mit dem wir heute sprechen, Er kommt aus dem schönen Bremen. Er ist Moderator, Journalist, Autor, Stadionsprecher, Sänger. Und hat gefühlt schon alles gemacht, was es im Fußball zu tun, gibt. Er wurde 1997 zum Bremer des Jahres gewählt, 2011 zum Sportjournalisten des Jahres. Er ist Stadionsprecher bei Werder Bremen seit 2001. Er war lange, lange Moderator bei Bremen Vier, Hörfunkmoderator beim WDR. Er war schon im Tatort zu sehen, als Reporter, als Stadionsprecher. Er hat zahlreiche Bücher über Fußball geschrieben. Er führt einen ganz, ganz tollen Podcast namens Ball You Need Is Love. Und eigentlich gefühlt hat er alles schon gemacht, rund um Fußball, außer selber gespielt, sagt er.

Arnd Zeigler: Selber gespielt, nicht gut, jedenfalls.

Joël Kaczmarek: Schön, dass Du da bist, lieber Arnd Zeigler.

Sebastian Krumbiegel: Hallo, Grüß euch. Moin Arnd. Sebastian. Wie lange kennen wir uns eigentlich schon? Ich würde schätzen, es sind etwas über zehn Jahre. Würde ich auch sagen. Ich habe Dich damals im Fernsehen gesehen, auf WDR. Weil dann auch... Sendung Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs. Und hab dir so eine richtige Fan-Mail geschrieben.

Arnd Zeigler: Und es ist ganz komisch, eine Fan-Mail von Sebastian Krumbiegel zu bekommen, wo man dann erstmal denkt, ist das der? Den Namen kannst du ja so oft nicht geben.

Sebastian Krumbiegel: Bist du der, Sebastian Krumbiegel? Ja, ich bin der. Und dann haben wir uns irgendwie kennen und wirklich auch echt schätzen und lieben. gelernt. Ja,

Arnd Zeigler: aber weißt du was? Und ich glaube, das geht uns beiden identisch. Was ich sehr mochte, ist nicht, dass es mir geschmeichelt hat, dass du mir eine Fan-Mail geschrieben hast, Sondern ich merke immer wieder, dass ich sehr empfänglich bin für Menschen. Die so ein Interesse haben an anderen Menschen, an menschlichen Dingen, die eine Leidenschaft ausstrahlen für ihre Hobbys. Und das kam so durch zwischen deinen Zeilen, Deswegen fand ich es so sympathisch.

Sebastian Krumbiegel: Ich glaube ja, daran, dass man sich begegnet, wenn man irgendwie was miteinander zu tun hat. Und wenn man das will, dann kann man sich auch begegnen. Man kann, wie gesagt, leuten heutzutage sowieso über die Social Media, digitalen Kanäle, Du kannst ja eigentlich jedem schreiben und wenn derjenige, dann reagiert, freust du dich. Und dann kannst du entweder das Vertiefen oder kannst dann auch sagen, nö, war nicht so meins, Auch bei uns war es eben dann doch irgendwie. Ja, lieber auf den ersten Klick.

Joël Kaczmarek: Ja,

Sebastian Krumbiegel: genau sowas.

Joël Kaczmarek: Und ich glaube, wir sind ja auch safe. Also, ich glaube, Bremen, Leipzig, Hertha, Das sind alles Fanfreundschaften.

Arnd Zeigler: Es gibt keinerlei Berührungen zwischen diesen Vereinen.

Sebastian Krumbiegel: Naja, Ich muss ja immer sagen, wenn ich sage, ich bin Fan von RB Leipzig, dann muss ich das immer so mit so einer Vorwärtsverteidigung sagen. Weil es gibt ja viele Anfeindungen, mittlerweile weniger als noch vor ein paar Jahren. Und das Einzige, wo ich dann immer sage, ich kann da wirklich besten Wissens und Gewissen sagen, ich bin kein Erfolgsfan, Ich bin keiner, der irgendwie erst ganz spät dazugekommen ist, Sondern ich habe RB Leipzig wirklich schon in der vierten Liga im Stadion gesehen, als da ein paar Hundert Leute waren und habe da das ganze Projekt oder diese ganze Idee gut gefunden.

Arnd Zeigler: Und du bist auch schon Chemie Leipzig hinterher gehäkelt. Ich bin auch schon Chemie. Leipzig hinterher gehäkelt. Aber ketzerisch als Anhänger eines verarmten, untergeordneten Bundesligisten müsste man ja eigentlich auch sagen, ihr, beide seid doch jetzt eigentlich so ein bisschen, Ob das Geltung von Red Bull kommt oder von Windhorst, ist eigentlich egal. Also eigentlich seid Ihr jetzt so auf Augenhöhe, Ihr beide.

Sebastian Krumbiegel: Ja, es gibt aber noch Augenhöhere. Ich habe neulich gerade diese Tabelle gesehen. Mit den Fernsehgeldern. Das ist ja wirklich so gerade die große Diskussion, wie man sozusagen. Gerechtigkeit und dadurch auch wieder Spannung in die Liga bringt. Wenn du dann eben wirklich siehst, das ist zur Zeit, glaube ich wirklich, wie die Tabelle auch ein bisschen. Bayern, Dortmund, Leipzig, Leverkusen.

Arnd Zeigler: Das habe ich witzigerweise in etwas anderer Form für meine vergangene Fernsehsendung aufgearbeitet und ich fand es total deprimierend, wenn Du Dir anguckst, Welche Vereine, wie viel Geld für Ihre Spiele ausgegeben haben. Und du machst das als Diagramm, ist es fast identisch mit der Bundesligatabelle.

Sebastian Krumbiegel: Deswegen kannst du wieder sagen, Kapitalismus, Sucks. Und es ist irgendwie eine schräge Welt. Aber die Welt ist eben, wie sie ist, und natürlich können wir immer kritisieren und sollten das auch tun. Aber wenn du mitspielen willst da oben, musst du dich eben kümmern. Und selbst St. Pauli muss sich kümmern, dass sie irgendwie Sponsoren kriegen und dass sie Union oder was weiß ich, was. Aber da kennst du dich viel besser aus, Rahm.

Arnd Zeigler: Aber ich glaube, wir sind tatsächlich. Und nicht nur durch Corona, aber auch so ein bisschen an einem Scheideweg, was das angeht, Was Fußball angeht. Weil das, was wir jetzt haben, dass das alles so fest... Betoniert wird. Das kann man nicht endlos weitermachen, weil dann macht es irgendwann wirklich niemandem. Mehr Spaß. Richtig, dann ist die Spannung weg. Meine entscheidende Frage ist immer, die sich jeder Fußballfan stellen sollte, ist, wären wir eigentlich vor 30, 40 Jahren Fußballfans geworden, Wenn die Fußballwelt damals schon so gewesen wäre wie heute? Oder hätten wir nicht gesagt, was soll denn daran spannend sein, wenn immer der gleiche Meister wird, immer die gleichen Vereine dahinter landen, in der Champions League Vereine immer reicher werden, dadurch immer die gleichen Vereine in die Champions League kommen? Das hätte uns, glaube ich, als Achtjährige nicht geflasht.

Sebastian Krumbiegel: Richtig, aber natürlich werden heute auch wieder achtjährige Fans. Also, ich bin da immer hin und her gerissen, zwischen einerseits nicht irgendwie Maschinenstürmer sein zu wollen. Und irgendwie die Gegebenheiten sozusagen, nicht kritiklos hinzunehmen, wie gesagt, aber eben einfach zu checken, hey, Die Regeln sind so. Und wenn die Regeln so sind und wenn du damit... Machen willst, dann musst du dich eben auch in irgendeiner Weise kümmern. Also klar gibt es immer Gegenentwürfe, und ich will mich überhaupt nicht. Irgendwie als Fan dieses Wahnsinns irgendwie outen, bin ich definitiv nicht. Aber es ist, wie es ist. Und wir müssen gucken, wie wir damit klarkommen und müssen natürlich an diesen Regeln zweifeln. Und das wird ja zurzeit auch getan.

Arnd Zeigler: Ja, aber es geht so viel verloren. Also, ich habe mich gerade daran erinnert, dass wirklich, es gibt ja dieses legendäre kicker-Sonderheft, die Bibel, vor jeder Saison. Und als ich klein war, war da. Im kicker-Sonderheft, gab es immer eine feste Rubrik, Prominente werden gefragt, Was glaubt Ihr eigentlich, Wer deutscher Meister wird? Diese Rubrik wäre mittlerweile Quatsch. Und damals sind 5, 6, 7 Vereine genannt worden. Und die konnte man sich alle vorstellen als Meister. Und so ist man dann in die Saison gegangen. Dass man total gespannt war und dann überrascht wurde. Und dann gab es Überraschungsmannschaften. Und Mannschaften, die überraschend abgeschmiert sind. Aber das ist alles weg.

Sebastian Krumbiegel: Heute trauen sich maximal Leute wie Nagelsmann oder Watzke zu sagen, wenn es nicht normal läuft, haben wir eine Chance. Und das ist schon auch schräg. Mein Ding ist ja immer bei dieser Diskussion, Es geht ja auch um internationales Bestehen. Und wenn du dir England anguckst, Wie da die Gelder verteilt werden und was da für Scheichs in irgendwelche Vereine investieren, Das ist ja nochmal eine andere Liga. Und wenn dann irgendwie sozusagen, die Bayern sagen oder die Chefs der Bayern sagen, man kann dazu stehen, wie man will, Aber wenn die sagen, wir wollen auch international mitspielen, müssen wir uns eben auch kümmern. Und das ist für mich so ein Ding, wo ich dann sage, global, International muss man dann eben schon irgendwie auch gucken, wie das dann funktionieren kann.

Arnd Zeigler: Ja, aber da ist jetzt mittlerweile in meinen Augen ein Spagat entstanden, der jetzt nicht mehr haltbar ist. Den hat man über Jahrzehnte versucht. Es gibt ja diesen klassischen Satz von großen Vereinen, ja, aber die Bundesliga ist immer noch unser Tagesgeschäft, Das ist eigentlich immer noch das Wichtigste. Das ist ja nicht mehr so. Also, wenn du dir anguckst, Bayern München will mit oder muss mit Paris Saint-Germain und Manchester City mithalten, Wenn die das schaffen, dann sind Sie für die Bundesliga drei Klassen zu groß. Und das ist eben das, was man eben auch nicht aus den Augen verlieren darf.

Sebastian Krumbiegel: Und die Lösung ist dann sozusagen. Fernsehgelder anders verteilen. Ich weiß es nicht,

Arnd Zeigler: aber ich bin der Meinung, Es muss auf jeden Fall einen Verteilungsstüssel geben oder ein Modell geben, Was dafür sorgt, dass nicht ein einzelner Spieler der Bayern-Ersatzbank teurer ist, als alle anderen Bundesliga-Vereine zusammen fast. Also bei den Bayern saßen am Wochenende zwei Spieler auf der Bank, die jeweils 40 Millionen gekostet haben. Arminia Bielefeld hatte elf Spieler auf dem Rasen, die zusammen 400.000 Euro gekostet haben. Also, das ist nicht mehr die gleiche Sportart.

Joël Kaczmarek: Es ist so ein bisschen traurig. Ich meine, Meine zweite große Passion neben Fußball ist Formel 1, Da ist das ähnlich. Also, da guckst du jetzt irgendwie nur noch Mercedes zu, wie die vorne ihre Runden drehen. Und das macht ja auch die Dramatik kaputt und auch die Leistung. Also, wenn man mal überlegt, jetzt mal die Analogien, dann können wir gleich eines im Fußball aufmachen. Schumacher früher, da saß ich jede Saison und hab irgendwie gebankt, Ob der gegen Mika Häkkinen gewinnt, weil du da halt noch mit ähnlichem Material sozusagen, die Schlachten geschlagen hast. Und Fußball ist ja jetzt genauso, das ist ja ganz richtig. Deswegen, ich überlege noch, was du meintest. Ich habe auch schon mal nachgedacht, dass Hertha so ein bisschen das RB Leipzig geworden ist. Auf eine Art. Ich sage ja trotzdem immer, man muss mal so Christ sein. Deine schöne Frage war, bist du in Berlin geboren? Das ist, wenn man Hertha findet, Die richtige Frage. Weil ich finde immer so, also bei mir war es auch so, Ich glaube, jeder hat doch so früher, so Papa-Momente gehabt. Ins Stadion, Meine erste Stadion-Erfahrung war 2. Liga gegen St. Pauli 5 zu 1 verloren. Trotzdem geht man nochmal hin, weil man es irgendwie toll findet. Und naja, das ist schon recht, wenn es jetzt nur noch so ein Game ist. Also sagen wir mal, so, Das traurige Deiner Aussage ist eigentlich, dass man sich Erfolg kaufen kann.

Arnd Zeigler: Ja, genau das ist der Punkt, dass man früher immer gesagt hat, Geld schießt keine Tore. Und früher war es so, wenn du jetzt mal 25 Jahre zurückblickst, dann war es so, Wenn die Bayern zwei Spieler auswechseln mussten, dann haben sie zwei Amateure gebracht oder zwei Ersatzspieler. Und jetzt bringen sie zwei Weltstars. Und dadurch minimierst du natürlich dieses Risiko und dieses Überraschende, was passieren kann. Es gab dieses legendäre Spiel, als der FC St. Pauli gegen die Bayern gewonnen hat und diese Weltpokalbesieger-T-Shirts gedruckt hat, Das werden wir nicht mehr erleben, so ein Spiel.

Arnd Zeigler: Nie wieder wahrscheinlich.

Joël Kaczmarek: Aber nichtsdestotrotz, Ich würde ja als Bayern München natürlich irgendwie der DFL einen Vogel zeigen, wenn die ankommt und sagt, so, Jetzt werden die TV-Gelder mal rückwärts bezahlt. Also, das ist eine ganz lustige Analogie, weil in der Formel 1 diskutiert man auch, Ob dieses Starting Grid, der Start umgedreht, wird, also der, Wer Weltranglisten erster, ist, startet von hinten und so weiter, wo die natürlich sagen, Ja, hallo, was soll denn das? In einer Leistungsgesellschaft sollte Leistung belohnt werden und nicht bestraft. Das wäre da eigentlich ein bisschen ähnlich, oder, bei TV-Geldern?

Arnd Zeigler: Ich bin zu wenig im Medienbusiness, was die Geldverteilung angeht, unterwegs, um da jetzt eine gute Lösung zu haben. Aber ich glaube tatsächlich, Es gibt zwei Dinge, die sich so ein bisschen gegenüberstehen. Dass die Bayern sagen, ja, aber wir sind doch der Verein,

Arnd Zeigler: wo die meisten Leute zugucken. Deswegen wird ja auch permanent Bayern übertragen. Im Pokal, wo sich dann alle Leute aufregen. Aber das Ding ist, wenn ein Sender, die Bayern überträgt, gucken acht Millionen zu. Und wenn der Sender stattdessen Duisburg gegen Eintracht Frankfurt übertragen würde, würden ein Viertel der Leute zugucken. Und das reklamieren die Bayern völlig zu Recht für sich. Aber auf der anderen Seite kann man eben nicht so tun, als wenn 15 Bundesligisten unwichtig sind und die keiner sehen will. Deswegen kriegen die auch kein Geld oder kaum. Also so stark darf das Gefälle dann eben auch nicht sein, Weil dafür ist die Bundesliga zu sehr, in meinen Augen, Das ist übrigens eines meiner Lieblingswörter inzwischen, Solidargemeinschaft.

Sebastian Krumbiegel: Wunderbar, ist für mich auch eines meiner Lieblingswörter übrigens. Also auch, was das Leben betrifft und was unser aller…

Arnd Zeigler: Begegnet uns überall.

Sebastian Krumbiegel: Genau, genau.

Joël Kaczmarek: Wie bist du denn eigentlich zu deiner Kunst gekommen? War das bei Dir auch der Daddy-Moment aus dem Stadion, oder wie hast du sozusagen? Die Welt da?

Arnd Zeigler: Nee, gar nicht. Ich habe eine sehr interessante Biografie in der Hinsicht. Ich habe zwei deutlich älteren… Ältere Brüder, also fünf Jahre älter und zehn Jahre älter, Sebastian musste diese Geschichte schon 20 Mal mit anhören, weil er mit mir auf der Bühne steht. gelegentlich. Und die durften natürlich, wie das so ist, als ich ein kleiner Junge war, die durften viel mehr als ich. Und irgendwann habe ich rausgefunden, als ich so drei oder vier Jahre alt war, Die dürfen abends länger aufbleiben, Wenn Fußballspiele laufen. Und dann habe ich gemerkt, wenn ich jetzt so tue, als wenn ich mich auch für Fußball interessiere, darf ich abends mit meinen älteren Brüdern rumhängen und noch lange Fernsehen gucken. Das findet man natürlich toll als Vierjähriger. Und dann habe ich behauptet, ich möchte diese Fußballspiele auch sehen. Und habe dann dazwischen gesessen, wie Falschgeld und mich gelangweilt und gegähnt, Aber ich durfte mit meinen Brüdern länger aufbleiben. Das ist ja das Entscheidende. Und dann war es irgendwann, so, Das war dann so kurz vor Einschulung und so. Und dann wurde man eingeschult. Und dann hatte man Kontakt zu anderen Kindern, Die Fußball Spielen und Fußball gucken. Dann war irgendwann Fußball-WM in Deutschland, da war ich neun Jahre alt. So in dieser Phase bin ich komplett infiziert worden.

Joël Kaczmarek: Ich habe es gerade zurückgeholt, Wann in Deutschland Die WM hatten. 2006. Das sage ich dann immer dazu. Und dann war sozusagen Bremen naheliegend, weil dein Heimatort.

Arnd Zeigler: Ja, es gibt diesen klassischen Satz vieler Fußballspieler oder Fußballfans, die sagen, Ja, ganz am Anfang war ich kurz. Bayern München Fan, aber da hatte ich auch noch keine Ahnung vom Fußball. Das sagen ganz viele Menschen, dass sie am Anfang erstmal den erfolgreichsten Verein nehmen. Ich war nie richtig Bayern München Fan, aber in meiner Kindheit war halt die Zeit, als Bayern. Beckenbauer, Müller, Meier, Hoeneß. Und so weiter hatte, die halbe Weltmeistermannschaft. Und das war natürlich der vordringlichste Verein, Aber als ich dann anfing, dass ich wirklich merkte, ich bin mit dem Herzen dabei, bin ich irgendwann mal von einem Kumpel überredet worden, lass uns doch mal zu. Werder Bremen Zum Training fahren, da zu gucken. Und das muss man dazu sagen, waren in den 70er Jahren eine sehr unglamouröse Angelegenheit, eine ganz graue Maus, ein Armer Verein, der jedes Jahr fast abgestiegen wäre, in einem baufälligen Stadion, was nicht überdacht war. Und ich habe aber diesen Überlebenskampf so toll gefunden. Ich habe es so toll gefunden, zu sehen, okay, das ist meine Stadt. Mein Verein ist eine total kleine Nummer, aber er versucht, sich gegen die Großen zu wehren. Und heute betrachte ich das als großen Glücksfall, dass ich einen Verein habe, Ich habe ein Jahr zweite Liga miterlebt, Ich habe da Spiele gegen Solingen, Erkenschwick, Lüdenscheid und Viktoria Köln gesehen. Und ich habe aber auch einen Europacup-Sieg miterlebt. Und ich glaube, das sozialisiert einen unheimlich, wenn man einen Verein hat, der tatsächlich einem diese ganze Palette geboten hat. Von Niedergang und Fast Pleite und aber auch auf dem Rathausbalkon stehen und eine Hand an der Meisterschale haben.

Arnd Zeigler: Hatte ich wirklich.

Sebastian Krumbiegel: Und letzte Saison hast du dich, ja dann sozusagen wieder wie ein kleiner Junge gefühlt. Das war jetzt ein bisschen Böse gesagt, muss ich ehrlich sagen. Ich habe letzte Saison echt mitgelitten. Und es ist ja bei mir auch so, dass meine Sympathie für andere Vereine natürlich auch sehr davon abhängt, was für Leute, ich kenne. Geht uns allen so, oder? Glaube ich, ja. Ich habe einen Freund, der ist Bayer Leverkusen-Fan, ein Leipziger. Und das ist ein Musiker und der, Wie kommst du denn darauf, Bayer Leverkusen-Fan zu sein? Wo er dann sagt, ich bin irgendwie als Kind... Ein Kumpel war eben da. Leverkusen-Fan. Ich bin da irgendwie reingerutscht, als Ossi sozusagen. Mein Bruder war Bayern-Fan. Und wenn ich jetzt irgendwie, oder ist Bayern-Fan nach wie vor, auch aus der Zeit übrigens, Breitner, Sepp Maier, Gerd Müller, Franz Beckenbauer, Diese Zeit. Mein Bruder hat damals Rotz und Wasser geheult, als Gerd Müller zu New York Cosmos oder Fort Lauderdale Strikers...

Arnd Zeigler: Fort Lauderdale Strikers,

Sebastian Krumbiegel: genau. Da hat der geweint. Und mein großer Bruder hat Rotz und Wasser geheult. Und ich habe gesagt, warum weinst du? Gerd Müller geht nach Amerika und verlässt Bayern München. Also diese Sozialisierung mit Vereinen, Die kommt irgendwie durch Kumpels oder durch Familie oder wie auch immer. Und was ich jetzt meine, Ich bin nicht nur deinetwegen. Werder-Sympathisant, Sondern ich habe Freunde auch in Bremen und mein bester Freund. In Leipzig kommt auch ursprünglich aus Bremen. Und deswegen bin ich da immer irgendwie mit dabei und habe letztes Jahr echt gelitten, als dieser ganze Wahnsinn passiert, ist. Nicht nur letztes,

Joël Kaczmarek: oder? War ja ein paar hintereinander.

Sebastian Krumbiegel: Letztes Jahr war schon besonders hart. Also in der Relegation. Dann irgendwie gerade so mit diesem 2 zu 2, irgendwie am Ende, irgendwie das so gerade so hinzukriegen.

Arnd Zeigler: Aber was interessant ist, Sebastian, Ich weiß gar nicht, ob dir das klar ist. Im Moment muss ich ganz viele Interviews geben, weil ich gerade ein Buch rausbringe. Und dann wird man so rumgeschickt und macht Interview-Marathons und so weiter. Und ich werde ganz oft zu RB Leipzig gefragt, wie stehst du denn dem und so weiter. Und ich muss dann immer differenzieren und sagen, ja, Ich verstehe jegliche Skepsis und finde auch, dass man Kritik üben kann. Aber ich finde es anmaßend zu sagen, dieses Modell darf es nicht geben, weil ich einen sehr guten Freund habe. Der Leipzig-Fan ist, das ist Sebastian Krumbiegel. Und ich bekomme einfach immer wieder mit, wie toll es in einer Stadt wie Leipzig ist, da einfach nach all den Jahren des Vollchaos und des Dilettantismus einen Verein zu haben, der einem vielleicht nicht vom Geschäftsmodell her sympathisch ist, Aber der dafür sorgt, dass diese Stadt wieder Bundesliga-Fußball hat und wo man tollen Fußball sehen kann in einem guten Stadion. Und wo man plötzlich nicht dran sein kann als Leipziger und eine Sache, die man Jahrzehnte nicht hatte. Oder mit dem Fahrrad zum Champions-League-Spiel fahren kannst. Ja, das ist schon geil.

Joël Kaczmarek: Man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen. Also, ich verstehe das nicht. So ein Dietmar Hopp und irgendwie ein RB Leipzig kriegen hier die Shitstorms im Stadion ab. Also, da fliegt ja wirklich die Scheiße und auch verbal. Bei Bayer Leverkusen oder VfL Wolfsburg, Die genau Dasselbe haben, nur irgendwie, weiß ich nicht, Paar Jahrzehnte schneller.

Sebastian Krumbiegel: Es gibt schon auch noch Unterschiede, Joël. Das ist mir auch völlig klar. Also die Vereinsstruktur von RB Leipzig ist auch echt umstritten, dass die irgendwie keinen reinlassen. Und das sind schon auch Sachen, DIE alle... Regelkonform sind, müssen Sie ja sein, Sonst wäre es nicht möglich. Also allein die Frage, dass RB Leipzig nicht Red Bull Leipzig heißen darf, das hat ja, was mit Deutschen Gesetzen zu tun. Red Bull Salzburg darf so heißen, weil es ein österreichischer Club ist. Und deswegen dürfen, die sich so nennen. Und RB Leipzig, also, die dürfen sich nicht so nennen. Und ob ich das Cool finde, weiß ich übrigens auch nicht. Ob dieses RasenBallsport, also? Ich habe am Anfang so gedacht, hey, das ist ja auch echt ganz schön. Irgendwie dreist und auch irgendwie lustig. Deswegen finde ich das wieder gut, ehrlich gesagt. Ja, habe ich auch am Anfang gedacht. Und trotzdem ist es auch so ein bisschen, wo ich denke, ah, ja, also, es ist eben so hinten rum.

Arnd Zeigler: Es ist auch alles immer ein Zeichen der Zeit. Also wenn du jetzt sagst. Bayer Leverkusen, Die waren ja früher der Inbegriff eines Plastikvereins. Aber das ist ja verglichen mit dem, was hinterher gekommen ist, Ein völlig normaler Bundesliga-Verein inzwischen.

Joël Kaczmarek: Ja, ich meine, wenn ich an so einen Wolfsburg denke, als den dreckig ging, Da konntest du halt auch mal schnell irgendwie beim VW-Vorstand anklopfen, glaube ich. Und dann öffneten sich da auch Türen, so wie Pep Guardiola. Ja, immer, sagt, Er musste nur zum Scheich fahren und der drehte den Hahn. Hat Uli Hoeneß, Glaube ich, mal, erzählt, Er hätte mit dem Ätter gegessen und er meinte, ja, den Hahn-Millimeter weiter aufdrehen. Und zack, hat er 900 Millionen Spieler. Was ich finde, also ich meine, Wir wollen ja auch abschließend nicht abschauen, wenn wir über dich reden, lieber Arnd, Bei RB haben Sie aber ein Konzept. Also, da ist man in der vierten Liga gestartet, hat irgendwie junge Spieler aufgebaut, schafft im Prinzip Ausbildungsstrukturen transkontinental, Also bis nach Brasilien rüber, bis in die USA. Und ich glaube, auch Australien, kann das sein? Also die haben ja, glaube ich mehrere, New York und irgendwie in Brasilien und so. Das ist ja ein Konzept, das ist ja nicht einfach, so Abramowitsch. Oder irgendwie wie in Manchester schmeißt man die Kohle drauf, kauft sich die Promis, Sondern das ist ja irgendwie mit einem Ansatz.

Arnd Zeigler: Ja, stimmt. Aber trotz allem ist es Leipzig ja dann kein Verein, der den Siegeszug geschafft hat. Mit jungen... Hungrigen Jungs aus Leipzig und Markkleeberg. Und was weiß ich, wie die Orte da bei euch alle heißen, Sondern die haben ja in der dritten Liga schon Spieler gekauft, die sich manche Bundesligisten nicht leisten konnten.

Sebastian Krumbiegel: Anderes als ist Yussuf Poulsen irgendwie seit der zweiten Liga dabei. Und das finde ich auch, wie so ein Ding, was cool ist. Wenn ich heute Kimmich sehe, der wieder jetzt gerade ganz klug irgendwas gesagt hat, als er gefragt wurde, Ob der Kader irgendwie vergrößert werden soll, wo er ganz klug geantwortet hat. Ich bin da nicht der Experte für. Und das müssen andere Leute entscheiden. Also so richtiger. Fußball-Profi-Sprech sozusagen. Die haben uns manchmal auch total ankotzt, dass keiner mehr, sagt, Hey, geil, Ich bin ein geiler Spieler, Ich habe gerade drei Buden gemacht. Das ist auch irgendwie so schräg, wo da, was dazugekommen ist. Aber der war ja auch bei uns sozusagen.

Arnd Zeigler: Also ich glaube, sagen wir mal so, Ich glaube, was uns alle moralisch überfordern würde, wäre, wenn man tatsächlich bei jedem Fußballverein nachguckt, welche Dinge man moralisch duldbar findet und welche verwerflich, Dann fängst du an und musst sagen, okay, bei Bayern, da sitzt die Telekom und Audi. Und was weiß ich, wäre alles im Aufsichtsrat.

Arnd Zeigler: Bei Werder Bremen wird für einen Hähnchenbrater auf der Brust geworben. Also, du kannst bei jedem Verein irgendwas finden, was dich stört. Und du musst halt irgendwo eine Grenze ziehen und sagen, wo fangen denn jetzt grobe Fehlentwicklungen an?

Sebastian Krumbiegel: Und da hast du recht, das ist wirklich wahr. Also diese Fehlentwicklung, die da gerade stattfindet, dieser Scheideweg, wie du es gesagt hast, Der kann dafür sorgen, dass Fußball irgendwann einfach nicht mehr attraktiv oder nicht mehr interessant wird. Das ist eben einfach so ein... Jeder weiß, okay, Die werden sowieso wieder Meister und die ersten Drei stehen sowieso irgendwie fest. Und das ist nicht Sinn der Sache.

Arnd Zeigler: Es gibt so ein paar Mosaiksteinchen, wo ich sage, die sind uns einfach wirklich verloren gegangen, die einfach früher toll waren. Früher konntest du, weißt du als Hertha-Fan Joël, Früher konntest du als Verein dein Glück finden, indem du einfach mal kurz auf dem Transfermarkt Schlauer warst. Als andere und irgendwelche Rohdiamanten gefunden, hast, irgendwelche Afrikaner, die keiner kannte und die irgendwo völlig unterm Radar gespielt haben, Spieler, die plötzlich da waren, wo du dachtest, wie geil ist der denn, Wo kommt der denn her? Und mittlerweile ist die Welt so weit zusammengerückt, was ja auf eine andere Art auch gut ist, dass es keinen Spieler mehr gibt, der nicht überall schon gescoutet wird. Und wo jede noch so kleine Schwäche und Stärke wie unter Mikroskop völlig klar ist. Du kannst keinen Spieler mehr entdecken. Jeder Winkel der Welt hat mittlerweile Zugang zu Internet und zu Fernsehen. Das heißt, du kannst auch nicht mehr irgendwie, Es gibt keinen europäischen Stil mehr oder einen südamerikanischen Stil, oder sonst irgendwas. Es ist alles uniformer geworden. Und das hat natürlich, was so Professionalität angeht und das sich schlau machen. über, Wie spielen eigentlich die anderen. Hat das natürlich Vorteile, aber dadurch ist auch vieles langweiliger geworden. Also ich empfand zum Beispiel, unabhängig jetzt vom deutschen Abschneiden, Die letzte WM als grottenlangweilig im Nachhinein. Das wird keine WM sein, an die man sich lange erinnert.

Joël Kaczmarek: Ja, ich meine, du hast ja auch Eingangs gesagt, so. Diese Überraschung wird man nicht mehr haben. Ich erinnere mich, so einer meiner Highlight-Momente war, als wir irgendwie mit Hertha in der zweiten Liga gegen Kaiserslautern gespielt haben und das Ding war voll, 80.000 Leute oder 88.000. Irre, Nächste Saison steigen die auf und werden als Aufsteiger Straight-Meister. Also, das kam mir so, als du. meintest, Wer wird dieses Jahr Meister, das fragt man gar nicht mehr. Oder Wolfsburg, Stuttgart, die dann Meister sind, das ist ja halt undenkbar. Das stimmt halt schon, Diese Magie und die Überraschung geht flöten. Und du hast in der Tat recht, Auch, was dieses ganze Scouting angeht, mit 16 sind die ja schon da dran oder mit 14.

Arnd Zeigler: Wenn du diese Geldtabelle nimmst, die ich schon mal angesprochen habe, eben, Also, wenn du dir wirklich eine Übersicht machst, Welcher Verein hat, wie viel Geld für seine Mannschaft ausgegeben, Dann gibt es genau genommen drei Vereine, die Nach oben und drei Vereine, die nach unten ausgerissen sind. Das positivste Beispiel sind Vereine wie Union Berlin, die mit ganz wenig Geld dieses Jahr gehalten haben. Und denen man das eigentlich nicht zugetraut hatte. Der SC Freiburg schafft Jahr für Jahr eigentlich ein bisschen mehr als gedacht. Und ich weiß gar nicht, wer der dritte Verein war.

Joël Kaczmarek: Frankfurt würde ich noch sagen. Noch sagen, gehört für mich dann noch dazu.

Arnd Zeigler: Ja, die machen das auf jeden Fall gut. Und dann gibt es das Gegenbeispiel, Das krasseste Gegenbeispiel ist gerade Schalke, die eine der teuersten Bundesliga-Mannschaften haben und Werder Bremen leider auch. Und dann gibt es zwar noch irgendwas Drittes, und du siehst aber wirklich, Es sind nur drei Mannschaften, die nicht diesem Raster folgen, sondern die es schaffen oder erleiden, irgendwie auszubrechen. Alle anderen Vereine sind genau da, wo Ihr Bankkonto ist.

Joël Kaczmarek: Lass uns doch mal bei deiner Profession über Menschen sprechen, weil ich überlege gerade so, was ich bei Bremer beeindruckend fand, war, es gab ja so ein, zwei Saisons hintereinander, wo ihr immer unten drin, standet. Und die Bremer Fans waren so, Die sind Spalier gestanden. Also wirklich gefühlt. Kilometerlang den Bus ins Stadion begleitet, die dann nach vorne geschrien, wo andere Vereine. Und ich glaube gerade diejenigen, die viel Geld haben und so weiter, wo man erfolgsverwöhnt, ist, Da wäre gepfiffen worden bis zum Herren. Und bei denen genau nicht. Und ich habe so den Eindruck, dass ihr eine Fankultur habt, die irgendwie sehr positiv ist. Und das auch in Funktionärsebene. Aber das würde mich mal interessieren. Ich habe das sozusagen, da ein bisschen in den Anschluss verloren, wie das bei Bremen ist mit Baumann und Boden und so. Aber ich hatte den Eindruck, Da ist immer sehr viel Besonnenheit drin. Und dass der Faktor Mensch noch sehr, sehr wichtig ist, wenn man Vereine hat.

Arnd Zeigler: Man kann das hanseatischen Tugenden zuschreiben, Aber was auf jeden Fall richtig ist tatsächlich, ist,

Arnd Zeigler: dass sich eine sehr, in meinen Augen sehr positive Fankultur entwickelt hat, die es früher so nicht gab. Früher war Bremen eigentlich so. Der Inbegriff eines schnarchigen, langweiligen Standortes, wo die Leute auch nicht aus sich rausgegangen sind. Und ich glaube tatsächlich, es ist psychologisch diese Entwicklung von einem Verein, der mal ganz oben war, der zwischendurch auch mal wieder ganz unten ist, Wo die Fans aber dadurch auch eine gewisse Demut haben und lernen, dass es vielleicht auch mal toll ist, wenn man irgendwann einfach mal wieder auf Platz 8 steht, weiß der Geier. Das würden wir uns alle im Moment gerade sehr wünschen. Und dann bist du aber auch genügsamer, als wenn du permanent dich nur definierst an, dass wir in die Champions League kommen. Ist sowieso klar, Müssen wir auch, weil wir unseren Verein sonst nicht refinanzieren können. Wir müssen also mindestens Dritter werden oder Vierter, und alles andere ist eine Vollkatastrophe. Oder wenn du Bayern-Fan bist, ist Platz 2 schon eine Vollkatastrophe. Und dann tickst du natürlich anders als bei einem Verein, wo du weißt, du kannst theoretisch auch absteigen. Es ist auch in meinen Augen für alle Vereine ab Platz 10 überhaupt keine Garantie, dass du nächstes Jahr wieder in der Bundesliga spielst, weil eigentlich kann da jedem alles passieren. Und wir sehen am HSV zum Beispiel, der gedacht hat, okay, Wir steigen eh nie ab. Und als sie abgestiegen sind, haben Sie gesagt, wir steigen eh wieder auf. Und als sie das erste Mal nicht aufgestiegen sind, haben Sie gesagt, Na, gut, Dann steigen wir nächstes Jahr auf jeden Fall auf und das hat auch nicht geklappt. Du hast den 1. FC Kaiserslautern genannt, Das ist mittlerweile einer der ärmsten Vereine der 3. Liga, permanent von Insolvenz bedroht. Also Du hast als Fan keine eingebaute Garantie. Dass in deinem Verein immer alle so schlau, sind, um dich in der Bundesliga zu halten.

Sebastian Krumbiegel: Aber Wirtschaften spielt ja doch eben eine große Rolle. Also das muss man doch auch, was weiß ich, Uli Hoeneß, also man kann zu ihm stehen, wie man will, ich muss das immer wieder sagen. Und wie gesagt, mein Bruder verteidigt immer irgendwie den FC Bayern München. Aber natürlich dieser ganze Wahnsinn, den er gemacht hat, wo man auch sagen kann, warum hat er das gemacht, Was ist das für ein Gen? In seinem Kopf, ist er wirklich ein Zocker, Ist er wirklich ein Spieler, warum hat er den ganzen Scheiß gemacht? Aber er hat natürlich wirklich... Den FC Bayern irgendwie saniert und eben wirtschaftlich saniert. Was bei Lautern eben nicht der Fall war. Da wurden eben Fehler gemacht oder auch beim HSV wurden Fehler gemacht, die eben dann nicht auf dem Feld gemacht worden, sind, sondern im Vorstand. Wie sagt Ihr immer? Der Fisch stinkt vom Kopf. Und das ist ja ein Problem.

Joël Kaczmarek: Ich meine Mal anders gesagt, ich finde es ja ein Leadership-Thema. Also Wirtschaften ist eine Kompetenz, die zu einem Leader gehört. Und ich habe den Eindruck, Bayern München hat halt ein Team in der Funktionärsriege, Was sehr gut funktioniert. Ich bin bei mir mal der selbstkritischen ehrlichen Meinung. Dass bei Hertha BSC da Windhorst so viel Geld rauswerfen kann, wie er will, Wenn der Personalapparat sozusagen, in der Struktur nicht stimmt, dann verpufft das.

Arnd Zeigler: Das ist ja das Faszinierende, dass du wirklich Vereine hast, die über Jahrzehnte nicht aus ihrer eigenen Haut raus können. Die so eine DNA haben, wo klar ist, okay, da wird immer das und jenes passieren. Schalke ist so ein Verein, in Stuttgart passiert gefühlt immer das Gleiche, In Hamburg passiert seit vielen Jahren immer das Gleiche. Bei Hertha war es eben auch über einen sehr langen Zeitraum, so. Also, es gibt so Vereine, wo du das Gefühl hast, Die haben so eine Mentalität, Die haben so eine gewachsene, wirklich so eine DNA. Der sie nicht entfliegen können. Und weil du eben das Stichwort Menschen gesagt hast, Ich finde aber eben wichtig, dass man sich immer wieder klar macht, Zum einen ist es eine wirtschaftliche Seite, und es sind alles mittelständische Unternehmen, und es ist ein wirtschaftliches Thema. Und zum anderen darf man aber in meinen Augen einfach nie vergessen, dass es trotzdem Sport ist. Und Sport hat mit Schwankungen zu tun und mit Formschwächen und mit Spielern, die als Menschen auf dem Rasen stehen und funktionieren müssen. Und es wird in meinen Augen... In den letzten Jahren zunehmend so getan, hat es sein Fußball ein Computerspiel, wo man bei jedem Spieler guckt, wann kann ich den wie teuer wieder verticken, Wie viele Jahre halte ich den, Die Spieler bezeichnen jeden Verein nur noch als Schritt, weil früher ist man zu einem Verein gewechselt, weil man da spielen wollte, heute wechselst du zu einem Verein, weil du denkst, In zwei Jahren kann ich von dem Verein zu dem Verein wechseln. Und das hat sich alles verändert. Und trotz allem ist es aber eben so, Es sollte um Sport gehen. Und weil du gerade Bremen angesprochen hast, ist es in meinen Augen, so, Dass du auch respektieren musst, dass man mal eine schlechte Saison hat. Eigentlich in unserem Bewusstsein nicht mehr vorgesehen, dass man eine schlechte Saison erleidet, Ohne dass es hinterher Köpfe rollen und ohne, dass hinterher Konsequenzen gezogen werden. Ich behaupte aber, das gehört zum Fußball dazu.

Sebastian Krumbiegel: Der SC Freiburg macht das ja vor. Also mit Christian Streich, der mittlerweile seit neun Jahren oder zehn Jahren, Neun Jahren glaube ich, ist ja der Trainer. Ich habe jetzt den Vergleich gesehen, Zu welchem Verein war das gleich? War es im letzten, in der Sportschau, im Sportstudio SC Freiburg Gegen wen hat Freiburg jetzt gespielt?

Arnd Zeigler: Freiburg in Stuttgart, oder? Stuttgart.

Sebastian Krumbiegel: Kann sogar Stuttgart sein. Stuttgart Seitdem 15. Trainer.

Arnd Zeigler: Ja, achso, ja genau.

Sebastian Krumbiegel: Und SC Freiburg eben ein Trainer. Und sind mit ihm abgestiegen, sind wieder aufgestiegen. Und der Verein hat eben, oder der Kopf hat sozusagen dran geglaubt, dass er der Richtige ist. Das ist ja bei Euch natürlich auch genau die Frage gewesen mit Kohfeldt, dass irgendwie, was passiert da? Ja,

Arnd Zeigler: aber es gibt so viele Beispiele. Überlegt doch mal jetzt, wenn wir Borussia Dortmund nehmen, Die haben beim ersten schlechten Jahr mit Jürgen Klopp, haben, die sich getrennt. Ich glaube nicht, dass es eine schlechte Entscheidung gewesen wäre, das aufzuarbeiten und ihn zu behalten. Und ihn länger als Trainer. Oder In meinen Augen gibt es ganz viele Beispiele von Vereinen, die Trainer entlassen haben. Aus einer Laune heraus.

Sebastian Krumbiegel: Ist er nicht selbst gegangen? Ja, das war doch so.

Arnd Zeigler: Ich bin sicher, wenn man sich gemeinsam zusammengesetzt hätte und es als normales Stück genommen hätte, Dass man nach ein paar erfolgreichen Jahren auch mal ein Schlechtes haben kann, Dann wäre das vielleicht lösbar gewesen.

Sebastian Krumbiegel: Also du glaubst, Das war sozusagen nur der offizielle Sprech. Nein. Ich bin freilich gegangen. Das habe ich ihm ja, Entschuldigung, Das fand ich ja total geil, dass so ein Typ dann, sagt. hey, ich merke, ich komme an die Mannschaft nicht mehr ran, Irgendwas stimmt hier nicht und ich muss jetzt irgendwie hier weg. Und ich mache auch erstmal ein Jahr Pause und gehe erstmal in mich. Und mache einen Sabbatjahr und kriege mich erstmal wieder ein. Und dann starte ich neu durch. Und das hat er ja mit Bravour gemacht. Ja,

Arnd Zeigler: aber da funktioniert auch der Fußball seltsam. Ich habe tatsächlich auf dem Weg hierher eine Fußballzeitschrift gelesen, da stand, Ich weiß gar nicht, über welchen Verein das da stand, da stand, Der Trainer hätte jetzt viel Kredit verloren. Wo man dann ein bisschen weiter nachdenkt und denkt, Moment, Kredit verloren, heißt was? Kredit verloren, heißt, Die Presse schreibt negativ. Und die Fans Maulen ein bisschen rum. Kredit verloren heißt aber nicht, Der ist ein schlechter Trainer geworden, der im eigenen Verein umstritten ist, Sondern das heißt nur die Öffentlichkeit Mault ein bisschen rum. Das hat aber nichts mit Kredit verloren zu tun, sondern das heißt nur, Die Außenwahrnehmung ist aus der Entfernung eine andere. Man muss aber auch zu billigen, dass die Leute im Verein sagen, nee, Wir haben aber ein ganz anderes Bild, und wir halten die Arbeit für gut. Und das ist das, Was in Bremen passiert, ist. Ich habe das Gefühl, In Hamburg wäre man gut bedient gewesen, vor drei Jahren Bruno Labbadia zu behalten, den man entlassen hat. Nach einem saustarken Spiel gegen Bayern München, wo der HSV fast die bessere Mannschaft war. Und wo man an diesem einen Spiel schon gesehen hat, okay, das ist alles intakt. Der hat eine gute Idee, Die Mannschaft folgt dem. Ich glaube, dass der 1. FC Köln Gut bedient gewesen wäre, Peter Stöger zu behalten, der wie Arsch auf Eimer zu dieser Stadt und zu diesem Verein gepasst hat. Und so gibt es fast überall Beispiele von Trainern, die geopfert worden sind, weil die Stimmung gerade schlecht war. Und wo aber man nicht sagen kann, dass das schlechte Trainer sind, die nicht zum Verein gepasst haben, sondern wo nur die Berichterstattung ein bisschen Gegenwind erzeugt hat. Und wo dann immer dieser ätzende Satz kommt, ja, Wir mussten neue Reizpunkte setzen oder wir mussten den Gesetzen des Marktes nachgeben. Und der Trainer ist das schwächste Glied, kommt dann auch immer. Also passieren dann immer die gleichen Dominoeffekte. Aber ich finde es eben gut, wie Freiburg ist das perfekte Beispiel, wenn ein Verein da wirklich einfach anders funktioniert? Und sagt, nein, Wenn wir von einem Trainer überzeugt sind, dann sind wir auch überzeugt, wenn wir 16. werden. Und haben dann aber die viel größere Gewähr, dass wir das Jahr danach vielleicht 7. werden.

Joël Kaczmarek: Nimm uns doch mal mit hinter die Kulissen. Du bist ja Stadionsprecher bei deinem Verein. Also Du siehst Ja Dinge, die wir nicht sehen bei unseren Clubs. Wie ist das so? Wie fühlt sich das an? Wie tickt so ein Verein hinter den Kulissen?

Arnd Zeigler: Es war am Anfang ungewohnt, weil du natürlich auch manche Einblicke bekommst, die du als Fan vielleicht gar nicht haben möchtest. Also, das klingt jetzt negativer, als es gemeint ist. Du hast als Fan natürlich eine gewisse Romantik und eine gewisse Vorstellung. Und du merkst natürlich, in welchen Zwängen du als Verein steckst und welcher Pragmatismus auch manchmal notwendig ist. Der sich vielleicht gar nicht verträgt mit den Dingen, die man als Fan sich wünscht oder im Kopf hat. Aber für mich, muss ich dazu sagen, ist es ein großes Glück, dass ich diesen Posten habe, weil, wie gesagt, Als Fußballspieler hätte ich es nicht in die Bundesliga geschafft, Aber jetzt, als Stadionsprecher bin ich bei jedem zweiten Wochenende, stehe ich da an diesem Rasen. Und ich rieche den Rasen. Und die Spieler kommen mir vorbei, und ich stehe da an dem Spielertunnel. Die musst du auch riechen. Und ich gehe direkt an den Trainerbänken vorbei, und ich kriege die Bundesliga einfach. Aus einer Perspektive mit, die ich mir für Geld nicht hätte kaufen können.

Sebastian Krumbiegel: Bist du Fan? sozusagen. Ja, und ich darf's bleiben.

Arnd Zeigler: Das ist das Tolle.

Sebastian Krumbiegel: Herrlich.

Joël Kaczmarek: Wie ist denn der Job? Erklär mal, was machst du denn da so? Wie muss ich mir das vorstellen? Also...

Sebastian Krumbiegel: Wer macht das Nebelhorn an? Das wollte ich schon immer mal fragen.

Arnd Zeigler: Das Nebelhorn war meine Idee, wenn ich das sagen darf. Das ist aber eigentlich ein Schiffshorn, Bremen. Okay, na klar. Und nein, es ist tatsächlich so, dass wir uns vor jedem Spiel einmal in der Woche besprechen, ob es irgendwas Besonderes gibt. Wobei, Wir machen das seit 19 Jahren, jetzt gemeinsam, mein Kollege und ich. Und da ist schon sehr viel Routine im positiven Sinne da. Also, da kann dich kein Gegner mehr jetzt so überraschen, dass du bei einem Spiel plötzlich völlig Baden gehst, weil irgendwie völlig unvorhergesehene Sachen passieren. Es ist so, was man nicht außer Acht lassen darf, Stadionsprecher klingt so ein bisschen wie, Der setzt sich da hin und schreit rum, wenn Tore fallen. Wir haben schon eine gewisse Verantwortung. Also, wir haben einmal ein legendäres Spiel gehabt, da ist der Strom ausgefallen im Stadion. Und es war ein heißer Augustabend und es waren fast noch 35 Grad. Und der Strom fiel aus und die Getränke konnten irgendwann nicht mehr gekühlt werden. Und das Spiel wurde auf unbestimmte Zeit verschoben und das Stadion war voll. Und dann sitzt du da als Stadionsprecher. Und die Lautsprecheranlage ging zum Glück und hast die Verantwortung darüber, Wie die Leute sich jetzt fühlen. Und hast die Verantwortung darüber, ob da jetzt eine Panik entsteht oder nicht. Und wir haben dauernd dann so Wasserstandsmeldungen bekommen, Ja, wir wissen auch nicht, wann es weitergeht, Halt Die Leute bei Laune. Und dann sitzt du da und weißt, 40.000. Leute haben jetzt auch irgendwann nichts mehr zu trinken bei 35 Grad, weil das auch irgendwann, Die haben ja keine andere Möglichkeit, als sich Getränke zu holen, was anderes können Sie ja nicht machen. Und dann sitzt du da im Stadion und denkst, scheiße, Was ist denn, wenn das jetzt noch drei Stunden dauert? Und glücklicherweise hat es dann nur anderthalb Stunden gedauert, und dann konnte das Spiel noch angefiffen werden, Aber da hast du wirklich gemerkt, Mensch, Wenn hier mal eine Panik ausbricht oder so, dann bist du derjenige, an dem ganz viel hängt. Und davor habe ich ganz viel Respekt. Und deswegen gibt es auch ganz viele Leitfaden, wo man liest, wie man am besten in solchen Situationen mit Leuten umgeht. Und welche Sachen man besser sagt. Und welche Sachen man besser nicht, sagt. Und das ist schon dann nicht Pille-Palle, sondern das ist schon eine gewisse Anspannung, die man da hat.

Joël Kaczmarek: Das ist Scheiß. Nebelhorn übrigens, ne? Ich habe es so oft gehabt, Hertha fährt nach... Bremen. Und dann immer dieses Scheiße.

Sebastian Krumbiegel: Schiffshorn.

Joël Kaczmarek: Ist gut gewählt.

Sebastian Krumbiegel: Wer macht das? Du hast da keinen... Das hängt an unserem Tour-Jingle dran. Achso, okay.

Arnd Zeigler: Ich hab das mal irgendwann aufgenommen und digitalisiert. Und das Stichwort digital einmal zu bringen, wenigstens in diesem Podcast.

Joël Kaczmarek: Kommt noch mehr. Ich finde das cool. Ich finde, das ist irgendwie so. Markenerfahrung, Was irgendwie dazugehört. Das ist ja MAL so... Marke klingt immer mit so, Ich trage jetzt tolle Klamotten, aber für mich bedeutet Marke immer, Ich habe eine Erwartungshaltung an ein Produkt oder an einen Verein oder an einen Menschen. Und die wird irgendwie erfüllt und mit Dingen aufgeladen. Ich finde, es ist genau das, dieses Hanseatische, was damit schwingt.

Arnd Zeigler: Ich bin ein großer Freund von unverwechselbaren Merkmalen, Die Vereine haben. Ich finde es zum Beispiel ganz toll, wenn ich bei Werder Bremen ein bisschen mehr zu sagen hätte, würde ich zum Beispiel dafür sorgen, so Kleinigkeiten, würde ich dafür sorgen, dass wir immer ein Trikotdesign haben, was man wiedererkennt. Was nur Werder Bremen hat, wie VfB Stuttgart Diesen Brustring hat. Finde ich total geil. Hat sonst kein Verein. Wenn du eine Mannschaft mit einem roten Brustring siehst, weißt du, Weltweit ist VfB Stuttgart. Und deswegen haben wir dieses Nebelhorn auch rausgesucht, weil es hat eben, was mit Bremen, Häfen, Tradition. Das Stadion liegt direkt an der Weser. Und ich finde eben diese traditionellen, unverwechselbaren Eigenschaften, die du als Verein haben kannst, die sollte man pflegen. Ich habe eine große Abneigung gegen diese Stadien, die in irgendein Industriegebiet gebaut wurden, wo du also keine Verwurzelung mehr in der Stadt hast. Und du fährst irgendwie, ich finde die Allianz Arena grauenvoll. Zum Beispiel muss ich sagen, du bist da an dieser Autobahn und wirklich auch in so einem Niemandsland. Und fährst da rein und gehst dann in dieses Stadion und fühlst dich wie in so einem Krankenhausflur, Weil alles irgendwie Plastik und Steril und klinisch rein. Und das hat nicht mehr was von alten Fußballstadien. Also, ich finde komfort, schön, wenn es den inzwischen gibt. Du brauchst nicht, im Stadion auf kalten Steinen zu sitzen, Aber es ist trotzdem so, dass ich finde, es muss auch ein bisschen wie ein Stadion aussehen. Ich finde alle Stadien toll, die in der Stadt sind. Olympiastadion ist sicherlich in Berlin nochmal ein besonderes Beispiel, wie das Stadion... Leipzig ist, weiß ich gar nicht, weil da war ich noch nie. Echt jetzt?

Sebastian Krumbiegel: Das wird echt Zeit. Es ist auch in der Stadt, es ist mitten in der Stadt. Es gab auch lange Diskussionen, übrigens, Ob das nach außen verlegt wird, Weil eben modern und wie eben auch die Flughäfen nach außen verlegt werden, sozusagen. Aber nee, man hat sich dagegen gewehrt und man hat sich geeinigt am Ende. Und es ist cool, dass es in der Stadt ist.

Joël Kaczmarek: Man merkt halt auch echt den Kommerz. Also Ich war mal in der Allianz Arena. In der Loge, war von einem der Logenpartner da eingeladen und es ist halt, Du fährst mit deinem VIP-Shuttle unten in die Parkgarage, kriegst per so Scanner den QR-Code gescannt, Rolltreppe 1, Rolltreppe 2, Rolltreppe 3, Rote Teppich, Ja,

Arnd Zeigler: Da ist es auch im Stadion wie im Flughafen. Ja,

Joël Kaczmarek: da bist du in so einer Holzbüchse, wo ein Koch für dich da irgendwie Getränke serviert. Und irgendwelche, weiß ich nicht, kleinen Geschichten kocht. Das ist schon ulkig. Und dann merkst du so, der ganze Ring war alles, waren logen und auf zehn Jahre ausgemietet. Also nicht nur, dass die 30 Millionen Stadioneinnahmen haben und irgendwie Champions-League-Gelder, TV-Gelder und so, also auch sowas.

Arnd Zeigler: Ja, aber deswegen ist es umso schöner, wenn du es anders hinkriegst. Und in Bremen ist zum Beispiel das Stadion mitten in einem Viertel, wo ganz viele kleine Kneipen und Restaurants und so ums Stadion sind. Du kannst an der Weser spazieren gehen, wenn du zum Spiel gehst oder du kannst mit der fähre rüberfahren und so. Das sind so Kleinigkeiten, die ich sehr mag. In Bochum zum Beispiel gehe ich auch gerne zum Fußball. Das ist ein kleines, enges Stadion, Was mitten in der Stadt ist. Oder in Freiburg ist es ganz toll, wo wir jetzt ja auch ein neues Stadion kriegen. Aber ich finde eben, wie gesagt, Wenn du dich als Verein in irgendeiner Form von anderen Vereinen unterscheidest, musst du das pflegen. Da musst du das als Wert auch betrachten.

Sebastian Krumbiegel: Ja, es ist immer die Waage zwischen Tradition und Moderne, die du erhalten musst. Ja,

Arnd Zeigler: aber mein Lieblingsbeispiel ist immer ein Verein, den ich aus Gründen, die ich nicht erklären kann, Als Kind toll, fand. TSV 1860 München. Ist ein in München ja total beliebter Verein. Die hatten ihr geiles Stadion an der Grünwalder Straße, wo die Luft brannte, wenn du da gespielt hast. Und aus irgendwelchen Gründen, die ich jetzt nicht ins letzte Detail kenne. War es irgendwann aus Gründen der Infrastruktur oder der Technik, der Lage nicht mehr möglich, dass die da spielen. Und dann mussten, die sich von Bayern München quasi das Stadion leihen und haben ihre eigene Identität komplett verloren. Eigentlich als Verein.

Arnd Zeigler: Das wäre ein total toller Verein, die wären wie der FC St. Pauli Oder so, wenn die in diesem Stadtteil, in diesem Stadion, wo nur sie spielen, ihre Heimat noch hätten. Haben Sie aber nicht mehr.

Sebastian Krumbiegel: War das am Anfang nicht so? Ich denke da gerade nur laut. Die Allianz Arena. Blau und Rot. Das war doch so.

Arnd Zeigler: Die haben die Kohle nicht mehr gehabt und haben dann ihre Anteile wieder...

Joël Kaczmarek: Aber nochmal zu deinem Job. Wie läuft es ab, wenn du da Stadionsprecher bist? Hast du so ein Knöpfchen, wo du immer das Mikro anmachst? Und wenn ein Tor gefallen ist? Und so weiter, du darfst auch nicht aufs Klo gehen, dann wahrscheinlich. 90 Minuten. Wie muss man sich das vorstellen? Was ist alles dein Job? Wie läuft es ab?

Arnd Zeigler: Also, es gibt, wie gesagt, Drei geteilt. Es gibt zum einen den Sicherheitsaspekt. Also wenn irgendwas passiert im Stadion, Es gibt bei uns eine sehr unglückliche Lösung beim Gästeblock. Da gibt es so ein kleines Vordach, was aber nicht tragfähig ist. Und da klettern permanent irgendwelche Gästefans über den Zaun auf dieses Vordach, um ihre Fahnen aufzuhängen. Und wir haben es bei fast jedem Spiel, dass wir sagen müssen, Leute, nicht auf dieses Vordach. Wenn ihr da runterfallt, fallt ihr acht Meter tief auf andere Leute, die unter euch sitzen. Und da gibt es Tote. Das interessiert aber keinen. Und das ist sehr frustrierend, dass wir da immer wieder einen Job machen müssen und immer wieder sagen müssen, Leute, Also, wir haben diesen Sicherheitsaspekt, Dann gibt es zum einen noch den Quasi Vorprogrammaspekt, also, dass du so einen... Stadion, Unterhaltungsprogramm hast, wo du mit dabei bist, und dann gibt es das Spiel selbst, und beim Spiel selbst sitzt du halt in der Speicherkabine, hast ein Mikrofon mit einem Knopf und links von dir. Meistens ein Fernseher, wo die anderen Spiele laufen, weil es ja nicht ganz unwichtig ist, zu wissen, was sonst noch passiert. Rechts von dir sitzt der DJ, der die Musik und das Schiffshorn unter anderem abfährt. Dann gibt es eine Bildregie und dann gibt es die Leute, die die Grafiken auf die Videowand einblenden. Und du sitzt da so mit sechs, acht Leuten in der Kabine, in Corona-Zeiten mit weniger. Und ja, also, es ist, obwohl du schon merkst, dass es Arbeit ist, weil Du hast die ganze Zeit auch einen Knopf im Ohr und hörst irgendwelche Regieanweisungen. Deswegen ist man auch immer relativ. groggy, wenn das Spiel zu Ende ist. Aber es ist trotzdem toll, wenn man als Fan seiner eigenen Mannschaft, Stadionsprecher seiner eigenen Mannschaft sein darf.

Joël Kaczmarek: Gibt es da eigentlich Gesetze oder Vorgaben von der DFL? Also du musst ja wahrscheinlich neutral sein. Bei Hertha erlebe ich es immer so, wenn Herr Taner ein Tor schießt, ist natürlich anders. Die Ansage mit der Nummer 7. Und so. Und bei den Gästen ist es sozusagen anders. Hast Du da sozusagen Vorgaben oder darfst du auch mal ein Späßchen machen, so zwischendurch zur Auflockung der Stimmung? Gibt es da irgendwie harte Banden?

Arnd Zeigler: Also naja, es gibt Vorgaben, würde ich sagen, im Sinne der allgemeinen gesellschaftlichen Umgangsgeflogenheiten, dass man sich nicht diffamiert, dass man niemanden persönlich beleidigt, dass man nicht gehässig ist, nicht hetzt, nicht ausgrenzt.

Sebastian Krumbiegel: Und trotzdem machst du es genauso, Werder Bremen, Irgendwie das zusammen. Und dann jetzt so, ein Tor, dass du das auch so machst?

Arnd Zeigler: Was ich zum Beispiel auch… Mit abgeschafft habe, ist, was ich einfach albern, finde, Dieses rufen von allen so nö für den Gegner. Erstens nicht mehr witzig, zweitens, wie gesagt, ich bin der Meinung, Man sollte sich auf die positiven Dinge beschränken. Und wenn der eigene Verein ein Tor schießt, freue ich mir einen Arsch ab. Ich wollte erst sagen, freue ich mir einen Ast. Ihr könnt das so schneiden, wie ihr es braucht oder auch so lassen. Und ich bin aber nicht der Meinung, dass man auf den gegnerischen Verein draufhauen muss, wenn der gerade 3-0 zurückliegt. Ich habe zum Beispiel mal, Sind wir wieder bei Allianz Arena, ein Eröffnungsspiel gesehen, Da hat Werder Bremen glücklicherweise nicht wie Schalke 8 zu 0 verloren, sondern nur 6 zu 0 im ersten Spiel. Aber es ist mir völlig fremd gewesen, dass da Leute auf der Tribüne sitzen und beim 6 zu 0 den Gegner noch verhöhnen, wo ich denke, ey, freut euch doch über eure sechs Tore. Ihr spielt gegen einen Gegner, der euch überhaupt nicht gewachsen ist. Warum müsst Ihr da noch draufhauen?

Sebastian Krumbiegel: Obwohl wir auch beide Fans der englischen Liga sind und die englischen Fans, die kultivieren ja, genau das auch, WIRKLICH diese... Sympathische Gehässigkeit. Was ist da anders? Wenn der Gegner irgendwie so und dann wird er wirklich unisono. Das ganze Stadion, irgendwie diesen Sound macht, der eben wirklich, nur dann kommt. Das finde ich ja geil, wenn ich Arsene Spiele sehe. Also war ich auch schon im Stadion und finde das wirklich eine ganz andere Kultur.

Arnd Zeigler: Wenn es ein bisschen Witz hat, finde ich es völlig okay. Dann finde ich es gut. Ich finde einfach immer Sachen doof, wo klar ist, Man will jetzt gerade nur den Gegner treffen. Und Kränken und wehtun. Ich habe zum Beispiel auch mal ganz große Probleme. Wir sind hier in Hamburg, Ich habe zum Beispiel große Probleme,

Arnd Zeigler: Ich habe wirklich gute Freunde, sehr enge, Liebe, Freunde, Die HSV-Fans sind. Und ich finde es ganz schwer, dann gemeinsam ins Spiel zu gucken, wenn es auch noch so ein brisantes Derby ist, wo du immer hinterher weißt, oder wo du währenddessen schon weißt, Wahrscheinlich ist hinterher einer von uns beiden Schlecht drauf. Und der andere kann sich dann aber gar nicht so unbefangen. freuen, weil dem Freund geht es ja gerade schlecht. Also das finde ich immer für mich ganz schwer lösbar.

Sebastian Krumbiegel: Ich war ja ganz angetan, als wir uns letztes Jahr trafen. Im Stadtpark hier in Hamburg. Als Lotto King Karl mich eingeladen hat zu einem seiner legendären Stadtparkkonzerte. Wo er mich auch eingeladen hat,

Arnd Zeigler: was wir aber beide nicht wussten.

Sebastian Krumbiegel: Wir wussten beide nicht voneinander, dass wir da sind und trafen uns da. Und dann bist du ja rausgegangen und hast erstmal irgendwie einen Spruch gemacht, irgendwas mit Werder Bremen und sofort eine eisige Reaktion. Der Feind ist in unserer Stadt. Muss man auch dazu sagen, Werder Bremen und HSV sind nicht unbedingt Freundschaftsvereine. Ja,

Arnd Zeigler: ich wollte den Leuten am Anfang gleich Gelegenheit geben, mich einmal richtig zu hassen und auszufeifen, um dann hinterher das loszuwerden, was ich loswerden wollte.

Sebastian Krumbiegel: Und Lotto musste echt einschreiten. Du hast das echt total gut gelöst, weil du hast. Das charmant, hast den Leuten eben wirklich menschlich, erklärt, Hey, Leute, Ich bin hier als Sympathisant von, vor allem von der Hymne auch, Darum ging es ja auch. Es ging um Hamburg und die Perle.

Arnd Zeigler: Genau, Und ich habe den Leuten sozusagen eine Sollbruchstelle geliefert, in dem ich am Anfang gleich einen Satz gesagt habe, wo ich wusste, okay, jetzt können Sie dich ausfeifen, und und danach kannst du reden. Und so war es dann auch. Und danach war es gut. Danach haben Sie mich, glaube ich, auch gefeiert.

Sebastian Krumbiegel: Apropos Hymne. Du hast ja auch die Werder-Hymne geschrieben. Eine der. Eine der. Werder Bremen, Lebenslang Grün-Weiß.

Arnd Zeigler: Ja, den Text, muss ich dazu sagen. Nicht die Musik.

Sebastian Krumbiegel: Ja, ja. Aber das ist also, Wir sind ja auch dann wieder Brüder im Geiste, Was Hymnen betrifft. Ich habe ja auch versucht, eine Hymne für RB Leipzig zu schreiben, die leider nicht funktioniert, hat, weil die Leute das wirklich abgelehnt haben. Ich wollte mit großem Orchester und mit Chor des Gewandhauses, wollte da eben sozusagen. Stadionkultur. Und sogenannte Hochkultur miteinander verbinden. Das hat einfach nicht gepasst. Da muss ich auch ehrlich sagen, hey, hab ich verkackt. Hat dann eben wirklich einfach nicht funktioniert. Wie muss eine Fußballhymne wirklich sein?

Arnd Zeigler: Das ist ein ganz, ganz, ganz schweres und sensibles Feld. Ich weiß, dass es in Berlin auch mal Riesen Stress gab, als nur nach Hause verschoben werden sollte. Vom Einlauflied auf irgendeinen anderen Platz und ein Einlauflied von Peter Fox, glaube ich. Kurz vor zwei Spiele eingeführt worden ist von Seeed. Dickes B oder was? Weißt du besser,

Joël Kaczmarek: ja.

Arnd Zeigler: Dickes B oder irgendein Berlin-Lied. Ich weiß nicht, Dickes B war es, glaube ich, gar nicht. Oder weiß ich jetzt nicht.

Sebastian Krumbiegel: Guten Morgen Berlin.

Arnd Zeigler: Es ist ein sehr sensibles Thema, weil da stecken ganz viele Empfindlichkeiten drin.

Arnd Zeigler: Und man kann das auch nicht genau auf irgendwas runterbrechen, Wie ein Lied sein muss, damit es respektiert wird oder nicht. Da muss ganz viel Credibility am Start sein. Ich finde persönlich auch furchtbar, Es gab so eine Zeit, wo da so eine Goldgräberstimmung herrschte und wo es manche Leute gab, Die haben für fünf Vereine gleichzeitig irgendwelche Hymnen geschrieben. Ich finde, eine Hymne muss auch wachsen. Beim lebenslangen Grün-Weiß ist übrigens das Problem, dass manche Leute sehr kritisch sehen, dass das ein Lied ist, was in einer sehr erfolgreichen Phase entstanden ist. Und das ist im Übrigen auch der Grund, weshalb Hamburg mal eine Perle abgesägt worden ist, Weil es angeblich nicht mehr in die Zeit passt. Ich sehe das grundverschieden. Ich sage, wenn ein Song etabliert ist, dann kann man nicht jedes Jahr den Text ändern, wenn er für einmal drei Plätze schlechter steht, Sondern dann gehört dieses Lied irgendwie zum Verein. Und man kann nicht permanent neue Lieder, die gerade auf den jeweiligen Tabellenplatz zugeschnitten sind, einführen. Letztendlich nehmen sich die Fans das Lied, was sie respektieren. Und bei lebenslangen Grün-Weiß ist es zum Beispiel so, Es gibt noch vier, fünf richtig gute, andere Songs, die wir im Stadion auch spielen. Aber das ist der einzige Song, wo die Leute den Schal hochhalten. Das haben wir nicht gesteuert, sondern es hat sich so ergeben. Und deswegen ist der Song zum Beispiel perfekt für den Einlauf der Mannschaften, weil die Spieler dann einlaufen ins Stadion. Und sie laufen in dieses Meer von Schals in den Vereinsfarben. Und da haben die Spieler gesagt, das finden wir toll und das möchten wir gerne so haben. Also, da gibt es sehr viele Kriterien, die man beachten muss und sehr viel, was man falsch machen kann. Aber was ich vor allem immer wieder finde, Und das wird wahrscheinlich auch das Problem sein, was ich dir gestellt habe, du kannst das Rad nicht neu erfinden. Du kannst nicht einen Fußballsong machen, den es so noch nie gab. Wobei natürlich, wenn du es mit dem Orchester versuchst, War das auf jeden Fall ein neuer Ansatz. Aber du kannst textlich, Es gibt jeden Reim, der schon gemacht worden ist, der mit Fußball zu tun hat. Es gibt jedes Klischee,

Arnd Zeigler: was schon in irgendeinem Song auftaucht. Und da kannst du nur verlieren, letztendlich. Und vor allem, was immer schief geht, was immer schlecht ist, Das ist auch das, was in Hamburg passiert ist, ist, wenn aus irgendwelchen Marketinggründen gesagt wird, nein, Wir brauchen jetzt ein neues Lied. Wer macht denn mal eins? Das geht nicht und das haut nicht hin.

Joël Kaczmarek: Ich mag ja auch so Retro-Charakter. Also Hertha, Wenn die ein Tor schießen, dann kommt immer so ein Song, der klingt so gefühlt aus dem Jahre 1928 oder sowas.

Arnd Zeigler: Ich mag das sehr, wenn in Duisburg. Der Zebra-Twist läuft aus den frühen 60er Jahren.

Sebastian Krumbiegel: Bei uns in Leipzig läuft I Feel good.

Arnd Zeigler: Ja, James Brown.

Sebastian Krumbiegel: Und das ist übrigens, habe ich vorhin schon gedacht, als du gesagt, hast, Deine Idee war die Schiffssirene, die Schiffshupe. Also die Idee Deines Kollegen aus Leipzig, Tim Thoelke, war eben auch die Musik und überhaupt, dieses ganze Rahmenprogramm sozusagen zu machen. Es ist ja auch wirklich viel mehr Entertainment geworden, als das noch vor 20 Jahren war. Ein Stadionbesuch ist ja mittlerweile sozusagen ein Event, was auch viele Leute bedauern, sozusagen, Aber was eben auch ist, wie es ist.

Arnd Zeigler: Tim Thoelkes habe ich ja kennengelernt beim Auftritt in Leipzig, den ich hatte. Und bei Tim Thoelkes ist ja so, da denkst du als Nicht-Leipziger, was ist denn das für eine Figur, die da rumrennt und in seinem roten Sakko und mit den Choreografien, die er sich für jeden Spieler ausgedacht hat. Da denkst du ja, der dreht ja völlig durch. Und ich habe mich dann sehr lange mit ihm unterhalten. Er ist ein super Typ.

Sebastian Krumbiegel: Super Typ. Und übrigens auch, also, da gibt es auch Analogien zu dir, auch totale Musik-Fan. Wir können ja gleich nochmal auf deine andere Leidenschaft kommen, Was Musik betrifft. Also Tim Thoelke hat zum Beispiel die größte Vinylsammlung, die ich kenne. Ich kann mit dem Stundenlang sitzen und kann mit dem über Musik reden. Er ist der totale Auskenner und der totale Fan, eben auch von Popmusik. Und das bist du ja auch. Du hast eine Radiosendung, du hast den Podcast, Der Ball You Need Is Love, angelehnt an den alten Beatles-Song heißt. Erzähl doch mal zu deiner auch sehr englischen Musiktraditionsverbundenheit.

Arnd Zeigler: Es ist in der Tat wirklich eher britisch geprägt. Also, ich bin niemand, der...

Sebastian Krumbiegel: Paul Weller.

Arnd Zeigler: Ja, es ist viel mehr Paul Weller als Bruce Springsteen. Und ich habe das große Glück, dass ich diese beiden Leidenschaften, Denn Popmusik ist so das andere, ganz, ganz wichtige Ding in meinem Leben, Mein ganzes Leben lang schon, dass ich diese beiden Leidenschaften komplett zu meinem Beruf gemacht habe. Also, ich bin bei Radio Bremen jetzt von... Der ehemaligen Jugendwelle auf die Kulturwelle gewechselt, Wie das so ist, wenn man älter wird, und darf meine Sendung jetzt in einer Kulturwelle weitermachen, wo mir dann auch klar geworden ist, Popmusik ist auch so, ist eigentlich eine Sache, die ganz viele Parallelen zum Fußball hat. Zum einen ist es so, dass Popmusik, glaube ich, neben Fußball. Eine der ganz wenigen Leidenschaften ist, die man durch sein ganzes Leben mitnimmt.

Sebastian Krumbiegel: Unbedingt, unbedingt. Es gibt auch Leute, die das irgendwann ablegen, was ich nie verstehe. Ich kenne Leute in meinem Alli, die sagen, Ich höre gar keine Musik mehr, so richtig, wo ich sage, hä? Kann ich gar nicht nachvollziehen. Also, natürlich ist es jetzt mein Beruf, Musik zu machen, aber ich bin Fan. Und es gibt ja da auch viele Leute. Hast DU DIEsen Toni-Kroos-Film, Hast du bestimmt gesehen? Ja, ja. Ja, wo dann Robbie Williams mal auftaucht und dann auch irgendwie sich eben auch als Fußballfan outet, als, glaube ich, United-Fan. Das sieht sehr gut aus, wie man den Film merkt. TOTAL gut, war wirklich, war echt cool. Oder auch die Gallagher-Brüder, die natürlich jetzt City-Fans sind. Ja, ich folge Liam irgendwie auf Twitter und der schreibt immer seine Kommentare, wenn die Spiele laufen und so. Das finde ich hochinteressant, dass da wirklich eine... Parallele Da ist zwischen Musik und Fußball, zwischen Popmusik und Fußball.

Arnd Zeigler: Ja, aber jetzt kommt das auch wieder leicht. Deprimierende. Ich finde tatsächlich, dass die Entwicklung von Popmusik und Fußball auch in negativer Hinsicht parallel sind. Weil wenn wir vorhin darüber gesprochen haben, dass der Fußball aufpassen muss, dass er nicht seine Faszination verliert, finde ich, Bei Popmusik ist das schon passiert. Ich kenne so gut wie keine wirklich spannenden Sender mehr, Die Popmusik spielen, Weil das, was du heute in den Charts hast, ist für mich keine Popmusik mehr. Das ist zwar populäre Musik, aber das ist ja keine Stilrichtung mehr, sondern Du hast heute in den Charts klassisch. Die Modelle von diesen Kollektiven von fünf oder sechs Autoren, die irgendwelche auf dem Reißbrett, irgendwelche radiotauglichen Sachen machen. Und dass jemand mal einen guten Popsong schreibt mit einem guten Hook und einem guten Refrain. Gibt es ja gar nicht mehr.

Sebastian Krumbiegel: Ich schreibe Gute Popsongs, Die laufen aber leider gar nicht im Radio.

Arnd Zeigler: Oh, das ist es doch. Für mich ist, wenn ich das jetzt mal sagen darf, Die Demokratie ist weiblich,

Sebastian Krumbiegel: war für mich einer der besten deutschen Popsongs der letzten vielen letzten Jahre.

Arnd Zeigler: Und mir war aber im gleichen Moment auch klar, der ist zu gut fürs Radio. Der wird nicht auf irgendwelchen Massenstationen laufen.

Sebastian Krumbiegel: Man weiß nicht, woran das liegt. Und ich weigere mich ja wirklich auch, wie gesagt, lieder am Reißbrett entstehen zu lassen. Ich glaube, es hat immer irgendwas damit zu tun, was willst du erzählen, wie willst du? Es? erzählen. Und wovon bist du Fan? Und das spiegelt sich wieder. Und ich schreibe zur Zeit meine Songs am Klavier, und das ist für mich irgendwie ein Lied. Ist ein Lied. Und ein Lied ist wie ein Lied. Von Franz Schubert ist auch ein Lied von den Beatles oder ein Lied von Paul Weller. Das ist ein Lied, Das kannst du an der Gitarre oder am Klavier spielen. Und so schreibe ich meine Songs. Und eben nicht erstmal ein Groove und erstmal ein Sound und erstmal irgendwie, nee, es muss irgendwie eine Message da sein, Es muss eine Melodie da sein und es müssen drei oder vier Harmonien her. Und dann ist fertig, ist die Laube.

Arnd Zeigler: Ich musste eine Zeit lang aus privaten Gründen jeden Sonntag immer von Bremen... Nach Köln fahren und wieder zurück und hatte ganz viel Zeit, Autoradio zu hören. Und sonntags laufen auf ganz vielen Sendern die Chartsendungen. Und ich habe dann wirklich regelmäßig immer wieder versucht, so eine Chartsendung zu hören. Und du wirst wirklich depressiv, wenn du die ganz durchhörst, weil du hast das Gefühl. In den deutschen Top 50 gibt es nur noch drei Musikrichtungen. Es gibt nur noch so billig. R'n'B, Es gibt schlechten Hip-Hop und es gibt so weinerliche Songwriter, die wie Songwriter klingen sollen, Aber in Wirklichkeit auch so. Plastikprodukte sind.

Sebastian Krumbiegel: Okay, ich muss da Kurz reingrätschen, Es gibt natürlich trotzdem immer wieder auch Perlen, Es gibt auch immer wieder guten R'n'B, guten Hip-Hop und guten Songwriter. Absolut, absolut,

Arnd Zeigler: aber du hast das Gefühl, In den Charts tummeln sich Sachen, die so wirklich auf dem Reißbrett entstanden sind. Nach einer gewissen Formel, wo man geguckt hat, Was verkauft sich im Moment gerade? Und da hast du auch das Gefühl, Die Leute gehen nicht mehr ins Stadion, ins Studio, um einen guten Popsong zu machen, Sondern die gehen ins Studio und gucken nach und kommen raus und sagen, das kann man verkaufen.

Sebastian Krumbiegel: Genau. Und das ist leider wirklich so. Es gibt ja, also, wenn du dich damit beschäftigst, wie... Ich sage jetzt mal das Wort heutzutage. Popmusik Kreiert wird, Dann gibt es wirklich Songwriter-Camps, Songwriter-Gruppen. Die einen schreiben nur Hooklines, die schreiben nur Hooklines. Die anderen schreiben irgendwie nur Strophen, die anderen schreiben nur Intros. Intros gibt es aber eigentlich gar nicht mehr, weil es sofort muss, irgendwie, es muss sofort losgehen. Und natürlich kannst du auch sagen, Musik und gerade Pop ist immer irgendwie der Spiegel der Zeit. Und wir leben in einer schnelllebigen Zeit, und da ist es eben ein bisschen anders. Ich glaube ganz fest dran, dass auch wir... Als Band, dass wir als Prinzen irgendwie auch wieder mit dem, was wir wirklich wollen, dass wir damit auch wieder erfolgreich sein können. Und natürlich musst du immer in irgendeiner Weise, Ich hätte fast gesagt, dich dem Zeitgeist anbiedern bis zum gewissen Punkt. Ja, was läuft gerade? Annette Humpe, Unsere erste Produzentin damals, hat das sehr clever gemacht, hat wirklich geguckt, Was läuft in Amerika. Das hat sie sowohl mit ihrer Band ideal gemacht. Die hat gesagt, ach, guck, mal hier, In Amerika gibt es gerade Blondie. Ich mache jetzt mal Ideal. Und dann hat sie irgendwie geguckt, hey, ich habe hier eine Band aus dem Osten, Die singen irgendwie wie so ein Männerchor. Sind irgendwie so a Cappella. Und um modern zu klingen, muss ich dann eben irgendwie, hat sie gesampelt. Von Tom's Diner hier. Und wir hatten Gabi und Klaus schon aufgenommen, und sie hat das sozusagen drunter gelegt. Und daraus ist auf einmal aus Kleinkunst Popmusik geworden und deswegen lief es im Radio. Und da gibt es natürlich gewisse Mechanismen, die in irgendeiner Weise greifen, über die ich aber, wenn ich einen Song schreibe, der, wie gesagt, erstmal nichts mit Groove und mit Sound zu tun hat, sondern nur mit Melodie. Und Message. Ich versuche mich, dem zu entziehen und versuche da, wirklich erstmal nur das klassische Lied zu schreiben. Und das musst du dann verpacken, Entschuldigung. Das musst du dann sozusagen auch in die Zeit bringen. Und möglichst, Das ist mein höchster Anspruch, in die Zeit bringen, aber dabei trotzdem zeitlos bleiben.

Arnd Zeigler: Es ist aber so eine Schieflage entstanden. Das habe ich jetzt rausgefunden oder schmerzlich erlebt, als ich von meinem Ewigen Haussender Bremen Vier, dann zu Bremen Zwei gewechselt bin, wo ich sehr gerne bin. Wo mir aber aufgefallen ist, Bremen Vier, Also eine ehemalige Jugendwelle, hat, wie viele ehemalige Jugendwellen oder Jugendwellen das Problem, wenn die die Charts rauf und runter spielen, ist das furchtbar öde. Also, wenn du nur noch Charts spielst, ist das einfach ein Klangbrei, ein Teppich, der nach fünf Songs, wo Du denkst, okay, jetzt muss ich irgendwas anderes hören. Ich bin wirklich weit davon entfernt, immer so zu tun, als wäre früher alles besser gewesen. Aber wenn ich gucke, ich bin so, Hab angefangen mit Musik im Radio hören, so die 80er Jahre waren, so das Jahrzehnt, was ich voll mitgenommen habe. Da gibt es Sachen, die kommerziell wahnsinnig erfolgreich waren, wo du heute noch sagst, das ist einfach grandios, Frankie Goes to Hollywood, Grace Jones, Police, Sonst was,

Arnd Zeigler: das muss man alles nicht mögen, aber das ist alles ernstzunehmende Popmusik, Das sind Leute, die sich Mühe gegeben haben, gute Popalben zu machen. Wusstest Du beim Album, Das ist die Single, Das ist der letzte Song, Der ist so ein bisschen länger, Das ist ein Albumtrack, der ist auch gut. So was macht man ja heute nicht mehr. Heute machst du Songs, die du möglichst schnell verkaufen kannst, von der Hand in den Mund.

Sebastian Krumbiegel: Außerdem, Die Kunst vorm Album stirbt ja auch ein bisschen aus. Also heute werden Songs zum Klicken rausgeknallt. Und gerade im Hip-Hop wird eben lieber jeden Monat irgendwie ein Song ausgeknallt. Und der wird nicht gewartet, bis ich ein Album fertig habe. Was ich auch sage, hey, Es ist, wie es ist, und ich will da, wie gesagt, jetzt nicht als Alter Sack rüberkommen, Aber ich bin nach wie vor Fan der Kunst vorm Album.

Arnd Zeigler: Ja, und es ist aber Album zum einen. Und zum anderen muss man aber auch sagen, wenn man sich das genau anguckt, Popmusik war früher, als ich klein war, Ein Synonym für so Wegwerfmusik, Triviale Musik, die einfach im Radio gespielt wird. Wenn du dir aber heute die Popmusik von früher anhörst, dann ist das ein eigener Stil. Heute gibt es ja gar keinen Pop mehr. Popsongs Im Radio gibt es fast nicht mehr.

Sebastian Krumbiegel: Ich bin da ganz vorsichtig, übrigens. Ich glaube da, dass wir auch, also, ich bin da wirklich vorsichtig, weil ich bin, also, ich versuche mich wirklich, auch mit neuer Musik zu beschäftigen, die kommt, was mir nicht immer leicht fällt, um es ganz klar zu sagen. Aber ich merke auch, dass Sachen kommen, die einfach genauso, also es gibt halt genauso wieder. Bands, Die richtige, Echte Bands sind, die eben einen anderen Stil machen. Aber wenn ich jetzt irgendwie, was weiß ich, wenn ich im Hip-Hop irgendwie K.I.Z. Oder Zugezogen Maskulin oder... Antilopen Gang oder im Rock-Bereich Und wenn ich Kraftklub, mir angucke, das ist doch geil, das ist doch irgendwie auch, Die haben, was zu erzählen, und das ist auch für mich nach wie vor Pop. Es gibt auch viel Plastikzeug, was mich total nervt, wo ich wirklich auch denke, scheiße, ey, Du hörst wirklich, Da haben irgendwie acht Leute dran gesessen und haben das versucht, genau so zu schnitzen, dass es eben am Ende wasserdicht in Anführungsstrichen ist, Was dann am Ende seelenloser Klapper-Pop ist, wie ich das gern nenne, ja, und was mich einfach nicht berührt, ja, Aber es gibt nach wie vor immer noch die Perlen, die du finden kannst.

Arnd Zeigler: Es gibt gute Bands, aber du hast das Gefühl, dass es heute, Ich weiß nicht, ob du als Musiker das teilst, ich habe das Gefühl, Bei Musik, die heute vermarktbar ist, geht es sehr viel. Mehr um Attitüde, um Posen, um ein Image.

Sebastian Krumbiegel: Ging es aber immer, glaube ich. Ging es schon immer. Also Frankie goes to Hollywood, war die Blanke Attitüde, war ja auch sozusagen eine Casting-Band, die von einem Producer-Team irgendwie zusammengeholt worden ist. Ja,

Arnd Zeigler: aber die ABBA und Smokie hat man gehört, weil die Songs gut waren. Da mussten die Leute nicht cool sein, die diese gemacht haben. Die mussten auch keine bestimmte

Sebastian Krumbiegel: Richtung... Aber hatten dann auch das Image, Zwei Ladies, zwei Kerle, irgendwie eine Brünette, eine Blonde.

Arnd Zeigler: Aber die Kerle haben wirklich Musik gemacht und die Ladies haben wirklich gesungen. Da ging es nicht darum, irgendwen irgendwo hinzustellen, irgendwelche Abziehbilder, die irgendwelche Images verfolgen müssten.

Sebastian Krumbiegel: Ich bin zum Beispiel Lady Gaga, kann ich echt was mit anfangen, muss ich ehrlich sagen. Wo ich am Anfang auch gedacht habe... Was ist denn das? Die sind aber auch echt gut. Wenn du dir echt mal ein Konzert von mir anguckst.

Arnd Zeigler: Ich kann auch mit Adele was anfangen. Es gibt viele gute Musikerinnen und Musiker heute noch. Aber es ist einfach verglichen zu früher.

Sebastian Krumbiegel: Ich fürchte, wir reden gerade ein bisschen wie alte weiße Männer. Und da habe ich ein bisschen Angst vor. Da versuche ich aus Prinzip irgendwie zu sagen, nein, ich glaube dran, dass es nach wie vor Leute gibt, die, was zu sagen haben und die irgendwie auch gute Musik machen. Ja,

Arnd Zeigler: aber hört man die im Radio?

Sebastian Krumbiegel: Durchaus, durchaus, ab und zu.

Joël Kaczmarek: Ich habe auch gerade gedacht, ich habe Antilopengänge auch noch nicht so oft im Radio gehört.

Sebastian Krumbiegel: Ja, die hatten ein, zwei Hits, die auch im Radio liefen. Also natürlich... Gibt's diese Wegwerf- oder diese profillose, Wie gesagt, Plastikpop-Musik, Die läuft. Aber es gibt trotzdem auch immer wieder Musik, auch die im Radio läuft, Die Cool ist. Und ich schwöre dir, In zehn Jahren werden wir sagen, oh, weißt du, noch damals, 2020, ey, Da war noch irgendwie, das war noch geil.

Joël Kaczmarek: Komm, lass dir mal, so stehen da und Nix mehr zu sagen. Kann man jetzt mal verlieren. Nein,

Sebastian Krumbiegel: ich glaube wirklich, ehrlich, ich glaube das. Oder ich hoffe das sehr.

Arnd Zeigler: Ich vermisse Songwriter-Handwerk. Im Radio und in Charts überall.

Sebastian Krumbiegel: Wir hatten jetzt gerade Johannes Oerding zu Gast hier in Hamburg, also ein Gast unserer Hamburg Sessions. Wir haben so schön über Songwriting und über genau diese Sachen gesprochen. Und er ist so ein cooler Typ. Ja,

Arnd Zeigler: aber wie viele Menschen dieser Kategorie gibt es in Deutschland? Fünf?

Sebastian Krumbiegel: Na mehr. Also die wir kennen, vielleicht fünf. Ja,

Arnd Zeigler: die wir kennen, die erfolgreich sind und die gut sind. Und die kommerziell im Radio gespielt werden und die in den Charts landen.

Sebastian Krumbiegel: Naja, Also Natürlich gibt es in der Geschichte, Wir sind hier im Hotel Atlantic, Da wohnt ein Mann. Der Sozusagen der Pate dieser ganzen deutschsprachigen Popmusik ist. Und Lindenberg ist natürlich die Nummer eins für mich. Und dann gibt es natürlich noch, Man kann zu Maffei stehen, wie man will, man kann zu Grönemeyer stehen, wie man will, Aber es sind natürlich auch Leute, die aus anderen Generationen kommen. Aber es gibt eben heute auch Leute wieder, Die ankommen. Wen gibt es denn alles? Es gibt gerade in Hamburg so viele Geile Singer-Songwriters, die natürlich nicht so kommerziell erfolgreich sind, Aber vielleicht werden die irgendwann auch mal ihren Hit haben. Was weiß ich, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Du Kennst Carsten Friedrichs. Es gibt so viele, gerade in Hamburg. So viele Bands, Es gibt in Berlin so viele Bands, Es gibt auch in Leipzig Geile, Bands.

Arnd Zeigler: Ja. Es gibt keinen Mangel an Geilen Bands, Es gibt aber eine Diskrepanz zwischen kommerziellem Erfolg und geilen Bands.

Sebastian Krumbiegel: Dann verstehe ich jetzt endlich so richtig, was du meinst mit der Analogie zwischen Fußball und Pop, Weil das ist das Dilemma. Da müssen wir uns drum kümmern, müssen wir selber Geile Songs schreiben, die im Radio laufen und müssen das System Radio von innen herauszusetzen.

Arnd Zeigler: Also, als ich diesen einen Nachmittag hatte, wo ich die Charts auf irgendeinem Privatsender durchgehört habe, da bin ich wirklich irgendwann aggressiv geworden. Bin ich irgendwann... Dann hörst du ja zwischendurch auch noch dieses Privatsendergetue, dieses ständig gut gelaunte und irgendwelche Verkehrskarachotacho und noch irgendwelche Sachen. Und den besten Verkehr im Norden. Und ich weiß, ich kenne die ganzen Claims gar nicht. Und dann kam diese Musik immer wieder dazwischen. Und dann Irgendwann war ich kurz davor, das Radio anzuschreien. Und zwar mit einem meiner Lieblingssätze von einem meiner Kumpel, der Mal beI einem... Tatsächlich Bei einem Paul-Weller-Konzert mit mir war die Vorgruppe ganz schlecht. Und es war irgendeine deutsche Gruppe, Die standen da auch, so, betont lustlos. Cool. Und nach ein paar Songs... Also betont Lustlos Cool, meinst du jetzt? Ganz vorne nach ein paar Songs hat der denen Zugerufen in der Pause. Das findet ihr doch selber nicht gut, was Ihr da macht. Und das schoss mir durch den Kopf, als ich dieses Radio gehört habe. Wo ich dachte, ey, das könnt ihr doch nicht gut finden, Was DA jetzt... Auch wenn es sich verkauft.

Sebastian Krumbiegel: Es ist, wie gesagt, wir kommen da leider immer wieder hin. Es ist der Kapitalismus. Es ist die Kommerzialisierung unseres gesamten Lebens, Ob das im Fußball ist, ob das im Radio ist. Also Radio funktioniert ja nach Einschaltquoten. Und wenn du irgendwie die Medienanalyse, die Medienauswertung hast, dann kommt ganz knallhart, Wie viele Leute haben dich gehört? Was kannst du anders machen? Mir hat mal ein Radiomacher gesagt, Radio funktioniert wie ein Auto. Also, es gibt da richtige, Mechanismen. Da gibt es vier Räder, Da gibt es eine Lenkung, Da gibt es eine Gangschaltung und einen Motor. Und das brauchst du, um das zu machen. Und Radio funktioniert genauso. Also, was wir zum Beispiel hier machen, Podcast, das... Genieße ich ja deswegen so, weil wir eben nicht nur diese komischen 1,30 haben, die wir irgendwie mit dem Wortbeitrag haben, sondern dass wir wirklich Zeit haben, miteinander zu reden. Und das hören viele Leute. Also Der Podcast boomt gerade, und das verstehe ich total gut, weil das den Leuten auch fehlt. Und deswegen glaube ich, dass das an dieser Front, muss, man sozusagen, dass da irgendwann vielleicht wie im Fußball hoffentlich auch eine Gegenbewegung kommen wird, die dann eben sagen wird, hey, wenn das eben alles nicht mehr schön ist oder wie im Fußball nicht mehr spannend ist, Dann kümmert sich die Welt darum. Oder kümmern wir uns drum. Kümmert sich das System drum, dass es sich verändert, weil sonst geht es vor die Hunde.

Joël Kaczmarek: Mal anders gefragt, ich überlege ja noch, was Sebastian immer, der kommt ja immer auf Kapitalismus bei sich. Und ich überlege ja wirklich, ob das Kapitalismus ist oder ob es nicht, manchmal auch Digitalisierung ist. Also, was wir ja auch bei den Spielerscoutings hatten, dass man irgendwie mit zwei Klicks auf der ganzen Welt sich Daten hin und her schieben kann. Du machst auch Podcast, wir können ja mal zwei, drei Sätze jetzt dazu langsam mal rüberwuppen. Von Radio zu Podcast. Glaubst Du auch, dass das Kapitalismus ist oder Digitalisierung oder ein bisschen so ein Mischmasch?

Arnd Zeigler: Ich weiß nicht, ob ich jetzt den Kern dessen treffe, was du meinst, Aber was mir auf jeden Fall auffällt, ist, dass ich bei vielen, kannst Du als Musiker wahrscheinlich, Sebastian, auch wieder mehr drüber sagen, bei vielen Songwritern, die es noch gibt oder bei vielen Musikern für ein Gefühl habe, ist, Dass viele, dadurch, Dass per Computer irgendwann viele Sachen viel einfacher wurden, Auch viel Kreativität verloren gegangen, ist. Bei manchen Interpreten das Gefühl, dass. Die haben irgendwann angefangen, nur noch mit Sequenzern und mit Midi und sonst, was zu arbeiten. Ja genau,

Sebastian Krumbiegel: Depeche Mode damals. Ich weiß noch genau, als ich das erste Mal Depeche Mode, Entschuldige, dass ich jetzt auch gleich wieder reingrätsche. Als ich das erste Mal in den 80ern irgendwie Depeche Mode im Fernsehen gesehen habe, Dann hatten die die Keyboards irgendwie markiert. Welche Taste drückst du? Und das weiß ich, was. Und das fand ich unterirdisch. Das fand ich richtig irgendwie, äh. Und dann dieser Sound auch und so. Ich war damals viel mehr, irgendwie Rock und Punk und irgendwie. Und mittlerweile weiß ich, dass Hey, Es ist eine andere Musik geworden und Popmusik entwickelt sich immer. Und als Bob Dylan sich irgendwann angefangen, hat, eine elektrische Gitarre umzubinden, ist er fast gesteinigt worden von seinen Fans.

Arnd Zeigler: Ja, aber ich meine, Ich finde zum Beispiel auch, dass bei vielen richtig großen Musikern ganz oft irgendwann ein Punkt kommt, wo du merkst, ab. Da wird es irgendwie langweilig. Und ganz oft ist es ein technisches Ding. Also, es gibt leider auch, Ich habe die 80er Jahre vorhin schon lobend erwähnt, Es gibt ganz viel Zeug aus den 80ern, was du nicht mehr erträgst, weil die Produktion einfach furchtbar ist, verglichen mit heute.

Sebastian Krumbiegel: Verhalt des Nährdramen und irgendwie die ganzen komischen Sounds.

Arnd Zeigler: Genauso wie Du das, was heute in den Charts ist, irgendwann mal weltweit echten, wirst wegen dieses ganzen Autotune-Scheiß. Und ich vergöttere zum Beispiel Stevie Wonder. Aber Stevie Wonder hat auch alben gemacht, die erträgst du nicht mehr, weil das nur noch irgendwelches auch Geklapper ist, wo du denkst, warum hat jemand wie Stevie Wonder das nötig gehabt? Das war bei ihm sicherlich keine Geldfrage und auch sicherlich keine Talent- oder keine Kreativitätsprobleme, sondern der hat irgendwann gedacht, okay, ich mach jetzt mal was ganz Modernes.

Sebastian Krumbiegel: Genau. Wie Udo übrigens auch. Also Udo, irgendwann in den 90ern haben wir auch gedacht als Fans, was machst denn Du jetzt hier für anbiedernden? Scheiß. Und dann hat er eben irgendwann wieder, Ich habe vorhin gesagt, das schöne Wort, zeitlos. Musik muss oder sollte zeitlos sein.

Arnd Zeigler: Aber Udo ist immer noch auch jederzeit Udo geblieben. Du hast nicht gedacht,

Sebastian Krumbiegel: er ist wieder so Udo, wie wir ihn mögen. Aber wenn du zum Beispiel

Arnd Zeigler: Stevie Wonder heute siehst oder du siehst, Elton John oder so, Die müssen alles sachen, spielen, die deutlich vor 2000 entstanden sind, weil alles, was danach wird, keiner hören.

Sebastian Krumbiegel: One of the Stones, ja. Ja, klar. Das ist, glaube ich, dann aber ein bisschen so das Dilemma, wenn DU lang... Genug überlebst. Klar glaube ich auch wirklich, dass die Kreativität irgendwann nicht mehr so ist, wie sie ist in jungen Jahren. Es gibt auch Gegenbeispiele. Es gibt irgendwie auch Leonard Cohen oder es gibt Johnny Cash, die eben irgendwie erst im Spätwerk sozusagen. Zu ihrer Blüte finden, wo ich sie dann erst wirklich richtig gut fand. Aber ich glaube, am meisten ist es wirklich so, dass du hast irgendwann alles erzählt. Und du hast vielleicht auch irgendwann nicht mehr das Gefühl, Popmusik ist schon, glaube ich, immer auch, was Junges gewesen. Hey, Ich bin 54. Wenn ich mir jetzt irgendwie anmaße, Pop-Songs zu schreiben, die 2020 relevant sind, Vielleicht überfordere oder überschätze ich mich da auch. Ich weiß es nicht. Ich hoffe es nicht. Ich hoffe, dass auch mein Spätwerk in irgendeiner Weise eine Relevanz haben wird. Das hoffe ich sehr.

Arnd Zeigler: Ich habe das Gefühl, ich verehre wiederum auch, Wobei das nun überhaupt nicht originell ist, Aber zum Beispiel Paul McCartney ist auch einer meiner Helden. Der macht auch immer noch gute Musik, aber du misst das alles immer an. Früher. Und das Beste, was du über einen von Paul McCartneys Generation sagen kannst, ist ist fast so gut wie das, was er früher gemacht hat. Aber du hast bei diesen Leuten nicht mehr das Gefühl, der kann jetzt noch irgendwas aus dem Ärmel schütteln, wo du sagst, das ist besser als das, was er vor 30 Jahren gemacht hat.

Sebastian Krumbiegel: Aber die Latte liegt auch dermaßen hoch. Ich habe Paul McCartney schon zweimal live gesehen. Und wenn er dann irgendwie seine ganzen Wings-Sachen und seine ganzen aktuellen Sachen spielt, ist das alles, Wie gesagt, gute Popmusik und immer noch schöne Melodien und schöne Sachen. Aber wenn er dann am Ende sich mit der Gitarre auf die Bühne stellt? Und sagt, Hope you like this song, Und dann yesterday, nur mit Gitarre. Da kriegst du irgendwie Gänsehaut. Ich habe den zum Beispiel in der Lanxess Arena gesehen, in Köln. Also vor 18.000 Leuten. Und das war auf einmal ein kleiner Club. Und alle waren beseelt. Und das war der Hammer.

Arnd Zeigler: Die haben uns beide eigentlich auch eine große Vorliebe für das Electric Light Orchestra. Eine meiner ewigen Lieblingsbands. Und bei denen ist es so, Mittlerweile ist es ja nur noch eine Person, Jeff Lynne, der alles selbst macht. Und der auch in den letzten Jahren noch mal zwei Alben gemacht hat. Und die sind auch schön.

Sebastian Krumbiegel: Du hast ihn auch live gesehen, noch.

Arnd Zeigler: Mehrmals schon. Also jetzt auch in letzter Zeit. Die sind auch noch schön, die Alben, Aber es ist wirklich nur noch schön. Es ist so, es klingt wie früher. Aber es klingt wie früher, Es ist ein Sound-alike, aber es sind keine Songs mehr, die so gut sind wie früher. Du kriegst ein Gefühl, vorgegaukelt eigentlich, was dir auch angenehm ist, weil Du kriegst es ja gerne vorgegaukelt, Aber es ist nicht mehr so, dass du heute sagst, Die Songs haben einen ähnlichen Stellenwert wie früher. Und jetzt möchte ich noch einen Gedanken noch zu dem Thema,

Arnd Zeigler: was du gerade angesprochen hast. Eine andere Lieblingsband von mir ist Prefab Sprout. Deren Sänger ist auch eigentlich nur ein Mensch, Paddy McAloon heißt er, lebt in Durham in England. Den habe ich irgendwann mal gefragt, genau das Thema, Warum das so ist, dass viele Musiker Probleme haben, sagen wir mal über Ihren 40. Geburtstag hinaus noch richtig große Alben zu machen.

Arnd Zeigler: Und er hat gesagt, also, er kann jetzt nur für sich sprechen, aber er hat gesagt, weißt du, das ist so, Wenn du älter wirst und du hast, dann plötzlich zwei große Kinder, und du hast Familie und sonst was, Es gibt zwei Probleme. Erstens habe ich das Gefühl, ich habe jeden Reim schon gemacht. Wenn ich ein Wort suche, weiß ich ganz genau, Das habe ich schon in fünf anderen Songs so drin. Und zweitens ist es so, Es ist ganz schwierig, glaubwürdig, als Mensch meines Alters, irgendwelche Love-Songs zu schreiben, Die klingen, als hätten Sie 20-Jährige gesungen oder so. Das ist das wahre Plan,

Sebastian Krumbiegel: Aber es gibt natürlich auch andere Themen, über die du singen kannst. Ja,

Arnd Zeigler: aber die Themen ändern sich.

Sebastian Krumbiegel: Also ich denke ja, was ist Authentizität? Das ist ja so eine Frage, die man immer wieder sich stellen kann, ob es authentisch ist, dass du jetzt hier in dem Shirt sitzt, in dem du sitzt. Und dass ich jetzt das Anhabe und die Haare so habe, wie ich sie habe. Ist das authentisch oder habe ich das jetzt gemacht, weil ich weiß, hey, Wir machen einen Podcast und wir werden auch fotografiert dabei, wenn ich rausgehe irgendwie. Natürlich versuche ich, Fatoni hat das so schön gesungen, Ich scheiße auf Authentizität, Ich will einfach nur ich selbst sein. Und am Ende ist das das Ding, was du, glaube ich, Auch auf die Musik übertragen solltest. Wie gesagt, immer natürlich auch mit dem kommerziellen Hintergedanken, Wir machen Popmusik, Wir möchten gerne populäre Musik machen, und wir möchten gerne auch im Radio laufen, Aber ich möchte trotzdem Dinge singen, die mir wichtig sind. Und das ist, glaube ich, so ein Schlüssel. Hoffe ich mit dem... Ich auch in nächstes Jahr oder in fünf Jahren noch im Popdiskurs irgendwie stattfinde. Ja, dass also mindestens erstmal auch ich meine eigene Zielgruppe bin und sage, hey, ich muss es erstmal geil finden, Aber dann hoffe ich natürlich auch, dass es viele andere Leute geil finden.

Arnd Zeigler: Gabi und Klaus sind ja auch älter geworden.

Sebastian Krumbiegel: Gabi und Klaus sind älter geworden. Wir nehmen ja jetzt, wir machen jetzt gerade eine Platte, Wir nehmen fünf alte Songs mit Gästen auf, also mit Leuten, Die wir...

Arnd Zeigler: Es gibt auch eine Fortsetzung.

Sebastian Krumbiegel: Es gibt eine Fortsetzung von dem Lied, Aber das ist jetzt auch schon wieder fünf Jahre her oder so. Also Gabi und Klaus ist ein Lied, das wir jetzt irgendwie, Ich will noch gar nicht viel erzählen, aber wir haben jetzt fünf alte Songs. Wir haben Gabi und Klaus, Millionär, alles nur geklaut, Schwein sein und Küssen verboten. Und die nehmen wir mit Gästen auf. Und das machen wir übrigens auch mit den Produzenten, die auch Udos letzte Sachen produziert haben. Das war mein inniger Wunsch, das zu machen, um eben eine zeitlose Musik zu kreieren. Und wir versuchen, diese Musik dann in die heutige Zeit zu holen. Und auch den Leuten, mit DENEN wir... Als Gäste dann agieren, denen das auch sozusagen, ein bisschen soundmäßig auf dem Leib zu schreiben, ohne uns selbst zu verbiegen. Und wir wollen sozusagen, unseren Stil beibehalten, aber gleichzeitig, also Millionär wird eher in Richtung Hip-Hop gehen, Wir werden Millionär irgendwie mit zwei Rappern zusammen machen, wo wir wirklich nur den Chorus singen. Und die Rapper rappen die Strophen. Und dann ist es natürlich irgendwie so ein echter Oldschool. Hip-Hop-Sound irgendwie, also auch nicht so hundertprozentig, modern, aber eben zeitlos, aber trotzdem Hip-Hop. Oldschool Hip-Hop Ende 80er, Anfang 90er Jahre, Wie eben auch unsere ersten Grooves waren, die wir mit den Prinzen bei den ersten Platten gemacht haben. Ja, und ich hoffe, dass das funktioniert. Also, ich bin Fan von, und das ist erstmal das Wichtigste.

Joël Kaczmarek: So und jetzt muss ich dich nach über einer Stunde Gespräch, aber doch mal auf digital festneilen.

Arnd Zeigler: Ach ey, okay. Ich bin aber ein sehr analoger Mensch. Aber versuch's.

Joël Kaczmarek: Vielleicht sagst du erstmal ein, zwei, drei Sätze zu deinem Podcast. Was passiert denn da so?

Arnd Zeigler: Mein Podcast heißt Ball You Need Is Love. Und war ursprünglich gedacht als genau das, Was wir hier auch im großen Rahmen haben, Eine Verbindung zwischen... Den Leidenschaften für Musik und für Fußball. Und es hat sich dann aber ein bisschen aufgebrochen, dass wir gemerkt haben, Es ist genauso spannend, mit anderen Kulturschaffenden über Fußball zu reden, die einfach totale Fans sind. Und deswegen haben wir auch mit Schauspielern, Musikern,

Sebastian Krumbiegel: Schauspielerinnen,

Arnd Zeigler: Autorinnen über Fußball gesprochen. Und es ist deswegen spannend, weil ich wirklich das Gefühl habe, tatsächlich, dass die Art der Leidenschaft für Fußball und für Musik eine ganz ähnliche ist. Also es ist was ganz anderes, ob ich ein großer Theater-Enthusiast bin oder ob ich Popmusik-Fan bin. Also Popmusik und Fußball haben ganz viele Schnittmengen, eine ganz große Schnittmenge in vielen und unterscheiden sich eigentlich für mich von allen anderen Hobbys. Ich finde andere Sachen auch toll, aber diese beiden Sachen finde ich, das sind wirklich die Sachen, die du, wie vorhin schon gesagt, du kannst als fünfjähriger Fußball und Popmusik toll finden. Und als dicker, grauhaariger Rentner. Wirst du das immer noch tun in den meisten Fällen.

Joël Kaczmarek: Wer war so bei dir?

Arnd Zeigler: Es gibt eine gewisse Schnittmenge auch zwischen Euren Gästen und meinen. Olli Dittrich war bei mir, Sebastian war bei mir, Einer meiner Lieblingsgäste war Matthias Brandt, Schauspieler. War ein ganz, ganz tolles Gespräch. Johannes Oerding war auch bei mir. Wen haben wir noch alles gehabt?

Joël Kaczmarek: Ist Olli Dittrich HSV-Fan dann eigentlich?

Arnd Zeigler: Aber ja, der hat es erfunden.

Joël Kaczmarek: Das war bestimmt ein heißer Ritme.

Arnd Zeigler: Großer, GroßeR Uwe Seeler-Verehrer. Nein, Und das waren immer Gespräche über die Fußball-Leidenschaft von Menschen, die beruflich Kultur oder Kunst machen. Und das hat mir in allen Fällen ganz, ganz viel Spaß gemacht.

Joël Kaczmarek: Da bist du ja schon ein bisschen in der digitalen Welt angekommen, Weil Podcast ist ja eigentlich on Demand im Vergleich zu dem eher linearen Radio, Was du sonst über Jahrzehnte gemacht hast. Was merkst Du so für Unterschiede?

Arnd Zeigler: Naja, Ich als Radiokind, als jemand, der wirklich immer schon Formatradio kennenlernen musste und erleiden musste, Mir geht es genauso wie das, was Sebastian vorhin gesagt hat. Ich finde es unheimlich toll, Gedanken ganz ausführen zu können. Und nicht sofort immer eine Stoppuhr im Kopf zu haben. Und nicht bei jeder Antwort schon zu denken, okay, Der Teil darf jetzt nur drei Minuten dauern, weil dann muss wieder irgendwas anderes kommen. Das ist wirklich so eine Sache, die... Setzt sich sehr unschön fest, wenn du Radio lange gewohnt bist. Dann hast du immer eine Stoppuhr im Kopf. Ich weiß auch, dass es Talksendungen gibt, wo du als Talkgast das Gefühl hast, Der Talkmaster guckt dich gar nicht an, der guckt an dir vorbei auf eine Stoppuhr. Und das finde ich eben, Ich verstehe, dass Fernsehen so funktionieren muss oder dass andere Medien so funktionieren müssen. Ich genieße es aber sehr, dass es hier in diesem Rahmen nicht so ist.

Joël Kaczmarek: Hat sonst denn irgendwie so Digitalität insgesamt deine Arbeit auch verändert? Also ich meine, es schwimmen ja so viele Medien rein, TikTok, Snapchat, Facebook. LinkedIn, I Don't Know what, ja, Nur mal, um sozusagen soziale Medien zu nennen und dann auch die ganzen Distributionswege. Und merkst Du auch so eine Veränderung in deinem Arbeiten?

Arnd Zeigler: Ja, was sich natürlich massiv verändert hat, ist, wenn du beim Radio bist. Ich hab beim Radio angefangen Ende der 80er Jahre, da war alles noch analog. Ich hab eine Radioserie, Die heißt auch Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs, Die hab ich früher auf analogen Tonbändern gebastelt und hab da ganz viel mit Schnipseln gearbeitet. Und hab dann in einem Ton... Studio von Radio Bremen gesessen, habe teilweise, wie Brian Wilson bei seiner Arbeit den Überblick verloren, weil ich überall irgendwelche Tonbandschnipse liegen, hatte, wo ich nicht mehr genau wusste, Wie wollte ich die eigentlich jetzt zusammenkleben.

Sebastian Krumbiegel: Daher kommt ja schneiden. Ja, ja, genau. Wirklich, das ist ja irgendwie das alte Ding, dass du diesen klassischen Schnürsenkel hast. Markierst, Schneidest durch,

Arnd Zeigler: klebst neu zusammen. Und das habe ich geliebt. Und ich weiß auch ganz genau, als ich beim Radio neu war. Und Anfing so zu arbeiten. Da habe ich gedacht, Mensch, Wäre das geil, irgendwann mal so einen eigenen Raum zu haben? Zu Hause mit einem Mischpult und zwei Tonbandmaschinen und einem Mikrofon, wo du so Sachen aufnehmen kannst. Und mittlerweile kannst du das mit jedem PC viel einfacher machen. Was natürlich in manchen Dingen auch ein bisschen die Romantik hat, verloren gehen lassen, weil es hat schon Spaß gemacht, Tonbänder zu schneiden. Aber auf der anderen Seite erleichtert es natürlich die Arbeit an einer wirklichen Radioserie. wahnsinnig, wenn du das wirklich alles zu Hause am Rechner machen kannst, mit Blick aus dem Fenster und deinem Kindern im Nebenraum. Und du kannst eben schnell, was fertig machen. Das ist schon sehr viel einfacher und annehmlicher geworden.

Joël Kaczmarek: Bist du dann auch, wie der Popstar, der Sozusagen jetzt so? Die Abkürzung, geht über seine Automatismen? Also hat das auch deine Kunst quasi so ein bisschen, Na, verarmt will ich nicht sagen, aber verändert zumindest?

Arnd Zeigler: Ich glaube,

Arnd Zeigler: bei mir ist es... Das Gegenteil, Weil Radiobeiträge sollen ja trotz allem nicht klingen, wie Musiksongs. Da geht es ja um Konstruieren von Wort und O-Tönen und so weiter. Und das ist natürlich einfacher geworden. Und da ist es auch nicht so, dass ich mir weniger Mühe gebe, sondern es ist nur anders. Was aber ich auch noch sagen muss, ist, dass ich angefangen habe. Beim Radio, tatsächlich in Radio Bremen Studios, Da hatten wir zwei Studios,

Arnd Zeigler: die mal abgewechselt wurden, Da waren alle Wände voller Vinylschallplatten. Und irgendwann kamen da keine neuen mehr dazu, Dann fing ein CD-Regal an. Dann wurden die CD-Wände immer größer. Und mittlerweile hast du keinen einzigen Tonträger mehr, mit dem du in Berührung kommst, wenn Du Radio machst, weil du nur noch alles vom Computer kriegst. Das ist schon, Das habe ich wiederum sehr vermisst, weil ich habe angefangen, Radiosendungen zu machen, da hast du deine Playlist gehabt und bist ans Regal gegangen. Und hast das Vinyl rausgezogen und hast das Vinyl auf den Plattenspieler gelegt und hast die Nadel draufgesetzt.

Sebastian Krumbiegel: Und manchmal hast du sogar gesprungen im Radio.

Arnd Zeigler: Manchmal hast du sogar gesprungen und das hat wahnsinnig v