HipHop-Produzent: 5 Dinge, die ich gerne mit 20 gewusst hätte

20. Dezember 2024, mit Joël Kaczmarek

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Joel Kaczmarek: High Five Leute, hier ist Joel und ihr kennt das Spiel. Spannende Person, fünf Dinge, die sie gerne schon mit 20 gewusst hätte. Und heute ist das jemand mit einer spannenden, bewegten Vita in der Musikwelt. Und zwar der liebe Imran Abbas. Auch bekannt unter seinem Producer-Name Abbas, beziehungsweise unter mittlerweile auch seinem Musiker-Namen Imran. Denn der liebe Imran hat Verschiedenes schon gemacht. Der war Hip-Hop-Produzent, er war Songwriter und jetzt hat er sich auch mit einem eigenen musikalischen Projekt verwirklicht. Von daher War ich total neugierig, mal zu horchen, was der gute Mann denn schon so erlebt hat. Er kommt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Hannover, lebt mittlerweile in Berlin, war aber auch länger in den USA. Er wird gleich, glaube ich, bestimmt mal erzählen, mit wem er alles Tolle schon produziert hat. Von daher, long story short, die Perspektive ist so spannend, da konnte ich nicht Nein sagen, als er meinte, hey, hast du Bock? Dann habe ich gesagt, ja klar, let's go, lass über fünf Dinge reden. Von daher, lieber Imran, schön, dass du da bist. Moin, moin.

Imran Abbas: Grüß dich, mein Lieber.

Joel Kaczmarek: Ich frage ja immer gerne die Leute, bevor wir jetzt gleich erstmal dich ein bisschen kennenlernen, wie alt bist denn du eigentlich?

Imran Abbas: Ich bin 36, unglaublich, aber ich bin 36. 36, aber wie 15? Wenn ich manchmal zurückdenke, wie ich nach Berlin gekommen bin, 2008, ist das manchmal so, okay, da war ich irgendwie Anfang 20 oder nicht mal 20 und jetzt bin ich 36. Unglaublich, aber ich fühle mich immer noch, ich glaube, vielleicht ist es auch die Musikindustrie, die hält einen mental auf jeden Fall jung.

Joel Kaczmarek: Ich glaube, ab zehn Jahren darf man in Berlin sagen, man ist Berliner und nicht mehr zugezogener. Von daher bist du da auch schon hinaus.

Imran Abbas: So, ganz genau.

Joel Kaczmarek: Sehr gut. Ja, erzähl doch mal so ein bisschen was von deiner Vita, von deinem Werdegang bis hierher, dass wir dich mal einen Ticken kennenlernen. Also ich habe dich jetzt hier so lapidar als Hip-Hop-Produzent anmoderiert, hat selber Songs geschrieben. Das kann ja irgendwie alles und nichts sein. Also es kann ja von Dorfdisco bis Weltbühne ist ja da alles wahrscheinlich möglich. Was war denn so deine Reise?

Imran Abbas: Ich bin 2008 nach Berlin gezogen und bin aus einem kleinen Ort von Hannover quasi nach Berlin gezogen. Hab dort angefangen, so Learning-by-Doing-mäßig Musik zu machen und hab über MySpace dann 2007 eine Nachricht bekommen von einem Label hier in Berlin, die meine Produktion gut fanden. Bin dann, wie gesagt, 2008 nach Berlin gezogen und hab dann hier angefangen, viele Hip-Hop-Künstler zu produzieren und hab das Ganze bestimmt acht, neun Jahre hauptsächlich gemacht, viel Hip-Hop produziert. Die Künstler, die man, würde ich sagen, in Deutschland auch ganz gut kennt, sei es so ein Kool Savas oder ein Haftbefehl, ein Kollege oder jetzt ein Apache auch zum Beispiel. Genau, und habe dann irgendwann für mich aber auch festgestellt, dass ich ein Talent für Songwriting hatte, weil ich eigentlich so von meiner musikalischen Sozialisierung eigentlich aus dem Pop komme. Ich bin riesiger Michael-Jackson-Fan, dementsprechend habe ich immer Popmusik als Kind gehört und habe dann angefangen, Popsongs zu schreiben und habe über meinen Verlag damals dann angefragt, hey, wäre es nicht möglich, mal mit ein paar Popkünstlern auch zu arbeiten? Das hat dann auch funktioniert. Und habe dann in den folgenden Jahren auch irgendwie für Künstler hier in Deutschland geschrieben. Zum Beispiel für so einen Nico Santos oder Ray Garvey oder Michael Schulte. Ja, bin dann in den letzten paar Jahren auch immer wieder in den USA gewesen. Habe mit US-Künstlern gearbeitet. Habe für deren Alben dann auch hier und da mal produziert. Auch im Hip-Hop-Bereich teilweise, wie zum Beispiel Migos. Ich weiß nicht, ob die dir was sagen, aber Jason Derulo kennst du vielleicht. Für den habe ich gut produziert. Ja genau, das waren so die letzten, das war erstmal ein Schnelldurchriss der letzten 15 Jahre und habe dann aber zuletzt vor ungefähr einem knappen Jahr ungefähr für mich beschlossen, dass ich gerne auch an meinem eigenen Projekt arbeiten will, was eigentlich auch schon immer mein Traum gewesen ist und habe das dann jetzt auch. vor einem halben Jahr, bin ich das Ganze dann auch angegangen.

Joel Kaczmarek: Wir können ja mal so ein bisschen durchtauchen. Also ich meine, es ist ja durchaus oberes Regal, in was du da gegriffen hast. Wie gelang dir das, dass du gleich für solche Leute produzieren durftest? Oder ist es manchmal so, du hast die 50. Seite im Cover der CD irgendwie in dem Booklet mitgegeben? Weißt du, was ich meine? Also ab wann ist man denn Produzent? Ich habe das schon so verstanden, du hast ernsthaft Mucke mit denen gemacht. Und es ist ja nicht selbstverständlich, dass man so einsteigt mit denen.

Imran Abbas: Nö, also ich sage mal so, das entwickelt sich natürlich auch über die Jahre. Ich meine, als ich nach Berlin gezogen bin 2008, habe ich natürlich erstmal geguckt, dass ich mich mit Leuten irgendwie connecte, von A nach B komme, durch Zufälle Leute kennenlerne. Und in den ersten Jahren macht man auch so, würde ich jetzt einfach mal sagen, macht man viele Projekte, einfach um sie zu machen. Macht man auch mal Sachen für null Euro oder für ganz kleine Budgets, einfach um dafür zu sorgen, dass quasi der Name ein bisschen die Runde macht. Und über die Jahre hinweg entwickelt sich das Ganze dann. Und ja, die Künstler, über die ich vorhin gesprochen habe die kamen dann über die Jahre hinzu. Und hier in dem Studio, in dem ich jetzt gerade bin, aus dem ich hier quasi diesen Podcast mit dir aufnehme, in dem waren halt auch schon die ganzen Künstler. Hier so ein Ray Garvey ist ständig hier, eine Zoe Weiss oder ein Apache hat hier mit mir recordet, ein Kool Savas war ständig hier. Ja, Solche Sachen kommen dann einfach über die Jahre zustande.

Joel Kaczmarek: Sag mal, wie nimmst du so das Milieu wahr eigentlich, wenn es um Hip-Hop geht? Weil ich habe so den Eindruck gehabt, das sind oft Menschen, die so gewisse Unsicherheiten mit sich rumtragen oder die schlimme Dinge erlebt haben. Also das ist schon so ein bisschen, ja, ich glaube, bewegte Charaktere, die Menschen, die die Musik machen. Und vom Milieu her erlebe ich das, also ich finde, es hat manchmal so einen toxischen Touch von außen gesehen. Man hört halt viel über die Kriminalität dahinter. Es hat halt so eine gewisse Grundaggressivität, weil es geht ja glaube ich viel darum, auch irgendwie Wut zu verarbeiten, schlechte Dinge, die einem passiert sind. Wie ist es so im Auge des Sturms?

Imran Abbas: Die sorgen dafür, also die beeinflussen maßgeblich auch dein Verhalten. Und ich habe ja verschiedene Welten kennengelernt, sei es so diese, ich nenne es jetzt einfach mal die Popwelt im Vergleich zur Hip-Hop-Welt. Und das stimmt schon, in der Hip-Hop-Welt ist auf jeden Fall viel mehr, wie soll ich es nennen, deutlich mehr Energie. Da sind Charaktere, wie du gesagt hast, die vielleicht viel mehr verarbeiten, die aus schwierigeren Milieus kommen. Und du merkst das auf jeden Fall, da ist eine aufgeladene Stimmung. Das hörst du ja auch in der Musik, da wird auch so solches verarbeitet und das Ganze. Das ist nicht nur die Musik, die das Viga spiegelt, sondern das Milieu und auch alles drumrum, das passt schon so. Das unterscheidet sich schon maßgeblich, zum Beispiel von der Popmusik.

Joel Kaczmarek: Ich meine, ich versuche das auch bewertungsfrei zu halten. Ich will auch gar nicht sagen, dass jeder Mensch, der Hip-Hop-Musik macht, irgendwie so einen psychischen Schaden hat oder so. So will ich auch nicht gehen. Aber ich frage mich schon, ob man sowas lange produzieren kann. Also kann man das sein Leben lang machen oder hat es nur so eine Phase, wenn man in sowas arbeitet?

Imran Abbas: Also es gibt mit Sicherheit Leute, die das ein Leben lang machen und einfach auch aus Liebe zur Musik es ein Leben lang machen. Für mich war das so, dass ich im Laufe der Jahre festgestellt habe, einerseits die Musik, dass ich mich wiederholt habe, oft das Gleiche wieder produziert habe und dann an den Punkt gelangen bin, wo ich gesagt habe, okay, ich würde gerne mal was anderes probieren. Und andererseits auch in ein Alter gekommen bin, wo es für mich, ich meine, du sprachst ja die ganzen Themen an, schwierige Vergangenheiten zum Beispiel, die dann verarbeitet werden in der Musik und das ganze Milieu dementsprechend auch vielleicht ein bisschen aufgeladener ist. Ich bin irgendwann in ein Alter gekommen, wo für mich andere Themen einfach relevant sind und wo für mich dann irgendwie es klar wurde, okay, ich habe Lust und auch, doch, ich hatte Lust und war auch inspiriert, mich in eine andere Richtung zu entwickeln. Aber es gibt mit Sicherheit hundertprozentig Leute, die aus reiner Liebe zu diesem Genre ihr Leben lang das gerne machen. Aber wie bereits am Anfang gesagt, ich bin eigentlich eine komplette Popkeule und dementsprechend Für mich war es eigentlich klar, dass es irgendwann auch in diese Richtung gehen würde.

Joel Kaczmarek: Wie ist denn das eigentlich, wenn man ein professioneller Songwriter ist? Weil ich stelle mir das gar nicht so einfach vor, wenn man Gefühle ausdruckt, wofür Musik ja steht. dann ist es ja einfach, wenn man seine eigenen Gefühle ausgeht. Einfach vielleicht nicht, aber es hat sozusagen eine gewisse Natürlichkeit. Wenn du jetzt aber für jemand anderen Gefühle ausdrückst, also du bist es jetzt für den Iren, den Ray Garvey, der schreibt vielleicht ganz anders als irgendwie so ein Nick Santos, den du gesagt hast, als irgendwie ein Jason Darul. Also wie gehst denn du da ran?

Imran Abbas: Also es kann auch manchmal einfacher sein, für jemand anderen zu schreiben als für sich selbst. Das stimmt, wenn du für dich selbst schreibst, dann tauchst du in deine Gefühlswelt ein und verarbeitest das, was dich in dem Moment irgendwie beschäftigt. Wenn man für sich selbst aber schreibt oder auch produziert, ist man auch verarbeitet. viel, viel, viel verkopfter. Weil du hast einen Anspruch an dich selbst, einen Anspruch, vielleicht auch einen Anspruch an eine Perfektion. Und das führt dazu, dass du wirklich alles zigfach überdenkst. Wohingegen, wenn du für jemand anderen schreibst, ist manchmal viel erleichternder ist, für ihn zu schreiben, weil du dich so ein bisschen emotional, ich sag jetzt einfach mal in Anführungsstrichen wie ein Schauspieler, in so eine Rolle begibst, dich reinfühlst in etwas und einfach über etwas schreibst, wie du es dir vorstellst, was vielleicht passen könnte, ohne dir viele Gedanken zu machen. Dementsprechend entstehen, glaube ich, auch viele wirklich, wirklich gute Songs gar nicht mit dem Gedanken daran, ich schreibe jetzt gerade für mich einen richtig coolen Hit, sondern die entstehen einfach da Aus der Situation raus, ohne sich großartig Gedanken zu machen. Und wie gesagt, für jemand anderen zu schreiben, ist dann manchmal genauso etwas. Da macht man sich viel weniger Gedanken, als wenn man für sich selbst schreibt.

Joel Kaczmarek: Ich fand es ganz lustig, Johannes Oerdinger hat mir das mal erzählt. Der hat gesagt, ja, weißt du, das ist ja auch die Wortwahl. Wenn ich für mich schreibe, dann sage ich vielleicht, das ist ein Freund. Und wenn ich das jetzt irgendwie für Udo Lindenberg schreiben würde, dann würde ich vielleicht eher schreiben, das ist ein Komplize. Und da dachte ich so, ah, okay. Stimmt. So langsam klickte das dann, aber da dachte ich trotzdem, wow, ganz schön anspruchsvoll. Wenn du jetzt nicht immer für den Gleichen schreibst, dich in diese Stile einzufinden, ist ja gar nicht so einfach.

Imran Abbas: Ja, wobei, ich meine, in der modernen Popmusikproduktion, Songwriting-Welt sieht es eigentlich eher auch so aus. Also zumindest habe ich das so gemacht bisher und kenne es auch nicht anders. Es ist jetzt nicht so, dass du denkst, okay, ich schreibe jetzt für diesen Künstler und das ist zwingend seine Wortwahl. Wenn ich mich hinsetze und einen Song schreibe, dann schreibe ich den so, wie ich finde, dass der gut ist. Ich benutze die Worte und die Melodien, die ich persönlich gut finde. Deswegen Und hoffentlicherweise ist es ja dann auch so, dass die Künstler dann zu mir kommen, weil sie meinen Stil ja besonders gut finden, als Songwriter oder als Produzent. Und der Künstler, der kommt dann wiederum, wenn ihm so ein Song gefällt, kommt dann auch rein in dieses ganze Projekt und der gibt dann den Song seinen persönlichen Touch. Er würde dann vielleicht sagen, okay, ich finde das richtig gut, aber dieses Wort würde ich jetzt anders sagen.

Joel Kaczmarek: So, und jetzt kommen wir langsam mal zu deiner Musik, bevor wir uns deinen fünf Dingen widmen. Was ist denn so dein Immoran-Projekt? Wofür stehst du denn musikalisch, wenn es um dich geht?

Imran Abbas: Also, mein Projekt ist rein jetzt, sage ich mal, vom Sound her, kann man das so im Pop ansiedeln. Es ist englischsprachig und dementsprechend passt das auch so gut heute zum heutigen Podcast. Ich finde, dass dieses Projekt dass ich überhaupt erst ein Projekt gemacht habe, entspringt so ein bisschen einer persönlichen Entwicklung, wo ich gemerkt habe, ah, das hat nicht ganz gepasst. Oder ah, das machst du deswegen. Und dementsprechend steht meine Musik für enorm authentische Themen. Themen, die mich selbst enorm interessieren. befassen oder auch belastet haben in den letzten Jahren. Und ich versuche, die in der Musik so authentisch und ehrlich wie möglich umzusetzen, ohne dabei einen schwerfälligen Song zu machen, sondern währenddessen es irgendwie auch zu schaffen, einen Popsong zu machen, den man sich einfach anhören könnte, ohne großartig auf die Lyrics zu achten. Aber für mich sind das nicht nur Popsongs, sondern es geht wirklich um etwas.

Joel Kaczmarek: Na gut, dann bin ich ja mal neugierig, was jetzt so deine fünf Dinge sind, nach all den Katzenleben, die du da in unterschiedlichen Branchen schon geführt hast. Ist dir schwer gefallen, eigentlich die fünf Sachen zu finden oder ging dir das ganz leicht von der Hand?

Imran Abbas: Nö, das ging mir ganz leicht von der Hand. Es ging mir eher darum, ob ich mich wiederhole, ob das fast das Gleiche ist, was ich aussage. Da habe ich versucht, nicht zu repetitiv zu sein, aber schauen wir mal, ob mir das gelungen ist.

Joel Kaczmarek: Sag mal an, was ist denn dein erstes Ding?

Imran Abbas: Das erste Ding ist, keine Angst vor Veränderung. Keine Angst vor Veränderung. Das, worüber wir jetzt gerade gesprochen haben, du hast es gerade die Katzenleben genannt, die verschiedenen Karrierewege, die ich durchlaufen habe, innerhalb eines bestimmten Genres zu sein, in ein anderes Genre so ein bisschen zu wechseln und dann aus der Position des Produzenten und Songwriters auch nach vorne zu treten und zu sagen, okay, ich mache jetzt mein eigenes Projekt und gehe quasi ans Mikro selbst. Das ist ja alles immer mit Veränderung verbunden. Und besonders dieser letzte Schritt, zu sagen, hey, ich gehe vom Produzieren und Songwriten, gehe ich quasi ans Mikro nach vorne. Das ist eine riesige Veränderung. Und als ich beschlossen habe, das Ganze zu machen, habe ich mich erstmal wirklich enorm schwer damit getan, weil auf meinen Schultern enorm viel Erwartung gelastet hat, die ich mir selbst auferlegt habe. Ich komme quasi aus einer erfolgreichen Produzenten- und Songwriter-Karriere und mache jetzt mein eigenes Projekt. Dementsprechend, ich sage jetzt einfach mal, im pessimistischsten Fall kann es ja nur schlecht werden. Es kann ja nicht ansatzweise so erfolgreich werden, wie das, was ich bereits als Produzent und Songwriter gemacht habe. Und Das hat mich lange beschäftigt und hat mich auch lange zurückgehalten. Man malt sich dann alle möglichen Szenarien aus, die irgendwie eintreten könnten, wie schlimm das Ganze sein könnte. Und das hält einen oft einfach zurück, davor irgendwas zu verändern. Was aber bei mir Was ich festgestellt habe ist, wenn du diese Schritte dann gehst, all diese Szenarien, die man sich ausmalt, die können eventuell auch eintreten. Aber die Reaktion darauf und wie schlimm sich das anfühlt, ist nie so schlimm, wie man es sich vorstellt. Und dementsprechend braucht man keine Angst vor dieser Veränderung. Ganz im Gegenteil, Veränderung ist essentiell und unglaublich wichtig, um sich weiterzuentwickeln. Weil ohne, dass man mal einen Schritt geht und was Neues ausprobiert, findest du nie, nie heraus, ob das jetzt wirklich so schlimm ist, wie du es dir vorstellst. Und verbleibst sonst immer ausschließlich in deiner reinen Fantasie, wie schlimm es nun sein könnte oder wie gut es werden könnte oder was auch immer. Es ist alles ohne Veränderung, keine Entwicklung.

Joel Kaczmarek: Was war denn so der Mutspender für dich? Wie ist es dir denn gelungen, diese Angst loszulassen?

Imran Abbas: Also zuerst einmal würde ich sagen, der Grund, warum ich überhaupt gesagt habe, okay, ich will diesen Weg gehen war, dass man sagt ja immer, wenn die Not am größten ist, dann erst ist man dazu gewillt, etwas zu verändern. Und bei mir war das so, ich war kreativ in einem absoluten Loch irgendwann und habe richtig gefühlt, okay, ich will was verändern und habe mich aber erstmal, wie gesagt, sehr schwer damit getan, etwas zu verändern, weil man sich viele Gedanken darüber macht, was denkt denn die Außenwelt, etc. Und was mir enorm geholfen hat, muss ich wirklich sagen, ist das Lesen. Ich habe viel Lektüre Irgendwie, das Lesen ist für mich nicht etwas, was dir sagt, hey, tu das und dann passiert das, sondern du liest und es regt irgendwas hinten im Kopf bei dir an und dann läufst du von mir aus durch den Tag und denkst so im Unterbewusstsein darüber nach und langsam lösen sich Prozesse bei dir und langsam stellen sich bei dir ein paar Erkenntnisse ein und du stellst vielleicht fest, okay, Das ist alles gar nicht so schlimm, wie ich mir das vorstelle. Und das Schlimmste, was geschehen kann, ist gar nicht so schlimm. Und vieles von dem, was ich mir ausmale, ist nicht ansatzweise so, wie es am Ende kommen wird. Und ich habe für mich vieles von dem tatsächlich aus dem Lesen.

Joel Kaczmarek: Man entwickelt irgendwann auch so eine Art selektive Wahrnehmung, oder? Also ich fand, es war so, wenn du ein Kind kriegst und kaufst dir so eine bestimmte Kinderwagenmarke, bei uns war das so eine niederländische, dann siehst du auf einmal nur noch Leute mit diesem Kinderwagen rum. Und wenn du dich mit einem Thema beschäftigst, wo du sagst, ich denke gerade über Selbstverwirklichung nach oder wie finde ich den Mut zu dingen oder pipapo übers Scheitern oder über Erfolg. dann findest du auch immer so ganz viele Informationspieces. Dann stehst du im Kiosk, liest eine Zeitung dazu, du machst einen Fernseher an und da kommt eine Serie hin, ein Freund spricht dich drauf an und so weiter. Also ich glaube, da gibt es auch so eine gewisse, also ich glaube, es gibt so eine Art Code des Universums, dass du so eine Art Navi hast, was dich da so durchführt. Ich habe mit John Strzelecki, dem einen Buchautor, mal einen Podcast dazu geführt und der hat das so genannt. So das Navi des Universums. Das Universum merkt, du gibst immer die gleiche Adresse ein und dann schickt es dir sozusagen bessere Routen dazu.

Imran Abbas: Mega gesagt.

Joel Kaczmarek: Super gesagt.

Imran Abbas: Ich empfinde es exakt genauso. Wirklich. Exakt genauso.

Joel Kaczmarek: Bist du denn dann eigentlich mal auch richtig auf die Schnauze gefallen, dass es auch mal Grund gegeben hätte, vor Dingen Angst zu haben, was die Veränderung angeht?

Imran Abbas: Nein, und das ist ja das Absurde. Oft ist es ja wirklich nicht etwas. bei Leuten, bei mir zum Beispiel, gibt es keinen richtigen Grund, wo man auf die Schnauze gefallen ist, sondern es ist alles im Kopf. Und bei mir war es so. Es gab keinen wirklichen Grund, wovor ich Angst haben muss, sondern es hat sich alles in meinem Kopf abgespielt.

Joel Kaczmarek: Ich stelle mir das gerade so vor, also wahrscheinlich hat das auch viel mit Fremdwahrnehmung zu tun, weil wenn ich mir dich jetzt so vorstelle, du hast da irgendwie dieses ganze, diesen Rolodex an Namen, für die du produziert hast, die alle erfolgreich sind, dann machst du dein eigenes. und wenn es nicht funktionieren würde, würde man ja denken können, ach das lief ja nur, weil die Künstler gut waren und nicht, weil der Typ gut war. Ach guck mal, der kann das doch nicht, das war Glück. oder weißt du, da malen sich ja die Leute die blödesten Sachen aus und das ist aber gar nicht so.

Imran Abbas: Man denkt selber, dass die Welt sich das so ausmalen würde. Und projiziert seine eigenen Gedanken auf andere Leute und denkt, dass das letzten Endes das ist, was einen erwartet. Genau diese von dir geäußerten Gedanken. Aber die Realität ist einfach eine ganz andere. Die Realität ist, ganz unromantisch gesagt, das juckt die meisten Leute einfach gar nicht. Und falls es sie juckt, dann juckt es sie von zwölf bis Mittag. Und dann sind sie wieder mit ihrem eigenen Kram beschäftigt. Dementsprechend, ey, diese ganzen Kalendersprüche, die stimmen ja alle, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Es ist einfach so, wenn du nicht ausprobierst und 500 Mal irgendwie scheiterst und beim 501. Mal bei der Sache ankommst, die funktioniert. Wenn du diesen Weg nicht gehst, ja, dann no chance. Man muss sich, wenn man irgendwas Neues möchte, muss man irgendwas Neues ausprobieren.

Joel Kaczmarek: Ja, auch ich glaube, so eine gewisse Serendipity steckt da auch drin. Also ich weiß nur, ich hatte mal, in meinem früheren Job habe ich ein Magazin geleitet und dann saß mein Investor mit mir und dann gab es immer so so Fixes oder auch so 360-Grad-Feedbacks, das heißt, es wurde so durchgesprochen, was du gearbeitet hast und welches Feedback du dazu bekommen hast. und dann sagte man, hier, du, dein Kompagnon, der hat das und das geschafft. Und dann sagst du so, ja, aber du weißt schon, dass es einfach nur Glück ist, weil uns hat der eine Kunde von sich aus angesprochen, weil er halt irgendwie geldlos werden wollte. Ja, ja, klar, aber der hat dafür gearbeitet. Glück findet dich. Also Glück ist mit dem Tüchtigen. Hätte der sich nicht so einen Namen gemacht, wäre er nicht angesprochen worden. Und dann dachte ich so, ja, scheiße, der Penner hat recht. Noch so ein Kalenderspruch, dass Glück ist mit den Tüchtigen.

Imran Abbas: Ja, ist wirklich so. Ich habe das wirklich immer mehr festgestellt, dass diese ganzen Kalendersprüche denen wohnt auf jeden Fall irgendeine Wahrheit inne. Die kommen nicht von irgendwoher.

Joel Kaczmarek: Ja, je einfacher manchmal die Sachen sind, desto zutreffender. Und Einfachheit ist ja schwer. Das wissen, glaube ich, viele Menschen nicht, wie schwer Einfachheit ist.

Imran Abbas: Ja, ja, ja.

Joel Kaczmarek: Stimmt. Es gibt ja so diesen schönen Satz von, wie hieß der? Elric Lincoln war das, glaube ich. Tut mir leid, dass ich so einen langen Brief geschrieben habe. Ich hatte keine Zeit für einen kurzen.

Imran Abbas: Geil. Ja.

Joel Kaczmarek: Und das ist so, wo ich so denke, ja, true words. Ja, also Wahre Worte einfach. Ja, voll. Naja, hast du denn für dich, sag ich mal, so ein Modell gefunden, nachdem du Veränderungen lebst? Also wagst du dich zum Beispiel bewusst immer mal, der eine sagt ja vielleicht, ich gehe öfters mal ein Restaurants essen, die ich nicht kenne oder bestelle auf der Karte was Neues oder die andere geht hin und sagt, ja, ich lerne jedes Quartal eine neue Sache. Hast du für dich sowas auch etabliert?

Imran Abbas: Nee, ich habe kein Modell etabliert, aber man lernt sich ja mit den Jahren immer besser kennen und man merkt, wo es Situationen gibt, wo irgendein Teil in einem drin sich dagegen wehrt, weil er sich davor fürchtet oder weil es was Neues ist oder was auch immer. Und wenn ich in der Vergangenheit vielleicht dann gesagt hätte, nee, danke, lass ich, merke ich jetzt sehr schnell, okay, das ist genau so eine Situation und bin viel, viel eher dazu gewillt zu sagen, doch, ich mache das jetzt, was soll's. Und das würde ich sagen, ist das, was in den letzten Jahren dazugekommen ist. Eher so ein deutlich, deutlich höheres Bewusstsein für sich selbst.

Joel Kaczmarek: Woher weißt du, wenn du Widerstand gegen eine Sache hast, dass du ihn hast aus Angst versus weil es dir vielleicht einfach nicht liegt? Also es kann ja sein, dass du innerlich einen Widerstand spürst, weil du denkst, jetzt bin ich irgendwie gar nicht. Versus so, ich werde schon mal neugierig, aber ich traue mich nicht. Also es sind ja unterschiedliche Gefühle.

Imran Abbas: Also quasi einfach die Angst, die einfach aus dem Kopf irgendwie entspringt, obwohl sie keinen wirklichen Grund hat. Versus das eigentliche Wissen, okay, das ist eigentlich nicht meins, da musst du dir auch keinen gefallen. Ja, ganz ehrlich, da gibt es ein ganz einfaches Wort, was es, finde ich, am besten beschreibt, und zwar Akzeptanz. Gewisse Dinge muss man akzeptieren. Ich könnte unbedingt etwas wollen, zum Beispiel, keine Ahnung, ich liebe Fußball, ich liebe Fußball, aber ich bin kein besonders talentierter Fußball. Das muss ich akzeptieren. Gut, das ist jetzt ein richtig einfaches Beispiel, aber innerhalb des Berufes gibt es auch Dinge, wo man vielleicht feststellt, okay, ich will das gerne, aber es liegt mir einfach nicht. Und ich tue mir einen riesigen Gefallen damit, gewisse Dinge zu akzeptieren, weil ich sie auch nicht kontrollieren kann.

Joel Kaczmarek: Ich habe dazu eigentlich sogar eine Antwort auf meine eigene Frage, weil die Tage habe ich mir so eine Leseprobe von diesem Buch geholt. 101 Essays, die dein Leben verändern werden, heißt das, glaube ich. Ich sehe das immer in den Buchhandlungen da oben in den Bestsellerlisten stehen. Und da stand so sinngemäß drin Du brauchst eigentlich keine Angst haben vor Dingen, die dir nicht passen, weil wenn es nicht deins ist, dann reagierst du mit Gleichgültigkeit und nicht mit Angst. Und das fand ich eigentlich ganz interessant, weil da ist was dran.

Imran Abbas: Ja, voll.

Joel Kaczmarek: Auch wenn dich jemand beleidigt mit irgendwas. Also wenn du denkst, das stimmt nicht, dann ist das vollkommen klar, du reagierst doch gar nicht drauf. Und wenn du aber denkst, warte mal, könnte der da recht haben, dann setzt es sich auf einmal so in Gang.

Imran Abbas: Du merkst das ja auch, egal ob man derjenige ist, der quasi, egal ob es eine Beleidigung ist oder ob es irgendwie einfach was ist, was man über eine Person sagt, wenn man es zu Personen sagt. Wenn man irgendwie aus irgendeinem Grund eine Wahrheit damit trifft, dann reagiert die Person immer. Dann ist sie nicht still, sondern dann reagiert die immer, weil sie sich innerlich ertappt fühlt.

Joel Kaczmarek: Getroffene Hunde bellen, hat meine Mutter mal gesagt.

Imran Abbas: Ja, genau so ist es.

Joel Kaczmarek: Ja, spannend. Finde ich auch so ein gutes Mantra für Menschen. Also lass deine Angst vor Veränderung los und lass dich drauf ein. Was ist denn dein zweiter Punkt?

Imran Abbas: Such im Inneren anstatt Außen.

Joel Kaczmarek: Oh, das ist ja tief.

Imran Abbas: Ja, ich glaube, das lässt sich aber enorm einfacher klären und zwar zum Beispiel auf den Beruf bezogen. Wenn die äußere Bestätigung, die Bestätigung der Außenwelt, wenn das im Zentrum deines, keine Ahnung, Belohnungssystems steht, dann kontrolliert die Außenwelt dich auch komplett. Wenn du aber etwas tust, was vollkommen intrinsisch ist und wo die Bestätigung von außen meinetwegen zweit- oder drittrangig ist, dann hast du erstens ein ganz anderes Maß an Motivation und hast auch deutlich mehr Kontrolle über das Ganze. Und ich finde, also wenn ich auf mich selbst blicke, Aber ich glaube, in der Gesellschaft findet man das oft wieder auch so. Vieles von dem, was wir machen, tun wir nicht zwingend unser Eigenwillen, sondern tun das einfach, weil wir uns erhoffen, von der Außenwelt akzeptiert, geliebt oder was auch immer zu werden. Und natürlich kann man sich nie komplett frei von etwas machen. Und oft sind Innen und Außen überlappen auch irgendwann mal. Aber wenn einzig die Außenwelt bestimmend ist, dann ist das problematisch, weil darüber hat man absolut keine Kontrolle. Dann bist du immer die ganze Zeit wie ein Boot, wie ein Segelboot auf dem Meer und der Wind kommt und dann mal dahin und dann mal dahin. Du hast halt keine Kontrolle.

Joel Kaczmarek: Ja, es ist ganz lustig, weil ich denke gerade an meinen Freund Jan Müller von Tokotronic, der mir mal sagte, er nimmt demnächst mit irgendeinem Hip-Hopper eine Folge auf und meint so, ja, ich will mal gucken, ich habe so eine Frage an den, mal schauen, ob der mir auf die Schnauze haut. Ich will den mal fragen, warum es im Hip-Hop eigentlich immer so arme Werte gibt, weil die Werte, die sind ja so arm, da geht es ja immer nur um Frauen, Geld, Autos, Stärke, Gewalt, sowas. Und es ist lustig, weil du musst es ja eigentlich wirklich wissen, weil die Sphäre, aus der du kommst, die ist ja quasi der Prototypen der externen Bestätigung, nämlich über diese ganzen Statussymbole. Ja, das stimmt. Manchmal merkt man ja auch, dass einige von denen damit eigentlich mehr kokettieren. Aber da hast du wahrscheinlich die Abgründer in dieser Richtung alle gesehen, oder?

Imran Abbas: Also, ich würde sagen, die kokettieren hundertprozentig damit. Das ist auch Teil der Szene. Und diese Themen, Status zum Beispiel, etc., das sind alles Themen, die beim Hörer auch das Ego so ein bisschen angehen. Wenn du einen Song hörst, der voll nach vorne geht und wo es so, keine Ahnung, jetzt mal ganz platt gesagt, es geht um Status, um wer der Stärkste ist, bla bla bla, dann hörst du diesen Song und fühlst dich währenddessen genauso stark. Es geht auf dich über, also es kitzelt so ein bisschen dein Ego und ich finde, das passt exakt zu dem, was du gerade gesagt hast und man kokettiert damit, aber es heißt nicht zwingend, dass tatsächlich jeder Künstler auch exakt genau nur das ist.

Joel Kaczmarek: Ich finde ja auch, wenn ich so mal nachdenke, Corona war da so ein schöner Ratgeber eigentlich, weil da hast du gemerkt, da sind dir mit einem Schlag so die ganzen Kompensationen entzogen worden. Also diese ganze Bestätigung von außen war gar nicht mehr möglich, auch die Interaktion mit außen, also Trinken, Sexy-Time, Party, Konzerte, Sport, also das fiel alles weg. Du warst auf einmal wahrscheinlich in deinen eigenen vier Wänden und mit dir, also dir selbst ausgesetzt. Und ich habe schon den Eindruck, dass das auch so ein bisschen das Thema war, warum viele Leute so brutal getroffen waren von dieser Pandemie, mal jenseits von der Angst und so weiter und so fort.

Imran Abbas: Voll.

Joel Kaczmarek: Wie ging es dir so in der Zeit?

Imran Abbas: Die Zeit selber war für mich jetzt gar nicht so schlimm, muss ich ehrlicherweise sagen. Aber so mein persönlicher, nennen wir es mal, keine Ahnung, der Moment, wo ich für mich gemerkt habe, okay krass, bei mir geht es gerade irgendwie nicht genauso weiter und ich will was verändern, kam irgendwie nach Corona. Und ich frage mich manchmal selber, ob Corona so unterbewusst irgendwie seines dazu getan hat. Mit genau dem, was du gesagt hast, dass es irgendwie auf irgendwelche Ängste eingezahlt hat, dass dieses Gefühl alleine zu sein sich noch bestärkt hat. Oder dass man halt auch in der Zeit genau das, was du gerade gesagt hast, dass dieses Externe, dass das alles ein bisschen weggefallen ist und dass es einem bewusst wurde, bewusster wurde, dass vielleicht vieles von dem, was man irgendwie gemacht hat, eigentlich extern war und dann irgendwie merkt, okay krass, irgendwie so glücklich bin ich gerade gar nicht. Ja, kann durchaus sein. Ich kann es immer nicht zu 100% beantworten, ob es Corona war oder nicht war, aber irgendwie kann ich mir das durchaus vorstellen.

Joel Kaczmarek: Ist deine Berufsrolle da nicht auch eigentlich prädestiniert gewesen? Weil du warst ja wahrscheinlich sehr viel fremdbestimmt. Mit dem, was du gemacht hast, warst du ja immer darauf angewiesen, dass andere Leute das annehmen und damit was tun.

Imran Abbas: Ja. Ja, ja, voll. Absolut. Und um noch so einen kleinen Schritt weiter zu gehen. Ich meine, das ist genauso, wie du es beschreibst, aber ich habe besonders in der Zeit vor und um Corona mich enorm auf den US-Markt konzentriert. Das bedeutet, hier in Deutschland habe ich weniger zu dem Zeitpunkt mit Künstlern gearbeitet. Und dann kam Corona, das heißt, ich konnte auch nicht rüber in die Staaten. Ich habe also sehr, sehr viel hier alleine in meinem Studio gesessen. Und viele der Leute, mit denen ich dort gearbeitet habe, mit denen hatte ich dann eher sporadischen Kontakt in den USA. Das heißt, dann schickst du mal was per E-Mail an irgendwen in den USA und dann antwortet der oder er antwortet auch nicht. Und du bist enorm fremdgesteuert. Hast super, super wenig Kontrolle über die Dinge. Noch weniger, als wenn ich hier in Deutschland mit Künstlern gearbeitet habe. Und das tatsächlich Dieses Gefühl von, okay, ich habe absolut gar keine Kontrolle darüber, gepaart mit Corona und ein bisschen allein sein vielleicht im Studio, hat vielleicht bei mir so dieses Gefühl ausgelöst, boah, ich will auf jeden Fall was verändern. Weil ich glaube, wenn man irgendwann merkt, okay, ich habe keine Kontrolle über einen großen Teil meines Lebens, nur die Arbeit ist ein gigantischer Teil des Lebens. Ich habe da gar keine Kontrolle. Ich glaube, das frustriert einen so dermaßen. Man kommt definitiv an den Punkt, wo man sagt, okay, das mache ich so nicht weiter.

Joel Kaczmarek: Lass uns nochmal ganz kurz zu deinem Punkt kommen. Also Suche im Inneren statt im Außen. Oder ich sag mal lieber Finde im Inneren statt im Außen. Wie vereinbart sich das denn mit dem Thema Kunst, Bühne, Publikum? Weil das Brot des Künstlers ist ja oft der Applaus.

Imran Abbas: Ja, absolut. Definitiv. Es ist schwer, das zu vereinbaren, wenn man ganz, ganz grob von oben rauf guckt. Aber es gibt einen Musikproduzent, der ist schon ein bisschen älter, der heißt Rick Rubin. Der hat ein wunderbares Buch geschrieben, das heißt The Creative Act. Rick Rubin ist ein Produzent, der hat produziert und geschrieben für Kanye West, Madonna etc. Also wirklich Produzentengott. Ja, genau. Kann man so sagen. Gehört wirklich zu den Größten. Und er schreibt in dem Buch Da geht es nicht explizit um Musik, sondern um das Kreativsein, dass bei einem Schaffensprozess, dass dort das Publikum an aller, allerletzter Stelle kommen muss. Weil ansonsten, wenn das Publikum ganz vorne ist und wenn du fürs Publikum Musik machst, dann ist die Kunst, die du kreierst, ein Kompromiss. Und Kunst sollte im Idealfall ja kein Kompromiss sein, sondern ein Ausdruck dessen, was du fühlst, was du in dem Moment irgendwie empfindest. Und im Idealfall gefällt das dann natürlich auch einer Masse. Und im Idealfall überkreuzen sich dann in dem Fall Inneres und Äußeres. Aber, also ich empfinde das auch so, ich glaube, wenn ich jetzt anfangen würde, ausschließlich Musik zu machen, mit dem Gedanken, okay, wie komme ich zu dem größtmöglichen Publikum? Wie schaffe ich es, so viel Applaus wie möglich von außen zu bekommen? Dann würde ich mich so verrenken, dass für mich das, was Musik und Kunst magisch macht, dass das vielleicht flöten gehen würde über eine gewisse Zeit.

Joel Kaczmarek: Ich habe mich neulich mit meinem Freund Jens von Wir sind Helden darüber unterhalten. Er hat gesagt, pass mal auf, schnell ist ganz einfach, wenn du Mucke machen willst, gibt es zwei Pfade. Pfade eins ist, du versuchst so zu schreiben, dass es möglichst vielen Leuten gefällt, dann bist du eigentlich immer so Trendopfer. Dann darfst du alle zwei Wochen einen neuen Trend adaptieren und musst eigentlich immer nur für einen Algorithmus schreiben, überspitzt gesagt. Ja. Oder Pfad 2, du schreibst, was in dir vorgeht nach deinen Gefühlen, drückst dich aus, da geht es um Selbstausdruck. Dann kann es sein, dass es der Masse gefällt oder auch nicht, man kann ja schon noch ein bisschen steuern. Und ich finde es total plausibel deswegen, was du sagst. Und dann gibt es halt trotzdem so Menschen, die so den Touch haben, dass das, was sie an inneren Gefühlen zu Papier bringen, dass sie einfach auch gute Geschichtenerzähler sind. Genau. Ed Sheeran denke, was der manchmal für simple Worte wählt, um Dinge zu erzählen. Das macht es ja dann irgendwie faszinierend. Und jetzt bin ich aber neugierig, wenn du sagst, finde im Inneren statt im Außen, wie gelingt dir das denn?

Imran Abbas: Mir gelingt das dadurch, dass ich meine eigene Musik über die Themen schreibe, die mich wirklich dann in den letzten ein, zwei Jahren bewegt haben. Also ich orientiere mich auch vom Sound nicht an irgendeinem bestehenden Trend, sondern ich mache exakt das, was ich persönlich mag. Also mein Sound ist so ein bisschen, ist schon Popmusik. Ich bin auch mit Popmusik aufgewachsen, aber ich liebe zum Beispiel so ein bisschen Retro-Synthwave-Musik. Was jetzt nicht zwingt, der aller, aller, sag ich mal, kommerziellster Sound ist. Und ich lasse mich nicht davon beirren, ob etwas sofort funktioniert oder ob es nicht funktioniert. Weil meine erste Single zum Beispiel, die ich veröffentlicht habe, die hat ganz cool im Radio funktioniert, aber die hat zum Beispiel jetzt auch nicht besonders gut gestreamt. Was ich aber auch nicht so, wie gesagt, nicht besonders schlimm fand. Kommen wir wieder zum ersten Punkt zurück. Man stellt sich alles immer viel, viel schlimmer vor, als es ist. Man denkt sich, oh Gott, was ist, wenn jetzt das nicht so ein Riesenerfolg ist? Das wird ja eine komplette Katastrophe. Für mich am Ende war es gar nicht schlimm. Weil ich das Gefühl hatte, ja, ich mache aber eigentlich genau das, was ich machen will. Und wenn das jetzt nicht das gewesen ist, was irgendwie den riesigen kommerziellen Erfolg hatte, dann ist das so. Dann wird es vielleicht irgendeine andere Nummer oder vielleicht auch keine. Wird man sehen. Aber Ich versuche wirklich, bei dem, was ich mache, immer darauf zu achten, dass es mir persönlich gefällt. Flexibel zu bleiben auf eine gewisse Art und Weise, weil mir gefällt auch sehr vieles, muss ich ehrlicherweise sagen. Ja, ich bin auch nicht komplett auf nur eine einzige Sache festgeschrieben. Aber die Maxime muss für mich immer sein, es muss mir persönlich gefallen, es muss mich persönlich abholen, es muss mich irgendwie berühren. Und wenn mir das gelingt und ich es auch noch schaffe, etwas zu verarbeiten, was aus meiner Seele kommt, dann habe ich schon das Gefühl, okay, ich bin mir treu geblieben und dann bin ich auch schon glücklich darüber. Ich weiß nicht so richtig, ob ich, wenn ich jetzt zum Beispiel, keine Ahnung, etwas machen würde, was mir gar nicht liegt, aber das wäre erfolgreich, ob mich das jetzt glücklich machen würde. Ich weiß es nicht.

Joel Kaczmarek: Was wäre, wenn du was machst, was dich glücklich macht, was aber überhaupt nicht erfolgreich ist?

Imran Abbas: Naja, das habe ich ja gerade geschildert.

Joel Kaczmarek: Das ist dir echt egal?

Imran Abbas: Ja, natürlich nicht komplett egal, aber Also dadurch, dass ich merke, dass ich das mache, was ich wirklich machen möchte, ist es für mich weniger schlimm, wenn es nicht sofort den riesigen Erfolg hat. Weil es bringt mir so viel Freude, es bringt mir so viel positive Energie, dass ich glaube, dass ich das deutlich, deutlich, deutlich länger durchziehen kann, als wenn ich etwas machen würde, was mir eigentlich nicht wirklich gefällt.

Joel Kaczmarek: Und die Ironie ist ja, wenn du was machst, wo du dein Herzblut reinsteckst, die Energie überträgt sich ja, dann ist es lustigerweise oftmals auch Erfolg.

Imran Abbas: Ja, richtig. Das stimmt.

Joel Kaczmarek: Was ist dein dritter Punkt?

Imran Abbas: Ja, also ich habe schon mal, glaube ich, gesagt, Wir sprachen darüber. Der dritte Punkt ist, schließ nicht von dir auf andere. Denn dein Verstand spielt dir oft verrückte Szenarien vor. Ich finde, das ist eigentlich einer der wichtigsten Punkte, weil man schließt so, so, so schnell von sich selbst auf andere und denkt, dass die eigenen Gedanken auch die Gedanken der anderen wären. Und Das von mir vorhin beschriebene Beispiel, wenn man etwas macht, egal ob es Musik ist, ob man Fotograf ist, ob man Videograf ist, man macht etwas und es ist nicht erfolgreich oder es funktioniert nicht so, wie man möchte, denkt man ja erstmal im Worst Case, oh mein Gott, die ganze Welt wird über mich lachen. Die Realität ist, ist, dass die ganze Welt erstmal absolutes gar nicht mitbekommt. und die paar Leute, die es mitbekommen, die sehen sich das an und haben nach, wie gesagt, nach drei Minuten sind die beim nächsten Gedanken und that's it. Und wenn man das sich nicht klar macht, dass die Gedanken der anderen nicht deine Gedanken sind, dann läuft man Gefahr, dass die Angst, die einen lähmt, einen dazu bringt, gar nichts zu machen. Absolut gar nichts zu machen. Und so war es lange bei mir. Ich habe zum Beispiel, ich habe dieses Künstlerprojekt wirklich lange machen wollen, aber habe oft von mir selbst auf andere geschlossen, weil ich dachte, ja, wenn die das sehen, dann denken die ja, ach, das ist der Produzent, der hat schon so viele erfolgreiche Sachen gemacht, ach und sein Projekt ist ja jetzt gar nicht erfolgreich. Und habe deswegen gedacht, boah nee, das wäre doch voll unangenehm und oh nee, dann mache ich es doch nicht, bla bla bla. Aber je schneller jemand begreift, dass das kompletter Unfug ist, desto schneller kann er sich davon freimachen und desto schneller kann er machen, agieren und etwas in die Tat umsetzen, weil am Ende ist das das Allerwichtigste, ins Machen kommen.

Joel Kaczmarek: Es gibt ja eigentlich auch dieses schöne Zitat, ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert. Ja stimmt, richtig. Und das ist ja eigentlich ganz geil, das ist ja eigentlich so der Inbegriff dessen, was man möchte, so ganz ungeniert einfach man selbst sein.

Imran Abbas: Absolut.

Joel Kaczmarek: Und ich weiß auch genau, was du meinst. Mir ging es zum Beispiel oft in so Diskotheken so. Dass ich so da stand, schaute dann zu, wohnte bei, wie irgendwie eine attraktive Frau von so einem Typen angegraben wurde und ich stand da und dachte so, oh mein Gott, das ist ja sowas von plump und unintelligent, da hätte es sieben Wege gegeben, das schlauer zu machen, aber sie fand das total toll.

Imran Abbas: Ja, ganz ungeniert, ne?

Joel Kaczmarek: Ja. Und in der Art gibt es ja tausend Beispiele. Also ich denke manchmal, es ist wichtig, dass der Podcast bis ins letzte Müh optimiert ist und du merkst so, nö, den Leuten ist eigentlich nur wichtig, dass die Akustik gut ist oder dass der Gast namhaft ist oder was weiß ich.

Imran Abbas: Ja, voll.

Joel Kaczmarek: Das ist ganz interessant. Ich überlege, was ist deine Ableitung? Was machst du mit? Wie hat es dein Handeln verändert, als du das Bewusstsein darüber erlangt hast, dass andere einfach anders ticken als du und dass du einen Fehler machst, wenn du von dir auf sie schließt?

Imran Abbas: Das hat dazu geführt, dass ich einfach ins Machen gekommen bin. Das war nämlich das große Problem. dahinter ist, wenn du genau das tust, von dir auf andere zu schließen, hindert es dich oft daran, irgendwas zu machen, weil deine Ängste, deine Sorgen dir im Weg stehen. Wenn du das ablegst, Und du schaffst das abzulegen, kommst du halt einfach ins Machen. Und dann machst du und du stellst sehr, sehr, sehr schnell fest, du machst etwas und egal, ob es besonders gut oder nicht gut funktioniert, die Welt dreht sich weiter. Am nächsten Tag geht es dir immer noch gut. Du kannst immer noch fröhlich aufstehen und fängst dann wieder an und machst es dann nochmal. Und das festzustellen, das gibt einem so eine tolle Energie, weil man merkt, all diese Hirngespinste die man vielleicht jahrelang mit sich rumgetragen hat, die einem im Weg standen, die gibt es alle nicht. Die gibt es alle nicht. Und der einzige Weg, irgendwie an einen Punkt zu kommen, das du etwas machst, sei es jetzt zum Beispiel ein Song oder von mir aus, oder lass uns beim Song bleiben, einen Song findest, der der Welt gefällt und der am Ende auch funktioniert, ist, indem du einfach ausprobierst. Einfach machst, einfach machst. Der erste wird nicht der Song sein, der zwingend der Superhit wird. Vielleicht ist es der 20. Song. Who knows? Aber wenn du den ersten Song nicht mal einfach mal rausbringst, dann wirst du es niemals erfahren.

Joel Kaczmarek: Ja, ist ganz interessant. Wie viele Leute, beim Radio sagt man so, es versendet sich. Das finde ich eigentlich ein ganz geiles Bild. Ich denke an so eine Antenne, die so in den Äther irgendwie die Sachen schickt und du denkst so, oh mein Gott, ich habe gerade gegen das Mikro gehauen und habe dann noch was, habe gerülpst und habe was voll Blödes danach gesagt. und du merkst, das hat einfach kaum einen Arsch mitgekriegt oder die Dinger drehen sich weiter.

Imran Abbas: Ja, ist wirklich so. Wie oft hört man denn Geschichten von, sei es Musiker oder Schauspieler, was auch immer, die erzählen, ich habe so, so vieles ausprobiert und kein Mensch hat es gejuckt, bis es dann irgendwann jemanden gejuckt hat. Oft ist man so verkopft und so sehr mit Perfektion besetzt, dass man denkt, wenn ich das jetzt irgendwie mache und das nicht funktioniert, dann ist das ja ganz schlimm und auch für meine Reputation ganz schlimm. Ja, aber Tatsache ist so, wenn es nicht funktioniert, dann bekommt es auch nur vier Leute mit. Weißt du? Also die große Masse wird nicht dort stehen und darauf warten, dass Sachen, die man macht, nicht funktionieren.

Joel Kaczmarek: Ist ja manchmal fast auch ein bisschen deprimierend. Ich habe mal irgendwie aufgeschnappt, ich glaube, du musst eine Botschaft neunmal wiederholen, bis sie angekommen ist. Das heißt, du musst theoretisch neunmal erzählen, hallo, ich bin Imran, ich mache jetzt Musik. Hey, hast du übrigens gewusst, ich mache jetzt Musik. Hey, übrigens, ich singe jetzt auch, ich mache jetzt Musik. Und nach neunmal ist es erst so halbwegs auf dem Radar der Leute. Ja. Also das nimmt dir aber auch irgendwie auf der anderen Seite ganz viel Druck, genau wie du sagst. Und ich glaube, wenn es so dieses andere Extrem gibt, es gibt ja so manche Menschen, die kommen aus ihren Etiketten dann wiederum nicht raus. Also wenn die einmal auf die Schnauze geflogen sind, was weiß ich, warst du im Dschungel oder hier weißt du ganz oft so diese BCD-Promis, die sich dann durch die Klatschpresse bewegen. Ich glaube, da ist dann schon auch so Manifestation dabei. Du manifestierst das dann, dass du das eigentlich irgendwie willst und deswegen so festhältst, weil Ich glaube, es ist schon so, wie du sagst, sich ausprobieren, die Welt ist, glaube ich, sehr verzeihend. Und wenn man Fehler macht, eigentlich auch.

Imran Abbas: Und die Welt ist auch sehr verzeihend, das ist, sage ich mal, schön ausgedrückt. Aber wenn man es mal unromantisch sagen will, die Welt ist auch sehr doof, aber egozentrisch. Man guckt sehr, sehr viel auf sich und man denkt, das Universum dreht sich um einen. Was aber wiederum zur Folge hat, dass das, was der nebenan macht sei es gut oder schlecht, gar nicht so zwingend auf dem Radar stattfindet. Und wenn, dann auch mal kurz. Und daraus kann man schließen, es ist alles nicht so schlimm. Es ist alles, man kann sich ausprobieren, man kann auch mal versagen. Das ist alles nicht schlimm.

Joel Kaczmarek: Kommen wir zu dem vierten Punkt.

Imran Abbas: Genau, der geht ein mini-minimal weg davon. Und zwar Körper und Geist pflegen und bilden und das auch dauerhaft. Ansonsten verfliegt der Effekt des Ganzen. Also ich kann das mal leicht ausführen. Ich habe die ersten, keine Ahnung, ich würde sagen, also ich war nie besonders sportlich. Ich habe eigentlich meine gesamte Jugend vor dem Rechner verbracht und habe Musik gemacht und habe auch nie wirklich gelesen und versucht. irgendwie, also unabhängig jetzt vom Studium und bla bla bla, habe ich mich ja auch nie wirklich mit mir selbst befasst oder habe irgendwie gelesen oder was auch immer. Habe dann aber irgendwann festgestellt, okay, sportlich, also gesundheitlich geht auf jeden Fall mehr, habe dann angefangen Sport zu machen und wie gesagt, habe in den letzten ein, zwei Jahren angefangen, wirklich viel zu lesen und ich stelle wirklich fest, wie diese beiden Dinge, Körper und Geist, wenn die einigermaßen im Einklang sind, wie die dazu beitragen, dass man in meinem Fall eine deutlich, deutlich kreativere Person ist. Ich versuche es mal bildlich zu sagen, wenn die Ideenwelt irgendwie in meinem Kopf eine Tür hat und die verschlossen ist, wenn ich meinen Körper und meinen Geist pflege und fit bin, öffnet sich diese Tür sehr, sehr leicht und die Ideen fließen einfach in mich rein und mir fällt vieles ein. wenn ich das Ganze wiederum nicht mache. Und ich habe das jetzt zum Beispiel gemerkt in den letzten Drei Monaten. Ich bin ja vor drei Monaten Papa geworden. Und dementsprechend ist es ganz normal, dass Dinge einfach erstmal hier links liegen bleiben. Dementsprechend war ich jetzt drei Monate, habe ich kaum Sport gemacht, habe auch nicht wirklich gelesen. Und ich habe direkt gemerkt, wie ich im Kopf ein bisschen lethargischer geworden bin. Ich habe es direkt gemerkt. Und sobald ich diese Dinge wieder aufgenommen habe für mich, habe ich gemerkt, wie sie wieder einen positiven Effekt hatten auf mich. wie ich kreativer direkt war, wie ich energischer war und wie ich im Ganzen dann auch einfach eine deutlich, deutlich angenehmere und ausgeglichener Version von mir war.

Joel Kaczmarek: Ich denke gerade an so Situationen, die ich sehr regelmäßig habe, wenn ich in Bahnen sitze und dann mache ich mir den Spaß, ich gucke meistens durch die Gegend, also ich versuche mir das zum Motto zu machen, wenn es eine lange Fahrt ist, dann bin ich der Letzte oder ich arbeite auf dem Laptop meinetwegen auch mal, aber wenn ich mir mal angucke, wie viele Leute auf ihr Handy schauen im Zug, das ist eigentlich fast immer 100%. Also es ist eine totale Ausnahme, mal hat jemand vielleicht ein Buch oder ein E-Book-Reader oder sowas, aber die gucken alle auf ihr Handy. und Was ist es dann? Entweder so Chat, Social Media Stuff oder Video. Und ich weiß ein Stück weit, was du meinst. Ich finde, Video macht halt zu gewissen Teilen die Fantasie kaputt. Weil was du gesagt hast vorhin mit dem Lesen, also ich glaube, das meinst du mit dem Geist trainieren, dass es so im Hinterkopf arbeitet. Ja, das meine ich. Das passiert irgendwie anders, als wenn du es sozusagen schon so vorgekaut kriegst durch Video.

Imran Abbas: Ja, ist richtig. Finde ich auch. Ich finde, durch das Lesen, selbst Das laute Vorlesen. Irgendwas geschieht im Unterbewusstsein anders, als wenn es dir vorgetragen wird durch ein Video. Ganz genau. Ja, finde ich exakt genauso. Und ich habe enorm davon, ich merke persönlich, wie ich enorm davon profitiert habe. körperlich fit zu sein und geistig fit zu sein. Und das Körperliche, das überträgt sich auch massiv auf das Geistige. Wie gesagt, dieses Bild, was ich gezeichnet habe, von wegen diese Tür, die im Kopf ist, wo die Ideen dahinter sind und die ist verschlossen und dadurch, dass man Körper und Geist pflegt, kommen deutlich mehr Ideen durch diese Tür durch. Das empfinde ich wirklich genauso. Ich habe mich als deutlich kreativeren Menschen empfunden, wenn ich fit bin.

Joel Kaczmarek: Ich finde, man macht ja auch so Übertragungswissen auf einmal verfügbar. Also ich habe manchmal Vorträgen. Das ist auch so, du erzählst was vor tausend Leuten und denkst so, ja super, hab ich ja erzählt, hat jeder mitgekriegt. Ja, Arschlecken. Du erzählst zwei Minuten was und dann erzählst du eine Sache und dann fangen die Leute an so abzuschweifen. Ach, warte mal, der Imran hat gerade erzählt, Songs schreibt man als letztes fürs Publikum. Wie mache ich das denn auf meiner Arbeit, wenn ich hier unsere Produktentwicklung mache? Ja, krass, das ist viel zu nah an einem. Stimmt eigentlich, sollten wir da mal so, weißt du, und dann zack, sind sie so abgeschweift. So passiert es dir beim Lesen oder wenn du Sachen konsumierst auch oder dich mit Leuten unterhältst, dass du merkst, okay, Die drei Dinger, da hat es irgendwie gepinkt. und dann denkt man nochmal drüber nach. Was sind denn so deine Routinen? Also wenn du sagst, du machst Sport und du trainierst deinen Geist, was machst du denn?

Imran Abbas: Meine eigentlichen Routinen sehen so aus, dass ich morgens mir immer, nicht sehr viel, aber ich sag mal 10 Minuten Zeit nehme zu lesen. Aktuell lese ich der tägliche Stoiker. Da ist einfach jeden Tag irgendein Zitat von einem Stoiker und das wird dann danach auch nochmal irgendwie ein bisschen aufgeschlüsselt und erklärt, weil oft sind die Aussagen so ein bisschen verschlüsselt, würde ich einfach mal sagen, für unsere heutige Sprache. Was ich dann, aktuell mache ich es nicht mehr so häufig, aber ich habe es immer gemacht und ich werde es in Zukunft auch wieder machen. Dann setze ich mich an mein E-Klavier zu Hause und spiele einfach irgendwas. Manchmal kommen dann Ideen dabei raus. Die zeichne ich dann auf meinem mein Aufnahmegerät auf dem Handy und nehme mich dann vielleicht mit ins Studio. Und für den Körper, ich gehe zweimal die Woche ins Fitnessstudio. Entweder Fitnessstudio oder Calisthenics. Irgendwas, um quasi Körper, Muskelkraft irgendwie zu trainieren. Und einmal die Woche, und das ist eigentlich mein absolut liebster Sporttag, gehe ich Fußball spielen. Ah ja, Fußball spielen. Draußen mit, wir sind zwischen 15 und 20 Leuten. Und spielen 90 Minuten und es wird Gas gegeben und du bist am Ende komplett im Eimer. Aber du hast richtig, richtig was getan für den Körper, für deine Kondition. Aber es ist auch immer eine tolle Gruppe. Also das Gesamtpaket ist einfach so geil.

Joel Kaczmarek: Aber wie schaffst du es dir dabei nicht die Knie in den Arsch zu machen und so? Also ich habe gemerkt, wenn man das nicht regelmäßig trainiert und älter ist, baut es schon hart ab.

Imran Abbas: Ja, voll übertrieben. Ich habe jetzt zum Beispiel gemerkt, die ersten Male, wo ich jetzt nachdem meine Kleine auf die Welt gekommen ist, wieder zum Fußball gegangen bin. Ich bin seit ungefähr einem Monat wieder beim Fußball dabei. Weil das wollte ich unbedingt wieder machen. Alter Schwede. Am nächsten Morgen hat mir alles wehgetan. Weil man baut, genauso wie du es sagst, man baut halt so schnell ab.

Joel Kaczmarek: Übung macht den Meister.

Imran Abbas: Übung macht den Meister, ja. Auf jeden Fall. Die Knie sind zum Glück noch nicht im Arsch. Und ich hoffe, es bleibt auf jeden Fall auch so. Weil es bereitet mir einfach so eine große Freude. Das ist unglaublich. Und ich glaube auch, dass solche Dinge, also jedem würde ich empfehlen, mach bitte Sport. Es tut so, so, so gut. Körper und Geist. Und wenn du keinen Bock hast, ins Fitnessstudio zu gehen und ich verstehe es, weil ich persönlich finde Fitnessstudio auch ein bisschen lahm.

Joel Kaczmarek: Ja, todeslangweilig.

Imran Abbas: Ja, voll. Dann such dir einen Sport, der dir Spaß macht. Voll. Für einen ist es Fußball, für den anderen ist es Tanzen gehen, für den nächsten ist es irgendwie, keine Ahnung, Klettern.

Joel Kaczmarek: Ja, manchmal ist es auch absurd. Ich habe jetzt gerade einen befreundeten Unternehmer von mir, der macht jetzt gerade ein Tischtennis-Startup. Der gründet jetzt Tischtennishallen in Städten, die du sozusagen bieten kannst, weil er halt gesagt hat, Die Fläche, die du dafür brauchst, ist super klein. Es ist ein total beliebter Sport. Es gibt ganz besondere Zahlen. Wenn du dir Tischtennis anguckst, gibt es mehr Menschen, die in ihrem Leben schon mal Tischtennis gespielt haben, als Fußball auf der Welt. Und Eigentlich ist es irgendwie auch logisch, weil Fußball ist zwar der beliebteste Sport auf der Welt, aber ich kann ihn vielleicht auch nicht jeder praktizieren oder in jedem Alter oder nicht. jeder hat Spaß dran. Plus, es gab so Statistiken, wie gesund das ist, also wie viel Zeit du aufwenden musstest, um fit zu sein. Und da ist Tischtennis weit vor Fußball, lustigerweise auch weit vor Laufen. Da war ich ganz baff. Ich habe es jetzt nicht überprüft, also vielleicht teile ich hier Fake News, aber fand ich zumindest mal interessant. So, von daher, na gut. Ich werde mir hier den lokalen Fußballverein suchen. Und dir jetzt bei deinem letzten Punkt lauschen, der noch fehlt, wenn ich mich nicht verzählt habe.

Imran Abbas: Das ist richtig, wir sind beim fünften angelangt. Mit Sicherheit hast du diesen Punkt wahrscheinlich schon in vielen Folgen gehört, aber für mich ist der so essentiell, dass ich den nicht weglassen konnte. Und zwar, versuch nicht perfekt zu sein. Für mich war in der Vergangenheit Stand Perfektion immer für Ich habe Perfektion gleichgesetzt mit Qualität. Je perfekter ich versuche zu sein, desto besser wird das Ganze. Und diese Einstellung dazu habe ich jetzt über die Jahre massiv verändert und habe gemerkt, dass Perfektion oft Kreativität einfach nur im Weg steht. Es ist einfach eine riesige Blockade zwischen der fließenden Kreativität. Man verläuft sich dann super schnell in irgendwelchen kleinen, unwichtigen Details ab. Oder jetzt mal, um auf Musik zu kommen, oft erschafft man einen Song so ein bisschen aus dem Nichts und plötzlich hast du da was und es ist fast wie Magie. Und du hast das Gefühl, oh krass, diese Akkorde mit dieser Melodie drauf, wow, das ist wunderbar. Und dann fängst du an, mit dem perfektionistischen Gehör ranzugehen und an jeder Kleinigkeit zu schrauben und da nochmal was zu machen und da nochmal und da nochmal und dann kommst du an den Punkt, dass du das Ding gar nicht mehr hören kannst. Weil du da fast, du hast die Magie rausgearbeitet. Also Perfektion steht Kreativität massiv im Weg. Und gleichzeitig, das habe ich zum Beispiel auch erlebt, sorgt Perfektion oft dafür, wenn du zu sehr davon befallen bist. Ich sage befallen, als ob es eine Krankheit wäre, aber wenn du davon befallen bist, sorgt es zu oft dafür, dass du nicht aus dem Tritt kommst. Weil du denkst, du wirst deinen oder den Ansprüchen von irgendwem nicht gerecht, weil es nicht perfekt genug ist. Und das ist halt oft auch Quatsch.

Joel Kaczmarek: Ja, das ist gut. Das ist weise. Ich habe so zwei Zitate gerade im Kopf. Das eine, was ich mal gelesen habe, war Perfektionismus sind Unsicherheiten auf High Heels. Das fand ich irgendwie ein schönes Bild.

Imran Abbas: Super gutes Bild, ja.

Joel Kaczmarek: hinter Perfektionismus eigentlich Unsicherheit steht. Und dann war ich neulich zu so einem Stützel-Essen eingeladen und stand mit so einer geilen Frau eigentlich, die ist irgendwie Galeristin, die ist irgendwie Chefköchin, die, eigentlich sollte ich mal einladen, wenn ich drüber nachdenke hier, die legt selber, ich glaube, Pilze ein in Gläsern, die verkauft so eingeladen, voll abgefahren. Dann meinte ich so, ja und dann war ich da mit einer Generistin zusammen und dann sagte sie mir, der Künstler hat hier sein Werk hingestellt, aber das geht doch so nicht, da ist ja dies, das, jenes noch offen. und dann bin ich zum Künstler hingegangen und hab gesagt, du, das und das ist so. und dann meinte der so, Darling, Perfektionism is for assholes. Und dann ist sie zurückgegangen zu der Galeristin und hat gesagt, tut mir leid, der Künstler will das nicht. Ja, aber das geht doch nicht. Sie hat gesagt, Perfektionismus ist für Arschlöcher. Und damit war die Szene durch. Ich fand es ein geiles Bild. Perfektionismus ist für Arschlöcher. Kann man sich so mantraartig irgendwie hinsetzen.

Imran Abbas: Finde ich geil. Ich finde auch das, was du gesagt hast, oder das Bild, was du gerade so ein bisschen aufgezeichnet hast, dass das Unsicherheiten auf High Heels sind, finde ich mega zutreffend, weil wenn man unbedingt perfekt sein möchte, sagt das ja gleichzeitig aus, dass man Angst davor hat, dem Menschen unperfekt gegenüber zu treten. Und wenn du Angst davor hast, unperfekt, perfekt geht nicht, aber wenn du Angst hast, unperfekt jemandem entgegen zu treten, dann ist das ein Ausdruck von Unsicherheit. Weil jeder von uns, also wir sind alle nicht perfekt. Wir machen alle Dinge, die nicht perfekt sind. Außerdem perfekt liegt, oder allein schon gut. Perfekt, lass mal dahingestellt. Aber gut liegt ja schon im Auge des Betrachters. Perfekt brauchen wir gar nicht anfangen. Ist, finde ich, ein super gutes Bild, was du da quasi gesagt hast. Ich finde, Perfektion ist ein ganz starker Ausdruck von Unsicherheit.

Joel Kaczmarek: Naja, man traut sich vielleicht einfach nicht, sich so zu zeigen, wie man ist und versucht es immer noch weiter zu optimieren und zu schrauben. und ich denke gerade so darüber nach, was es eigentlich ist, weil bei mir ist es so, ich würde sagen, ich habe das abgelegt mit Perfektionismus, aber ich habe hohen Anspruch. und was mich dann schon manchmal wurmt ist, wenn ich so ein Level, wo ich denke, da geht noch ein Level drauf, da geht noch was drüber, da kommt noch was, wenn ich das sozusagen nicht genommen habe, weil dann habe ich so das Gefühl, ich habe nicht das Maximum da rausgeholt, aber Ich habe mir auch irgendwann angewöhnt zu sagen, es gibt so diese 80-20-Logik, weil manche Sachen merkst du gar nicht mehr.

Imran Abbas: Ja, ist richtig.

Joel Kaczmarek: Und ich glaube auch, du hast total recht mit dem, was du gesagt hast. Wenn du so die letzten Sachen so piekst und tweakst, dann wird es manchmal auch, wenn es zu geil ist und zu rund Ich hatte lustigerweise eine ganz interessante Situation hier, wir sind ja gerade umgezogen und dann habe ich mir endlich mal so einen richtig schönen Werkstattschrank gebaut. Ich habe mein ganzes Werkzeug mal in so einen Schrank getan, mit so Schubladen, alles schön sortiert und habe mit einem Etikettendrucker so Etiketten dran gedruckt und dann, ich glaube es war meine Schwiegermutter, dann zeigte ich das so, ich so, guck mal hier mein Schrank und

Imran Abbas: mach das auf

Joel Kaczmarek: und zieh die Schubladen, ich so, guck mal da ist dies, da ist das, da die Schrauben, da das Werkzeug, da das, da das, da das. Da guckt die mich so an und meint so, ja, da steckt auch ein bisschen Autist in dir, ne? Ich fand das so witzig, weil ich dann auch so dachte, ja krass, das ist so deep. Es ist sozusagen auf so ein Niveau gehoben, dass es auf die Leute schon wieder krankhaft oder gruselig oder unheimlich wirkt. Dann hast du ja eigentlich auch nichts gewonnen, ja? Also in dem Fall ist es okay, weil das habe ich für mich gemacht. Ich freue mich da jeden Tag drüber, weil ich meine Sachen finde, aber wenn du ein Produkt für draußen machst

Imran Abbas: Du hast ja gerade die 80-20-Regel angesprochen. All diese Dinge, die ganzen fünf Punkte, die ich jetzt hier genannt habe, man ist nie in der Lage, etwas zu 100% umzusetzen. Und auch, nennen wir es jetzt mal, hohen Anspruch zu haben, dieses Gefühl abzulegen, etwas so gut wie möglich machen zu wollen, das legt man natürlich auch nicht ab, aber man entwickelt ein Bewusstsein und ein Gefühl dafür, ob man gerade wirklich etwas tut, was der ganzen Sache im Positiven beiträgt, oder ob man Einfach nur aus Grund von Unsicherheit in den Perfektionismus gerade schlittert und irgendwas in einem dafür sorgt, dass man das Ding jetzt doch nicht richtig zu Ende bringt oder dass man es zerdenkt, was auch immer. Und dafür so ein Gefühl zu haben, okay, ist es gerade das oder das, das ist glaube ich das Wichtige.

Joel Kaczmarek: Ja, ich habe mich dabei ertappt, wie ich gerade mein Vorgehen beschrieben habe, dass ich dachte, das klingt aber doch perfektionistisch, wenn man sagt, ich will immer mein Bestes geben, da geht noch ein Level drauf und da geht noch ein Level drauf. Und ich glaube, du hast genau recht, das ist so diese Ratio zu haben. Genau. Choose your battles. Also ab wann ist es noch kriegsentscheidend und gefechtsentscheidend und wann ist es einfach nur noch so die siebte Kirsche auf der Sahnehaube sozusagen.

Imran Abbas: Und da ist es auch wieder Ganz einfach getan mit dem Machen. Je öfter man in die Praxis kommt, Sachen auch mal unperfekt loszulassen und zu merken, guck mal, das funktioniert doch. Den Leuten gefällt das so. Es kommt Bewegung dadurch ins Spiel. Desto einfacher wird es beim nächsten Mal, auch früher zu sagen, pass auf, das passt schon so. Ich muss jetzt nicht alles 10.000 Mal zerdenken.

Joel Kaczmarek: Ich glaube, es gibt ja auch so viele Songs, die in 15 Minuten geschrieben werden, wo man es nicht denken würde.

Imran Abbas: Ich glaube tatsächlich, du hast glaube ich, du hast ja vorhin Shape of You von Ed Sheeran angesprochen. Ich glaube, der wurde auch sehr schnell geschrieben.

Joel Kaczmarek: Ich glaube insgesamt, dass der Songs schnell schreibt, ehrlich gesagt.

Imran Abbas: Kann durchaus sein. Der macht auch einen super entspannten Eindruck. Also sowas, was man über die Medien mitbekommt, ist super entspannt, glaube ich.

Joel Kaczmarek: Ja, finde ich auch. Die Tage habe ich gerade so einen Short von ihm gesehen, wo er erzählt hat von, es war mir gar nicht so klar, dass der das geschrieben hat, für Justin Bieber, dieses Love Yourself. And I wanna write a song. Und dann hat er, wie er so erzählt hat, so, ja, wir saßen im Studio zusammen und er hat gesagt, ich habe gar keinen Bock, einen Song über irgendwas zu schreiben, jetzt über meine Gefühle und so. Und dann haben wir es halt aufgeschrieben, die erste Zeile, zack, und dann denkst du dir so, boom, ja. So, und das sind ja so die Magic Moments. Von daher.

Imran Abbas: Das klassische Songwriting 101. Exakt das, was du denkst. Genau so ist einfach aufschreiben. Und das ist der Song. Ist wirklich so.

Joel Kaczmarek: Machst du das eigentlich, wenn du mit Künstlern zusammenarbeitest? Ist es so, dass ihr so Stillarbeitsminuten habt? und dann sagst du so, hier Ray, halt mir jetzt kurz die Schnauze. Du machst mal 30 Minuten Ruhe und ich 30 Minuten und dann kommen wir wieder zusammen. Oder liest du eine Zeile vor und dann sagt der, nee, mach mal so, mach mal so. Wie läuft das ab mit Musikern?

Imran Abbas: Also es gibt ja grundsätzlich ganz viele Ansätze, wie man an Songwriting rangehen kann. Einen, den ich sehr, sehr mag, ist, da ist es so ein bisschen so, dass du den Song quasi aus dem Nichts kreierst. Man hat, sagen wir mal, eine schöne Akkordbegleitung, eine Gitarre oder von mir aus ein Klavier oder schon eine Produktion, die einigermaßen gut klingt. Dann hast du das Mikro in der Hand. Meistens ist es Hier das Schuh SM7B, nimmt man in der Hand, drückt auf Record und dann singt man irgendwas. Man hat gar keinen Gedanken vor und man hat keine Idee, man hat gar nichts vorher. Man fängt einfach an und macht irgendwas. Und dann schaut man, wo es einen hintreibt. Und das macht man mal ein paar Minuten lang und dann guckt man mal, was habe ich denn jetzt hier aufgenommen? Für Melodien, für Worte, die so zufällig aus meinem Mund gekommen sind. Und manchmal sind da Sachen dabei, wo man denkt, krass, das ist der Refrain, den ich da gerade singe. Ja, ist wirklich so. Und manchmal, wenn man im Raum ist, sagen wir mal mit einem Künstler, zum Beispiel ich noch da, dann hast du noch einen Songwriter, man ist zu dritt, dann machen das alle im Raum. Dann liegt das Mikro da, jeder kann es nehmen, wenn er gerade irgendeine Idee hat oder so, oder einfach mal los singen möchte, Mikro nehmen, irgendwas reinsingen. Und dann hört man die verschiedenen Takes durch und schaut, ob da irgendwas dabei ist. Das ist eigentlich mein liebster Ansatz.

Joel Kaczmarek: Auf welchen Song, den du geschrieben hast, bist du am stolzen?

Imran Abbas: Gut, man muss natürlich unterscheiden. Geschrieben versus produziert. Ich glaube, ich habe mehr Songs produziert. Also die Komposition und Produktion gemacht als geschrieben. Ich bin ziemlich stolz auf die Produktionen, die ich auf dem Ray Garvey Album gemacht habe. Ich bin stolz auf die Es gibt einen Song auf dem Album Neon, 2018 ist das Album rausgekommen, da habe ich das Album zum Großteil co-produziert. Da gibt es einen Song, der hieß »Kiss Me«. Der war auch im Radio, in den Airplay-Charts war der auch recht hoch. Und der Song ist von der Produktion richtig geil geworden. Auf den bin ich von der Produktion richtig stolz. Das ist ein wirklich geil produzierter Popsong, finde ich. Und vom Writing her, finde ich, ich habe für Michael Schulte einen Song geschrieben. Das war, ich weiß nicht in welchem Jahr, einer seiner Radiosingles. Der heißt »Stay«. Und da fand ich, war der Refrain unglaublich gut. Der ist so, so, so simpel. Aber es ist einfach ein unglaublich starker Refrain. Auf den war ich immer sehr, sehr stolz. Das sind, sage ich mal, zwei Songs von Künstlern, die man hier und da mal wieder gehört hat. Und dann gibt es auch Songs, zum Beispiel habe ich mal ein Projekt gehabt, das ist schon ein bisschen länger her. Aber dieses Projekt war so, da habe ich ausschließlich Produktion gemacht und da habe ich mir Künstler dazugeholt. Und habe die quasi singen lassen, die Ideen, die ich hatte. Das war noch bevor ich selber gedacht habe, okay, ich singe jetzt selber. Und da habe ich einen Song, das war 2019, das war so ein bisschen so 80s angelehnt. Und da haben wir so einen Song gemacht, den haben wir innerhalb von zwei Stunden gemacht. Wirklich aus dem Nichts gezaubert. Der heißt Jolie. Der Act hieß damals To The Moon und diesen Song fand ich, das ist ein deutschsprachiger Song, aber auch einer der wenigen Songs, die ich auf Deutsch geschrieben habe, weil auf Deutsch schreiben finde ich immer schwerer. Auf den Song bin ich auch unglaublich stolz, weil ich finde der Sound und das Writing und der Sänger, der drauf ist, Edin heißt der, ist auch ein wunderbarer Sänger. Das ganze Ding ist so, so gut gewesen. Habt die Leute noch sehr, sehr gut gefallen.

Joel Kaczmarek: Ja geil Imran, also haben wir hier am Ende noch ein bisschen Musik zum Auskundschaften und ich fasse nochmal zusammen. Imrans fünf Dinge, die er gerne schon mit 20 gewusst hätte. Erstens, lasse deine Angst vor Veränderungen los. Zweitens, finde im Inneren statt im Außen. Drittens, schließ nicht von dir auf andere. Viertens, Körper und Geist solltest du dauerhaft pflegen. Und fünftens, versuche nicht perfekt zu sein. Das ist eine coole Liste, würde ich sagen.

Imran Abbas: Ja, klingt wie ein gutes Playbook, finde ich. Sollte ich mir selbst hier auch ein paar Mal Sollte ich mir selbst hier auch irgendwo hinschreiben, damit ich es nicht vergesse?

Joel Kaczmarek: Ich habe mir ehrlich gesagt vorgenommen, meinen Interviewgästen mal, also ich habe den Chef von myposter.de, der hat so, da kannst du sozusagen selber Poster designen. Ich habe mir vorgenommen, ich werde mal gucken, ob ich nicht Poster designe für meine Gäste mit ihren fünf Dingen.

Imran Abbas: Geil, das ist eine gute Idee.

Joel Kaczmarek: Mal gucken. Naja gut, so, aber für den Moment, lieber Imran, ganz ganz herzlichen Dank, es war mir ein großes Vergnügen und viel Erfolg bei all deinen Projekten.

Imran Abbas: Dankeschön.