Jen Bender von Grossstadtgeflüster: Wie schreibt man gute Musik?

13. Januar 2021, mit Joël KaczmarekSebastian Krumbiegel

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Joël Kaczmarek: Kunst trifft digital,

Sebastian Krumbiegel: der Podcast.

Joël Kaczmarek: Hier erfahrt ihr jede Menge über Kunst in Zeiten der Digitalisierung und das Hautnah von ganz fantastischen Künstlerinnen und Künstlern. HEUTE DARFST DU DIE A-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S- Heute DarFST DU DIE A-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-S-

Sebastian Krumbiegel: Naja, Die gemeinsame Vergangenheit gibt es eigentlich gar nicht so wirklich. Ich habe diese Band entdeckt, vor ein paar Jahren und viel, viel, viel zu spät und habe irgendwann angefangen, die ein bisschen zu stalken. Und irgendwann haben wir uns kennengelernt, und das ist noch gar nicht so lange her. Also, ich bin sehr froh, dass ich eine der großartigsten Sängerin aus dem Elektropunk, Dass wir die heute zu Gast haben. Meine sehr verehrten Damen und Herren, Riesenapplaus für Jen Bender von der Wahnsinnsband Großstadtgeflüster.

Jen Bender: Hallöchen. Oh, vielen Dank. Vielen Dank. Ja, ich habe ein Radiogesicht. Was soll ich sagen? Gerade ist bei mir, glaube ich, gar nichts. Also, Oh, Gott, es war einmal vor wirklich langer, langer Zeit. Nee, so lange spule ich jetzt mal nicht zurück. Also, ich habe eine Band oder ich bin Teil der Band. Großstadtgeflüster. Und uns gibt es jetzt mittlerweile seit 2000. Berg- und Talfahrten all Inclusive und haben primär mal ganz viel Spaß. Ich glaube, deswegen gibt es uns auch noch. Hauptberuflich zu machen.

Sebastian Krumbiegel: Cool, ich auch. Es war,

Jen Bender: wie gesagt, ich hatte irgendwie gar nicht den Drang, damit irgendwie rauszugehen. Und dann habe ich aber irgendwann gesagt, ich möchte das eigentlich gerne machen, aber gar nicht unbedingt damit selber auf die Bühne, Auch wenn ich selber ab und zu immer mal auf der Bühne stand. Ich habe getanzt und ich habe irgendwie auch in der einen oder anderen Kapelle mal ausgeholfen. Oder so oder im Studio mal irgendwas eingetrellert oder sowas, und möchte gerne mir Musik ausdenken, aber lieber für andere. Und damit habe ich dann irgendwie angefangen, und dann habe ich Raphael da auf diesem Weg kennengelernt, Meinen Kollegen bei Großstadtgeflüster. Und die Chemie hat gestimmt. Und eigentlich sollte es da auch um etwas für jemand anderen gehen. Und dann hat sich aber herausgestellt, dass wir irgendwie bock auf was hätten, was zu machen, beide, wo wir uns selber auch drin gesehen haben. Und das war ziemlich Deckungsgleich in unserer Vorstellung. So, was das sein könnte. Und dann haben wir gar nicht diese Idee für diesen anderen Menschen ausgearbeitet, Sondern sind direkt im Studio verschwunden und sind bis heute nicht mehr rausgekommen.

Joël Kaczmarek: Machst du es trotzdem noch, dass du für andere schreibst oder nur noch deinen eigenen Stuff? Nee,

Jen Bender: ich mache das trotzdem noch, dass ich für andere schreibe. Das mache ich auch wahnsinnig gern. Und das ist auch ganz schön, weil auch im Laufe dieser 17 Jahre immer mehr für mich und immer klarer für mich wird, was von meinen Ideen für mich ist. Und was andere besser können. Weil ich bin schon auch eine Popsau. Das ist echt interessant,

Sebastian Krumbiegel: weil ich kann das zum Beispiel gar nicht unterscheiden. Ich habe ganz wenig, eigentlich sogar mehr oder weniger, nie für jemand anderen geschrieben und bin da wirklich extrem, Ich möchte fast sagen, narzisstisch selbstverliebt in meinen Scheiß, den ich mache. Und mir würde es nicht im Traum einfallen, das irgendwie jemand anderem zu geben. Also für andere Leute schreiben, muss dann eine Art Berufung sein oder so.

Jen Bender: Naja, vielleicht hast du ja auch noch nicht die Nummer geschrieben, wo du dich selber dann auf der Nummer gehört, hast und gedacht, hast, glaube ich nicht.

Sebastian Krumbiegel: Ich singe alles geil.

Jen Bender: Siehste, genau. Das ist der Unterschied. Also, ich bin ja auch, das muss man sagen, also, ich bin Instrumentinvalidin. Ich habe alles mal angefangen und nichts zu Ende gemacht. Eben eine Opfer anti-autoritären Erziehung. Und ich sage mal, mein Instrument ist der Computer und der Knopf. Also ich liebe Synthesizer. So, da schraube ich auch gern viel dran. rum. Und ich bin auch wirklich keine Virtuose. Sängerin. Und es gibt einfach manchmal Gedanken, es gibt manchmal Melodien und manchmal auch Genres, wo ich merke, also. Es kam zwar aus meinem Kopf, aber irgendwie kann ich das nicht transportieren und finde den Gedanken aber so hörenswert. Oder die Komposition, oder so, dass ich dann eben überlegt habe, Das macht dann vielleicht Sinn, dass das Leute machen, die genau das auch transportieren können.

Joël Kaczmarek: Wie ist der Prozess? Gehst Du hin, schreibst ein Lied und überlegst dann, zu wem es passen könnte. Oder kommt jemand zu dir? Und sagt, Hey, Jen, du hast so Geile Texte, Machst Du was für mich? Und dann produzierst du für die Person?

Jen Bender: Mittlerweile zweiteres. Aber auch da passiert es manchmal, dass ich sachen irgendwie anfange, weil sie mir in den Kopf kommen, noch gar nicht für wen, für mich, für irgendjemand, sondern einfach eine Idee. Und die lasse ich dann liegen und manchmal, wie es dann der Zufall so will, fragt mich jemand, wo ich denke, Oh ja, da war mal, was, Das könnte zumindest in einen Space passen, Dann schlage ich das vor. Und im Bestfall ist es so, weil das mache ich am liebsten, dass ich mit Künstlern zusammenarbeite. Weil ich finde es auch immer wieder eine schöne Herausforderung, sich auf eine eigene Sprache einzulassen. Also, die sollen ja nicht meine Songs singen, sondern ich will ja denen helfen, ihren Song zu machen. Und da kommt es dann auch mal vor, dass ich irgendwas aus der Schublade hole. Und das kann auch manchmal echt alt sein. Also selbst meine eigene oder unsere eigenen Sachen entstehen manchmal aus Dingen, die wir 100 Jahre mit uns rumgeschleppt haben, wo einfach nie. Der richtige Spirit oder die Muse hat sich irgendwie weggeschlossen, oder was auch immer. Also auf jeden Fall war nicht die Zeit dafür. Ich sag mal einen Song, den man... Vielleicht auch kennt, wenn man uns nicht kennt, ja, die fickt euch alle, Das ist zum Beispiel eine Zeile, die lag bestimmt sieben oder acht Jahre, war das so eine Notiz, die so rumlag? Und irgendwann kam der göttliche Feenstaub und hat gesagt, jetzt wird das ein Song.

Joël Kaczmarek: Ich wirke bei uns im Podcast immer, glaube ich, ein bisschen wie der analytische Onkel, obwohl ich mich als ganz kreativ eigentlich betrachte, aber ich habe immer so, den Drang, Dinge zu verstehen, wie sie funktionieren. Und beim Schreiben frage ich mich bis heute, obwohl ich schon ein paar Mal eine Antwort drauf gekriegt habe, Wie das abläuft, Wie der Prozess ist. Hat man erst eine Melodie, hat man erst den Text, Hat man beides so vermischt oder hat man vielleicht da einen Text, da eine Melodie? Und merkt nach fünf Jahren, oh, die kann man ja zusammenführen. Wie gehst Du da vor?

Jen Bender: Ich oder wir gehen so wie Letzteres. Meistens,

Sebastian Krumbiegel: aber auch nicht immer. Es ist alles möglich. Also Melodie entsteht, Text entsteht unabhängig voneinander. Und dann wird es zusammengemerged.

Jen Bender: Zum Beispiel, genau. Manchmal kommt auch beides zusammen. Manchmal gibt es auch nur eine Melodie, und dann überlegt man, man sich, was könnte man dazu sagen? Und manchmal gibt es auch nur einen Text. Und dann überlegt man sich, was ist die Musik, die das Gefühl von dem Text, Wie könnte die klingen?

Sebastian Krumbiegel: Also genau so würde ich auch antworten. Die Antwort ist natürlich höchst unbefriedigend, weil es sagt eigentlich gar nichts, weil es kann alles passieren. Richtig.

Jen Bender: Aber es gibt ja auch Leute, die sich wirklich treffen, so im Proberaum oder so. Also meistens sind das Bands mit so richtigen Instrumenten. Die treffen sich dann im Proberaum, irgendwie nach dem Album, Fahren Sie auf Tour und dann machen Sie Ihre Promo und dann treffen Sie sich wieder zum Songschreiben. Irgendjemand ist natürlich der initiale Ideengeber, Aber man arbeitet zusammen aus und dann entsteht ja meistens alles irgendwie so parallel. Also ich glaube, es gibt beides, Alles in jeder Hinsicht und es ist auch super individuell, Wer das wie macht. Also, was ich noch nicht gemacht habe, ist Würfeln. Das wollte ich aber auch immer mal machen.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe mal, was interessantes gehört. Was heißt denn Würfel?

Jen Bender: Na wirklich würfeln. Also, dass ich irgendwie, Keine Ahnung, dass ich irgendwie ein paar Töne auf den Würfel male und ein paar Worte und mal gucken, Was dann rauskommt.

Sebastian Krumbiegel: Die Neubauten haben das gemacht, so ähnlich. Es gibt einen Film von den Neubauten, wie heißt der gleich? Also auf jeden Fall, wo die Neubauten, Blixa und wo die alle erklären, wie Sie ihre Songs entstehen lassen. Dass sie mit Karten verteilen, auf denen irgendwas draufsteht. Spiel das einen halben Ton höher oder spiel es ein bisschen schneller oder eine Farbe oder keine Ahnung. Irgendwie ganz abstrakte Dinge, die dann eben wirklich dazu dienen, die Sachen wirklich entstehen zu lassen. So ein Typ wie Bernd Begemann. Zum Beispiel aus Hamburg, der als der sogenannte Papst der Hamburger Schule genannt wird, Der sagt Ja irgendwie, Ein Lied will gern geschrieben werden. Ein Lied ist in dir drin und möchte gern raus sozusagen. Und das kann ich alles irgendwie nachvollziehen. Die Chance, einen Hit zu schreiben, ist größer, wenn du erst mal anfängst. Ich glaube,

Jen Bender: wir haben alle schon so viele Hits geschrieben, die keine geworden sind. Das muss man auch sagen.

Sebastian Krumbiegel: Aber du musst eben erstmal anfangen. Du musst erstmal sozusagen fleißig sein. Da musst du sagen, okay, Die Idee spukt jetzt seit einem Tag in meinem Kopf rum. Und deswegen setze ich mir das mal ran. Und mache da, was draus. Wenn du es nicht machst, wird das Lied nie entstehen. Ich finde ja solche künstlichen Konstrukte, sich zu basteln, wie du sagst, würfeln oder wie eben Blixa, wie die, das bei den Neubauten gemacht haben. Irgendwie, Wie heißt denn dieses Ding? Ich kriege das raus, ich kriege das raus. Ich muss das mal kurz recherchieren und kriege das raus. Aber das finde ich wirklich spannend. Du musst dich selbst auf die Reise schicken, glaube ich. Und dann passiert irgendwas.

Joël Kaczmarek: Gibt es denn so eine Art... Ablaufplan, der immer gleich ist? Also, ich habe ja gehört, Wir haben auch mal mit Sebastian schon mal in unseren privaten Gesprächen darüber diskutiert, Gerade in den USA hast du ja manchmal Software, die dir mittlerweile sozusagen vorgibt, welches oder die misst richtig vorher, ob ein Song erfolgreich ist oder nicht, oder es gibt, so Reißbrett-mäßig gebaute Songs. Ist das bei Dir auch so, dass es jedes Mal so wapp, völlig anders?

Jen Bender: Nee, es gibt auch Reißbrett. Also, es ist tatsächlich so, Es gibt diese unsäglichen Songwriting-Cams, Nennt sich das dann. Da werden dann Schreiber, Komponisten, was auch immer. Also früher waren das Songschreiber, Jetzt gibt's ein Texter, ein Topliner und ein Tracker. Tatsächlich gibt's auch noch nicht den femininen Begriff dafür, Das sagt einiges. Und die werden dann einen Tag oder zwei Tage in einen Raum gesperrt und kriegen Briefing. Und dann wird da Schema F. runtergerattert.

Joël Kaczmarek: Was machen diese ganzen Rollen, die du gerade genannt hast?

Jen Bender: Der Topliner macht die Melodie, Der Texter macht den Text und der Tracker macht die Bastelt, die Musik am Computer meistens.

Sebastian Krumbiegel: Und dann gibt es sogar Leute, die nur Hooklines schreiben sollen. Das ist echt ätzend. Also leider funktioniert heutzutage, glaube ich, Popmusik wirklich so, Die neu entsteht. Oder ganz viel, gerade in Amerika. In Deutschland auch. Ich finde das irgendwie ganz befremdlich. Ja,

Jen Bender: es ist super unromantisch, und das ist halt auch die Realität. Ich glaube, dass viele Menschen sehr enttäuscht wären, wenn Sie wüssten, wie Ihr gefühliges Lieblingslied wirklich entstanden ist.

Joël Kaczmarek: Und Topline heißt sozusagen, so der Refrain, quasi, dieses Hauptmotiv eines Liedes, oder was? Melodie. Ach, Melodie, meintest du?

Jen Bender: Also die Gesangsmelodie, so im weitesten Sinne. Also, so habe ich das jetzt zumindest für mich verstanden. Ich bin da auch irgendwie sehr kalt erwischt worden, weil ich irgendwann mit einem Team in einem Raum saß, eben genau so. Und dann saß da einer dabei, der die Arme verschränkt hat. Und jedes Mal, wenn ich was gefragt hatte und mit dem Kopf geschüttelt hatte, gesagt hat, ich bin Topliner. Okay. Ja, ich bin nur Topliner, alles klar. Dann hat er sich dann fünf Minuten ans Mikro gestellt und irgendwie rumgedudelt, so. Und dann meinte ich so, das ist jetzt Toplining? Und dann meinte er ja. Und dann meinte ich, okay, musste ich mich erst mal drauf einlassen.

Sebastian Krumbiegel: Musikalischer oder textlicher? Also war das musikalisch gemeint oder textlich? Nee, nee,

Jen Bender: nur Melodie, Gesangsmelodie. So hat er das für sich interpretiert. Ich habe keine Ahnung. Also auf jeden Fall musste ich mich da auch dran gewöhnen. Aber in der Intensität ist mir das jetzt auch nicht mehr passiert, weil ich glaube, Die meisten verstehen sich eigentlich als Songwriter. Viele haben auch selber irgendwie, machen. Musik. Oder sind mit der eigenen Musik für Ihr Verhältnis gescheitert. Da muss man ja auch nochmal überlegen, was heißt Scheitern, eigentlich. Sie haben zum Teil nicht erreicht, was sie erreichen wollten, Wahrscheinlich das. Und haben dann irgendwann gesagt, ich mache das jetzt für andere. Also ich glaube, die meisten, die da sitzen, sind eigentlich Songwriter oder Songschreiber, Liedermacher, je nach Genre. So, Rapper.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe gerade gefunden, wonach ich gerade gesucht habe, dieses Neubautending. Acht Lösungen heißt dieser Film. Ein 40-Minuten-Film. Und zieh das echt mal rein, weil das ist wirklich ehrlich interessant. Sie schnitzen sich, sozusagen die Kreativität, glaube ich, wenn man das so sagen kann. Tierisch.

Jen Bender: Ich habe hier nämlich, Also, das ist nämlich das Ding mit den Profis. Wir sind hier ja wirklich bei Profis. Hier liegt ein Klemmbrett auf dem Tisch, ein Notizblock und ein Stift. Das heißt, ich konnte an dieser Stelle direkt mal diesen Stift zücken und auf diesen Notizblock acht Lösungen schreiben.

Joël Kaczmarek: Und wo ziehst Du denn Inspiration her?

Jen Bender: Sie kommt zu mir. Nicht gedreht worden, das ist immer so Opfer und so passiv. Wir waren Teil des Spiels.

Sebastian Krumbiegel: Ihr habt es irgendwann beschlossen mitzumachen.

Jen Bender: Genau, und das hat uns weder gestanden, noch gefallen, noch gut getan. Also vor allem auch künstlerisch, was auch immer das bedeutet.

Sebastian Krumbiegel: Aber es ist trotzdem auch geil, Columbiahalle voll zu machen. Und irgendwie da vor, weiß ich nicht, zwei, dreitausend leuten zu stehen.

Jen Bender: Ich beschwere mich nicht. Aber ich muss auch sagen, ich habe das nie gewollt. Ich muss auch sagen, Die Erinnerungen an das Badehaus. Oder dann das Lido oder das Astra, um in Berlin zu bleiben, Die sind auch Mega geil. Also, es ist was anderes, und das ist vielleicht nicht besser und nicht schlechter. Wofür es besser ist, ist, dass man das noch ein Weilchen länger machen kann, weil ich spiele wahnsinnig gern Konzerte, und ich liebe diese Band, und ich liebe meine Jungs. Das ist mein Safe Space, dann irgendwie, und ich fühle mich wahnsinnig zu Hause. Und ich liebe auch die Leute, die auf unsere Konzerte kommen. Da hatte ich so ein bisschen Angst, als das so viel geworden sind, weil ich dachte, wer kommt denn da? Wer ist denn das?

Sebastian Krumbiegel: Du kontrollierst es nicht mehr. Es können ja auch irgendwelche komischen Freaks kommen. Who knows?

Jen Bender: Oder eben plötzlich keine Freaks mehr. Was macht man dann? Ja, richtig.

Sebastian Krumbiegel: Nein, ich meine die Freaks nur negativ. Richtig, ja, ja.

Jen Bender: Und ich war da sehr selig und sehr glücklich, dass das...

Joël Kaczmarek: Mit Mistfinken, sagt Sebastian in Anlegung und Helge Schneider gerne, ne?

Jen Bender: Mistfinken, ja.

Joël Kaczmarek: Gibt man ein Gefühl, also für Hörerinnen und Hörer, die euch noch nicht kennen, Was füllt Ihr so für Hallen, Was habt Ihr auch so für ein Publikum?

Jen Bender: Also mittlerweile total krass, Das glaube ich ja auch immer noch nicht, obwohl das jetzt auch echt schon ein paar Jahre so ist. In Berlin spielen wir die Columbiahalle, in Hamburg spielen wir jetzt, also übrigens nächstes Frühjahr, wenn Corona es zulässt. Hamburgs ist dann zweimal das Docks.

Sebastian Krumbiegel: Docks zweimal.

Jen Bender: Und Arena Wien und Köln, Ach guck, doch einfach online. Wir sind ja hier, ne, Kunst trifft digital. Also, es sind auf jeden Fall größere Läden. Aber zum Beispiel in Leipzig spielen wir das Täubchenthal. Da freue ich mich auch sehr drauf. Also, es ist auch bundeslandabhängig.

Sebastian Krumbiegel: Den Termin hatte ich mir für Herbst schon eingeschrieben. Und jetzt eben jetzt nix.

Jen Bender: Nee, erstmal nicht. Aber wir wollen halt auch, dass die Leute sich umarmen und pogen und schwitzen und mitsingen dürfen. Sich die Gläser teilen können, und das ist schon, Das gehört zu dem, was wir machen, irgendwie auch dazu, weil, also, wir müssen uns nichts vormachen, also, wir sind nicht die Philharmoniker. So, da setzt man sich nicht hin und hört zu, sondern entweder. Du bist teil von dem Blödsinn, den wir machen, so, oder nicht, ne? Und natürlich lebt so ein Abend bei uns auch maßgeblich durch die Stimmung des Publikums, so. Und da bin ich eben, wie gesagt, sehr beseelt und sehr erfreut, dass wir so geile Menschen da irgendwie haben, die sich das dann auch nicht zweimal sagen lassen können.

Joël Kaczmarek: Also Ihr seid ein bisschen rough, ein bisschen wilder, ein bisschen lauter.

Jen Bender: Auf jeden Fall.

Sebastian Krumbiegel: Man sagt Elektropunk, um das Mal so zu sagen. Ich muss ja ehrlich sagen, mein Geschmack war ja früher immer nur sogenannte handgemachte Musik. Also irgendwie Live-Gitarre Und was weiß ich, was. Ich habe irgendwie, für mich war selbst schon, Depeche Mode war für mich schon irgendwie viel zu künstlich. Und so. Und mittlerweile bin ich... Und ich sag das, du weißt das, Jen. Also ich bin echt wirklich Fan von dem, was ihr macht. Wir haben uns übrigens kennengelernt, dadurch, dass ich irgendwann mal bei Volle Kanne, glaube ich, saß, irgendwie im Frühstücksfernsehen hier ZDF, diesem Ding, und Hab. Da gesagt, weil mich Ingo Nommsen, fragte mich, was hörst denn du eigentlich so für Musik? Und da hab ich gesagt, ich bin gerade voll auf Großstadt geflüstert. Und da halt ihr gerade mit HGich.T, mit diesen Hamburger Kunstvereinigungstypen. Ja, richtig. Was war das für ein Lied? Wie war das gleich? Hallus. Genau. Ich liebe meine Hallus.

Jen Bender: Ich sehe, was, was du nicht siehst, und das sind meine Hallus. Du siehst, also große Philosophie.

Sebastian Krumbiegel: Ich sage mal, drogeske, Kunst. Also in irgendeiner Weise. Und das war für mich ganz gut. Ich sehe, was, was du nicht siehst, und das sind meine Hallus.

Jen Bender: Und da macht er Werbung da in diesem schniedenen Frühstücksfernsehen für diese Nummer. Und ich dachte so, jetzt habe ich es geschafft.

Sebastian Krumbiegel: Ich bin aber gefreut, dass du dich danach gemeldet hast. Und dann haben wir uns ja irgendwie... Getroffen. Und dann war die irgendwann sogar auch bei uns in Berlin zum Konzert. Genau,

Jen Bender: das war mein erstes Prinzenkonzert.

Sebastian Krumbiegel: Naja, komm, Es ist natürlich eine völlig andere Mucke, logischerweise, ja, aber es ging auch ab.

Joël Kaczmarek: Das ist interessant, dass du das guckst.

Jen Bender: Ich hab's nicht geguckt, ich hab's geschickt bekommen, aber, also in dem Fall, Ich muss wirklich sagen, dieses, Ich sag mal, Schnöde öffentlich-rechtliche, So verschnoddert auf den Kater, wenn die da ihre merkwürdigen Kochtipps und ihre merkwürdigen Nachrichten Ähm... Erzählen? Das ist wie so ein sanfter Pseudo-Weltfriedensnebel, der sich dann so ganz kurz über meinem Kaffeedampf entfaltet. Also passiert mir auch mal. Du hast mir geschickt,

Sebastian Krumbiegel: dass du deinen Laptop irgendwie abgefilmt hast. Ja, genau, ich habe es geschickt, bekommen. Das hat mich schon echt gefreut, dann auch. Weil am Ende, Weißt du, wenn ich irgendwie auf eure Mucke abfahre? Auf einmal und dann eben als über 50-jähriger Typ auf einmal noch merke, EY geil, du kannst dir von irgendwas noch richtig Fan werden. Das ist mir das letzte Mal mit den Antilopen so gegangen, und das ist mir jetzt dann mit euch so gegangen. Und da freue ich mich drüber, weil das so eine Art Jungbrunnen ist.

Jen Bender: Guck mal, da siehst du, Der plumpst ja direkt in die Family rein, genau, richtig. Ja, kleiner Fanboy,

Sebastian Krumbiegel: das bin ich doch gern.

Joël Kaczmarek: Sind das Homies von dir? Ja,

Jen Bender: das ist ja. Das ist ja eh, alles. Ich meine, Musik machen, ist ein Dorf. Und wenn sich dann auch noch gesellschaftliche oder politische Ansichten überschneiden, dann spielt man zusammen. Festivals, Dann gibt es wahnsinnig viel Überschneidung bei den Leuten, die es hören. Und natürlich sitzt man früher oder später auch zusammen an der Theke.

Sebastian Krumbiegel: Und es ist kein Zufall, logischerweise. Man trifft sich sozusagen, weil man einen Kosmos füllt oder weil man auf einer Umlaufbahn sich befindet. Also, ich treffe eigentlich keiner. Schlagerleute. Keine Arschlöcher. Schlagerleute will ich gar nicht sagen. Da bin ich übrigens auch, ich mag das überhaupt nicht, irgendwie sich so abzugrenzen und sozusagen, Es gibt auch irgendwie Leute, Ich weiß,

Joël Kaczmarek: weil du davor immer so Berührungsängste oder Berührungsstörungen oder so was hattest.

Sebastian Krumbiegel: Ich muss mal ganz ehrlich sagen, wenn so ein Typ wie Roland Kaiser sich irgendwie in Dresden klar gegen Pegida positioniert, dann hat der meinen Respekt. Und da muss ich nicht unbedingt Fan von der Mucke sein, die er macht, Aber am Ende hat der auch Songs geschrieben. Vielleicht gehst du sogar bei, was weiß ich, Udo Jürgens, der ja auch oft irgendwie so als Seichter. Schlager-Heini irgendwie. Hey, der hat Geile Songs geschrieben.

Joël Kaczmarek: Ein großes Musik-Genie. Ja,

Sebastian Krumbiegel: unbedingt.

Joël Kaczmarek: Habe ich auch erst spät gemerkt, leider.

Sebastian Krumbiegel: Jan Müller-Tocotronic. Mit dem habe ich gerade genau darüber gesprochen, dass er in seinem Podcast, den er ja hat, Reflektor, Dass er auch unterschiedlichste Leute einlädt, aus unterschiedlichsten Genres und damit versucht zu verbinden. Und das finde ich erstmal total. geil, weil er hat von, was weiß ich, Annett Louisan bis jetzt, Letzter Podcast ist Xatar, Was wirklich echt, das ist so ein richtiger Gangster-Rapper. Und zwar... Echt authentischer. Wie hat der gesagt? Der Authentischste seiner Zunft. Also der selbst schon irgendwie Knaststrafen hinter sich hat und was weiß ich, was. Aber ich finde das richtig, darüber zu reden und mit den Leuten auch darüber zu reden. Und nicht zu sagen, hey, ihr habt in meinem Kosmos nichts zu suchen.

Joël Kaczmarek: Es gibt ja diesen schönen Satz, wenn man die schlauste Person ist. Im Raum, ist man im falschen Raum. Und man kann man ja auch so ein bisschen irgendwie übertragen. Ich finde, es geht ja nicht nur darum. Da bist du ja noch im falschen Raum, Joël. Ja, das stimmt. Danke. Jetzt habe ich in den WTS geblickt, Fünf Sekunden später, dass er mich hier disst. Nein, aber es ist ja genauso, dass man sagen kann, wenn ich in andere Räume gehe, jetzt musikalisch, lerne ich auch ganz andere Nuancen kennen. Egal, ich habe das Bild schon verkackt. Zurück zu dir, Liebe Jen.

Sebastian Krumbiegel: Ja, was denn? Wenn du der Schlauste im Raum bist, bist du im falschen Raum. Das wolltest du sagen, gerade.

Joël Kaczmarek: Nein, das ist ein Zitat, was man gibt. Dann heißt das also auf Gut Deutsch, du umgibst dich nicht mit einem Umfeld, was dich dahingehend stimuliert. Das heißt nicht, Ich halte mich für den Geilsten. Sondern der Satz meint eigentlich, wenn du der Meinung bist, du bist der Schlauste im Raum, dann frag dich mal, ob du sozusagen dein Potenzial voll ausschöpfst, ob du nicht irgendwo anders deine Inspiration tun würdest. So ist der Satz gemeint. Aber zurück zu dir, hast du auch manchmal so richtig klassische Schreibblockade, eigentlich bei deinen Sachen?

Jen Bender: Ja, also. Die erste war der Horror, weil ich dachte, es kommt nie wieder was raus, nie wieder. Ich moh, Gott, Oh Gott, Oh Gott. Das ist so wie der erste Liebeskoma als Teenager.

Sebastian Krumbiegel: Ich werde nie wieder so leben wie jetzt. Ich könnte auch direkt Schluss machen.

Jen Bender: Mit allem. So, das war die erste. Die zweite war

Sebastian Krumbiegel: Wann war das? Kannst du das sagen? Wenn du als Teenie angefangen hast zu schreiben, irgendwann gemerkt, das ist meine Profession, du hast weitergemacht, Wann war dann die erste Blockade?

Jen Bender: Die profession natürlich. Ab dem Moment, wo Menschen drauf gewartet haben.

Sebastian Krumbiegel: Okay. Und wo du selbst vor allem drauf gewartet hast.

Jen Bender: Und ich den Erwartungen, die ich mir selber irgendwie gesetzt habe, entsprechen, wollte. Klar. So, ja. Bei der zweiten dachte ich dann, oh, ist ja nicht so geil, nicht schon wieder. So, aber cool, die ist ja schon mal weggegangen, dann überlebe ich das jetzt vielleicht. Und... Bei der Dritten war ich schon nicht mehr so nervös. Und dann ist es halt so, ja, gut, kommt gerade nichts, Dann mache ich mir halt eine Pilsette auf oder so.

Sebastian Krumbiegel: Und nach der dritten Pilsette kommst du nämlich wieder. Ich glaube, ja. Das ist halt das Ding,

Jen Bender: Aber ich habe ja auch nicht diesen Erwartungsdruck, den vielleicht auch andere, also das, weil es mir halt vielleicht dann auch nicht so wichtig ist, dass es unbedingt mein Leben lang genau so weiter gehen muss. Und das hat sich halt irgendwann auch entspannt. Und dementsprechend würde ich es jetzt auch gar nicht mehr als Schreibblockade bezeichnen, sondern eher so, naja, rollt halt gerade nicht, weil es kommt immer irgendwas raus. Also immer. Es ist tatsächlich nicht so, dass ich vor einem leeren Blatt sitze, Aber dann schreibe ich da irgendwas auf oder mache irgendwas und denke, ich bin schon, während ich darüber nachdenke, so davon gelangweilt, dass. Ich will gar nicht weiterdenken, weil sonst schlafe ich ein.

Joël Kaczmarek: Wie lange hielt das denn an, wenn Du sagst, meine erste Schreibblockade, reden wir von Tagen, Wochen, Monaten?

Jen Bender: Ich glaube, die ErSte WaR ein... Wochen, Dann waren es Monate, dann waren es Tage, Ich weiß es nicht mehr. Das ist ja eh, das hat Sebastian bestätigen können, Zeit ist in diesem Musikerkosmos, Da kann ein Jahr zehn Jahre dauern und ein Jahr kann sich wie eine Woche anfühlen. Das ist halt gerade so, je nachdem, was einen gerade umgibt und in welchem Kosmos man da gerade unterwegs ist, rennt die Zeit entweder an dir vorbei, oder Sie geht einfach nicht voran.

Sebastian Krumbiegel: Witzig. Ich habe einfach so eine Schreibblockade, wenn man es so nennen will. Man kann ihr natürlich irgendwie auch ein Schnippchen schlagen, indem man einfach sagt, Ich mache jetzt trotzdem weiter, und ich versuche jetzt sozusagen, fleißig zu sein. Das ist nicht dein Ding, ne?

Jen Bender: Nee, also? Ich glaube aber auch nicht an so sachen, wie man muss es nur wollen. Und man muss nur an sich glauben. Und das ist halt, so. Das ist genau, also, es kann, Es ist halt auch da super individuell. Und genau dieses kann einen Ja auch nochmal zusätzlich unter Druck setzen, Weil dann wird das Papier eventuell immer weißer und weißer und weißer.

Sebastian Krumbiegel: Schreibst Du deine Texte auf Papier oder schreibst Du deine Texte in den Computer rein? Ja,

Jen Bender: das ist mit dem Papier, das klingt so schön. poetisch. Romantisch, genau. Ja, so bohem.

Sebastian Krumbiegel: Ich schreibe immer mit einer Feder und tauche sie in Tinte. Mit meinem eigenen Blut.

Jen Bender: Das wollte ich gerade sagen, genau, mit Blut. Mit Blut, dass ich weine. Genau, nee, mal so, mal so. Also tatsächlich, Ich habe auch noch so ein Textbuch. So oder ein Notizbuch. Ich habe ein Notizbuch sowohl digital als auch auf Papier. Also ich glaube, wenn das irgendwann mal gefunden wird, dann kann da keiner, was mit anfangen. Also, da ist es leichter, glaube ich, ägyptische Hieroglyphen zu entziffern als meine Textbücher.

Sebastian Krumbiegel: Bleibst du manchmal auch betrunken Ideen in deine Strafnachrichten rein? Ja,

Jen Bender: das sind die schönsten. Also, wobei, das ist tatsächlich, Da sind die melodischen Ideen, Die sind dann immer sehr spannend. Also, ich höre dann so eine ganze Sinfonie in meinem Kopf. Genau. Nehme das auf und höre das genau in dem Moment an. Und denke, Ja, Mann, das ist episch, großartig. Und am nächsten Tag mache ich es anders. Dann denke ich,

Sebastian Krumbiegel: okay. Das kenne ich insofern, weil als wir damals... Ja,

Jen Bender: wo ist die Tonika? Wo ist die Tonika? Ich weiß es nicht.

Sebastian Krumbiegel: Als wir angefangen haben, in Hamburg, unsere ersten Platten aufzunehmen, haben wir ja Lindenberg kennengelernt. Und der schwankte damals immer so zwischen sehr betrunken und sehr nüchtern und irgendwie sehr klar und sehr verwirrt.

Jen Bender: Aber Klinge tut er doch immer gleich, oder?

Sebastian Krumbiegel: Also, ich lasse erstmal überhaupt nichts auf ihn kommen, muss ich erstmal ganz klar sagen. Nein, das war auch nicht Böse gemeint. Er ist für mich ein ganz großer Künstler. Und er hat aber damals eben in irgendwelchen eher alkoholisierten Phasen, Damals gab es ja noch nicht die Handys mit Diktierfunktionen, sondern er hatte immer so ein Diktiergerät dabei. Und hat dann irgendwie, kam dann manchmal an. Und sagte, Sebastian, ich habe eine Idee, hör mal an, hör mal an. Und dann macht er so an und sagt, und genau so, also nichts sagen, einfach irgendwas, ist doch geil, ist doch geil. Ja, weiß nicht so genau. Aber schon schräg.

Jen Bender: Und im Kopf hörst du aber schon die komplette Instrumentierung. Aber eben dann manchmal am nächsten Tag auch nicht mehr.

Joël Kaczmarek: Wie sagt man denn dazu? Bei deinem bekanntesten Lied, was du ja auch schon ein bisschen anzutitelt, hast, fiel mir auf. Ich habe gedacht, das ist die Melodie, aber du hast so eine, Wie soll ich das sagen? Ich habe das eben mit Tom Beck im Gespräch als Amelodisch bezeichnet, Aber ich glaube, das ist nicht der richtige Begriff. Er hat es irgendwie Paraphrasierung oder so ähnlich genannt. Wenn du quasi die Silben so ein bisschen Ulkig auseinanderziehst, wie sagt man dazu? Gibt es da einen Begriff für?

Jen Bender: Langmachen, weiß ich nicht.

Joël Kaczmarek: Ja? Aber arbeitest du mit Sowas viel, dass du so ein bisschen auch gerne mal sachen, so, Wie soll ich sagen, dass Sachen dich so anstoßen, weil sie irgendwie, da klingt, was aharmonisch. Vielen Dank. Was ist denn da los?

Jen Bender: Disharmonisch, die harmonische Reibung. Zeitgenössische Musikern, Das ist ja auch ganz toll. Was ist eigentlich Wohlklang? Das ist alles sehr theoretisch. Ich bin ja gar nicht so theoretisch.

Sebastian Krumbiegel: Über Musik Reden ist wie Essen, malen. Das ist mein Lieblingsspruch von Johannes Brahms. Wie Essen, malen? Du kannst darüber lange reden, aber Essen musst du eben essen. Und Malen nervt.

Jen Bender: Zu Architektur Tanzen gibt es auch noch. Nee, also, es gibt Leute, die können das. Und ich glaube tatsächlich auch, Wenn jetzt zum Beispiel Raphael hier sitzen würde, Der könnte wahrscheinlich auch nochmal rückwirkend zumindest genauer erklären, was das ist und wie man das nennt und wie das Zustande kommt. Bei mir kommt da alles aus, wie sagt man so schön, aus dem Bauch raus. Und ich finde es aber geil, wenn sich Sachen, zum Beispiel nur reiben, wenn man sie entstellt. Also mir macht es Spaß, mit Sprache zu spielen, mir macht es auch Spaß. Spaß, Töne mal irgendwo hinzubringen, wo Sie in dem Wohlklang, also in dem Klang eines wohlchamperierten Klaviers vielleicht nicht hingehören. Ich liebe Blue Notes. Also ich glaube alles, was die eigenen Nerven so ein bisschen ankitzelt, weil Ich bin tatsächlich mein Leben lang schon relativ schnell gelangweilt. Ich halte Langeweile manchmal auch sehr gut aus, weil ich finde Langeweile manchmal auch ganz toll. Oder das, was man als Langeweile beschreibt. Aber nicht so im Schaffensprozess, Da werde ich eher sauer. Ich habe dann einen richtig guten Tag gehabt, wenn wir abends auf Play drücken und nochmal.

Sebastian Krumbiegel: Sprichst Du in Plurales majestatisch von dir? Ja, natürlich. Okay, alles klar.

Jen Bender: Wenn wir abends auf Play drücken und sagen Und nochmal. Und selber gut unterhalten sind. Und dann sagen wir jetzt auch, jetzt ist es was. Und es gibt Leute, die können das, die können sagen, es ist dann, was, wenn ich das Gefühl habe, es könnte funktionieren. Ich wäre der schlechteste A&R auf der Welt. Meine Lieblingssongs auf Alben waren immer Albumtracks. Und ich weiß nicht, was funktioniert. Ich weiß nur, wann, was bei mir funktioniert. Und wenn ich dann irgendwie mir vorstellen kann, das Ding auf die Bühne zu bringen. Und denke, boah, habe ich da

Joël Kaczmarek: Bock drauf,

Jen Bender: dann finde ich es gut.

Joël Kaczmarek: Was ist denn ein A&R?

Sebastian Krumbiegel: Artist und Repertoire. Richtig,

Jen Bender: das waren früher auch die Scouts in den Plattenfirmen und die, Wo dann so alle Zügel des Schaffens und Vermarkts. Charakters zusammenführen. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher. Ich glaube, die fahren in Urlaub und Taxi und gehen essen. Aber ich, nein, das ist jetzt so gemein. Ich weiß gar nicht,

Sebastian Krumbiegel: ob es dir heute überhaupt noch so wirklich geht. gibt. Ich glaube,

Jen Bender: dass sich das, naja, Es hat sich wahrscheinlich einfach auch alles natürlich ein bisschen verlagert. Also ich meine, Mittlerweile gibt es ja wohl auch Scouts und so weiter, Also Leute, die wirklich durch die Konzerte hoppeln. Und dann irgendwie den Plattenfirmen den neuen Heißen Scheiß irgendwie zuschieben. Oder was heißt Konzerte hoppeln? Also der neue heiße Scheiß kann ja meist noch gar keine Konzerte spielen, Weil. Mittlerweile ist es ja auch so, dass die Veranstalter oder auch die Bookingfirmen oder Sowas. Dann sagen, naja, du brauchst erstmal eine Veröffentlichung, dann können wir eine Tour buchen. Und die Plattenfirmen sagen, oh, du brauchst aber erstmal eine Tour, dann können wir was veröffentlichen. Und dann steht da irgendwie so ein junger Mensch, oder auch nicht mehr jung, Aber auf jeden Fall steht da ein Mensch mit Feuer am Arsch und sagt, geil, ich hab Ideen und ich will Musik. Und alle finden es irgendwie geil. Und der A&R findet es geil, und der Booker findet es geil. Und die Industrie findet es geil, aber keiner will es machen. So und irgendwann erlischt das Feuer oder auch nicht. Also A.N.A. Ist im weitesten Sinne der Typ, der dir dann den Plattenvertrag vor die Nase legt und dir mit dir zusammen? Im Bestfall überlegt, wie man das unter die Leute kriegt oder zumindest vorgibt, das mit dir zusammen zu machen.

Sebastian Krumbiegel: Genau, der Sozusagen, die Künstler akquiriert und mit ihnen zusammen auch das Repertoire des Künstlers. Also der über die Songs auch mit irgendwie spricht. Und das ist ja auch eine Frage, inwieweit man sich da reinreden ließ. Früher und auch reinreden lässt. Viele Bands, Die sagen, wir lassen uns überhaupt nichts sagen. Es ist am Ende auch Quatsch, weil ich finde, man sollte sich auch von Außensachen sagen lassen. Also gerade jetzt, Ich weiß ja nicht, Wie ihr produziert, zum Beispiel, ob ihr einen außenstehenden Producer habt oder so. Nee, wir produzieren selber alles. Euren Scheiß alleine. Ich brauche für mich oder für meine, Ich glaube, dass wir als Band vor allem auch in irgendeiner Weise ein Korrektiv von außen brauchen, weil wir so viele unterschiedliche Meinungen haben, dass wir irgendwie am Ende jemanden brauchen, der irgendwie das Zepter in der Hand hält.

Jen Bender: Ich wollte sagen, das ist, glaube ich, auch von Band zu Band und Künstler zu Künstler unterschiedlich, das ist manchmal auch... Gar nicht schlecht, also allein die Betriebsblindheit auch mal aufzulösen. Oder so. Ich glaube halt, dass es in vielen Fällen nicht der A&R sein sollte. Das meine ich jetzt auch gar nicht. Genau, also, es ist so, dass es glaube ich, weil es gibt. Doch dann am Ende ein industrielles Schema f. dann immer wieder, Auch wenn das die Menschen nicht gerne hören, in das oft wieder reingefallen wird und so ein gewisses auf Nummer sicher gehen. Oder sonst irgendwas. Und daran scheitert dann eventuell auch so eine künstlerische Entwicklung. Von Künstlern. Ich würde auch immer sagen, mit so einem Debüt zu einer großen Plattenfirma, Also Die großen Plattenfirmen machen irgendwann und für bestimmte Sachen total Sinn, Aber eben nicht zu jeder Zeit und auch nicht für jeden Künstler. Heutzutage gibt es so viele Möglichkeiten, seine Musik unter die Leute zu bringen. Und ich glaube, sich erstmal selbst auszuprobieren, gegebenenfalls auch mal mit, was auf die Fresse zu fliegen, wenn man sagt, so boah, das habe ich mal geschrieben, Oh, Gott, Das ist ja schrecklich. Und das habe ich dann auch noch Leuten vorgespielt oder sowas, und sich darin erstmal auszutoben, im Bestfall. Irgendwie vielleicht sogar das eine oder andere Konzert in irgendeinem Jugendfreizeitheim zu spielen. oder was auch immer, überhaupt erstmal laufen zu lernen, so bevor man sich von außen irgendwie. Und ich will gar nicht sagen, verbiegen oder reinquatschen lässt, sondern ich meine wirklich. Beraten lässt. Genau das meinte ich übrigens. Richtig. Und dann irgendwann zu gucken, ist das, was ich mache, etwas. Und auch warum man das macht und wohin man damit will. Also, wenn du in den kleinen, dreckigen Clubs in London spielen willst, dann musst du nicht zu einem Major gehen. Das ist Quatsch. Wenn du sagst, ich möchte irgendwann die Arenen dieser Welt füllen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, Dass dir da ein Major mit sehr, sehr viel Geld helfen, könnte, zumindest ein bisschen höher. Nur die Wahrscheinlichkeit, dass sie sehr, sehr viel Geld ausgeben und es dann wirklich klappt, ist sehr, sehr gering. Aber das ist natürlich. Also ich glaube, Auch da gibt es kein Schema F. Aber ich finde es schon sehr geil, dass die Kids jetzt sich da so auch Autark machen. Dass die irgendwie Bock haben und in ihren Sippschaften, irgendwie in ihren Kreativen, dass die einfach schrauben. Es gibt mittlerweile Vertriebskanäle und Vertriebswege. Du brauchst gar nicht mehr diesen, also früher brauchtest du Geld, um ins Studio gehen zu können. Du hast so einen StudioTag einfach. Scheiß Viel Geld gekostet, Richtig viel Geld. Und wenn du nicht geerbt hast, dann konntest du das nicht machen. Also brauchtest du jemanden, der Dir Geld dafür gibt. Dann waren die ganzen Strukturen, dass es überhaupt erstmal gehör, findet. Du musstest, wenn du gehört werden, willst, entweder mit irgendeinem Künstler auf Tour fahren oder im Radio laufen. Und im Bestfall noch in der Hitparade oder bei Formel Eins. Oder was auch immer. Und da haben dich dann eben auch nur diese industriellen Strukturen hingebracht. Und mittlerweile gibt es andere Möglichkeiten. Es gibt halt dementsprechend auch wahnsinnig viel Musik. Wo du dann sagen musst, jetzt brauche ich extra Glück, damit ich da überhaupt gehör, finde. Genau. Aber grundsätzlich bestehen Plattformen, wo du sagen kannst, ich spiele erstmal. Ich bin jetzt erstmal auf dem Kinderspielplatz und spiele.

Joël Kaczmarek: Ich muss gerade die ganze Zeit so an Justin Bieber denken. Also ich meine, die Geschichte, die kann man ja auch gar nicht schreiben, dass der in Kanada auf irgendeiner Bank irgendwie auf dem Boden sitzt, in der Fußgängerzone singt, macht ein YouTube-Video von sich. Und ich habe es mir jetzt mal vor ein paar Tagen mal angeguckt, der hat mittlerweile halt irgendwie so. 146 Millionen Abonnenten auf Instagram. Also, ich glaube... Der zeigt so jedem Record-Label irgendwie den Mittelfinger, und der hat halt seine eigene Medienmacht. Der ist die Medienmarke und hat das Medium mit dazu. Jetzt ist der vielleicht sehr, sehr speziell, Aber ich gebe dir Recht, und da sind wir ja vielleicht auch ein bisschen bei unserem Thema. Kunst trifft digital. Heutzutage kannst du ja auf Instagram was machen, auf Spotify Was hochknallen, auf SoundCloud. Wie beobachtest du das? Ist das manchmal Fluch und Segen zugleich?

Jen Bender: Ja. Also auf jeden Fall, aber Fluch vor allem auch deswegen, weil ich meine, es gibt, vor etwas zu sein, was es nicht ist. Es gibt wieder Redaktionen, es gibt wieder Profiteure, Es gibt Dinge, die nicht beachtet werden, Schlagwort Urheber schafft, Also Der Urheber verdient an dem ganzen Scheiß einen Scheiß. Die Lizenzen, also Gott, jetzt sind wir in so einem Juristen-Bullshit irgendwie, ja, Aber es gibt halt unterschiedliche, also so ein Stück, was aufgenommen und veröffentlicht wird, Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, daran zu partizipieren. Der Urheber ist der, der den Song schreibt, die Urheberin, Und sich ausdenkt und dementsprechend ja eigentlich verantwortlich für das Entstehen von diesem Stück ist. Und die kommen bei diesem ganzen Zirkus nicht nur zu kurz, sondern es ist Bullshit. Ich glaube,

Sebastian Krumbiegel: du kriegst für einen Stream 0,00... 0,003 Cent,

Jen Bender: Das wiederum wird dann auch wieder ein Va und AA und so weiter unter. Also, es ist auf jeden Fall ein bisschen fancy, aber man kann es runterreißen, wenn man jetzt nicht total in der Materie drin ist, dass es Bullshit ist. Und dementsprechend ja, Aber vielleicht muss man sich auch irgendwie mal aus seiner Komfortzone rausbewegen und sagen, gut, Es ist also jede Entwicklung, hinterlässt auch Blutspuren. Aber was mich eben stört, ist, dass dieses es tut. So als wäre es etwas, was es nicht ist, so frei nach dem Motto, der Consumer entscheidet und die Nachfrage entscheidet. Und die Leute suchen sich das aus, Das ist Quatsch, Es gibt Redaktionen, die entscheiden das, Es gibt Algorithmen, Die entscheiden das, Die sind mittlerweile super käuflich im Sinne von, Du kannst auch noch prima Geld waschen, wenn du Bock hast. Und alles tut so, als wäre es so, dass Du könntest jetzt einfach dich irgendwie ein bisschen ausdrücken, dann stellst du es online. Und dann suchen sich die Leute das aus. Und wenn du richtig gut bist und ganz doll dran, glaubst, dann interessiert sich auch jemand für dich. Und das ist natürlich Quatsch. Du gehst genauso durch Redaktionen durch und in dem Fall jetzt zusätzlich noch durch Algorithmen, Die entscheiden, ob du gehört, wirst oder nicht.

Joël Kaczmarek: Also, ich kann dir sagen, auch mal meine Präfession ein bisschen zu beleuchten. Beim Podcast. Podcast haben wir die Tage auch drüber geredet, warum es da eigentlich keine VG Wort gibt, weil Apple, Spotify und Co. streamen. Dein Zeugs. Und du hast ja das Gefühl, also, es ist ja noch so eine Emanzipationsphase. Jeder kleine Podcast draußen, freut sich ein Loch im Bauch, Wenn er da irgendwie 500 Abonnenten, kriegt, aber, dass man eigentlich auf seinem Rücken Geld verdient, ja, kriegt ja keiner mit. Und bei Apple zum Beispiel ist es so, also. Ich bin jetzt nicht Mitarbeiter dieser Firma, und ich kenne jetzt nicht die ganzen Strukturen, Aber was man von außen mitkriegt, ist es eine Person, und das muss man sich über der Zunge zergehen lassen, Eine Person, die für ganz Europa die Podcast macht. Also, wenn du diese Redaktionsgeschichten hast mit New and Noteworthy, ist ja so das sozusagen Label. Das muss man mal denken, das macht eine Person für ganz Europa, für Apple.

Jen Bender: Ernsthaft, ja?

Joël Kaczmarek: Ja.

Jen Bender: Geil.

Joël Kaczmarek: Die wertvollste Firma der Welt.

Jen Bender: Das ist Demokratie.

Joël Kaczmarek: Also.

Sebastian Krumbiegel: Ja, vor allem das Brutale ist ja wirklich, weil du gerade. Apple sagst, also die großen Global Player, Apple, Google, YouTube, Das sind ja die, bei denen die Kohle am Ende hängen. bleibt. Das ist wirklich das, also du hast das eben schön gesagt, Jen. Weil wir sind ja keine Maschinenstürmer. Wir wissen irgendwie, Die Entwicklung geht so, wie sie ist. Und da können wir uns jetzt irgendwie drüber aufregen. Aber das alte Ding damals, als die Shellac-Platte erfunden worden ist, haben alle Leute gedacht, Die Musik stirbt, Die Live-Musik stirbt. Bei jeder neuen Entwicklung haben die Leute immer gedacht, scheiße, irgendwas passiert hier. Video Killt the Radio star. Genau, ganz genau. Und das ist ja nicht so. Es passieren ja immer neue Sachen. Und natürlich kann man heute auch sagen, dadurch, dass das alles passiert, Kommt man sozusagen wieder auf das Grundding. Der Musiker ist eben der, der sich auf eine Bühne stellt und dadurch mit seinem Live-Auftritt Das Geld verdient. Richtig. Und das ist vielleicht auch in irgendeiner Weise ganz gesund. Würde ich alles gut finden, wenn es nicht? So wäre, dass die Kohle, die eigentlich dem Musiker oder beziehungsweise dem Schöpfer der Musik oder des Textes zusteht, Bei irgendwelchen anderen Leuten landet, nämlich bei den großen Konzernen.

Jen Bender: Genau. Und das eben dann auch unter dieser Scheinheiligkeit, dass sich dann irgendwie so ein Spotify-Pinsel da hinstellt und brüllt, Ja, es reicht halt nicht mehr, alle drei Jahre ein Album rauszubringen. Boah, Alter, Das weißt du so, ne? Und das ist halt diese Scheinheiligkeit, Es geht um Musik und die Leute und so. Das ist so, also ich krieg da richtig. Gewaltfantasien. Ja, aber ich glaube auch nicht, dass es Sinn macht, dass deswegen... Gleich noch ein Song, gleich noch ein Song. Ich glaube eben nicht, dass es Sinn macht, sich damit auseinanderzusetzen, Wie man diese Entwicklung stoppen kann oder ob das jetzt gut ist oder ob das alles sterben muss. Ich glaube, das ist einfach wie immer. Eine Entwicklung in der Kultur in dem Fall. Und es sollte jetzt darum gehen, Sie steht noch relativ... Relativ am Anfang. Und es sollte jetzt darum gehen, denke ich, dass man die Kräfte bündelt und von vornherein einfach an diese Struktur reingeht und guckt, ob man das irgendwie noch auffangen oder abfangen kann. Und dass man eben mit den Gegebenheiten, die es sind, auch arbeitet. Und nicht sich einfach nur dagegen stellt, sondern sagt, okay, wie können wir da miteinander reden? Und die GEMA tut das ja zum Beispiel. Die böse, böse GEMA, auf die immer alle rumhacken, ja, ist,

Sebastian Krumbiegel: Und das möchte ich allen Komponisten...

Jen Bender: Und Texterinnen ans Herz legen, sich damit mal auseinanderzusetzen, Was die auch für einen machen können. Und ich mache an dieser Stelle, möchte ich auch ein bisschen Werbung machen. Wir haben nämlich ein, Verso, heißt das, ja, das ist sozusagen, Wie soll ich sagen, wir erfinden die GEMA-Lobby neu in Jung. Ja, also, es ist wie eine Gewerkschaft, die gegründet worden ist. Und dadurch, dass es diese Kräfte gebündelt. Bei diesem ganzen Urheberzirkus, vor allen Dingen immer für klassisch oder für die E- sogenannte E-Musik, Eine ernste Musik und nicht für die U-Musik gab, Ist das jetzt zusammengekommen. Guckt euch das Mal an. Verso, ja. Und das ist nämlich ein Haufen, Da könnt ihr auch beitreten, wenn ihr möchtet, die sich dafür einsetzen, dass A, erstmal alle informiert sind, so, Was sind deine Rechte, Was sind deine Möglichkeiten und B, tatsächlich? Auch auf europäischer Ebene in den Kampf ziehen, um genau an solchen Stellen irgendwie anzusetzen. Nichts gegen die Damen und Herren von der GEMA, Aber die waren sehr lang jetzt schon dabei. Und da ist so ein bisschen so eine Generation übersprungen worden. Es ist so ein bisschen ergraut. Und diesen Menschen würde ich jetzt auch nicht zumuten zu sagen, jetzt fuchst ihr Euch aber mal in das ganze digitale Grundwissen ein, Sondern da haben sich jetzt Leute zusammengetan und haben gesagt, da muss man jetzt angreifen.

Joël Kaczmarek: Ja, ich meine, Es ist ja auch ein vielfältiger Bereich. Wenn ich jetzt mal an so Sachen zurückdenke wie Napster, ist, es glaube ich schon… Echter Fortschritt, dass Künstler jetzt eine Plattform haben, wo zumindest ein bisschen Geld fließt, die man quasi auch als Marketing-Tool benutzen kann, versus. Früher haben die Leute sich das einfach runtergeknallt. Und du warst eigentlich nur gefrustet und konntest gefühlt nichts gegen tun. Aber nichtsdestotrotz, also diese viele macht. In den Händen von sehr wenigen finde ich auch schwierig.

Jen Bender: Ja, das ist ja immer wieder, also ich meine, Kapitalismus-Baby, was soll ich sagen? Und wir sind ja auch alle nicht frei davon, also ich meine, mein Gott, was…

Joël Kaczmarek: Ich warte zum Beispiel auf den Tag, dass Spotify auf die Idee kommt, zu sagen, hey, liebe Podcast, Ihr dürft jetzt keine Werbung mehr in eure Podcast einsprechen, Das machen wir alles über unser System oder Spotify soll werbefrei sein, weil so dann gehen für uns halt wirklich. Tausende von Euros flöten. Und im Musikbereich ist das ähnlich. Aber hol uns doch mal ab, wie ist es denn bei dir, wenn Du Songs schreibst, wie Verdienst du denn dein Geld? Wie sind das GEMA-Einnahmen? Kommt so ein Künstler und kauft dir die ab? Wie ist das?

Jen Bender: Nee, abkaufen nicht. Ich bin ja GEMA-Mitglied und meine Urheberrechte gehören laut Urhebergesetz mir und sind nicht käuflich.

Joël Kaczmarek: Dein Nutzungsrecht, aber.

Sebastian Krumbiegel: Hast du einen eigenen Verlag?

Jen Bender: Ich bin verlagsfrei.

Sebastian Krumbiegel: Ah ja, also 100% GEMA.

Jen Bender: Ich bin 100% verlagsfrei, mache das aber eben auch deshalb, weil ich das auch fair enough finde, wenn mir jemand was reinholt sozusagen, dann gebe ich auch gerne ab. Also, das ist eben das Ding, ab dem Moment, wo mich jemand haben möchte und mir eine Möglichkeit gibt, die ich sonst nicht hätte, sage ich auch, okay, dann kriegst du ja. Verlagsanteil, zum Beispiel.

Sebastian Krumbiegel: Es gibt ja einen spitzenmäßigen Witz, Ich glaube, ich habe den hier schon mal, erzählt, Ich muss ihn auch noch mal erzählen, weil er gerade echt gut passt. Wenn in der Familie eines reisenden Volkes ein Kind geboren wurde, wurde über die Wiege des Kindes auf der einen Seite eine Goldene Uhr gehängt. Und auf der anderen Seite eine Fiedel, eine Geige, eine Chardash-Fiedel. Wenn das Kind nach der Uhr gegriffen hat, ist es... Ein Hühnerdieb geworden und hat sich im Leben mit Diebereien, mit kleinen Kriminalitäten durchgeschlagen. Wenn es nach der Geige gegriffen hat, ist es ein Tschadisch-Geige. Geworden oder eine Charles-Geigerin. Wenn es nach beiden gegriffen hat, ist es verleger geworden. Und das ist dann schon, wo ich dann echt denke, ja. Ah ja.

Joël Kaczmarek: Was macht denn Verleger? Vielleicht mal für die Laien, unter unseren Zuhörerinnen und Zuhörern. Nichts,

Sebastian Krumbiegel: nichts, nichts mehr. Das stimmt ja nicht. Ein Verleger kann zum Beispiel ein Video finanzieren. Also früher war der Verleger dafür da. Die Noten abzudrucken, oder? Genau,

Jen Bender: Das war der ursprüngliche Bereich. Mittlerweile ist es ja auch so, dass. Der Verleger ist durch einen Anteil an deinen Urheberrechten, der sogenannte Verlagsanteil an deinem Urheberrecht beteiligt. In der Theorie gibt es da einen Haufen Aufgaben, die der erfüllen könnte, Also zum Beispiel Reklamationen. Das heißt zu gucken, ob wirklich alles richtig abgerechnet worden ist. Zum Beispiel, Du spielst 100 Konzerte im Jahr und es werden aber vielleicht nur 20 abgerechnet. Oder so. Und da könnte dann Der Verleger in der Theorie hinterher sein, dass er das abgleicht und guckt, ob wirklich das Geld reingekommen ist. Musikverlage, Wenn du jetzt zum Beispiel so wie ich auch Songs schreibst, für oder mit anderen oder so, könnte in der Theorie auch jemand sein, der dir hilft, da reinzukommen. Da gibt es auch Verlage, die das gut machen und andere Verlage behaupten es und machen es nicht. Und dich so ein bisschen begleiten, managen und vor allem aber auch den ganzen Unangenehmen rechtlichen und papierkramlichen. Kram für dich.

Sebastian Krumbiegel: Administrative Dinge.

Jen Bender: Übernehmen, genau. Das fängt an, bei einem Song anmelden und hört auf eben bei, da die Auswertung zu kontrollieren. In der Theorie, in der Praxis ist das auch manchmal anders.

Joël Kaczmarek: Ist es eigentlich möglich, Wir haben, glaube ich heute oder gestern mal uns im Team diskutiert. Über die Erfinderin von Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen. Und da hatte jemand gesagt, die hätte alle ihre Rechte damals verkauft und verdient nichts mit an dem ganzen Kram. Echt? Ist sowas möglich, dass man auf Lebenszeit quasi sich Verdienst ausschließt von Dingen, die man geschrieben hat?

Jen Bender: Also, wie gesagt, soweit ich weiß, Achtung, Ich meine, ich bin ja auch, also Gott, ich bin da jetzt schon, Wir sind da jetzt schon so tief drin, das ist alles so gefährliches Halbwissen, Kinder, bitte glaubt mir nichts, was ich sage, schlagt alles nochmal nach, Gebt jetzt mir nicht mit diesem Wissen an, ja. Aber soweit ich weiß, als Mitglied dieser Verwertungsgesellschaft GEMA, kannst du diese Dinge nicht verkaufen. Ich weiß nicht. Überheberrechtlich auch nicht, Das stimmt, Das hat uns viele Neigele auch, erzählt. Aber es gibt ja noch Nutzungsrechte. Ja, Und in der Musik dann auch Lizenzrechte, also an den Masterspuren und so. Und da gibt es ganz viele unterschiedliche Möglichkeiten, Rechte zu veräußern und an Rechten zu partizipieren. Und das wäre jetzt der Moment, wo ich meinen Anwalt anrufen würde und fragen würde, wie war denn das? Mit Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen? Kannst du mir sagen, was da passiert, ist? So, das gibt es ja auch von diesem großen Sportbekleidungshersteller. Genau den Namen ich jetzt nicht nennen möchte. Ist auf jeden Fall genau, der Swoosh, der ist ja angeblich. auch, hat das irgendein Grafiker oder ein Grafikstudent oder sowas, das Ding für 25 Dollar irgendwie komplett abgetreten. In den Staaten soll das übrigens gehen, also, da scheint das auch legal zu sein. Und das ist leider die Tragik, auch, dass gerade so Industriejobs, Film, Werbung und so. Dass dann, wenn dann so international agiert, wird, Dass sie mit so einer totalen Selbstverständlichkeit den Total Buyout wollen. Für gerne auch mal ein Apfel und ein Ei. Das heißt auch dein Urheberrecht. Und dann sitzt du erstmal da und sagst, naja, Ich bin Mitglied der EU und dann ein anderes Urheberrecht. Und dann übrigens auch noch bei der GEMA. Und ich darf das gar nicht. Also, es ist auf jeden Fall. fancy, wie da auch agiert wird.

Sebastian Krumbiegel: Hast du schon international geschrieben? Hast du schon für Amis geschrieben?

Jen Bender: Lass mich überlegen. Naja, Also, ich habe schon auf Englisch Dinge getan, aber ich habe jetzt noch nicht für einen großen amerikanischen Superstar geschrieben. Nein, das habe ich nicht.

Joël Kaczmarek: Für wen schreibst du denn eigentlich so? Kannst du das erzählen?

Jen Bender: Da bin ich immer ein bisschen vorsichtig, weil es gibt ja auch Leute, denen das noch so ein bisschen unangenehm ist, Weil das ist auch in Deutschland anders. Wenn Du da England oder die Staaten nimmst, das kann ich aber auch nur aus der Ferne beurteilen, weil. Ich checke ja auch nur die Instagram-Channels von den großen Superstars. Ich kenne die ja nicht. Aber da ist das Gang und gäbe, dass man auch so ein bisschen protzt. Mit den Songwritern, die man mit im Studio hat oder mit den Produzenten, mit denen man arbeitet. Und dann schämt sich eine Beyoncé nicht, dass da 25 Autoren in diesem Song stehen, weil da irgendwie 25 Leute in diesem Studio abgehangen haben. Und irgendwie jeder auch mal, was dazu gesagt hat. Und so. In Deutschland ist das noch so ein bisschen anders. Das ist noch so Schande, Schande, schelte irgendwie, Wenn dann irgendwie rauskommt, dass irgendein Künstler, vielleicht diesen Text und diese Melodie nicht ganz alleine kreiert hat, dann wird die komplette... Die Klaviatur der Authentizität, Die ist in Deutschland ja so wichtig. Und das wird alles dann so plötzlich in Frage gestellt. Schreibt seine Songs nicht selber, alles Lüge und so. Und das ist halt, was, Das beobachte ich, und das möchte ich auch gern respektieren. Deswegen überlasse ich das gern den Künstlern selber, wenn Sie gefragt werden oder wenn Sie es erzählen möchten. Weil ein Paar gibt es natürlich auch dabei, die sagen, hey, Wir hatten eine gute Zeit im Studio, übrigens. Und da war die Jen auch dabei und so. Also wenn man ein bisschen recherchiert, dann findet man auch ein bisschen was raus.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe das auch lange, übrigens, Ich finde das sehr interessant, was du gerade sagst, weil ich das ähnlich so gesehen habe und nach wie vor auch ein bisschen so sehe. Also, was ich vorhin zwischen den Zeilen rausgehört habe, oder was du sogar direkt gesagt hast, dass du am liebsten mit denjenigen zusammen schreibst und nicht für die Leute schreibst. Und ihnen sozusagen einen Song auf den Leib schneidest, sondern dass du die Interaktion mit den Leuten brauchst. Wir haben dieses Jahr das erste Mal, also für unser nächstes Jahr, 30.000 Jahre. Die Prinzen, wo ich mich echt drauf freue. Ich habe mit verschiedenen Leuten jetzt angefangen, Ich habe mich mit ganz verschiedenen Leuten getroffen, weil die Plattenfirma gesagt hat, Leute, guckt mal ein bisschen aus eurer Grütze raus. Versucht, mal irgendwie über den Tellerrand zu gucken. Und ihr kennt euch so lange und versucht, mal frischen Wind reinzubringen, indem ihr mit anderen Leuten, schreibt. Und ich war am Anfang dagegen, weil ich gedacht habe, nee, Wir müssen als Band irgendwie aus eigener Kraft und bla natürlich Bullshit, weil es kann dich am Ende nur weiterbringen. Und ich habe wirklich die Erfahrung gemacht, gerade mit zwei Leuten, die ich kennengelernt habe. Du kennst mindestens einen, Du kennst Joe von Jennifer Rostock. Mit dem habe ich echt wirklich gute Songs zusammengeschrieben. Und ich habe mich gefreut, dass das so funktioniert und dass es wirklich wie ein jungen Brunnen ist. Wenn du das machst, wenn du neue Leute triffst und wenn Du irgendwie... Du fungst auf einmal ganz anders und es funktioniert. Was ich scheiße, finde, also Ich gehe damit sehr offensiv um und sage, hey, geil, Ich finde das richtig und finde es gut, mich bringt das weiter und ich merke irgendwie, Ich komme auf neue und andere Ideen. Und ich bin froh, dass ich mich darauf eingelassen habe, obwohl ich am Anfang dagegen war. Was ich doof finde, wenn Leute so tun, als ob es alles auf ihrem Mist gewachsen ist und überhaupt nicht darüber, Ich bin Songwriter und habe Songs geschrieben. Und dann guckst du irgendwie auf Platten und siehst dann, Da stehen irgendwie 25 Leute drauf, die den Song geschrieben haben. Und das finde ich irgendwie einfach ein bisschen mit fremden Fehlern schmücken. Und das finde ich dann, also, ich finde es nicht gut. Am Ende soll jeder das machen, wie er will. Aber ich sage dann lieber offensiv, hey, ich habe hier mit dem und dem oder ich habe mit Leuten zusammen was gemacht. Und ich bin mir übrigens auch nicht so schade am Ende, wo ich auch immer dagegen war, in Anführungsstrichen nur interpret zu sein. Natürlich mache ich am liebsten meinen eigenen Scheiß. Natürlich bin ich am liebsten der, der sagt, ich, ich, ich, habe ich geschrieben. Ich wäre so gerne mit mir, mein Lied, weißt du. Aber am Ende kann ich auch heute sagen, hey, du musst ein Schwein sein, ist irgendwie, haben. Udo Lindenberg, Lukas Hilbert, Annette Humpe, Fabian Harloff, Vier Autoren. Und ich habe da eigentlich gar nichts damit zu tun. gehabt. Das Lied kam irgendwann angeflogen und wir haben das eben gesungen. Und ich singe es heute trotzdem mit Inbrunst und obwohl ich es nicht selbst geschrieben habe.

Jen Bender: Aber du hast es selbst, so gemeint. Ich habe es selbst so gemeint. Und das ist eben das Ding, und darum geht es, glaube ich. Also, ich finde es erstmal sehr ehrenhaft, Gerade wenn Künstler, die eine Öffentlichkeit haben, da auch sagen, das ist kein... Kein Makel. Ja, das ist kein Makel, weil auch ein Interpret, Das kann nicht jeder. So, im Gegenteil. Also, das ist, das hatten wir ja vorhin, dass ich manchmal auch sachen mache, die ich selber nicht, selbst wenn ich wollte, ich könnte gar nicht. Ich kann das nicht. deliveren, Damit das transportiert wird.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe gerade einen Text, ich könnte, wenn ich wollte, Doch ich will es scheinbar nicht so richtig. Super, siehste. Das ist eine geile Zeit. Da ist es doch.

Jen Bender: Genau, also, das finde ich sehr ehrenhaft, Aber ich muss eben auch sagen, einfach. Aufgrund dieser Verurteilung, die nach wie vor stattfindet, ALSO ich... Ich möchte Menschen nicht dafür verurteilen, dass sie keine Heldenschritte wagen, weil die Ersten, die es machen, Die kriegen dann eben manchmal auch gern auf den Deckel. Dann kommt es aber auch natürlich darauf an, wer bist du, wer sind deine Fans, Was wollen die von dir und so. Und ich verübel das deswegen erstmal niemandem. Aber eben, wenn Menschen dann anfangen irgendwie damit und sagen, das war einfach, weil darum geht es ja. Es war eine gute Zeit im Studio. Man macht zusammen Musik. Darum geht es doch. Also auf der Bühne beschwert sich doch auch keiner, dass dann... Nicht der eine Typ, alle Instrumente spielt. Das ist doch völlig klar, dass der spielt Schlagzeug, weil er Schlagzeug spielen kann, Der spielt Bass, weil er Bass spielen kann und die spielt Keyboard, weil sie Keyboard spielen kann. Da sagt doch auch keiner, Du spielst ja den Schlagzeug gar nicht selber, du hast den Rhythmus nicht. Das ist ja Quatsch.

Joël Kaczmarek: Ich habe gerade so an eine Parallele gedacht, Ghostwriting. Ich habe einen Bekannten, der hat jetzt sein zweites Buch rausgegeben, dann ja, hier mein zweites Buch, Das habe ich wieder geschrieben mit Bla, bla, bla, bla, bla. Und dann liest du Fett seinen Namen oben drauf und dann klein den Namen des Autors da drunter. Und du weißt Halt genau, Der hat ihm wahrscheinlich irgendwie so 50 Sprachnachrichten drüber geschickt oder sich mit dem Mal vier Stunden zum Videocall zusammengesetzt, diktiert ihm in die Federn, Der Typ schreibt Und beim Buch ist halt so, da ist halt das geschriebene Wort. So 100% der Leistung, vielleicht noch das Cover und das war's, ja. So Strukturierung und Wortwahl und so weiter. Aber bei einem Song, finde ich, da hast du ja irgendwie die Instrumente, den Gesang, dann den Text. Da finde ich das eigentlich gar nicht ehrenrüchig zu sagen, ja, der Onkel, da hinten, Der spielt die Klampfe. Der Onkel da im Publikum hat es geschrieben und ich bin halt der, der Geil, singt.

Sebastian Krumbiegel: Frank Sinatra, Irgendwie gibt es so viele Beispiele. Elvis, die die irgendwie ganz wenig geschrieben haben. Ja,

Jen Bender: also wen es interessiert, das ist mittlerweile ganz einfach. Das finde ich übrigens auch ganz schön bei dem Musikstreaming-Anbieter mit dem grünen Punkt. Da gibt es ja diese drei Pünktchen und da kann man auf Songinfos gehen. Da stehen im Regelfall die Produzentinnen und die Autorinnen mit drin. Das stimmt nicht immer, muss ich leider sagen. Das ist auch so ein bisschen Wusel. Aber grundsätzlich kann man, wenn es einen interessiert, da auch mal vorbeischauen und mal gucken, Wer hat eigentlich an diesem Song mitgearbeitet.

Joël Kaczmarek: Vielleicht gründe ich irgendwann mal so eine IMDb für Musik und lasse mich dann von Spotify oder Amazon kaufen, siehst du? Zack,

Jen Bender: Businessmodell. Da haben wir es. Ach, wer ist das nicht von uns?

Joël Kaczmarek: Das finde ich immer komisch bei Künstlern, gerade aus dem linken Eck, wenn die alle mal so Kommerz verurteilen und in Wirklichkeit wünschen, die sich das auch alle, Auch so ein bisschen Erfolg, Sichtbarkeit, oder? Naja,

Jen Bender: Es ist halt immer die Frage, wie definierst du Erfolg? Für den einen ist es irgendwie Applaus. Von maximal vielen und von den anderen ist es Applaus von ganz bestimmten. Und da will ich auch gar nicht von Quantität versus Qualität sprechen, sondern es ist halt einfach eine andere Herangehensweise. Nicht sichtweise, ja. Wenn dein Erfolg ist, dass du im süddeutschen Feuilleton gefeiert wirst und dann irgendwie ein paar ausgewählte Menschen zu deinem Konzert kommen, Dann ist das dein Erfolg. Und wenn jemand anders sagt, ich will den Kick, Ich will den Adrenalinstoß, wenn 20.000 Leute mit mir zusammen... singen, Dann ist das sein oder ihr Erfolg. Ja,

Joël Kaczmarek: es hat ja manchmal einen gewissen Charme. Also ich weiß, als Jan Müller von Tokotronic hier bei uns war, hat er irgendwie auch, erzählt, dass es in seiner Branche so schwierig ist. Kommerz, Das ist so ein Wort, was ganz übel anreift.

Jen Bender: Das ist so 90er. Kommerz ist so 90er.

Joël Kaczmarek: Und dann hat er aber erzählt, er fände es total geil, wenn ihn Coca-Cola sponsert, wo ich dachte, das ist, glaube ich, Die kommerziellste Firma, die es gibt.

Jen Bender: Das hat er nicht ernst gemeint, das war Ironie, oder?

Sebastian Krumbiegel: Ich bin mir da auch nicht so sicher. Aber Jan ist ja natürlich auch ein Typ, der... Also, da muss man dazu sagen, dass die ganze Hamburger Szenerie, Hamburger Schule und so, Das ist nochmal drei Nummern härter als jegliche andere Independent-Szenerie. Also, da ist jede Art von kommerziellem Erfolg ein Wahnsinnsmakel gewesen.

Jen Bender: Und trotzdem schauen sie dann alle zu Tocotronic hoch, die dann halt irgendwie die Läden voll machen. Oder zu Blumfeld oder den Sternen oder die Spitze des Eisberges. Ja, richtig, dieses Paradoxe und dieses Widersprüchliche, wie Sie ja wahrscheinlich das, was jeder Mensch, weil er einfach Mensch ist. Oder Menschen in sich trägt, Das wird natürlich dann bei solchen, Ich sag mal in der Unterhaltungswelt, nochmal so sichtbar. Also, ich mache das alles nur für mich, und ich brauche auch kein Publikum. Und dann sage ich, Na, ja, aber ab dem Moment, wo du es deiner Mama zeigst, brauchst du Reaktion. So, ich sage, also, wir sind irgendwie alle auf der, Ich glaube, dass Menschen, die auf die Bühne gehen, wo ich mich selber ja nicht ausnehme, weil ich, ja, was? Haben alle einander Klatsche. Also irgendwie brauche ich scheinbar mehr, um zu merken, dass ich da bin. Scheinbar irgendwie ist das so. Und das ist dann dieser Rush und dieser Rausch und so weiter, der, wie gesagt, Der wird dann vielleicht von unterschiedlichen Dingen ausgelöst.

Sebastian Krumbiegel: Den die Bezahlen mit der Einsamkeit danach.

Jen Bender: Richtig, richtig, Ja genau. So, also jeder, der mir, sagt, Er macht das nur für sich und das aber anderen zeigt, da sage ich, naja, Ich glaube, wenn wir jetzt da nochmal mit einem Therapeuten drüber reden, Da kommen nochmal ganz andere Sachen bei raus. Es war halt auch so innen, und es klingt so toll, es ist so künstlerisch, Es ist so Avantgarde und so, ja, es ist so irgendwie und sich dem Kapitalismus versperren. Und so, natürlich ist es, aber es ist halt, mein Gott, wir sind alle total, Also. Wir leben hier an einem wahnsinnig privilegierten Ort, zu einer wahnsinnig privilegierten Zeit. Und das ist alles vor allen Dingen privilegiert, Weil dieser Kapitalismus, so ist, wie er ist, Wir können uns dem nicht so einfach entziehen, wir können ihn verurteilen, das ist total richtig, aber dann muss ich sagen,

Sebastian Krumbiegel: Leute,

Jen Bender: Dann wird es auch schwierig zu sagen, Dann stellt Halt keiner Rechnung nach dem Konzert, dann nehmt halt kein Geld für Tickets, dann weißt du so, also, was ist denn los? Aber wie gesagt, der Widerspruch in allen von uns. Ich glaube, wir können es einfach nur so gut machen, wie es uns möglich ist. Und schwierig finde ich es aber dann, wenn andere für Ihren Weg so... Unglimpflich verurteilt werden. Weil sich jemand entscheidet, Ich möchte maximal viele Menschen erreichen, dann zu sagen, dann bist du ein Scheiß-Mensch.

Sebastian Krumbiegel: Das reflektiert Jan übrigens extrem, auch so.

Jen Bender: Das ist von oben nach unten treten. Das ist so die geistige Elite. Das finde ich irgendwie hässlich. Mag ich nicht.

Joël Kaczmarek: Also Jan ist ja ein Liebling von uns beiden. Das darf man ja sagen. Wir haben ja fest ins Herz geschlossen. Und er hat aber genau diesen Schmerz auch beschrieben. Dieser Reise, auf der er da war. Das ist eine Genese, glaube ich, für ihn auch gewesen. Sich zu erlauben, zu akzeptieren, dass manchmal auch irgendwie Kommerz einfach ein Teil des Geschäftes ist, was man auch gerne, was man auch braucht. Ja, und das, sagt er, glaube ich, auch, und er so. Aber nochmal zu dir. Was hält für dich denn noch so die Zukunft offen? Also, wenn du jetzt so in deine Kombo denkst, Wir haben über digitale Tools geredet.

Sebastian Krumbiegel: Da muss ich gleich mal reingrätschen, weil mein Lieblingsrein von Euch ist, bei Feierabend, Jetzt ist Feierabend, wie es in Zukunft weitergeht, könnt Ihr Mal T-Mac FlyER fragen. Das ist mein Lieblingsrein von euch, ehrlich. Da bin ich so schlau und bin ich so witzig und so klug.

Joël Kaczmarek: Was ich spannend, fand, als wir so vor unserer Podcast zusammenstanden, Hast du auch so ein bisschen über Corona-Folgen erzählt, dass du mittlerweile quasi einen Tross oder Leute hast, die mit Euch in Eurem Dunstkreis zusammenarbeiten. Also Du trägst auch Verantwortung. Und du hattest irgendwie so sinngemäß gesagt, ey, Ich bin seit 40 Jahren gewohnt. Ich glaube, 40, hast du gesagt, ne? Du siehst so jugendlich aus. Ich hätte dich maximal auf 29 geschätzt.

Jen Bender: Ich bin gerade 40 geworden und habe es nicht. Leise kundgegeben.

Joël Kaczmarek: Du hast gesagt, seit 40 Jahren bin ich eigentlich gewohnt, manchmal nicht zu wissen, wie ich nächsten Monat meine Miete zahle.

Jen Bender: Mach mal da die 20 Jahre draus, Die ersten 20, war es noch entspannt.

Joël Kaczmarek: Okay, da hast du noch sozusagen Eltern. Und dann kam BAföG.

Jen Bender: Bafög habe ich nicht bekommen, aber ja. Aber.

Joël Kaczmarek: Wie ist das bei dir? Also nochmal sozusagen als Abschluss zu dem ganzen Thema, Schreiben. Kannst du davon leben? auch, dass du für andere Geschrieben hast und kannst auch mal sagen, okay, Jetzt kann ich mal so eine Durststrecke auch überwintern. Oder musst du immer auch tun?

Jen Bender: Also ich sage mal, das, was ich für die anderen schreibe, da verdiene ich tatsächlich auch hauptsächlich, also Der Großteil geht über live. Ich schreibe gern mit Menschen, dann eben ja auch. Alben oder Songs, die vielleicht jetzt nicht auf Radio gebürstet sind. Oder so, aber die Künstler dann doch irgendwie habe ich da immer, haben wir immer eine gute zeitscheinbar gehabt, Die werden viel live gespielt, so die Sachen, die ich mit den Leuten mache. Das wird nächstes Jahr eine andere Abrechnung, Aber ich mache auch andere Sachen und viele kleine Brötchen ergeben am Ende ein Brot. Und aber wie gesagt, wenn nicht da, also, es ist tatsächlich, Ich mache mir da jetzt nicht so wahnsinnig viel. Gedanken permanent rum, Weil. Erstmal kriegt man wahnsinnig schlechte Laune, und die kann ich irgendwie bei dem, was ich mache, nur bedingt gebrauchen. Aber ich kann es ja eh, nicht. Also das ist halt das Ding, Immer, wenn ich versucht habe, irgendwie zu kontrollieren und zu strukturieren und zu planen, lief eh alles anders. Und das Einzige, was dann passiert, ist, Wenn ich mit gewissen, also mit so ganz bestimmten Erwartungen in eine vermeintliche Zukunft gestartet bin, das ist so dieser Scheuklappenblick. Es ist so wahnsinnig, gerade aus. Der Weg ist so, oder? Es ist so Google Maps, der ist so vorgegeben. Und ich glaube, dass ich einfach immer wieder dann auch Dinge verpasst habe, die vielleicht gar nicht in meinem Kosmos stattgefunden haben. Und ich glaube, der Anspruch daran, sich dem zu öffnen und angstfrei zu sein, ist es utopisch. Also Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, Ich habe nie Angst vor Morgen oder übermorgen oder dem Tod, oder was auch immer. Aber das hinzunehmen, dass das Universum eh irgendwie ein ziemlich chaotischer Ort ist und dass das am Ende, Das Chaos siegt eh, immer. Und dann zu sagen, naja, dann gucke ich mal, was um mich drum so passiert und greife gegebenenfalls zu. Oder laufe mal irgendwo anders lang oder verlasse meine Komfortzone oder wie auch immer. Und das lernt man halt, wenn man... Oder ich zumindest habe es dadurch gelernt, dass ich lange Zeit eben nicht wusste, wie ich irgendwie in zwei, Drei Monaten meine Miete zahlen soll. Es erschreckt einen dann zumindest nicht so. Also du stehst nicht plötzlich vor so einem völlig unerwarteten Scherbenhaufen, sondern da ist, Ah geil, Scherbenhaufen, Ja kenne ich, gib mal Feger.

Joël Kaczmarek: Oder Gib einen Teppich,

Jen Bender: Den lege ich drüber. Das bin wahrscheinlich, dann eher ich. Also wahrscheinlich nehme ich jetzt nicht, Ich baue ein Haus aus den Steinen, ist ein Trümmer, nee. Ich nehme dann eher so einen Läufer und packe den drüber, dann sieht es keiner.

Joël Kaczmarek: Ja, aber ich habe auch gelernt, das macht einen Ja auch stark im Leben. Also Menschen, die immer nur Harmonie hatten und nie vor Unwägbarkeiten standen, Die brechen ja in Krisenzeiten dann auch weg, quasi.

Jen Bender: Ja, von Harmonie, Wie gesagt, da bin ich, also, das ist dann, das ist ja auch, Harmonie ist so langweilig. Ich werde den denken.

Joël Kaczmarek: Braucht man in der eigenen Biografie manchmal auch irgendwie einen kleinen Knick, dass man das machen kann, was du machen kannst?

Jen Bender: Ich glaube, jeder. Mensch findet in seiner eigenen Biografie Knicke. Das ist ja nur die Frage, was definierst du? Ja, ist die Frage,

Joël Kaczmarek: ist es ein Knick oder ist es so ein richtiges Eselsohr?

Jen Bender: Wie auch immer. Ich glaube, das ist ja, mein Gott, was für den einen ist, Ich hatte irgendwie jahrelang nichts zu fressen. Oder so, ist für den anderen immer noch purer Luxus, ja, je nachdem, wo du bist. Und der dritte. Musste seine Siebte Yacht verkaufen, weil irgendwie eine Aktie flöten gegangen ist. Ein Stress, ja. Genau, Und da sagen wir jetzt hier so, Oh, Gott, das war ein Stress. Aber ich, ne, also, ich gehe davon aus, Mann, Im Zweifel hast du dich irgendwann mal total doll mit deiner Schwester gestritten. Oder was, ja, Und das hat dich völlig fertig gemacht, so. Das ist ja Schmerz und Unsicherheit, vor allem. Und ich denke, Angst, so, Und das ist Angst, ist ja vor allem dieses Wackelige, auf wackeligen Beinen stehen und zu merken, scheiße, Ich habe das Universum nicht unter Kontrolle. Das findest du ja überall irgendwie, in jeder Biografie, glaube ich. Meine Mutter war Therapeutin, deswegen, Ich glaube nicht dran, wenn mir jemand sagt, hey, bei mir war immer alles super. Dann sage ich, oh, das wird spannend. Komm, Lass uns ein Trinken gehen. Wie ist eigentlich das Verhältnis zu den Eltern?

Joël Kaczmarek: Was mich ja noch interessieren würde, was mir noch als so eine meiner letzten Fragen einfällt, ist, hast du auch gelernt, dich zu verkaufen, weil Du hast unglaubliches Talent in deinem Text, in dem Kreativen Tun? Jetzt kommt wieder der digital kompakt Und sagt, jetzt hast du diese ganzen tollen Tools hier, dieses Instagram und dieses, Was weiß ich nicht? was, YouTube und Co. Musstest du das auch für dich lernen, wie man sich selber verkauft?

Jen Bender: Ich habe es nie gelernt. Ich kann es nicht. Also ich glaube, vielleicht kann ich andere verkaufen, sogar, aber mich selber, Da bräuchte man ja eine Selbstwahrnehmung für. Ja, und das ist ja mein größtes Straucheln. So, Ich habe keine Ahnung, wer bin ich denn? Was ist denn das überhaupt? Sein. Keine Ahnung. Also überall da, wo wir musikalisch stattfinden. Würde ich sagen, funktioniert das ganz gut. Also, was auch immer funktionieren? heißt. Aber es ist, wie gesagt, Viele kleine Brötchen ergeben ein Boot. Ich kann mich nicht beschweren. Also sprich YouTube, Spotify, die Streamingdienste. Und so alles da, wo man irgendwie mit Bild und Ton von uns in Büros kommt, funktioniert super. Und bei Instagram ist immer noch so, Ich habe das Gefühl, ich bin mit Rollschuhen auf einer Eislaufbahn. Das ist so, Ich verstehe das natürlich immer noch nicht. Also bei anderen verstehe ich das.

Sebastian Krumbiegel: Geht mir ähnlich. Aber es ist halt so,

Jen Bender: ja, ich glaube, als ich mein 80 geboren, so. Das ist für mich immer noch wahnsinnig befremdlich an, so dieses ständige sich mitteilen. Und ich muss aber auch ehrlich sagen, ich glaube, wenn ich das könnte, weiß ich gar nicht, ob ich Musik machen würde. Weil ich habe das ja so als mein Ausdrucksmittel scheinbar irgendwie gewählt. Und ich glaube, dann hätte ich was Anständiges gelernt, wenn ich mich verkaufen könnte.

Joël Kaczmarek: Ja, es ist ja auch ein ungewöhnlicher Druck. mittlerweile. Also ich gucke jetzt manchmal, weil wir Kim Gloss und Ina Aogo da hatten, Dann gucke ich manchmal deren Storys so an bei Instagram. Du guckst verirritiert, du weißt vielleicht gar nicht, wer das ist. Nein. Sie haben auf jeden Fall jeder Einzelnen mehr Follower als wir drei zusammen. So viel darf man verraten. Und ich finde das einen unglaublichen Druck, wenn ich die im Griechenlandurlaub sehe. Und die am Tag 5, 6, 7, 8. Neun oder auch mal 21, so eine Short-Videos von sich da aufnimmt, da denke ich auch so, boah.

Jen Bender: Ich habe eh, Kameras, sind überhaupt nicht mein Ding. Ich habe es immer gehasst, fotografiert oder gefilmt zu werden. Das ist auch heute, so, wenn dann Leute Mitschnitte von Konzerten machen und so. Und die haben so an alle, alle Kamerafrauen dieser Welt, es tut mir wahnsinnig leid, ja, weil das ist wirklich so, Ich will, die nicht auf der Bühne haben, ich will die nicht zu nah an mir dran haben, Ich will das einfach nicht mitkriegen. So. Dementsprechend gibt es auch nicht diese Geilen von unten auf der Bühne erhabenen Superaufnahmen von uns, Sondern das ist alles eher dann auch so ein bisschen nöpelig. Und Leute, Es liegt nicht an den Kameramenschen. Es liegt daran, dass ich keine Kameras mag. Und das ist natürlich Augen auf bei der Berufswahl, Aber ursprünglich war das so, Dass man das dann als Mittel zum Zweck in so einer bestimmten Phase über sich ergehen lassen musste. Da gab es dann diese Promo-Phase. Da WURdeN Presse... Fotos gemacht, Dann gab es ein paar Interviews, Dann hat man noch ein oder zwei Videos gedreht und das war dann erstmal Kamera, okay, wenn du Bock hast, kannst du einen roten Teppich machen. Und so, Das ist ja auch nicht so mein Ding. Und das war es dann, und jetzt ist halt permanent, Permanent sind diese Linsen überall und so. Und ich merke immer schon richtig, wie ich dann auch, wenn man mit Freunden zusammensitzt und dann irgendwie so und ich so, Eine Linse geht an, so, das ist.

Joël Kaczmarek: Und wir haben dich heute gleich dreimal fotografiert. Ja,

Jen Bender: genau, also? Ich glaube, ich löse das professionell, aber ich, also. Langsam entspanne ich mich dabei. Manchmal macht es Spaß, und wir haben halt gesagt, ey, Immer, wenn es irgendwie dann mal Spaß macht, kurz, was mitzuteilen oder so, oder jetzt lachen wir gerade zu zweit, lass doch mal ein paar Leute mitlachen. Und ich glaube, also Unsere Followerzahl ist echt überschaubar, aber ich habe gelernt, wir sind Mikro-Influencer. Das heißt, die Leute, die uns folgen, sind echt und die sind auch wirklich dabei. Und es gibt auch Austausch. Und das ist ja auch das Ding. Ich bin halt, ich kann halt nicht weg. lesen, Wenn die irgendwie reagieren und machen oder so. Also, ich lese mir bei YouTube und so um keine Kommentare durch. Das bin ich nicht, das macht der Raffi bei uns. Aber dann, wenn ich dann so ein Foto oder irgendwas mache und so, Und dann sind da so nette Menschen und die sagen So nette Sachen, Dann will ich ja auch was zurück sagen und zumindest mal klar machen, dass ich es gesehen habe. Also gucke ich es mir auch an. So, und das ist, Da merke ich dann, Da hänge ich schon wieder eine halbe Stunde hier dran. Und ich werde dem nicht gerecht, aber ich mag euch doch alle, so. Also für mich hat es noch eine viel größere Bedeutung. scheinbar, als es haben müsste. Aber es ist völlig cool. Also, wie gesagt, auch da, unsere Leute sind voll nett, alle. Die Verstehen das.

Joël Kaczmarek: Ich habe mich immer gefragt, wenn man sich nicht selber fotografieren mag, Fehlt einem dann ein bisschen Selbstliebe oder ist es einfach irgendwie eine Befindlichkeit?

Jen Bender: Ach, das weiß ich nicht. Da müsste ich auch mit einem Therapeuten reden.

Joël Kaczmarek: Aber ich glaube nicht.

Jen Bender: Nee, ich glaube, es ist eher so, Dieses Selbstdarstellen hat ja auch, was mit einer Selbstdefinition zu tun. Also, ich will das und das sein und stelle jetzt das da, was ich gern sein möchte.

Sebastian Krumbiegel: Du stellst deine persönliche Authentizität, Deine, vermeintliche.

Jen Bender: Was auch immer, Auf jeden Fall stelle ich irgendjemand oder etwas da, was ich gern darstellen möchte. Das ist ein ziemlich sortierter Umstand. Also Ich konstruiere ja irgendwas, auch wenn das Großteil Teil meiner selbst ist. Ich will nicht sagen, dass das alles irgendwie Plastik ist, Aber ich konstruiere mein Super-Ich und habe ein klares Bild vor Augen, was das sein soll. Deswegen meine ich vorhin auch Selbstwahrnehmung. Also gar nicht selbst. Bewusstsein ist ja auch, bin ich mir bewusst, klar, Aber es hat so diese selbstliebende Wertung drin. Und ich bin voll cool mit mir. Also, wir sind echt Buddies, so ich und ich. Wir kommen echt gut miteinander, klar, aber ich mach mir da halt nicht so, Ich glaube, es ist zu zerstreut, einfach. Also Ich bin einfach ein totaler Wusel. Mein Kopf ist das Wuselparadies, und ich weiß gar nicht, wer ich bin. Und ich weiß auch gar nicht, Ob ich mir diese Frage beantworten muss.

Joël Kaczmarek: Bei digital kompakt ist ja so, jede Person, die wir illustrieren auf unseren Podcast, Die ist immer gezeichnet. Also, es ist wirklich eine Illustration und kein Foto. Es hat einerseits den Charme, Wir müssen nie auf Bildrechte achten, weil es sozusagen künstlerisch verändert ist. Und es ist auch alles gleich. Also, du hast nicht so Farbwert, ist unterschiedlich oder oder. Ich habe ganz oft gesehen, du hast. Bei manchen leuten Grottenfotos, lässt sie illustrieren und sie sehen genial aus und bei manchen genau umgekehrt. Und ich bin zum Beispiel einer der Umgekehrten. Ich habe so den Eindruck, Bei Fotos und noch Krasser bei Illustrationen wird immer nur eine Facette von mir eingefangen. Richtig. Das macht mich manchmal, das wurmt mich. Da habe ich das Gefühl, so sehe ich nicht aus.

Jen Bender: Vielleicht ist es das. Das könnte gut sein. Und was mich auch wahnsinnig nervt, da musste ich ja auch irgendwie durch und davon habe ich mich so weit. Es geht in unserer Welt gelöst, dass alle immer versucht haben, mich hübsch zu machen. Das ist so Quatsch. Also weil, warum? Warum besteht dieser Anspruch? An mich? Immer irgendwie, dass es hübsch sein muss? Leute, Ihr scheitert, weil Das ist überhaupt nichts, was in meinem Leben irgendwie eine Rolle spielt. Und das wird dann so verzweifelt, so albern. Weißt du,

Joël Kaczmarek: was das Lustige ist? Seit einer Stunde überlege ich, diesen Satz mal anzubringen. Da kam auch mal sozusagen eine Songzeile. Als ich dich so hier kennengelernt habe und Kaffee gemacht habe, habe ich gedacht, ja, cool, die ist nicht Size Zero, die ist Size Hero. Also für mich bist du irgendwie so eine Type, so richtig

Jen Bender: Charakter. Size Hero, süß. Ja,

Joël Kaczmarek: so viel mal zu meinem künstlerischen Beitrag, heute.

Jen Bender: Das ist süß, ja. Ja, ich glaube, ich habe, Das ist eben dieses Ding mit der Selbstfindung, also irgendwie so dieses, Ich hatte halt auch immer, ich weiß nicht, ich habe immer viel Liebe abbekommen und viel gutes Feedback. Und so. Und dann konnte ich das auch alles so rollen lassen. Und ich glaube aber auch, Mein Wuselhirn macht sich an ganz vielen Stellen, versteht diese Gedanken gar nicht, die da reingehen. Also, das ist so, Ich verstehe es dann und nicht, weil ich es doof finde, sondern weil das mein Gehirn einfach nicht hinkriegt. Und manchmal fange ich dann an, mir auch so logische Fragen zu stellen. Thema High Heels zum Beispiel. Die Dinger tun weh, die sind Scheiße für die Orthopädie. Und wenn man dann mal ganz genau hinguckt, was das eigentlich ist, Dann fangen plötzlich an, das so logisch alles zu sehen. Und dann frage ich mich, ich finde mein Lieblingsspiel ist das Äffchenspiel, nenne ich das. Wie würde ich das finden, wenn ich so auf ein lustiges Filmchen geschickt? kriege, wo so eine Äffchen-Kommune genau das gerade macht, Also sich zum Beispiel das Gesicht anmalt oder? Und dann kriegt das alles, Es wird alles immer absurder. Aber auch so süß. Also ich verurteile das auch nicht bei anderen oder so. Ich habe nur irgendwann gemerkt, mir fehlt der emotionale Bezug dazu. Und das erfüllt mich nicht. Deswegen finde ich es trotzdem manchmal klasse, wenn ein Mensch mit so einer stilsicheren Eleganz irgendwie so bestimmte. Klischees erfüllt. Und das dann aber auch so nailed. Und so auf den Punkt, dass ich bin so hilflos in diesem ganzen Bereich. Sobald ich Lippenstift drauf habe, denke ich so, Dann gucke ich in den SPIEGEL und denke, wie siehst du denn aus? Und das ist halt so irgendwie, ha, Und das hat jetzt irgendwie eine halbe Stunde gedauert, warum? Aber trotzdem sehe ich manchmal Frauen, Männer und alle anderen so mit so einer selbstverständlichen Eleganz. Und auch so einer Würde, wo ich eben nicht das... Gefühl habe, Da verkleidet sich gerade jemand, um irgendetwas zu entsprechen, was man nicht entsprechen kann, sondern das ist dann so ikonisch. Und so, wow, das ist wie so ein Kunstwerk, was geschaffen worden ist. Und so eine Skulptur, die man dann so im Raum stehen hat, wo ich denke, du nimmst jetzt nicht noch das Glas Wein. Nein, du nimmst dieses Glas wein nicht. Oh Gott, sieht das gut aus, wenn du dieses Glas wein nimmst. Also, es ist halt so. Das gibt es schon auch.

Joël Kaczmarek: Manchmal erlaubt man sich selbst ja auch Dinge nicht, die man anderen aber schon erlaubt. Ich habe zum Beispiel so, Ich kann Leute nicht verarschen oder über den Tisch ziehen. Und ich habe aber manchmal unglaubliches Faible für Hochstapler. Es gibt so tolle Hochstapler. Wir haben über Beltracchi geredet, vorhin am Küchentisch. Genial, Wo ich so denke, Wahnsinn. Kennst Du den zufällig? Der hat Bilder gefälscht. Gibt's in der Doku zu? AcH, Gott,

Jen Bender: ja, ja. Okay, der. Unfassbar toll. Dieser mit den langen grauen Haaren und seiner Frau da auf dem Dachboden. Ja, ja, klar.

Joël Kaczmarek: Ja, oder auch hier Frank Abagnale von Catch Me If You Can. Da denke ich, super, aber das würde ich mir selber nie erlauben. Ja,

Jen Bender: geil. Ja, so, naja, So Leute, die in so super Intensiv so rollen annehmen. Also eben gar nicht in Rollen schlüpfen, sondern die so annehmen. Das macht ja eh auch einen guten Schauspieler, glaube ich, aus. Also ich konsumiere Sowas Ja, nur, habe ja damit nichts zu tun. Aber das ist auch, und das gibt es ja auch unter Musikern oder Künstlern oder so. Und da sind wir eben bei guten Interpreten auch wieder. Ein guter Interpret, Der ist das, ja, so von vorne bis hinten, unantastbar. Mit allem, was auf die Bühne gebracht wird. Da kann man sagen, das ist ein Schauspiel, das ist nicht authentisch. Nee, das ist ein Kunsthandwerk. Also etwas, so überzeugt zu sein für 45 Minuten oder bis zweieinhalb Stunden. Selbstdarstellung ist schon auch, will gelernt sein.

Sebastian Krumbiegel: Aber Du verstellst dich Ja, auch nicht, wenn du auf die Bühne gehst. Also, ich kann ehrlich sagen, ich habe keine Rolle. Also, ich bin irgendwie ich. Und auch auf der Bühne. Und das ist manchmal ein bisschen doof. So einen leichten Kontrollverlust auf der Bühne finde ich ja auch geil. Super. Brauche ich auch. Einfach irgendwie, wenn du dich vergisst und verlierst. Und dann wirklich so fast ein bisschen auf Droge bist. Und dann irgendwie einfach wegfliegst. Also, ich unterscheide nicht zwischen einer Kunstfigur, der von Prinzen und meinem persönlichen Ich, Sondern das ist für mich schon eine Sache. Was manchmal vielleicht auch ein bisschen Verhängnis ist, Weil. Man darf natürlich auch diesen ganzen Zirkus nicht zu sehr ernst nehmen und auf sich selbst beziehen, weil man da wirklich einen Fehler macht. Also irgendwie einfach. Dann denkt, ach, ich bin ja vielleicht wirklich ganz, ganz toller. Gut,

Jen Bender: das ist der Moment, wo Menschen manchmal durchdrehen, Aber die werden ja dann auch so, wenn man dann so Künstler in ihrem Absturz beobachtet, das ist ja auch, was, was so ein bisschen ergötzt. Das sind ja meistens dann Menschen, die genau daran zerbrechen, Weil. Das bietet natürlich auch einen wunderbaren Nährboden für Süchte oder so.

Sebastian Krumbiegel: Das härteste Beispiel ist Kurt Cobain. Ja, genau,

Jen Bender: Und dann wird er aber der Held, weil er ständig auf Vero war und sich irgendwie seine Steinschore Papier gespielt hat und sich dann irgendwie die Birne weckt. Also, ich weiß gar nicht, wäre er so ein Held dieser verzweifelten, Depressiven Grunge-Bewegung geworden, wenn er dem nicht so ein Ende gesetzt hat? Ich weiß es nicht. Wer weiß,

Sebastian Krumbiegel: was er noch für Scheiß gemacht hätte. Er hätte bestimmt Werbung für McDonalds gemacht, später noch. Man weiß es nicht. Das ist ja immer das Ding, wenn du diesen Club 27 Leute, diese ganzen Amy Winehouse, James Dean, ja, Die ganzen Club 27 Leute, Ob die nicht irgendwie ihr Denkmal genau dadurch errichtet haben, dass sie eben früh abgetreten sind. Und es wäre vielleicht niemals so ein Denkmal gebaut worden, wenn Sie heute noch leben würden. Haben Sie doch nichts mehr von. Naja, Das stimmt natürlich, Aber es ist eben wirklich die Frage, ob das so eine Überhöhung oder eine Glorifizierung ist, DIE eigentlich... ALSO ich, hey... Für mich ist eigentlich das Werk das Wichtigste. Für mich ist es nach wie vor Smells Like Teen Spirit, irgendwie eine hammermäßig Geile Platte. Und das reicht mir.

Joël Kaczmarek: Aber weißt du, Das Spannende, was Du eben gesagt, hast mit den Schauspielern, die irgendwie eine Kunst hinlegen, Lustigerweise machst du das ja auch, Nur, dass deine Kunst nicht das Sprechen, ist, sondern du eigentlich. Doch das Sprechen, Du schreibst mit anderer Stimme quasi.

Jen Bender: Ja, total, natürlich. Also, ich würde auch, ich bin ja tausend, Ichs, ne? Also klar kann man sagen, ey, ich bin jetzt so, wie ich bin. Natürlich bin ich, wie ich bin, aber ich bin, wenn ich mit meinem Und... Bruder Zusammensitze und irgendwie, dann bin ich jemand anderes. Wenn ich mit Freunden in der Kneipe bin, bin ich jemand anderes, als wenn ich mit einer Freundin allein irgendwo auf dem Balkon sitze. Wenn ich jetzt hier mit euch quatsche, bin ich jemand anderes, als die, die auf die Bühne geht. Und trotzdem bin das alles ich.

Joël Kaczmarek: Wie schaffst du das, dass du jetzt, Also? Ich mach jetzt mal fiktive Beispiele, einfach mal damit, weil man die kennt. Wenn jetzt irgendwie Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer und Clueso alle bei dir einen Song in Auftrag geben, jeder unterschiedlich. Woher weißt du, wie du für wen? schreibst? schreibst, also Wie passt Du dich dem an, Ihrer Sprache, Ihrem Sein, Das ist ja fast so metamorphosisch, was du selber durchläufst, so ein bisschen, oder?

Jen Bender: Ja, deswegen, also, das ist geil, die drei, Also müsstet Ihr dreimal bei mir anrufen, dann kann ich das rausfinden. Ja, natürlich, also, deswegen sage ich auch, Ich schreibe gerne mit Künstlern zusammen und will sie auch spüren, das klingt jetzt voll, eh, so, aber das ist so, ja. So in einem Raum sitzen, sich unterhalten und sich irgendwie entweder näher kommen. Oder auch gerade nicht. Passiert ja auch, so.

Sebastian Krumbiegel: Dann wird es eben nichts.

Jen Bender: Richtig. Und sich aber irgendwie spüren, so. Und dann eben auch natürlich mit ganz viel Feedback. Natürlich kann das auch aus der Ferne sein. Also man braucht heutzutage, muss man nicht mehr in einem Raum sitzen, um sich irgendwie. wahrzunehmen.

Sebastian Krumbiegel: Obwohl ich da auch echt Oldschool bin und danach nicht vor dran, glaube. Ich auch,

Jen Bender: wenn ich es mir aussuchen, darf, gerne, so, Aber ich habe mittlerweile gemerkt oder erfahren, es geht auch anders, ganz gut. Durch Corona, das ist ja die Frage,

Sebastian Krumbiegel: ob du jetzt irgendwie eine Zoom-Konferenz ist, also, es ist ja immer die Frage, die zur Zeit gestellt wird. irgendwie, diese ganzen Geschäftsflieger, die von Hamburg nach München fliegen und wieder zurück. Und ob man sich das nicht sparen kann, weil es geht eben eigentlich auch alles per Skype oder per Zoom. Ich glaube das am Ende nicht, weil ich denke schon, dass eine Interaktion zwischen zwei Menschen eben erstens mal. Nicht nur die Story ist, dass du sagst, wir schreiben einen Song zusammen, wir machen einen Geschäftstermin zusammen, sondern Du gehst eben danach von mir aus, auch noch irgendwie in die Kneipe um die Ecke. Oder du, was weiß ich, du erlebst dich gegenseitig anders, wenn du dich mit jemandem in einem Raum befindest, ist es noch was anderes.

Jen Bender: Also auch das eigene Verhalten ändert sich natürlich total. irgendwie. Das freut mich.

Joël Kaczmarek: echt, dass gerade so Konzerne in ganz Deutschland sagen, wir lassen die hier nicht mehr von Frankfurt nach München fliegen. Total.

Jen Bender: Das ist so albern. Da wird auch einiges passieren. Ich denke auch, dass die Bürogrößen vielleicht ein bisschen anders gedacht werden. Und vielleicht, Vielleicht haben wir ein bisschen Glück, und es bleiben noch zweieinhalb Quadratmeter an der Spree frei, an denen wir sitzen dürfen und ein Kaltgetränk schlürfen können.

Joël Kaczmarek: Oder eine Wohnung mal wieder kriegen. Nein,

Jen Bender: das glaube ich nicht. Der Zug ist abgefahren.

Joël Kaczmarek: Ah, schön. Jen, Mit dir kann man ja wirklich von Pontius bis Polatius mit hohem Genuss über alles reden, wa?

Sebastian Krumbiegel: Spekulatius, ja, auf jeden Fall.

Jen Bender: Quatschen bis in die Unendlichkeit.

Joël Kaczmarek: Es hat viel, viel Spaß. Haben wir noch irgendwas Überlebenswichtiges von dir vergessen? Gibt es noch, was, was du promoten möchtest? Man soll dir auf Instagram folgen, haben wir jetzt schon hier.

Jen Bender: Richtig, Großstadtgeflüster heißen wir.

Sebastian Krumbiegel: Diadem ist euer aktueller Single, glaube ich. Richtig,

Jen Bender: wir haben aktuell, also wir haben noch mal ein...

Sebastian Krumbiegel: Ich will jetzt mein Diadem. Genau. Ich will jetzt mein Diadem.

Jen Bender: Genau die. Die wollten wir eigentlich zur Tour rausbringen, noch ein Video. Das ist jetzt sozusagen die letzte Auskopplung von unserem Album Trips & Ticks, Was letzten Sommer erschienen ist und ihr überall hören, könnt.

Sebastian Krumbiegel: Meine Couch ist übrigens auch eines meiner Favorites.

Jen Bender: Den fühle ich auch. Ja, ich liebe meine Couch. Siehst du, also? Wir haben ja auch schon das Medley sozusagen. Ja, also, ihr habt ja praktisch schon reingehört. Genau, Ihr könnt mal in das Album Reinhören und so Corona, es will, Wir sind nächstes Frühjahr auf Tour. Spätfrühjahr. Und in ein paar Städten gibt es noch ein paar Karten, nicht in allen. Wobei auch, da weiß ich ja nicht, was da noch passiert. Täubchenthal, Leipzig, Gästeliste, bitte. Ich habe total Hemmungen tatsächlich, das ist neu, für die Tour zu werben. Das ist im Moment in den letzten Wochen und Monaten das Allerschrägste, Weil normalerweise ist das immer so von Vorfreude geballert. In mir drin alles, dass ich eigentlich immer nicht davon aufhöre. Ja, übrigens, Wir fahren auf Tour und hier, und da poste ich dann auch gerne mal was. Ey, übrigens, Wir fahren auf Tour, ey, kommt ihr auch? so. Ich freue mich da einfach und will, dass das alle hören und sich jeder entscheiden kann. Dafür oder dagegen. Und im Moment ist das echt mit angezogener Handbremse, Aber ich traue mich trotzdem. Wir fahren auf Tour und wenn wir auf Tour fahren dürfen, wäre es schön, wenn Ihr vorbeikommt.

Sebastian Krumbiegel: Genau, Und wenn ihr im Frühjahr nicht auf Tour fahrt, dann fahrt ihr auf jeden Fall irgendwann später auf Tour. Ja, wir fahren auf Tour. Und wir fahren auch wieder auf Tour, weil wir lieben es, draußen rum zu Lärm zu machen und irgendwie mit dem Arsch zu wackeln. Auf der Bühne. Dafür machen wir das ja auch.

Joël Kaczmarek: Wie sagt Dein Freund Udo immer dazu?

Sebastian Krumbiegel: Tourlaub. Wir machen Tourlaub. Das ist geil.

Joël Kaczmarek: Wir machen jetzt auch ein bisschen Urlaub für heute. Vielen, vielen, vielen Dank. Es hat sehr viel Spaß gemacht.

Jen Bender: Mir auch.

Sebastian Krumbiegel: Hammergeil. Dankeschön.

Jen Bender: Dankeschön. Tschüss.