Urban Artist Raws: 5 Dinge, die ich gerne schon mit 20 gewusst hätte: Vom Graffiti zur Galerie

10. Juni 2026, mit Joël Kaczmarek

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Joel Kaczmarek (00:01.034) High Five Leute, ist Joel und ihr wisst an unserem Wisdom Wednesday, da frage ich spannende Menschen nach den fünf Dingen, die sie gerne schon mit 20 gewusst hätten. Und heute, ich hab sein Buch auch hier, hab ich in meinem ganz spannenden da, nämlich den lieben Kai Imhoff. Das Buch hier heißt übrigens Intentions und er ist Urban Artist, früher viel mit dem Graffiti-Bereich unterwegs, also ihr könnt hier in dem Buch ein bisschen erahnen, kauft euch das am besten mal selber. Sehr empfehlenswert. Und als Künstler hat der liebe Kai natürlich ganz viele Zugänge zu Themen, die ich nicht hab, die ihr vielleicht auch nicht habt.

und ganz viel gesehen und natürlich eine kreative Ader. Wir kennen uns schon ein bisschen, dann hab ich mir gesagt, der Mann ist auf so vielen Ebenen unterwegs, der auf Social gut unterwegs, der macht geile Kunst, der kennt Graffiti, sehr geil. Ganz vieles kommt zusammen, da bin ich neugierig auf die fünf Dinge. daher, lieber Kai, schön, du da bist.

Kai Imhof (00:45.994) Vielen Dank. Passt für eine Anmoderation. Freut mich sehr. Ich kann mich erinnern, damals, der Podcast, den wir schon mal gemacht hatten, da hattest du eine ähnliche Anmoderation, die mich auch sehr geehrt hat. Also vielen, Dank.

Joel Kaczmarek (00:56.686) Okay, hab gar nicht so, ich hab mich nicht mehr weiterentwickelt. Stehen geblieben.

Kai Imhof (01:03.121) Ähnlich supportive, sagen wir es mal so.

Joel Kaczmarek (01:07.032) brach gerne Leute am Anfang von diesem Format, wie alt sie sind, dass ich ein Gefühl kriege, wie viele Jahre wir quasi Revue passieren lassen. Wie ist bei dir?

Kai Imhof (01:13.544) Ich bin... ich werde 36 jetzt.

Joel Kaczmarek (01:15.854) Du siehst doch noch verboten,

Kai Imhof (01:18.542) Tatsächlich höre ich das öfter. Ich glaube, das höre ich so bisschen von meinem Papa, der wird auch immer jünger geschätzt. Manche sagen dann so 28, 30 oder so, aber ja, die 40 ist schon am Ende des Horizonts zu erkennen langsam.

Joel Kaczmarek (01:30.51) Ich weiß auf jeden Fall, wir haben damals mit dir und Sebastian Krummbiegel von den Prinzen gepodcastet, meine Frau war auch da und die hat sich dann mit unserer anderen Mitarbeitern und wir haben gesagt, so ein schöner Mann, ach, sieht er schön aus. Hat so einen Narren an dir gefressen. Na gut, aber dann starten wir mal straight rein. Was ist so das erste Ding, von dem du sagst, hätte ich gern schon mit 20 gewusst?

Kai Imhof (01:41.454) Vielen, vielen Dank.

Kai Imhof (01:49.258) Also ich würde sagen, wahrscheinlich sagen das auch mehrere Leute, aber dieses achte nicht so doll darauf, was andere von dir denken. Also ich muss schon sagen, wahrscheinlich war das auch im Endeffekt so ein Trigger, warum ich überhaupt mit der Kunst angefangen habe oder überhaupt irgendwie was, sag ich mal, für die Allgemeinheit zu machen. Diese Bedeutungs-, dass man Bedeutung einfach haben will. Und ich glaube, es kam aus so einer Unsicherheit heraus. Ich habe immer einfach

Ich bin jetzt 15, 16 Jahre älter, aber ich glaube auch in dieser Zeit habe ich mich schon da bisschen raus entwickelt. Das war damals super wichtig, auch gerade in der Graffiti Szene. musste irgendwie immer cool sein, wer hat den krassesten Spot und so weiter. da würde ich jetzt, also ihm, meinem früheren Ich einfach sagen, hey, entspann dich mal, du bist gut so wie du bist, du musst nicht irgendwelchen Leuten irgendwas beweisen. Auch so

Ich war ja früher auch illegal auf den Straßen unterwegs. Das habe ich aber weniger dafür gemacht, weil das wirklich meine Intention war, sondern eher der Szene zu entsprechen, irgendwie cool wahrgenommen zu werden.

Und da sag ich so, Mensch, entspann dich. Du kannst auch legal die Bilder malen und dich mehr auf die Kunst konzentrieren und so weiter. Also wie man Graffiti malt als jetzt, dich da rein zu zwängen, nachts rum zu rennen. Das ist auf der anderen Seite natürlich irgendwie spannende und tolle Storys, man so zu erzählen hat und die haben mich ja auch geprägt. Aber es war nicht wirklich ich damals. Das muss ich schon sagen.

Joel Kaczmarek (03:25.536) Meine Mama zu mir als Kind oder Jugendlicher gesagt, ein Drittel mag dich, ein Drittel kann dich nicht leiden, und ein Drittel bist du egal. Das fand ich eine befreiende Aussage, weil ich glaube, vermutlich stimmt das noch nicht mal. Vermutlich ist man drei Viertel der Leuten egal. Man denkt immer, dass sich Welt einen dreht und interessiert, was man tut. Man fühlt sich unter so einem Brennglas, erlebe ich zumindest so. Am Ende des Tages sind viele Menschen mit sich selber beschäftigt.

Kai Imhof (03:51.086) Total, glaube ich auch. Gerade auch als Jugendlicher, da hat ja jeder seine Themen. Auch wenn man an Mädels denkt, wie man sich dann immer so die Platte damals so, ey, finde ich mich jetzt gut und wie sehe ich aus und so. Wenn du einfach so bist, du bist, dann funktioniert das am besten. Einfach authentisch sein.

Joel Kaczmarek (04:12.302) Wobei ich auf der anderen Seite auch sagen darf, ich immer neugierig, wie dir das gelungen ist, diesen Zugang dazu zu finden. Weil irgendwie sagt man es immer, sei einfach du selbst. Aber auf der anderen Seite ist es ja so, ich find gar nicht so einfach zu sagen, wer ist man denn selbst? Weil wir haben ja auch bisschen Masken-Gener. Also ich glaub, bei deiner Mama bist du anders als bei deiner Freundin, als bei deinem Bankberater. Also da gibt's ja so Ebenen. Und dann frage ich mich auch manchmal so, was heißt das eigentlich im Verhalten? Wie geht's denn dir damit? Weil ich sag mal so rum,

teilweise auch eine Medienfigur, Anführungsstrichen, erlebe, es manchmal gar nicht so einfach ist, was gibt man von sich Preis und wie zeigt man sich wirklich, ohne gekünstet zu sein, ich gehe jetzt nicht aktiv hin und versuche mich zu verstellen. Aber manchmal gibt es ja trotzdem Situationen, wo man so merkt, okay, das wäre jetzt gerade auch ein Wug, das gibt mehr Klicks, wenn ich so was mache. Wenn ich jetzt diese Meinung von mir sage, die ist aber streitbar, weißt was ich meine? Also manchmal ist das eine Verführung da.

Kai Imhof (05:04.712) Total. Ich glaube, das ist sogar vielleicht im Graffiti- oder Kunstkontext so auch perfekt dargestellt. Weil du hast ja teilweise deinen Pseudonym sogar. Also bei mir ist es dieses Künstler Ego Raws. Und dann hast du deinen bürgerlichen Namen und das trennst du natürlich. Und ich glaube auch wirklich, dass sich bei mir da so bisschen, also gerade früher, so wie zwei Persönlichkeiten entwickelt haben. Also der eine war so der coole, der sprüher, ja, weiß nicht, weltweit gereist, irgendwelche Ausstellungen,

das und der andere war dann so der Kai, dann wirklich zu Hause auch mal sitzt, weiß nicht, nach ein paar die Abend-Embryonalstellung, Kater, man kämpft ums Überleben. Das sind natürlich so zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, die ich jetzt aber glaube, den Jahren immer mehr zusammen zu kriegen. Also auch dann als Ross oder wenn ich jetzt eine Ausstellung habe oder so, trotzdem...

Kai auch zu sein und authentisch zu sein, wie du bist, mit allen Schwächen, mit allen Stärken. Ich glaube, das wächst so jetzt nach und nach wieder zusammen. Also auch diese Künstlernamen waren ja auch halt vor dem Gesetz natürlich dich nicht mit Klarnamen zu zeigen. Und das macht was mit dir. ich glaube, es gibt auch ganz viele Sprüher, die halt viel aktiver sind im illegalen Raum, als ich es damals je war.

Die haben, glaube ich, wirklich so teilweise wie so ein schizophrenes Leben. Dann hast du auch immer Angst, die Feuerwehr, ich schon, die Polizei ist dir auf den Fersen, kommt eine Hausdurchsuchung, kommt keine. Also du lebst immer so paranoiamäßig. Und dann hast du auf der anderen Seite das soziale Leben. Hast einen Job oder gehst zur Schule oder whatever. Das sind, also das ist teilweise super schizophren und wie so wirklich zwei Persönlichkeiten. Also das ist, glaube ich, gerade in der Graffiti-Szene sehr extrem.

Joel Kaczmarek (06:56.046) Hast du es für dich denn genossen, dass du quasi eine zweite Rolle hattest, die du ganz anders befüllen konntest als vielleicht dein persönliches Ich?

Kai Imhof (07:02.542) Ich glaube, hat schon Vorteile. Gerade auch, ich sag mal, ich bin jetzt nicht so bekannt im Mainstream. Das heißt, ich geh zu einer Ausstellung und bin da der Künstler Kai im Hof Ross. Aber wenn ich zu Hause bin, mit meinen Freunden und so weiter, bin ich einfach nur Kai. Und das ist teilweise wie so eine Superpower. Als wenn so ein Batman so zieht so kurz seinen Kostüm an. dann irgendwie funktioniert man natürlich auch.

Aber ich glaube mittlerweile ist es auch einfach eine Persönlichkeit von mir, dass ich so im öffentlichen Kontext halt ein bisschen outgoing bin und extrovertierter, was ich jetzt so im Freundeskreis vielleicht nicht bin, dann eher so der ruhige.

Joel Kaczmarek (07:47.914) Sag mal, was war so der Weg für dich, wenn du gesagt hast, mit einem 20-jährigen ich war es noch nicht so, da war mir noch nicht egal, was andere Leute von mir denken. Da war ich noch drauf bedacht, wie war dein Pfad dahin, dass dir das egal wurde? Gab es da so Momente, hast du einen Prozess durchgemacht? Weißt ich meine? Wie hat sich das entwickelt, dass du sagen kannst, ich lass das jetzt los?

Kai Imhof (08:07.834) Ich glaube tatsächlich, dass diese Kunstkarriere und das Feedback zu Kunst und meiner Künstlerpersönlichkeit sehr wichtig für meine Entwicklung als Kai war, weil mir das natürlich sehr viel Selbstwert, Selbstbewusstsein gegeben hat. Und ich glaube über dieses

positive Feedback zum einen kam das, dass man einfach so in sich dann irgendwie, also es klingt jetzt blöd, aber man weiß irgendwie, man hat auch was geschaffen oder man hat ein bestimmtes Talent oder kann was, hat bestimmte Projekte umgesetzt. Wie gesagt, diese Ausstellungen überall oder mit großen Brands oder so. Natürlich zahlt es irgendwie auf dieses Selbstbewusstseinskonto ein, sag ich jetzt mal.

Aber was glaube ich bei mir auch wichtig war, dass ich in der Graffiti Szene auch viel Gegenwind gekriegt habe. Weil ich halt einer war, der dann irgendwann sich dem Illegalen abgewandt hat und hin zum Legalen ist und dann auch mit Ausstellungen in den öffentlichen Diskurs gegangen ist. Das ist in der Graffiti Szene per se jetzt nicht erstmal super cool oder so. Das ist schnell mal Sellout oder ja Mainstream oder auch wenn du mit Marken zusammenarbeitest, größere Brands, ist direkt, ja das ist Sellout.

Ich verstehe da den Gegenwind der Graffiti Szene, aber das hat irgendwann dazu geführt, glaube ich, dass ich das einfach nicht mehr so mich herangelassen habe. Am Anfang hat mich das total getriggert. Wie ich schon meinte, ich wollte dann auch cool sein und irgendwie der Szene entsprechen und das macht man so und das darf man nicht machen und so weiter. Und durch diesen Gegenwind, glaube ich, mir das so eine harte Schale aufgebaut, dass es so mittlerweile mir tatsächlich wirklich ziemlich egal ist, wenn jetzt jemand auch

ein schlechtes Feedback zu meiner Kunst gibt oder so, weil ich einfach für mich weiß, nee, das ist das, was ich machen will. Geschmäckerisch kann man immer drüber sprechen. Dem einen gefällt es, dem anderen nicht. Aber ich für mich weiß, was ich machen will und bin da ziemlich safe in den Sachen. Und dann macht das nichts mehr mit mir, wenn jetzt jemand sagt, jetzt hat da jene Collab mit Adidas oder so. Dann ich, ja ist doch cool, ich kann davon leben, ich bin voll happy, vielen Dank.

Joel Kaczmarek (10:14.862) Das erinnert mich so bisschen an die Toten Hosen, Punk, wo ja, glaub ich auch, dem Punk so bisschen zu eigen ist, dass es sehr links ist und dass es sehr antikommerziell und antikapitalistisch ist. Und wenn du dann halt Nachfrage erfährst, löst du ein ganz komisches Thema rein, dass du Geld verdienst, obwohl du eigentlich als Thema sogar hast, dich gegen das Geldverdienen aufzulehnen. Und das hat dir, schätz ich mal, in einen sehr großen Widerstreit gegeben. Weil, wir ehrlich sind, so ja klar, sagst du irgendwie, Kommerz ist scheiße, aber wenn es sich an Erfolg einstellt und du nichts davon partizipieren kannst,

Also ich meine, sollst machen? Sollst jetzt bis an den Lebenshakenende da irgendwie in Abrisshäusern gehen? Kannst ja auch nicht sein.

Kai Imhof (10:50.666) Im Endeffekt muss man sagen, wir leben im Kapitalismus. Natürlich kann man jetzt punkmäßig oder auch graffitti-mäßig, ich hab da auch riesen Respekt vor, wenn Leute sagen, nee, mein Graffiti gehört auf die Straße, das Illegale, ich erkämpfe meinen Freiraum, hab ich super Respekt vor. Aber für mich, ganz individuell persönlich, ist die Entscheidung die bessere, zu sagen, ich kann mit meiner Leidenschaft Geld verdienen.

innerhalb des Kapitalismussystems sozusagen und bin trotzdem noch nicht jetzt in einem Job gefangen, der mir gar nicht liegt oder wo ich jeden Morgen traurig aufstehe und irgendwann depressiv werde oder so. Da ist das für mich die bessere Option. Das muss aber jeder für sich entscheiden.

Joel Kaczmarek (11:33.94) Ich kann mir vorstellen, dass viele Leute in einem Job sind, der sie langweilt und dass dann diese nächtlichen Raids, wenn du dann im U-Bahn besprühst, dass das ist, wofür du so lebst, dass dir diese alternative Realität Befriedigung gibt. Und da ist ja dein Pfad jetzt Ticken gesünder, was zumindest die Stresshormone angeht.

Kai Imhof (11:51.63) Manche brauchen das ja auch, diese Nervenkitze, dieses...

Tagsüber Bruce Wayne sein, nachts Batman. Also ich kann das auch verstehen, wie gesagt, dieses Adrenalin-Thema, war ... eigentlich bin ich ein Schisser. Deswegen hab ich mich für den legalen anderen Weg entschieden. Aber ich muss noch mal sagen, ich hab da super Respekt vor und finde auch, nur noch mal auf das Thema Kunst kurz einzugehen, ich find, dass diese radikale Form von Graffiti, ob sie jetzt schön ist oder nicht, das ist wieder geschmecklerisch, ist eigentlich eine der authentischsten Kunstformen überhaupt.

irgendwelchen Regeln unterwerfen, sondern einfach sagen, ich mache das für mich oder weiß nicht für die Szene oder so und hole mir den Freiraum, den ich sonst woanders nicht kriege. Es gibt ja auch Künstler, die sehr radikale Kunst machen, aber es ist immer in regulierten Kontext und dementsprechend bin ich auch immer noch so ein Verfechter davon, Graffiti hoch zu halten, weil das einfach eine krasse, geile Kunstform ist.

Joel Kaczmarek (12:53.294) Naja, es bringt zumindest die Kunst auch zu den Menschen. Wenn man jetzt ein Gemälde macht, oder es gekauft wird und irgendwo hängt, oder eine Galerie, es ist immer noch eine Tür dazwischen, während das andere dich im öffentlichen Raum so trifft. Ich bin ja großer Banksy-Liebhaber. Wenn ich dann lese, der wurde wieder enttarnt, die dritte Annahme, das und so, dann denke ich mir, das ist blasphemisch, das geht doch gar nicht. Naja, das ist ja auch Teil des Narrativs bei manchen Rollen.

Kai Imhof (13:17.582) Das Ethereum ist ja auch super wichtig.

Joel Kaczmarek (13:19.764) Wie wird denn so was eigentlich in so einer Szene wie deiner aufgenommen, wenn da so ein Dude auf einmal bei Sotheby's seine Bilder da irgendwie hat und die gehen durch einen Schredder und keine Ahnung? Also, wird jemand so rezipiert?

Kai Imhof (13:29.794) Gute Frage. Ich glaube, Banksy wird gar nicht mehr so sehr als Teil der Graffiti-Szene wahrgenommen, sondern eher diese Street-Art-Szene, die er ja maßgeblich geprägt hat, bis hin zur Zeitgenössischen Kunst Allgemein, das ist natürlich ein Riesenname. Ich glaube, für die Graffiti-Szene ist das relevant. Die werden genauso wie jeder normale Bürger darauf stoßen, die Summen lesen, wie teuer Banksy und werden sich denken, krass. Der hat geile Konzepte.

Joel Kaczmarek (13:56.689) Fucking ja.

Kai Imhof (13:59.568) Zerstörungsding, das war schon echt cool. Aber es ist jetzt nicht so, dass da irgendwie die Szene intern diskutiert ewig oder so. Dafür ist er glaube ich in der Wahrnehmung schon zu weit davon entfernt.

Joel Kaczmarek (14:10.794) Sag mal, jetzt ist ja in deiner Rolle aber inhärent, dass das Thema Publikum quasi eine Rolle spielt. Also unser gemeinsamer Freund Sebastian Krumpigl hat ja immer so schön gesagt, man trägt die Haut zu Markte, glaube ich, hat er mal gesagt. Also du bist sozusagen in einer verkaufenden Rolle eigentlich. Das heißt, dieses Urteil, was sich bei dir ja auch in Umsatz bemerkbar macht, in Wertung deiner Kunst, das ist ja für dich auch berufsrelevant.

schaffst du es trotzdem, dich davon frei zu machen, weil ich könnte mir vorstellen, dass manchmal die Verführung da ist, Kunst zu machen, die auf den Geschmack des Marktes trifft versus innovativ zu sein.

Kai Imhof (14:44.974) Ich gespannt, dass du die Frage stellst, weil genau das war das Thema meiner letzten Solo-Ausstellung hier in Berlin. Weil genau das mich super beschäftigt, also extrem beschäftigt, weil ich zum einen natürlich meinen eigenen künstlerischen Anspruch habe oder meine Vision von dem, was ich machen will. Aber wenn das natürlich auf keine Nachfrage trifft, dann ist es wieder schwer. Wie kommst du über die Runden? Musst du doch wieder einen Job anfangen und so weiter. Das heißt, ich bin immer so, ich sage immer, am Tipping-Point zwischen

dem, was ich verkaufe und dem, was ich wirklich machen will. schaffe es glücklicherweise, immer mehr in die Richtung zu gehen, was ich wirklich machen will. Aber in der letzten Ausstellung habe ich genau damit gespielt. habe geguckt, was ist denn bei Social Media? Das ist nun mal die Plattform, wo ich als Künstler großgeworden bin, Instagram.

Was funktioniert denn da an Kunst und wer sind denn die erfolgreichen Künstler über Social Media? Und das sind ehrlicherweise viel dekorative Kunst, leicht verständlich ist, farbenfroh, bunt, manchmal noch mit Sprüchen und so weiter, also wo sozusagen der Mainstream einen schnellen Zugang zu hat.

Und das macht natürlich mit mir was als Künstler, der vermeintlich tiefergehendere Kunst machen möchte oder macht. Und dann habe geguckt, wie kann ich das denn irgendwie verbinden mit meiner Kunst und habe dann sozusagen meine neuen Werke in zwei Ebenen aufgebaut. Das heißt, ich habe in der unteren Ebene meinen Stil gemacht, den man auch in dem Buch sieht, diese Chaos-Asthetik, das ist dieses linienhafte, sehr abstrakte. Das habe ich in der unteren Ebene aufgebaut.

gemalt und dann habe ich darüber eine zweite Leinwand gespannt und mit diesen einfachen farbenfrohen Ästhetiken gespielt die bemalt und dann kam sozusagen das Messer und hat die vordere Ebene zerstört und so wollte ich so ein bisschen gucken zum einen was passiert mit meiner Kunst wenn ich die genau da sieht man jetzt zum Beispiel also da ist so diese untere Ebene mit meinem Chaos und vorne ist so super bunt dann steht da forever dreamer also schon teilweise sehr klischee kitschige

Kai Imhof (16:48.72) anmutende Elemente und das dann aber zu zerstören und zu gucken, wenn ich zum einen diese Dekoration auf eine Ebene mit meiner Kunst tue und die gleichzeitig hinterfrage. Das war sozusagen jetzt das Thema.

Genau, deine ursprüngliche Frage war sozusagen, was das mit mir als Künstler macht, verkaufen zu müssen und so. Genau mit so ein Themen versuche ich die Themen zu bespielen und zu hinterfragen. Und gleichzeitig ist es ja wie so ein trojanisches Pferd. Ich bediene mich ja in dem Moment trotzdem der Dekoration, auch wenn ich sie zerstöre. genau, versuch da immer, das ist wirklich so ein Spiel back and forth sozusagen.

Joel Kaczmarek (17:28.334) Wir einen gemeinsamen Freund, den Gero, der ist Kunstkritiker, ich, oder kennt sich künstlerisch aus. Der hat mir weitergetragen, so sinngemäß, Gero, gute Kunst muss wehtun. Es gibt so viele gefallene Kunst, aber gute Kunst tut weh. Sie stößt dich auch so bisschen ab vielleicht manchmal. Hast du so ein Element auch, dass du in deiner Kunst manchmal auch abstoßen möchtest? Oder intensiv bewegen die Menschen?

Kai Imhof (17:52.238) Also ich sag mal, Wehtun ist natürlich schon sehr radikal ausgedrückt. Gibt's auch viele gute Künstler, die da reingehen. Anne Imhof würde ich jetzt mal so so nennen, die auch so sehr teilweise schon mit Absolität spielt und so weiter. das nicht? Nee, tatsächlich nicht. Nee, ist nicht. Ich sag mal, in meiner Kunst ist es so, die tut nicht weh, aber ich hoffe, dass sie zum Nachdenken.

Joel Kaczmarek (18:05.87) Verwandt?

Kai Imhof (18:18.766) anregt. Und so würde ich jetzt für mich gute Kunst definieren, dass die sozusagen nicht direkt leicht verständlich und sieht hübsch aus an der Wand, sondern dass man kurz stehen bleibt und überlegen kann, was macht es mit mir. Und das ist bei abstrakter Kunst ja allgemein schnell so, dass das nicht sofort einen Zugang hat zu den Leuten. Man sowieso dann über, jeder macht auch was anderes oder die Kunst macht mit jedem etwas anderes.

beim Betrachter. Für den einen ist es

Keine Ahnung, sieht Autobahn in meiner Kunst, der andere sieht das Chaos und denkt, ist das eine Reflektion der heutigen Zeit mit Politik und was weiß ich und so. Also ja, es macht mit jedem was anderes. Und für mich ist es, ich versuche, glaube ich, so Dekoration und aber auch inhaltliche Komponente zusammenzubringen. Also wenn man jetzt von meinen Chaos-Sachen redet, dann ist es halt auch eine Abstraktion von diesem Graffiti-Thema. Ich arbeite auch immer noch mit der Sprühdose und stelle dann sozusagen indirekt die Fragen, ist das noch

jetzt Graffiti oder ist es schon Abstraktion, ist es zeitgenössische Kunst. Auch dieses Chaos spielt halt wirklich so ein bisschen auf diese Zeit, in der wir leben einfach an und versucht dann so indirekt jetzt nicht so into the face auch Fragen zu stellen oder auch zu triggern. Oder jetzt auch bei den neuen Arbeiten bei dieser Ausstellung gab es dann auch den Moment, ich hatte diese zwei Layer Leinwand, die vordere war sehr bunt, pink, orange und da habe ich zu wenig Sachs dann ein Messer genommen und das halt live zerschnitten.

Also da war dann hoffentlich auch dieser Trigger Moment des was macht der jetzt, wo Leute dann einfach denken, was passiert da und dann kommt da eine zweite Ebene. genau, kann wehtun muss nicht. Meiner Meinung nach.

Joel Kaczmarek (20:05.644) Wenn wir noch mal deinen ersten Punkt so ein Stück weit abschließen. Wenn du jetzt mit einem jungen Menschen zusammentreffen würdest, von dem du merkst, dass er sich noch sehr viele Gedanken darüber macht, was andere Leute denken. Lustigerweise, in Deutschland habe ich mal festgestellt, es ganz viele Menschen, die ihre Träume nicht verfolgen, weil sie sagen, was sollen die Nachbarn denken. Was ich tragisch finde auf eine Art, ja. Hast du so eine Empfehlung, so eine Ratschlag für solche, jemanden, der in diesem Punkt noch ist, was man machen kann, davon ein bisschen so frei zu werden?

Kai Imhof (20:32.43) Ich glaube vielleicht in dem Moment mit 20 weiß man noch gar nicht unbedingt wer man eigentlich ist. Vielleicht da anfangen. Dass man sagt, setz dich doch mal mit dir auseinander. Was sind denn deine Werte? Was interessiert dich? Wo sind deine Wots?

Wie bist du geprägt als Kind und so weiter? Ich glaube, das ist der erste Punkt, dass man erst mal versteht, sich zu kennen und dann versuchen danach zu handeln. wie gesagt, das ist immer leicht gesagt, achte nicht darauf, was andere sagen, aber ich glaube, das kommt von alleine. Je mehr man sich kennenlernt und seine Ideale und Ideen vom Leben so hat, dann weiß man einfach, ich muss das gar nicht so jetzt. Ich glaube, das ist ein guter.

Joel Kaczmarek (21:13.134) ein guter Ratschlag, weil man selbst sein zu können, muss man erst mal wissen, wer man selbst ist. Ja, ich glaube auch. Was ist dein zweites Ding?

Kai Imhof (21:21.006) Zweites Ding, würde sagen, das ist jetzt ganz andere Ebene, aber ich würde sagen, finanzielle Bildung tatsächlich. jetzt wo ich auch bei dir bin, ich habe viel zu spät angefangen, mich damit zu beschäftigen, hey du verdienst jetzt Geld, wie legst du das an? Wie funktioniert das steuerlich? Was musst du zur Seite legen? Wie viel kriegt Vater Staat? Also einfach finanzielle Bildung habe ich viel zu spät angefangen, ich glaube mit irgendwie Ende 20 oder 30 oder so.

Da hätte ich im Nachhinein, gerade wenn man dann auch Thema Zinseszinseffekte etc., da hätte ich gesagt, ey, liess dich mal ein bisschen ein. Sind Zahlen, ich weiß, ist langweilig, aber es ist super wichtig. Auch hinten raus, wie gesagt, der Zinseszinseffekt ist halt super, super wichtig. Also finanzielle Bildung, einfach mal ein bisschen was zur Seite legen, vielleicht mal investieren, ein bisschen mit Aktien mal rumspielen. Das wäre so die zweite Sache, die ich mir empfehlen würde.

Joel Kaczmarek (22:19.406) glaube auch, ist ein bisschen so in unserer Gesellschaft, dass ... Finanzen immer mehr, also noch mehr ein Eigenverantwortungsthema werden. Weil ich finde, so in unserer Elterngeneration war es viel so, du hast einen Job gemacht, hast in die Rentenkasse eingezahlt ... und hast dir sozusagen in die Zukunft wenig Gedanken gemacht. Vielleicht hast du nebenbei was gespart, dann war das sozusagen etwa ein Bonus für einen Sommerurlaub, ... für wenn man die Waschmaschine kaputtet, whatever.

Aber in der heutigen Zeit habe ich das Gefühl, es ist auch in einer viel größeren Breite von Menschen ... transparent, was es da alles so gibt. Ob es jetzt irgendwie Krypto ist oder ETFs oder ... Fondsparpläne und und und. Also diese Hürde ist irgendwie auch runtergegangen, glaube ich. Das heißt, es potenziert sich eigentlich nochmal,

Kai Imhof (23:00.8) Ja und ich glaube, wie du schon sagst, die Zeiten sind andere. Also als ich groß geworden bin in den 90ern, meine Mama hatte einen festen Job, klar mein Papa war selbstständig, aber der hat glaube ich auch schon einfach für sich ein bisschen geguckt mit Aktien und so weiter. Aber es war gefühlt sicherer, also auch was die Rente an ging und so weiter. Und heute kriegst ja selber mal die Krisen überall da, Bubble, weiß nicht vielleicht jetzt AI-Bubble, irgendein Trump, der da komplett Scheibe spielt.

Das heißt, es vier unsichere Zeiten und auf einmal fängt man auch so als normaler Mensch an zu hinterfragen, was ist eigentlich mit der Zukunft, auch finanziell, werde ich später überhaupt noch eine Rente kriegen und so weiter. Plus dann natürlich die Zugänglichkeit übers Internet, sich selber zu bilden, diese ganzen Apps, muss man jetzt keinen Namen nennen, aber diese ganzen Finanzinvestitions-Apps und so weiter. Der Zugang ist viel leichter.

Ja, ich glaube, es ist super wichtig, da ja auch vorzusorgen.

Joel Kaczmarek (23:59.726) hab gestern gerade mit einem Anwalt geredet. Eine der Finanz-Apps, die du im Kopf hast, die haben ja gerade Secondaries gemacht. Das heißt, du verkaufst Anteile an dem Unternehmen. Und ich glaub, die Exit-Summe war 1,2 Milliarden, weil die Firma 12 Milliarden wert ist. Das finde ich schon eine Wucht, wenn man sich überlegt, dass so Laden fünf bis sieben Jahre alt ist. Deswegen, alle Strömungen gehen in die Richtung. Jetzt bin ich ja neugierig, wie hast du für dich eine finanzielle Bildung gefunden? Was war dein Pfad, was waren deine Lernwege?

Kai Imhof (24:31.038) Also ich muss sagen, ich habe den Einstieg tatsächlich über das Thema Bitcoin gefunden und da indirekt auch über die Kunst wieder, weil damals war so dieser Hype NFTs, also diese Kunst auf der Blockchain. für mich war es schon immer interessant auch meine Kunst so breit wie möglich aufzustellen, ob es jetzt die Leinwand ist, das Bild an der Wand oder irgendwelche Produkte oder auch Kunst im digitalen Raum. Und ich fand dieses Konzept halt super spannend, dass man sagt,

man kann jetzt digitale Kunst als Einzelstück verifiziert auf der Blockchain auch kaufen und verkaufen und habe dann da halt so meine eigenen Kunstwerke gemacht und bin darüber dann halt auf dieses Krypto-Thema gekommen. Und wenn man dann nicht den falschen Leuten da irgendwie vertraut, natürlich macht man am Anfang viel falsch auch, aber da gibt es auch ein paar smarte Leute und dann fängt man auf einmal sich damit an zu beschäftigen. Gerade Thema Bitcoin, super super spannend finde ich auch.

und dann vergleichen wir auf einmal, wie funktioniert denn das Geldsystem bis jetzt, was sind die Alternativen und dann verstehst du, Inflation so ein bisschen und dass du deine Kaufkraft auch sichern willst in die Zukunft und darüber fing das dann so bisschen an.

Danke, wie gesagt, YouTube-Videos, irgendwelche Podcasts und so weiter. Ich bin jetzt absolut kein Finanzexperte, aber für das, was mich interessiert, glaube ich, bin ich da ganz gut aufgestellt und weiß einfach, dass man was machen muss, weil auf der Bank da irgendwas liegen lassen, das verliert halt extrem an Kaufkraft.

Joel Kaczmarek (26:00.878) Ja, also jetzt ist ja schon irgendwie ein Highlight, ... wenn irgendwie ein Tagesgeldkonto, ... Sinsen gibt es ungefähr, ... über den Prozentbereich hinausgehen. Gibt es eigentlich, also auf jeden Fall ... sind Non-Fungible-Tokens, war glaube ich die Bedeutung von NFT. Das ist komplett implodiert, ... dieser ganze digitale Kunstbereich, oder?

Kai Imhof (26:17.45) Es war eine super Bubble, muss man einfach sagen. Die Preise sind ja explodiert damals. Du steigst in irgendein Affenbild für 1000€ ein und auf einmal ist das 200.000€ wert, weil Justin Bieber sich so ein Ding gekauft hat. Es war einfach eine wahnsinnig große Bubble, die glaube ich innerhalb von ein, zwei Jahren dann auch direkt explodiert ist. Jetzt sind die Kursi glaube ich gerade super, super schlecht. Es gibt immer noch so eingeschworene Hardcore-Liner, die dann auch immer noch investieren, die halt sagen, ne, jetzt gerade Bärenmarkt, jetzt kriegt man die Sachen für einen halben

Preis und es gibt auch nach wie vor auch seriöse Künstler und auch teilweise Galerien, die in dem Space immer noch unterwegs sind. Also bloß weil jetzt sozusagen dieser Markt implodiert ist, heißt ja nicht, dass die Kunst dann weniger wert ist oder so. Und vielleicht ist es für den einen oder anderen Künstler oder Investor auch ein guter Einstiegspunkt gerade, weil ich glaube die Technologie an sich ist schon interessant für die Zukunft auch. Einfach die Kunst im digitalen Raum zu verifizieren, ist, weißt du selber, es wird alles digitaler.

Ich könnte mir schon vorstellen, dass es da noch was gibt, nur dass es jetzt gesund wächst, wie es sehr oft ist in der Finanzwelt. Erstmal hast du so diese Hype-Bubble und dann irgendwann merkt man, das ist der eigentliche Used-Case und geht ein bisschen seriöser an das Thema.

Joel Kaczmarek (27:31.054) Naja, so wie ich es immer verstanden habe, war ja der Gedanke, ... wenn ich mich einer digitalen Welt bewege, wo ja theoretisch jede Kunst replizierbar ist, ... ... also instantan. Es gibt quasi keinen Kopierschutz, ... ... sondern wo ist eigentlich die Einzigartigkeit, ... das mit einem Konzept zusammenzuwerfen, was das trägt. Da bin ich bei dir. ist eigentlich, ... hat das einen Punkt ... und dann braucht es natürlich immer diese Massenfähigkeit. Aber gut, ich verstehe. Also, Finanznetz, zweites Thema. So, das dritte Ding.

Kai Imhof (27:56.993) Jetzt muss ich überlegen... Warte mal... Ich hab mir... Ich hab mir...

Joel Kaczmarek (28:02.606) Ich will auch schon mal mit meinem Stift in die Liste machen, damit ich das gleich wiedergeben kann.

Kai Imhof (28:06.158) mir hier ein Dings gemacht. Genau, da. Ah ja, ich weiß noch was.

Kai Imhof (28:18.254) Ja.

Kai Imhof (28:27.374) Ja ja, alles gut.

Joel Kaczmarek (28:56.782) Ok, Dein

Kai Imhof (28:59.598) Genau. Ich würde sagen, jetzt zum 20-jährigen ich genieße die Zeit.

Also genieß, was du gerade hast, wie dein Leben gerade ist. Ja, auch wenn ich vorhin gesagt habe, dieses Adrenalin-Thema im Graffiti und so weiter war eigentlich nicht so meins, aber es war eine unfassbar aufregende Zeit. Auch so dieses, weiß ich nicht, mit Mädels oder feiern gehen, mit den Jungs irgendwie gute Zeiten haben und noch so unbeschwert zu sein. ne, weiß nicht, ob es jetzt finanziell ist oder Verpflichtungen oder Business,

Das war damals alles irgendwie noch gefühlt leichter. Mit 20 habe ich gerade mein Abi gemacht und das war eigentlich so die geilste Zeit. Also ich erinnere mich super gern daran zurück und damals war das so normal, dass man gerade so eine geile Zeit hat. Und jetzt im Nachhinein denke ich mir, ey in dem Moment hätte ich gerne mal öfter mal so inne gehalten. Wie geil ist das gerade hier mit deinen Jungs am Wasser, beim Lagerfeuer, mit Bierchen, Musik läuft und

Ja, einfach, das schon damals zu wertschätzen. Also ich weiß es jetzt total zu schätzen, aber ich glaube, man ist so durchgerusht damals. Das war einfach selbstverständlich, dass es so geil gerade alles ist.

Joel Kaczmarek (30:22.542) Ja, total. ich meine, mit zunehmenden Verpflichtungen im Leben ... ... hat ja so eine Zeit auch noch mal ganz anderen Stellenwert. Ich glaube, was man damals hatte, war, es war so allverfügbar. Ich merke das immer, wenn ich meinen Kindern versuche zu erklären, was so arbeiten bedeutet und dass man halt nicht den ganzen Tag spielt, sondern halt auch bestimmte Ziele sich setzt, Aufgaben macht, Dinge einfach umsetzt. Ist ja nicht so, dass man dazu immer gezwungen wird, ja. Aber es ist natürlich so, dass du dir auch Verpflichtungen auflegst. Und wenn du natürlich aus einer Jugend kommst,

Du denkst, ich bin unsterblich, ich werde nicht alt, ich schaffe alles, ich kann alles essen, kann alles machen. Alle meine Freunde sind da, man trifft sich, ich hab keine Verpflichtung. Party, hier, ich bin dabei. Das hat natürlich ganz anderen Stellenwert, wenn du auf einmal, sag ich mal, du hast Kinder, hast vielleicht Arbeitszeiten, zu denen du irgendwo sein sollst, vielleicht pendelst du. Das heißt, das Leben wird natürlich auch noch mal voller auf eine Art nach hinten raus.

Kai Imhof (31:16.174) Ja, total. Ich versuche das mir jetzt trotzdem noch so beizubehalten, indem ich so ein, zwei Mal im Jahr so Termine organisiere, wo ich halt mit meinen Jungs wie früher. Da mieten wir uns dann auf so ein Floß, das ist so immer mein Jahreshighlight, im Sommer. Und dann kommen also die 20 besten Kumpels zusammen. Dann gibt es auch ein bisschen Alkohol und einen Grill. Und dann wird einfach wie früher so bisschen das Leben genossen. Das ist so, weiss nicht, dann lassen wir uns da auf dem Sub hinterherziehen und so. Ich versuche das so bisschen so manchmal zu triggern, diesen Moment. Und ich glaube auch,

meine Freunde, die auch alle Kinder haben, einen festen Job, viel Verantwortung im Leben, die genießen es auch total, dass es so diese ein, zwei Momente im Jahr gibt. Jetzt sind wir mal wie früher, jetzt sind wir mal wie die jugendlichen Idioten, die da Musik hören und was trinken.

Joel Kaczmarek (32:02.81) Ich hab grad so diese Bierboote im Kopf. diese, wo man so zu sechst irgendwie Fahrrad fährt mit so einem Pedalen. Dann kommt so ein Schneckentempo vorne und der Mitte ist immer so Tisch. Ganz so assilich. Ich versteh, was du meinst, so dieses Lebensgefühl, was sich damit zu verbinden.

Kai Imhof (32:10.376) Ach so,

Kai Imhof (32:21.162) Ja, so auch mal nicht drüber nachzudenken, was jetzt gerade ansteht als nächstes Projekt oder so. ja, als Selbstständiger, du weißt es selber, es ist so, man hanget sich von Projekt zu Projekt, Finanzamt hier, Geld verdient da, private Verpflichtungen und dann so ein, zwei Tage im Jahr zu haben, wo man das alles mal kurz ausknipst, finde ich sehr wichtig und ich hoffe, dass wir das auch noch ganz viele Jahre so beibehalten.

Joel Kaczmarek (32:47.278) Ja, da ist viel Wahrheit dran. Ich glaube, als ich beobachte es bei mir ... ... und auch in den Umfällen, in ich mich bewege, ... dieses Be Useful hat der Arnold Schwarzenegger immer so als Leitsatz gesagt, ... was sein Vater immer gesagt hat, ... was ich irgendwie furchtbar finde, ... ... so nach dem Motto, bist nur wertvoll, ... wenn du Nutzen stiftest. Aber ich ertappe mich auch oft dabei, dass ich so denke, okay, was mache ich jetzt? Ich habe Zeit, wie nutze ich die? Woran investiere ich die? Was setze ich ein? Und wozu setze ich mich ein?

Und einfach mal so kontemplativ zu sein, einfach mal zu entspannen, sich zurückzunehmen, man selbst zu sein, einfach mal sein.

Kai Imhof (33:18.366) Ja genau, im Hier und Jetzt auch. Und nicht halt entweder, wie ich ja teilweise auch mache, in die Vergangenheit denken, wie toll das damals war, oder ins nächste Projekt in die Zukunft. Sondern wirklich, da gibt es ja auch viele Leute, darüber schreiben, dass das eigentliche Glück liegt halt in dem Moment jetzt gerade, den wir haben und nicht in der Vergangenheit oder Zukunft. Aber also bei mir geht es zumindest so, dass ich im Alltag ganz viel in der Zukunft lebe. Was ist nächste Woche, was steht an? Die und die Leinwände noch fertig machen für die und die Ausstellung. Das ist auch, ich habe super Privilegier

Ich bin super dankbar, da auch im Atelier mein Ding zu machen, aber trotzdem, du kennst es, ist man von Projekt zu Projekt so ein bisschen.

Joel Kaczmarek (33:56.43) Ja, total vor allem. Also, ich meine, gibt so buddhistische Lehren, sagen, nicht im Gestern, sei im Morgen, heute. Also, vielleicht ist man so ein bisschen im Morgen und hat sich Gedanken gemacht, wo die Reise hingeht, so Ziele zu haben. Aber das, was du beschreibst, kann ich gut nachvollziehen. Es ist, glaub ich, egal, ob man ein Unternehmen baut oder eine Kunst schafft, das manchmal auch der Weg des Ziels ist. Und ich stell mir das so vor, wenn du so eine Ausstellung hast und du weißt, alles klar, da sind noch fünf White Spots an der Wand, die wollen gefüllt sein.

Ich meine, du machst ja Kunst ganz anders, wenn du das irgendwie so mit so einer Druckfreiheit, mit so einer Entspannung machst versus oh shit, heute muss eine Leinwand fertig werden, ja?

Kai Imhof (34:35.565) Total, das ist auch was, ich immer noch lernen muss. sich bewusst machen, wie geil eigentlich mein Job ist. Und auch wenn es natürlich mit viel Druck einhergeht, so eine Vernisage, da muss viel geplant werden, Marketing, Deez das, Presse, was weiß ich, und die Kunstwerke selber. Natürlich ist es Druck in dem Moment, aber da dann manchmal auch zu schaffen, du malst gerade Bilder, du stehst gerade in der Materie, du malst was und dann zeigst du das anderen Leuten und im besten Fall mögen die das oder du kriegst zumindest Feedback.

und meistens strahlende Gesichter. Wie geil ist das eigentlich? Das muss ich auf jeden Fall noch mir öfter bewusst machen, dass es nicht als so Kampf gesehen wird.

Joel Kaczmarek (35:15.412) Naja, es ist ganz lustig, ich war gerade auf so einem Award, ... Startup Award, wo Leute quasi Preise kriegen, ... Unternehmer des Jahres, Investor des Jahres, ... Unternehmerin des Jahres, Investorin des Jahres ... ... und dann gab so zwei, die es erzählten, ... ich habe beide kannte, ganz, also Gründerhasen.

Der eine hatte seine Firma gerade verkauft, hat jetzt noch ein Jahr Earnout, ... das heißt, ist noch ein Jahr in seiner Firma, bevor er gehen kann und kann den Rest seines Geldes vom Tisch nehmen. Hat er gesagt, ja, ich dachte irgendwie, ... geil, wenn ich die Firma verkaufte, dann höre ich erst mal auf, ... dann habe ich die Schnauze voll, ich mache mir schon wieder Bock ... ... und dann realisiere ich, ... ich habe es ja eigentlich gar nicht dafür gemacht. Also, es ist ganz oft gar nicht so sehr, dass der Geldregen das ist, ... wofür wir es tun, ... sondern die Sache an sich ... ... und manchmal vergessen wir das, ... ... dass es eigentlich darum geht, ...

Du machst verdammt noch mal gerne Bilder. Du hast gerne Sprühdose in der Hand und ... gibst deine minderen Gefühlen in äußeren Ausdrucken. Und nicht, dass da irgendein russischer Oligarch dir ... eine Viertelmillion für deine nächste Leinwand zahlt.

Kai Imhof (36:10.584) Also ich glaube, das ist total richtig, was du sagst. Es gibt natürlich auch den Punkt, wo man als Unternehmer oder auch als Künstler ums Überlegen kämpft, finanziell. Da ist es natürlich schwer jetzt zu sagen, ich mache es für die Sache und so weiter. Weil da ist es teilweise einfach ein Überlebenskampf und du musst halt irgendwie Geld generieren. Da ist es dann schwer, idealistisch zu machen sozusagen.

Joel Kaczmarek (36:34.254) Also, ... ... Einschränkungen, ... ... gibt ja glaube ich mal so diesen Elon Musk Spruch, ... die ersten vier Jahre eines Unternehmens ist wie ... Glasscherben kauen, ja. Das ist jetzt nicht so falsch so. Wenn dann ein Mangel da ist, ... Mangel ist halt nie gutes Gefühl so, ... keine Frage und Mangel erzeugt dann Druck ... ... und Druck macht es dann zur Arbeit manchmal auch.

Kai Imhof (36:56.814) Gerade in der Kunst. Ich glaube, die beste Kunst entsteht in der absoluten Freiheit. Zum einen, wenn du nicht abhängig bist von irgendwelchen Verkäufen und zum anderen natürlich auch in deinem privaten Umfeld und so weiter. Wenn du richtig frei bist, dann machst du die authentischste Kunst wahrscheinlich. Aber es gibt natürlich auch Phasen, wo es schlechter läuft.

Du denkst, ok, jetzt müsste ich mal wieder eine Leinwand verkaufen. dann malst du, glaube ich, anders und dann wird dieses Malen nicht mehr der Leidenschaft gerecht, weil dann wird es irgendwie unter Druck einfach passiert.

Joel Kaczmarek (37:29.31) Lustig bei der Kunst finde ich, dass glaube ich das Wort Leidenschaft insofern relevant ist, dass es oft aus dem Leiden heraus auch die beste Kunst entsteht. Also so eine Adele schreibt glaube ich die besten Songs, wenn die Liebeskummer hat. wenn du so, also bei Sängern sieht man das oft, dass Leute, auf einer Bühne eine tragende Persönlichkeit sind, die sind manchmal ganz schön kaputt an ganz vielen Stellen oder haben ganz schöne harte Dinge durchgemacht.

Kai Imhof (37:52.415) Ich kenne das von mir selber auch. Meistens, dass in meiner Kunst etwas passiert, stilistisch oder ich eine neue Idee habe, kommt eigentlich immer eher aus dieser Druckhaltung raus. Weil wenn es alles gut funktioniert, dann ist man manchmal in so einer...

Ich weiß ja genau, was ich machen muss. Das verkauft sich und dann funktioniert irgendwie alles. Aber wenn so dieser Druck reinkommt so ein bisschen, dann so, jetzt muss ich irgendwie noch mal das Ganze hinterfragen. Und dann fängst du an zu denken, neue Wege zu gehen und so weiter. Ich merke auch wirklich, dass für mich meine beste Kunst eigentlich immer entsteht, wenn irgendwo was im Argen liegt. es jetzt privat ist oder irgendwelche Eindrücke, die man so hat oder

dann passiert meistens irgendwie was Spannendes bei mir, ist es so.

Joel Kaczmarek (38:39.838) Es gehört ja auch zur Wahrheit. Ich glaube, im Mangel sein ist nicht geil. Aber wenn du in der Überfülle bist, wirst du auch so bisschen fett und faul. Also merke ich aber Unternehmen auch, wenn die zu viel Geld haben, dann gucken die nicht mehr so genau hin, was sie da machen. Macht das Marketing da gerade die Kampagne? Macht die gerade noch Sinn? Oder kannst du es nicht besser umsetzen? Also Not macht auch einfach erfinderisch im wahrsten Sinne des Wortes. Spannend, dass das bei dir sich auch in der Kunst auslöst.

Kai Imhof (39:01.166) Ja, ich auch. Und guck mal, wenn du überlegst, warum wurde denn das Rad erfunden? weiß nicht, gab's den ersten, immer mit Feuer gespielt hat. Das war ja immer aus einem Mangel heraus sozusagen. Man wollte neue Wege gehen, weil man sich schneller fortbewegen wollte oder so. Also aus dem Problem, Lösungen zu entwickeln, ist dann glaube ich der Punkt, dann auch da mal drin spielt.

Joel Kaczmarek (39:26.414) Sehr gut, wir weiter, das ist viertes Ding.

Kai Imhof (39:29.002) Das vierte

würde ich sagen, hey Kai, guck dich mal vielleicht ein Kunststudium zu machen. Weil das habe ich nicht gemacht, ich bin Grafikdesigner ausgebildet, weil ich vorher nie den Drang hatte oder nie die Vision, ich kann es mit meiner Kunst schaffen, das war utopisch. Das heißt, ich wollte immer in der Agentur klassisch Werbung, Grafik machen und jetzt im Nachhinein muss sagen, dieses Kunststudium hätte mir glaube ich viel gebracht. Zum einen, weil du natürlich

viel detaillierter auf die Kunstgeschichte und so weiter gehst, dadurch neue Eindrücke kriegst, du lernst deine eigenen Sachen einzuordnen und so weiter.

Und zum anderen aber auch, in einem gewissen Netzwerk schon integriert bist. Und wenn du so als absoluter Autodidakt von jetzt sag ich mal bei mir Urban Art Richtung kommst in diesen Kunstmarkt, ist es schon schwieriger glaube ich da einen Zugang zu kriegen bei den sag ich jetzt mal elitären musealen Kontexten und so weiter. Also das ist was...

Ich habe letztens mit Anselm Reil, das ist auch ein sehr bekannter Künstler, auch international Museumshows und so weiter macht, hat auch ein riesen Team und so weiter. Und der hat mir auch den Tipp gegeben, Kai vielleicht fängst du sogar jetzt noch an mit dem Kunststudium.

Joel Kaczmarek (40:45.518) Ich frage mich, warum machst du das nicht jetzt?

Kai Imhof (40:48.478) Ja, gute Frage. Ich traue mich nicht so richtig und irgendwie, denke auch so ein bisschen als Künstler habe ich mich schon weit genug entwickelt in meinem eigenen Stil. glaube so ein Kunststudium ist auch erstmal jungen Künstlern sozusagen eine Identität nicht zu geben, aber die herauszufiltern durch Eindrücke, durch den Diskurs mit anderen Künstlern, mit den Professoren und so weiter. Und ich glaube auf der stilistischen Seite und inhaltlichen Seite bin ich da vielleicht schon drüber. Ich weiß einfach, was ich machen will und was ich

mit meiner Kunst. Aber bei diesem Netzwerkthema wäre das glaube ich schon nochmal interessant.

Joel Kaczmarek (41:24.014) Warum wirst du denn nicht Dozent?

Kai Imhof (41:26.708) gute Frage. Ich weiß nicht, ob wir vielleicht mit diesem Urban Art Bezug vielleicht sogar klappen. Ich weiß nicht, wie Universitäten das sehen, wenn jetzt so ein Autodidakt da rein kommt. Aber vielleicht auch ein ganz guter zusätzlicher Input für die Leute.

Joel Kaczmarek (41:40.264) Also wenn ihr draußen zuhört, liebe UDK in Potsdam, wo ich in der Uni war, Fachhochschule hier, please go ahead. Ja, okay, verstehe ich. es ist sozusagen so eine Mischung aus Selbstfindung, bisschen das Potpourri kennenlernen, was es alles gibt und der Netzwerkgedanken.

Kai Imhof (41:57.87) Ich glaube für mich am wertvollsten wäre dieser Netzwerkgedanke aktuell. Anselm Reilam meinte auch, ihm hat es damals super viel gebracht, sich mit den Künstlern zu connecten, weil die sich gegenseitig viel gepusht haben. Hier hat einer eine erste institutionelle Ausstellung und nimmt dann ihn noch mit rein oder macht ein Intro zu bestimmten Galeristen oder Museen und so. Und er hat gesagt, das ist schon ziemlich wichtig.

Joel Kaczmarek (42:23.099) okay, das ist nicht so Ellenbogig, sondern man hilft sich gegenseitig in eurem...

Kai Imhof (42:26.478) Also ich glaube unter den Künstlern auf jeden Fall. Ich weiß nicht, wie es jetzt so bei den Galerien ist. Ich glaube da gibt es auch manchmal dann so Anspruch, ja ich habe den entdeckt und der bleibt jetzt bei uns und wenn er dann mit einer anderen Galerie zusammenarbeiten will, ist dann vielleicht schwierig, zumindest in der gleichen Stadt.

Ja, aber das wäre so ein Thema gar nicht wegen dem kreativen, künstlerischen, sondern eher dieses Drumherum. Einfach auch der Austausch vielleicht nochmal mit Professoren und so weiter. Wie ordnen die denn meine Kunst ein? Weil ich stehe da in meinem Atelier und denke, ich bin das größte Genie und jetzt habe ich hier das Ding, weißt du? Aber wenn dann andere nochmal eine ganz andere Meinung dazu haben, kann einen glaube ich auch als Künstler weiterbringen.

Joel Kaczmarek (43:07.367) Wann denn so deine Meilensteine, wie du deine Kunst gefunden hast, deinen Ausdruck?

Kai Imhof (43:12.596) Also ganz klar als erstes dieses Graffiti-Thema. Überhaupt mit Kunst anzufangen, mit was Kreativen. Die Sprühdose in Hand zu nehmen, Farbe auf die Wand dann damals zu bringen, dich mit Farben allgemein auseinanderzusetzen. Was funktioniert gut? Hier haben wir so ein pinkes Trikot, was irgendwie mit Lila ganz gut funktioniert. Würde es jetzt noch genauso gut wirken, wenn man, keine Ahnung, einen Braun dazusetzt oder so. Also überhaupt.

drüber nachzudenken, welche Farben funktionieren. Die Linie an sich auch im Graffiti, diese Tags, du so hast und dieser Schwung und so weiter, das in der Linie auch in eine Emotion stecken kann und so weiter. Also das war so das erste überhaupt, dass ich überhaupt einen Zugang überhaupt damit hatte, weil in meiner Familie hat niemand irgendwas mit Kunst gemacht. Meine Oma war sehr kreativ, aber jetzt im, sag ich mal, professionellen Kontext oder so war das ganz weit entfernt von uns. Das heißt, das war so der erste Einstieg. Und dann der nächste Step war, glaube ich, das Grafikdesign, die Grafikdesign Ausbildung, wo wir auch

Kunstgeschichte und so weiter haben und dann siehst du auf einmal, dass Graffiti gar nicht so weit weg ist von irgendwelchen abstrakten Malern oder Malereien. Das war ein super einflussende Bauhaus und so weiter. so dieses minimalistische, was passiert, wenn du ein rotes Viereck an ein gelbes Dreieck setzt, was passiert mit den Formen, hat das irgendwelche Wirkung, optische Illusionen und was weiß ich alles. Das war super, super spannend und dann...

Social Media auch ein super wichtiger Einfluss. überhaupt digitale Kunst, was passiert da. Und dann habe ich mich da selber rein entwickelt. Also dann gab es so danach nicht mehr so den Meilenstein, der mich extrem geprägt hat. Das war dann einfach so ein laufender Prozess, dass ich sozusagen immer diese Buchstaben, die aus dem Graffiti ja bekannt sind, immer weiter reduziert habe auf dann die Linie, auf die Farbe, die Fläche und dann mit Grafikdesign, Komposition und so weiter, dass ich dann

wie so mein Stil entwickelt hat.

Joel Kaczmarek (45:06.886) Wie ist dein Verhältnis zu KI? Also wenn künstlerische Intelligenz auf künstliche Intelligenz stößt, hast du da auch schon mal Sachen ausprobiert? Siehst du so Dinge, die da sich entwickeln könnten, dass KI und Kunst, dass es bei dir eine Rolle spielt?

Kai Imhof (45:19.562) Also bei mir jetzt persönlich nicht, aber ich hatte schon mal ein ganz spannendes Projekt mit einem französischen Künstlerkollektiv. Die waren damals tatsächlich so mit die ersten, die mit KI Kunst kreiert haben, haben die Codes auch noch selber geschrieben und so weiter. Und dann gab's, ich weiß nicht, 2019 oder so war das...

Ich glaube die erste Christie's Auktion, ich weiß nicht ob es Sazabi's oder Christie's, eins der großen Auktionshäuser, hat so dieses Werk versteigert. Das war das erste vom Computer generierte Kunstwerk und ging dann glaube ich auch für eine halbe Million weg oder so, wo die Jungs vorher auch kleine Lichter auf dem Kunstmarkt waren. Und das war super spannend und die hatten mich dann ein Jahr später so mal angefragt, dass wir so eine Kollabo machen und haben dann sozusagen mein Kunstwerk verrechnet durch den über den Algorithmus mit Cave Art, also mit

Höhlenmalerei. Weil die sozusagen auch gesagt haben, Höhlenmalerei ist ja eigentlich die ursprünglichste Form von Kunst, aber auch von Graffiti. Also in den öffentlichen Raum was an die Wand zu malen. Und haben das dann zusammen verrechnet. War ein schönes Projekt. Gab es dann so eine Printedition, die wir gemacht haben, hat sich auch weltweit verkauft. bist nach Asien und so weiter. Das war ein tolles Projekt und das Kunstwerk selber auch für mich super spannend. Und dann kam natürlich jetzt in den letzten Jahren dieser große KI-Hype, wo ich auch mal ein bisschen was ausprobiert habe. Also du speist dann einfach mal ein Bild von dir.

rein und sagst irgendwie ja projizier das mal auf das und das Objekt oder verrechne das mal mit einem anderen Künstler oder so was dann passiert. Also tendenziell ganz interessant aber für mich geht es gerade immer mehr auch wieder den physischen Raum, dieses Handgemachte. Gerade halt einen Gegenentwurf zu dem Digitalen auch zu haben. Deswegen werden meine Kunstwerke, die an sich sehr perfekt immer waren, auch wieder rougher. Also ich arbeite dann auch mit Aceton oder zerkratze die Leinwand. Diese Sprühdose wird schnell

Also so dieses emotionale, menschliche, haptische will ich wieder mehr in meine Kunst bringen. Also ich beobachte die KI, aber entwickle mich eher bewusst ein bisschen davon weg.

Joel Kaczmarek (47:19.278) Ich habe bei dir noch nie überlegt, dass dein Produkt auch komplett internationalisierbar Du kannst es ja kurz auf der ganzen Welt verkaufen. Irgendwie habe ich dich immer so deutsch gedacht, weil es total dumm ist. Wie ist es in deinem Markt? Verkaufst du viel international?

Kai Imhof (47:31.374) Also tatsächlich, als ich so ein bisschen bekannter wurde über Social Media und so weiter, war super viel auch international. Also gerade auch Amerika, die sind ja super offen für urbane Kunst. In Deutschland ist es immer noch so bisschen verschrien als die Jugendkultur. Oder auch Frankreich, also ich hatte glücklicherweise auch schon Ausstellungen in Paris, Miami, Jakarta und so weiter.

Die Frage ist, die Erreichbarkeit der Sammler. Wo ich die vorher über Social Media ganz einfach hatte, sind einfach die Algorithmen mittlerweile anders bei Instagram und so weiter. Aber da will ich mich jetzt auch wieder mehr darauf konzentrieren, auch mit internationalen Galerien zusammenzuarbeiten.

Joel Kaczmarek (48:11.32) aber ich merke herausforderndes Spiel, wenn man dann auch noch ... die Algorithmen der Vermarktung ... sozusagen im Griff haben darf, plus irgendwie ...

Kai Imhof (48:17.774) Auch dadurch kam dieses Thema mit diesem Zerschneiden. Weil ich dachte, du brauchst diesen ersten Trigger, überhaupt die Leute wieder auf deine Kunst zu lenken. Dieses, jetzt zerstört er sein... quasi. Genau, so nur Hook, wie man will. Das Trojanische Pferd sozusagen. Eigentlich das zu kritisieren, aber damit auch klar zu spielen einfach.

Es ist du schon sagst, spannend, dieses was will ich als Künstler machen, wo ist der Markt, wie funktioniert der Markt, Erreichbarkeit der Leute. Es ist schon herausfordernd, aber auch super spannend.

Joel Kaczmarek (48:51.386) Eine blöde Frage noch dazu, wie du das eben erzählt hast mit dem Aceton oder zerkratzt die Leinwand. Ich habe das manchmal, wenn ich was erzeuge, sehr künstlerisch auf sehr naivem Niveau, aber ich mal, wenn ich mal ein Bild, gefällt es mir.

Und dann bringe ich ein Element rein, und dieses eine Element macht den ganzen Rest kaputt. so, shit. Ich kann ja nicht so Steuerung Z wie auf dem Computerdruck uns wieder rausnehmen. Ich hab dann manchmal so das Bedürfnis zu sagen, nee, wegwischen, Kunstwerk noch mal neu starten. Das ist ja so bisschen dieses Erfahren und Lernen, was du auch hattest mit den Farben und den Formen. Hast du so was als Künstler auch, dass du dann manchmal sagst, das Kunstwerk ist jetzt ruiniert, der ist zerstört, ich mach's noch mal neu?

Kai Imhof (49:32.116) habe ich auch auf jeden Fall. Mittlerweile finde ich aber diesen Fehler super interessant, weil der macht es halt menschlich. Wie gesagt, wo ich eigentlich aus dem Grafikdesign komme, Perfektionismus, auch meine Leinwände sind teilweise super perfekt abgeklebt, kein Fehler. Habe ich in letzten Jahren gelernt, nee, die Fehler sind das, was es ausmacht, weil das macht es menschlich, das macht es emotional. Natürlich gibt es auch eine Leinwand, wo du komplett daneben geschossen hast, und dann denkst dir, okay, die zeige ich jetzt niemand, die, weiß nicht, kannst du dann zerschneiden oder übermalen oder so, klar gibt es auch, aber im Grunde

Diese Fähler machen ist super wichtig. bist im Endeffekt als Künstler wie ein verrückter Professor, der so Sachen zusammenschüttet und dann kommt irgendwie was Neues bei raus. Ich habe das Gefühl, die neuesten oder innovativsten Sachen kommen eigentlich immer daraus, wo du vorher einen Fehler gemacht hast.

Joel Kaczmarek (50:18.062) Schöner Blick darauf, ja total. Wie machst du das eigentlich, dass du so perfekt quasi klebst? Hast du da so Techniken entwickelt? Musst ja auch so ein Abo haben im Baumarkt für Kaffertape oder so.

Kai Imhof (50:28.186) Ja, ich habe super viel Tape benutze ich. Das hat sich auch über die Jahre entwickelt. Im Prinzip baue ich so eine Linie so auf, ich mache so Bleistiftvorzeichnungen mit Lineal auch, aber intuitiv, also ich habe nicht jetzt vorher digitalen Entwurf, den ich dann eins zu eins umsetze. Dann sprühe ich so die Grundflächen und dann wird halt wirklich jede Linie einzeln abgetapet, rübergesprüht, Tape abgezogen, nächste Linie und so weiter.

Joel Kaczmarek (50:50.894) Ich finde das bei deinen Socials Sachen, das ist halt mal so der ultimative Befriedigungsmoment, glaube ich, wenn du so ganz langsam so ein Thesabante abziehst.

Kai Imhof (50:58.03) Ja, hat eine Zeit lang auch super funktioniert. Da sind wir aber im Thema Algorithmus und Aufmerksamkeit. Aber irgendwann lernt der Algorithmus auch, ja, ne, das hat er jetzt zum zehnten Mal gemacht. Für mich ist, glaube ich, die nächsten Jahre super wichtig, mich unabhängiger von diesem Social-Media-Thema zu machen.

Joel Kaczmarek (51:06.815) nutze ich ab.

Kai Imhof (51:14.56) Weil das einfach langfristig will ich ja einen safeen Job haben, safes Einkommen. Und wenn du dich so abhängig machst von diesen Algorithmen, du zum einen rennst du dem immer hinterher, was dich emotional auch kürre macht. Und deine Kunst muss ja sich immer wieder dem Algorithmus indirekt auch mit anpassen, dazu funktionieren zu können. Mehr im physischen Raum, wirklich mit Galerien mehr zusammenarbeiten, Netzwerken, ganz ganz wichtig, Leute kennenlernen und

Joel Kaczmarek (51:34.254) Wie machst du das?

Kai Imhof (51:43.444) Ich glaube auch Käufer triggert man mehr im 1 zu 1 Gespräch, weil die dich als Menschen ja auch verstehen wollen oder als Künstler. Das ist so viel mehr wert als jetzt ein Bild einfach bei Instagram zu sehen.

Joel Kaczmarek (51:55.174) Vor allem wird mir jetzt erst so bewusst, du bist ja quasi mehrere in einem. Du bist Logistiker, du bist Marketier, bist aber auch Verkäufer auch. Wie schafft man denn sozusagen der, es wäre so, als wäre Samsung quasi, oder gut machen sehr fairerweise, aber du stellst ein Produkt her und du verkaufst es auch direkt. So wie gelingt dir das?

Kai Imhof (52:14.738) Das ist halt super herausfordernd. Das ist genau das, was für mich eigentlich der nicht spaßige Teil ist, weil ich will kein Verkäufer sein. Und eigentlich will ich auch kein Grafikdesigner mehr sein oder Videoproduzent, aber auch diese ganzen Sachen habe ich immer noch Einfluss, was irgendwie auch cool ist, weil der Job...

dann halt so viele Facetten hat. Aber gerade in der Kunst ist es eigentlich wichtig, dass du andere hast, die dich anpreisen. also ich hatte mal mit einem Management zusammengearbeitet und ich fand ja das ganz gut beschrieben, wenn du als Künstler dich selber verkaufst, ist die ganze Zeit so, du stehst in so einem Fußballstadion, wenn man eine gewisse Reichweite bei Instagram hat und da sind alles deine Follower, die dich angucken und du stehst in der Mitte dieses Fußballplatz und sagst die ganze Zeit, ich bin voll der krasse Künstler, kauft meine Sachen. Das ist keine gute Energie, das ist so bisschen anbiedernd und

schwierig. Und wenn du aber jemanden hast, der daneben steht und du stehst einfach da und der zeigt dir ganz, ey, der Typ ist voll der krasse Künstler, hat das bei den Leuten einen ganz anderen Triggermoment. Und deswegen ist es auch nach wie vor so wichtig, glaube ich, mit Galerien weiterhin zusammenzuarbeiten, weil sich da natürlich auch in der Kunstwelt gerade ganz viel verändert. Ganz viele Künstler machen halt selbst Marketing, haben ihre eigenen Vertriebswege über ein Shop-System oder Social Media. Ich glaube, es ist nach wie vor ganz wichtig, da eine zweite Person oder Instanz zu haben, die dich da unterstützt.

Joel Kaczmarek (53:32.002) Funktionieren so Communities für dich, weil ich habe ein Freund hier, den Joscha Sauer, der macht diese nicht lustig Comics und bei dem ist im Prinzip so, der macht so was wie Patreon, Steady, also so ... Onlyfans kennen viele so aus dem sexuellen Bereich, aber so was gibt es ja auch im, sag mal, künstlerischen, medialen Bereich, dass du quasi von Menschen einen regelmäßigen Geldbetrag kriegst, dafür, du ihnen quasi Inhalte gibst. Ist so was in deiner Branche auch tragend oder ...

Kai Imhof (53:55.946) Also gibt's auf jeden Fall. Es wäre nicht mein Modell, weil dann wird's so in Richtung Workshop. Wie malst du das und dann erklärst du und so. Und ich bin halt, das war auch wieder beim Anfang, dich selbst kennenlernen. Ich bin kein Influencer oder ich bin jetzt niemand, der den Leuten unbedingt meine Sicht auf die Kunst mitteilen muss. Ich will halt die Kunst machen. Aber gerade im Graffiti-Bereich gibt's auch Freunde von mir, die haben dann so einen Patreon-Account und erklären den Leuten, wie man Graffitis malt. Also wirklich von der Wiege auf.

Wie macht man so ein A, wie man es normal schreibt, dann macht man es bisschen dicker und dann macht man 3D-Elemente dran und so weiter und haben da auch dann ein relativ passives Income.

Joel Kaczmarek (54:35.962) Aber okay, für dich ist es edukativ, weil ich hab' zu gedacht, du könntest zum Beispiel hingehen, kannst sagen, jeden Monat gibt's ein Wallpaper für deinen Desktop-Hintergrund oder für dein Smartphone oder sowas mit deiner Kunst.

Kai Imhof (54:45.39) Ja, da kann man mal drüber nachdenken. Ich weiß nicht, ob das jetzt so den Mehrwert für die Leute hat. Wo man ja dann doch irgendwie bei Google Rechtsklick speichern unter und dann hast du einen Wallpapier. Weiß nicht, wäre mal interessant.

Joel Kaczmarek (54:56.814) Aber von der Denk-, also ich hab einfach gedacht, wie man es sozusagen verkleinert und ver-, also massend, aber verstehe. Nee, ist schon ...

Kai Imhof (55:03.63) Da waren eigentlich, weil dieses passive, massentaugliche waren eigentlich die NFTs ganz gut. Weil so, du reist digital weltweit jeden, dann gab es ja noch diese Royalties damals, also wenn jemand weiterverkauft, wurdest du als Künstler sogar daran beteiligt, was du im Kunstmarkt nicht hast. Wenn du dein Leinwald einmal für 4000 Euro verkaufst und dann nicht verkaufst für 10.000, kriegst du dann nichts mehr ab. Also es war schon ganz gutes Konzept.

Joel Kaczmarek (55:26.094) Ja, find ich auch. Haben wir mal ne Folge gemacht, ... in der ich mich mit Lumas zusammen mit dem Geschäftsführer, ne? Stimmt. Na gut, machen wir die Hand voll. Eine Sache fehlt noch, ein Ding.

Kai Imhof (55:29.998) Stimmt.

Ja, die letzte, also ich hab lang drüber nachgedacht, die letzte ist ein bisschen schwierig. Ich würde einfach tendenziell insgesamt sagen, vielleicht auch bis heute noch bisschen mutiger zu sein. Mut im Sinne von auch natürlich auf die Kunst bezogen. Noch freier zu sein, noch radikaler zu sein, noch unabhängiger vom Markt zu machen. Oder damals als 20-jähriger

nicht zu denken, was andere machen, trau dich. Auch, ich weiß nicht, so ganz einfache Beispiele. Snowboard fahren. Habe ich viel zu spät angefangen. ne? Einfach so eine Sachen schon als Jugendlicher machen. Nicht immer drüber nachzudenken, was könnte passieren, wenn. Ich war, glaube ich, sehr ängstlicher Jugendlicher. Und da würde ich jetzt sagen, Mensch.

Entspann dich, mach einfach mal, probier aus, nutz das Leben, nutz die Zeit, nutz deinen sportlichen Körper und so weißt du, einfach mutiger und offener dem Leben gegenüber sein. Auch wenn man jetzt sagen könnte, der ist ja Graffiti, ist illegal, nachts rüber und so, klar, das war schon so ein Freiheitsdrang und irgendwo auch mutig auf eine gewisse Art, aber ich glaube das hätte ich noch auf andere...

Dinge auch beziehen können. war auch super schüchtern mit Frauen damals und so. Weißt du, da hätte ich so einfach Mensch, mach doch einfach mal.

Joel Kaczmarek (56:52.716) Ich hab mal mit irgendjemandem drüber geredet, der meinte immer, wenn ich mutig war, es eigentlich, hab ich mich besser beigefühlt. Hast du das auch?

Kai Imhof (56:59.006) Ja, total. Ich glaube, selbst wenn was nicht funktioniert, es ist ein Learning, du nimmst was mit und du bist stolz auf dich, dass du es überhaupt probiert hast. Ich glaube, ja.

Joel Kaczmarek (57:09.806) Bist du heute mutiger als früher?

Kai Imhof (57:11.566) Ja, auf jeden Fall. Also vielleicht gar nicht mutiger, aber entspannter. Also ich denke nicht mehr die Konsequenzen fünfmal durch wie damals, sondern ich sage so, ach das wird schon irgendwie, weißt du?

Joel Kaczmarek (57:22.894) Ich war gerade im Begriff dich zu fragen, was dich mutiger macht, ob es auch dieses gestiegene Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl, Selbstkenntnis ist oder sowas wie du gerade beschrieben hast, dass du vielleicht sagst, okay, ich habe jetzt ein paar Erfahrungen gemacht, ich kann Wahrscheinlichkeiten abschätzen, ich mache mir nicht mehr so eine Platte. Ist das vielleicht so ein Mix oder wie würdest du es beschreiben?

Kai Imhof (57:40.298) Ich glaube, ist genau der Mix. Also auch wenn ich jetzt überlege so mit, weiß nicht, wenn man Kooperation hat oder irgendwie größere Projekte, da war ich früher so ein Perfektionist und hab mich so fertig gemacht, auch kurz vorher klappt das alles, hast du genug Material bestellt und was weiß ich. Und jetzt ist es so, das wird schon alles. Und ehrlicherweise ist es meistens dann auch geworden. Man geht nur entspannter durchs Leben.

Joel Kaczmarek (58:05.492) Wie ist es so in der Kunst? Also du könntest jetzt zum Beispiel sagen, ich bin jetzt mal mutig und mixe mal das Blau mit einem Neon Pink. Also belohnt die Kunst auf den Mut oder ist es da mal so mal so, wie würdest du sagen?

Kai Imhof (58:18.574) Also ich glaube ganz allgemein ja, dass wenn du als Künstler authentisch wie möglich, radikal wie möglich und mutig wie möglich bist, dass das langfristig schonend einen Einfluss hat, weil die Leute einfach sehen...

der hat eine Meinung oder der hat ein Statement und denkt halt nicht nach irgendwelchen Marktmechanismen zu entsprechen. Aber das ist halt was, ich noch, das ist sozusagen auf der Agenda, da noch radikaler einfach zu werden.

Joel Kaczmarek (58:51.158) Und sag mal, ist dieses Seinmutiger für dich so ein Allgemeinplatz? Also sagst das bei allen Dingen, weil manchmal im Leben ist ja auch Angst oder Furcht ein guter Diener sozusagen. Also beziehst du Seinmutiger wirklich auf alles oder hast du für dich so Ebenen, wo du sagst, so nee, in diesen und jenen Sparten halte ich Mut für, also da halte ich Bedachtsein vielleicht für besser.

Kai Imhof (59:11.39) Ich glaube, weil ich eher aus diesem ängstlichen, bedachten Umfeld komme oder auch meine Persönlichkeit als Jugendlicher gerade so war.

ist für mich die Upside mehr im Mut zu sehen, weißt du? Also ich weiß, wie es ist, wenn man sehr ängstlich ist, wenn man alles fünfmal durchdenkt und ich sehe das Potenzial mehr im Mut, weil das kenne ich. Ich weiß, es ist, man, weiß ich jetzt, ob es ein Investment oder was ist, wenn man da lieber mal gucken, wie ist denn gerade die Marktlage und so weiter. Also das ist mein Safe Space, da weiß ich, wie ich funktioniere und dieser Mut bringt eher das Potenzial für mich mit. Das ist dann, wo einfach spannende Sachen entstehen können.

Joel Kaczmarek (59:49.23) Wie beschreibst du denn die Gefühlslage bei einer mutigen Entscheidung versus eine bedachte? Also hast du so ein Bild im Kopf?

Kai Imhof (59:55.374) Boah, eine gute Frage. Die Gefühlslage.

Ich würde sagen, beim Mut ist es so bisschen nervenkitzeliger. du hast so am Anfang dieses so, machst du jetzt wirklich, wenn man es nicht? komm, ich mach. Das ist so, und wenn du es dann gemacht hast, dann halt dieses, geil, hat geklappt. So weißt du, so irgendwie, ist halt schwer zu beschreiben, so ne? Und beim Bedachten ist halt der sichere Weg. Der auch, also es gibt wahrscheinlich auch super viele Menschen, die super mutig sind und super risikoreich, die aber auch schon mal richtig ins Klo gegriffen haben. Wo dann sozusagen,

Es wäre bisschen bedachter ängstlicher zu sein.

Joel Kaczmarek (01:00:30.35) Ich meine, wie immer im Leben, die Dosis macht das Gift. Und es braucht ja nicht immer die Extreme. Man muss ja jetzt hier nicht mit 35 Meter Bungee-Seil auf irgendwie einen 50 Meter Abgrund zujagen. Also von daher, gibt ja Abstufungen, aber ich verstehe, was du meinst. So diesen...

Kai Imhof (01:00:40.622) Ja, das würde ich jetzt auch noch nicht machen.

Joel Kaczmarek (01:00:50.25) Ich glaub, das ist Nervenkitzel zu meinen, aber auch Euphorie. Wenn man sich auf etwas einlässt, ein Wagnis eingeht. Das darf ja manchmal kalkulierbar sein oder ... noch ein bisschen über den Komfortrahmen und nicht maximal drüber.

Kai Imhof (01:01:06.27) glaube auch die Chancen liegen im Mut. Du machst neue Erfahrungen, du lernst dich selber kennen, du lernst das Leben und die Welt kennen. Das lernst du wahrscheinlich nicht in dem Ausmaße kennen, wenn du die ganze Zeit, nun mal sicher, heute mache ich das mal nicht, weil das könnte ja passieren.

Joel Kaczmarek (01:01:25.614) ist ja ein bisschen so wie wenn Gutenberg die Mönche gefragt hätten, wie man das schreiben, optimieren kann. hätte gesagt, bau bessere Federn und der Typ baut halt eine Druckmaschine. Das gleiche Beispiel gibt ja mit Steve Jobs und dem iPhone. Wenn du die Leute gefragt hättest, wie sieht das Telefon, Ideale der Zukunft aus, hätten sie wahrscheinlich eine Tastatur unten dran. Und dieses radikale Anderen, dieses Mutigsein, vollkommen recht. Manchmal fährst du gegen die Wand, aber die Wahrscheinlichkeit für einen, ich hab mal iPhone-Moment, ist natürlich viel höher, wenn du außerhalb der Komfortzone bist als innerhalb.

Na gut, Kai Ross Imhof Nummer eins, kümmere dich nicht darum, was andere denken Nummer zwei, schaffe dir finanzielle Bildung Nummer drei, genieße die Zeit, noch mehr Nummer vier, mache ein Kunststudium, das Netzwerk dahinter ist wertvoll und Nummer fünf, sei noch mutiger Da steckt viel Aufruf, so ehrlich selber

Kai Imhof (01:02:16.686) Super. An mich selber wahrscheinlich, ja ja. Bis heute.

Joel Kaczmarek (01:02:22.158) Schön, freut mich, dass du mich auf diese Reise genommen hast und dass gerade jemand wie du, der viel erforscht mit seiner Kunst, aber trotzdem zu dem Ergebnis kommt, hier trau dich da noch was, mach da noch, lass die Gedanken der anderen beiseite, sei mutiger, nimm dir da ein Netzwerk und so. kann so bisschen, dass du dich auch selber immer wieder dran erinnerst, dass dich sozusagen, dass so ein Aufruf an dich selber ist. Dann danke ich dir ganz herzlich dafür. bin mal gespannt, wenn wir noch mal reden demnächst, wo dich die Kunst und Co. sonst so hin verschlägt. Viel Erfolg!

Kai Imhof (01:02:43.342) 100 %

Kai Imhof (01:02:51.67) Vielen Dank.