
Star-Friseur Shan Rahimkhan: 5 Dinge, die ich gerne mit 20 gewusst hätte
6. Dezember 2024, mit Joël Kaczmarek
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Joel Kaczmarek: High Five, Leute. Ihr kennt das Spiel. Großartige Person beim lieben Joel. Die erzählt, was sind fünf Dinge, die sie gerne schon mit 20 gewusst hätte. Und heute sage ich euch, das ist ein Hort des Wissens, der hier sitzt. Denn wem erzählt man bitte mehr als seinem Friseur? Und der liebe Shan Rahimkhan, der ist auch noch Star-Friseur. Das heißt, der hat auch noch Perspektiven, die du und ich wahrscheinlich nicht haben, weil er mit ganz anderen Leuten zusammenkommt. Also egal, ob es Tony Blair ist oder oder der ein oder andere Hollywood-Schauspieler oder die deutschen Promis. Er hatte sie alle und hat sie noch immer. Und deswegen bin ich ganz, ganz neugierig, was Schahn so zu erzählen hat. Denn er ist ja nicht nur kreativer, sondern auch Unternehmer. Also er war am Kudamm mit einem eigenen Salon, er ist im KDW mit einem eigenen Salon, in Mitte, fällt schon wieder an einem neuen Konzept, hat auch schon mal eine Insolvenz durchgestanden. Also ich finde, man sollte mal Höhen und Tiefen gesehen haben. Das vervollständigt das Bild. Von daher, lieber Schahn, schön, dass du da bist. Bin ich toll neugierig.
Shan Rahimkhan: Danke. Schön, dass ich da sein darf.
Joel Kaczmarek: Ja, hol mich mal eine ganz kurze Sekunde ab am Anfang vielleicht. Wie ist das denn, dass man als Sohn iranischer Eltern über Österreich und die Welt nach Berlin kommt und dann irgendwie Star-Friseur wird?
Shan Rahimkhan: Also im Kurzen gesagt, Zufall. Das war ja jetzt nicht geplant, weder noch, dass ich Friseur werde, noch, dass ich nach Berlin komme. Es ist einfach so geschehen. Also willst du jetzt genau die gesamte Geschichte wissen?
Joel Kaczmarek: Genau. Gab es so einen Findungsmoment für dich, wo du wusstest, das ist mein Ding, da gehe ich drin auf?
Shan Rahimkhan: Ja, doch, das war schon so, dass die Kunden mich darauf aufmerksam gemacht haben oder meine damalige Chef, als ich dann als Friseurlehrerin angefangen habe, in Wien zu arbeiten. Also nur mal in Kurze erklärt, ich war zwölf, zwölfeinhalb, als ich dann nach Österreich kam und das war ja damals Iran-Irak-Krieg und meine Eltern wollten unbedingt, dass ich dann wegkomme von Iran, bevor ich dann irgendwie Meine Ausreiseverbot erteilt bekomme und dann vielleicht zum Militär ziehen muss. Also deswegen war das einfach mal ganz wichtig gewesen, dass ich wegkomme. Und dann bin ich nach Österreich, nach Wien. Und mit 15 war das dann so gewesen, dass ein Freund von mir damals Friseur war. Also beziehungsweise der Vater war Friseur und wollte Friseurlehrling, Friseur anfangen. Und hat mich immer als Modell mitgenommen.
Joel Kaczmarek: Also wirklich beneidenswerte Haare, das darf man sagen. Die liebe Bo, die uns vorgestellt hat, sie sei jemand herzlich gegrüßt. Ich habe hinterher gesagt, schade Bo, dass ich keine Haare mehr habe. Die würde ich gerne bei Schan mal schneiden.
Shan Rahimkhan: Sonst hätten die jetzt sofort die Haare geschnitten.
Joel Kaczmarek: Ja und sag mal, wenn du in so einem jungen Alter, es ist ja mal ein Kulturschock par excellence, von Iran nach Wien, nach Österreich und ich habe gelesen über dich, dass du halt auch irgendwie in L.A. warst, in London, in New York, Paris, also Weltmobiler. Warst du so ein Stück weit auch entwurzelt? War das für dich ein schwerer Gang, eine schwere neue
Shan Rahimkhan: Nein, witzigerweise habe ich gar nicht darüber nachgedacht. Ich war ja immer sehr offen gewesen, sehr entspannt gewesen, mit Menschen umzugehen. Und das war im Iran genauso. Und das war unglaublich wichtig gewesen für mich, dass ich dann einfach mal das, was ich tue, egal was ich tue, da drin gut bin. Und das Einzige, was mich dann vielleicht ad hoc entwurzelt hat, war die Kälte in den Gewässern. Also in diesem Winter, als ich da angekommen bin, war glaube ich minus 14 Grad und gefühlt aber für mich minus 30 Grad, weil ich kannte das nicht. Und dann war für mich ein ziemlicher Schock gewesen am Anfang.
Joel Kaczmarek: Und jetzt bist du ja unterschiedliche Wege gegangen. Vielleicht machen wir mal so einen kleinen Zeitsprung so halbwegs in die Gegenwart. Wie ist das, du zu sein? Wie fühlt sich dein Leben, dein Job so an?
Shan Rahimkhan: Ja, teilweise surreal manchmal. Es ist einfach viel zu viel, was passiert in so einer Zeit. Es ist immer wieder interessant, wenn ich dann manchmal mit meiner Frau spreche und Revue passieren lasse, was wir innerhalb von einem Jahr erlebt haben oder was du auch geschäftlich, auch privat erlebst auf einmal, dann ist es schon sehr viel. Und vielleicht bedauere ich das auch ab und zu mal. Es ist so, dass ich dann auch mal sage, gar nicht die Zeit dafür habe, die schönen Dinge dann Revue passieren zu lassen und darüber nachzudenken. Zum Glück gibt es beim iPhone immer diese Bilder, die dann immer wieder auftauchen von Reisen, die du beispielsweise gemacht hast, dass du wirklich kurz Zeit hast, in es zu gehen, zu sehen und zu sagen, wow, wie schön das war.
Joel Kaczmarek: Was macht denn aber eigentlich so den Unterschied aus, sag mal, zwischen einem stinknormalen Friseur und jemandem, wo das Who-is-who der Weltgeschichte ein- und ausgeht?
Shan Rahimkhan: Ja gut, meine Affinität zum Haare war ja immer da. Also ich bin, wie gesagt, in das, was ich tue, erstmal gut. Das muss man einfach mal so sagen. Und das funktioniert auch sehr gut. Aber ich glaube, dieses Entspanntheit zu haben, das mit großen Persönlichkeiten, die wirklich sehr, sehr wichtig sind, da hast du keine Angst, keine Berührungspunkte. und sehr entspannt damit umgehen kannst. Also es ist dann etwas, wo es mir auch übrigens erst mal bewusst geworden ist, als ich beim Teppichmode war und die Haare machen musste. Und er meinte, ja, du bist anscheinend kein Fan. Sag ich, ja, warum denn das? Sagt er, der letzte Friseur, der bei mir war, war so ein Fan, dass er mich dreimal in die Ohren geschnitten hat.
Joel Kaczmarek: Der wollte ein Erinnerungsstück haben.
Shan Rahimkhan: Ich war so nervös einfach, ja. Und das ist genau der Punkt, wo ich dann sage, da habe ich überhaupt keine Bewegungsfrüchte.
Joel Kaczmarek: Ist dir das in die Wiege gelegt gewesen?
Shan Rahimkhan: Ich denke schon, dass ich schon von Persönlichkeit jemand bin, der eher auf Menschen zugeht und viel entspannter bin und da mich nicht verstellen möchte, sondern einfach mal das, was ich dann bin, für genug halte und nicht irgendwie was besonders toll machen will, irgendwas oder besonders toll darstellen möchte, sondern einfach nur das einfach sage oder denke oder fühle und das dann auch wieder spiegle.
Joel Kaczmarek: Weil ich meine, wie geht es denn dir? Ich habe so die Beobachtung gemacht, die Menschen, mit denen du da verkehrst, das sind ja Menschen, die häufig, so erlebe ich es, sehr misstrauisch sind, weil sie natürlich Angst haben, dass man nur zu ihnen nett ist, weil sie jemand sind oder weil man was von ihnen wollen könnte. Dieser Fame-Faktor plus, ich erlebe es immer so, wenn man nicht in der gleichen Bubble ist wie Menschen, dann ist es manchmal auch gar nicht so einfach, so eine enge Beziehung zu knüpfen. Nimmst du das auch so wahr oder ist das gar nicht so, dass die so abgeschottet sind, wie es von mir aus manchmal wirkt?
Shan Rahimkhan: Naja, man hat eine Befürchtung, dass die Leute dann erstmal, ist es ja so, dass ich im Grunde genommen ja auch mal muss, ich habe ja auch mit ganz, ganz, ganz, also mit Menschen wie du und ich, also wir haben jeden Tag mit Menschen zu tun, die, also wir sind auch wahnsinnig wichtige Kunden, die einfach nur da sind und nicht jetzt irgendwie einen Namen haben oder berühmt sind oder was auch immer, das spielt keine Rolle. Aber ja, klar, du hast natürlich immer die Befürchtung, dass du dann einfach mal reduziert wirst auf irgendeinen bestimmten Punkt, entweder möchten sie was von dir, oder wollen davon profitieren oder wollen mit dir zusammen was darstellen oder was auch immer. Das ist ja immer so, wenn ich sage, du hast einen Podcast, super. Kannst du mich nicht mal interviewen? Dann werden wir beide was davon profitieren. Also das darf eben nie sein. Und nur wenn es natürlich ist, dann ist es auch nicht so.
Joel Kaczmarek: Ist dein Job nicht auch einer, wo du Gefahr läufst, wenn du einmal einen Fehler machst, dass dir ganz viel wieder zusammenbricht? Also wenn du irgendwie Nicole Kidman für die goldene Kamera den Pony verschneidest und dann ganz Deutschland drüber schreibst, zack, kannst du dich ja voll umhauen. Oder wenn ein Promi mal unzufrieden ist oder ein normaler Kunde. Ist das so und spürst du so einen Druck?
Shan Rahimkhan: Ja, das darfst du eben nicht. Nein, tue ich nicht. Das ist dann einfach mal genau das. Ja, das tue ich absolut nicht. Wenn du aber Nicole Kidman erwähnst, das ist wirklich so, dass ich da Weil ich bei ihr ja tatsächlich irgendwas Besonderes machen wollte, weil für mich war sie die Schönheitspur. In meinem Alter damals, Nicole Kidman war, wow, also ich darf sie mal machen. Und habe mir eine ganz besondere Frisur ausgedacht und bin dann zu ihr im Hotel gewesen und sie meinte dann irgendwann Mach mir mal einen Pferdespanz. Und ich war total enttäuscht, weil ich dann natürlich was anderes machen wollte, zeigen wollte, was ich kann. Und während sie in ihre Texte gelesen hat und das lernen wollte, weil sie hat ja einen Auftritt gehabt am Abend, habe ich ihr dann eine wunderschöne Hochstreckfrisur gemacht. Also ich habe praktisch nicht auf sie gehört, habe das einfach so gemacht, weil ich dachte, wenn sie das sieht, dann will sie es auch behalten. Ja, es war aber nicht so, sondern sie hat dann in den Spiegel geguckt und hat gesagt, wow, wie schön, mach es auf und mach mir einen Fersenschwanz. Okay, deswegen bin ich also hier, ja. Na gut, aber ich habe ihr das gemacht und witzigerweise, Tag später, hat sie dann angerufen und wollte dann tatsächlich von mir eine komplett neue Frisur haben mit Schnittfarbe und so weiter und so fort, was ich dann auch dann gemacht habe, wo dann ihr Bob daraus entstanden ist, damals Ende der 90er. Und das war halt auch so, manchmal muss man auch die Dinge einfach machen. Und in dem Moment war es halt nicht gut, weil sie hat dann praktisch, für mich war das der Weltuntergang, weil er sie gesagt hat, ja toll, aber mach es wieder auf und mach es neu. War schlimm, ja, aber Dann war das halt eben so, dass sie das anscheinend so gut gefunden hat, dass sie dann gesagt hat, okay, dann frage ich ihn mal, was er mir Neues machen kann, weil anscheinend traut er sich, das zu tun. Und ich glaube, das war dieses Mut, das sie beeindruckt hat, dass sie gesagt hat, okay, das ist toll.
Joel Kaczmarek: Geil, also hat sich dein Risiko am Ende doch gelohnt.
Shan Rahimkhan: Ja, in dem Fall schon.
Joel Kaczmarek: Ich meine, man sagt ja auch immer so, dass man beim Friseur, dass es so halbe Therapeuten sind. Ist das wirklich so?
Shan Rahimkhan: Weiß ich nicht. Ich glaube eher so, dass es tatsächlich so ist, dass man, wir unterhalten uns ja hier und finden uns vielleicht sympathisch, also von mehrer Seite schon. Und das kommt aber noch hinzu, dass man auch Menschen anfasst. Und wenn du dann am Kopf jemanden anfasst und dich unterhältst mit jemandem, dann tut das schon was. Also dann ist schon deine Gegenüber sehr offen, weil wildfremde Menschen fasst du ja auch nicht auf der Straße an und sprichst sie an. Und dann ist dieses Zusammenspiel zwischen Zuhören, anfassen, nahe sein, direkt neben denen zu sitzen und vielleicht auch deren Geschichten anzuhören. Und dadurch, dass die Menschen ja mindestens einmal in der Woche oder vielleicht einmal im Monat oder vielleicht auch einmal in der Woche zu dir kommen, ist es halt so, dass es irgendwann sich ergibt, dass man offener wird. Und vielleicht deshalb sagen die Leute, dass es damit was zu tun hat, dass man psychologisch sehr nah an den Menschen ist, ja.
Joel Kaczmarek: Es gibt Therapieformen, wo man sich anfasst. Also anfassen heißt dann so, Arm auf den Unterarm legen oder Füße berühren sich oder sowas, weil das Effekt auf die Psyche hat.
Shan Rahimkhan: Das ist ein bisschen spooky, ehrlich gesagt, weil die Füße sich berühren, aber okay. Ja, ja.
Joel Kaczmarek: Ja, aber weißt du, was ich meine, wenn die sich so gegeneinander stoßen, man verwickelt die nicht so oder fährt sich das Bein hoch oder so. Aber ne, interessanter Take. Habe ich noch nie drüber nachgedacht, dass es auch an der Berührung liegt. Ich habe immer nur gedacht, weil man da viel Zeit verbringt. Aber du hast vollkommen recht. Es ist ja intim eigentlich.
Shan Rahimkhan: Ja, es ist ja intim, ja. Es kommt doch dazu. Es kommen ja viele Gefühle dazu, ja.
Joel Kaczmarek: Kannst du denn immer du sein bei deiner Arbeit?
Shan Rahimkhan: Mittlerweile ja. Also ich habe das eigentlich immer unterschieden. Und mittlerweile bin ich in einem Alter, dass ich dann einfach mal jeden dutzen darf. Ja. Charmant, charmant.
Joel Kaczmarek: Und ich sage mal, bei dir gibt es ja auch noch eine andere Komponente. Du bist ja Künstler, darf man sagen, aber auch Geschäftsmann. Fiel dir das schwer, beide Ebenen zusammenzubringen?
Shan Rahimkhan: Ja, weil ich habe das Geschäftsmodell, war es ja nie so wirklich gedacht gewesen, sondern es ist vielmehr so gewesen, dass ich dann gesagt habe, okay, ich bin ja gut in das, was ich tue. Also dann kann man ja auch das Geld dafür verlangen. Und dann ging es halt auch mit den Mitarbeitern. Also das Geschäftliche, also das Geschäftsmann habe ich dann erst, nachdem ich dann mehr als fünf Mitarbeiter hatte oder zeitweise auch über 90 Mitarbeiter hatte, das kam dann irgendwie mit enormer Verantwortung dazu. Und da musste ich natürlich auch als Geschäftsmann wirklich dann tatsächlich mich da reinknien. und herausfinden, was das Richtige nicht nur für mich ist, sondern für alle anderen auch ist.
Joel Kaczmarek: Ich überlege gerade noch, als ich dich eben gefragt habe, kannst du du sein, hast du es aufs Duzen bezogen oder hast du verstanden, dass ich damit meinte, dass du wirklich du selbst bist?
Shan Rahimkhan: Achso, ich habe auf du bezogen.
Joel Kaczmarek: Da denke ich mich gerade noch darüber nach, weil das ist ja dann noch komplexer, wenn man dann auch noch Verantwortung hat. Bist du in der Lage sozusagen so zu sein, wie du wirklich bist, wie du auch privat bist oder legt man so eine Rolle auf?
Shan Rahimkhan: Ja gut, aber das ist eigentlich schön, dass du das sagst, weil siehst du, ich habe das gar nicht dann überhaupt verstanden wahrscheinlich, weil für mich gibt es überhaupt keinen Unterschied. Also ich bin so im geschäftlichen wie im privaten, was auch immer unterwegs. Da verstehe ich mich überhaupt nicht. Ich kann das gar nicht. Ich finde auch immer, du hast mich im Vorfeld gefragt, ob ich mir dann die fünf Fragen überlegt habe. Also da überlege ich nichts. Da bin ich und deswegen war es wahrscheinlich auch so, dass ich das gar nicht verstanden habe. Ja, ich bin Ich, ja.
Joel Kaczmarek: Nee, aber du verstehst glaube ich, wo die Frage herkommt, oder? Weil es könnte ja viele Leute geben, die sagen, ich baue so eine Mauer um mich rum, ich zeige nicht alles, weil ich habe damit wichtigen Leuten zu tun, ich muss einen Eindruck machen. Also viele Leute setzen sich ja unter diesen sozialen Druck. Das finde ich beeindruckend, dass du das gar nicht hast.
Shan Rahimkhan: Überhaupt nicht.
Joel Kaczmarek: Dann geht es dir trotzdem manchmal so, dass du auch, also da steckt ja wahrscheinlich auch viel Oberflächlichkeit drin in dem Metier, mit dem du zu tun hast. Gar nicht so sehr in deinem Beruf, sondern teilweise auch mit den Menschen, die zu dir kommen. Schmerzt dich das manchmal?
Shan Rahimkhan: Ja. Ja gut, du musst dich halt rausnehmen. Also es ist dann einfach mal so, dass du, es ist ja nicht nur im geschäftlichen so, du kennst das wahrscheinlich im Freundeskreis auch, dass du dann irgendwie manchmal sensiblere Freunde hast oder Freunde hast, die dann einfach mal gewisse Punkte gar nicht verstehen, wie du das dann siehst oder wie du das dann sagst. Und dann bist du ja auch derjenige, der dich dann zurücknimmt, einen Schritt zurückgeht und sagt, pass auf, jetzt bin ich einfach mal ganz anders zu ihm und rede mit ihm darüber. So, dass er mich versteht und das ist genau das, was ich tue auch im Laden. Also das heißt, ich gehe ja nicht im Prinzip bei den Kunden ran und sage, prinzipiell müssen sie mich verstehen, wenn ich was sage, sondern ich versuche zu fühlen, was ihre Triggerpunkte sind und dann gelingt mir das manchmal oder oft. Sagen wir mal so, dass ich dann weiß, okay, bei derjenigen muss ich dann vielleicht einfach mal einen Schritt zurückgehen und einfach mal mehr zuhören. Oder vielleicht sollte ich sie dann ablenken davon und ihr was Neues dann irgendwie präsentieren, dass sie dann irgendwie so überrascht ist oder so überrumpelt ist im positiven Sinne, dass sie sich mir gegenüber öffnet.
Joel Kaczmarek: Und weißt du, das Ding ist ja, gerade mit deinem Thema Frisuren und ich könnte mir vorstellen, bestimmt macht ihr auch sowas wie Make-up bei euch in den Salons, da ist ja so viel dieses Sehen und Gesehenwerden drin, so diese Oberflächlichkeit und Social Media und nach außen was darstellen, was nach innen vielleicht gar nicht da ist, das würde mich auch so in deinem Beruf beschäftigen. Ist das manchmal so? Ja.
Shan Rahimkhan: Ja, das ist, das tut auch, das ist etwas, was mich dann irgendwie nicht so wahnsinnig glücklich stellt in der letzter Zeit. Das ist dann einfach mal die Leute viel mehr für das Sein was tun, als für sich selbst was tun. Das heißt, der Bild nach außen ist eben wichtiger. Also sie gucken ja sofort auf ihr Instagram, wie ist es dann angekommen? und wenn drei Klicks zu wenig da ist, dann sagen sie, oh, okay, dann war die Frisur nicht schön. Also ich glaube, dass es die Idee dahinter ist, dass man sich in erster Linie wohl fühlt. Und ich fühle mich prinzipiell in meiner Haut und in meinem Laden sehr wohl. Und das ist halt etwas, wo ich dann sage, und das ist mir eigentlich auch scheißegal. Ob das jemand andere das so sieht oder nicht, mir ist es wichtig, wie sehr fühle ich mich wohl und wie kann ich mich dann in meinem Laden bewegen. Und das ist etwas, was mich enorm beschäftigt, weil wahnsinnig wichtig ist für mich. meine Räume, also die, die ich für mich gestellt habe, also ich meine physische Räume. Aber auch die psychischen Räume, die ich habe, wo ich sage, okay, ich möchte mich wohlfühlen in meiner Haut und in meinen Räumen.
Joel Kaczmarek: Ich habe mal gelernt, Räume sind die Körpersprache einer Organisation. Also ist der ein Raum quasi?
Shan Rahimkhan: Also es ist tatsächlich so, das ist ein Beispiel, was ich dann da mache. Also jedes Raum, also jetzt im KDW, das ist ja von A bis Z von mir designt. Das heißt, wenn du dir den Laden anguckst, musst du eigentlich sehen, was mein Geschmack ist und darum geht es letztendlich. Also es ist ja, ich war wahrscheinlich der Einzige, der Erste gewesen überhaupt, der schwarze Räume im Salon gemacht hat. Also ich meine, sonst war ja immer Friseursalon hell, weiße Wände und sehr hell. Und bei mir ist es halt nicht so, dass der Arbeitsplatz ist natürlich dort, wo es dann punktuell gebraucht wird, dann beleuchtet. Aber der gesamte Salon ist eher mit Kunst und die Wände schwarz und die Decke schwarz, der Boden schwarz. Also das ist dann einfach mal, das ist genau die Idee dahinter, zu sagen, was ist ja das, was er dann zeigen möchte. Und wenn man den Laden sieht, Dann sagt man, oh, okay, wow, das ist sein Design, seine Idee. Und das ist das, was du nach außen zeigst, viel weniger meine Person.
Joel Kaczmarek: Wo hast du das gelernt?
Shan Rahimkhan: Instinktiv kam ich dazu, tatsächlich, weil ich einfach auch meinen Geschmack ja Tatsächlich, es ist ja, wie gesagt, es ist ja nicht Außergewöhnliches. Also ich habe keine Erokesen-Haarschnitte, dass ich dann einfach sage, okay, jetzt muss ich auch den Punk-Kult ausüben bei mir im Salon als Design, sondern das ist ja wirklich mein Geschmack und mein Kulturgut, nämlich das relativ offen zu sein und neue Sachen auszuprobieren.
Joel Kaczmarek: Spielen irgendwie Prunk und Reichtum in deinem Leben eine Rolle?
Shan Rahimkhan: Was ist das? Ja gut, ich meine, ich liebe es mal gemütlich zu haben. Also ich nehme ja auch meine Auszeiten und möchte natürlich gerne schöne Urlaub machen. gut essen gehen und so weiter und so fort. Dafür ist Reichtum, finde ich, da. Also nur wenn ich eine Yacht habe, damit die anderen sagen, wie toll das ist, das ist jetzt nicht, abgesehen davon, dass ich mir das nicht leisten kann, geht es nicht darum, dass es dann einfach mal nach außen getragen wird, sondern für mich, mein Wohlfühlgefühl sagt mir, dass ich dann eine bestimmte Summe brauche im Monat, damit ich mich dann wohlfühle.
Joel Kaczmarek: Ja, das kann ich verstehen. Also dieses Sehen und Gesehen werden, bist du von frei, finde ich super. Schön, dann, also ich habe schon gelernt von dir, du bist 52, also wir schauen jetzt 32 Jahre in die Vergangenheit. Ich betrachte das ja immer so, wenn ich jetzt sage zu dir, was hättest du gerne mit 20 gewusst, gar nicht so wehmütig, sondern eher so, was hast du gelernt, was so toll ist, dass du sagst, wow, das mit 20 schon gewusst zu haben, das wäre irgendwie ein Benefit gewesen. Was wäre so die erste Sache da?
Shan Rahimkhan: Also konkret gesehen, ich glaube, dass es im Prinzip so ist, dass ich sage, man sollte Ja, jetzt habe ich schon wieder im Prinzip gesagt, aber das ist genau das, was ich meine. Dieses Prinzipien, die man haben möchte mit 20, halte ich für falsch. Also ich finde, ein moralisches Prinzip zu haben, ist eine andere Geschichte, einen moralischen Kompass zu haben. Aber Prinzipien zu setzen und zu sagen, also prinzipiell mache ich das oder jenes nicht, finde ich falsch. Man sollte irgendwie eigentlich alles mal zumindest antesten. Als Beispiel sage ich dir, meine damalige Freundin in Wien, war Grimpis-Mitglied und war damals vegan. Damals schon, also ich meine, das ist ja jetzt 30 Jahre hier. Und für mich war das so, irgendwie vegan sein war damals so ein Zeichen für Schwäche. Ja, oder vegetarisch sozusagen. Und ich habe dann damals gesagt, im Prinzip würde ich niemals vegan werden. Was natürlich falsch ist, weil du sagst irgendwie, im Grunde genommen habe ich dann irgendwann einmal gemerkt, Da war ich in seinem veganen Restaurant gewesen, ist auch schon wieder 25 Jahre hier und es war so lecker, es war so schön, dass ich gedacht habe, wow, was für ein Fehler, dass ich das nicht damals schon probiert habe. Also da haben wir schon einen Punkt. Also wenn ich das wusste, dass es dann auch anders geht und nicht stigmatisiert worden ist von den anderen Zeiten, dass sie gesagt haben, okay, also vegan sein ist ein Zeichen für, weiß nicht, also prinzipiell muffig ist es dann gewesen damals leicht. Du hast sofort an Motten gedacht, ich weiß nicht warum, aber so ein veganer Laden damals war ja so, es war einfach mal nicht cool. Und das ist zum Beispiel ein Punkt, wo ich gesagt habe, warum habe ich das eigentlich nie ausprobiert damals? Ein Beispiel.
Joel Kaczmarek: Also wenn ich es jetzt mal sozusagen so eine Ebene höher treibe mit dir, dann ist ja eigentlich, was du gerade gesagt hast, bild dir eine Meinung, anstatt Vorurteile zu bilden. Also das höre ich daraus.
Shan Rahimkhan: Ja, vielleicht auch mal Dinge auszuprobieren, ohne dann einfach mal falsche Prinzipien zu haben. Ich meine, es gibt ja immer so, man kennt es ja von falschem Stolz. Ich rede aber gar nicht von Stolz und ich rede auch nicht von moralischer Seite, aber es gibt so, wir setzen uns viel zu viele Grenzen manchmal. Wir haben dann irgendwie Jetzt um ein Beispiel veroffenbaren zu möchten, Zucker ist böse, darf man nicht. Ja gut, aber das Ding ist, haben wir verstanden, aber es ist auch kein Weltuntergang, wenn man mal Zucker isst. Also das ist dann etwas, wo ich dann sage, jetzt probiere das für dich, finde es für dich heraus, ob das wirklich dann so ist, dass man das verteufeln sollte. Und deswegen würde ich per se niemals jemandem einen Rat geben, dass ich sage, okay, prinzipiell darfst du so etwas nicht tun. Mir fällt schon wieder ein anderer Punkt an, wenn ich das schon als das zweite Beispiel nennen darf. Ich hatte damals ja mit Anfang 20, als ich nach Berlin gekommen bin. Habe ich dann mit Aktien gehandelt, weil das damals einfach mal total trendy war. Jeder hat dann mit Aktien gehandelt und das war ja damals auch wirklich total spannend, weil du hast dann irgendwie telefonisch deine Bankfrau angerufen und hast gesagt, jetzt kannst du mal auf der Aktien setzen. Und es ging gut, es ging wirklich sehr, sehr gut und ich habe sehr viel Geld verdient. Also für mich war das wirklich das erste Mal, dass ich wirklich sehr viel Geld hatte. Und dann kam natürlich die Aktienblase und ich habe dann alles verloren. Also hinterher betrachtet, ja klar, also sage ich dir, ja, mir hatte vielleicht jemand sagen sollen, so einfach ist das nicht, wie du denkst. Also man sollte sich wirklich wie Materie auskennen. Aber damals hatte ich dann ein Magazin gehabt. Damals gab es ja keine Apps, sondern eine Börse online beispielsweise. Ich weiß nicht, ob du das kennst. Das waren so Zeitschriften gewesen. die man dann gekauft hat oder praktisch Financial Time und sowas auch immer und man hat das gelesen. und das war einfach mal, als die Meldung rauskam und die Zeitschrift stand, die übrigens einmal in der Woche rauskam, war das eigentlich schon viel zu alt gewesen. Aber trotzdem hat man darauf reagiert und es ging damals auch, weil alles stieg damals. dass es funktioniert hat. Aber als die Leute angefangen haben, schneller zu sein, den Sprung habe ich dann verpasst. Also das heißt im Grunde genommen, während ich angerufen habe und ein Aktien kaufen wollte, war der so beteuert, dass ich dann schon wieder dann irgendwie daneben lag. Das ist ja heutzutage gar nicht vorstellbar, weil es ist ja Terminbörse, es funktioniert ganz anders mittlerweile. Also es gibt dann Bruchteile von Sekunden. Also deswegen, ja, also das war auch ein Learning.
Joel Kaczmarek: Und was daran war das Learning jetzt, dass sowas manchmal schwerer auszuüben ist, als man auf den ersten Blick denkt? Oder war das so ein bisschen der Gedanke, wenn ich mit der Zeit gehe, muss ich mit der Zeit gehen?
Shan Rahimkhan: Nein, der Learning war einfach so, lass den Finger von Dingen, die du überhaupt keine Ahnung von hast. Ich habe Aktien gekauft, wo ich gerade mal den Namen buchstabieren konnte. Und nur weil es dann hieß, dass es gut ist, aber ich wusste gar nicht, was die Firma eigentlich macht, wo die herkommen, wer die Investoren sind und so weiter und so fort. Und das ist halt einfach mal nicht richtig gewesen und das mache ich heute anders.
Joel Kaczmarek: Hattest du denn Passion für das Thema Aktien?
Shan Rahimkhan: Ich hatte eine Affinität, sagen wir mal so, weil es einfach mal gut funktioniert hat. Also man muss sagen, das hat ein Jahr sehr gut funktioniert und ich habe sehr viel Geld verdient damit. Und dann war das halt so, dass ich dann gesagt habe, ich war der Meinung, ich habe ein gutes Bauchgefühl und mache das. Aber Vielleicht war es auch so, ja, aber diese Absicherung fehlte mir einfach und dieses Wissen, was da passiert. Gerade bei Termingeschäften ist es ja so, dass es an Zeit, an Faktor spielt und wie schnell, wie langsam oder wie relevant die Aktie ist, eine enorme Rolle spielt.
Joel Kaczmarek: Jetzt haben ja aber lustigerweise deine ersten beiden Punkte so einen gewissen Widerspruch auch. Also einerseits sagst du, experimentiere, sei nicht so zu prinzipienhaft. Auf der anderen Seite lass die Finger von Dingen, von denen du gar keine Ahnung hast. Wie verheiratest du beides?
Shan Rahimkhan: Ja gut, aber ganz ehrlich, wenn du dann am Ende des Tages am Boden zerstört bist Und sagst irgendwie, es gibt gar keinen Widerspruch in dem Sinne, weil sowohl als auch ist es gut. Ich bin halt der Meinung, wenn es helfen soll, wäre besser gewesen, einfach viel mehr sich mit Materie auskennen. Aber ich bedauere das jetzt nicht so dermaßen, dass ich jetzt da sitze und dann jeden Tag heule, sondern ich bin eher so, dass ich sage, wenn ich jemandem Rat geben darf, sage ich, okay, ja, finde ich gut, mache es. Aber treibe es nicht so bunt, wie ich es gemacht habe und versuche das dann einfach mal irgendwie alles zu erreichen.
Joel Kaczmarek: Verstehe, also es geht um das Experimentieren und dann Vertiefen, wenn man merkt, man kann es und das ist so die eigene Passion, die ich verstehe. Ich habe auch so überlegt, als du deinen ersten Punkt gesagt hast, kennst du das, dass man manchmal in Streits gerät und irgendwann wirst du so gefragt, warum ist das eigentlich so wichtig? und dann sagst du, aus Prinzip. Dann geht es aus Prinzip, weil das finde ich nicht okay. Und ich habe mich so gefragt, ob man dann immer schon an so einem Punkt ist, wo man merkt, man sollte eigentlich aufhören. Weil wenn man eine Frage beantwortet mit, ja, aus Prinzip will ich das gerade machen, dann bist du eigentlich immer schief gewickelt, habe ich so den Eindruck. Ich bin mir noch nicht sicher, ob es so ist.
Shan Rahimkhan: Und das ist etwas, was ich dann irgendwie für einen Fehler halte. Also viele Dinge sollte man sacken lassen und einfach mal darüber nachdenken. Dieses Prinzip bin ich gegen etwas. Dann frage ich, ob das ein moralisches Prinzip dafür ist. Da musst du wirklich zu etwas stehen und das ist übrigens auch ganz was anderes. Was ist deine Haltung dazu? Und was sind deine Prinzipien? Das sind, finde ich, zwei verschiedene Sachen. Die Prinzipien hat man immer sehr schnell. Und das ist sehr schnell durch eine Meinung, durch eine Meinungsbildung oder durch eine Masse dann irgendwo gesteuert. Aber eine Haltung sollte etwas sein, wo du dann, wo deine ganze Lebensgeschichte sich dann befestigt und standhaft ist.
Joel Kaczmarek: Hast du denn eigentlich ein sehr experimentelles Leben geführt?
Shan Rahimkhan: Ich denke schon, ja. Also ich weiß jetzt nicht, worauf du hinaus willst mit experimentellem Leben. Aber ich habe natürlich, ich war, also ich finde das prinzipiell sehr, jetzt sind wir aber prinzipiell, jetzt hast du mir ein Wort in den Mund gelegt. Nein, habe ich selber gemacht. Was wichtig ist, dass du vielleicht auch mal in dem kalten Wasser springst, beispielsweise wie ich dann nach New York gekommen bin, ohne zu wissen, wie man einen Arbeitserlaubnis, einen Green Card bekommt oder wie ich dann eigentlich meinen Lebensunterhalt bestreiten möchte. Aber zu wissen, dass ich Haare schneiden kann und überall einen Job bekomme, war vielleicht ein bisschen gewagt. Übrigens, nachdem ich dann irgendwie dreieinhalb Monate in New York war, hatte ich wirklich dann auch gar nichts, gar nichts, gar nichts mehr. Also es hat gar nicht funktioniert, weil die alle gesagt haben, mit dem Arbeitsanlaubnis Und dann hatte ich aber noch einen Flug nach Los Angeles und dann habe ich gesagt, den nehme ich jetzt mal. Und bis da mir dann Freunde gesagt haben, dann sag einfach, du hast eine Arbeitserlaubnis. Damals ging es übrigens. Damals konntest du sagen, ich bringe es einfach morgen. Das war okay. Und bin dann die erste Woche, wo ich in Los Angeles war, bin am Venice Beach und habe dann einen Korbstuhl mir dann irgendwie geklaut und habe dann tatsächlich am Strand Haare geschnitten und mein Geld so verdient. Also war nicht viel, aber es hat gereicht von Motel und von Bier und von Essen und so weiter und so fort. Hat funktioniert, bis ich dann einen Job hatte, dass ich dann einfach mal jede Woche dann Geld bekommen habe. Aber wichtig war erstmal zu machen. Und die Ängste auch so zu beschreiten.
Joel Kaczmarek: Das wollte ich gerade sagen, das muss ja irgendwie beängstigend gewesen sein.
Shan Rahimkhan: Ja, war es auch. Aber es ist wirklich so ein kurzer Moment und das triggert dich dann und das darf dich halt nicht lähmen. Du musst halt irgendwie dass sie Herausforderungen nehmen und weitermachen. Es ist witzigerweise, war ich früher viel mutiger gewesen als heute, würde ich behaupten, weil ich ein Familienkind bin. Da hast du natürlich einfach mal ein ganz anderes Zukunftsgedanken und du möchtest ja praktisch was hinterlassen. Und dann ist es jetzt irgendwie viel mehr, dass ich über die Zukunft nachdenke, als ich das mit 20, 30 gemacht habe. Ja.
Joel Kaczmarek: Also ich lege dir jetzt als dritten Punkt hier in den Mund, komm ins Machen und lass dich nicht von deinen Ängsten zurückhalten. Und jetzt überlege ich so, Angst hat ja manchmal auch einen Sinn. Wann hast du gesagt, auf die Angst höre ich, da bin ich vernünftig oder da mache ich mal Piano und wann hast du gesagt, nein, egal, all in.
Shan Rahimkhan: Ja, also Angst ist ja tatsächlich so, dass es, es ist was Intelligentes. Also Angst zu haben ist ja intelligent, weil die Menschen, die keine Angst haben, sind dann wieder doof. Oder sie haben gar keine Ahnung. Das ist wirklich so. Aber die Angst darf dich halt nicht lähmen. Und das ist halt das, was ich nie das Gefühl hatte, dass es für mich lähmend ist. Ich habe da einfach mal eine Befürchtung gehabt, aber nicht wirklich Angst gehabt. Für mich ist es ein Unterschied.
Joel Kaczmarek: Ja, aber ich meine, ich sage ja, du hast ja auch da krasse Stationen durch New York, Los Angeles, das sind ja auch so die teuersten Städte, in denen du warst, London, Paris. Ging das so weiter eine ganze Zeit lang, bis du dich geerdet hast, sagt man?
Shan Rahimkhan: Nee, nicht wirklich. Also Paris war ja vorher, London war ja nur wirklich wenige Monate und Paris war ich dann, weil ich dann den Friseurhandwerk einfach perfektionieren wollte. und damals war ich in Wien beim Jacques Desange gewesen und Desange… War damals einer der besten Salons gewesen in Frankreich. und da wollte ich beim Bruno Pitini, das war der Kreativdirektor von Jacques Desange, da wollte ich unbedingt bei ihm, weil ich seine Show gesehen habe und bin von Hocker gefallen und wollte unbedingt bei ihm arbeiten. Und so kam ich nach Paris und war aber relativ schnell vorbei, weil zu damaligem Zeitpunkt, vor 30 Jahren, 25 Jahren, haben sich die Franzosen einfach geweigert, Englisch zu sprechen. Und es war sehr schwierig, sich da weiter in Paris aufzuhalten, weil ich einfach mal nicht sprachbegabt bin. Und deswegen habe ich das einfach mal gelassen und sehr schnell wieder nach den USA gegangen.
Joel Kaczmarek: Ja, war verrückt. Ich meine, aus dem Elternhaus bist du gekommen?
Shan Rahimkhan: Ja, mein Vater ist Ingenieur gewesen, leider ist er verstorben letztes Jahr und meine Mutter Lehrerin. Also ich habe eigentlich nie was Richtiges gemacht zu Hause, weil meine Mutter sagt immer noch zu mir, jetzt hast du ja alles erreicht, jetzt kannst du endlich mal Arzt werden.
Joel Kaczmarek: Ja stimmt, das habe ich in deinem Wikipedia-Eintrag gelesen. Er wollte eigentlich Arzt werden, dann wurde er Friseur.
Shan Rahimkhan: Nicht ich wollte es, sondern meine Eltern wollten, dass ich Arzt werde. Das ist ein Unterschied. Aber das ist halt. in einer guten iranischen Familie ist es halt so, dass ein Familienmitglied mindestens Arzt werden soll. Also es ist so irgendwie in DNA von Persern drin. Das ist dann einfach so Akademiker oder Arzt werden. Akademiker vielleicht auch nicht, aber du musst wenigstens Arzt werden. Also Ingenieur ist zu wenig. Also das ist einfach, man weiß auch nicht warum. Und ja, ich habe das auch, die Lehrzeit wussten meine Eltern nicht. Ich war ja allein in Wien gewesen, deswegen wussten sie es gar nicht, dass ich dann tatsächlich eine Lehre angefangen habe, um Gottes Willen.
Joel Kaczmarek: Ich glaube, es gibt viele Menschen, die was gemacht haben, was die Eltern wollten, dass man macht und werden damit unglücklich. Also ich glaube, da hast du den Gefallen mit getan.
Shan Rahimkhan: Vielleicht, ja, kann sein.
Joel Kaczmarek: Wie ist es mit deinen Geschwistern? Du bist ja mittleres Kind, glaube ich, ne? Mhm.
Shan Rahimkhan: Ja, ich habe einen Bruder, der hat eine Gastronomie hier in Berlin und ich habe meine Schwester, die lebt in Düsseldorf. Ah, okay.
Joel Kaczmarek: Also das ist ja relativ nah.
Shan Rahimkhan: Ja, jetzt schon, ja. Also jetzt seit den letzten zehn Jahren alle irgendwie in Deutschland.
Joel Kaczmarek: Was hat der denn für eine Gastronomie, wenn ich mal hier Schleichwerbung machen darf?
Shan Rahimkhan: Kumberland House, ein Sizilianischer Restaurant, weil seine Frau ist Sizilianerin und die machen eine fantastische Sizilianische Küche. Kumberland heißt das.
Joel Kaczmarek: Ist das nicht dieses riesige Ding da bei Diptyk?
Shan Rahimkhan: Genau, richtig.
Joel Kaczmarek: Das ist ja huge.
Shan Rahimkhan: Ja genau, das ist ja genau. Er macht die Leitung dort und hat dann irgendwie Geschäftsführer und macht das einfach hervorragend. Also drei Jahre ist das.
Joel Kaczmarek: Ja, ich fahre da schon mal essen, das ist sehr gut.
Shan Rahimkhan: Oh, siehst du?
Joel Kaczmarek: Wow, also ich sehe schon, der Kleingespräch ist nicht. Schön, so, okay, also drei haben wir schon. Gibt es noch was? Viertes, wo du sagst, mit 20 so wertvollstes Learning in der Rückschau?
Shan Rahimkhan: Eine Sache ist doch noch da. Also ich habe dann irgendwie, tatsächlich bin ich nach Berlin und habe ja damals erst mal die ersten drei Jahre oder zweieinhalb Jahre bei Udo Walz gearbeitet. Damals war ja für mich sehr wichtig gewesen, bei den Besten zu arbeiten und habe dann gefragt, wer ist denn da der Platzhirsch? Und da meinten alle so, ja Udo Walz und ich kam ja aus Wien und den Namen Udo Walz gibt es gar nicht in Österreich eigentlich. Also Seppel vielleicht aber nicht. Und dann war das für mich so ungewöhnlich, aber trotzdem habe ich da angefangen zu arbeiten. Danach habe ich mir dann einen Stuhl gemietet. Dann zwei, dann einen halben Laden und ich muss sagen, es ging schon sehr, sehr gut und es hat auch sehr gut funktioniert. Also das war auch relativ schnell, dass die ganzen deutschen Schauspieler, aber auch dann damals Judy Foster, die ich schon mal in Los Angeles gemacht habe. schon hier zu Besuch war und dass die dann bei mir war, wurde dann praktisch dann großer, weil ganz viele deutsche Schauspieler darauf aufmerksam geworden sind und bei mir waren und wurde sehr groß. und da habe ich natürlich angefangen, ja, brutto minetto, also es funktioniert, also ich habe sehr viel Geld verdient und habe damals meine erste Porsche gekauft. tatsächlich und Und das war, da würde ich jetzt im Nachhinein auch sagen, musste das sein sein. Also der Punkt ist, dass ich sehr viel Geld ausgegeben habe. Gar nicht in Business investiert, sondern in Spaß investiert habe. Und das ist definitiv nicht richtig gewesen. Ich hatte gar nicht von Anfang an viel mehr, viel schneller in Business investieren sollen. Und das war etwas, was ich dann, was das groß gemacht hat, hätte sehr schnell. Übrigens, was wir nicht erwähnt haben, ich habe ja übrigens auch eine andere Firma, die heißt Shine. Ich weiß nicht, ob du das kennst. Shine ist eine Haarfarbe, also eine Firma für Haarfarben fürs Zuhause. Also ich habe das eigentlich gegründet vor drei Jahren online und das ist auch, warum ich das erwähne, ist sehr wichtig zu wissen. Also da habe ich dann wirklich investiert. Das heißt, eine Online-Firma zu gründen und zu investieren. Und das war zwischenzeitlich so gewesen, dass jetzt, wo dann praktisch die Pandemie anfängt, das Ding extrem groß gemacht hat. Und wir haben es gerade in Entengelmann verkauft, der Unternehmen. Und mittlerweile, ich habe zwar immer noch 9% Anteile, aber wir haben die Produkte in alle DM-Läden, also 2800 Läden. Und das funktioniert natürlich fantastisch. Das ist ein Punkt, wo ich sage, so etwas hatte ich damals schon anfangen sollen, weil es ist schon enorm wichtig, wie lange du was machst, weil das wahnsinnig viel Trust schafft. Je länger du bei einer Marke bist, bei einem Namen bist, umso länger, umso intensiver ist das, weil dann Wenn schon dein Kind davon gehört hat, aber der Großvater auch, dann ist es an der Marke wert. Also so eine Marke aufzubauen, zu investieren, aufzubauen, ist, glaube ich, ganz, ganz wichtig von Anfang an zu tun. Also daran zu glauben und an die Marke zu investieren.
Joel Kaczmarek: Ja, ist ja spannend, weil es ist ja auch irgendwie so, die Leute packen einen ja irgendwann in Schubladen und du kommst ja auch nicht mehr raus. Also du könntest wahrscheinlich machen, was du willst. Wenn du jetzt auch ein guter Schachspieler wärst, würden die mal sagen, also der, der die Haare schneidet, warum macht denn der jetzt Schach so? Also kann ich verstehen. Jetzt hast du eben erzählt von deinem Geld investieren und nicht selbst in dein Business. Ich frage mich ja bei Friseuren übrigens auch, wie werden die denn gefunden? Also was ist denn da so der Pfad? Weil ich habe teilweise im Vorgespräch auf heute, war ich im Auto und sage, ja, ich investiere in ein Interview heute mit Shan Rahimkhan. Wen? Dann dachte ich, ah, der wohnt nicht in Berlin, der kommt aus Hannover oder so oder aus München oder was weiß ich. Wie gelingt es da eigentlich, dass man diese breite Bekanntheit hinkriegt?
Shan Rahimkhan: Also breite Bekanntheit weiß ich nicht. Also ich glaube, das ist dann einfach mal eher so. Gut, bei mir ist es jetzt ein bisschen anders, weil dadurch, dass ich sehr viel Fernsehen auch mache. Also ich mache ja einmal im Monat beispielsweise für Gala TV in RTL was oder, keine Ahnung, Shopping Queen oder so. Vielleicht kennen die Leute das vom Fernsehen, ja. Aber beispielsweise, weil du Tony Blair erwähnt hast am Anfang, die kamen zu mir total random. Also auf diese Idee kam ich nicht, weil man bekommt ja aus London jetzt irgendwie, warum rufen die mich jetzt an? Und in dem Fall war das so gewesen, dass eine Journalistin von Vanity Fair aus London zufällig bei mir als Kundin gekommen ist, weil eine Freundin, also zufällig mit einer Freundin zusammen, weil sein Feier war in Berlin. Er kam zu mir und hat sich die Haare machen lassen, ging nach London und wurde von Mrs. Blair angesprochen, man, du hast ja tolle Haare, wo hast du das dann machen lassen? Und sie meinte, ja, in Berlin. Ich sagte, ja, zufällig bin ich nächste Woche auch in Berlin, ja. Dann rufe ich da mal an. Also du siehst, das ist auch Mund-zu-Mund-Propaganda. Es kommt ja immer so. Noch ein Beispiel, was mich total beeindruckt hat, ist ja, als neulich dann irgendwann bei uns bei Nancy Pelosi war.
Joel Kaczmarek: Die Demokratin hier.
Shan Rahimkhan: Genau, die Demokratenführer in den USA, also Nancy Pelosi. Und sie kam dann zu mir und das war sehr aufregend, weil sie mussten ja auch mit den Hunden durch den Laden gehen und das ist ein ganz anderer Sicherheitsfaktor. Und also das heißt, diese Spurhunde mussten rein und was ist Security? und so weiter und so fort. Und da traust du dich gar nicht zu fragen, was ist da los? und so weiter und so fort. Und dann habe ich ihr die Haare gemacht und das war super nett gewesen. Und dann meinte sie es so, weil ich nie frage nach Fotos. Also ich mache keine Selfies. Das ist bei uns auch im Laden überhaupt nicht gewollt und verboten eigentlich bei unseren Mitarbeitern. Und sie meinte aber so, lass uns mal ein Foto machen von Nicole. Und ich wusste gar nicht, was sie meinte, wer ist Nicole? Bis sie gesagt hat, das ist Nicole Kidman Empfehlung gewesen. Also du siehst, da ist tatsächlich so, dass es ganz, ganz normal, wie jeder andere auch so ist, wenn du dann gut aussiehst, sprechen dich darauf die Leute an und die fragen das und dann kommt das halt so zu. Verrückt, verrückt.
Joel Kaczmarek: Hast du mit den Menschen eigentlich belastbare Beziehungen? Befreundet man sich mit denen auch? Oder ist das eigentlich Kunde rein, raus, wie es bei uns anderen Unternehmern auch ist?
Shan Rahimkhan: Ja gut, es kommt darauf an, wie oft die Leute zu dir kommen. Ich habe ja Kunden, die kommen schon seit 20 Jahren zu mir. Natürlich ist es dann irgendwo auch eine Freundschaft. Und manche Kunden siehst du ja oft, als du deine Onkel und Tanten siehst. Zum Glück ist es manchmal so. Nee, und daher ist es schon so, dass du dann schon eine Beziehung aufbaust, ja klar.
Joel Kaczmarek: Und was ist so das Geheimnis für dich, um eine gute Marke aufzubauen? Weil du hast gesagt, je länger es besteht, desto fester die Bande, die du auch mit den Menschen knüpfst. Was würdest du sagen, ist so das kleine Einmaleins, wie es dir gelungen ist, aus dir und deinen Produkten eine Marke zu machen?
Shan Rahimkhan: Ja, ich habe ja, Branding ist wahnsinnig wichtig. Also es hört sich banal an, aber es ist wahnsinnig wichtig, dass du ein Branding hast. Ich sehe ja, du hast ja zum Beispiel ein Branding Digital Compact. Es ist wichtig, dass du wirklich dann, dass da drin auch zu sehen ist, was du dann ausstrahlen möchtest. Ich glaube, wenn man ein Ladengeschäft hat, dann sollte man das auch sehen, was du da zeigen möchtest. Also ich meine, ich glaube schon, wenn du manchmal zu Menschen nach Hause gehst und dir eine Küche anguckst oder dir eine Wohneinrichtung, dass du dann auch so deine Part denkst. Da sagst du, okay, ja, also Geschmack hat er jetzt nicht, aber vielleicht ist er nett. Ja. Aber in dem Fall ist es schon wichtig, dass du das Innere nach außen trägst in diesen Form, dass du zeigst, wofür stehst du, was ist das, was du dann nach außen zeigen möchtest, was ist die Qualität. Mir war zum Beispiel nie wichtig, einen goldenen Wasserhahn zu haben, sondern schon die beste oder schönste Tapete, meiner Meinung nach, in meinem Badezimmer zu haben. Ich glaube, das ist der Triggerpunkt, wo die Leute, diejenigen, die du dein Target Group, die verstehen das schon. Und wenn sie es nicht verstehen, dann sind sie nicht dein Target Group.
Joel Kaczmarek: Spannender Gedanke. Also auf die Spitze hast du es auch getrieben mit deinen Friseursalons, was du gesagt hast, dich in die Zielgruppe rein zu versetzen und deren Geschmäcker zu antizipieren und zu gucken, ob das deckungsgleich ist mit dem, was du machst.
Shan Rahimkhan: Ja, schau mal, wenn ich eine tolle Frisur mache und dann davon überzeugt bin und sage, das ist eine tolle Frisur, Und sie sagt dann aber, nee, ich würde es aber dann doch irgendwie vorne pink und hinten dann violett. Dann sage ich, ja, aber das ist ja nicht mein Ding. Also ich kann mich dann verstellen und dir versuchen, das zu machen, aber selbst wenn ich das eins zu eins so mache, wie du das dir vorstellst, dann stehe ich ja nicht dahinter und dann ist es nicht gut. Also es ist schon so, dass du dann konsequent das auch machen solltest, woran du dich dann hältst und was du ja für wichtig und richtig findest.
Joel Kaczmarek: Also könnte es mir passieren, dass ich zu dir in den Salon gehe und werde weggeschickt, weil du sagst, tut mir leid, ich bin nicht der Richtige für das, was du dir wünschst?
Shan Rahimkhan: Nein, aber grundsätzlich ist es so, es passiert schon, es ist nicht zur Seltenheit, dass wir dann sagen, gewisse Dinge können wir einfach nicht machen, gerade wenn es um die Haarqualität geht, wenn man beispielsweise die Haare dann so kaputt macht, unsere Credo ist lässige Eleganz und übrigens auch das, dass wir sagen, nur gesundes Haar ist schönes Haar. Und wenn es dann aber nicht gesund ist, was wir machen, also deine Haare brüchig macht oder nicht gut aussieht am Ende, meine Meinung nach, dann machen wir es halt auch nicht.
Joel Kaczmarek: Bei Marken ist ja auch oft so, dass Verknappung so wichtig ist. Wie ist das in deinem Beruf? Weil ich meine, an deinem Laden steht zwar dein Name dran, aber es ist glaube ich klar, dein Tag hat auch nur 24 Stunden, von denen du vielleicht acht oder zehn im Salon stehst, kann ja nicht jeder bei dir bedient werden. Ist das was Wichtiges sogar? Hilft dir das sogar? Wenn die Leute wissen, okay, das ist ein echtes Privileg, wenn ich bei ihm einen Termin habe, darauf warte ich auch drei Monate oder weißt du, was ich meine?
Shan Rahimkhan: Absolut, das ist so, aber wir schaffen das immer wieder. natürlich, ich muss auch ganz klar sagen, wir sind sehr teuer, also das ist schon wahrscheinlich der teuerste Friseursalon in Deutschland. Ist aber so, dass wir sagen, dadurch schaffst du ja auch eine gewisse Knappheit. Das heißt, im Grunde genommen darfst du ja, es ist ja wichtig, dass man auch dafür sich dann die Zeit nimmt, vielleicht auch beispielsweise Kunden, die ich wahnsinnig toll finde, dass sie vier, fünf, sechs Monate lang sparen, damit sie dann nur zu uns kommen und dann ist es auch ein Erlebnis. Und dann haben sie es dann auch erlebt und es ist schön. Aber es darf nicht so sein, dass es dann einfach mal so günstig wird, dass du eigentlich gar nicht mehr aus dem Laden raus kannst, sondern dass du immer praktisch 24 Stunden lang arbeitest.
Joel Kaczmarek: Das ist gar nicht so einfach, so einen Beruf gut zu tarieren. auch, ne?
Shan Rahimkhan: Ja, es ist schon ein Drahtseilakt. Also du musst auf vieles Acht geben. Also Qualität ist zum Beispiel ein wahnsinnig starkes Zeichen für Erfolg. Wir haben Also ständig Schulungen, Seminare und so weiter. Das kostet ja auch Geld, was wir auch machen. Also wir haben auch externe Leute, die bei uns dann auch immer die Schulungen machen. Es gibt immer Dinge, die man dann in Workshops lernen kann. Aber wenn du das nicht machst, wenn du das nicht hast, dann darfst du dich ja auch gar nicht als gut bezeichnen, weil immer wieder Es gibt immer wieder was Neues, immer wieder was zu lernen und da musst du dich immer daran halten. Und diese ganzen Punkte zusammenzubringen, also per Marketing und du siehst zum Beispiel, ich habe ja auch eine Social-Media-Frau dabei, die bei uns ein Video macht. Also wir müssen das auch nach außen zeigen, was wir auch so sonst machen. Also das ist zum Beispiel ein Part, der jetzt seit neuestem dazugekommen ist, in den letzten drei, vier Jahren. Davor habe ich gar nicht darauf geachtet, dass man das zu etwas vermarkten soll. Also all das hat was damit zu tun. Also sowohl das mediale Teil, der öffentliche Teil, als auch das interne Seminare, Schulungen und Workshops.
Joel Kaczmarek: Ich bin ja so schrecklich deutsch, ich weiß genau, was du meinst. Ich bin immer so der Ingenieur, der die Produkte perfekt macht und dann vergisst von zu erzählen. Weißt du das? Ah, schlimm. Ja, schlimm.
Shan Rahimkhan: Also du musst schon, wichtig ist es schon, dass man dann auch sagt, was man ist, wer man ist und was man dann gemacht hat. Du hast recht, das hat sich übrigens auch mit 20 nicht gekonnt. Oder nicht gewusst.
Joel Kaczmarek: Jetzt hast du ja eben auch erzählt von deiner Brand, mit der du diese Haarfarbe produzierst und verkaufst.
Shan Rahimkhan: Schein, ja.
Joel Kaczmarek: Wie unterscheidet sich das für dich? Fühlt es sich genauso an wie dein Friseurberuf oder ist es so ein bisschen nebendran? Es ist ja irgendwie nah, also es hat ja eine Nähe inhaltlich, logisch. Aber es ist ja trotzdem ein anderes Geschäft, was du machst.
Shan Rahimkhan: Ja, das ist vollkommen richtig. Das ist zwar nicht mit 20 passiert, aber wichtig ist zu wissen, dass ich dann überhaupt keine Ahnung habe von der geteilten Welt. Also ein Online-Business zu bauen, war für mich komplett fremd und habe auch überhaupt keine Ahnung davon. Ich habe das damals einem Freund erzählt, Alex Kuttlich. Von Rocket, den kennst du?
Joel Kaczmarek: Ja, Sandy, genau.
Shan Rahimkhan: Sandy hat mir da geholfen und hat dann irgendwie bei dieser Kunde bei mir, also kann ich dir schon eine Grüße von dir ausrichten?
Joel Kaczmarek: Ja, unbedingt.
Shan Rahimkhan: Und er meinte dann so irgendwie, ja Mensch, das ist eine super Idee, mach das mal. Also er hat mich erstmal eingeladen bei sich, dann irgendwie im Rocket, da waren wir mal oben, du weißt ja, ganz oben in der Tasche gewesen, ich habe ihm alles gezeigt und er meinte so irgendwie, boah, das ist eine geile Idee, musst du machen. Und er hat mir dann Leute empfohlen, die das machen können. Und ich war dafür zuständig natürlich, also ich habe ja mit 100% quasi angefangen und habe sehr schnell festgestellt, dass ich das einfach mal nicht wuppen kann, ohne dass man gute Leute anhand hat. Und dann ging es halt los, dass ich dann einfach Anteile abgeben musste. Ich habe jetzt enorm schwer getan dabei, weil bis dahin war das einfach mal so, ich Handwerker, mach das Unternehmen auf, mach das Ding, also warum soll ich Anteile abgeben? Also es war Bis er mir gesagt hat, hey Jan, du musst das abgeben, weil ein Prozent von einem Milliarde ist besser als 100 Prozent von gar nichts. Habe ich auch sehr schnell verstanden und habe das dann auch gemacht. Und dann habe ich dann, ja genau, dann ging es halt los. Das ist dann irgendwie und am Ende hat, wie gesagt, ich habe jetzt nur noch mehr neun Prozent und bin aber sehr glücklich damit. Aber da war auch ein Learning gewesen. Also da musste ich erst mal verstehen und lernen, dass ich dann überhaupt keine Ahnung habe von Online-Business. Und ich habe dann die Produkte entwickelt. Und damals war übrigens auch immer wieder von Friseuren die Frage, die mich angefeindet haben, mehr oder weniger gesagt haben, wie kannst du eine Haarfarbe entwickeln, die fast zu Hause ist, wo die Kunden dann eigentlich zu dir kommen sollen und die Haarfarbe bei dir machen sollen. Und habe gesagt, ja, aber das ist genau das, was ich eigentlich nicht möchte. Ich möchte dann einfach mal künstlerisch aktiv sein, nämlich Strähnen zu machen, Freihandtechniken zu machen, Balayage zu machen. Das sind ganz andere Techniken, ganz andere Haarkunst. Und einfach mal Einsätze zu färben, kann sich doch jeder zu Hause und kann danach hier zu mir kommen und sich dann irgendwie nochmal veredeln lassen. Das ist eigentlich die Idee dahinter. Und da ist keine gute Haarfarbe, gab es sowas zu Hause, habe ich das dann entwickelt und wurde ja wirklich relativ schnell zu einem Mega-Erfolg, weil es auch zur Pandemie-Zeit ja auf einmal die Friseur-Ressort hatten und alle die Haare zu Hause färben mussten. Es ist erst nach der Pandemie ist das praktisch, diesen Riesenerfolg, den wir durch die Pandemie hatten, ist es ja praktisch, also da muss man sich vorstellen, dann haben die ja die Salons wieder aufgemacht, dann haben sie gesagt, oh, dann gehen wir schnell wieder zum Salon. Also wurde das Online-Business von den Haarfarben eher eingeschlafen und witzigerweise jetzt durch diese DM-Geschichte, wo wir am DM jetzt verkaufen, ist es enorm wieder gestiegen, weil ich habe dann echt nicht gedacht, dass es oft so ist, dass wir 90 Prozent von unserem Umsatz offline machen und nicht mehr online. Also das muss man sich vorstellen. Also es ist irgendwie ein enormer Unterschied und das hatte ich auch nicht gedacht.
Joel Kaczmarek: Aber eigentlich auf eine Art auch einleuchtend. Also ich glaube, es ist wieder ein bisschen ein sehr deutscher Markt. Aber klar, Haarfärbemittel bestellt man sich eigentlich nicht, sondern das nimmt man so mit, wenn man in der Drogerie ist oder wenn ich bei dir bin. Und dann sagst du, hier, guck mal, Joel, ich habe jetzt deine Glatze gefärbt. Wenn du da nochmal selbst und so, dann macht es Sinn. Ja, krass. Aber da ist ja mit Kuttlich auch das Tier schlechthin. Also ich weiß nicht, wie gut du seinen Beruf kennst.
Shan Rahimkhan: Ja, sehr gut, ja.
Joel Kaczmarek: Der hat ja von, weiß ich nicht, Panama bis Indonesien hat er ja Onlineshops gesehen, bis der Arzt kommt.
Shan Rahimkhan: Ja gut, aber das ist auch die Vorteil von meinem Business, das muss ich sagen, weil ich habe ja mit extrem vielen Menschen Kontakt. Also ich konnte, ich habe dann von Zwillichten, Rotlichter bis zum Politikern und allen möglichen Menschen, die zu mir kommen. Und das ist ja ein neutraler Ort, das ist ja eigentlich schon so ein Heiligtum, weil du sitzt ja da und ich habe dann diese Stunde Zeit, mit den Menschen sehr persönlich zu sein, sehr nah zu sein. Und der Vorteil ist halt, du lernst halt enorm viele Menschen kennen und der eine oder andere findet dich vielleicht auch sympathisch, genauso wie ich das finde. Und dann findet man dann solche Gespräche. Also es war ja jetzt nicht so, dass der Alex zu mir gekommen ist, dass er zu mir gekommen ist und ich habe am gleichen Tag gesagt, ah, das machst du, also lass mich dann darüber reden. Sondern das ist schon nach zwei Jahren, nachdem er schon sehr oft bei mir war, darüber gesprochen haben. Also ich gehe jetzt nicht an die Leute ran und sage, was, du bist Arzt, da habe ich ein Problem bei meinem Rücken, kannst du mir helfen? Sondern Das ist schon so, das entwickelt sich dann irgendwann mal und dann fängst du an, über solche Dinge auch zu sprechen. Ich glaube, auch die Menschen brauchen eine Zeit, weil ich genauso übrigens das hasse, wenn ich in einem Restaurant sitze und irgendjemand zu mir kommt und sagt, wie findest du eigentlich meine Haare? Passiert ja auch übrigens. Also wenn jemand mir das sagen würde, den ich schon sehr lange kenne, dann ist kein Problem, aber beim ersten Kontakt nicht.
Joel Kaczmarek: Mhm. Ja, aber sowas wächst ja auch. Ich finde ja auch, wenn ich jetzt gerade an Sandy zum Beispiel denke, von dem du geredet hast, ich war ja streng genommen in seinem Hardcore-Feindeslager. Ich war ja einer der größten Kritiker seiner Arbeit oder der seiner Herren und Meister da. Und ich finde, es sagt ja immer schon was aus, wenn man dann trotzdem sich quasi freundschaftlich verhält. Also ich glaube, der mag mich auch ganz okay. Da achte ich auch irgendwie mal drauf. Weil ich finde, wenn ich jetzt hier nochmal deinen fünften Punkt angucke mit dem Baune Markauf, ich finde, mir war irgendwie immer wichtig, so Wort zu halten. Ich weiß nicht, wie es dir so geht, aber ich bin immer so, wenn ich ein Versprechen abgebe, Ein Leistungsversprechen, dann will ich immer, das ist eigentlich so under promise, over deliver, ist immer so.
Shan Rahimkhan: Gute Punkte, ja, sehr gute Punkte, also das hat was mit Glaubwürdigkeit zu tun, ja, und das ist dann auch was mit dem, weißt du, ich meine, wie oft hast du das ja gehört, weiß nicht, wie oft du das gehört hast, aber ich habe das ja oft gehört. wo die Leute dann irgendwie zu dir kommen und dich dann toll finden, den Laden toll finden und sagen, ja, das musst du in Los Angeles machen, du musst überall diese Laden aufbauen, ich investiere, das rennt. Das ist natürlich ein Schwachsinn, ja. Also es gibt ja, wenn ich alle Versprechen jetzt zusammennehmen würde, da wäre ich ganz woanders, wahrscheinlich wäre Ellen Musk ein Scheißdreck dagegen. Also ich glaube, darauf darf man keine Pfeffering geben. Es geht vielmehr darum Wie ernsthaftig ist ja tatsächlich dein Anliegen und was kannst du dann auch liefern? Ich glaube, das ist ein Punkt, wo du sagst, ja, wenn man sagt, lass uns darüber reden, dann muss schon auch eine Substanz dahinter sein. Und ohne ein Businessmodell jetzt zu ihm zu gehen, hatte ich mich auch nicht getraut.
Joel Kaczmarek: Warst du eigentlich mal verführt, in Düsseldorf einen Laden aufzumachen, in München, in Hamburg, in Wien, in Salzburg? Oder war dir das immer fern?
Shan Rahimkhan: Ja, verführt, ja, aber es geht nicht. Also ich habe dann auch das, habe ich dann auch sehr schnell gelernt, dass da ist ein Punkt, wo du sagst, wenn du in so einem Luxusbereich arbeitest, ist es unglaublich wichtig, dass du auch da bist. Weil egal, wie gut deine Leute sind, es ist ein Geist, der mitschwebt. Und da ist es ganz wichtig, dass dieses Geist da ist und das auch dann alle spüren und merken. Man kann, ich glaube, es gibt nur einen einzigen Drei-Sterne-Restaurant, Luca ist das, glaube ich, die dreimal gibt. Aber ich kenne keinen anderen Sterne-Restaurant, zumindest zwei Sterne, der einen Koch hat, sondern es ist immer der Sterne-Koch auch immer da. Also du musst wirklich extrem viele Dinge standardisieren auf einem hohen Level, dass du so etwas machen kannst. Und selbst dann würde das ja keinen Sinn machen, weil, wie du so schön gesagt hast, der Arbeitstag hat acht Stunden. Du kannst nur so und so viele Menschen machen und da bist du abhängig vom Personal. Und so viele gute Leute gibt es eigentlich gar nicht mehr, also gerade beim Handwerk. dass du drei Läden, solche Läden machen kannst. Also du kennst, es geht gerade noch gut mit zwei Läden, beispielsweise von den Berlin, wir wollen ja noch eine eröffnen.
Joel Kaczmarek: Hattest du nicht drei?
Shan Rahimkhan: Ich hatte zwei gehabt, ja, also einmal Kudamm und einmal Gendarmarkt. Wir haben eine Kudamm zugemacht, sind zum KDB gegangen, das war auch gewollt so gewesen, das wollten wir machen. Also Gendarmenmarkt mussten wir zumachen, also ich habe da ein Insolvenzchen gelegt sozusagen, weil wir eine dreijährige Baustelle vor die Tür bekommen, nicht nur das, sondern es war auch viel mehr dahinter gewesen, also auch kurz nach der Pandemie und so weiter und so fort, was sehr, sehr schwer gemacht hat unsere Arbeit. Was ich sagen muss, auch hinterher zu betrachten, eine Erfahrung, die ich eigentlich nicht mehr missen möchte, weil es sehr schön war es nicht, es war keine schöne Erfahrung, sondern sehr heftig, sehr schmerzhaft. Aber es war sehr wichtig, weil ich ja, und das ist wirklich so, du lernst Freund und Feind. Und da habe ich einige Enttäuschungen erlebt, die ich jetzt im Hinterher sehr glücklich darüber bin, dass ich das erlebt habe. Wie gesagt, ich vermeide es zu sagen schön, weil schön war es nicht, aber ich bin nicht mehr getäuscht, enttäuscht. Und das ist bei sich schon was Schönes.
Joel Kaczmarek: Wie gehst du damit um? Also wenn dich jemand enttäuscht, hast du dann Fahrt gefunden für dich?
Shan Rahimkhan: Ich vergesse das relativ schnell. Also ich habe da überhaupt keinen Punkt, wo ich dann sehr lange darüber nachdenke, weil es sehr schmerzhaft für mich ist. Und dann habe ich überhaupt keinen Bock darüber nachzudenken. Ich habe festgestellt, dass ich von Mentalität einfach ein Mensch bin, die, wenn ich nichts mehr sage oder nicht mehr darüber rede, dann bin ich richtig sauer auf jemanden und habe das einfach mal komplett, also meine Gedanken gestrichen. Wenn ich mich aber aufrege über jemanden, dann liegt mir was daran wahrscheinlich.
Joel Kaczmarek: Ich habe mich dabei ertappt, mir geht es manchmal so, wenn ich von Leuten enttäuscht werde, ich setze eine Flagge im Kopf, aber wenn ich dann nach drei Jahren daran denke, so, ja, ich will mit dem was machen, was ist denn dein Feedback zu dem, dann sitze ich mir und denke, warte mal, da war eine rote Flagge, ich weiß aber gar nicht mehr, warum, aber ich merke mir die Sache nicht. Weißt du, was ich meine?
Shan Rahimkhan: Ja, das ist gut, das ist gut, ja. Das ist, glaube ich, einfach mal, ist es, wahrscheinlich ist es eingeboren bei uns trennt, zum Glück, weil sonst würden wir uns ja ständig ärgern, also gerade, wenn man in der Stadt unterwegs ist, in so einer Großstadt, Aber wie lange du dich dann ärgerst über etwas, das kannst du steuern und manchmal ist es schwierig, aber wichtig ist, dass man dann einfach mal vergisst vielleicht auch, einfach bewusst vergisst.
Joel Kaczmarek: Ich weiß nicht, mir geht es auch viel so, ich habe immer so ein Thema mit Eigenverantwortung. Also ich habe in meiner Familie auch Menschen, wo ich so merke, okay, da sind immer die anderen schuld. Immer die anderen. Wenn sich da ein Abo verlängert hat, dann ist der blöde Kundendienstleister schon, wo ich so denke, Entschuldigung, jetzt haben wir den Vertrag lesen können. Und ich habe immer so eine Haltung, dass ich immer als erstes gucke, was lag an mir, was hätte ich anders machen können? Es gibt dann immer mal Momente, wo ich sage, hast du aus meiner Sicht alles Menschenmögliche getan, aber ich finde, das ist ein wichtiger Faktor bei sowas, wenn man mit Menschen zu tun hat, sich zu gucken, wo ist meine Baustelle, wo fängt die an, wo hört die auf? Und dann kann man sich ja überlegen, was ist jetzt meine Erwartung, ist die realistisch? und so weiter.
Shan Rahimkhan: Ja, aber ein Stück weit, wir verlassen uns ja auch ein Stück weit eigentlich in einem so Umfeld. Und du hast was Schönes gesagt, das Verantwortungsobernehmen ist grundsätzlich ein wichtiger Punkt. Also das ist dann zumindest für sich selbst. Und für die anderen kannst du ja, du kannst das ja nicht erswingen.
Joel Kaczmarek: Kannst du das denn gut, was du gerade gesagt hast, sich auf andere verlassen? Weil du ja auch meintest, bei deinem Online-Shop abgeben, ich glaube, da ging es nicht nur um die Prozente abgeben, da klang für mich auch raus, so Aufgabe und Verantwortung abgeben. Gelingt dir das?
Shan Rahimkhan: In diesem Fall schon. Ich musste lernen, als ich größer geworden bin, das abzugeben bei meinem Business. Also das war mit 20 nicht so einfach, also mit Anfang 20 nicht so einfach. Ich wollte eigentlich alles machen, alles selber machen. Und das ist nicht einfach. Es gelingt mir mittlerweile sehr gut, weil ich einfach, wahrscheinlich ist das auch Erfahrung, enorm gute Mitarbeiter habe und enorm gutes Umfeld habe. Also egal, mit wem ich arbeite, es ist immer gut ausgewählt und sehr lange darüber nachgedacht. Und ich habe da relativ wenige Enttäuschungen erlebt. Also ich habe immer wieder das Gefühl, dass, und das ist ein wahnsinnig wichtiger Punkt, egal wer, mit wem du arbeitest, derjenige muss wirklich gut sein. Also du bist gute Leute, nur mit guten Leuten kommst du voran. Also das ist, wenn du das doch noch mitschleppen musst, jemanden, die dann einfach weniger gut ist, dann tut das einfach weh, weil du nach vorne willst und hast dann einen Steinrucksack bei dir, den du da einfach mitträgst. Das funktioniert nicht.
Joel Kaczmarek: Und wie schaffst du es, dass diese Menschen bei dir bleiben? Weil in der Regel, wenn Leute so gut sind, können sie ja meistens das Ding auch selber machen oder was Eigenes.
Shan Rahimkhan: Das ist richtig, ja. Aber das ist auch ein bisschen Zeitgeist. Das ist diese Work-Life-Balance, was alle immer sagen. Also die Leute wollen ja immer weniger arbeiten, wollen viel mehr Geld. Wer aber mit Geld kommt, geht auch mit Geld. Also es ist, glaube ich, am Ende des Tages unglaublich wichtig, was für eine Atmosphäre du schaffst. Und da haben wir halt mit das, was wir machen, einfach mal eine unglaublich schöne Atmosphäre mit uns. Also ich glaube, ich könnte jetzt mal auch meine Augen und Ohren schließen. Du würdest jeden von deinen Mitarbeitern anrufen. Es gibt da keinen Punkt. Es ist einfach eine freundschaftliche Atmosphäre mit dem Zusammenarbeiten. Es ist immer gut. Gute Musik da, wir gehen immer gut essen, trinken. Wie gesagt, jetzt waren gerade meine Mitarbeiter in New York gewesen, also zweimal hintereinander. Also jetzt ist gerade von New York zurückgekommen ein paar Leute. Also ich belohne das auch natürlich, also mit schönen, guten, witzigen Sachen, wo man dann einfach mal gemeinsame Erlebnisse schaffen kann. Diese New York-Reise ist ja nicht deswegen da Damit ich sage, wie toll, dann ist es ein Goodie für euch, sondern auch das, dass die Mitarbeiter zusammen das machen. Also wir zusammen, gemeinsam. Allein schon der Flug dahin ist so witzig und schön. Das ist einfach mal das Zusammenschweiz. Und das ist etwas, wo ich sage, das alles trägt dazu bei, dass einfach mal eine gesunde Atmosphäre entsteht und die Leute gerne da bleiben. Und natürlich ist es so, dass sie es natürlich sehr gut verdienen. Also das gilt auch noch. Und keinen Bock haben, da irgendwie mit einem Laden sich selbstständig zu machen.
Joel Kaczmarek: Stimmt. Weil ich habe die ganze Zeit so überlegt, als du vorhin von Sterne-Gastronomie geredet hast, ob das ein bisschen vergleichbar ist. Und ich hatte jetzt im Raue schon zweimal bei digital kompakt in meinem Business-Podcast. Und der sagte ja immer, bei ihm ist es ja so, der macht doch gar keinen Hehl draus. Ich glaube, es gibt auch Leute, die es ein bisschen geil finden, wenn die so angeschrien werden. Und da geht es zur Sache. Und er sagt ja immer, nee, Sterne-Koch geht nicht in nett. Sondern da muss man funktionieren, es ist laut, es ist aggressiv und so weiter.
Shan Rahimkhan: Das geht bei uns gar nicht. Also es ist witzig, dass du das sagst, ich kenne Tim auch sehr gut und ich muss sagen, ja, er kokotiert natürlich auch ein wenig, das muss man halt sagen, weil er ist halt so ein Typ, ja. Aber das geht bei uns gar nicht, weil wir haben ja einen öffentlichen Bereich, also es gibt nur öffentlichen Bereich, also wir schnippeln nicht hinten da irgendwie Haare, sondern vorne. Und alle sehen dabei zu und alle hören dabei zu und das geht gar nicht, dass es dann einfach mal passiert, sondern ganz im Gegenteil. Also ich komme, das ist für mich selbstverständlich, dass der Umgang mit meinen Mitarbeitern, also es gibt keinen einzigen Tag, wo ich meine Mitarbeiter nicht persönlich jeden Einzelnen begrüße und verabschiede. Also das kann gar nicht sein. und weil ich das auch gerne tue, weil ich einfach mal wirklich mit denen auch befreundet bin, also das ist.
Joel Kaczmarek: Man hat ja dann so diese Bilder im Kopf, wenn du dann so, was weiß ich, machst eine Modenschau oder für die goldene Kamera bist du im Ritz und schneidest die Haare und dann hat man halt so diese Bilder, komm, komm, komm, Leute, das muss halt schneller gehen, die haben alle keine Zeit, ich will, dass ihr hier das meiste rausholt und gebt ihnen das Gefühl.
Shan Rahimkhan: Ja, das ist aber eher so ein Trainerjob, also es ist nie so, dass es dann böse genommen wird. Ich glaube, es ist ein großer Unterschied. Ich habe gerne auch mal in der Küche zugeguckt und so weiter. Ich weiß, was der Tim meint. Das sind wirklich schräge Tone, was man vor sich gibt. Da fliegen ja auch schon Pfannen und so. Das ist ganz anders. Wenn man unter Zeitdruck arbeitet, dann musst du das machen. Du musst einfach mal ein bisschen Druck geben. Aber da vergleiche ich mich eher gerne mit einem Pep Guardiola, irgendwie als Trainer in der Kabine, die 15 Minuten, die bleibt. Aber der ist ja auch bei diesen 15 Minuten sehr auf den Punkt, sehr laut, aber nicht die ganze Zeit so. Und bei uns passiert das auch mal, dass wir bei einem Meeting, die wir haben, vorher, nachher, aber du wirst mich nicht erleben, wenn die Stars da sind oder bei dem Film da sind, dass dann was passiert, sondern es ist eher nur als Motivation gedacht.
Joel Kaczmarek: Ich stehe. Schade. Ich kann ja mal durchgehen, aber ich habe jetzt sogar sechs Punkte aufgeschrieben.
Shan Rahimkhan: Wow.
Joel Kaczmarek: Also, Punkt 1. Experimentiere und sei frei von Prinzipienhaftigkeit. Bild dir lieber eine Meinung anstatt Vorurteile. Punkt 2. Lass die Finger von Dingen, von denen du keine Ahnung hast. Punkt 3. Komm ins Machen und lass dich von deinen Ängsten nicht zurückhalten. Punkt 4. Investiere dein Geld in dich und dein Business anstatt in Spaß. Punkt 5. Bau eine Marke auf, deren Länge echte Beziehungen ermöglicht. Und Punkt 6. Arbeite nur mit guten Leuten.
Shan Rahimkhan: Wow.
Joel Kaczmarek: How good is that?
Shan Rahimkhan: Sehr gut. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das zusammen bekomme.
Joel Kaczmarek: Ja, Fee, dann ganz, ganz herzlichen Dank. Es war mir ein Vergnügen und wie vermutet, tolle, vielfältige Perspektiven mit dir.
Shan Rahimkhan: Danke dir. Danke.