
Janine Kunze: Der richtige TV-Auftritt früher und heute
24. März 2021, mit Joël Kaczmarek, Sebastian Krumbiegel
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Joël Kaczmarek: Kunst trifft Digital.
Sebastian Krumbiegel: Der Podcast.
Joël Kaczmarek: Wie immer mit dem wohlriechenden Popprinzen. Sebastian Krumbiegel.
Sebastian Krumbiegel: Wohlriechend und immer mit dem gutaussehenden, bestaussehendsten Podcast Joël Kaczmarek.
Joël Kaczmarek: Ha, so. Und heute starten wir mit warmen Worten, aber es werden sicherlich auch sozusagen. Worte... Aufgegriffen und zitiert werden, die nicht so warm waren, Denn unsere heutige Gästin ist eine sehr, sehr spannende Medienperson, Die tolle Sachen in TV und Fernsehen gemacht hat, Ganz viel Comedy, auch, die sehr gerne backt, Ein echter Familienmensch ist, Bücher schreibt, wie wild und auch einen eigenen Podcast hat. Und warum ich den ganzen Satz mit den einleitenden Worten hier warme Worte versus kalte Worte gewählt habe, ist, Sie hat auch ihren ersten Shitstorm hinter sich und Erfahrung mit Cybermobbing gemacht, Das heißt, unsere digital kompakt wird heute auch mal sein, Was passiert eigentlich so im Netz? Da draußen, wenn auch mal Blöde Sachen passieren. Liebe Janine Kunze, IN DIESEM Sinne, schön, dass du da bist. Herzlich willkommen.
Janine Kunze: Ja, vielen Dank, dass ich dabei sein darf. Und jetzt, Ihr seht beide fantastisch aus. Jetzt höre ich noch, ihr riecht gut. Jetzt ist es ja noch umso trauriger, dass wir so weit voneinander entfernt sind, wie blöd. Danke für eure Einladung.
Sebastian Krumbiegel: Ich bin ja, um gleich mal zum Thema zu kommen, über das Wort Gästin gestolpert eben. Weil ich würde ja sagen, unser Gast. Also, das ist ja eben die Frage, wie gehen wir um mit solchen Dingen heute? Weil Gästin ist schon für mich irgendwie ein schräges Wort.
Joël Kaczmarek: Ja, manchmal hat man es, dass man aufgeregt ist, bei so einer Moderation, Dann verhaspelt man sich, Ich gebe es zu.
Janine Kunze: Aber ich glaube, du hast eigentlich politisch korrekt, was.
Joël Kaczmarek: Ich hoffe.
Sebastian Krumbiegel: Ich bin mir nicht so sicher, ehrlich gesagt.
Janine Kunze: Ich bin mir bei vielen Dingen gerade nicht mehr so sicher, Sebastian. Ich bin sehr verunsichert, aber ich dachte, jetzt sei korrekt, ich weiß es auch nicht mehr. Ich bin auf jeden Fall happy, egal, was ihr sagt, ich freue mich über alles.
Joël Kaczmarek: Aber es ist ein gutes Stichwort, Verunsicherung wird, Glaube ich, heute ein großes Thema, sein, nämlich in diesen Sphären, weil ich habe es auch, Also kleiner Exkurs noch, bevor wir mal anfangen mit Janins Arbeit und ihrem Schaffen, ihrer Kreativität. Ich habe die Tage auch drüber nachgedacht, wir machen ganz oft, wenn wir Werbung einsprechen. Bei uns im Podcast, Dann muss ich immer sagen, ja, diese Firma macht dies und das. Und dann habe ich ganz oft die Formulierung, Die Jungs und Mädels von So und so, Die kennen sich Top aus mit. Und da habe ich auch schon gedacht, muss ich jetzt so in Zeiten von Diversity eigentlich sagen, Die Jungs und Mädels und... Alles dazwischen oder gibt's, Also wisst ihr, was ich meine? So, das ist irgendwie, Mittlerweile ist das Leben gar nicht mehr so einfach, wenn man manchmal kommuniziert, aber so viel mal als kleiner Appetizer. Gut, Janine, eigentlich mal zu dir. Wie beschreibst Du dich selber, wenn du Menschen sagst, was du machst, was deine Kunst ist? Sagst du dann, Ich bin eine Schauspielerin? Sagst du, ich bin eine Comedian, ich bin eine Autorin, eine Podcast? Wie siehst du dich selber?
Janine Kunze: Oh Gott, das ist eine gute Frage. Klar, wenn ich schreiben muss, was ich beruflich mache, steht da Schauspielerin, Moderatorin. Ich habe ehrlich gesagt, noch nie Autorin geschrieben oder so, aber ja, Meistens steht Schauspielerin und Moderatorin. dann, wenn ich es, wie gesagt, schriftlich ablegen muss. Und das umfasst ja auch sehr viel. Das ist ja das, was ich auch mache. Also ich spiele, rollen und ich moderiere. Ich bin ja auch viel Gast in Sendungen, mache eben diese lustigen Shows, die ich ja sehr, sehr mag, weil sie den Leuten Unterhaltung bietet. Also ich glaube, es geht so ein bisschen in Richtung Entertainerin. Darf man das sagen? Ja.
Joël Kaczmarek: Ja.
Sebastian Krumbiegel: Unbedingt.
Joël Kaczmarek: Ist eigentlich ein schönes Label. Darf ich da gleich mal ein Mäuschen spielen oder neugierig sein? Wie läuft denn das eigentlich immer ab, wenn die einen Anfragen für solche, also? Manchmal gibt es ja so Einmalshows, dann gibt es so wiederkehrende, So wie dieses The Masked Singer. Zum Beispiel, wo wir wie die Tom Beck gerade auch da hatten. Wie läuft denn das ab? Kriegst du dann eine Anfrage? Und dann bieten die einen Preis, und dann geht man da hin, dreht und ist fertig. Also ist das bei dir richtig sozusagen? Fester Bestandteil, der immer wieder kommt. Oder ist das nur mal so? Alle Jubiläare?
Janine Kunze: Nein, also Du bekommst Anfragen für Sendungen oder eben Moderationen, Shows oder Rollen. Und dann setzt man sich einfach mit dieser Sendung auseinander und überlegt, kann ich da, mag ich das, kann ich das vor allen Dingen. Das ist für mich immer ein ganz wichtiger Aspekt. Ich sitze wirklich da und denke, okay, kann ich das gut umsetzen, sodass der Zuschauer das mag. Ja, Und dass ich dem Zuschauer und auch dem Arbeitgeber gerecht werde. Also das, finde ich, muss immer mit einspielen. Ja, und wenn ich dann denke, okay, das kannst du, da hast du Spaß dran, das kannst du gut vermitteln, dann freue ich mich immer, wenn wir da zusammenkommen. Und wie du sagst, genau, dann wird verhandelt. Und dann unterschreibt man im besten Fall irgendwann einen Vertrag und beginnt zu arbeiten.
Joël Kaczmarek: Also so viel zu meiner Neugierde. Ich bin ja hier voll der Quereinsteiger gerade. Ich muss dich ja eigentlich mal viel früher abholen, weil ich bin ja jemand, Ich bin ja wirklich noch groß geworden. Mit Hausmeister Krause. Und ich weiß dieses, also dieses großartige Duo mit Dir und Axel Stein, wo dann der immer so, Ich guck mal so, so richtig schön, irgendwie Pott geredet. Das ist sozusagen mir natürlich sehr präsent gewesen. Vielleicht fangen wir mal ganz bodenständig an. Wie bist du denn zu deinem Job als Entertainerin, Schauspielerin, Comedian und Co. gekommen?
Janine Kunze: Also ehrlich gesagt war das ein großer Zufall. Ich habe als Kind schon Kindermusicals gemacht und Kindertheater gespielt. Aber ich hatte dann wirklich so mit 16, 17 Mal die Phase, wo ich gesagt habe, Oh, Schauspielerei, das würde mich doch, glaube ich, beruflich auch sehr interessieren. Das fand zu Hause, aber überhaupt keinen Anklang. Meine Mutter hat dann gesagt, auf gar keinen Fall, du lernst was Anständiges. Und ursprünglich wollte ich ja gerne Medizin studieren und habe mich dann aber erstmal dafür entschieden. Die Krankenschwestern-Ausbildung zu machen. Und das habe ich auch echt geliebt. Das ist ein ganz, ganz toller Beruf. Also, an dieser Stelle grüße ich auch mal alle Krankenschwestern und Pfleger. Und ja, alles, Das ganze medizinische Personal, Was gerade auch so viel zu tun hat. Und was sich gerade für uns, für unsere Gesellschaft ja wirklich aufopfert. Ich durfte das also dann lernen, habe auch richtig ein Examen da abgelegt. Und habe dann neben der Schauspielschule, die ich dann irgendwann angefangen habe, zu besuchen. Die meisten sind dann Kellnern gegangen und ich bin eben in die Klinik gefahren und habe meinen Dienst gemacht. Und bin dann davor aber in die Schauspielschule. Und das war eine ganz, ganz tolle Zeit. Ich habe da sehr viel kennengelernt, Sehr viel Menschen kennengelernt, mich noch mal ganz neu kennengelernt, Weil diese beiden Berufe natürlich auch wahnsinnig konträr sind. Und dann kam irgendwann das Casting von Hausmeister Krause. Und ich wollte erst gar nicht hingehen. Das kam über eine Modelagentur. Ich habe nebenbei so ein bisschen gemodelt. Dann hat meine Freundin mich wirklich überredet und dann habe ich gedacht, na, gut, komm, Hast du mal ein Casting gemacht, weißt du auch mal, wie das geht. Und dann hat das irgendwie alles funktioniert, und ich habe direkt diese Rolle bekommen. Und das war wie so ein Sechser im Lotto und hat mich dann in... In meinen beruflichen Werdegang gebracht, kann man das sagen, Was die Schauspielerei ergibt.
Joël Kaczmarek: Gut, also Du bist im Prinzip, bist du reingestolpert. Du hattest eigentlich sozusagen einen Traum, Dann kommt, so die Vernunft der Eltern. Ich habe das bei mir auch gehabt, was Ordentliches Lernen, Brotlose Kunst und so weiter, mach, was und so. Und dann bist du sozusagen von hinten durch die Brust ins Auge, da so reingestolpert. Und was war das damals für eine Welt? Also wie war das so, wenn Du mit irgendwie Tom Gerhardt und Co. Da gedreht hast?
Janine Kunze: Das ist, also so diese erste Begegnung, Auch das war alles sehr groß, weil das war Constantin Film, Bernd Eichinger, Das war Tom Gerhardt und das war wirklich eine Riesen-Dome und ich war ehrlich gesagt, total eingeschüchtert. Wahrscheinlich gar nicht vorstellen. Ich war ja auch schon 24, aber ich bin ja sehr spät eigentlich eingestiegen. Aber ich war schon sehr eingeschüchtert und sehr ehrfürchtig. auch, weil ich dachte, wow, Jetzt stehst du hier mit solchen deutschen Filmgrößen. Dann habe ich aber gemerkt, dass die alle sehr familiär sind. Und wir haben sehr schnell auch wirklich zueinander gefunden und wir haben eine ganz, ganz tolle Zeit gehabt. Also, wir haben das ja elf Jahre gemacht, Hausmeister Krause, mit einem Jahr Unterbrechung. Und du wächst dann wirklich zusammen. Das hört sich immer so blöd an, glaube ich, nach außen, wenn man sagt, ja, wir sind wie so eine Familie geworden. Aber das ist tatsächlich so. Du bist ja viele Monate im Jahr dann sehr eng zusammen. Du verbringst 10, 12, 14 Stunden am Tag zusammen. Und da ist es halt auch sehr hilfreich, wenn man sich gut versteht. Und das haben wir. Und es war eine ganz tolle Zeit, die ich überhaupt nicht missen möchte. Und für mich natürlich auch mein Karriereanstoß, muss man klar sagen.
Sebastian Krumbiegel: Und hast du damit dann auch, deinen Eltern sozusagen irgendwie gezeigt, hey, guck. Guck mal hier, geht doch, und ich kriege das hin. Und haben deine Eltern dann auch gesagt, hey, sie hat scheinbar wirklich gewusst, was sie wollte, und sie hat es dann eben auch irgendwie geschafft. Oder wie lange hat das gebraucht, bis deine Eltern gesagt haben, Kind, du hast deinen. Krankenschwesterberuf an den Nagel gehängt. Wie konntest du nur, bis Sie das sozusagen respektiert haben und gemerkt haben, dass du deinen Weg gehst?
Janine Kunze: Also ich glaube, meine Mutter findet das bis heute schwierig, was ich da mache, weil in diesem Beruf, dieses in der Öffentlichkeit stehen, das... Ist der total unheimlich? Und das findet die auch gar nicht toll oder so. Also bei mir ist das auch so, Bei mir rollt keiner einen roten Teppich aus, wenn ich nach Hause komme, eher im Gegenteil. Also, es ist wirklich, Diese Welt ist denen fremd. Und ich kann das auch verstehen. Und ich halte mich da auch immer sehr bedeckt. Also, da wird auch gar nicht groß drüber geredet. Ich glaube, mein Vater fand zum Beispiel Hausmeister Krause Super lustig. Der hat sich kaputt gelacht. Meine Mutter hat das, glaube ich, nie ganz verstanden, was Sie daran so witzig findet. Die guckt dann lieber so Sachen wie Heldt oder so. Das erschließt ihr sich mehr. Ich glaube aber, dass die letzten Endes, wie alle Eltern, wenn du siehst, das Kind ist glücklich, das geht seinen Weg und es funktioniert, ja, dann sind die ja auch irgendwie happy und finden das in Ordnung. Aber ich glaube, sie hätten sich eher anfreunden können mit einem soliden Job.
Joël Kaczmarek: Und jetzt sag mal, Man darf ja mal ganz offen sozusagen. Einen pinken Elefanten im Raum dabei auch adressieren. Die Rolle, die du damals gespielt hast, die hat ja gefühlt so ein bisschen, Auch mich erinnert damals mal an Al Bundy und eigentlich so seine Tochter, die von Christina Applegate gespielt wurde.
Janine Kunze: Ja, total.
Joël Kaczmarek: Also Du warst quasi in der Medienwelt, Ich glaube, du sagst das selber, deswegen darf ich das sagen. Wie heißt das nochmal? Eine blonde Frau mit großen Brüsten war, glaube ich, dein Zitat, was du bei mir mal verwendet, hast. Hat das mit Dir was gemacht?
Janine Kunze: Ja, das war ein Zitat, was ich gerade gebracht habe und was man leider komplett falsch verstanden hat, wenn du das meinst. Aber natürlich macht das was. Also diese Rolle, die ich da spielen, durfte, da habe ich natürlich jetzt wirklich die Parade-Blondine, wie sie im Buche steht, gespielt. Also, ich war die dumme, hohle... sexy, notgeile, ja, Junge Frau. Und mir hat das wahnsinnig Spaß gemacht. Ich habe es auch geliebt, dieses Klischee zu bedienen. Und es war ja auch sehr, sehr erfolgreich. Aber witzig war, Ich habe dann gemerkt, dass ich im Privaten immer versucht habe, genau das Gegenteil zu sein. Und je erfolgreicher Hausmeister Krause wurde, Desto ungeschminkter und schlabberluckiger bin ich durch die Gegend gelaufen, weil ich allen sagen wollte, ey, das ist so eine Rolle. Ich bin so gar nicht. Ich bin ganz, ganz anders. Heute, Wenn ich darüber nachdenke, finde ich das sehr, sehr lustig. Und der Mutter ging es zum Beispiel der Irene Schwarz ganz anders. Die hat ja immer so eine Biedere gespielt, die Haare so hochgesteckt und eher so ein Mäuschen, Lisbeth halt. Und die ist ja auch eine sehr schöne Frau, die ist dann privat wirklich nur als Wämmke laufen. Also wir haben wirklich versucht, genau das gegenteilige, dann ins Privatleben zu ziehen. Und das war sehr, sehr lustig. Das hat schon sehr viel Spaß gemacht. Ich habe das übrigens auch bei meinen ersten Fernsehauftritten. Da saß ich dann mit dem Rolli da, bis mir dann irgendeiner sagte, Mäuschen, du verstehst die Branche nicht. Du musst da schon ein bisschen auch was zeigen. Versuch mal eher so ein bisschen Rollentischee da zu bedienen. Also, das sind schon wirklich auch Gedanken, die ich mir dann gemacht habe. Das ist faszinierend, was man da so über sich nochmal erfährt. Auch über diesen Beruf auch. Und es ist aber für mich nach wie vor ein toller Beruf. Ich liebe ihn sehr. Ich liebe es auch, Frau zu sein und bin gerne Frau. Und ich glaube, Wir Frauen, ja, wir... Wir spielen auch gerne mit unseren Reizen, und das ist ja auch was Tolles. Also, ich möchte da nur ganz klar sagen, wir müssen uns für gar nichts verstecken. Alles ist gut, wie es ist.
Joël Kaczmarek: Und hast du aber einen Preis dafür gezahlt? Also war es zum Beispiel in deiner beruflichen Ebene, so, dass dir dann mit fehlendem Respekt begegnet wurde. Oder genau das, was du gerade gesagt hast, dass man immer versucht hat, dich auf Klischees zu münzen, dass das immer aufs Körperliche ging? War das so ein bisschen ein Preis oder war das gar nicht so, wie man sich das denkt?
Janine Kunze: Ich habe das nicht so negativ erfunden, Aber natürlich gab es und gibt es Menschen, die einen natürlich dann auch oft auf Äußeres, nicht nur in meinem Fall jetzt, es ist ja einfach so, aufs Äußere reduzieren. Oder beschränken wollen, Aber ich habe das eigentlich immer ganz gut weggesteckt. Und ich glaube, wenn man selber weiß, wer man ist, was man ist, dann kann man damit ganz gut umgehen. Es war natürlich am Anfang, so, wenn es natürlich irgendwo eine Klischee-Blondine zu besetzen, gab, Dann war ich natürlich immer ganz oben mit auf der Besetzungsliste. Aber auch das, Ich muss das ganz klar sagen, Hausmeister Krause war und ist für mich ein großes Geschenk gewesen. Ohne diese Rolle säße ich auch heute wahrscheinlich nicht mehr hier. Ich habe das geliebt. Ich glaube, da kann ich für uns alle sprechen. Wir haben es geliebt, diese Familie zu verkörpern, darzustellen, unsere Rollen zu spielen. Und da gibt es bis heute nichts, wofür man sich schämen müsste. Das ist eine der beliebtesten, erfolgreichsten deutschen Comedy-Serien Und wir sind da alle sehr, sehr stolz drauf. Es war eine super Zeit.
Joël Kaczmarek: Ich meine, ich wäre auch nicht zu schwermütig, während in der Thematik, aber mal als kleiner Exkurs noch hintendran, als hier diese ganze MeToo-Welle auch so rumschwappte. Hattest Du da so Momente, wo du da gesessen hast, hast den Fernseher angemacht, Die Zeitung aufgeschlagen, Diese Harvey Weinstein-Geschichten gelesen, Kevin Spacey und Co. Und hast gedacht, Oh ja, stimmt, Habe ich auch schon erlebt. Oder ist das sozusagen an dieser Kelch glücklicherweise an dir völlig vorbeigegangen?
Janine Kunze: Ich glaube, Im kleinen Maße haben das alle Frauen schon mal erlebt. Und auch nicht nur in der Schauspielbranche, wenn ich das so sagen darf. Ich glaube, das gibt es immer mal wieder und ich kann den Frauen nur sagen, steht zu euch, sagt nein, wenn ihr nicht möchtet und sagt es laut. Und ich glaube, das ist das Wichtigste, was man tun kann. Und ich persönlich habe da jetzt nie wirklich schlimme Erfahrungen mitgemacht. Bin da auch sehr, sehr dankbar. Ich glaube auch sagen zu dürfen, ich bin auch ein starker Charakter. Ich habe immer, wenn ich etwas nicht wollte, auch geschafft, laut Nein zu sagen. Und das ist das, was ich auch meinen Töchtern Versuche beizubringen und was ich eben nach außen auch transportieren möchte. Wir Frauen, wir dürfen und wir müssen oft nein sagen, wenn wir das Gefühl haben, da ist was nicht richtig. Das sollten wir einfach lernen und auch tun. Das ist ganz, ganz wichtig. Aber auch die Männer, das muss ich auch dazu sagen. Also jeder Mensch, Wenn wir etwas nicht möchten, dann müssen wir nein sagen. Und das dürfen wir auch. Das steht uns auch mehr als zu, als Mensch.
Joël Kaczmarek: SAG mal, Sebastian, Hast du da mal so ein geiles Wort dafür, wenn Leute so Ihre Grenzen gegenüber anderen, Der fehlende Schutzschalter oder so ähnlich, sagst du da immer dazu, oder?
Sebastian Krumbiegel: Ja, die Schutzschaltung, die manchmal den Leuten fehlt. Das glaube ich wirklich auch, ja. Aber ich merke hier gerade, Janine, Wir haben ja eingangs kurz drüber gesprochen. Dass du wirklich total vorsichtig bist mit dem, was du sagst. Und dass du wirklich durch diesen Shitstorm, den du jetzt hattest, einfach so zurückhaltend bist. Und ich kenne das von mir auch. Ich hatte auch schon mehrere Shitstorms, jetzt eher aus politischer Richtung. irgendwie, weil ich mich eben irgendwie politisch geäußert hatte. Zu irgendwelchen Dingen. Und merke auch selbst, dass mir das auch genauso geht, dass ich einfach versuche, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen und mir vorher genau zu überlegen, was ich sage und wie ich es sage. Und dass dadurch, Und das ärgert mich manchmal selbst so sehr, eine Spontanität vor. Die Hunde geht, die mich eigentlich auch ausmacht. Und deswegen ist meine Frage irgendwie, also. Natürlich ist das heute auch ein Thema, dieser ganze Wahnsinn mit Die letzte Instanz und mit dieser Fernsehsendung. Also, ich habe die Sendung nicht gesehen. Ich habe nur darüber ganz viel gelesen und ganz viel gehört. Und es ist ja nicht nur dieses eine Ding, sondern es ist ja ganz viel, Was uns zurzeit eben irgendwie umtreibt. Wie gehen wir mit solchen Dingen um? Und was Joël am Anfang gesagt hat, du bist sehr karitativ, irgendwie unterwegs. Du unterstützt ganz viele Projekte und bist da irgendwie eigentlich überhaupt nicht in dem Verdacht, in irgendeiner Weise rassistisch zu sein. Andererseits wissen wir auch, und du hast das eben selbst gesagt, was Sexismus betrifft, Dass jede Frau davon irgendwie mehr oder weniger Mal betroffen war oder ist und dass wir das niemals vergessen dürfen. Und ich frage mich eben, wenn du in so einer Runde sitzt, wie in dieser Sendung. Die Die letzte Instanz, Ob das sozusagen... Wenn du da sozusagen, ich sag jetzt mal ganz hart mit alten weißen Männern zusammensitzt, Es waren nicht alles alte Männer, es waren aber alles weiße Männer, Und wenn die Diskussion in diese Richtung geht, ja, inwiefern du dich dann auch von Sowas ja eben einfangen lässt. Und dann man sich sozusagen gegenseitig hochschaukelt und gar nicht so richtig merkt, in welche Richtung das jetzt gerade geht. Oder hast du es, während die Diskussion tobte, hast du gemerkt irgendwie, Oh, scheiße, Irgendwas geht hier in eine komische Richtung. Und hast dich nur nicht getraut, da Parodie zu bieten. Ist das wirklich eine ganz ehrliche Frage? Weil ich mich manchmal auch frage, letzter Satz jetzt, wenn ich mit irgendwelchen leuten. In einer Runde sitze, die alle anders ticken als ich oder die alle eben in irgendeiner Weise, Ich sage es, mal konservativer oder eben mehr alterweißer Mann mäßig drauf bin, als ich das für mich in Anspruch nehme, dass ich da natürlich auch anders rede, als wenn ich jetzt mit total progressiven, feministischen Leuten in einer Runde sitze. Und dass man sich natürlich auch in so einer Diskussion auf ein Parkett begibt. Wo man sich dann auch irgendwie, Ich sage es mal, nicht anpasst. Das scheint normal zu sein, wie wir hier gerade reden. Die Frage ist, hast du währenddessen schon gemerkt, Hier läuft irgendwas Schief oder bist du aus allen Wolken gefallen, als danach der Shitstorm losging und die Diskussionen?
Janine Kunze: Also das ist echt ein diffiziles Thema. Und ich kann erst mal nur sagen, genau, wie du sagst, Ich bin seitdem natürlich auch verunsichert und überlege genau, was ich sage, weil mich das alles mit so einer Wucht getroffen hat. Und um das vielleicht mal kurz zu klären. Es war eine ganz klare Ansage, dass das kein Rassismus-Talk ist. Ich wäre da sonst auch gar nicht hingegangen. Ich hätte mich da nie hingesetzt. Wenn wir so eine Ansage bekommen hätten, Weil ich weiß, was das auch für ein Thema ist. Und dass ich da auch nicht, Das sage ich auch ganz klar raus, gebildet genug bin und auch nicht. Das Recht habe, auch in so einer Runde darüber zu reden. Es ging, und das muss ich jetzt so sagen, Es ging nur um die Umbenennung von Lebensmitteln. Und ich habe jetzt verstanden, nein, ging es nicht. Und mit dem, was wir da gesagt haben, wir haben das sehr locker genommen, Sehr leicht. Wir wollten da wirklich niemanden, oder ich bleibe bei mir, ich wollte da auf... Gar keinen Fall irgendjemanden beleidigen. Ich habe das Thema zu locker genommen und war mir, glaube ich, über diese Wucht, über diese Größe gar nicht im Klaren. Und habe mich dadurch eben politisch unkorrekt geäußert. Und ich habe dadurch Menschen verletzt und das war wirklich zu keiner Zeit. Meine Absicht. Ganz im Gegenteil. Auch dieser Satz, weil du eben, Joëlle, darauf ansprachst, Blonde Frau mit großen Brüsten, Der bezog sich zu keiner Zeit auf einer Ebene, Dass ich sagen wollte, ich kann mich mit... Rassistisch verfolgten Menschen oder Gequälten auf eine Ebene stellen. Um Himmels Willen, Niemals wäre mir das in den Sinn gekommen. Also, das war wirklich alles, und ich kann nur von mir reden, überhaupt nicht Böse gemeint. Ich habe da überhaupt nicht drüber nachgedacht, ob ich da wirklich jemanden verletze, sondern. Ich habe in meiner lockeren, Lapidaren Art mich auf ein Glatteis begeben oder bei einem Thema mitgesprochen. Das hätte ich nicht tun dürfen. Nein. Mir ist das erst klar geworden. Nach der Wiederholung. Dieser Shitstorm ging ja los, nachdem die Sendung 8 Wochen später noch mal wiederholt wurde. Als die Sendung das erste Mal lief, haben wir nicht einen negativen Kommentar bekommen. Also meine Kollegen auch nicht. Und darum war mir das nicht klar. Ich habe wirklich gedacht, Wir sprechen da über die Umbenennung von Lebensmitteln. Und da darf man ja seine Meinung sagen. Und ich habe jetzt verstanden, nein, das darf ich nicht. Weil ich bin überhaupt nicht betroffen. Und da hätten andere Menschen sitzen müssen. Ich habe das jetzt wirklich verstanden. Aber um das noch mal zu sagen. Das war nicht als Rassismusdebatte, deklariert. Da hätte ich nie daran teilgenommen, weil ich mich da gar nicht kompetent und erfahren, genug und belesen genug auch zu fühle. Und es steht mir auch nicht zu, mich da zu äußern. Und deshalb bin ich natürlich jetzt sehr vorsichtig und überlege, okay, was ist jetzt politisch korrekt? Weil ich habe da eben diesen Fehler gemacht, habe mich politisch unkorrekt geäußert und dadurch Menschen verletzt. Und das war zu keiner Zeit. Meine Absicht, wirklich, das möchte ich einfach mal ganz klar sagen. Und wie du eben gesagt, hast, Sebastian, Ich setze mich jetzt seit wirklich über 20 Jahren für tolle Projekte. ein, darf da mitarbeiten, habe Projekte ins Leben gerufen und habe eben immer antirassistisch gearbeitet, habe antidiskriminierend versucht, zu wirken. Und immer, also. Eigentlich wollte ich den Menschen immer nur sagen, lasst uns zusammenstehen, lasst uns voneinander lernen. Wenn du dann auf einmal mit so einer Wucht getroffen, wirst, Ich habe einen Fehler gemacht, ich nehme das jetzt auch an, Aber das nimmt dann teilweise auch Ausmaße an. Du hast es eben selber gesagt. Wow, das zieht dir echt den Boden unter den Füßen weg. Das ist schon hart. Aber da muss ich durch. Ich kann es nur nochmal sagen. Wenn du einen Fehler machst, musst du dann auch damit rechnen, dass es dich dann trifft. Und dann musst du das Beste daraus machen. Und was ich versuche, für mich wirklich daraus zu lernen, Ich lese viel, ich bilde mich da sehr weiter, Was das Thema angeht. Ich glaube tatsächlich, dass es auch ein bisschen ein Generationsding ist. Wir in meiner Generation, um das vielleicht noch zu sagen, wir sind wirklich mit Worten groß geworden. Da haben wir uns nie was Böses beigedacht und haben die gesagt. Aber ich weiß jetzt, wir müssen auch unseren Sprachgebrauch verändern, weil es gibt Worte, die für uns normal waren, die dürfen nicht mehr normal sein, weil wir damit schaden. zufügen, weil wir Menschen mit diesen Worten, wenn wir Sie äußern, einfach verletzen. Und das habe ich wirklich mehr als begriffen. Ich war mir über die Kraft dieser Worte, was eben betroffene Menschen angeht, Ich war mir wirklich nicht im Klaren darüber. Das muss ich ganz klar sagen. Da habe ich einfach wirklich einen Wissensvakuum gehabt und bin da einfach mit richtig aufs Gesicht geflogen. Und daraus lerne ich jetzt, ganz klar.
Sebastian Krumbiegel: Wir hatten ja unter anderem Minh-Khai Phan-Thi zu Gast und haben auch über dieses Thema mit ihr gesprochen. Und sie hat uns erklärt, und das muss sie uns beiden auch sagen, weil wir natürlich auch glauben, offen zu sein. Und weil wir auch glauben, in irgendeiner Weise progressiv zu denken. Sie hat gesagt, wir alle tragen Rassismus in uns, ganz tief, ob wir wollen oder nicht. Und deswegen finde ich das, wie du das jetzt gerade reflektierst, Das ist die einzige Möglichkeit, wie wir damit umgehen können. Wir können ja nicht irgendwie sagen, wir haben das nicht gesagt, sondern... Na, klar haben wir es gesagt und natürlich, und ich glaube, wir haben in diesem Podcast schon öfter darüber gesprochen, Wir haben früher zum Schaumkuss ein anderes Wort gesagt Und dieses Wort geht uns heute nicht mehr über die Lippen. Und deswegen sollten wir trotzdem offen darüber diskutieren und sollten eben genau auch den Leuten die Angst nehmen, das finde ich nämlich wirklich auch, die Angst, also das, was heute von Ultra rechter Seite gesagt wird, dass es Denkverbote gibt, Das ist natürlich Unsinn, weil es gibt keine Denkverbote, Man darf sehr viel sagen, man darf sehr viele Dinge von sich geben. Man muss sie nur reflektieren. Und man muss, Und das ist eben genau die Sache, Man muss sagen, dass man lernfähig ist. Und dass sich die Zeit verändert, dass sich die Sprache verändert und dass sich unser Leben verändert. Und dass wir da nicht die Augen vor verschließen können.
Janine Kunze: Absolut. Nein, das dürfen wir nicht. Und das ist ja auch das, was ich auch sage. Ich sitze jetzt nicht hier und versuche, mich da. rauszureden. Das, was in dieser Sendung passiert ist. Und in dieser Situation, in der wir uns auf einmal befanden, Wir haben dann irgendwie ganz cool und locker flockig versucht, alle zu sagen, ey, ist doch alles easy. Nee, ist es aber für viele Menschen nicht. Und was mir ganz wichtig ist, auch mal zu sagen, Sebastian, Ich benutze diese Worte, zum Beispiel bei uns gar nicht. Die gibt es bei uns überhaupt nicht. Also die finden in unserem Sprachgebrauch, hier bei mir, in der Familie zum Beispiel, gar nicht statt. Und ich kann dir nur sagen, meine Tochter, als das losging, nach der Wiederholung, Ich habe die Sendung beim ersten Mal auch gar nicht gesehen. Also Wir sitzen hier nicht vorm Fernseher und schauen meine Sendung an. Ich wusste gar nicht, wann sie das erste Mal lief. Und ich wusste auch nicht, wann sie das zweite Mal lief. Weil Leute ja dann sagten, ach, so. Nach dem zweiten Mal warst du dann schlauer, als die Leute sich beschwert haben. Es kam am Anfang nichts, und ich wusste auch gar nicht, wann die Sendung lief. Aber, Und das wollte ich eigentlich sagen, meine Tochter kam an und sagte, Mama, was hast du denn? da? gesagt? Und dann sagte ich, Wieso Lilly, was habe ich denn gesagt? Sagt sie, Mama, du darfst diese Worte gar nicht in den Mund nehmen. Und dann haben wir hier an diesem Samstagabend darüber gesprochen. Und dann hat sie mich, die 17, aufgeklärt und hat gesagt, Mama, so und so ist das. Und wir haben das schon verinnerlicht. Dann habe ich ihr gesagt, aber Lilly, guck mal, Zu Hause finden diese Worte bei uns, die haben ja hier gar keinen Raum. Wir sagen das ja auch gar nicht. Deshalb habe ich es noch weniger verstanden, dass du zum Beispiel auch die Frage vom Moderator wiederholst und diese Worte aussprichst. Also, was ich damit sagen will, Die junge Generation ist auch schon viel weiter. Oder die wissen schon viel mehr, als wir, was man jetzt sagen darf und was nicht. Und ich muss da ganz klar lernen. Und ich kann nur noch mal sagen, es war zu keiner Zeit von mir beabsichtigt, irgendwen zu verletzen, zu beleidigen. Das liegt mir wirklich fern. Ich bin da wirklich unbelesen, mit Dummheit geschlagen, in diese Diskussion gelaufen und habe da einfach einen Riesenfehler gemacht. Das kann man anders nicht sagen. Das ist einfach so passiert und ich lerne daraus. Ich lese, ich führe viele Gespräche. Und wenn mir Menschen begegnen und immer noch sagen, ja, ich sage das aber weiter, Dann führe ich im Moment wirklich tolle Gespräche auch. Und sage, nee, wir müssen umdenken, wir müssen Dinge verändern. Sprache soll positiv sein, Sprache darf nicht verletzen. Sprache muss Gutes in Menschen bewirken. Dann können wir auch alle gemeinsam Hand in Hand in eine gute Zukunft gehen.
Sebastian Krumbiegel: Was wir gelernt haben, Wir hatten auch Jen Bender, die Sängerin von Großstadtgeflüster. Im Podcast, haben wir ja auch darüber gesprochen. Und von ihr habe ich gelernt, wenn man diese Worte gebraucht, dass man vorher wirklich sagt, Trigger-Alarm, Dass man sozusagen leuten, sagt, Ey Leute, Jetzt kommt ein Wort, Seid vorsichtig, das kommt jetzt nicht aus der kalten angeflogen. Und das verstehe ich auch wieder in irgendeiner Weise. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin selbst auch extrem unsicher. Was diese politische Korrektheit, Diese politische Correctness betrifft. Ich versuche wirklich sehr korrekt zu sein und weiß gar nicht, ob ich es immer schaffe. Und wenn ich gerade mit älteren Leuten darüber rede, mit meinen Eltern, wenn ich mit denen darüber rede. Und meine Mutter sagt, ich sage zum Schaumkuss heute trotzdem immer noch genau das Wort, das ich immer gesagt habe, Und damit meinen Sie nicht das N-Wort, sondern damit meinen Sie das Trigger-Alarm, das M-Morenkopf, Trigger-Alarm, dann sage ich, Mutti, das ist echt nicht cool. Und trotzdem würde ich mir... Doof vorkommen, Sie da jetzt zu belehren oder sie, belehren, vielleicht schon, Belehren ist auch das falsche Wort, Aber sie, geschweige, denn, sie zu beschimpfen. Und ich glaube, da müssen wir auch tierisch aufpassen, weil wir damit auch viele Leute einfach vor den Kopf stoßen, die sich dann auch in irgendeine Ecke gedrängt, fühlen, in der sie dann vielleicht sogar mit einer Portion trotz sagen, Leute, leckt mich, Ich bin jetzt erst recht so, weil ihr irgendwie mich völlig falsch einschätzt. Und das ist nämlich dann für mich ein bisschen die Gefahr, die wir da laufen. Ja, wenn wir einfach nicht offen darüber diskutieren, sondern wenn wir Leute deswegen beschimpfen. und, Ich sage es mal extra, so, In eine Ecke stellen, in der Sie eigentlich gar nicht stehen, in der Sie eigentlich gar nicht gehören.
Janine Kunze: Das, glaube ich, ist ein grundsätzliches Ding. Da sind wir auch schon bei Cybermobbing, ja, oder... Ja, bei generellen Verletzungen. Also, ich bin da nämlich voll bei dir. Wir müssen über Dinge reden. Das ist wichtig. Wir müssen auch voneinander lernen. Und genau da ist das Problem. Diese Wucht, Diese Heftigkeit, die Wortwahl, Diese Verletzungen, diese Bleidigung, Das geht ja hin bis zu Morddrohungen. Also wirklich ganz heftige Dinge, die da passieren. Das darf eben nicht sein. Ich finde, wir sind alle Menschen. Wir machen Fehler. Und dann ist es ganz wichtig, dass jemand kommt und sagt... Du hast einen Fehler gemacht, das ist nicht richtig, das musst du anders machen. Dann kann ich annehmen und kann sagen, ja, richtig, das stimmt und es tut mir leid. Dann muss man sich auch entschuldigen. Aber genau, wie du sagst, liebevoll miteinander umgehen, respektvoll. Das ist, glaube ich, was, was wir uns alle noch mal verinnerlichen müssen. Alle, alle, die wir da, sind. Was sage ich, Was löst Sprache in anderen Menschen aus? Was kann Sprache auslösen? Ja, ICH hatte... Tollen Podcast letzte Woche auch zum Thema LGBTQ-Szene. Und da ist es ja auch so, dass viele Worte verändert werden müssen, verändert werden. Und auch da, wir müssen einfach lernen, was darf ich korrekt äußern, ohne eben, dass ich jemandem auf die Füße trete, dass ich ihn verletze. Wir müssen respektvoll, Ich habe es gerade schon mal gesagt, respektvoll, liebevoll, achtsam miteinander umgehen. Das ist ganz, ganz wichtig. Und das geht ein bisschen verloren. Das tut mir, ehrlich gesagt, ein bisschen weh. Und da meine ich jetzt gar nicht nur meine Situation, sondern Sebastian, wie du eben sagtest, wir haben das ja im Moment ganz krass. In den Netzwerken auch, dass da so eine Grenze überschritten wird. tagtäglich. Und es gibt eben viele Menschen, die können das auch nicht wegstecken. Und wir müssen einfach da alle liebevoll miteinander im Gespräch bleiben und uns helfen.
Sebastian Krumbiegel: Bist Du da im Netz offensiv, dass Du Leute dann auch wirklich unterstützt? Also ich bin da, also, was weiß ich, Wenn jetzt zum Beispiel in Corona-Zeiten Karl Lauterbach wirklich extrem beschimpft wird. Von vielen Leuten, Dann freue ich mich immer drüber. Wenn ich dann merke, dass auf Twitter oder irgendwo eben Leute sozusagen solidarisch sind, dass nicht nur die Hate-Speech-Leute so laut sind, sondern dass eben auch die andere Seite. laut, bist du da auch offensiv? Weil ich bin das eher nicht. Also, ich bin da eher Stalker, muss ich auch ehrlich sagen. Ich bin da eher einer, der zuguckt und der sich versucht, eine Meinung zu bilden. Aber ich halte mich aus Diskussionen, dann raus. Ich finde das vielleicht auch ein bisschen feige. Ich weiß es gar nicht so genau, ja. Aber bist du da offensiv?
Janine Kunze: Also, ich sage dir, wie es bei mir ist. Nee, ich bin im Moment, sage ich dir ganz ehrlich, halte ich mich sehr zurück, weil ich habe seit dieser WDR-Sendung, Ich war ja immer jemand, ich habe das Herz auf der Zunge liegen, schon immer gehabt. Und ich bin da mit 21 Jahren gut gefahren und ich habe jetzt wirklich so einen Gong abbekommen. Ich bin jetzt gerade sehr vorsichtig und was ich auch gemerkt habe, Es gibt ganz viele Kollegen, ganz tolle Kollegen, die gesagt haben, wir wollen dir irgendwie helfen, lass uns da jetzt, was machen oder auch unter diese schrecklichen Kommentare gepostet haben. Und die haben es dann auch abbekommen. Und dann habe ich denen auch gesagt, ich weiß, dass Ihr auf meiner Seite seid. Oder dass ihr mir helfen wollt. Und ich danke euch von Herzen, aber lasst es jetzt. Weil es gibt, glaube ich, so ein paar Menschen, die kannst du dann auch gar nicht belehren. Ich glaube, die muss man erst mal lassen. Die wollen vielleicht auch ihrem Ärger Luft machen. Ich kann das bis zu einem gewissen Punkt dann auch verstehen. Aber ich glaube, es bringt dann auch gar nicht da, so sehr gegen anzugehen. Und ich persönlich halte mich da gerade bedeckt. Wie du gerade sagst, vielleicht ist das feige, aber ich glaube... Wir müssen eben einen anderen Weg finden. Ich zum Beispiel muss mich jetzt erstmal sortieren. Ich muss mich da, Was eben Sprachgebrauch angeht, auch sicherlich noch weiterbilden, fortbilden. Das ist ja auch gerade jetzt mal vier, fünf Wochen her. Und ich bin gerade sehr, sehr vorsichtig. Aber alles, was ich auch weiterhin laut sage, ist, Leute, Auch wenn Menschen Dinge tun, die wir vielleicht nicht gut finden, wenn Sie Dinge äußern, die uns nicht passen, wenn Sie sich verhalten auf eine Art und Weise, die wir nicht mögen, lasst es uns kommunizieren, aber eben liebevoll, respektvoll. Ich kann diese Worte immer nur wiederholen. Und da werde ich auch nicht müde, das zu sagen. Weil ich glaube, wenn wir den Weg weitergehen, der gerade eingeschlagen wurde, Also, das macht mir wirklich große Sorgen. Und ich versuche da, jetzt gerade eben auch einen Weg zu finden, Auch vielleicht in der Öffentlichkeit, da, eben für mehr Liebe und Achtsamkeit miteinander auch zu stehen. Und Eben da... Hoffentlich in positive Richtung, was zu bewirken. Das ist wichtig.
Joël Kaczmarek: Naja, Ich finde ja irgendwie, was bei dir herausklang, Es geht ja auch immer um die Intention von Dingen, die man sagt. Und ich finde irgendwie unsportlich, wenn man jemandem non-konstruktive, also destruktives Feedback gibt. Für etwas, Was er gar nicht Böse gemeint hat. Also, man kann ja einen Fehler machen. Dann sagt man, okay, Ich habe nicht gewusst, dass es da einen Sprachgebrauch gibt. Und dass ich leute damit irgendwie vor den Kopf stoße, die verletze, das tut mir leid, das wollte ich nicht. Aber meine Intention war folgende, ich habe das einfach nicht gewusst, Auch wenn manchmal Dummheit nicht vor Strafe schützt, wie der Volksmund sagt. War es nicht die Absicht.
Janine Kunze: Genau, Und du würdest jetzt eigentlich denken, dass ein Mensch dann sagt, ja, Pass auf, Schwamm drüber, Aber lern es für die Zukunft und mach es besser. Ja, das wäre ein normaler Weg. Und das meinte ich eben. Ich glaube, es gibt Menschen, die sind vielleicht auch gerade... Vielleicht auch Corona-bedingt, glaube ich. Die sind in so einer Phase auch, und die wissen vielleicht selber auch nicht, wohin, dass Sie dann eben so einen harten Weg einschlagen. Und das meinte ich eben. Ich versuche dann, liebevoll zu bleiben und die erstmal zu lassen. Und ich glaube, einige kannst du da gar nicht belehren. Und das meinte ich Ja, damit. Die musst du, glaube ich, erstmal lassen. Und ich finde es aber schade, wenn man sich dann zurückzieht, und das will ich ja nicht. Ihr hattet mich ja auch gefragt, können wir darüber reden. Natürlich können wir darüber reden. Ich habe einen Fehler gemacht. Ja, da stehe ich. Da muss ich zustehen. Aber ich kann immer nur sagen, genau, wie du das gerade sagtest, das war kein Vorsatz. Ich bin nicht vorsätzlich in eine Sendung gegangen und habe gesagt, jetzt teile ich mal richtig aus. Jeder, der sich ein bisschen für mich interessiert und auch meinen Werdegang verfolgt, hat, der weiß, dass ich das auch gar nicht bin. Ich bin niemand, der Menschen beleidigt, verletzt und das auch gar nicht, möchte. Eben wie du sagst, dieser Vorsatz. Da sind Menschen, die klagen jetzt total an und gehen vorsätzlich in eine Hassrichtung. Die wirklich schlimm ist. Und vielleicht sollte man da auch mal differenzieren. Wer macht hier wirklich was vorsätzlich und wer macht es eben ohne Vorsatz aus einer, Ich sage das jetzt mal, so blöd, aus einer Dummheit vielleicht heraus. Und wichtig ist ja, und das macht uns doch erst zu Menschen, Hände reichen und auch Hände annehmen. Und genau, wie du gerade sagtest, warum können das viele Leute nicht? Ich weiß es nicht. Vielleicht, Wir stecken alle auch in einer schwierigen Phase. Vielleicht gibt es Menschen, die wirklich auch gar nicht gerade wissen, wohin jetzt mit sich. Und dann ist man Ventil. Ja, man ist Ventil, vielleicht bis zu einem gewissen Maße auch berechtigt, Aber ich habe zum Beispiel jetzt auch, das muss ich auch mal sagen, So viele tolle Erfahrungen auch gehabt. Ich habe wirklich Menschen, die mich ganz schlimm gehätet haben, die ganz schlimme Sachen geschrieben haben, die mir dann jetzt auf einmal schreiben, Janine, es tut uns total leid. Also du hast da Mist gebaut, aber du hast dich entschuldigt und wir haben weitergemacht und ich habe weitergemacht. Ich entschuldige mich auch. Wir sind Menschen, wir müssen aufeinander zugehen. Also ich finde, es gibt auch ganz, Ganz viele tolle Begegnungen, die ich da jetzt echt haben, durfte. Und da bin ich jeden Tag über jede einzelne... Ich finde das ganz, ganz toll, was auch passiert. Das möchte ich auch mal positiv sagen. Das finde ich eine unfassbare Bereicherung, auch für mich persönlich. Und bin froh, dass ich das auch erleben darf. Also, es gibt viele, viele tolle Menschen auf der Welt. Und grundsätzlich gilt, Wenn ich keinen Hass will, darf ich nicht streuen. Wenn ich Diskriminierung selber nicht erleben will, dann darf ich... Nicht diskriminieren. Und wenn ich keinen Rassismus erleben möchte, darf ich auch keinen Rassismus verbreiten. Und ja, wenn ich liebe will, dann muss ich Liebe geben. Und das sollten wir uns alle nochmal verinnerlichen.
Sebastian Krumbiegel: Einerseits ja. Andererseits denke ich auch wirklich, weil du jetzt immer so betonst, sozusagen mit Liebe und mit Verständnis und mit positiven Gefühlen, den Leuten zu begegnen. Natürlich muss man auch, Also, wenn jemand mit einer Intention, mit einer rassistischen oder wirklich mit einer miesen Intention irgendwelchen scheiß von sich gibt, muss man dem das auch ganz klar sagen. Und da muss man ihn auch beschimpfen, deswegen. Das finde ich auch wirklich... Also nur, um die andere Seite jetzt auch nicht zu vergessen. Hey, Joël, warum denkst Du gerade...
Janine Kunze: Beschimpfen ist halt für mich das... Weißt du, ES GEHT mir... Beschimpfen heißt für mich nicht, wenn ich sage, Hör, mal, du Blöde Kuh oder du Arschloch, was hast du da? gesagt? Ich rede hier wirklich, Sebastian, von diesem ganz schlimmen Ding. Wenn jemand zu mir kommt und mir sagt, was hast du da für einen Scheiß geredet? Und ey, nehm ich an, ZU 1000%. Aber ich sage, es gibt so eine Grenze, die... Überschritten wird ganz oft. Und nochmal, Ich rede jetzt wirklich nicht nur bezugnehmend auf meine Situation, sondern wir haben das ja alle schon erlebt. Ich finde, auch beschimpfen hat eine Grenze. Auch da muss man in einem gewissen Maß irgendwann wieder respektvoll. Oder muss sich einfangen. Und dann respektvoll auch mit dem anderen umgehen. Denn das wollen wir doch letzten Endes alle. Wir wollen doch auch respektvoll behandelt werden. Ich will zum Beispiel vor allem, das ist mir ganz wichtig, Ich möchte die Menschen auch respektvoll behandeln. Ich möchte gar nicht respektlos mit Menschen umgehen. Ich will sie überhaupt nicht beleidigen. Weder vorsätzlich noch durch einen Fehler, den ich mache. Und wenn das passiert, dann sag Deine Meinung und sag, das war scheiße, was du gemacht hast. Und Setz dich mit demjenigen, Der Mist baut, auseinander. Aber Lass Raum für Kommunikation, für gute, konstruktive Kommunikation. Denn dann, Sebastian, Und daran glaube ich ganz fest, wenn wir da hart, aber liebevoll und fair miteinander ins Gericht gehen, Nur dann ist der Weg geebnet für einen guten, gemeinsamen Weg, wo wir lernen können, wo wir uns die Hand reichen, wo die Hand genommen wird und wo wir es besser machen können. Und darum geht es doch. Wir wollen doch in einer guten Welt leben. Guck mal, Ich bin Mutter von drei Kindern. Mir macht es Angst, was gerade passiert. Ich möchte, dass meine Kinder in einer guten Welt leben, in einer respektvollen, liebevollen Welt, wo wir uns um alles kümmern, um die Umwelt und auch um das anständige Miteinander. Das macht doch Menschsein auch aus. Das ist doch das Wichtigste, das Existenziellste, was wir auch haben, finde ich.
Joël Kaczmarek: Ja, ich glaube auch, Sebastian war gerade, Also, man muss ja für den geneigten Hörer und die Hörerin mal sagen, man sieht ja unser Bild nicht. Ich habe gerade so das Gesicht verzogen, als Sebastian, meinte, Man müsste solche Leute anschimpfen. Ich habe mich an dem Begriff schimpfen. gestört. Also, ich weiß, was du meinst. Sebastian hat zum Beispiel so typische Situationen, glaube ich, in Erinnerung. Er geht auf eine Demo oder an einer Demo vorbei. Und die Leute rufen in Bezug auf. Seenotrettung, absaufen, absaufen. Also quasi ist ja wie Aufruf zum Mord oder unterlassene Hilfeleistung und, wo ich jetzt den Punkt hätte, Also, das ist vielleicht nicht der Kontext, wo man mit denen redet. Aber wenn man solche Menschen vor sich hat, die so etwas sagen, also Menschen verachten Dinge, radikalisierte Dinge und so weiter und so fort. Dann muss man das klar kritisieren, Aber ich glaube nicht durch Beschimpfen. Weil wenn du dann sagst, Ey du Arschloch, das geht gar nicht, dann hast du verloren. Ich habe so zwei kurze Geschichten dazu. Die eine ist, Es ist jetzt nicht ganz vergleichbar, weil die Intensität eine ganz andere ist, Aber ich war mit meiner Family, waren wir irgendwie mit dem Auto unterwegs. Ich wollte ein Möbelstück abholen, was wir bei eBay Kleinanzeigen gekauft haben. Und es war so eine echt undankbare Straße, da gab es keine Parkplätze. Dann habe ich an so einer Stelle geparkt, wo die Fußgängerüberwege quasi genau auf den Ecken, dadurch, dass mein Auto da stand, mussten die Fußgänger ums Auto hinten rumlaufen, um auf den Bürgersteig zurückzukommen. Also mir war schon klar, Es war nicht richtig, aber ich wollte nur schnell was holen und es ging nichts anderes. Und dann mache ich die Tür auf und so ein alter Herr, Ich habe zu meiner Mutter noch gesagt, Pass, mal auf, das gibt gleich Stress, Der keifte mich gleich an. Ey, Du Arsch, da kannst du doch nicht parken, Was ist das für ein Scheiße. Meine Mutter ist ausgestiegen, hat die Tür aufgemacht, guckte den Tenant an und sagte, ja, da haben Sie total recht, Wissen Sie, wir holen nur ganz kurz, was ab, bitte, seien Sie uns nicht böse. Und warum ich die Geschichte erzähle, ist, Es ist so beispielhaft für mich gewesen, Jemand mag in der Sache recht haben. Aber in der Art, wie er sie kommuniziert, hat er es so rübergebracht, dass ich sofort dichtgemacht habe. Also, ich war gar nicht in der Lage, so nett zu sein wie meine Mutter.
Janine Kunze: Und genau das wollte ich ja sagen. Weißt du, wenn man scheiße, baut, ist es gut und richtig, dass jemand kommt und sagt, das ist nicht korrekt. Und dann höre ich auch zu. Aber wenn jemand direkt richtig hart kommt, dann machen ja beide dicht. Und oft steigert sich das ja dann so bis ins Unermessliche. Es machen eben alle dicht und die Aggression, Die wird immer größer und wuchtiger und lauter und heftiger. Und so erreichen wir nichts Positives. Das wollte ich sagen. So machen Menschen dicht. Das ist zum Beispiel meine Kinder. Wenn ich einen schlechten Tag habe und die machen irgendwas, und ich werde, und das passiert nun mal, Ich werde dann auch ungerecht und werde auch direkt was lauter und sage. blablabla, Dann werden die auch lauter. Und dann knallt das, und dann ist Ärger vorprogrammiert. Wenn ich es schaffe, ruhiger und liebevoller zu bleiben, zu sagen, Pass auf, Das finde ich nicht in Ordnung, Können wir das Bitte anders machen, so und so, dann kommen wir alle viel ruhiger und liebevoller aus der Nummer raus, können trotzdem miteinander reden und lernen auch voneinander und sagen, okay, Pass auf, Mach es doch das nächste Mal direkt so, und dann ist es eben easier. Und das meinte ich. Wenn wir uns immer nur anschreien, beleidigen. Mit dieser Wucht, mit diesem Hass, dann steigert sich das alles, dieser Hass. Und das macht nichts Gutes mit Menschen, glaube ich.
Sebastian Krumbiegel: Darf ich kurz eines noch dazu sagen, nur, um auch nicht missverstanden zu werden. Wenn irgendjemand vor mir steht und sagt irgendwie, den Holocaust hat es nie gegeben. Oder ich bin der Meinung, dass Juden minderwertige Menschen sind oder was weiß ich oder Ich bin der Meinung, dass Schwulsein eine Krankheit ist, Dann kann ich nicht irgendwie dem liebevoll sagen, ich verstehe ja, dass du das meinst. Also, was ich meine, Man muss einfach auch, und da dürfen wir auch nicht aufhören, klar, in der Sache zu bleiben, Man muss einem Arschloch auch sagen, dass es eins ist. Und von mir aus, dann auch auf die Gefahr hin, dass der nicht mehr mit mir reden will. Weil ich will mit so jemandem auch nicht reden, weil ich das wirklich ablehne. zutiefst. Also ich verstehe total, das ist wie die Frage jetzt auch nach Gewalt. Ist Gewalt gerechtfertigt? Nein, Gewalt ist natürlich nie gerechtfertigt. Und natürlich kannst du aber trotzdem sagen, Gewalt könnte aber auch gerechtfertigt sein, wenn du damit Dinge verhinderst, wenn Du damit irgendwie Menschen rettest, wenn Du damit in irgendeiner Weise... Also, da bin ich fest von überzeugt. Und ich glaube wirklich, dass man... Da auch die Kirche im Dorf lassen muss. Und dass man jetzt nicht aus Angst irgendwie Fehler zu machen, nicht irgendwie Dinge klar machen, klar, kommunizieren muss und auch klar tun muss.
Janine Kunze: Da bin ich voll bei dir. Also ganz klar auch sagen, Pass auf, Das ist in meiner Welt falsch und ich würde gerne mit dir darüber reden. Also ganz klar, Mein Hund juckt sich gerade den Stuhl. Also da bin ich voll auf deiner Seite. Man muss Menschen sagen, wenn Sie einen Fehler gemacht haben. Ich bin zum Beispiel dankbar. Dass man mir sagt, dass ich einen Fehler gemacht habe. Nur dann kann ich lernen. Alles, was ich noch mal klar und deutlich sagen will, Sebastian, wenn ich dann mit so einem Hass und so einer Wucht direkt auf so jemanden losgehe, Ich glaube, da macht er, wie Joël eben sagte, da machst du direkt zu, wirst auch sauer. Und so bekehrst du auch keinen. Und das ist doch das Schöne. Und das sind tolle Begegnungen, die ich gerade erleben darf, dass man sich dann wirklich auf einer liebevollen Ebene irgendwann dann trifft. Vielleicht Beide haben sich erst mal Luft gemacht. Und dann kommt aber einer und sagt, Du. Lass uns doch bitte nochmal anständig drüber reden. Und dann merkst du, eigentlich sind wir gar nicht so unterschiedlich, auch unsere Denkweise nicht. Und eigentlich wollen wir beide dasselbe, nämlich das Richtige und das Gute und das Liebevolle. Und dann ist doch nachher das Ergebnis das Schönere, oder?
Sebastian Krumbiegel: Wenn das wirklich so ist, ja. Aber ich kann nicht einem Rassisten oder einem Nazi gegenüber sagen, wir wollen doch eigentlich dasselbe. Weil wir wollen nicht dasselbe. Er ist einfach nur irgendwie jemand, den ich zutiefst ablehne, und dem muss ich das dann auch sagen.
Janine Kunze: Man darf auch Menschen ablehnen, aber man darf halt Menschen nicht in eine Ecke drängen, wo sie nicht hingehören. Ich glaube, da vermischst du vielleicht gerade ein bisschen was. Das ist überhaupt nicht Böse gemeint. Alles, was ich nur sage, ist...
Sebastian Krumbiegel: Das meinte ich ja am Anfang. Also Ich meinte ja am Anfang sozusagen, Menschen nicht in eine Ecke zu stellen, die sie nicht gehören.
Janine Kunze: Genau. Und das passiert eben im Netz oft. Weißt du, du hörst, was von einer Person. Und auf einmal stellst du jemanden da an den Pranger und in eine Ecke, aus, die der gar nicht mehr rauskommt. Und da machen wir, glaube ich, Fehler, weil es gibt viele gute Menschen, die haben vielleicht mal... Mist geredet und nochmal, Ich rede hier nicht die ganze Zeit von mir und will jetzt hier nur mein Ding da verteidigen. Generell, ich meine das große, Ganze. Ich glaube, wir tun vielen Menschen dann oft eben Unrecht. Und drücken Sie da in eine Ecke, wo Sie nicht hingehören und geben Ihnen nicht die Chance, da wieder rauszukommen. Und das darf nicht passieren. Denn dann geht das liebevolle kaputt. Und dann kann man eben viele Menschen, die vielleicht falsch verstanden worden sind, auch gar nicht mehr so mit ins Boot holen. Weißt du, wie ich das meine? Und das sollten wir doch versuchen. Das sollten wir versuchen. Das ist einfach das, was ich meine.
Joël Kaczmarek: Die Frage ist ja, was willst du erreichen? Was ist dein Ziel? Wenn jemand vor dir steht und den Holocaust leugnet, kannst du ihn beschimpfen. Und dann ist die Frage, möchtest du deinem Ärger Luft machen? Möchtest Du ihn gerne sozusagen auf einen besseren Weg führen? Möchtest du eine Debatte führen? Und so weiter? Das ist ja sozusagen der Punkt, Ich gebe dir recht, Bei solchen Themen ist es denkbar schwer, irgendwie sachlich zu bleiben. Aber ich finde ja immer ein sehr schönes Bild, und es ist aber auch wirklich unfassbar. Fucking schwer, das durchzuhalten. Kennt Ihr das Konzept der gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg?
Sebastian Krumbiegel: Ja, gehört davon, ja.
Joël Kaczmarek: Ich glaube, ich habe Sebastian schon mal damit bekehrt. Das ist so, was ich immer versuche. Das ist halt ein Psychologe, der dieses ganze Thema versucht hat. Also, kommunikation steckt manchmal voller Gewalt. Wenn man jemandem zum Beispiel sagt, das ist rassistisch, ist es eigentlich auch gewaltvoll ausgedrückt, wenn man sagt, ich empfinde das als rassistisch. So Ich-Botschaften ist schon wieder was anderes. Und der hat ja dieses Quartett aus vier Schritten. Er teilt eine Beobachtung, Er teilt ein Gefühl mit. Ich glaube, eine... Interpretation und dann ein Wunsch. Ich glaube, so war das. Das heißt, er sagt, du, ich beobachte, du sagst Dinge, die irgendwie sich gegen Schwarze richten. Das weckt bei mir ein Gefühl von Wut, weil ich mich davon angegriffen fühle. Ich könnte mir vorstellen, es liegt daran, dass ich hätte folgenden Wunsch an dich. Aber dieses so dekonstruieren, so eine Situation, so versachlichen, unendlich schwer. Aber das ist so, was ich mir immer versuche, als Maßstab mitzudenken, empathisch sein und in Ich-Botschaften rüberzusenden. Dann hat man, glaube ich, schon viel geschafft, wenn man so was hinkriegt.
Janine Kunze: Ja, total.
Joël Kaczmarek: NA gut, anyway. Sage mal, Ein anderes Thema, wo wir jetzt ganz viel über solche Aspekte reden, der Kommunikation und Öffentlichkeit. Du hast auch gesagt, Deine Tochter hat dich belehrt. Spannender Faktor ist ja auch das Thema Familie in der Öffentlichkeit. Also Du hast ja zum Beispiel ein Buch geschrieben, Liebling, Ich habe die Kinder verschenkt. Du machst mit deiner Tochter einen Podcast. Also deine Familienleben ist relativ öffentlich. Wie gehst Du denn damit um? War das bei dir eine bewusste Entscheidung? Gab es da eine Genese? Wie hat sich das für dich entwickelt?
Janine Kunze: Also die Entscheidung, ehrlich gesagt, hat meine Familie getroffen und mitgetroffen. Ich war am Anfang so, dass ich gesagt habe, auf gar keinen Fall. Die Kinder in die Öffentlichkeit. Das möchte ich nicht. Aber die Kinder werden größer. Die Kinder haben ihren eigenen Kopf, die haben ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche. Und die werden mit mir als Mutter ja groß und kriegen das, was ich eben beruflich mache, auch mit. Und als die Lilly damals zum Casting eingeladen wurde von Heldt, Die hat ja da jetzt acht Jahre meine Tochter gespielt. Habe ich am Anfang gesagt, auf gar keinen Fall, das möchte ich nicht. Und nicht das eigene Kind. Und dann hat meine Tochter irgendwann gesagt, Mama, warum willst Du mir das verbieten, was du selber machst? Lass es mich doch versuchen, wenn ich nicht gut genug bin, dann werden Sie mich eh nicht nehmen. Aber gib mir doch die Chance. Und da hat sie natürlich dann auch recht. Und mein Mann sagte dann auch, Lass, es versuchen und dann gucken wir weiter. Also Ich zerre meine Kinder nicht in die Öffentlichkeit, sondern wenn die Lust haben, sich auszuprobieren. Das ist, als wenn ein Arzt seinem Sohn oder seiner Tochter, die auch sagen, ich möchte Medizin studieren, das total schlecht redet und sagt, auf keinen Fall. Wieso sollte ich meinem Beruf schlecht reden? Und ich stehe nun mal in der Öffentlichkeit. Und wenn die Kinder sich dafür entscheiden, finde ich das in Ordnung. Ich bin nicht hingegangen und habe gesagt, ich schreibe jetzt mal ein Buch über die Familie. Sondern das war ganz klar, Ich hatte eine Anfrage wieder für ein Buch, nachdem das erste eben sehr erfolgreich lief. Und dann habe ich gedacht, okay, Aber das Thema ist jetzt auch behandelt und gut ist. Und dann hat die Familie wirklich hier gesessen, und wir haben dann gemeinsam überlegt, okay, Sollen wir vielleicht so lustige Familiengeschichten aufschreiben, weil das viele Fans auch geschrieben haben. Mensch, kannst du nicht mal bei deiner Familie? Was schreiben? Das ist doch lustig, was man da immer so mitbekommt, wenn du in Sendung mal was sagst. Und dann war das ein Familienentscheid. Ich habe ganz klar gefragt, habt Ihr da Bock drauf? Ist das für Euch in Ordnung? Und die haben auch alles abgesegnet. Ich habe dann nicht einfach ein Buch geschrieben und habe das dann zur Veröffentlichung gegeben, sondern meine Familie, meine Kinder, die haben das alles gelesen. Und haben dann auch gesagt, das kannst du schreiben. Mama, Nimm das mal besser raus, das ist nicht so cool. Das ist mir jetzt Too much. Also, ich würde nie über die Köpfe meiner Familien weg entscheiden. Das betrifft aber auch übrigens meine Rollen. Oder auch Fotoshootings. Ich frage immer, ob das für die Familie in Ordnung ist und nehme da Rücksicht. Also ich finde, Das wichtigste ist, dass zu Hause Frieden herrscht und dass vor allem die Kinder damit fein sind. Und dass die sich nicht irgendwie da peinlich berührt fühlen müssen, in die Schule zu gehen, weil ich irgendwo... Was gemacht habe, was nicht gut war.
Joël Kaczmarek: Hattest Du so ein Alter, wo Du gesagt, hast, Wenn das Kind 15 ist, darf es einen Instagram-Account haben oder mit 10 das erste Handy? Hast du dich als Schutzbefohlener in der digitalen Sphäre lange gefühlt? Oder wirst du jetzt vielleicht auch noch mal sensibler, Nachdem du selber mal Cybermobbing erfahren, hast, dass man da vielleicht drüber nachdenkt?
Janine Kunze: Da habe ich auch nie ein Hehl draus gemacht. Ich bin immer sehr vorsichtig schon mit diesen Medien, und meine beiden Kleinen haben das auch noch nicht. Die haben auch keinen Insta-Account und ich bin da wirklich sehr, sehr streng. Und ich habe da auch meine Gründe für. Und ich habe ja vorher auch noch nie so einen Shitstorm abbekommen. Das war jetzt tatsächlich das erste Mal. Und habe natürlich diese Wucht und Vehemenz auch das erste Mal erfahren müssen. Und natürlich ist das auch auf meine große übergeschwappt, die einen Insta-Account hat. Und da merkst du eben nochmal, Was geht da für eine Gefahr von aus. Also ich bin zum Beispiel jetzt auch meiner Tochter wahnsinnig stolz. Die ist so klar, die hat so tolle Gedanken. Die hat ganz klar gesagt, Mama, ich weiß, wer du bist. Ich weiß, wie du tickst. Ich weiß auch, warum ich bin, wie ich bin. Denn das habe ich natürlich auch dir zu verdanken. Und ich stelle dich überhaupt nicht infrage, weil ich weiß, was du für ein Mensch bist. Und die geht da so stark und klar mit um. Und das finde ich toll. Aber, Und da eben auch meine Warnung nach außen, Es gibt viele Menschen, die sind nicht so klar und nicht so stark. Und die können mit diesem Hass im Netz gar nicht umgehen. Und ich kann nur selber sagen, als 46-jährige Frau, das ist auch schwer. Und das ist fürchterlich. Aber ich habe jetzt auch nicht das Recht, meiner Tochter zu sagen, du musst jetzt deinen Account löschen. Oder so. Wir gehen da gemeinsam durch. Wir schaffen das auch gemeinsam. Ich habe versucht, meine Kinder stark zu machen, und ich glaube, das hat ganz gut, funktioniert. Und man muss aber trotzdem da immer noch mit drauf achten. Das ist zum Beispiel auch ein Tipp von mir als Mutter an alle anderen Mütter und Väter, da draußen. Wenn wir unseren Kindern dieses Medium in die Hand geben, Handy, Instagram, Ich weiß nicht, was es da noch alles gibt, Twitter, TikTok, Dann müssen wir auch ein Auge drauf haben und dürfen die Kinder nicht alleine in diese Welt loslassen. Wir müssen da achtsam sein und die beschützen. Das ist für mich ganz wichtig. Ich kann sie nicht zum Outlaw machen, indem ich denen das jetzt 20 Jahre vermiete. Aber ich muss ein Auge drauf haben und ich muss schauen, was passiert da. Wie wird kommuniziert? Das habe ich zum Beispiel mit meinem Mann auch immer gemacht. Und das haben wir auch den Kindern so erklärt und haben auch gesagt, wir gucken schon noch mit drauf.
Sebastian Krumbiegel: Ist ja auch neu sozusagen. Es ist ja alles immer neu. Ich weiß noch genau, wie damals, irgendwie die Netzbubble die Kanzlerin verspottet hat, weil sie gesagt hat, Internet-Neuland. Aber es ist jeden Tag... Alles immer wieder, irgendwie neu. Es gibt neue Tools, es gibt neue Sachen. Und diese sache irgendwie mit...
Janine Kunze: Darf ich dich mal gerade fragen, Sebastian, Entschuldigung, Dass ich dir reingrätsche, weil es mich echt interessiert, wie gehst Du denn mit so Hass und Cybermobbing um? Ich meine, du bist so bekannt, du bist so eine große Person der Öffentlichkeit. Wie empfindest du das denn? Für dich, weil das würde mich wirklich interessieren.
Sebastian Krumbiegel: Ich versuche...
Janine Kunze: Kannst du das wegschieben?
Sebastian Krumbiegel: Nein, natürlich. Also sag einmal so, Mein Sprech ist immer der, dass es mich eigentlich nicht juckt, wenn mich irgendjemand beschimpft. Was natürlich nicht wirklich stimmt. Natürlich kommen Sachen an mich ran. Aber ich, und deswegen war ich vorhin auch so verhältnismäßig klar in meiner Aussage, wie man eben mit anderen Leuten umgeht, die wirklich echt ernsthaft rassistischen oder menschenverachtenden Scheiß von sich geben. Also, ich habe mir in letzter Zeit eher... angewöhnt, Wenn ich von dieser Seite einen Shitstorm kriege, dann versuche ich den eher als Ritterschlag anzusehen. Und da würde ich mich wundern, wenn solche Leute mich irgendwie gut finden würden. Also, ich beschwöre das nicht herauf, weil es braucht keiner, es möchte keiner sich beschimpfen lassen. Wir alle wollen immer gern gelobt werden. Und was weiß ich, was. Also, ich versuche das nicht nah an mich heranzulassen. Aber was du über deine Kinder sagst, also die Erziehung sozusagen zu Medienkompetenz, Wie gehen wir mit dem ganzen Zeug um? Dass das wichtig ist, weil wir sind alle reingeworfen worden. Ins kalte Wasser. Für uns, Das Internet gibt es jetzt seit 20 Jahren, seit 25 Jahren, seit 30 Jahren, Ich habe keine Ahnung. Wir sind nicht damit groß geworden. Meine mittlerweile erwachsenen Kinder sagen irgendwie, Wir sind die letzte Generation, die ohne Handy groß geworden sind. Und das ist schon auch so. Du musst lernen, wie du damit umgehst. Und du musst das deinen Kindern eben schon irgendwie klar zeigen oder musst versuchen, sie dabei zu unterstützen. Und bist dabei vielleicht sogar selbst auch überfordert, weil du selbst nicht genau weißt, wie es geht. Also, für mich war immer ganz wichtig, die Familie nicht in die Öffentlichkeit zu zerren. Das war für mich ganz wichtig. Ich will gar nicht sagen, zu zerren. Wie du damit umgehst, was Du gesagt hast, finde ich auch total korrekt. Wenn Ihr da zu Hause drüber redet, wenn ihr das alles miteinander absprecht, ist auch cool. Ich habe auch ein Buch geschrieben, habe da auch über meine Eltern, über meine Geschwister geschrieben. Und das habe ich auch mit denen abgesprochen. Das habe ich mir auch sozusagen freigeben lassen. Aber wie wir sozusagen, mit der Öffentlichkeit umgehen und mit der Netzöffentlichkeit. Das müssen wir jeden Tag neu lernen, weil Es gibt immer wieder neue Tools. Joël hat mich jetzt versucht, irgendwie von Clubhouse zu begeistern. Ich habe das einmal mitgemacht und es war nicht mein Ding. Und ich sage dann auch ehrlich, ich muss nicht jeden Scheiß mitmachen, ich mache Musik. Und das ist irgendwie mein Ding, wovon ich lebe. Und ich meine das wirklich eher ideell lebe, natürlich auch finanziell. Und das, was zurzeit mich schmerzt, dass ich das nicht machen kann. Aber ich mache trotzdem jeden Tag Musik, und ich mache zu Hause bei mir Musik. Und du siehst hier im Hintergrund meinen kleines Studio mit meinen Instrumenten. Und was weiß ich, was. Da bin ich jeden Tag und schreibe neue Lieder und hoffe, dass wir bald wieder rausgehen können. Vor die Leute. Aber alles andere, was mein Privatleben betrifft, lasse ich außen vor.
Joël Kaczmarek: Ich fand ja sonst einen ganz schönen Satz, als bei mir. Mal ein Gast irgendwie auf mir ein bisschen rumgehackt hat, und ich da viel drüber nachgedacht habe. Weil es ist ja nochmal, also im Internet. Cybermobbing hat ja den Faktor, Es ist anonymes Feedback und ganz viel in der Masse versus. Man redet mit einzelnen Leuten. Und meine Frau, Den Satz versuche ich mir seitdem immer zu sagen, die meinte, Joël? Wenn Leute ein Problem mit dir haben, lass es doch bei ihnen. Ist ja ihrs. Ist ja nicht dein Problem, sondern die haben ein Problem mit dir. Wenn es Ihrs ist, lass es da. Und das fand ich eigentlich ganz hilfreich.
Janine Kunze: Weißt du, das ist bei mir so. Bei mir geht es gar nicht. Ich nehme mir gar nicht zu Herzen, wenn mich jemand jetzt so beleidigt. Boah, Bist du hässlich oder sowas. Das ist in Ordnung. Ist deine Meinung, kann ich gut mitleben. Nochmal ganz kurz Bezug nehmend auf diese Situation. jetzt, was mir wirklich wehgetan hat, dass Menschen sich durch mich haben, verletzt und beleidigt gefühlt. Also das habe ich mir auch wirklich, ja, das hat mir am meisten wehgetan. Weil das möchte ich nicht. Wenn Menschen eine Meinung über mich haben, weil sie meinen Job blöd finden oder eine Rolle doof finden. Oder mich bei einer Sendung nicht gut fanden oder mich generell nicht gut finden, dann finde ich, ist das in Ordnung, ist Ihre Meinung. Aber ich, wenn ich Menschen verletze, das ist was, Das ziehe ich mir schon rein, weil ich das echt nicht möchte.
Joël Kaczmarek: Ja, und ich meine, Da ist ja die digitale Sphäre auch ganz merkwürdig. Ich habe neulich ein Gespräch mit einem sehr bekannten Schauspieler geführt. Der jetzt fairerweise schon ein bisschen älter ist. Und der meinte zu mir, ja, ob wir uns mal austauschen können, Er würde gerne mal besser verstehen, wie das. Mit Instagram funktioniert, auch mit den blauen Haken, weil es gibt ganz viele Fake-Profile von ihm. Da meinte ich so, ja, klar, macht Sinn. Und dann denkt man immer so, das geht so in Richtung irgendwie ansehen oder so. Und dann meinte er, nee, bei mir war echt das Ding, Die haben dann in meinem Namen geschrieben, Wenn man Ihnen auf folgendes Konto Geld überweist, dann kriegen Sie eine Antwort von mir. Und was er als Zweites meinte, war, er sei auch... Bei Kindern sehr bekannt. Und sein größter Horror wäre, dass sich irgendjemand, als er ausgeht, irgendwelche Kinder anlockt und dann in die echte Welt sozusagen zu treffen. Und so. Und da merkt man halt mal die Reichweiten oder die Komplexität dieser Größe, dieser sozialen Sphäre. Mein Güte, Heute sind aber harte Themen hier. Lass mal noch ein bisschen, was nettes besprechen. Deinen Podcast möchte ich ja von Podcast zu Podcast abschließend noch verstehen. Wer den nicht kennt, Kunst des Kosmos, Erzähl mal, was macht denn Ihr da und warum? Was war so euer? Stein des Anstoßes?
Janine Kunze: Ja, auch wieder so ein Ding. Wir haben eine Anfrage bekommen für einen Podcast. Und dann kam irgendwann die Idee auf, was hältst Du davon, wenn du den mit Lilly machst? Und dann habe ich das meiner Tochter auch zugetragen. Und die sagte direkt, finde ich super, Mama, habe ich Bock drauf. Und ja, wir machen jetzt den ersten Podcast und wir besprechen da eigentlich alle großen und kleinen Themen. Und auch sehr ehrlich. Und das macht großen Spaß. Und ich muss sagen, ich lerne auch mein Kind immer nochmal neu kennen. Also in diesen Gesprächen, ja, da kommen auch immer so Dinge zutage und auch nochmal auf ein Gefühl. Das macht mir echt große Freude. Wir zicken uns da auch schon richtig an. Also, wer den schon mal gehört, hat, Teilweise finden wir uns dann gegenseitig auch nicht ganz so lustig. Aber immer auf einer liebevollen, respektvollen Ebene, so wie wir auch zu Hause miteinander umgehen. Und ach, Die Leute mögen das ganz gerne. Und wir besprechen eben die großen und kleinen Dinge des Alltags, des Lebens, Eben aus der Sicht einer erwachsenen Frau und Mutter und eben aus der Sicht eines jungen Menschen, einer jungen Frau, die ihren Weg noch finden muss.
Joël Kaczmarek: Ich hätte jetzt geil gefunden, wenn du gesagt hättest, Und aus der Sicht einer pubertären Göre.
Janine Kunze: Da sage ich gerade ganz ehrlich, ich wollte jetzt wieder korrekt sein. Und ich weiß, meine Tochter hasst dieses Wort. Und immer, wenn ich das sage, sagt sie, Mama, kannst du es endlich weglassen? Ich bin 17, ich werde bald 18, höre mit diesem Wort Pubertier auf. Pubertier, Pubertät. Und darum habe ich gerade wirklich, wollte ich da schön drum rumkommen. Und jetzt haust du es doch mal so raus. Ich schiebe es auf dich, Joël.
Joël Kaczmarek: Alles klar, okay. Ich kriege den Schwarzen Peter heute. Aber auch so, Ich überlege gerade, ob man Schwarzer Peter noch sagen darf. Also, ah, man merkt manchmal echt, wo man hier mittlerweile fallstricke hat. Also, wenn wir eins heute gelernt haben, dann seid achtsam miteinander und empathisch. Das Leben ist manchmal kompliziert. Liebe Janine, Es war ein Fest. Also, danke, dass du dich auf so viel Glatteis mit uns bewegt hast. Und diese Themen, wie ich ja finde, wirklich sehr demütig und selbstreflektiert mit uns besprochen hast. Es hat mir viel Spaß gemacht und ich glaube, auch für Sebastian war viel dabei, oder?
Sebastian Krumbiegel: Unbedingt, unbedingt. Und ich finde vor allem wirklich wichtig, wie gesagt, dass wir da so offen drüber reden. Ich hätte noch eine letzte Frage an den Podcast mit deiner Tochter. Deine Tochter ist 17, Deswegen finde ich das Total legitim sozusagen. Du würdest das nicht mit deinen kleineren Kindern machen, oder? Ich weiß es nicht, ich frage dich jetzt.
Janine Kunze: Meine Mittlere war jetzt schon einmal dabei. Die hatte mich gefragt und jetzt muss ich echt, Ich weiß gar nicht mehr, Es ging, glaube ich um Geschwisterliebe. Und sie hatte mich wirklich gefragt, sie hat gesagt, Mama, darf ich einmal beim Podcast mitmachen? Bitte nimm mich doch mal rein, bitte, bitte, lass uns das doch mal machen. und... Haben wir das wirklich versucht. Und der ist so schön geworden, dass wir den auch echt reingestellt haben. Und die Leute waren total begeistert. Aber das wird jetzt keine feste Nummer. Aber das meinte ich ja. Weißt du, wenn du es einem Kind erlaubst, kannst du es nicht den anderen verbieten. Ich gehe jetzt nicht aktiv auf meine Kleinen Zu und sage, Hör mal, habt Ihr Lust?
Sebastian Krumbiegel: Wie alt sind die?
Janine Kunze: Zehn und 13. Also meine Mittlere ist 13 auch. Und wir haben das jetzt gerade, Der Podcast lief vor ein paar Wochen. Das heißt, so ganz, ganz, ganz jung ist die auch nicht mehr. Aber mein Zehnjähriger... Der hat jetzt zum Beispiel auch eine Anfrage bekommen für eine große Fernsehsendung, die jetzt bald startet mit Kindern. Das ist aber wirklich was, Da hätte er sogar Lust gehabt. Aber da habe ich auch gesagt, Schatzi, du bist zehn und ich will das auch gar nicht. Also nicht, dass man das falsch versteht. Ich will eigentlich gar nicht meine Kinder jetzt da alle in der Öffentlichkeit wissen. Aber wenn die ein gewisses Alter erreichen und den Drang verspüren und den Spaß, das auch ausprobieren zu wollen. Ja, Auch nach Gesprächen, eben mit der Familie und mit Freunden und vor allem auch mit meinem Mann. Die dann alle sagen, lass ich es halt ausprobieren. Und dann kannst du ja gucken. Und wir besprechen natürlich auch diese Sachen und diese Projekte. Und wir haben auch den Podcast mit der Lola, mit unserer Mittlerin, haben natürlich auch lange hier besprochen. Und gesagt, ist das gut, ist das schlecht? Und es war ihr Wunsch, sie hat es jetzt gemacht, sie hat es super gemacht. Und ich kann denen ja auch nicht alles verbieten. Das ist ja dann auch ungerecht, weißt du? Die Große spielt jetzt schon seit acht Jahren, da meine Filmtochter. Und dann sage ich der Lola, nein, du auf keinen Fall. Das würde, glaube ich, Mehr Schaden anrichten als... Irgendwas gutes bewirken.
Sebastian Krumbiegel: Es ist schwierig, ihr habt ja mal recht. Wir sind wieder an der Stelle, du reflektierst das alles total und deswegen ist es, glaube ich, cool.
Janine Kunze: Ich hoffe, dass ich da nichts falsch mache und dass die Kinder da ihren Weg finden. Also meine Große, zum Beispiel, Die liebt das, aber die sagt jetzt gar nicht, also die steckt ja gerade mitten im Abi. Und die sagt jetzt auch, Sie will auf jeden Fall studieren. Die hat jetzt nicht, den Drang, auf eine Schauspielschule zu gehen und nur noch das zu machen. Die möchte das gerne nebenbei weitermachen, kriegt auch viele tolle Angebote, aber ihr Herz schlägt für was anderes. Und ich wünsche mir für meine Kinder einfach nur, Ich mache gerne Türen auf, wenn ich das kann. Nicht nur in meinem beruflichen Bereich, sondern immer und überall mit meinem Mann. Aber sie sollen ihren Weg selber finden, und ich wünsche mir einfach nur, dass die glücklich sind. Und wie sie ihren Weg finden oder was sie dann letzten Endes machen, das ist wirklich, es ist ihr Leben, Wir haben nur eins. Das müssen die für sich bestimmen und festlegen. Und ich hoffe, ich kann Ihnen helfen und schützend zur Seite stehen. Aber ich werde die da auch sicher nicht in irgendeine Ecke drängen oder in irgendeine Richtung drücken. Das müssen meine Kinder alleine machen. Und das ist auch gut, so. Und den Weg werden die finden. Ich sehe, dass die junge Generation sehr klar ist in ihren Gedanken. Und ich halte die für ganz cool alle. Die wissen schon, was Sie wollen und was sie nicht wollen. Die sind gut. Die sind gut.
Joël Kaczmarek: Das stimmt uns doch hoffnungsvoll und ist doch ein gutes Schlusswort. HEY Janine, vielen, Vielen Dank, dass Du da warst.
Janine Kunze: Danke, dass ich da sein durfte. Bleibt gesund und munter und achtsam und liebevoll mit euch und den anderen.
Sebastian Krumbiegel: Ja, gleichfalls. Dankeschön.
Janine Kunze: Ich danke euch. War sehr schön.
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