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**Joel Kaczmarek: **High Five, Leute. Hier ist Joel. Und heute habe ich Sandra Quedenbaum zu Gast. Sandra ist Coachin für Hochsensibilität und Trauma und ich kann dir sagen, die heutige Folge wird spannend, weil Sandra ist extrem empathisch, spürt ganz viele Dinge bei Menschen und hat durch ihren Beruf natürlich auch super vielfältige Berührungspunkte. Jemand, der anderen Menschen dabei hilft, ihre Traumata zu überwinden, der hat, glaube ich, einiges in seinem Leben gesehen und der dann das noch auf so einem Niveau tut, dass das sogar für hochsensible Menschen macht, ich glaube, das hält ganz, ganz viel bereit. Deswegen, aus der heutigen Folge nimmst du... du richtig viel mit, sage ich dir. Es wird selbstkritisch. Es sind Punkte, die dich ganz konkret weiterbringen in deinem Alltag und noch einiges andere mehr. Von daher genug der Vorrede. Hallo, liebe Sandra. Schön, dass du da bist.
Sandra Quedenbaum: Hallo, Joel. Ganz herzlichen Dank für die Einladung und für die lieben, lieben, warmen Worte.
Joel Kaczmarek: Rightfully so. Gut verdient. Und sag mal so, vielleicht mal, um dich nochmal fünf Minuten kennenzulernen, bevor wir gleich in deine fünf Dinge rein starten. Ist das denn so, dass du mit den Menschen richtig wirklich hart an ihren Traumata auch arbeitest? Also ist das das, was bei dir auf den Tisch kommt oder bist du mehr so, dass du einfach nur Techniken vermittelst?
Sandra Quedenbaum: Also früher war das so, vor Corona, da habe ich auch das gemacht. Ich bin ja Traumatherapeutin und mit Corona habe ich da meine Praxis aufgelöst. Und seitdem mache ich alles online und Trauma-Arbeit geht nicht online, weil nach meinem Verständnis ist es so, da braucht es ein Gegenüber, da braucht es jemand, der spürbar ist. Und letztendlich auch jemand, der das gut abfangen kann, wenn intensive Emotionen da sind. Und das ist am Telefon, finde ich, nicht machbar. Für mich jedenfalls.
Joel Kaczmarek: Also Trauma-Arbeit ist sehr körperlich, lerne ich daraus.
Sandra Quedenbaum: Genau. Und es ist viel vor allen Dingen auch Korregulation. Im Austausch mit dem Gegenüber zu sein. Und damit meine ich nicht das Verbale, sondern den anderen zu spüren. Zu spüren, dass der andere da ist. Zu spüren, dass der andere einen so annimmt, wie man ist, mit allen Scheißigkeiten, die man auch hat. Und dass man da gesehen wird und es einfach liebevoll aufgefangen wird. Und dass das, was nachreifen kann, was halt früher in der Kindheit in der Regel gefehlt hat. Weil entweder keiner da war oder die Eltern es nicht konnten so. Und da brauche ich auch wirklich manchmal jemanden zum Anfassen. Einfach zu spüren, dass jemand da ist, ist für viele Menschen eine ganz berührende Situation, weil die das eigentlich gar nicht kennen, das wirklich zu spüren.
Joel Kaczmarek: Ich habe von dem mal diesen Satz gelernt, Trauma ist verkörperter Schrecken. Also ist es ein bisschen so, dass wenn man ein Trauma erlebt, dass man das in seinem Körper quasi abspeichert?
Sandra Quedenbaum: Genau. Eine Traumaerfahrung wird von unserem Körper im Stammhirn abgespeichert. Das ist der Teil, der auch für Sinneswahrnehmung zuständig ist. Und da wird das alles festgehalten. Und auch wenn wir uns vielleicht gar nicht an das Trauma erinnern können, wir kennen das ja vielleicht aus Erzählungen oder von uns selber, dass manche Leute Sachen einfach gar nicht mehr wissen. Im Körper ist das gespeichert. Und unser System will uns halt schützen. Und immer wenn es in Situationen kommt, wo es das Gefühl hat, hey, das kommt jetzt in die Situation, dann wird es angetriggert und dann gehen diese Schutzmechanismen auf. Und das macht uns dann... Die Schwierigkeiten, die wir im Alltag haben und auch, dass ein Trauma halt unser Nervensystem völlig aus dem Gleichgewicht bringt.
Joel Kaczmarek: Und sag mal, was gibt es da eigentlich so für Techniken in dem Bereich, mit denen du auch versiert bist?
Sandra Quedenbaum: Grundsätzlich, wenn du sagst Technik, ist es wichtig halt in Spüren zu kommen. Und da gibt es ganz unterschiedliche Vorgehensweisen, weil Trauma sorgt dafür. dass wir uns nicht mehr so gut wahrnehmen, dass wir eigentlich nicht so gut spüren, was im Körper ist. Deswegen sind wir dann auch Burnout gefährdet, weil wir einfach gar nicht wahrnehmen, wenn wir uns überlasten. Und eine wichtige Technik, wenn man so will, ist, wieder in die Körperwahrnehmung zu kommen, in Spüren zu kommen, dass ich überhaupt fühlen kann, was da losgeht. Weil da ist auch der Schlüssel darin, dass mich Gefühle nicht so überrollen. Wenn ich das spüren kann, dann geht es auch darum zu lernen, nicht nur das Negative zu spüren, sondern gleichzeitig auch das Positive zu spüren. Dass man weiß, auch wenn da jetzt was gerade ganz, ganz mistig ist, da ist trotzdem was Positives und das ist spürbar.
Joel Kaczmarek: Na gut, komm, dann starten wir mal los. Magst du mir mal verraten, wie alt du bist?
Sandra Quedenbaum: Ich bin drei und... 50.
Joel Kaczmarek: Na gut, also wir schauen jetzt aber 33 Jahre quasi zurück und lassen das spannendste Revue passieren. Was ist denn so? das erste Ding, was dir in den Kopf gekommen ist, wo du sagst, wow, das mit 20 zu wissen, das wäre wertvoll gewesen?
Sandra Quedenbaum: Also das erste Ding, was mir in den Kopf gekommen ist, war eigentlich nicht, was ich gerne wissen wollte, sondern wo ich... im Nachhinein gedacht hatte, ich bin so froh, dass ich das mit 20 gelernt habe. Also das war gerade so die Zeit, wo ich diese Erfahrung machen durfte. Und ich merke halt, was das für Unterschiede macht für Leute, die diese Erfahrung nicht machen. Und das war, dass meine Vorurteile letztendlich meine Einschränkung sind. Und das habe ich zum Glück ziemlich früh. Ich bin so ein Forscher. Und früher war es so, dass ich, also ich habe mich schon immer ganz doll für Psychologie interessiert und Leute beobachtet und reflektiert, schon seit ich ganz mini war. Habe eigentlich auch schon früher relativ wenig Vorurteile gehabt, aber ein paar. Zum Beispiel, und ich weiß nicht, woher ich das habe, dass ich damals Cowboystiefel total doof fand. Da war ich 17. Und wenn jemand Cowboystiefel anhatte, das ist mir ein bisschen peinlich, das so zu erzählen. Irgendjemand... Cowboystiefel anhatte, habe ich gleich gedacht, was ist denn das für einer? Wahrscheinlich geht er doch zur Bundeswehr. Woher ich das hatte, weiß ich nicht, keine Ahnung, aber das war so mein Vorurteil. Und dann habe ich in einer Diskothek einen kennengelernt, der hatte halt Cowboystiefel an und sprach mich an und wir haben dann so geredet. und dann habe ich dann erst mal einfach mal so geforscht. Und dann erzählte er mir noch, er war dann bei der Bundeswehr, das passte natürlich dann genau in mein Bild. Bei der Bundeswehr ging es für mich damals halt auch überhaupt nicht. Ich war halt jung und da einfach auch vorurteilsbehaftet. Und habe dann mit dem länger gesprochen und der war einfach total nett. Das war so ein liebenswerter, toller Mensch. der war einfühlsam, also das war ein ganz toller Mensch. Und während wir uns unterhielten, da fing ich schon an und dachte, aber was machst du hier, wie scheiße ist das? Und er hat mich ins Bodenlose geschämt. Und was dann echt eine harte Schule war, aber letztendlich bin ich auch sehr, sehr dankbar war, ich habe ihm das dann im Gespräch erzählt und habe gesagt, du, ich merke gerade, du bist total nett und ich bin ganz irritiert. Und dann guckte er mich an und sagte, was glaubst du, wer du bist, dass du so mit Menschen umgehen kannst? Und ist gegangen. Und das war dann natürlich ein völliger Schock, weil er hat mich mit dieser Scham völlig alleine gelassen, was auch gut war, weil das berechtigt war. Und ist nicht so, naja, ist ja nicht so schlimm oder so, sondern hat mich einfach stehen lassen. Das spricht halt, finde ich, auch wieder für ihn, wie rein der mit sich war. Und naja, das war für mich echt eine Kehrtwende, wie ich mit Menschen umgehe. auch in meiner Arbeit und im Privaten das auseinanderzuhalten. Und auch, dass ich achtsam im Coaching arbeite. Ich arbeite nur mit Auftrag und nicht irgendwie, ich denke, da könnte noch was zu holen sein oder sowas. Das mache ich alles nicht. Und das hat mir in meiner Arbeit ganz viel geholfen und gleichzeitig auch im Privatleben ganz viel geholfen. Und geht halt so weit, dass... Diese Vorurteile, also ich habe halt gemerkt, wie mich das einschränkt.
Joel Kaczmarek: So und jetzt hast du gesagt, diese Vorurteile, ich meine, die kennt ja jeder irgendwie und manchmal entstehen die ja auch aus Erfahrung heraus.
Sandra Quedenbaum: Also ich, letztendlich denke ich, dass wir uns alle gar nicht von Vorurteilen freimachen können. Also wer glaubt, er hat keine Vorurteile, das glaube ich nicht. Weil wir Menschen sind auch so gebaut, wir müssen Sachen beurteilen können, um durchs Leben zu kommen. Und wie stark das ist, habe ich gemerkt, mein Mann, der hat mal hier vorne, da hat er so eine Art Brücke und die ist ihm rausgefallen. Und mein Mann ist einer der intelligentesten Menschen, die ich kenne. Und dann hatte er hier die Zähne nicht. Und allein das Visuelle, ich kenne ihn, ich wusste, dass er clever ist, wenn er mir was erzählt hat, fühlte sich das an, als wäre er nicht so klug. Und ich bin fast verzweifelt, weil ich dachte, was ist das denn? Und ich konnte da nichts gegen machen. Und sich vorzumachen, man hat keine Vorurteile, ist, glaube ich, der größte Fehler, den man machen kann. Deswegen bin ich so froh über diese Erfahrung, weil, wenn ich merke, da ist ein Vorurteil oder da ist was, wo ich denke, naja. dann ist das für mich immer gleichzeitig geht so der, wer bist du, dass du so mit Menschen umgehst und der sagt, okay, schau hin. Es kann manchmal sein, dass sich das bestätigt und gleichzeitig kann es aber auch gut sein, dass sich das nicht bestätigt.
Joel Kaczmarek: Ich meine, da steckt ja auch das Thema Bewertung drin. Also sind es nicht so die Buddhisten, die immer sagen, man soll so von den Bewertungen wegkommen und ich tue mich da ganz schwer mit, weil Natürlich, unsere Gesellschaft prägt uns drauf. Also mir geht es immer so, ich habe immer sehr viel Wertschätzung für meine Fähigkeit zu bewerten erhalten. Und es hilft ja auch beim Überleben, sage ich mal, oder beim Zurechtkommen im Leben, wenn wir Situationen oder Menschen bewerten können. Und ein Vorurteil ist ja eigentlich ein Urteil, was ich über etwas treffe, bevor, also man sieht es mal auseinander, ein Vorurteil, bevor ich quasi die Person eigentlich richtig kennengelernt habe. Das heißt, die Frage, die sich mir so aufdringt, ist ein Stück weit auch, kommt man eigentlich durchs Leben wirklich gut und angenehm, wenn man... Leute nicht beurteilt, wenn man nicht bewertet?
Sandra Quedenbaum: Also das hat so zwei Ebenen, finde ich. Einmal glaube ich, dass wir dazu neigen, viel zu schnell zu bewerten, ohne Informationen zu haben. Also wenn man sich anschaut, welche auch in Social Media, was da für Kommentare abgegeben werden und wie Leute angefeindet werden aufgrund ihres Äußeren, aufgrund was sie sagen und man weiß überhaupt nicht, wie war der Tag oder diese ganzen Sachen und auch wirklich heftig angegangen werden, dann hat das für mich nichts mit Wertung in dem Sinne zu tun, was du jetzt meinst. Gleichzeitig finde ich, ist das aber ein ganz wichtiger Aspekt, weil Ich finde, nach meinem Empfinden wird es immer doller. Ich habe gestern einen Jugendlichen gesehen, der hat ein T-Shirt an, nicht für seinen Verein, sondern gegen einen anderen. Also was ist das für eine Kultur, andere so abzuwerten, zu bewerten. Gleichzeitig finde ich es natürlich auch wichtig, um durchs Leben zu kommen, um auch nicht Schaden zu nehmen, weil es sind ja nicht alle Leute, die sind gut, dass ich bewerte, wie verhält sich jemand und was macht er und ist das gut, will ich mich darauf einlassen oder nicht. Das ist total wichtig. Und von daher finde ich, hat das zwei Ebenen. Einmal, dass es halt immer stärker wird, andere Leute zu bewerten, dass andere Meinungen immer weniger anerkannt sind. Ich fand ganz besonders stark war das bei Corona. Wer denn irgendwie kritisch war, war Corona-Leugner. Wer sich impfen lassen hat, war ein Schaf. Und da wurde überhaupt nicht mehr gesprochen drüber. Und da gibt es halt immer mehr Spaltung und das finde ich auch beunruhigend, so dass die Leute einfach nicht sagen, okay, du hast eine andere Meinung da, aus welchem Grund lässt du dich denn nicht impfen? Was sind deine Beweggründe? Und ganz häufig ist es so, dass sie dann schon in der Familie einen Impfschaden hatten oder ähnliches. Und das wird dann nicht gesehen. Und umgekehrt, warum lassen sich impfen? Mein Vater ist im Altenheim, hier in Hildesheim, ist ein Altenheim gewesen, da sind viele, viele Leute an Corona gestorben. Mir war das total wichtig, dass ich mich impfe und dass ich mich schützend verhalte, wenn ich da reingehe, dass ich da nichts reinschleppe. So. Mein persönlicher Beweggrund. Deswegen bin ich kein Schaf, deswegen sehe ich einige Sachen trotzdem total kritisch, aber gleichzeitig war das mein Beweggrund. Und da genau hinzuhören und in den Austausch zu gehen und nicht gleich von vornherein zu sagen, ah, ist nix. So. Oder, hat ja Cowboystiefel an. Das ist das, was ich meine.
Joel Kaczmarek: Ja, ist ja heute aber auch so. Also wenn du zum Beispiel irgendwie sagst, wir haben in der NATO-Politik gegenüber Russland einige Sachen irgendwie vernachlässigt, den Ukraine-Krieg, da sollten wir auch mal gucken, was wir hätten für Hebel legen könnten damit. Da bist du gleich Putin-Fan bei einigen, während du umgekehrt, wenn du in dem Eck bist, halt von der anderen Seite kritisch beäugt wirst. Und jetzt denke ich noch darüber nach, ob Vorurteile was sind, die etwas über die anderen aussagen oder über einen selbst?
Sandra Quedenbaum: Über einen selbst. Also für mich sind Vorurteile einfach meine Sicht der Dinge, meine Welt, meine Landkarte, auf der ich bin, mit meinen Werten. Irgendwo hatte ich wohl den Wert, wer Cowboystiefel hat, ist nicht so helle. Warum auch immer, das ist mir total peinlich, aber es ist so. Und das ist einfach meine Prägung und hat mit dem Gegenüber überhaupt nichts zu tun.
Joel Kaczmarek: Ja, klasse. Toll, wie selbstkritisch und offen du da bei dem ersten Punkt warst. Kommen wir zum zweiten. Erzähl mal, was ist dein zweites Ding, was du gerne mit 20 gewusst hättest?
Sandra Quedenbaum: Ja, nur weil ich mich jemandem gegenüber gut verhalte, heißt das nicht, dass der das mir gegenüber auch tut. Und das ist für mich ein wichtiger Punkt, dass ich so gemerkt habe, ich gehe, also ab einem gewissen Alter habe ich ja dieses Spielchen wie eben nicht mehr gemacht und so. Und dann bin ich ja sehr liebevoll und wertschätzend mit den Menschen umgegangen und einfach ganz doll als Grundlage. Ich behandle die Leute so, wie ich selber auch behandelt werden will. Und irgendwie, und da denke ich, sind einfach auch gerade Frauen davon betroffen, habe ich gedacht, wenn ich nur einfach lieb und nett bin, dann wird mich die andere Person auch so behandeln, weil es gibt ja keinen Grund, mich schlecht zu behandeln. Ich bin davon ausgegangen, es gibt keinen Grund, mich zu belügen, weil ich selber halt ehrlich bin und weil ich glaube, auch mit relativ allen Sachen einfach gut umzugehen, wenn man mir das erzählt. Das war aber nicht so. Sondern auch wenn ich mich fair gegenüber Verhalten habe, verhalten sich Leute mir nicht gegenüber fair. Ich arbeite gern kooperativ, ich gebe auch gerne meine Informationen, mein Wissen und alles weiter. Das heißt aber noch lange nicht, dass andere das auch machen. Und ich habe zum Beispiel, da habe ich mal an der Volkshochschule Kurse für Kinder im Computerbereich gegeben. Und dann hat eine Frau diesen Kurs übernommen, weil ich dann, das war dann halt, ich bin ins Coaching gegangen und so und das war halt nicht mehr so mein Thema dann. Und dann habe ich ihr die ganzen Programme, mit denen ich gearbeitet habe, das ganze Konzept, alle Arbeitszettel, alles gegeben, ihr genau gesagt, wie ich das aufbaue. Und dann hatte sie mir erzählt, ja, sie hat das mal gemacht, dass sie alles, was auf CD passt, damals gab es noch CDs und Disketten, ich weiß gar nicht, ob du das noch kennst.
Joel Kaczmarek: Klar. Kennst du noch die 5,5 Zoll Disketten?
Sandra Quedenbaum: Ah, perfekt. Okay. Und dann hat sie halt in einem Kurs irgendwie das mal so gemacht, dass sie so viele Disketten aufgebaut hat, wie auf eine CD passen. Und das fand ich total toll, weil das so wild war. Mensch, das ist eine super Idee so. Ich habe überhaupt nicht gesagt, dass ich das nehmen will. Ich wollte ja auch gar nicht mehr in den Bereich. Und das Erste, was sie meinte, sie wurde ganz stark und meinte, ja, aber nicht, dass du das in deinen Kursen nimmst. Ich dann dachte, hä, ich gebe dir gerade die ganzen Programme, das alles weiter. Und du hast Angst, dass ich so eine Idee weitergebe? Und das habe ich öfter erlebt, dass Leute, ich gebe dann und dann, dass Leute dann doch in Konkurrenz sind oder auch in Neid sind viel und dann von ihrer Seite da nicht so offen sind. Und das ist, das muss ja nicht in dem gleichen Maße sein, aber so schon in dem Kleinsten nicht offen zu sein, das finde ich ganz schräg. Und das ist halt ein Beispiel. Davon, nur weil ich gebe, heißt es nicht, dass ich was zurückbekomme. Oder nur weil ich ehrlich bin, heißt es nicht, dass mir jemand gegenüber ehrlich ist. Es gibt Leute, die lügen einfach nur zum Spaß. Die haben nicht mal einen Grund. Das wäre für mich überhaupt in meiner Welt, da ist das überhaupt nicht vorstellbar. Weil Lügen auch sehr gegen meine Werte geht und dann einfach auch noch ohne Grund. Wenn jemand irgendwie jemanden betrogen hat und Angst hat, dass das rauskommt, dann kann ich das ja noch nachvollziehen. Aber einfach nur, weil es lustig ist, weil man denkt, es ist lustig, dass die Leute das nicht schnallen. So als Hobby. Da wäre ich nie drauf gekommen. Und solche Sachen halt sind, ja, da musste ich echt viel lernen. Und da kommen wir dann auch zu dem nächsten Punkt, dass so wie Menschen andere behandeln, behandeln sie auch dich. Wenn jemand woanders lügt, dann wird er auch mich belügen. Wenn jemand irgendwie argwöhnisch ist oder missgünstig oder auch fies Sticheleien macht, dann wird er das irgendwann auch mit mir machen. Es gibt ja Menschen, die... tauschen ganz gerne so Sticheleien aus.
Joel Kaczmarek: Okay, also die können wir ja gleich mal auseinandernehmen beide. Also den zweiten spannen wir uns mal auf. Es bringt mich insofern ins Schlingern, als dass ich so denke, naja, es gibt ja so diesen schönen, ist das nicht bei den Christen auch der Satz, behandle andere so, wie du behandelt werden möchtest? Das ist doch, oder zumindest so in diesem, ich glaube, es hat so einen leicht religiösen Touch hier und da. Es bringt mich insofern ins Schlingern, als dass ich so denke, naja, ich habe immer gute Erfahrungen damit gemacht, ich bin halt total offen. Also ich erzähle super viele Sachen, wo glaube ich viele andere Menschen sagen würden, es ist mir zu privat oder da habe ich Angst, dass mir jemand eine Idee klaut oder das möchte ich gar nicht, dass sich jemand weiß, whatsoever. Und ich beobachte immer, dass sich die Leute dann ähnlich offen verhalten. Also es gibt diese Spiegelneuronen, gibt es in der Forschung ganz viel, also dass die Leute schon so ins Verhältnis gehen. Auf der anderen Seite verstehe ich natürlich auch, ein Mensch verhält sich ja danach, wie er ist und was er an Erfahrung gemacht hat und nicht danach, wie ich gerade diese Situation präge. Also ich verhalte mich nicht nur nach der Situation, sondern in der Regel habe ich ein Verhaltensapparat und den wende ich dann auf eine Situation an, die mir gerade begegnet. Aber der Verhaltensapparat ist wahrscheinlich das Primäre und nicht das, ach, der Joel ist jetzt gerade so frech oder so nett oder so ehrlich oder so hilfsbereit. Also das sind so diese beiden Pole, die ich da so gerade im Kopf habe, weil ich habe so die Beobachtung gemacht, wenn ich ehrlich zu anderen bin und offen, dann sind ist in der Regel auch. Aber ich verstehe, was du sagst, dass man eigentlich immer nicht die Erwartung haben kann, dass das unbedingt eine Pflicht ist.
Sandra Quedenbaum: Genau. Und darauf kommt es an und deswegen ist es wieder gut zu prüfen. Das finde ich auch ganz wichtig und ich ändere mein Verhalten dadurch nicht. Also ich bin genauso offen, ich mache das genauso weiter, weil ich das auch wichtig finde, weil es mir Spaß macht und Karma regelt das. Alles, was ich so reingebe, das kommt irgendwie zurück. Und gleichzeitig ist es aber für mich ganz wichtig zu wissen, es gibt einfach Menschen, die sind nicht gut. Und die haben auch nichts Gutes im Sinn mit anderen und auch nichts Gutes im Sinn zum Teil mit sich selbst. Und da aufzupassen und da wachsam zu sein, ist wichtig. Also wo gebe ich das hin? Wo gebe ich mich rein? Wo öffne ich mich wirklich? Und wo ist es hilfreicher, sich nicht zu öffnen, weil das eventuell gegen mich verwendet wird oder weil diese Person mich dadurch dann vielleicht verletzt, weil sie sich andere Erwartungen, das sind natürlich auch wieder meine Erwartungen, die ich hatte, so. Da sieht man ja, dass es dann verschränkt ist. Ich habe was anderes erwartet, als diese Person eigentlich gegeben hat. Und im Nachhinein waren, wenn ich diese Situation hatte, war das immer vorher schon sehbar. Und das meine ich, also da einfach wachsam zu sein. Um Gottes Willen, ich finde es total wichtig, offen zu sein und zu teilen und das auch weiterzumachen, das macht mir auch einfach Spaß. Und gleichzeitig, gerade mit der Offenheit, weil ich bin auch so, wenn, dann bin ich ein offenes Blut, dann erzähle ich alles so, zu gucken, bei wem mache ich das, mit wem mache ich das so und einfach aus Selbstschutz.
Joel Kaczmarek: Und sag mal, wie gehst du damit um, wenn Menschen sich dann anders verhalten als du? Also sprichst du dann zum Beispiel über deine Erwartungen oder drückst du Enttäuschung aus? Jetzt hätte der Kollege zum Beispiel auch sagen können, du hör mal hier, Bärbel, ich habe dir gerade zweieinhalb Jahre Wissensvermittlung rüber geschenkt und jetzt machst du hier einen Larry wegen irgendwie einer didaktischen Maßnahme, die ich eh nicht mehr anwenden kann. Denk doch mal darüber nach, ob das im Verhältnis steht. Weißt du, da kann man ja in so eine Kommunikation gehen. Machst du das dann?
Sandra Quedenbaum: Also jetzt mache ich das. Damals war ich noch nicht so weit. Da war das so, dass ich einfach so geschockt war, weil das ist früher war es, als ich noch nicht so klar hatte, es gibt einfach Menschen, die ticken da anders als ich. Dann war ich dann ganz geschockt, wenn auf einmal jemand gelogen hat oder wenn sich jemand so gefallen hat und konnte es gar nicht fassen. Also ich war fassungslos und dann auch wortlos. Und das war halt, das hat sich entwickelt in der Zeit, dass ich das jetzt... Wenn ich nochmal in die Situation bin, normalerweise komme ich das nicht mehr, weil ich die Leute halt vorher prüfe, dann sage ich das auch.
Joel Kaczmarek: Wie kommunizierst du denn dann? Also was ist so deine Art zu kommunizieren, wenn jemand deine Erwartungen enttäuscht oder sich verhält in einer Art, wo du sagst, das findest du nicht angemessen?
Sandra Quedenbaum: Also meine Erwartungen zu enttäuschen ist schwierig, weil ich mittlerweile mir meine Erwartungen sehr bewusst bin und nicht mehr erwarte. Erwartungen sind ja letztendlich eigentlich ein Bedürfnis, das ich gestillt haben will. Und ich kann nicht voraussehen, nur weil ich jetzt dieses Bedürfnis gestillt haben will, dass der andere mir das auch stillen will. Und von daher bin ich da weiter als damals für mich. Wenn jemand sich so verhält, wie ich das für mich nicht richtig finde. Dann kommt es darauf an, wie wichtig das ist. Wenn es eine Person ist, die mir wichtig ist, die mein Leben ist, dann spreche ich das an und sage, wie es mir damit geht und was das mit mir macht. Und auch, was das für Auswirkungen hat, wenn die Person das macht, nämlich, dass ich mich zurückziehe. Wenn das eine Person ist, die ich kennenlerne, die gerade noch auf dem Prüfungsding ist, dann spreche ich das auch nicht groß an, weil ich bin ja nicht im therapeutischen Auftrag da, sondern ich nehme das wahr und denke mir, okay. jetzt lässt das du irgendwie schon eine halbe Stunde über andere Leute, brauche ich nicht. Und dann gehe ich einfach nicht mehr in Kontakt. Weil ich bin ja auch nicht der Therapeut der Leute. Jeder kann ja so sein, wie er will. Und wenn ich da keinen Auftrag habe, dann ist das auch nicht meine Baustelle.
Joel Kaczmarek: Hast du wirklich so eine Prüfungsphase, die Sandra-Prüfungsphase von drei Monaten und dann kommst du sozusagen erst in den Regelbetrieb?
Sandra Quedenbaum: Naja, das Gute ist, dass ich ja schon sehr gut Menschen spüren kann. Also so Grundenergien und sowas, das kann ich schon ganz gut spüren. Von daher brauche ich da keine drei Monate. Und es gibt Menschen, da spüre ich zum Beispiel auch, dass sie vielleicht latent wütend sind. Aber ich spüre auch, dass das nicht jetzt gegen etwas ist, eine Wut ist, die für mich jetzt bedrohlich sein könnte oder so. Was ich mache und da brauche ich ein, zwei Begegnungen. Ich höre einfach. genau zu, was die Leute sagen und wie sie etwas sagen. Wie sie über etwas sprechen, wie sie über jemanden sprechen. Wie sie sich verhalten gegenüber anderen und diese ganzen Sachen. Wie sie sich, wenn sie sich beschreiben, wie sie von sich reden. Ist es etwas, wo sie sich eigentlich erheben oder ist es etwas, wo sie sich auf Augenhöhe, kann auch sein, dass sie sich halt immer unterwürfig zeigen oder wie auch immer. Das nehme ich halt alles wahr. Und wenn da Sachen sind, wo ich merke, da ist einfach jemand, der sich erhebt, der ist nicht auf Augenhöhe, sondern das machen die ja nicht, weil grundsätzlich aus ihren Erfahrungen machen die das ja und nach meinen Empfinden aus einem Mangel raus. Genauso wie ein Narzisst, der sich verhält, wie er sich verhält aufgrund seiner Prägung und ähnliches. Gleichzeitig bin ich nicht der Therapeut und bin ich nicht die Person, das an mir abzuarbeiten. Und deswegen sage ich nicht, dann sollen die das für sich regeln irgendwie und da einen Weg finden, aber das ist nicht meine Aufgabe. Sonst wäre ich auch ständig auf der Arbeit, das wäre ja sehr anstrengend.
Joel Kaczmarek: So und jetzt hast du als zweiten Punkt, da sind wir wieder bei dem Thema Konsistenz des Verhaltens. So wie Menschen andere behandeln, so werden sie auch dich behandeln oder mich wäre deine Formulierung. Also da klingelt bei mir so ein bisschen dieses typische Bild im Kopf, wenn eine Frau sich irgendwie einen Partner sucht. Ich sehe das sehr oft bei Frauen, vielleicht ist das jetzt diskriminierend, aber ich sehe das oft da und dann so erwarten, bei mir ist alles anders. Ja, bei mir ist ja nicht so und ich glaube auch. Vielleicht täusche ich mich da auch, aber ich glaube, Frauen haben auch oft dieses Ich-kann-den-ändern-Ding. Also wenn der Typ irgendwie so ein unordentlicher Showie ist, dann ist es immer, ah, ich habe ein Projekt. Bei mir wird das nicht so sein, bei mir wird alles anders sein und dann irgendwann clasht es so ein bisschen. Das ist so das Bild, was ich von deinem Punkt habe. Trifft es das so?
Sandra Quedenbaum: Ja, bei Männern ist es so, dass die meisten Männer davon ausgehen, die Frau bleibt die ganze Zeit so, wie sie sie kennengelernt haben. Und bei Frauen ist es so, die Männer, die können sie sich noch hinterziehen, so wie sie sie brauchen. Also von daher ja. Und was auch bei vielen, gerade bei hochsensiblen Frauen so ist, ist, dass sie, die spüren ja sehr auch die Verletzung von den Menschen. Und da kann es leichter hinkommen, dass sie halt so ein Rettersyndrom entwickeln. Das heißt, dann verhält sich jemand nicht so fair und die sehen dann das verletzte Kind in dem und versuchen das zu heilen. Was aber schon von Grund her total ungesund ist und auch überhaupt keine Begegnung auf Augenhöhe. Und das schlägt dann irgendwann um, denn dann werden sie ganz viel schlecht behandelt und dann kommt man vielleicht auch in diese Narzissmusfalle, die da also wirkt. Also da sind sie dann auch wirklich prädestiniert für, weil sie denken, sie können den anderen retten. Und da müssen gerade Frauen häufig echt auch aufpassen.
Joel Kaczmarek: Aber es ist ein interessanter Punkt, den du ansprichst. Was ist denn so deine Empfehlung, wenn man in so einem Helfer-Syndrom da drin ist? Weil ich weiß ein bisschen, was du meinst. Mir geht es auch oft so, ich sehe so Leute und ich kann auch Sachen immer viel besser verzeihen, wenn ich weiß, ach okay, hat einen scheiß Tag gehabt oder die hat ein schwieriges Elternhaus oder was weiß ich. Also Kontext hilft mir immer, Leute einzuordnen. Aber ich verstehe auch, was du sagst, dass es ungesund ist und dass es nicht auf Augenhöhe ist, weil man erhebt sich ja dann auch so ein Stück über die Leute. Man kann ja gar nicht mehr ernst nehmen, wenn man dann weiß, ach okay, die hat da einen Defekt, bis sie den Defekt nicht repariert hat, da braucht man gar nicht reden. Was gibt es denn da für einen besseren Weg?
Sandra Quedenbaum: Also erstmal ist es bei mir so, dass ich nicht denke, da hat jemand einen Defekt und deswegen will ich mit denen nichts zu tun haben, weil das wäre ja auch wieder eine Erhöhung. Sondern wie ich das denn wahrnehme, ist, dass ich sehe, da ist jemand, der mit meinen Werten, mit meinen Bedürfnissen, auch wie ich behandelt werde, geht der nicht konform. Und dementsprechend ist es für mich eine ganz klare Entscheidung, wenn ich jemanden kennenlerne, ist das jemand, den ich in meinem Leben lassen will oder nicht. Und das hat nicht, dass ich den abwerte, weil mir ist natürlich bewusst, dass die Leute ihre Gründe haben, wie sie sich verhalten. Wichtig ist aber, ich bin halt nicht... ich sehe dann den kleinen Jungen oder auch das kleine Mädchen, ist das der Rahmen in Freundschaft, wo es wichtig ist, in die Empathie zu gehen. Dadurch, dass ich ja sehr gut in Empathie bin, fühle ich das natürlich auch sehr schnell und bin da auch eigentlich leicht zu kriegen. Und das ist für meine Arbeit ganz hilfreich, weil wir haben ja am Anfang schon über Co-Regulation, das ist wichtig, die Verletzung auch zu sehen und da liebevoll mit umzugehen. Und gleichzeitig ist es für mich, dass ich das in meinem Privatleben nicht brauche, weil das ist dann zu viel. Dann würde ich ja gar nicht rauskommen. Und da brauche ich, dass es Menschen sind, die sich auf Augenhöhe begegnen, dass man sich gegenseitig supportet, dass man liebevoll ist, dass man ehrlich ist, auch wenn es weh tut, aber liebevoll ehrlich, dass man es gut annehmen kann. Das sind so die Kriterien, die für mich für Freundschaft und Beziehung einfach wichtig sind. Manchmal hat man natürlich Situationen wie in Familie oder so, da kann man dem nicht so einfach sagen, ja, da habe ich jetzt nichts mehr mit zu tun. Gleichzeitig ist es mir wichtig, mit Menschen zu sein, die mir gut tun, die mich inspirieren, wo ich merke, wir haben voneinander was und das ist einfach ein schönes, liebevolles, achtsames Miteinander. Man kann viel Quatsch machen. Man weiß auch, wenn ich was erzähle, dann bleibt das nur in diesem Rahmen. Also bei Hochsensitiven ist es so, die lästern eigentlich. Selten so. Gar nicht. Das Einzige ist, wenn sie wirklich jemanden haben, wo sie wissen, wie der andere das zu nehmen hat. Dass es halt nicht gegen die Person ist, sondern einfach eine Situation, die aufgeregt hat oder so. Manchmal so Dampf abzulassen oder so.
Joel Kaczmarek: Ich hatte mich auch dabei. Ich denke die ganze Zeit darüber nach, als du über dieses Thema Lästern geredet hast. Ich merke eher, wenn ich über andere Menschen rede, dann ist es für mich eine Verarbeitungsstrategie. Dann bearbeite ich, was mit denen passiert ist. Ich bin aber nicht der Meinung, dass das jemand ist, von dem ich jetzt deswegen ein schlechtes Bild habe, sondern da kommt eine Situation auf oder eine Gefühlswelt und das habe ich mir irgendwann verstanden, dass man die Leute dafür ein Stück weit abholen muss, dass man dann sagt, du guck mal, ich rede da jetzt drüber, ich will jetzt gar nicht, dass du den Eindruck hast, ich finde die doof, die Person, mir geht es einfach so, ich versuche dann Zugang für mich zu finden, wieso geht es mir da so, wie erlebe ich das? und so weiter. Also es ist manchmal wirklich komplex. dann, ne?
Sandra Quedenbaum: Und das ist genau das, was ich meine. Dafür dienen, wenn ich jetzt schlecht über jemanden rede, in Anführungsstrichen schlecht, dann ist es so, dass ich das loswerden muss. Und dass es wichtig ist, dass der andere weiß, das heißt, dass ich nicht über jemanden läster in dem Sinne, sondern ich bespreche halt die Situation, wie sie mir passiert ist. Und was ich mit lästern meine, ist dieses Böse, dieses Böse zu gucken, oh guck mal. Der war ja auch mal Alkoholiker oder die ist doch auch schnell zu haben. Und das gibt es ja auch im ganz kleinen, subtilen irgendwie. Naja, die Haare sitzen ja auch wieder heute gar nicht. Wenn man sich das denn so und solche Sachen oder auch wenn Leute sich so über das Gewicht von anderen Leuten drüber aufregen oder so, weil es abgewertet wird nur aus Vorurteilen wieder. Und auch böse einfach. Das will ich nicht in meinem Leben. Und gleichzeitig gibt es halt solche Sachen, wie du sagst, wo mich natürlich auch Sachen beschäftigen und wo ich darüber sprechen möchte. Und das mache ich halt mit Leuten, wo ich weiß, dass sie es nehmen können.
Joel Kaczmarek: Ja, ich finde, es macht einen Unterschied, ob man jemanden herabwertet, des Herabwertenswillens oder ob man... Also es mag ja sein, dass wenn ich eine Situation aufarbeite... Dass das beim Gegenüber trotzdem mit einer Bewertung der Person einhergehen kann, dass sie hinterher dann ein Bild von der hat. Fair enough, ja, aber das ist nicht das Ziel dessen, sondern das Ziel ist eigentlich, einen Umgang mit dem Inhalt zu kriegen.
Sandra Quedenbaum: Genau, und was ich halt auch meine damit, ist dieses Lästern, wenn Leute sich eigentlich andere abwerten, um sich aufzuwerten. Und das sind, glaube ich, sehr viele, die auch beurteilen, die auch im Internet so beurteilen und so. Die werten den anderen ab und denken, oh, der habe ich es aber gezeigt oder dem habe ich es aber gezeigt. Und werten sich damit auf und denken, sie haben die, das wissen. Mit Löffeln gefressen so ungefähr. Und das ist ja eigentlich, jede Kritik sagt mehr über den Kritisierenden aus, als über den, der es bekommen hat. Und von daher finde ich das gut.
Joel Kaczmarek: Also die Punkte zwei und drei haben wir ja ein bisschen im gemischten Doppel hier angegangen. Lass uns mal zu deinem vierten Punkt kommen.
Sandra Quedenbaum: Keiner kann wirklich in die Fußstapfen anderer treten, habe Achtung vor Prozessen anderer. Früher war es so, dass ich häufig das Gefühl hatte, naja, ich kann mich schon in die Leute reinfühlen. Und dann habe ich mit einem Freund mich unterhalten und der hat seinen Vater verloren, der hatte sich umgebracht, den hat er gefunden. Und da hat er dann drüber geredet und da war ich auch, da war ich irgendwie, weiß ich nicht, kurz vor 20 oder so. Und dann haben wir so darüber geredet und dann meinte er so zu mir, naja, aber das kannst du gar nicht nachvollziehen. Und dann habe ich dann so gesagt so. Klar, ich bin so empathisch, natürlich kann ich das nachvollziehen. Ich fühle das halt auch so und habe das auch wirklich geglaubt. Ich war da fest von überzeugt. Wie doll anders das denn war, als ich selber die Erfahrung gemacht habe, als mein Partner sich umgebracht hat, das kann keiner nachvollziehen. Und das ist sowas von arrogant und überheblich und auch naiv zu denken, dass man das könnte. Und das ist mir dann nochmal klar geworden, weil... Der Freund damals meinte so, nee, das kannst du nicht nachvollziehen. Und als er mich anguckte, war es spürbar, er weiß, dass ich das nicht nachvollziehen kann. Und ich dachte auch, ich kann das schon nachvollziehen. Aber es geht einfach nicht. Und ich habe halt über mehrere Erfahrungen... Und dann letztendlich mit dieser Finalerfahrung dann nochmal, die einfach so eine Ehrfurcht davor bekommen vor den Prozessen anderer Leute. Und nur weil jemand vielleicht sogar das gleiche Schicksal hat, dass sich vielleicht der Partner umgebracht hat, heißt das noch lange nicht, dass ich das für diese Person nachvollziehen kann. Das ist so individuell für jeden. Und es kann sein, dass jemand eine Situation hat, die ich locker meistern würde, die für diese Person aber wirklich eine ganz drastische, grundlegende Sache ist. wo da fast das Leben drüber zusammenbrechen kann und umgekehrt. Wo ich denke, das ist das Drama der Welt, wo die ja sagen, ja, aber kannst du doch so und so, ist doch gar nicht so schlimm. Und da so eine Ehrfurcht zu haben, da sind wir dann auch wieder bei Kritik, wenn jemanden zu kritisieren, wo ich überhaupt nicht weiß, wo kommt der her, was hat der für einen Hintergrund, geht gar nicht, sondern einfach eine Ehrfurcht zu dem zu haben, was ein Mensch mitgemacht hat im Leben, was ein Mensch... Er lebt, bewegt, denkt und damit Respekt umzugehen. Das heißt nicht, dass ich alles gut finde, aber ich respektiere es erstmal.
Joel Kaczmarek: Beruhigt mich voll, weil ich habe so oft Situationen, wo mir Leute was erzählen und ich habe keinerlei Ahnung, wie ich damit umgehen soll, weil ich keinerlei Ahnung habe, wie es sich anfühlt. Also wenn bei jemandem zum Beispiel das Haustier gestorben ist. Da habe ich so null Feeling für, wie ist es, wenn ich jetzt zwölf Jahre eine Katze hatte oder 15 Jahre einen Hund und der stirbt. Ist es so wie ein Familienmitglied? Ist es sowas wie, ach, traurig, wir kaufen einen neuen? Ist es irgendwas dazwischen? Also kann ich so gar nicht mit relaten, weil ich habe ja kein Haustier. Und sowas gibt es ganz, ganz oft. Und ich habe dann immer gedacht, mit mir ist irgendwas nicht richtig. Wenn jemand eine Trennung oder sowas hinter sich hatte, dann wusste ich gar nicht, okay, ist das jetzt hier befreiend? Ist das traurig? Ist das Zusammenbruch? Ist das wütend? Was sage ich jetzt? Manchmal spürt man das ja eigentlich auch schon. Dann hatte ich aber auch so Situationen wie du. Ich erinnere mich, als ich ein Kind war, gab es hier und da mal eine Backpfeife von einem meiner Familienmitglieder, was ich überhaupt nicht verstehen konnte, was mich richtig aufgeregt hat. Wo ich echt so vorwurfsvoll aggressiv unterwegs war. Richtig scheiße, das würde ich nie machen. Ich habe meine Kinder jetzt nicht geschlagen, aber ich kann es jetzt zumindest nachempfinden, wenn man die Unwägbarkeiten des Lebens hat plus Nachwuchs und dann so diese völlige Überlastung, was das eigentlich mit dem Nervenkostüm so macht.
Sandra Quedenbaum: Ja und was du da auch gesagt hast, ist ja auch noch ganz wichtig. Man weiß nie genau, wie es ist. Klar, wenn jemand irgendwie jemanden verloren hat, dann weiß man, der ist traurig und dann kann man mit der Trauer gehen. Aber genauso wie du auch gesagt hast mit Kindern zum Beispiel. Ich bin ja nun Erzieherin und Sozialpädagogin, ich bin späte Mutter und habe halt auch viele Erzieherinnen und Sozialpädagogen erlebt, die gesagt haben, naja, sie können das schon nachvollziehen, auch wenn sie selber keine Kinder hatten. Und dann haben die Eltern dann oft gesagt, naja, sie haben ja keine Kinder. Und dann haben die das dann so wegge... Da hatte ich aber zum Glück schon für mich die Klarheit, ich habe keine Kinder und letztendlich weiß ich das nicht, wie es denen geht. Das habe ich dann immer bestätigt. Häufig habe ich das aber erlebt, dass Kollegen das anders gemacht haben, was letztendlich nicht zur Verbindung geführt hat. Und jetzt, wo ich selber ein Kind habe, so weiß ich, einen Scheiß weiß ich, wusste ich vorher. Wie das ist, wenn man auf einmal nachts kaum schläft über so lange Zeit und wie das ist, wenn das Kind nicht nach Hause kommt und hat sich nicht abgemeldet und diese ganzen Sachen. Und ich habe nur ein Kind. Ich weiß überhaupt nicht, wie es ist, wenn man zwei Kinder hat. Ich weiß überhaupt nicht, wie es ist, wenn jemand mit einem Kind alleine lebt und, und, und. Also davor habe ich unheimlich viel Achtung. Und was ich überhaupt... Also was für mich gar nicht mehr geht, ist zu sagen, ja, ich weiß genau, wie du dich fühlst in der Situation. Also nicht mal in der Situation, die meiner entspricht, kann ich sagen, ich weiß genau, was du fühlst. Ich fühle mit und spüre das auch und es macht mich traurig oder ich fühle die Wut oder so. Gleichzeitig mir vorzumachen, ich würde wissen, was da innerlich passiert, ist für mich eine Form von Arroganz eigentlich auch.
Joel Kaczmarek: Das ist ganz interessant, dass eigentlich die Landkarte weiß ist. Obwohl man vielleicht das Land schon mal bereist hat, in das der andere gerade hineingeht, weil er es ja vielleicht aus einer völlig anderen Warte sieht als du.
Sandra Quedenbaum: Ja, also ich glaube, Landkarten sind nie weiß. Natürlich habe ich meine Erfahrungen und so damit drin. Gleichzeitig achte ich immer sehr bewusst darauf, meine Landkarte nicht als Grundlage für die Landkarte des Gegenübers zu nehmen. Weil das ist das, was häufig, wo wir Menschen eigentlich drauf auch geprägt sind. ein ganz großer Teil in meiner Ausbildung davon wegzukommen, weil das macht für mich einen guten Coach aus, dass ich nicht meine Sicht der Dinge, meine Wissen als einzige Wahrheit sehe. Weil es kann sein, dass es das tollste Ding ist überhaupt, aber für die Person, die mir gegenübersteht, einfach nicht so. Und dann ist es wichtig, das ernst zu nehmen und nicht zu sagen, naja, du hast ja keinen Bock auf Therapie, du bist nicht therapieresistent und das dann so abzutun.
Joel Kaczmarek: Es ist ein echt schönes Bild, weil man zeichnet sich sozusagen Landkarten seiner Welt, weil man die auch braucht, um zu navigieren. Und man kann die wahrscheinlich auch übereinander legen und vielleicht sind sozusagen die Umrisse irgendwie gleich, aber die Topografie ist vielleicht eine ganz andere oder die Wälder, die da drauf wachsen und so. Schön, gefällt mir.
Sandra Quedenbaum: Und das ist ein ganz grundlegendes Ding, gerade im Coaching, total wichtig, weil wenn ich meine Landkarte da reinbringe, ist das der Moment, wo die Leute auf Gegenwehr gehen, weil sie einfach spüren, das ist nicht meins, das passt für mich nicht. Und wenn ich das öfter habe und ich dieses Bewusstsein nicht habe, gehe ich davon aus, naja, das liegt halt an meinen Kunden, die wollen halt nicht, die sind halt noch nicht so weit oder was denn da denn so als Begründung genommen wird, aber eigentlich ist es meine eigene fehlende Flexibilität, auf den Kunden einzugehen. Immer wenn sich mein Kunde in die Distanz geht, dann ist es für mich ein Zeichen, jetzt habe ich hier irgendwie meine Landkarte reingekommen und ich habe irgendwas nicht gesehen und spreche das dann auch an.
Joel Kaczmarek: So, gut. Also, wenn ich richtig mitgezählt habe, ein Punkt fehlt noch, bis wir die fünf voll haben. Was ist denn das fünfte Ding, das du gerne schon mit 20 gewusst hättest?
Sandra Quedenbaum: Sei froh, wenn jemand etwas besser kann als du, dann kannst du von ihm lernen. Und das ist für mich, das ist auch schon etwas, gehört zu den, zu dem Teil, wo ich gesagt habe, eigentlich da bin ich froh, dass ich das schon so früh gelernt habe. Dass ich gemerkt habe, am besten kann ich von den Leuten lernen, die einfach viel besser sind als ich. Oder einfach Wissen haben, wo ich überhaupt noch keine Erfahrung drin habe. Weil was, denke ich, sehr viele Menschen machen, ist, dass sie ihr Wissen, das sie haben, erweitern. Und immer auf dem, was sie haben, aufbauen. Und in ihren Rahmen sozusagen bleiben. Und das sorgt dafür, dass sie zwar Spezialisten auf ihrem Gebiet sind, gleichzeitig geht da für mich eine ganz wichtige Sache verloren, dass es ja viele Spezialisten auf vielen Gebieten gibt und dass es häufig total schade ist, dass sie nicht zusammenkommen, weil die sich unheimlich gut bereichern könnten. Weil Sachen sich ganz toll ergänzen. Vielleicht auch Sachen, die in der einen Sache unerklärlich waren, durch dieses andere, was halt eigentlich eine völlig andere Sparte ist, auf einmal erklärbar wird. Und ich habe in meinen Ausbildungen auch immer so geguckt, was ist jetzt, was geht über meinen Tellerrand raus, also die, die ich genommen habe. Wo sind aber gleichzeitig Verknüpfungen zu meiner Arbeit? Und ich habe auch immer geguckt, wo sind Leute, wo ich sage, boah, das macht die Person so toll, das möchte ich auch. Wie schaffe ich das, dass ich das so kann? Das ist was total Wertvolles für meine Arbeit. Und da ist es auch so ähnlich wie mit dem, wie ist es mit Missgunst und Neid. Und wenn man sich halt vielleicht auch nicht so viel Selbstwert in der Arbeit hat, dann fällt es Leuten einfach auch schwer, sich Leute zu nehmen, wo sie sagen, Mensch, die können das oft besser, weil sie sich selber damit abwerten in dem Moment. Also für sich machen sie das. Dass sie dann sagen, wenn der das so toll kann, dann kann ich das nie. Und für mich ist es so, dass ich gucke, wie kann ich das? was ich da erlebe, für mich so machen, dass es für mich passt und dass ich das halt mit einbringen kann.
Joel Kaczmarek: Also, Sandra Quedenbaum. Punkt Nummer eins. Meine Vorurteile sind meine Einschränkungen. Nummer zwei. Nur weil ich mich jemandem gegenüber gut verhalte, kommt das nicht unbedingt zurück. Nummer drei. So wie Menschen andere behandeln, so werden sie auch mich behandeln. Punkt Nummer vier. Keiner kann wirklich in die Fußstapfen anderer treten, habe Respekt vor den Prozessen anderer. Und Punkt Nummer 5, sei froh, wenn jemand etwas besser kennt als du, dann kannst du von ihm etwas lernen. Ja, also, schöne Punkte, Sandra, gefallen mir total gut, auch wie die so miteinander zusammenspielen. Bist du auch zufrieden?
Sandra Quedenbaum: Ja, ich bin froh, dass ich sie so erlebt habe und dass ich sie jetzt schon habe und nicht noch dran knapsen muss.
Joel Kaczmarek: Ja, das stimmt, ne?
Sandra Quedenbaum: Manche Sachen sind natürlich nie zu Ende. Da kommen immer wieder so kleine Erinnerungssituationen zum Üben, aber so im Großen und Ganzen.
Joel Kaczmarek: Ich mag an sowas immer, wenn man Geschichten im Kopf hat. Ich habe zum Beispiel mal hier eine Hexe gehabt in dem Podcast, die mir erzählt hatte, wie sie jemanden in der Kühltruhe hat hängen sehen, hat ihn rausgezogen, hat ihm geholfen. Und der wollte das gar nicht, weil das waren Menschen mit Behinderung. Der hatte irgendwie diesen Rollstuhl da. Es war seine Technik, so an seine Tiefkühlpizza ranzukommen. Es hat ihn voll gedemütigt, hat sich voll gedemütigt gefühlt davon, dass sie ihn da einfach so rausgezogen hat. Und dann hat sie gesagt, das war so ihr Wake-up-Call, Leuten nicht mehr ungefragt zu helfen. Und dein Wake-up-Call mit den Cowboy-Stiefeln, never judge a book by its cover. Das sind so schöne Bilder, die man dann im Kopf haben kann. Oder die Dame mit den Lernstapeln und, und, und. Und das, finde ich, macht immer großen Spaß, wenn man dann bei anderen Menschen auch so diese Geschichten hört und kann sich diese Geschichten dann auch gut so mitmerken und daran irgendwie Lehren ableiten. Sowas gefällt mir immer total gut. Von daher, vielen Dank für deine Geschichten heute und all das wertvolle Wissen.
Sandra Quedenbaum: Sehr gerne. Herzlichen Dank an dich und bis zum nächsten Mal. Bis zum nächsten Mal.
Joel Kaczmarek: Nehmen wir doch kurz Zeit dafür. Genauso wie für einen Besuch auf unseren Social Media Kanälen, um Updates und exklusive Inhalte zu erhalten. Die Links findest du in den Shownotes. Wir freuen uns nämlich über deine Anregungen und Feedback zu zukünftigen Themen und Gästen. So, bis zum nächsten Mal. Bleib inspiriert und neugierig. Dein Joel.
Sandra Quedenbaum: Vom Fallen und Aufstehen, Suchen und Klarsehen. Und jetzt du!
