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Joel Kaczmarek: High Five Leute, hier ist Joel und heute wird es künstlerisch bei 5 Dinge mit 20. Ihr wisst ja, ich suche immer und finde sie in der Regel auch, inspirierende Menschen. Und die heutige Person, die liebe Nora Kudrjawizki, die ist... Richtig geil unterwegs bei jedem, was sie tut. Und ich habe sie empfohlen bekommen von Karin Kuschik. Die war ja auch schon mal hier im Podcast. Sie hat gesagt, Joel, du musst dir mal die Konzerte von der Lady angucken. Die sind der Knaller. Das ist ein absolutes Phänomen. Und lad sie auch mal ein, die hat ganz spannende Sachen zu erzählen. Denn die liebe Nora ist das One Violin Orchestra. Das heißt, ihr könnt euch das so vorstellen, die nimmt sich eine Geige, ihre Stimme, hat eine Loopbox und dann stellt die sich auf die Bühne und macht da mal richtig Programm. Und die ist so viel rumgekommen und hat so viel gesehen. Ihr Mann ist auch Schauspieler, ebenfalls Geiger. Ich fand allein diese Geschichte schon irgendwie romantisch. Habe ich gedacht, okay. Also wenn Karin das sagt und das alles so geil aussieht, dann wird es Zeit, dass ich Nora mal kennenlerne. Von daher, liebe Nora, hallo, schön, dass du heute da bist.
Nora Kudrjawizki: Hallo, freue mich sehr, dass du... mich eingeladen hast. Sehr cool.
Joel Kaczmarek: Ja, mega. Wie bist du denn auf die Idee gekommen? Also das ist ja wirklich ein charmantes Projekt, was du da hast. Finde ich total cool. Erzähl mal ein bisschen so von deinem Werdegang.
Nora Kudrjawizki: Ja, absolut. Also ich bin mit der Geige aufgewachsen, habe die bekommen, als ich vier war. Meine Eltern waren beide Musiklehrer und haben so Hausmusikabende gemacht mit ihren Schülern. Und ich war einfach schockverliebt in dieses Instrument und habe dann, als ich drei war, gesagt, ich möchte auch so eine Geige haben. Die waren ein bisschen erschrocken mit drei, weil es war schon doch recht früh. Und als ich vier war, sind wir dann in die Musikschule gegangen und ich habe eine bekommen. Und die war dann so heiß geliebt, dass die Puppenklamotten anbekommen hat und die ist mit ins Bett gekommen und war also immer bei mir. Und das war dann von da an mein Weg. Also ich habe die wirklich geliebt. Ich habe die gerne gespielt. Ich wurde zum Glück nicht zum Üben gezwungen oder getrimmt, sondern das war wirklich freiwillig mit viel, viel Herzblut und Liebe meiner Eltern. Und habe dann irgendwann gesagt, okay, ich mache das jetzt so lange, ich möchte dieses Instrument auch studieren. Und habe dann ein Klassikstudium gemacht in Dresden und danach in Berlin. Und habe aber auch während des Studiums schon gemerkt, nee, irgendwie will ich nicht in die Klassikrichtung. Also es ist schön, es macht mir Spaß. Aber ich habe gemerkt, auch als ich da im Orchester gespielt habe, das ist nicht mein Ding. Da ist noch irgendwas in mir drin. was sagt, nee, du musst irgendwie weiter mit dem Instrument. Und das hat viele, viele Jahre gedauert. Und tatsächlich war ich dann in vielen Bands und habe Background gesungen und so weiter. Und auch da habe ich gemerkt, man, ich muss immer so viel warten auf andere Leute. Also mit Bands ist es total toll, mit anderen Leuten zusammen Musik zu machen. Aber du bist halt immer abhängig davon, wie finden die das, was wir da spielen? Hat jeder noch eine andere Idee, die er mit einbringen möchte? Was eigentlich auch schön ist, aber in mir war immer was, wo ich dachte, ich will irgendwie... mein eigenes Ding machen. Und dann habe ich irgendwann so eine Loopstation entdeckt und habe das ausprobiert und habe gedacht, das ist ja Wahnsinn. Und dann konnte ich einfach die Sachen, die ich mir ausgedacht habe, in diese Kiste reinspielen. Und habe gemerkt, wie ich so nach und nach diese Band und dieses Orchester alleine aufbauen kann, was ich mir vorstelle. Ohne, dass ich irgendjemanden fragen muss, wie er das jetzt findet, den Song oder diese Line, die ich da spiele. Und so ist das ganze Ding entstanden. Also ja, bis es zum One Violin Orchestra kam, hat es noch eine Weile gedauert, aber das ist so der Kern.
Joel Kaczmarek: Schön. Und sag mal, ich frage mich das ja immer, ich bin ja sehr gedrillt groß geworden. Also immer so mit dem Bedacht auf, guck, dass du genug Kohle verdienst, guck, dass du was machst, wo was reinkommt und so weiter und so fort. Ich habe vor... Musik, Kunst habe ich immer Respekt gehabt, weil ich immer so dachte, das ist ja schwierig, das sozusagen in den Lebensunterhalt zu gießen. Wenn ich jetzt an Geige denke, würde ich so denken, okay, da läuft es auf irgendwie Orchester hinaus. Wie war das denn für dich, mit sowas groß zu werden, eine Passion zu haben, wo dir vielleicht aber auch irgendwann aufgegangen ist, oh wow. Musik zu monetarisieren, ist so meine Vermutung. Damit Geld zu verdienen, den Lebensunterhalt zu bestreiten, ist wahrscheinlich nicht ganz so einfach, oder?
Nora Kudrjawizki: Nee, auf keinen Fall. Und es war wirklich ein langer Weg, denn als Eltern hast du ja wirklich zwei Elternteile, die ein festes Einkommen haben, was dann immer am Anfang des Monats auch da ist. Und das war ich natürlich als Kind auch gewohnt und gebettet in so eine absolute Sicherheit. Damit bin ich aufgewachsen und ehrlich gesagt... habe ich während des Studiums natürlich darüber nachgedacht und auch angstvoll darüber nachgedacht, was ist denn nach dem Studium, was mache ich denn dann? Gehe ich in irgendein Orchester? Ich wollte aber nicht einfach in irgendeinem Orchester und irgendwo ganz hinten sitzen und da irgendwie hundertmal im Jahr Figaro spielen. Böse gesagt, ja, es gibt natürlich ganz viele tolle Orchester, aber es war einfach nicht mein Ding und ich habe gewusst, ich will es nicht machen. Und gleichzeitig hatte ich aber immer die Angst im Nacken, was mache ich denn aber dann? Also wie gehe ich meinen Weg und wie schaffe ich meinen Lebensunterhalt zu verdienen mit der Musik? Das war schon tatsächlich ein großes Thema. Aber meine Eltern waren glücklicherweise schon seit der Kindheit. Immer so, dass sie gesagt haben, mach das, was du liebst. Ansonsten bist du später unglücklich.
Joel Kaczmarek: Nummer eins hier genannter Satz, wenn ich das mal so sagen darf. Also wenn ich Leute nach den fünf Dingen frage. Aber gut, da kommen wir bei dir gleich zu. Achso, eine Frage vorher noch, auch wenn es ein bisschen inscharmant ist. Wie alt bist du? 44. Gut, also wir schauen 24 Jahre in die Vergangenheit oder seitdem. Und was war so? das Erste, wo du sagst, hätte ich gern schon mit 20 gewusst?
Nora Kudrjawizki: Ich glaube tatsächlich der Satz, wahre Träume warten geduldig.
Joel Kaczmarek: Wahre Träume warten geduldig. Zeh mal mehr davon.
Nora Kudrjawizki: Ich bin... Schon immer ein Träumer gewesen, seit der Kindheit. Und ich habe viele Träume gehabt. Und dieser eine Traum mit der Geige, irgendwie was zu machen später und mein Leben zu gestalten mit der Geige, ist ein Traum, der war schon immer da. Der war aber nie richtig greifbar, so wie ich gerade schon erzählt habe. Der war verpackt in irgendwelche Wolken und für mich nicht wirklich greifbar. Ich glaube, das war so, dass man was spürt in sich, was eigentlich da ist. Und es ist irgendwie leise und unklar, aber es lebt irgendwie in dir. Und das war dieser Traum. Und der hat tatsächlich auf mich gewartet, bis ich, ich glaube, 2020 das wahrgemacht habe, was da auf mich gewartet hat. Und das war dieser Traum. Und das hat wirklich lange gedauert. dahin zu kommen und auch an diesen Moment zu kommen, wo ich gemerkt habe, genau das ist das, was ich machen wollte. Dieser Traum, der hat auf mich gewartet, der wollte gelebt werden und jetzt bin ich mir dessen bewusst und habe ihn gefunden. und jetzt all in.
Joel Kaczmarek: Was würdest du sagen, was war so der Hemmschuh? Also war es etwas, das dich was zurückgehalten hat, zum Beispiel Sicherheit oder? Keine Ahnung. Oder war es vielleicht die fehlende Idee? Also wusstest du gar nicht, wie der Traum aussieht? Oder gab es einen Faktor, der dich zurückgehalten hat?
Nora Kudrjawizki: Es war eine Mischung. Also ich wusste nicht, wie der Traum aussieht. Also dieses One Violin Orchestra ist wirklich durchs Machen entstanden und durchs Probieren. Das heißt, ich wusste damals gar nicht, dass es eine Loopstation gibt. Und ich wusste auch gar nicht, dass ich das überhaupt kann, was ich da jetzt mache. Und es war natürlich auch eine Mischung aus... Aus Unsicherheit, aus Ängsten, aus Existenzängsten auf jeden Fall. Und das ganze sich selber kennenlernen über die Zeit, das ist erst passiert. Also auch, dass ich Leute begeistern kann mit dem, was ich tue, habe ich früher niemals von mir gedacht. Und das finde ich so schön. Aber das finde ich natürlich deshalb schön, weil es nicht immer so war, weil ich selber so gehemmt war und so damit beschäftigt war, zu gucken, was ist es denn, was ich möchte und wo will ich denn eigentlich hin und wie kriege ich diese Ängste von mir weg.
Joel Kaczmarek: Gab es so einen Phönix aus der Asche Moment, wo du quasi die Ängste verbrannt hast und aufgestiegen bist oder war das mehr so ein Prozess?
Nora Kudrjawizki: Im Großen und Ganzen war es ein Prozess, aber es gab einen Moment und das war mein erstes Konzert mit dem One Violin Orchestra, vor dem ich wirklich ein Jahr lang so eine Angst hatte, dass ich Angst, Träume hatte, dass ich... geträumt habe, ich nehme die Geige nicht mit auf die Bühne, die Loopstation geht aus, was übrigens dann auch mal passiert ist auf der Bühne und dann gar nicht so schlimm war. Und dann ist dieses eine Konzert, hat stattgefunden und ich habe gemerkt, ey, die kommen da wegen mir. Also ich habe vorher einen Aufruf gemacht auf Facebook und habe gefragt, wer würde denn mal zu einem Konzert kommen, wenn ich denn eins geben würde. Weil ich habe vorher so kleine Videos immer auf Facebook gepostet, wie ich mit der Loopstation so rumspiele. Und tatsächlich haben so viele Leute geantwortet, dass ich dachte, jetzt mache ich das. Und An dem Abend, als ich rauskam, war das Ding ausverkauft. Und da war ich so selber von den Socken und dachte, das kann nicht sein, dass die alle wegen mir hier sind. Und habe das Ding durchgezogen und ab da ist es geflogen. Und ab da habe ich gemerkt, okay, ich muss mir einfach selber mehr vertrauen und in diese Träume einfach rein investieren. Weil das macht mich glücklich.
Joel Kaczmarek: Ich glaube, viele Menschen kennen das, diese Angst, diese Unsicherheit. Was wäre, wenn? Also bei dir kommt ja auch noch ein besonderer Faktor hinzu, Lampenfieber. Also Selbstverwirklichung ist ja per se schon was, was einen gewissen Mut braucht. Und dann aber auch noch auf der Bühne sowas zu tun. Hast du was getan, um diese ein Jahr Albträume sozusagen zu ignorieren und zu sagen, ich mache das jetzt und ich ziehe das durch?
Nora Kudrjawizki: Vor dem Konzert habe ich tatsächlich bestimmt 20 Mal das ganze Konzert in meinem Wohnzimmer für mich selber gespielt. Mit allen Ansagen, mit allen Sachen, die passieren könnten. Das mache ich mittlerweile nicht mehr, aber das war damals meine Rettung. Ich habe einfach gedacht, ich spiele das einfach und ich tue so, als ob hier Menschen sind. Und habe das so oft durchgespielt, was da passieren könnte, wie ich mich fühlen könnte, wenn. Und das hat mir geholfen.
Joel Kaczmarek: Schön. Und vielleicht ist es eine ganz blöde Frage, aber dein Satz lautet ja, wahre Träume warten geduldig. Wie hast du gemerkt, dass es wirklich der Traum war? Ist es so ein Gefühl? Ist es so eine Euphorie? Kannst du dieses Gefühl mal in Worte kleiden?
Nora Kudrjawizki: Ein absolutes Glücksgefühl und ein absoluter Flug, also bei jedem Konzert und glücklicherweise auch jeden Tag, wenn ich mich an dieses Projekt ransetze und daran arbeite. Und das ist für mich die absolute Erfüllung, dass ich keinen Job habe, wo ich morgens aufstehe und denke, ach Mist, jetzt muss ich da wieder hin und meine Stunden da absitzen, weil wir haben dieses eine Leben. und dieses eine Leben möchte ich unbedingt füllen mit dem, was mich glücklich macht. Weil ich glaube, nur wenn ich glücklich bin, können die Leute um mich rum, mit denen ich lebe, mit denen ich alltäglich zusammen bin, glücklich sein und auch davon profitieren, dass es mir gut geht. Und mir geht es einfach, seitdem ich dieses Projekt mache, so unglaublich gut. Und ich fühle mich so in meiner Mitte und so in meiner Kraft und freue mich so, dass ich damit Leute erreichen kann.
Joel Kaczmarek: Also du bist eigentlich auch Unternehmerin, lerne ich.
Nora Kudrjawizki: Mittlerweile schon, ja. Seitdem ich das Ding auf die Beine gestellt habe, habe ich ganz schnell gemerkt, dass jetzt nur da ein bisschen Musik machen. Das reicht natürlich nicht, um davon zu leben. Also zu den Konzerten gehören natürlich neue Alben, neuer Merchandise, Konzerte akquirieren, wie gesagt, Newsletter schreiben, alles sowas. Dieses ganze Paket, was es ausmacht, um Leute mit deiner Musik zu versorgen.
Joel Kaczmarek: Wahre Träume warten geduldig. Hattest du jemals Angst, dass die da nie kommt oder dass die nicht auf dich warten, dass der Moment schon verpasst ist?
Nora Kudrjawizki: Hatte ich tatsächlich. Den gab es im Studium, wo ich natürlich auch manchmal gezweifelt habe, mache ich hier das Richtige, weil ich... Ich hatte einen Lehrer in Dresden, der ist leider verstorben. Es war ein Oistrakh-Schüler. David Oistrakh war ein ganz berühmter russischer Geiger. Und mein Lehrer war in Dresden und hat mich dort aufgenommen. Und als der verstorben ist, habe ich lange nach einem neuen Lehrer gesucht und nicht wirklich die Person gefunden, die ich brauchte, um mich da weiterzuführen. Und habe dann von Dresden nach Berlin gewechselt, weil ich eben da gemerkt habe, ich komme da nicht weiter. Und bin dann in Berlin zu einem Lehrer gekommen. der mich wirklich verstanden hat und der gesagt hat, ich weiß, wo du hin willst. Du willst nicht Klassik machen, du willst improvisieren, du willst was aus dir rausholen, was da ist, aber du noch nicht gefunden hast. Und der hat mir dabei geholfen.
Joel Kaczmarek: Meine mal blöde Frage, wenn du mir sagst, das machst du seit vier, fünf Jahren. Dann hast du ja, wenn wir jetzt mal deine Schulzeit abziehen, wahrscheinlich 15, 20 Jahre irgendwas anderes gemacht. Was hast du denn gemacht, als dein Traum noch nicht da war?
Nora Kudrjawizki: Ich habe nebenbei gearbeitet. Ich habe in Bands gespielt. Ich habe studiert. Ja, mich so über Wasser gehalten mit diesen Sachen. Ich bin natürlich mit vielen Leuten unterwegs gewesen als Geigerin. Also mit großen Namen habe ich auf Bühnen gestanden. Das waren aber natürlich nicht meine Konzerte, sondern die Konzerte von denen. Habe aber dadurch tolle Credits mir erarbeitet. Mit David Garrett, mit Herbert Grönemeyer. Jonty Tyler, so Leute, ja. Und Michael Bublé, also wirklich tolle Leute kennengelernt, mit denen ich spielen durfte und mir auch angeguckt, wie die ihre Träume leben. Und fand das immer sehr beeindruckend, hab mich da inspirieren lassen und gedacht so, irgendwann ziehe ich mein eigenes Ding hoch.
Joel Kaczmarek: Schön. Was ist denn Nummer zwei?
Nora Kudrjawizki: Nummer zwei ist, Freude braucht Raum für Fehler.
Joel Kaczmarek: Oh, erzähl die Geschichte dazu.
Nora Kudrjawizki: Ganz, ganz wichtiger Punkt bei mir. Ich war, seitdem ich klein war, ein absolutes Perfektionistenkind. Keiner weiß, warum. Meine Eltern haben versucht, dagegen zu arbeiten und mir immer zu sagen, Fehler machen ist okay, es ist kein Problem, wenn du dich mal verspielst. Ich war aber, als ich klein war, in der Musikschule so, ja, man kann es so sagen, das Vorzeigekind an der Geige, was mir natürlich unbewusst, aber auch immer so einen Druck gegeben hat. Das ist unser Vorzeigekind und die spielt so und so. Und das hat mir selber, ich habe mir selber den Druck gemacht, okay, ich darf da keinen Fehler machen. wo mir niemand böse gewesen wäre, wenn es einen gegeben hätte. Wir hatten jährlich Musikschulvorspiele. Es gab in dieser ganzen Zeit ein Vorspiel, bei dem ich mich mal verspielt habe. Und das war für mich der absolute Weltuntergang. Also da habe ich zwei Tage geweint. Ich wollte mich nicht mehr zeigen. Ich war am Boden zerstört und da konnte auch keiner was dagegen machen. Ich war einfach total traurig und enttäuscht von mir selber. Und das hat sich eigentlich durch meine Kindheit gezogen, was die Geige betrifft. Also ich hatte da einen sehr, sehr hohen Anspruch an mich selber. Habe dann im Studium gemerkt, boah, das ist wirklich anstrengend, weil Geige studieren, das ist schon eine Ansage. Und habe gemerkt, da gehören einfach Fehler dazu. Und wirklich loslassen konnte ich es jetzt auch erst in meinen Konzerten. Und der Moment, bei dem mir das wirklich richtig aufgegangen ist, war, als auf der Bühne mir mein Song nicht eingefallen ist. Ich habe den angekündigt und habe gesagt, so Leute, jetzt kommt mein aller, allerliebster Song. kündige den groß an und will den losspielen und die Töne sind einfach weg. Blackout. Ich habe noch nie in meinem Leben Blackout gehabt. Und habe da gesessen vor 300 Leuten, der Saal war totenstill, alle haben gewartet und die Zeit auf der Bühne fühlte sich an wie drei Stunden. Es waren ein paar Sekunden, aber ich habe dann gemerkt, dass ich einfach nur sagen kann, boah Leute, Blackout, ist mir ja noch nie passiert. Was machen wir denn jetzt? Dann kam ein kurzer Lacher und dann habe ich gesagt, okay, ich spiele mal den nächsten und dann fällt er mir vielleicht wieder ein. Und diese ganze Geschichte fühlte sich von der Bühne aus wahnsinnig schlimm an und ich habe gedacht, ich bin knallrot und total aufgeregt. Und danach habe ich es mir angeguckt auf Kamera, wir hatten das Konzert aufgezeichnet und habe gemerkt, wie schön und auflockernd dieser Moment war, weil das so menschlich war. Also ich meine, wem ist es noch nicht passiert, dass er irgendwie in einer angespannten Situation, wo er abliefern muss, was vergisst oder irgendwas nicht kann. Und die Leute waren so dankbar dafür, dass ich nicht da rumgestammelt habe und in Grund und Boden versunken bin, sondern es mit Humor genommen habe. Und ich war mir selber auch sehr dankbar, dass der Humor plötzlich da war. Und das ist was, was ich früher mir nie hätte träumen lassen. Das waren auch diese Angstträume. Was ist, wenn das passiert?
Joel Kaczmarek: Ich weiß total, was du meinst. Ich habe das noch gar nicht so oft erzählt, aber ich bin oft auf so auf Panels immer gewesen, habe die moderiert, weil ich bin ja sonst in der Businesswelt viel unterwegs. Und dann sitzt du da mit dem Husu der Leute und ich hatte komischerweise auch immer Angst, dass ich dann in einer Situation bin, wo ich nicht weg kann. Also du bist halt auf der Bühne mit fünf Leuten und du bist der Typ, der den Laden dann irgendwie zusammenhält. Ja, ist ja bei dir genauso. Und ich habe dann immer Angst gehabt, dass es mir schlecht wird und ich mich übergeben muss. Und dann habe ich irgendwann angefangen, dachte ich so, ah, okay, such dir einfach immer den Platz in der Nähe der Pflanzentöpfe. Wenn was ist, hast du sozusagen Plan B. Ja. Und dann war es komischerweise okay, weil ich so dachte, naja, okay, mein Gott, so what? Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist, du kotzt in den Blumenkübel und dann hast du einen guten Auftritt hingelegt. Das werden die Leute nicht vergessen, so schnell das Ding. Und dann ging's. Und ich meine, es gibt ja auch dieses komische Phänomen, die ersten fünf Sekunden sind wahrscheinlich nur anstrengend und dann läuft's, so wirst du ja auch kennen. Und jetzt bin ich aber nochmal weiter neugierig auf dich. Du hast so dieses perfektionistische Kind beschrieben und irgendwie, also wie ich dir zugehört habe, habe ich auch so ein bisschen rausgehorcht. Du hast gesagt, ja, ich wollte das zum Glück freiwillig. Also ich glaube, dein Instrument ist auch eins, was mit so einem Vorurteil aufgeladen ist, dass man Kinder dazu zwingt. Weißt du, gewissermaßen habe ich mal diesen Satz gehört, Perfektionismus ist Unsicherheit auf High Heels. Das fand ich irgendwie nett, weil ich dachte, ach ja, findest du dich drin wieder. Hast du bei dir so ein Element hinterher in der Vita entdeckt? Also hast du so in der Rückschau mal draufgeblickt und hast gesagt, ach ja, heute verstehe ich, warum ich so war? Oder war das einfach was, was dich so geformt hat?
Nora Kudrjawizki: Ne, rückblickend kann ich tatsächlich nichts entdecken, was so war. Ich glaube, es war einfach dieser Druck an mich selber, dass ich in der Musikschule so dieses Vorzeigekind war. Was ja eigentlich total schön ist und was eigentlich ein Lob war an mich. Aber es war so ein innerer... Ich muss da abliefern. Und das konnte mir irgendwie keiner nehmen, obwohl es alle probiert haben. Aber es war nicht möglich.
Joel Kaczmarek: Kennst du eigentlich auch dieses Phänomen? Ich weiß nicht, ob es künstlerspezifisch ist. Ich glaube, jeder hat ja so, heutzutage sagt man ja da Hochstapler-Syndrom zu. Aber ich weiß, ich saß mit Sebastian Krumbiegel zusammen, mit dem habe ich ganz viele Podcasts gemacht von den Prinzen. Und der hat dann ein paar Mal so gesagt, so, ja, ich bin ja eigentlich nur ein Harlequin. Ich kann ja eigentlich gar nichts. Ich kann eigentlich nur unterhalten. Und ich glaube, gerade wenn man was Künstlerisches macht, was sich jetzt nicht so in Zahlen bemessen lässt, also ja, Konzertkarten verkauft, Umsatz, whatever, aber es ist nicht so hart, ob man manchmal eigentlich sich damit sicher fühlt. Weißt du, was ich meine? Ob da so eine gewisse Unsicherheit quasi schon in dem Beruf mit drin steckt.
Nora Kudrjawizki: Wahrscheinlich. Also bei dem Beruf geht es ja darum, sich zu zeigen. Und sich zu zeigen ist ja immer eine Angriffsfläche für Beurteilungen von außen. Und auch da gibt es eine schöne Geschichte. Ich war bei einem Wettbewerb, als ich sieben war und sollte mich vor diesem Wettbewerb, sollte ich mich einspielen vorher und mich warm spielen und habe zu meiner Mama gesagt, Mama, stell dich mal vor mich, damit mich keiner sieht. Völlig absurd, weil danach bin ich auf diese Bühne gegangen und habe mich da hingestellt vor allem und habe mir dann später bei den Probespielen in den Orchestern immer gewünscht, dass es einen Vorhang gibt, hinter dem man spielt, damit man nicht gesehen wird, wenn man spielt. Und diese Hürde für mich überhaupt zu überwinden, dieses Gesehenwerden und das auch zu genießen. Das war, glaube ich, der schwerste Punkt überhaupt.
Joel Kaczmarek: Ich glaube, ehrlich gesagt, wenn ich schon mal nachdenke, meine größte musikalische Angst wäre, den Text mittendrin zu vergessen. Also dir ist ein ganzes Lied entfallen, aber du konntest sozusagen das nächste machen. Aber was ist denn, wenn du nicht mehr weißt, ach, zweite Strophe, scheiße.
Nora Kudrjawizki: Das ist schon passiert und mittlerweile singe ich dann halt die erste nochmal. Merkt vielleicht auch keiner und wenn, ist es lustig. Natürlich, das sind Sachen, die dürfen passieren und wir sind Menschen, wir sind zum Glück keine Maschinen und es gibt Leute, die sitzen in der ersten Reihe und die kennen die Songs auswendig und die lachen dann natürlich, wenn ich den nochmal singe. Aber ich meine, ich sitze da und mache zwei Stunden lang, bediene ich tausend Knöpfe und habe die Geige am Hals und die Füße bedienen die Knöpfe und so weiter. Das ist wirklich Hochleistungssport. Wenn ich dann selber mal drauf gucke und denke, boah, was mache ich da eigentlich? Und dann darf ich zu mir auch so gnädig sein und sagen, es darf auch mal was vergessen werden, es darf auch mal was schief gehen.
Joel Kaczmarek: Wie geht es dir heute mit Fehlern?
Nora Kudrjawizki: Es ist wirklich angenehmer geworden. Es gibt Momente zum Beispiel, da kann ich die Fehler nicht beeinflussen. Meine Loopstation hat manchmal so einen Moment, wo sie einfach mitten im Song sagt, sorry, I'm busy, steht dann auf dem Display, I'm busy. Dann geht sie einfach aus und dann ist mitten im Song einfach dieser ganze Saal still und ich muss aus dieser Situation irgendwas machen. Und auch da habe ich gemerkt, je mehr ich das mit Humor nehme und mit Leichtigkeit und die Leute irgendwie damit unterhalte, weil ich meine, es passieren einfach Sachen, die sind nicht vorhersehbar, für die können wir nichts. Und wenn wir was dafür können, gut, dann ist es auch nicht schlimm. Das gibt mir so viel mehr Sicherheit und so viel Leichtigkeit. Und deswegen meine ich, die Freude braucht Raum für Fehler. Also die Freude bleibt sonst auf der Strecke.
Joel Kaczmarek: Ja stimmt, man wird so verbissen dann auch. Also ich stelle mir das gerade so vor, die Siebenjährige, die da steht, ich muss die beste Schülerin sein, ich darf keine Fehler machen.
Nora Kudrjawizki: Und dann ist dieser eine Fehler und das ganze Konzert war schön, aber dieser eine Fehler hat es einfach kaputt gemacht und dann habe ich den ganzen Abend geheult. Und da habe ich mir gesagt, wenn ich den Beruf Musikerin mache, dann möchte ich natürlich nicht so in meinen Beruf gehen und so mein ganzes Leben verbringen.
Joel Kaczmarek: Wenn du jetzt mal so überlegst, wenn du jetzt andere Leute unterrichten würdest, in Anführungsstrichen so, Noras Schule des Lebens, also fachlich auch okay. Wie würdest du denen das beibringen? Was würdest du anderen Menschen heutzutage mit an die Hand geben, wie man so diese Angst vor Fehlern loslässt?
Nora Kudrjawizki: Mit an die Hand geben, also das Beste ist eigentlich, wenn sie passieren und wenn man dann versucht, mit dieser Situation irgendwie zurechtzukommen. Also ich habe eine Geigenklasse, ich unterrichte tatsächlich Geige für junge und alte Menschen und auch da haben wir so Klassenvorspiele und natürlich passieren da viele Fehler und ich trainiere mit denen. dass die diese Fehler mit Humor nehmen. Weil ich glaube, das Einzige, was dir hilft, Verbissenheit und Ärger darüber, macht es nur schlimmer. Dann fängst du halt nochmal an. Damals in meiner Musikschulzeit gab es ein Kind, was Geige gespielt hat und sich immer wieder verspielt hat und so wütend wurde am Schluss, dass es auf der Bühne den Bogen zerbrochen hat. Das ist natürlich Worst Case. Ich trainiere das mit meinen Schülern, dass sie diese Verbissenheit einfach loswerden. Wenn es nicht ist, dann fangen wir halt nochmal von vorne an. Es sitzen Leute im Publikum, die sind dir wohlgesonnen. Die können das wahrscheinlich selber nicht, was du da machst. Deswegen ist es nicht so schlimm. Und das sage ich denen jedes Mal. Atmet tief ein. Nochmal. Nehmt es mit Humor. Dann machen wir es halt nochmal. Ist nicht schlimm. Weil natürlich unterhältst du ja mit der Musik auch die Menschen. Du gehst auf die Bühne und spielst ja ein Stück, um die Menschen zu unterhalten, zu entertainen. Gefühle zu erreichen, ob die jetzt da lachen oder schwelgen oder sich erinnern und weinen, das gibt es ja alles. Und wenn du dann verbissen auf einen Fehler reagierst, dann machst du das Gefühl kaputt. Du machst für dich was kaputt und du machst für die Menschen das auch kaputt. Währenddessen du das wirklich mit Humor auffängst oder mit Leichtigkeit, dann können die einfach weiter auf dieser Welle surfen, auf der sie waren.
Joel Kaczmarek: Und sag mal, du hast es ja vorhin auch so schön gesagt, dass das, was du da machst, ist ja im Prinzip dein innerer Selbstausdruck. Wie gehst du denn mit Kritik um? Weil wenn dort etwas kritisiert wird, ist es ja viel näher dran, das Produkt, was du da erschaffst, an deiner Person, als das jetzt bei jemand anderem wäre.
Nora Kudrjawizki: Also eigentlich bin ich für Kritik immer total dankbar, weil Kritik was ist, was einen immer weiterbringt. Es gibt natürlich gute Kritik und schlechte Kritik. Schlechte Kritik ist, wenn jemand einfach nur drauf rumhackt, weil er schlechte Laune hat. Es gibt aber natürlich gute Kritik, die eigentlich immer dazu führt, dass man Dinge überdenkt und Dinge vielleicht verändert zum Positiven. Und dafür bin ich immer dankbar. So, gut.
Joel Kaczmarek: Also dann kommt jetzt hier das Mittelstück, die Nummer drei. Was ist dein drittes Ding?
Nora Kudrjawizki: Das dritte Ding, und das passt eigentlich ganz gut zu dem, was wir gerade hatten, die Meinungen anderer bestimmen nicht meine Freiheit.
Joel Kaczmarek: War das früher so?
Nora Kudrjawizki: Ja, ich war sehr darauf bedacht, was denken die anderen, wie denken die anderen über mich, wie sehen mich die anderen, wie kann ich das so abliefern, dass die anderen über mich gut denken. Das war schon sehr, sehr verankert in mir selber, ja. Und als ich... Als ich jünger war, also ich glaube, bevor meine Kinder geboren wurden noch, war ich sogar so, dass ich manchmal nicht den Busfahrern nach dem Weg fragen konnte oder es war mir unangenehm, in der U-Bahn ein Brot zu essen, weil ich dachte, wie sehen mich jetzt die anderen, wenn ich da kaue? Also so ganz komische Dinge. die mich total eingeschränkt haben und wo ich mit der Zeit erst gemerkt habe, das kann mir doch eigentlich egal sein. Und diese Freiheit mir zu nehmen und zu spüren, dass ich die leben kann, die hat mir so viel mehr Freude an allem gegeben.
Joel Kaczmarek: Wie ist denn so dein Weg des Umgangs damit gewesen? Also das Loszulassen ist ja, glaube ich, echt nicht einfach.
Nora Kudrjawizki: Nee, und es schränkt einen vor allem ein. Also man wird verbissener und verkopfter dadurch und man ist nicht mehr so frei und kann nicht mehr so frei die Dinge leben, wie man sie eigentlich fühlt. Und da ich aber so ein Träumer und so ein Freigeist bin, hat mich das selber an mir selber gestört, dass ich das nicht hingekriegt habe, da irgendwie die Meinung anderer auszublenden. Und gerade wenn man in diesem Bereich arbeitet, in dem ich bin, Musiker, Künstler, man steht halt auf der Bühne und man gibt etwas von sich preis. Was ja was ganz Persönliches auch ist. Also für mich ist Musik machen, ich spiele jetzt nicht einfach irgendein Lied und dann bin ich fertig, sondern da steckt so viel Herzblut und so viel Gefühl drin. Und Musik zu erleben ist immer subjektiv. Also es gibt natürlich für jeden Menschen die richtige und die nicht richtige oder passende Musik und auch Kunst. Und deswegen meine ich, darf man da als Künstler. frei davon werden, frei davon sein bestenfalls, dass man sich die Meinung anderer so sehr zu Herzen nimmt, dass sie vielleicht das, was man lebt und was man träumt, kaputt macht.
Joel Kaczmarek: Ja, es ist ganz interessant, was du sagst, weil ich merke das ja so in meinem Beruf, wenn ich was mit Podcasts mache, da geht es in der Regel um Wissen. Und Wissen, Logik kann man... Da gibt es meistens einen Schwarz und einen Weiß auf irgendeine Art oder Graubereiche, wo du halt sozusagen sagen kannst, okay, ist jetzt mehr dunkel oder ist jetzt mehr hell? Weil du sagst halt, okay, Argument 1, 2, 3 überzeugt mich, Argument 4 nicht so, also bin ich auf der Seite. Bei Musik geht es um Gefühl und es ist genau wie du sagst, du erwischst den einen, der macht gerade eine Scheidung durch, der reagiert vollkommen anders auf deine Ballade als die, die sich gerade frisch verliebt hat. Und wenn du da dann natürlich anfängst, mit der Meinung der Leute, die dir zu Herzen zu nehmen, Das ist, glaube ich, echt sportlich. Und deswegen mal so die Frage an dich, wie bist du da denn drüber hinweggekommen, dass dich die Meinung anderer nicht mehr so interessiert?
Nora Kudrjawizki: Eigentlich, indem ich gemerkt habe, dass ich da voll bei mir selber bin und das einfach lebe und fühle, was ich möchte und was mir gefällt. Und mit diesem Projekt eben auch nur Songs spiele, die ich möchte. Und wo ich merke, das sind Sachen, die möchten aus mir raus und die möchte ich der Welt zeigen und die habe ich ausgesucht für mich. Und dann ist es mir egal, was die Leute sagen. Also das ist wirklich so ein... Ich glaube, wenn man etwas... etwas auf die Bühne bringt, was man auf die Bühne bringen muss, dann ist man da auch noch viel angreifbarer. Als wenn man etwas hat, als wenn man ein Herzensprojekt hat, wovon man weiß, dafür lebe ich und dafür brenne ich. Da gibt es immer Leute, die sagen, gefällt mir nicht. Und es gibt Leute, die sagen, ich liebe es. Aber damit muss man leben als Künstler. Und da darf man sich wirklich auch eine dicke Haut wachsen lassen.
Joel Kaczmarek: Ja, ich finde, also ich glaube, da merkt man auch eine unterschiedliche Haltung zu Dingen. Bei mir war es so, ich habe irgendwie, also ich experimentiere das gerade, wenn ich diese Podcasts hier nehme und die in Songs verwandle, was dann bei rauskommt. Was macht das mit mir? Was entsteht da für ein Produkt? Was kann man damit tun? Und ich weiß noch, ich habe dann einen Song mal jemandem vorgespielt und dann meinte die so, ja, wird der irgendwann auch nochmal fröhlich? War das Erste, was sie gesagt hat. Und ich saß dann so da und sagte, du. Es ist eine Klavierballade, die einen Podcast wiedergibt, wo der Typ halt über Angstzustände geredet hat, über Medikamentensucht, so Beruhigungsmedikamente. Was erwartest du denn da? Ich konnte es aber vollkommen ignorieren, weil ich dann auch so dachte, ach naja, gut, sagt ja mehr über sie aus als über mich. Und sonst ist es auch ein Satz von Karin. Oh Gott, oh Gott, guck mal, die begleiten uns heute.
Nora Kudrjawizki: Ja, ja, ja.
Joel Kaczmarek: Ist es ein bisschen auch so bei dir, dass du so sagst, guck mal, ich gebe dir was von mir wieder. Was du mitmachst, ist ja deins, darf ja bei dir bleiben, weil es gehört ja dir und nicht mir. Ist das so deine Haltung dazu oder wie gelingt dir das da so?
Nora Kudrjawizki: Auf jeden Fall, auf jeden Fall. Da habe ich auch ganz viel von Karin Kuschik tatsächlich mitgenommen. Mein Lieblingssatz ist, wer mich ärgert, bestimmt immer noch ich. Der fällt ja auch in diese Richtung. Das heißt, das bleibt bei dir, was du da von dir gibst und was du... gerade ausschüttest an negative Energie, darfst du gerne behalten. Ich möchte es nicht haben. Wenn man Songs schreibt, weil du gerade gesagt hast und man spielt die dann jemandem vor, das habe ich irgendwann aufgehört, das vielen Leuten vorher vorzuspielen, weil ich gemerkt habe, der eine sagt das und der andere sagt das und der andere sagt, wann wird es denn fröhlich und der nächste sagt, boah, ist aber ganz schön traurig. und wann kann ich denn mitklatschen? und so weiter. Nee, der ist dann fertig, wenn er fertig ist, wenn ich ihn... erschaffen habe und ihn so liebe, wie er ist und dann kommt er auf die Bühne. Und dann gibt es für jeden Song, gibt es immer Leute, die genau auf diesen Zug aufsteigen und die genau diesen Song zu dieser Zeit gebraucht haben.
Joel Kaczmarek: Das, was die Leute dir sagen, sagen sie ja ganz oft sich selber eigentlich. Habe ich auch immer gebraucht, bis ich es gerafft habe. Also wenn die dann sagen, so, äh, hier, das ist aber scheiße, blablabla, dann merkst du, okay, da ist jemand aber gerade mit seinem Leben ein bisschen unzufrieden, das geht gar nicht mir.
Nora Kudrjawizki: Ja, genau.
Joel Kaczmarek: Von daher, aber erlebst du es trotzdem auch ein bisschen so, wenn man mal ganz ehrlich ist, das ist auch irgendwie so ein Volkssport, zumindest in Deutschland, dass Leute dich bewerten und kritisieren. Also es ist auch relativ so schnell ungefragt und unverhohlen.
Nora Kudrjawizki: Einfach was sagen oder was kommentieren, was nicht gefragt wurde. Und auch da darf man sich als Künstler einfach ein dickes Fell wachsen lassen, weil das kommt natürlich immer. Da kommen auch Leute nach dem Konzert und sagen irgendwelche Sachen, von denen sie nicht gefragt wurden. Ich glaube, das ist Teil des Berufs, ja.
Joel Kaczmarek: Bist du da forsch? Also sagst du dann auch so, hey, danke für deine Meinung nach, die ich dich gar nicht gefragt habe?
Nora Kudrjawizki: Nee, meistens bin ich tatsächlich sehr nett und sage dann einfach, mhm, vielen Dank. Das war es dann aber auch. Also ich lasse es meistens unkommentiert. Aber glücklicherweise kamen auch noch nicht so viele Kommentare in die Richtung, sondern eher wirklich ganz oft weinen die Leute. Die kommen danach zum Konzert, nach dem Konzert zu mir und weinen. Fallen mir um den Hals und sagen, ach war das schön. Ja, ich habe das Gefühl, so in den Konzerten haben die so eine Möglichkeit, mal aus diesem Alltag rauszukommen. Die tauchen so ab. Manche tanzen, manche weinen. Das ist ganz unterschiedlich. Ich habe letztes Jahr einen Song geschrieben, mein erster deutscher Song. Seitdem ich das One Violin Orchestra habe und der heißt Konfetti und den habe ich genau deswegen geschrieben, weil es... in Deutschland immer so viele Leute gibt, die meckern. Die meckern einfach die ganze Zeit. Alles ist scheiße, alles ist schlecht. Uns geht es so schlecht. Und ich habe gedacht, Leute, ihr seid dafür selber verantwortlich, wie euer Leben ist. Guckt euch um, macht das Schönste draus. Sucht euch die kleinen Momente, feiert die. Und ich habe mit Absicht diesen Song auf Deutsch geschrieben, damit den auch alle verstehen, weil ich in meiner Zielgruppe auch viele Leute habe, die Englisch nicht so gut verstehen oder die Texte einfach nur mitsingen, aber nicht wissen, was sie da singen. Und das war mir wichtig, den auf Deutsch zu singen. Tatsächlich haben die diesen Song am meisten gefeiert und wollten danach in die CDs reingeschrieben haben, ich lasse Konfetti für dich regnen.
Joel Kaczmarek: Also vielleicht nochmal kurze Nachfrage. Wie geht es denn dir damit, wenn Leute dir heulend über den Hals fallen nach so einem Konzert?
Nora Kudrjawizki: Dann weiß ich, dass ich was richtig gemacht habe. Es ist natürlich, fremde Menschen, es ist immer auch ein bisschen befremdlich. Andererseits weiß ich, ich habe die genau da getroffen, wo ich sie treffen wollte, nämlich in ihrem Gefühl. Und das ist das, warum ich Musik mache, um Menschen zu erreichen. Und das ist das Schönste für mich. an diesen Konzerten zu sehen, wie die Leute reagieren. Ob die aufspringen und tanzen oder ob die Rotz und Wasser heulen in der ersten Reihe. Manchmal bei Stellen, die ich noch nie selber so empfunden habe, dass die irgendwie sowas auslösen könnten. Aber jeder Mensch hat ja so Trigger oder Songs, mit denen er was verbindet. Oder wenn ich Metallica, Nothing Else Matters spiele und das Gitarrensolo mit der Geige spiele. Da ist eine Frau, die ist in der ersten Reihe fast... zerschmolzen vor Tränen und kam danach zu mir. und dann weiß ich einfach, das ist richtig, was ich tue und das macht mich glücklich.
Joel Kaczmarek: Wie geht es dir mit Musik, wenn du die schreibst? Ich denke immer so, ist das ein Hit, ja oder nein? Aber ich glaube, es geht ja eigentlich eher darum. Drückt der Song das aus, was ich will? Fühlt er sich richtig an? Ist der stimmig? Ist das ein Teil von mir? Gehört der nach draußen? Woher weißt du das bei dir?
Nora Kudrjawizki: Ich weiß es eigentlich meistens dann, wenn ich den immer zu singen muss. Also wenn mir die Melodie nicht wieder einfällt auf dem Spaziergang mit meinem Hund, dann weiß ich, nee, irgendwie war es noch nicht. Aber wenn es so eine Hook ist. die mich nicht mehr loslässt. Und ich schreibe die Songs meistens so, dass erst die Musik da ist und danach die Texte. Und es sind immer so Melodien, die mir im Kopf rumschwirren, die nicht mehr rausgehen. Und wenn die dann immer wieder kommen und auch manchmal, wenn ich nachts aufwache, plötzlich die Melodie da ist, dann weiß ich, okay, der muss raus. Und der braucht noch einen Text, der richtig ein Knaller ist und dann holt er die Leute auch ab.
Joel Kaczmarek: So, dann, zwei haben wir noch. Was ist denn dein viertes Ding?
Nora Kudrjawizki: Der Weg ist das Ziel.
Joel Kaczmarek: Boah, hier sind ja heute die tiefen Dinger bei dir drin.
Nora Kudrjawizki: Das ist ja eigentlich ein Satz, den kennt man und den kriegt man immer wieder um die Ohren gehauen. Aber den zu leben, ist oftmals gar nicht so einfach. Und ich ertappe mich dabei, dass ich das immer wieder für mich neu mir selber sagen darf und selber... erleben darf. einfach, weil Erfolg und auch alles andere entsteht nicht plötzlich, sondern das ist immer ein Weg und es sind immer kleine Schritte durch ständiges Lernen.
Joel Kaczmarek: Ich kann es sogar noch zuspitzen, ich habe ja viel mit so Top-ManagerInnen zu tun, also wirklich hochgradig erfolgreich. und ab einem bestimmten Niveau ist es manchmal so, dass sie sich über Erfolge gar nicht mehr freuen. Weil sie dann schon sagen, es ist dann wie so ein Meilenstein. Okay, Meilenstein gerissen, nächster, zack, oder erreicht, nicht gerissen. What's next? What's next? What's next? Und dann genießt du das gar nicht so.
Nora Kudrjawizki: Das fängt ja schon in ganz kleinen Sachen an, wie zum Beispiel der Kindererziehung. Komm, wir gehen zum Spielplatz, dann bist du auf dem Spielplatz und dann ist der Spielplatz, du bist da und das ist dann das Event. Aber der Weg dahin, du bleibst, keine Ahnung, ich habe das so oft gemerkt mit meinen Kindern, die bleiben an irgendwelchen Pfützen stehen, als sie klein waren, ja, und haben noch das entdeckt und das entdeckt. Und eigentlich ist der Weg zum Spielplatz das Schöne gewesen. Dann war man da, okay, meistens war... der überfüllt. Und eigentlich ist das der Weg dahin zu Dingen, die man sich vorstellt und die man sich wünscht, sind meistens im Nachgang, wenn man darüber nachdenkt, die schönen Dinge. Und meistens ist der Weg das, was einem in Erinnerung bleibt, gar nicht unbedingt nur das Event.
Joel Kaczmarek: Ich denke sogar gerade darüber nach, ob nicht sogar die unangenehmen Dinge manchmal das sind, was man hinterher am meisten zu schätzen weiß. Also in meiner Welt, der Business-Welt. Oder das ist eigentlich nur ein Teil meiner Welt. Aber im Business-Teil meiner Welt ist es ja oft so, dass man sagt, die ersten vier Jahre, wenn du was machst, es wird bei dir bestimmt ähnlich gewesen sein, fühlt sich manchmal echt an wie Glas kauen. Weil du hast diese Unsicherheit. zu Schmerz.
Nora Kudrjawizki: Auf jeden Fall, ja.
Joel Kaczmarek: Aber wenn ich dich hinterher fragen würde, was waren die besten Jahre deiner Karriere, würdest du sagen, Jahr zwei, als ich erstmals auf Tour gegangen bin, als gar nichts zusammen ging und dann habe ich das doch noch hingeknallt. Jahr drei, als meine Loopstation ausgefallen ist. Oder? So ein bisschen ist das so.
Nora Kudrjawizki: Ja, auf jeden Fall, wo man die Sachen lernt und ausprobiert und wo man alles auf den Weg bringt. Und das ist ja auch das Spannende. Es ist nicht einfach da und dann ist es fertig und dann hakt man es ab, sondern der Weg dahin und das zu bauen und das zu genießen und zu gucken, wie entwickeln sich die Dinge. Und wie schafft man Dinge und wie geht man mit anderen Herausforderungen um, die man vielleicht so noch nicht kannte? Das ist das Spannende und das ist der Weg. Und das finde ich extrem wichtig, dass man sich das immer wieder vor Augen hält, dass man nicht die Konzerte einfach abhakt und sagt, okay, next, sondern wirklich den Weg dahin auch genießt. Also ich versuche, jedes Konzert vorher, jedes Üben, jedes Organisieren wirklich zu genießen und ganz bewusst wahrzunehmen. damit mir da nichts verloren geht und ich das wirklich auskosten kann. Und nicht nach so einem Konzert, was mir früher oft passiert ist, in so einen, wir nennen das als Musiker, in so einen Muckentief fallen. Konzert ist vorbei und du fällst erstmal in so ein Loch und hast danach erstmal zwei Tage schwarz und schlechte Laune. Das hatte ich tatsächlich früher. Das kenne ich auch von vielen Kollegen, die nach dem Konzert in so ein Loch fallen, weil du einfach auf der Bühne ja so einen Hype erlebst und dann ist es vorbei und alle gehen weg und du bist alleine, du gehst nach Hause und der nächste Tag, an dem passiert wahrscheinlich nichts, außer dass du deine Sachen alle abbaust. Und es ist wie so eine Mini-Depression gewesen, wie in so ein Loch fallen. Und ich habe für mich gemerkt, das will ich gar nicht haben, dieses Gefühl, weil mich das unwahrscheinlich angestrengt hat. Und seitdem ich den Weg viel mehr genieße und die Konzerte, Danach weiß ich, okay, eins ist vorbei, aber der nächste Weg geht los zum nächsten Konzert, auch wenn es vielleicht noch eine Weile hin ist. Den kann ich ganz anders genießen. Das macht viel mehr Spaß. So ein absoluter Weltenwechsel von viele Menschen auf dich fokussiert zu. du bist alleine und da ist keiner mehr da, keiner sieht dich, keiner hört dich. Das ist ja ein kompletter, das ist ja von 0 auf 100 und wieder zurück. Und wenn man da nicht den Weg auch genießt. ist das, glaube ich, echt eine Falle für viele, die damit vielleicht auch nicht umgehen können.
Joel Kaczmarek: So, last but not least. Ein Punkt fehlt noch.
Nora Kudrjawizki: Der letzte für mich ist, echte Vision braucht Klarheit.
Joel Kaczmarek: Das klingt ja nach einer Person, die wir hier schon viel erzählt haben. Erzähl mal mehr.
Nora Kudrjawizki: Ich habe gemerkt, als ich dieses ganze Projekt für mich entwickelt habe, dass ich ganz klar strukturiert und mit ganz klarem Kopf da rangehen muss und auch darf und da rechts und links keine Kompromisse. eingehen darf, von wegen ich, darauf habe ich keine Lust oder das mache ich nicht oder das schaffe ich nicht, sondern das braucht wirklich eine ganz klare Linie und einen ganz klaren Weg und unwahrscheinlich viel Hingabe und auch Kompromisslosigkeit und Arbeit, die da drin steckt. Also das sieht natürlich für die Leute von außen sehr oft bei uns Musikern immer so aus, ja, du machst halt das, was dir Spaß macht. Das mache ich auf jeden Fall, aber was da dahinter steckt, ist... Knochenharte Arbeit, jeden Tag. Und zwar nicht, weil ich einen Arbeitgeber habe, der mir sagt, ich muss um 8 da sitzen und um 16 Uhr darf ich wieder gehen, sondern ich arbeite das von zu Hause und ich darf mich jeden Tag selber daran erinnern, was ich machen muss, was gemacht werden soll. Ich ertappe mich auch dabei, dass es mir manchmal schwerfällt, Pausen zu machen, weil ich merke, ich werde gar nicht fertig. Der Tag hat gar nicht genug Stunden, als dass ich das schaffen kann, was ich mir vorgenommen habe. Und da braucht es einfach eine wahnsinnige Strukturiertheit und Klarheit, um das irgendwie auf den Weg zu bringen, was ich da vorhabe. Das geht einfach nicht mit... mache ich heute das und morgen das, das funktioniert nicht.
Joel Kaczmarek: Also Klarheit ist bei dir eher übersetzt mit Fokus, Disziplin und jetzt nicht mit, hey, ich will genau, weil, sag mal so, aus dem Eck, aus dem ich komme, heißt Klarheit dann in Bezug auf so eine Vision, okay, ich möchte Stadion füllen am 17. Mai 2027 und möchte, weißt du, was ich meine, dass man das so richtig runternagelt. Oder machst du sowas auch?
Nora Kudrjawizki: Das mache ich auch. Ich setze mir schon eine Vision und schicke die ab für mich. Das habe ich auch für mich festgestellt, dass, wenn ich an Dinge nicht glaube, dann passiert... die auch nicht. Wenn ich mir von vornherein sage, das schaffe ich nicht, dann wird es wahrscheinlich auch nichts werden. Ich muss die Vision für mich so hochhängen, dass ich weiß, ich werde es schaffen. Und das fing mit diesem Konzert damals an und es ging weiter mit der Tour, es ging weiter mit CDs, wie viele Alben schaffe ich im Jahr zu machen für mich, schaffe ich neue Songs zu schreiben. Und wenn ich diese Messlatte an mich nicht so hoch setze und mir diese Ziele nicht setze, und da wirklich kompromisslos durchgehe, dann bleiben die irgendwo hängen und dann bleiben die auf der Strecke.
Joel Kaczmarek: Also ich glaube, wir sind da sehr ähnlich. Deswegen kann ich da ganz gut relaten. Doch vielleicht fragen sich gerade viele Menschen, die dir so zuhören, woher nimmst du die Energie dafür? Also wie gelingt es dir, diese Disziplin aufzubringen? Was ist da so der Treibstoff?
Nora Kudrjawizki: Der Treibstoff ist da auf jeden Fall mein Herzblut. Das ist mein Herzblut fürs Projekt. Für das, dass ich diesen Traum, und da sind wir wieder beim Anfang, wahre Träume, dieser Traum, der ist da und den habe ich gefunden und den möchte ich leben. Weil ich den leben möchte, habe ich diesen Antrieb. Das ist wie so ein Kreis. Ich weiß, ohne das eine geht das andere nicht.
Joel Kaczmarek: Machst du dir manchmal eigentlich auch so über Rente dann Gedanken? Also wenn du mit 65 vielleicht keinen Bock mehr hast zu touren?
Nora Kudrjawizki: Ja, na klar. Ist immer ein Thema. Also bei uns Musikern Rente auf jeden Fall ist ein Thema. Natürlich habe ich eine Altersvorsorge und gebe mir Mühe, mich gut um mich zu kümmern. für später. bin ich aber auch jemand, der sagt, ich lebe jetzt.
Joel Kaczmarek: Ich meine auch eher den Zustand, also dass du irgendwann vielleicht nicht mehr Musik machen kannst. Also ich bin dann zum Beispiel so, ich denke immer so, für mich ist es auch okay, wenn ich mit 85 noch arbeite, wenn die Leute mich noch hören wollen oder ich hier noch einen geraden Satz sprechen kann, dann kippe ich halt irgendwann vom Stuhl oder so.
Nora Kudrjawizki: Ja, für mich auch. Ich sitze ja am Schneidersitz auf der Bühne. Das kann ich auch noch lange machen, auch wenn ich nicht mehr stehen kann. Aber klar, wenn ich keine Konzerte mehr spielen kann, ich habe eine Geigenklasse, ich kann Schüler unterrichten, ich kann das weitergeben, was ich gelernt habe, was ich kann. Und meine Mama hat vor einiger Zeit aufgehört zu arbeiten und hat mich tatsächlich gefragt, ob ich ihre Stelle übernehmen möchte, weil es werden in Berlin ja wahnsinnig händeringend Musiklehrer gesucht. Und die hatte eine sehr, sehr lukrative Musiklehrerstelle, die gut bezahlt war und die auch für lange Zeit... Und ich habe mich aber dagegen entschieden, weil ich gesagt habe, ich entscheide mich nicht für die Sicherheit. Ich muss und möchte diesen Weg des Traums gehen. Und jeden Schritt, den ich mehr gehe und den ich weitergehe in Richtung meines Projekts und der Konzerte, merke ich, dass es richtig war. Und meine Mama war damals, glaube ich, ein bisschen erschrocken, dass ich das nicht angenommen habe. Und vor einem Jahr hat sie zu mir gesagt, nach einem Konzert. Es war so gut, dass du es nicht gemacht hast.
Joel Kaczmarek: Also, welches Schlusswort hätte besser sein können? Nora Gutjawitzki. Erstens, wahre Träume warten geduldig. Zweitens, Freude braucht Raum für Fehler. Drittens, die Meinungen anderer bestimmen nicht meine Freiheit. Viertens, der Weg ist das Ziel. Und fünftens, echte Vision braucht Klarheit. Also, wenn das hier immer nicht Anleitung zum Träumeverwirklichen ist, dann weiß ich auch nicht.
Nora Kudrjawizki: Vielen Dank.
Joel Kaczmarek: Fühlt sich stimmig an?
Nora Kudrjawizki: Fühlt sich stimmig an. Ja, und hat total Spaß gemacht. War mein erster Podcast tatsächlich.
Joel Kaczmarek: Oh, welche Ehre.
Nora Kudrjawizki: Ja, also ich habe mir viele Leute von dir angehört aus diesem Podcast und finde es unwahrscheinlich inspirierend auch, was jeder da so mitbringt und jeder sagt. Dass aus jeder Ecke so verschiedene Dinge kommen, die man für sich auch nochmal umbauen kann und ins eigene Leben mit einbauen kann, finde ich total cool.
Joel Kaczmarek: Gut, ihr da draußen. Also Instagram und Co., eigene Webseite, One Violin Orchestra. Ihr habt ja jetzt hier ein gutes Gefühl bekommen, was für eine Überzeugungstäterin da am Werk ist, liebe Nora. Vielen, vielen Dank und ich wünsche dir alles Gute.
Nora Kudrjawizki: Ich danke dir für die Einladung. Dankeschön.
