
Muslimische Sexualtherapeutin: 5 Dinge, die ich gerne mit 20 gewusst hätte
28. Februar 2025, mit Joël Kaczmarek
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Intro & Outro Speaker: Achtung, dieser Podcast kann süchtig machen. Für alle Abenteuerlustigen viel Spaß beim Zuhören.
Magdalena Zidi: Kinder kriegen so viel mit, die schnappen so viel auf. Und wenn sie dann erst mal merken, da ist jetzt jemand, wo ich all diese Fragen stellen kann, dann fragen die so unverblümt einfach raus. Und da finde ich, da könnte man so viel machen, wenn man einfach als Bezugsperson zur Verfügung stehen würde für solche Gespräche. Ich finde es lustig mit diesen Überforderungen, dass wir da bei sexueller Bildung immer so oh mein Gott, da müssen wir aufpassen sind, aber ansonsten scheißt ja jeder drauf, ob wir Kinder überfordern oder nicht. Genau dieses Leuchten in den Augen, das Kinder noch so oft haben, das wir Erwachsene so schnell leider wieder verlernen, aber ab und zu taucht es dann noch auf und sich an diesem Leuchten festzuhalten, das macht Leben lebendig. Also ansonsten bin ich irgendwann eine leere Hülle, die halt durch den Alltag stachst.
Joël Kaczmarek: 5 oder mehr, gib mir alle, wo mir sagt und sag, was hast du gelernt?
Magdalena Zidi: Vom Fallen und Aufstehen, Suchen und Versehen. Und jetzt du!
Joël Kaczmarek: High Five, Leute, hier ist Joël. Und wie immer, ihr kennt das Spiel. Eine spannende Person besucht mich, erzählt mir ihre 5 Dinge, die sie gerne schon mit 20 gewusst hätte. Und ihr da draußen alle könnt fleißig mitlernen. Und heute, sage ich euch, ist das eine echte Wundertüte, die euch erwartet. Denn die liebe Magdalena Zidi, die hat eine ganz spannende Rolle beruflich und ist auch als Typ super interessant. Magdalena ist nämlich zum einen klinische Sexologin und auch Sexualpädagogin sowie noch einiges andere mehr. Schaut ihr unbedingt mal ihre Webseite an unter sexologisch.com. So heißt im Übrigen auch ihr Podcast und wie gesagt Wundertüte, weil... Sie hat auch ein ganz tolles Buch geschrieben über Aufklärung. Was kribbelt da so schön? Also wenn es dir schwerfällt, mit deinen Kindern über Sexualität zu reden, hast du jetzt ein Buch, was du dir kaufen kannst. Und wie gesagt, ihr eigener Podcast, ihre eigenen Therapiegeschichten, die sie macht, ihre Coachings, ihre Kurse, sie hat einen Shop. Also das alles ist ja schon per se spannend. Und dann kommt auch hinzu, sie redet auch sehr offen darüber, dass sie zum Islam konvertiert ist. Das heißt, hier vor mir sitzt jemand, falls ihr das nur hört und nicht seht, sie trägt Kopftuch. Ist Österreicherin, hat auch noch einen tollen Akzent. Also wenn heute nicht cool wird, dann weiß ich auch nicht. Von daher, liebe Magdalena, schön, dass du da bist. Hallo.
Magdalena Zidi: Hi, danke für die Einladung. Sehr charmant.
Joël Kaczmarek: Ja, du bist ja auch vielfältig. Also ich darf ja auch mal sagen, wie finden denn Menschen manchmal den Weg zu mir? In deinem Fall war es Iva Samina, die ich ja mal im Podcast hatte, die auch sich im Sexualbereich auffällt. Die sagte, Joël, du musst unbedingt mit Magdalena einen Podcast machen. Die Frau ist der Kracher. Ich habe gesagt, da hast du offensichtlich recht, let's talk. Wo hat denn der Kracher angefangen, war so das Erste, was ich mir dachte. Wie bist du geworden, wer du geworden bist?
Magdalena Zidi: Erstens, das mit dem Akzent finde ich total lustig, weil ich für mich ja eigentlich gerade schönstes Hochdeutsch spreche. Aber mittlerweile kann ich das ganz gut nehmen, dass die Leute sagen, oh, das ist so charmant, dein Akzent. Fein, wenn man das gern hören kann. Aber ich bin tatsächlich in einem sehr kleinen 4000-Seelen-Dorf in Oberösterreich groß geworden. Und da ist auch meine Praxis nach wie vor sehr nahe an Linz und halt sehr kirchlich sozialisiert, sehr konservativ sozialisiert. Ich bin auch auf eine katholische Privatschule gegangen, habe auch ein paar Jahre lang den Kirchenchor bei uns geleitet. Also man kann sich das schon sehr bäuerlich vorstellen. Meine Großeltern haben auch einen Bauernhof, wo ich ganz viel war als Kind und habe das auch geliebt. Also total Natur, so ein bisschen wie Heidi, fand das super. und gleichzeitig aber auch nicht ganz weg vom Schuss, weil wir ja nur fünf bis zehn Minuten mit dem Auto in die nächstgrößere Stadt gebraucht haben. Also das ging total. Irgendwann habe ich mich eigentlich damals in die Künste verliebt und wollte ursprünglich Schauspielerin werden oder halt auch Musikerin, Sängerin. Das habe ich total gern gemacht. Und mein Papa meinte dann, da sollst du schon einen Job machen, mit dem du auch Geld verdienen kannst. Und wollte dann ursprünglich Religionspädagogin werden. Also quasi katholische Religionslehrerin, weil ich das total spannend fand und in meinem Umfeld gab es zwei Bezugspersonen, die selber auch Religionslehrer waren, die ich total cool fand. Die das so richtig cool gemacht haben, also viel mit Ethik, viel mit Reflexion, viel mit über Menschenrechte reden. Und dann wurde ich zum Studium für soziale Arbeit angenommen und dachte, okay, da komme ich nicht mehr so schnell rein, wir machen das jetzt einfach. Und da bin ich dann geblieben. Also ich bin vom Grundberuf Sozialarbeiterin und habe da so das Thema Sexualität mich daran irgendwie... festgebissen in einer Vorlesung zum Thema Geriatrie, interessanterweise, also alte Menschen. Und dieser Vortrag, der war selber, finde ich, ein alter Mensch schon, oder für mich halt alt, weil ich habe damals mit 19 studiert und der hat da einfach ganz selbstverständlich gedroppt. Der braucht überhaupt nicht glauben, dass das im Altersein kein Thema ist. Da haben die auch Sex und oft auch noch viel unschenierter, weil halt durch... Demenzerkrankungen und Co. gewisse Schranken im Hirn so ein bisschen abgebaut werden. Und da braucht man sich jetzt auch überhaupt nicht genieren und drüber reden. Ich dachte so geil. Und das war das einzige Mal, wo dieses Thema in meinem Studium eben vorgekommen ist. Und ich dachte so, das gibt's doch nicht. Das betrifft ja den Menschen von Geburt bis zum Tod. Wieso sind wir bei allen Themen professionell? Nur bei dem kriegen wir alle die Krise und habe mich dann eben zur Sexualpädagogin ausbilden lassen. Und der Rest ist Leidenschaft, ist zum Beruf geworden. Und das mache ich immer noch.
Joël Kaczmarek: Ich habe immer dieses Bild im Kopf, ich weiß nicht, ob du das schon mal gespielt hast, es gibt ja dieses ganz große, bekannte Videospiel GTA, Grand Theft Auto, wo du so als so ein Mannequin da durch eine Stadt laufen kannst und kannst da allerlei machen. Und das ist immer so das Sinnbild für mich. Wenn du dort jemanden umschießt, was sehr häufig passiert in diesem Spiel, das ist sozusagen gefühlt Kernelement dieses Spiels, aber du kannst dir in dem Spiel auch Prostituierte ins Auto holen und mit denen da verkehren, da siehst du gar nichts, das wird alles ausgeblendet. Und in dem Beispiel ist mir so bewusst geworden, dass unsere Gesellschaft oftmals das Leben nehmen eher zelebriert als das Leben geben und damit komischerweise irgendwie so eine Hemmung hat. Das ist ganz komisch. Kannst du wahrscheinlich mir... Vielleicht auch herleiten, warum das so ist oder kennst es viel besser, aber es ist manchmal finde ich sehr schade, dass es so ist.
Magdalena Zidi: Ich finde es auch sehr schade, dass es so ist und das bedeutet gar nicht, dass man mit allen Menschen offen über die eigenen sexuellen Vorlieben sprechen können muss, darum geht es gar nicht. Aber Sexualität einfach auch als Gesundheitsthema anzuerkennen, wie alle anderen Themen auch, wäre schön. Und weil halt mit dem Tabu viele Mythen einfach einhergehen, also ganz wenig Körperwissen, ganz wenig Körperspüren. Ganz viele, so muss es sein und diese ganzen Glaubenssätze in Bezug auf Sexualität, wie wenn du nicht zwei, dreimal die Woche Sex hast, dann stimmt mit deiner Beziehung was nicht oder Frauen haben, bei denen ist es halt kompliziert, die haben halt nicht so viel Lust wie die Männer und Männer können immer, also das macht einfach was mit uns und das Interessante ist ja, dass wir vermeintlich ja in einer sehr aufgeklärten Gesellschaft leben und das Thema Sexualität viel besprochen wird, aber halt sehr oberflächlich und das merkt man dann. Und das ist geschichtlich, wenn man sich's anschaut, auch wirklich spannend, weil ich hab das Gefühl, das ist immer so ein Zirkel. Das wiederholt sich halt. Einmal sind wir wieder offener, wenn man so an die Hippie-Bewegung in den 70ern denkt. Und jetzt sind wir wieder so Backlash-mäßig unterwegs. Ja, nicht drüber reden.
Joël Kaczmarek: Und sag mal, ich stell mir jetzt grad so deine Family vor. Berg, Idyll in Österreich, paar tausend Seelendorf. Dann kommst du an und dann sagt dein Vater so. Mensch, mein kleiner Stritzi, was machst du da? Du kannst doch nicht über Sex. Das ist doch hier. Sag mal, war das die Reaktion oder wurdest du da mit sehr offenen Armen? Tatsächlich war das alles ein Prozess. Und sie haben es am Anfang nicht verstanden, was ich konkret mache, weil halt auch bei vielen die Idee ist, wenn du Sexualtherapie oder sexualpädagogisch arbeitest oder das anbietest, wird halt gleich mal mit Sexarbeit verknüpft oder verwechselt.
Magdalena Zidi: oder wenn ich nicht Sex mit den Leuten habe, dann müssen die, also... Dieses Gerücht kursiert ja nach wie vor in meinem kleinen Örtchen, dass wenn Paare zu mir kommen, dass die vor mir Sex haben müssen und ich währenddessen mitschreibe, was sie alles falsch machen. Solche Sachen. Oder ich war mal am Gemeindeamt und da hieß es dann, ich habe gehört, ihr seid die, die sich gegenseitig im Kreis ihre Muschis anschauen. Und ich dachte so, wow, wir sind ja gerade bei einem Amtstermin und das wurde so gedroppt. Aber du merkst halt die Neugierde von den Leuten und gleichzeitig diese Scham. Und ich kann mich noch erinnern an ein Gespräch am Anfang von meinem Papa beim Mittagessen. Alle durften so ein bisschen von ihrem Job erzählen und wie es ihnen so ging. Und dann hat mich jemand am Tisch gefragt,
Joël Kaczmarek: und was hast du heute schon gemacht? Und ich so, ich habe jetzt schon eine Podcast-Folge zum Thema Vaginismus aufgenommen, voll spannend. Und mein Papa so, können wir bitte über was anderes reden? Und ich war so, es ist so fies, alle dürfen über ihre Arbeit reden, nur ich nicht. Aber mittlerweile ist er damit sehr cool. Und heutzutage sitzt dein Vater da und sagt, Leute, falls ihr das nicht versteht, das ist ein Scheidenkrampf. Ich erzähle euch mal, wie das geht.
Magdalena Zidi: Ganz so entspannt nicht, aber er sagt halt immer, hey, total wichtige Arbeit und wenn du was dazu wissen willst, gehst halt rüber zu ihr und fragst. Sie hat eh ihre Praxis da. Also da ist er sehr, sehr entspannt mittlerweile.
Joël Kaczmarek: Und sag mal, ich… tue mich ja ein bisschen schwer damit, mit dir jetzt über das Thema Religion zu reden und auch Kopftuch, als dass ich denke, dass es dir immer wieder begegnet und es dir wahrscheinlich zum Halse raushängt. Und auf der anderen Seite ist es aber so ein großer, rosa Elefant, der wahrscheinlich oft im Raum steht, wenn du irgendwie deiner Arbeit nachgehst, weil ich hätte vermutet, dass der Islam jetzt eine sehr konservative Religion ist. Also Religion ist ja in der Regel, wenn wir ehrlich sind, häufig konservativ. Gibt es ja so ganz entspannende Geschichten, wenn man sich mal so die menschliche Geschichte anguckt, wie waren wir mit der Sexualität vor den Religionen und wie danach und so. Ähm, von daher, erzähl doch mal so Big Picture-mäßig, wie es dir damit geht und was erlebst du so, wie hat sich das für dich verbunden? Also so, wie du dich wohlfühlst natürlich.
Magdalena Zidi: Mir geht es voll gut damit, aber natürlich merke ich, dass das bei ganz vielen Menschen Irritation auslöst im ersten Moment, weil halt diese Islamfeindlichkeit schon sehr groß ist. Es ist einfach medial. Und ich habe ja vorher ohne Kopftuch gearbeitet, weil ich den Islam quasi im Laufe auch meiner Zeit, wo ich schon gearbeitet habe, auch für mich entdeckt habe. Und dann kam der Wunsch eigentlich relativ schnell von mir, ich möchte es eigentlich auch gern so zeigen nach außen oder mich eben auch bedecken. und das war, also für viele geht das halt nicht zusammen. Und es passiert mir immer wieder, dass ich, wenn ich extern Kurse gebe und die halt nur meinen Namen lesen, wenn die dann reinkommen in den Raum, dass die nochmal rausgehen und nochmal checken, bin ich gerade im richtigen Kurs Sexualität? Und viele kommen dann auch und entschuldigen sich oft sogar danach. Es tut ihnen voll leid, aber sie wären nie auf die Idee gekommen, dass ich jetzt die Fachreferentin bin. Und gleichzeitig finde ich es total schön, da so ein bisschen Schubladen aufzubrechen, weil in denen denken wir alle viel zu schnell. Wir sind alle nicht gefeit davor. Aber zum Thema Islam und sehr konservativ, ich glaube, es kommt generell bei Religionen darauf an, was man daraus macht. Und für mich ist der Islam eigentlich die sex-positivste monotheistische Religion, die wir haben. Es gibt auch Aufzeichnungen, dass die Christen damals ganz viel über die Muslime geschimpft haben, weil wir quasi so offen sind. Weil im Islam ist halt Sexualität eben nicht nur zum Kinderkriegen gedacht, sondern sehr wohl als Lustgewinn miteinander, so ein Geschenk. Was alle monotheistischen Religionen aber gemeinsam haben, ist natürlich, dass Sex vor der Ehe nicht sein darf oder halt auch nicht empfohlen wird. Und ich denke mir, für mich persönlich macht es Sinn, ich würde aber jetzt niemandem dieses Nonplusultra aufschreiben, so musst du leben. Also genau das ist es, was viele halt wenig verstehen, dass ich nicht allen mein persönliches Weltbild überziehen muss, um meine Arbeit gut zu machen. Und das habe ich davor auch nicht gemacht. hat mir halt eher andere Werte unterstellt oder eine andere Lebensweise unterstellt. Zum Beispiel, dass ich total gern saunieren gehe oder sowieso nur FKK baden oder immer jedes zweite Wochenende auf Sex positiv baden. Das waren halt so die Narrative, die sich Menschen über mich geschrieben haben. Nichts davon habe ich gern gemacht. Ich finde saunieren furchtbar. Wieso setze ich mich in eine heiße Kammer und schwitze da? Also ich verstehe es nach wie vor nicht. Aber das sind halt so Narrative, die halt für viele dazu passen. Ja, wenn du so offen über Sexualität redest, bist du ja überall vermutlich so offen. Und darum geht es halt nicht und das passt für viele aber nicht ins Bild.
Joël Kaczmarek: Also es gibt ja eine mediale Betrachtung von solchen Religionen und es gibt so eine gelebte. Also wenn du irgendwie in deine lokale Moschee gehst, wird dir wahrscheinlich ein ganz anderes Bild gezeigt, als wenn du jetzt irgendwie den Fernseher einschaltest. Und was ja viel gezeigt wird, ist so dieser Gedanke. Scharia-Recht, die Frau dem Mann zum Untertanen, so fühlt es sich ja vielfach an. Also finde ich, so wird es oft medial aufbereitet. Mit Kopftuch läuft ein Meter hinter dem, kümmert sich um die Kinder, ist nicht berufstätig. Also das ist so ein Bild, finde ich, wie ich es erlebe, wie Islam irgendwie in Deutschland dargestellt wird. Also wenn ich jetzt nur mal an meine Kumpels denke, ich habe auch einen erzkatholischen polnischen Nachbarn früher gehabt, der ein Kumpel war, der ist da auch rüber gewechselt. Ja, es wurden schon ein paar Sachen ein bisschen anders. Also Kopftuch ist komischerweise dann immer schnell ein Thema. Aber ansonsten fand ich die eigentlich sehr, sehr herzlich, sehr offen und auch so, wo ich denke, das ist aber ein schöner Zugang zu manchen Gedanken, die da so in der Religion sind. Deswegen, wie ist denn so dein Erleben von dieser Religion?
Magdalena Zidi: Ich habe es ganz anders erlebt, aber ich hatte dieselben Vorurteile wie alle, weil wie du sagst, was ist das Bild, was in den Medien gezeigt wird und das ist halt sehr eintönig. Aber eigentlich, als der Islam damals gekommen ist, so vor 1400 Jahren, hat der Frauen ihre Rechte gegeben. Also wir hatten da dann zum ersten Mal Erbrecht. Das haben wir hier in Europa erst 1800 irgendwas in England gehabt, dass quasi Frauen alleine erben dürfen ohne die Männer. Das war damals schon vor 1400 Jahren kam das im Koran vor oder eben das, wenn die Frau Geld verdient, weil man das Scharia-Recht ja immer so hernimmt, dass das so schlimm ist, aber eigentlich würde auch da rein religiös gesehen ist der Mann für die Versorgung zuständig und alles, was ich quasi verdiene, könnte ich für mich behalten. Es ist quasi meine freie Entscheidung zu sagen, okay, ich teile das oder wir teilen uns den Haushalt oder so. Oder dass ich selber als Frau entscheiden darf, ob ich die Person heiraten will oder nicht. Also da gibt es so viele Geschichten, die einfach aber für viele halt nicht passen, weil für viele Kopftuch gleich Unterdrückung und eben keine freie Wahl ist. Aber ich kenne keine einzige Frau, die das Kopftuch nicht freiwillig trägt. Ich kann mir schon vorstellen, dass es das gibt. Weil es halt auch immer wieder Menschen gibt, ganz unabhängig von der Religion, die halt versuchen, ihre Machtpositionen auszuspielen. Da haben wir das Patriarchat, das haben wir überall, unabhängig von Religionen, das finden wir, finde ich, wirklich überall. Und natürlich gibt es Leute, die sich dann halt mit der Religion begründen, aber eigentlich ist der Islam, und da kenne ich mich halt gut aus, keine Grundlage für sowas, sondern ganz im Gegenteil. Oder man muss dazu sagen, vor 1400 Jahren wurden Mädchen, wenn sie geboren wurden, bei lebendigem Leibe begraben. Weil die Araber damals so viel gekostet haben. kämpft haben und da quasi so die Idee war, na, bevor irgendjemand meine Tochter schändet, buddel ich sie ein. Und als der Islam gekommen ist, hieß es, hört auf damit, ihr könnt nicht einfach Kinder oder halt Mädchen begraben, nur weil sie Mädchen sind, sondern die können quasi euer Tor ins Paradies sein. Also es gibt total viel, viel mehr schöne Sachen, wo die Frau im Islam eigentlich eine total schöne Rolle hat, eine total wertgeschätzte, wichtige Rolle hat und das, was wir in den Medien halt sehen, ist immer das unterdrückt. Darf nichts, soll nichts, leise sein und so. Natürlich gibt es auch Regime, die das auch so ausschlachten. Also wenn wir nach Afghanistan blicken oder so, das braucht man gar nicht schön reden. Aber das ist halt wie immer, sind das in Wahrheit rechte konservative Regierungen, die dann halt das Tool der Religion nehmen, um es zu rechtfertigen. Aber eigentlich hat es wenig mit der Religion zu tun.
Joël Kaczmarek: Wir können ja hier jetzt immer eine Brücke auch schlagen, dass wir nochmal ein, zwei Sätze über deine Arbeit kurz verlieren. Hat dich denn das Thema Religion eigentlich im Aspekt der Sexualität auch eingeschränkt? Weil katholischer Glaube ist ja häufig, sage ich mal, sehr rigide, was das angeht. Also da gibt es ja viele Pfade und ich finde auch sehr viel mit so negativen, also so Angst gesteuert. Also es ist ja viel so, du kommst in die Hölle, wenn, wenn du dies machst, dann, wenn nicht, hm. Das kann einem ja vieles da auch madig machen, sage ich mal.
Magdalena Zidi: Ich bin halt im katholischen Glauben sehr viel mit dem Bild vom lieben Gott aufgewachsen. Und die Idee ist ja quasi, wenn man getauft ist auf Christus und an Jesus Christus als Sohn und Erlöser glaubt, dann kommt man in den Himmel, weil der ja quasi für unsere Sünden gestorben ist. Das heißt, da war wenig Angst tatsächlich. Aber ich kenne auch sehr wohl ganz viele Leute, bei denen ganz viel mit Angst gearbeitet worden ist, auch in der Jugend und so. Und das hat für mich aber zum Beispiel auch nie wirklich Sinn ergeben. Das heißt, ich kann hier, solange ich getauft bin und an Jesus glaube. Kann ich so ein richtiges Arschloch sein auf dieser Welt und herumspazieren und andere Menschen, weiß ich nicht, wehtun? Und ich kriege keine Konsequenzen dafür. Und ein Baby, das geboren wird, aber dann halt direkt nach der Geburt stirbt, das aber noch nicht getauft wurde, soll in die Hölle kommen? Wie soll denn das fair sein? Also das habe ich zum Beispiel auch nie verstanden. Ich finde, es kommt immer darauf an, wie die Sachen vermittelt werden. Und Sexualität war natürlich schon auch was, was ich persönlich vermittelt bekommen habe, als das ist was Wertvolles, das macht man in einer Beziehung, das überlegt man sich gut. Deine Jungfräulichkeit ist wichtig. Also ich glaube, das kennen ganz viele aus der Generation grundsätzlich.
Joël Kaczmarek: Und wie darf ich mir jetzt deine Arbeit vorstellen? Also ich habe schon gelernt, ihr sitzt offensichtlich nicht im Kreis und zeigt euch eure Muschis, sondern du arbeitest pädagogisch und machst andere Dinge. Wie sieht dein Arbeitsalltag so aus? Alltag ist schwer, weil meine Tage so unterschiedlich aussehen. Ich arbeite halt von Kindern bis alte Menschen mit allen Altersgruppen. Ich bin immer wieder in Schulklassen unterwegs. Wo wir halt so klassische Aufklärungsworkshops machen, Thema Pubertät, Thema eigener Körper spüren, Gefühle wahrnehmen und alles,
Magdalena Zidi: was dann halt noch dazu kommt bei den Älteren. Was ist Sexualität eigentlich? Pornografie, Sexting. Ich arbeite aber auch mit Erwachsenen in eigener Praxis, eben sexualtherapeutisch. Das ist dann von 18 aufwärts bis um die 75 oder so. Also auch sehr bunt und sehr unterschiedlich und auch Paare eben, also einerseits Einzelpersonen, aber auch Paare. Die habe ich dann hier in der Praxis, die auch immer wieder mit unterschiedlichen Themen kommen. Was ich auch eben mache, ich bilde ja auch angehende Sexualpädagoginnen hier im Zentrum aus mit so ein Jahreslehrgängen. Auch SexualberaterInnen bilden wir jetzt dann ab Mai aus. Wir sind eigentlich viel auch in der Weiterbildung und so MultiplikatorInnen-Schulungen. Also in Kindergärten zum Beispiel, dass wir das Kindergartenpersonal eigentlich schulen. Hey, wie geht man mit Doktorspielen um? Hey, was ist normal? Wie könnte man Kinder darin begleiten? Wie beantwortet man Fragen kindgerecht, die zu all diesen Themen halt auftauchen? Aber auch eben mit Personen, die mit Menschen mit Behinderungen arbeiten oder eben auch in Senior-Innenheimen oder so. Also da ist kein Tag wie der gleiche und Social Media läuft dann halt auch noch.
Joël Kaczmarek: Und hin und wieder mal eine Podcast-Aufnahme. Deswegen ist kein Tag wie der gleiche und das mag ich auch total. Also ich mag diese Vielfalt, weil ich finde, du nimmst dir überall was mit und es bereichert dann halt deine andere Arbeit wieder. Wie stelle ich mir das vor? Also wenn du jetzt zum Beispiel Kurse gibst oder Aufklärung machst, ist es dann so der Classic? Hey Kinder, ich habe euch eine Banane mitgebracht. Das hier ist ein Kondom. Wir üben mal. Weißt du, was ich meine? Oder wie ist das bei dir?
Magdalena Zidi: Wow. Also nein. Nein. Ich weiß, dass es halt da auch gerade sehr kontroverse Diskussionen drüber gibt und es wundert mich auch gar nicht, wenn ich solche Geschichten höre, aber ich war noch niemals mit Bananen oder irgendwas anderem in einer Schulklasse und da mussten alle Kondome drüber ziehen. Ich finde das ultra übergriffig und super peinlich. Was wir sehr wohl machen ist, dass wir über Kondome sprechen. Was ist das? Wofür gibt es die? Ich zeige die auch her, ich packe die auch aus vorne. Eins. Wenn das jemand anfassen will, dann dürfen sie es auch anfassen. Bei den älteren Jugendlichen dürfen sie sich auch eins holen, wenn sie wollen. Und dann werden die manchmal über den Kopf gezogen und aufgeblasen oder es werden Wasserbomben draus gebaut. Und ich finde das super, weil sie dann super in der Aneignung sind. Manche finden es pädagogisch nicht so wertvoll, ich sehr wohl, weil ich davon ausgehe, dass diese Kinder und Jugendlichen, also ich mache das, es sind dann eher schon die Jugendlichen, Dass die sich dann eher auch mal ein Kondom checken und das dann auch richtig anwenden, wenn sie es da halt schon spielerisch in der Hand hatten. Ich finde das total fein. Also Classic ist eher so über Pubertät zu reden und ganz ehrlich, wir bringen das Thema ja meistens nicht ein, sondern das Thema ist sowieso da, weil Kinder kriegen so viel mit, die schnappen so viel auf und wenn sie dann erstmal merken, da ist jetzt jemand, wo ich all diese Fragen stellen kann. Dann fragen die so unverblümt einfach raus und dann tauchen auch so vielleicht schwere Themen auf, wie meine Tante hat ein Kind verloren, wie kann sie denn ein Kind verlieren, hat sie es einfach im Supermarkt stehen lassen oder so, also man kriegt ja so viel mit und keiner spricht mit einem drüber. Und gerade bei diesen Themen, die dann vermeintlich so ein bisschen heikler sind, merkt man dann aber, wie dankbar die Kinder sind und auch Wie oft dann eine andere Hand nach oben geht, so ja, bei meiner Mama war das auch so und die war voll traurig, aber wir durften das nicht erzählen, weil das halt noch so früh war. Aber ich hätte eigentlich ein Geschwisterchen gekriegt und so. Und da finde ich, da könnte man so viel machen, wenn man einfach als Bezugsperson zur Verfügung stehen würde für solche Gespräche. Und viele oder ich würde fast behaupten, die meisten von uns haben halt nicht gelernt, über Sexualität zu sprechen, weil die wenigsten von uns vermutlich mit einem Bezugssystem groß geworden sind,
Joël Kaczmarek: die da sehr entspannt waren. Fragen beantwortet haben, Bücher zur Verfügung gestellt haben, was auch immer. Und das heißt, ich sage ganz gerne so ein bisschen wie Fremdsprachen lernen. Das muss man halt üben. Ich habe da noch nie drüber nachgedacht, aber würdest du sagen, es ist sinnvoll, das als eigenes Fach zu etablieren? Weil wenn wir ehrlich sind, wird es ja in irgendeiner Stufe so als ein Seitenarm der Biologie mal kurz abgehandelt für drei Wochen und dann geht es wieder weg.
Magdalena Zidi: Das wäre mein Traum. Ein fixes Schulfach, das sich durch alle Jahrgänge zieht. Weil du ja in jedem Jahr auch wieder mit anderen Themen konfrontiert bist und Sachen kann man auch wiederholen. Und man sollte ja Themen eigentlich immer vorher besprechen, bevor sie relevant werden, alltagsrelevant. Das heißt, ich sollte über Verhütungsmittel sprechen, bevor die zum ersten Mal sexuell aktiv werden. Unter Anführungszeichen macht halt mehr Sinn als danach. Oder ich sollte über Menstruation sprechen, bevor die ersten zu menstruieren beginnen. Und das ist halt im Schnitt zwischen 9 und 16 Jahren. Das heißt, wenn ich in die Grundschule komme, dann ist sehr erwartbar, dass da schon Kinder menstruieren in der vierten Klasse. Und es gibt immer noch welche, die dann sich total fürchten und glauben, sie haben irgendeine Todeskrankheit und sie werden daran sterben, weil ihnen halt niemand gesagt hat, das ist ein ganz normaler körperlicher Vorgang, mit dir ist alles okay. Das sind Binden, so kannst du die benutzen oder es gibt auch Periodenunterwäsche, also solche Dinge. Und es geht halt eben nicht nur um Sex, es geht um den eigenen Körper. Körperhygiene könnte man auch besprechen, das sage ich bei Elternabenden immer. Irgendwann kommen eure Kinder in ein Alter, wo sie nicht mehr nur nach Blümchen duften, sondern wo man merkt, okay, Hormone, Schweißdrüsen. Man merkt es auch, finde ich, wenn man in Schulen geht oder in Klassen, wo die halt voll pubertieren, da muss man halt viel öfter lüften. Die riechen einfach anders. Und darüber zu sprechen, wie wasche ich mich richtig, auch im Intimbereich, dass warmes Wasser genügen würde, weil... Wenn ich da irgendwie mit scharfen Seifen werke, die stark parfümiert sind, kann es halt auch sein, dass ich viel schneller eine Pilzinfektion kriege oder erst dann richtig wund werde. Und das sind Sachen, die für mich mit reinzählen, über Gefühle reden, Beziehungen, Kommunikation, Konsens auf allen Ebenen, nicht nur in sexuellen Interaktionen. Das wäre ja so sinnvoll, wenn wir irgendwie selbstbestimmte, verantwortungsübernehmende junge Menschen großziehen wollen. Also ich wäre voll Fan davon.
Joël Kaczmarek: Ich finde auch, dass es sehr positiv klingt. Ich glaube, viele haben wahrscheinlich sowas selbst nicht erlebt und schieben dann so eine gewisse Paranoia, wenn man damit irgendwie ankommt, weil wenn du dich mal über das Thema Menstruation, was du gerade erzählt hast, unterhältst, Frauen, die 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen, die das seit 20, 30 Jahren irgendwie haben, wie viel Unwissenheit da ist. Also von uns Männern ja mal gar nicht zu reden. aber wenn ich sowas manchmal mitkriege ja, ich hatte eine Bekannte zum Beispiel, die hat richtig, richtig harte Nebenwirkungen in Anführungsstrichen So mit Kopfschmerzen, so wie Migräne und die muss ich teilweise hinlegen und so weiter und so fort. Und du merkst, es ist auch gar nicht erforscht teilweise. Also da kann dir keiner richtig helfen, weil, und das ist ja irre, 50 Prozent der Menschheit haben das. Und du hast es dir nicht angeguckt als Medizin teilweise, ja? Naja, krass.
Magdalena Zidi: Ja, Stichwort Gender Health Gap ist es. Das haben wir bei ganz vielen Sachen.
Joël Kaczmarek: Dass da einfach viel zu wenig Geld in die Forschung reingesteckt wurde. Man hat auch früher tatsächlich viele Studien, ja nur an männlichen Ratten. oder Mäusen getestet, weil die mit Zyklus viel zu unkontrollierbar sind. Das ist ja viel zu... Ja, macht aber trotzdem 50 Prozent der Weltbevölkerung. Ja, ich habe auch mal gedacht, das müsste ja für Pharmaunternehmen eigentlich auch ein attraktiver Markt sein, wenn du sagst, jetzt gibt es das Ibuprofen auch irgendwie in Frauendosierung. Also ich glaube, das würde viel Nachfrage erzeugen.
Magdalena Zidi: Gibt es, also Buscopan gibt es. Gibt es mittlerweile in der Frauenversion, aber da könnte ich mich schon wieder drüber aufregen, weil da hat man halt eine rosa Verpackung drauf gemacht und verkauft sie um 4, 5 Euro teurer als die normale, ist aber gleich dosiert. Und da denke ich so, wow, ja Marketing, man kann halt auch Geld machen mit vielen Dingen.
Joël Kaczmarek: Ja, I feel you. Aber gut, wir schweifen ein bisschen ab. Wir können uns ja mal jetzt deinen fünf Punkten nähern, weil ich lerne schon, du hast ein vielfältiges Leben, was du schon geführt hast, währenddessen gerade führst und noch weiterführen wirst. Was ist so das erste Ding? wo du sagst, boah, mit 20 hätte ich das hier schon gerne gewusst.
Magdalena Zidi: Dass über Sexualität reden eine Stärke ist und kein Tabu. Also zu dem Zeitpunkt habe ich ja begonnen, mich mit dem Thema auch mehr zu befassen, mehr darüber zu sprechen und es wurde mir halt ganz oft gespiegelt, ah nee, darüber kannst du nicht so offen reden, das macht man nicht. Oder auch wenn man das mit PartnerInnen angesprochen hat, dann waren die auch schnell mal so irritiert. irritiert, überfordert. Und ich habe dann ganz lange gedacht, oh, okay, macht man das nicht als Frau? Ist das eher so eine Sache, die man halt nicht bespricht? Aber in Wahrheit interessiert es alle. Also wenn ich dann mit anderen Freundinnen und so gesprochen habe, denen ging es halt genauso. Die waren auch oft frustriert. Und wo ich mir dann immer denke, wir können ja nicht davon ausgehen, dass die Leute Gedanken lesen können plötzlich oder was wir gerne haben, wenn wir Sex haben oder so. Also wer sollte das besser wissen als ich? Aber ja. dass es einfach kein Tabu sein muss, das hätte ich gern früher gelernt und dass man sich nicht heimlich verstecken muss, wenn man die Bravo liest oder so oder wenn man sich dazu noch Wissen aneignet, egal wie alt man ist. Weil ich finde, in der Gesellschaft ist es ja eh noch anerkannt, sich so in Kinder-Jugend-Alter, da darf man sich noch Infos zum Thema holen, aber wenn man dann irgendwann 20 ist,
Joël Kaczmarek: dann sollte man ja alles wissen. Und das ist so ein Bullshit, weil wir haben halt ewig viel Potenzial. Bis zum Sterben können wir da noch was lernen. Und wir werden nie diese Guru-Position haben, so und jetzt weiß ich alles und niemand kann mir mehr mit irgendwas. Und das finde ich so schön an dem Thema und wenn man sich darauf einlässt, ich glaube, da ist richtig viel Potenzial drin. Also ich kann sagen, ich mache gerade einen Kurs darüber, wie man irgendwie ein besserer Liebhaber wird, die Sexualität besser wird, was weiß ich nicht was, weil ich habe ja Gäste in dem Bereich. Und auch wenn ich inhaltlich zur Verschwiegenheit verpflichtet bin, darf ich sagen, das, was ich da erlebt habe, war das exakte Gegenteil. Also, dass du da, ist ja in dem Fall ein männlicher Kurs, dass du es mit Männern zu tun hast, die überhaupt nicht wissen, was bedeutet es eigentlich ein Mann zu sein, was bedeutet eigentlich Sexualität. Also dieses rein, raus, tackern hier, ich fand immer so ein schönes Wort, was sich so eingeprägt hat, also der sizilianische Betonmischer, so wenn ich wie der bumse, das ist was du so suggeriert kriegst, aber ganz viele Männer wissen glaube ich nicht, was das eigentlich bedeutet, Sexualität. Ich glaube, das macht die auch traurig oder ist auch schade. Und die suchen eigentlich nach... Faden, wie man sowas finden kann, so eine Bezugsgruppe. Deswegen, ich glaube, das ist genau das Gegenteil. Also ich habe mich dann mit der Kursleiter unterhalten, die meinte, Joëlle, und das ist der Standard der Gesellschaft, das, was du hier siehst, macht 80 Prozent aus. 80 Prozent. Nicht 3 von 10, sondern 8 von 10.
Magdalena Zidi: Das unterstreiche ich sofort, da bin ich total dabei, weil ich finde, Männer haben oft noch weniger Austausch untereinander. Ganz grundsätzlich über so Themen, wo man so ein bisschen vulnerabler wird, da muss man schon irgendwie eine echt spezielle Freundesgruppe haben, wo das möglich ist. Und dann ist es oft auch nur auf gewisse Themen möglich. Und Sexualität ist halt ultra vulnerable. Und für viele hängt halt an einem steifen Penis die Männlichkeit mit dran. Auch wenn wir immer versuchen, das so runterzureden, dass das nicht so wichtig ist. Aber es ist für ganz viele Realität. Wenn da was nicht funktioniert, dann kratzt es so an der eigenen Identität. Also da bin ich voll bei dir, das glaube ich sofort. Und ich finde, auch da bräuchte es viel mehr Räume, wo Männer sich einfach austauschen können. und auch mal darüber reden zu können. Oder wie ist es, wo kann ich mal vulnerable sein? Weil wir reden ganz schnell über toxische Männlichkeit und sagen, das wollen wir nicht. Aber ich finde es halt immer scheiße zu sagen, das wollen wir nicht, sondern bevor ich sage, das will ich nicht, muss ich mir überlegen, was will ich denn stattdessen? Ich muss was anderes anbieten können. Und das zieht sich in der sexuellen Bildung generell, egal welches Thema, durch.
Joël Kaczmarek: Und was ist so dein Tipp, wie man über Sexualität reden sollte? Weil ich habe gerade so eine Situation in Erinnerung. Ich habe eine Bekannte, ... die ich über meine Arbeit kennengelernt habe, die ist lesbisch und die kriegen gerade ein Kind. So, und jetzt die Frage, wo fängt Sexualität an, wo hört die auf? Und ich war total interessiert. Ich habe gesagt, ach krass, ey, tschuldige, ich muss dich doch mal fragen, wie macht man das denn? Sucht man sich dann Spender? Oder nimmt man dann die Eizellen der einen Frau, setzt sie in die andere ein, sodass das sozusagen, dass beide irgendwie einen Anteil an dem Baby haben? Also ich finde das auch total berechtigte Fragen, die so Interesse suggerieren. Und she was not very amused about it, kann man jetzt mal sagen. Dann hat sie gesagt, ja, nee, wir machen das so und so. und mhm. Dann habe ich gesagt, habe ich dich damit gerade vor den Kopf gestoßen, weil dir das unangenehm ist? Dann meinte sie, nee, ist schon okay, ich habe gerade keine Zeit, ich habe keinen Bock, aber weißt du, ich finde das immer so ein bisschen komisch, ich frage doch euch Heterosexuelle auch nicht, ach, wie funktioniert denn euer Beischlaf? Wo ich so da sitze und denke so, ja, könntest du, aber mach es doch einfach, warum denn nicht? Also, wenn mich das bei dem anderen interessiert, dann ist es doch nur fair, wenn ich es genau so erzähle. und du merkst ja, also da vielleicht war es ein Fett. Bettdäpfchen, übergriffig, whatsoever. Erzähl gerne mal, wie du es gemacht hättest. Deswegen bin ich mal neugierig, was so deine Empfehlung ist. Wie redet man denn drüber, wenn das manchmal die Stromschnellen sind, durch die man da surft?
Magdalena Zidi: Also ich finde, man muss sich, ob man die jetzt gut findet oder nicht, aber wir haben gewisse gesellschaftliche Regeln und das Thema ist einfach keins, das man mit allen möglichen Leuten bespricht und ich finde, es kommt viel auf die Haltung an. Also wenn das Leute sind, die mir sehr nahe stehen, dann kann man ja auch mal nachfragen, du, ich wäre total neugierig oder interessiert dran, wie ist das so oder wie hat das funktioniert, wenn du mal erzählen magst, würde es mich voll freuen, wenn nicht, aber auch voll okay. Also ich finde, das ist ganz gut, so Optionen zu geben. Manchmal sind die Leute auch so ein bisschen vor den Kopf gestoßen oder einfach genervt, weil sie es schon hundertmal erklärt haben. Das ist ähnlich, finde ich, wie die Frage, warum trägst du Kopftuch bei mir oder bei anderen, wo kommst du her? Na, aber so wirklich, wo kommst du wirklich her? Und dann gibt es Leute, die eine Haltung haben, die einfach wirklich interessiert sind, weil sie Kulturen super finden und so, die kennt man aber schon ein bisschen besser und da kann man halt über diese Sachen reden und übers Reisen dann von mir aus und so. Und dann gibt es halt Leute, die einfach nur bestätigt haben wollen, du bist nicht von hier, weil du kannst ja nicht von hier sein, weil du siehst halt nicht so aus oder du sprichst nicht so oder sonstiges. Und da verstehe ich, dass da auch ein großer Minoritätenstress da ist, den wir uns mit vielen Privilegien gar nicht vorstellen können. Und ich glaube, dass es auch nicht die Aufgabe sein sollte, immer das Betroffene selber berichten müssen, wie Sachen funktionieren oder warum gewisse Aussagen diskriminierend sind oder so. weil ich verstehe, Ich habe das quasi eh die ganze Zeit in meinem Alltag und jetzt soll ich den Bildungsauftrag auch noch übernehmen. Aber ich finde, es kommt eben ganz viel auf die Haltung drauf an. Und du wirst sehr viele verschiedene Meinungen dazu hören, weil jeder Mensch damit anders umgeht. Und manche können für sich sehr gut Grenzen setzen und sagen, du, sorry, kein Bock, dir das jetzt zu beantworten. Frag mich vielleicht wann anders, oder ich finde, es geht dich einfach nichts an. Also ich glaube, dass man sich grundsätzlich nicht dafür schämen muss, über das Thema zu sprechen oder auch Informationen darüber zu suchen und gleichzeitig aber auch Aber das ist meine Haltung, grundsätzlich darauf zu achten, anderen nicht drüber zu trampeln. Und das wird immer wieder mal passieren, aber mein Anspruch wäre, so diskriminierungssensibel oder diskriminierungsarm wie möglich zu sprechen und zu agieren. Hundertprozentig diskriminierungsfrei können wir sowieso nicht agieren, weil dafür sind wir alle zu sehr gebiased und so, auch in der Sprache. Aber das wäre mein persönliches Ziel einfach. Und ich finde, je mehr man sich da beschäftigt, beschäftigt, reflektiert, sich auch von Leuten dann auf Dinge aufmerksam machen lässt, die da vielleicht eine Perspektive haben, die man selber überhaupt nicht einnehmen könnte und nicht sofort ins Abblocken geht, weil das passiert ja ganz schnell. Ich bin ja nicht rassistisch, ich habe ja nichts gegen Schwule, aber und dann kommen diese ganzen Sätze so oder ich habe ja nichts gegen Muslime, aber wieso essen die keine Leberkässemmel oder so oder keine Schweinebraten, österreichische Kultur und Bier trinken tun sie auch nicht, das ist dann ganz schwierig. Aber wenn ich mich darauf einlassen würde, den Menschen einfach mal zuzuhören, dann habe ich, glaube ich, die Chance, ganz viel zu lernen.
Joël Kaczmarek: Du hast ja selber gesagt, das ist ja auch dein Beruf, das hat ja auch eine pädagogische Komponente. Das heißt, es hören ja jetzt vielleicht auch viele Eltern zu und denken gerade darüber nach. Gut, die Magdalena hat jetzt gesagt, geil, das ist eine Stärke, wenn ich über Sexualität reden kann. Kein Tabu, es braucht aber Fingerspitzengefühl. Wie würdest du das denn in so pädagogischen Kontexten sehen? Also gerade auch Aufklärung zwischen Eltern und Kindern?
Magdalena Zidi: Wenn die Geburt anbeginnt, Genitalien zu benennen, über den Körper zu sprechen, auch über körperliche Erfahrungen wie Erektionen, die ja auch vorgeburtlich schon möglich sind, das einfach zu besprechen und die eigenen Werte mit zu transportieren, dann vermittelt das den Kindern, ich kann zu meinen Bezugspersonen kommen, wenn ich dazu Fragen habe, weil ich kriege eine Antwort drauf. So wie auf die Frage, wo wohnt der Löwe, kriege ich eine Antwort drauf, warum wird mein Penis manchmal steif, weil ich das beobachtet habe. Und wenn ich in diesem Kontakt… mit meinen Kindern bin, dann habe ich natürlich auch die Möglichkeit, die Dinge zu vermitteln, die mir persönlich wichtig sind. Und es ist ja recht unterschiedlich, was einem persönlich wichtig ist, diese Wertehaltung. Weil wenn ich fachlich in einer Klasse stehe, versuche ich einfach so viel aufzuzeigen wie möglich. Also das gibt es in der Gesellschaft, das, das, das, das, das. Such dir aus, was für dich am Ende passt. Aber als Elternteil oder Bezugsperson habe ich ja sehr wohl eine Haltung zu vielen Dingen oder einen gewissen Wunsch, was ich meinen Kindern gern mitgeben möchte, als das ist mir wichtig. Nicht nur bei diesem Thema, sondern bei allen anderen Themen ja auch. Und wenn ich das bespreche, dann habe ich die Chance, das halt auch mitzugeben. Und ich habe die Chance auch, weil immer, wenn wir Kinder und Jugendliche begleiten, begleiten wir uns selber auch ein Stück weit zu reflektieren, wie bin ich selber aufgeklärt worden? Wo haben ich meine Infos hergekriegt, wenn ich was wissen wollte zu dem Thema? Was hätte ich vielleicht gern früher gewusst? Wo kriegt man auch gute Infos her? Und ich glaube, da liegt einfach ein riesengroßes Potenzial drinnen. Und viele vermeiden es aber, weil sie sagen, ich habe ja keine Ahnung, wie ich das sagen soll. Oder schieben dann halt nur ein Buch vor oder sagen, das macht die Schule schon. Und die Schule, die hat zwar einen Bildungsauftrag, denkt sich aber ganz oft, wir wollen den Eltern da nicht reingrätschen. Und machen es dann richtig so Schmalspurformat mit Liesseite 70 bis 76 und that's it. Und dann kriegen die im schlimmsten Fall überhaupt keine Infos dazu. Und was machen wir Erwachsene, wenn wir Infos brauchen zu Themen? Wir holen das Handy raus und wir fangen an, online zu suchen. Und gerade zum Thema Sexualität findet man halt auch richtig viel Scheiße online. Und ganz viele Kinder, Jugendliche haben halt auch noch nicht diese Medienkompetenzen, auch manche Erwachsene nicht, da rauszufiltern, was ist jetzt brauchbar und was nicht, was ist fundiert, was nicht. Worauf kann ich mich verlassen und worauf nicht? Und wenn ich das selber übernehme als Elternteil, vermeide ich das zum gewissen Teil.
Joël Kaczmarek: Und sag mal, was ist dein Werkzeug, um zu erspüren, wann du damit, wenn du etwas Sexuelles erklärst? ein Trauma verursachst, eine Angst auslöst, eine Überforderung herbeiführst, weil dein Beispiel zum Beispiel mit, meine Tante hat ein Kind verloren, wie geht denn das? Das kann ja anderen Kindern tierische Angst bereiten. Oder wenn du, weiß ich nicht, Bilder von Geschlechtsteilen zeigst, schockiert das vielleicht manche. Wo lernst du denn, welcher Raum für wen in Ordnung ist und wo es zu viel oder ungesund wird?
Magdalena Zidi: Ich finde es total spannend, dass das Thema Überforderung im Kontext sexueller Bildung immer so groß gemacht wird. Ja, wir überfordern Menschen, wir überfordern Kinder auch, wir überfordern sie regelmäßig, nur werde ich nicht gefragt, ob ich beim Dividieren oder bei der Deutschgrammatik auch überfordert bin oder beim Schulsport, wenn ich vor allem da jetzt drüber springen soll, da werde ich nicht gefragt, ob ich überfordert bin, aber beim Thema sexuelle Bildung, da könnten wir ja jemanden überfordern. Also Punkt 1. Ja, wir werden immer wieder im Laufe unseres Lebens in überforderten Situationen sein, aber nicht jede Überforderung, die bei mir Ekel oder Angst oder irgendein komisches Gefühl auslöst, ist automatisch ein Trauma. Also auch da, das Wort wird so inflationär benutzt, was mich auch furchtbar stört als Traumapedagogin. Alle sind traumatisiert, nur weil sie mal was Schlimmes erlebt haben oder weil eine Situation mal überfordernd war oder anstrengend oder halt schwer. Wir alle haben Kapazitäten mit belastenden Situationen umzugehen. Ein Trauma ist es für mich erst dann, wenn ich in der Situation die komplette Hilflosigkeit habe, wenn quasi mein Hirn überhaupt nicht mehr Zugriff darauf hat und wenn ich danach merke, oh scheiße,
Joël Kaczmarek: das beeinflusst mich total im Alltag. Also ich finde es lustig mit diesen Überforderungen, dass wir da bei sexueller Bildung immer so, oh mein Gott, da müssen wir aufpassen sind, aber ansonsten scheißt ja jeder drauf, ob wir Kinder überfordern oder nicht. Ich denke gerade darüber nach, warum es bei Sexualität in der Wahrnehmung vieler Menschen so eine andere Dramatik einnimmt. Aber ich habe aus dem Bauch raus noch keine Antwort drauf. Hast du eine?
Magdalena Zidi: Ja, weil es halt ein Tabuthema ist. Weil es ein Tabuthema ist und weil wir halt ganz gerne in der Vorstellung schweben, dass Sexualität irgendwas ist, was mit so einem Knopfdruck in der Pubertät angeht. Und dann bitte aber auch wieder so mit 60 plus verschwinden soll, weil da ist das ja dann pervers oder komisch. Die dürfen auch keinen Sex mehr haben. Und das negiert quasi, dass das Thema vorher schon da sein darf oder dass sie sich dafür interessieren dürfen, aber nicht in dem Sinne, wie wir erwachsene Sexualität definieren, sondern auf einer ganz anderen Ebene. Also die Unterschiede zwischen kindlicher und erwachsenen Sexualität werden da halt auch total ausgeblendet. Und deswegen habe ich auch damals mein Buch geschrieben, weil das sind die immer wieder gleichen Fragen, Sorgen, Ängste von Eltern, Bezugspersonen, aber auch pädagogischen Fachkräften, weil das nicht unterrichtet wird. Kinder sind einfach ultra neugierig, die sind total im Hier und Jetzt, die überlegen auch nicht, kann ich das später machen oder so, das lernen sie auch erst über einen gewissen Zeitraum. Und für Kinder ist sich am Genital berühren oder so auf der Stuhlkante wippen, weil es sich einfach kribbelig anfühlt, genauso toll wie hochschaukeln, essen, schreien, durch die Wohnung laufen, barfuß durch die Wiese. Das ist alles auf einer Ebene und für uns Erwachsene hat Sexualität diesen Sonderstatus. müssen wir auch lernen, wenn wir mit Kindern in dem Alter arbeiten, also zwischen 0 und 10, wenn es ums Thema Sexualität geht, auch die Erwachsenen-Sexualitätsbrille mal abzunehmen, weil sie hilft uns nicht. Ganz im Gegenteil, sie schränkt uns ein und sie schränkt auch Kinder darin ein, Strategien zu lernen, die gesellschaftlich akzeptierter sind. Weil wir haben ganz viele Kinder, die masturbieren oder halt die sich selbst befriedigen, weil das ein Tool für sie ist, um Stress abzubauen. Viele machen das vom Einschlafen, viele Erwachsene ja auch, so ist es nicht. Aber blöd ist halt dann, wenn das nie jemand beobachtet und ich dann in die Schule komme zum Beispiel und da setze ich dann an dieser Stuhlkante und wippe und dann sagt die Lehrkraft, na hör auf damit, das macht man nicht, konzentrier dich jetzt. Weil ich nehme an, dass das Kind das gemacht hat, um sich zu konzentrieren, weil ich darf mich ja sonst nicht bewegen, ich muss leise sein, ich muss still sitzen, ich komme vom Kindergarten, wo ich mich viel bewegen durfte, wo ich andere Strategien hatte, jetzt bleibt mir nur noch das, was mache ich. Das heißt... Kinder wollen in der Regel ja auch brav sein, wollen sich auch bemühen. Die sind nicht bösartig oder so. Das heißt, der Stress steigt eigentlich. Ich möchte aber ja dem Unterricht folgen und so. Das heißt, die Spannung steigt noch mehr. Ich habe aber keine Ahnung, wohin mit der Spannung. Ich werde natürlich noch mehr an dieser Stuhlkante reiben, weil das mein einziges Tool ist. Und eigentlich hätten wir als Erwachsene die Verantwortung, Kindern, je jünger sie sind, schon was mitzugeben. Was kannst du stattdessen machen, um spannungslos zu werden? Was kannst du stattdessen machen, um dich in deinem Körper gut zu spüren? Nicht weil das, was du machst, was Schlechtes oder was Verbotenes oder Schmutziges ist, sondern weil wir in dieser Gesellschaft hier halt es nicht üblich haben, dass wir im Arbeitssetting oder Gruppensetting plötzlich anfangen, uns selbst zu stimulieren. Das kann man super finden oder scheiße, also ich will es gar nicht werten, aber es ist halt so. Und das alles ist sexuelle Bildung.
Joël Kaczmarek: Es ist spannend hier zuzuhören, weil es so manchmal neue Perspektiven auf Altbekanntes aufmacht. Das ist echt fesselnd. So.
Magdalena Zidi: Schön.
Joël Kaczmarek: Mit Blick auf die Zeit, ey. Magdalena, ich kann dir lange zuhören. Was ist dein zweiter Punkt?
Magdalena Zidi: Mein zweiter Punkt ist, man muss nicht alles ausprobieren, um zu wissen, dass man es nicht mag. Auch ich habe total viel so Gruppendruck einfach erlebt in der Jugend. Das machen alle und deswegen probiert man das aus. Und dann macht man viele Dinge, wo man eigentlich eh schon spürt, eigentlich will ich gar nicht oder fühlt sich komisch an. Und ich glaube, man muss eben nicht alles ausprobieren, um zu wissen, dass man das nicht will. Man kann sich aber auch ein Leben lang umentscheiden und sagen, aber jetzt würde ich es doch gern ausprobieren, weißt du, also sich diesen Stress rauszunehmen, wenn ich es jetzt nicht mache, dann kann ich ja nie wissen, ob es mir gefällt und nicht dasselbe mit Essen. Ich muss nicht alles gekostet oder probiert haben, um zu wissen, ob ich es mag oder nicht, wenn es einfach schon von vornherein komisch riecht oder so aussieht, dass ich mir denke, darf das sein? Ich muss nicht auf einer Sex-Positiv-Party gewesen sein, ich muss nicht Gruppensex-Szenarien ausprobiert haben, ich muss nicht... jede Sexstellung, mit jedem Sextäuschung mal gearbeitet haben, also all diese Narrative so, dann bist du aber nicht sexuell befreit, wenn du die Sachen nicht ausprobierst. Nein, gewisse Sachen muss ich auch nicht ausprobieren, sondern es ist auch okay, wenn ich mir denke, nee, damit kann ich wenig anfangen, jemand anderes vielleicht voll, schön für dich, aber das heißt nicht, dass ich das auch automatisch machen muss und dass ich deswegen weniger selbstbestimmt bin. Ich finde, das ist so das Narrativ. Was? Du lebst in einer monogamen Beziehung? Was? Du hast auch noch geheiratet? Das ist doch voll patriarchal. Geht ja gar nicht so. Also ich finde auch da in dieser vermeintlich so sex-positiven Bubble wird ein neues Nonplusultra geschaffen, das eigentlich uns wieder davon wegbringt, die Sexualität zu leben, die wir als Individuen jetzt gerade gerne leben würden.
Joël Kaczmarek: Ja, ich habe das gehabt, als Bayern hier Gendern verboten hat. Das fand ich auch so eine Ironie, dass die Leute das manchmal gar nicht merken. ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wie ich zu reden habe. Also schreibe ich euch jetzt mal vor, wie ihr nicht zu reden habt. Das ist manchmal ganz ironisch. Also steckt da für dich in dem Punkt ganz viel Fremdbestimmtheit drin, höre ich daraus. Also dass wir manchmal so diesen externen Druck haben, etwas gemacht haben zu müssen, damit wir darüber uns äußern können.
Magdalena Zidi: Ja, genau. Ich muss was ausprobiert haben, weil sonst habe ich ja kein Recht, darüber zu reden. Oder ich darf ja als Sexualtherapeutin, also es würde überhaupt keinen Sinn machen, das habe ich im Studium damals schon gemerkt, darf ich dann nur mit Suchterkrankten arbeiten, wenn ich selber alle möglichen Drogen ausprobiert habe? Nein. Darf ich nur dann Erziehungsberatung machen, wenn ich selber Kinder habe? Nein. Nein, natürlich habe ich eine andere Perspektive, wenn ich das selber auch ausprobiere und eben nicht nur fachlich mir das anschaue, weil ich eine andere Distanz dazu habe, eh klar. Also es kann ein Vorteil sein, aber gleichzeitig... ist es ja auch ein Trugschluss zu sagen, nur weil ich selber eine Essstörung hatte, kann ich jetzt super gut mit Leuten arbeiten, die alle eine Essstörung haben, weil da nämlich dann schnell das Gegenteil passiert, dass ich den Leuten ganz schnell, ah, das war mein Lösungsweg und der muss jetzt für dich auch passen, drüber stülpe und überhaupt nicht mehr beim Individuum bin. Und deswegen finde ich einerseits privat, aber auch in der professionellen Arbeit, egal ob wir jetzt therapeutisch, pädagogisch, psychosozial arbeiten, ist es total hilfreich zu wissen, was ist meins. Was davon könnte vielleicht hilfreich sein, weil ich dadurch ein bisschen empathischer bin oder so und was davon schränkt mich aber auch eher ein. Machen wir, finde ich, sehr, sehr oft oder ganz automatisch bei Kindern. Ja, das probierst du jetzt schon oder ein, zwei Bissen isst auf jeden Fall, weil sonst gibt es das und das nicht oder keinen Nachtisch oder keine Ahnung. Aber eigentlich trainieren wir Menschen so ihr natürliches Körpergefühl ab, weil die spüren oft schon, möchte ich nicht, fühlt sich nicht gut an, aber die erwachsene Bezugsperson sagt, ich muss aber. Und wir wollen eigentlich immer selbstbewusste Menschen großziehen oder Menschen, die sich in ihrem eigenen Körper gut spüren, die ihre eigenen Grenzen gut wahrnehmen, weil ich dann davon ausgehen kann, dass sie sich auch leichter tun, die Grenzen anderer wahrzunehmen und nicht drüber zu trampeln. Also auch im Sinne von Gewaltprävention sind wir da in einem mega großen Feld und es fängt da eigentlich an. Zwinge ich das Kind den Klassiker, den Brokkoli zu essen oder sage ich, okay, dann ist es auch okay, wenn du ein Butterbrot isst. Also dieses Körperspüren wird uns so abtrainiert, weil unsere Gesellschaft dafür gar keinen Raum hat. Würden wir uns alle richtig gut spüren, wären wir alle im Burnout. Und bei mir in der Praxis sitzen dann halt die Leute, die sagen, ja, ich würde gern mehr spüren in der Sexualität oder ich hätte gern mehr Lust auf Sexualität oder überhaupt wieder Lust. Ich sage, hast du überhaupt den Raum oder den Rahmen in deinem Alltag, Lust zu haben oder dich spüren zu dürfen? Geht das überhaupt oder bist du nur am Funktionieren? Und wir alle... sind halt in dieser sehr kapitalistischen Struktur schneller, mehr, besser. Also, ja.
Joël Kaczmarek: Schöner Punkt, gefällt mir sehr gut. Was ist dein dritter?
Magdalena Zidi: Wenn du an dich selber glaubst, dann muss es niemand anderes tun. Am Ende des Tages, wenn du daran glaubst, wenn du davon überzeugt bist, dass das geil ist, dass das gut ist, dass das wichtig ist, mach es. Weil selbst, wenn du dann merkst, ah, hab ich mir anders vorgestellt, dann hast du den Lerneffekt. Dann ist das auch kein Fehler oder kein Fail. Aber frag nie Menschen nach irgendwelchen Sachen, die du gern haben möchtest und die haben das gar nicht, weil die werden dir immer aus der Angst antworten und sagen, nee, das kann sowieso nichts werden. Also wenn ich auf alle Leute gehört hätte, die zu mir gesagt haben, boah, du kannst mit dem Beruf kein Geld verdienen oder du kannst, also was, du machst einen Podcast, du weißt aber schon, da braucht es viel mehr dazu und da muss man technisches Equipment haben und da braucht man dann auch Schneideskills und so. Ich habe mir das alles selbst gelernt. Natürlich sind sie nicht perfekt, natürlich gibt es bessere Podcasts, technisch gesehen, geschnitten und so. Aber hätte ich mir das damals sagen lassen, dann hätte ich so viele Menschen nicht erreicht.
Joël Kaczmarek: Deswegen, es genügt, wenn du daran glaubst, dass das wichtig ist und brauchbar ist und dann mach die Erfahrung. Was glaubst du, woran liegt es, dass es so vielen Menschen so schwerfällt, an sich selbst zu glauben? Weil unser System darauf aufbaut, die Dinge rauszupicken, die wir nicht gut können und an denen müssen wir arbeiten, bis wir umfallen.
Magdalena Zidi: Nicht die Fächer, in denen wir gut sind, wo wir gefördert werden, wo wir noch mehr entfalten könnten, sondern die Fächer, in denen wir schlecht sind, da müssen wir noch mehr Zeit investieren, die Fehler noch mehr ausbügeln, noch ausarbeiten.
Joël Kaczmarek: Und ich glaube, das ist der Grund, weil wir halt eher mit unseren Fehlern konfrontiert werden, als mit unseren Stärken. Was sind so deine Techniken, die du Menschen mitgibst, wenn du ihnen helfen möchtest, dass sie mehr an sich selbst glauben können? Ich push die Leute immer, weil ich einfach Fan bin von Menschen, die das machen, woran sie glauben. Wofür sie stehen, etwas,
Magdalena Zidi: das sie wirklich berührt im Herzen, was sie bewegt, wo sie merken, wo dieses Leuchten kommt. Ich sage genau dieses Leuchten in den Augen, das Kinder noch so oft haben, das wir Erwachsene so schnell leider wieder verlernen. Aber ab und zu taucht es dann noch auf und sich an diesem Leuchten festzuhalten, das macht Leben lebendig. Also ansonsten bin ich irgendwann eine leere Hülle, die halt durch den Alltag stackst.
Joël Kaczmarek: So, zwei fehlen noch, wenn ich richtig mitgezählt habe. Was ist denn ein vierter?
Magdalena Zidi: Das vierte ist, an dem arbeite ich glaube ich immer noch, dass es du darfst sanft sein. Warum? Weil man gerade in so feministischen Diskursen ganz schnell oder viel mitkriegt, so wir brauchen starke Frauen, die aufstehen, die laut sind, die sich hinstellen. Und das habe ich ganz lang gemacht, mache ich auch nach wie vor. Aber es ist total schön, auch Räume zu haben, wo man nicht in diesem Kampfmodus sein muss, wo man nicht immer die Verantwortung für alle tragen oder für alles tragen muss, sondern wo man auch mal sanft sein darf, wo man auch mal schwach sein darf, wo man einfach auch mal heulen darf, vielleicht auch ohne Grund oder man weiß den Grund halt nicht und das ist nicht sofort ein, oh mein Gott, was ist denn jetzt los, sondern dieses, ich verd... bucht es bei mir immer unter Sanftsein, weil das so das Schwierigste ist bei mir, aber darf ich echt sein? Mit allen Emotionen darf ich mich zumuten in all meinen Facetten, die ich so habe im Leben? Und ich glaube, das hätte ich gern schon früher gewusst. Beim Thema Männlichkeit, da gibt es ja, finde ich, dann auch wieder so viele Schimpfwörter, die auch so im sexuellen Kontext eigentlich wieder drin hängen, wie, ja, dann sind das Weicheier, Schlappschwänze. Also da sieht man auch schon, wie stark die Menschen, die wir hier in der Gesellschaft haben, wie die Argmännlichkeit wieder mit Genitalien verknüpft wird und auch wie dieses halt mal Sanftsein negativ bewertet wird.
Joël Kaczmarek: Was ist so der Pfad, den, also du hast ja gesagt, da arbeitest du noch am härtesten dran, also lerne ich, es fällt dir noch nicht ganz leicht, immer sanft zu sein. Wie ist es dir denn bisher gelungen, da besser zu werden? Der erste wichtige Punkt war, milder oder sanfter mit mir selbst zu sein, weil wir sind oft so kritisch, viel, viel kritischer mit uns selber als mit allen anderen. Gerade im Sozialbereich, da sind wir ja gewöhnt,
Magdalena Zidi: irgendwie so diesen Service und dieses nett und respektvoll und verständnisvoll zu sein. Aber mit uns selber, da drücken wir noch das letzte Restchen an Kraft raus, weil wir irgendeine Deadline noch einhalten müssen, die wir uns selber im Kopf gesetzt haben oder die vielleicht gar nicht so wichtig ist. Oder der Termin, wenn es uns nicht gut geht, wo es auch okay wäre abzusagen. Aber wir quälen uns trotzdem hin und ich glaube, damit hat es begonnen. Bei mir selber fehlerfreundlicher zu sein oder wenn man es als Fehler sehen will, aber einfach da schon mal milder zu sein und das wiederum hat meinen Umgang auch mit anderen verändert und dann natürlich auch wirkt sich das auf Beziehungen aus. Weil natürlich, wenn ich das Gefühl habe, ich muss für mich selber immer einstehen und ich bin eine starke, unabhängige Frau, aber eigentlich insgesamt vielleicht den Wunsch habe, mal gehalten zu werden, wer kann dich denn dann halten, wenn du dich nicht halten lässt?
Joël Kaczmarek: Und das ist was, was ich schon auch oft erlebe bei dieser ganzen Emanzipation, die ich grundsätzlich gut finde, aber dass wir oft auch wieder in Extreme ausschlagen und halt nicht dieses der Mensch als Ganzes mit all seinen Facetten sehen. Eigentlich hätte ich dich auch mal fragen können, was bedeutet denn eigentlich für dich sanft und was ist das Gegenteil von sanft?
Magdalena Zidi: Ich glaube sanft ist für mich so eine gewisse Ruhe zu haben, auch mal weich sein zu dürfen, sowohl emotional. Also quasi auch mal weinen zu dürfen, sich hängen lassen zu dürfen, auch sich hingeben zu dürfen. Gerade wenn man es dann auf die Sexualität wieder oder in Beziehungen sehen will, kann ich mich jemandem überhaupt hingeben, weil das klingt ja immer so schön. Aber wann ist mir das wirklich möglich, dass ich mich hingebe, weil dafür muss ich mich ein Stück weit auch vielleicht in eine Abhängigkeit begeben. Und abhängig will niemand von uns sein, aber eigentlich sind wir das alle, weil wir Menschen halt einfach nicht allein bestehen können, das heißt in Beziehungen, je näher ich Menschen an mich ranlasse, umso vulnerabler werde ich und umso mehr muss ich mich vielleicht auch mit dem Gedanken anfreunden, okay, da kann eine gewisse Abhängigkeit da sein, was jetzt nicht bedeutet, dass ich mein Leben nicht mehr ohne die Person hinkriegen würde, aber vielleicht ist es auch schön, dass ich mir wünsche, es nicht mehr ohne die Person hinkriegen zu müssen, weil es einfach feiner ist mit jemand anderem. Das ist für mich, glaube ich, so dieses Sanftsein.
Joël Kaczmarek: Was erlebst du, wenn Menschen das schaffen, da hinzukommen? Was verändert sich dann mit ihnen und mit den Menschen um sie rum? Erstens merkt man es meistens sofort körperlich. Wir sind meistens oft sehr, sehr angespannt. Und wenn ich mir das da mehr erlaube, dann ändern sich auch oft so Problematiken wie starke Verspannungen. Das ist super interessant. Oder Leute hören plötzlich auf zum Zähneknirschen oder so,
Magdalena Zidi: dieses Zähne-Zusammenbeißen. Es gibt ja so viele Synonyme, die sich auf den Körper auswirken, die halt schon auch eine Wahrheit haben. Ich habe den Eindruck, dass sie gelassener werden. Weil sie mit sich selber gelassener sind, aber halt natürlich dann auch mit anderen in ihrem Alltag.
Joël Kaczmarek: Und so vom Umfeld her? Weil ich habe gerade so darüber nachgedacht. Wir haben ja so über die Jahrhunderte bestimmte Rollenzuschreibungen auch vorgenommen. Also ich könnte mir vorstellen, es bringt auch Systemstress, wenn ich auf einmal anfange sanft zu sein. Also vielleicht ist es für die Frau ganz unangenehm, wenn der Mann auf einmal sanft ist und nicht der starke Brecher, der sonst immer alles von ihr weghält. Oder auch umgekehrt. Natürlich, immer wenn man sich selbst verändert, das ist ja systemisch gesehen immer so,
Magdalena Zidi: verändert sich auch was im System oder muss sich auch was bewegen. Und darum ist es ja gar nicht selten so, wenn Leute irgendwie große Entwicklungsschritte machen und schon lange in Beziehungen sind, dass wenn die Person sich nicht mitbewegt oder zumindest so ein bisschen mitschwingt oder auch in Bewegung kommt, wenn auch in einem anderen Tempo, dass das für viele oft nicht mehr passt in Beziehungen dann. Das war das System, so haben wir funktioniert. Ich will aber so nicht mehr funktionieren, weil ich mich weiterentwickeln möchte und die andere Person davon furchtbar irritiert ist, weil das hat halt für die vielleicht sogar auch gepasst. Und da ist halt keine Entwicklung und das erleben wir ganz oft, dass dann eben, wenn es zu starr ist, da halt kein Wachstum mehr möglich ist und dann oft Beziehungen dran zerbrechen.
Joël Kaczmarek: So, ein letzter Punkt ist noch offen. Welcher ist das?
Magdalena Zidi: Um Nein zu sagen, brauche ich zuerst ein Ja. Wir reden ganz oft über Konsens und so, ja, sag halt nein. Wenn du was nicht willst, sag halt einfach nein. Aber bevor ich nein sage, muss ich zuerst mal wissen, was will ich überhaupt? Und ich finde mit der Frage sind so viele Menschen schon überfordert, ich ja auch ab und an. Wenn ich dann gefragt werde, ja, wo sollen wir hingehen essen? Und dann denke ich mir so, ja, wo du willst. Wo möchte ich eigentlich hin? Ich könnte es auch einfach sagen. Manchmal ist es mir wirklich wurscht, aber halt nicht immer. Und dieses... Ja zu sagen zu etwas, was möchte ich eigentlich? Darf ich das wollen? Oder ist das zu abgespaced, zu abgehoben? Will ich zu viel vom Leben? Und ich finde, das hätte ich auch gern früher gewusst, dass du erstmal wollen darfst du erstmal alles. Weil die Frage, ob du es dann in Real Life umsetzt und dann auch lebst, ist wieder ein nächster Punkt. Aber wollen darf ich erstmal alles?
Joël Kaczmarek: Ist ja auch ein bisschen irgendwie so ein, also viel Druck steckt da ja auch drin, indem wir uns irgendwie auferlegen bei solchen Dingen, ne? So, darf ich Nein sagen? Also ich habe immer so, ich habe ja mit vielen erfolgreichen Geschäftsmenschen zu tun und habe immer gelernt, erfolgreiche Menschen sagen öfter Nein als Ja oder wissen zumindest, wann sie Nein sagen und scheuen sich nicht Nein zu sagen. Und das fällt aber vielen Menschen so schwer, dieses Nein, oder? Wie nimmst du das wahr?
Magdalena Zidi: Definitiv. Wir haben ja auch gelernt, wir wollen ja auch niemanden vor den Kopf stoßen. Wir wollen höflich sein. Gerade im Sozialbereich haben wir dann auch oft noch dieses Helfer-Syndrom mit dran. So, wir wollen ja helfen und dann geben wir noch unser letztes Hemd und am liebsten würden wir alle einpacken. mit nach Hause nehmen, weil sie uns so leid tun. Also dieses Nein sagen nur im Kopf bringt überhaupt nichts. Ich muss zuerst ein Gefühl dafür kriegen. Und dann muss ich mir trauen, das zu äußern. Und die Frage, die eigentlich spannend ist, was brauche ich, damit ich dieses Nein auch sagen kann? In welchen Situationen gelingt es mir schon voll gut? Und in welchen Kontexten merke ich so, scheiße, wieder nicht geschafft. Und was würde es mir leichter machen?
Joël Kaczmarek: Bei mir ist es oft Geschwindigkeit, merke ich. Also ich habe oft nicht die Geschwindigkeit. So ein Gefühls-Check-in zu machen zwischen Frage und jetzt ist meine Antwort fällig oder wird sich gewünscht. Also ich kann es manchmal gar nicht mit der Geschwindigkeit beantworten. Und ich habe mal eine Dame, die macht so TCM-Coaching, also traditionelle chinesische Medizin. Und dann habe ich mal zu ihr gesagt, wissen Sie, man sagt mir immer nach, ich mache viel mit dem Kopf und so. Aber es liegt auch daran, dass ich es einfach so gut kann. Ich bin da so schnell und fühlen es so langsam. Und dann hat die gesagt, Herr Kaczmarek, das ist ein Blödsinn, den Sie da erzählen. Wissen Sie, wie viele Gedanken das Gehirn pro Sekunde verarbeiten kann? Ich sage, nee, acht. Wissen Sie, wie viele Gefühle das Gehirn pro Sekunde verarbeiten kann? 30.000. Also ich merke so ein bisschen, vielleicht ist es dann schlecht trainiert, aber mir geht es so, wenn mich jemand, ja, nein, willst du das und so, ich bin manchmal dann einfach so fünf Minuten zu langsam. Dann denke ich so, ah nee, scheiße, eigentlich hätte ich doch gerne noch den Nachtisch gehabt oder nee, eigentlich habe ich keine Lust mit in den Supermarkt zu fahren. Hast du da für dich eine Fahrt gefunden, wie du das... besser hinkriegst, das Nein schneller zu finden?
Magdalena Zidi: Bei größeren Situationen hilft es tatsächlich, Tempo rauszunehmen. Zu sagen, ich schlafe da nochmal eine Nacht drüber oder ich spreche mit dem Menschen drüber, dem ich am meisten vertraue. Einfach auch nicht mal um die Meinung von der Person zu hören, sondern während ich es erzähle, strukturiert sich bei mir nochmal viel. Aber viel ist auch Bauchgefühl. Also viel ist auch so erster Eindruck, weil das danach, dieses Pro und Contra schreiben, ja, aber dann bist du wieder voll im Kopf und ... Selbst wenn du ganz viele Pros hast oder mehr Pros, wenn da ein unangenehmes Gefühl ist, dann bin ich so, nee, dann bin ich raus.
Joël Kaczmarek: Liebe Magdalena, jetzt habe ich dir eine Frage gar nicht gestellt, fällt mir auf. Das ist untypisch, mache ich sonst immer am Anfang. Magst du verraten, wie alt du bist? Weil ich habe gerade gedacht, da schlummert so viel Weisheit in dir. Welches Alter du wohl eigentlich hast? Ich bin 29. You're kidding me. Nein, ich bin 29, 1995 geboren. Doch. Unfassbar. Neun Jahre sozusagen blickst du nur auf die 20 zurück und warst so viel schon übers Leben. Das ist ja fantastisch. Herzlichen Glückwunsch. Gratuliere ich dir zu. Danke. Ich hoffe, es geht noch weiter, dass ich noch viel mehr lernen darf. Ja, ich bin mal gespannt, wenn du 49 bist und wir uns nochmal unterhalten, was dann noch so um die Ecke kommt. Also, liebe Magdalena. Erstens, über Sexualität mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu reden, ist eine Stärke kein Tabu. Zweitens, man muss nicht alles ausprobieren, um zu wissen, dass man es nicht mag. drittes Mal. Viertens, wenn du an dich selber glaubst, dann muss es niemand anders tun. Viertens, du darfst sanft sein. Und fünftens, um Nein zu sagen, brauche ich zuerst ein Ja. How cool is that?
Magdalena Zidi: Das klingt richtig gut, wenn du es so auf einmal so droppst.
Joël Kaczmarek: Ja, ne?
Magdalena Zidi: Voll fein. Na, danke fürs Gespräch. Ich fand es richtig, richtig fein auch mit dir. Ja,
Joël Kaczmarek: ich auch. Also ganz, ganz herzliche Grüße nach Österreich und lieben,
Magdalena Zidi: lieben Dank. Danke dir.
Joël Kaczmarek: Wow, das war ein inspirierendes Gespräch, oder? Denk dran, jeden Freitag, dem fünften Tag der Woche, erscheint eine neue Folge. Also abonnier den Podcast unbedingt, damit du keine Episode verpasst und teile ihn auch total gerne mit deinen Freunden oder Kollegen. Und wo wir schon über fünf Dinge sprechen, eine Fünf-Sterne-Bewertung auf der Podcast-Plattform deiner Wahl hilft uns sehr, damit noch mehr Menschen von diesen inspirierenden Geschichten profitieren können. Nimm dir doch kurz Zeit dafür. Genauso wie für einen Besuch auf unseren Social-Media-Kanälen, um Updates und exzessive Inhalte zu erhalten. Die Links findest du in den Shownotes. Wir freuen uns nämlich über deine Anregungen und Feedback zu zukünftigen Themen und Gästen. So, und jetzt hören wir nochmal in unseren Podcast-Song rein. Bis zum nächsten Mal. Bleib inspiriert und neugierig. Dein Joël. Und sag, was hast du gelernt? Vorfallen und aufstehen, suchen und klar sehen. Weißt du jetzt, was du willst? Weißt du jetzt, was du brauchst? Wie lang hat es gedauert und was hat es gebraucht? Ist es gut, wie es ist? Woran feilst du noch? Komm, erzähl es mir und der Welt. Bist du so geworden, wie du gemeint warst? Oder völlig anders wie ein Zaungast? Du bist schon weit gegangen, bist du angekommen In deiner Hall of Fame Komm her! Und sei wirklich ehrlich Was ist für dich heute unentbehrlich? Sollen wir hier fertig sein oder einfach sein? So wie wir sind, so wie wir sind Gib mir fünf oder mehr, gib mir ein Alles, was du mir sagen kannst und sag, was hast du gelernt? Von Fallen und Aufstehen, Suchen und Versehen. Weißt du jetzt, was du willst? Weißt du jetzt, was du brauchst? Wie lang hat es gedauert und was hat es gebraucht? Ist es gut, wie es ist? Woran feilst du noch? Komm, erzähl es mir und der Welt. Weißt du, jetzt, was du willst, weißt du, was du willst. Weißt du jetzt, was du brauchst? Wie lang hat es gedauert und was hat es gemacht? Ist es gut, wie es ist? Woran feilst du noch? Komm, erzähl es mir und den Welt. Und jetzt du.