Olli Dittrich: Der Mann mit den Tausend Gesichtern

20. Januar 2021, mit Joël KaczmarekSebastian Krumbiegel

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Joël Kaczmarek: Liebe Hörerinnen und Hörer, heute, Ich hatte noch kein so langes Briefing jemals, weil er so vielfältig ist und so vieles tut. Er ist Schauspieler, er ist Komödiant. Er ist enschendarsteller, er ist Musiker, er ist Komponist, er ist Medienmacher, er ist Schreiber, er ist so, so viel. Ich bin mit ihm groß geworden durch RTL Samstag, Nacht damals. Viele kennen ihn, glaube ich, auch als Ditsche. Aber gefühlt gibt es ganz viele Dinge, die er tut, von spannenden Musikprojekten wie zum Beispiel Texas Lightning, von Podcast mit Harald Schmidt und noch vieles, vieles, vieles mehr. Also ich habe wirklich vier, fünf Seiten hier. Lieber Olli Dittrich, HERZLICH willkommen. Schön, dass Du da bist.

Olli Dittrich: Ich freue mich sehr. Ebenso herzlich willkommen.

Sebastian Krumbiegel: Olli, Wie lange kennen wir uns eigentlich schon?

Olli Dittrich: Ach du lieber Himmel. Kann ich dir fast sagen, wenn ich einen Moment nachdenken darf, Es müsste gewesen sein. In den frühen 90er Jahren.

Sebastian Krumbiegel: 1990er Jahren muss man sagen. Neunte. Ja.

Olli Dittrich: 1890. Nun gut, so alt bin ich nun dann doch auch noch nicht. Aber es war tatsächlich zu Zeiten, als dies alles hier noch Weideland war. Ja, genau. Und ihr gerade...

Sebastian Krumbiegel: In einem Vorort von Hamburg, in Altona-Ottensen sind. Richtig.

Olli Dittrich: In einem schönen Studio mit Annette Humpe, die ich natürlich auch gefühlt 100 Jahre kenne. Und über wiederum George Glück und Udo Arndt kennengelernt habe vor noch viel längeren Zeiten, als ich in den 80er Jahren unter dem glorreichen Künstlernamen TIM mit dem englischen Label Chrysalis einen... Deal hatte, wie man so gesagt hat, damals. Ich hab das Album. Genau.

Sebastian Krumbiegel: Du hast mir damals das Album geschenkt. Finde ich nach wie vor übrigens. Das ist ein schönes Song. Ich hab mir das im Vorfeld angehört. Ach, echt? Und finde das wirklich nach wie vor irgendwie schön.

Olli Dittrich: Es sind super Songs, Toll produziert, klingt absolut spitze. Nur der Sänger ist halt wirklich nicht gut genug. Man muss es einfach sagen, wie es ist. Aber sozusagen in dem, was sich danach dann ergab, auch an Bekanntschaften, Begegnungen, vor allem in Berlin. Hat sich dann auch irgendwie die Bekanntschaft und Freundschaft zu Annette begründet? Und dann Irgendwann habe ich eben auch deutsche Songs geschrieben. Und sie war ab und zu, weil sie damals in Hamburg gewohnt hat, dann auch bei mir. Und wir haben auch so ein bisschen auch tatsächlich von ihren Songs Sachen gemacht. Das war, wenn man so will, Ein Vorvorvorläufer von Ich + Ich, also. Da waren schon die ersten Ideen auch auf Deutsch, und ich habe ihr dann mal so meine Sachen vorgespielt. Auf Deutsch und irgendwann kam sie und sagte, Pass mal auf, ich habe hier so eine Band, Die sind irgendwie so aus Leipzig und hat mir ein bisschen, was von euch, erzählt. Und hör dir das Mal an. Und dann habe ich mir, das war Gabi und Klaus, und ich saß daneben und ich werde es nie vergessen, also, eigentlich musst du mir ja jetzt Honig und Bart schmieren, Aber ich mache das jetzt mal ganz schnell. Ich weiß noch, wie ich da saß und dachte, da kommt man nicht dran vorbei. Das war so toll, das war so erhebend, zumal, wie du ja auch weißt, wir kennen uns jetzt ja wirklich schon lange, dass ich ja nun auch auf Chorgesänge stehe und auch so ein bisschen Spezialist auch war, so mit mir selber dann in vier-, fünfstimmigen Gesängen, irgendwelche Sachen zu arrangieren und so. Und das hat so bei mir ins Zentrum getroffen. Also, es ist ein ganz toller Song und auch die Songs, die ihr Macht und gemacht habt, waren natürlich großartig. Aber aus der Zeit eigentlich.

Sebastian Krumbiegel: Fahren Sie fort, fahren Sie fort.

Olli Dittrich: Ja, so ist es halt.

Sebastian Krumbiegel: Es ist also, Du hast ja für uns auch ein Lied geschrieben. Stimmt. Ja, kleines Herz ist irgendwie auf, Ich weiß gar nicht, welche Platte das drauf ist, Zweite und dritte Platte. Küssen verboten, glaube ich. Küssen verboten, doch, Zweite Platte. Und das war unsere erste musikalische Kollaboration. Und dann haben wir später mal auf deine Einladung hin, in Samstagnacht, Mann im Klo. Stimmt,

Olli Dittrich: Mann im Mond und genau.

Sebastian Krumbiegel: Manchmal wird der Mann im Klo, Ich weiß nicht, hast du da, was am Text geschrieben? Ja,

Olli Dittrich: am Ende sonst was, nicht mehr froh oder so. Und es stimmt, es stimmt. Und da war ich der Toilettenmann und hatte irgendwie einen weißen Kittel an. Das weiß ich schon wieder. Das ist, wir kommen nicht raus aus der Nummer. Und haben das dann zusammen gesungen, weiß ich noch, stimmt. Und im Warm-Up habt ihr für die Leute gespielt bzw. gesungen. Wir haben ja eine Super Band damals gehabt und hatten auch wirklich von den Pointer Sisters bis Mike + The Mechanics. Auch viele internationale Stars, die bei Samstagnacht live gespielt haben.

Sebastian Krumbiegel: Und wir kamen an und haben gesagt, die Band brauchen wir gar nicht. Wir singen hier einfach irgendwie ein paar Songs. Und das hat funktioniert.

Olli Dittrich: Das war echt lustig. War wirklich eine schöne Zeit. Also ich meine, ohne RTL Samstagnacht, Für viele ist das natürlich so ein bisschen der Beginn dessen, wann, wo und wie Sie jetzt sagen wir mal auch mich mit meiner Arbeit wahrgenommen haben, Aber tatsächlich hatte ich zu dem Zeitpunkt ja schon eine über 20 Jahre lang gewachsene künstlerische Identität und musikalische Karriere, will ich das nicht nennen, weil. Ich habe eine erstklassige Ausbildung in Erfolglosigkeit gehabt. Bis zu dem Zeitpunkt, aber natürlich schon tolle Sachen gemacht. Ich meine, ich habe hier, Udo hat ja hier. Auch bei Onkel Pö spielt eine Rentnerband, Dixieland, Das haben wir alle gehört. Und im Onkel Pö habe ich mit meiner Das geht. Eiffel Band, Damals Als Boygroup, haben wir damals da schon gespielt.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe diese Sendung über das Pö gesehen, wo du auch immer mal zu Wort kamst, wo du eben erzählt, hast von diesen alten Zeiten. Man kann ja sagen Kulturinstitutionen. Absolut.

Olli Dittrich: Hamburg hatte damals in den 70er Jahren wirklich das, was hier bei uns... Leute, die hier Musik machen, kennen den Begriff Hamburger Szene. In den frühen 70er Jahren ist das losgegangen. Da hat es eigentlich hier nicht nur das Onkel Pö gegeben. Also, es war ja auch sowieso erst am Mittelweg in Pöseldorf, deswegen Onkel Pö, bis es dann an den Lehmweg gezogen ist. Aber hier gab es das Remter, Hier gab es Danny's Pan, hier gab es Dennis Swing Club. Es gab natürlich die Fabrik, die ja mal abgebrannt ist und wieder aufgebaut. Und viele Clubs. Und du bist jeden Abend, konntest du hier, also auch unter der Woche, Konntest du wirklich hier einmal die Runde machen? In Hamburg. Und in jedem Laden hat eine Band gespielt. Also viel Jazz, Dixieland, Oldtime-Jazz, aber auch moderne Sachen. Pop-Musik, Rockmusik, später Auch U2 hat im Onkel Pö gespielt. Ernsthaft? Unter einem anderen Namen, ja. Lucio Dalla, Helen Schneider.

Sebastian Krumbiegel: Ja, das weiß ich, ja.

Olli Dittrich: Viele große Stars, die ich auch gesehen habe. Al Jarreau.

Sebastian Krumbiegel: Genau.

Olli Dittrich: Da sind wir hingedackelt und haben uns das angehört. Und in den Jahren habe ich auch, da war ich 16 oder so, Mit meiner Skiffelband, habe ich bei Gottfried Böttger, Gott hab ihn selig, den ersten Pianisten von Udo im Panikorchester, Mit dem habe ich zusammen gewohnt in einer WG in Blankenese, wo immer die ganzen Musiker zusammen kamen. Und ich war da, so der Benjamin, der dann morgens noch zur Lehre gegangen ist, dann hoch zu Fuß zur Busstation da, Kösterbergstraße. Und dann erstmal dreimal umsteigen, bis ich dann in Barmbek in der Werkstatt war. Als ich dann wieder kam, lagen irgendwelche Musiker vom Abend dann in meinem Bett. Und haben gepennt. Also eine gute Zeit auf jeden Fall. Und Musik,

Sebastian Krumbiegel: Das war dein Berufswunsch. Oder wie kann man das sagen? Das war das, wo du hin wolltest?

Olli Dittrich: Ja, also, wenn es jetzt mal ganz kitschig werden soll, Natürlich habe ich wie so viele immer davon geträumt, irgendwie, also am Anfang, ja tatsächlich Fußballprofi zu werden. Man muss sagen, dass die großen Helden, Ich bin ja nun tatsächlich ein paar Tage älter, als die meisten wahrscheinlich annehmen. Und als die meisten, mit denen ich zusammengearbeitet habe und immer noch arbeite, eigentlich je älter ich werde, werden die immer jünger. Der Input von jungen Leuten, Das passt dann so zu meiner Kreativität und meiner Intuition zu tollen Sachen, die nie aufhören. Aber in meiner Jugend, als ich ganz jung war, in den 60er Jahren, Da war Uwe Seeler mein Held, da wollte ich Fußballer werden. Dann Freddy Quinn, Da habe ich alles von Freddy Quinn auswendig gekonnt. Und dann Udo Jürgens, der war mein wirklich richtig großer Held. Und ich habe mit einer Verlängerungsschnur und mit einem Stecker in der Hand, habe ich vor der Stereoanlage meiner Eltern gestanden. Und Plattenspieler. Merci. Ja, ja, alles, Das ganze Zeug rauf und runter, Udo 70 live, Doppelalbum und habe Lippen Synchron alles mitgesprochen, mitgesungen. Und das war so der Anfang. Das war so auch, weiß ich noch, hier Laeiszhalle, Früher, hieß es. Musikhalle Hamburg, Ganz tolle Räumlichkeit für Konzerte. Da habe ich Udo Jürgens, ich glaube, da war ich elf oder so, mit seiner fünfköpfigen Band noch vor Pepe Lienhard. Habe ich den Live gesehen und ich werde wirklich, ohne dass das jetzt zu pathetisch ist, Aber ich werde nie vergessen, wie ich da saß, mit meiner Mutter, mit der ich da hingegangen bin. Mein erstes richtig großes Konzert und habe Udo da oben gesehen, also Udo Jürgens, Und habe gesagt, eines Tages stehst Du da auch. Das ist so eine lange Antwort auf eine kurze Frage, Aber das ist so ein bisschen das, was mich auch immer angetrieben hat. Also ich meine, ich denke, jeder Künstler, letztlich, Das fängt in der Kindheit an. Derjenige, der dieses Talent hat, Ich denke, je größer das Talent, desto stärker auch das Bedürfnis, dem nachzugehen, Mehr oder weniger, ob mit Umwegen oder wie auch immer, Aber du kommst ja gar nicht drum rum. Du machst was vor, egal was, singen, tanzen, spielen irgendwie und du willst, dass Leute zuhören oder zuschauen und dann das irgendwie gut finden. Und du dafür geliebt, wirst.

Sebastian Krumbiegel: Und weil du eben sagtest, du hast die Grundausbildung in Erfolglosigkeit hinter dich gebracht, Was Musik betrifft, Was ich ja völlig verneine, eigentlich. Weil ich unterscheide ja immer zwischen Musiker und Musikant. Und Musiker sind, sozusagen die Studierten, die Gelernten, die wahnsinnig rumkniedeln können. Und Musikanten sind die, die es eben irgendwie, ja, du hast auch so eine Beatles-Coverband sozusagen, wo du trommelst.

Olli Dittrich: Ja, das war mal, Die gibt es leider nicht mehr. Mein lieber Freund und Kupferstecher. Jon Flemming Olsen, Der wiederum ja auch mein Counterpart bei Ditsche ist, der den Imbisswirt Ingo spielt, Der ist ja auch ein ganz toller Musiker und schreibt tolle Songs. Wir haben über die Jahrzehnte so viele Schlachten geschlagen. gemeinsam. Auch Texas Lightning im Übrigen ist eine Band, die er gegründet hatte. Und ich dann später erst dazu kam. Und wir hatten in den 90er Jahren tatsächlich ein Beatles-Trio, Das stimmt, mit Stefan Zacharias, auch einem ganz tollen Musiker. Der Sohn von dem berühmten Geiger Helmut Zacharias im Übrigen, der auch Filmmusik schreibt und arrangiert und so. Und da sind wir dann zu dritt los. Und ich habe am Anfang auf dem Kinderschlagzeug gespielt. Das war eigentlich eher so eine...

Sebastian Krumbiegel: Ein Joke.

Olli Dittrich: Eher ein Joke, Aber der hat sich dann sehr schnell verselbstständigt. Und dann habe ich auch mir erstmal irgendwann ein richtiges Schlagzeug gekauft, damit das dann nicht. Ein Kinderschlagzeug fiel dann immer um und so. Ja, und ich bin im Übrigen nach dem Motto uninteressantes erfolgendes dazu gekommen, Das Original Ludwig Black Oyster Schlagzeug von Pete Best zu kaufen, dem ersten Trommler der Beatles. Und das habe ich auch immer noch und habe auch mit meinem Beatles Trio damals lange Zeit drauf gespielt.

Joël Kaczmarek: Ehrlich?

Olli Dittrich: Ja.

Joël Kaczmarek: Das ist ja geil.

Sebastian Krumbiegel: Das ist ja echt. Du hast das Schlagzeug von Pete Best berührt.

Olli Dittrich: Ja, ja, ja. Da muss ich mich schon damit ein bisschen mal anfassen. Ja, und es ist immer noch einsatzbereit. Hammer.

Joël Kaczmarek: Und wie kommt es dann, dass eigentlich Musik deine Passion ist und du aber mit einer Comedy-Serie quasi den Durchbruch gefühlt, Den breiten wirksamen Durchbruch erlangst?

Olli Dittrich: Also das eine ist ja sozusagen, Rückblickend ist man immer schlauer, Warum haben welche Konstellationen plötzlich wozu geführt, also, warum das sich dann so ergeben hat. Es ist aus, muss ich fast sagen, der größtmöglichen Unabsichtlichkeit. Eigentlich entstanden. Ja, also, man muss auch das Ganze... Oder kann man auch nicht losgelöst sehen, ohne die Entwicklung des Fernsehens und ohne die Entwicklung des Privatfernsehens. Was war RTL zum Beispiel Anfang der 90er Jahre? Die hatten ja auch so erste Erprobungszeiten seit Mitte der 80er Jahre. Und dann gab es dann da ja auch große Veränderungen, dass sie eben auch die Nachrichtenshows und die Gameshows. Und was die dann alles plötzlich so reformiert haben. Im Programm. Und unter anderem eben auch die Idee, so eine Comedy-Show wie Saturday Night Live. Im Grunde genommen im Prinzip... Ein zu Deutschen, also so eine Abendshow mit Comedians zu machen. Und mein Weg davor war im Grunde genommen. So ein bisschen Beschäftigungstherapeutisch. Nach dem großen Flop des Vorhin schon beschriebenen Albums Tim. Das war und ist eigentlich schon immer meine große Liebe gewesen, eben Musik zu machen, mit eigenen Songs Dinge zu tun. Wenn ich jetzt erzähle, was da alles für Stationen dazwischen waren, da sind wir heute Abend noch nicht fertig. Aber ich habe ja auch schon in den 80er Jahren auch komponiert, Filmmusik gemacht für die BBC und ich habe Songs geschrieben, Instrumentaltitel geschrieben, James Last hat von mir Kompositionen aufgenommen, die ich gut kannte. Und der später für die Doofen im Übrigen ein Streicherarrangement beigesteuert hat. Für das zweite Album. Also, es sind so viele Sachen über die Jahre gewesen, So viele Kooperationen, Dass der Musik immer primär eigentlich meine große Liebe galt und eigentlich auch gilt, nichtsdestotrotz. Das Talent, mich, in andere Menschen zu verwandeln, Figuren zu spielen, mit diesem komödiantischen, spaßvogeligen Ansatz, Das ist auch eigentlich aus Zufall so entstanden. Oder ich habe dieses Talent mehr oder weniger nebensächlich. Dann verfolgt. Als ich in den späten 80er und frühen 90er Jahren mit Schlager-Kombos getingelt bin, haben wir 150 Shows im Jahr gespielt, auf Schiffen habe ich gespielt, in Bierzelten, Das ganze Zeug rauf und runter getingelt und dabei auch immer moderiert. Also, ich war immer der, der vorne, auch als Conférencier die Titel angesagt hat. Und bislang zur Anstrengung der restlichen Band gerieten die Ansagen gelegentlich länger als die Songs, die dann kamen. Und dann zwischendurch auch mal Parodien, Dann habe ich mal Boris Becker nachgemacht, der plötzlich irgendeinen Schlager von Freddy Quinn angesagt hat. Und so. Und so hat sich das Halt im Laufe der Zeit ergeben, dass ich dann irgendwann auch angefangen habe, Hörspiele zu machen. Zu Hause. Vor allen Dingen, nachdem das mit diesem Album Tim dann eben gefloppt war, habe ich dann meine Demo-Ausrüstung, mein Vierspur-Kassettengerät genommen und habe damit dann eben so kleine Figurenexperimente gemacht mit gepitchter Stimme und so. Und das habe ich dann später verfilmt mit einer Kamera. Und mit Hilfe meines jüngeren Bruders. Und das wiederum zusammengeschnitten mit zwei VHS-Rekordern, immer Podcast, nächstes Bild, Podcast, nächstes Bild, Podcast, also richtig abenteuerlich.

Sebastian Krumbiegel: Gibt's das noch?

Olli Dittrich: Das gibt's noch,

Sebastian Krumbiegel: ja. Hat das jemals die staunende Weltöffentlichkeit zu Gesicht bekommen?

Olli Dittrich: In Auszügen gab's das Mal auf einer DVD, ja. Und wir haben davon auch wieder Auszüge. Auf den ersten Digi-DVDs, meine ich, als Bonusmaterial drauf gehabt. Aber was daran so entscheidend war, das nannte ich damals. Olli-Tiere-Sensationen.

Sebastian Krumbiegel: Ja, weiß ich noch.

Olli Dittrich: Weil es einen Film von Freddy Quinn gab, Freddy-Tiere-Sensationen. Und das wurde von einem Freund von uns weitergereicht. An Wigald Boning. Und der damals als Premiere, hieß das ja noch, Sky heute, anfing. So ein kleines, offenes Fenster hatten wir unverschlüsselt, Wo so Charts liefen mit Videoclips. Und wo die, auch dir wahrscheinlich gut bekannten, Hannes Rossacher und Rudi Dolezal. Die waren sozusagen so ein bisschen verantwortlich dafür, für das Programm, aber haben dann so nach dem Motto, Hier hast du 500 Euro, Aber frag mir nicht, ich hab keine Zeit. Oder damals D-Mark, Nicht Euro. Und dann durfte Wigald losrennen mit dem Kameramann und hat irgendwelchen Scheiß gedreht. Und so Clips. Und irgendwann nach so, weiß nicht, wie viel, 100 hat er dann irgendwie, sind wir durch Zufall zusammengekommen. Er hat meinen Film Olli Tiere Sensationen gesehen und ich habe Sachen von ihm gesehen. Und fortan waren wir dann sozusagen. Ein Duo. Und haben dann also lange, bevor er Samstagnacht dann kam, haben wir schon 100, 120 Clips gedreht und immer wieder Impro-Sachen gemacht und sowas. Einfach aus Spaß und auch schon ein Album zusammen gemacht mit lustigen Liedern und mit Quatsch halt. Bis er mich dann irgendwann mal anrief, da war ich dann mit Susis. Schlager sextet gerade in München im Nachtcafé. Haben wir irgendwie zehn Tage durchgespielt, immer von abends um zwölf bis morgens um fünf. Und da bekam ich dann ein Fax, weiß ich noch, ins Hotel Buchenhain. Und da hieß es dann irgendwie, ja, Er hätte irgendwie einen Anruf gekriegt und hin und her, und so. Und in Köln würden die da so jetzt was Neues planen, irgendwie so eine Show.

Sebastian Krumbiegel: Das war wann?

Olli Dittrich: Das müsste 91 gewesen sein. 90, 91. Dann bin ich da mit hin zu einem sogenannten Casting. Und dann dachte ich, fährt man da mal hin, macht da irgendwie Quatsch und so. Ich hatte eine große Kiste dabei mit lauter Verkleidungskram, den ich mir so auf Flohmärkten zusammengesammelt hatte, weil ich da einfach Spaß dran hatte, mir irgendwelche Bärte anzukleben und Mützen aufzusetzen. Und so Zeug. Und war dann so im Couple mit Wigald eigentlich sehr, sehr eingespielt. Und dann haben wir da irgendwie so Unsinn gemacht und Sketche gespielt, die wir vorher zugeschickt bekamen. Dann haben Sie noch gesagt, so jetzt ist so ein bisschen nach der Pflicht die Kür. Da wollten sie uns dann erstmal testen, wie schnell wir sozusagen umdenken können. So Zweiersketche, hieß es dann so, jetzt spielst du aber mal die Rolle von dem anderen, hast zehn Minuten, lern den Text und so, das konnte ich gut abliefern. Und dann wollten sie noch so ein bisschen Impro, konnten wir auch gut abliefern. Und kann denn von euch auch noch einer irgendwie musizieren? Da habe ich gesagt, ja, klar, ja, und so ging das dann irgendwie, dachte ich, na, fährst du da wieder weg? Und da meldet sich bestimmt keiner und so. Aber das Gegenteil war der Fall und dann so ging das dann los. Auch hier eine sehr lange Antwort auf eine kurze Frage, aber ähm RTL Samstag Nacht, Das sagt sich dann immer so leicht, Aber ohne RTL Samstag Nacht wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Ohne Hugo Egon Balder und ohne Jackie Drexler und Marc Conrad, Das waren die Leute, die damals wirklich was bewegt haben. Marc Conrad, Programmchef damals bei RTL, und Jackie Drexler, der Produzent der Sendung, Die haben uns einfach alles machen lassen.

Sebastian Krumbiegel: Das ist, glaube ich, ein bisschen auch das Geheimnis, dass man wirklich Leute, also die Kreativität, Die junge Leute haben, dass man dieser Kreativität freie Bahn lässt, Dass man die Leute eben machen lässt. Also, ich habe das ja damals echt abgekultet. Also unsere ganze Generation, Samstag Nacht war sozusagen immer ein Pflichttermin. Ja,

Joël Kaczmarek: das war eine Instanz, fand ich auch.

Sebastian Krumbiegel: Ja, wirklich. Du hast am nächsten Tag darüber gesprochen, und ich fand das immer großartig. Zwei Stühle, eine Meinung und irgendwie Neues vom Sport. Ja, Neues vom Sport. Ja,

Olli Dittrich: da gibt es ja heute noch Hunderte von Meldungen, die ich alle noch auswendig kann. Das ist ja so furchtbar, dass ich den ganzen Scheiß nie vergesse. Und natürlich letztlich auch mein Kapital.

Sebastian Krumbiegel: Die nächste Meldung, Ein Neues vom Sport, Jetzt kommt eine Meldung vom Skifliegen. Wer immer noch denkt, der liegt schief.

Olli Dittrich: Ja, gibt es jede Menge Sachen. Also eine Meldung vom Siebenkampf mit sechs Toren in fünf Minuten bei der Vierschanzentournee im Dreiländereck schlug Zweibrücken Eindhoven zu null. Sowas zum Beispiel. Oder immer mehr Gewichtheber spielen Maumau. Warum? Maumau ist nicht so schwer. Und so weiter und so weiter. Also, ich könnte jetzt, wie gesagt, das wäre eine Sondersendung. Das war toll, aber die anderen Kollegen ja auch. Und wir hatten Sketch-Autoren und Comedians, die eben auch die Sketche gespielt haben, die es gab. Aber es gab auch welche, Die haben dann eben selber auch Sachen geschrieben, wie Mirko und auch Stefan Jürgens und so. Und wigald und ich, Wir waren eh so ein eingespieltes Team, und irgendwann gab es dann den Punkt, wo es dann hieß, ja, könnt ihr nicht, auch mal, weiß noch, da haben wir eine Volksmusik-Parodie gemacht. Also die Carolin Reiber und mit dem rollenden R, Da habe ich dann auch die Idee gehabt, Die sollen ein großes R bauen und das auf Rollen stellen. Und dann soll Tanja da reinkommen und das reinziehen. Und ich habe wieder mein Rollendes R. mitgebracht und so. Lauter So ein Scheiß halt, Man hat da halt einfach scheiß gemacht.

Sebastian Krumbiegel: Die Frage ist Ja jetzt, du bist ja, was ich über dich immer wieder höre und lese, dass du so ähnlich wie auch dein großes Vorbild. Loriot, Vicco von Bülow, Dass Du ein Perfektionist bist in dem, was du tust. Ja, das stimmt. Gerade Loriot bin ich ja auch wirklich großer Fan. Und man hört ja immer wieder, wie akribisch, der die Szenen immer durch, Das Bild hängt schief und diese ganzen Klassiker von ihm, dass er da wirklich extrem akribisch gearbeitet hat und das nochmal gedreht und nochmal gedreht. Und nochmal und dir sagt man das ja auch nach. War das von Anfang an schon so oder hast du am Anfang eher rausgeballert?

Olli Dittrich: Naja, Eine gesunde Mischung aus beidem. Also RTL Samstagnacht war eine Plattform, die mich hat. Dinge machen, aber auch erstmal entdecken lassen. An mir selber. Und natürlich war das auch so ein bisschen von der Hand in den Mund Betrieb. Also, wir haben jede Woche eine Sendung gemacht, und ich habe ja die große Ehre gehabt, Vicco von Bülow auch persönlich gekannt zu haben und mich mit ihm gelegentlich auch ausgetauscht zu haben. Telefonisch hat er mir immer guten Ratschläge gegeben, aber auch nicht mit Kritik gespart, wenn er was gesehen hat. Der hat mir mal irgendwann gesagt, also das, was Ihr wöchentlich hier raushauen müsst. Allein an Material, an Menge. Das hätte ihn zur Verzweiflung getrieben, weil er das gar nicht so gut hätte machen können, wie er sich das immer vorstellt und da, wo so seine Qualitätslatte liegt. Nichtsdestotrotz haben wir natürlich auch und ich vor allen Dingen in dem, was wir heute impro nennen, was ich liebe und Blind Date und solche Sachen. Ja, na klar. Und worin ich auch eine gewisse Spezialität und eine besondere Begabung entdeckt habe, aber erst im Laufe der Jahre. Das hätte er sich gar nicht getraut, wie er mir mal gesagt hat. Und er hat ja, Was mich wirklich ohne Pathos und Schmus wirklich also zutiefst bewegt und was eine wirklich große Ehre ist, also fast eine der letzten Sachen, die er gemacht hat, war ein Vorwort, für mein Buch zu schreiben. Und mich am Ende noch, als ich mich bedankt habe, dass er das Macht und er eben seinen Text eingereicht hatte, fragt der Mann mich allen Ernstes am Telefon, ja und, haben Sie es genommen? So, und das sagt eigentlich alles. Darin formuliert sich eigentlich die große Qualität dieser Cocon von besonderer Qualität, von großem Talent. Glaubst du,

Sebastian Krumbiegel: dass damit auch eine gewisse Art von Demut Hand in Hand geht, um am Ende erfolgreich zu sein? Ja,

Olli Dittrich: natürlich, klar. Das ist immer so, Wir haben genug. Alte deutsche, Sprichworte, dass vor den Erfolg der Liebe Gott den Schweiß gesetzt hat, Du musst natürlich immer arbeiten, du musst immer fleißig sein, darfst dich nie zufrieden geben, Diese Ach, lass mal gut finden, Mentalität versendet sich und so, das ist also so mein natürlicher Feind. Das war aber schon als Kind so. Meine Mutter war ja Malerin und Grafikerin, war eine ganz tolle Künstlerin. Und wir haben als Kinder schon natürlich erst eigentlich... Wenn es um musische Dinge geht, mit der Malerei Kontakt gehabt. Deswegen war ja mein erlernter Beruf auch Theatermalerei. Das ist, Ich habe ja mit der Musik erst mehr freizeitmäßig als Teenager, in einer Band und so. Aber das jetzt noch nicht wirklich als Berufsziel verfolgt, sondern eben die Malerei, weil ich auch sehr gut malen konnte und zeichnen konnte. Und so. Und das hat mich schon als Kind immer gestört, wenn ich was gemalt oder gezeichnet habe. Und die Zeichnung war nicht sauber genug und die war nicht gut genug. Dann habe ich da manchmal schon, wenn ich da eine Stunde oder länger dran gesessen habe, habe ich das dann weggeschmissen und nochmal von vorne angefangen. Ich glaube, das muss auch so ein bisschen in einem drinstecken. Das ist bis zum heutigen Tag, so, dass ich, wenn ich an was arbeite, wenn ich eine Idee habe und ich verfolge die dann und entwickle die, Stelle das, nennen wir es jetzt mal sachlich Produkt her, Dann versuche ich zumindest immer, es so gut zu machen, wie ich es in diesem Augenblick mit allem, was ich beistellen kann, nicht besser. hinkriege.

Sebastian Krumbiegel: Und hast du trotzdem manchmal das Gefühl, dass man auch Dinge verschlimmbessert?

Olli Dittrich: Klar.

Sebastian Krumbiegel: Das nervt doch dann.

Olli Dittrich: Na, klar, gibt es das.

Sebastian Krumbiegel: Das ist doch dann, wenn du perfekt sein willst und du merkst, Bei Songs ist es ja oft so, du machst eine Demo und Du kriegst diese Magic von dem Demo nie. In dem richtig teuer produzierten Song hin. Genau,

Olli Dittrich: also gleich das Demo veröffentlichen.

Sebastian Krumbiegel: Eigentlich ja. Ja, natürlich,

Olli Dittrich: klar, haben auch viele schon gemacht. Und mit der Technik heute ist es auch gar nicht so weit hergeholt, dann auch, das sagen wir mal, technisch, so. Wieder herzustellen oder rauszufiltern, dass du es benutzen kannst. Weil tatsächlich die Magie, Das ist ein ganz besonderer Punkt. tatsächlich, der da auch fast wieder anknüpft, Wo Impro anfängt. Wenn du die Qualität schärfst und wenn du ein Bewusstsein dafür hast, wann was gut ist, Dann weißt du auch, den sogenannten goldenen Moment zu schätzen, Aber du weißt ihn vor allen Dingen auch zu erkennen. Es ist ein großer Denkfehler zu glauben, wenn man wirklich was ganz tolles in dem Moment erfindet. Und es auf jeden Fall, so nach dem Motto, naja, das war jetzt schon mal gut, Jetzt gehen wir aber ran, jetzt machen wir da was draus, jetzt arbeiten wir dran und so. Und du verlierst auch die Magie des Moments. Diesen Moment muss man erkennen können und dann darf man das nicht mehr beschädigen. Das gehört genauso dazu wie etwas, was schon gut ist, von dem man aber weiß, Das kann noch sehr viel besser werden und man muss es entwickeln. Und alle künstlerischen Arbeiten setzen sich ja aus vielen Dingen zusammen. Deswegen ist es manchmal Sehr entscheidend, dass man das Wichtigste, den Kern sozusagen des künstlerischen Werks nicht beschädigt, aber vieles drumherum noch So macht, dass es gut passt oder so. Also einen Song gut zu arrangieren, zu überlegen, Wie instrumentiert man das oder so etwas. Und das gibt es in der Malerei auch. Kannst du irgendwie was tolles malen, Denkst du, das ist eigentlich schön, aber naja, dann male ich mal noch weiter, ging mir zu schnell. Kann ja nicht sein, dass man jetzt hier in einer halben Stunde so ein schönes Bild malt. Und dann malst du da oben so einen Doofen Vogel rein und schon ist das Bild im Eimer. Also, das ist auch so ein Punkt. Und in der Impro, Das habe ich für mich dann irgendwann auch erkannt, dass ich diese Begabung habe und dass ich tatsächlich fast mein Bestes geben kann, wenn ich sozusagen, mich einer Situation aussetze, in der ich im Moment gezwungen bin, das Beste abzuliefern.

Sebastian Krumbiegel: Wie lief das ab bei Anke Engelke und Dir mit diesem Blind Date? Ihr habt da vorher ein Briefing über eure Charakter. Charaktere.

Joël Kaczmarek: Erzähl mal ein bisschen für die Hörer, die das nicht kennen. Ich kenne das zum Beispiel auch nicht.

Sebastian Krumbiegel: Also, blind date ist, erzähl du es lieber. Ihr trefft euch im Zug, war das, glaube ich, oder? Ja,

Olli Dittrich: es gibt sechs Filme. Das ist jetzt allerdings auch schon wirklich lange her. Den letzten haben wir, glaube ich, 2006 gedreht. Das war damals eine Arbeit fürs ZDF. Ich hatte eine Reihe im ZDF, in der ich in mehreren Episoden kleine Häppchen gedreht habe. In Figuren mit Sketchen und Zeugs. Und hab dann irgendwann mit Anke Engelke, die wir für zwei Drehtage gewinnen konnten, oder für einen sogar nur, Ich weiß es gar nicht mehr genau, Was Geschriebenes gehabt. Und dann hatten wir noch sozusagen einen Slot, in dem wir noch etwas anderes hätten machen können. Und ich hatte die Idee, dass wir eine Impro machen. Und dann hab ich, Oder wir haben gemeinsam überlegt, was das sein könnte und sind dann auf die Idee gekommen. Wie gesagt, alles noch vor Internet, alles vor Social Media. Das war wirklich eine andere Zeit, auch wenn es noch gar nicht so lange her ist. Leute haben sich damals zum Beispiel kennengelernt, Also nicht Parship oder ElitePartner oder so, sondern über Chiffre-Anzeigen in der Zeitung. Und gibt es, glaube ich, heute noch für die Senioren sowas. Und das haben wir dann im Grunde als Basis genommen. Zwei Leute, die sich über eine Chiffre-Anzeige kennengelernt haben und die sich in einem Restaurant treffen. Und dann sozusagen, den Erstkontakt irgendwie bei einem Essen haben. Und ich habe zwei Kameras laufen lassen und habe gedacht, naja, Das wird ja sicherlich, wenn wir das sind, so Anke. Und ich, die wir auch nicht auf den Mund gefallen sind. Und wir denken uns jeder eine Figur aus, von dem, der andere noch nicht weiß, wer ihm begegnet. Und spielen im Grunde diese in Wahrheit echte Situation. einfach, Wir benutzen Sie auch als Arbeitsgrundlage so und haben das dann blind Date genannt. Und Hans Janke vom ZDF hat dann sehr schnell gesagt. Das ist auch sozusagen nicht nur als Häppchenlieferant für kleine Auszüge, sondern im Ganzen anzusehen, hat es dann gesendet und hat dann noch weitere fünf Filme dann in Auftrag gegeben. Und da haben wir uns dann immer neue Locations ausgedacht, also Orte, an denen sich zwei Menschen zufällig begegnen. Wir haben nur den Ort festgelegt. Und wer als Erstes reinkommt und sonst eigentlich nichts.

Sebastian Krumbiegel: Sonst hat jeder für sich seinen eigenen Charakter.

Olli Dittrich: Mit einer ganzen Biografie, mit allem, was dazugehört und gegebenenfalls auch mit einer Historie, Was jetzt gerade kürzlich zurückliegend passiert, ist, damit man eben auch weiß, wer man ist und was man da gerade so macht. Und auch auf alles eine Antwort hat und bei der Wahrheit, in Anführungszeichen der erfundenen Wahrheit bleiben kann. Und haben dann, Wir haben einen Fahrstuhl, der Stecken bleibt, Wir haben ein Taxi, in dem man sich begegnet, Wir haben mal eine Lehrerin, Ich habe dann den Vater gespielt, eines Kindes, der zum Gespräch gibt. Beten wurde. Wir haben ganz am Ende ein Paar gespielt, das sich kennt, das also schon zehn Jahre oder länger zusammen ist, So ein bisschen runtergerocktes Paar, das nach einer Familienfeier dann abends im Hotelzimmer dann in Streit gerät, was eine tolle Folge war. Das war für mich dann auch der tollste Abschluss, eigentlich. Das war eine ganz tolle Arbeit und das ist eben alles, was da drin passiert. Jeder hat seine Linie, aber der Rest ist dann eben, Musst du in der Figur komplett wasserdicht sein und stimmig sein und dann eben miteinander sprechen, So wie wir das jetzt tun. Das haben wir ja nun auch nicht vorher vorbereitet.

Sebastian Krumbiegel: Unsere Dialoge sind, Also Das ist ein Total Scripted Podcast, den wir hier machen. Genau,

Olli Dittrich: genau.

Joël Kaczmarek: Aber wie machst du das, wenn du Menschen erfindest? Also, ich weiß, es brennt sich ja auch ein. Oder du manchmal nimmst ja auch bekannte Menschen und dichtest denen, was zu. Bei mir hat sich zum Beispiel eingebrannt, wie du damals Beckenbauer gemacht hast bei Samstag Nacht. Der hatte gerade eine Wendelinie in der Unterhose und so diesen ganzen, Das ist ja einfach nicht, aber da hast du eine Vorlage, Aber wie machst du das sozusagen, entweder eine Vorlage befüllen oder was komplett Neues dir ausdenken, Was gehört dazu?

Olli Dittrich: Das ist gar nicht einfach zu erklären, obwohl es für mich sehr einfach ist, dann doch. Es ist natürlich auch Fleißarbeit im Vorfeld. Aber es hat ja jetzt, Ich nenne das so ein bisschen als Arbeitstitel, den Zyklus für die ARD gegeben. Das sind inzwischen zehn Filme gewesen, im Laufe der letzten Jahre, die alle irgendwie sich sozusagen, monothematisch mit der Parodie oder mit der Persiflage eines Gewissen Fernsehgenres beschäftigen. Da waren eben auch von Talkshow, wo ich alle Talkshow-Gäste spiele, bis hin zu Frühstücksfernsehen haben. Wir parodiert. Natürlich auch das, was ich besonders liebe, Dokumentationen und Reportagen, die eben vor allen Dingen damit operieren, dass sie eben auch viel Archivmaterial einweben. Da haben wir zum Beispiel auch das Thema Beckenbauer insofern aufgenommen, als dass ich einen Mann gespielt habe, von dem wir behauptet haben, Der heißt Schorsch Aigner. Der fast vier Jahrzehnte lang, fünf Jahrzehnte lang als Doppelgänger von Franz Beckenbauer im Einsatz war. Immer dann, wenn der Franz nicht konnte, sollte, wollte oder durfte. Und das haben wir so wasserdicht verwoben, dass wir auch von Uwe Seeler bis Guido Buchwald, Von Ralf Siegel, der dann wiederum auch bestätigt hat, Dass gute Freunde kann niemand trennen. Die Single von Franz Beckenbauer in Wahrheit. Eben nicht von Schorsch Aigner gesungen wurde, sondern beziehungsweise von Schorsch Aigner. Gesungen wurde, Weil Franz in Wahrheit sehr gut singen konnte und das aber nicht glaubhaft gewesen wäre, Wenn der eine Single aufnimmt, dann hätten alle gesagt, das kann nicht der Franz sein. Also hat man jemanden gesucht, der schlecht singt, aber trotzdem. Die Stimme hat von Franz. Und so haben wir also Stück für Stück haufenweise plots erfunden und die auch mit Originalarchivmaterial von Beckenbauer verwoben. Und das auch einfach frech benutzt. Und dann aber Schorsch Aigner in der Bauchbinde eingeblendet, dass er das dann wäre. Und das ist zum Beispiel auch absolut akribische Fleißarbeit. Das habe ich hier mit Tom Toinesen, einem Sportjournalisten, zusammen gemacht, der auch seriöse Sportdokumentationen macht. Das muss halt alles glaubwürdig sein. Diese zehn Filme haben eins gemeinsam, Das ist das, was ich so liebe daran, wenn ich mich komplett in einer anderen Figur verliere. Dass ich dann wirklich zu jemand anderem werde, Du kannst mich dann hier draußen rumlaufen lassen, und ich trage beim Einkaufen die Tasche anders, als wenn ich irgendeine andere Figur bin, ist das wirklich so?

Sebastian Krumbiegel: Method Acting.

Olli Dittrich: Ja, oder geht darüber hinaus, ich weiß nicht, woher dieser Defekt kommt, aber es gibt ihn. Das ist ja nicht nur, dass man eine Stimme imitiert, sondern das geht ja weit darüber hinaus.

Sebastian Krumbiegel: Ich hatte ja einmal, das war für mich wirklich auch eine Art Ritterschlag, bei Ditsche Gast sein zu dürfen. Und das war für mich auch, weil ich dich ja doch ein bisschen kenne. Ja, klar. Und dann auf einmal treffe ich da echt einen anderen Menschen. sozusagen, eine andere Figur, Und du hast das wirklich durchgezogen, das fand ich faszinierend.

Olli Dittrich: Das ist auch dein Lockdown, also, ich habe ja auch etwas Krassere im Rahmen dieses Zyklus, sehr krasse Figuren, wie die mit 60-jährige alte Diva Trixi Dörfel, der wir so eine unglaubliche Karriere in Teenagerjahren angedichtet haben, inklusive Hit, den ich auch geschrieben habe von ihr und Sowas und alles im Original, So dass es klingt wie in den 60er Jahren aufgenommen, richtig, dass das alles wasserdicht ist, sozusagen. Archivmaterial hergestellt, Was wir dann verwoben haben, dann mit auch O-Tönen von Zeitzeugen. Die machen auch immer alle mit. Also ich habe von Peer Steinbrück über Marius Müller-Westernhagen bis hin zu Gottschalk, Ja, auch alle möglichen Leute, die irgendwas im Original dazu sagen können. Giovanni Di Lorenzo, Ich habe einmal einen 84-jährigen Journalisten gespielt, der auf sein Leben zurück... Den wir alle möglichen Coups angedichtet haben. Da haben alle von Anne Will über Lothar, Giovanni, über Jauch, Deppendorf, Alle haben in O-Tönen etwas gesagt Zu diesen, Klammer auf, erfundenen Journalisten. Und das ist die Fleißarbeit, das alles so akribisch rauszutüfteln, dass es plötzlich so eine Echtheit bekommt, so eine Alltäglichkeit. Das ist das, was ich fantastisch finde. Also im Grunde genommen mit den Mitteln des Originals in der Parodie daherkommen, so dass da nicht mehr irgendwie, Oh, jetzt wird es wieder lustig, Dieses schräg gehaltene Kameras und vielleicht noch feiste Lacher dazwischen geschnitten und so, sondern das ist wirklich komplett. knochentrocken, ganz echt, ganz original und damit die Leute aufs Glatteis zu führen, zeigt ja so in gewisser Weise auf so einer Metaebene auch, Wem und was kann ich eigentlich vertrauen im Fernsehen? Also ist vielleicht irgendeine... Hochpolitische Dokumentation mit Archivmaterial, die uns irgendwie etwas zeigt und sagt und aufklärt. Vielleicht ist das alles nur einfach zusammengesteckt. Aus irgendwas. Und jemand hat es so, wie er es lanciert und produziert hat, eben einfach höchst manipulativ tätig. ¿Wer weiß es denn?

Sebastian Krumbiegel: Mir ist das ja bei diesem Frühstücksfernsehen so gegangen, dass ich wirklich am Anfang gedacht habe, hey, was ist das echt? Was ist das jetzt hier? Dass du wirklich davor sitzt. Kennst du das, Joël? Das gibt es im Netz, oder? Ja, ja, Na klar. Also echt checkt das mal, weil das wirklich faszinierend ist, Wie da wirklich mit diesen, Ich glaube, das ist ja auch so ein Loyal-Spruch, dass du nur beobachten musst und sozusagen das, was du siehst, also, es liegt eigentlich alles auf der Straße. Du musst es nur dir nehmen und du musst es verwursten.

Olli Dittrich: Das ist immer bei diesen Dingen und bei allem, was überhaupt jeder Künstlerisch tut, eigentlich die Basis. Wir sehen und wir hören alles das, was jeder andere auch sieht und hört. jetzt... Will ich jetzt nicht zu Hochtrabend werden, Aber die Aufgabe des Künstlers ist ja tatsächlich, das aufzufangen und das in irgendeiner Form so wiederzugeben, dass es andere wieder erreicht mit den Mitteln einer kunstvollen Darstellung. Und das passiert ja in aller Regel nicht rational, primär. Du kannst mit solchen Mitteln und visuellen Chiffren, die Leute auch absichtlich aufs Glatteis erstmal führen. Und so, Aber trotzdem geht es natürlich darum, auch Gefühle auszulösen und die Leute zu berühren. Und dann merken die plötzlich hoch. Was ist das denn? Ich höre da plötzlich einen Song und da ist irgendein Change drin. Oder irgendeine Textzeile verbunden mit einer Melodie, die mich triggert, wo ich überhaupt nicht weiß, warum? Und ich kriege plötzlich eine Gänsehaut. Und das geht ganz tief rein. Und man weiß gar nicht so genau, warum. Und das hat natürlich, was damit zu tun, dass wir letztlich wahrscheinlich die Basics alle Teilen von dem, was wirklich bedeutend ist. Und dass Künstler das eben, wenn sie gut sind und wenn sie eben diese Inspiration haben, es fertig bringen, das sozusagen sicht- und hörbar zu machen. Das bewundere ich auch immer wieder an Künstlern, die das schaffen, einen so umzuhauen, wo man sagt, da kommst du nicht dran vorbei. Was ist das jetzt gerade? Wieso ist das so?

Sebastian Krumbiegel: Dass du im Kino sitzt und Anfängst zu heulen. Und du sagst, ich rinne mir hier echt. Die Tränen runter. Du bist gerührt. Ja,

Olli Dittrich: genau.

Sebastian Krumbiegel: Also, für mich ist übrigens immer, wenn ich Musik höre, Gänsehaut voll der Effekt. Guck mal,

Olli Dittrich: Ich habe jetzt gerade Gänsehaut, wo ich das nur erzählt habe, weil ich das sofort so verinnerliche und weiß halt, warum ich das meine. Also, das ist auch das, was auch immer Basis ist, Wenn ich mich in Menschen verwandle, dann gehe ich dort nicht sozusagen. ran, indem ich gucke, wie sieht der aus, wie baue ich mich da, wie verkleide ich mich? Und dann stelle ich mich vor den SPIEgel und übe das oder irgendwie sowas. Das ist alles Bullshit. Das passiert gar nicht. Das ist das Handwerk von meinen tollen Maskenbildnerinnen, die wirklich echte Genies sind, mit denen ich wirklich blind die Dinge entwickeln kann. Und die genau wissen, was gefragt ist, damit es überhaupt nicht übertrieben ist und dass ich eher auch beim Spiel zurücknehme. Und so, Sondern es geht darum, dass die Figur, selbst, wenn es eine erfundene Figur ist, vorher in allen Facetten da ist. Und ich genau weiß, wie die ist, wie die fühlt, was die tut, was die DA soll. Und die Verwandlung... Drei Stunden Maske oder so, ist dann eigentlich eher der meditative Prozess, indem ich dann von dem einen zum anderen Ufer kletter, ja, Und dann mache ich die Augen auf, und dann kletter ich los und kann...

Sebastian Krumbiegel: Bist du der?

Joël Kaczmarek: Hat er dich ja nicht mal nachgemacht?

Sebastian Krumbiegel: Nee, ICH hatte... Bastian Pastewka hat mich mal nachgemacht. Ach, das ist lustig. Das ist total geil. Das war hier Rickys Popsofa mit Anke Engelke als Ricky, Die so durchgedrehte. Und das finde ich heute noch richtig, richtig, richtig geil. Er kam mit so einer Aldi-Tüte an. Der Ossi kommt mit einer Aldi-Tüte an. Und so und rote Haare und die Beobachtung sozusagen von... Körperlich oder auch irgendwie Habitus-Eigenheiten, die ich eben habe, die jeder Mensch hat. Und am Ende, Ich habe zuerst gesagt, scheiße, Die ziehen nicht durch den Kakao. Und dann habe ich aber irgendwann gedacht, Hey, geil, du wirst persifliert. Und das ist irgendwie auch irgendwie, ja, das ist auch geil. Das hat mich total gefreut.

Olli Dittrich: Also Bastian ist sowieso auch ein ganz, Ganz lieber, guter Freund, ganz toller Könner, muss man sagen. Sehr lustig, sehr, sehr herzenswarm, herzensgebildet, wahnsinnig talentiert. Ich habe die große Ehre, muss man sagen, gehabt, in den Anfängen der 2000er Jahre, mit ihm zusammen mit einem Programm auf die Bühne zu gehen, was echt ein Fest war, muss man sagen. Wir haben, ich glaube, 60 Städte am Stück gespielt und dann nochmal 20 hinterher, weil es einfach wegen des großen Erfolges. Und wir haben so ein bisschen so eine Klammer gehabt, beide so im Smoking rausgekommen, so ein bisschen amerikanisch so und haben dann so ein Opening gemacht mit irgendwelchen Firlefanz. Und dann ging es eigentlich fast immer nur so abwechselnd. Jeder hat dann auch so Solonummern dazwischen gehabt. Und so. Und es gab auch mal Momente, wo wir dann zu zweit auf der Bühne waren. Hatten damals übrigens von meinem Susis Schlager Sextet, Ralf Hartmann, den Du ja auch glaube Ich kennst, dieses Gitarrengenie, den hatten wir dabei und Susi Frese, Sängerin, mit der ich damals auch gearbeitet habe. Und wir haben dann teilweise zweistimmig, dreistimmig, vierstimmig, dann mal basti nur mit den beiden, Dann ich nur mit den beiden, dann ich nur mit Basti und so. Auch so kleine musikalische Couplets immer dazwischen gehabt. Wir hatten unser Festes Programm. Anderthalb Stunden, glaube ich, haben wir dann auch gestoppt und haben gesagt, na, gut, Kommen vielleicht auch Appläuse dazu, muss man noch ein bisschen was draufrechnen und so. Und das war dann so das Programm. Was war von der ersten Aufführung? An schon, haben wir schon so viel scheiß da gebaut und haben so improvisiert gemeinsam auch, dass das immer länger wurde. Und wir haben dann Stück für Stück, auch einzelne Solonummern dann rausgenommen und es wurde trotzdem immer länger. Wir waren dann mal, ich werde nie vergessen, Ich glaube, in Delmenhorst waren wir über drei Stunden auf der Bühne. Und die Kritik dann in den Zeitungen. Ein paar Tage später war überschrieben mit, Comedy-Duo wollte nicht nach Hause gehen. Das werde ich vergessen. Aber Basti ist super, ganz, ganz toller Kollege und ein großer Körner, glaube ich, gerne. Habe ich nie gesehen, aber glaube ich gerne, dass der dich gut parodiert hat.

Sebastian Krumbiegel: Das gibt es auch, findest du auch im Netz.

Joël Kaczmarek: Ich habe mir das da auch immer angeguckt und es stimmt schon, das ist ganz lustig gemacht.

Sebastian Krumbiegel: Das bin schon ich, ne?

Joël Kaczmarek: Ja, der Berksesur auch, Ich dachte, da ist schon was dran. Ja, ja. Du, ICH meine, Olli, Es juckt einem auch so in den Fingern. Kannst du für Hörer, die vielleicht mit diesen Rollen noch nicht so berührt haben, also, ich mag immer nicht so Leute, so Tanzbär-mäßig, mach mal dies, mach mal das zu fragen. Ja,

Olli Dittrich: da bin ich auch sehr klemmig, muss ich sagen. Aber wieso, Sag mal.

Joël Kaczmarek: Gibt es irgendwie so Rollen, wo man dich nachts um drei wecken kann, weiß ich, Boris Becker, Beckenbauer, den Wir hatten, DIE du...

Olli Dittrich: Wahrscheinlich fast alle, die ich so gespielt habe. Aber das ist tatsächlich nicht so meine Spezialität. Sebastian, Sing Mal was. Ja, das ist so. Ich selber bin immer peinlich berührt, wenn ich so Talkshows sehe. Und da sitzen dann irgendwie Schauspieler. rum, die dann plötzlich so ein bisschen schlecht hessisch reden und da so witzig sein wollen. Und so. Und dann denke ich immer, nee.

Joël Kaczmarek: Jörg Knör, Finde ich, kann das immer überraschen.

Olli Dittrich: Das ist ein fantastischer Stimmenimitator, Jörg Knör. Unglaublich, muss man wirklich sagen. Ganz toll.

Joël Kaczmarek: Ditsche ist ja auch irgendwie so ein riesiges Kapitel von dir.

Sebastian Krumbiegel: Wie lange gibt es das schon?

Olli Dittrich: Ditsche gibt es seit 2004 und gab es davor. Ja, schon in den 90er Jahren, als ich diese Hörspiele gemacht habe. Ehrlich gesagt auch ein bisschen Beschäftigungstherapeutisch aus Frust, weil mein Plattenvertrag so schnell wieder eingestampft wurde, wie er kam mit Tim.

Sebastian Krumbiegel: Ja.

Olli Dittrich: Habe ich daneben, wie gesagt, so Hörspiele aufgenommen mit Figuren und so. Und irgendwann war das dann schon so, dass wenn ich abends nach Hause kam, mal, Damals hatte man diesen Panasonic-Anrufbeantworter mit So Blinklichtern für die Anrufe. Ich weiß nicht, ob ihr euch da noch so dran, erinnert. Wo normale große Kassetten drin waren. Mit dem, ja, hier ist der und der. Und Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht. Und da habe ich dann halt irgendwann mal gedacht, cool, Da machst du einfach irgendwas anderes. Dann habe ich erst angefangen, irgendwie so. Kunstfiguren haben dann gesagt, ja, hier ist der und der, Dann hat mal Boris Jelzin irgendwie guten Tag gesagt, und dann wurde das immer aufwendiger. Und ich habe also mit meinem Vierspur-Kassettengerät dann Kampfhund, Galactica, Kinotipps und all so einen Scheiß. Und das wurde immer mehr. Ich habe die noch irgendwo liegen, die sind super, Die Dinger. Und da kam ich dann manchmal, wenn ich abends nach Hause kam, irgendwo, dann waren da so 20 Lichter drauf. Da dachte ich, Oh, endlich hat mal einer angerufen. Da waren das nur so, So piep, Oh geil, Alter. Oder irgendwie so einer, der sich kaputt gelacht hat. Und so war ich dann mehr oder weniger gezwungen, fast täglich dann wechselndes Programm herzustellen. Was natürlich mit größeren... Aufwendigeren Produktionen mit Musik im Hintergrund. Und ich weiß nicht, was alles. JACQUES Chély, Der Friseur, Oh Herr Jacques Chély, Danke für die tolle Frikadellen-Frisur. Und dann habe ich auch den Friseur natürlich gesprochen, Oh ja, wunderbar, bitte sehr, mit so einem Blöden. Franz-Franz-Akzent da. Und dann fragt sie dann irgendwie, ja, Sie waren doch gerade beim Friseurkongress in Brüssel, so ein Wettbewerb. Wie war denn das für Sie? Oh, ich habe gut abgeschnitten. Biep. Und so ein Scheiß, so Karlauer halt. Ich weiß. Es ist alles Karloher-Quatsch, Aber ich war da mal so drauf.

Sebastian Krumbiegel: Aber das macht ja auch Schule. Du Lernst dadurch. Und ich habe eben gerade gedacht, du hast das sozusagen gemacht, weil du es geliebt hast, weil du das machen wolltest. Und dann, Ich wollte dich das vorhin schon fragen, wann sozusagen dieser Umschwung kam. Also, ich musste vorhin, ich weiß nicht, ob der Vergleich hinkt, der hinkt bestimmt, Aber Otto Walkes sagt ja auch oft, Er wollte eigentlich Musiker werden und hat irgendwann gemerkt, hey, ich bin hier irgendwie, Die Leute lachen viel mehr und ich muss nur irgendwelchen Scheiß erzählen. Oder auch so ein Typ wie Olaf Schubert, ja? Auch übrigens eigentlich Musiker. Und eigentlich hatte der eine Band oder hat immer noch eine Band und hat dann eben irgendwie gemerkt, hey, diese Kunstfigur, Das kommt an sozusagen. Aber wann hast du wirklich gesagt für dich, okay, ich bin jetzt eben Person, Imitator, Comedian, Komiker, wie auch immer?

Olli Dittrich: Naja, Das hat sich durch Samstagnacht tatsächlich ergeben. Also, ich habe zwar vorher, wie ich es vorhin beschrieben habe, habe ja meine Experimente so gemacht, fast so ein bisschen, um mich auch abzulenken, dass es mit der Musik halt einfach überhaupt nicht weiterging. Und habe dann so experimentiert, weil ich so eine Vierspur-Kassettenmaschine hatte. Und da konnte ich dann mit mir selber im Dialog reden. Das waren, so die Anfänge, die ich dann auch zum Teil ja verfilmt habe und dann Wigald kennengelernt habe. Und so kam eins zum anderen aus einem größtmöglichen spielerischen Aspekt heraus und wirklich entschieden. So bewusst, jetzt werde ich Komiker oder so, das hat es eigentlich nie gegeben. Das hat sich automatisch dann daraus ergeben. Und ich habe auch, wenn man so will, durch die professionellen Möglichkeiten, die ich bei RTL Samstag Nacht kennenlernen und nutzen, konnte, überhaupt erst auch gemerkt, was alles so geht. Also, ich habe auch selber erst bemerkt, wie kann ich mich verkleiden, wie kann ich mich verwandeln. Das hat natürlich auch ein Feedback. Das ist so, wie wenn du mit einem tollen Instrument spielst und kaufst dir eine neue Gitarre. Und hast einen neuen Verstärker und merkst plötzlich das Ding. Klingt noch viel, viel Toller, und der Sound macht dich an, und plötzlich hast du eine andere Inspiration. Und so ähnlich war das eigentlich auch, wenn man so will, Ein Coming out in gewisser Weise, Wobei Leute zum Lachen gebracht habe. Ich eigentlich immer, also Das Talent war ja immer auch schon da.

Sebastian Krumbiegel: Das war auch nie unfreiwillig, Ich frage es mal ein bisschen.

Olli Dittrich: Naja, nee, Das war ein großer Spaß, Aber das haben mir auch schon in den Jahren zuvor immer Leute gesagt, ja, musst du irgendwas selbst? Otto, weil du ihn angesprochen hast, Otto kenne ich seit meinem 16. Lebensjahr. Wir haben vorhin ja von der Hamburger Szene hier gesprochen. Ich habe damals auch in der WG ja mit Gottfried gewohnt und noch vielen anderen Musikern. Da kam Otto auch immer vorbei. Der kannte auch meine Skiffelband, fand er irgendwie witzig. Und dann saß er immer bei mir auf dem Bett, weil ich auch so haufenweise Gitarren hatte. Und ein Schlagzeug und so. Und dann haben wir da auf dem Bett gesessen und haben Beatles gesungen zusammen. Und Simon & Garfunkel zusammen gesungen und haben Quatsch gemacht. Oder er. Und ich habe dann zwischendurch immer irgendwie auch so. Unsinn gemacht und habe Stimmen nachgemacht und so. Und dann hat er mir gesagt, musst du einen Beruf machen. Ich sag, wie das denn? Ja, da holst du dir einen. Und er war ja ein Einzelkämpfer. So hab ich das nie. Ich wollte immer für die ernsthafte Seite, also im Sinne von, Ich wollte immer mit meiner Musik berühmt werden. Und so. Das war so mein Traum. Ja,

Sebastian Krumbiegel: das Schöne ist ja auch, dass du wirklich bei aller Komik, doch auch für mich immer auch eine... Gewisse Ernsthaftigkeit oder eine gewisse, Ich will was sagen, Tragikomik irgendwie auch transportiert hast. Also Otto, Ich liebe diese ganzen Sachen, ich liebe das wirklich, Ich liebe seine Art und so, Aber er ist dann wirklich eher, so der Kasperkopp. Und immer irgendwie der Blödelbarde sozusagen. Meine ich nicht despektierlich, meine ich echt nicht abwertend, Aber bei Dir ist das schon was anderes, genau wie bei Loriot. Also für mich, um den Vergleich nochmal zu bringen.

Olli Dittrich: Ja, wobei. Otto ist ein ganz großer Künstler. Das weiß ich.

Sebastian Krumbiegel: Also auch große Musiker, übrigens. Ich habe ihn auch mehrfach getroffen. Wir haben auch schon zusammen was gemacht.

Olli Dittrich: Und malt auch toll. Und jeder das, was er liebt. Und das ist ja auch, Ich sage jetzt mal vielleicht etwas überspitzt, auch sehr deutsch, dass man eben auch dem Komödianten und dem Komiker, Ich sage jetzt mal so ein bisschen durch die Blume, nicht die, sagen wir mal, Künstlerische Legitimation und Qualität, zubilligt. Die andere haben die aus dem seriösen, ernsten Fach kommen, so mal. Ja, einfach. gesprochen, Das ist in England oder in Amerika ist das dann schon anders. Also, da wird das mit Hochachtung auch gesehen und auch keinen Unterschied gemacht. Zwischen gutem und schlechten Talent.

Sebastian Krumbiegel: War für dich sowas wie, weil du in England gerade saßt, In Monty Python und sowas, ist das für dich auch Vorbild oder Inspiration gewesen?

Olli Dittrich: Inspiration sicher, Wobei als ich jünger war, bei uns. Im Fernsehen gab es Rudi Carell mit seinen Sketchen, Wir haben dick und doof gesehen, Wir haben als die Bilder laufen, Lernten gesehen. Wir haben Charlie Chaplin gekannt und die ersten Comments, Comic-Geschichten, Marty Feldman später.

Sebastian Krumbiegel: Monty Python hat irgendwann Biolek, Glaube ich, nach Deutschland geholt.

Olli Dittrich: Es gibt eine Fassung von einer Monty-Python-Show, die ich leider nie gesehen habe, die auf Deutsch ist, wo die auf Deutsch spielen, auch.

Sebastian Krumbiegel: Ach so. Aber nicht die mit dem, der lustigste Witz, das kennst du, im Krieg an der Front.

Olli Dittrich: ACH, so, ja, ja. Nee, nee, das ist eine richtige Sketcheshow, wo sie alle Deutsch sprechen. Und man merkt, dass Sie zum Teil natürlich wissen, weil sie es vorher übersetzt haben oder so. Was Sie da reden, inhaltlich, aber in Wahrheit eigentlich nicht wissen, was sie da gerade sprechen. Das ist ja interessant. Das ist ganz toll. Ich habe Sowas auch einmal gemacht. Da habe ich eine Figur erfunden, Die heißt Giuseppe Al-Bustani in einem Kinofilm, den ich später nochmal an anderer Stelle reaktiviert habe. Da hatte ich in dem Kinofilm auch tatsächlich eine Szene in Arabisch. Und das war wirklich echt eisenhart, also mit echten Libanesen auch. Ah ja, kannst du das noch? Nein, nichts. Nur phonetisch gelernt, Da stehst du komplett im Wald. Die Figur ist sehr echt, also, der hat ja auch mit Deutschen gesprochen, hat ja immer so, weißt du, so eine Art gesprochen, musst du dann, wenn wir das essen, kannst du nicht machen. So, ne, das geht, Also mit diesem Deutsch, dann mit diesem Gebrochenen, kannst Du bist mein Freund, Sebastian, ne? Ich kann dich schon mal gesehen, ne? So, das geht alles, Aber wenn es dann ernst wird und du musst dann wirklich arabisch sprechen, Da hatte ich echt so einen strengen Coach und so, und ich war irgendwie so, nein, Dann muss ich das wieder machen. Und ich dachte, oh, Jetzt hat das ja richtig gut geklungen. Und sie haben gesagt, das versteht kein Mensch. Also, das ist dann schon echt höhere Weinen, aber war sehr spaßig, war sehr spannend.

Sebastian Krumbiegel: Ich kenne das, wir haben mal eine Weihnachtsplatte aufgenommen, Die sogenannte Festplatte mit den Prinzen. Ja. Und haben da auch verschiedenste Sprachen aufgenommen. Und es gibt einen, also. Die Japaner feiern ja keinen Weihnachten, Die Feiern Neujahr. Und meine Nachbarin damals war Japanerin oder ist Japanerin. Und ich habe gesagt, was gibt es irgendwie für ein japanisches Weihnachts-Solo? Sie hat gesagt, es gibt kein Weihnachts-Solo, aber es gibt ein Neujahrslied. Oshogatsu heißt das. Und wir haben das eingesungen. Und vor allem Wolfgang, unser Wolfgang, unser Arrangeur, der wirklich ein Genie ist, Was musikalische Arrangements betrifft. Der hat dieses auch so in Japanisch, so Quintenzeug und irgendwie so eben Fünftonzeug eingesungen. Und sie war dann als Coach im Studio, als er japanisch singen wollte und das auch getan hat. Also, sie hat sich dann manchmal schäckig gelacht, weil er, was völlig anderes gesungen hat, Was dann eben auch eine völlig andere Bedeutung hatte. Aber sie war auch sehr streng. Und wir haben ja auch ein paar japanische Fans und die haben uns auch zurückgemeldet. Ja, das ist irgendwie, das versteht man und das ist gut. Aber eben auch etwas singen, Etwas sagen ohne. Es zu verstehen. Ja,

Olli Dittrich: ohne es zu verstehen, das ist echt krass.

Joël Kaczmarek: Aber was Sebastian eben meinte, die Tragikomik, die Deinen rollen drunter liegt, Das ist ja auch so ein Ditscher-Momentum eigentlich.

Olli Dittrich: Ja, das ist die Basis. Wie gesagt, den gab es ja lange, bevor es den im Fernsehen gab, gab es ihn erst bei Hörspielen. Siehst du, kommt man ins Quatschen. Das wollte ich eigentlich damals vorhin nur erzählen, dass irgendwann die Hörspiele mit diesen lustigen Figuren immer aufwendiger wurden. Und ich dann irgendwann gesagt habe, wenn ich da jetzt jeden Tag ein Programm machen muss, dann erfinde ich jetzt irgendwie einen, der Halt einfach nur sagt, Hier Pass mal auf, hier Weiss was. Wenn du da jetzt an deinem Zugang fährst, da wird gerade die Straße neu gemacht. Und da haben Sie jetzt diese Markierungswagenfahrer mit der gelben Markierungsfarbe. Der weiß ja auch nicht, Ist der da von morgen runter gepurzelt. Oder was ist so Trumpf. Jedenfalls sind diese Strecke so komisch. Ich wollte nur sagen, wenn du diese Strecke folgst, dann fährst du direkt gegen eine Wand. Tschüss. So, solches Zeug, jeden Tag. Und so war Ditsche geboren, eigentlich. Hallo, da bin ich wieder. Ich wollte nur einmal sagen, hier bei ihrem Kaufhof, Da gibt es jetzt die Gremlings. Tschüss. So. Da war so ein sinnloser Quatsch. Und so ist Ditsche eigentlich erst als Hörspielfigur entstanden. Und dann Irgendwann kam ja Thomas Hermanns, damals noch unter dem Künstlernamen Tommy Garden, in München, so Karaoke-Veranstaltungen gemacht, kam nach Hamburg und hatte so die Idee, quasi nach klassischem amerikanischen Stand-Up-Club. Prinzip So einen Stand-Up-Abend zu machen. Also wo eben dann Comedians, eben keine Kabarettisten, So, wie wir das hier kennen. Also Quatsch Comedy Club. Genau, das war der Vorläufer davon. Und der suchte halt Leute, die frei sprechen können. Und auf Umwegen über Wiegehalt, keine Ahnung, ich mach es kurz, Irgendwie war ich dann einer von denen, von denen man erzählte, da gibt's auch noch einen. Also, die haben ja wirklich händeringend solche Leute gesucht. Und die Anfangsbesetzung, die da im Engen Kreis waren, Rüdiger Hoffmann, Dietmar Burdinski, Gott hab ihn selig, leider verstorben, Martin Schneider, Monty Arnold, Wigald, ich und noch zwei, Drei andere. Das waren so Leute, die Einzelkämpfer waren, haben irgendwelchen Unsinn getrieben.

Sebastian Krumbiegel: Und da hast du Ditsche dann sozusagen wieder rausgeholt. Genau.

Olli Dittrich: Und da war Ditsche, dann hab ich dann überlegt, Oh, Gott, jetzt den auf die Bühne. Was hat denn der an? Und so vom Milieu her. Und was der so erzählt hat, immer war schon klar, das ist so ein bisschen so im Halbpenner-Bereich, aber nicht wirklich. Und ich hatte tatsächlich mal jemanden gesehen, das werde ich nie vergessen, Ich habe damals in einer WG gewohnt, es war ein Sommertag, weiß ich nicht mehr. wann, müsste in den 80er Jahren gewesen sein. Und ein Eiswagen fuhr um die Ecke, Ich wohnte mit einem Kumpel zusammen und man hörte so eine Glocke. bimmeln, ah, Der italienische Eismann. Ja, und es war, Wir haben ein Fußballspiel geguckt und es war Halbzeit. Und ich habe gesagt, ich gehe raus und hole für uns ein Eis und bin raus und stand. In der Schlange, standen so drei, vier, fünf Leute. Und vor mir direkt war ein Typ im Bademantel. Das gehörte wohl damals noch, wie gesagt, ich erinnere mich auch noch in meine Kindheit, Da sind auch Frauen gerne mit Lockenwinklern und so einem transparenten Seidentuch drüber, sind dann Einkaufen gegangen. Und der Herr hat auch gern mal Sonntag so. Im Bademantel, ist er mal auf die Straße schnell mit Schlappen. Und der Stand vor mir. Und der kam dann irgendwann dran. Und dann fragte der italienische Eisverkäufer, was möchte ich, Habe ich alles hier, Rätberi, habe ich hier Vanille oder Nuss, möchte ich saikono oder jende und so. Und dann stand er da so und guckte und sagte, einmal Straciella. Und das war das Bild, was sich quasi verdichtet, hat. Und ich dachte... Wow So, einmal strazielle. Und das war eigentlich, wenn man so will, visuell und akustisch die im Langzeitgedächtnis abgelegte Figur-Ditsche, die dann eben erst später eigentlich, als ich dann überlegt habe, wie bringe ich diese Hörspielfigur, von denen es dann schon, weiß ich nicht, 20, 30 So Kurzclips gab, Wie bringe ich die auf die Bühne, was hat der an? Und hab dann eben Jogginghose und Bademantel. Und dachte mir, das muss so ein alter Bademantel sein, der muss passen. Und mein Freund damals, Carsten Peters, mit dem ich zusammen gewohnt habe, Schöne Grüße von hier aus, Der hatte seinen Vater aus dem Krankenhaus gerade abgeholt und hatte aber die Sachen noch bei sich im Schrank hängen. Und da hing dieser Bademantel. Und es ist bis heute dieser Bademantel.

Sebastian Krumbiegel: Das Schöne an der Figur finde ich ja, dass du dich überhaupt nicht über ihn lustig machst. Das ist wirklich das Entscheidende. Dass es nicht hämisch ist, es ist nicht irgendwie, Ey guck mal hier, der Assi. Es ist irgendwie ein liebenswerter Kerl. Der irgendwie, ja, das ist, glaube ich, wirklich, also? Ich habe da noch nie drüber nachgedacht, Aber natürlich ist das genau die Essenz, oder das ist das Entscheidende.

Olli Dittrich: Ja, das läge mir auch gar nicht. Und wie soll man sagen, also? Ditsche guckt immer von unten nach oben, der guckt nie von oben nach unten. Natürlich schlägst du die Hände über dem Kopf zusammen und mal neben dem Ganzen auch bisschen kalauerigen oder klamaukigen. Zeug, wenn er da wieder irgendwelche Weltgeräte erfunden hat oder so, das muss ja auch sein. Aber im Grunde genommen, verkörpert er All die, und jeder kennt, jeder kennt so mindestens einen, ob er nun irgendwo in der Kneipe am Tresen sitzt. Oder in einem Hotel an der Bar oder so, und den Barkeeper dicht quatscht oder so, Jeder hat bestimmt schon mal solche Begegnungen gehabt von Leuten, die am Ende des Tages immer eine Antwort haben. Auf Fragen, die vielleicht auch große Fragen, die im Raum stehen, Aber, für die es eben entweder keine Antworten gibt oder noch niemand eine Antwort kennt. Da trumpfen. Diese Leute besonders auf, weil sie immer wissen, wie Dinge zusammenhängen, sie schrauben, also. Ditsche schraubt auch die abenteuerlichsten Ereignisse zu einem Ereignis zusammen. Und erklärt, warum dies oder jenes so oder so oder so ist. Und natürlich ist sozusagen die Klammer der Sendung auch immer gewesen, dass wir das Wochengeschehen so ein bisschen sammeln. Und dann schauen, wie können wir das eine oder andere Thema, Prominente Thema oder auch überhaupt nicht prominente Thema, aber eins, das wir ausgraben. Wie können wir die Dinge so miteinander verweben, dass ditcher irgendwie genau weiß, was kommt.

Sebastian Krumbiegel: Ist das vorher abgesprochen? Also mit Ingo, Du kommst rein und Sie wissen nicht, was du heute erzählst. Ich weiß keiner, was.

Olli Dittrich: Naja. Ich bin der Einzige.

Sebastian Krumbiegel: Und inwieweit ist dein Film im Kopf vor so einer Sendung schon klar? Oder inwieweit hast du so eine Art Halbes Script in deinem Kopf, dass Du sagst, das sind meine Themen?

Olli Dittrich: Naja, Die Themen schon, ne? Die haben wir vorher festgelegt. Es gibt so einen Think Tank, sag ich immer. Das sind drei, vier Jungs, Die beisteuern, Die mal so ein bisschen ihre Ideen zu aktuellem Geschehen. Dann mir in kurzen Absätzen, dann per E-Mail schicken. Ganz am Anfang haben wir auch richtig ein Meeting immer gehabt, wo wir zusammensaßen, so eine Brainstorming-Runde. Das machen wir jetzt eigentlich nicht mehr, wobei wir im Augenblick sowieso nicht wissen, ob wir noch weitermachen können oder nicht. Das ist jetzt alles gerade so ein bisschen in der Schwebe. Und dann finden wir eigentlich in der Regel immer irgendwas, Auch wenn es mal eine sehr dürftige Themenlage über die Woche war, Ist es ja auch so, dass ich sozusagen, wie man sagt, Horizontal. Auch, erzähle. Das heißt also, Es gibt in ditches Kosmos eine ganze Reihe von Leuten, Sein Freund Giovanni, seine Nachbarn, die Cargas und so und auch einige andere Leute, die über die Jahre, Einfach, weil sie in der Ditsche-Welt, die wir ja als wahre Welt behaupten, das heißt Ja auch Ditsche, das wirklich wahre Leben, eben einfach schlicht existieren. Also gibt es von denen auch immer wieder was Neues oder es gibt. Sachen, die in einer Folge anfangen, in der nächsten weitergehen, In der übernächsten auch weitergehen und weitererzählt werden, die wir dann verquicken, im besten Fall. Das wäre eigentlich das Beste, wenn es irgendwo eine, sagen. Wir mal, gab eine Meldung hier, weil wir um die Alster herum fahren, Sehr viele Autoposer. Also die da richtig Gas geben und machen, und Lambos, und irgendwie einen auf dicke Hose und so weiter. Und sie haben irgendwann mal einen Lambo aus dem Verkehr gezogen. hier, aber gar nicht, weil der da nun laut Röhrend einmal um die Binnenalzer geknattert ist, Sondern weil der so eine super Extra Lackierung irgendwie hatte. In so einem Goldton, so wie eigentlich nur Aubameyang, irgendwie Autos hat. Und man eben gesagt hat, Das ist eine Behinderung der Verkehrssicherheit, weil dieses Fahrzeug bei Sonneneinstrahlung andere Verkehrsteilnehmer blenden kann. Und er muss das Auto mit so einem Speziallack irgendwie lackieren, so einem Klarlack, wo so Kunststoffpartikel drin sind, die das Licht brechen. Das war eine Meldung. Das fand Ditsche natürlich Welt. Und hat dann eben seinem Nachbarn Herrn Kager, mit dem er seit Jahren im Clinch liegt, hatte er die Weltidee. Und das ist immer eigentlich der Ansatz. Ditsche tut grundsätzlich nur Gutes.

Sebastian Krumbiegel: Ich hab das gesehen.

Olli Dittrich: Und landet. Letztlich immer in einer Katastrophe. Manchmal nicht ganz so schlimm, aber gerade mit Herrn Kager ist das schon echt immer eine Nummer.

Sebastian Krumbiegel: Da hab ich den den Morgen lockiert.

Olli Dittrich: So, und da hat er dann sich selber, weil er gesehen hat, Herr Kager hat seinen Honda Accord von 1984, Den hat er gerade wieder aufpolieren lassen, hat Ditsche dann die Idee gehabt, oha, Die wollen doch jetzt am Wochenende nach Bielefeld fahren, Wenn der, der kommt ja noch nicht mal bis zu der Elbbrücken, Der wird ja sofort rausgewunken, weil er eben mit diesem Auto die Verkehrsteilnehmer bläddert. Also hat Ditsche aus Tortenguss. Hat er mit einer Parmesanreibe, hat er den Ersatzreifen von Herrn Kager. In der Garage, hat er einen Abrieb, Er hat einen Abrieb vollzogen und er hat diesen Abrieb mit Kleister und Tortenkuss in eine Melange gerührt. Und hat das dann in so einen Blumenzerstäuber mit Wasser noch verlängert und hat dann damit das gesamte Auto lackiert. Und Herr Kager hat mich schon getroffen auf dem Gang und hat gesagt, was ist das denn? Aus der Garage riecht es nach Erdbeeren. So, Und da war dann schon wieder der Ärger vorprogrammiert. Und dann hat er nämlich auch noch die Scheibenwaschanlage, hat er auch noch befüllt, weil es kann ja sein, wenn er jetzt auf Autobahn fährt, dass er nochmal nachschießen muss. Und das sind dann so Geschichten. Also die Ausgangsmeldung ist dann so eine klitzekleine Meldung, Lamborghini stillgelegt wegen Goldlackierung. Und da beiß ich dann halt sofort an. Das sind die Geschichten, wenn jetzt die großen Themen nicht sich aufdrängen, weil wir sie machen müssen. Sind es die kleinen Themen, die wir dann in dem Kosmos seiner Figuren, seiner Leute, die er um sich rum hat, dann sofort zu einer Größe erheben können. Das ist trotzdem immer mit dem Herz am rechten Fleck. Es ist manchmal mit größtmöglichem desolaten Ausgang, aber trotzdem irgendwie immer liebenswert. Also, ich habe ja auch in zwei Sendungen dann auch mal herrn. Kager, einmal habe ich Herrn Kager gespielt, zur Überraschung aller, Die dachten natürlich auch, Ditsche kommt ganz normal rein, kam er aber nicht, Dann habe ich Herrn Kager gespielt.

Sebastian Krumbiegel: Wissen Sie, ich kann nicht mehr. Ich kann einfach nicht mehr.

Olli Dittrich: Der hat immer so sein Herz ausgeschüttet. Dann trinken wir mal einen kleinen Küssennebel. Also, das geht so nicht weiter. Oder einmal habe ich auch Frau Kager gespielt, die auch reinkam. Da waren sie auch alle überrascht. Dann hat Schildkröte Gott, hab ihn selig, also PG, Der ist ja leider verstorben. Vor ein paar Jahren, Der hat tatsächlich bei Herrn Kager die ganze Zeit gedacht, das ist ein anderer. Ist aber auch witzig gewesen. klar.

Joël Kaczmarek: Wirst Du eigentlich manchmal Schizophren bei all deinen Rollen?

Olli Dittrich: Nö, noch nicht. Es sind viele Stimmen, Herr, Döckte, ich höre Stimmen. Nee, nee, eigentlich nicht. Aber sehr geil, Auch wie gesagt, also das zum Thema Authentizität. Selbst als ich also Trixi Dörfel, diese alternde Diva, gespielt habe, Da bin ich auch schon echt steil gegangen und habe mir wirklich echt in die Hose gemacht, das muss man sagen. Also, Sie hat ja dann, wo wir dann im zweiten Teil, Der erste Teil war Ja, Trixi Wonderland, wo Sie also richtig in so einem Glamour. Wie auch immer, Weihnachtsshow zu Hause, Stefanie Hertel empfängt. Und dann backen die einen Weihnachtskuchen und machen dieses und jenes und singen. Sie hat ihre neue Platte, Trixi Wonderland, mit neuen Weihnachtsliedern vorgestellt. Da habe ich dann auch einen richtigen Auftritt gemacht, in so einer Weihnachtsshow, in Suhl übrigens, wo die aufgezeichnet wird. Da haben die alle mitgespielt. Stadthalle Suhl. Ja, ja, alle bei der Generalprobe, original, alles aufgenommen. Und hier ist sie, Trixi Dörfel mit weißer Weihnacht oder so. Und im zweiten Teil, Der heißt dann Trixi Nightmare, Da gibt es dann ein bisschen, was Biografisches. Und da wird dann halt gezeigt, wie Gnadenlos das Boulevard zuschlägt, Wenn so jemand, dann irgendwie eine Entgleisung hat. In dem Fall war es eine Trunkenheitsfahrt. Und sie hat dann irgendwie, keine Ahnung, Irgendwo ist sie gegengefahren und sowas. Und das war dann im Boulevard groß, ausgeschlachtet und so weiter. Und wie sie dann so runterkommt und die Jobs verliert und keine Sendung mehr hat. Und so. Und da musste sie dann wieder mit ihrer Single, die sie als 17-Jährige aufgenommen hat, Zwei Kugeln Eis mit Sahne. Vanille Haselnuss, singt der Chor, die musst du mir erst schenken, dann kriegst du auch einen Kuss. Mit dieser Original-Single hat sie dann als Anfang 60-Jährige auf einem bayerischen Weihnachtsmarkt, hat sie dann eben zum Vollplayback ihrer Single, die sie mit 17 aufgenommen hat, Dann sozusagen performt, für kleines Geld.

Sebastian Krumbiegel: Das war sehr... Tragisch.

Olli Dittrich: Und das haben wir in echt gedreht. Also, da haben wir niemandem gesagt, da kommt jetzt Olli Dittrich in der Figur von, Sondern wir haben einfach auf diesem Weihnachtsmarkt einen Slot gebucht. Im Programm, wo dann eben die Brezen verkauft werden und die Herzen und das geschnitzte für Weihnachten und so. Und da bin ich dann als Trixi Dörfel ganz normal da aufgetreten. Und wir haben das mitgefilmt, wie die Leute da so stehen und irgendwie auch teilweise mit dem Kopf schütteln und andere klatschen so mit und so. Und da hinzugehen, das dann so wahrhaftig werden zu lassen, das ist eigentlich so... Mein Ding. Und das ist in allem eigentlich. Letztlich ist es genau die Art von auch erfundener Wahrheit, die die Dinge dann eben ans Licht bringen könnte. Unter Umständen.

Joël Kaczmarek: Ich habe gerade so eine Erinnerung. Ich habe mal eine Innovationstechnik gelernt, Die heißt Design Thinking und die hatten sozusagen so eine eigene Schule dafür. Und dann haben die auch manchmal Kurse gegeben, das sozusagen anderen beigebracht. Das nannte sich, glaube ich, European Masterclass. Das waren so, Ich glaube, 40 Leute. All Over Europe kamen die her und es waren ganz viele so Moderatoren und Comedians. auch. Oder einfach eigentlich Unterhaltungsleute. Und es gab da Leute, das war irgendwie faszinierend, das weiß ich noch, Da hat der eine einen Vortrag gehalten, Da ist der eine Mitten im Publikum aufgestanden. Und meinte, du, hier sind die 70er dran, Die wollen ihren Haarschnitt zurück. Der ganze Raum lachte. Dann war Abschlussparty von dieser Workshop-Reihe. Da war eine Frau, die stand so da, es war kalt. Dann ging der eine, Der kam natürlich aus Irland zu ihr hin. Und meinte so, oh, du hast ja ganz harte Nippel. Warte mal, dann hat der angefangen, vor ihr, so in der Luft zu drehen. Und so getan, als wenn sie ein Radio wäre und hat sozusagen die Frequenz eingedreht. Die Frau hat schallend angefangen zu lachen, und ich saß so da und habe gedacht, Wahnsinn, Was für eine feine Steuerung, also, das kann halt total lustig sein oder total daneben gehen. Dann habe ich den, sozusagen, das ist jetzt die Überleitung zu der Frage, Dann habe ich ihn angesprochen und habe gesagt, kann man lustig sein. Eigentlich lernen? Wie machst du das? Hast Du da irgendwie ein Element für dich? Und er sagt so, nein, das kann man nicht lernen, das steckt in einem drin. Und ich glaube das irgendwie bis heute nicht. Wie ist es bei dir? Hast du für dich so ein Rezept, was irgendwie witzig ist und was nicht?

Olli Dittrich: Naja, Die gleiche Frage Könnte man, und das gibt dir vielleicht dann in anderer Form? Die Antwort, das Gleiche kannst du auch jeden Musiker oder jeden Schriftsteller? fragen. Ich sag mal, Talent schadet nicht, und grundsätzlich ist das Talent das Wichtigste und die Ausgangsbasis für alles. das, Was dann kommt. Und wenn du kein komisches Talent hast, du kannst zwar Humor haben, ja, also, ich kenne viele Leute, die Lachen und die Spaß haben und die auch guten Humor haben, die über wirklich... Bisschen Tricky Sachen, lachen können und sowas, heißt aber noch lange nicht, dass die Dich zum Lachen bringen können. Und das ist etwas, was wirklich auch genauso wie musikalisches Talent eben gegeben ist. Du kannst das Handwerk erlernen und natürlich kannst du, ich sag jetzt mal, einen Sketch, den man schreibt. Oder eine komische Situation, die man spielt, kannst du so performen, dass Sie nicht lustig genug ist. Und du kannst sie auf der anderen Seite so darstellen, dass du sofort lachen musst. Gibt ja auch so Leute, Otto ist erwähnt worden. Mirko Nonschef ist so jemand, mit dem ich die Ehre hatte, zu arbeiten. So ein funny Bone. Leute, die reinkommen und du sagst, Wie viel Uhr ist es? Halb acht. Und du musst halt lachen. Du weißt nicht, warum, aber du musst lachen, weil Sie einfach was ganz Ursächliches, Komisches in dir anregen, was einfach auch komisch ist. Dazu muss man auch ein Gefühl haben und einfach ein Talent, eine Begabung haben. Und es gibt ja sehr viele. Facetten und sehr viele Möglichkeiten, wie man Komik erzeugt. Und wie auch im Musizieren, keiner erfindet die Tonleiter neu. Und trotzdem gibt es immer wieder neue Songs, und es gibt immer wieder Leute, die ihre ganz eigene Musik machen, wo man sagt, das kann nur der. Und so ist es in der Komik eigentlich auch. Die größten Komödianten, Auch die, die meine Vorbilder sind, Dazu zählen auch Leute, die leider keiner kennt. Die sehr erfolglos verstorben sind. Am Ende wie Heino Jäger, Mein ganz großes Vorbild, über den ich einen eigenen Podcast machen könnte, Weil es ein ganz großes, bedeutendes Stück deutsche Humor-Kulturgeschichte ist, an dem dieses Land komplett vorbeigegangen ist. Der ein unglaubliches Werk hinterlassen hat, nicht zu fassen, war auch ein ganz toller Maler und Zeichner. Helge Schneider, grandios. Übrigens ganz, also natürlich weiß ja, jeder, brauche ich nicht, erzählen. Jeder, der ein bisschen alle Tassen im Schrank hat, weiß, was für ein Könner, das ist. Niemand macht es so, wie Helge Schneider. Also das ist die Antwort. Er hat seine ganz eigenen Wege und eine hundertprozentige Treffsicherheit, in der Impro den Moment zu gestalten, aus den noch so unscheinbarsten Dingen Komik zu erzeugen. Und das ist halt einfach sein gottgegebenes Talent und seine unglaubliche Musikalität, die häufig auch, natürlich, mein Timing ist alles. Und auch den richtigen Moment für die Pointe und wann auch etwas vorbei ist, zu erkennen, das ist eben schon Talentfrage. Natürlich kannst du auch Handwerk lernen, das musst du ja auch, das gehört ja auch dazu, schließt sich auch gegenseitig Ja nicht aus.

Joël Kaczmarek: Nein, ich habe gerade so im Kopf, meinen Sohn abends, Dem habe ich immer vorgelesen. Und irgendwann wurde mir das zu langweilig, Dann habe ich mir Geschichten ausgedacht und ich glaube, da bin ich ein bisschen deiner Welt. nah, also weiß ich, wie du dich fühlen musst, wenn du eine Geschichte beginnst und hast keinerlei Ahnung, wie sie endet. Klar. Also eine Sache ist mir hängen geblieben, da ging es irgendwie so, ja, okay, weiß ich nicht, Winnie Puuh geht schwimmen so und dann... Dachte ich so, wie baust du es zu Ende? Und am Ende war die Story, Der Weihnachtsmann hat seinen Schlitten verloren, Der ist nämlich in den See gestürzt und Winnie Puuh findet ihn. Und dann kommt er wieder raus. Und dann hast du so eine Auflösung, so ein, wie sagt man, es war ja nicht lustig, aber du hast so ein Syge, genau. Und das frage ich mich, ob du das auch hast, wenn du bei digital am Set sitzt, dass du dann sagst, okay, hier Lamborghini und dann, Also, ob du dir den Bogen, so Baust oder ob der sich einfach findet?

Olli Dittrich: Sowohl als auch. Also, ich habe in der Regel immer drei, vier, fünf Themen, die wir ja vorher auch sammeln. und... Zu denen es, sag ich mal, komische Sichtweisen, so will ich mal wertneutral sagen, gibt durch ditches Brille. Was er dazu sagt, was er davon hält, wir haben da immer so diesen Dreisatz, Was ist passiert, Woran könnte es gelegen haben, Gerade, wenn es so Dinge sind, die keiner so richtig erklären kann, mysteriöse Vorgänge und ein Lösungsweg, den er dann natürlich hat und im besten Fall nur er. Wenn er dann reinkommt, weiß, was, sagt er. ja, geht dann immer los. Weiß, was, da ist noch keiner drauf gekommen und so. Und dann geht das ja los. Das ist schon auch vorbereitet, Aber ich versuche immer, die Balance zu halten, nicht zu viel vorzubereiten, zu viel zu wissen. Und wenigstens jetzt verteilt über die Themen und über die ganze Sendung, sage ich mal eine halbe Stunde, Ist das ja wenigstens 30 bis 50 Prozent wirklich frei, innerhalb zu gestalten.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe manchmal das Gefühl gehabt, dass du dich sozusagen bei Ditsche selbst überraschst mit Sachen, die auf einmal passieren. Ja, na klar. Lachen muss, dass du selbst irgendwie auf einmal denkst, ey, das ist ja echt geil, was ich da gerade, erzähle. Ja,

Olli Dittrich: oder auch mit Flemming zusammen. Also ich weiß nicht, es gibt auf YouTube Ja Fanclips, die geilsten Lacher. Und so, wenn wir zwei Halt uns so hocharbeiten, dass wir komplett aus der Kurve fliegen. Wenn es also immer absurder wird, wenn irgendwie, da weiß ich noch, war mal eine Geschichte, legendär, Die Waschbär-Geschichte, wo Ditsche eigentlich nur einen Lappen gesucht hat, glaube ich. Und das war dann, Aber ich weiß gar nicht mehr, was das jetzt genau für ein Ablauf war, Aber auf jeden Fall war er längere Zeit. In dem Dialog der festen Überzeugung, dass hinter der Verkachelung seiner Badewanne eine Waschbärfamilie lebt. Weil die Gerüche, die dort sozusagen zu vernehmen waren, ihn irgendwie an seine Kindheit erinnert hat, wo er mal irgendwie mit seiner Mutter im Zoo war und dort am Waschbärgehege. Und das war so ein Geruch. Und er hat das erinnert und so. Also, es hatte auch eine Zeit lang, glaube ich, sogar, was Poetisches, so ein bisschen. Und am Ende des Tages war es aber wirklich nur so ein alter, stinkender Lappen, der hinten in so eine, wo die Wanne dann nicht mehr richtig an der Wand war, Ist dieser Lappen dann da wohl mal durchgesickert und hat dann da drinnen sein Unwesen getrieben und Biotope erzeugt, die diese Gerüche ausgelöst haben. Aber die Geschichte ist eben genau andersrum, erzählt worden. Genauso wie Ditsche Mal reinkam mit einem Pflaster im Gesicht, Da hatte er sich dann geschnitten beim Rasieren. So und dann war die Kette, Aber wieso hast du dich denn geschnitten? Ja, weil ich mich im Dunkeln rasiert habe. Ja, was, wieso hast du dich, denn im Dunkeln rasiert? Und dann hat er dann erzählt, er hat sich im Dunkeln rasiert, weil er Silberfische aushungern wollte. Wieso wolltest du Silberfische aushungern? Ja, weil er hat mal gelesen, Ein Wissenschaftler, Und das war dann am Ende die Meldung, die in der Zeitung stand, Die kam dann ganz am Ende als Erklärung. Das werde ich nie vergessen. Wissenschaftler lebte sechs Jahre von Licht. Das war eine Meldung, Da habe ich gesagt, das kann fast nicht wahr sein. Da war da irgendwie so einer von diesen spinnerten Verschwörungstheoretikern, die eben so, gibt. Auch glaube ich so eine Sekte, so eine Lichtsekte und sowas, Und der lebte also von Licht. Also haben wir uns das gepickt, was am meisten dazu hertaugt. Und Ditsche hat sich dann eben überlegt, wenn einer so lange Zeit von Licht lebt, bedeutet das ja im Umkehrschluss, dass Dunkelheit hungrig macht. Und das war dann sein Ansatz, eben Silberfische auszuhungern, die bei ihm im Bad eben vorkommen. So, UND das... Aber von der Kette her fing es also sozusagen damit an, dass er mit einem Pflaster reinkam. Also, er hat sich geschnitten. Das sind so die Bausätze oft. Das ist zum Beispiel sowas, was dann schon ein bisschen strukturierter wäre, aber innerhalb dessen auch trotzdem viel Platz für Impro. Natürlich lässt, weil keiner weiß ja, was passiert. Also man weiß ja nicht, wie dein Counterpart darauf einsteigt, der gar nichts weiß. Ja, es kann ja auch sein, dass der plötzlich irgendwas dazu sagt oder auch eine Inspiration hat, die so witzig ist. Oder in so eine andere Richtung galoppiert, dass man die dann gleich nimmt. Und dann verlässt man das Thema auch. Das musst du immer. Du musst also in dieser Art von Impro-Kammerspiel, musst du immer bereit sein, in jeder Sekunde, das Terrain zu verlassen und das aufzunehmen, Was frisch passiert. Weil ich glaube, die Erfahrung, die ich auch damit gemacht habe, ist, Das Publikum liebt nichts mehr, als dabei zu sein, Wenn etwas entsteht. Das ist ein Spirit, den kannst du auch, da brauchst du nichts einblenden und sagen, Gerade jetzt erfunden, live gesungen und so ein Scheiß. Das merken die Leute, die merken das, wenn Sie dabei sind, wenn etwas entsteht.

Sebastian Krumbiegel: Geht mir ja genauso. Also, ich wollte das vorhin schon sagen, als du sagtest irgendwie, dass es ja eigentlich alles schon gibt. Und dass es das immer nur in anderen Variationen gibt. Also wenn ich einen Song schreibe, also, ich mache das jetzt mittlerweile immer so, dass ich das per Sprachmemo am Klavier einfach auf meinem Handy aufnehme. Und dann wirklich die erste Version, die erste, nur die Melodie oder nur der erste Satz, Dann habe ich so richtig die kleinen Bausteine, wo dann wirklich innerhalb von vier Stunden auf einmal ist. Ein Lied da und es gibt nur zwölf Halbtöne, und man kann sie nur irgendwie nochmal verquirlen. Und es gibt nur so viele Worte, und es gibt nur so viele Themen. Und am Ende ist das schon ein kleines Wunder, eine kleine Geburt einer neuen Sache. Das ist schon geil.

Olli Dittrich: Ja, und ganz am Ende, Das Bindeglied bist eben du. Deswegen gibt es unendlich viele Möglichkeiten. Was weiß ich, Nimm irgendeinen Song von den Beatles, den jeder kennt und hol mir zehn Bands, die das auswendig lernen in der Besetzung. Und die spielen alle diesen Titel, und ich sag's dir, du wirst. Zehn Versionen haben.

Sebastian Krumbiegel: Richtig.

Olli Dittrich: Obwohl alle Dasselbe Spielen oder alle Dasselbe zur Verfügung haben, so möchte ich sagen.

Sebastian Krumbiegel: Das war übrigens immer im Studio. Eine Herangehensweise von Annette Humpe. Wenn wir nach Argemar gesucht haben, für ein Lied, das eigentlich schon da war, dass sie immer gesagt hatte, wie würde das David Bowie singen, Wie würden das die Beatles machen, Wie würde das ACDC machen. Und das ist schon geil. Und das ist schon auch eine echte Inspiration, weil sich das, ohne zu klauen, Es inspiriert dich einfach nur. Und es schickt dich auf die Reise, schickt dich irgendwo hin.

Olli Dittrich: So funktioniert es mit jeder Art von Inspiration. Also niemand von uns, von uns sowieso nicht, aber auch die großen Heronen, die wir alle als unsere Vorbilder sehen, Ob in der Musik oder, Keine Ahnung, in der Malerei, in der Literatur, keine Ahnung, All diese Leute haben zu ihrem Zeitpunkt, als sie angefangen haben, als sie klein waren, Kinder waren, als ihr Talent sozusagen, sich in ihnen bemerkbar gemacht hat, irgendwen oder als Vorbild. gefunden, der eigentlich das Angeschwungen hat, in ihnen, was am nahesten ist, emotional. Und deswegen auch die Beatles haben nachgeäfft am Anfang. Die haben auch irgendwie Chuck Berry und Carl Perkins und Lonnie Donegan nachgespielt. Ja, hier in Hamburg live gespielt, klar.

Joël Kaczmarek: Auf Deutsch glaube ich sogar auch, ne?

Sebastian Krumbiegel: Teilweise, ja.

Olli Dittrich: Das gibt's, ja. Komm, Gib Mir Deine Hand. Oh, du bist so schön, schön wie ein Diamant. Ich will mit dir gehen. Komm, Gib Mir Deine Hand.

Joël Kaczmarek: Wann ist denn Ditsche? Zu Ende? erzählt eigentlich?

Olli Dittrich: Der ist gar nicht zu Ende, erzählt, Weil ja dauernd, was Neues passiert.

Joël Kaczmarek: Hast du das sozusagen, also ich meine? So habe Kerckling, weil es ja zum Beispiel jemand, der ähnliche Arbeit macht, wie du, oder ähnlich will ich gar nicht sagen, Aber es ist ein vergleichbares Territorium und wo man so den Eindruck hat, der begräbt irgendwann eine Figur und ist mit der abgeschlossen. Hast du sowas auch?

Olli Dittrich: Also, einerseits reizt mich das jetzt gerade, was diese Zyklusfilme angeht, die wir gemacht haben, von denen wir auch immer mal wieder einen neuen machen. Natürlich auch, möglichst neue Figuren zu erfinden, Da ist es jetzt über die zehn Filme auch gelungen, Dass die Figuren auch als wahr behauptet werden und gelegentlich irgendwo, Und sei es nur in Zitaten, irgendwo anders wieder vorkommen oder länger dann plötzlich monothematisch eine Sendung machen. Die lege ich nicht wirklich gezielt ab, aber ich habe da auch jetzt keinen Plan, mit denen dann länger was zu machen. Bei Ditsche ist das irgendwie ein anderer Fall. Ditsche ist so ein, der lebt einfach, der ist da. Und selbst, wenn ich, weil ich habe das ja nicht zu entscheiden, das hat ja in dem Fall der Sender zu entscheiden, Ob es Sendeplätze gibt und ob das noch weiter im Programm stattfinden kann, unabhängig davon, was das Volk will.

Sebastian Krumbiegel: Ich wollte davor übrigens schon kurz reingrätschen, als Du andeutetest, dass das nicht klar ist, Wollte ich gleich unsere Zuhörermeute auffordern und zu sagen, hey, wo muss man sich hinwenden? Und eine Petition pro Ditsche. Ja, das wäre ja wirklich traurig. Das ist ja eine Kunstfigur, ein Kulturgut.

Joël Kaczmarek: Aber da sind wir doch eigentlich bei unserem Thema. Kunst trifft digital. In Zeiten der Digitalität brauchst du doch gar keinen Sender mehr, um Ditsche Leben zu lassen, oder?

Olli Dittrich: Das ist ein sehr komplexes Thema, Weil natürlich bin ich im besten Sinne, sage ich immer, im besten Sinne eher Old school. Ich gebe zu, dass ich auch, wenn es jetzt um Social Networks geht, eigentlich praktisch nicht vertreten bin. Ich habe noch nicht mal WhatsApp. Und ob es jetzt ein Instagram-Account ist oder auf Facebook oder so, Was ja eigentlich auch schon für die alten Leute, wie man mir gesagt hat, ist, da war und bin ich nicht aktiv. Ist vielleicht auch ein großer Fehler, kann gut sein. Und ich weiß nicht so genau, wie das mit Ditsche So ist. Also das Publikum, das sich Ditsche über das Fernsehen erobert, hat, Das Publikum ist da wahrscheinlich ganz ähnlich. Würde jetzt nicht unbedingt im Netz danach suchen.

Sebastian Krumbiegel: Ich glaube jetzt eher, wenn du jetzt zu Netflix gehst. Zum Beispiel und sagst, hey, mein Name ist Olli Dittrich, mein Komischer Sender, Die verstehen das nicht, dass Ditsche eine großartige, ein Weltkulturerbe ist. Weltkulturerbe. Also dann, Die würden doch sagen, die würden dich doch mit Kuss annehmen, die würden doch sagen, Hey, geil, machen wir doch mal hier irgendwie eine Staffel. Und du kriegst doppelt so viel Kohle. Du,

Olli Dittrich: weiß ich gerade nicht. Also, ich habe ja auch Leute um mich rum, die mich da gut beraten und betreuen.

Joël Kaczmarek: Ich würde es dir aber sogar noch zuspitzen. Ich würde ja sagen, Ditsche, machst du doch auch gar nicht fürs Publikum, sondern eigentlich für dich. Und das Publikum hat das Privileg, dem beizuwohnen, oder?

Olli Dittrich: Ja, naja, so rum, kann man das natürlich erzählen. Aber in Wahrheit knüpfe ich an das an, was ich am Anfang gesagt habe. Und mache das immer für Publikum. Sonst kann ich es ja auch zu Hause für mich alleine machen. Also, natürlich will man Leute erreichen. Und DJ ist ja auch, wie ich neulich sehr, sehr zu meiner Freude tatsächlich in der, Ich glaube, Süddeutschen gelesen habe, Da war ein größerer Aufsatz über Ditsche und gerade in Corona-Zeiten, Dass er ja auch so der letzte Volksheld. Eigentlich ist, aber in diesem Bereich, der also losgeht und irgendwie auch was dazu zu sagen hat. Und wir sind ja auch von Corona quasi kalt erwischt worden in unserer letzten Staffel. Und haben nach drei Sendungen, da den Schalter schließen müssen. Da hat Ditsche sich ja auch zu Corona schon zahlreich geäußert mit allen möglichen Weltideen. Unter anderem aus der Melitta-Filtertüte und dem Kaffeefilter selbst aus Plastik und einer Unterhosen-Gummi-Konstruktion sich eine eigene Maske gebaut hat, was schon arschkrank genug war, ehrlich gesagt. Und das Beste aber, Der Topper war wirklich, dass irgendwie drei oder vier Wochen später las ich irgendwo eine Meldung, Dass Melitta jetzt auch Masken herstellt. Und wahrscheinlich genau die gleiche Perforierung dann zum Stanzen, irgendwie wie für die Filtertüte, weil die auch wirklich genau darüber passt. Also, wir sind in guten Gesprächen. Und ich hoffe, dass es da weitergeht, aber sagen und versprechen schon gar nicht, kann ich nicht. Und ich bin ja im letzten Jahr unter anderem auch deswegen, weil ich auch wieder dahin wollte, wo Ditsche eigentlich herkommt, nämlich von der Bühne. War ich ja im letzten Jahr auf Deutschland-Tournee mit Ditsche ganz alleine. Also wirklich so, wie es ganz am Anfang mal war. Einen Spot, einen Mann mit Bademantel und all die Tüte und zweieinhalb Stunden Programm am Stück. Festen Elementen und auch mit Importeilen. Und das war eine ganz großartige Erfahrung, die ich viel eher schon hätte machen müssen, muss ich sagen.

Sebastian Krumbiegel: Live ist live.

Olli Dittrich: Ja, da kommt alles her und da holst du auch alles her. Und da hast du auch, Ich sag jetzt mal, ohne ketzerisch rüberkommen zu wollen, da hast du auch natürlich die unmittelbarste Reaktion. Also das ist beim Zum Lachen bringen, Ditsche muss ja nicht immer zum Lachen bringen, Es hat auch im Live-Programm sehr tragische Momente gegeben, vor allen Dingen. Ditscher erzählt Wie Schildkröte eben, dass der nicht mehr lebt und dass der gestorben ist. Und so, das ist ein längerer Teil, da musst du schon tief durchatmen. Das kannst du aber mit der Figur locker, Das geht ohne Mühe. Und das war eine ganz tolle Erfahrung, muss ich sagen, für mich, das so zu machen.

Joël Kaczmarek: Deswegen, also je mehr. Du redest, desto fester bin ich der Überzeugung, dass du nicht auf irgendeine Quelle angewiesen bist, um diese Figur fürs Publikum am Leben zu halten. Oder bin ich da?

Olli Dittrich: Das mag so sein, Natürlich sind das gewachsene Strukturen. Und ich bin natürlich auch dem WDR und einigen Personen, die das ganz besonders unterstützt haben, Vor allem in den ersten Jahren, natürlich auch zutiefst, dankbar und auch zutiefst. loyal. Das ist auch eine Eigenschaft, die mir sehr anhängt. Also, da muss schon einer bei mir wirklich irgendwie silberne Löffel klauen oder mich zutiefst verletzen oder betrügen. Oder keine Ahnung, bevor ich jetzt sage, so mit dir nicht mehr. Also, ich betrachte das auch als großes Privileg, dass mich ein Sender über so viele Jahre unterstützt hat. Und so ein krudes Programm, letztlich. Also ich meine, ich weiß noch, wie wir da damals angetreten sind. Ich habe einen Pilot gedreht, mit Flemming zusammen in diesem Imbiss nach wie vor, in dem wir das machen, mit diesen Überwachungskameras. Das hatte ich mal gesehen, als ich mal so einem Pförtner über die Schulter geguckt habe. In einer Bank. Der irgendwie diese vier Monitore da hatte und hatte dann immer so alle paar Sekunden das Bild umgeklackt. Und da wurde dann irgendwie, Was weiß ich, das Parkhaus gezeigt und die Eingangshalle und so. Da dachte ich, geil, das sind irgendwie echt. Kranke Bilder, Daraus müsste man eine Fernsehsendung machen. So ist diese Idee entstanden. Und das läuft ja auch durch den Rechner. Also, da sitzt keiner an einem Bildmischer, der irgendwie die Kameras drückt, sondern das sind sechs Kameras mit entsprechenden Längen. Die einen zwei stehen in sechs Sekunden, eine fünf und die anderen vier. Oder so. Und die laufen eben durch einen Rechner, durch ein Programm, und das schaltet automatisch immer, so klack. Klack, schaltet so um, Damit es eben auch diese Authentizität hat und der Zuschauer jetzt sozusagen nicht etwas für eine Kamera inszeniert vorgefertigt, kriegt, sondern er ist wirklich per Zufall dabei, Wie etwas entsteht. Weißt du,

Sebastian Krumbiegel: welche Kamera in welchem Moment an ist das ja? Das wusste ich nicht,

Olli Dittrich: das ist echt geil. Nein, Das ist also größtmögliche freie Gestaltung und größtmögliche Freiheit. Also wir haben sogar mal ganz am Anfang, weiß ich noch, haben wir, war Moritz Bleibtreu Gast. Und der hat dann einen Assistenten vom Hausmeister gespielt, der da irgendwas zu reparieren hatte, an so einer Getränkemaschine da. Und da habe ich ihm dann vorher schon, erklärt, wie das mit den Kameras ist und dass wir natürlich eingreifen können, wenn wir wollen, also, wenn er das möchte und sowas. Und dann sagt er, nee, nee, mach das Mal so, wie ihr das macht und dann so. Edit by accident. Und dann, Das war ja nur ein kurzer Auftritt, kam dann rein, dackelte so hinterher, gib mal hier. Und dann hat er irgendwie was geschraubt und ist wieder raus. Sechs Kameras wohlbemerkt. Das muss man schon hinkriegen, dass man da nicht gesehen wird, bei diesen sechs.

Sebastian Krumbiegel: Und nur von hinten war es.

Olli Dittrich: Aber er hat es hingekriegt. Und ich weiß noch, dass Detlef Burg mir damals dann ein SMS geschrieben hat und hat dann nur geschrieben, war das Bleibtreu? Weil es war wirklich tatsächlich nicht, Nur einmal ganz kurz war er dann zu erkennen, ging er dann so ins Bild und klack, wieder war genau die andere Kamera dran. Und das ist halt das Tolle daran, dass wir das auch so beibehalten.

Joël Kaczmarek: Du hast ja vorhin so ein bisschen kokettierend gesagt, dass du dich in Erfolglosigkeit geübt hast.

Olli Dittrich: Ja.

Joël Kaczmarek: Ja, anfangs und jetzt bist du sehr erfolgreich. Wie fühlt sich deine Kunst denn an, wenn Sie erfolgreich ist und wenn du sie als nicht erfolgreich empfunden hast? Also hat Erfolg bei Dir was verändert, so von der Emotionalität, wie du es erlebst?

Olli Dittrich: Nee.

Joël Kaczmarek: Komplett gleich?

Olli Dittrich: Erfolg bedeutet für mich in diesem gesamten Kosmos, das tun zu können, was ich tue. Und im besten Fall immer wieder, was Neues noch machen zu können, die Möglichkeiten zu haben, dass ich das realisieren kann. Aber auch besser geworden zu sein, in einigen. In anderen noch lange nicht ausgelernt zu haben, Aber grundsätzlich dieses Leben leben zu dürfen. Also, ich habe ja, bevor ich dann wirklich mir diese Freiheit erkämpft habe. Über eine doch durchaus größere, persönliche Krise in den 80er Jahren, Nachdem ich erst nach meinem Theatermaler-Ausbildung drei Jahre mit Examen, damals an der Deutschen Oper in Berlin, Was ein ganz toller, erlernter Beruf ist im Übrigen, und danach ja fast einer achtjährigen Tätigkeit bei der deutschen Grammophon, bei Polydor. Da bin ich da so reingerutscht, weil ich wollte immer mit meiner Musik berühmt werden und da irgendwie weiterkommen. Und dann ergab sich in der Situation, Dass ich als Plattenpacker bei der Polydor im Importlager im Keller irgendwie Schallplatten einpacken durfte. Und da dachte ich, da hast du schon mal ein Bein in der Tür und da Plattenfirma. Und da lernst du Leute kennen und hin und her. Und tatsächlich Meine musikalischen Kenntnisse haben dann auch Stück für Stück. Mich von Abteilung zu Abteilung getragen. Und letztlich dann als Product Manager auch arbeiten lassen. Und so Zeug. Also, eigentlich habe ich das Geschäft auch von der anderen Seite sehr ausführlich kennengelernt, Aber trotzdem war es halt die falsche Seite des Schreibtischs. Und immerhin sind dann mit der Lehrzeit zusammen so zehn bürgerliche Jahre, sage ich jetzt mal, Bürgerliches Arbeiten im herkömmlichen Sinne zusammengekommen. Und das mit viel Schmerzen auch bedeutet hat, dann, das doch aufzugeben und meinem Weg zu folgen. Und ich weiß, wofür ich das getan habe. Ich weiß, was ich dafür durchgemacht habe, in den Jahren. Und deswegen ist das... Hört sich jetzt vielleicht etwas kitschig an, Aber das ist für mich in Wahrheit auch der Erfolg. Und da nicht aufgegeben zu haben und einfach der eigenen Liebe nachgegangen zu sein. Also, das habe ich jetzt auch meinem älteren Sohn, der kann man schon sagen, der ist ja jetzt erwachsen und wird auch an... Wahrscheinlich toller Musiker, jedenfalls mit großem Vaterstolz, würde ich sagen, dass er tolle Songs schreibt, der auch den akademischen Weg eher geht und das auch studiert. Und so weiter.