Hacker School Direktorin Julia Freudenberg: 5 Dinge, die ich gerne mit 20 gewusst hätte

14. Februar 2025, mit Joël Kaczmarek

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Joël Kaczmarek: High Five, Leute, hier ist Joël, und bestimmt seid ihr schon wieder neugierig, wen ich euch diese Woche zu präsentieren habe, der oder die mir ihre fünf Dinge verrät, die sie gerne schon mit 20 gewusst hätte. Und jetzt passt mal auf, heute ist der Name nämlich Programm. Der Nachname von der lieben Julia ist nämlich Freudenberg und viel Freude werdet ihr heute auch haben. Ich hab das nämlich schon, wir wollten schon vor einer Dreiviertelstunde angefangen haben zu podcasten, haben uns so festgequatscht und hatten so viel Spaß miteinander. Also, die liebe Julia ist im normalen Leben Geschäftsführerin der Hacker School, das heißt, sie engagiert sich sozial, hat aber auch einen Business-Hintergrund. Ich hab auch gelernt von ihr in den 45 Minuten, die wir vorher schon geredet haben, dass sie zum Beispiel Ben & Jerry's nach Deutschland gebracht hat. Wie cool ist das bitte? Und ich glaub noch einiges mehr schlummert da. unter der Motorhaube. So, von daher, ich freue mich schon total auf dich heute, liebe Julia. Schön, dass du da bist. Hello! Also die erste Dreiviertelstunde war schon mal der Hammer. Lass uns einfach weiter Spaß haben, dann wird das eine tolle Aufzeichnung. Ja, ich ringe manchmal mit mir, manchmal sollte ich so das Mikro mitlaufen lassen, auch vorher oder nachher, so mit so kleinen Anekdoten, aber das kannst du ja leider nicht. Also das ist das Schöne an meinem Beruf, diese Magic Moments vorher und danach. Aber gut, so. Lass uns erst mal dich ein bisschen kennenlernen. Also ich kann ja viel erzählen hier. Erst mal den Leuten beweisen, was du für eine bist. Erzähl mal ein bisschen von dir. Hacker School, was ist das? Was machst du?

Julia Freudenberg: Ich mache geilen Scheiß.

Joël Kaczmarek: Also das Schöne ist ja, und meine Mutter findet es immer fürchterlich, wenn ich das sage, aber geiler Scheiß ist bei uns Programm. Also wir wollen halt junge Menschen für Programmieren begeistern, für KI-Kompetenz, für Selbstwirksamkeit, eben halt durch Programmieren. Und wir machen das über das Engagement von ehrenamtlichen IT-LehrerInnen aus Unternehmen. die einfach für das Thema brennen, die Bock darauf haben.

Julia Freudenberg: Und ich muss fairerweise sagen, ich habe hier alle Zutaten zu Hause. Mein Mann macht Banken-IT, der wird nicht erwachsen, der spielt nur anders, ist der coolste Mensch der Welt und lernt den ganzen Tag, da kommst du kaum hinterher. Wir haben wundervolle Kinder und da zu sehen, wenn du wirklich dieses Mindset rüberkriegst und lernen, begeistern, sexy, cool machst, einfach halt geilen Scheiß, dann kannst du die Welt verändern und ich habe das Glück, das ist mein Job.

Joël Kaczmarek: Ich habe dich ja unter anderem wärmstens ans Herz gelegt bekommen. Er sei hier mal gegrüßt von Christian Bredlow, meinem Freund. Der sagte, hier musst du treffen, geile Lady. Und jetzt will ich ja nochmal ein bisschen genauer verstehen, was dich geil macht, wenn wir gleich noch merken, aber vor allem, was so dein Job da eigentlich ist. Also ihr bringt Kindern, du kannst ja mal definieren, was Kinder ist. Also wo fängt es an, wo hört es auf? Programmieren lerne ich jetzt.

Julia Freudenberg: Ich habe gehört, in Englisch sind das die Adolescents. Mussten wir gerade für den Antrag rausfinden. Also Kernzielgruppe der Hacker School sind grundsätzlich Kinder 11 bis 18. Also... Großraum weiter für eine Schule, da können die schon ein bisschen lesen und schreiben, sie können schon ein bisschen still sitzen, ein bisschen Englisch und sind aber noch nicht so alt, dass du sagst, hat eh keinen Zweck mehr, dass jedes Vorurteil einzementiert. Und was wir da machen, ist so ein bisschen, wir lassen sie krabbeln. Also der Weg zum Gehen führt ja bei den meisten übers Krabbeln, die wenigsten Erwachsenen tun das noch, wenn du mal Special Interest vielleicht rausnimmst, aber es ist ein wahnsinnig guter Weg, in die erste Bewegung zu kommen und zu sehen, du hast eine Selbstwirksamkeit, du kommst von A nach B. b und das machen wir halt mit den kids dass wir den so ein bisschen intro geben wie kannst du ein Flappy Bird bauen also irgendein spiel du brauchst das koordinatensystem du musst gucken wie du bewegung abbildet was ist eine schleife eine variable also so ein bisschen grundsätzliches getüdel und dann lassen wir sie das einfach ausprobieren und wenn du kitz hat die freiheit gibt und zu sagen macht fehler dem oder better los probiert das aus nicht lange denken versuchen zu verstehen und macht einfach mal. Da hast du halt wirklich diese leuchtenden Kinderaugen, wo sie verstehen, sie können das können. Und der Clou ist, wir machen das halt jetzt, insbesondere im Fokus für die Zukunft, in ganzen Schulklassen. Da kriegst du auch die, die vorher noch nicht wissen, dass sie es können, können oder wollen. Und mit denen spielen wir halt Zukunft.

Joël Kaczmarek: Und wie darf ich mir das vorstellen? Kommen die zu euch? Ist das wie so eine Art Kurssystem, was ihr habt? Oder geht ihr in die Schulen und unterrichtet dort? Wie läuft das ab? Wir gehen im Schwerpunkt virtuell in die Schulklassen. Das heißt, die Kids sind vor Ort, wir schalten uns zu. Wir haben auch Schulen, wo wir tatsächlich in echt, in Person vor Ort sind. Aber es ist unsere Idee zu sagen, die Kids, die halt eben noch nicht wissen,

Julia Freudenberg: dass sie das können, können. Wir sind ja das Land der Vorurteile. Und wir glauben ja auch immer noch, Mädchen rechnen mit den Eierstöcken und deshalb können sie das nicht. Dass wir die Kids abholen, die noch gar nicht wissen, dass sie es können, die kriegen wir halt wirklich zuverlässig in der Schule. Wenn wir nur außerschulisch arbeiten, da hatten wir teilweise auch reine Rich Kids oder Rich Boys

Joël Kaczmarek: Kurse sozusagen. Das wollen wir nicht, sondern digitale Bildung integrativ gestalten und die Kids sind vor Ort. Wir schalten uns für einen Vormittag zu, programmieren mit denen drei bis vier Stunden, erzählen denen was, was die Leute beruflich machen und was daran cool ist. Und dann entlassen wir sie mit einem disruptiven Impuls ins Leben.

Julia Freudenberg: Ich stelle mir gerade vor,

Joël Kaczmarek: wie du da mit so einem iPad sitzt und dann sagst du so, Digi, was geht, ich bin in Class und dann hacken die da mit dir los, so nach dem Motto, ja? Ja, also iPad würde mich jetzt schon hauchquälen,

Julia Freudenberg: weil das ist fürs Programmieren nicht so das Optimum, aber tatsächlich ist das so. Also ich bin auch oft, wenn wir vor Ort Kurse haben, bin ich auch immer nochmal wieder mit dabei und ich stehe da auch dann vor der Klasse und sage, ja, wir gucken jetzt mal gleich, wie wir uns aufteilen. Die sechs, die mit mir arbeiten. Glückwunsch an euch, ihr werdet am meisten selber machen müssen, weil alle anderen können das besser hier als ich. Ich bin nur die Chefin, aber ich will euch so wahnsinnig gerne kennenlernen und euch auch mal zeigen, dass man nicht alles perfekt können muss, um es zu tun. Deshalb sind's positiv, wir kriegen das auch hin. Und ja, so läuft's.

Joël Kaczmarek: Und wie lange ist denn so eine, also macht ihr das so kursmäßig, drei Wochen oder begleitet ihr über ein ganzes Halbjahr? Wie läuft's was ab?

Julia Freudenberg: I wish we could. Im Stiftungssprech würdest du sagen, wir setzen einen disruptiven Impuls. Das heißt, wir gehen einmal in die Klasse rein für einen Vormittag und gehen wieder raus. Wir arbeiten zwar gerade dran, ob wir auch über Avatare noch weitere Möglichkeiten anbieten, dass die Kids ihre Kurskonzepte verfeinern, aber die Überlegung ist es tatsächlich, wenn wir den Kindern einmal gezeigt haben, dass sie wirklich ins Tun kommen und dass sie sich dafür begeistern können, dass sie dann andere Impulse wahrnehmen. Also es gibt eine Studie, glaube ich, vom Nationales MINT Forum, die sagen, dass Mädchen einen positiven Impuls mit Informatik brauchen. Sonst sehen sie das nicht. Und ich kann das nachvollziehen. Ich war in grauer Vorzeit mal mit einem der Geschäftsführer von Aldi liiert, also bevor ich meinen wunderbaren Mann kennengelernt habe natürlich. Und ich habe in der Zeit nur blaue LKW gesehen. Ich könnte Stand heute sagen, die haben das Geschäft eingestellt, ich sehe keinen LKW mehr. Und durch so einen disruptiven Impuls kriegst du es auf jeden Fall hin, dass auch die Kids, die keinen Zugang haben, diese LKW sehen und damit öffnen wir Türen und das ist tatsächlich so gern, wenn die weiter begleiten würden, schon tough genug in Sozialunternehmen. alleine für 30.000 Kinder, die wir letztes Jahr knapp erreicht haben, zu finanzieren. Da arbeiten wir noch dran, wie wir das insgesamt größer machen können, auch wenn es eben halt ein einmaliger Impuls ist.

Joël Kaczmarek: Wie finanziert ihr euch denn eigentlich?

Julia Freudenberg: Wir haben im Moment ein paar 70 Leute im Team. Wir sind gerade in einem sehr spannenden Prozess und Restrukturierung ist nicht immer vergnügungssteuerpflichtig, aber hat auch wirklich sehr, sehr positive Möglichkeiten. Wir haben letztes Jahr ein Budget von 2,6 Millionen Euro gehabt. Letztes Jahr war so eine Verteilung um und bei 60 Prozent Fördergelder von Stiftungen, 20 Prozent ungefähr Unternehmensspenden, waren auch private Spenden dabei, waren auch ein bisschen Kursgebühren dabei, ein bisschen öffentliche Gelder.

Joël Kaczmarek: Aber letztendlich müssen wir im Fundraising auch für dieses Jahr zweieinhalb Millionen Euro beibringen. Also ich hätte nichts gegen noch eine Million einzuwenden. Ein paar Euro fehlen noch, ein bisschen Puffer ist auch gut. Aber in diesen Zeiten im Millionenbereich zu fundraisen, ist eine toughe Sache. Jedes Jahr zweieinhalb Millionen musst du quasi aufbringen. Das ist ja heftig. Nee, wir wollen ja wachsen. Ah, verstehe.

Julia Freudenberg: Also eher mehr. Darüber überlegen wir, ob wir über einen Zweckbetrieb auch ein Geschäftsmodell tatsächlich ausarbeiten können. Dass wir sagen, gibt es eine Möglichkeit, dass wir eben halt tatsächlich auch über das, was wir tun, konkret Gelder verdienen von den Nutznießenden. Das sind nicht die Kinder an dieser Stelle, klar auch, aber da können wir keine Gelder nehmen. Sondern auch zu überlegen, wen können wir sonst beteiligen neben Stiftungen. Gibt es Möglichkeiten, darüber nachzudenken, dass wir eine Weiterbildung für Unternehmen anbieten oder ähnliches? Also da wird sich dieses Jahr viel tun. Das ist auf jeden Fall ein großer Schwerpunkt.

Joël Kaczmarek: Und jetzt mal Hand aufs Herz. Wie schaffst du es, dass du nicht aus dem Fenster von deiner Dachgeschoss-Homeoffice-Ecke da springst, wenn du dir dann so die deutsche Bildungspolitik anguckst? Lohnt sich nicht, ist nicht hoch genug. Mit gebrochenen Beinen kannst du tatsächlich wahrscheinlich noch nicht mal besser arbeiten. Ich glaube tatsächlich, dass SozialunternehmerInnen immer einen gewissen Zweckoptimismus haben und eine starke Resilienz und eine Prioritätensetzung, was lasse ich an mich rein und was nicht.

Julia Freudenberg: Meine Bubble ist schier hohl gedreht, dass zwischen dem Kanzlerduell, da war nichts zu Bildung, da war nichts zu Kindern. Das ist bitter. Also das ist mit bitter noch sehr positiv umschrieben. Aber ich weiß, dass es mich Kraft kostet. Und da wirklich zu sagen, den Kopf in den Sand zu stecken, bringt nichts, außer du hast hinterher Brösel in den Ohren. Da müssen wir einen anderen Weg finden. Aber wenn es sich lohnt, würde es sich lohnen, sich schreiend auf den Boden zu werfen, würde ich es tun. Ich habe bisher noch nicht ableiten können, dass es sich lohnt. Also versuche ich tatsächlich die Energie dafür zusammenzuhalten, auf die Schnittstellen zu kommen, wo ich wirklich was bewegen kann. Aber ja, es ist... Nicht einfach. Es sind ganz bittere Zeiten. Sowohl, wenn die Wirtschaft strauchelt, das ist für uns tough. Das, was wir sehen, dass ganz viele Bereichsegoismen auf Kosten der Kinder, die halt einfach nur mal keine Lobby haben in Deutschland,

Joël Kaczmarek: ausgetragen werden, das ist bitter und das ist ein riesiges Anliegen, das wirklich zu ändern. Verstehst du das manchmal, warum das so ist? Warum da immer als erstes gespart wird? Warum irgendwie, ich erinnere mich auch noch, als Corona war, das war ja so ein Gefühl, die Gilde, auf die sich ein Scheiß geschert wurde, um es mal deutlich zu sagen. Ich glaube,

Julia Freudenberg: das würde niemand so offen unterschreiben tatsächlich. Ich glaube, dass es auf der einen Seite leider etwas Menschliches ist. Ganz wenige Menschen geben wirklich gerne ab. Also ich merke, hatte ich dir auch vorhin schon gesagt, ich glaube, dass Erfolg falsch definiert ist. Erfolg ist nicht schneller, höher, weiter, wer hat das größte Auto oder verdient die meisten Euronen, sondern Erfolg sind funktionierende soziale Beziehungen. Und ich sehe auch, ich habe ja auch zwei Kinder, es ist... das Wundervollste für mich, auch wenn die teilweise wenig überraschen, die haben ungefähr mein Energielevel, die sind also auch durchaus anstrengend, aber sich damit zu beschäftigen und ihnen beim Wachsen zuzuschauen, das ist unglaublich bereichernd. Das musst du aber reflektieren. Du kannst auch dem Kind kein Handy in die Hand drücken und sagen, ja mach mal, das ist wie Bobby-Car auf die Autobahn, aber Kind trägt doch einen Schutzhelm. Du musst da wirklich dranbleiben. Und wenige Menschen nutzen die Zeit, nach meiner Wahrnehmung, von sich selber zu abstrahieren. Für mich ist Me-Time oder Quality-Time ist auch mit einem Kind englische Vokabeln zu lernen oder mir ein Buch Bieber Undercover reinzufeifen, was die in der vierten Klasse gerade lesen oder oder. Und Menschen geben nicht gerne ab. Und in dem Moment, wo du wirklich was ändern willst, bedeutet es, dass du abgeben musst. Auch der Föderalismus ist für mich ein System, wo ich nicht davon überzeugt bin, dass das wirklich insbesondere in der Bildung aus Sicht der Kinder gedacht worden ist. Aber wenn die Kultusministerien mitunter die größten Behörden in einem Land sind, wo Menschen auch mit Entscheidungsmacht sitzen. Ich habe seltenst erlebt, dass auf insbesondere in der Politik auf wichtigen Posten Menschen sind, die besonders gerne teilen. Und das ist kein Politik-Bashing, aber das ist halt einfach was, wo man sich überlegen muss oder vielleicht auch selber Verständnis aufbauen muss. Auch bei Weltverbesserern wie uns, man hat auch so seine Momente, wo man denkt, Nee, ich möchte jetzt mein Kind schnell mit dem Auto in die Schule bringen, weil ich habe ihn die Woche nicht gesehen und dann haben wir nochmal eine Viertelstunde zum Reden. Der könnte auch den Bus nehmen und das wäre für die Umwelt besser. Aber das möchte man dann ja vielleicht auch aus guten Motiven, aber trotzdem machen. Und wir haben ein Problem, was über viele Jahre gewachsen ist, ist genau wie mit der Figur. Wenn du dir 40 Jahre eine Plauze anfutterst, kriegst du die nicht über Nacht wieder runter. Und ich glaube auch, so muss man letztendlich das Drama im Bildungsbereich sehen. Durch die Verkürzung der Innovationszyklen kommen wir einfach in eine Situation,

Joël Kaczmarek: wo das Schulsystem alleine gar nicht mehr reagieren kann und wo wir eine Öffnung brauchen in einem positiven Miteinander. Ich kenne viele Lehrkräfte, die Übermenschliches leisten und die wundervoll diesen Kindern Zukunft zeigen, aber allein werden sie es nicht schaffen und da müssen wir halt reingehen und einfach mal out of the box denken.

Julia Freudenberg: Sag mal vielleicht noch letzte Frage,

Joël Kaczmarek: bevor wir uns deinen fünf Dingen mal nähern. Du hast ja eben auch so schön gesagt. einem Kind ein Smartphone in die Hand geben, ist wie mit einem Bobby-Car auf die Autobahn setzen, nur dass es einen Helm hat. Was ist denn so dein Habitus mit deinen Kindern, wenn es um digitale Medien geht? Da können ja vielleicht andere Eltern jetzt was von dir lernen.

Julia Freudenberg: Streber. Ich möchte das Quote übrigens noch Silke Müller direkt zuordnen. Das habe ich aus ihrem Buch Wir verlieren unsere Kinder. Ein anderes Buch, was ich neben allein mit dem Handy von Daniel Wolf sehr, sehr gerne empfehle. Also wir sind vielleicht so ein bisschen schräg. Ich habe ja auch gehört, dass auch diese ganzen Tech-Größen aus Silicon Valley, Kinder auf Waldorfschule und möglichst wenig Tech und so. Wir sind da, abgesehen davon, dass meine Kinder nicht auf die Waldorfschule gehen, sondern ich da nur war, tatsächlich auch recht. rigide oder zumindestens die haben akzeptiert, dass das einen hohen Anteil unserer Zeit mit kostet. Ich hatte dir gesagt, mein Sohn hatte als letztes in seiner Klasse mit zwölf ein Smartphone, er hat einen sechsseitigen Mediennutzungsvertrag, er musste die Argumente von der Website kein Handy unter 14 in Form eines Posters für sich widerlegen und Maßnahmen für, falls doch und so weiter definieren und den Talk von Simon Sinek, Millennials in the Workplace, der Ja. Ganz ehrlich, das ist nicht nur für millennials spannend, sondern das zeigt auch noch mal fast eins zu eins ganz, ganz viele Sachen, denen wir heute gegenüberstehen. Musste er transkribieren, weil leider auf Englisch hat ein bisschen gedauert, aber wir haben wenig Probleme. Aber wir sind auch ganz, ganz nah dran, sind in einem regelmäßigen Austausch zu allen Themen, die da hochkommen. Und du kannst nicht weggucken. Du musst dabei sein. Du musst wissen, was den Kindern begegnet. Und ich halte das für absolut fahrlässig, die Kinder in der... realen Welt sozusagen zu überbeschützen und in der virtuellen Welt, die für die Kinder genauso real ist, deshalb ist die Abgrenzung Quark, sie da quasi schutzfrei laufen zu lassen. Die Kinder kommen nicht zu einem, wenn sie Probleme haben, weil dann wissen sie, ist das Smartphone weg. Und da wirklich, Leute, lest euch das Wissen an, was ihr braucht. Es ist ein Conditio sine qua non,

Joël Kaczmarek: wenn man Kinder hat, da muss man rein und ja, also wir haben bisher gute Erfahrungen. Gut, also ich habe ja jetzt schon hier einiges für die Shownotes mal gesammelt und dann bin ich ja umso neugieriger, was denn jetzt deine fünf Dinge sind. Was ist denn so das Erste, was du gerne schon mit 20 gewusst hättest?

Julia Freudenberg: Ich merke tatsächlich, dass ich gar nicht die hundertprozentig genauere Erinnerung habe, was ich mit 20 alles schon wusste oder nicht. Ich habe das eher daraus abgeleitet, was ich heute für mich tatsächlich lernen durfte. Also wie gesagt, ich bin ja ein bisschen putzig in der Aufstellung. Ich war auf einer Waldorfschule, ich bin im Zirkus aufgetreten, ich habe 40 Jahre Geige gespielt. Wie alt bist du denn eigentlich? Ich bin schon so ein bisschen bunter Hund. Ich bin 46, also ich habe früh angefangen. Deshalb habe ich mir jetzt auch vor einer Woche ein Cello geliehen und kriege zumindest schon hin. kein schöner land dieser zeit auf einer seite zu spielen also warte ab mein neues ziel ist bis zum 50 konzert zu können mal gucken ob das hinhaut ich sehe aber tatsächlich auch aus den letzten wochen ich hatte dir ja gesagt sind taffe zeiten für sozialunternehmen und auch wirklich die Hacker School so aufzustellen dass wir langfristig einen impact in deutschland haben können für die Kids ist das wichtigste was ich so sehr fühle und was mir damals wahrscheinlich auch schon geholfen hätte sind Fehler als Lernchancen zu sehen also wir haben ja ein Ganz krudes Fehlermindset in Deutschland. Bloß keine Fehler machen, es ist schambehaftet. In dem Moment, wo du dich aus der Deckung wagst, wirst du Fehler machen. Also zum Beispiel hatte jetzt gerade, eigentlich hatte ich geplant, dass wir dieses Jahr 100.000 Kinder erreichen. So in der Überlegung, wir verdoppeln jedes Mal und so weiter und 2030 eine Million. Und ich fände es auch nach wie vor geil, wenn das gehen würde, weil die Kinder brauchen uns. Aber wir laufen jetzt in ein Jahr rein ohne Zielzahlen, weil wir erstmal gucken, wie kriegen wir die Organisation stabilisiert. Und wie kriegen wir die Prozesse so, dass wir nach hinten echt fluppend laufen können? Und das ist wirklich was zu sagen, ja, habe ich mir anders vorgestellt.

Hat das den und den Gründen nicht geklappt? Würde ich die Annahme rückblickend wieder so treffen mit dem damaligen Wissen? Ja, also das ist etwas wirklich never waste a good crisis. Das ist in der Situation immer unangenehm. Und die letzten zwei Wochen waren bei der Hacker School die toughsten meines Lebens. mit dem krassen Tiefpunkt am Donnerstag Nachmittag, danach ging es wieder steil bergauf. Aber das wirklich zu erkennen, du hast Phasen im Leben, du musst einfach nur weiteratmen. Und du kommst in der Regel gestärkt da wieder raus. Du brauchst Unterstützungsmechanismen. Aber das ist halt wirklich was, Fehler zu feiern, Krisen zu nutzen. Wenn du das jungen Menschen sagst, denken die meisten, du hast einen Knall. Aber ich fände es ganz geil.

Joël Kaczmarek: Naja, es gibt ja diese ganzen zahlreichen Geschichten. Ich weiß, ich habe mal für irgendeinen Artikel das so aufbereitet. Wenn du so nach solchen Metaphern und nach so Bildern guckst, dann gibt es zum Beispiel so Geschichten wie, das sind teilweise absurde Zahlen. Ich glaube, Stephen King hat seinen ersten Roman 19 oder 20 Mal vorgeschlagen. Er hatte den schon weggeworfen und seine Frau hat ihn wieder rausgeholt und dann beim Sohn zufrieden hat es geklappt. Und der Typ von Kentucky Fried Chicken, der war glaube ich noch heftiger. Das war ja der Typ mit dieser Schleife, der immer noch auf diesen Eimern drauf ist, der hat das Rezept, ich glaube, über 1000 Mal an Restaurants eingeboten. Über 1000 Mal. Und dann beim 1000 so und so vielsten Mal hat es geklappt. So, von daher, das gibt es ja immer so, auch dieses, Edison hat doch mal gesagt, hier, I failed my way to success. Schön und gut. Aber was ich mich ja manchmal frage ist, wie bringt man das den Leuten nah? Weil ich bin gerade in so einem Kurs drin und dann erzählt der einer, ja, ich bin gerade voll angefasst, in meiner Firma wird irgendwie rationalisiert und das könnte auch mich betreffen, es macht mich voll betroffen und so. Und ich saß so da und dachte so, warum haben die Leute auch immer so Angst davor, ihre Arbeit zu verlieren? Sie finden doch was Neues. Es gibt doch einen Reiz. Also genauso wie du gerade so. Krise hat auch Chance. Veränderung ist auch Chance. Was ist denn so deine Attitüde, um Menschen zu sagen, hier guck mal, du kannst einen Fehler machen. Es gibt eine Fallhöhe, aber es geht weiter und so weiter.

Julia Freudenberg: Mit einer großen Wertschätzung auch zu sagen, nehmt euch selbst doch nicht so wichtig. Wir jammern auf einem Niveau, um das uns 80 Prozent der Weltbevölkerung beneiden. Ich ermuntere dazu, bei hellem Tageslicht und Sonnenschein sich das schlimmste Szenario auszumalen, was passieren kann. Und ich würde sogar so weit gehen, dieser ganze KI-Hype, der im Moment da ist, der ist doch ein geiles Lerngeschenk an uns Erwachsene. Weil es ist ein Level-Playing-Field. Das lernen doch jetzt alle neu. Das konnte vorher keiner wirklich. Und da einfach mal reinzugehen und zu sagen, Lass uns spielen, lass uns das ausprobieren. Und wer den ersten geilen Fehler macht, der wird gefeiert. Einfach weil, hey cool, da muss man erstmal drauf kommen. Wir müssen das Denken umstellen, dass es nicht darum geht, wer kann was nicht, sondern Fehler wirklich salonfähig zu machen und sie als Teil des Lernprozesses von Fail Fast einfach zu integrieren. Also es geht mir nicht darum zu sagen, scheiß aufs Denken, einfach mal rausballern. Bei ganz vielen Sachen kann man durch kurzes Nachdenken zumindestens die Qualität signifikant erhöhen. Aber diese Angst vor Fehlern, da würde ich mich wirklich freuen, wenn wir da einen anderen Angang finden.

Joël Kaczmarek: Was war so das Zweite?

Julia Freudenberg: Die Bedeutung von Netzwerken. Also tatsächlich, Vati sagte früher immer, sage mir, mit wem du gehst und ich sage dir, wer du bist. Ist bestimmt so ein bisschen Volksgut, aber hätte ich ihm auch zugeschrieben. Mit wem du dich umgibst und wen du in deinen Inner Circle holst oder reinlässt oder wo du wirklich... Im Sinne der Schwarmintelligenz, Collective Impact, es gibt so viele Worte dafür, aber in die richtigen Netzwerke reinzugehen, habe ich jetzt schon als so wertvoll erlebt. Früher dachte ich immer, ich frage mich so gerne um Hilfe, ich mache immer lieber gerne alles selber. Aber da tatsächlich auch zu sagen, wenn du ein Social Startup leitest, den Luxus hast du nicht. Und ich habe das riesige Glück, ich habe bei ganz vielen Leuten den Gefallen gut, weil ich helfe sehr gerne und begeistert und aus Überzeugung. und jetzt, wo es wirklich auch so... Und herausfordernd ist mit dem Fundraising. Ich habe die unglaublichsten Frauen und Menschen insgesamt in meinem Netzwerk, die sich meinen Kopf zerbrechen. Das habe ich sehr, sehr stark gelernt in den letzten Wochen, Monaten und Jahren. Und man ist ja, weil man jünger ist, hat man ja so ein bisschen, meine ich zu erinnern, immer so Angst, ich muss stark sein, sonst halte ich mich nicht für cool oder wie auch immer. Nein, ich glaube, man muss insbesondere für Netzwerke authentisch sein. Ach, da ist ganz viel Gatt viel, was damit läuft. Also hör auf deinen Bauch, ich habe ja auch genug davon, der brät ganz gut. Und da wirklich zu sagen, gemeinsam mehr erreichen, durch auch strukturiertes Netzwerken, auch durch Empfehlungen, das macht wahnsinnig viel Spaß. Es hilft unheimlich bei der Weiterentwicklung. Und ja, ich glaube, das sollte man viel, viel stärker, auch insbesondere als Frau in Betracht ziehen.

Joël Kaczmarek: Das habe ich irgendwann auch gemerkt. Leute helfen auch eigentlich ziemlich gern. Also man denkt ja irgendwie immer so, ich darf den Leuten nicht zur Last fallen und die wollen ja meine Probleme nicht hören. Also ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man Leuten erzählt, was einen gerade bewegt und sagt, du guck mal, das und das habe ich gerade. Kannst du mir da helfen oder wärst du ein Ratschlag? Ich habe eigentlich selten bis nie erlebt, dass jemand sagt, ach so eine Scheiße, nee, lass mich in Ruhe. Weißt du, was ich meine? Geht dir das auch so?

Julia Freudenberg: Ja, insbesondere wenn das so ein bisschen Quid pro Quo ist. Also es ist halt etwas, wo ich auch merke, es gibt auch in meinen erweiterten Netzwerken Leute, Die saugen dich aus bis aufs Blut, einfach weil kannst du mal ganz kurz über das Geschäftsmodell rüber gucken. Ich will sowas machen wie du. Es ist halt einfach was, wo man auch teilweise sich abgrenzen muss. Aber ich sehe tatsächlich, insbesondere wenn man was Vernünftiges macht und darunter subsumiere ich die Hacker School, dass es unglaublich viel Begeisterung gibt, da tatsächlich wirklich mit zu unterstützen und auch ganz offen zu fragen und reinzugehen. Und ich glaube tatsächlich auch dieses Anerkennen. Neid muss man sich erarbeiten. Und ich habe auch immer wieder Situationen, wo ich auf Menschen treffe, die Dinge komplett anders beurteilen als ich. Und auch da muss ich ab und zu tatsächlich nochmal sagen, stopp, du musst nicht alles annehmen, was dir gesagt wird. Überprüf das. Und selbst wenn es dann agree to disagree ist, das ist völlig in Ordnung. Und folg an der Stelle deinem Herz und deinem Bauch oder welchem Körperteil auch immer. Aber man kriegt irgendwann ein gutes Gefühl dafür, was toxische Menschen sind. Und da musst du halt eben auch bei Netzwerken gucken, dass du genau solche Netzwerke halt nicht reinkommst. Und auch nicht in die, ja, das springt jetzt aber leider eigentlich zu meinem dritten Punkt, ich ziehe den einfach mal frecherweise schon mit rein, dass du da abwägen musst. Für mich ist es unter dem Stichwort die Kraft von Diversität. Diversity kostet wahnsinnig viel Kraft. Und wenn wir immer hören, ja, Diversity, dann ist alles besser, das ist eine Lüge. Das ist nicht einfach nur alles besser. Ja, es ist besser, aber das Wort einfach. ist an der Stelle völlig deplatziert. Und da zu gucken, wenn du mit Netzwerken arbeitest, geh offen rein, so mein Learning, guck dir an, wer da drin ist, wer dir was sagt und... Lerne zu unterscheiden zwischen den Menschen, die dich nicht mögen und dich runterziehen und den Menschen, die dir Sachen sagen, die du auch nicht hören willst, aber die da einen Punkt haben. Und wenn du das hinkriegst, nicht jeder, der aus irgendwelchen Gründen gegen dich redet, ist wirklich gegen dich. Es kann die größte Chance sein, die du bekommst, wenn du sie framen kannst. Aber das zu unterscheiden zwischen den kleinen Warnbeißern, die dir wirklich nur auf den Sack gehen wollen. Wer sind die Guten, wo du... echt was lernen kannst und wie kannst du das annehmen, das glaube ich ist echt hilfreich und das hätte ich auch gerne schon früher gehen können.

Joël Kaczmarek: Vielleicht geht es dir ähnlich. Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich einen Fable für kaputte Menschen habe. Das hat damit zu tun, dass kaputte Menschen also A, oft sehr interessant sind und B, auch überraschend oft sehr erfolgreich. Also wenn man in sehr hohe Riegen kommt, wo ich der Meinung bin, da bin ich drin und ich schätze mal du auch, was du mir so erzählst, merke ich, dass da ziemlich viele eine Störung haben. So, das heißt ja jetzt nicht, dass die immer tote Menschen im Keller vergraben, ja, aber was ich da manchmal so für Storys schon erlebt hab und irgendwie tu ich mich aber trotzdem schwer, also ich krieg schon ganz gut mit, wo ich mich abgrenze, wo es toxisch wird, also ich find toxisch ist auch nochmal was anderes als kaputt, ja, und es kann ja Leute geben, die kaputt sind, aber hochfunktional und daraus, also ich steh zum Beispiel total auf Resilienz, ja, wenn Menschen so aus so einer Kaputtheit dann sozusagen in so einen Modus reinkommen, die fallen nicht um, sondern die gehen wie eine Rakete steil, so. Aber ich bin mal neugierig, ob es dir auch so geht und was du so für Methoden des Umgangs dafür gefunden hast.

Julia Freudenberg: Also ich kenne schon wahnsinnig coole Menschen. Also wir haben ja auch das unglaubliche Glück, dass zum Beispiel die Elke Büdenbender bei uns Schirmherrin ist, also unsere First Lady, eine unglaublich großartige Frau, die auch als, ich weiß nicht als Erste, aber zumindest als eine der ganz wenigen First Ladies, die hat jetzt in der zweiten Periode ihren Job beibehalten. Die arbeitet die Hälfte der Woche als Richterin. Und ist dann auch sonst wie was unterwegs. Also höchster Respekt. Das sind, glaube ich, schon super spannende Kreise. Bei uns steht irgendwo eine Notiz, Jürgen redet am liebsten mit C-Level. Ja, das stimmt auch, weil ich mag das immer wahnsinnig gerne, mit Menschen zu reden, die auch entscheiden können. Und nicht immer sich erstmal noch rückversichern können. Klar muss man das auch manchmal. Aber das wird ja auch oft als ein Argument benutzt, wenn man nicht entscheiden möchte. Mich faszinieren... Menschen auch. Also meine Mutter sagte früher mal, ich hätte einen Faible für einen Vogel mit einem gebrochenen Flügel. Wirklich Menschen zu helfen, sich zu entwickeln und auch mit Herausforderungen, Obstacles, was weiß ich was umzugehen. Das finde ich großartig. Das ist aber auch seltener die Gruppe, die du meinst. Ich glaube tatsächlich, wo ich mich ganz klar auch noch so hier am Riemen reißen, nimm ein anderes Wort, wo ich aufpassen muss, ist, ich würde nicht sagen, dass ich mich blende. Aber mich faszinieren schon Menschen, wo du denkst, wow, krass, wie kannst du das können? Das ist total toll. Ich habe halt da das wahnsinnige Glück, auch ganz häufig wirklich großartige Menschen zu treffen. Also eine Frau, von der ich immer sage, wenn ich groß bin, möchte ich mal so werden wie sie, ist Claudia Plattner. Ich weiß nicht, ob du sie kennst, Präsidentin BSI. Eine unglaubliche Frau, die ist mutig, die ist smart, die ist... straight forward, die ist wow. Also ich möchte die ungern zum Feind haben, aber auf eine ganz, ganz positive Weise. Und wenn man sich mit dem Bereich Weltretten beschäftigt, also wirklich das System umzukrempeln, das Unternehmen sich ehrenamtlich engagieren, dass du damit planen kannst, dass du wirklich skalieren kannst, da habe ich das wahnsinnige Glück, auf wirklich echt krass integere Menschen zu treffen, die eben auch wirklich walk the talk, dass das Tun, was sie reden, Und ich glaube tatsächlich, für solche Overachiever, High Performer und diese krassen Menschen, die du genannt hattest, ich glaube, da gibt es bei mir so einen recht gesunden Selektionsmechanismus, weil ich glaube, die finden mich eher total schräg und gar nicht so richtig interessant. Also ich glaube, da habe ich, ich habe da nicht so viele im Portfolio. Schick mal welche, dann gucken wir mal, was die können. Wenn die zu viele Millionen haben, dürfen die ja spenden.

Joël Kaczmarek: Du, ich meine, ich brauche ja nun mal hier in den Podcast gucken. Ist ja alles öffentlich, weil sie es on-air gesagt haben. Von daher kann ich darauf verweisen, wenn ich zum Beispiel an Jan Bredack denke, von Veganz, der Chef. Der erzählte mir ausführlich im Podcast, dass er als Kind nie Liebe erfahren hat. Dass der von seinem Vater aufs Übelste verprügelt wurde. Dass der Vater die Mutter verprügelt hat und, und, und. Und dann guckst du, was der für eine, der redet ja auch ganz offen darüber. Der hat mir auch schon im Podcast erzählt, dass er dann bei Mercedes war. Er hat dann da quasi seine Aufstiegschancen, wurden ihm irgendwie genommen, da saß er in seinem Büro und hat über Selbstmord nachgedacht und dann baut er dann ein eigenes Unternehmen und revolutioniert so einen ganzen Markt mit, ja. So und das meine ich, also ich will jetzt nicht sagen, dass der schwierig ist, aber so eine krasse Geschichten bei solchen Leuten gibt es ja öfters. Josef Brunner hatte ich auch im Podcast, der erzählte mir von der Pleite seiner Eltern, ja, die Bäcker waren und wie er in der Schule gehänselt wurde und wie ihm das in diesen Modus brachte. Jetzt beweise ich es euch erst recht und jetzt laufe ich vorne weg und wasche meinen Namen rein und so. Also da ist ja so eine brutale Kraft drin in diesen Geschichten. Und gleichzeitig halt auch manchmal so eine Zerstörtheit. Ich habe gar keine Frage, die ich daraus formulieren will. Aber ich merke, es fasziniert mich oft. Ich kann auch ganz gut trennen. Also ich kann Leute mittlerweile mehr als grau sehen und nicht mehr schwarz oder weiß. Also ich sage nicht, der ist ein Arsch oder der ist toll, sondern der ist vielleicht toll und hat Arschkomponenten. Teilzeit Arsch. Genau, Teilzeit Arsch. Und dann sortiere ich auch, wie lange lasse ich Leute an mich ran, was tut mir gut und was nicht. Aber... Ich beobachte das schon, dass es überraschend oft sowas gibt, dass Leute sehr erfolgreich sind und dann so eine Geschichte hinter steht.

Julia Freudenberg: Da ist vielleicht dieses bunte Hund, was auch immer da sein, was ich habe, ganz hilfreich. Ich hatte früher, ich wollte immer gut sein. Und ich wollte aus merkwürdigen Gründen, die ich selber nur teilweise rekonstruieren kann, ich wollte ein Triple A. Ich war überall eine gute Zwei. Ich habe ein 1,5er Abi gehabt, Waldorfschule war ich vorher 1,0. Hat mir nicht gereicht. Ich wollte Outstanding, Triple A, wie auch immer. Das war mir so nicht vergönnt. Und ich hatte eine Phase, da wollte ich unbedingt. zum Ballett. Man muss dazu wissen, mein Vater hat an der Hamburger Staatsoper Anatomie unterrichtet. Also, er sagte in Kürze, damit sie wissen, welche Muskeln sie sich gerissen haben, wenn was schief geht. Ich glaube, bei John Neumeier war das tatsächlich, also ich bin auch in früher Kindheit unter den Tütüs durchgepäst und dann war mir klar, ich will zum Bolschoi-Ballett, wenn schon, denn schon. Also nicht irgendwie. Und dann sah Vati mich an, legte so den Kopf schief und sagte, Mädchen, wenn du das willst, wirst du das schaffen. Also ich war auch früher schon eher stabil gebaut. Also ich bin ja auch jetzt Sie sagte, Vati, eine dünne Kuh ist auch kein Reh. Also ich war noch nie Reh. Und trotzdem, und Vati war weder blöd noch blind, aber genau dieses Mädchen, wenn du das willst, wirst du das schaffen. Gott sei Dank will ich jetzt was anderes. Aber ich kann gar nicht dankbar genug für diesen Glaubenssatz sein. Wenn ich das will, werde ich das schaffen. Ich habe auch Phasen, wo ich durchaus angreifbar bin, im Sinne von, es fällt einem immer einfacher, schlechte Dinge zu glauben, die einem Menschen sagen, als die guten. Und insbesondere so ein Wachstumsschmerz in einem Startup, das ist ja nun nicht immer vergnügungssteuerpflichtig. Und da hast du auch Situationen, wo Menschen sich nicht ernst genommen fühlen oder wo Menschen sagen, habe ich dir doch gesagt, das ist zu viel. Und wo ich dann halt sage, okay, ihr seht nicht, in welchen Restriktionen ich unterwegs bin. Ich kann nicht einfach alles stoppen. Ich kann nicht sagen, hey, wir stoppen die Förderung. Ich kann auch jetzt nicht sagen, komm, wir erreichen ein Drittel der Zahlen, die wir letztes Jahr hatten, brauchen aber das gleiche Budget. Was ich sagen kann ist, wir laufen jetzt erstmal los. und gucken, wie wir das bauen. Aber da, wenn ich merke, dass Menschen überhaupt kein Verständnis für meine Realität haben, fällt es mir manchmal schwer, mich abzugrenzen.

Joël Kaczmarek: Vielleicht ist es auch einfach die Vision oder diese Mission, die ich wirklich verfolge. Ich möchte, dass jedes Kind eine Chance hat, sich in diesen Zukunftsmärkten zu verordnen, um dazu zu gehören. Ist spannend. Da gibt es sehr, sehr viel, was man sich mal angucken kann. Du hast ja jetzt so gesagt, die Kraft der Diversität, dass das halt aber Arbeit ist und dass es halt so eine gewisse Selektion braucht. Wie selektierst du denn, wer aus deinem Umfeld rausgehört und wer rein?

Julia Freudenberg: Das Spannende ist, dass ich für die Firma gar nicht mehr aktiv selber selektiere, sondern ich bin aus nahezu allen Einstellungsgesprächen raus. Das machen die jeweiligen Teams, außer ich besetze Teamleads. Dann müssen die eine Chance haben, mich vorher kennenzulernen, weil ich glaube, es ist gar nicht unanstrengend, mit mir zu arbeiten. Ich habe eine sehr drollige Art der Hoch... Ich bin gar nicht besonders clever, aber ich bin wahnsinnig schnell. Und das tendiert dazu, manche Menschen wirklich zu überfordern. Tatsächlich kann ich das Job-Related einfacher steuern als im privaten Bereich. Im privaten Bereich habe ich, ist das ein bisschen fies, wenn man das sagt, aber so eine Art Aufnahmestopp. Also im Sinne von, ich habe meinen Mann kennengelernt, damals in der Phase, da wollte ich überhaupt gar keinen neuen Freund. Also es war so vier Wochen nach einer anderen Trennung und ich war so auf, ey Kloster, aber ohne Kloster, aber mit ohne Mann. Und habe einfach da die Unterschiedlichkeit des Denkens unglaublich schätzen gelernt. Ich sehe halt, dass ich durch das, was ich tue, ich habe de facto keine Freizeit. Also ich leihe mir ein Cello aus und spiele, ich glaube gestern habe ich eine Stunde oder zwei oder sowas gespielt. Ich komme ja aus Phasen, wo ich tatsächlich vier bis sechs Stunden am Tag gespielt habe. Ich wollte ja eigentlich mal Profigeigerin werden. Bin mit meinen Kindern engagiert. Bei Elternfreundschaften bin ich wahnsinnig vorsichtig, insbesondere am Rand des Fußballfeldes. Da ist auch einfach eine ganz schwierige Vorselektion. Ich merke, dass ich eben über die Hacker School selbst meine beste Freundin kennengelernt habe. Dr. Wiebke Jürgensen war früher bei iteratec, ist eine unglaubliche Frau, mit der ich tatsächlich auf Augenhöhe über die Herausforderungen reden kann, die ich habe. Sei mal als Frau Geschäftsführerin jetzt in einem Social Startup und stell dich der ganzen Welt entgegen. Das ist halt als Mutter... Nochmal ein ganz anderes Setting, insbesondere bei einer hohen Leistungsorientierung. Und da tatsächlich die Menschen, die mir mittlerweile am meisten bedeuten oder die mir sehr, sehr viel bedeuten, wie eine Claudia Plattner, wie eine Katharina Hopp, die habe ich alle tatsächlich auch mit über die gemeinsame Begeisterung kennengelernt, die für Female Empowerment, für Hacker School, für Wir wollen für unsere Kinder zumindest eine Welt hinterlassen, die ähnlich cool ist wie unsere. Besser haben, glaube ich, kann man sich fast abschminken. Ich merke, wenn du wirklich zusammengearbeitet hast oder ich sage mal im Schlamm gebuddelt und Sozialunternehmertum ist so ein bisschen Schlammbuddeln, egal was du machst, dann hast du schon eine ganz tolle Vorselektion, wer nur redet und wer wirklich macht. Und von daher, ich bin gar nicht so gut von der Hacker School zu trennen. An der Stelle.

Joël Kaczmarek: Ich kenne das Problem. Ich habe aber auf der anderen Seite dir gerade so zugehört und ich habe das schon ein, zwei Mal erlebt, dass Leute sagen, ich will gar keine weiteren Freunde haben. Ich fand das immer weird, weil ich bin jetzt mal frech. Nein, nein, ist ja vollkommen in Ordnung, darf jeder seine Haltung haben. Ich sage mal immer so frech so, wie blöd müsste ich denn sein? Eine coole Person, die über den Weg kommt, nicht in meinen Freundeskreis oft, ich meine klar, du kannst die Zeit jetzt auch nicht aus den Rippen schneiden, dann ist Zeit das Einzige, was wir nicht alle mehr kriegen können, egal wie reich wir jetzt sind. Also kannst du sie nicht kaufen, aber weißt du, was ich meine? So per se zu sagen, die Tür ist zu, da kann jetzt auch hier irgendwie Mutter Teresa vorbeikommen.

Julia Freudenberg: Sie ist tot.

Joël Kaczmarek: Ja, ich weiß, aber jemand wie?

Julia Freudenberg: Ich glaube, man muss das ein bisschen differenzieren. Ich verwende einen sehr, sehr engen Freundesbegriff. Also ich glaube, war das Erich Kästner oder Michael Endo oder sowas, jemand, der gesagt hat, wenn du drei Freunde im Leben hattest, warst du sehr reich. Das wäre natürlich völlig vermessen zu sagen, aber an dem Moment wird es schwer, auch das von meiner Passion zu trennen, weil die Hacker School ist für mich ja nicht nur ein Job. Das ist ja wirklich eine Leidenschaft und das ist eine Lebenseinstellung, dass du was verändern kannst, wenn du es willst. Und natürlich, ich bin da absolut geflasht, wenn ich wundervolle Menschen kennenlerne, mit denen ich tatsächlich die Welt verändern kann und richtig, richtig was verändern. und das ist halt würde ich das freundschaft nennen weiß ich nicht wie gesagt da habe ich ein sehr engen begriff aber ich bin total begeistert was wir wundervolle Menschen mir über den Weg laufen. Teilweise auch Menschen, die tatsächlich durchaus gezeichnet sind. Also die Kasia Mol-Wolf, die hat ja gerade ihre Insolvenz mit der Emotion hinter sich. Wir hatten gerade vor ein paar Tagen einen gemeinsamen Auftritt zusammen, wo sie erzählt hat, wo ich erzählt habe, wo wir auch gesagt haben, wir machen mal non-shiny, non-glossy, sondern wie ist es denn wirklich? Und das sind Hafezeiten. Und du brauchst wirklich, wirklich Resilienz,

Joël Kaczmarek: um Sachen zu verarbeiten. Würde ich sie als Freundin bezeichnen? Wir kennen uns gar nicht so gut. Würde ich sie als absolut großartige Frau, für die ich einen Satz an roten Teppichen dabei hätte, bezeichnen? Unbedingt. Und von daher, also das ist halt, wie gesagt, mich gibt es nicht nur privat, sondern so in diesem Kontext klingt das vielleicht dann etwas verständlicher. Ja, ja, ich kann das total nachvollziehen. Das beruhigt mich total, weil ich habe mit meiner Frau gewitzelt. Wir haben so 15 Tage oder 16 auseinander Geburtstag. Also erst ich, dann sie. Und ich finde immer so ulkig, wenn mich so... fünf Leute anrufen und sie so 35 oder so. Und dann auch richtig so mit 20 Minuten Telefonat. Also wenn die Geburtstag hat, kriege ich die teilweise gar nicht gegriffen. Ich mag deine Frau. Sag ihr einen schönen Gruß, ich glaube, sie ist toll. Ja, ist sie auch. Aber manchmal sitze ich dann auch so da und sage, ich habe halt wenige Freunde, aber dafür sind sie sehr gute und ich bin da bei dir. Also es ist ja so ein bisschen, die Inuit haben so und so viele Wörter für Schnee. Manchmal würde ich mir mehr Worte für Freundschaften wünschen. Ja,

Julia Freudenberg: so graduell abstufbar, ne?

Joël Kaczmarek: Na ja, ach schön. Komm, aber zwei haben wir noch hier. Du hast ja gesagt, längster Podcast, dann machen wir uns nochmal hier auf den Weg. Vier von fünf jetzt bitte.

Julia Freudenberg: Ich lieb's. Also, was ich heute tatsächlich immer noch nicht umsetzen kann, aber damals auch schon dringend gebraucht habe, ist das Thema Selbstversorgung. Ich habe dafür überhaupt kein Talent. Ich kann mich oft richtig gut um andere Menschen kümmern. Ich kann dafür Sorge tragen. dass nahezu jeder gehört wird, dass meine Familie wirklich rund zusammenläuft. Ich habe es nie gelernt, mich als Mensch wirklich so in den Mittelpunkt zu stellen, dass ich da wirklich richtig gut drauf aufpassen könnte. Du kannst nur stark für eine Firma sein, wenn du selber stark bist. In diese Falle zu tappen, was wir Frauen häufig hinkriegen, du gibst das letzte Hemd, du rackerst dich zu Tode und trotzdem gleitet es dir aus der Hand. Du musst gucken wie im Flugzeug. Holen Sie sich erst die eigene Maske, dann helfen Sie Kindern. Ich bin davon überzeugt, das würde mir wahnsinnig schwer fallen. Wenn irgendwas ist, würde ich sofort als erstes meinen Kindern was geben. Trotzdem ist dieser Gedanke der Selbstversorge so wahnsinnig wichtig, weil in dem Moment, wo ich falle, kann ich nicht mehr für die Hacker School garantieren. Und das wirklich zu verinnerlichen, das... hätte ich nicht nur gerne mit 20 gewusst, das hätte ich auch gerne mit 46 besser im Griff. Aber es ist einfach ein extrem wichtiger Faktor heute, dass du wirklich gucken musst, wie kriegst du deinen Kopf klar und wie wirst du in diesem ganzen Scheiß, ich referenziere auf den Beginn des Gesprächs, wie wirst du einfach nicht wahnsinnig. Das ist schon echt eine Lebensleistung und da muss man drauf achten, egal ob es einem schwerfällt oder nicht.

Joël Kaczmarek: Sag mal so bei den Erzählungen auch, wie dein Vati dich hier und da mal links so hoch in den Volley genommen hat und so. Ich habe mir gerade so die Frage, würdest du sagen, du bist so ein Insecure-Overachiever?

Julia Freudenberg: Ein what?

Joël Kaczmarek: Ein Insecure Overachiever, also jemand, der mit Unsicherheit zu tun hat und das aber wandelt in so eine, du hast es ja ambitioniert, hast du es glaube ich gerade von genannt.

Julia Freudenberg: Das ist eine gute Frage. Also eine Prädisposition, die ich tatsächlich mitgenommen habe, ist, dass, auch wieder Vati, ich früher gelernt habe, immer erst zu gucken, hätte ich was anders machen können oder habe ich vielleicht auch was falsch gemacht, bevor ich sage, you are to blame for my luck in life. Das heißt, das bringt mich in den... Driver Seat, das bringt mich in eine gestaltende Position und ich gebe mich nicht in die Opferrolle. Hängt das mit einer Unsicherheit zusammen? Weiß ich nicht. Ich sage manchmal, ich bin ein Getriebener. Einfach weil ich für mich sehe, mir gehen die Sachen nicht schnell genug. Es geht mir total gut. Ich habe eine wundervolle Familie, den geilsten Job auf der Welt. Wir leben hier in Deutschland. Das ist ja schon mal, ehrlich gesagt, was, wo du sagen kannst, 80 bis 90 Prozent der Weltbevölkerung im Vergleich. Also da sind wir... toll mit dabei. Es fällt mir aber wahnsinnig schwer zu akzeptieren, dass Sachen nicht schnell genug gehen. Oder wir sagen, wir sind in einer Demokratie, aber warum können wir nicht etwas machen, wie wenn meine Zweitstimme an eine Partei geht, die aber nicht die 5%-Hürde schafft, dass ich eine Zweitverwendung für meine Stimme angeben kann. Das wäre doch viel mehr direktere Demokratie. Das wäre doch viel cooler, wenn Menschen sich mehr gehört fühlen. Und das ist was, wo ich immer als erstes denke, könnte ich was anderes machen und meine Güte, das kann doch nicht so schwer sein, warum geht das nicht weiter? Meine Unsicherheiten sind halt, glaube ich, eher in der Richtung, mit dass ich denke, hätte es jemand anders noch besser machen können, bringe ich wirklich alles mit, was es braucht und ich lerne einfach, im Moment ist keiner da, der oder die es besser könnte. Also tue ich das und ich tue es nach bestem Wissen und Gewissen und ich gebe alles rein, um es wirklich gut zu machen und dann muss das damit funktionieren.

Joël Kaczmarek: Das klingt für mich sehr gesund, wenn ich das mal hier so ungefragt bewerten darf.

Julia Freudenberg: Still standing und große Ziele.

Joël Kaczmarek: So, und wenn ich richtig mitgezählt habe, bist du mir einen Punkt noch schuldig.

Julia Freudenberg: Ja, letzter Punkt. Wie fasse ich den denn? Es ist die Akzeptanz, dass man nicht alles können muss und auch nicht alles können kann. Also, ich sage mal, Großraum auch technologische Veränderungen annehmen, aber insbesondere auch nochmal reinzugucken. Mein Team sagt immer ganz liebevoll, ich hätte meine IT-Kompetenz geheiratet. Das ist für mich nicht sehr charmant, aber auch nicht ganz falsch. Und ich sehe das halt einfach, es kommt der Zeitpunkt, wo du anfangen musst, auf deinen Stärken zu arbeiten und deine Schwächen einfach im Griff zu behalten. Also vielleicht ist Anfang 20 da noch nicht der richtige Punkt, weil ich glaube, dass es auch, es gibt einfach Sachen wie eine Zahn- und Echselallergie. ist heute einfach nicht mehr in Ordnung. Du musst irgendeinen Weg finden, damit umzugehen. Und bis zu einem gewissen Punkt, glaube ich auch, musst du dich da exponieren und den Scheiß einfach lernen. Das ist alles schwer, bis es einfach ist. Also musst du üben. Und vor den Erfolg haben ja auch, wer auch immer, Götter oder so den Schweiß gesetzt. Ich glaube aber, dass du auch irgendwann den Punkt haben musst, zu sagen, an welcher Stelle schreibe ich mit links? Also mir sagte Katharina Hopp, die auch für mich so ein Typ Frau ist, wenn ich groß bin, möchte ich mal so werden. unglaublicher Mensch, die sagt, du schreibst zu viel mit Links. Natürlich kann ich Rollout-Kläne basteln, aber ich bin viel besser in Sales oder auf der Bühne oder in wirklich visionär die Sachen zusammenzudenken, wo die wirklichen gemeinsamen Win-Win-Situationen sind. Dann sagt sie, du kannst das machen, aber tu es nicht. Schreib nicht mit Links, geh nach vorne. Ich bin halt Rechtshänder, daher diese Analogie. Und das wirklich zu akzeptieren, dass du erstens auch als CEO nicht mehr alles machen solltest, Nicht im Sinne von, mach dir nicht die Hände dreckig, mach dir die Hände dreckig. Geh da rein, mach die Sachen, sei überall, aber sieh auch zu, wo du nach Talenten abgeben kannst und komm insbesondere als Frau von diesem blöden Denken rüber, du musst überall perfekt sein, das geht nicht, das macht auch keinen Sinn. und ein kleines bisschen, vielleicht auch im Sinne von nicht Selbstschutz, Selbstfürsorge, sondern eher so, ja, bei uns kann man vom Boden essen und man wird sogar satt. Wir laden einfach nach Hause. nach Wertigkeit ein. Alle zwei Wochen am Wochenende ist unser Putzmann da. Und die Leute, die wir nicht so gut kennen oder nicht so mögen, aber trotzdem einladen müssen, die kommen direkt danach. Und die echten Vertrauten eher so im Lauf der zwei Wochen. Also wie gesagt, Imperfektion ist völlig in Ordnung und 80-20 Rules.

Joël Kaczmarek: Ja, ich meine, für jemanden wie dich, der so ambitioniert ist, ist es aber auch, glaube ich, würde ich jetzt mal vermuten, was dir schwer zu akzeptieren fiel. Also mir geht es so, ich sehe mich bei dir in vielen Eigenschaften wieder, dass ich viele Talente habe, aber am Ende des Tages muss man manchmal realistisch sein. Ich merke dann manchmal, ich mache fünf Dinge gleichzeitig und habe aber den Anspruch, dass ich alle diese fünf Dinge auf Weltklasseniveau können will. Also nicht hier nur so. Aufsteiger 2. Liga, sondern so Champions-League-Sieger jedes Jahr.

Julia Freudenberg: Von Bolschoi-Ballett, sag ich doch.

Joël Kaczmarek: Und das geht halt nicht, ne? So, ja, weil das ist bei Scheu.

Julia Freudenberg: Also ich glaube, was man lernen muss, ist damit umzugehen. Wo inspiriert es dich? Ganz ehrlich, es ist völlig bekloppt, mit 46 Cello zu lernen. Völlig absurd, aber es macht mir so einen Spaß, mich da reinzufrickeln. Und Kinderlieder dann auch auf einer Seite und mit den Lagen und dem Gefühl. Und du hast halt beim Cello, verwendest du andere, egal, nicht andere Finger, aber... Es funktioniert ein bisschen anders als auf der Geige. Es macht überhaupt keinen Sinn, aber es ist geil. Und da zu unterscheiden, wo gibt es dir Kraft und wo motiviert es und inspiriert es dich und wo solltest du auch einfach wirklich sagen, 80, 20, für die Sache ist es total sinnvoll, wenn das jemand anders macht. Ja, auch da bin ich halt wieder bei den Einstellungskriterien bei uns in der Firma. Ich habe so coole Menschen, die so anders sind und die so viel, wie ich finde, cooler und besser sind in so vielen Sachen, die trotzdem für die Hacker School arbeiten. Und ich glaube, da muss man halt einfach die Bewertungskriterien sauber ziehen und auch gucken, wo macht was Sinn und in welche Richtung entscheidet man.

Joël Kaczmarek: Ich mag wirklich das, was du gesagt hast, mit dem du schreibst, Sophie, mit Links, weil ich hatte vor kurzem jetzt gerade einen Podcast mit einer Sexualtherapeutin, die ich dann gefragt habe, sag mal, warum läuft es hier und da irgendwie falsch, irgendwie auch im Bildungssystem und dies, jenes, welches. Und dann hat sie was Ähnliches gesagt wie du, dass sie meinte, ja, wir sind einfach zu fehlerorientiert. Und wir werden immer darauf trainiert, das noch besser zu können, was wir schlecht können, anstatt die Sachen, wo du richtig raketig bist, das, was du ja auch gerade gesagt hast, nach oben zu bringen. Und das ist manchmal komisch, weil ihr Take war, dass darunter oft das Selbstwertgefühl der Leute leidet. Und eigentlich ist es genau mit dir d'accord. Von daher, egal, ob man jetzt Hacking oder Sexualität beibringt, scheint ähnlich zu sein.

Julia Freudenberg: Die Grundprinzipien des Menschen sind gar nicht so kompliziert. Und in dem Moment, wo du auch bei Kindern das Urvertrauen herstellen kannst und dieses Wissen, du bist okay, genauso wie du bist, das ist keine Entschuldigung dafür, einen auf faule Sau zu machen und zu erwarten, dass dir die gebratenen Hähnchen vegan oder nicht in den Mund fliegen. Talent ohne harte Arbeit ist nicht viel wert, harte Arbeit ohne Talent auch nicht, sondern da wirklich zu gucken, wo macht es Sinn und wie kannst du tatsächlich damit umgehen. das glaube ich ist auch einfach echt ein Lernprozess und ein bisschen Güte zu sich selber. Ich glaube, man kann nicht alles können und das macht auch einfach gar keinen Sinn. Und da wirklich dringend und wichtig zu unterscheiden und wer kann was, wie besser. Ich glaube, es profitieren unterm Strich alle davon.

Joël Kaczmarek: Also, Dr. Julia Freudenberg, Punkt Nummer 1, siehe Fehler als Lernchancen. Punkt Nummer 2, schätze die Bedeutung von Netzwerk. Punkt Nummer 3, die Kraft der Diversität. Es ist damit besser, doch es braucht Selektionen und es ist nicht einfach. Punkt Nummer vier, schule deine Selbstfürsorge. Und Punkt Nummer fünf, akzeptiere, dass du nicht alles kannst und können musst.

Julia Freudenberg: Yes, mein Team wird besonders bei viertens lachen, das weiß ich jetzt schon. Aber hey, Haupteis last.

Joël Kaczmarek: Ja, Einsicht ist der erste Weg zur Besserung, wie man so schön sagt, nicht wahr?

Julia Freudenberg: Ich habe ja hoffentlich erst Bergfest, also von daher, mal gucken.

Joël Kaczmarek: Danke dir für das schöne Gespräch heute.

Julia Freudenberg: Danke dir, war echt cool.

Joël Kaczmarek: Wow, das war ein inspirierendes Gespräch, oder? Denk dran, jeden Freitag, dem fünften Tag der Woche, erscheint eine neue Folge. Also abonnier den Podcast unbedingt, damit du keine Episode verpasst und teile ihn auch total gerne mit deinen Freunden oder Kollegen. Und wo wir schon über fünf Dinge sprechen, eine Fünf-Sterne-Bewertung auf der Podcast-Plattform deiner Wahl hilft uns sehr, damit noch mehr Menschen von diesen inspirierenden Geschichten profitieren können. Nimm dir doch kurz Zeit dafür. Genauso wie für einen Besuch auf unseren Social-Media-Kanälen, um Updates und exzessive Inhalte zu erhalten. Die Links findest du in den Shownotes. Wir freuen uns nämlich über deine Anregungen und Feedback zu zukünftigen Themen und Gästen. So, bis zum nächsten Mal. Bleib inspiriert und neugierig. Dein Joël.