
Bestseller-Autorin Karin Kuschik: 5 Dinge, die ich gerne mit 20 gewusst hätte
11. Oktober 2024, mit Joël Kaczmarek
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Joel Kaczmarek: High five, Leute! Hier ist Joel und ich habe wieder eine großartige Person am Start, die mir heute ihre fünf Dinge verrät, mit die sie gerne schon mit 20 gewusst hätte. Und zwar ist das heute ein richtiger Tausendsasser, genauer gesagt eine Tausendsasserin. Denn die Dame, die ich heute zu Gast habe, die liebe Karin Kuschik, zum einen bezeichne ich sie als Freundin und habe da schon live kennengelernt, was sie alles weiß und wie viele Herzen in ihrer Brust schlagen. Und zum anderen habt ihr sie wahrscheinlich auch schon in ganz unterschiedlichen Rollen kennengelernt, garantiere ich euch. Denn Karin ist Buchautorin und zwar nicht irgendeine, sondern sie hat das erfolgreichste deutsche Sachbuch des Jahres 2023 geschrieben, war sechs Monate lang Spiegel-Bestseller-Autor Nummer eins, hat zwei goldene Schaltplatten für ihr Hörbuch dazu bekommen und auch sonst ist sie super krass unterwegs. Sie hat 24 Jahre lang Performance-Coachings für die Businesswelt gegeben. Heute macht sie allerdings nur noch Speed-Coachings. Das heißt, normale kriegt ihr da nicht mehr. Aber ihr merkt schon, bei der Karin ist richtig was auf dem Tacho. Also viel Erfahrung, viel gesehen. Deswegen bin ich natürlich total neugierig, heute von ihr einiges zu erfahren, denn ich habe auch schon an ihren großartigen Events beigewohnt. Sie macht in regelmäßigen Abständen, jetzt vor allem in Berlin, deine beste Version. Und dann wollen wir natürlich mal wissen, was hat denn die beste Version Karin Kuschik so seit 20 mitgelernt und hätte sie vielleicht schon damals gerne gewusst. So, von daher, that being said, liebe Karin, ich freue mich total, dass du da bist. Hello!
Karin Kuschik: Na, das ist ja eine Antwort. Hallo! Wir können eigentlich direkt irgendwie das Closing machen. Das war ja irre. Vielen Dank. Danke, dass ich eingeladen bin.
Joel Kaczmarek: Ja, viel höher geht nicht mehr, ne? Also ist ja auch wirklich toll, was du so erreicht hast. Und ist dein Leben so ein bisschen auch in so Phasen geteilt gewesen eigentlich? Wenn ich so ganz kurz nochmal da Revue passieren lasse, was du alles schon gemacht hast. Also hattest du so eine Radiophase, eine Businessphase, eine Buchphase oder ging das alles zueinander über?
Karin Kuschik: Das wäre ja schön gewesen, wenn das so gewesen wäre. Nee, es waren mindestens immer drei Berufe gleichzeitig. Also zum Beispiel Wenn ich die Frühsendung moderiert habe im Radio, was ja von vier, also halb vier angefangen und dann morgen war Schluss. Dann habe ich ja den ganzen Tag frei gehabt. Dann habe ich da noch Songs geschrieben als Textdichterin. Dann war ja auch irgendwann mal Urlaub. Dann konnte ich da ja auch wunderbar als Event-Moderatorin arbeiten. Dann konnte mal ein Film geschossen werden. Es waren immer mindestens drei, die sich dann so abgewechselt haben. Also wie so ein großes Meer mit vielen, vielen Wellen.
Joel Kaczmarek: Und ich darf dir ja gestehen, bei dir bin ich besonders neugierig auf deine fünf Dinge, weil ich glaube, bei dir erwarte ich so eine ganz große Verdichtung auf eine Art, weil du hast schon derartig viel gesehen bei derartig vielen Menschen, dass ich natürlich total neugierig bin. Es ist dir wahrscheinlich sehr leicht gefallen, fünf Dinge zu benennen. Also zumindest hat es einen großen Fundus. oder fiel diese Lektion dir schwer?
Karin Kuschik: Am Anfang dachte ich, ich habe überhaupt nichts, weil ich vieles mit 20 genauso machen würde wie heute. Ich glaube, ich war einfach niemals 13 oder 18 oder so. Ich war gleich von 12 auf 30. Ich war immer so eher ein bisschen zu erwachsen, ein bisschen zu abgeklärt vielleicht. Mich hat immer jeder gefragt, wie soll ich das machen, Karin? Was denkst du? Und auch wenn ich wenig Erfahrung manchmal auch gar keine hatte, dann war ich mir trotzdem sicher mit der Antwort. Und die hat auch tatsächlich gestimmt. Wenn zum Beispiel eine Freundin auf dem Schulhof gejammert hat, der hat schon eine Freundin und ich bin so verliebt in ihn, dann dachte ich meistens und habe es auch gesagt, na ja, jetzt. Aber irgendwann ja auch nicht mehr. Das Leben ist doch Veränderung. Also ich habe immer den Faktor Zeit so einkalkuliert. Und deswegen fand ich vieles gar nicht so schlimm, weil ich dachte oder wusste, es ändert sich ja sowieso wieder. Das Leben ist Veränderung. Und deswegen konnte ich immer recht leicht loslassen. Und deswegen dachte ich auch, das Dritte deswegen in einem Satz, was soll ich denn jetzt in der Sendung, oh Gott, ich kann ja jetzt schlecht sagen, ich hätte alles so gemacht und richtig, hätte ich auch nicht.
Joel Kaczmarek: Ja, ist auch ganz interessant, wie Menschen da unterschiedlich drauf blicken. Ich sehe es immer gar nicht so sehr, dass man sagt, das hätte ich mir gerne mit 20 gesagt, weil dann hätte ich mein Leben anders geführt, sondern ich sehe es immer eher wie so ein Destillat. Also was ist so das beste Learning, was man mitgenommen hat, seitdem man 20 war. Von daher bin ich aber neugierig, was so dein Zugang dazu war. Was ist denn, dann starten wir mal direkt rein, was ist denn so das erste Ding, das du gerne mit 20 gewusst hättest?
Karin Kuschik: Na, vielleicht, dass ein Um-Zu keinen Sinn macht. Also ich war immer so der Typ, ich mache das, um dann mir die Reise nach Thailand leisten zu können. Oder ich bin beim Radio, um das Geld für den Studienjob zu verdienen. Oder der Job macht zwar keinen Spaß, aber ich mache das, um woanders hinzukommen. Und das würde ich in der zweiten Runde oder wenn ich es jetzt sehen würde und so eine 20-jährige Karin treffen würde, dann würde ich sagen, ach Schatzi, Das geht auch ganz anders. Du musst gar nicht umzumachen. Du kannst ja auch einfach da sein, wo du bist und es dort, wo es ist, leicht nehmen, weil alles andere ist ein bisschen eine leichte Vergewaltigung der eigenen Seele, oder? Wenn man sich so hergibt, weißt du, für Dinge, die einem nicht gefallen.
Joel Kaczmarek: Ja, du hast ja auch schon mal ein tolles Gespräch geführt mit John Strelecky und hast uns ja auch zusammengebracht. Der kommt demnächst ja auch und der hat ja ganz stark ….
Karin Kuschik: Ah, hat's geklappt, ja?
Joel Kaczmarek: Ja, ja.
Karin Kuschik: Ah, toll. John ist cool.
Joel Kaczmarek: Und der hat ja auch ganz stark so dieses, jeder Mensch hat einen Zweck der Existenz und viele Menschen machen dann was, um etwas zu. Also genau wie du es gerade gesagt hast. So ein bisschen ist es ja fast so wie Missionary versus Mercenary. Also der eine macht was aus Mission, der macht es gerne und der andere macht es so wie so ein Söldner und dann zahlst du eigentlich immer auf was ein, was gar nicht deins ist. Ist das die Richtung, die du auch damit meinst?
Karin Kuschik: Ja, ja, total. Also es wäre doch viel schöner, wenn wir das, was wir machen, einfach machen, weil wir es jetzt machen wollen. Und nicht, weil es ein größeres, höheres Ziel war es dann irgendwann. Weil das schürt ja nur Ungeduld und wenig Dankbarkeit dann auch. Und so eine Hetzjagd, das ist ja total anstrengend im Rückblick. Also das war mir natürlich nicht klar. Sonst hätte ich es vielleicht gelassen. Aber heute würde ich denken, what? Nee, das geht doch besser. Ja, Purpose in Life, das ist natürlich Johns Thema ja sowieso, ne?
Joel Kaczmarek: Ja, du hast mal lustigerweise, ich habe mit dir mal so ein Sprachnachrichten-Bingo mir gegeben und wo ich so meinte, ja, du guck mal, ich habe hier dies und das, ich überlege, ob ich das machen soll, aber so und so, was denkst denn du? Und dann hast du mir so schön gesagt so, Joel, das ist doch ganz einfach, da gibt es einen Namen für, was du da meinst, das nennt man Anschaffengehen.
Karin Kuschik: Das habe ich gesagt?
Joel Kaczmarek: Ja.
Karin Kuschik: Okay.
Joel Kaczmarek: Du kannst das machen, um Geld zu kriegen, wovon du dann das machst, worauf du Bock hast und dann kannst du zwei Dinge tun. Entweder sagst du, nein, ich bin mir zu schade fürs Anschaffen gehen, ich mache lieber das, was mir so wichtig ist in the first place oder du sagst, ich verändere meine Einstellung dazu. Dann dachte ich so, ja, guter Punkt.
Karin Kuschik: Genau, weil das ist ja, das ist das, was ich gerade meine. Man kann ja, jeder kann ja immer die eigene Einstellung verändern. Das ist ja oft so ein Abreißkalenderspruch, aber in real life ist es ja ein Fakt. Natürlich kann ich entscheiden, wie ich mich fühlen will. Wer denn sonst? Kommen ja nur die wenigsten drauf. Man denkt so, es ist so ein Abreißkalenderspruch. Ja, wie soll das gehen? Wie soll das gehen? Ja, wie soll das gehen? So wie es immer geht. Wenn du an was Schönes denkst, geht es dir gut. Wenn du an was Blödes denkst, geht es dir blöd. Das entscheiden ja wir, wie wir uns fühlen. Das entscheiden wir durch die Gedanken, die wir denken.
Joel Kaczmarek: Und jetzt hören wahrscheinlich ganz viele Menschen zu, die genauso in diesen Hamsterrädern drin sind, die du beschrieben hast. Dieses um zu, ich gehe bis nachts arbeiten, um das Geld zu kriegen und dann zu dem und dem zu kommen. Kannst du vielleicht nochmal auseinandernehmen, wie du es heute machen würdest? Also wie sieht das genau aus? Was ist die Alternative dazu?
Karin Kuschik: Na, mir in dem Fall klar werden, wer ich bin, was ich will, ob es mir gut geht, da, wo ich gerade bin. Also Bewusstsein, ich glaube, das ist ja sowieso das, was der Welt gerade extrem fehlt. Wenn ich nur ein Wort nennen dürfte, wäre es auf jeden Fall Bewusstsein. Und Achtsamkeit kann man dann auch sagen und diese ganzen inflationär bewusst geprägten anderen Begriffe. Aber kriegt eigentlich noch jemand mit, was ist, was wir selbst anbieten, was wir sagen, was die anderen sagen, was wir wollen, lieber wollen und so weiter. Und ich glaube, das führt eigentlich, wenn ich jetzt gerade mal so spontan bin, auch zu einem zweiten Punkt, den ich bis eben gar nicht wusste. Und zwar würde ich mir auch raten, dass ich weniger Weniger ist ja defizitäres Denken. Mehr agiere, mehr Entscheidungen bewusst selbst treffe, weil ich war jemand, der fast nur reagiert hat im Leben. Also es wurde irgendwas an mich herangetragen, hier kannst du mal die Frühsendung moderieren, achso, ja wieso und ich, ja blablabla, ja okay, so. Aber gar nicht überlegt, ja Entschuldigung, ich wollte eigentlich gerade nach L.A. gehen und Film studieren und so. Ich habe mich so leicht ködern lassen, rausholen, rausbringen lassen. Und damit habe ich extrem spät angefangen mal zu sagen, okay, was will ich denn jetzt eigentlich? Vielleicht erst vor zehn Jahren oder sowas. Also mitkriegen, was ist, tut mir das gut, wo ich gerade bin? Möchte ich dahin, wo ich gerade hin will? Immer noch, hat sich vielleicht was geändert? Will ich mich so behandeln lassen? Stelle ich mir vielleicht gerade selbst ein Bein? Also diese Fragen mal stellen, das ist die Antwort auf deine Frage. Und schon hast du ja wieder das Gefühl, ach so, ich kann ja selbst bestimmen, wie ich mich fühle. Stimmt, ich kann ja auch sagen, ich habe mich umentschieden, ich steige da lieber aus. Zum Beispiel trauen sich ja die wenigsten nicht. schon gar niemand, der gern zuverlässig ist, weil ich im Extremmaß bin. und trotzdem darf ja ein zuverlässiger Mensch auch sagen, ich habe mich geirrt, ich habe mir zu viel vorgenommen, ich habe es falsch eingeschätzt, ich möchte lieber zurücktreten. Also das hätte ich mir gern mal früher gewünscht, so eine Einsicht, weißt du?
Joel Kaczmarek: Gab's bei diesem Doppelpack an Dingen, die du gerade gesagt hast, die mit zwanzig vielleicht hilfreich gewesen wären zu wissen, so einen Moment? Also ich weiß ja, du bist ja auch jemand, der selber Geschichten lebt. Also du erzählst dann irgendwie Toskana 1999, die Sonne schien und jetzt das und das passiert. Gab es da sowas bei dir, wo du gesagt hast, ich weiß noch hier dieses Thema, mein Umzu habe ich losgelassen als, oder war das so ein schleichender Prozess?
Karin Kuschik: Ach, das war bestimmt mal bei irgendeiner furchtbaren Messemoderation. Also ich weiß auf jeden Fall ein Ding, da Messemoderation, habe ich ja ganz lange gemacht, weil ich ja nie gesehen werden wollte, was wir ja auch heute wieder mitkriegen, dieses. ein Audio-only. Ich mag einfach Kamera nicht sonderlich. Und deswegen, weil ich eben gerne und sehr gut moderiert habe und es auch gern gemacht habe, aber eben nicht gesehen werden wollte, bin ich natürlich auf Messen gegangen, weil da war jetzt nicht das große Publikum, das war ja kein Fernsehen. Und da konnte ich das ja schön machen. Und dann sollten wir uns immer blocken, alles blocken. Block dir mal die Druckpapiermesse, block mal die IFA, block mal hier, block mal da. Und dann war da monatelang überhaupt nichts. Und dann haben natürlich auch andere Event-Agenturen schon denselben Zeitraum geblockt und es hat mich wahnsinnig angestrengt, dass ich nie wusste, woran ich bin und was klappt denn jetzt davon und immer nachhaken und vertröstet werden oder so. Und irgendwann dachte ich, da bin ich denn verrückt? Also ich blocke mir ja überhaupt nichts. Und dann habe ich meiner Agentur gesagt, wir entscheiden jetzt, wie lange wir blocken. Also der Spruch war von dem Moment an, den kann ich jedem raten, den mache ich immer noch, Immer noch, wenn jemand mich wegen irgendetwas anfragt, sage ich, ich kann mir das gerne bis zum, meinetwegen, 15. September blocken. Und danach gebe ich den Termin für andere Kunden wieder frei, damit mein Leben weiter rollen darf. So, da kam ich wahnsinnig spät drauf. Die Agentur offenbar überhaupt nicht. Und das hat mein Leben so erleichtert, als ich das mal mitbekommen habe. Und das Tolle ist ja, du kennst das, wenn du so einen Game Changer hast, ändert sich ja wirklich das ganze Spiel, nicht nur meins, sondern das ganze Spiel heißt, die Agenturen und die Anfragen, die da kamen, die haben sich alle geändert. Nicht nur ich habe mich geändert, die haben sich auch alle geändert, früher Bescheid gesagt, noch vor der Deadline und so, weil was du ausstrahlst, ziehst du halt auch an.
Joel Kaczmarek: Ich wollte gerade sagen, es geht um Magnetismus, was du beschreibst, glaube ich.
Karin Kuschik: Ja, auf jeden Fall. Ja, ja, ja. Und ich war immer ein sehr guter Magnet, deswegen natürlich auch, wenn ich blöd war, also diffus war blöd, ist jetzt ja auch blöd. Also diffus war in meiner Ausstrahlung oder im Mangel oder so, na ja klar, habe ich natürlich Mangel angezogen. Oder eben Diffusität, logisch. Und wenn ich halt klar war, was ich Gott sei Dank meistens war, dann habe ich halt große Klarheit angezogen. Und das Allermeiste ändert sich ja sofort, wenn wir entscheiden, zum Beispiel aus dem Mangel auszusteigen. Also aus, wie du jetzt damals mir drauf gesprochen hattest, aus so einem Anschaffungsjob auszusteigen und zu sagen, nee, ich schaffe hier gar nichts an. Ich lasse jetzt mal die Sache mit den Lacklederstiefeln. Ich mache jetzt das, was ich will. Weißt du, wie ich meine? Wo sind wir denn?
Joel Kaczmarek: Sag mal, du hast ja selber gesagt, das ist alles entscheidend. Von daher sag gerne, wie weit du da bei dem Thema gehen möchtest. Aber du hast eben das mit dem Thema gesehen werden und Video gesagt. Das ist eigentlich ein bisschen off-topic zu unseren fünf Punkten, aber da bin ich bei dir immer wieder neugierig drauf. Ich habe das bis heute noch nicht so ganz verstanden. Wie kam es für dich, dass du so das Thema Stimme hast? Also, dass du gesagt hast, ich möchte gerne im Radio sein. Ich verleihe dem Ding eine Stimme. Ich möchte ein Buch schreiben. Da wird meine Stimme in geschriebene Worte gesetzt, weil …. Du hast, glaube ich, mal bei deinem Event, wo ich warst, du mal gesagt, du hättest auch Wetten, dass? moderieren können. Und ich saß da und habe gedacht, das glaube ich dir. Wie kommt es? Also am Aussehen kann es nicht liegen, du siehst ja extrem gut aus, an der Sicherheit auch nicht. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Karin Kuschik: Ich glaube, jeder von uns ist so. Jeder ist ja so, dass er lieber Zimtschnecken isst als Bockwürste oder lieber nach Italien fährt als nach Thailand. Und bei mir ist es halt ganz genauso. Ich war halt, wie gesagt, immer schon sehr bewusst. Mir ist es natürlich klar gewesen, dass ich ja viel lieber mein Privatleben habe, als erkannt zu werden. Finde ich auch völlig naheliegend, dass man lieber privat ist, als erkannt zu werden. Dann hast du halt deine Ruhe, deinen Space, da sind wir wieder, kann ich selbst entscheiden. Möchte ich jetzt da und da hingehen oder nicht? Also Brad Pitt kann das ja nicht entscheiden oder Iris Berben oder wer auch immer kann es nicht entscheiden oder neue, junge, 15-jährige TikToker. Die wollen das ja wahrscheinlich auch. Ich will das nicht. Ich will meine Ruhe, mein Privatleben und alles hat seinen Preis. Und ich finde immer, you can't have the cake and eat it. Also man darf es halt entscheiden. Was will ich mehr? Und Ruhe und Privatleben war mir egal. Immer wichtiger. Und mir war natürlich klar, wenn ich zum Fernsehen gehe, na dann nicht, um auf Sat.1 das Wetter zu moderieren, sondern dann wäre es halt zimmerfrei gewesen. Oder wäre denn das, weil das hätte mich am meisten interessiert und sowas kann ich halt auch total gut. Das liegt mir einfach. Andere Sachen hätten mir nicht gelegen. Nachrichten würden mir überhaupt nicht liegen. Ich wäre so eine grottenschlechte Nachrichtensprecherin. Hilfe! Ja, oder Tagesthemen. Oh, bitte nicht. Aber so, wenn man lachen darf und wenn es um viele Sprachen geht und Interviews und Ding-Dong-Dang und Tiefe leicht und oberflächlich erzählen, das ist ja großartig, diese Kombination. Also das hätte ich natürlich gerne gemacht, aber den Preis wollte ich nie zahlen.
Joel Kaczmarek: Aha, schön. Und da schließt sich ja eine schöne Frage an, mit dem wir diese beiden Punkte eigentlich abhandeln können. Also sowohl wie du von deinem Umzu weggekommen bist, als auch wie dir klar war, mehr ins Agieren zu kommen. War dir das angeboren? War dir das sozialisiert, dass du immer wusstest, was du willst und was du nicht willst? Oder ist es was, was du dir erarbeitet hast?
Karin Kuschik: Naja, nee, ich wusste es ja eben nicht, sonst hätte ich ja öfter mal Nein gesagt oder gemerkt, ich lasse mich ja hier wie so eine Billardkugel über den Tisch ballern. Das ist mir erst später aufgefallen, aber immerhin ist es mir irgendwann aufgefallen. Auf jeden Fall, nee, also Klarheit ist mir ganz mit Sicherheit in die Wiege gelegt worden. Also Klarheit liebe ich und so krank kann ich gar nicht sein, dass ich unklar werde. Also das ist, glaube ich, so mein Ding. oder auch die Fähigkeit, Kompliziertes einfach zu erklären oder so, das ist auch in der absoluten Höchstleistungsphase, die ich jetzt gerade zweieinhalb Jahre hatte, immer noch drin gewesen. Vieles andere ist links und rechts runtergefallen, aber das blieb immer gleich.
Joel Kaczmarek: Gibt es ein Werkzeug, was du Menschen, die jetzt zuhören und sagen, ich wünschte mir diese Kleid, manchmal für mich empfehlen kannst? Also außer 50 Sätze, die das Leben leichter machen, sind einige Werkzeuge drin?
Karin Kuschik: Ja, das Buch ist schon auf jeden Fall das Tool für mehr Selbstführung und Souveränität, aber ich möchte ja gar keine Buchreklame machen, sondern es gibt so viele Tools. Es fängt ja schon morgens an, die meisten stolpern ja in ihren Tag. Ich kenne jetzt natürlich nicht die meisten auf dem Planeten Erde. Aber was ich so höre, auch auf Insta, was selbst bei mir, das sind ja unfassbar tolle, wertschätzende, sehr gebildete auch und bewusste Menschen, trotzdem auch da ist es so, ich stolper hier so rum, wie kann ich denn mal anfangen? Naja, am besten mit einem Ritual, also am besten mit einer Gewohnheit. Oder auschecken, ins Bett gehen mit einem Abendritual oder sowas. Da habe ich auch viele kreiert, die man sich einfach anhören kann. Auch da wieder Audio. Hätte ich auch ein Video machen können. Nein. Oder kleine Tools, Lifehacks. Ich liebe ja so One-Minute-Hacks, wo es dann ganz schnell einfach gut wird für uns. Also auf jeden Fall Fragen stellen. Wir stellen uns ja, glaube ich, alle die falschen Fragen. Soll ich das machen? Ist so eine dumme Frage. Was willst du denn auf so eine Frage antworten? Die Antwort ist logischerweise, ich weiß es nicht. Weil du musst es ja nicht wissen, damit du überhaupt fragst, soll ich das machen? Also bringt ja die Frage gar nichts, außer dass sie dich an den Anfang zurückbringt, dass du halt nicht weißt, was du machen sollst. Aber wenn du fragen würdest, tut mir das gut, ja, oder verbessert sich meine Situation dadurch? Oder, weißt du, also ganz konkrete, geschlossene Fragen. Ja, das ist doch super. Da kommen wir ganz schnell weiter, ganz, ganz schnell weiter.
Joel Kaczmarek: So, zwei Punkte haben wir durch. Was ist so? die dritte Sache, die du gerne schon mit 20 gewusst hättest?
Karin Kuschik: Ich habe neulich gedacht, wusste ich gar nicht, dass das noch da ist, das Thema, aber dummerweise scheint es der Fall zu sein, denn ich habe es wieder erlebt. Erklärtdruck. Kennst du das? Erklärtdruck, dass du dich rechtfertigen willst oder irgendjemandem unbedingt erklären willst, wie du bist und warum das jetzt richtig ist, wie du das machst? Kennst du das?
Joel Kaczmarek: Ja, absolut.
Karin Kuschik: Ist das bitte anstrengend?
Joel Kaczmarek: Ja. Oder?
Karin Kuschik: Also ich hätte, würde mir jetzt einen 21-Jährigen und mir heute auch noch manchmal den Rat geben, hör doch mal bitte auf, so viel zu erklären und weniger auch wiederholen. Also ich hatte sehr viel Ausdauer auf dem Gebiet der Wiederholung und völlig sinnlosen Nachhinein, finde ich. Weil nicht jeder, der Ohren hat, kann ja auch hören. Wir hören ja immer nur das, was wir auch verstehen können. Und alles andere, was wir nicht verstehen können, weil wir halt ganz anders sind, das interpretieren wir ja radikal um. Und deswegen bringt es halt so wenig, sich selbst zu erklären, weil die anderen machen das mit uns natürlich genauso. Das ist oft sinnlos, was zu erklären, weil die anderen ja nur hören, was sie hören würden, wenn sie das gesagt hätten. Also Kommunikation ist ja irre. Manchmal denke ich, ich kaufe mir so ein T-Shirt, da steht Miss, neues Wort, Verständnis drauf. Ich verstehe immer so viel. I'm fucking Miss Verständnis. Aber es bringt ja überhaupt nichts, wenn der andere nichts versteht. Also so gar nichts. Und neulich ging es mir halt so, da habe ich was erklärt und erklärt und erklärt und denke, was redest du dich hier eigentlich im Kopf und Kragen? Und Fakt ist, die Frau hat überhaupt nicht verstanden, was ich gemeint habe. Habe ich ja in ihren Antworten gemerkt. Und anstatt da mal Ruhe zu geben, zu sagen, ach, let's agree to disagree, wir kommen gar nicht zusammen, das passt gerade nicht, war ich dann auch noch enttäuscht von mir, dass ich es nicht besser rübergebracht habe. Das ist ja Blödsinn. Also wir sehen, ich sage es so, Joel, eigentlich ist das ja hier ein Dschungel. Und wir sind alle Menschen, deswegen denkt jeder, das ist auch ein Mensch und dann besteht ja alles, was ich sage. Nein. Der ist vielleicht ein Löwe und du bist vielleicht ein Adler. Und zu einem Löwen wird ein Adler ja immer sagen, warum fliegst du nicht einfach weg? Und eine Antilope ist ja kein Regenwurm und eine Amsel ist keine Ahnung, Eichhörnchen und so weiter. Also wir sind so unterschiedlich, wir vergessen das nur oft und deswegen erklären wir uns zu Tode und ich manchmal auch und Das ist ein tolles Ding, einfach mal zu sagen, wie gesagt, oder einigen wir uns doch drauf, dass wir uns nicht einigen. Ist jetzt eben so.
Joel Kaczmarek: Ja, ich glaube, du hast mal zu mir gesagt, also war gar nicht nur ich one-on-one, sondern auf deiner Session, in deinem Event, jeder von uns ist an einem anderen Ort und jeder gibt sein Bestes. Und das fand ich irgendwie ganz interessant. Und ich weiß nicht genau, was du meinst, weil ich habe vor ein paar Tagen meinem Vater telefoniert und dann hatte der bei Facebook einen Post von mir gesehen, dass bei mir ein Medium und eine Hexe im Podcast war und in die Zukunft sehen. Ich hatte sie fälschlicherweise als Wahrsagerin reingeschrieben, das tat mir ein bisschen leid.
Karin Kuschik: Hat sie das gestört? Oder hat dich das gestört? dann im Endeffekt?
Joel Kaczmarek: Eigentlich mich, weil mir ist immer wichtig, korrekt zu sein, was die Leute angeht. Und sie hat es mir im Podcast gesagt, ich bin mediale Beraterin. Und dann habe ich meinem Vater erzählt, dass ich umziehe ins Grüne. Und dann habe ich einen Vortrag bekommen. Ja, aber du weißt schon, dass das nicht geht mit dem in die Zukunft gucken, dass das Blödsinn ist, das ist Hokuspokus. Weißt du, dann wollte er mich so reinziehen in so eine Erklärung, dass ich jetzt erkläre, ob das richtig ist oder nicht. Bei der Wohnung dann genau dasselbe. Da kam dann, ja, warum ziehst du nicht zu mir? Hättest dir viel billiger gegeben. Und irgendwann sagte ich dann, weißt du, Papa, hätte mich auch gewundert, wenn du einfach mal gesagt hast, hast du gut gemacht mit der Wohnung, ist ja ein spannendes Thema mit der Frau. Und dann drehte sich das auf einmal. Nein, so habe ich es ja gar nicht gemeint. Und manchmal haben die Leute ja auch gute Absichten, aber der Zugang des Werkzeugs ist irgendwie ein falsches.
Karin Kuschik: Oder halt das Bewusstsein hat ihm ja gefehlt, dass er es gar nicht so gemeint hat. Also wenn er es nicht so gemeint hat, würde ich jetzt mal denken, warum hat er es dann gesagt? Also da stimmt ja irgendwas nicht. Das ist ja eine Doppelbotschaft. Also was stimmt jetzt, dass er es so gemeint hat oder dass er es nicht so gemeint hat. Auf jeden Fall haben wir es hier mit einem Lack, also mit einem Manko von Bewusstsein zu tun. Und was ich ja auch ganz oft mitkriege, die Menschen haben Angst vor Dingen, die sie nicht verstehen, was völlig menschlich ist. Und anstatt dann offen zu sein und zu fragen mit, wow, war es eine Wahrsagerin, eine Hellseherin? oder Claire Boyant heißt es ja auf Englisch. Also dieses Hellsehen, das wusste ich, das habe ich nie dran, habe ich Vergangenheit netterweise nie dran geglaubt bisher. Ich kenne mich da gar nicht aus. Oh, jetzt sind wir schon bei der Wahrheit. Du kennst dich nicht aus. Erzählen Sie doch mal, was darf ich mir darunter vorstellen? Also wenn ich was nicht weiß, dann frage ich halt so. Aber ganz oft ist es ja so, wir wissen was nicht. Da haben wir Angst davor, dass wir das nicht wissen. Und dann haben wir vorsichtshalber schon mal eine Meinung. Und Meinung ohne Ahnung, na ja gut, das ist natürlich die Definition von Vorurteil. Das ist natürlich dann so. Aber toll, dass er zurückgerudert ist im Endeffekt. Hat er sich es denn angehört? Weißt du das?
Joel Kaczmarek: Ist noch nicht live, ich schicke es ihm dann mal.
Karin Kuschik: Mir auch, das will ich unbedingt hören.
Joel Kaczmarek: Oh ja, mache ich gerne.
Karin Kuschik: Weil ich bin offen. Bei allem, was man nicht sehen kann, bin ich sehr offen, weil ich laufend Dinge erlebe, die ich nicht sehen kann und die trotzdem da sind.
Joel Kaczmarek: Hast du denn Fähigkeiten in dem Bereich? Bist du selber auch irgendwie medial oder spürst du Energien oder was in der Art?
Karin Kuschik: Ja, auf jeden Fall.
Joel Kaczmarek: Nee, und deswegen, also ich finde das ganz spannend, vor allem ich habe mal eine interessante Technik kennengelernt, meine Frau mir mal erzählt von Bea Beste. Bea macht so ganz viele, so für Kinder ganz viele Sachen. Die hat früher auch so eine Bastelbox für Kinder gebaut und dann hat die mal als Technik sich entwickelt, wenn jemand was zu ihr sagte oder dann auch so einen Druck aufbaute mit dem, was du meintest, diesen Erklärdruck. Dann hat die immer wiedergegeben, so paraphrasiert, was derjenige gerade gesagt hat. Also Bea hätte in der Situation zum Beispiel gesagt, ach so Papa, du denkst also, ich bin irgendwie nicht schlau genug, eine richtige Wohnung zu finden, weil sonst hätte ich das getan, dann hätte ich ja bei dir in der Nähe was gefunden, wo es dir gefällt und hätte irgendwie weniger Geld vielleicht gezahlt. Meinst du das damit? Und wenn man das den Leuten manchmal so paraphrasiert, so zurückdreht, dann merken die manchmal, was erst beim anderen angekommen ist und dann geht ja nochmal so ein ganz anderer Film auf, ja. Das fand ich ganz spannend.
Karin Kuschik: Ja, das ist eine Interpretationsfrage oder eine Definitionsfrage. Du meinst also, dass dieses also ist das Wichtige bei dieser Fragetechnik, wo man ja extra die Menschen falsch versteht, ne. Also dann so ein Paradoxon rauskitzelt auch. Also schöne Technik auf jeden Fall. Mhm.
Joel Kaczmarek: Und wie findest du für dich immer so die Mitte, wenn du sagst, du willst dir nicht zu viel Erklärdruck machen, aber manchmal hat ja gerade ein Mensch wie du trotzdem den Wunsch, einen Punkt rüberzubringen oder ein Wissen oder eine Lösung.
Karin Kuschik: Zu den richtigen Menschen gehen. Also sofort aufhören, jemandem, der nicht hört, was ich sage, irgendwas zu erklären. Weil das bringt ja, ich würde ja nicht nach dem 15. Mal sagen, ah nee, voll gut, krass, habe ich jetzt verstanden. War doch noch nie so. Also ich hatte neulich ein Gespräch, da bin ich ja bald durchgedreht, viele Menschen, die oder einige Menschen, die viel Verantwortung übernehmen und auch eigene Firmen haben und sowas, haben mir in letzter Zeit gesagt, boah, was ist eigentlich los? Wo sitzen eigentlich die ganzen, die noch arbeiten wollen? Sind die alle am Baggersee? Sind denn alle ausgewandert? Wer will denn in diesem Land noch irgendwas? Finanziere ich jetzt alle Baustellen in Deutschland allein? Also so dieses sehr schwarz-weiße Denken, was ich voll nachvollziehen kann, bringt natürlich nichts. Ich kann es aber trotzdem nachvollziehen, habe auch manchmal schon gedacht, boah, was ist denn hier los, dass keiner mehr E-Mails beantwortet, dass ich jetzt auf dem Kudamm fahren muss, fast die Tür eintreten muss bei einem Zahnarzt, weil halt keiner abhebt. Übrigens exakt zwei Monate lang. Also ist es denn überhaupt noch wahr? Aber fairerweise gab es dann auch keine Online-Termine. Also das ist ja auch irre. Und trotzdem, ich wollte was ganz anderes erzählen. Und die Frau hat aber immer nur gehört, ach toll, die Karin bläst mit mir ins selbe Horn. Nee, nee, nee, nee, nee. Ich wollte erzählen, es ist so wahnsinnig störend gerade, so viele Dinge und das, was mich am meisten stört, ist, dass es mich stört. Also die anderen stören mich eigentlich gar nicht. Ich störe mich, dass ich seit neuestem gestört bin, weil früher habe ich das alles weggeatmet und dachte, naja gut, die Welt ist bunt und rund, jeder darf doch denken, was er will, ich auch. Und seit neuestem, durch diesen sehr erhöhten Druck, den ich aus vielen Gründen gerade habe, hatte, immer schön positiv in der Vergangenheit formuliert, stört es mich plötzlich und ich möchte gar niemand sein, den das stört. Schon gar nicht, wenn man ein Buch schreibt, wo das erste Kapitel heißt, wer mich ärgert, bestimmt immer noch ich. Also ich bin ja keine Mogelpackung, weißt du? Und das fand ich so, da war ich nicht sehr gnädig mit mir selbst und da hätte ich so gerne mal mit jemandem drüber geredet, ging ja aber gar nicht, weil es ging immer nur darum, wie doof die Leute sind, wie blöd und wie unempathisch und dass keiner mehr Auto fahren kann. und dann dachte ich, oh, weißt du was, jetzt ist mal gut. Kennst du das, dass die Leute sich so krass beschweren in letzter Zeit?
Joel Kaczmarek: Absolut, absolut. Ist so, oder? Also manche Menschen funktionieren ja auch richtig nach dem Prinzip, dass das irgendwie so ihre Art ist, in Beziehung zu gehen oder… Also manchmal habe ich das Gefühl, es sind so Schleifen.
Karin Kuschik: Wie, was für Schleifen?
Joel Kaczmarek: Naja, zum Beispiel Tanja sagte zu mir, also Maria Niermeier, die das Medium, von dem wir gesprochen haben, in der Folge, genau, die hat zum Beispiel gesagt, weißt du Joel, wenn meine Mama anruft, dann läuft es immer so ab, dann sagt sie immer, hallo Mausi, Mausi bin ich und dann erzählt sie mir, warum es ihr so schlecht geht. Und dann lege ich das Telefon auf und dann sage ich zu meinem Mann, ach Schatz, meiner Mutter geht es richtig gut, weil es ist so ihre Art. auf die Welt zu sehen. Und das merke ich bei manchen Menschen in meinem Umfeld auch, dass ich so denke, also wenn mein Vater motzen kann, dann geht es dem gut. Aber ich tue mich schwer damit, dann einen Umgang zu finden, der auch für mich konstruktiv ist.
Karin Kuschik: Ja, in letzter Zeit tue ich mich auch schwer. Gott sei Dank ist meine Mutter ein absolut positiver Mensch. Die meldet sich schon immer mit Hallihallo. Und mittlerweile habe ich mir auch angewöhnt, nicht jetzt, na, was ist denn zu sagen, sondern einfach 40 Sekunden zu warten, bis das komplette Ding abläuft. Ach, der Fernseher ist ja noch am Klingklangklang, da haben wir die 300 Dezibel runtergedreht, die der Nachbar bestimmt auch jetzt toll findet. Dann so, krass. Hörer dreimal runtergefallen. Dann so, da, wo bist du denn, Mummelchen? Da bist du. So, jetzt bin ich da. Ach, warte mal kurz. Nase geschnorst und dann so, na, wie ist es? Und früher habe ich mich so aufgeregt, weil ich, hallo, ich rede schon, ich rede. Und jetzt denke ich, ach, legt man Hörer noch in die Vase, dauert noch ein bisschen. Und So ist es dann auch. und wenn sie dann Hallo sagt, bin ich voll da und so. Da darf man natürlich seinen Umgang mit finden, aber frag mich mal, das hat ein halbes Jahr gedauert, hätte ich auch gleich drauf kommen können, weißt du?
Joel Kaczmarek: Sag mal, mal umgekehrt gefragt auch, wenn du hier über das Thema Erklärdruck redest, wie ist es denn bei dir, wem hörst du denn zum Beispiel eigentlich super gerne zu? Wer sind so Menschen, von denen du gerne Wissen aufnimmst, weil sie vielleicht das auf eine sehr angenehme Art machen oder auch dies selber reichern?
Karin Kuschik: Naja, da war die Antwort in der Frage, Menschen, die eben angenehm sind. Also wenn jetzt einer Ich, Ich, Ich mit einem hohen Sendungsbewusstsein kommt, dann höre ich natürlich nicht gerne zu, weil das ist ja nie die, da geht es ja scheinbar um Mangel, da ist ja einer zu kurz gekommen, deswegen brauche ich halt 47 mal Ich pro Absatz. Das ist natürlich so ein bisschen anstrengend. Ich finde Menschen toll, die wissbegierig sind, viele Fragen haben und es gibt, nicht weil ich die gerne beantworte, sondern Fragen an sich meine ich jetzt, also an sich selbst. Und ich finde Menschen toll, die völlig andere Wege gegangen sind als ich. Es ist jetzt egal, ob das jetzt eine Seherin ist zum Beispiel oder jemand, der in Kuba oder auf Kuba lebt. Zigarren rollt und elf Kinder hat oder so. Also das fand ich ja auch im Journalismus immer so toll, an den Reportagen und auch, wenn ich Filme gemacht habe oder egal, dass man ja oder ich in Situationen reinkommt, da kommt ja keiner. Wer steht denn vorne in einem Zughäuschen drin von der S-Bahn und hört sich von einem S-Bahn-Schaffner an, naja, wir sind fast sowieso alle Alkoholiker, wissen Sie, wie dunkel das hier ist und wie stupide und ich so, äh. Mein Vertrauen in die BVG sinkt gerade. Das war vor 25 Jahren. Gleich mal alle, die jetzt durchdrehen wollen, reingeschoben. Und ich habe es auch nicht gesendet, obwohl ich es als O-Ton hatte. Aber das sind natürlich Situationen, die finde ich irre. Egal, auch eine große Nummer auf der Oscar-Party war ich auch. Und dann aber auch wieder irgendwo ganz woanders mit Menschen, die ich niemals getroffen hätte. Von der Arche zum Beispiel war ich neulich mit Susan Sideropoulos, die macht ja ganz viel für diesen Verein, der wirklich toll ist, Kindern hilft, von sozusagen Teenie-Müttern, um es jetzt mal verkürzt darzustellen. Und da haben wir für die Mütter dann endlich mal was gemacht, nämlich auch Meditation und positives Denken, Manifestieren und so. Ja, da wäre ich ja nie gewesen in Hellersdorf. Wie soll ich denn da hinkommen von hier aus? Es hätte keinen Grund, keinen Anlass gegeben. Und das finde ich toll. Ich höre dann jedem gerne zu, der anders ist. Das kann die Kanzlerin sein, Ex-Kanzlerin oder die Klofrau, das ist mir eigentlich egal.
Joel Kaczmarek: Ich weiß auch genau, was du meinst, beging es auch so, als ich zu Studienzeiten den RBB begleitet habe und dann hast du auf einmal eine Kunstausstellung in einem Bunker gesehen und so eine Sache. Ich weiß genau, was du meinst.
Karin Kuschik: Toll, oder? Ich war mal in so einem Dings, auf so einem Weingut in Südafrika, da haben wir für NTV so Filme gedreht über Südafrika und dann hat einer mit so einem Säbel den Sekt geköpft, so wo ich dachte, what? Also war toll. Also ja, es gibt schon tolle Sachen. Aber toll ist nicht toll, sondern es ist jetzt nicht, eine Yacht ist toll und die Insel von Richard Branson ist toll, nicht, dass ich da schon mal gewesen wäre und Obdachlose sind blöd, Quatsch, ich finde alles interessant.
Joel Kaczmarek: Ich glaube, besondere Momente machen es halt aus. Ich weiß, ich habe lange überlegt, ob ich den Job für die Bundesregierung annehme, deren Podcast zu moderieren und neulich bin ich von einer Aufnahme gegangen, da habe ich den Generalinspektor der Bundeswehr irgendwie interviewt, also das ist der ranghöchste Soldat in ganz Deutschland und ich bin so rausgegangen und habe gedacht, was hast du eigentlich für einen geilen Job? Du hast dich die ganze Zeit gefragt, was macht denn eigentlich die Bundeswehr mit 100 Milliarden, die sie jetzt gekriegt haben. und du hast den Typen getroffen, der sozusagen entscheidet und konntest ihn direkt fragen.
Karin Kuschik: und Ja, und was hat er gesagt?
Joel Kaczmarek: Er hat gesagt, das ganze Geld ist schon ausgegeben, die Produkte werden aber erst später geliefert und wenn wir da sind, brauchen wir neues Geld, um sie zu benutzen.
Karin Kuschik: Ach, herrlich. Also quasi eine Hymne auf Rheinmetall. Wahnsinn. Ist ja irre.
Joel Kaczmarek: War schon ein bisschen, bisschen interessant.
Karin Kuschik: Ich saß gerade mal mit fünf Astronauten an einem Tisch, weil ich was moderiert habe in Köln, in diesem Europäischen Institut der Raumfahrt oder wie auch immer es hieß, E irgendwas. Und alle haben mich natürlich beneidet, weil die Moderatorin sitzt natürlich wieder bei den Astronauten und toll. Und es war so langweilig, dass ich dachte, ich flippe gleich aus. Und an dem Tag, keiner hat gesprochen, die waren so nerdig alle. Und an dem selben Tag morgens hatte ich meine Buchhaltung gemacht. Und dann habe ich mitten ins Dessert hinein, wo ich schon fast den Kopf auf den Tisch geknallt habe, mir vor Langeweile gesagt, wie machen Sie das eigentlich mit der Reisekostenabrechnung, wenn Sie im All waren? Du glaubst ja gar nicht, was wir für eine Unterhaltung geführt haben. Das war so toll, das war so irre. Die sind aufgeblüht und haben ja gesagt, naja, die Sonne geht ja 16 Mal auf und unter an einem Tag, da haben wir natürlich 16 Tage in einen Erdentag reingeknallt. Da sind sie in der Dispo aber ausgeflippt, nicht echt, haben sie gemacht und wir haben gelacht und alle von den Nebentischen, ja toll, die sitzt am tollen Tisch. Ich sage, nee, nee, nee, den Tisch habe ich mir kreiert gerade. Weißt du, also man kann ja auch wirklich, wenn du mal, also nicht dieses Scheuklappen denken, sondern jetzt machen wir mal auf, das fällt 360 Grad, mal eine quere Frage stellen, dann kommt halt auch eine quere Antwort. Das war super witzig, der Antrag.
Joel Kaczmarek: Du, ich weiß genau, was du meinst. Ich saß zu einem Award und dann dachte ich, was für eine Szene. Also die geilsten Szenen reden sie dann um elf, wenn alle schon halb gegangen sind und sozusagen die letzten Gläser noch auf dem Tisch stehen.
Karin Kuschik: Weil die Schuhe in der Hand haben schon, weil sie so drücken.
Joel Kaczmarek: Ja, ja, genau, genau, genau. Und rechts neben mir saß Martin Ott, der lange der Europachef von Facebook war. Daneben saß Nico Rosberg und uns gegenüber saß Franzi van Almsick. Dann habe ich die Franziska angeguckt und ich sage so, sag mal, wie ist denn das eigentlich? Als Sportler ist ja irgendwann Schicht. Wie fühlt sich das an, wenn man der Berufung nicht mehr auf dem Niveau nachgehen kann? Man hat eigentlich immer nur durch einen Wettbewerb gelebt. Was meinst du, was dann da abging, als auch Nico Rosberg auf einmal angefangen hat zu erzählen, warum er seine Karriere geendet hat und was sozusagen einer der wahren Gründe war? und die Hintergründe? Also das sind so diese Magic Moments, von denen du ja, glaube ich, Niedchen sind.
Karin Kuschik: Und weil du dich natürlich auch getraut hast, viele wären ja dann in so einer Schockstarre gewesen mit Franzi van Almsick oder so, was ich auch nie verstanden habe. Also weil ich Menschen, ich sehe immer zuerst den Mensch, nicht den Rang oder so. Weil was würde das denn heißen, wenn du dann Michael Schumacher warst und dann hast du jetzt plötzlich im Koma und dann weißt du jetzt, gut, das ist ja nicht mehr da, aber… Wenn er dann wach wäre und im Rollstuhl sitzt, dann ist ja nichts mehr wert oder was? Also das kann ja wohl jetzt nicht ernsthaft der Fall sein. Also insofern ist doch klar, dass der Mensch interessant ist. Und deswegen habe ich mich auch schon immer getraut, mit jedem zu sprechen, ohne dass ich das Gefühl gehabt hätte, dass ich mich traue, sondern ich habe es halt einfach gemacht.
Joel Kaczmarek: Also die eine Abschweifung erlaube ich mir vielleicht noch, dich das zu fragen, wie ist denn so generell dein Umgang mit Prominenten, weil was ich immer erlebe ist, dass die natürlich so eine unglaubliche Vorsicht haben, weil ich glaube eine große Angst da ist, dass Menschen immer was von ihnen wollen oder dass man nur nett zu ihnen ist, aber eigentlich gar nicht, weil sie sie sind, sondern weil sie sozusagen dieses Überbild sind.
Karin Kuschik: Ja, na klar, das ist ja auch so. Also nicht, dass es so ist, sondern dass man es nie rauskriegen wird, wie es ist. Also das, was mein Umgang ist mit Frau Menem, ja wie eben gesagt, Klofrau oder Kanzler, ist mir eigentlich egal. Da wird jeder gleich angesprochen. Mit der gleichen Würde und dem gleichen Witz und der gleichen Schlagfertigkeit oder dem gleichen Charme. Da mache ich keinen Unterschied. Ich wüsste auch nicht, warum.
Joel Kaczmarek: Fun Fact übrigens, Franziska van Almsick hat mich an dich erinnert. Also ich glaube, die ist noch größer als du. Die ist riesig. Die ist wirklich groß.
Karin Kuschik: Also Moment mal. Die ist, glaube ich, 1,80 Meter und ich auch. Das google ich gleich mal. Ernsthaft?
Joel Kaczmarek: Ja, die kam mir auf jeden Fall sehr groß vor. Und die hat so diese gleiche Raumeinnahme gehabt und so diese Energie gehabt. Ihr würdet euch bestimmt gut verstehen.
Karin Kuschik: Raumeinnahme finde ich ja immer witzig, weil Menschen, die angeblich, so wie ich, angeblich, sage ich jetzt, Raum einnehmen, die fühlen sich ja nie, als würden sie Raum einnehmen. Weißt du? Ich denke ja, ich gehe ja nicht irgendwo hin und denke, boah, jetzt nehme ich aber gleich mal Raum ein. Sondern ich gehe halt einfach rein. Und dass mich dann jemand sieht, na ja, gut, war jetzt aber nicht mein Ziel. Weißt du, wie ich meine? Das war mit fünf Jahren nämlich auch schon so bei mir.
Joel Kaczmarek: Weiß ich total, was du meinst. Ist ja auch manchmal, dass man manche Sachen macht so wie, ich will mal sagen wie Fahrradfahren, aber das kommt gar nicht hin, sondern Fahrradfahren lernt man ja, aber manche sagt man, also wie Atmen oder so. Das macht man einfach und andere Leute sind so da und gucken dich entgeistert an.
Karin Kuschik: Ja, genau.
Joel Kaczmarek: Total, total. So, wenn ich richtig mitgezählt habe, haben wir drei Punkte.
Karin Kuschik: So, übrigens, Entschuldigung, 1,81 ist sie und bin ich. Bang, dann hatte sie hohe Schuhe an.
Joel Kaczmarek: Ja, ja, ja, das war's, glaube ich.
Karin Kuschik: Stimmt. Genau das steht in meinem Pass. Ha! Wir haben eine gemeinsame Freundin, die ist übrigens 1,84, das ist Maria Höfl-Riesch vielmehr. Gut, demnächst wahrscheinlich wieder nur Riesch. Also ich schweife ab. Jedenfalls, sie ist wirklich groß aus unserer Sicht. Deswegen hätte ich mich jetzt gewundert. Ja, erzähl.
Joel Kaczmarek: Dein vierter Punkt, da wäre ich um dich mal wieder oder uns mal wieder, ich genieße das sehr, aber uns mal wieder auf den Pfad zu führen. Was ist so das vierte Ding, was du gerne mit 20 gewusst hättest?
Karin Kuschik: Ach, waren wir erst bei drei, das kam ja schon so viel vor. Ja, guck.
Joel Kaczmarek: Kein Um-zu, mehr ins Agieren.
Karin Kuschik: Na, jetzt waren wir gerade bei den Frauen, dann würde ich vielleicht mal bei den Frauen bleiben. Also es ist ja irre, was Frauen, Teenies, junge Frauen sich für einen Druck, also ich mir auf jeden Fall für einen Druck gemacht habe, damals in den Zwanzigern. Ganz ehrlich, Joel, wenn ich gewusst hätte, wie schön ich war und wie, und das meine ich uneitel jetzt gerade, Oder wie schlank ich war, dann hätte ich sicher sofort aufgehört, so viel Energie in genau diese beiden Zustände zu stecken, weil sie ja ohnehin schon da waren. Also was kamen wir uns alle blöd von? Und ich hier und da und mein Po und mein Arm und ich weiß nicht was und mein Leberfleck und sonst irgendwas. Also das beobachte, da bin ich ja voller Neid heute, wenn ich auf die Teenies gucke. Es gibt ja da so zwei Lagerschein, weil die einen sind natürlich die, okay, die haben so einen wahnsinnigen Insta-Druck und einen Filter-Druck und die wollen sich am liebsten mit 15 schon botoxen lassen, aber die meine ich jetzt nicht, sondern ich meine diese Teenies oder auch junge Frauen, die mit diesem Bodyshaming wirklich durch sind und auch mit ganz prallen Figuren knallenge Kleidung anziehen und das mit einem Stolz tragen, dass es einfach nur sexy aussieht. Und das ist mir ja völlig fremd. Das war uns allen fremd, würde ich jetzt mal behaupten, in meiner Schulklasse zumindest. Also da wären wir überhaupt nie drauf gekommen. Da haben sich die eng angezogen, die die Topfigur hatten und Punkt. Und meine Generation hat da echt viel versäumt, deswegen finde ich das auf jeden Fall toll und gucke mir auch jetzt noch viel ab. Wobei ich der Typ bin, der fast immer weite Klamotten angehabt hat, weil ich das einfach mag, egal ob ich zehn Kilo weniger hatte als jetzt oder zehn Kilo mehr, was beides schon mal so war.
Joel Kaczmarek: Ich finde auch immer krass, was Worte so anrichten können. Also bei mir war das auch immer so, aus meinem Elternhaus. Teilweise hieß es dann immer, wenn jemand irgendwie so schwabblig war und dann ragte was raus oder so, genau was du sagst, wie kann man, das sieht ja aus wie Presswurst und so.
Karin Kuschik: Ja, ja, total.
Joel Kaczmarek: Solche Worte, das schlägt ja ein wie eine Bombe.
Karin Kuschik: Ganz schlimm, ganz schlimm. Boah, das sieht aus wie eine abgepetzte Leberwurst und so. Was ist los? Also irre, genau, das hat uns ja auch geprägt. Das hörst du und denkst, ach so, nee, macht man nicht. Klar, logisch, geht ja nicht. Kannst ja kein Rot tragen. Wenn du Größe 42 hast oder so, was ein Blödsinn. Aber ja, da sind wir natürlich auch aus dieser, ich zumindest bin ja älter als du, aus dieser Generation macht man nicht. Also die gibt es ja schon lange nicht mehr, diese Generation macht man nicht. Stimmt. Das macht man sonntags nicht. Wie, sonntags macht man das? Und wann macht man es dann? Ja, oder samstags wird das Auto gewaschen. Wie jetzt? Und sonntags nicht und montags auch? Ja, montags doch nicht. Montags haben auch Friseure zu. Ja, meiner hat auf. Ja, wieso das denn? Weißt du, also da hat man ja die Weltordnung durcheinander gebracht früher mit solchen Sachen. Wäsche gewaschen wird samstags. Wo ist jetzt die Frage so?
Joel Kaczmarek: Ja, auf jeden Fall. Wobei ich mich auch mal gefragt habe, also warum eigentlich? Also ich meine, am Ende des Tages, also mit welchem Recht sagst du jetzt, die Fettfalte ist nicht attraktiv und der Hungerhaken, jetzt mal überspitzt gesagt, schon. Weil wenn du zum Beispiel nach Afrika gehen würdest, wäre es genau umgekehrt. Da wäre die Schlanke, hätten die gesagt, boah, die will ich nicht, kein gebärfreudiges Becken und so weiter. Das ist schade irgendwie.
Karin Kuschik: Da geht es nicht gut. Gibt es ja diesen Versuch mit Frauen, ich weiß jetzt nicht, ob die von Haiti kamen oder so, die waren…. Die waren sehr pralle, Körper gehabt, bauchfrei gegangen, bunte, Mode und die sind dann nach L.A. und da sind sie ganz doll eingegangen. Da waren sie die Dicken, die Bösen, die Mannen, guck doch mal, was du isst und so. Und hatten keine Lebensfreude mehr, sind krank geworden, haben Zucker gekriegt und sonst was. Also hat schon auch viel mit der Einstellung zu tun. Also da gibt es ja ganz viele Studien.
Joel Kaczmarek: Wie ist es bei dir? Also ich meine, du stehst ja jetzt auch in der Öffentlichkeit oder in der Sichtbarkeit an vielen Stellen. Hast du das heute noch, dass du sagst, mit Aussehen habe ich ein Thema oder als Frau ist ja auch Alter, älter werden bei manchen ein Thema. Bist du da, stehst du da mittlerweile drüber oder kriegt auch dich das manchmal noch?
Karin Kuschik: Och nö, ich gucke mir die Sachen ja auch oft gar nicht an. Neulich war ich mal auf YouTube, weil Marco gesagt hat, weißt du, wie viele Klicks wir jetzt haben, wusste ich natürlich überhaupt nicht, weil ich war überhaupt noch nie auf YouTube, auf meinem Kanal. Ich wusste auch nicht, dass ich einen Kanal habe, aber ich habe einen Kanal. Also ich wusste, dass ich da was habe, aber ich wusste nicht, dass es Kanal heißt. Und das sind einfach nur die Oms, die Leute aus anderen Zusammenhängen schon bekommen und Quatsch, kennen, so rum. Und dann meinte er, eine Million Klicks. Und ich, wie eine Million? Das war mir ganz schlecht. Dann bin ich da so, so ganz vorsichtig. Dann habe ich mal geguckt, wie ist es dann? Dann habe ich gleich wieder zugemacht. Das sind 5000 Fotos von mir. Oh Gott. Ja, da merke ich dann, oh Gott, stimmt ja, ist ja so und so, bist ja öffentlich. Ah, schnell wieder vergessen, ist besser so. Und ja, ich denke das manchmal bei Listen & Learn, oh Leute, könnt ihr denn mal einmal ein Foto machen, wo ich nicht gerade was sage? Weißt du, diese eins von 24 Bildern pro Sekunde, wo man dann aussieht, als hätte man eine Gesichtslähmung oder so, weil man halt keinem gesprochen hat.
Joel Kaczmarek: Ein Auge gerade zu, ne?
Karin Kuschik: Ja, und das andere so verzucht. Oh Mann, ey. Aber dann denke ich, come on, ich…. gehe ganz schnell, weißt du, in diesen Blick von oben, wo ich dann denke, ist doch alles nur eine Reise. Wir sind doch alle am Reisen und ich heiße doch nur Karin Kuschik in dem Leben und ich sehe jetzt hier halt so aus und das ist ein geliehener Körper. und entspann dich mal, weißt du? Entspann dich einfach.
Joel Kaczmarek: Einer fehlt noch, wenn ich mich nicht vertan habe. Ehrlich? Dann hast du es geschafft.
Karin Kuschik: Muss ich jetzt liefern? Sag mal, bin ich denn hier Lieferant? Na, ich finde, vorhin, also ich habe mir hier keine fünf Punkte aufgeschrieben, wenn das die Übung war, dann habe ich schon mal versagt. Aber immerhin bin ich auf vier gekommen. Ich finde vorhin, ich glaube, bei dem ersten Punkt kam so etwas hochgeploppt, was womöglich ein eigener und damit ein fünfter Punkt ist. So dieses mehr Freiheit fürs eigene Gefühl. Also ich hätte, glaube ich, gern gewusst und möchte das hiermit auch allen raten, die noch jung genug sind, es jetzt schnell zu überholen auf der Spur. dass wir, ihr alle, uns ja die Freiheit nehmen können, Dinge, die wir nicht mögen, trotzdem gern zu tun. Also ich kann ja entscheiden, wie mir was gefällt. Wenn ich zum Beispiel nicht gern putze oder aufräume oder Messen moderiere, da war ich ja vorhin. Also während wir etwas tun, wozu wir keine Lust haben, können wir ja genauso gut Uns für die Freude entscheiden. Wo steht denn das eigentlich? Karin Kuschik ist so gemeint, dass sie niemals Freude beim Putzen haben darf oder so. Das entscheide ja ich. Das ist ja mein Ding. Und da gibt es diesen schönen Spruch, jetzt mal gucken, ob ich den zusammenkriege. Solange du noch nicht tust, was du tun willst, kannst du wenigstens wollen, was du tust. Genau. Weißt du?
Joel Kaczmarek: Also … Nochmal, nochmal langsam. Den brauch ich noch einmal langsam.
Karin Kuschik: Moment mal. Solange du noch nicht tust, was du tun willst, angenommen, du machst die Steuererklärung, obwohl du tanzen gehen willst, ne? Solange du aber jetzt noch nicht tanzen gehst, sondern noch das machst, was du eigentlich nicht willst, nämlich die Steuererklärung, kannst du doch wenigstens wollen, was du tust. Also kannst du dich doch dafür entscheiden, dann mache ich es jetzt halt mal gerne, wo ich es doch sowieso schon mache. Und dann lege ich mir halt meine Lieblings-CD auf oder, Quatsch, es gibt ja keine CDs mehr, du weißt, was ich meine. Lieblingsmusik, Lieblingsduft, Lieblingsirgendwas und mache das halt im Stehen. oder ich habe so ein Deskbike, dann trete ich halt in die Pedale und habe 5000 Schritte verbraucht, weißt du, während ich die vorbereitende Buchhaltung mache. Also mit anderen Worten, wir können ja immer entscheiden, wie wir uns fühlen, während wir etwas tun, was wir angeblich, so unser Image, nicht tun wollen. Ist ein bisschen kompliziert. Habe ich es trotzdem klar rüber gemacht? Das habe ich so geprahlt mit Klarheit. War das klar?
Joel Kaczmarek: Ja, total. Ich habe auch so eine Reminiscenz an das allererste Gespräch, was ich zu fünf Dingen geführt habe. Das war von einem super erfolgreichen Investor und der hat auch gesagt, wenn du dich schon dazu entscheidest, etwas zu tun und vielleicht ist es was, was irgendwie eine gewisse Notwendigkeit hat, sein Beispiel war glaube ich das BWL-Studium, dann gib wenigstens verdammt nochmal alles. Also lass es entweder sein oder mach es einfach. und wenn du es machst, dann mach es aber richtig. Weil wenn du schon fünf Jahre investierst, dann halt mit Liebe und Passion.
Karin Kuschik: Total. Wobei gestern hat mir, ich kriege ja wahnsinnig viele Direct-Messages auf Instagram, vor allen Dingen. Und da hat mir ein 17-Jähriger, der mittlerweile 18 ist, aber als er 17 war, habe ich ihm scheinbar das Leben gerettet, weil ich ihm einen Tipp gegeben habe, der total gut funktioniert hat. Er hatte nämlich, die Eltern haben sich scheiden lassen und die gesamte italienische Familie hat sich reingehängt. Und ja, jetzt beziehe ich mal Stellung. Wo stehst du jetzt? Team Papa, Team Mama, jetzt sag halt und so. Ja. Und er wusste nicht, was er machen sollte. Und dem habe ich geraten, wenn Sie wissen wollen, auf welcher Seite du stehst, dann sag doch, ich stehe auf meiner Seite. Sag das doch, ich stehe auf meiner Seite. Da, wo ich stehe, da stehe ich. Und das hat tatsächlich Frieden bewirkt, offenbar. Und gestern hat er wieder sich gemeldet und hat gesagt, er hat so einen Abidruck, weil er in der 13. jetzt ist, gibt es ja offenbar noch 13 Schuljahre, und so krasse Prüfungsangst. Und da habe ich ihm gesagt, draufgesprochen sogar du du bist ja gar nicht auf die Welt gekommen um eine 1 zu schreiben oder um eine 3 zu schreiben du bist ja auf die Welt gekommen dein bestes zu geben und manchmal ist es eine 1 manchmal ist es eine 5 und mehr als dein bestes kannst du ja gar nicht geben. und believe me in fünf jahren ist eh egal weil keiner will wissen was du im abi hattest. also siehst von oben gib dein bestes und was immer das beste ist wird dann das richtige sein. und dann war er super entspannt und das ist natürlich schön.
Joel Kaczmarek: Das ist ein bisschen wie dein dritter Punkt mit dem Erklärdruck. Ich habe auch gedacht, wie oft ich von meinem Vater gesagt bekommen habe, mein Junge, die zehnte Klasse muss gut sein und die dreizehnte. Dann meinte ich mal, hä, wieso denn die zehnte? Ja, wenn du das Abitur verkackst, dann fällst du auf den Realschulabschluss zurück, dann ist der wenigstens ordentlich. Und dann musst du die Note im Abitur, dann kriegst du ein gutes Studium und wenn du ein gutes Studium hast, dann Und ganz ehrlich, ich dachte so, no one ever fucking cared about my Abitur.
Karin Kuschik: Also niemand hat mich jemals gefragt, was ich für einen Schnitt habe. Ever. Niemand wollte es wissen. Ich glaube, ich hatte auch nie ein Bewerbungsgespräch, bin nicht sicher, aber ich glaube nicht. Nur mal als Werkstudentin. Und da hat es auch keinen interessiert. Und im Endeffekt, die Menschen, die ich toll finde, nicht alle, aber zum Beispiel Harald Schmidt, der ja wahnsinnig intelligent ist, ja. Der hat doch auch irgendwas abgebrochen, sonst hätte ich dreimal sitzen geblieben. Also es heißt nicht immer, so wie du in der Acht bist, bist du halt mit 80 auch noch. Also es gibt ja auch sowas wie Entwicklung. Zum Glück. Na, dein Vater ist glaube ich sehr, wenn ich den jetzt so ein bisschen hier so mitkriege und höre, der ist bestimmt wahnsinnig stolz auf dich. Und ich glaube, er ist vor anderen stolz. Ich hatte so einen Vater, der hat mir nie gesagt, wie toll ich bin, aber der ist dann immer in die Drogerie gerannt. Und da hat mir Herrn Kleber, der die Drogerie geleitet hat, immer erzählt, stell dir mal vor, meine Tochter aus Berlin, weißt du? Das ist exakt das.
Joel Kaczmarek: Ich erinnere mich noch genau, ein Jahr, nachdem ich aus meinem Fußballverein ausgetreten bin, waren wir auf einem Parkplatz bei irgendeiner Spielgeschichte und dann sagte der so, noch schon in so einem Nebensatz, ja, also …. Ich fand immer, du hast richtig gut gespielt im Fußball, also auf dem Fußball, hat mir richtig gut gefallen, hast du mal richtig toll gemacht. Ich habe den angeguckt, ich habe gedacht, ob mir gerade gleich der Kopf platzt. Ja. Also ich wollte den so am Kragen packen und wollte sagen, Papa, bist du eigentlich bescheuert? Warum hast du mir das nicht damals gesagt, bevor ich aufgehört habe? Weißt du, wie ich das gebraucht hätte? Ja. Das ist, glaube ich, bei ganz vielen Familien so.
Karin Kuschik: Weißt du, das Ding ist halt, er kann es nicht. Das ist immer das, was ich wieder erlebe, auch in meinem Job. Ist ja völlig egal, ob ich mittlerweile nur noch Speed-Coachings gebe oder gar keine oder was auch immer. Ich bin ja Coach, werde immer Coach bleiben. Und einige um mich herum sagen dann, boah, was war das denn für eine Frage? oder mein Gott, jetzt hast du gehört, die dritte E-Mail dazu. Naja, aber es sind doch Menschen, die ein Coaching wollen. Also wenn sie klar wären, würden sie ja nicht mich anrufen. Also das ist ja irgendwie logisch. Das ist ja immanent, dass jemand, der zum Arzt geht, irgendwie krank ist. Sonst geht es ja nicht vorbei, um zu sagen, hey, wollt nochmal sagen, läuft bei mir. Das macht ja keiner. Also ist es ja logisch, dass Menschen, die sich für ein Coaching interessieren, unklar sind und vielleicht drei Mails schreiben, wo einer sagt, Ein anderer nur eine Mail bräuchte. Also da bin ich sehr gelassen und sehr tolerant, weil das gehört einfach mit dazu. Das ist für mich klar. Wenn jemand was halt nicht kann, dann heißt es ja eigentlich nur eins, er hat es nie gelernt. Und das heißt, er hat es selbst nie gesagt bekommen, sonst hätte er es gelernt. Und da darf man dann einfach Mitgefühl haben. Er hat es einfach nie selbst gesagt bekommen.
Joel Kaczmarek: Das wollte ich dich sowieso gefragt haben. Was macht das eigentlich mit dir, dass dich dauernd Menschen um Rat fragen, dass vielleicht sogar eine Fallhöhe dahinter steht? Das ist ja auch ein bisschen was von dir wollen, oder? Das mag ja manchmal auch so eine Grenzen überschreiten bei dir. Wie fühlt sich das für dich eigentlich an?
Karin Kuschik: Also da überschreitet keiner Grenzen. Das hat noch keiner versucht. Vielleicht haben sie es mal versucht und der Versuch war so kläglich an meiner Teflonschicht gescheitert, dass ich es gar nicht mitbekommen habe. Das kann natürlich auch sein. Ich bin, glaube ich, sehr klar darin Was ich erlaube und was nicht. Und damit meine ich nicht mit Worten, sondern in der Ausstrahlung. Selbst beim Live-Event, wo ja große Bühne ist und die Leute gehen in die Pause und sie gehen fast alle an meiner Bühne vorbei, sprechen nicht ganz weniger. Ich bin nur einen Meter weit entfernt, aber es ist, glaube ich, relativ klar. Ich fokussiere mich jetzt. Ich bin jetzt bei mir. Ganz manchmal sagt jemand Karin. Dann halte ich nur die Hand und gucke in die andere Richtung und sage, gar nicht, bitte. Und dann, ja, ja, nee, klar. Und weil das ja geht ja nicht. Ich kann ja nicht hier 16 Stunden nie eine Pause haben. Ich darf ja mal irgendwie auftanken. Und auch bei anderen Nee, ich erlebe ganz im Gegenteil eine unerwartet hohe Wertschätzung durch Menschen, die sich sehr zurückhalten und mich nicht bestürmen, sondern aus der Ferne lächeln und ganz höflich fragen, darf ich ein Selfie machen. Blöd ist es dann, wenn es meinetwegen bei einer Laura-Seiler-Veranstaltung ist, naja gut, dann fragen das die ersten drei und dann sieht man aber nur noch die Traube mit, oh krass, und dann stehe ich da eineinhalb Stunden. Das ist natürlich so ein bisschen, wo ich denke, bin ich jetzt Paul McCartney, was ist denn hier passiert? Sind die 50er wieder da? Moment mal, das ist dann irritierend für mich und ich verstehe es. Schön ist trotzdem was anderes.
Joel Kaczmarek: Aber trotzdem nochmal der Gedanke, wenn Leute dich um Rat fragen, also wenn du sie coachst, da steckt ja auch Verantwortung drin. Was macht das für ein Gefühl in dir?
Karin Kuschik: Gar keins. Ich trage diese Verantwortung mit Freude und allergrößter Sicherheit. Wenn ich auch nur ein Nü-Unsicher wäre, würde ich niemals etwas sagen. Oder ich würde es so formulieren, dass es könnte vielleicht sein, es kommt mir gerade die Idee, eventuell so war es, aber da bin ich nicht der Typ zu, aber so würde ich es dann formulieren, ich wage mich sehr oft aus dem Fenster, also ich lehne mich sehr oft aus dem Fenster bei Listen & Learn, diesem Speedcoaching-Format auf jeden Fall. Ich sage das auch dazu, weil ich natürlich höre quasi in mir, jetzt denken doch bestimmt 500 Leute, na sag mal, was sagen die denn, das kann sie doch gar nicht wissen. Da aber ja das Ergebnis dann immer so ist von dem Coach, die direkt im 1 zu 1 stimmt, dass sie dann sagen, stimmt, genau, das war meine Oma. oder ja, da war ich acht Jahre alt. oder stimmt, ich habe früher auf der Bühne gestanden, obwohl sie mir gerade fünfmal versichert haben, dass sie noch nie auf der Bühne gestanden haben. Aber ich habe nachgehakt, nachgehakt, weil etwas in mir gesagt hat, Quatsch, die war schon auf der Bühne. Und dann kommt, stimmt ja, mein Vater war doch Musiker. Ich habe immer mit ihm oben gestanden und gesungen. Dadurch werde ich ja so sozusagen bekräftigt, bestärkt in diesem Vertrauen, was ich sowieso habe, dass es okay ist. Und ganz ehrlich, wenn das nicht stimmen würde, ich wäre die Erste, die zurückrudert und sofort sagt, oh, oh, oh, oh, sorry, sorry, sorry, ganz grober Fehler. Das tut mir wahnsinnig leid. Da habe ich mich zu weit aus dem Fenster gelehnt. Hätte ich nicht machen sollen. Sehr unprofessionell. Also sowas könnte ich ja sofort sagen. Das muss man auch sagen, finde ich. Aber habe es noch nie sagen müssen. Kommt vielleicht noch.
Joel Kaczmarek: Na gut. Also, liebe Karin, es war mir wie immer ein Fest und spannend auch, dich nochmal auf so eine andere Art kennenzulernen.
Karin Kuschik: Ja, danke für das schöne Format. Das ist ja eine traumhafte Idee. Ich habe ehrlich gesagt fast eine ähnliche. Gott sei Dank nur fast. Die kommt nächstes Jahr. Schon lange gehabt, schon seit sieben Jahren. Und deswegen bin ich so, weil als du von dem Format geredet hast, dachte ich, bitte nicht. You are freaking kidding me. Und dann dachte ich, oh Gott sei Dank, er macht es anders. Also herzlichen Glückwunsch zu dem schönen Format und mögen es viele Menschen hören, viele erreicht werden und es auch viele weiterbringen.
Joel Kaczmarek: Dankeschön. Ja, ich bin nicht neugierig. Ich werde dich im Off-Talk gleich mal löchern, was da nächstes Jahr von dir kommt. Aber jetzt erst mal alles Liebe dir.
Karin Kuschik: Dir auch. Alles Schöne.