Label-Chef: 5 Dinge, die ich gerne mit 20 gewusst hätte

31. Januar 2025, mit Joël Kaczmarek

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Joël Kaczmarek: Warnung, der folgende Podcast könnte Ihr Leben verändern. Infos und Hilfe unter 5 Dinge mit 20

Sebastian Schweizer: Alle Künstler waren, als wir sie unter Vertrag genommen haben, noch ganz klein. Die hatten manchmal nicht mal Spotify. Also so mit 20, Anfang 2000er, dachte ich zumindest, es wird alles jetzt immer besser. Also ich habe nicht gedacht, dass sich so Sachen zurückentwickeln. Wenn man sich nicht jetzt da beruflich mit beschäftigt, dann denkst du nicht so doll drüber nach. Musik ist halt Musik und die gibt dir was als Zuhörer. Aber als derjenige, der diese Musik macht, der nimmt was von sich drin, so Gefühle, Emotionen. Das ist ein Stück von ihm oder von ihr. Ich würde mir sagen, Basti, das ist cool, sei ruhig, goofy und sei albern. Das ist nichts Schlimmes. Das hält einen auch irgendwie jung.

Joël Kaczmarek: Gib mir fünf oder mehr, gib mir alles, was du mir sagen kannst und sag, was hast du gelernt? Vom Fallen und Aufstehen, Suchen und Versehen. Und jetzt du! High Five, Leute! Hier ist wieder Joël und ihr kennt ja das Spiel. Ich bringe euch immer spannende Menschen mit, die mir ihre fünf Dinge verraten, die sie gerne schon mit 20 gewusst hätten. Und heute ist das ein Entdecker. Und zwar der liebe Sebastian Schweizer. Jetzt denkst du so, okay, was entdeckt der denn? Der entdeckt Künstler, sag ich euch. Denn der ist mit Chimperator schon sehr lange sehr erfolgreich darin, spannende Musiker und Künstler zu entdecken, vor allem im Hip-Hop-Bereich. Also ich werde natürlich gleich mit ihm mal quatschen, weil zum Beispiel Cro ist so eine Nase, die er entdeckt hat und noch einige andere mehr. Und da liegt ja irgendwie auf der Hand, wenn man wie der liebe Sebastian Schweizer auch noch unternehmerisch tätig ist, auch an mehreren Fronten. Also er macht mittlerweile auch noch Dinge parallel. Also es ist wirklich ein Tausendsesser. Plus diesen Riecher für Menschen, dann wird da glaube ich einiges unter der Haube sein und darauf bin ich heute mal neugierig. Von daher, that being said, hallo lieber Sebastian Schweizer.

Sebastian Schweizer: Hallo, vielen Dank für die Einladung.

Joël Kaczmarek: Ja, du sag mal, wie läuft es denn jetzt? Also ich meine, viele wollen Künstler werden, du bist gleich Label-Chef geworden. Ist ja fast noch der geilere Job. Wie wird man sowas?

Sebastian Schweizer: Ich bin eigentlich da so reingerutscht.

Joël Kaczmarek: Ich war tatsächlich selber Rapper vor vielen, vielen Jahren. Ach, guck. Mit vielen Freunden zusammen, auch wir waren so im Freundeskreis aus. Rappern, DJs, Sprühern, Produzenten und haben halt Musik gemacht und niemand wollte uns und dann haben wir gesagt, wir machen jetzt selber ein Label und das war auch so der erste

Sebastian Schweizer: Business-Move dann und dann war eine Weile ruhig. Also wir wussten gar nicht, was ein Label ist oder auch, keine Ahnung, was ein Business-Plan ist oder sowas, sondern sind da einfach gesagt, wir machen das jetzt und haben dann ein Logo gehabt und das das war es so erst mal. Und dann habe ich aber mit der Zeit gemerkt, mir macht es Spaß, dieses Organisatorische auch. Und habe mich da reingelesen und was ist ein Vertrieb und was braucht man überhaupt? Und habe dann gedacht, okay, wir haben schon so viele Rapper, dann ist es nicht so schlimm, wenn ich das sein lasse und mich mehr darum kümmere. Und dann bin ich das so langsam.

Joël Kaczmarek: Es ist auch nicht ich alleine. Ich habe immer mit Freunden das zusammen gemacht. Ich bin nur der, der öfters in Interviews sitzt. Ja, aber das hat sich dann so entwickelt mit der Zeit einfach. Ach, spannend. Und so vom Namen her, also Chimp ist der Schimpanse, wenn ich mich nicht täusche, der Affe und du bist so der Operator oder was war so die Namensgeschichte? Also das ist so ein bisschen im... Im Surf entstanden, gibt's doch so. Ja, also wir wissen es echt nicht mehr ganz genau. Also wir haben es irgendwann rum mit Affen gehabt damals immer, wir fanden das spannend, so der Affe ist der bessere Mensch und es gab von Method Man und Redman, glaube ich, Let the Monkey Out, das haben wir auch immer so.

Sebastian Schweizer: Freestyle-Sessions benutzt und dann war es so Jim, der Affe und Imperator, der König der Affen. Dann haben wir gesagt, das sind wir.

Joël Kaczmarek: Makes sense, makes sense. Ich habe gerade überlegt, ich meine, dass doch damals entweder war es Peter Fox oder Seeed, hatten auch mal so eine Affenphase, oder? Stimmt, genau. Der Stadtaffe ist legendär. Das war aber noch, wir waren ein bisschen früher dran. Du hast den Trends gesetzt, deswegen bist du auch der Affen-Imperator und er der Stadtaffe. Ja krass und ich sag mal, wie ist das so? Also wie funktioniert dieses Geschäft? Weil aus der Welt, wo ich herkomme, also wenn jemand in Startups investiert, dann sagt man immer, das ist so ein Outlier-Business. Also ein Outlier ist so der eine Punkt, der so über allen anderen kometenhaft weit nach oben fliegt. Also wenn du, sag ich mal, in einen Zalando investiert hast, dann machst du die fette Kohle und von diesen typischen 10 Investments, die ich mache, hast du vielleicht so, weiß ich nicht, 0,5 Outlier so ungefähr. Das wird ja bei dir wahrscheinlich ähnlich sein, dass du so, sag ich mal, viele Künstler hast, die so lala performen und du musst aber eigentlich die finden, die so richtig durch die Decke gehen. Wie macht man sowas?

Sebastian Schweizer: Ja, also im Grunde ist genau das, was du beschreibst, ist so das Businessmodell der Major Labels. Die signen ganz viel, also nehmen ganz viel Künstler unter Vertrag und wissen, von zehn wird einer durch die Decke gehen und der finanziert den Rest. Und wir als Indie-Label, also oder sowieso am Anfang, als wir klein waren, hatten überhaupt kein Geld. Also da ging das sowieso nicht, aber auch später. hast du natürlich einfach weniger Geld als so ein Major-Label und kannst nicht 10, 20 Leute unter Vertrag nehmen, sondern du musst halt wirklich sehr genau aussuchen, wen du nimmst oder auf wen du Bock hast und da irgendwie ein Gefühl für bekommen, bei wem... bei wem es funktionieren könnte. Glück gehört natürlich da auch mit dazu, ein Stück weit. Und ich glaube, was bei uns am Anfang, also wir haben echt, ich würde sagen, die ersten 10 Jahre haben wir dieses Label gemacht und alles Geld, was wir da verdient haben, haben wir ins nächste Projekt rein investiert und haben nebenher gejobbt oder normale andere Jobs gehabt und haben halt vor allem so Bock und Zeit und Energie da reingesteckt.

Joël Kaczmarek: Nur so war das auch möglich. Hätten wir uns da schon Gehalt ausgezahlt, dann hätten wir irgendwann zumachen müssen. Sagen wir mal so rum, ich habe hier vor, nach unserem Podcast kann ich dir aber ein bisschen was vorsingen. Also vielleicht steckt ja in mir auch so ein Star drin. Worauf hörst du dann? Was ist so für dich das Ding, worauf es ankommt? Also es ist ja bei uns,

Sebastian Schweizer: also wir sind ein Rap-Label und es geht weniger ums Singen, sondern mehr ums Rappen. Und da ist natürlich die Technik für uns immer... Immer wichtig. Also es ist schwierig. Es ist so ein Gesamtpaket, auf das man da guckt. Wie sind die Songs? Ist natürlich sehr wichtig. Um was geht es inhaltlich? Aber genauso wichtig ist, wie spricht der oder die mit den Leuten auf Social Media? Kann er das oder sie? Auch das Aussehen, der Look von dem Ganzen, die Grafik oder das Netzwerk drumherum, was Grafik, Video und sowas angeht. Wie sind Interviews? Kann man mit demjenigen sprechen? Kann er sich ausdrücken? Also das ist so ein Gesamtpaket, das wichtig ist und wo man gucken muss. Manche Sachen kann man auch richten. Da kann man dann drüber sprechen und das Lernen auch. Bei manchen Sachen geht das halt aber auch nicht.

Joël Kaczmarek: Ich glaube, die normalsterblichen Menschen da draußen machen sich auch keine Vorstellung. Mein Freund Jens Eckhoff von Wir sind Helden, der hat mit mir auch einen Song geschrieben. Und dann kam der irgendwann und meinte, Joël, jetzt mal Hand aufs Herz. Jeden Tag. und ich finde die Zahl, sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen, jeden Tag werden 300.000 Songs auf Spotify veröffentlicht. Jeden Tag. 300 fucking Tausend. Du bist nur einer davon. Und hat mich auch so dafür sensibilisiert, dass es halt schon so ein Spiel ist, wo du halt viel tun musst. Und das so typische Label dich eigentlich erst mit dem Allerwertesten angucken, wenn du, sag ich mal, im fünf- bis sechsstelligen Bereich Streamingzahlen aufweist, weil du halt selber bewiesen hast, dass du so diese Social Game beherrschst und, und, und. Ist es wirklich mittlerweile so knallhart? dass Talent gar nicht mehr das ist, sondern fast eigentlich eher, wie kriegst du das Talent distribuiert?

Sebastian Schweizer: Alle Künstler,

Joël Kaczmarek: die wir bis jetzt unter Vertrag genommen haben oder bis auf einen vielleicht, waren, als wir sie unter Vertrag genommen haben, noch ganz klein. Die hatten manchmal nicht mal einen Spotify-Account. Das heißt, es ist schon möglich, sowohl als Künstler jemanden zu finden, der mit einem arbeitet, als auch als Label einen Künstler zu finden,

Sebastian Schweizer: der noch nicht komplett selber durch die Decke gegangen ist. Und man kann das dann groß machen gemeinsam. Aber all die Leute, die wir dann da unter Vertrag genommen haben, die haben sich dann nicht hingesetzt und nur Musik gemacht, sondern die haben genauso, also der andere Teil ist eben auch Teil des Jobs. Es ist viel mehr als nur, in Anführungszeichen, Musik zu machen, sondern das ist wirklich harte und auch teilweise unangenehme Arbeit, weil du eben, du bist ja konstant im Abgleich mit der Konkurrenz quasi. Du siehst die ganze Zeit die Zahlen von den anderen.

Joël Kaczmarek: wie viele Instagram-Likes, wie viele Streams bei Spotify. Und du wirst die ganze Zeit damit konfrontiert und vergleichst dich die ganze Zeit. Und das ist, glaube ich, schon echt anstrengend und unangenehm manchmal. Ja, ich wollte gerade sagen, da kann man depressiv werden, glaube ich. Auf jeden Fall, ja. Und gerade wenn du Musik machst, bist du ja auch eher jemand, der mit seinen Gefühlen arbeitet. Und das ist schon, ja,

Sebastian Schweizer: das geht unter die Haut manchmal.

Joël Kaczmarek: Krass. Und ich meine, jetzt hast du ja durchaus bekannte Namen in deinem Portfolio. Also so ein Cro ist jemand, den du entdeckt hast. Jetzt jüngst vielleicht bekanntester Name OG Keemo, die Orsons. Wie findest du denn solche Leute? Wie hast du zum Beispiel so einen Cro? Hast du dem irgendwie mal im Vapiano, als er an der Kasse anstand, die Hand geschüttelt? Wie war denn so der Pfad zu solchen Leuten?

Sebastian Schweizer: Also bei Cro, da hat ein Freund von uns, von Coddy und mir, Coddy ist mein Partner und Mitgründer von Chimperator, hat einen Myspace-Link geschickt und hat so gesagt, ey, hört euch das mal an, der ist aus Stuttgart. Und dann haben wir das angehört, fanden das gut. Das war schon zu der Zeit, wo Myspace so ein bisschen kaputt gegangen ist. Man hat nicht mehr so richtig verstanden, wo man hinklicken muss. Und wir haben dann versucht, irgendwie Kontakt zu dem aufzubauen, was über Myspace nicht funktioniert hat. Und haben ihn dann, glaube ich, oder doch, er hat uns dann da zurückgeschrieben und eine Nummer geschickt. Ja, so, und dann haben wir uns mit ihm getroffen. Also außer dieser Myspace-Seite gab es davon eben noch nichts. Er hatte aber schon das erste Album, also RAOP. In groben Zügen aufgenommen. Das hat er uns dann vorgespielt, haben wir uns getroffen, sind was trinken gegangen. Super netter Typ. Der fand uns nett und wir haben dann die Sachen gehört und haben gesagt, okay, krass, mit dem das ist, kann richtig groß werden. Ja, willst du bei uns unterschreiben?

Joël Kaczmarek: Crazy. Mal ganz blöd gefragt, was ist so das Paket, was ich kriege, wenn ich bei euch unterschreibe? Also wenn du mir einen Song schreibst, ist mir ja auch klar, wo du daran mitverdienst, weil dann ist sozusagen so deine eigene Leistung mit. Aber bei Labels, ich hab immer so den Eindruck gehabt, das ist so ein bisschen so ein Big-Boys-Game. Weißt du, so die Fründe werden da so, ich bring dich auf die Bühne, ich bring dich in das Magazin, pipapo, dafür gibst du mir die Hälfte deiner Einnahmen. So fühlt sich das immer für so einen Laien an. Wie ist es denn hier in der Realität?

Sebastian Schweizer: Also ein wichtiger Teil Es hat sich schon auch außerdem krass verändert über die Zeit. Weil, also als wir angefangen haben, gab es für die meisten Leute ganz viele Zugänge nicht. Also du bist als Künstler nicht einfach direkt zur MTV gekommen zum Beispiel, was damals noch eine große Rolle gespielt hat. Oder überhaupt ein Video zu drehen oder Musik aufzunehmen war damals noch ein bisschen... Das geht ja heute, du brauchst eigentlich ein gutes Mic und einen Laptop, dann kannst du aufnehmen. Zumindest wenn es um Rap geht. Mit Instrumenten und so ist es nochmal ein bisschen schwieriger. Dann brauchst du schon ein bisschen besseres Studio. Aber so krass ist es auch nicht mehr. Aber ein wichtiger Teil ist tatsächlich Geld. Dass das Label investiert und ins Risiko geht. Und sagt, ich glaube, das macht Sinn bei dir. Und wir nehmen jetzt 20, 30, 40, also nach oben offen in die Hand. Und investieren das. Und das wird auch wieder zurückkommen. Was wir natürlich als Indie... nicht oder nie in so einem Ausmaß gemacht haben, wie das ein Major machen kann. Und wo wir dann dagegen immer gepunktet haben, ist, dass wir halt inhaltlich einfach als Partner und als Coach mit reingehen und sagen, ey, guck mal, wir sehen, du stehst jetzt gerade hier, wir sehen bei dir, dass du dorthin kommen könntest und was musst du machen, um dorthin zu kommen. Und das dann auf die unterschiedlichen Kanäle. Was musst du online machen? Vielleicht im Radio machen? Was muss man im Fernsehen machen? Wie müssen die Videos aussehen? Muss man an den Songs noch was machen? Also wir beraten und stehen da partnerschaftlich zur Seite und entwickeln das Konzept und führen es dann auch aus.

Joël Kaczmarek: Verrückter Beruf. Also wie geil. Aber auch ein bisschen verrückt, ne?

Sebastian Schweizer: Ja.

Joël Kaczmarek: Und sag mal, so abschließende Frage aus persönlichem Interesse, bevor wir uns mal langsam deinen fünf Dingen widmen. Mit dieser Maske, die der Typ immer auf hat. Also ich weiß, das erste Mal habe ich sowas bei Sido, glaube ich, gesehen. Und dann ist er mit seiner Panda-Maske aber so fast so ikonisch geworden. Wie entsteht sowas? Warum macht man sowas? Ich habe immer gedacht, das hat mit Fame zu tun. Dass man sagt, ich will nicht erkannt werden, aber ich möchte, ich habe Bock hier Hallen zu füllen. Aber ich hätte gerne meinen Espresso noch in Ruhe getrunken. Aber wahrscheinlich gibt es da eine Geschichte zu, oder?

Sebastian Schweizer: Also bei Cro war das so, dass er, wo wir ihn auf Myspace entdeckt haben, hat er schon... gab es keine Fotos von ihm, wo man sein Gesicht sehen konnte. Und wir wussten auch erst mal nicht, warum. Also der hatte bis zur Kind-Party war dann eins zu sehen oder er hatte eine Mütze drüber gezogen. Und wir haben dann, wir haben selber dann gemerkt, okay, das ist irgendwie spannend. Das war so ein Übergang zwischen Myspace und Facebook gerade. Die Leute haben angefangen, wirklich komplett digital ihr Leben eigentlich aufzurollen vor allem. Man konnte überall immer von jedem so eigentlich alles stalken. Und plötzlich war da jemand, bei dem ging das nicht. Du wusstest nicht, wie sieht der aus, du hast den nicht richtig anschreiben können. Das war spannend. Dann haben wir gesagt, ey, komm, lass das weitermachen. Er hat damals bei der Stuttgarter Zeitung eine Ausbildung gemacht und hatte keinen Bock, dass die irgendwie mitkriegen. Also war unbegründet eigentlich. Er wollte einfach so, ich mache Musik und ich will nicht, dass mein Chef das mitkriegt. Und dann haben wir gesagt, ey, das ist cool, lass das weitermachen. Wir zeigen dich nicht, obwohl der ein super gut aussehender Typ ist. gesagt, wir machen, wir machen, ja, wir zeigen das nicht. Haben aber arg viel weiter haben wir dann noch nicht gedacht, haben auch dann halt erstmal die Musik so undercover rausgebracht, bis dann der erste Auftritt anstand und wir so, ah shit, was machen wir denn jetzt? Und beim ersten Auftritt haben wir, hat er dann, hat er eine Bushido-Maske, also wir haben ein Bushido-Gesicht ausgedrückt und sein DJ Psaiko.Dino hatte eine Thilo Sarrazin-Maske drüber. Das war witzig so für einen Abend, aber dann Dann haben wir auch gesagt, okay, das bringt es irgendwie auch nicht. Und dann haben wir lang rumprobiert. Wir haben mit Schminke gearbeitet. Dann sah er aus wie so ein Footballspieler. Dann hatten wir einfach ja eine Pudelmütze mit Augen ausgeschnitten. Dann sah er aus wie ein Verbrecher. Und dann hat er irgendwann, kam er mit dieser Panda-Maske, die einfach von so einem Faschingsladen war. Da hat er die bearbeitet mit der Schere, hat das so ausgeschnitten und hat die aufgesetzt. Und dann hatte er, es war dann der... zweite Auftritt oder der dritte, glaube ich, in Stuttgart. Und dann hat mir Kaas, das ist ein Künstler von den Orsons, der war dann auf dem Auftritt, ich war in Berlin, hat er mir geschrieben ey Basti, das wird so krass, der ist der neue Sido. Also er hat ihn dann da gesehen und mit dieser Maske. Und ja, das hat dann auch direkt geklickt bei den Leuten. Und dann sind wir dabei geblieben.

Joël Kaczmarek: Geil. Siehst du, ich habe ja so die Geschichten. Ich stelle mir das gerade vor, wie er da steht, schminkt oder die Löcher hier in die Strumpfhose. Krass. Crazy. Crazy. Und jetzt mal so Hand aufs Herz. Wenn du mal zurückblickst auf deine ganzen Chimperator-Jahre, hast du mehr öfter daneben gelegen oder hast du öfter richtig gelegen? Also wie gesagt, wir haben halt auch nicht so viel unter Vertrag genommen, wie ein Major das macht. Deswegen ist das so vielleicht ein bisschen... Aber ja, ich keine Ahnung. Die Sachen, die nicht funktioniert haben, die sieht man dann halt auch nicht von außen. Und die erzähle ich ja dann auch nicht groß rum. Also wir haben eine ganz gute Quote, glaube ich. Aber es gab auch ein paar Leute,

Sebastian Schweizer: die wir abgelehnt haben und die nachher riesengroß geworden sind. Gibt es natürlich auch.

Joël Kaczmarek: Da Tan Erbaş hier, der Macher hinterm Burgeramt, mir seit Monaten, wenn nicht sogar Jahren erzählt, ich müsste unbedingt mal dich interviewen und dass euer Label Legendary ist, spricht das wohl für deinen Track Record, ja? Von daher, gut, gut, aber tauchen wir mal in dich ein. Magst du mir eigentlich mal verraten, wie alt du bist, also von wo du auf die 20 zurückblickst? Ich bin, ich komme in das Alter, wo es verschwimmt, ich bin 46.

Sebastian Schweizer: Ich denke immer 45, aber ich bin schon 46, ja.

Joël Kaczmarek: Ich weiß nicht, wie es dir so geht, aber man sagt ja immer so schön, man ist so alt, wie man sich anfühlt.

Sebastian Schweizer: Genau.

Joël Kaczmarek: Immer wenn ich über meinen Arzt gefragt werde, muss ich mal kurz überlegen, weil ich mir denke, 19. Biologisch nicht. Biologisch bin ich 41, emotional 5. Nun gut, okay, also 26 Jahre Erfahrung, aber hier schon über ein Viertel der 100, da wird ja was zusammengekommen sein. Weißt du, das erste Ding, wo du sagst, hätte ich gern schon mit 20 gewusst.

Sebastian Schweizer: Ja, das hatte im Grunde auch damit, mit diesem Alter zu tun. Ich habe überlegt, also erst mal habe ich gedacht, ja, ich gehe da einfach rein, ich spreche mit dir und dann wird mir schon was einfallen. Dann habe ich gedacht, oh nee, ich glaube, ich muss mich so ein bisschen vorbereiten. Und dann war mein erster Impuls, war so, ey, ich sage irgendein, ich sage, Basti, er ist nicht den gelben Schnee, zum Beispiel. Und denkt mir so Quatsch aus. und natürlich hätte ich dann gedacht, nein, es soll das, aber dann habe ich gemerkt, das ist sowas, also ich habe so einen Quatsch-Basti in mir. Also den habe ich schon mit 20 gehabt und den habe ich jetzt immer noch und das war mir lange echt unangenehm. Also weil ich so in so Meetings und dann denke ich mit anderen Leuten, dann habe ich immer das Gefühl, die spielen so erwachsen und ich will da so, ich habe so den, also es ist jetzt nicht so Tourette-mäßig, dass das aus mir rausbricht, aber ich merke so, ich habe so den Drang, irgendwas dagegen zu sagen und es Und mit 20 hatte ich das auch schon und da habe ich mich so ein bisschen geschämt fast, weil ich dachte so, Basti, komm doch mal klar, denk doch nicht immer, du musst jetzt hier so. Aber jetzt, wirklich jetzt auch erst, so mit 44, 45 habe ich irgendwie gemerkt, ich bin damit eigentlich ganz okay und es ist auch okay. Und ich würde mir sagen, Basti, das ist cool, sei ruhig, goofy und sei albern, das ist nichts Schlimmes. hält einen auch irgendwie jung.

Joël Kaczmarek: Ich weiß, was du meinst. Ich erinnere mich gerade so zurück, als ich mit der, ich weiß nicht, mit der Schule, aber mit der Uni fertig war. Mein Vater hat mir ein Vorstellungsgespräch besorgt beim BDI, beim Bund der deutschen Industrie. Und es war so der Classic, weißt du, den Lebenslauf hingeschickt, wo du die Fotos hast, wo du dann immer so gerade sitzt, eingedreht, mit Krawatte und so voll der steife Scheiß. Und dann war das halt wirklich auch so ein Gespräch. Punkte durchdekliniert und was hast du denn da gemacht und warum hast du denn da irgendwie eine Lücke oder pipapo? Und ich habe hinterher so das Feedback gespiegelt bekommen, ich hätte mich wohl ganz gut geschlagen, der Job ist trotzdem nicht mehr rausgefallen. Und es sind genauso diese Situationen, da versetze ich mich gerade so in dich hinein. Mit 20 denkst du so, okay, das ist hier Arbeitswelt, das ist serious business, hier muss ich jetzt irgendwie so ernst und seriös sein. Und abends sitzt du dann da und sagst so, ja hier, die komische Napfstülze fragte mich, was ich da und dann gemacht habe, hätte man noch drauf kommen können. Oder ich war froh, als ich die Krawatte ablegen konnte, pipapo. Und ich gebe dir recht, ich habe auch so die Erfahrung gemacht, wenn man es ein bisschen menscheln lässt, mögen die Leute eigentlich immer.

Sebastian Schweizer: Ja, voll. Und bei mir war das echt lang so, dass ich so gedacht habe, ey, das ist irgendwie, ich verhalte dich doch mal deinem Alter entsprechend. Als ich dann älter, oder auch mit 20 dachte ich natürlich schon, ich bin schon voll erwachsen. Jetzt, wenn ich zurückdenke oder wenn ich jetzt 20-Jährige treffe, finde ich die schon sehr jung noch. Also damals mit 20 dachte ich jetzt, okay, jetzt bist du groß und erwachsen und da musst du auch dich dementsprechend verhalten. Aber in mir drin ist mir das schwer gefallen und das war mir so ein bisschen unangenehm. Aber ich finde, man kann ruhig albern sein, das ist überhaupt nichts Schlimmes.

Joël Kaczmarek: Wie hat es sich denn für dich angefühlt, dich auf so eine Art zu verstellen oder so einen Teil deiner Persönlichkeit zurückzunehmen? Du bist ja jetzt nicht völlig anders gewesen, du hast nur einen Teil rausgelassen.

Sebastian Schweizer: teilweise schwierig. Oder was heißt schwierig? Aber also zum Beispiel mein erster Job so richtig in der Musikindustrie, dann außerhalb von unserem eigenen Konstrukt war, dass ich ein Praktikumssemester bei der EMI gemacht habe in Köln. Das ist damals eins der großen Major Labels gewesen. Also stell ich, ich habe immer in der Musikindustrie gearbeitet, deswegen ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht. Aber ich stelle mir immer so vor, in der Versicherung oder so ist es wahrscheinlich schon anders. Es ist schon echt locker in der Musikindustrie. Alle duzen sich und man muss überhaupt keine Krawatte. tragen oder sowas. Also das ist schon sehr normal. Du darfst anziehen, was du willst. Als ich das Praktikum gemacht habe, da kam gerade von Grönemeyer das Mensch-Album raus bei der EMI und da war gefühlt jedes Wochenende auf der Dachterrasse eine Riesenparty, weil irgendwas immer noch oder schon wieder auf die Eins gegangen ist. Also das war sehr locker, aber trotzdem für mich, weil ich sehr aus diesem Hip-Hop gekommen bin, war das dann schon so eine Erwachsenenwelt, wo ich mich jetzt halt wo ich also mitmachen, mitspielen muss und auch dann so reden muss, wie die halt reden und

Joël Kaczmarek: Es ist jetzt nicht so, dass ich das super schlimm fand und mich ganz komplett verstellen musste, das nicht. Aber ja, es war so ein Anpassen halt. Ich denke gerade so, in deinem Beruf, Hip-Hop, Musik, da ist ja eigentlich dieses Real-Sein, ich glaube, so eins der oberen zehn Gebote so ungefähr, ne? Quasi, ja, das stimmt. Und ich weiß nicht, ich finde, es geht mir oft so, ich finde, man merkt Leuten an, wenn die sich so verstellen, wenn die sich in so eine Form pressen. Ich fand dann immer irgendwie spannender, wenn du dann noch mit den Leuten irgendwie ein Trinken gegangen bist und dann ist der eine mal voll aus der Rolle gefallen. Also, dass er mal Tacheles geredet hat, wie er das Meeting heute wirklich fand und so ein Zeugs, ne? Das heißt ja jetzt nicht, dass die abstürzen oder sich daneben benehmen, aber einfach mal so, dass es halt irgendwie menschelt. Und ich finde, man merkt das immer. Also, dann sind die Leute irgendwie noch mal zugängiger. Das Schlimmste sind ja so Politiker. Also, ich glaube, das Übelste hast du, wenn du in so einer Konzernwelt bist und in den oberen Riegen, da weißt du ja eigentlich auch nicht mehr, wie du dich benehmen darfst noch, ja? Ja,

Sebastian Schweizer: voll.

Joël Kaczmarek: Also, ich weiß nicht, da macht man sich auch irgendwie immer keine Vorstellung. Ich hab einen Freund, der ist in einem Vorstand von einem großen Unternehmen. Der Ort, wo er das macht, ist jetzt nicht ganz klein, aber der sagt so, ich geh nicht mehr in die Disco. Kann ich mir gar nicht erlauben. Wenn da irgendwas ist, hab ich sofort ein Compliance-Thema an der Backe. Was ist das für ein Scheiß? Hallo? Also, naja. Ja, spannend. Wie baust du das jetzt ein? Hast du einen konstruktiven Weg gefunden, wie du dein Goofy-Me sozusagen hervorlässt?

Sebastian Schweizer: Wie gesagt, ich find's einfach nicht mehr schlimm. Also, Aber ja, also ich lasse das zu. Also ich habe auch, es war eine Zeit lang dann auch, so vor, weiß ich nicht, fünf Jahren, mit 40, ist ja dann so eine Zahl, okay, ich bin jetzt 40 geworden, wo man anfängt, so ein bisschen darüber nachzudenken, wie alt ist man und dass ich gemerkt habe, dass ich auch, wenn ich mit neuen KünstlerInnen spreche, dass ich so langsam, aber sicher in so eine, also ich will jemandem einen Chuck geben. so zur Begrüßung und der reicht mir aber so die Hand. Und ich merke plötzlich, krass, der sieht mich als so den Älteren, dem er die Hand jetzt gibt. Und ich war so gar nicht, hä, was ist denn jetzt auf einmal los? Und da habe ich gemerkt, dass die, das ist irgendwie auch für die, weil wenn man jung ist, redet man halt auch gerne Quatsch. Und wenn die merken, ey, mit Basti kannst du dich auch ganz normal unterhalten, der ist jetzt nicht so der. der böse Label-Chef oder der Ernste, der nur Zahlen im Kopf hat, sondern mit dem kann man normal quatschen, das hilft auch. Und das ist eigentlich eher was Positives.

Joël Kaczmarek: Ich finde ja eigentlich immer witziger, wenn es so richtig konterkariert ist. Ich erinnere mich, ich habe früher ein Online-Magazin namens Gründerszene gemacht und dann, bevor wir uns ein eigenes Büro leisten konnten, haben wir so Büro-Hopping bei anderen Firmen gemacht. Und ich war bei einem, da waren wir mal eingemietet und der Geschäftsführer von dem Laden, der hat eigentlich gerade die Firma so halbwegs abgewickelt, die war verkauft und mal gucken, was mit passiert. Und der war sogar adlig. Wenn du seinen Namen voll ausgeschrieben hast, mit Graf von und zu, der ging in keinen Spaß über zwei Zeilen und ewig lang. Ich weiß noch genau, eines Tages kam ich morgens ins Büro rein. Da hat er mir, ich weiß bescheidiger nicht, was das sollte, aber es war total witzig. Da hat er mir eine Verpackung von einem rosafarbenen Föhn auf den Tisch gelegt. Und als ich den Stuhl zurückgezogen habe, einen anderen Tag, da hat er so einen Labello-Stift wie so einen Buttplug auf meinen Stuhl geklebt. Ich guckte den so an. Es war zum Schreien komisch. Wenn du diesen urernsten, adeligen Typen mit Herrenhemd und Polunder da drüber so eine Späße machen siehst. Manchmal macht es ja sogar gerade das aus. Aber gut, ich schweife hier ab mit. Aber deswegen, das sage ich. Das ist immer so, wenn du da menschelst und dann baust du mit den Leuten eine viel tiefere Beziehung auf. Immer mit dem Risiko. Heute wäre das sowieso mit so... Also bei Frauen darfst du sowas mal gar nicht machen und unter Kerlen kann es selbst heute auch schief gehen. Aber es macht ja auch so ein bisschen das Gespür aus. Aber meine Mama hat immer gesagt, ein Drittel mag... ein Drittel kann ich nicht leiden und einem Drittel bist du egal und mit ein bisschen Glück kommst du mit sowas, finde ich, immer so ins Drittel, was ich mag. Naja, gut. Was ist dein zweites Ding?

Sebastian Schweizer: Mein zweites Ding hat auch mit dem Alter zu tun. Ich hätte mir, glaube ich, gerne gesagt, dass ich, dass du, Basti, du bist nicht unsterblich. Also klar wusste ich das mit 20, dass ich nicht unsterblich bin, aber ich habe so ein Stück weit, oder Ciao. Oder das ist, glaube ich, auch normal und auch irgendwie gut. Das ist auch, dass du so, wenn du jung bist, wenig Angst hast und Risiko eingehst und lauter Sachen machst, die du später halt wahrscheinlich nicht mehr machen würdest. Ist auch, glaube ich, was Gutes. Aber ich denke jetzt manchmal, also keine Ahnung, ich habe mit, ich weiß nicht wie alt, ich war 14, mit Graffiti angefangen zum Beispiel. Und da machst du schon viel Zeug, was einfach, also weißt du, so nachts... ins Jahr, also wo die Züge abgestellt werden, einbrechen und da rumlaufen und Züge sprühen. Das ist halt scheiß gefährlich eigentlich. Also wenn ich jetzt denke, meine Tochter wird das machen, ich würde verrückt werden. Neben dem, dass es an sich alleine schon riskgefährlich ist, ist es auch, also dann Sprühen und diese Lackdämpfe jedes Wochenende ist halt einfach krass ungesund. Und dann mit ein bisschen, also wenn ich mit 14 angeht, das habe ich so von 14 Jahren bis ich 20 war, vielleicht echt gut gemacht, viel gemacht. Und dann haben wir angefangen auch oft wegzugehen und jedes Wochenende Party und Zigaretten rauchen, eine Schachtel, zwei Schachteln und Alkohol. Und da denke ich jetzt manchmal, ey, das hätte gereicht, wenn ich das einmal im Monat gemacht hätte. Da hätte ich nichts verpasst, weil ich die anderen Wochenende dann zu Hause geblieben wäre. Und da denke ich jetzt so, mein armer Körper, das hätte ich mir irgendwie gerne früher... Also ich habe immer gerne Sport gemacht, auch als schon geskated, dann keine Ahnung, Basketball, Baseball, Handball, Judo, also als Kind. Und dann später als Jugendlicher auch immer wieder. Aber ich hätte gern da früher angefangen, so das zu fokussieren und wieder ordentlich zu machen. Und nicht so viel feiern und nicht so viel früher aufhören mit Rauchen. Das hätte ich mir gern gesagt.

Joël Kaczmarek: Was waren so die Triebfeder? Also warum hast du das Bedürfnis, nachts die U-Bahn voll zu sprühen?

Sebastian Schweizer: Boah, also ich... Und ich habe, ich glaube, auch jetzt noch und habe immer schon gehabt, so diesen Drang, was zu machen, also was zu kreieren, was kreativ zu machen und so rauszugeben und zu gucken, wie das, das finde ich spannend irgendwie, wenn du was, du gibst was raus in die Welt und die Welt reagiert da drauf. Und wie reagiert die da drauf? Das finde ich irgendwie gut, jetzt immer noch. und ich habe Also schon früh, ich glaube, das war dann so mit Skaten, mit Zehen, das erste Mal, dass ich mich für Subkultur interessiert habe. Und dann gemerkt, ey, da ist irgendwie was. Ich war immer so auf der Suche nach was Identitätsstiftendem. Und da war das erste Mal dann mit Graffiti, wo ich richtig so, krass, das ist mein Ding, das will ich machen und das macht Spaß. Das habe ich dann im Nachgang jetzt irgendwann gedacht, ich habe da auch viel gelernt über Teamarbeit quasi und du musst vorher auschecken, wo kannst du hin, wie kannst du abhauen, so Sachen. Aber ja, das macht einfach unfassbar Spaß und du wirst mit jedem Mal besser. Du bekommst einen Namen dadurch und den Bereich, wo du dich dann bewegst, kennen dich die Leute dann und schätzen dich dafür, was du kannst. Das waren so, glaube ich, und natürlich so gegen das Gesetz, gegen die Regeln. Das war auch Motivation.

Joël Kaczmarek: Aber das ist überraschend vielschichtig. Also hättest du jetzt gesagt, ich war frustriert, ich wollte auf mich aufmerksam machen, so hätte ich es auch verstanden. Aber das ist so ein ganzes Bouquet an Dingen. Ja,

Sebastian Schweizer: nicht frustriert war ich,

Joël Kaczmarek: glaube ich, nicht. Aber klar, bestimmt spielt da so gesehen werden wollen eine Rolle. Bestimmt, ja. Ja, aber es ist interessant. Also bist du, sage ich mal, viele Risiken eingegangen, als du jung warst und hast es dann irgendwann abnehmen lassen? Ja, ich glaube ja. Wobei, also es sind auch unterschiedliche Risiken. Also dieses Graffiti-Ding,

Sebastian Schweizer: da gehst du ja nicht raus und sagst, ich gehe jetzt ein Risiko ein und werde den Zug besprühen. Das habe ich halt einfach gemacht. Erst jetzt so im Rückblick habe ich gedacht, ey, das würde ich jetzt nicht mehr machen. Wobei ich, wie ich am Anfang gesagt habe, auch denke, dass es vielleicht auch ganz gut ist. Vielleicht hätte ich es nicht gemacht, würde ich dann jetzt sagen, ey, hättest du mal ein bisschen mehr riskiert. So, weiß ich nicht.

Joël Kaczmarek: Glaubst du denn, dass... die Qualität des Ergebnisses krasser ist und die Erfolgswahrscheinlichkeit höher, wenn man sehr fearless ist, also wenn du sehr angstfrei an Dinge rangehst und dir die Konsequenzen egal sind oder dir vielleicht manchmal gar nicht bewusst?

Sebastian Schweizer: Ich glaube ein bisschen ja, weil du einfach wahrscheinlich mehr machst. Also diese Angst oder die Sorge, dass was schief gehen könnte oder dass es gefährlich ist, die hält einen ja dann auch zurück manchmal so, um Sachen zu machen. und ich denke schon, dass das eine... dass es wichtig ist, auch immer mal wieder das zu testen mit Absicht, weißt du, und zu sagen, okay, jetzt fühle ich mich hier gerade wohl und bin so umsorgt mit dem, was ich mache, aber jetzt mache ich auch halt mal was Neues und gehe da raus und auch wenn es erst mal mir Angst, oder es ist Angst, aber ich merke so, okay, ich fühle mich nicht mehr ganz so sicher in meiner Position und ich verlasse das, was ich gewohnt bin und wo ich mich auskenne, das ist, glaube ich, eigentlich immer gut, so was zu machen und ja. Klar kann es auch schief gehen und weiter nicht so gut laufen, aber ich glaube, es passiert öfters, dass dann was Gutes bei rauskommt.

Joël Kaczmarek: Ist es bei den Künstlern auch so, wenn man es auf die Kunst überträgt?

Sebastian Schweizer: Also ich bin ja jetzt selber kein Künstler oder nicht mehr, aber ich glaube schon, dass das immer, dass du da konstant wahrscheinlich mit Ängsten und neuen Sachen dich auseinandersetzen musst. Jedes Mal also so auf die Bühne gehen, das ist jetzt klar, also manche haben das in sich und das ist bestimmt auch ein großer Teil von, aber manche auch nicht, so ein Rampensau zu sein. Manche sind große Künstler, treten aber eigentlich. ungern auf oder sind eigentlich eher introvertiert und dann sich auf die Bühne stellen vor lauter Leuten und sein Innerstes nach außen kehren, das glaube ich, das ist eine Challenge so. Also die Musik, ich glaube, wenn man sich nicht jetzt da beruflich mit beschäftigt, dann denkst du nicht so doll drüber nach. Musik ist halt Musik und die gibt dir was als Zuhörer und du kriegst gute Gefühle oder wirst traurig dadurch. Aber als derjenige, der diese Musik macht, egal wie die... stumpf oder wie witzig oder wie auch immer diese Musik ist, die entsteht ja, weil er sich, der nimmt was von sich drin, Gefühle, Emotionen, das ist ein Stück von ihm oder von ihr und damit arbeitet der und macht daraus etwas und gibt es dann raus. Und dann sind da Leute und die bewerten das und die sagen, scheiß Song oder also das ist, glaube ich, das wäre für ganz viele Leute super schwierig, weil man das ganz schnell ... dieses Feedback, was man bekommt, auch auf einer emotionalen Ebene hört und gar nicht sachlich nehmen kann.

Joël Kaczmarek: Ja, es ist ganz krass. Ich glaube, da denkst du als Mensch mit einem in Anführungsstrichen normalen Beruf gar nicht so drüber nach, weil ich habe das von Jens mal erklärt bekommen, wir sind Heldenfreund hier, der ist ja wirklich Veteran in der Musik und der meinte, Joël, weißt du, bei dir im Business ist es so, wenn du was Inhaltliches sagst, da geht es ja ums Denken. Und dann ist es so, ja oder nein, nachvollziehbar oder nicht, überzeugt mich oder überzeugt mich nicht. Beim Fühlen ist es halt ganz anders, es geht sozusagen gar nicht so durch die Kopfschleife durch, es geht mehr so in den Bauch, so nach dem Motto. Da relaten die Leute drauf, da relaten nicht und dann kriegst du sehr instantan Reaktionen, die auch manchmal super intensiv sind, weil Gefühlswelten bei den Leuten ein ganz anderes Fenster aufmachen. Und man stellt sich das mal vor, du wärst jetzt irgendwie Projektmanager und dann kommt auf einmal dein Gegenüber und sagt, voll der Dreck, Alter, was du da produziert hast, catch mich gar nicht. Also diese Sphären, die sind einem, glaube ich, gar nicht so bewusst, wenn man eher... rational als emotional vielleicht mit einem Produkt arbeitet.

Sebastian Schweizer: Ja, voll.

Joël Kaczmarek: Und ich finde aber übrigens auch, dass bei deinem Punkt, mit dem du bist nicht unsterblich, als du ihn angefangen hast, dachte ich, also super, da stecken ja zwei Sachen drin. Also einerseits diese Angstlosigkeit, diese Risikobereitschaft, aber auch das Thema Vergänglichkeit. Also es steckt ja da auch drin, Alter, vielleicht hast du jetzt eine Lebenserwartung von 100 oder so, je nach Generation oder 90, aber nutze die Zeit. Voll. Weiß ja nicht, wie es dir damit so geht. Mir ist mal so im Nachhinein aufgefallen, dass ich auch viel Zeit zu verschwenden habe mit Scheiß als Jugendlicher.

Sebastian Schweizer: Voll, ja, finde ich auch. Mir ging es so, ich habe echt und selbst jetzt fällt mir das echt schwer, mich damit auseinanderzusetzen. Es geht halt irgendwann zu Ende. Du stirbst irgendwann und dass so deine Zeit begrenzt ist. Zum Beispiel, also meine Eltern leben zum Glück beide noch, aber das... Und das fällt mir super schwer, darüber nachzudenken, dass die irgendwann nicht mehr leben werden. Das verdränge ich richtig. So merke ich wirklich, wenn ich den Gedanken zulasse, dann kriege ich das schon hin, dann kurz darüber nachzudenken. Aber es ist mir super unangenehm und ich will das so weghaben. Und ja, das ist, finde ich schon, man denkt da, wenn man jung ist, noch viel weniger darüber nach. Also man lebt halt so, als würde es nie zu Ende gehen.

Joël Kaczmarek: Ja, weil das ist sowas, was ich glaube ich auch gerne mit 20 gewusst hätte. Ich wurde immer sehr auf Vernunft gedrillt. Also ich war derjenige, der glaube ich schon im Kopf hatte, wie viel trinkst du oder wie viel Zucker oder pipapo. Bei Zucker war ich nicht so gut. Und sich aber mal klarzumachen, dass ich sag mal deine Zwanziger oder vielleicht von 15 bis knapp unter 30 ist so die Zeit, da kannst du den mutigsten Scheiß machen. Da kannst du auch das Verrückteste machen und da kannst du ausprobieren. Ab 30 spätestens wird es schwierig. Weil dann hast du, sag ich mal, in der Kurve, wie dein Geldverdienen aussehen sollte, welche Anforderungen an dich gestellt werden oder auch wenn du das Thema Familie aufmachst, hast du auf einmal Zwänge, denen du halt gerecht werden willst in der Regel. Also wenn du jetzt nicht ein Vollarsch bist und sagst, die Frau mit den zwei Kindern, die lasse ich jetzt halt mal sitzen, ich habe Bock hier wieder Halligalli zu machen, dann gehen da manche Sachen nicht. Oder auch gesundheitlich, dann machen die Knie nicht mehr dies mit oder was weiß ich, you name it. und das ist so was, von daher ist der Punkt bei dir echt voll. mit Dingen. Was ist denn dein dritter?

Sebastian Schweizer: Was ist denn mein dritter? Jetzt muss ich kurz überlegen. Ah, ich habe mir aufgeschrieben. Ich finde es ein wichtiger Punkt. Ich weiß nicht so richtig, was ich dann damit gemacht hätte, wenn ich es mir gesagt hätte. Ich finde aber, also ich würde mir gern sagen, dass Demokratie und Frieden nicht selbstverständlich ist. Und dass es ein sehr fragiles Konstrukt ist, was schnell auf der Kippe steht. Ja, also so mit 20, Anfang 2000er, da dachte ich zumindest so, ja, es wird alles jetzt immer besser, in Anführungszeichen irgendwo so. Und so Krieg, klar, dann gab es ja den Irakkrieg und so, das gab es auch, weil es nicht so, dass ich dachte, alles heile Welt und klar waren da Sachen scheiße, aber es war eher so, also ich habe nicht gedacht, dass sich so Sachen zurückentwickeln. irgendwie und auch ja, dass es so schnell so auf der Kippe stehen kann. Wie gesagt, ich weiß nicht so richtig, ob ich dann, wenn ich jetzt in der Zeit zurückreisen könnte und sage, ey, Basti, hör mal zu, das ist alles nicht gesichert, ob ich dann irgendwie angefangen hätte, mich politisch zu engagieren oder so, weiß ich nicht, das ist keine Ahnung. Aber das finde ich schon jetzt so in den letzten, wie sich das so entwickelt hat in den letzten Mhh. fünf Jahren vielleicht, finde ich schon erschreckend und gruselig irgendwie.

Joël Kaczmarek: Naja, man sagt ja manchmal bei Menschen, wie sich so Menschen entwickeln, dass sie mir sagen, ja, ich habe zwei Schritte vor und einen zurück gemacht. Und bei so Systemen geht man aber irgendwie von dem einen zurück nicht mehr aus. Man denkt so, okay, das ist gelernt. So ein Holocaust hat uns dann doch mal beigebracht, dass das nicht so eine coole Idee ist, irgendwie bestimmte Menschenformen abzulehnen oder Äh... Keine Ahnung, unkontrolliert, ungezügelt hier Wachstum von so einem Staat voranzutreiben, dem einfach anderer obert. Pipapo, ja, da gibt es ja tausend Faktoren, die man eigentlich aus der Geschichte lernen könnte. Ja, und dann merkst du auf einmal so, oh, gibt es ja doch nicht nur Krieg da hinten irgendwo, wo ich noch nicht war, sondern vor der Haustür.

Sebastian Schweizer: Um die Ecke.

Joël Kaczmarek: Oder vielleicht sogar direkt vor der Haustür, also auf der Straße. Also ich meine, ich weiß nicht, wie du Berlin manchmal erlebst, aber es ist schon ganz schön aufgeladen geworden und so diese Intoleranz.

Sebastian Schweizer: Voll.

Joël Kaczmarek: Also eigentlich möchte man meinen, wir haben uns durch die Geschichte in mancher Einsicht teuer erkauft. Da haben Menschen einen sehr, sehr hohen Preis für bezahlt, im schlimmsten Fall das Leben. Und wir wüssten das deswegen zu schätzen, ist aber irgendwie nicht so. Also ich weiß nicht, man sagt ja auch immer, history repeats itself. Weiß ich gar nicht, ja. Aber wie erlebst du eigentlich deine Eltern so, wenn du über so ein Thema nachdenkst? Weil ich habe jetzt relativ spät verstanden, es gibt so die Generation, die nennt man die stille Generation. Und das war teilweise, wenn die im Krieg waren. Guess why? Da hätte ich gerne geredet. Also A, waren sie mit anderen Sachen beschäftigt. Die haben halt damit, das Leben wieder zusammen zu flicken und aufzubauen. Aber da war natürlich so eine Traumatisierung auch da, dass sie teilweise gar nicht in der Lage waren, über bestimmte Dinge zu reden. Dann ist es auch einfacher, das wegzudrücken manchmal vielleicht. Und dann kommen ja so die nachfolgenden Generationen, die so ein Thema anders betrachten. Das heißt, wie ist es mit deinen Eltern, wenn du redest mit denen manchmal über solche Themen?

Sebastian Schweizer: Ja, klar. Also meine Eltern waren beide nicht... Also... nicht im Krieg, deren Eltern aber sehr wohl. Also und da haben wir auch echt, vor allem wegen meiner Mutter, der war das wichtig, echt viel und oft drüber geredet. Und Mutter und Vater von meiner Mutter, das waren Sudetendeutsche, die sind aber, die waren voll dabei. Also mein Opa ist direkt in die NSDAP sobald er es konnte, reingedrehten und war dann den kompletten Krieg auch über Soldat. Und das hat zu einem, also Also... Ich kann mich noch erinnern, ich habe noch als Kind Erinnerungen an den Opa, dass ich mit dem gespielt habe. Aber er ist dann früh, in Anführungszeichen, gestorben an Krebs. Und die Oma, die hat noch länger gelebt und hatte dann später Alzheimer. Da war ich dann schon so alt, dass ich auch wusste, was passiert ist. Und habe versucht, da mit ihr drüber zu reden. Aber es war mit der schwierig. Es war nicht so, dass sie das krass bereut hat. oder so, sondern... Sie war da schon immer noch irgendwie mit dabei und das hat auch zum großen Bruch zwischen meiner Mutter und ihren Eltern geführt. Und bei meinem Vater, dem sein Vater war Pfarrer, deswegen war der so ein bisschen lange erstmal nicht dabei und wurde dann aber irgendwann eingezogen und war in Russland und ist dann in Russland, hat ein Motorrad geklaut und ist abgehauen. Und mit dem habe ich auch nicht drüber gesprochen, mit der Großmutter hieß die bei uns immer, also die Mutter von meinem Vater. Mit der habe ich richtig ausführlich drüber geredet. Und die hat dann oft erzählt, die hat immer Sebastian Schweizer gesagt, wenn sie jetzt noch dran denkt, kriegt sie so Gänsehaut, weil sie gruselt, wie sie so, sie sagte, war in Stuttgart dann und Hitler ist da lang Parade gelaufen und sie hat mit ihren Freundinnen, sie hat richtig geschrien, wie ein Popstar, so sagt sie. und sie Ja, sie hat es schwer, also fiel es sehr schwer, das zu erklären. Also sie hat selber so gesagt, sie weiß nicht, wie das so gekommen ist, aber es war so. Und ich habe dann, also meine Mutter hat mir ganz viele Bücher darüber gegeben, wir haben viel darüber gesprochen, wie es ihr damit geht und wie sie sauer und wütend mit ihren Eltern gestritten hat. Und ich habe dann gemerkt, dass viele Deutsche... Freunde da nicht so richtig zu Hause drüber reden. Also für mich war das so ganz normal, also was ganz normal ist, war es so, also ein Thema zu Hause und das ist, Deutschland hat eine Geschichte und wir setzen uns damit auseinander und du und deine Familie hast damit auch zu tun und dann habe ich gemerkt, dass bei anderen da eher geschwiegen wird und nicht so drüber geredet wird und ja, das ja, so. Also, ja.

Joël Kaczmarek: Ich habe da noch nie so aktiv drüber nachgedacht. Du hast vollkommen recht, in meiner Familie wird da auch nicht viel drüber geredet. Ich habe es immer nur über die Schule mitbekommen, war dann irgendwann genervt, wenn ich das dritte Schuljahr dann irgendwie mit der NS-Zeit zu tun hatte, weil ich mir so dachte, ja, ich habe es langsam auch mal verstanden und ich habe damit irgendwie nichts zu tun. Ich bin nicht so, ich wäre nicht so pipapo. Aber ich glaube, es ist richtig und wichtig, dass man das tut. Weil mir geht es so, dass ich 10, 20 Jahre danach noch Themen oder Faktoren daran entdeckt habe, wo ich so denke, unfassbar. Also ich hab's mir irgendwie drei Jahre lang in der Schule reingezogen, hätte gedacht, ich hab da alles so gesehen und du findest immer noch Facetten, die dich abstoßen und erschrecken. Also ich war auch mal in Israel in diesem Mahnmal. Ich hoffe, ich bringe es nicht an, aber ich glaube, Yad Vashem heißt das.

Sebastian Schweizer: Genau.

Joël Kaczmarek: Was so wie so ein Dreieck gebaut ist, wenn du da so durchgehst. Wenn du denkst, das ist die kränkste Scheiße, hast du schon gehört, gehst du da hin und entdeckst nochmal fünf Sachen so ungefähr. Deswegen bin ich da voll bei dir. Und auf der anderen Seite denke ich aber auch so, ich glaube, wenn wir ganz ehrlich sind, wenn wir in der Zeit gewesen wären, wir hätten den Typen auch krass gefunden. Weil ich glaube, das war so ein Apparat, damit will ich jetzt nicht gutheißen oder sagen, dass man den toll finden sollte, aber ich glaube, das war in einer Zeit, wo sich viele Deutsche schwach und verletzlich fühlten, hat der sowas von Stärke ausgestrahlt. Diese Art, wie der geredet hat, diese stolzen Uniformen, diese wuchtigen Häuserbauten. Deutschland bedeutet was in der Welt, die Welt gehört uns, leider im wortwörtlichen Sinne. Also wahrscheinlich ist das so eine Verführung, der man auch sehr, sehr leicht erliegt, gerade wenn so Gruppen sich entwickeln. Und dann bist du in einer Partei oder bist du nicht, gehörst du zu denen und so weiter. Unnackbar. Also man fragt sich immer, wenn es dann langsam anfängt, komisch zu werden, also wenn sie dann anfangen, die Leute aus ihren Wohnungen zu zerren, so da sollte doch vielleicht mal ein oder andere den Mund aufmachen. So David hätte ich so gedacht, da musst du auch aufhören. Aber wahrscheinlich gab es auch sehr viele, die so im Stillen geholfen haben, aus Angst vor den Repressalen, aber was sie trotzdem getan haben. Und deswegen. Also nur wenn wir zweimal als Leute, die zum Glück das Glück hatten, lange danach zu leben, drüber sprechen, merkt man schon, was da eigentlich alles so drinsteckt. Was tust du denn um deinen, also du hast eine Tochter, habe ich gelernt, oder hast du mehrere Kinder?

Sebastian Schweizer: Drei Töchter habe ich.

Joël Kaczmarek: Okay, du warst ja fleißig. Wie ist es denn in deinem Haushalt? Werden da auch die Geschichtsbücher gelesen und drüber gesprochen?

Sebastian Schweizer: Ja, also tatsächlich weniger, habe ich das Gefühl, als meine Eltern das mit mir gemacht haben. Also die sind auch noch, die haben, die größte ist 18, die mittlere ist 11 und die kleinste ist 5.

Joël Kaczmarek: Und je nach Alter dementsprechend sprechen wir dann auch mit denen. Bei mir war es immer so, so ungefähr im Alter von drei, wenn wir durch Berlin gegangen sind, haben die mich mal gefragt, warum da die Namen auf dem Boden stehen, auf den gelben Steinen. Ah ja, ja, stimmt. Erklär das mal jemandem mit drei, warum da die Namen stehen. Ich habe das relativ ehrlich gemacht, ehrlich gesagt. Ja. Irgendwann musst du dann halt die Kurve nehmen, wenn du dann sagst, die sind halt da gestorben. Wie sind die denn gestorben? Da hörst du dann irgendwann so ein bisschen, gegen ihren Willen und leider und so weiter. Aber, ah. Guck mal hier, von Goofy zu sowas. Steckt der Tiefgang in dir. Toll. Hast du noch zwei Punkte? Also, wer wird Nummer vier?

Sebastian Schweizer: Ja, warte mal, ich muss mal echt auf meine Liste gucken. Oh, ja, ein. Einen wichtigen Punkt habe ich noch. Als Überschrift habe ich Business Never Personal. Das ist der Titel von einem EPMD-Album. Und ich habe das immer so verstanden als... Nehmt Business nicht persönlich und habe das ganz lange nicht verstanden. Also habe das ganz lange, war das so für mich, hä? Weil Business oder mein Business eben sehr, weil ich habe die Firma mit Freunden gegründet, mit meinen zwei besten Freunden, Coddy und Nico, mit denen mache ich die Firma immer noch. Und es war auch sehr eng, also die Firma und ich. Jetzt nicht, weil ich der Wichtigste irgendwie bin, aber so für mich, von meinem Gefühl. Also was jemand über Chimperator gesagt hat, hat er gefühlt bei mir auch über mich gesagt. Das war sehr eng mit mir verwoben oder ist auch immer noch so verwoben. Und ich habe ganz lang wirklich, also sobald irgendwie jemand, ein Geschäftspartner, ein Move... gegen uns gemacht hat, in Anführungszeichen, habe ich das super persönlich genommen und stinksauer und wollte den hauen und weiß nicht was. Und ich habe einen Geschäftspartner, der kann das super gut trennen und das bewundere ich richtig. Also der kann sagen, okay, hier habt ihr uns, wart ihr blöd zu uns, aber ihr seid strategisch, wäre es unklug, mit euch zu brechen, weil ihr seid auf anderer Ebene noch wichtig für uns, deswegen mache ich auch weiter Geschäfte mit euch. Das war für mich so voll, wie kannst du denn jetzt noch mit denen? Das fällt mir jetzt noch schwer. Aber das ist fast, glaube ich, das wichtigste Learning für mich aus 25 Jahren Unternehmensgründung, Führung, Musikindustrie, dass ich das nicht mehr so persönlich nehme. Was auch ganz lange war, dass ich mit den Künstlern, die bei uns unter Vertretern waren, ganz schnell sehr dicke... Nämlich du... Wie ich vorher gesagt habe, du redest halt auch viel persönlich, weil es geht um was Persönliches und man kommt sich relativ nah irgendwie auf eine Art. Und ich war immer schon eng mit den Leuten befreundet oder bin auch mit denen befreundet. Und dann ist es, wenn es dann auseinander geht, auch super. Ja, dann trifft es. Also mich hat es dann immer getroffen. Wahrscheinlich bei den Künstlern auch, hoffe ich. Weiß ich nicht. Aber das ist so. Also finde ich, das ist dann wie so die Freundin plötzlich Schluss macht, so mäßig und diesen Schmerz und das habe ich dann gemerkt, das muss eigentlich nicht sein. Man muss auch nicht zwingend befreundet sein, um Geschäfte miteinander zu machen. Man kann das auch trotzdem gut machen und trotzdem freundschaftlich und nett und fair, ohne dass man jetzt direkt bester Freund ist. Jetzt, als ich mir überlegt habe, was ich hier als Punkt für deinen Podcast Habe ich nochmal geguckt, was denn dieses Album von EPMD, Business Never Personal, was es eigentlich heißt. Und da habe ich dann so, ich weiß gar nicht, bei Wiki wahrscheinlich einen Eintrag gelesen, dass es da eigentlich mehr, da geht es gar nicht so um dieses Persönlichnehmen, sondern damit ist gemeint, im Business geht es um Zahlen. Also da ist nichts mit Gefühlen, sondern da geht es um Zahlen. Und klar ist es so, aber ich finde es zumindest für die Musikindustrie halt auch nicht. Also ich finde ein bisschen ist auch wichtig, dass du nicht nur auf die Zahlen guckst, sondern halt auch auf dein Gefühl und auf, wie ist es zwischenmenschlich und so.

Joël Kaczmarek: Ich überlege die ganze Zeit bei dem Punkt, weil als erstes poppt bei mir auch auf der Gedanke, sollte man mit Leuten, mit denen man Business macht, befreundet sein. Ich habe zum Beispiel so einen Bekannten, der ist wie Topmanager, der hatte dann irgendwie einen Fahrer, weil er irgendwie selbst nicht so gerne Auto fuhr, das stresste ihn und das war dann sein Luxus, den er sich geleistet hat. Der hat gesagt, ich bin immer nett zu dir, du kriegst immer gutes Gehalt, ich denke an den. Auch irgendwelche Extras, wenn ich weiß, der braucht hier was, der braucht da was, alles klar. Aber den lade ich nie zu mir nach Hause ein. Und mit dem rede ich nie über Persönliches, sondern ich trenne das immer. Und ich habe da immer drüber nachgedacht. Und mir fällt das sehr schwer. Also ich mag mich nicht verstellen. Ich mag Leute nicht künstlich von mir fernhalten, weil ich denke, wir haben hier einen Business-Kontext zusammen. Ist ja alles klar, dass man sich jetzt an manchen Stellen oder ich mich an manchen Stellen nicht angreifbar mache oder zuverlässig zeige. Es gibt so ein paar Sphären, die gehören da vielleicht nicht hin. Also ich käme jetzt nicht auf die Idee, über mein Sexleben mit meinen Mitarbeitenden zu reden oder was weiß ich, über Familienangelegenheiten. Da gibt es ja zig Sachen. Aber ich glaube, gerade in deinem Beruf, dass dieses Menschelnde, dass die sagen, ich habe den Basti nachts um zwei angerufen und dann haben wir eine Stunde geschnackt und danach flutschte mir der Song aus den Fingern. Ich glaube, das ist part of the magic bei dir sogar. Ja,

Sebastian Schweizer: schon. Voll.

Joël Kaczmarek: Und ich meine, ich kann auch mit dem ersten Punkt total gut relaten. Ich habe einen Business-Club gebaut, der kostete irgendwie so 200 Euro im Monat und dann habe ich gemerkt, ein paar meiner Hypothesen gingen aber nicht so auf und habe den abgewandelt. Und dann habe ich den kostenlos gemacht. In der Tag, an dem ich den Preis von 199 auf 0 gesetzt habe, aus der Überlegung heraus, ich sage, okay, komm, fahr eine andere Strategie. Du hast gedacht, Online-Meetings funktionieren super, aber hat keiner Bock drauf, sondern die Leute sind so ein bisschen übersättigt von Online und noch zwei, drei andere Faktoren. dann nimm mal das raus, was funktioniert und dann baust halt anders, nimm die Strategie anders, machst größer, da geht's mir auf Reichweite, pipapo. Ey, an dem Tag, wo ich das umgestellt habe, da hab ich echt ein paar Tränchen verdrückt. Und ich hab das dann jetzt so durchkommuniziert und gerade heute, wo wir den Podcast aufnehmen, hab ich das auch nochmal an die Leute so explizit geschrieben und auch gesagt, hier, guck mal, ich hab mich manchmal auch echt einfach verzettelt und es fällt mir echt total schwer, das zu schreiben, weil ich den Anspruch an mich hab, dass mir alles gelingen soll, ich bin ehrgeizig, ich möchte Sachen schaffen und so. Dann hat mir einer eine fünfminütige Sprachnachricht geschickt, wo sie zu mir gesagt hat, Joël, Ich höre dich voll, ich fühle dich voll, wie es dir damit geht. Bitte wisse nur eins, bloß weil das Ding da jetzt an der Front nicht geklappt hat, bist du aber trotzdem ein wertvoller Mensch. Also beziehe das bitte nicht auf dich, sondern da hat ein Konzept nicht funktioniert, da hat eine Idee nicht aufgegangen. Und dass die nicht aufgegangen ist, muss auch nicht bei dir liegen, sondern im Gegenteil vielleicht eher bei den Leuten, bei der Sphäre, wie die Gesellschaft gerade ist, pipapo. Ich wollte dir nur sagen, du bist ein geiler Typ, du hast richtig krass viel erreicht. So, da war ich total gerührt. Habe aber so diesen relatable Moment mit dir jetzt gerade, weil ich kann mir das total vorstellen. Ich habe es auch gehabt, wenn Leute aus dem Business-Club gekündigt haben, habe ich schon genervt. Habe ich schon gedacht, das ist was anderes.

Sebastian Schweizer: Ja, ja, voll.

Joël Kaczmarek: Und dann gibt es so die Asshole-Moves. Also Entschuldigung, wenn einer hier dich da so richtig abfuckt so, hart asozial ausspielt so, dann ist das schon persönlich. So, da wäre ich schon so, dass ich sage, so, nee.

Sebastian Schweizer: Aber ich habe das dann so lang mit mir rumgetragen. Also das hat mir echt dann für mich wirklich schwer oder fällt mir immer noch schwer, das loszulassen. Und dann Und weißt du, da war einer, der hat uns abgezockt und ich war sauer und dann war Sonne geschehen, Vögel haben gezwitschert und ich bin so mit meiner kleinen Tochter, die hat die gerade von der Kita geholt und wir laufen da so und ich merke plötzlich, das ist ja manchmal so, dass sich so Gedanken verselbstständigen und man denkt so, ohne es zu merken quasi. und ich merke so, wie ich mir gerade vorstelle, wie ich den treffe und ich pack den so und hau ihn mal rein und schrei ihn an. Ich denke so, sag mal, Basti, Guck mal, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, wir gehen jetzt auf den Spielplatz. Und ja, da habe ich gedacht, das ist irgendwie, das ist uncool. Also da habe ich was von, wenn ich da so komische Fantasien habe, noch den juckt es nicht. Ja, und sogar, also ich habe eine schlechte Zeit so mäßig, wo ich eigentlich gerade mit meiner Tochter schön auf den Spielplatz gehe. Und da finde ich mit so, also... Das würde ich mir gerne früher sagen, einfach, dass man das loslässt. Und dann ist der halt blöd, dann mach halt nichts mehr mit dem. Aber so dieses Sauersein und Rache-Gefühle haben, das bringt es nicht irgendwie.

Joël Kaczmarek: Ja, also ich kann das total nachempfinden. Ich habe das nicht so, ich ticke da einen Ticken anders. Aber wenn man sich machtlos fühlt, sich diese Macht zurückholen zu wollen, das schwingt bei mir durchaus mit. Und ich habe für mich irgendwann festgestellt, Ich hab irgendwie so ein Gedächtnis. Ich vergesse solche Sachen irgendwie wieder. Also wenn jemand mich verarscht hat, weil es gibt ja meistens so eine History. Der hat die E-Mail geschrieben, daraufhin hat die das. Und meine Gehirnkapazität sagt so, okay, es gibt wichtigere Dinge zu lernen. Lass mal überschreiben. Ich setz mir aber eine rote Flagge. Der Typ ist ein Arschloch. Der hat mich verarscht. So, die bleibt. Die rote Flagge bleibt, aber wenn ich dann gucken muss, okay, in was für einem Berg steckt denn die Flagge drin? Worauf baut denn das eigentlich auf? Da muss ich richtig wühlen. Und das ist aber ganz gesund, wenn du dann weißt, okay, Red Flag beiseite nehmen. Und für mich ist immer so ein Ding, Also ich brauche immer so ein Stück weit, dass man es, dass man gesehen wird in dem Schmerz dann und dass man es äußert. Also ich habe das einmal gehabt, da hat jemand so richtig hart asozial mit mir Schluss gemacht und dann gesagt, ich will mit dir nichts mehr zu tun. Ich habe deine Nummer gelöscht, ich mache dies nicht, also wirklich so geghostet. Und sowas ist dann unangenehm, wenn du dann nicht die Entrüstung mal nicht einmal rauslassen kannst, sondern sie mit dir ausmachen musst. Wo ihr aber eigentlich auch nur Ohnmacht beim anderen hintersteckt. Ja, sie sind dann auch ohne Macht in der Sekunde und ohne die Kraft, sich dir zu stellen. Naja, anyway. Aber Hast du jetzt einen Zwischenweg gefunden, sage ich mal, zwischen Business und Personal? Ja,

Sebastian Schweizer: genau, genau. Ich finde, ja, wie gesagt, ich finde so ganz nur Business ist auch komisch,

Joël Kaczmarek: für mich zumindest. Wie gesagt, die Firma, wir sind so beste Freunde seit 25 Jahren. Das würde gar nicht funktionieren ohne Freundschaft. Aber auf der anderen Seite auch, ja, finde ich, oder habe ich für mich gesagt, ich muss auch jetzt nicht mit jedem Künstler super gut befreundet sein, mit dem ich zusammenarbeite. Das geht auch ohne. So, weil ich mich nicht verzählt habe, einer fehlt noch.

Sebastian Schweizer: Ja, da habe ich so ein bisschen ein Mischmasch, weil ich echt mir dann überlegt habe, also hatte Schwierigkeiten, noch mir einen auszudenken. Ich glaube aber... oder der wichtigste Teil davon. Ich bin relativ früh Vater geworden, mit 26, und hatte damals dann so eine Angst davor, weil ich dachte, oh Gott, wie kriege ich das alles hin? Und wie kann ich, bin ich überhaupt, ich bin doch kein Vater, kann ich das überhaupt, mache ich das richtig oder mache ich es falsch? Wie ist es mit der Firma dann? Und dass ich mich da so... Also beruhigen würde einfach und sage, ey, du machst es, du kriegst es hin. Das wird alles, auch wenn es neu für dich ist,

Joël Kaczmarek: aber das ist alles auch vereinbar miteinander. So Kind und Familie und Firma und Geschäft, das kriegt man alles hin. Und ja, mach dir da nicht so Gedanken so dolle. Haben die Gedanken dich denn auch irgendwo weitergebracht oder haben sie dich eher nur ausgebremst? Also Angst macht ja zum Beispiel auch wachsam. Ja,

Sebastian Schweizer: ich glaube schon. Also es hat schon auch... eher, glaube ich, dass es mich weitergebracht hat und viel auch, also, dass ich fokussierter geworden bin. Dass ich dann mehr, also, dass ich gesagt habe, okay, ich habe jetzt ein Kind, ich bin nicht mehr nur für mich alleine verantwortlich. Ich muss mehr Dinge geregelt kriegen oder mehr schaffen. Ich muss jetzt mal langsam müssen aus dieser Phase von, hey, ist ja alles halb so wild, rauskommen und es muss so ernster ein bisschen werden. Und ich glaube, das hätte ich wahrscheinlich länger für gebraucht ohne Kind. Und später dann glaube ich, hat dann nicht nur das eine Kind, sondern die Kinder mich so auf dem Boden gehalten. Also mit dem Erfolg von Grow war natürlich dann plötzlich alles geil und groß und die Firma ist super groß geworden und plötzlich kommen alle und wollen mit dir arbeiten und Und das ist so der andere Punkt, weil ich vorher gesagt habe, so ein Mischmasch, also ich glaube nicht, dass ich oder wir irgendwie so je die supergrößenwahnsinnigen waren oder so angebermäßig, aber ich finde es wichtig, dass man so auf dem Boden der Tatsachen bleibt. Und da haben, glaube ich, die Kinder viel geholfen in diesem ganzen Erfolg, in dieser Welle des Erfolgs, dass ich da nicht ausgeflippt bin und irgendwie keine Ahnung. mir zwei Porsche gekauft habe und weiß nicht was gemacht habe. Das hat mich irgendwie geerdet und ich glaube, das ist auch wichtig so.

Joël Kaczmarek: Also eigentlich dreht sich der letzte Punkt um Selbstvertrauen, dass du es auf der einen Seite ausreichend hast, dir zuzutrauen, solche Dinge zu schaffen und auf der anderen Seite nach oben auch so ein bisschen begrenzt, dass du es jetzt nicht übersteigerst und sagst, ich hebe jetzt hier vollkommen ab und mich für den Größten. Ja, stimmt. So Bodenständigkeit trifft auf Selbstvertrauen, sag ich mal, weil Ja, weil, ich meine, was du eben gerade so geschrieben hast, es ist ja auch wirklich so, wenn du Kinder kriegst, es gibt so Erfahrungen im Leben, die kannst du nur, also die musst du fühlen, musst du drinstecken. Das kann ich dir rational erklären. Ich kann dir sagen, du guck mal, du hast dann mehr Verantwortung, du brauchst mehr Prozesse, du bist nicht mehr irgendwie Herr deines eigenen Lebens, blablabla. Das kannst du alles erzählen, aber du verstehst es erst, wenn du es gefühlt hast. Und dann denkst du dir, ach du Scheiße, jetzt verstehe ich, was der Motherfucker mir da erzählen wollte. Gestern noch hier die U-Bahn besprüht und heute Business Meeting und Nuckelflasche, sage ich mal.

Sebastian Schweizer: Voll.

Joël Kaczmarek: Ja,

Sebastian Schweizer: das ist schon. Also wenn man keine Kinder hat, ist das schwer nachvollziehbar. Das war auch, ich war dann so der Erste aus meinem Freundeskreis mit Kind und da war schon, also nee, ich wollte gerade sagen, da war so ein Unverständnis, das stimmt eigentlich gar nicht. Aber es ist schon so, wenn man dann so sagt, ja, ich kann nicht, ich kann jetzt nicht mit dir saufen gehen oder ich kann nicht, weiß ich nicht. das ganze Splash-Wochenende durchmachen. So, ja, das haben die Leute dann erst drei, vier Jahre später verstanden, wenn sie dann auch selber Kinder hatten.

Joël Kaczmarek: Ja, ich meine, ich weiß noch nicht, wie es dir so geht, aber mir ist mit meiner Frau mal aufgefallen, dass sie meinte so, ey, was haben wir früher nicht gemacht, als wir keine Kinder hatten mit unserer Zeit? Was haben wir eigentlich den ganzen Tag gemacht?

Sebastian Schweizer: Ja, ja.

Joël Kaczmarek: Also ich finde, man macht alles so richtig dumme Scheiße, Magelinde, wie gesagt. Also was wir da so an Binge-Watching gemacht haben für irgendwelche Serien gucken, ja, wir waren vielleicht auch mal im Fitnessstudio, aber eigentlich, also wenn ich jetzt manchmal denke, wie viel Dinge ich in der Zeit Presse, die ich sozusagen nutze, weil ich weiß, dann und dann hast du wieder geblockte Zeit. Also ich krieg das auch aus der Businesswelt immer mit. Es ist ja leider so, dass das typische Familienmodell so ist, dass die Frau sich um die Kinder kümmert und der Mann geht arbeiten. Ändert sich ja gerade, ist ja super. Aber deswegen hab ich auch ganz oft schon mitgekriegt, dass so Mütter, die ein Kind haben, viel besser organisiert sind auf der Arbeit als so mancher Mann. Wird sich dann drehen, dann ist vielleicht mancher Mann mit dem Kind besser organisiert als die Frau ohne. Aber so, dass diese Elternteile, die ein Kind haben, halt viel, viel klarer wissen, okay, Das steht an in dem Zeitrahmen, wie orchestriere ich das so hin, dass, ich meine, ist natürlich auch anstrengend, sagen wir auch mal ehrlich, ja, aber es fällt halt mehr runter hin. Mensch, guck mal, also. Akzeptiere und schätze dein Quatsch-Ich. Zweitens, du bist nicht unsterblich. Drittens, Demokratie und Frieden sind nicht selbstverständlich. Viertens, Business never personal. Und fünftens, Selbstvertrauen. Du schaffst das alles. Alles ist vereinbar. Ja, das ist ja hier Tiefgang für so einen Hip-Hop-Onkel wie dich. Nee, finde ich gut. Meinst du, könnten wir abschicken in der Zeitkapsel in die Vergangenheit? Ja, glaube ich. Keine Ahnung, was ich dann mit 20 dazu sagen würde, aber... Fuck you, würdest du sagen. Was willst du? Nein, das ist ja auch Teil der Übung, glaube ich, dass man schon sich klar macht, dass es nicht darum geht, sein Leben in der Retrospektive zu ändern und dass dein junges Ich auch nicht hören würde. Aber es ist ja eine schöne Gedankenübung, um sozusagen die wertvollen Nuggets irgendwie rauszukristallisieren. Ja. Also, Herr Label-Chef, lieber Sebastian Schweizer, es war mir ein großes Vergnügen, es war mir eine Freude. Vielen, vielen Dank. Vielen Dank dir, vielen Dank. für die Einladung. Danke an Tant. Liebe Grüße. War sehr schön. Und bei deiner nächsten Top-Entdeckung dann freue ich mich, wenn ich auf der Release-Party mit dir mal anstoße.

Sebastian Schweizer: Sehr gerne.

Joël Kaczmarek: Wow, das war ein inspirierendes Gespräch, oder? Denk dran, jeden Freitag, dem fünften Tag der Woche, erscheint eine neue Folge. Also abonnier den Podcast unbedingt, damit du keine Episode verpasst und teile ihn auch total gerne mit deinen Freunden oder Kollegen. Und wo wir schon über 5 Dinge sprechen, eine 5-Sterne-Bewertung auf der Podcast deiner Wahl hilft uns sehr, damit noch mehr Menschen von diesen inspirierenden Geschichten profitieren können. Nimm dir doch kurz Zeit dafür. Genauso wie für einen Besuch auf unseren Social-Media-Kanälen, um Updates und exklusive Inhalte zu erhalten. Die Links findest du in den Shownotes. Wir freuen uns nämlich über deine Anregungen und Feedback zu zukünftigen Themen und Gästen. So, bis zum nächsten Mal. Bleib inspiriert und neugierig. Dein Joël. Gib mir alles, was du mir sagen kannst und sag, was hast du gelernt? Vom Fallen und Aufstehen, Suchen und Versehen. Und jetzt du!