
Andrea Ballschuh (Moderatorin): 5 Dinge, die ich gerne mit 20 gewusst hätte
15. September 2024, mit Joël Kaczmarek
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Joel Kaczmarek: Hallo Leute, mein Name ist Joel Kaczmarek. Ich bin der Geschäftsführer von Digital Compact und High Five! Ich habe wieder eine großartige Person am Start, die mir heute ihre fünf Dinge verrät, die sie gerne schon mit 20 gewusst hätte. Und zwar ist es heute die liebe Andrea Balschuh. Wer den Fernseher einmacht, kommt eigentlich an der gar nicht vorbei, weil die liebe Andrea ist schon seit fast 30 Jahren im TV, ist nämlich als Fernseh- und Radiomoderatorin aktiv. Die meisten von euch kennen sie bestimmt durch volle Kanne, doch immer mehr Leute kennen sie vor allem auch durch ihre Videocoachings. Da ist sie nämlich Unternehmerin und hilft Leuten dabei, vor der Kamera natürlich zu wirken. Und was heißt das für mich? Ich weiß zum einen, dass sie ganz viele Menschen trifft und dadurch ganz viel Input kriegt und dass sie vor allem auch ganz viele interessante Menschen trifft. Und daher dachte ich mir, Andrea ist die perfekte Kandidatin, um mit ihr mal diese fünf Dinge abzutauchen. Also, von daher freue ich mich heute riesig auf die Folge. und lieber Andrea, schön, dass du da bist.
Andrea Ballschuh: Ich freue mich total, dass du mich eingeladen hast und ehrlich, das ist eine riesen Herausforderung, diese Fragen zu beantworten. Also auf vier Dinge bin ich gekommen und auf dem fünften knabber ich immer noch rum.
Joel Kaczmarek: Okay, das machen wir on the fly dann sozusagen. Wir reden. Wie bist du denn vorgegangen, als du dir deine fünf überlegt hast?
Andrea Ballschuh: Ja, ich habe überlegt, wie sah mein Leben mit 20 aus, wie sieht es heute mit 51 aus, mit fast 52, also fast 32 Jahre später. Und was sind so die Fallstricke gewesen? unterwegs, also wann hatte ich meine größten Herausforderungen, wo hatte ich das Gefühl, boah, da bin ich fast dran gescheitert. Und so habe ich ein bisschen rückwärts gedacht und bin dann auf die vier gescheitert. auf die vier Dinge gekommen. Wie gesagt, das fünfte ist mir noch nicht eingefallen, weil ich ehrlich gesagt schon vieles von dem, selbst wenn es teilweise blöd war, trotzdem nicht bereue, weil es mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin. Und ich glaube, wenn ich es vorher gewusst hätte, hätte ich es nicht gemacht und das wäre auch wiederum doof gewesen, weil dann wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ergab das jetzt Sinn, was ich gesagt habe?
Joel Kaczmarek: Ja, ich habe gerade gedacht, die schlauen Menschen so wie du durchblicken natürlich gleich, dass dieses Format natürlich gar nicht darauf abzieht, dass man irgendwie wehmütig wird oder sagt, ich möchte mein jüngeres Ich verändern, sondern es geht ja wirklich darum, sich mal so abzuleiten, was ist so Top Insight, die ich halt in deinem Fall dann 31 Jahren gemacht habe. Aber es ist charmant, dass du das so reverse-engineert hast. Ich glaube, da kommen spannende Sachen raus. Und hast du es eher so im Privatleben verortet oder in der Lebensführung oder im Berufsleben?
Andrea Ballschuh: Sowohl als auch. Ich hatte zuerst zwei berufliche Geschichten, die mir sofort in den Sinn gekommen sind und dann auch eine private. Zwei private.
Joel Kaczmarek: Ich weiß noch, was du zu mir gesagt hast. Ja, ich habe so jung geheiratet. Ach, das war ein Fehler und heute weiß ich es besser.
Andrea Ballschuh: Richtig, das war eine Sache davon.
Joel Kaczmarek: Okay, dann bin ich aber gespannt. Dann tauchen wir doch mal ein. Was ist denn der erste Punkt, der dir kam?
Andrea Ballschuh: Also hätte ich mit 20 schon gewusst, welche Auswirkungen es hat, wenn man Ja sagt, obwohl man Nein meint. Dann wären mir einige Erfahrungen erspart geblieben und auch sehr viel Geld. Ich habe in der Tat mit 20 schon geheiratet, was viel zu jung war und ich wollte gar nicht heiraten. Ich habe nur geheiratet, weil ich nicht Nein sagen konnte. Dazu musst du wissen, ich bin als Kind der DDR, als Scheidungskind, meine Eltern haben sich getrennt, als ich drei Jahre alt war, immer ziemlich angepasst gewesen in jeder Hinsicht. Eigentlich war ich ein total langweiliges Kind und meine Schwester, die neun Jahre älter ist, hat auch immer gesagt, das war echt langweilig mit dir, selbst in der Pubertät hast du nicht rebelliert. Und insofern, als ich dann mit 20 den Mann in Ägypten kennengelernt habe, den ich dann später geheiratet habe, war es so, dass er mich, er hat mir einen Heiratsantrag gemacht, war ein sehr, sehr schöner Mann, muss man dazu sagen. Und ich habe mit 18 eine echt blöde Erfahrung gemacht mit meinem allerersten Freund. Eine richtige Kackscheiß-Erfahrung. Und das hat mich sehr an mir zweifeln lassen, an mir als Frau. Und als ich dann diesen wunderschönen Mann in Ägypten getroffen habe, in Dahab, und er auf mich zukam und sagte, richtig klischeehaft, du hast die schönsten Augen, die ich je gesehen habe. Das hat nicht geschehen. Da wusste ich genau, welchen Knopf er drücken musste. Ja, und ich war total verliebt und dann bin ich immer nach Ägypten gereist, dann kam er zu mir nach Deutschland und dann ein halbes Jahr später machte er mir einen Heiratsantrag. Ich gebe zu, es hat mich etwas damit überrumpelt, aber er meinte, naja, sonst müsste er zur Armee in Ägypten. Und das wollte ich ja nicht, war ja verknallt, wollte ja mit dem Kerl zusammen sein. Da dachte ich, naja, gut, okay, wenn es nicht anders geht als den zu heiraten, dann machst du das halt. Für meine Mutter war das ein tierischer Schock. Ihr 20-jähriges Kind heiratet einen Ägypter, den sie kaum kennt. Zusammengenommen ja nur drei Monate, die Zeit, die wir miteinander verbracht haben. Ja, und dann habe ich den geheiratet. Und ich war es noch in der Nacht vor der Hochzeit in Kairo. Schrie alles in mir Nein. Aber so laut. Ich habe mich dann nur nicht mehr getraut, Nein zu sagen, eine Nacht vor der Hochzeit. Und dann habe ich ihn geheiratet, obwohl ich eigentlich gar nicht wollte.
Joel Kaczmarek: Aber gut. Aber eine ägyptische Hochzeit ist wahrscheinlich auch mit 400 Gästen oder sowas in der Art. dann, oder?
Andrea Ballschuh: Nee, nicht mal das. Das war alles total bescheiden und klein. Also es war ja keine islamische Hochzeit, es war eine standesamtliche Hochzeit. Ich habe nichts verstanden von dem, was der Standesbeamte da in Kairo gesagt hat. Ich dachte, wird schon irgendwie gut gehen. Er kam dann auch kurz danach, kam er dann nach Deutschland. Die Ehe ist jetzt aber nicht so verlaufen, wie man sich das als junges Mädchen wünscht. Und nach drei Jahren habe ich dann die Reißleine gezogen und bin dann gegangen. Und damals habe ich wirklich gedacht, ey Balco, du bist echt so bescheuert. Weil ich hatte Angst vor den Konsequenzen. Was heißt vor den Konsequenzen, aber Ich war in Kairo alleine. Und was wäre denn gewesen, wenn ich gesagt hätte, du, ich heirate dich doch nicht. Eigentlich wahrscheinlich wäre nichts passiert. Wahrscheinlich wäre er fürchterlich enttäuscht gewesen. Aber ich konnte es sehr, sehr lange Zeit nicht ertragen, wenn Menschen meinetwegen gelitten haben. Das ist ein Teil meines Problems gewesen über viele, viele Jahre. Eigentlich erst bis so vor Vor sieben Jahren. Weswegen ich ständig und immer wieder Dinge getan habe, die ich eigentlich nicht tun wollte, nur um andere Menschen nicht zu enttäuschen. Also ich wollte nicht abgelehnt werden, ich wollte niemanden enttäuschen, ich wollte nicht, dass irgendjemand meinetwegen sich schlecht fühlt. Und deshalb habe ich mein ganzes Leben lang mich permanent und immer wieder angepasst. In jeder Hinsicht angepasst. Und darüber habe ich mich dann irgendwann verloren. Und dann hat es einen großen Knall gegeben, 2016. So lange hat das gedauert, bis ich dann so einen totalen Zusammenbruch hatte. Was halt auch damit zusammenhängt, ich habe zu jung geheiratet, weil ich nicht Nein sagen konnte und weil ich mein ganzes Leben lang nicht Nein sagen konnte, hat dann meine Seele laut aufgeschrien und hat gesagt, ich zeige dir mal, was das jetzt bedeutet, wenn du nicht Nein sagst, obwohl du das unbedingt tun solltest, obwohl du ständig Ja sagst und damit Nein zu dir selber. Ich sage jetzt mal Nein zu dir. Und dann habe ich vor einer Live-Sendung bin ich dann zusammengebrochen.
Joel Kaczmarek: Was hast du dann gemacht? Wie hast du die Ausfahrt gefunden?
Andrea Ballschuh: Das war vor der ZDF-Sendung Hallo Deutschland. Und mir ist eine Stunde vorher, Moderationen waren schon geschrieben, ist mir sowas von schwindelig geworden. Und ich bin dann zu dem ZDF-Arzt gegangen und gesagt, hier geben Sie mir mal ein paar Kreislauftropfen. Ich muss moderieren. Und der sagte, weil der hat meinen Puls gemessen, es war soweit alles klar, der konnte körperlich nichts feststellen. Und er so, nee, nee, nee, nee, ich gebe Ihnen hier gar nichts, hier ist der Rollstuhl, wir fahren jetzt mal in mein Behandlungszimmer. Und der hat offensichtlich gesehen, dass mit mir irgendwas nicht stimmte, was er nicht richtig zuordnen konnte, aber ich hätte auf gar keinen Fall vor die Kamera gedurft. Und dann war es wirklich so, dass von Minute zu Minute ging es mir schlechter und es fühlte sich an, als hätte jemand einen Hahn aufgedreht und als würde alles Leben aus mir rausfließen. Und mein damaliger Mann hat mich noch abgeholt nach Hause gebracht, das war ein Weg von zehn Minuten, der kam mir vor wie zehn Stunden. Ich bin dann oben kaum die Treppe hochgekommen zum Schlafzimmer und ich habe zum ersten Mal gedacht, so fühlt sich Sterben an. Und ich glaube, dass wirklich damals, ja, ein Teil von mir gestorben ist, aber ich glaube, dieser alte Teil, dieser angepasste Teil, ich glaube, der ist da gestorben und das hat fünf Tage gedauert, dieser Zustand.
Joel Kaczmarek: Fünf Tage.
Andrea Ballschuh: Und dann wurde die neue Andrea geboren, die, die dann angefangen hat zu lernen, Ja zu sich selber zu sagen und Nein zu anderen Menschen.
Joel Kaczmarek: Krass. War das wie so ein Schalter umgelegt, dass du dann von einem Tag auf den nächsten gesagt hast, das lasse ich hinter mir oder hast du einfach noch eine Lernkurve weiterhin gebraucht?
Andrea Ballschuh: Ich habe eine ganz große Lernkurve gebraucht. Als dann meine Hausärztin auch noch sagte, Andrea mit dir stimmt körperlich wirklich alles, da ist nichts, du bist körperlich in Ordnung und sie mir dann so zwei, drei, vier, fünf Fragen gestellt hat und mir da bewusst wurde, ich habe mich auch in meiner Ehe die ganze Zeit angepasst und ich habe die ganze Zeit Ja, mich einfach angepasst von ganz banalen Sachen, wie ich liebe kurze Haare. Ich habe mir die Haare wachsen lassen, weil mein damaliger Mann auf lange Haare stand. Ich meine, er hat mich nicht gezwungen dazu, sondern ich wusste, er steht auf lange Haare, also habe ich mir die Haare wachsen lassen und ich habe alles Ohne, dass er mich dazu aufgefordert hat. Aber ich habe alles getan, dass der mich bloß nicht verlässt. Ich wollte bloß nicht verlassen werden. Und darüber habe ich mich aber quasi selbst verlassen. Und bewusst geworden ist es mir in einem Schweigekloster. Ich habe für die damalige ZDF-Sendung Sonntags einen Ausflug ins Schweigekloster gemacht für nur 48 Stunden. Es sollte für die Sendung Sonntags ein Experiment sein. Und ich habe total einen Schiss davor gehabt, da reinzugehen, weil ohne Handy, ohne Buch, Ohne irgendeine Ablenkung. Nicht mal ein Buch zum Lesen sollte ich da hin. Und das war das Beste, was mir jemals passieren konnte. Die 48 Stunden waren viel zu kurz, aber in diesen 48 Stunden bin ich mir selber begegnet. Ich stand dann mit ungeschminktem Gesicht, was ich bis dato auch nicht gut angucken konnte, weil ich ja als Fernsehmoderatorin permanent geschminkt werde. Und ich sehe ja immer nur an mein geschminktes Gesicht. Und ich stand dann vor meinem ungeschminkten Gesicht und habe nur die ganzen Makel gesehen. Und dann, je länger ich mich angeguckt habe, desto mehr kam ich durch. Und dann rollten mir irgendwann die Tränen übers Gesicht. Und mir ist in diesen 48 Stunden, ich habe dann Tagebuch geschrieben, ist mir das ganze Ausmaß bewusst geworden. Und ich konnte das zurückführen auf diesen Tag, an dem ich diesen Zusammenbruch hatte. Und als ich das Gefühl hatte, das Leben fließt aus mir raus. Ich habe dann eben mein Leben auch rückwärts betrachtet und da ist mir so viel klar geworden in dieser Zeit mit mir ganz alleine. Also meine innere Stimme wurde dann so laut und ich habe Tagebuch geschrieben und habe wie ein Kind geschrieben. Und da standen dann die Wahrheiten drin, als ich mir hinterher durchgelesen habe, ist mir bewusst geworden, was ich verändern muss. Und kurz darauf habe ich mich dann von meinem Mann getrennt.
Joel Kaczmarek: Krass.
Andrea Ballschuh: Was ich auch vier Jahre hinaus gezögert habe, weil er ist ein echt guter Mann und wir haben halt ein Kind zusammen und ich bin selber Scheidungskind, ich wollte mich nie scheiden lassen, weil ich meinem Kind nicht das gleiche antun wollte und habe aber gemerkt, dass ich uns allen oder wir uns allen nicht gut tun, wenn das alles so bleibt, wie es ist. Weil es war keine glückliche Ehe mehr. Für beide nicht. Für meinen Ex-Mann nicht und für mich nicht. Und das Kind hat die Spannung und die ganze Zeit gespürt. Und dann hatte ich den Mut, mich zu trennen. Und worauf ich heute total stolz bin, ist, dass wir eine echt respektvolle Trennung hinbekommen haben. Es gab keinen Rosenkrieg. Wir verstehen uns prima. Wir sind Das klingt immer so, die Promis, die reden alle so daher. Wir sind wirklich aber noch als Freunde füreinander da. Nicht sofort, hat ungefähr ein Jahr gedauert, aber darauf bin ich heute stolz. Und insofern war die Trennung das Beste, was uns allen passieren konnte.
Joel Kaczmarek: Und sag mal, du hast ja was sehr interessantes gesagt, du hast gesagt, du hast dich nicht getraut, Nein zu sagen, aus Angst vor den Konsequenzen. Wenn du es jetzt mal in der Rückschau all diese Leuchtturm-Momente betrachtest, waren denn die Konsequenzen des Nein-Sagens wirklich so schlimm, wie du gedacht hast, im Vergleich zu den Konsequenzen, die du getragen hast, weil du nicht Nein gesagt hast?
Andrea Ballschuh: Hätte ich mit 20 schon gewusst, wie gut es tut allen, wenn man Nein sagt, wenn man Nein meint, dann hätte ich das von Anfang an so gemacht. Weil die Auswirkungen, nicht Nein zu sagen, waren viel, viel schlimmer als es auszusprechen. Und die Konsequenzen waren nur in meinem Kopf so grausam. Also es hat mir fast körperliche Schmerzen bereitet, wenn meinetwegen jemand sagt, sich nicht gut gefühlt hat. Das Ding ist nur, ich habe ja dadurch gelogen. Ich habe der Person ja was vorgemacht. Weil dadurch, dass ich Ja gesagt habe, obwohl ich Nein meinte, war das ja kein ehrliches Ja. Es war also eine Lüge. Ich habe also lange Zeit mit Lügen gelebt und war ja somit auch keine ehrliche Partnerin. Und das ist der Person gegenüber auch nicht in Ordnung und auch nicht respektvoll. Also insofern ist es, finde ich, hat es dramatische Auswirkungen, wenn man ja sagt, obwohl man nein meint.
Joel Kaczmarek: Ich bestaune auch, hast du das alles in dir selbst gefunden? Weil meistens bedarf es ja irgendwie einer dritten Person oder einer dritten Instanz, um da ranzukommen.
Andrea Ballschuh: Wie gesagt, diese 48 Stunden im Schweigekloster waren schon extremst augenöffnend. Aber ich habe natürlich dann auch mit Menschen darüber gesprochen. Ich habe in den letzten fünf Jahren auch das ein oder andere Persönlichkeitscoaching in Anspruch genommen. Und da ist mir nochmal vieles sehr bewusst geworden. Also da hilft schon der Blick von außen, dass dir das jemand spiegelt, weil du kannst aus dem Inneren einer Flasche das Etikett nicht erkennen. Und die blinden Flecken kann man selber nicht sehen. Es braucht jemanden, der von außen drauf schaut und einem das spiegelt und den Spiegel vorhält.
Joel Kaczmarek: Das geilste Bild, was ich je dazu gehört habe, du kannst von innen einer Flasche das Etikett nicht lesen. Wie gut ist das denn?
Andrea Ballschuh: Der ist nicht von mir. Das hat Sebastian Eisenbürger gesagt. Sebastian Eisenbürger ist mein Marketing-Spezialist, wobei er das nicht gerne hört, weil er sagt, das beste Marketing ist kein Marketing. Und der hat diesen Spruch geprägt und den fand ich so großartig und so treffend. Und jetzt kann ich ihn endlich mal platzieren.
Joel Kaczmarek: Aber es ist doch bestimmt auch total anstrengend und schwierig für dich dann auch noch in deiner Rolle, weil TV wirst du ja andauernd die Situation haben, dass dir was angetragen wird, worauf du keine Lust hast, wo aber immer die Angst mitschwingt, wenn ich das nicht mache, könnte ich irgendwie auf dem nächsten Stuhl nach draußen sitzen oder….
Andrea Ballschuh: Ist so, ist so. Ich lerne bis heute Nein sagen. Also denk mal nicht, nur weil ich das verstanden habe, dass ich das jetzt ständig mache. In vielerlei Hinsicht schon, aber in zu vielen Dingen immer noch nicht. Ich empfinde es immer noch als unhöflich, wenn mir jemand etwas anbietet und ich denke, ich brauche es eigentlich nicht. Ich kann dann trotzdem nicht Nein sagen. Also in kleinen Dingen passiert mir das immer noch und es ist ein ständiger Prozess. Und im Fernsehen war es natürlich ganz krass, weil beim Fernsehen bekommst du so viel Bewertung und für jemanden, der es nicht ertragen kann, wenn man ihn durchfindet, weil ich habe so eine Sehnsucht danach gehabt, geliebt zu werden, dass für mich jeder negative Zuschauerkommentar wie eine Ohrfeige war. Und das macht dich aber zur langweiligsten Moderatorin überhaupt, weil wenn du dich nicht traust, Ecken und Kanten zu zeigen, wenn du so beliebig wirst, dann ja, wenn du einfach so nett bist, kann das auch nach hinten losgehen. Ich habe Glück gehabt, also gerade bei Volle Kanne, da war dieses Nettsein, kam gut an. Ich glaube, meine Chefin hat sich öfter mal gewünscht, dass ich ein bisschen schärfer bin den Gästen gegenüber. Aber das war ich nicht. Ich war immer die nette Moderatorin, weil ich dachte, nee, die kommen zu uns zu Gast in die Sendung und die sollen sich da wohlfühlen. Und da stelle ich keine doofen Fragen. Und ich muss jetzt hier nicht investigativ journalistisch unterwegs sein, dafür gibt es genügend andere Sendungen. Das ist die Wohlfühl-Sendung. Ich bin die Wohlfühl-Moderatorin und habe diese Rolle, die habe ich dann auch sehr ausgekostet. Und ich bin immer für viele die Nette. Ach, die Andrea. Ach, die ist so nett. Das stimmt. Die ist immer so nett. Ja, das stimmt. Ja, aber damit bin ich bei Volle Kanne ganz gut durchgekommen. Was heißt durchgekommen? Also ich liebe diese Sendung. Wirklich sehr, sehr, sehr, sehr, sehr. Und da passt dieses Nettsein auch wirklich gut hin. Aber ich wäre keine gute Moderatorin für eine politische Diskussionssendung. Überhaupt nicht. Dafür bin ich nicht geeignet, weil ich nicht gut damit umgehen kann, wenn mich jemand doof findet.
Joel Kaczmarek: Hast du das ablegen können zu heute, also dieses Geliebtwerdenwollen?
Andrea Ballschuh: Ja.
Joel Kaczmarek: Wie hast du das gemacht?
Andrea Ballschuh: Ja, ich hätte sonst bei Social Media nicht überlebt. Ich bin 2019 ins Online-Business eingestiegen. Das heißt, ich habe mir neben meiner Fernsehmoderation ein Online-Business aufgebaut. Inzwischen ist es auch ein Offline-Business als Video-Coach. Also um anderen Menschen zu zeigen oder sie dabei zu unterstützen, natürlich vor der Kamera zu sprechen. Und das ist gerade für Selbstständige, sich selber zu vermarkten für ihre Homepage, fürs Video oder für Social Media. Und ich habe am Anfang 2019, war ich genauso unterwegs wie vorher auch, halt so dieses Liebe, Nette, Angepasste. Und habe sehr schnell kapiert, oh, damit kommst du hier aber gar nicht weit, da gehst du in der Masse unter. Und ich habe im Grunde genommen durch das Online-Business gelernt, da bin ich aber langsam reingewachsen. Stellung zu beziehen. Und das hing damit zusammen, dass ich angefangen habe zu erkennen, wofür ich das tue, was ich tue. Als Fernsehmoderatorin hatte ich keinen wirklichen Sinn in meiner Arbeit. Also ich hatte keine Vision als Fernsehmoderatorin. Meine Aufgabe war es, Menschen die Langeweile zu nehmen. Aber ich habe jetzt damit nicht nachhaltig die Welt verändert. Und irgendwann kam auch die Sinnfrage, dass ich mich gefragt habe, wofür mache ich das denn eigentlich hier? Weißt du, Ärzte retten Leben, Feuerwehrmänner retten Leben und so viele tun etwas für die Gesellschaft und hinterlassen Spuren. Und wenn sie am Ende ihres Lebens dann vom lieben Gott stehen und zurückgucken, dann können sie sagen, das und das und das, das bleibt übrig von mir. Und das und das habe ich bewegt. Und dann dachte ich, was? und wenn ich zurückgucke, was kann ich dann sagen? Oh, ich habe den Menschen die Langeweile genommen. Wow. Und so habe ich dann, dachte ich, das kann nicht alles gewesen sein. Und deswegen habe ich 2019 mir eben was Neues aufgebaut. Und da kommen wir zum zweiten Learning, was ich gerne schon mit 20 gewusst hätte. Wie herausfordernd es ist, Unternehmerin zu sein, wenn man in der Schule nicht gelernt hat, Finanzplanung zu machen. Und dadurch habe ich dann einfach festgestellt, ich muss mich hier positionieren und ich komme hier nur mit Persönlichkeit weiter. Das heißt also, wenn ich hier Ecken und Kanten zeige, werde ich zwangsläufig Menschen verprellen und kann die anziehen, mit denen es Spaß macht zu arbeiten. Und da gehört schon einiges an Mut zu, sich mit seiner wahren Persönlichkeit dann zu zeigen. Deswegen Mut, weil wenn wir mit Und unsere wahren Persönlichkeit, wenn da ein Angriff kommt, der tut natürlich umso mehr weh. Und deswegen bin ich auch zu LinkedIn gegangen, weil LinkedIn ist für mich die Plattform, wo ich am wenigsten blöde Bemerkungen bekomme. Also Facebook mache ich fast eigentlich im Grunde genommen gar nicht mehr, weil da geht die Post ab, was blöde Kommentare angeht. Instagram, Maya, geht so. Aber bei LinkedIn bin ich seit fünf Jahren und ich habe noch nie einen blöden Kommentar eingefangen. Und ich positioniere mich da inzwischen sehr klar mit einem Thema, was durchaus kontrovers diskutiert wird und wofür ich durchaus Bewertungen kassieren könnte. Und dafür würde ich sie sogar inzwischen nehmen. Aber selbst das ist mir da noch nie passiert. Also für Leute, die nicht gut mit negativer Bewertung umgehen können, die da so ein bisschen Schiss haben, ist LinkedIn genau die richtige Plattform.
Joel Kaczmarek: Gut, tauchen wir doch nochmal, eine Nachfrage noch zu deinem ersten Learning und dann haben wir einen Haken hinter. Wie hast du denn zwischen ein Gefühl gewonnen, woher weißt du, dass ein Nein die Antwort ist? Also manche Leute merken das ja auch gar nicht, also manche wissen ja gar nicht, hier ist Nein, sondern machen dann so, weil sie unklar sind. Wie ist das bei dir?
Andrea Ballschuh: Also ich merke das schon körperlich. Es ist wie so ein, wie kann ich denn dieses Gefühl beschreiben? Es ist wie so ein Bauchkrummeln. Ich würde das als klassisches Bauchgefühl bezeichnen. Eigentlich weiß ich, wann ein Nein ein Nein ist. Was nicht immer heißt, dass ich dann auch Nein sage, aber inzwischen zu 80 Prozent wenigstens. Und ja, ich habe einfach gelernt, auf diese innere Stimme mehr zu hören. Also unsere Intuition sagt uns das eigentlich schon. Wir müssen halt nur drauf hören. Man darf dann nicht den Kopf sich einschalten lassen.
Joel Kaczmarek: Gut. Zu dem zweiten Punkt. Du hast gesagt, es ist herausfordernd, Unternehmerin zu sein, wenn man Finanzplanung nicht gelernt hat. Liegt das wirklich an dem Finanzthema für dich, weswegen du Unternehmertum anstrengend fandest?
Andrea Ballschuh: Nicht nur, sondern wahrscheinlich, ich glaube, wenn ich mit 20 schon gewusst hätte, wie herausfordernd es ist, Unternehmerin zu sein, auch gerade in diesem Online-Bereich, wäre ich es möglicherweise gar nicht angegangen, weil ich gedacht hätte, das schaffe ich überhaupt nicht. Insofern bin ich fast froh, dass ich es vorher nicht wusste, sondern dass ich einfach mit viel Enthusiasmus da reingegangen bin und beim Machen gelernt habe, was es bedeutet, Unternehmerin zu sein. Weil vorher, weißt du, als Fernsehmoderatorin komme ich in den Sender, moderiere meine Sendung, bereite sie vor, moderiere die Sendung und dann habe ich Feierabend. Dann kann ich machen, was ich will, kann Sport machen, kann ich Netflix gucken und all das tun, was mir gefällt. Und als Selbstständige habe ich nie Feierabend. Seit fünf Jahren habe ich eigentlich nie Feierabend. Ich höre nicht auf zu denken. Ich arbeite viel zu lange abends und ich arbeite auch an den Wochenenden. Kommt aber dazu nicht, weil ich es muss, sondern weil ich so eine große Begeisterung inzwischen für das, was ich tue, entwickelt habe, dass ich fast nicht anders kann. Und das, glaube ich, so kippt. Ich habe so leichte Workaholic-Neigungen daraus entwickelt. Und weil ich aber auch so ein bisschen, ich weiß nicht, ich habe so Anflüge von ADHS und bin so ein bisschen, ich fange viele Dinge auf einmal an. Ich habe zehn Bälle in der Luft und versuche alle zehn Bälle zu fangen. Und das macht es oftmals anstrengend, weil du musst ja als Unternehmerin, beziehungsweise fängst du als Selbstständige an, wirst du ja dann Unternehmerin, so viel selber machen. Das heißt, das Marketing, die Kundenakquise, Verkaufen. Dann ganzen Newsletter schreiben, Social Media Postings machen, Kundensupport. Inzwischen habe ich Unterstützung, inzwischen habe ich ein Team. Nichtsdestotrotz muss ich an so viel ja denken. Ich muss ja so viel wissen, damit ich das auch alles delegieren kann. Und das habe ich ja nirgendwo gelernt. Das musste ich ja beim Machen dann erfahren. Habe auch den einen oder anderen Fehler gemacht. Und finde das aber gleichzeitig, ehrlich gesagt, möchte ich auch nicht mehr tauschen. Also ich will es auch heute nicht mehr hergeben. Auch wenn ich keinen Feierabend machen kann und viel zu wenig Freizeit habe im Gegensatz zu früher, möchte ich es trotzdem nicht mehr hergeben. Weil mein Leben jetzt so viel spannender und reicher geworden ist im Inneren. Nicht im Äußeren. Ich hatte als Fernsehmoderatorin viel mehr Geld, weil ich das Geld, was ich verdiene, packe ich sofort wieder ins Business. Und als Fernsehmoderatorin musste ich das nicht. Ich musste mir nur mal Klamotten kaufen, aber sonst nichts. Und wenn ich heute was verdiene, dann fließt das sofort wieder in mein Business ein. Also ich habe privat weniger Geld als vorher. Ich habe inzwischen mir ein Studio aufgebaut in Mainz und klar geht alles hier in Technik und das Studio kostet Miete und ich habe ganz viele Ausbildungen gemacht und habe halt alles da reingesteckt. Das heißt, für mein Privatvergnügen ist jetzt nicht so viel übrig, weil das alles da im Business steckt. Und ich bin aber erfüllter.
Joel Kaczmarek: Es gibt einen Namen für Menschen, die so gepolt sind wie du. Hast du ihn schon mal gehört?
Andrea Ballschuh: Nee. Scanner-Persönlichkeiten? Ich habe Scanner-Persönlichkeiten gehört, aber ich hätte das nicht mit mir in Verbindung gebracht. Ich würde nicht sagen, dass ich eine Scannerin bin.
Joel Kaczmarek: Also Scanner-Persönlichkeiten sind Menschen, die genau wie du es gerade beschrieben hast, halt so Input getrieben sind. Die neugierig sind auf viele Dinge, die immer was entdecken wollen. Die lesen halt zehn Bücher gleichzeitig. Hat natürlich auch eine Kehrseite und ich kann es so gut erzählen, weil ich es von mir selber kenne, dass man vielleicht nicht immer alles zu Ende bringt. Oder manchmal so ein bisschen opportunistisch ist und dann sich so unter dem Druck fühlt, jetzt hast du wieder drei Sachen erzählt an vier Stellen und ich reize aber schon wieder das nächste. Das sind so typische Scanner-Persönlichkeiten.
Andrea Ballschuh: Echt? Okay, das hätte ich niemals mit mir in Verbindung gebracht, siehste? Ich wünschte, ich würde zehn Bücher gleichzeitig lesen. Ich will zehn Bücher gleichzeitig lesen. Ich finde nur nicht die Zeit dafür, weil ich so viel mache. Aber in der Tat, das ist bei mir auch sowas. Ich fange mit ganz, ganz großer Begeisterung was an und bringe es oftmals nicht zu Ende. Gerade in Sachen Sport und Ernährung.
Joel Kaczmarek: Sobald du verstanden hast, wie es funktioniert. Das ist so beim Scanner. Sobald ein Scanner verstanden hat, wie das funktioniert, hat er keine Lust mehr, weil dann ist es ja langweilig.
Andrea Ballschuh: Ach, ist ja spannend. Okay, vielleicht sollte ich mich mit der Thematik mal beschäftigen.
Joel Kaczmarek: Ich habe einen Podcast dazu aufgenommen, schicke ich dir mal. Da ging es sogar um hochsensible Scanner, weil manche, wenn man das kombiniert, manche Menschen sind ja noch hochsensibel. Das heißt, das Gehirn filtert nicht so viel aus und dadurch nimmst du mehr Dinge wahr und schneller. Also das hast du so typischerweise, hochsensible sind so Menschen, die halt in anderen Menschen immer die Schwingung merken. Die merken sofort, wenn es jemandem nicht gut geht, ohne dass er es gesagt hat. Und die sind halt aber auch so ganz empfindsam, die kriegen ganz viel mit. Manchmal hast du dadurch auf der Kehrseite so ein Prinzessin-auf-der-Erbse-Syndrom, dass du zum Beispiel sagst, auf dem Studio kann ich im Restaurant nicht sitzen, hier zieht es ja so. Da laufen dauernd die Kellner an von mir vorbei.
Andrea Ballschuh: Achso, nee, so bin ich nicht. Nee, dann bin ich nicht hochsensibel.
Joel Kaczmarek: Na guck, dann bist du vielleicht Scanner.
Andrea Ballschuh: Hochsensibel bin ich nicht. Vielleicht ja einfach nur Scanner.
Joel Kaczmarek: Reicht auch.
Andrea Ballschuh: Könnte ich mal reinschauen.
Joel Kaczmarek: Gut, gut, gut. Aber ich war genau im Begriff, dich das zu fragen, weil das ist ja für viele Menschen, die jetzt vielleicht auch zuhören, so ein Ding. Also du hast gerade geschildert, du hast eigentlich sozusagen weniger Geld für dich und auch weniger Zeit für dich, also ich würde gar nicht sagen weniger Geld, du investierst ja, das ist ja sozusagen was anderes als weniger Geld haben, aber du arbeitest viel intensiver und hast nie Feierabend und trotzdem magst du es gerne, wie passt das zusammen?
Andrea Ballschuh: Weil ich etwas bei Menschen bewirken kann. Weil ich plötzlich einen Sinn in meiner Arbeit sehe. Und das macht so viel aus, wenn du deine Aufgabe erkannt hast. Also ich bin überzeugt davon, dass jeder von uns eine Aufgabe im Leben hat. Der eine eine größere, der andere eine kleinere Aufgabe. Aber jeder hat eine Aufgabe. Und für diese Aufgabe haben wir Talente bekommen. Wir haben Fähigkeiten bekommen. Wir haben Gaben bekommen. Und dafür haben wir auch eine Verantwortung, die einzusetzen. Und ich glaube, dass ich durch diese ganze TV-Geschichte gehen musste, um jetzt das machen zu dürfen, was ich jetzt mache. Weil ich mit meiner Fähigkeit und auch 20 Jahre volle Kanne zu moderieren, ist eine gute Schule, Menschen zuzuhören, die richtigen Fragen zu stellen, dass sie innerhalb kürzester Zeit, wir haben ja nicht so viel Zeit mit den Prominenten, eben doch was Brauchbares aus ihnen rausholen kann. Das kann ich jetzt hier einsetzen und trage ja damit dazu bei, dass Selbstständige, die von ihrem Business auch leben wollen, die auch einen großen Traum haben, dass sie damit dann leichter Kunden erreichen können. Das heißt, ich trage dazu bei, dass Menschen von ihrem, wenn sie das umsetzen mit den Videos, Dass Menschen von ihrem Business leben können, dass Menschen bei anderen Menschen was bewegen können und die wiederum bewegen ja auch etwas im Leben von anderen Menschen. Das heißt, ich darf dazu beitragen, dass Menschen auch ein Stück weit ihre Träume verwirklichen. Also das ist so ein Geschenk, Bestandteil davon sein zu dürfen. oder wenn Leute hierher ins Studio kommen und ihre Botschaft einfach nicht klar kriegen, auf den Punkt kriegen und ich immer wieder nachfrage, weil Videos bringen erst dann was, wenn die Zuschauer oder beziehungsweise die Kunden auch verstehen, was worum es da wirklich geht und teilweise heulen die hier rum, weil sie es selber nicht formuliert kriegen und ich nähe mich halt von vielen Seiten an. und wenn dann die Botschaft plötzlich da ist und du siehst so richtig, wie so Licht da aufgehen im Inneren und die Augen anfangen zu strahlen und die dann mit einer Freude und Leidenschaft dann anfangen zu reden, Und die dann plötzlich Videos machen, die nicht gestellst klingen, sondern wo du plötzlich dieses Brennen fühlst, dieses Brennen für ihre Mission. Da könnte ich heulen vor Glück. Das ist der schönste Lohn, den ich kriegen kann. Und deswegen liebe ich diese Arbeit so sehr, weil ich einen Sinn sehe in dem, was ich tue. Und als Fernsehmoderatorin hatte sich mir Das war schön, es hat auch Spaß gemacht, aber mir hat sich der Sinn nicht so sehr erschlossen. Ich mache es immer noch gerne, aber das, was ich jetzt hier mache, das ist pure Erfüllung. Purpose würde man neudeutsch sagen, ne? Purpose. Ich glaube, das ist wirklich das Geheimnis. Ich glaube auch, dass Selbstständige ohne Purpose nicht lange selbstständig bleiben können.
Joel Kaczmarek: Deswegen dichten wir deinen zweiten Punkt mal um. Es ging, glaube ich, gar nicht so sehr darum, dass es herausfordernd ist aus finanzieller Sicht mit Finanzplanung, sondern vielleicht ist es ja eher so, dass dieser Purpose, den du hast, also dieser Schritt zu wagen von einer Angestelltenrolle und es ist ja wirklich krass, wie du es gesagt hast, du kommst ins Studio rein, alles ist gemacht, für jeden gibt es ja wen. Make-up, Licht, Kamera, Ton, Essen, sogar einen Arzt und so und zack, auf einmal bist du selber im Driver-Seat, aber wenn der Purpose dafür da ist, dass einem das dann sozusagen so viel gibt, dass es eigentlich den Preis wert ist.
Andrea Ballschuh: Ja, dann ist das der dritte Punkt, beziehungsweise der fünfte Punkt, den ich vorhin nicht benennen konnte. Aber das mit der Finanzplanung ist trotzdem ein wichtiger Punkt, weil mir nicht bewusst war, also ich glaube viele Selbstständige haben damit zu tun, ich habe meine Zeit mit dem Finanzamt gehabt. Und wenn du einmal in diesem Ding bist, du musst nachzahlen und nachträglich vorauszahlen. Das ist das, was ich damals nicht wusste. Und ich habe einfach nicht so viel zurückgelegt gehabt, dass ich das mit einem Rutsch machen konnte. Und deswegen kam ich in eine Phase, die sehr, sehr, sehr herausfordernd war in finanzieller Hinsicht, weil ich das mit dem, also man weiß schon, dass man Einkommenssteuer zahlen muss und Umsatzsteuer, das war mir jetzt schon bewusst, aber das mit dem Wirtschaften als Selbstständige, das habe ich vollumfänglich nicht kapiert, auch mit der Buchhaltung, ich habe das immer alles abgegeben, ich habe das immer alles andere machen lassen, ich habe meine Verantwortung abgegeben. Und bin leider auch beschissen worden. Und deswegen meine ich, dass mit den Finanzen hätte ich gerne selber vorher gewusst, dann hätte ich da Verantwortung für übernommen. Und ich wollte diese Verantwortung nicht haben, habe gedacht, die anderen kümmern sich schon. Und das war ein riesengroßer Fehler. Das hat mich sehr, sehr viel Geld im Nachhinein gekostet. Und inzwischen habe ich gelernt, wie das geht mit der Buchführung und habe jetzt ein Gefühl für meine Zahlen. Und dieses Gefühl für meine Zahlen hätte ich gerne schon vorher gehabt.
Joel Kaczmarek: Also war gar nicht so sehr die Finanzen das Problem, sondern die Verantwortungsübernahme?
Andrea Ballschuh: Ja, vielleicht. Ja, doch. Ja, kann man so sagen. Ich habe zu viel Verantwortung abgegeben für meine Finanzen, weil ich dachte, ich kann das nicht mit den Zahlen, mit den Finanzen. Andere können das besser. Das ist natürlich Schwachsinn, kannst ja alles lernen. Aber hätte ich gewusst, ich finde, das sollte als Schulfach eingeführt werden. Wirklich. Wirtschaften müsste als Schulfach eingeführt werden. Weil das Ding war, als ich noch beim Fernsehen moderiert habe, ich habe sehr viel Geld verdient und hatte immer Geld da. Und ich habe, deswegen, es war halt immer was da. Und deswegen habe ich, ich habe kein Haushaltsbuch geführt, weil halt immer was da war. Man kann das naiv, blauäugig, bescheuert nennen, was auch immer. Und ich habe mir keine Gedanken gemacht, was ist, wenn es irgendwann nicht mehr da ist. Und diesen Moment musste ich erleben vor zwei Jahren. Weil Fernsehsender. und jetzt kommen wir zum dritten Punkt. Es sei denn, du möchtest den zweiten erstmal abschließen. Nein.
Joel Kaczmarek: Wie kann ich deine Überleitung hier kaputt machen?
Andrea Ballschuh: Das Fernsehbusiness ist echt hart. Hätte ich das mit 20 gewusst, hätte ich vielleicht doch studiert oder eine Ausbildung gemacht. Ich habe nämlich nur mein Abitur in der Tasche und ich habe weder studiert noch eine Ausbildung gemacht, weil ich… Nach dem Abitur als Au-pair-Mädchen ein Jahr lang weg war und dann bin ich mit 20 schon beim Radio gelandet, knapp 21. Und dann war ich gleich festangestellt beim Radio und dachte, na jetzt habe ich so einen tollen Job hier beim Radio bei RS2 in Berlin, jetzt kann ich ja später noch studieren. Und später kam nie, weil immer ein Job nach dem anderen kam. Dann war ich bei der Deutschen Welle beim Fernsehen, dann war ich bei Sat.1 beim Fernsehen, dann bei ProSieben, dann beim ZDF. Und so kam ich einfach nicht zum Studieren. Und habe dann beim MDR das erste Mal eine böse Erfahrung gemacht vor zwölf Jahren. Da hat der Programmchef, nee, der Unterhaltungschef gewechselt. Der Alte ging oder wurde gegangen und ein Neuer kam. Und ich habe unter dem alten Unterhaltungschef sehr viele Sendungen moderiert, auch große Abendsendungen, Live-Sendungen und habe wirklich viel moderiert, gut verdient und mein Ex-Mann war viel fürs Kind da. Also wir hatten quasi vertauschte Rollen. Und auf einmal, ohne dass ich irgendwas falsch gemacht habe, wurde ich aus allem, fast allem rausgenommen. Ich habe am Ende nur noch eine Sendung übrig behalten, ein Quickie, eine Quiz-Sendung. Und ich hatte vorher volle Kanne schon mal abgegeben, weil wir haben ein Kind bekommen und ich wollte jetzt nicht nur noch arbeiten. Und habe aber den MDR weitergemacht, weil meine Mutter als Rentnerin halt dann aufs Kind aufpassen konnte, was ich mitnehmen konnte. Insofern konnte ich das gut miteinander vereinbaren und habe volle Kanne damals aufgegeben. Und auf einmal habe ich viele Sendungen verloren und damit natürlich auch viel Geld, obwohl ich nichts falsch gemacht habe. Ich habe weder Quoten in den Sand gesetzt, noch war ich ein Arschloch. Also ich habe alles richtig gemacht, was man richtig machen konnte. Und trotzdem habe ich die Sendungen verloren. Und da habe ich zum ersten Mal den Gedanken gehabt, du musst eines Tages etwas machen, das dich unabhängig sein lässt. Ich bin hier in einer totalen Abhängigkeit. Ich bin immer darauf angewiesen, dass jemand dich engagiert für eine Sendung. Ich kann das nicht selber entscheiden. Ich kann ja nicht zu einem Unterhaltungschef hingehen, dem Pistole auf die Brust setzen und sagen, hier, Gib mir eine Sendung, lass mich moderieren. Geht halt nicht. Und ich glaube, bei Schauspielern ist das ja ähnlich. Die sind auch immer darauf angewiesen, dass sie zu einem Casting eingeladen werden lassen. Regisseur, die Nase gefällt, die Figur gefällt. Und ich fühlte mich dann so ausgeliefert, dass ich damals vor zwölf Jahren den Wunsch gehegt habe oder fing an, in mir zu kramen. Eines Tages mache ich was, was ich selber kontrollieren kann. Und ich bin dann wieder zurückgekommen zu Volle Kanne. Gott sei Dank. weil meine Nachfolgerin schwanger geworden ist. Und habe dann dabei erlebt, ich habe relativ viel moderiert. Ich habe sonntags moderiert und die Drehscheibe und Hallo Deutschland und volle Kerne und Hallo Hessen. Also es war relativ viel. Und habe dann aber wiederum erlebt, jetzt in den letzten zwei Jahren, dass das ZDF auch viele Sendungen plötzlich eingestellt hat, mit denen ich nicht gerechnet habe. Die Sonntagssendung wurde eingestellt, die Drehscheibe wurde eingestellt, Quickie wurde dann irgendwann eingestellt, weil die Sender halt immer mehr sparen. Und hätte ich mir nicht 2019 mein zweites Standbein als Video-Coach aufgebaut, dann würde ich heute richtig alt aussehen. Und viele träumen davon, so viele junge Mädchen, ich möchte unbedingt zum Fernsehen, ich möchte berühmt werden. Ich sage, bitte nicht, tu dir das nicht an. Erstens ist es ein echt oberflächliches Business da und du bist halt denen ausgeliefert und du bist immer darauf angewiesen, dass jemand dich will und du kannst es selber nicht kontrollieren. Also sieh zu, dass du irgendwas, weiß ich noch nicht, noch in der Hinterhand hast, wo du notfalls irgendwie darauf zurückgreifen kannst. Das ist mir bewusst geworden, gerade auch als Frau. Weißt du, ich werde jetzt 52 und ich werde viel gefragt. Mensch, willst du nicht noch was Großes im Fernsehen machen? Ich so, ja, brauche ich jetzt nicht. Also ich bin echt ausgefüllt mit dem, was ich tue. Wenn jetzt jemand kommt und mir was zu Hause anbietet, gucke ich mir mal an, ob ich Bock drauf habe. Aber ganz ehrlich, ich bin auch realistisch. Ich werde 52. Ich glaube nicht, dass jetzt noch ein Fernsehsender um die Ecke kommt und sagt, Frau Balschow, wir haben hier die große Show für Sie. Ich sage, die werden sich schon Jüngere nehmen. Also insofern ist das Fernsehbusiness auch ein hartes Business, muss ich wirklich sagen. Und hätte ich das vorher gewusst, hätte ich vielleicht früher schon vorgesorgt.
Joel Kaczmarek: Ich überlege gerade, was aus deinen Erzählungen jetzt sozusagen da drunter liegt, was es so hart macht. Also ich lerne zum einen die Abhängigkeit, dann die Oberflächlichkeit und ja irgendwie auch so ein bisschen, das gibt es ja in so vielen Berufen, dass man irgendwann so in die Bedeutungslosigkeit kommt. Das hat neulich mal jemand zu mir gesagt, wie bei Geschäftsmitteln, Geschäftsmittler werden auch irgendwann bedeutungslos, dann musst du sie halt wandeln. Und das ist in deinem Beruf gerade als Frau ja wahrscheinlich nochmal ganz brutal.
Andrea Ballschuh: Ja und was noch hinzukommt, wenn du so in der Öffentlichkeit stehst, du wirst halt permanent bewertet, aber für etwas, was du im Außen darstellst. Das ist ein weiterer Punkt gewesen. Ich habe sehr, sehr, sehr viel Anerkennung bekommen und ich habe viele Fans und all das, wonach sich glaube ich viele Menschen sehnen. Und ich bin da beim Inneren so leer geblieben, weil ich auch dachte, ihr wisst doch alle gar nicht, wie ich wirklich bin. Ihr himmelt da eine Hülle an und ihr wisst gar nicht, was wirklich in mir vorgeht. Es ist ja eine Rolle. Als Moderatorin bin ich in einer Rolle. Ich muss ja auch immer neutral bleiben. Ich kann ja da als Moderatorin auch gar nicht so viel von mir persönlich reingeben. Deswegen ist es halt auch schön jetzt als Video-Coach auf meinen eigenen Profilen. Ich mache quasi jetzt meine eigenen Sendungen hier. Ich habe selber Formate etabliert und da bringe ich halt meine volle Persönlichkeit mit rein, was halt online nicht geht. Das heißt, du bist dich immer ein Stück weit am Anpassen und Verstellen, was ja meiner Persönlichkeitsstruktur sehr zugute kam damals. Das fiel mir also total leicht. Aber ich habe, und das fiel alles mit meinem Besuch im Schweigekloster zusammen, da dann plötzlich erkannt, dieses Angepasstsein und dieses nur eine Hülle sein, Und ich habe mich im Inneren so leer gefühlt. Das wurde mir im Schweigekloster so bewusst. Ich war so leer im Inneren. Und was nützt dir denn all die ganze Anerkennung von den Zuschauern und Autogramme schreiben und weiß ich nicht was noch alles und auf dem roten Teppich. und dann bist du auf den ganzen Fernsehpreisverleihungen und so und es ist nur ein Sehen und Gesehenwerden und du unterhältst dich mit jemandem und du siehst, der guckt eigentlich schon an dir vorbei, weil er guckt, welche wichtige Personen Flirt da hinten lang, mit der man irgendwie jetzt kurz sprechen, wo man sich anbiedern kann. Und du denkst so, oh, kotzt mich das alles an, diese Oberflächlichkeit hier. Ich habe den Zirkus ja lange mitgemacht. Aber ich habe mehr und mehr gemerkt, wie es mich wirklich anfing anzukotzen. Und ich dachte, das ist so eine verschwendete Zeit hier zu sein. Aber ich musste da auch erst mal, wie gesagt, ich war voll mittendrin. Und ich fand es anfangs toll. Und Frau Baltschuh hier, Frau Baltschuh, Frau Baltschuh, Frau Baltschuh. Und heute denke ich, nee, brauche ich nicht mehr. Habe ich alles gehabt, brauche ich nicht mehr. Ist gar nicht das, was so anstrebens- oder eher strebenswert ist. Und dann das Ding auch mit dem Körper. Jetzt, wo ich weniger im Fernsehen bin, habe ich neulich mal gedacht, wofür hast du eigentlich immer versucht abzunehmen? esse für mein Leben gern. Und ich bin nicht diszipliniert, was Sport und Diät halten angeht. Ich kann, wenn ich ein Ziel habe, ganz konsequent auf den Punkt, auf dieses Gewicht hinarbeiten, wenn ich mich echt zusammenreiße. Und kaum habe ich das Gewicht dann erreicht, geht es wieder nach oben. Ich habe es immer nie über 70 Kilo gehen lassen bei 1,63, weil das fürs Fernsehen dann zu viel gewesen wäre. Und ich habe mich irgendwann mal gefragt, warum schaffe ich das nicht mit dem Sport, mit dem Essen? Weil ich hier keinen Purpose habe, kein Wofür. Wofür habe ich das immer getan? Um im Fernsehen gut auszusehen. Das heißt, es war nie etwas, was ich für mich gemacht habe, sondern für andere im Außen gut aussehen müssen. Du musst halt im Fernsehen noch als Frau noch viel mehr immer gut aussehen. Und das ist auch ein gewisser Druck, unter dem man steht. Und deswegen, jetzt wo ich nicht mehr so viel Fernsehen mache, wer weiß, vielleicht entwickle ich dann ein anderes Verhältnis zum Sport und zum Essen. Mal gucken. Aber das ist ein weiterer Punkt, den ich bei dieser Berufswahl bedenkenswert finde. Man gibt irgendwie schon so viel von sich ab.
Joel Kaczmarek: Jemand hat mal in dem Format hier zu mir gesagt, folge nicht den Zielen anderer, weil er meinte, wenn du fremden Zielen folgst, dann fühlt sich alles an wie Arbeit. und das erinnert mich gerade so daran und das fand ich so gut einen Punkt. Und ich meine, ich kann mir das total vorstellen, ich sage auch immer, selbst in meinem kleinen Universum, was ich so in der Podcast-Digitalwelt mache auf LinkedIn, für mich ist es immer so, mir ist klar, das ist eine Persona, die ich da schaffe. Da steckt schon irgendwie ein großer Teil von mir drin, aber es gibt schon Elemente, die halte ich da vielleicht zurück oder kehre andere nach draußen. Und es heißt ja nicht, dass ich unnatürlich bin, aber ich finde auch immer, man sollte das nicht verwechseln. Und was ich bei Prominenten auch ganz oft erlebe, ist so eine gewisse Paranoia. Also wenn ich mit denen immer, ich bin immer nett zu Menschen, weil ich auch irgendwie neugierig und aufrichtig interessiert bin und ich habe das bei Prominenten am meisten gemerkt, wenn du zu denen super nett bist, dann wirkt die immer, die ziehen sich immer so ein Stück zurück und die gucken dich immer so ein bisschen an, als wenn du gleich das Messer aus der Tasche ziehst. und ich glaube, es liegt daran, dass sie sich fragen, ist der nett zu mir, weil er mich wirklich mag oder ist er nett daran, weil er was von mir will, weil ich bekannt bin und so weiter. Hattest du das auch?
Andrea Ballschuh: Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den du ansprichst. Ich habe das auch festgestellt bei Volle Kanne, bei den Gästen, bei wirklich prominenten Gästen, aber bei Schauspielern, das ist ganz besonders krass. Die sind oftmals so, so, so aufgeregt vor der Sendung. Es ist ja eine Live-Sendung, Volle Kanne im ZDF. Weil sie da keine Rolle spielen können. Da sitzen sie als sie selbst. Und viele sind so nervös, weil sie plötzlich sie selbst sind. Sie können sich nicht mehr hinter einer Rolle verstecken. Und sie haben in der Tat Angst vor den Fragen, die kommen, weil sie auch Angst haben, sich als sie selbst zu blamieren. Ganz viele wollen nichts Privates, Persönliches rauslassen. Und in der Tat, wenn man dann so nett ist, haben sie Angst. Du bist jetzt nur so nett, weil du was von mir willst. Und das ist im normalen Umgang draußen. Ich kann diese Bedenken auch nachvollziehen. Ich finde es selber auch befremdlich, wenn ich merke, wie jemand sich verändert. Wenn der herausfindet, wer ich bin und wenn ich vorher halt eine von vielen bin und normal behandelt werde, was ich sehr angenehm finde und plötzlich kriegt die Person mit, ah, ich bin aus dem Fernsehen und plötzlich kriegt die sowas Unterwürfiges. Dann fühle ich mich so unwohl, das ist dann so, dann will ich mich eigentlich daraus zurückziehen aus dieser Situation. Und ich habe aber auch viele erlebt und du sicherlich auch, in deinem Podcast hast du ja viele Prominente schon interviewt. So viele bilden sich halt auch was auf ihre Bekanntheit ein. Und wir machen aber nichts anderes als alle anderen nur mit dem Unterschied, dass uns mehr Leute beim Arbeiten zugucken. Aber das macht uns nicht zu besonderen Menschen. Und mich kotzt es inzwischen so an, wenn ich Promis erlebe und es gibt sehr viele davon. Und ich nenne aber gleich mal ein paar Beispiele, bei denen es nämlich nicht so ist. die so überheblich sind, weil sie eben bekannt sind und das sich selber zuschreiben. Und das widert mich wirklich an. Also vor diesen Menschen habe ich überhaupt gar keinen Respekt. Null Respekt. Dieses Ego-Gedöns, leere Hülle, da piekst du einmal rein, da geht ganze Luft raus. Ich habe aber bei Volle Kanne auch so viele tolle Prominente kennengelernt. Und je prominenter sie waren, desto bescheidener. Ich möchte als Beispiel Senta Berger und Harpe Kerkeling nennen. Bei beiden habe ich gedacht, oh, das wird bestimmt ganz schwierig mit denen, die sind so berühmt und alle lieben die, die halten sich bestimmt für was Besonderes. Und es war genau das Gegenteil der Fall. Senta Berger Ach, eine so tolle Frau, so wundervoll und so herzlich und muttihaft und geerdet auf dem Boden geblieben, genauso wie Harpe Kerkeling, einer meiner liebsten Gäste, die ich da hatte, ganz bescheiden, ganz demütig, voller Dankbarkeit. Gar nicht so lustig schenkelklopfermäßig drauf, sondern tiefgründig und wertschätzend. Also von dem war ich total begeistert und deswegen kann ich inzwischen mit den Promis auch ganz gut umgehen. In meiner Anfangszeit bei Volle Kanne war ich dann immer auch sehr, sehr ehrfürchtig und das bin ich heute nicht mehr. Man merkt dann auch, je weniger ehrfürchtig man ist, desto angenehmer werden die dann auch, also desto normaler werden die, weil sie es, glaube ich, fast toll finden, wenn mal jemand normal mit ihnen umgeht und nicht so dieses, oh, Frau Herr, sondern da auch mal, weißt du, so ihnen auf Augenhöhe begegnet.
Joel Kaczmarek: Ist ein bisschen so eine Randnotiz, aber bist du eigentlich in der Lage, mit diesen Menschen Beziehungen aufzubauen?
Andrea Ballschuh: Naja, bei Volle Kanne hast du jetzt nicht lange Zeit, mit denen wirklich eine Beziehung aufzubauen. Die kommen halt, sind in der Sendung und gehen dann wieder weg. Ich habe mit einigen wenigen Menschen, die in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit etwas Besonderes darstellen, eine tiefere Beziehung. Und ich gebe aber zu, dass es länger braucht. um die zu kriegen, weil die sehr vorsichtig sind, weil sie nämlich die Erfahrung gemacht haben, naja, viele finden mich halt gut, weil ich bekannt bin. Und wollen die jetzt wirklich was von mir, weil ich ich bin oder weil ich bekannt bin? Und deshalb brauchen viele von denen länger, bis sie vertrauen. Und das ist manchmal leichter, wenn man selber bekannt ist, weil dann sind sie nicht so skeptisch, weil dann denken sie, naja, du kennst das ja.
Joel Kaczmarek: Ja, so hab ich das auch erlebt, dass die dann immer so ein, also manchmal machen die mich ja auch irre, ehrlich gesagt.
Andrea Ballschuh: Die Promis?
Joel Kaczmarek: Ja, manchmal machen die mich wirklich irre. Als Unternehmer, das sind halt Künstler. Ich stell mich ja dann schon drauf ein, so dieses komm ich heute nicht, komm ich morgen, ich bin vielleicht eine halbe Stunde zu spät, ich lass mich ein bisschen, trilalalala, ist ja alles okay. Aber ich war so irritiert, was auch du gerade beschrieben hast als deinen vierten Punkt. Ich weiß noch, ich hatte eine Person, da meinte ich so, okay, was ist jetzt dein Plan, was machst du jetzt? Ja, ich mache jetzt auf Instagram noch dies und das neben meiner Schauspielerei und so und ich sag so, okay und was ist so der Big Plan, worauf zahlst du ein? Wie, worauf zahlt es ein? Naja, irgendwie was, keine Ahnung, auf eine App, auf ein Coaching von dir, auf was weiß ich, so wo du sozusagen in den Driver Seat kommst, wo du selbstverantwortlich bist, wo du unabhängig bist. Ne, ich mache jetzt irgendwie, ich schreibe jetzt ein Buch für einen Verlag, der gibt mir vor, was ich da schreiben soll und dies und das und jenes. Ja, aber du bist ja immer Diener fremder Herren. Also, dieses Thema Unabhängigkeit, was du gerade hattest, und das war bei 90 Prozent von denen so, die waren einfach blank. Wenn du die gefragt hast, so, okay, wie schaffst du es denn eigentlich, dass du selbst in die Kontrolle kommst, in die Unabhängigkeit, dass du dir aussuchen kannst, was du machst, jenseits von, du bist super gefragt, weil, wie gesagt, die Bedeutungslosigkeit, die kommt bei jedem von uns irgendwann mal, da waren die immer leer, fand ich.
Andrea Ballschuh: Eigentlich sind sie dafür zu bemitleiden oder zu bedauern. Deshalb meine ich auch, kein Selbstständiger wird lange überleben, wenn er kein Wofür hat. Also kein Purpose, keine Vision. Nicht, dass er weiß, er möchte etwas damit bewegen, also Menschen erreichen. Mit dem, was wir tun, auch mit dem Podcast, den du hier initiierst. trägst du dazu bei, dass Menschen inspiriert werden, selber ins Nachdenken kommen. Du bewegst damit etwas bei Menschen, du inspirierst sie. Und es kann kleine oder auch große Auswirkungen haben. Also du machst es nicht zum Selbstzweck, weil du dich so geil findest, sondern weil du etwas mit den Gedanken, die du aus den Menschen herausholst, weil du damit etwas bewegen möchtest, weil du inspirieren möchtest. Und das ist das, was wir uns alle immer vor Augen halten müssen. Die Klofrau genauso wie der Präsident und die Selbstständige genauso wie der Promi. Für wen mache ich das denn hier? Was bewirke ich denn bei den Menschen, die ich damit erreiche? Also wirklich jeder muss sich mal seiner eigenen Aufgabe bewusst werden. Und wenn diese Aufgabe, also wenn wir in unserer bestimmungsgemäßen Rolle unterwegs sind und die besteht aus unseren Werten, aus unseren Talenten und aus dem Spaßfaktor. Also machen wir etwas, was uns wirklich Spaß macht. Machen wir etwas, wofür wir ein Talent haben, wäre sinnvoll. Und entspricht das auch unseren Werten? Wenn diese drei Faktoren zusammenkommen, dann sind wir in unserer bestimmungsgemäßen Rolle und können so viel bewegen. Wackelt nur eins davon, dann ist das wie so ein unrundes Rad und es fängt an zu stolpern. Und irgendwann fallen wir damit eben auch hin. Und im Leben, in unser aller Leben, ich meine, das ist ja wie so eine Sinuskurve, irgendwann sind wir da auch mal hier unten. Und wenn Geld unser einziger Antrieb ist oder die Anerkennung von außen, dann verrecken wir hier unten. Wir brauchen dann ein Wofür, wir brauchen sowas wie eine Vision, einen Purpose, wofür wir das Ganze tun, um unseren Arsch da unten wieder hochzukriegen, aufzustehen und weiterzumachen. Und mir hilft der Glaube dabei sehr stark.
Joel Kaczmarek: Spannend. Ja, weil im Silicon Valley gibt es diesen Begriff Missionaries versus Mercenaries. Missionary ist jemand, der auf einer Mission ist, ein Missionar. Jetzt ziehen wir vielleicht mal das Religiöse ab und dieses andere Leute bekehren wollen, aber jemand, der sozusagen eine Mission hat. Und Mercenary ist das englische Wort für einen Söldner. Und ich bin immer mittelschwer verdutzt, wie viele Menschen ihren Leben auch gerade beruflich wie einen Söldner führen. Dass man sagt, alles klar, ich tausche jetzt meine Lebenszeit und meine Lebensenergie hier gegen Geld ein für eine gewisse Zeit, damit ich dann in der Rente mit 65 ab, dann kann ich das machen, was ich möchte und wer ich bin und mich erfüllen und so weiter. Das würde mich umbringen.
Andrea Ballschuh: Ich glaube, dass diese Menschen auch wirklich schnell unglücklich werden. Die als Söldner leben. Es sei denn, ich meine, es mag Söldner geben, die dahinter einen großen Sinn sehen. Deshalb finde ich es auch für Unternehmen so wichtig, dass sie die Vision, die sie für das Unternehmen haben, dass die Mitarbeiter das verstehen. Also ich sage jetzt nicht, dass man nur als Selbstständiger glücklich werden kann. Also man kann auch als festangestellte Person ein sehr erfülltes und glückliches Leben führen, wenn man weiß wofür man das im Unternehmen tut, was man da tut, also worauf das Ganze einzahlt, was man mit diesem Unternehmen oder was dieses Unternehmen auch bei Menschen oder für die Gesellschaft oder in der Welt erreichen kann. Und deswegen halte ich es für unfassbar wichtig, dass die CEOs Ihre Vision, die sie fürs Unternehmen haben und auch die mittelständischen Betriebe, dass sie ihre Mitarbeiter damit ins Boot holen. Die haben viel engagiertere Mitarbeiter dabei, die auch mal eine extra Schicht schieben, wenn die wissen, wofür sie das Ganze tun. Und wenn die sich gesehen und wahrgenommen fühlen, das finde ich auch noch ganz wichtig.
Joel Kaczmarek: Jetzt hast du ja eben noch kurz den Teppich ausgerollt. Also eigentlich eine Anschlussfrage, die sich ja quasi aufzwingt, weil du eben so nonchalant in so einem Lebenssatz aber mit Tiefe gesagt hast, bei dir ist es der Glauben. Vielleicht ist das sogar dein vierter Punkt, ich weiß nicht, was es ist, aber
Andrea Ballschuh: Ja, das ist er. Also inzwischen der fünfte. Wenn man das mit dem Nein sagt, Finanzbildung, dann kam der Purpose dazu, dann haben wir das, wie gruselig das teilweise in der Medienbranche sein kann. Und der fünfte Punkt ist, hätte ich mit 20 schon gewusst, wie erfüllend das Leben sein kann, Und wenn Jesus dabei ist, dann hätte ich mich, glaube ich, schon viel eher mit Jesus beschäftigt. Und ich komme aber aus der ehemaligen DDR und da wurde ja Gott sehr ferngehalten von uns. Ich habe erst mit 50 zu Gott gefunden, habe Jesus kennengelernt, wirklich im wahrsten Sinne des Wortes, der sich mir im Traum gezeigt hat. Also mit einer ganz, ganz, ganz, ganz krassen Liebe, mit einem ganz krassen Gefühl von Liebe im Traum. Es war alles so um mich herum weiß. Und ich habe nur dieses Gefühl und Licht und Liebe in dem Traum erlebt. Das war unfassbar. Also so ein tiefes Gefühl habe ich noch nie gehabt. Und meine Familie hat, glaube ich, gedacht, ich glaube, die haben Angst, dass ich in der Sekte gelandet bin. Ich bin gar nicht in der Kirche, weder in der katholischen noch in der evangelischen. Ich habe einfach eine lebendige Beziehung zu Gott. Es ist einfach nur ein Ding zwischen mir und Gott. Und um mich herum gibt es viele, die sehr, sehr erstaunt sind, weil ich habe in mir so eine gewisse Sehnsucht, seit ich 25 bin und ich habe überall danach gesucht, auch diese Sehnsucht zu stillen, also dieses Vakuum, diese Leere, von der ich vorhin auch gesprochen habe, das irgendwie zu füllen. Vielleicht bin ich deshalb ins Fernsehen gegangen, ich weiß es nicht, weil ich dachte, da bekomme ich all die Liebe, nach der ich mich sehne. Wie gesagt, ich habe mich eigentlich immer nur danach gesehnt, geliebt zu werden. Ich habe im esoterischen Bereich alles mögliche ausprobiert und dieses Vakuum hat sich nicht gefüllt. Und dann habe ich vor zwei Jahren zu Gott gefunden, wobei die Serie The Chosen einen großen Anteil daran hat, weil ich da zum ersten Mal Jesus lebendig gesehen habe und erlebt habe. wenn man so will, eine Unterhaltungsserie, die das Leben von Jesus zeigt, aus Sicht derjenigen, die damals vor 2000 Jahren mit ihm unterwegs gewesen sind. Und dann habe ich dadurch ganz viele Fragen gehabt, weil ich auch vieles von dem, was da war, da wollte ich mehr von wissen. Was heißt das mit der Frau am Brunnen, was er da erzählt, wenn er mit Nikodemus auf dem Dach sitzt und von Wiedergeburt spricht. Und fing dann an, diesen Fragen nachzugehen, Bücher zu lesen, mit Menschen zu sprechen. Und bin dann selber in einer Situation gewesen, wo ich mit dem Rücken an der Wand gestanden habe und einfach nicht mehr weiter wusste. Und ich habe damals oftmals Entscheidungen aus Angst getroffen. Und dann jemanden kennengelernt, der gesagt hat, gib deine Sorgen einfach ab an Gott. Und ich so, ja wie denn? Ich wollte 50 Jahre nichts von dem wissen. Und er so, gib es ihm einfach ab. Und ich sage, wie mache ich das? Ja, red mit ihm, so wie du mit mir redest, so wie dir der Schnabel gewachsen ist. Du kannst auch sauer sein, kannst ihn anschreien oder was auch immer, aber sei einfach, hau einfach raus. Und ich habe das alles, ich habe gedacht, komm, der spinnt doch hier. Muss aber dazu sagen, dass ich wirklich ein Geschenk bekommen habe. Es hat mal einer zu mir gesagt, weil ich gesagt habe, ich glaube nicht an Gott, ich bin aus der ehemaligen DDR, ich glaube nicht an Gott. Dann sagte diese Person, bitte Gott doch einfach mal um ein Zeichen, dass es ihn gibt. Und als DDR-Kind oder als angepasstes Kind, ich habe ja immer gemacht, was man mir gesagt hat. Dann habe ich gedacht, okay, dann frage ich mal. Und dann ist nichts passiert. in dem Moment, wo ich gefragt habe. Da dachte ich, siehste, wusste ich doch, es gibt dich nicht. Und dann aber ein paar Tage später ist ein Hund in mein Leben gekommen. Dieser Hund aus Rumänien trägt einen hebräischen Namen, Shia, und das heißt übersetzt Geschenk Gottes. Also hatte ich dann auch noch den Beweis, weißt du, ich bitte Gott um ein Zeichen, dass es ihn gibt, der schickt mir einen Hund, der heißt Geschenk Gottes, wie deutlich, ganz bitteschön sein. Naja und dann bin ich aber, es hat dann noch zwei Jahre gedauert, bis ich ihn wirklich in meinem, also bis ich mich auch geöffnet habe und es zugelassen habe, ihn reingelassen habe in mein Leben und dann in eine Beziehung eingetreten bin. Das heißt also wirklich auch mit ihm rede, Businessentscheidungen treffe. Jesus ist ein toller CEO, der übernimmt mein Marketing. Ganz im Ernst, ich habe irgendwann mal gesagt, So, okay, ich habe alles gemacht, was ich hier machen konnte. LinkedIn-Beiträge geschrieben, Landingpage getextet und so. Ich sage, Jesus, kannst du jetzt mal bitte das Marketing übernehmen? Mir sind jetzt hier die Hände gebunden und sorg du doch mal bitte dafür, dass die richtigen Leute das sehen. Und ich sage, vorher haben sich für dieses Programm so kleckerweise ein paar Leute angemeldet und wirklich am nächsten Tag ohne Scheiß, es ging total, da ging die Post ab. Auf einmal 100 Anmeldungen, dann 60, dann 80, dann 70 und vorher immer so 8, 9, 10 am Tag. Und was sich verändert hat für mich ist Folgendes. Ich habe seit, diesen Frieden habe ich so seit einem Jahr, muss ich sagen. Also vor zwei Jahren habe ich zu Gott gefunden und habe dann anfangs natürlich vieles noch für Zufall gehalten. Ich habe einen ganz tiefen inneren Frieden und das ist das größte Geschenk überhaupt. Ich habe, obwohl die Situation in meiner Selbstständigkeit immer noch extrem herausfordernd ist, habe ich keine Angst mehr. Und von außen betrachtet bin ich in einer Situation, die vielen Angst machen müsste. Und ich bin ganz ruhig. Ich weiß, ich werde versorgt und ich weiß, dass das, was geschieht, das soll genau so sein, was nicht heißt, dass ich, ich lehne mich nicht zurück und denke, hier mach du mal. Ganz im Gegenteil, ich mache wahrscheinlich immer noch viel zu viel. Aber ich tue das, was in meinen Händen liegt und gebe aber vieles vor allem von meinen Sorgen ab. Und ich kann dir sagen, dieses Leben ohne, es heißt nicht, dass mein Leben jetzt ganz leicht ist, aber dieses Leben ohne Angst, dieses Leben ohne dieses beklemmende Gefühl im Bauch, dass du nachts nicht schlafen kannst, Das ist so ein Geschenk, also wirklichen Frieden zu haben. Seitdem treffe ich nämlich meine Entscheidungen nicht mehr aus Angst, sondern aus Liebe. Vorher habe ich in meinem Business Entscheidungen aus Angst getroffen, aus Angst, ich könnte Geld verlieren, aus Angst, ich könnte nicht genug Kunden haben, aus Angst, es könnte jetzt nicht weitergehen. Habe ich Entscheidungen getroffen, die die habe ich nicht für meine Vision getan, sondern die habe ich dann fürs Geld getan. Und das waren selten gute Entscheidungen. Und jetzt ist es für mich so, dass ich quasi meinen Blick auf Jesus gerichtet halte. Es gibt da so ein schönes Bild, Jesus läuft übers Wasser und bittet Petrus auszusteigen und Petrus steigt aus und geht auf ihn zu, kann auch übers Wasser gehen, solange er ihn anguckt. Und dann schaut Petrus nach unten und sieht die Wellen und den Sturm und sinkt auf einmal, weil er halt den Blick von ihm abgewendet hat. Und Jesus rettet ihn natürlich. Und so lebe ich das im übertragenen Sinne. Das heißt, wenn Sorgen kommen wollen, ich habe hier vor mir ein Löwenbild gegenüber von meinem Schreibtisch und das ist für mich der Löwe von Judah. Das ist eine andere Bezeichnung für Jesus. Und dann gucke ich, sobald hier Sorgen kommen wollen, gucke ich einfach auf den Löwen. So, okay, nee, alles klar. Alles klar. So, wir beide, du und ich. Ja, und das ist abgefahren. Ich spreche darüber auch öffentlich, ich schreibe darüber auch bei LinkedIn. Und während mich viele gewarnt haben und gesagt haben, dafür wirst du krass bewertet, du wirst Kunden verlieren und das ist nichts, also damit geht man nicht raus, erlebe ich gerade das völlige Gegenteil. Ich missioniere ja nicht, sondern ich erzähle einfach nur, was ich erlebt habe und das scheint Menschen zu inspirieren. und inzwischen kommen Kunden raus, Genau deswegen zu mir. Neulich hat eine hier den Studiotag gebucht und ich so, warum? Und dann sagt sie, weil du dich zu Jesus bekannt hast. Das war für mich der Grund, deshalb wollte ich das mit dir machen, weil ich das großartig finde, wie du unterwegs bist und dass du dich von den christlichen Werten leiten lässt. Und so gehe ich auch die Gefahr ein, dass Menschen sich abwenden. und hier, und jetzt sind wir wieder am Anfang, wo wir vorhin angefangen haben, bei der Angepasstheit. Ich habe jetzt keine Angst, rauszugehen und dafür bewertet zu werden. Ich habe jetzt keine Angst vor Menschen, die mich doof finden könnten. deswegen, weil ich wollte immer geliebt werden. Deswegen habe ich mich so angepasst, weil ich wollte immer nur Liebe haben. Und jetzt muss ich mich nicht anpassen, um geliebt zu werden. Jetzt werde ich von Gott genauso geliebt, wie ich bin, mit all meinen Fehlern und glaube mir, ich habe genug. Ich habe wirklich genug. Und das ist einfach so ein erfüllendes Gefühl, was mich unglaublich stärkt und das macht mich auch als Unternehmerin stärker. Ich kann dadurch mit diesem Frieden und mit dieser Sicherheit, mit dieser Kraft, die ich in mir trage, kann ich auch ein viel größerer Beitrag für andere Menschen sein. Und ich muss dazu auch nicht mal viel drüber reden. Es reicht einfach nur So zu handeln oder zu sein. und ich merke, ich muss nicht mehr mit einem großen Ego auf die Bühne gehen, ich kann auch anderen Menschen Raum geben, ich muss nicht mehr im Mittelpunkt stehen und mein Leben ist dadurch einfach wirklich erfüllender geworden.
Joel Kaczmarek: Ich glaube, das ist vielen Menschen ja auch so ein Orientierungspunkt, weil in diesen Zeiten gerade, wo so vieles unsicher ist und wo die Kirchen, also sind wir jetzt mal ehrlich, in Deutschland ist ja die Kirche auf dem massiv absteigenden Ast und dieses, man kann jetzt über Kirchen denken, was man will, aber der Faktor der Gemeinschaft, der fehlt wahrscheinlich vielen Menschen.
Andrea Ballschuh: Das ist es, ja. Und ich mag dieses Religiöse nicht. Ich mag es überhaupt gar nicht. Und diese ganzen Regeln, die das Bodenpersonal oftmals, also ich finde viel wird vom Bodenpersonal auch falsch weitertransportiert. Das macht vieles kaputt. Das macht vielen oder verhindert bei vielen auch die lebendige Beziehung zu Gott. Und dieses ganze religiöse Zeug, davon halte ich überhaupt gar nichts, von all den ganzen Regeln und allem drum und dran, sondern…. Wie du sagst, es gibt Halt und Orientierung, wenn wir einfach die Nähe zu Gott suchen und lassen wir den religiösen Kram außen vor. Und wenn sich die Kirche da vielleicht auch ein bisschen mehr öffnen würde, das wäre wieder ein eigenes Thema. Und ich habe ja auch jahrelang eine Kirchensendung moderiert und da haben wir auch viel unter die Lupe genommen, was bei der Kirche nicht stimmt. Und ich finde, da braucht es definitiv ein Umdenken. Weil Menschen, jeder von uns braucht Halt und Orientierung in irgendeiner Form. Weißt du, wenn wir im Weltall unterwegs sind, es gibt diesen Film Gravity, kennst du den? Wo die, sagt man Kosmonautin, ich kenne das noch als DDR-Begriff, Astronautin, die Verbindung zum Schiff verliert, zum Raumschiff, dann schwebt sie in diesem All. Und das mag in den ersten paar Sekunden, mag das total spannend sein, ein Gefühl von Freiheit, aber irgendwann bist du so orientierungslos und du weißt gar nicht wohin. Das heißt also diese Schnur, diese Verbindung zum Raumschiff, das ist das, was Sicherheit gibt. Und das ist das, was für mich Jesus ist, weißt du, das ist wie so eine Verbindung zur Quelle. Und ich fühle mich viel freier als vorher. Ich bin ein sehr freier Mensch und für mich ist einfach diese Verbindung das, was meinem Leben einen ganz neuen Sinn gegeben hat.
Joel Kaczmarek: Weißt du, was mich sogar daran massiv nervt? Das ist mir vor so ein paar Jahren aufgegangen an der Kirche. Gibt ja so No-Brainer hier mit Schwulen und Zölibat und alles schon gut. Aber das Storytelling ist schon defizitär. Das gesamte Storytelling ist im Arsch. Du kommst in so eine Kirche und der Typ, der übers Wasser laufen kann, der das Brot teilt, der die Kranken heilt, den siehst du nur ans Kreuz genagelt, die arme Sau. Richtig. Da sitze ich so da und denke so, was soll denn das? An seiner Stelle wäre ich da auch ganz schön, also wäre ich ganz schön pisst. So, hey Leute, ich habe so viel für euch getan und ihr zeigt nur meinen leidvollsten Moment. So, wollt ihr wirklich, dass andere Leute sich damit irgendwie in Referenz bringen? I don't think so.
Andrea Ballschuh: Und deswegen finde ich The Chosen so toll, weil The Chosen, diese Fernsehserie, gibt es bei Netflix und Amazon und so, einfach zeigt, wie Jesus wirklich war und man dadurch ein Gefühl für den Menschen Jesus bekommt. Und das macht ganz, ganz viel aus. Und mir ist aufgefallen, zum Beispiel in den freien Kirchen, in den freien Gemeinden hängen nur Kreuze. Da hängt Jesus nicht am Kreuz. Du siehst einfach nur ein normales Kreuz, aber ohne Jesus. Das ist nochmal ein eigenes Thema, über das man ewig lange reden könnte. Ja.
Joel Kaczmarek: Und warum ist es bei dir speziell Jesus geworden? Also ich meine, es hätte ja auch irgendwie Mohammed sein können oder Gott oder Glaube ans Positive.
Andrea Ballschuh: Es hätte Mohammed sein können, weil ich war ja verheiratet mit einem Moslem, ne?
Joel Kaczmarek: Stimmt.
Andrea Ballschuh: Insofern hätte es auch Mohammed werden können. Aber Mohammed hat mich nicht gerufen damals, als ich mit dem Moslem verheiratet war. Es ist ein Guck mal, ich glaube Also 25 Jahre lang hat ja mein Weg gedauert. Diese Sehnsucht habe ich ja schon vor 25 Jahren gespürt. Und ich habe sie einfach, lustigerweise, als ich The Chosen gesehen habe, habe ich plötzlich gemerkt, was sich hier in mir bewegt. Und ich habe mich dann halt damit auseinandergesetzt und beschäftigt. Und es hat was in meinem Herzen gemacht. Das ist nichts, was du erzwingen kannst. Das passiert dir oder es passiert dir nicht. Und Ja, frag mich nicht, warum. Ich habe darin einfach meine Wahrheit gefunden. Aber ich habe es mir nicht ausgesucht. Ich glaube, er hat mich ausgesucht.
Joel Kaczmarek: Bist du medial?
Andrea Ballschuh: Was meinst du, ob ich medial bin?
Joel Kaczmarek: Bist du in der Lage, mit der Welt der Toten, also auf Englisch sagt man Spirits, das finde ich immer netter als der Seelenwelt, Kontakt zu treten?
Andrea Ballschuh: Nein, mit den Toten trete ich nicht in Kontakt.
Joel Kaczmarek: Aber weißt du, was ich meine? Spiritualität, Medialität, Leben nach dem Tod. Bei dir ist es eher der Glaube an das Göttliche und gar nicht so sehr diese Seelenreise, Reinkarnation.
Andrea Ballschuh: Nein, ich glaube, dass wenn, für mich ist es, wenn ich sterbe, also ich habe auch keine Angst vor dem Tod, weil dann weiß ich, dass ich mit Gott bin. Das ist meine Wahrheit, ja. Nein, ich denke nicht, dass ich jetzt hier als neuer Mensch wiedergeboren werde und ich möchte auch nicht mit Toten Kontakt aufnehmen. Also da würde ich mich eher von, wenn mich da jemand zu einer Party einladen würde, würde ich nicht hingehen. Das ist für mich etwas Okkultes. Damit kann ich nichts anfangen.
Joel Kaczmarek: Andrea, es war ein wunderbarer, spannender und auch tiefgründiger Ritt mit dir. Ich habe so viel hier mitgenommen, da bin ich sehr, sehr dankbar für und habe das sehr genossen. Vielen, vielen Dank.
Andrea Ballschuh: Dankeschön. Ich freue mich sehr, dass wir den Raum hatten, darüber zu sprechen. Ist ja auch nicht selbstverständlich. Danke.