Vikings-Schauspieler: Alles Schlechte hat auch sein Gutes

12. September 2025, mit Joël Kaczmarek

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Joel Kaczmarek: High Five, Leute! Hier ist Joel und wisst ihr was? Heute habe ich das erste Mal die Situation, dass ich einen Gast habe, dessen Frau schon mal hier war. Also ich mache quasi das Ehepaar voll und zwar der liebe Lenn Kudrjawizki. Der ist Geiger, der ist Schauspieler, der ist Autor und er ist auch Sänger. Also der macht richtig, richtig viel. Und seine Frau Nora war ja auch schon hier. Die hat ja was ganz Geiles. Hört euch diese Folge unbedingt auch nochmal an. Das One Violin Orchestra. Und wir waren gegenseitig so begeistert voneinander, dass ich gesagt habe, ey komm, dann müssen wir jetzt hier die gemeinsame Runde aber voll machen. Weil Lenn, um euch nochmal so einen kleinen Vorgeschmack zu geben, der hat mit Luc Besson gearbeitet, mit Kevin Costner. Der ist UNICEF-Botschafter. Der hat ein eigenes Buch geschrieben namens Familienbande. Also Mann, oh Mann, oh Mann. Ich glaube, der hat ganz viel gesehen, ganz viel erlebt. Und ich bin total neugierig, heute mal zu lernen, was seine fünf Dinge sind. Von daher, lieber Lenn, freut mich sehr, dass du da bist.

Lenn Kudrjawizki: Vielen, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, hier bei dir zu sein.

Joel Kaczmarek: Und Sag mal, Lenn, ganz kurz zur Frage. Ich habe gelesen, du bist auch UNICEF-Botschafter. Was machst du da eigentlich?

Lenn Kudrjawizki: UNICEF-Botschafter, ja. Ich transportiere Hoffnung und mache Wege auf, womit man Kindern helfen kann, anders in diesem Leben. zu starten oder auch überhaupt zu leben. Und eine Aufgabe, die ich aufgenommen habe, ist eine Veranstaltungsreihe, die heißt United for Children, die wir zum ersten Mal in Hamburg im Grünen Bunker starten, wo wir ein Dinner kreieren für Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur und zusammenbringen wollen, um sich auszutauschen, um das größer zu machen, womit sie sich befassen, nämlich mit dem heilenden Moment für unsere Welt. Das heißt, die verdienen Geld mit Dingen, die uns was Gutes bringen und nicht unsere Welt kaputt machen. Und dann bringen wir all die Menschen zusammen zu einem Konzert und da ist dieses Jahr Meret Becker, Jürgen Vogel, Gregor Meyle, One Violin Orchestra, Katja Riemann, ich werde singen, das Berlin Show Orchestra wird spielen. All die Dinge bringen wir dann in Form von Entertainment zu den Menschen, wo jedes Ticket, was gekauft wurde, wieder was Gutes tut, nämlich UNICEF unterstützt und damit The Next Generation, unsere Kinder. Das heißt nachhaltiges, respektvolles Arbeiten und die Unterstützung in Form von Geld. was dann unseren Kindern zugutekommt. Das ist meine Arbeit als UNICEF-Botschafter, die ich so wahnsinnig gerne mache. Ja, mega.

Joel Kaczmarek: Das setze ich gleich mal hier in die Shownotes. Also wenn du da einen Link für mich hast, dann sollen sich meine Leute fleißig Tickets kaufen.

Lenn Kudrjawizki: Kriegst du. Kriegst du.

Joel Kaczmarek: Höre ich bei dir eigentlich so ein bisschen Berliner Akzent raus?

Lenn Kudrjawizki: Nö, wieso? Das läuft einfach so nebenbei. Kommt ja oft die Rolle an. Weißt du, ansonsten ist es berlinerisch. Du, es ist ja eine Herzenssache. Eine Sprache ist ja auch ein Stück weit Kultur und Prägung. Und ich als Berliner Bube in der DDR groß geworden, bis ich 15 war, da hat mich das schon geprägt. Und das Berlinerische, das hat ja so was Ehrliches. So einfach freischnaufen raus. Im selben Moment hat das was unfassbar Herzliches. Dadurch, dass es ehrlich ist und von Herzen kommt, ist der Weg zueinander zu kommen gar nicht so weit. Und deswegen kommt das ab und zu, wenn ich mich wohlfühle. Und das ist jetzt gerade so ein Moment. Kommt denn das Berlinerische durch? Das war jetzt ein Kompliment an dich, lieber Joel.

Joel Kaczmarek: Das habe ich gemerkt. Ich freue mich da auch. Ich bin ja auch aus Berlin, aber ich habe nie so geredet. Ich komme ja aus dem Westen, da sind wir ja alle so ein bisschen spießiger, wa?

Lenn Kudrjawizki: Achso, wir feiern hier auch gerade eine Art kleine Wiedervereinigung.

Joel Kaczmarek: Ja, genau. Die letzten zwei Berliner noch, alle anderen sind ja zugezogen mittlerweile. Sehr schön. Lenn, verrätst du mir dein Alter?

Lenn Kudrjawizki: Selbstverständlich. Ich bin 49 und werde dieses Jahr 50. Ich mache eine schöne Zahl rund und ich starte gerade, also eigentlich werde ich gerade neu geboren. Weil wenn man mal zurückguckt, die letzten 100 Jahre, vor 100 Jahren war das Durchschnittsalter, lag glaube ich bei 46, 47. Das heißt, ich bin frisch geboren. Ich darf alles nochmal von vorne erleben. Diese Aufgabe habe ich mir gerade gestellt.

Joel Kaczmarek: Ja, nice. Also dann schauen wir fast 30 Jahre quasi in deine Vergangenheit zurück. Komm, starten wir mal rein. Was ist denn so das erste Ding, was du gerne schon mit 20 gewusst hättest?

Lenn Kudrjawizki: Ach, mit 20, da war ein großer, großer Satz, den ich von meinem Papa, den ich damals ganz frisch verloren hatte. Der hat mich am Leben erhalten und zwar alles Schlechte hat auch sein Gutes. Das war für mich so ein Credo. Mein Papa war so mein bester Freund, in dem, dass er natürlich ein toller Papa war. Er ist gegangen, als ich 19 war, also er ist nicht gegangen, er hatte einen Autounfall, er hatte einen Herzinfarkt im Auto und das war ein sehr schmerzhafter Moment. Mit 19 mit ihm groß geworden, die Familie ist zerbrochen, als ich ganz klein war, schon mit 19 und dann war das so, mein bester Kumpel ist und bleibt mein Vater. Da gibt es auch ein schönes Lied von Peter Czerny und der hat mir diesen Satz ins Leben mitgegeben. Es gibt nichts Schlechtes ohne was Gutes. und als er auf einmal nicht mehr da war, hat der mich am Leben erhalten, weil ich dann immer auf die Suche gegangen bin. Er sagt, boah, das tut so weh, dass er nicht mehr da ist. Und Papa hat immer gesagt, such das Gute in allem. Und zwar alles hat sein Gutes. Und das war mein Motor, mein Lebensmotor. Und dann bin ich losgezogen und habe gesagt, okay, krass, Papa ist nicht da. Was ist das Gute? Das Gute ist, ich muss Entscheidungen selber fällen. Ich muss gestalten, ich muss mein Leben gestalten, ich muss in Bewegung bleiben, auch ein Stück weit, um vielleicht dem Schmerz auch ein bisschen wegzulaufen. Das war sozusagen ein verkapptes kleiner Negativpunkt, weil ich dann natürlich anfing wegzurennen von meinen inneren Gefühlen. Im selben Moment habe ich dadurch unfassbar viel erlebt, weil ich auf einmal losgerannt bin und gesagt habe, okay, ich gucke mir die Welt an, ich gucke mir die Menschen an und ich suche mir das Gute in meinem wahnsinnig tiefen, dunklen Schmerz. Und dann war ich auf einmal mit Marianne Segebrecht unterwegs. Und wir haben Konzerte gespielt, sie hat gelesen. Ich bin auf der Jagd nach neuen Filmprojekten gewesen. Ich hatte mit 18 meinen Film gemacht, kurz vor Papas Tod. Und dann wurde der veröffentlicht. und dann habe ich gesagt, okay, das ist meine große, große Liebe zum Film. Die ist erwacht in dem Moment. Und dann habe ich Filme gedreht, dann habe ich Konzerte gespielt, dann habe ich tolle Menschen kennengelernt und dachte so, okay. Dadurch, dass ich jetzt losrenne aus diesem Kokon der Sicherheit meines Vaters, ist das, glaube ich, ein großer Punkt, der mir fürs Leben sehr viel Gutes gegeben hat und eine Kraft gegeben hat und eine Möglichkeit gegeben hat, ohne Angst in die Welt zu gehen. Weil in dem Moment war das so, schlimmer kann es irgendwie nicht werden. Und dann bin ich in die Welt geflogen und hatte unfassbar große Flügel durch meinen Papa bekommen. Mit all den Dingen, die wir gemeinsam erlebt haben und die er mir gegeben hat, dem Rückgrat, was er mir gegeben hat, weil er an mich geglaubt hat, weil er stolz auf mich war, war auch streng. Und Strenge, wenn die gepaart ist mit Liebe und nicht mit Schmerz, hat ja eine unfassbare Kraft. Strenge darf das Kind nicht kaputt machen und mich hat es halt nicht kaputt gemacht, sondern mich hat es halt beflügelt und gesagt, okay, ich will es schaffen. Ja und so segle ich durch die Welt mit unfassbar großen Flügeln und einem großen Herzen, weil ich gemerkt habe, dass das ganz schön gefüllt wurde in der Kindheit, trotz all der Dinge, die ich erleben. Und jetzt mittlerweile sage ich, durfte, weil sie mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

Joel Kaczmarek: Hat er dich nochmal besuchen gekommen, irgendwie im Traum oder sowas?

Lenn Kudrjawizki: Oh, ach, was für eine tolle Frage. Ja, Papa war ganz oft da in meinen Träumen. Und die Träume, die so schmerzhaft waren, wir waren auf dem Land, das war ein wiederkehrender Traum. Und dann öffne ich die Tür der Garage und dann steht da Papa. Und ich bin wahnsinnig wütend auf ihn. Ich bin unfassbar wütend und schreie ihn an und sage, warum bist du weggegangen? Warum bist du nicht mehr da? Warum hast du mir das angetan? Warum hast du dich versteckt? Weil im Traum war das so, als wenn er sich versteckt hätte. Und diesen Traum hatte ich wahnsinnig lang. und dann irgendwann... habe ich angefangen im Traum, also ich habe mich vorbereitet darauf, dass wenn der Traum wiederkommt, dass ich meine Wut und mein Hass, Hass ist, das darf man nicht sagen, es war kein Hass, es war eine Wut, eine Traurigkeit, dass ich gesagt habe, was bin ich für ein Idiot, warum beschimpfe ich ihn im Traum? Warum sage ich nicht einfach, ey, das ist so geil, dass du wenigstens im Traum da bist? Und dann habe ich das nächste Mal, wo ich es geträumt habe, wusste ich schon, ich mache jetzt die Tür auf und da ist dann Papa. Und dann habe ich ihn in den Arm genommen. Und es war ein unfassbar toller, schöner Moment. Und habe gemerkt, dass das meine innere Welt war. die Frieden schließen musste, weil ich habe danach diesen Traum nie wieder geträumt. Und das war toll und das ist auch eins, deswegen bin ich ganz schön dankbar für diese Frage, weil die kam jetzt so mit einem richtigen Herzenspfeil direkt ins Herz, weil das war ein großes Bild für mich, auch fürs Leben, dass man Frieden schließen muss. Man sollte zumindest sich auf den Weg begeben, Frieden zu schließen mit Dingen, die einem unfassbar wehtun. Und da ist es egal, ob das Dinge sind von Menschen, die einem wichtig waren, die man geliebt hat oder die man liebt, oder Dinge, die von Menschen angetan wurden, die man vielleicht nicht so geliebt hat. Ich glaube, dieses Frieden schließen ist eine große Kraft, die dadurch entstehen kann für einen selber.

Joel Kaczmarek: Ja spannend, war dann, also hast du dann sozusagen Vergebung, war das für dich so ein unbewusster Prozess auch ein Stück weit? oder gab es da auch noch eine bewusste Komponente, die du dir erarbeitet hast?

Lenn Kudrjawizki: Naja, also Vergebung grundsätzlich, boah, Vergebung ist ein großes Thema. Ich glaube für uns Menschen im Allgemeinen, die wir durch die Welt gehen, anderen Menschen begegnen in der Welt, die sich so miteinander verbindet und vernetzt, ist die Basis für Vergebung, ist verstehen wollen. kennenlernen wollen, Kulturen erfahren, andere Musikformen, andere Sprachen erfahren und mit ihr damit auch natürlich Seele und Prägung mit aufsaugen. Weil ich glaube, wenn man das zulässt, dann ist das Verständnis viel, viel schneller da und viel größer und damit auch der Weg zu einem Frieden schließen oder überhaupt einem... Frieden gestalten da.

Joel Kaczmarek: Ich weiß glaube ich, was du meinst, weil mir geht es manchmal so, sobald ich verstanden habe, was jemanden bewegt, kann ich mir nicht mehr so richtig böse sein. Also sobald ich die Situation empathisch erfasst habe, fällt es mir sehr schwer. Und ich habe so eine Körpertherapeutin, die mit mir arbeitet, die dann immer wieder darauf tritt, so, ja, aber auch wenn du das verstehst, du darfst trotzdem sauer sein. Und trotzdem geht es mir manchmal so.

Lenn Kudrjawizki: Das stimmt, das ist, ja, Verstehen ist das eine, Erfahren ist das nächste. Und Erfahren braucht Ja, eine Empathie, eine Fähigkeit der Empathie, dass man sich in den anderen hineinfühlen kann, weil dann kann man es vielleicht auch aus der anderen Perspektive erfahren, erfüllen. Und das war für mich ein großer Weg, weil meine Eltern haben sich getrennt, als ich wahnsinnig klein war. Und daraus entstand ein wahnsinniger Familienkrieg und eine große Tragödie, weil mein Vater war Geheimnisträger der Wissenschaft, meine Mutter war Dolmetscherin für Künstler aus dem sogenannten Westen. Und damit waren wir die ganze Zeit der Beschattung ausgesetzt, weil man Angst hatte, dass die Informationen meines Vaters eben in den Westen kommen können. Und daraus entstand dann halt tatsächlich ein Familiengefüge, was dann eben daran zerbrochen ist. Und dann mit zehn konnten die Eltern nicht mehr miteinander und ich habe entschieden, ich will mit Papa leben. Und dann begann eben ein wirkliches Familiendrama. Und das sind auch so die Dinge, die ich dann viel später... mit denen ich viel später dann Frieden geschlossen habe, weil ich mal die ganzen Wahnsinn einer Scheidung, was das mit Kindern macht, aus der Perspektive meiner Mama mir angeschaut habe, die wir ja aus ihrer Perspektive verlassen haben. Und als Kind habe ich mich immer verlassen gefühlt. Und somit entsteht so ein Schmerz, mit dem man Frieden schließen möchte. Und ich habe einen Weg gefunden, ich habe ein Buch geschrieben. Und habe gesagt, dieses Buch, damit könnte ich unfassbaren, ich sage mal, mit Dreck um mich rumschmeißen, wenn der Schmerz überhand nehmen würde. Und ich habe mit dem Buch aber Frieden geschlossen und habe Verbindungen in mir selber geschaffen und habe, ja, viele Dinge geheilt.

Joel Kaczmarek: Lebt deine Mutter noch?

Lenn Kudrjawizki: Ja, meine Mama lebt noch und wir haben seit meinem Buch einen unfassbar tollen Kontakt, einen respektvollen Kontakt. Und da merkt man, was eine Versöhnung... Ohne dass man das vergessen muss, was das mit einem macht, mit einem selber und auch mit dem Gegenüber. Und auf einmal gibt es Synapsen, die machen nicht nur so, sondern die machen ding, ding, ding. Und das sind dann eben auch emotionale Synapsen, die dann auf einmal miteinander wieder verbunden sind. Und die einen unfassbaren heilenden Aspekt haben.

Joel Kaczmarek: Aber es ist ja interessant, dass es dann dieses Medium Buch war, was sich mit ihr auch zusammengebracht hat. Also hattet ihr vorher nicht auch schon mal drüber geredet?

Lenn Kudrjawizki: Sprechen ist ja, wenn so viel Schmerz da ist, ist ja jedes Wort kann ganz schön schwer sein und liegt auf der Waage mit einem unfassbaren Gewicht. Wogegen, wenn man alleine über einen wirklich langen Zeitraum schreibt. Dinge formuliert, neu formuliert, neu durchdenkt. Mein Buch war zwischendurch irgendwie 500 Seiten lang und am Ende sind es 270. Das heißt, es ist eine Essenz, die dann auch übrig bleibt, über die man lange nachgedacht hat, wenn man sie unter einem bestimmten Aspekt zusammenfasst. Wenn es der Aspekt der Heilung ist, dann bleibt natürlich nur der Essenz, ich sage mal, der Liebe und des Darstellens übrig, wo das Gegenüber... sich nicht angegriffen fühlt, sondern sagt, ah okay, diese Schwingung verstehe ich. Schön.

Joel Kaczmarek: Jetzt hast du ja gesagt, alles Schlechte hat auch sein Gutes. Ist das seitdem dann auch so dein Resilienzmuster, dass wenn dir was Blödes passiert, dass du dann drauf guckst und sagst, so warte mal, Papa hat gesagt und dann suchst du danach? Machst du das sozusagen jetzt bei allem im Leben?

Lenn Kudrjawizki: Genau, ich muss gar nicht mehr darüber nachdenken. Es ist automatisch so, wir als Schauspieler, als Musiker, wir sind tagtäglich damit konfrontiert, dass man eine sogenannte Absage bekommt. Ja, also man hat sich beworben, man hat ein Casting gemacht, ein Projekt, man wurde für ein Projekt ausgewählt und man sollte da die Hauptrolle spielen und alles steht schon da. und auf einmal bricht ein Finanzierungsbaustein weg und dann wird dieser Film auf einmal nicht mehr gemacht, wird verschoben auf unbegrenzte Zeit und dann bist du da und hast deine Seele schon irgendwie in diesen Film reingegangen. gegeben in diese Figur, die du vorbereitet hast und dann ist es auf einmal nicht mehr da. und dann ist es ein Investment, was erstmal so, oh, ich habe gerade meine Seele ein bisschen investiert in das Projekt und jetzt findet es nicht statt. und es fühlt sich an wie eine Absage und ein Stück weit ungerecht, weil man hat ja schon, alles ist ja schon da und dann sagt man, ah, warte mal ganz kurz, ich gehe mal kurz einen Schritt zurück und warte mal ein paar Tage oder vielleicht auch eine Woche und wahrscheinlich wird dann irgendwas kommen, was ich dann nicht hätte machen können, wenn der andere Film passiert wäre. Und somit entsteht tatsächlich so eine Resilienz, so ein sich selber wieder immer am Schopfe hochziehen und sagen, das wird schon seinen Grund haben. Ja, deswegen schön genießen den Moment, dankbar sein, dass man ein bisschen investieren durfte an Seele, an Kraft, an Energie, an Liebe oder an Wut oder was auch immer, weil das sollte jetzt nicht sein. Und das hat sich wirklich so in meinem Leben bewahrheitet.

Joel Kaczmarek: Gefällt mir. Also ich habe manchmal das Gefühl, viele Menschen gehen mit dem umgekehrten Muster durch die Welt, dass die überall so das Schlechte suchen und im Gegenteil zu sagen, ich gucke immer aufs Gute und nicht nur bei den guten Sachen gucke ich aufs Gute, sondern auch bei den Schlechten. Von daher, da bist du, glaube ich, sehr resilient hinterher. Wie geht es dir denn insgesamt damit, mit deinem Beruf, mit der Unsicherheit, die sich mit Kunst leider heutzutage ja auch oft verbindet?

Lenn Kudrjawizki: Es ist eine große Herausforderung, resilient zu bleiben. immer das große Glück hatte, viele Dinge machen zu dürfen und ich mir keine Fesseln anlegen lassen habe. Im Studium wurde mir gesagt, sie müssen sich entscheiden, sind sie jetzt Musiker, sind sie jetzt Schauspieler, was sind sie denn jetzt eigentlich? Und dann habe ich gesagt, solange ich die Prüfung mache und ich meine Pflichten erfülle, möchte ich mir die Freiheit herausnehmen, das zu tun, was mich interessiert und was mich glücklich macht. Und dabei hatte ich eben das große Glück, dass ich zwei tolle Professoren hatte, also meine Geigenprofessoren. Ich habe Geige studiert und da ist dann immer das Wichtige das Hauptfach, das Instrument und das Nebenfach ist dann Klavier. Und meine beiden Geigenprofessoren, die ich hatte, die haben ein Stück weit mich verstanden und haben gesagt, okay, pass auf, wenn du hier bist, also ich habe in Dresden studiert, in Berlin gelebt, wenn du hier bist, 120% Studium, dann heißt es Geigen. Studium machen, absolvieren, Prüfungen absolvieren, dann bist du hier mit Fleisch und Blut, mit all deinem Wesen bist du hier. Wenn du drehst, lassen wir dich fliegen, weil wir wollen dich nicht zerreißen. Ich habe das eine Zeit lang versucht nicht zu drehen und dann mich nur auf das Studium zu konzentrieren, habe gemerkt, wie mir das fehlt und habe dann für mich irgendwann einfach gesagt, ich muss das machen, was mich glücklich macht und das mache ich bis heute. Ich habe das große Glück, ich darf die Dinge tun. die mir Spaß machen. Ich kann davon leben. Ich kann leben, als Schauspieler zu arbeiten. Ich wollte immer Regie führen, also habe ich Drehbücher geschrieben. Dann habe ich selber mein Geld in die Hand genommen, habe Regie geführt. Dann war das auch noch ein schönes Projekt, was daraus geworden ist. Es lief auf Festivals. Und auf einmal war das Vertrauen da. Ah, okay, das kann der auch und das möchte der. Wir haben hier und so. Und dann, bumm, hatte ich irgendwie drei Filme inszeniert. Und dann noch die Musik mit meiner Frau, mit meiner tollen Nora dazu gemacht und mit meinem langjährigen Busenfreund Felix Neumann, mit dem ich seit der Geburt befreundet bin. Und so wächst dann auf einmal so ein kreativer Pool, wo man gemeinsam glücklich sein kann. Und so sind wir kreativ und so. Ist das im Grunde genommen das große Glück, was ich habe und wo mich dann... die Angst nicht überkommt, wenn natürlich Filmbranche ist schwierig gerade, Finanzierung, die Wirtschaft knackst hier und da. Und dann gibt es aber andere Momente, die total toll sind, weil wenn die Wirtschaft knackst, müssen wir uns neu orientieren. Und dann muss man auf die Suche gehen, was ist die Zukunft, die auf uns wartet und wie könnte die aussehen? Und dann komme ich mit meinem Wesen dann dahin, dass man... Nachhaltiger sein muss miteinander. Man muss mit der Natur, mit den Tieren, mit den Menschen. In dem Moment, wo wir respektvoller miteinander umgehen, haben wir einen ganz, ganz großen Schritt geschafft. Und das fehlt, glaube ich, gerade so in ganz, ganz vielen Bereichen unserer Gesellschaft, der Respekt.

Joel Kaczmarek: Aber ich glaube, du bist doch echt eine alte Seele, wenn du mit 19 schon so die Haltung hast oder mit 21, wie alt du im Studium auch gewesen sein magst, zu sagen, ich nehme mir die Freiheit raus, dem zu folgen, was mich glücklich macht und worauf ich Lust habe. Also beeindruckend.

Lenn Kudrjawizki: Das waren, glaube ich, die Flügel, die mein Vater mir gegeben hat. Der hat einfach gesagt, komm, du musst machen. Sei kreativ. Das fängt damit an, wenn man... Also ich musste, als ich musste. Er hat mich gefragt, willst du die Fenster lehnen von unserem alten Haus? Willst du die reparieren? Willst du die reparieren? Willst du die malern? Willst du die wieder richtig schick machen? Ja. Aber wenn du es machst, musst du es richtig machen. So, und dann habe ich es gemacht. Und das erste Mal war er nicht so toll. Und dann hat er gesagt, du, ist nicht gut. Also nochmal. Und dann unter Tränen, er hat gesagt, ja, aber dann musst du wieder abschleifen und wieder neu malern. So, und wenn das nicht gut aussieht, dann... Du entscheidest ja am Ende. Das war ein Lehrstück, was mich bis heute auch begleitet. Oder ein Radio. Wir haben in der DDR einen Siemens Monokassettenrekorder gewesen. Haben wir geschenkt bekommen, funktioniert nicht. Kassettendeck funktioniert nicht und das Radio funktioniert nicht. Willst du haben? Ja, will ich haben. Dafür musst du es dann aber reparieren. Ich weiß doch nicht, wie es geht. Dann nimm das auseinander. speichere dir, wo jede Schraube hingehört und versuch's. Und wenn du Fragen hast, helfe ich dir. Aber du musst es selber machen. Also habe ich es auseinandergenommen, habe gesehen, dass beim Kassettendeck der Gummi gerissen war. Der wurde durch einen anderen ersetzt, der dann irgendwann die Spannung nicht hatte und so weiter. Deswegen habe ich dann Electric Light Orchestra. Kennst du das noch? Also kennst du das?

Joel Kaczmarek: Ja.

Lenn Kudrjawizki: Geiler Sound. Und ich hatte eine Kassette, also wir reden immer noch vom Osten, wo es wirklich eine Rarität war, eine tolle Kassette zu kriegen, ganz besonders mit Electric Light Orchestra. Habe ich eingelegt und die machte dann immer, weil der Gummi zu schwach war. Und irgendwann, ich fand es mega, die Kassette, habe ich die Originalaufnahmen gehört, wie es wirklich klingen muss. Hey, da ist was falsch. Das ist nicht Electric Light Orchestra. Die muss ich so anhören. Wo, wo, wo, wo. Naja, so habe ich das Ding repariert und deswegen habe ich auch keine Angst, in die Welt zu gehen und Dinge auseinanderzubauen und wieder zusammenzubauen, in der Hoffnung, dass keine Schraube fehlt.

Joel Kaczmarek: Schönes Zitat, schön gesagt. Das Lustige ist, ich war gestern auf so einem Event von der LKP Müller, die kommt auch demnächst in den Podcast, die hat so eine Talkrunde gemacht über Heimat und dann hat die einen Sänger gehabt, der sozusagen eröffnet hat, hat also die Leute so emotional reingeholt, dann ein Talk mit vier Leuten und dann nochmal einen Sänger. Und der letzte Sänger, der war Iraner und der davor hat so etwas gospelhaftes gehabt. Ich bin zu beiden hinterher hingegangen und hab vor allem den Iraner als erstes gefragt. Ich sag so, ey, du, sorry, ich muss dich jetzt fragen. Wie gelingt dir das, dass du dich auf die Bühne stellst und so singst? Aus dem Stand weg. Ohne Angst, ohne Furcht. Also vor 80.000 stehe ich mir manchmal leichter vor zu singen als vor 20 oder vor 80, weil da siehst du jeden noch direkt. Das andere ist so eine wabernde Masse und das ist irgendwie so voll direkt. Und dann hat er zu mir gesagt, das ist ja ganz einfach, gib alles oder lass es sein. Wenn du nicht alles gibst, wird es auch nichts und das merken die Leute und das ist meine Haltung. Und das wird bei mir auch immer eingefordert. Also immer, wenn ich weniger gegeben habe, haben die immer gesagt, hast du mal Ablehnung erfahren, meinte ich so. Nein, nein, hat er gesagt, also ja, vielleicht auch, aber vor allem war das immer... gib mal noch mehr, gib mal noch mehr. Und der andere hat es auch so ein bisschen gesagt, dass es wirklich darum geht, gib da alles von dir rein, nur dann kann es was werden. Ist das auch so deine Erfahrung, die du gemacht hast?

Lenn Kudrjawizki: Absolut. Bei mir war das Bild, was mein Geigenlehrer zu mir gesagt hat, wenn du auf die Bühne gehst, musst du das mit wehenden Fahnen machen. Wenn du auf Halbmast fährst, wird das jeder merken und jeder merkt deine Angst. Und wenn du Angst hast und jemand im Publikum deine Angst spürt, kann der das doch gar nicht genießen, was du da vorne machst. Also musst du rausgehen, egal was ist. Musst du rausgehen, wehende Fahnen und alles geben. Wenn es Fehler gibt, das ist menschlich. Aus den Fehlern wirst du lernen. Du wirst lernen, diese Dinge, die dann schief gegangen sind, vielleicht anders vorzubereiten und, und, und. Also absolut, wenn raus, dann mit wehenden Fahnen. Oder eben nicht.

Joel Kaczmarek: Und ist es heute so, dass du auf so eine Bühne gehst und dir ist egal, ob die Leute es mögen oder nicht? Also ist es so, dass du es auch für dich machst? Oder ist dir schon wichtig, dass die Leute da mit einem Feeling rausgehen?

Lenn Kudrjawizki: Also wenn ich sagen würde, es wäre mir egal, dann wäre ich falsch in dem Beruf. Klar, ich gehe auf die Bühne, weil ich die Menschen erreichen will mit dem, was ich tue. Wenn ich eine Lesung mache, dann erzähle ich die Geschichten, die berühren, wo jemand was für sich selber mitnehmen kann aus dem, was ich erfahren, erlebt habe. Und wenn ich Musik mache, dann will ich, dass die Leute das Leben zelebrieren und feiern oder eben weinen, wenn es ein trauriges Lied ist, weil ich damit bestimmte Dinge assoziiere. Klar, wir wollen ja am Ende, wir Menschen, wir wollen ja Liebe, egal in welcher Form. Ob das in einem Gespräch ist, ob wir Künstler auf der Bühne sind oder wenn wir morgens zur Arbeit gehen, dann wollen wir ja... wollen wir ja Liebe haben, wir wollen uns austauschen, die uns gut tut. Wir wollen nicht angeschrien werden, wir wollen nicht runtergemacht werden, sondern wir wollen einen Umgang miteinander, der einen beflügelt, der einen Kräfte freisetzt, um Dinge toll umzusetzen, egal in welchem Beruf. Und ich als Künstler, der ich in so vielen Bereichen tätig bin, will das natürlich auch. Beim Film hat man noch weniger die Zügel in der Hand. Aber auch da muss man dann zusammenhalten, wenn mal ein Film nicht ganz so gut geworden ist, weil die Komponenten haben nicht gepasst. Oder, oder, oder. Da gibt es ja viele, viele Gründe. Ja, aber zusammen sitzt man einfach stärker. Und da ist im Grunde genommen der nächste Satz, der schon auf uns wartet. Mit 20. Hätte ich mit 20 gewusst, dass der Weg das Ziel ist, dann wäre so vieles so viel einfacher gewesen. Was ich dem Ziel hinterhergerannt bin, um das Ziel zu erreichen und dabei völlig nicht vergessen habe, aber ich habe den Weg nicht wahrgenommen, der so viel schöner ist als dieser Moment, dieses Ziel auf die Bühne gehen, die Premiere, man hat einen geilen Film gedreht, international. boah, war das wie eine Droge. und man denkt so, wow, jetzt und das ist jetzt die Premiere und dann ist da die Presse und dann sind die Fotografen und dann sind die weg. und du denkst einfach nur, warte mal ganz kurz, das war doch das Ziel, wo ich hin wollte. und jetzt ist das schon vorbei. und warum fühlt sich das gar nicht so geil an, wie das, was ich vorher hatte, nämlich der Weg dahin, die Dreharbeiten, das Arbeiten, das Gestalten, das Schreiben, das Komponieren, egal was es ist. Und hätte ich das damals gewusst, dann glaube ich, dann wäre auch so vieles nicht so schnell wieder vorbei gewesen. Weil dadurch, dass ich immer das Ziel im Kopf hatte, war das dann auch so schnell. Und dann nach dem Ziel habe ich ja nicht wieder den Weg genossen, sondern wieder dem nächsten Ziel entgegen gefiebert. Und das hat das Leben so schnell sich bewegen lassen, das war der Wahnsinn.

Joel Kaczmarek: Ich habe einen Podcast hier gemacht mit Michael Ilgner. Der war 15 Jahre lang auch Chef von der Deutschen Sporthilfe und der war Profi-Wasserballer. Und der hat genau das Gleiche gesagt, dass er meinte, wenn du richtig erfolgreiche Sportler nimmst, das, was viele von denen sagen, ist, das Einzige, was ich heute gerne anders gemacht hätte, wäre, meine Erfolge mehr zu genießen. Weil es trifft genau dieser Effekt ein. Bist Weltmeister oder hast die Goldmedaille bei Olympia oder hast irgendwas gewonnen. Und dann ist ja immer schon okay, what's next? Und sich aber den Raum zu nehmen, zu sagen, ich zelebriere das auch mal. Da muss ja jetzt nicht die Welt für stehen bleiben. Und wenn es nur ein Abend ist, aber einfach mal zu sagen, okay, jetzt mal den poolen Genuss. Und ich kenne das in der Businesswelt genauso. Wenn du dann Leute hast, die sagen, okay, das erste Mal, als ich einen Auftrag über 30.000 gezogen habe, haben wir abends eine Sektparty gemacht. Beim dritten Mal schon nicht mehr so. Und ich finde es aber wichtig, das sozusagen zu leben und zu spüren, diesen Moment. Wie gelingt dir das denn heute, dass du den Weg mehr genießt?

Lenn Kudrjawizki: Ich habe realisiert, dass das Ziel und der Erfolg, der Moment des Erfolgs, der ist wahnsinnig einsam. Das heißt, man hat diesen Moment erreicht, auf den man so lange hingearbeitet hat und dann ist der so wahnsinnig kurz. Und was ist der Moment des Erfolgs? Das ist so, wenn ich daran zurückdenke. Als wir mit den Fälschern den Oscar bekommen haben und ich in L.A. war, in Hollywood, und dann war da diese Feier. und dann saßen wir, also ich war nicht direkt im Saal, sondern ich war beim österreichischen Botschafter, da waren wir geladen mit dem Team, weil nur der Produzent und der Regisseur durften in den Saal. Das heißt, wir waren versammelt, das war eine riesengroße Festlichkeit beim österreichischen Botschafter. Und dann waren wir an diesen riesengroßen Screens und wir haben das so... entgegengefiebert und gesagt, okay, jetzt kommt es und dann, the Oscar goes to, und dann sagt er, The Counterfeiters. Und dann sind wir, haben wir den Oscar gewonnen. Und alle sprangen auf und schrien und dann war es schon vorbei. Das war der Moment, ja, und dann bin ich raus, wir hatten eine Zeitverschiebung, da habe ich versucht, Nora zu erreichen, meine Frau, und dann habe ich sie nicht erreicht und im Nachhinein habe ich erfahren, dass es ihr gar nicht gut ging und so weiter, das war, also sie war krank geworden. Und dann habe ich gesagt, okay, das war jetzt der Moment, die Oscar goes to und dann sind wir, dann wird der Name genannt und dann ist, ah, okay, das ist jetzt der Wahnsinn. Wie kriege ich diesen Moment genossen, wenn ich den nicht mal mit dem Menschen teilen kann, den ich liebe, dem es auch noch nicht gut geht. So, und dann hat sich das so gepaart, das Gute mit dem Traurigen und so. Und daraus entsteht im Grunde genommen dieser Moment, der Weg dahin. Das ist das Tolle, weil der Moment, es fühlt sich, Erfolg fühlt sich wahnsinnig einsam an. Und dann, wenn man immer mehr diesen Weg zelebrieren kann, ist das echt ein unfassbarer Reichtum.

Joel Kaczmarek: Ich habe da nicht drüber nachgedacht, aber ich glaube, du hast recht, dass sich Erfolg einsam anfühlt. Das ist interessant. Vielleicht fühlt er sich manchmal für dich auch hohl an. Also hast du auch manchmal, dass sich das so nicht echt anfühlt? Weil das frage ich mich auch manchmal, wenn man so berühmt ist, wenn man erfolgreich ist, wenn man Dinge realisiert, wenn man was schafft. Ich stelle mir dann immer diese Blitzlichtgewitter-Geschichten. Aber es ist ja nicht echt das Interesse an dir. Weißt du, was ich meine? Also habe ich manchmal so das Gefühl.

Lenn Kudrjawizki: Total. Du hast es auf den Punkt gebracht. Dieses, was du mit hohl beschreibst, das ist ja die Einsamkeit, weil du bist ja alleine in dem Moment. Keiner kann wirklich, wirklich, wirklich fühlen, was du fühlst. Jeder fühlt es ja auf seine Art und Weise. Der Produzent, der Regisseur, die anderen Kollegen, jeder hat es auf seine Art und Weise gefühlt, weil er auch mit diesem Ziel der Oscar oder eine andere Preisverleihung oder ein anderes Ziel, was jeder für sich selber hat, ja anders empfindet und anders fühlt. beschreiben wollte und einen anderen Fokus hatte. Und zack bist du alleine und denkst, okay, das ist jetzt meine Welt. Ich habe gedacht, das und das, jetzt Oscar bedeutet jetzt für mich, dass ich jetzt anders wahrgenommen werde als Schauspieler, dass es mir Möglichkeiten eröffnet oder ich endlich dort bin, wo ich als Schauspieler hin wollte. Und im Grunde genommen ist das hohl. Das, was ich als Schauspieler kreiert habe, das dann ausgezeichnet wurde, habe ich ja vorher geschaffen, auf dem Weg dahin. Beim nächsten Projekt wird es genauso wieder so sein. Ich werde einen neuen Charakter zum Leben erwecken, der dann vielleicht nicht einen Oscar bekommt, aber der genauso wertvoll ist für mich als Kreativen, als Schauspieler. Aber Hohl bringt es im wunderbaren Fall auf den Punkt.

Joel Kaczmarek: Wie ist denn generell so die Arbeit mit solchen, sag ich mal, mit den Ultra-Profis auf deinem Niveau? Also ich habe ja vorhin schon so ein bisschen vorgelesen. Luc Besson, Kevin Costner, Kenneth Branagh finde ich ja persönlich spannend, was du da so mitgenommen hast. Hast du so Dinge entdeckt, die bei denen anders sind?

Lenn Kudrjawizki: Nö. Also du hast gerade dieses Vollprofis, dieses Wort benutzt. Ich habe unfassbar kleine Filme gemacht mit Studenten. Ludwigsburger Studenten, Filmstudenten und habe immer gesagt, okay, das finde ich total neu. Ich bin neugierig, wie so junge Menschen mit Geschichten umgehen, was sie erzählen wollen und wie sie auch mit uns als SchauspielerInnen umgehen. Und habe gemerkt, dass du musst nicht ein absoluter Monsterstar sein und Fame auf der ganzen Welt berühmt sein, um ein Vollprofi zu sein. Und ich habe genau dieselbe Menschlichkeit und Herzlichkeit erfahren bei dem... absoluten Wahnsinns-Hero, also mein Hero Kevin Costner, wie bei einem ganz, ganz jungen Menschen, Student, der mit all seinem Herzen und seinem Schmerz und seiner Liebe diese Geschichte erzählen wollte, die ihm auf der Seele brannte. Und ich habe dieselbe Unsicherheit bei einem Kevin erlebt, wie bei einem jungen Studenten. Es gab einen wunderbaren Moment mit Kevin, wo wir eine Szene im Studio gedreht haben, im Auto. Und wir haben die Szene gedreht und ich dachte, boah, das läuft jetzt irgendwie gut. Wir haben jetzt die ganzen Richtungen gedreht, war actionreich, wir mussten was herausfinden und so weiter. Und wir kamen raus und ich hatte da schon einen sehr, sehr guten Draht zu Kevin, weil wir schon Musik gemacht haben im Trailer, während wir gewartet haben und so. Und er kam zu mir und sagt, you know Lenn, I think, I think I missed an idea. Und ich so. wie jetzt, wie meinst du das und so, you missed an idea, like, let's go and ask Kenneth to do it again, you know, I'm with you. No. If he doesn't miss it, if he doesn't miss it, I will miss it too. Das ist einfach mein Gedanke, meine Idee. Er hat alles bekommen, was er wollte. Der Regisseur und nur weil er das Gefühl hat, er hat eine Idee verpasst, heißt es noch lange nicht, dass die nötig war für die Szene. Aber dieses Gefühl, was er in dem Moment, er hat sich geöffnet und er hat eine Unsicherheit gezeigt und sagt, ach Mist, habe ich was verpasst? Aber gibt sich dann nicht die Blöße zu sagen, okay, lass uns das nochmal machen, weil der Regisseur verdient sein volles Vertrauen. Und das fand ich ganz, das war ein ganz, ganz besonderer, wertvoller Moment für mich, weil... Also im Beruf eines Schauspielers ist es so, Vertrauen zum Regisseur, sich hingeben und darauf vertrauen, dass der Regisseur sich das nimmt, was er braucht. Klar kann man anbieten. Ich hätte wahrscheinlich gesagt, ich hätte wahrscheinlich die Frage gestellt, ich habe da noch die Idee und dann hätte er mir gesagt, oh ja, finde ich spannend, lass uns nochmal machen oder nee, ich habe alles, was ich brauche. Diese Blöße wollte sich Kevin nicht geben, weil er vielleicht ein Stück weit... so habe ich es für mich interpretiert, dass Kenneth die Entscheidung nicht absprechen wollte, dass er das bekommen hat, was er braucht für seine Szene. Das fand ich einen ganz, ganz tollen, warmen, zarten Moment.

Joel Kaczmarek: Komm, wir machen mal weiter. Was ist denn dein drittes Ding?

Lenn Kudrjawizki: Jawohl. Pass auf. Es kommt der Berliner wieder raus. Ich habe einen total schönen Spruch, der mit 20 mir auch das Leben ein bisschen erleichtert war. Und zwar... Einen schlechten Tänzer stören die Eier.

Joel Kaczmarek: Jetzt bin ich neugierig auf mehr.

Lenn Kudrjawizki: Auch ein Spruch von meinem Papa, der natürlich mit sehr viel Humor immer verbunden war. Und zwar als junger Mensch, der leicht ablenkbar ist, wenn man üben muss. Man muss Geige üben, man muss Schule machen. Wenn man Dinge erreichen will, muss man sich anstrengen und man darf sich nicht zufriedengeben mit halbgewaltigen Dingen. gab es eben einen Moment, wo dann ich als junger Mensch immer gesagt habe, naja, das war doch jetzt gar nicht so schlecht, weil das und das und so und das und das. Und ich kann gar nichts dafür, dass ich das gar nicht so gut konnte. Und dann hat mein Papa irgendwann gesagt, ja, einen schlechten Tänzer sternen die Eier. Hättest du es gut gemacht. Du hättest keinen Grund, den man suchen muss, warum es nicht gut war. Weil am Ende spielt es keine Rolle. Es war nicht gut. Und sozusagen dieses Tänzer, den die Eier stürmen, der hat natürlich einen Grund, warum man nicht so gut tanzen kann. Aber ist das der Grund? Und das ist auch ein schweres Päckchen, was man dann trägt, weil man natürlich in den Perfektionismus getrieben wird, zu sagen, okay, ich will es wirklich gut machen und ich möchte keine Gründe suchen müssen, warum es nicht gut war.

Joel Kaczmarek: Ich weiß gar nicht, ob das nicht eher Ownership ist, also dass man eher Verantwortung übernimmt für Leistung. Also dass man sagt, ich gebe alles und es ist in meiner Verantwortung, dass das Ergebnis quasi maximal gut wird, was die Möglichkeiten, die ich habe.

Lenn Kudrjawizki: Das stimmt, das ist dann schon der Schritt weiter, weil der beinhaltet ja schon, dass man sagt, ich habe das Beste gegeben und ist dann zufrieden, weil man das Beste gegeben hat. Mit 20 war ich aber an diesem Punkt noch nicht, sondern dann hat mich das in diesen... Was ist denn jetzt perfekt? Was ist denn jetzt das Ultimo? Und das treibt einen in so eine Entkräftung hinein, wo man sagt so, boah, ich bin wieder nicht zufrieden. Ich habe das Konzert gespürt und ich bin wieder nicht zufrieden und werde aber keinen Schuldigen suchen dafür oder keinen Grund suchen, was mich daran gehindert hat, wirklich gut zu sein. Und diese Ambivalenz herauszufinden, das war die große Aufgabe.

Joel Kaczmarek: Ach, es hat dich sogar gehindert, daran gut zu sein, dass du sozusagen in dieser Mühle drin warst?

Lenn Kudrjawizki: Und das hat einen unfassbar entkräftet, weil man dann das nicht genießen konnte. Man ist dann auf die Bühne gegangen und hat dann, meistens habe ich dann immer gesagt, boah, das war nicht gut genug. Das war nicht gut genug. Aber eine Ausrede finden wollte ich auch nicht. Also habe ich noch mehr gearbeitet und habe noch mehr Kraft investiert und noch weniger geschlafen und noch mehr geübt. Und das ist natürlich ein Sog. Und da dann wieder sozusagen sich fangen und zu sagen, warte mal, was ist denn überhaupt perfekt? Es gibt keine perfekte Kunst, es gibt keine perfekte Performance. Es gibt die Performance, die berührt, die Menschen erreicht, die der Sache, der man dient als Künstler, gerecht geworden ist. Und wenn man das geschafft hat, dann muss man das genießen. Und das mit 20 war, das war schwer, das sozusagen genießen zu können.

Joel Kaczmarek: Da steckt auch Verbissenheit drunter. Also ich habe das auch manchmal gehabt. Manchmal habe ich es immer noch, dass man dann verbissen wird und dann wird es auch irgendwie nicht gut. Weil da hast du recht, das ist so eine Achse, die einem dann irgendwie selber den Weg versperrt. Gelingt dir das heute denn besser, den Genuss sozusagen da mit reinzubringen?

Lenn Kudrjawizki: Ja, ja, ja. Wenn ich auf der Bühne stehe, gucke ich in die Gesichter und lese und gucke und lasse Zeit. Ich habe gelernt viel besser. Die Energie eines Raums zu spüren, die ja auf Gegenseitigkeit beruht, von Künstler zu Publikum und andersrum. Ich bin leidenschaftlicher Gast, ich bin großer Künstlerfan, ich gucke wahnsinnig gerne anderen bei ihrer Kunst zu, was ja dann sozusagen auch wieder ein Geben und ein Nehmen ist. Ich bin großer Fan meiner Frau. Ich finde das großartig, was sie macht und wie sie das macht und wie sie das transportiert und wie sie Verbindungen aufbaut mit dem Publikum. Und das sind all die Dinge, die dann auf einmal eine unfassbare, schöne Qualität haben für mich selber, wenn ich durchs Leben gehe. Das ist, glaube ich, das, was ich so gelernt habe. Mehr genießen können und nicht immer loszurennen gleich wieder nach einem Event, was man gerade gemeistert hat. Ein Austausch bleiben.

Joel Kaczmarek: Ist total unangenehm, wenn ich dich jetzt frage, weil wenn man es erklärt, geht die Magie eigentlich so ein bisschen verloren, aber wie macht man das, was du gerade beschrieben hast, so einen Raum spüren und mit so einem Raum interagieren, da in Resonanz gehen, gemeinsam was kreieren mit so einem Publikum, wie funktioniert sowas?

Lenn Kudrjawizki: Ich glaube, dafür gibt es glaube ich keine Technik, sondern das ist, wenn man selber für sich selber bereit ist, Emotionen zuzulassen, in sich selber Schmerz zu spüren und Freude zu spüren. Dann kann man in einen Raum reingehen und sagen, okay, was ist mein Ziel heute? Mein Ziel ist heute, sagen wir mal, es ist eine Lesung, ich möchte Geschichte, die Geschichte meines Lebens erzählen oder die Geschichte von einem Ausschnitt meines Lebens erzählen und die möchte ich so ehrlich wie möglich erzählen. Und dann ist es auf der Bühne und dann merkt man, ob ein Publikum unruhig ist, ist es ungehalten, reagiert es auf die Emotionen. In jedem Bundesland ist die Emotion irgendwie anders, die Prägung ist anders, es gibt ein anderes. eine andere Art von Humor. Und dann probiert man Dinge aus, also auch auf der Bühne in Form der Ansprache. Und dann merkt man anhand der Reaktion, wo steht man mit dem Publikum. Und da ist das Wichtigste, glaube ich, dass man keine Angst hat, davor zu versagen oder was Falsches zu sagen. Auf der Bühne unter Umständen einen Witz loszulassen, ganz plakativ und keiner lacht. Weil dann weiß man, dass der Witz nicht den Humor widerspiegelt, den das Publikum hat. Also muss man was anderes probieren oder versuchen, anders zu erreichen, das Publikum. Das ist, glaube ich, so diese Magie, die man nicht beschreiben kann, wofür es auch kein Werkzeug gibt, sondern die hat man mit 20 unter Umständen nicht, die Ruhe, auf die Bühne zu gehen. Mit fast 50 vielleicht mehr, wenn man sich den Raum nimmt. Und ich genieße die meisten Momente auf der Bühne.

Joel Kaczmarek: Ich habe gerade gedacht, wenn du Ungehaltenheit im Publikum spürst, das muss ja ein ganz schöner Stressfaktor sein. Wie fühlt sich das an? Was machst du dann?

Lenn Kudrjawizki: Naja, ich mache mal einen anderen Vergleich. Wenn ich mit der Geige auf die Bühne gehe und ich bin nervös. Früher war das so, man nannte den immer die Zitterhand, der Bogen. Und dann hört man das, weil man kriegt diesen Bogen nicht mehr beruhigt auf die Seiten und dann hört man so ein... Und als junger Mensch, ich sage mal mit 20, habe ich versucht, dieses Zittern zu unterbinden und habe dagegen gekämpft. Was macht es? Es wird noch doller. Man kriegt den nicht beruhigt, den Bogen. Weil der Bogen fängt noch an, mehr anzuspringen, weil die Spannung in der Muskulatur steigt. Und es schaukelt sich hoch. Wogegen, wenn man das annimmt und sagt einfach, ist jetzt so. Hab einen Tatterich. Der Bogen springt ein bisschen. Ist halt so. Die Leute hören es und die merken, ich bin nervös. So what? Ja, ich bin nervös. Und glaube ich, das ist auch derselbe Moment, in dem Moment, wo man wahrnimmt, dass jemand unzufrieden ist oder sich toll findet, ist das Kind ja schon in den Brunnen gefallen. Das kriege ich nicht wieder revidiert. Das heißt, da kann ich sagen, Moment mal, wir schrauben die Zeit zurück. Und vielleicht gefällt es dir dann besser. Funktioniert ja nicht. Also heißt es annehmen. Und sagen, unter Umständen ist schon die Lösung zu sagen, boah, der Witz war kacke, oder? Und dann ist das unter Umständen schon wieder, ist das wieso schon Geschichte? Ist das wieso schon vorbei? Aber dann hat man was daraus gemacht und das angenommen. Es gibt sehr viele lustige Momente, die daraus entstehen können, wenn man sich selber nicht so ernst nimmt.

Joel Kaczmarek: Nice. Komm, wir machen weiter mit dir. Was ist dein vierter Punkt?

Lenn Kudrjawizki: Wertvolle Lebenszeit kreieren. Das schlägt in dieselbe Kerbe, die wir im Grunde genommen schon die ganze Zeit immer miteinander gerade so besprechen. Wertvolle Lebenszeit kreieren. Als junger Mensch hat man das Gefühl, man ist unsterblich. Und das Leben ist unendlich. Und alles ist so unfassbar weit weg. Und wenn die Eltern 30 sind, dann sind die schon uralt. Und wenn die dann 40 werden, dann sind die noch uralter. Uralter, älter, älter. Man denkt aber, man kommt da nie hin. Und dann verpasst man diesen Moment, dass jeder Tag so einen unfassbaren Wert hat, den zu gestalten und zu kreieren mit Dingen, die schön sind, mit Dingen, die irgendwie einem selber oder Menschen, mit denen man arbeitet oder mit denen man lebt, mit denen man kreativ ist, gut tun. Die Auseinandersetzung, im Dialog bleiben, die Schotten nicht zumachen, das sind alles so Dinge, wo ich mir gewünscht hätte, jetzt im Nachhinein mit 20 schon gekonnt zu haben. Aber das ist so, mit 20 müssen noch ein paar Synapsen gemacht werden. Und dann ist das halt noch nicht so richtig möglich. Und es ist auch gut so, es ist auch der Weg.

Joel Kaczmarek: Was würdest du sagen, was macht Lebenszeit heute für dich wertvoll?

Lenn Kudrjawizki: Es ist ein respektvoller Umgang miteinander. Also wenn ich Lebenszeit mit Menschen verbringe, dann ist das der Umgang miteinander, kreativ zu sein, andere Meinungen auszuhalten, im Dialog zu bleiben, ohne... Ohne Hass und Hetze, ohne, ich sage mal, der bösen Macht, die Ruder zu überlassen. Wenn man alleine ist, ist wertvolle Lebenszeit, sich selber ein Stück weit zuzuhören und sich selber Raum zu geben für die eigenen Emotionen, für Gefühle, für Gedanken. Wertvolle Lebenszeit ist, seinen Kindern Zeit zu widmen, die man so nie wiederbekommt. Großer, großer Prozess, weil einerseits... Möchte man das Beste für die Kinder und man möchte sie versorgen und man möchte, dass es ihnen gut geht und andererseits verpasst man dann auch viel Zeit dabei, die man hätte anders mit ihnen verbringen können. Wertvolle Lebenszeit, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen, ob das jetzt auf der Bühne ist, vor der Kamera, hinter der Kamera oder Projekten, denen man sich widmet, die halt für einen selber einen Wert darstellen in dem eigenen Wertekatalog. Das ist für mich das Kreieren von wertvoller Lebenszeit.

Joel Kaczmarek: Was willst du so hinterlassen, wenn du mal sozusagen in die Kiste hüpfst, wenn du mal abtrittst?

Lenn Kudrjawizki: Hinterlassen? Also es gibt verschiedene Punkte hinterlassen. Wenn ich zu früh gehen sollte und mein Lebensbuch mir ins Buch geschrieben hat, ich muss früher gehen, als es mir recht ist und meine Familie ist unter Umständen noch nicht bereit dazu. Das heißt, ich werde erstmal auf dem Leben geritten, dann möchte ich natürlich, dass meine Familie versorgt ist. Dass sie weiter so leben kann, kreativ sein kann, wie sie es jetzt macht. Und das andere ist, ich möchte aus diesem Leben gehen und das Gefühl haben, ich habe alles gemacht, was ich wollte. Ich möchte am Ende nicht da sitzen und sagen, das wollte ich eigentlich noch machen und das wollte ich eigentlich noch machen. Das wird es immer geben. Aber es sollen nicht Dinge sein, die wirklich für mich so für die Seele so existenziell so ein großer Wunsch war, den ich aufgegeben habe, weil den Tänzer die Eier gestört haben. Dass ich dafür irgendwie einen Grund gesucht habe, warum es nicht geht, sondern einfach machen. Und das ist ein ganz schön großer Prozess, Dinge anzugehen. Es sind immer viele Gründe, die dann im Weg stehen. Dann doch. Und ich möchte nicht aus diesem Leben gehen mit dem Gefühl, jemandem wehgetan zu haben.

Joel Kaczmarek: Bleibt ja leider nicht aus, wenn wir ehrlich sind.

Lenn Kudrjawizki: Ja, aber es gibt immer Wege. Klar, wehtun auf die eine Art und Weise, dass man sagt, man ist sich selber treu geblieben, wenn man jetzt sagt, man hat jetzt in seinem Leben, in seinem jungen Leben dann doch den ein oder anderen Menschen verlassen, weil man die Gefühle nicht mehr geteilt hat. Das meine ich damit nicht. Respektlos. Also wieder Umgang, wertvolle Lebenszeit. Mit 15, 16 habe ich mit dem Luftgewehr auf eine Taube geschossen. Und ich habe sie, glaube ich, verletzt. Ich habe sie nicht getroffen, ich habe sie nicht getötet, aber ich habe sie verletzt. Und ich muss ganz ehrlich sagen, das ist jetzt so viele Jahre her, das trage ich mit mir heute noch um, dass mir das leid tut. Und das werde ich irgendwann mit in die Kiste nehmen. Aber das wird sich bei mir nicht nochmal wiederholen, dass ich ein Tier retue. Und das sollte auch nicht mit Menschen passieren.

Joel Kaczmarek: Ja, das ist so mein Verständnis von Hölle. Ich bin bei den Religionen immer so der Meinung, ich bin ein gläubiger Mensch, aber ich finde das Bosenpersonal jetzt in der Regel nicht so den Kram. Und das war's. Bei der Dualität aber zwischen Himmel und Hölle glaube ich halt schon, dass man manchmal sich seine eigene Hölle schafft, indem genau sowas passiert. Hat man ja gerne mal, dass man sich so wundert, da ist irgendjemand, der lebt auf Kosten anderer und dem geht es so blenden nach unseren Maßstäben. Der hat viel Kohle oder ist bekannt oder whatever und nützt aber nur aus. Und ich glaube, du zahlst aber einen Preis dafür, während du das sozusagen auslebst. Ich glaube, das spürt man, das macht was mit dir. Und wenn du jetzt jemand bist, der keine Gefühle hat, dass du so soziopathisch, psychopathisch unterwegs bist, dann hast du ja auch schon einen schlimmen Preis. ist bezahlt, wie furchtbar ist das, nichts zu fühlen. Und das ist manchmal mittlerweile so mein Verständnis von Hölle, dass man sich die eigentlich schon auf der Erde schafft, dass du die gar nicht erst im Afterlife da irgendwie vorfindest, sondern die hast du dann schon.

Lenn Kudrjawizki: Absolut, absolut. Ich glaube, für alles, was wir tun, zahlen wir einen Preis. Ob nun einen Preis, den wir zahlen wollten oder einen Preis, den wir zahlen müssen. weil es ein Bumerang ist, ohne Frage. Manchmal muss man auch die Leichtigkeit haben, einfach Dinge zu tun, ohne über den Preis nachzudenken, weil ansonsten verliert man auch die Leichtigkeit.

Joel Kaczmarek: Gut, wertvolle Lebenszeit kreieren, finde ich selbsterklärend. Darum widmen wir uns jetzt deinem letzten Ding.

Lenn Kudrjawizki: Es gibt immer einen Grund, etwas nicht zu tun. Und das ist ein Satz, da habe ich echt lange dran geknabbert, dass er mich nicht kaputt macht. Als junger Mensch ist es ein Motor, sich selber zu challengen, sich selber besser zu werden. Je mehr man das Leben fühlt und begreift, kann es zu einer großen, großen Belastung werden. Auch da wieder differenzieren. Es gibt immer einen Grund, etwas nicht zu tun. Wenn du wirklich nur nach diesem Satz lebst, und das habe ich gemacht als 20-Jähriger, dann bist du nur am Wegrennen. Du bist nur am Wegrennen im Sinne von, ich suche keinen Grund, das jetzt nicht zu tun, sondern ich mache es. Und dann mache ich das Nächste und dann mache ich das Nächste und dann mache ich das Nächste. Und du kommst nicht mehr zum Luftholen und du kommst nicht mehr zum Fühlen, Begreifen. Und das ist eine Spirale, das kann eine Spirale sein, die einen wirklich in ganz tiefe Gefilde seiner Seele treiben kann, weil man irgendwann keine Kraft mehr hat. Alles. machen zu wollen. Und hätte ich das als 20-Jähriger gewusst, wie tief einen das runterziehen kann, weil natürlich als 20-Jähriger hat man Kraft ohne Ende. Man fliegt, man denkt, was kostet die Welt? Das werde ich auch machen und das werde ich auch machen. Das hat mir unfassbare Erfahrungen gebracht und tolle Projekte, ohne Frage. Nur die Bremse zu ziehen, Am richtigen Punkt, das ist die große Herausforderung gewesen.

Joel Kaczmarek: Aber wenn ich es dann richtig verstehe, gemeint ist der Satz ja wahrscheinlich so, man kann immer Ausreden finden. Es gibt ja auch diesen anderen Satz, Menschen, die etwas nicht schaffen wollen, finden immer Gründe. Menschen, die es wollen, finden Wege oder irgendwie so ähnlich. Also bei dir war sozusagen genau das Umgekehrte, dass du in die Verhinderung gegangen bist. Du wolltest nicht immer einen Grund finden, warum du das jetzt nicht machst, sondern du hast die Sachen einfach getan. Du bist sozusagen im Hamsterrad immer gewesen dadurch.

Lenn Kudrjawizki: Genau. Es war eine Situation, wo sich dieser Satz mir eingeprägt hat. Ich hatte mich vorbereitet auf einen Geigenwettbewerb und bekam zwei Wochen vorher, ich hatte ein ganz tolles Verhältnis zu meinem Geigenlehrer damals, das war noch vor dem Studium, dass ich bei ihm eingezogen bin für eine Woche und er hat gesagt, pass auf, ich bereite dich jetzt vor, wir arbeiten jeden Tag zusammen. Und mein Papa fand das toll, die hatten auch eine tolle Absprache miteinander. Und dann wurde ich krank. Und dann bekam ich Fieber. Und dann habe ich tagsüber geübt. Und nachts saß ich dann an der Heizung und habe gefroren, weil ich wirklich 39, 40 Fieber hatte. Ich hatte richtig Schüttelbrust. Und wollte mir aber die Blöße nicht geben. Und habe dann wieder gegeigt. Und dann wurde ich natürlich immer schlechter, weil natürlich Fieber kann man ja nicht üben. Und dann konnte ich es auch nicht mehr verbergen. Und mein Geigenlehrer hat gesagt, nee, wir machen hier Schluss. Du fährst jetzt nach Hause. Du rufst jetzt deinen Papa an. Und dann habe ich meinen Papa angerufen. Und er hat gesagt, okay, ich... Ich schmeiße den Wettbewerb hin. Aha, okay. Du willst jetzt auch nicht warten. Du willst jetzt nicht, nee, ich schmeiße es jetzt hin, weil ich bin jetzt krank und ich schaffe das jetzt alles nicht mehr und so weiter und so fort. Und dann gesagt, ja, es gibt immer einen Grund, etwas nicht zu tun. Du kannst jetzt den Wettbewerb hinschmeißen und hast jetzt einen guten Grund dafür. Oder du findest einen anderen Weg, das doch umzusetzen und den Wettbewerb doch zu spielen. Und damals habe ich mich halt zusammengerissen, habe ein, zwei Tage ausgehalten, gewartet. Und dann habe ich mich wieder angesetzt und habe den Wettbewerb gespielt und gewonnen. Und dann dachte ich, ah, okay, immer die Zähne zusammenbeißen. Ob das jetzt so gut war, weiß ich nicht. Weil im Nachhinein habe ich gemerkt, hätte der Wettbewerb wirklich, hat er wirklich so viel in meinem Leben verändert? Oder war es eher die Persönlichkeitsgestaltung, die es mit mir gemacht hat, das auszuhalten ein Stück weit? Und dann habe ich mir in den Folgejahren... ganz, ganz wenig Gründe gesucht, um etwas nicht zu tun, sondern ich habe sie eher getan. Meistens zu meinem Vorteil, oft dann aber eben auch nicht, weil ich dann über Grenzen gegangen bin, die mein Körper dann nicht mehr ausgehalten hat.

Joel Kaczmarek: Ich würde kurz sagen, du bist halt über deine Grenzen gegangen und wurdest halt mit einem Erfolgserlebnis bestraft sozusagen.

Lenn Kudrjawizki: Ja, bestraft, belohnt. Genau. Und irgendwann sagt dann halt der Körper, boah, du bist jetzt kaputt, du bist jetzt müde und du legst dich jetzt mal hin. und dann gibt es eine Herzmuskelentzündung, die dann sagt einfach so, du bewegst dich jetzt einfach mal gar nicht mehr. Und das hätte man sich unter Umständen erspart, wenn man da mehr auf seinen Körper gehört hätte und nicht... dem inneren Drang keinen Grund zuzulassen, etwas nicht zu tun.

Joel Kaczmarek: Sag mal, du hast von deinem Vater so ein positives Bild geteilt und er hat sich offensichtlich auch sehr erfolgreich gemacht. Warst du trotzdem manchmal auch wütend darüber, dass er dich sozusagen solchem Selbstdrill auch ausgesetzt hat?

Lenn Kudrjawizki: Nö, wütend war ich auf ihn nicht, weil am Ende habe ich es ja in der Hand. Egal in welchem Alter und egal an welcher Phase meines Lebens ich bin, habe ich es immer in der Hand, meinen Weg zu gestalten und zu entscheiden. Welche Richtung möchte ich gehen? Das, was ich heute bin und wie ich mein Leben bis heute gelebt habe, habe ich ihm zu verdanken, weil er mir ein Reichtum gegeben hat an Kraft, an Kreativität, an Herzenswärme, die mir die Möglichkeit gegeben hat, das zu leben, was ich lebe. An Kunst, an Miteinander, an Sprachen. Er hat mich gezwungen, zu Hause Russisch zu reden. Damit habe ich eine Sprache geschenkt bekommen. Und all diese Dinge, die habe ich ihm zu verdanken. Dass die einhergehen mit einem Selbstdrill und mit einem unfassbaren Kraftaufwand, den man nun mal aufbringen muss, um Dinge toll zu machen, habe ich auch ihm zu verdanken. Und somit hat das Schlechte auch sein Gutes. Und das Gute in dem Moment ist, er hat mir eine unfassbare Kraft gegeben und ich habe Dinge erlebt, die ich so wahrscheinlich nicht erlebt hätte, wenn ich nicht von ihm so erzogen worden wäre, wie er mich erzogen hat.

Joel Kaczmarek: Du bist aber sehr selbstverantwortlich und verzeihend. Also das ist aber beeindruckend, weil wie gesagt, du hast ja vorhin auch so diesen Satz gesagt, für alles, was wir tun, zahlen wir einen Preis. Ich glaube, du hast für deinen Ehrgeiz sicherlich auch einen hohen Preis gezahlt hier und da, aber da dann zu sagen, nee, das hat ja aber auch sein Gutes und es ist ein Geschenk, Respekt. Also ich weiß nicht, ob mir das gelungen wäre so oder ich habe das auch manchmal, ich bin ja auch sehr ehrgeizig, bin irgendwie kompetitiv groß geworden. Ich glaube, schon selber gewählt auch, aber nee, das finde ich groß von dir.

Lenn Kudrjawizki: Das ist ein Stück weit vielleicht auch Selbstschutz. Mein Papa ist nicht mehr da. Was würde es mir bringen, wenn ich zulassen würde, zu sagen, boah, das war aber kacke. Das war echt. Weil unfair war er nie. Er war nie unfair, er war immer respektvoll. Und deswegen kann ich ihm nichts vorwerfen. Er hat es nach seinem Wertekatalog gemacht und so wie er sein Leben gelebt hat, ist er immer mit Respekt durchs Leben gegangen und hat Unfassbares erreicht. Deswegen bin ich wahnsinnig dankbar. Ich bin dankbar, dass ich so viel Spielzeug in meinen Taschen habe, die ich von meinen Eltern bekommen habe. Also auch meine Mama. So schmerzhaft das alles ist, die Trennung und dann mit dem Papa groß zu werden und zu sehen, dass dann so die Dinge, die ich in meinem Buch beschrieben habe von Entführung und wirklich großes Familiendrama, bin ich auch ihr dankbar für diesen emotionalen Reichtum, den sie mir mitgegeben hat, den sie in sich trägt. Aber auch dafür habe ich Zeit gebraucht, das zu verstehen.

Joel Kaczmarek: Entführung hast du gerade gesagt.

Lenn Kudrjawizki: Meine Mama wollte das nicht so richtig akzeptieren, dass ich mit dem Papa leben wollte. Also hat meine Mama den Weg gegen meinen Willen gesucht. Und dann war sozusagen dieses Problem, dass wir beschattet wurden und man Angst hatte, dass Inhalte meines Vaters wissenschaftlicher Art das Land verlassen könnten, standen dann auf einmal in dem Weg, dass das Kind dort zu sein hat, wo es kein Risiko gibt, dass diese Inhalte verloren gehen. Und meine Mama... wollte das nicht akzeptieren, dass ich mit meinem Vater leben wollte und hat mich dann gegen meinen Willen woanders hingebracht. Und das musste dann erstmal alles gelöst werden und zog sich über viele Monate weg, auch übers Ausland. Und dann wurde der KGB eingeschaltet, weil man Angst hatte, dass ich nach Amerika gebracht werde und und und. Und somit gibt es da eine Menge Dinge, wo man Frieden schließen muss mit einem Elternteil, weil... All die Dinge, die sie getan hat, und das weiß ich heute, hat sie aus Liebe getan. Aus der Liebe zu mir, zu ihrem Kind. Und aus so einer starken Liebe macht man bestimmte Dinge eben so, dass man die Perspektive seines Kindes verliert. Und die Perspektive des Kindes ist manchmal sehr, sehr verletzlich und sieht Dinge anders als wir Erwachsene. Und wenn wir uns das vor Augen führen, dann merkt man ganz schnell, dass ein lautes Wort und eine bestimmte Auseinandersetzung zwischen Eltern nichts unter den Augen der Kinder zu suchen haben. Und auf die Art und Weise. Damit sind wir wieder bei. Alles Schlechte hat auch sein Gutes.

Joel Kaczmarek: Ja, aber ist ja wie ein Krimi dein Leben. Also ist ja wirklich krass. Und ich meine, ist damals so ein Band gerissen zwischen deiner Mutter und dir, was du dann mit deinem Buch wieder verbunden hast neu?

Lenn Kudrjawizki: Das ist eine ganz tolle, weise Frage. Genau darum geht es. Es geht um Verbindung. Mein Buch heißt Familienbande. Wenn man einfach nur ganz plakativ draufguckt und sagt, ah, das ist eine Bande, die machen Unsinn und die halten zusammen und so. Und auf der anderen Seite ist es aber die Bande, die Verbindung, die hält. Es ist das, womit man geboren wird, was man sich nicht aussuchen kann. Aber auch das kann man gestalten. Und wenn man durchs Leben gehen möchte, so wie ich, dann möchte ich irgendwann nicht von dieser Welt gehen und sagen, okay, ich habe nicht alles getan, um meine Familienbande zu gestalten. Aus der Familie, in die man reingeboren wird, wird dann die Familie, die man gründet. Und die gilt es auch zusammenzuhalten und zu gestalten. Und du hast es total auf den Punkt gebracht. Das Buch hat eine Verbindung wiederhergestellt, weil ich meiner Mama gezeigt habe, dass ich ihre Perspektive eingenommen habe und jetzt viel, viel besser verstehe, unter Umständen, warum sie das getan hat, was sie als junge Mutter getan hat. Und dass nicht ich das Opfer bin, sondern dass wir alle. in der Familie, die wir das erleben mussten, Opfer sind. Und es ist nicht immer nur einer.

Joel Kaczmarek: Das ist auch bewegend. Finde ich sehr bewegend. Ich habe noch eine letzte Frage an dich. Ich habe da recht genau zugehört. Bei dir fiel sehr oft das Wort Respekt. Welche Rolle, welche Bedeutung hat Respekt für dich und dein Leben?

Lenn Kudrjawizki: Also Respekt, ich gehe das mal anders an. Wir haben gerade so in unserer Gesellschaft, in unserer Welt dieses Wort Nachhaltigkeit. Was so unfassbar inflationiert wurde mittlerweile. Man weiß schon gar nicht mehr, was bedeutet Nachhaltigkeit. Der eine assoziiert damit E-Mobilität, der andere CO2-Fußabdruck, der andere sagt Bio-Nachhaltigkeit. Was ist alles Nachhaltigkeit? Und wenn wir dieses Wort Nachhaltigkeit im Zusammenhang bringen mit Respekt und das übersetzen auf Umgang mit uns miteinander, dem wir uns begegnen oder den Tieren, denen wir begegnen oder den Pflanzen, denen wir begegnen, der Welt, wenn man das alles übersetzt in so einen Respektkosmos und das aufsaugen und das so leben würden, dann wären so unfassbar viele Probleme einfach nicht mehr da. Und das, was an so vielen Enden fehlt, ist Respekt. der dann in Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit, da geht es ja auch um etwas, was lange Bestand hat, haben soll, was nicht einfach nur verbrennen bedeutet, von Benzin, verbrannt, weg. Aus der Erde genommen, verbrannt, weg. Das hat keine Nachhaltigkeit. Tier geschlachtet, aufgefressen, weg. Es hat irgendwie so und dabei noch unfassbar Leid geschaffen. Und wenn es aber mit Respekt passiert, egal in welchem Bereich, Dann hat es auf einmal, passt es in meinen Wertekatalog wieder rein. Und da hat ja jeder seinen eigenen Wertekatalog.

Joel Kaczmarek: Schön. Lenn Kudrjawizki. Nummer eins. Alles Schlechte hat auch sein Gutes. Nummer zwei. Der Weg ist das Ziel. Nummer drei. Einen schlechten Tänzer stören die Eier. Nummer vier. Wertvolle Lebenszeit kreieren. Und Nummer fünf. Es gibt immer einen Grund, etwas nicht zu tun. Ja? Gibt's das? Ist das so die Story of your life?

Lenn Kudrjawizki: Ja. Ja, das ist eine schöne Essenz und immer wieder finde ich das Bild schön mit dem Fenster. Kann ich nicht anders sagen. Weil nur wer lacht, kommt weiter.

Joel Kaczmarek: Vielleicht recht. Also lieber Lenn, es war mir ein ähnlich großes Vergnügen wie mit deiner Frau. Völlig anders und genauso wertvoll. Vielen, vielen Dank.

Lenn Kudrjawizki: Ich danke dir sehr für die tolle Vorbereitung, die Auseinandersetzung, für die tolle Zeit, die wir miteinander verbracht haben. Von ganzem, ganzem Herzen. Erfolg, viel Spaß, bei dem du es tust, viel Herzenskraft.

Joel Kaczmarek: Ich bin aber gerührt hier, auf den letzten Metern noch. Dankeschön.

Lenn Kudrjawizki: Ja, nee, von ganzem Herzen. So gesagt, wie gemein.