
Digital-Bodyguard für Kids: Daniel Wolff über Regeln, die Freiheit schaffen
25. April 2025, mit Joël Kaczmarek
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Joel Kaczmarek: High Five, Leute. Hier ist Joel und wie immer ist wieder eine inspirierende Person mit am Start, die mir ihre fünf Dinge verrät, die sie gern schon mit 20 gewusst hätte. Und jetzt passt mal auf, Freunde der guten Unterhaltung, der liebe Daniel Wolff, der ist nämlich Digitaltrainer, aber nicht irgendeiner, sondern er hat ein sehr spannendes Buch geschrieben. und falls du Kinder hast oder auch nicht, falls du jemanden kennst, der Kinder hat oder einfach neugierig bist auf die Welt, dann kauf dir unbedingt allein mit dem Handy. Denn Daniel, und jetzt mal festhalten, hat bereits 450 Schulen geschult und das ist in Kinder übersetzt 130.000 bis 140.000. Also wenn der Mann nicht einen breiten Blick hat, dann weiß ich auch nicht. Und er hat auch eine interessante Vita, weil er ist gelernter Lehrer, er war also selbst schon in Schulen, war dann im Journalismus tätig für Chip unter anderem, kennt ihr vielleicht die Computerzeitschrift, und hat jetzt seine Berufung gefunden, nämlich uns allen zu helfen, dass das Thema Smartphone und Kids besser zueinander findet. Und ich mache mit ihm mal so einen kleinen Kurzabriss, dass du mal ein Gefühl dafür bekommst, wovon wir reden. Aber er und ich haben gerade anderthalb Stunden lang gepodcastet über das Thema Own Detail und den Podcast. Wenn du jetzt also sagst, ey, ich will unbedingt wissen, was hat der zu erzählen, der Mann. Und neben den 16 Euro, die fürs Buchgut investiert, dann will ich den auch nochmal live dazuhören. Dann verlinke ich dir das in den Shownotes. Von daher, lieber Daniel, schön, dass du da bist. Hallo.
Daniel Wolff: Ja, freut mich auch sehr. Hallo Joel.
Joel Kaczmarek: Ja, spannender Beruf. Also ich habe ja schon ein Stückchen deine Genese beschrieben und ich habe mir so gedacht, damit die Menschen aber mal so ein grobes Gefühl bekommen für das, was tagtäglich dein Lohn und Brot ist. Und ich würde ja mal sagen, Lohn ist für dich eigentlich eher die Kinder, glaube ich, denen du irgendwie Perspektiven aufmachst, die Eltern und auch die LehrerInnen. Lass uns doch mal ganz kurz eintauchen. Also was führst du eigentlich für ein Leben? Bist du die ganze Zeit immer nur in Schulen unterwegs mit so einem Koffer und lehrst oder wie darf ich mir das vorstellen?
Daniel Wolff: Ich bin tatsächlich viel auf Achse. Ich mache typischerweise an Schulen ein Format, das nennt sich Digital-Tag. Am Vormittag Workshops mit den Schülerinnen und Schülern. Dann am Nachmittag gerne entweder noch ein Workshop oder eine Lehrerfortbildung. Und dann, wichtig, am Abend kommt der Elternabend. Den mache ich meistens inzwischen online. Und der ist für alle Mitglieder der Schule, also alle Eltern und deren Kinder nochmal. Die Nachfrage ist so derart hoch. Wir kommen an viele Schulen. Ich bin auch nicht mehr alleine. Wir sind inzwischen zu neun sogar.
Joel Kaczmarek: Ja, klasse. Also ich finde immer wichtig, wenn ich mit Menschen spreche und so diese fünf Dinge mit ihnen erarbeite, dass das Publikum mal so ein Gefühl bekommt für sie. Und deswegen, wie gesagt, in den Shownotes hauen wir mal diesen Podcast rein, da gibt es die volle Dosis. Doch wir können ja mal so Smartphone-Pädagogik light machen. Also wenn du jetzt mal einem geneigten Elternteil, was sich auf einer Cocktailparty nur kennenlernen kann, in fünf Minuten erzählst, was so die wichtigsten Dinge sind, die sie zum Thema Smartphone und ihre Kinder wissen sollten, was wäre das?
Daniel Wolff: Das erste ist, wenn ich nicht weiß, was ich tue, dann sollte ich noch warten, bis mein Kind ein Smartphone kriegt. Also es ist ganz, ganz wichtig. Ein Smartphone verändert das Leben eines Menschen und zwar fundamental. Und ich glaube, es ist das komplexeste Gerät der Welt, weil jede App verändert dieses Gerät und es gibt Millionen Apps. Und bei Kindern muss man eben einigermaßen Bescheid wissen und zwar vorher, weil dann erst kann ich entscheiden, wann überhaupt der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Das heißt, ich sollte mich als Elternteil unbedingt super gut vorbereiten. Dann spart man sich später sehr, sehr viel Ärger. Das ist das Erste. Also im Zweifel lieber noch warten. Das zweite ist, wenn mein Kind ein Smartphone hat, kein Bildschirm im Bett. Das ist ganz einfach, kann jeder erziehen, auch wenn er technisch gar nicht irgendwie so super affin ist, weil ein Smartphone im Bett zum Beispiel oder ein Tablet oder ein Nintendo Switch oder alles drei bedeutet, mein Kind schläft kürzer, mein Kind weiß, wie es benutzen wird, weil alle Kinder sind neugierig und wollen Spaß, aber dem begegnen nachts eben auch die härteren Sachen. Und zwar die, die wir als Erwachsene teilweise gar nicht mehr kennen. Weil wir waren als Kinder ja nicht im Internet. Zumindest nicht so wie die Kinder heute und nicht so früh und nicht so intensiv. Wir sollten alle gut schlafen. Und das tun auch wir als Erwachsenen besser ohne Smartphone. Übrigens, so kleiner Hinweis, wenn wir das unseren Kindern also beibringen wollen, dann sollten wir uns auch vielleicht als Erwachsene mal überlegen, ob wir vielleicht selbst unbedingt ein Smartphone im Bett brauchen. Weil unsere Kinder kopieren uns. mehr als wir das glauben. Und deshalb lassen wir unsere Kinder lernen, dass ein Smartphone im Wett nicht okay ist. Und wenn wir es selber nicht tun, dann tun sich unsere Kinder leichter. Das wäre das Zweite und das Dritte. Ich glaube, ich sollte, wenn ich einem Kind ein Smartphone gebe, am Anfang eher viele Regeln aufbauen und sozusagen ein bisschen strenger sein. Und dann, wenn die Kinder größer werden, stabiler werden, reifer werden, nicht mehr so verletzlich sind, ihnen immer mehr erlauben. Das ist eigentlich die richtige Herangehensweise, glaube ich, wie im Straßenverkehr auch. Wir geben im Achtjährigen ja nicht einen Ferrari-Schlüssel, sondern wir fangen erst mal mit kleineren Fahrzeugen an, die nicht so hochmotorisiert sind, um sie eben da ranzuführen. Und das ist auch was, was die Kinder, wenn es ihnen von Anfang an erklärt wird, unterstützen. Dann freuen die sich jedes Mal, wenn sie wieder was? Und das ist eigentlich die richtige Reihenfolge.
Joel Kaczmarek: Was ist denn so, wenn das Kind im Boden gefallen ist? Also würdest du sagen, Handy ruhig auch mal wieder wegnehmen. oder wenn die ein Opfer werden von, und wir reden ja ganz viel auch über die Gefahren in diesem, man sagt in anderen Podcasts, also egal ob es jetzt Mobbing ist oder brutale Videos oder Pornos oder Gaming oder oder, ist das ein probates Mittel?
Daniel Wolff: Also ich würde sagen, es gibt nur eine einzige Situation, wo ich es mir sinnvoll vorstellen kann, wenn ich nämlich herausfinde, dass mein Kind andere mobbt. Ansonsten, Smartphone wegnehmen ist grundsätzlich eine schlechte Idee, weil das Kind fühlt sich bestraft. Und außerdem, wenn ich es wegnehme wegen irgendwelcher Inhalte, die mein Kind entdeckt hat, weil es neugierig ist oder weil es Plattformen benutzt, die sowieso Inhalte ausspielen, die auch für Erwachsene sind, egal ob das Erwachsene wissen oder nicht. Wie zum Beispiel YouTube, TikTok, Instagram. Die regulären, wichtigsten, größten Social-Media-Plattformen der Welt spielen immer wieder mal Zeug aus. Das ist nur für Erwachsene. Wenn ich meinem Kind das erlaubt habe, eigentlich sollte ich mich dann selber bestrafen, ehrlich gesagt, wenn etwas schief geht und nicht mein Kind. Das Blöde ist, wenn ich ihm nämlich dann das Smartphone wegnehme, dann lernt er oder sie, kann mir nicht vertrauen. Der Schaden ist so groß. Das Wichtigste, was wir brauchen, ist das Vertrauen unserer Kinder. Und das kriegen wir nicht einfach so. Und wir verlieren es, wenn wir ihnen das Smartphone wegnehmen. Deshalb Vorsicht, Vorsicht.
Joel Kaczmarek: Also ich kann ja nochmal einen ganz kurzen Abriss geben dessen, was ich jetzt mit dir alles auch nochmal auf der Tonspur gelernt habe. Also die Gewaltvideos, die Kinder sehen, wie du mir beigebracht hast, dass jedes Kind Pornos schaut, ohne dass es sich dafür entscheidet aktiv, also teilweise auch völlig ohne eigenes Zutun. Die Gaming-Fallen, in die sie stolpern, indem die Gaming-Industrie Methoden aus dem Glücksspiel benutzt, um dort kindersüchtig zu machen. Cybermobbing, die großen Klassenchats, wo teilweise auf einzelnen Kindern rumgehackt wird und wir kriegen es gar nicht mit. Cyber Grooming, wo erwachsene Menschen sich in Rudeln, wie du so schön gesagt hast, zusammentun und Kinder verfolgen. Also es gibt zig Themen und bei KI sind wir noch nicht mal angekommen, was das alles an Umwälzung bringt. Von daher, ich lege euch allen ans Herz, hört da unbedingt mal rein. Wir wissen beide, also Daniel hat das auch ganz schön in unserem letzten Podcast gesagt, es macht einem auch Angst, ist auch in Ordnung, aber darum geht es nicht, sondern, dass euch im Gegenteil Mut zugesprochen wird, dass ihr lernt, was dort passiert und vor allem, ihr kriegt Methoden und ihr werdet das schaffen. Also das mal als motivierenden Hinweis auch mal an der Stelle. Genau.
Daniel Wolff: Let's go. Zuversicht ist wichtig. Genau, richtig.
Joel Kaczmarek: Und sag mal, was mich mal so interessiert, das haben wir in dem Gespräch, was ich jetzt gerade viel zitiert habe, nicht besprochen. Warum tut die Politik eigentlich nichts?
Daniel Wolff: Ich glaube, die meisten Eltern wissen es einfach nicht. Menschen, die keine Kinder haben, wissen es sowieso nicht und da ist es auch Gar nicht so wichtig. Bei Menschen, die Kinder haben, ist es oft auch nur in der Zeit wichtig, wo die Kinder in diesem entscheidenden Alter sind. Das ist schon mal das eine. Das zweite ist, es herrscht allgemein technisch auch viel zu viel Unverständnis. Eigentlich bräuchten wir so eine Art Altersverifikation. Also in jedem Bordell, in jedem Casino muss der Betreiber dafür sorgen, dass wenn was ab 18 passiert da drin, dann muss der auch passen. Das haben wir im Internet nicht. Da gibt es keinen Türsteher. Es gibt auch niemanden, der verantwortlich ist. Das liegt auch ein bisschen an der amerikanischen Geschichte wirklich wahr. Da gibt es einen Paragraf 230 von vor 20 Jahren, den die Amerikaner damals sozusagen verabschiedet haben, um ihre junge Digitalindustrie zu schützen, dass die großen Plattformen nicht für die Inhalte verantwortlich gemacht werden können. Das ist amerikanisches Recht. Und die ganze Welt, wenn man so will, die ganze Kinderwelt zumindest, leidet in Teilen darunter, weil eben zum Beispiel in Amerika herrscht das Verständnis, wir können YouTube doch nicht zwingen, alle ihre Videos zu kennen. Und die können auch nie verantwortlich gemacht werden. Dafür ist alles Free Speech. Naja, das sind auch andere kulturelle Vorstellungen. Und wir, wir wissen alle, die größten Digitalkonzerne der Welt sind alles amerikanische Unternehmen. Es gibt Billionen schwere Unternehmen, muss man auch dazu sagen, Billionen. Es gibt im Internet keinen Jugendschutz, keinen. Der einzige Kinder- und Jugendschutz, der funktioniert, sind anwesende Eltern. Und besonders, warum erlaube ich Plattformen wie zum Beispiel TikTok? Ganz einfaches Beispiel. TikTok ist ab 13, weiß schon keiner. Steht nur in den Nutzungsbedingungen drin, bei Apple steht 12+. Dann gibt es innerhalb der App aber Bereiche oder Funktionen, die sind ab 16 und ab 18. Warum darf diese App eigentlich ab 13 sein? Das ist genau bei YouTube. Bei YouTube ist es auch offiziell, bei Apple steht 12+, in den Nutzungsbedingungen steht ab 16 oder auch irgendwie ab 18, versteht keiner. Und auf der Plattform sind dann sehr viele Videos ab 0, ab 2, ab 5, ab 6 und eben aber auch ab 18. Warum kann die ganze Plattform ab 18 sein? Wenn ich ein Buch habe mit 100 Seiten, davon sind 90 lustig und informativ und von mir aus pädagogisch wertvoll. Aber 10 sind absoluter Horror und Porno. Das würde ich doch nicht ab 12 machen. als Durchschnittswert. Ich würde es keinem Kind geben, natürlich, wegen dieser zehn Seiten. Aber im Internet denken wir einfach bis jetzt anders. Und es gibt auch keinen anderen Bereich auf der Welt, wo Kinder mit Billionenunternehmen quasi Vertragsbeziehungen eingehen, einfach so, ohne dass die Eltern es überblicken.
Joel Kaczmarek: Wenn man das so auseinander nimmt, klingt es echt ulkig. Also das mal als Appetizer. Ich glaube, wenn man da nicht angeführt hat, das weiß ich auch nicht. Und jetzt ist natürlich dein Blickspann auf die fünf Dinge. Und jetzt habe ich noch eine Frage vorneweg. Wie alt bist du denn? Also wie viele Jahre guckst du denn zurück? auf die 20?
Daniel Wolff: Ich schaue 35 Jahre zurück. Ich bin 55. Ich habe mein erstes Smartphone mit 37 bekommen. Und wenn ich das den Kindern erzähle, fallen die vom Stuhl. Wie kann man überhaupt so alt sein?
Joel Kaczmarek: Da bin ich ja jetzt immer mal neugierig. Jemand, der so deinen Weltblick hat, also schon drei Karrieren auch, Journalist, Lehrer und jetzt Digitaltrainer. Was ist so? das erste Ding, wo du sagst, das hätte ich gerne schon mit 20 gewusst?
Daniel Wolff: Vielleicht klingt es ein bisschen platt, aber es ist trotzdem super wichtig. Folge deiner Leidenschaft. Ganz einfach. Ich war mit 20, was studiert, was mir gerade so opportun erschien. So quasi, das passt schon so. Ich mache jetzt mein Lehramt und dann nehme ich meine beiden Lieblingsfächer. Aber mit Leidenschaft habe ich das nicht studiert. Ich habe eher so, damit man es halt gemacht hat. Und ehrlich gesagt, ich habe einfach stattdessen in meiner ganzen Freizeit was anderes gemacht. Ich habe mich mit Computern beschäftigt. Eigentlich habe ich mich wahrscheinlich sogar während des Studiums mehr mit einem Thema beschäftigt, das ich nicht studiert habe, woran sich schon zeigt, ich habe da nicht auf diese Vorgabe gehört. Aber ich wusste halt nicht, was meine Leidenschaft ist. So im Nachhinein kann ich sagen, für mich ist alles gut gelaufen, weil ich bin jetzt auf meinem lustigen, kuriosen Lebensweg eben da gelandet, wo ich genau das tue. Aber das wusste ich damals noch nicht, dass ich da auf diesem Weg dahin komme. Aber man wird sicher, man wird nur dann richtig gut, wenn man es mit Leidenschaft macht. Und gerade weil natürlich die letzten fünf oder zehn Prozent, die dich dann unterscheiden von allen anderen, Die kriegst du nur hin, wenn du einfach mit Leib und Seele dabei bist. Das ist so. Ich habe einfach zwei Sachen kombiniert, die mir Spaß machen. Und die Mischung war dann wiederum was komplett noch Neues. Und es hat mich gefunden vielleicht auch ein Stück. Es gehört auch ein Stück Glück dazu, aber das Glück gehört den Tüchtigen, wie es so schön heißt. Und wenn du es nicht versuchst, kannst du es auch nicht schaffen. Du musst schon mal versuchen, in dich reinzuhören. Und nach einer Weile wird dir auch leichter dann gelingen, festzustellen, wo du am meisten Spaß hast. Und ich glaube aber auch, das hängt sehr viel davon ab, wir sind alle soziale Wesen. Jedem macht das Spaß, wofür er auch irgendwie Anerkennung von anderen bekommt. Ich glaube, ich mache etwas und bekomme dafür natürlich eine Rückmeldung von meiner Umwelt. Und wenn die positive ausfällt, dann mache ich es einfach auch lieber.
Joel Kaczmarek: Ganz lustig, wir surfen da irgendwie auf so einer Wellenlänge, weil ich habe gerade genau darüber nachgedacht, dich als nächstes zu fragen. Glaubst du, dass es so ein gewisses Selbstvertrauen oder Selbstbewusstsein braucht, um eine Leidenschaft, also den Mut aufzubringen, einer Leidenschaft zu folgen?
Daniel Wolff: Ja, das glaube ich. Ich glaube, wir leben nicht mehr in einer Welt, wo das in der Regel so vorgezeichnet ist. Und ich glaube auch, wir leben in einer Welt, wo sich auch berufliche Tätigkeiten sehr oft ändern und auch oft ändern werden. Und wenn ich da irgendwie eine Leitschma haben will, dann glaube ich, ist es auf jeden Fall nicht Folge dem Geld. Geld ist zwar auch eine Form der Anerkennung, aber ich glaube, auf Dauer hilft nur, wenn es einem richtig, richtig Spaß macht.
Joel Kaczmarek: Auf der anderen Seite, ich erlebe ja ganz oft auch, dass Eltern so einwirken auf Kinder, die dann irgendwie sagen, das eine Extrem wäre, dein Vater ist Arzt, ich bin Arzt, dein Großvater war Arzt, du wirst gefälligst auch Arzt. Oder hey, mach was, was Geld verdient, mach eine Banklehre oder geh zur Versicherung, Kleine, aus dir soll was werden. Und das prägt einen ja so hart und sich dem zu widersetzen ist manchmal ganz schön schwer, glaube ich, für viele Menschen.
Daniel Wolff: Meine Eltern haben aber gar nichts gesagt. Und ehrlich gesagt, manchmal denke ich mir auch, ich habe meine universitäre Bildung nicht wirklich geachtet, ehrlich gesagt. Und dann später erst im Leben habe ich im anglophonen Sprachraum in den USA und in England gemerkt, hey, man kann auch stolz sein auf seine Schule. Man kann auch tatsächlich stolz sein auf das, was man lernt in der Schule. Man kann auch auf seine Uni stolz sein. Ein bisschen habe ich da so ein bisschen Phantomschmerzen, weil ich mir auch denke, ich glaube, dass ich als motivierter Student gar nicht so übel gewesen wäre.
Joel Kaczmarek: Steckt da ein bisschen so dein zweiter Punkt drin? Schätze deine Bildung? Kann man das so übersetzen?
Daniel Wolff: Ja, das wäre schon der fast nahtlose Übergang. Also schätze deine Bildung und vor allem treibe sie voran und achte sie wirklich wahr. Jeder von uns kriegt eigentlich eine tolle Ausbildung. Wir sehen es halt nicht, weil wir es als gegeben hinnehmen. Als junger Mann ist es ja eher eine Pflicht, macht man halt, weil es alle machen. Aber cool ist es nicht, so ungefähr. Aber es gab auch keine Wertschätzung den Studenten gegenüber, wo ich war. Also es war, da war meine Nummer. Man wurde nicht begrüßt, man wurde nicht verabschiedet. Es gab keinerlei persönlichen Kontakt. Irgendwie, wir haben auch keine Abschlussfeier gehabt. Das Ende meines Studiums war die Zusendung eines mit Nadeldrucker gedruckten Riporellos, wo dann meine Noten drin standen. Das war's. Also es gab quasi nichts mehr. In Sachen Tradition, es gab keinen Hut, den ich hochwerfe, es gab keine Begrüßung, es gab einfach gar nichts. Und ehrlich gesagt, ich war eine Nummer. Und es war ein sehr, sehr unperfektes System, ohne Wertschätzung, auch für die Studierenden. Ein paar Rituale sind schon gut, die sind schon toll. Und ich habe das dann in der anglophonen Welt erlebt, die machen diesen Teil besser. Natürlich zahlen die auch viel mehr und verschulden sich über alle Ohren, aber im Nachhinein sind sie eben auch stolz drauf.
Joel Kaczmarek: Komm, wir machen mal weiter. Was ist dein dritter Punkt?
Daniel Wolff: Mein dritter Punkt wäre Family First. Ich habe großes Glück gehabt, bin seit 33 Jahren mit meiner Frau zusammen. Wir haben drei Kinder und ich bin sehr froh, dass wir auch mal in den härteren Zeiten geschafft haben, durchzuhalten. Zweifel ist die Familie immer das Wichtigere. Das muss einem von vornherein klar sein. Auch wenn man so bestimmte Entscheidungen trifft später, dann wo soll ich hinziehen? Wo will ich mein Leben gestalten? Wie will ich mein Leben gestalten? Man muss immer gucken, dass es der Familie gut geht. Und vielleicht noch das Ergänzen, der Familie geht es nur dann gut oder man kann der Familie nur helfen, wenn es einem selber gut geht. Und da habe ich als junger Mensch auch nicht immer die Balance gefunden.
Joel Kaczmarek: Was würdest du denn sagen, wenn dein Satz heißt Family First, dann heißt es ja, dass du von einem Wettbewerb um deine Prioritäten ausgehst. Und womit konkurriert denn die Familie eigentlich am meisten?
Daniel Wolff: Ja, wenn du deine Leidenschaft im Beruflichen findest, dann ist es sicher da.
Joel Kaczmarek: Ich denke manchmal an so Präferenzordnung. Als erstes sollte es mir gut gehen, dann ein bisschen wie im Flugzeug, dann kriegt die Sauerstoffmaske meine Frau, dann die Kinder, dann mein Bruder und weißt du, was ich meine? Also ist es in der Sphäre oder siehst du das mehr als so was ganzheitliches, so wie alle vier als Konstrukt? oder fünf waren es bei euch sogar?
Daniel Wolff: Wie auch immer du das Bild gestalten willst, ist tatsächlich schwierig. Wenn man so will oder auch so in die Literatur schaut, es gab auch einige geniale Menschen unserer Zeit, die haben nur ihrer Leidenschaft gefolgt und haben alles andere dem untergeordnet. Und waren dadurch auch teilweise, sind weltberühmt geworden. Dieses Opfer würde ich zum Beispiel nicht bringen. Das Schöne ist, meine Familie ist ein Teil meiner Leidenschaft. Vielleicht kommt dazu, ich bin selbst ohne meine Mutter aufgewachsen. Also bei mir war es so, in meiner Familie ging es ziemlich rund. Ich habe vielleicht auch deshalb so ein bisschen so eine Resilienz aufgebaut und gesagt, okay, also egal was passiert, die Familie, die muss stehen.
Joel Kaczmarek: Du gibst den Rahmen vor, wie weit du dich wohlfühlst, wenn ich dich jetzt frage. Aber wie war denn dann deine Kindheit strukturiert? Also bist du allein mit deinem Vater groß geworden?
Daniel Wolff: Ich bin allein mit meinem Vater groß geworden. Bis mein Vater wieder in festen Händen war, sozusagen, hat es gedauert, bis ich zehn war. Das heißt, ich bin sehr, sehr viel umgezogen, als ich jung war. Waren die ersten Jahre meines Lebens so wild, dass heute alle Beteiligten sich nicht mehr genau erinnern können. Das waren so 68er. Damals war plötzlich, man hat nicht mehr den klassischen Werten gehorcht und alle sind irgendwie in die Welt aufgebrochen und es gab irgendwie freie Liebe. Und ich bin 1969 geboren. Ich bin sozusagen in dieses To-wa-bo hinein plötzlich als ein Baby dagewesen. Und auch meine Eltern waren offensichtlich sehr, sehr unvorbereitet. Und meine Mutter vor allem, die war dann auch so unvorbereitet, dass sie diese Rolle auch gar nicht erst angenommen hat.
Joel Kaczmarek: Hast du das irgendwann nachholen können, mit ihr eine Beziehung aufzubauen oder hast du mit ihr nie zu tun gehabt?
Daniel Wolff: Wir hatten Berührungspunkte, aber ich habe momentan keine Beziehung. Das war aber auch meine Entscheidung, weil ich dann gesagt habe, ich kriege das nicht zusammen, was damals passiert ist. Es ist für mich eher was, wo ich danach ratlos stehe. und auch ich habe dann gemerkt, je tiefer ich mich damit beschäftige, ich komme zu keinem Ergebnis. Da haben wir auch schon oft philosophiert, darüber fehlt dir da nicht was, du hast keine Mutter, um Gottes Willen. Und ich sage, ja gut, ich hatte aber eben auch nie, ich habe nicht eine Mutter verloren, sondern ich hatte einfach nie eine. Trennungsschmerz hatte ich garantiert nicht. Vielleicht ist deshalb in mir mehr angelegt, ich muss auf jeden Fall meine Familie irgendwie zusammenhalten, weil ich nicht will, dass meine Kinder so aufwachsen wie ich. Ob das irgendwie unterbewusst mitspielt, das kann ich nicht sagen. Aber es gibt schon, also ich hatte mal ein gutes Gespräch, wo mir jemand gesagt hat, weißt du, warum du dich so sehr für diese Kinder einsetzt? Dein Buch heißt Allein mit dem Handy. Da kommt das Wort Allein drin vor. Hast du dir schon mal überlegt, du willst verhindern, dass diese Kinder alleingelassen werden? Siehst du dich da irgendwo selber? Das hat bei mir schon irgendwie mitresoniert. Also vielleicht habe ich deshalb diesen unbedingten Draht. Ich will nicht, dass Kinder alleingelassen werden. Das stimmt. Das ist tatsächlich das zentrale Motiv. Ob ich das deshalb nicht, besonders nicht will, weil ich als Kind das Gefühl hatte, ich habe keine Mutter, vielleicht hat meine Mutter mich alleingelassen. Ich bin jetzt kein Psychoanalytiker und kein Psychotherapeut. Also es resoniert in mir. Ja, muss ich schon sagen. Also das ist eine Beobachtung. Ich habe das Gefühl Wenn so ein Workshop vorbei ist und dann kommt ein Kind zu mir und schaut mich an und erzählt mir irgendwas, wo ich ganz genau weiß, dieses Kind wurde alleingelassen, sonst hätte es diese Not jetzt nicht und würde mir das nicht erzählen. Und deshalb mache ich das ja auch so ungeheuer intensiv und bleibe auch immer ewig lang da. Manchmal bleibe ich bis um halb drei, obwohl der Workshop um eins aus ist. Wenn ein Kind da ist, das mir sagt, es hat eh quasi am Nachmittag, ist den ganzen Tag in der Schule und keiner vermisst es und geht es ein bisschen tiefer, das mache ich auch. Weil ich will, wenn ein Kind Hilfe sucht, will ich da sein.
Joel Kaczmarek: Hast du in deinem Beruf eigentlich viele Tränen vergossen? Also macht dich das manchmal auch fertig?
Daniel Wolff: Ja, ich bin auch inzwischen in Supervision. Ich habe es an einem bestimmten Punkt nicht mehr geschafft. Wir haben eine ganze Weile das im Team immer besprochen, immer wenn eine ganz schlimme Geschichte kam. Das Lustige ist, wenn du denkst vorher, wir hätten schon richtig die schlimmen Sachen irgendwie so aufgereiht. Es gibt leider noch viele Sachen, die stehen auch nicht im Buch. Die Tragödie, die Kinder erleben, wenn sie alleingelassen werden und richtig alleingelassen werden und dann geht es schief und geht noch schiefer. Das kann man ja gar nicht in Worte fassen teilweise. Das heißt, ich habe da Sachen erlebt, die mir zu schaffen machen. Ich habe mir Hilfe holen müssen. Auch meine Frau hat gesagt, hör zu, du bist nicht so fröhlich, wie wir dich gerne sehen wollen und bitte sowas. Für mich ist auch sehr, sehr wichtig, dass wir in den Workshops, wir lachen uns kaputt. Ich weiß ganz genau, keiner will moralinsauer auf irgendjemand zugehen und irgendwie den Zeigefinger heben. Das ist ja lächerlich. Die Situation ist ja oft so, vor mir stehen 150 Achtklässler, die am Tag acht Stunden im Internet sind. Und zwar seit Jahren. Jetzt komme ich daher als Boomer und will denen irgendwas erzählen. Ich habe genau 90 Sekunden. um die zu überzeugen, hier wird es spannend. Und das heißt, ich nehme immer irgendwas Tagesaktuelles, was jetzt gerade erst passiert ist, was jetzt cool ist auf TikTok oder was gestern auf Instagram war, um sofort zu sagen, vielleicht wird es ja doch interessant. Ich bin eigentlich ein positiver Mensch und ich glaube auch, dass wir das schaffen. Ich glaube auch, dass in zehn Jahren oder in 20 werden wir uns mit Grausen zurückerinnern, wie wir damals Kindern ein Smartphone geben konnten. Ja, wir werden genau sagen, das ist ja wie ohne anschnallen Autofahren oder Rauchen im Auto. Ja, das hat man früher auch gemacht, das war normal. Macht halt kein Mensch mehr, weil wir wissen, wie schlecht das ist.
Joel Kaczmarek: Meinst du denn, also jetzt mal ausgeklammert, dass deine Kinder noch keine Kinder haben und mal ausgeklammert, dass sie sozusagen mit Daddy hier den ultimativen Wissensträger da haben. Glaubst du, dass ein Kind, was mit dem groß geworden ist, es anders machen würde bei ihren eigenen Kindern?
Daniel Wolff: Ich weiß es sogar. Man sieht es in jeder Familie. Wenn zum Beispiel mehrere Geschwister da sind, sagen wir mal ein 16-Jähriger, ein 12-Jähriger und ein 8-Jähriger. Jeder 16-Jährige schimpft seine Eltern permanent, was erlaubt ihr den Kleinen eigentlich? Spinnt ihr? Das ist überall so. Weil die großen Geschwister wissen, was los ist. Das war bei uns auch so. Bei uns sind die drei Kinder mit jeweils ein paar Jahren dazwischen. Das heißt, die sagen alle drei, sie haben eine komplett verschiedene Internetsozialisierung hinter sich. Alle paar Jahre ändern sich alle wichtigen Apps. Und unsere große Tochter hat uns auch geschimpft. Was wir denn unseren Kleinen erlauben? Spinnt ihr? Und auch wenn ich heute die großen Frage in den Workshops, wann würdet ihr euren eigenen Kindern Social Media erlauben? Dann sagen die alle, ab 16. Ab 14, frühestens ab 16. Wenn ich die Jüngeren frage, die sagen natürlich, ab 0, klar. Aber die, die heute, sagen wir mal, Zehntklässler, die sagen später, frühestens ab 12, frühestens auf dem Smartphone. Die sind alle viel strenger, weil die wissen einfach, um was es geht.
Joel Kaczmarek: Wir machen weiter. Was ist das vierte Ding bei dir mit 20?
Daniel Wolff: Es klingt lustig für jemanden, der in der Digitalbranche arbeitet, aber ich glaube, ich bin jetzt so langsam auf den Dreh gekommen. Ich hätte gerne als junger Mensch schon mehr darüber gewusst, dass weniger Bildschirme im Leben doch einfach besser sind. Ich war einfach ein Nerd. Ich habe vielleicht ein Gefühl jetzt schon was in Zukunft die Generationen noch viel intensiver haben werden. Ich bereue es nicht so im großen Teil, aber ich zweifle, ob ich nicht doch einige Zeit meines Liebens besser nicht damit verbracht hätte, irgendwelchen Windows-Installations-Fortschrittsbalken zuzuschauen. Gerade als junger Mensch. Also ich glaube, weniger Bildschirme, das ist in meiner Generation noch selten, aber ich habe es schon. Wir haben als Gesellschaft, und das sagen die Kinder auch sehr, sehr stark, wenn ich die Kinder frage, hey, hört mal zu, wem von euch kommt Folgendes bekannt vor? Eltern, die sich vom Smartphone wecken lassen, auf dem Weg ins Bad die ersten drei E-Mails lesen, beim Frühstück. nebenher Zeitung lesen, auf dem Weg in die Arbeit ebenfalls schon am Handy sind, zehn, zwölf Stunden vor einem riesigen Bildschirm sitzen oder zwei oder drei. und dann kommen sie nach Hause wieder mit dem Smartphone. und bevor sie sich drei Stunden an Netflix setzen, sagen sie ihren Kindern noch schnell, du, sei nicht so viel am Smartphone. Das ist genau mein Papa, kommt dann als Reaktion. Und dann reißt es mich. Weil ich habe zwar die Geschichte gerade selber erzählt, aber ich habe sie deshalb erzählt, weil sie meine eigene ist. Ich habe da nicht immer die gute Balance gefunden. Ich glaube, wir müssen alle lernen. Wir müssen die Bildschirme ein bisschen mal in den Hintergrund stellen.
Joel Kaczmarek: Ich versuche dann manchmal mir auch so auseinander zu klamüsern, warum ist Smartphone-Sucht eigentlich so eine Sucht? Und dann merkst du so, naja, weil es ja irgendwie 50, 100, 200 Dinge in einem sind. Die Park-App buchen, Musik hören, einen Film gucken, einen Podcast hören, ein Gespräch führen, das macht es manchmal so giftig, ja.
Daniel Wolff: Jeder findet sein Gift. Wir haben eine Industrie dahinter, die uns hilft, das zu finden, was wir gerne mögen. Und trotzdem haben wir noch mehr als heute Erwachsene noch mehr Selbstregulationsmöglichkeiten. Das haben die Kinder nicht. Es gibt aber auch sehr viele Kinder, die gnadenlos untergehen in einem Meer aus TikToks. Es gibt so eine Funktion, wie man nachschauen kann, wie viele TikToks man schon geschaut hat. Ab und zu mache ich das mal. Und da gibt es Kinder, die haben 1,2 Millionen TikToks geschaut oder 800.000. Und wer das auf dem Buckel hat, der glaube ich, wird sein Potenzial später nicht mehr abrufen können. Es gibt Kinder, die gehen nach Hause, setzen sich aufs Bett. Und das nächste, was sie merken, ist, wenn die Eltern zum Abendessen rufen. Und dann geht es nachts weiter. Oder ich habe jetzt auch lernen dürfen, in der muslimischen Welt, die Mädchen, die dürfen ja gar nicht raus. Und dann ist es ganz oft so, für die ist das Internet ihr Leben. Und ich habe so viele Sphären kennengelernt. Und es gibt auch andere Länder, das kann ich auch sagen übrigens. Ich habe mal auch Kurse gegeben für Geflüchtete aus dem Irak, aus Afghanistan, aus Nigeria. Also es gibt in anderen Ländern, ist die Thematik, die wir hier besprechen, noch gar nicht mal im Ansatz überhaupt erkannt worden. Überhaupt gar nicht. Da sagen die Männer schon immer gleich, nö, ist nicht mein Job. Das sollen sich die Frauen drum kümmern. Ich habe da gar nichts mit zu tun. Und wenn du TikTok nur sagst, dann ist das nichts für mich, weil das ist Porno.
Joel Kaczmarek: Wenn ich richtig mitgezählt habe, haben wir einen noch offen.
Daniel Wolff: Ich glaube, man sollte auch als junger Mensch tatsächlich schon, das klingt ein bisschen onkelhaft, aber ein bisschen investieren, auch wenn man 20 ist, ein Fuffi im Monat, an irgendwas glauben, was vielleicht in 30 Jahren später plötzlich gigantisch ist. Das hat mir keiner gesagt damals. Und ich glaube, zum Beispiel, wenn ich jetzt heute sage, es gibt Quantentechnologie oder es gibt KI und es gibt alle möglichen Aufstrebungen. Ich glaube, wenn man früh investiert, dann heißt es nämlich nicht nur, dass man potenziell später mal sich ein Riesengefallen, also ein Vermögen gefallen tut, sondern dass man auch ein bisschen an die Zukunft glaubt. Das ist das eigentlich Entscheidende. Ich lege mal ein bisschen was zur Seite, dann habe ich später mal was. Und das ist eine Denke, die hatte ich überhaupt nicht. Ich habe immer alles Hand in Mund und dann kam Familie und dann drei Kinder. Da war so viel Cashflow-Bedarf, da haben wir nie was zurückgelegt. Und bin deshalb sehr, sehr spät erst auf diesen Aspekt gekommen und denke mir heute, mein Gott, ich war 20 im Jahr 1989. Da fallen mir natürlich tausend Firmen ein, die heute, wo sich, sagen wir mal, hätte man damals wirklich Fanning-Beträge installiert. Oder Bitcoin und so. Ja, Bitcoin ist dann das Nächste. Natürlich, Bitcoin habe ich vor der Nase gehabt.
Joel Kaczmarek: Glaubst du denn, dass wenn unsere Kinder ins Rentenalter kommen oder vielleicht sogar, dass es dann überhaupt noch ein Wirtschaftssystem mit Geld gibt?
Daniel Wolff: Ich glaube schon. Und zwar die großen, wichtigen KIs sind in der Hand der größten Firmen der Welt. Dadurch alleine, dass eben die Menschen, die jetzt schon die reichsten der Welt sind, sind in einer Situation, dass sie die größten Benefit von KI eben auch monetarisieren. Geld ist Macht. Jetzt ist es noch mehr in Zeiten von KI. Es ist Geld noch mehr Macht. Wäre KI frei verfügbar für jeden auf der Welt? Und vielleicht wird es ja durch Dinge, die in China passieren, tatsächlich eher so werden. Ich wünsche es mir, ehrlich gesagt. Na klar, ich wünsche es mir. Nur fehlt mir der Glaube, dass die Institutionen und Mechanismen und Firmen und Personen, die am allermeisten von der gegenwärtigen Struktur profitieren, dass die das fallen lassen. Aber es ist tatsächlich Kaffeesatzleserei. Wir werden jetzt sehen, wie eine Branche nach der anderen im Monatstakt, im Wochentakt irgendwie die Grundlagen ihrer Arbeit verliert. Die Wertschöpfung ist plötzlich aus der Steckdose für 20 Cent verfügbar. Vielleicht auch unsere. Wir werden es sehen. Ich kann für meinen Fall nur sagen, es wird eine fantastische Welt und ich weigere mich, das allzu dystopisch zu sehen. Wir müssen die Risiken versuchen zu kennen und zu minimieren und die Chancen natürlich zu nutzen. Und das können wir beides nur, wenn wir uns ganz intensiv damit beschäftigen. Und ich tue auch nichts anderes als mit Kindern momentan. KI ist für mich das wichtigste Thema. Allerdings was die Chancen angeht, als auch was die Risiken angeht.
Joel Kaczmarek: Das war doch ein guter Schlusssatz und ich habe noch einen zu ergänzen. Also Digital-Trainer Daniel Wolf, Nummer 1, folge deiner Leidenschaft, solange es mit deiner Familie verträglich ist. Nummer 2, schätze deine Bildung. Punkt 3, Family first. Punkt 4, weniger Bildschirme. und Punkt 5, investiere früh. Also das klingt irgendwie pädagogisch wertvoll, aber nicht so uncool.
Daniel Wolff: Ich finde es nicht so sehr. Ja, ich bin zufrieden damit.
Joel Kaczmarek: Ja, ich auch. Fand ich sehr schön. Hab das sehr genossen mit dir. Vielen, vielen Dank.
Daniel Wolff: Hat Spaß gemacht.