Matthias Killing (Sat.1): Die Welt des Moderierens

15. Juli 2020, mit Joël KaczmarekSebastian Krumbiegel

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Joël Kaczmarek: Kunst trifft digital,

Sebastian Krumbiegel: der Podcast.

Joël Kaczmarek: Hier erfahrt ihr jede Menge über Kunst in Zeiten der Digitalisierung und das Hautnah von ganz fantastischen Künstlerinnen und Künstlern. Mein Name ist Joël Kaczmarek, Wie immer an meiner Seite, Mein Treuer Freund, der Liebe Sebastian Krumbiegel. Hallo Sebastian.

Sebastian Krumbiegel: Mein Treuer Freund, das hast du ja so noch, nie gesagt. Nein. Das ist ja schön, da freue ich mich jetzt. Wir kennen uns noch gar nicht so lange, aber es hat sich schon da irgendwie, Ich glaube, da bahnt sich was an. Hey, Leute, grüßt euch.

Joël Kaczmarek: Ja, ich hab dich ins Herz geschlossen, was soll ich sagen? Aber liebe Leute, ehe wir in eine tolle Folge mit euch starten und ihr erfahrt, Wen wir dieses Mal Grandioses zu Gast haben, mache ich nochmal die emotionale Musik an und ihr lernt unseren heutigen Sponsor kennen. Und Leute, Beim Thema Einrichtung müsst ihr euch jetzt einen Namen merken. ROOMHERO. ROOMHERO ist ein digitaler Inneneinrichter aus dem Schönen Frankfurt. Und das läuft so. Am Anfang einer Büroeinrichtung, Und ich weiß, wovon ich rede, steht immer ein riesiger Zeitaufwand. Langwierige Absprachen mit Innenarchitekten, die zwar die Einrichtung planen, aber nicht liefern. Die Möbel liefert dann der Händler, baut sie aber nicht auf. Und die Handwerker, die sie letztendlich aufbauen, sind oft nicht die besten Dekorateure oder schließen die Beleuchtung nicht an. Wer das alles selbst koordinieren will, glaubt mir, verliert mehrere wertvolle Arbeitswochen. Der ROOMHERO Office-Konfigurator beschleunigt diesen langnervigen Prozess. Und zwar teilt der Kunde einfach online mit, was genau er für sein Büro benötigt, Wie viele Arbeitsplätze er braucht und welcher Stil ihm gefällt. Dann übersetzt sein Algorithmus die Antworten in ein Einrichtungskonzept. Und die Innenarchitekten von ROOMHERO sorgen für den Feinschliff und stimmen das Einrichtungskonzept perfekt auf die Wünsche des Kunden ab. Denn trotz Algorithmus wird jeder Kunde bei ROOMHERO von einem persönlichen Ansprechpartner betroffen. betreut. ROOMHERO weist also schon vor dem ersten persönlichen Kontakt, Welche Einrichtungen sich die Kunden wünschen? Und reagiert direkt mit einem Festpreisangebot. Wenn das für dich interessant ist, dann schau dir ROOMHERO, jetzt einfach mal selbst an. Ich habe dir unter digital kompakt Slash ROOMHERO eine Weiterleitung eingerichtet. Und natürlich verlinke ich dir das auch in den Shownotes. Und alle Sponsoren findest du immer auch auf unserer Sponsorenseite unter digital kompakt slash Sponsoren. Der Mann, der uns heute besucht, den habe ich auch ins Herz geschlossen. Vielleicht denkt ihr, ich war das schon bekloppt, Aber was erzählt der hier für einen Kack? Aber es war wirklich so, wir kannten uns nicht. Wir haben uns in der Location kennengelernt, sozusagen live, wo wir Fotoshooting hatten, Promoshooting für unseren Podcast. Also hier, geht mal auf Instagram, Liebe, Freunde und Hörer. Da könnt ihr uns sowieso mal abonnieren. Und ich habe ihn getroffen und dann habe ich gedacht, woher kennst du die Stimme? Und habe ihn angesprochen. Dann meinte er, ja, ich mache irgendwie SAT.1 Frühstücksfernsehen und so. Und dann habe ich gedacht, ach, ja. Und habe mich als Fan geoutet. Ja, was, glaube ich, lustig ist, weil gefühlt denkt man immer, Frühstücksfernsehen gucken nur irgendwie so. 40-jährige Hausfrauen, um jetzt mal hier voll in die Sexismus-Ecke gleich reinzuregen. Aber ich finde, er macht das ganz, ganz toll. So, also, Liebe Hörer, um jetzt mal hier aber sozusagen ordentlich anzuteasern.

Sebastian Krumbiegel: Matthias Killing, Yeah,

Joël Kaczmarek: Hi,

Matthias Killing: vielen Dank. Ich freue mich wahnsinnig, hier zu sein. Ich freue mich, gemeinsam mit euch, die nächste Zeit hier zu verbringen. Und vor allem sehr gespannt auf die vielen Fragen, Ihr werdet euch vorbereitet haben. Es war in der Tat ein sehr spannendes Zusammentreffen. Sebastian habe ich an dem Tag erkannt und dachte, okay, was machen die denn hier? Und dann war das ein sehr nettes Gespräch miteinander, was ICH in... Beste Erinnerung habe und dann folgte direkt die Einladung. Also, man muss einfach mal ab und zu in der Stadt unterwegs sein.

Joël Kaczmarek: Ja, ich stand neulich auch vor unserem Büro und da war so, Ich könnte schwören, dass an mir Toni Garrn vorbeigelaufen ist, Das Model.

Matthias Killing: Und du bist nicht hinterhergelaufen?

Joël Kaczmarek: Ich hab meine Freundin gesagt, das ist doch Toni Garrn, oder? Und Sie so, hä, was? Wer ist denn das? Ich sag so, hallo, du liest doch die Klatschzeitung, Was ist denn mit Toni Garrn? Nee, komm, geh, mal gucken. Dann sind wir an die Ecke gegangen, hier so hinterher, was mir ja schon so latent Dumm vorkommt. Die saß dann hier bei uns, in der Ecke, beim Eismichel. Sag ich, natürlich ist die das. Nein, das ist die nicht. Sag ich, doch, das ist die. Nein, das ist die. Wir haben so lange ein Foto daneben gehalten und und mussten irgendwas finden, was irgendwie so wirkt, als wenn wir uns über was anderes unterhalten. Also, man sieht, Manchmal macht man sich auch echt zum Arsch. Ich schwöre dir,

Sebastian Krumbiegel: das hat sie gemerkt. Ich glaube, ich auch. Ich hab da voll antennen für. Ey, Das nervt. Weißt du, wenn mich jemand anspricht, ist immer okay. Aber wenn jemand sagt, es ist der, es ist der, das ist irgendwie ätzend.

Matthias Killing: Ich denke ja immer, Leute, fragt mich doch einfach. Genau, genau. Guten Tag, hallo. Sind sie?

Sebastian Krumbiegel: So sieht's aus.

Joël Kaczmarek: Liebe Toni Garrn, wenn du das hier hörst, es tut mir unglaublich leid. Ich hab Sie jetzt angefragt über einen gemeinsamen Freund. Vielleicht kommt Zidane, dann entschuldige ich mich bei Ihr persönlich, wenn Sie es denn war.

Matthias Killing: Die war doch mal mit Leonardo DiCaprio zusammen, oder?

Joël Kaczmarek: Ja, das ist das Traurige, dass man sich sowas immer merkt. Und nicht ihre Welterfolge auf den Modelbühnen dieser Welt. Stimmt. Nein, aber weißt du, was mich erinnert? Sie lief in einer dm-Tüte rum. Und da hab ich gedacht, Toni Garrn läuft ja nicht in einer dm-Tüte rum. Gut, aber ich schweife ab. Also ja, in der Tat, Es war sozusagen eine Liebe auf den ersten Blick mit dir, lieber Matthias. Und auch mal schon mal ein bisschen anzufüttern, Die Hörer. Du machst ja so viele Sachen. Du machst ran, du machst das Frühstücksfernsehen, Du machst einen Podcast, du machst Social Media, du hast tolle Charity-Geschichten. Also, wir haben heute auch echt ein bisschen Futter. Denkt man gar nicht, was man alles so...

Matthias Killing: Ich bin gespannt, was ihr wissen möchtet. Ihr kennt eure Hörerinnen und Hörer besser als ich.

Sebastian Krumbiegel: Also erstmal, wie wir vorhin gemerkt haben, im Vorgespräch, dass wir uns schon getroffen haben. Zum Tag der deutschen Einheit.

Matthias Killing: 2015.

Sebastian Krumbiegel: 2015 in Dresden. Richtig. Du eine kleine Bühne moderiert, hast, auf der ich ein kurzes Programm vor sehr wenigen Leuten, weil es sehr regnerisch war und ein bisschen undankbar war, Aber trotzdem konnte ich mich sofort daran erinnern, dass ich dieses Ding gemacht habe und dass dieser 3. Oktober 2015 ist ja damals auch extrem durch die Presse gegangen, Weil Dresden als Ausrichterstadt des Tages sich nicht unbedingt mit rühmlichen Schlagzeilen in die Medien gespielt hat.

Matthias Killing: Naja, Das war damals so, Dresden, Da waren 300, 400 Menschen, die sich gegen die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin in diesem Hochjahr 2015 gestellt haben. Und damals vor der Frauenkirche, wo ja der offizielle Festakt stattgefunden hat, Alles niedergeschrien haben. Und ich bin heute noch sauer darüber, dass diese wunderschöne Stadt mit diesen Millionen Menschen, die dort gefeiert haben, immer wieder damit in Verbindung gebracht hat, weil 300 Idioten, Entschuldigung, Wenn ich das so sage, sind es aber, sich nicht benehmen konnten. Aber 1,5 Millionen Menschen haben friedlich gefeiert, unter anderem bei uns im Zelt des Bundesrates, wo du ja dankenswerterweise aufgetreten bist. Und das macht mich bis heute noch ... wütend, weil es immer wieder in dieser Gesellschaft passiert, dass 200 oder 300

Sebastian Krumbiegel: Idioten den Rest diskreditieren.

Matthias Killing: Das ist wie im Fußballspiel. 100 Leute zündeln mit irgendwelchen Bengalos Rum oder werfen, was auf den Platz, aber 50.000 feiern friedlich ein tolles Fußballspiel. Worüber wird berichtet? Und da haben auch wir Medien eine Verantwortung. Leider werden wir dieser immer wieder auch nicht gerecht, Weil Bad News Are Good News. Das ist leider so.

Sebastian Krumbiegel: Ich bringe mich jetzt gerade wirklich auf den Gedanken, das zu reflektieren, was mir an diesem 3. Oktober 2015 passierte. Ich habe eingecheckt im Hotel, Was war das gleiche. Ich hatte ein echt schickes Hotel bekommen. Steigenberger, Glaube ich, direkt neben der Frauenkirche. Und ich komme da am Vorabend rein, weil wir hatten am Vortag schon einen Auftritt mit den Prinzen. Irgendwie in Dresden, Open Air, ein Playback, eine Fernsehsendung, Was weiß ich. Und ich bin dann in Dresden geblieben. Und als ich in mein Hotelzimmer reinkomme, liegt da ein Zettel. Und da steht drauf, Sehr geehrter Gast, bitte morgen zwischen 9 Uhr und 12 Uhr nicht. Die Fenster öffnen und bitte vom Fenster fernhalten. Wo ich dachte, hä, was ist denn hier, was geht denn hier ab, was ist denn das und so. Und werde früh wach durch Lärm draußen, durch Trillerpfeifen und Zeug. Und gehe natürlich ans Fenster und Gucke da raus und sehe da unten. Diese Leute stehen. Und es waren wirklich 200, 300 Leute, wenig Leute, die darauf warten, dass der Bundesvorsitzende kommt, Die Bundeskanzlerin, Viele Minister, viele Politikerinnen und Politiker, Viele Gäste. Und merkt da, was da sich für ein Schauspiel abspielt, da unten. Und das war, so spooky, dass ich natürlich das Fenster aufgemacht habe, um mir das reinzuziehen, um auch Fotos zu machen und zu filmen. Und kurz darauf klopft es an der Tür. Und da steht irgendwie die Security vom Hotel da. Sie sind am Fenster, Joël und die Gorilla mit Knopf im Ohr und so. Ja, die Schauschützen haben gesehen, dass Sie hier irgendwie... Wirklich, ehrlich, ohne Scheiß. Und ich habe gesagt, Leute, ihr könnt doch nicht von mir verlangen, dass ich hier das Fenster zulasse. Ich bin Sebastian Krumbiegel, Ich habe einen Ruf zu verlieren,

Joël Kaczmarek: ich muss da Ihr Motherfucker rausholen.

Sebastian Krumbiegel: Hey, Joël, das ist jetzt unfair. Nein, hier ging es völlig Oonaghbhängig davon. Hier ging es wirklich ausschließlich darum, wie... Wie peinlich das war und wie Oonaghngenehm das war und wie ich mich wirklich geschämt habe.

Matthias Killing: Ich meine, Ich habe neulich diesen Film gesehen, Die Getriebenen. Da gibt es ja dieses Buch des Weltjournalisten Robin Alexander. Und dazu ist ein Film gemacht worden über die Zeit der Flüchtlingskrise. Und da ist unter anderem eben auch fiktiv nachgestellt worden, Wie die Bundeskanzlerin damals Heidenau besucht hat. Wo Menschen an der Straße den Mittelfinger zeigen und schreien und brüllen, Verpiss dich. Du fotze als Deutscher. Das war mir so Oonaghngenehm, das im Fernsehen zu sehen und zu wissen, dass es wirklich passiert. Also, mir fehlen da wirklich, Jetzt ist ein sehr tristes Thema, was wir gerade hier besprechen, Aber mir fehlen da wirklich die Worte. Und ich denke, das kann doch nicht wahr sein, dass Menschen, also frustriert, Arbeitslosigkeit und so weiter, Aber, dass das so umschlägt in eine solche Verbale und ja, zum Teil, Wir haben es gerade wieder erlebt. In Stuttgart, gegen die Polizei Diese Gewalt, dass das so umschlägt. Es sind zum Glück nur einige wenige. Aber das Bild, was dadurch in die Welt unseres wunderschönen Landes getragen wird, ist ein völlig falsches, und das finde ich ganz schlimm.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe einmal letzte Gedanke zu diesem Thema, jetzt von mir, weil ich war in New York. vor, weiß ich gar nicht, Vor vielen Jahren, gerade Pegida, Hochzeit. Und mache den Fernseher an, in Manhattan, in meinem kleinen Hotel, mache den Fernseher an und sehe eine Schlagzeile, Dresden, Nazitown, Germany. Und da war eben wirklich Pegida, ey, Deswegen komme ich drauf, weil du gerade sagst, Die Bilder, die um die Welt gehen. Und das ist so peinlich. Und ich komme aus Sachsen und ich denke immer auf. Fuck ey, Wie soll ich das irgendjemandem erklären? Und das ist ja wirklich schon so, dass ich teilweise auch Leuten aus Westdeutschland sagen muss, hey, es ist nicht überall, so. Und das klingt dann wieder auch schon so entschuldigend. Und natürlich, wenn du auch die Bilder aus Chemnitz gesehen hast, ja. Höcke in der ersten Reihe neben irgendwelchen Hools und neben irgendwelchen echt Hardcore-Nazis, ja. Und dahinter eben viele, viele Tausend Menschen, die da mitmarschiert, sind. Wie willst du damit umgehen, ja? Wie leidet eine Gegend, eine Stadt, auch darunter? Wie geht man damit um? Natürlich kann ich Leute verstehen, die da gerade aus Westdeutschland schon weit weg, die sagen, da drüben ist es sowieso nur, Die sind doch alle hier. Nee, sind es natürlich nicht, weil man muss unbedingt, Ich höre jetzt wirklich aus, tut mir leid, dass ich so steil gehe bei diesem Thema, Man muss die Leute unterstützen, die sich dagegenstellen. Die haben es so dermaßen viel schwerer als in diesen ganzen weltoffenen Städten wie Hamburg. Man muss mit den Leuten solidarisch sein, die sich da dagegenstellen.

Matthias Killing: Und vielleicht sei mir dieser Gedanke noch erlaubt, weil du das sagst. Wenn wir über, auch als Medien, Und ich arbeite in den Medien und Berichte über Wahlergebnisse, Wenn wir über 25% AfD reden, dann muss die eigentliche Botschaft lauten, Wie gut, denn 75% haben Sie nicht gewählt. Das kommt zu kurz.

Joël Kaczmarek: Also ich glaube, was man schon merkt, ist, was für einen Tiefgang. Du hast, lieber Matthias, weil man denkt immer so, Frühstücksfernsehen, das ist, so seich, Also assoziiere ich das, Vielleicht tue ich ja auch total Unrecht, aber ich habe immer gedacht, das ist so ein Format, wo man so langsam den Tag startet. Und so, das finde ich bei dir ganz toll.

Sebastian Krumbiegel: Das ist doch Systemmedien.

Matthias Killing: Genau, das ist sehr spannend. Ich habe 49 Sondersendungen zum Thema Corona gemacht für SAT.1. Und wie oft ich dann auch, also nicht wie oft, Aber ich habe einige so Zuschriften bekommen, ja, Systemmedien, regierungsgesteuert. Und was ich nicht alles bin. Ich schwöre von der deutschen Regierung, geschweige denn von der Chefredaktion, Es hat noch nie jemand, sich in meine Art zu moderieren, eingemischt und gesagt, du musst aber, weil das und das und das sagen. Noch nie. Aber was die Leute da denken.

Sebastian Krumbiegel: Es gab doch jetzt wieder das Ding mit dem letzten Sportstudio, wo es um dieses Rassismusproblem, Wo Dunja Hayali das extrem, das vorletzte. Sportstudio, Es war jetzt irgendwann ein Sportstudio, irgendwann im Juni. Und das war, fand ich, wirklich hochinteressant, weil sie danach natürlich sofort wieder irgendwie Shitstorm gekriegt hat. Ja, natürlich hat sie wieder jetzt irgendwie hier die Rassismuskeule rausgeholt und irgendwie das alles thematisiert. Also, dass das ein Riesenthema ist. Und dass Rassismus eben auch im Sport und in dieser Vorbildfunktion von Sportlern, von Fußballern, von eben auch Medienleuten. Ganz wichtig ist, das immer wieder zu thematisieren und da immer wieder drüber zu sprechen, ist für mich völlig klar. Dass viele Leute sich da oft auf den Schlips getreten, fühlen und sagen, wir können die ganze Scheiße nicht mehr hören, kann ich nachvollziehen. Aber Leute, Das Leben ist grausam. Wir müssen darüber immer wieder reden.

Joël Kaczmarek: Deswegen, als ich eben den Witz gemacht habe, Herr Security, Ich bin Sebastian Krumbiegel, Ich habe einen Ruf zu verlieren. Das war auch zum Beispiel gar nicht so gemeint, dass ich sage, du bist der bodenständigste Typ, den ich kenne. Sagen auch alle, die mit unserem Podcast Berührung haben. Sondern im Gegenteil, es war er, und ich glaube, da habt ihr beieinander vielleicht eine Brücke. Dass Du dieses Haltungsthema halt so hoch hast. Darum ging es mir, das mal auch zu betonen, dass dieses in Unterhaltung steckt. Haltung. Das finde ich ein spannendes Motiv bei dir.

Joël Kaczmarek: Aber Matthias, zu dir. Wie bist du eigentlich dazu gekommen? Also wir sagen ja immer so, Kunst trifft digital. Deine Kunst ist irgendwie so das Fernsehen, Das Moderieren, der Medienmensch. Wie hat das für Dich angefangen?

Matthias Killing: Auf einem Kreuzfahrtschiff Ende der 90er Jahre, als ich nach dem Abitur dorthin gegangen bin. Ich habe mich beworben und wollte Animateur werden, weil ich dachte, in der Reisebranche arbeiten ist total schlau. Da sind viele Mädels. So habe ich mit 19 gedacht. Und dann habe ich mich beworben, BIN Dankenswerter Weise damals genommen worden. Es gab nur dieses eine Schiff, diese AIDA-Gruppe, Ich weiß nicht, ob ich die Werbung hier nennen darf, aber heute, glaube ich, kennt man das. Damals war das eher exotisch. Und dann stand eines Abends mein Chef-Animateur vor mir und sagte, du musst Bingo moderieren. Heute Abend. Dann habe ich gesagt, nee, nee, nee, meine Jobbeschreibung, lautet Shuffleboard, Volleyball, Basketball und mit Kindern spielen, aber nicht Bingo moderieren. Doch, doch, jeder muss das hier machen. Und dann habe ich das gemacht, an dem Abend und von dem Abend an habe ich das jeden Abend gemacht, über Monate, weil das wahnsinnig gut ankam.

Sebastian Krumbiegel: Das funktioniert.

Matthias Killing: Auf einmal war ein Talent entdeckt. Ich habe vorher Schultheater gespielt, Ich stand gerne auf der Bühne. Ich habe auch einen Abiball moderiert, ehrlicherweise doch, das habe ich schon gemacht, Aber das war nie in die Richtung denkend, dass da mal irgendwas draus werden kann. Und dann wurde eben ich der Bingo-Moderator und dann habe ich das jeden Abend gemacht. Und habe dann diverse andere Moderationen auf diesem Schiff auch übernommen und bin dann wieder nach Deutschland gekommen, nach anderthalb Jahren zur Bundeswehr eingezogen worden, Ende der 90er. Und dann war aber für mich klar, ich muss zu VIVA. Und VIVA wartet auf mich, das habe ich auch gedacht. VIVA hat aber nicht auf mich gewartet.

Sebastian Krumbiegel: Warst du beim Casting?

Matthias Killing: Noch nicht mal zum Casting eingeladen worden. Also, ich habe da Bänder hingeschickt, ich weiß gar nicht, wie viele VHS-Tapes damals noch und Bewerbungen. Ich bin weder zum Casting eingeladen worden, Noch hat irgendjemand, Ich glaube, ich habe noch nicht mal Antworten gekriegt. Und das ist bis heute sehr schade, Aber ich habe dann relativ früh gemerkt, okay, also die Welt wartet doch nicht auf mich, bin aber dann dran geblieben und habe dann mich bei allen Eventagenturen dieses Landes gefühlt beworben. Und habe dann auch tatsächlich die ersten kleinen Moderationsjobs bekommen. Und so ging das dann langsam los. Und dann habe ich studiert, nebenbei eben moderiert, Modenschauen, Straßenfeste, Was es alles so gab und Messen, Ganz viele Messen, Verbrauchermessen, herrlich mit vielen Menschen, die mit. Kleine Tüten vor meiner Bühne standen und gummibärchen wollten. Und so. Da habe ich dann alles Mögliche gemacht. Und dann tatsächlich das erste Casting damals für einen kleinen Sender namens GIGA.

Joël Kaczmarek: Ach ja, großartig.

Matthias Killing: Dann gemacht und genommen worden.

Joël Kaczmarek: Das war sehr junges Fernsehen. Junges Fernsehen,

Matthias Killing: viel Internet.

Joël Kaczmarek: Mit Miriam Pielau damals?

Matthias Killing: Miri war schon weg, aber viele Kollegen damals, die sehr gründermäßig unterwegs waren. Und also Wir haben schon mit Zuschauern gechattet, Da wusste 98 Prozent der Deutschen noch nicht, was ein Chat ist. Also, die waren wirklich deutlich vor ihrer Zeit, und da war ich dann Dreiviertel Jahr, Bis das Projekt Pleite, ging. Dann habe ich damals Mitte 20, schon meine erste Pleite erlebt, wurde dann aber relativ schnell aufgefangen von einem kleinen Regionalsender namens NRW.TV. Da war ich dann für drei Jahre und habe dann viele Castings gemacht, auch in der Zeit, die ich nicht gewonnen habe. Aber dieses eine Casting beim Frühstücksfernsehen, Das habe ich eben gewonnen und so bin ich 2009 dahin gekommen. Das sind jetzt mal zehn Jahre harte Arbeit. Versucht, in 1,30 zu erklären.

Sebastian Krumbiegel: Aus Hagen in den Rest der Welt. Ich bitte dich davon. Hagen, Hammergeist. Das war meine Brücke jetzt, weil natürlich ganz viele große Musiker kommen. Aus Hagen.

Matthias Killing: Nena.

Sebastian Krumbiegel: Extrabreit, Annette Humpe.

Matthias Killing: Absolut.

Sebastian Krumbiegel: Also, das ist schon irgendwie...

Matthias Killing: Aber alles Musiker, ne? Ich würde so gerne singen können, ich kann es nicht.

Joël Kaczmarek: Deswegen sagst du das. Aber ich finde das schon. krass.

Matthias Killing: Es ist schrecklich, wirklich. Also, wenn ich irgendetwas wirklich gerne können, würde. Dann ist es Singen. Und ich habe vor zwei Jahren oder so eine Schlagersendung aufgezeichnet. Lustigerweise wieder auf einem der AIDA-Schiffe. Und dann waren da ganz viele, so Feuerherz und Eloy und tolle Truppe. Wir waren eine gute Truppe, waren zusammen unterwegs. Und ich habe zu dem Produzenten damals gesagt, ich sage, Harry, Ich würde so gerne irgendwie mal eine Platte machen. Oder ich hätte da so Bock drauf. Und ich kann es aber nicht. Und jeder, der mich singen, hört, Das erste Mal im Studio, weiß auch, dass das keinen Sinn macht. Gar keinen. Ich spiele leidenschaftlich gerne Klavier.

Joël Kaczmarek: Ja, dann machen wir halt eine Bette auf. So läuft es, fängt es an. Können wir machen.

Matthias Killing: Aber das ist auch das Einzige, was ich an Musik so ein ganz bisschen, wobei ich keine Noten lesen kann, sondern das irgendwie so.

Joël Kaczmarek: Ich bin ja nur schockiert. Ich kann ja so Talente grob einschätzen. Ich bin ja selber hier und da moderierend tätig, auf Events und so. Und ich meine, du kannst das schon. Und wenn ich sehe, was du dann für eine Ochsentour hinter dir hast, bis du dahin gekommen bist, wo du heute bist, trotz Talent, ja, dann. Ich weiß nicht, ist das Glück. Oder sind die so anspruchsvoll beim TV oder woran liegt das?

Matthias Killing: Nee, das ist mehr zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und ich sage auch in diesem Casting damals bei SAT.1, Beim Frühstücksfernsehen waren 40 Jungs und die konnten alle was. Die waren alle talentiert, aber meine Nase hat halt meinem Chef gepasst. Und für diese Entscheidung, Ich sage immer, die er damals getroffen hat, Werde ich ihm ein Leben lang dankbar sein. Der wird dieses Jahr 60 und der ist bis heute mein TV-Papa. Jürgen Meschede hat gerade den deutschen Fernsehpreis gekriegt. Und darüber freue ich mich so unendlich. Weil der eben mein Leben, mein Berufsleben nachhaltig verändert hat. Und alles andere, ran und DTM und The Biggest Loser. Und was ich dann alles so in den Jahren moderiert habe, hat seine Grundlage bei seiner Entscheidung für meine Nase. Also auch ein bisschen Glück, dass er sich eben nicht für viele andere talentierte Kollegen, die damals mit dabei waren, im Casting entschieden hat.

Joël Kaczmarek: Na, ich finde aber auch das Bild des Animateurs irgendwie geil. Weil Animateure sind für mich, so Leute, Die sind in der Lage, Leute zu lesen, Menschen zu lesen, empathisch zu sein, denen Stimmung rüberzubringen. Und sich auch nicht irgendwie sozusagen, davon ins Boxhorn jagen zu lassen. Oder die Flint ins Korn zu werfen. Du hast, glaube ich, eine Meinung, wahrscheinlich auch manchmal eine harte Meinung. Ah, wieder, so ein Penner heute, der dies und das und Jenes gemacht hat. Aber du bist in der Lage, das so professionell zu trennen, und hast trotzdem so dieses gute Laune auf. Knopfdruck.

Matthias Killing: Also, wenn du SaOonagh-Aufguss machst in einem Club und die einzige, Ich sag mal, Die Kunst, die du mitbringst, ist die finnische Minze. Du es aber schaffst, dass die Menschen dank der finnischen Minze während des Aufgusses trotzdem lachen. Und eine gute Zeit, Nämlich zehn Minuten haben, in der du sie ja ordentlich anwedelst. Dann bist du ein guter Animateur.

Sebastian Krumbiegel: Ja, ich glaube, es hat auch eine Menge damit zu tun. Also ich glaube, der Vergleich hinkt gar nicht so sehr, wie ich jetzt gerade gedacht habe. Du musst ja auch in irgendeiner Weise eine Art Achtung vor den Leuten haben, mit denen du das zu tun hast. Das geht mir ja genauso, wenn ich auf der Bühne bin. Ich sage das ja manchmal auch irgendwie bei Prinzenkonzerten. Am letzten Lied sage ich dann, ey, wir sind so froh, dass es euch gibt. Ohne euch wären wir... Überhaupt nichts. Und das irgendwie, klingt jetzt wieder, so leibungsvoll, das sozusagen zu verinnerlichen und ganz klar zu sagen, hey, ich stehe jetzt hier oben auf der Bühne und sind ein Haufen Leute gekommen, weil wir als Band jetzt hier oben stehen. Und das darfst du aber nicht persönlich nehmen, sondern du musst ganz genau wissen, hey, ich war, wie du es eben selbst gesagt, hast, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, habe sehr viel Glück gehabt. In meinem Leben, bin deswegen jetzt da, wo ich bin. Und bin vor allem deswegen da, Und da glaube ich wirklich ganz fest dran, weil ich Respekt habe. Vor den Leuten, die da sind. Selbst wenn ich jetzt manchmal auch da leute, sehe, wo ich denke, oh, die willst du aber nicht. Als Freunde haben unbedingt. Aber trotzdem muss ich erst mal sagen, hey, ihr habt euch eine Karte gekauft, Ihr Seid hierher gekommen und ich liebe euch dafür, dass ihr das gemacht habt. Und das, glaube ich, verbindet uns auch in irgendeiner Weise, weil du brauchst diesen Respekt. Ich habe vorhin gedacht, als du darüber geredet. hast, Messen, wo ganz viele Leute mit ihren Beutelchen da stehen, Gummibärchen, die wir haben wollen, wo du ja auch vielleicht denken könntest, oh, was sind das jetzt für Leute? Genau, wo man ein bisschen herabblickt auf diese Leute. Nee. Darf man nicht machen. Finde ich wirklich, Es ist dein Publikum, und du musst irgendwie eine gewisse Achtung dafür haben.

Matthias Killing: Also ich meine, du bist ja nochmal deutlich bekannter durch das, was du tust. Und durch deine Kunst in Deutschland deutlich bekannter geworden, als ich das jetzt bin. Und vielleicht ist es bei dir auch manchmal schwierig, das kann ich nicht beurteilen, aber ich habe noch nie jemandem ein Foto verwehrt. Noch nie. Warum? Weil da ist jemand, Der freut sich über ein Foto mit mir, dann denke ich, hä?

Joël Kaczmarek: Ja, das ging mir aus, das habe ich auch schon gehabt.

Matthias Killing: Also so ein Quatsch, Aber es ist ja mein Kapital. Am Ende sind ja diese Menschen, die meine Sendungen gucken, Mein Kapital. Wenn Menschen keine Sendung gucken, habe ich keinen Job. So sieht es aus. Punkt. Insofern finde ich das ganz tolles Wort. Achtung Für so etwas zu haben, ist genau richtig. Also Achtung zu haben und Respekt zu haben. Vor den Menschen, die dich für deine Kunst mögen.

Sebastian Krumbiegel: Anders geht es, glaube ich, nicht. Oder anders geht es in jedem Fall nicht langfristig.

Matthias Killing: Ich sage mal im Scherz, Danke fürs Einschalten.

Sebastian Krumbiegel: Na klar,

Joël Kaczmarek: na klar. Ja, aber nimm uns mal mit in die Kulissen. Wie läuft denn so ein Frühstücksfernsehen ab? Also musst du wahrscheinlich, um 4.30 Uhr gefühlt aufstehen, um 5 Uhr in der Maske sein oder wie läuft das?

Matthias Killing: Ja, genau, um 5.30 Uhr geht ja die Sendung los, also? Ich stehe so um 4 Uhr auf oder Viertel vor 4 Uhr.

Sebastian Krumbiegel: Wann gehst Du ins Bett vorher dann?

Matthias Killing: Um 9 Uhr.

Joël Kaczmarek: Mit deinem Kind quasi, was? Ja,

Matthias Killing: Manchmal davor. Und ich habe das große Glück, dass ich ja nur im Schnitt jede zweite Woche dran bin. Das heißt, Ich habe also immer eine relativ entspannte Woche und dann eben eine Hardcore-Woche, so nenne ich sie. Und das wird auch zunehmend schwerer. Also, ich bin letztes Jahr 40 geworden. Also mit 30 hatte ich da, eine andere Power, durch so eine Nacht zu rocken. Und dann morgens noch die Sendung zu machen, als ich das heute habe. Also eigentlich ist mein Ziel auf jeden Fall bis 50, das auch zu machen. Ich habe jetzt dieses Jahr tatsächlich die große Freude, so der am längsten durchgängig moderierende Frühstücksfernsehen-Moderator von SAT.1 zu sein, in diesen 33 Jahren Geschichte, die diese Sendung hat, oder doch 33 Jahre. Es gab also niemanden, der Elf Jahre, Paar Monate, da irgendwie durchgehalten hat. Durchgehalten klingt so schlimm. Aber mir graut es ehrlich gesagt auch davor, wie das kräftemäßig, dann irgendwann wird. Weil dieses früher aufstehen und dann um 5.30 Uhr zu 100 Prozent performen. Also wenn dir jetzt jemand sagt, steh mal auf und spiel mal ein. 90-Minuten-Konzert um 5.30 Uhr.

Sebastian Krumbiegel: Ich kenne das schon daher. Wir haben manchmal Konzerte, irgendwie zu Unzeiten, irgendwie 12 Uhr oder so. Mittags. Ja, und das geht gar nicht. Also, da bin ich noch nicht da sozusagen. Und trotzdem bin ich am Ende da, weil ich versuche, Profi zu sein. Und weil ich dann eben wirklich dann sage, ich mag es überhaupt nicht in dem Moment. Weil ich gehe abends um acht auf eine Bühne und gut ist.

Joël Kaczmarek: Aber da geht auch irgendein Schalter um, finde ich. Ich habe manchmal Momente, da kann ich mich vor so einem Podcast irgendwie einmal ins Bettchen legen. Oder sowas. Und dann bin ich da und Klack geht der Schalter um, oder?

Matthias Killing: Adrenalin.

Sebastian Krumbiegel: Adrenalin.

Matthias Killing: Aber, und weil du sagst hinter den Kulissen, also das große Glück, was ich habe in diesem Job oder eigentlich in beiden Teams, in denen ich arbeite, zum einen beim Frühstücksfernsehen, zum anderen bei ran, dass beide Teams fantastische Mannschaften sind. Also, das sind einfach beides. Hammermäßige Truppen. Und das macht großen Spaß, und das macht große Freude. Und wenn du morgens mit einem guten Gefühl irgendwie zur Arbeit gehen kannst und mit einem guten Gefühl irgendwie unterwegs bist, Das ist das größte Geschenk. Und wenn da morgens Arschlöcher um dich rum sind, dann kannst du auch nicht gut arbeiten. Wir haben halt keine Arschlöcher, im Gegenteil.

Joël Kaczmarek: Kann man das eigentlich nicht aufzeichnen, dass man es aus der Konserve macht?

Matthias Killing: Nee, wir haben ja auch einen Aktualitätsanspruch. Also, es ist ja nicht nur Seicht, Wir haben ja nicht nur Promi-News, Wir haben ja auch wahnsinnig viel Corona gemacht. Also ich sage mal, Zwischen Bikinitest und Ministerinterview gibt es bei uns alles. Also Die Bandbreite dieser Sendung ist relativ groß, Aber das ist auch eine tolle Herausforderung, die ich jeden Tag neu schätze.

Joël Kaczmarek: Aber was du eben meintest, das merkt man, finde ich. Ich glaube, deswegen mag ich eure Sendung. Ihr wirkt so, als wenn ihr euch alle leiden könnt. Und als wenn man sich da nicht die Butter vom Brot nimmt.

Matthias Killing: Auf dem Weg zu euch, gerade, weil ich durch Zufall durch ihre Straße gefahren bin, habe ich bei meiner Kollegin Alina angehalten, habe geklingelt, habe gesagt, hi, bist du da? Ich möchte einen Kaffee trinken. Und wir saßen also gerade noch eine Stunde auf dem Balkon mit ihrem Mann und haben geschnackt. Also, wir sind befreundet.

Sebastian Krumbiegel: Schön.

Joël Kaczmarek: Und wer ist verantwortlich für die Bikini-Tests und die Ministerinterviews? Macht Ihr das als Moderatoren-Team? Gibt es da eine Redaktion? Wie kommt Ihr auf eure Themen eigentlich?

Matthias Killing: Wir haben eine Redaktion und zwar eine ganz tolle Redaktion. Da sind so 30, 40 Leute.

Joël Kaczmarek: 30, 40 Leute?

Matthias Killing: Insgesamt in verschiedenen Schichten. Also, es ist ein Dreischichtsystem, in dem wir arbeiten. Und da ist also permanent Alarm und da sind permanent Menschen und permanent ist da was los. Und der Kern der Redaktion ist nicht so groß. Aber es gibt natürlich auch noch dann ein Producing. Es gibt noch eine Rechercheabteilung. Ein Archiv, Ganz wichtig, natürlich auch. Nächste Woche, Die Prinzen sind zu Gast. Wir haben nochmal geguckt, Euer erster Auftritt bei uns im Jahre 1996. 1800. Das sind immer lustige Momente, übrigens auch. Das Bild noch 4 zu 3, Alles krisselt und so. Na klar. Da ist eine relativ große Truppe, aber es sind eben auch viereinhalb Stunden. live, jeden Tag. Es ist nicht eine halbe Stunde, Es sind viereinhalb Stunden, und das ist dann schon auch eine große Aufgabe.

Joël Kaczmarek: Gibt es denn jemanden, so den Intendanten, der dann kommt und sagt, wenn ihr Fehler gemacht habt, also haut euch jemand auf die Finger. Oder ist das sogar Teil des Charmes, wenn man so lange live produziert, dass dann auch mal was... Also, ich finde das immer ganz lustig, dann, Die Kamera passt nicht, da sitzt einer, schiebt sich ein Brötchen in die Schnute. Und dann merkt er, Ist das gestattet oder ist man bei euch streng?

Matthias Killing: Ich nenne es das kreative Chaos. Streng ist es nicht. Im Gegenteil, Das kreative Chaos ist gewollt. Das macht auch den Charme der Sendung aus. Alle, die das vielleicht noch nicht gesehen haben und das erste Mal gucken, die werden denken, Ach, du Scheiße, was machen die denn da? Aber das ist genau gewollt und ist Teil des Konzepts. Und deswegen sind wir auch, Das sage ich jetzt... Gar nicht irgendwie arrogant oder so, aber ich glaube da ganz fest dran. Ich glaube, dass wir deswegen auch Nummer 1 in Deutschland sind und eben am meisten Zuschauer morgens generieren. Einen großen, wirklich harten Wettbewerb zu den anderen Kollegen. Das ist wirklich jeden Morgen ein Quotenabgleich. Die haben 1.00.000. mehr, weniger in der Minute. Scheiße.

Sebastian Krumbiegel: Wie sind da die Zahlen ungefähr? Wie viele Leute gucken euch zu im Schnitt?

Matthias Killing: Über den Morgen verteilt 2,1 bis 2,5 Millionen. Manchmal an die drei, die du da erreichst. Du hast natürlich nie durchgängig. Drei Millionen, die das den ganzen Tag geguckt haben, Weil manche gucken von halb sechs bis halb sieben und manche gucken eben von neun bis zehn. Das kumuliert so ein bisschen. Aber wir haben in den Marktanteilen seit einiger Zeit mit Abstand die besten Einstellquoten. Und das ist aber auch die Währung. Also ich sage mal so, Der Erfolg, den wir da jetzt in den letzten Jahren uns auch erarbeitet haben, Ich bin da sehr demütig. Das kann natürlich auch dann auch mal wieder ein, zwei schlechte Jahre geben.

Sebastian Krumbiegel: Und das ist aber alles wirklich. Oldschool. Fernsehen. Das hat nichts mit, jetzt auch im Stream. Ist das in irgendeiner Weise nur

Matthias Killing: Oldschool-Quotenmessung, Decoder der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg. Die Quote wird ja heutzutage, Da gibt es natürlich so ein bisschen Internet und so, Das wird schon noch mit eingerechnet oder Mediatheken zumindest werden. Mit eingerechnet. Aber die eigentliche Quotenmessung ist meiner Kenntnis nach immer noch so wie auch 1995.

Joël Kaczmarek: Wir haben im Gespräch mit dir vorhin ja auch mal so über Grenzgängertum geredet.

Matthias Killing: Im Vorgespräch meinst du? Ja,

Joël Kaczmarek: so über Wolfgang Petry, der dann irgendwie wohl so diesen Satz. Auch hatte, dass Grenzgängertum immer so ein bisschen dazugehört, wenn man kommerziell erfolgreich sein will. Ist das bei Euch auch so?

Matthias Killing: Genau das ist es. Und ich bin jemand, der diese Grenze oft austestet oder immer wieder austestet. Und auch daran natürlich nicht alle erreiche. Manche finden dann völlig bescheuert, was ich tue. Das kriege ich auch wieder gespiegelt. Und zwar innerhalb von Sekunden über Facebook-Kommentare oder Instagram-Kommentare oder so. Und andere finden das ganz großartig. Aber ich glaube eben, du musst dich, um dich auch von der breiten Masse irgendwie als Show insgesamt abzuheben, Musst du ja an die Grenze gehen. Das ist so diese berühmte Grenze. Joko und Klaas, die sich den Mund zunähen lassen. In deren Genre ist das auch eine Grenze für manche überschritten und für manche Mega lustig. Und so machen wir es mit kleinen Aktionen auch. Ich habe zum Beispiel, als jetzt neulich 30 Jahre Matthias Reim verdammt Ich lieb dich, war, Kann man sich bei Instagram angucken, wirklich ganz spontan, wir haben so einen Sidekick. Kollegen, Lukas, das ist unser Sidekick. Der kann ganz toll Klavier spielen. Also dem sagst du, Spiel mal das Lied, dann spielt er das. Spiel Mal das Lied, dann spielt er das. Das ist völlig abgefahren. Und dann habe ich gesagt, komm, wir spielen mal. Matthias Reim. Ich fange mal an, zu singen. Und dann habe ich diesen Anfang. Ich singe hier durch die Straße ein bisschen nach Mitte. Und das war, so bescheuert, dass das für die eine Hälfte wahrscheinlich des Publikums mega lustig war. Für mich übrigens auch. Ich fand das wirklich lustig.

Joël Kaczmarek: Das ist ja das schönste eigentlich,

Matthias Killing: wenn man über einen eigenen Gag irgendwie lachen kann. Und ein paar fanden es auch total scheiße, was ich da gemacht habe. Aber in dem Moment haben wir Matthias Reim gefeiert. Wir haben ihm dann noch ein Video davon geschickt und so. Er wollte sich aber leider nicht äußern. Gut.

Sebastian Krumbiegel: Du musst aber polarisieren. Ich glaube, das ist das, was du meinst. Also, es gibt den schönen Spruch, Everybody's darling is everybody's arschloch. Und das stimmt wirklich. Und wenn du weben gefallen willst, hast du keine Chance. Und ich glaube, es gibt den alten Stones-Spruch, Je mehr euch die Eltern hassen werden, desto mehr werden euch. Die Kinder lieben. Und das stimmt wirklich auch. Das ist echt irgendwie wahr. Ich glaube immer... Also wenn du nicht irgendwie unter Ferner liefen, laufen willst, dann mach im sprichwörtlichen Sinne merkwürdige Dinge.

Matthias Killing: Merkwürdig, aber mit Respekt deinem Gegenüber?

Sebastian Krumbiegel: Unbedingt.

Matthias Killing: Ja, ich finde, das ist ganz wichtig. Das kommt mir gerade bei Leuten, Die polarisieren im Showgeschäft, auch manchmal, Ich nenne jetzt keine Namen, aber manchmal zu kurz. Also viele polarisieren über mangelnden Respekt. Das finde ich nicht gut. Das finde ich ganz schlimm, sogar, sondern ich versuche immer, hebe Deinen Gast. Also nicht Ich bin die Show, sondern mein Gast ist die Show. Oder meine. Partnerin ist meine Show. Ich versuche, meine Mitmoderatorin zu heben. Und wenn sie sieben Sätze sagen möchte und nicht nur einen, dann ist das für mich okay.

Joël Kaczmarek: Ich hab da aber auch Grad drüber nachgedacht, dass das ja immer so deine Rolle, ist. Also das versuche ich ja auch, mal beim Podcast einzuhalten. Also Sebastian und ich, Wir schlagen sich manchmal über die Stränge, dann haben wir mal einen Monolog drin, okay. Aber ich sag auch immer, man muss jemanden interviewen, die hören wegen dem Gast zu, nicht wegen mir. Uns finde ich schon gut, Aber die schalten vor allem immer wegen den einzelnen Gästen, so ein. Ja,

Matthias Killing: oder vielleicht auch in der Kombination. Also klar.

Joël Kaczmarek: Aber... Also, ich finde das ganz furchtbar, wenn der Moderator mehr redet als der Gast. So fasse ich es für mich mal zusammen. Das ist so mein Mantra. Du warst gar nicht geweiht. Aber was macht das mit dir? Also du bist dann immer derjenige, der andere glänzen lässt. Was erlaubst Du Dir trotzdem an Einbringung von Matthias? Also, wie viel Matthias steckt in deiner Arbeit drin, wenn du eigentlich anderen Leuten die Bühne bereit hast?

Matthias Killing: Ganz, ganz viel. Die Kunst ist vor allem auch, und das ist dann mein schönster Ritterschlag, wenn ich es schaffe, eine Frage so zu stellen, dass mein Interviewgast eine Coole Antwort geben kann, wo daraufhin alle lachen müssen. Also, ich lege den Ball auf den Elfmeterpunkt, er muss ihn reinschießen. Und wenn er ihn dann reinschießt, dann weiß ich, Er konnte ihn nur reinschießen, weil ich ihn da hingelegt habe. Und das ist für mich mein größter Erfolg. Ich versuche es jetzt in diesem Fußballbild. Ich bin Fußballfanatiker.

Joël Kaczmarek: Wie bist du dazu gekommen? eigentlich? ICH glaube, DU BIST Schalke-Fan, glaube ich, ne? Ja, immer schon.

Sebastian Krumbiegel: Ein herzliches Beileid, gerade, Das ist ja irgendwie nicht schön.

Matthias Killing: Ja, gut, aber was soll ich über Dynamo Dresden sagen?

Sebastian Krumbiegel: Oder über den HSV. EY komm, das ist alles so bitter. Du kannst in Deutschland nur,

Matthias Killing: du musst einfach. Bayern-Fan sein, wenn du Erfolg haben, willst. Ansonsten kannst du alles.

Joël Kaczmarek: Mein Kollege IsT JA Hardcore-Leipzig-Fan. Ach,

Matthias Killing: du bist Leipzig?

Sebastian Krumbiegel: Ich bin Leipziger und ich habe immer das Gefühl, mich dafür entschuldigen zu müssen, dass IcH RB-Leipzig-Fan bin.

Joël Kaczmarek: Kommerzialisierung halt. Aber er war schon Fan in der 4. Liga.

Sebastian Krumbiegel: Ich muss auch ehrlich sagen, ich ärgere mich gerade wirklich. Ich ärgere mich über Werder. Ich ärgere mich tierisch, dass Werder Bremen höchstwahrscheinlich absteigen wird. Das sieht ja, glaube ich, jetzt wirklich so aus, weil wir es nicht geschafft haben, gegen FortOonagh Düsseldorf Nach einem 0 zu 2, nach einem 2 zu 0, das auch zu halten.

Matthias Killing: Ein sehr innerer Freund von mir spielt bei FortOonagh Düsseldorf und hat das 1. zu 2 gemacht. Steven Skrzybski.

Sebastian Krumbiegel: Naja, komm.

Matthias Killing: In der 87. Wie gesagt,

Sebastian Krumbiegel: Freude und Leid. Ich kenne Arnd Zeigler sehr gut. Super, Toller Typ. Wirklich großartiger Typ. Den müssen wir eigentlich auch mal einladen. Arnd Zeigler ist der, der. Die Sendung hat, Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs und der gleichzeitig Stadionsprecher bei Werder ist. Und der hat mir vorher geschrieben, Vor dem Spiel gegen Düsseldorf müssen auch Deine Jungs mal echt wirklich die letzte Chance. Da stand es gerade 2-0 Und BVB hat ja auch verloren gegen Mainz. Und das war alles so, Also schlechter hätte es überhaupt nicht laufen können für Werder. Und ich habe ihm geschrieben, meine Jungs machen es ja gerade ganz gut beim 2-0. BVB nicht. Und dann musste ich wirklich irgendwie ein paar Minuten später schreiben, du, ich nehme alles zurück. Es tut mir echt total leid. Und der leidet wirklich. Wie ein Hund, gerade.

Matthias Killing: Fußball ist ja auch eine besondere, Ich nenne es fast eine besondere Religion für manche Menschen und vielleicht ein Wort zu Leipzig, Weil. Das ist zum Beispiel auch eine Diskussion, die ich nicht mehr hören kann. Dieses Thema Kommerzialisierung, Jetzt kommen die Dosen und machen da, Wenn du mal in Leipzig im Stadion warst, ich bin da selber ein paar Mal hingefahren, Wie viele Menschen in Leipzig, um Leipzig herum, eine fußballerische Heimat durch dieses Projekt bekommen haben. Und samstags mit ihren Kindern, Familienväter oder Mütter mit ihren Kindern, glücklich ins Stadion gehen und tollen Fußball sehen, dazu Diese Jugendabteilung. Ich habe den allergrößten Respekt, was die bei RB aufgebaut haben. Und diese ganze Scheißdiskussion um Kommerzialisierung kann ich nicht mehr hören. Bei Bayern, Da ist Adidas, da ist die Allianz. Bei Schalke ist es Gazprom, die die Millionen geben. In Leverkusen ist es Bayer und bei Wolfsburg ist es VW.

Sebastian Krumbiegel: Ich frage den internationalen Engländern.

Matthias Killing: In Stuttgart ist Mercedes-Benz und dann ist es halt in Leipzig Red Bull. Verdammte Scheiße nochmal. Aber da wird doch toller Fußball geboten. Da ist doch Entertainment, Das ist doch eine Riesenbühne. Also diese Diskussion der vermeintlichen, entschuldige, dieser Fußball-Romantiker, Die geht mir richtig auf die Eier.

Sebastian Krumbiegel: Freunde müsst Ihr sein, das ist irgendwie, da kannst du auch sagen, verzichtet auf jede Art von Trikot-Werbung und geht wirklich raus. Und am Ende ist es ein Gescheit. Ja,

Joël Kaczmarek: aber er hat ja recht. Ich habe exakt Dasselbe gedacht. Frag mal Bayern, Wie viel Geld die von Audi kriegen oder die Fahren nach Katar, ihr mit Gazprom. Bei uns ist hier das Windei-Windhaus drin. Also, da kann man bei jedem vor der Tür kehren. Und man muss ja auch sagen, Die sind ja nicht hingegangen wie Manchester City. Und haben sich hier einen Promi nach dem anderen eingekauft, Sondern die haben ja wirklich aufgebaut mit Jugend und haben ja auch ein Konzept. Aber gut, wir schweifen ab. Wie bist du zum Fußball gekommen? beruflich? Zu rann und so?

Matthias Killing: 1992 habe ich die erste ran-Sendung gesehen.

Joël Kaczmarek: Ah, ich wollte schon sagen.

Matthias Killing: Und da war ich völlig begeistert. Zuerst von Reinhold Beckmann. Und dann sah ich auf einmal den Jungen Johannes B. Kerner. Und an dem Tag habe ich entschieden, irgendwann habe ich ein ran-Mikro. Irgendwann habe ich das. Irgendwann bin ich ran-Moderator. Also, das war natürlich so weit weg, wie ich, werde auf der Bühne stehen und singen wie die Prinzen. Aber das war für mich... Das Ziel. Und darauf habe ich hingearbeitet. Und ich bin auch in diesen ganzen Jahren nie weggegangen. Von ran. Obwohl die Fußballrechte alle verschwanden über die Jahre. Jetzt, nächstes Jahr, ab 2021, Dürfen wir wieder ein paar Spiele zeigen.

Sebastian Krumbiegel: Ab wann warst du da? Ab wann bist du da? 2010.

Matthias Killing: Ich habe angefangen mit 2010 mit Champions League und Europa League als Field Reporter. Also Fragensteller nach dem Spiel. Sie haben 5-0 verloren. Wie fühlen Sie sich? Und Moderator der Sendungen war Johannes B. Kerner.

Joël Kaczmarek: Und hatte ich da auch deinen TV-Papa hingeworst? Oder wie bist du da hingekommen?

Matthias Killing: Nee, ich habe einfach eine E-Mail geschrieben an den damaligen Sportchef. Ich war schon beim Frühstücksfernsehen und habe dann dem Sportchef, den ich bei einem Charity-Spiel kennengelernt hatte, habe ich dann eine Mail geschrieben, ob wir uns mal zum Mittagessen treffen können. Und dann hat seine Sekretärin mir geschrieben, ja, In zwei Monaten wäre noch ein Slot frei. Und dieser Mann, Sven Froberg ist sein Name, lebt heute in Wolfsburg, ist heute einer meiner besten Freunde und ist beruflich mein Mentor geworden. Und der hat dann die Schritte, also, wir haben uns bei diesem Mittagessen dann sehr gut verstanden. Und der hat das möglich gemacht und ist dann belächelt worden. Was macht er denn jetzt? Und wer ist denn vom Frühstücksfernsehen? Lässt der ein Fußballspiel moderieren? Der hat es ja nicht alle. Und so ging es los.

Joël Kaczmarek: Was hat er in dir gesehen? Hast du dich mal gefragt, was es war?

Matthias Killing: Talent. Ja, natürlich. Also, er hat gesagt, du bist eines der größten Talente, die ich je irgendwie erlebt habe. Das ist natürlich eine Wahnsinns-Aussage für mich gewesen. Und das hat mich sehr motiviert. Und dann habe ich sehr schnell lernen müssen, dass du als Fußball-Kommentator-Moderator nur so gut bist wie das Recht, was dein Sender sich gekauft hat. Heute werde ich nicht als guter Fußballmoderator wahrgenommen, weil ich nämlich gar nicht als Fußballmoderator wahrgenommen werde. Also null.

Sebastian Krumbiegel: Obwohl es sich seit einiger Zeit gerade wieder ein bisschen eingekauft hat.

Matthias Killing: Und ab nächstem Jahr haben wir wieder ein ganz kleines Fußballrecht, mit neun Spielen pro Jahr. Und dann hoffe ich, dann werde ich zumindest wieder als Fußballmoderator wahrgenommen. Ob, dann als guter müssen andere entscheiden. Aber du bist nur so gut wie dein Recht, da finde, ich steckt viel Wahrheit drin, Weil würde ich jetzt eine WM moderieren. Und es gucken mir 20 Millionen Menschen zu, und ich mache keinen Fehler, Die gucken übrigens nicht. meinetwegen, Die Gucken während des Spiels. Das muss man ja auch immer für sich sehen. Du bist ja nur ein kleiner Begleitpunkt einer Fußball-Sendung. Aber dann wirst du so wahrgenommen, ja, das macht der ganz gut, der Kerl da, alles klar. Wann geht das Spiel endlich los?

Joël Kaczmarek: Was ist denn die Fähigkeit, die man als Moderator bei so einer Nummer ranhaben muss? Worauf gucken die Leute? Ich habe auch bis heute nicht verstanden, was irgendwie Béla Réthy jetzt als Kommentator anders macht, als, also klar, eingängige Stimme und so.

Sebastian Krumbiegel: Als Marcel Reif.

Joël Kaczmarek: Ja, mit dem ich zum Beispiel nicht so viel anfangen konnte, By the way. Siehst du,

Matthias Killing: also, Es ist immer Geschmack und Subjektivität. Was musst Du mit... Du musst zuhören, du musst eine schnelle Auffassungsgabe haben, du musst bestimmte Dinge schnell umsetzen können, im Sinne von analysieren, Aber vor allem musst du eins haben als Moderator, Du musst immer versuchen, den Zuschauer so an die Hand zu nehmen, also, du musst immer im Kopf haben, Was könnte jetzt den Zuschauer interessieren. Es geht nicht darum, was mich interessiert, sondern was interessiert meinen Papa oder deinen Papa oder deinen Papa oder Mutter, oder wen auch immer. Also, du bist der verlängerte Amt des Zuschauers, Mehr bist du nicht.

Sebastian Krumbiegel: Und du darfst nicht, wenn du ein Schalke-Spiel moderierst, darfst du dich als Fan outen oder nicht?

Matthias Killing: Nein, also natürlich. Jeder, der sich mit mir beschäftigt, weiß, dass ich Schalke-Fan bin. Natürlich kann man sich da outen und viele Kollegen. Also Ich bin doch in den Beruf gegangen, weil ich fan bin. Ich fände es immer so verlogen, wenn die alle sagen, nein, ich bin da völlig neutral. Ich glaube,

Joël Kaczmarek: Beckmann ist Bremen-Fan, wenn wir uns da umschlagen, oder? Ja,

Matthias Killing: und Hansi Küpper ist Dortmund-Fan. Das ist doch normal. Also, wir haben doch alle mal als Fan angefangen. Und wir alle haben eine Faszination für Fußball, weil wir Fans von irgendeinem Verein sind. Du von Leipzig, du von Hertha, ich von Schalke. Im Gegenteil, Ich habe auch damals viel Schalke-Spiele moderiert. Ich bin wahrscheinlich bei meinem Verein sogar noch ein bisschen strenger. In der Fragestellung an den Trainer.

Joël Kaczmarek: Ja, stimmt. Ich habe eigentlich den Eindruck, dass bei Fußball der Humor so kurz kommt. Ich würde mir manchmal viel mehr Witz wünschen. Hier, das ist keine Liegewiese, steh auf oder so. Weißt du, was ich meine? Warum macht man das nicht? Muss man ein bisschen konservativ sein?

Sebastian Krumbiegel: Es gibt doch den Spruch, ich glaube, Paul Gascoigne hat ihn mal gesagt, es gibt Leute, die sagen, Fußball ist wie Krieg. Das stimmt nicht. In Wahrheit ist es viel schlimmer. Und das ist echt, da ist was Wahres dran. Und es können Leute, die da keine Verbindung zu haben, können das nicht verstehen. Wenn ich jetzt versuche, jemandem zu erklären, wie sich gerade ein Werder Bremen-Fan fühlt, Dann sagen die, Der beste Spruch oder der beschissenste Spruch ist einfach dann zu sagen, na, dann gewinnen Sie eben beim nächsten Mal. Ey, nein, Leute, eben nicht. Und das ist wirklich, das kann man nur verstehen, wenn man da dabei ist. Und es ist eine ernste Sache.

Matthias Killing: Aber weißt du, um deine Frage zu versuchen, zu beantworten, es ist egal, wer das Spiel begleitet. Der Kommentator ist in erster Linie Wurst. Und noch wurstiger ist der Moderator, der vorm Spiel oder in der Halbzeit spricht, Weil da gehen die Leute Bier holen oder aufs Klo oder weiß der Himmel, was. Das ist Wurst. Deswegen ist auch wenig Humor. Wir machen unseren Job, weil es ist geil, im Stadion zu stehen. Und es ist geil, da, irgendwie mit Lothar Matthäus zu quatschen oder Michael Ballack oder so. Das sind ja auch Helden meiner Jugend. Und wir machen diesen Job, weil wir das Spiel begleiten. Aber du guckst doch auch ein härter Spiel, weil härter spielt und nicht, weil Kai Dittmann, der Kommentator bei Sky ist.

Joël Kaczmarek: Ja, klar, aber was hat Mehmet Scholl zu Mario Gomez damals gesagt?

Matthias Killing: Mit dem Wund gelegen. Siehste, Man merkt sich das schon. Er ist aber ein Experte, ein Moderator. Darfst du das dem Spieler nicht sagen?

Joël Kaczmarek: Ja, oder Netzer und Delling und so.

Sebastian Krumbiegel: Was hat Materazzi zu? Zidane gesagt?

Joël Kaczmarek: Ja, dass seine Schwester irgendwie... Ja,

Sebastian Krumbiegel: fuck ey, das war so bitter damals.

Joël Kaczmarek: Aber wobei ich sagen muss, ich glaube, das hat dem Gomez in der Seele wehgetan, dieser Spruch. Den fanden alle witzig. Ich fand ihn in dem Spiel gar nicht so gerechtfertigt, ehrlich gesagt. Aber ich glaube, das hat ihm die Karriere, glaube ich, ordentlich eingedellt. Weil es ihm, glaube ich, sein Selbstwertgefühl... Beschädigt hat. Das kann ich ja verstehen.

Matthias Killing: Ich habe mir damals die Frage gestellt, warum tut er das jetzt? Er sieht ja selber übrigens mit so einem Spruch, der ist ja nicht mal Kult geworden. Also, der ist ja eher negativ behaftet, irgendwie. Aber Fußball ist halt Emotion. Und da rutscht ja dann auch mal was raus. Und da passiert das dann eben auch. Also das ist so.

Sebastian Krumbiegel: Das war ja, glaube ich, genau. Die Erfindung von ran. Ja, stimmt. Ich bin damals erst wirklich durch diese, man würde jetzt vielleicht sagen, Reißerische Berichterstattung, Dadurch bin ich dann schon Fan geworden, weil du hast eben dann die Zeitlupen gesehen, Du hast Blutschweiß und Tränen gesehen, und du hast irgendwie das Tor nochmal aus dem anderen Winkel. Und du hast dann die Analyse, und was weiß ich alles gesehen. Und das hat Fußball auf eine völlig andere Entertainment-Ebene gehoben.

Joël Kaczmarek: Ich habe gelesen, bei den Elf-Freunde-Magazinen, das wusste ich auch nicht, dass ran. Die erste Sendung war, die eingeführt hat, Fußballer direkt nach dem Spiel am Spielfeldrand zu üben. Deswegen ran, da habe ich noch nicht drüber nachgedacht, das ist der Name sozusagen.

Matthias Killing: ran, ran, ran, genau. Und das hat mich damals völlig begeistert. Ich habe heute die Gelegenheit natürlich gehabt, bei so diversen Feierlichkeiten, diese ganzen Kollegen von damals auch kennenzulernen. Ich bin mit vielen in Kontakt und ich schaue sehr ehrfürchtig. Genau deswegen, weil die so... Pioniere waren, zu den Hoch und allein die ran-Fahrt, Jede Sendung damals hat mit einer ran-Fahrt begonnen. Das war immer so ein metrisches Wunder. Jetzt erst der FC Köln zum Beispiel. To. Und die Polster hat damals da gespielt. Also dann, hieß es. Polster rot, Geißbock tot, Köln in Not. Das ist natürlich eine Kunstform gewesen. Also, die ist für mich bis heute unerreicht. Das wird sich aber auch in den öffentlich-rechtlichen, also 1992, 93, Niemand getraut. Und die haben damals die Eier gehabt und haben das einfach gemacht und waren ja deswegen noch zehn Jahre da. So, Und dann wurde natürlich alles immer größer und dann das Geld immer knapper und so.

Joël Kaczmarek: Ja, aber ich muss auch echt sagen, ich finde, was bei DAZN zum Beispiel so unterirdisch ist, Neben der Menüführung, sind die Moderatoren, die Kommentatoren. Das ist einfach so.

Matthias Killing: Ich gucke es aber trotzdem gerne. Warum? Weil ich das Spiel sehen will.

Joël Kaczmarek: Ja, ja, gut. Aber das ist ja irgendwie... Manchmal würde ich mir wünschen, den Ton ausschalten und so eine Radioübertragung. Aber du DaRFST JA einfach...

Matthias Killing: Also diese Leute, die dann irgendwie mit einem erhebenden Gefühl irgendwie durch die Welt fliegen, im Sinne von, Ich bin Fußballmoderator, ein Scheiß bist du. Ja, also, du hast das große Glück, da... Arbeiten zu dürfen und noch Geld dafür zu kriegen, wo andere irgendwie Geld für bezahlen, Weil sie sich eine Karte kaufen, hoffentlich irgendwann wieder.

Joël Kaczmarek: Ja, geile Einstellung.

Matthias Killing: Aber so, das ist ein Geschenk, dass du das darfst. Aber kein Mensch guckt eine Fußball-Sendung wegen des Moderators Matthias Killing. Damals nicht und ab 2021 auch nicht. Die gucken, weil Sie Fußball sehen wollen.

Joël Kaczmarek: Was ist denn, so der Unterschied, wenn man Fußball-TV macht, versus Frühstücksfernsehen?

Matthias Killing: Der Riesenunterschied ist die Arbeitszeit. Und ansonsten ist der Anspruch der gleiche, nämlich für den Zuschauer, das Bestmögliche zu geben. Das ist gleich. Natürlich ist die Art der Arbeit ein bisschen anders. Beim Frühstücksfernsehen habe ich Zeit. Sebastian, Du bist bei mir zu Gast. Wir haben acht Minuten miteinander zu reden. Beim Fußball habe ich 1,30 Minuten. Weil da sind noch sieben andere TV-Stationen dahinter, die wollen auch noch, was weiß ich, Jérôme Boateng gerne interviewen. Das ist, glaube ich, der Unterschied. Du musst Kompakter sein, du musst schneller sein in der Umsetzung. Und es wird natürlich auch mehr hingeguckt, und du musst deutlich mehr Kritik aushalten. Bei 80 Millionen Bundestrainer kapriziert sich natürlich das Negativ-Feedback auf dich. Ganz anders als beim Frühstücksfernsehen. Da werden wir in der Regel eher gemocht. Beim Fußball werden wir eher gehasst.

Sebastian Krumbiegel: Der hat doch keine Ahnung. Genau. Wirklich.

Joël Kaczmarek: Kannst Du mal irgendwie so grob einschätzen, Wie hoch ist die Differenz zwischen Fußballpromi oder Fußballspieler? Vor der Kamera? Und dahinter? Ich glaube ja, mittlerweile sind alle so geleckt und trainiert nur noch. Also nicht nur fußballos, sondern auch verbal.

Matthias Killing: Also, ich habe mich mehr mit einem wirklich eng befreundet, was ich gerade sagte. Mit dem Stevie in Düsseldorf. Es spielt ja aktuell. Da kann ich sagen, der ist vor der Kamera. Genauso wie privat.

Joël Kaczmarek: Der hat aber auch nicht so eine hohe Fallhöhe, muss man fairerweise sagen.

Matthias Killing: Der ist auch noch da so ein bisschen unbefleckt. Ansonsten ist natürlich klar, also, wenn du in die Eistonne trittst, wie, wie hast du denn, Hier ist in die Batterietonne doch damals getreten. Wer war denn bei der WM? Mertesacker. Mertesacker und so. Und schon reden alle über diese Scheiß Eistonne, anstatt zu sagen, ja, der war halt sauer, Der hat halt in die Tonne getreten.

Sebastian Krumbiegel: Mertesacker hat ja ein paar gute Sprüche drauf gehabt, auch damals dieses legendäre Interview nach diesem WM-Spiel, dass sie zwar gewonnen haben, aber eben schlecht gespielt haben. Algerien war das. Und die erste Frage war irgendwie, Ja, war ja nun kein besonders tolles Spiel. Und da ist der echt so halb ausgerastet. Das war mir so sympathisch. Ja, das war doch das Tonneninterview. Das war doch die Eistonne.

Matthias Killing: Aber was ist denn passiert? Er hat wieder auf die Fresse gekriegt.

Sebastian Krumbiegel: Für mich nicht. Für mich auch nicht. Für mich nicht. Also, ich glaube auch für sehr viele Leute. Der hat sich sozusagen als menschlicher Typ gezeigt. Der hat gesagt, sagen wir mal, sollen wir schön Fußball spielen und verlieren? Oder sollen wir Weltmeister werden?

Matthias Killing: Das Problem ist aber, dass natürlich alles auf die Goldwaage gelegt wird. Ja. Und immer wieder Kritik kommt. Also hier draußen. Wunderschöne Berliner Ecke. Da sitzt jetzt ein Hertha-Spieler in dem Eisladen Nebenan und isst ein Eis. Mit acht Kugeln und Sahne. Ich gönne es ihm vom Herzen. Er kann es aber nicht, weil irgendein Idiot ein Foto macht und postet, guck mal hier, Der Hertha-Spieler hat acht Kugeln Eis und Sahne. Der ist doch Profisportler. Und das ist ja genau der Punkt. Deswegen, glaube ich, sind die auch oft so... Deshalb fehlen diese Typen, Schnauze voll, Ich habe keinen Bock mehr, Der Trainer geht mir auf den Sack. Das gibt es nicht mehr, weil eben alles doppelt und dreifach wie ein Bumerang abgesichert ist und ist zugekommt.

Joël Kaczmarek: Aber jeder von uns merkt sich, wenn es mal nicht so ist. Wenn man hier so irgendwie, also Thomas Müller, ist für mich so ein Kandidat, der lässt mal einen raus. Oder Rudi Völler damals mit Waldemar Hartmann, Hier komm, du Zischst dein drittes Bier und laberst mich hier voll und so.

Matthias Killing: Es gibt immer ein paar rühmliche Ausnahmen. Ist auch gut so, Ich würde mir sehr viel mehr das auch wieder wünschen. Ich habe zum Beispiel Jürgen Klopp als Dortmund-Trainer interviewt vor dem Spiel, Schalke Dortmund. Dann standen wir da am Spielfeldrand, damals für LIGA total! und dann hat der, Das war so wie Sky, LIGA total! war das Angebot von der Telekom, Das lief irgendwie im Netz. 2012, 2013 So in den Jahren. Und dann stand Jürgen Klopp da. Und dann habe ich ihm die Frage gestellt, ich sage, Jürgen, Also die letzten vier Spiele. Dortmund-Schalke, Alle verloren gegangen. Was ist schlimmer? Das Fünfte in Folge zu verlieren oder nicht, Meister zu werden? Fand ich eine gute Frage. Fand ich eine gute Frage von mir. Antwort von ihm, ist ja klar. Dass mir ein Schalker so eine tendenziöse Frage stellt. Geile Antwort. Der war zum Beispiel so einer, der konnte sich das eben auch trauen. So, Und dann haben wir uns so gekebbelt und so. Und dann war alles cool. Ich war ja stolz, dass er wusste, dass ich Schalke-Fan bin. Also, er hatte sich damit beschäftigt. offensichtlich. Das ist aber okay. Also, das ist aber leider eben sehr selten geworden, Weil woanders könnte das ja dann wieder auch, auf einem anderen Niveau selbstverständlich, dann auch wieder, was weiß ich, in der Bild-Zeitung oder wo auch immer diskutiert werden. Davor haben Sie Schiss.

Joël Kaczmarek: Aber ist ja vielleicht eine schöne Brücke zu diesem ganzen Thema, was du vorhin auch mal angerissen hast, ist Verantwortung. Also spürst du Verantwortung als Medienmacher?

Matthias Killing: Ja, hundertprozentig. Natürlich. Also klar. Und zwar, insofern, die Wahrheit zu erzählen, zu versuchen, die Wahrheit zu erzählen, zu versuchen, Die Wahrheit rauszufinden. Gerade jetzt, in der Corona-Zeit war das ein Thema, was mich täglich beschäftigt hat. Eben keine Meinungsmache mitzumachen, eben versuchen, bei den Fakten zu bleiben, versuchen, bei den Zahlen zu bleiben. Und so weiter. Also, da haben wir natürlich eine Verantwortung. Als Medienschaffende sind wir... Meinungsbildend ist so hart, Jeder bildet sich seine eigene Meinung, Aber ich sag mal, einer Nachricht, die ich irgendwie in einer BILD Corona Spezial, Wie es damals hieß, da haben ja auch manche gesagt, du darfst keinen Fall mit der Bild-Zeitung, bist du irre. Ich habe aber immer die Wahrheit, erzählt, Im Sinne von, So, wie ich sie nach meinem besten Wissen und Gewissen recherchiert habe. Und da dachte ich dann so, okay, die, die mich jetzt hier beschimpfen, Die glauben aber irgendeiner Facebook-Scheiße. Da passt ja irgendwas nicht. Deswegen haben wir da schon eine große Verantwortung. Das meinte ich vorhin mit Bad News Are Good News. Wir sind ja immer bei den 200 Dresdner Idioten, die irgendwie rumgekeift haben. Keiner hat gesagt, 1,5 Millionen Menschen haben friedlich gefeiert. Ich weiß noch genau, wie ich im Frühstücksfernsehen genau das gesagt habe.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe gesagt,

Matthias Killing: wir reden jetzt hier in den Nachrichten über 230 Pegida-Menschen, die Rumkrakkelt haben. Und Merkel? Und wer war damals Bundespräsident? Gauck. Ausgerechnet Gauck.

Sebastian Krumbiegel: People of Color, Echt böses, rassistisch beleidigt haben.

Matthias Killing: Keiner redet über die 1,5 Millionen Menschen, die friedlich gefeiert haben.

Joël Kaczmarek: Ja, aber das wäre meine nächste Frage gewesen, wenn du sagst, Ihr habt auch dieses Battle, 100.000 Einschaltquote hier, Minus 50.000 da. Wie kriegst du das hin? Weil wegen 1,4 Millionen friedlichen Onkels und Tanten stellt ja keiner ein. Streng genommen,

Matthias Killing: ne? Du kriegst das so gar nicht hin. Wir haben zum Beispiel im Frühstücksfernsehen, Das finde ich ganz toll, Wir haben freitags eine Rubrik, Die heißt Gute News. Da ist eine junge Kollegin, die recherchiert das Woche für Woche. Und dann erzählt die, So Viele Millionen Bäume sind gepflanzt worden. In oder neulich, was mich total beeindruckt hat, Wir haben ja wochenlang über die Waldbrände in Australien, berichtet. Da hat sie Bilder bekommen vom australischen Fernsehen, wie diese Flächen, die vor sechs Monaten noch gebrannt haben, Wie die hier alle aussehen. Die sind alle wieder grün. Die gute News dahinter ist also, wie die Erde es schafft, die verbrannte Fläche, sich mit Leben, mit Natur zurückzuholen. Wird aber nicht darüber, berichtet. Und ich bin aber dankbar, dass wir eben an der einen oder anderen Stelle... Das auch machen dürfen und auch machen können und auch die Zeit dafür bekommen. Ja, das ist eben so eine Verantwortung, die aber zum Glück meine Chefs auch mitgehen.

Joël Kaczmarek: Wie ist es sonst bei dir? Du bist ja auch fleißig. Am Podcast, habe ich gesehen. Du bist ja auch mit einem eigenen Podcast dabei, wo du viele Fußballer natürlich auch hast. Killing trifft, Hast du den genannt. Wie kamst du dazu? Ich versuche mal, so rauszuarbeiten, was so dein Potpourri ist, wie du Dir deine Strategie hinlegst als Medienmacher.

Matthias Killing: Ich habe keine Strategie, Das vorneweg. Also, da brauchst du gar nichts. rausarbeiten. Einfach Spaß an der Freude. Ganz einfach. Meine Frau hat zu mir gesagt, ey, du musst einen Podcast machen, das tut total heißer Scheiß, Jetzt alle machen Podcast. Und das war im Januar 2000. 19. Und dann habe ich gedacht, so Podcast. Und dann habe ich Samstagabend da gesessen, habe gegoogelt und habe so eine App gefunden, wo du, Also nicht so professionell wie hier bei euch mit tollen Mikros und so. Und wir sitzen gemeinsam in einem Raum, habe aber so eine App gefunden, mit der ich das irgendwie machen kann. Kostet nichts. Und dann drücke ich auf den Knopf, dann nehme ich da in mein Handy, was auf, dann drücke ich auf den Knopf. Und dann geht das gleich zu Spotify und Apple und so zu den großen Anbietern raus. Und dann habe ich so meinen ersten Podcast gemacht. Damals war Handball-WM. In Deutschland, Dann habe ich einen Kollegen angerufen, mit dem ich eh zur Handball-WM gearbeitet hatte, Mimi Kraus, Der war mal Weltmeister auch mit Deutschland, 2007. Und dann habe ich gesagt, Mimi, ich will mit dir einen ersten Podcast machen. Und dann habe ich einen ersten Podcast mit Mimi gemacht, indem ich ihn angerufen habe, Mein Mikrofon neben den Handy-Lautsprecher gelegt habe und dann mit ihm eine Stunde gequatscht habe. Na geil. So, das war mein erster Podcast. Dann habe ich den veröffentlicht und am nächsten Morgen war ich auf einmal in diesen Apple-Charts, Ich habe keine Ahnung, wie aussagekräftig die sind, war ich auf einmal Platz zwei.

Joël Kaczmarek: Ehrlich, das ist schon wuchtig. Also, ich habe es auf Platz 4, glaube ich, mal geschafft. So,

Matthias Killing: Und dann kommt der Sportler in mir, das hat mich dann motiviert. Und dann habe ich gesagt, da mache ich noch einen. Das ist ja überragend. Und dann habe ich noch einen gemacht und dann ging das so los. Und dann habe ich so ein halbes Jahr das gemacht, bis Juni, und dann sind mir die Gäste ausgegangen. Dann wusste ich nicht mehr so richtig weiter. Jede Woche war der Anspruch, einen zu machen. Und dann bin ich im Juni 2019 in die Sommerpause gegangen. Und diese Sommerpause ging also bis Mai 2020. Also bis in die Corona-Zeit oder April. Und dann habe ich da so gesessen und habe gedacht, ich könnte mal wieder anfangen. Und dann hatte die App ein neues Feature, dass man also nicht mehr telefonieren muss oder nebeneinander sitzen muss, Sondern, dass man die Leute jetzt via Internet irgendwie zuschalten kann. Und seitdem mache ich das wieder mit viel Freude. Also Killing trifft ist ein Podcast, wo ich Sportler zu Wort kommen lasse und mit Sportlern. Über deren Karriere spreche, über die Karriere. Manchmal auch nach der Karriere, aber auch über aktuelle Anlässe, Die passieren. Und da nutze ich eben mein kleines Netzwerk und mache das sehr gerne, aber unregelmäßig. Also du machst es ja professionell, Joël, oder ihr macht es professionell. Professionell und habt ja auch wahrscheinlich da eine Strategie. Meine Strategie, wenn ich jetzt sagen würde, Ich muss jede Woche oder jede zweite Woche einen bringen, dann wäre ich schnell wieder tot. Also mein Hauptjob ist ja ein anderer. Und ich mache es dann so, wie ich gerade Zeit habe. Und das macht Spaß.

Joël Kaczmarek: Deine Frau hat gesagt, du musst das machen. Was ist dann das Ziel? Geld verdienen, Aufmerksamkeit, Spaß haben? Was ist da sozusagen?

Matthias Killing: Mein Ziel ist ausschließlich Spaß, haben. Genau. Und wenn ich mit meinem Spaß Menschen erreiche, nee, Geld verdienen, ist dann nicht das Ziel. Du wirst mir das jetzt anders, erklären. Ich glaube, du könntest mir erklären, dass man mit Podcast Geld verdienen kann. Ich habe mit meinem Podcast noch keinen Cent verdient. Ich hatte mal so ein Werbeangebot, da wollte mir einer irgendwie 150 Euro geben. Und hat gesagt, wenn du für das und das da Werbung machst, dann bist du dann, nö, will ich gar nicht.

Joël Kaczmarek: Da würde ich erstmal eine Null dranhängen oder in der Einfamilie sogar zwei.

Matthias Killing: Dann lass uns doch nochmal reden, wie man den vermarkten könnte.

Sebastian Krumbiegel: Das ist übrigens das Schöne. Heute Vormittag war ich bei Jan Müller, seines Zeichens Bassgitarrist von Tocotronic, Hamburger Schuleband. Geile Band. Und der hat mich eigentlich hierher gebracht. Und das Schöne ist, dass er heute gesagt hat, dass er das Gefühl hat, bei der ganzen Podcast, Du hast es eben selbst gesagt, der heiße Scheiß, Jeder macht das gerade, und irgendwie alle wollen dabei sein. Man hat nicht das Gefühl, konkurrent zu sein. Genau wie es übrigens auch bei der Musik ist. Ich habe mal gesagt, Musik ist für mich niemals ein olympischer Gedanke gewesen. Es geht nur darum, was zu machen. Ich bin in keiner Weise, in irgendeiner Weise, Konkurrent zu Tocotronic oder zu den Ärzten oder zu den Fantafia oder zu irgendeiner Band. Wir sind die Prinzen, wir machen unser Ding. Und digital kompakt macht sozusagen Kunst trifft digital. Joël und ich, wir machen unser Ding, und Jan Müller macht sein Ding. Und wir featuren uns auch gegenseitig und sagen dann, Hey, Leute, hört euch mal den Podcast von Jan Müller an. Der ist echt ein guter Typ, der lädt sich interessante Leute, ein. Und ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass wir uns was wegnehmen. Ganz im Gegenteil. Und das hat er so schön, bestätigt, dass wir sagen, wir bereiten uns gegenseitig ein Bett und haben überhaupt kein Problem, damit zu sagen, hey, der Killing macht einen Geilen Podcast und der weiß noch gar nicht, ob er damit Geld verdienen will. Und es war ihm nie wichtig. Und Joël sagt gerade, Mensch, du kannst damit aber Geld verdienen. Ich helfe dir dabei. Hey, das ist doch der richtige Wind. Ja, ich sehe schon, mit der Haltungsmacht. Also Geld verdienen, muss ich auch nochmal sagen, weil das ist ja immer so ein heikles Thema. Spricht man darüber, spricht man nicht darüber. Für mich war Geld verdienen auch bei der Musik nie der Motor, sondern du kannst Geld verdienen, wenn du eine Sache machst, die dir Spaß macht. Weil damit kannst du erfolgreich sein, weil du damit, wenn es dir Spaß macht, wenn es dich erfüllt, besser bist als andere. Oder eben von mir aus Unik bist, in irgendeiner Weise einzigartig bist und damit irgendwas machst. Und dann kannst du Geld verdienen. Und wenn du einen guten Podcast machst und da kommen Leute und sagen, Okay. Wir wollen hier irgendwie Werbung schalten. Oder das weiß ich, was. Hey, dann lass doch damit Geld verdienen. Finde ich überhaupt nichts? Ehrenrühriges.

Joël Kaczmarek: Ich kann mich gar nicht auf dich zu fragen, war da eigentlich recht? Wie viel verdient man als Moderator im Fernsehen? so?

Sebastian Krumbiegel: Zwölf mark die Stunde. Also, du musst ja nicht den Gesumme-Summe sagen. Es hat eins zwölf Ostmark.

Matthias Killing: Es reicht zum Leben. Es ist wirklich ein wahnsinnig privilegierter Job. Das will ich vielleicht sagen. Und es ist natürlich nicht mehr so wie früher. Das ist aber Jammern dann auf höchstem Niveau. Aber es ist ein absoluter Traumjob. Der ausreichend dich verdienen lässt. Was es aber eben nicht gibt, ist eine Sicherheit im Sinne von, Das ist jetzt der Job, den ich ein paar Jahre so und so machen kann. Ich bin immer abhängig, natürlich auch von meinem Publikum, aber auch von meinen Chefs. Also vielleicht kommt nächste Woche ein neuer Chef, der sagt, Bei SAT.1 finde ich alle gut, aber die Killing nicht so. Wie lange ist der Vertrag noch? Okay, letztes Jahr, schreibt den schon mal. So, wird hoffentlich nicht passieren, also glaube ich nicht. Aber das ist vielleicht so die Schattenseite an dem Thema. Aber es ist natürlich schon so, dass das immer noch ein sehr gut bezahlter und privilegierter Job ist, das zu machen.

Joël Kaczmarek: Aber ist ein guter Punkt mit der Abhängigkeit. Was darfst du denn nebenbei machen? Darfst Du dir auch eigene Sachen aufbauen? Wenn du jetzt sagst, Ich monetarisiere meine Podcast, Ich schreibe ein Buch. Darfst Du zum Beispiel bei DAZN hingehen? Und sagen, ich will jetzt da kommentieren, weil ich halt wirklich die Spiele kommentieren will. Und nicht nur die Nachgeschichten nach dem eigentlichen Spiel.

Matthias Killing: Erstmal muss ich nebenberuflich alles mir erlauben lassen, Aber ich dürfte ein Buch schreiben. Aber ich darf nicht zu DAZN gehen. So einfach ist das. Ich dürfte eine Platte aufnehmen und versuchen, in der Musik Erfolg zu haben. Ich darf aber nicht fürs Internet Basketball spielen. Obwohl das mein Sport ist, aus dem ich komme. Ich habe das Mal versucht, Vor ein paar Jahren hatte ich ein Angebot von Magenta Sport. Möchtest Du bei uns arbeiten? Und Du kannst bei uns der Hauptmoderator werden und hast du da Bock drauf? Und wir machen die Basketball-Bundesliga Neu und groß. Und dann bin ich wirklich mit wehenden Fahnen, bin ich da zu meinem Sender. Ich so, Leute, die machen Basketball, geil, Darf ich, mega, yeah. Nein, du darfst nicht. Da ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Aber ich habe verstanden, warum ich es nicht darf. So einfach ist das. Und es ist ja auch ein Vertrauensbeweis, den ich von denen bekomme. Also Du bist unser Mann für... Bestimmte Sachen. Und insofern ist das ein Geben und ein Nehmen. Und meinen Podcast darf ich machen. Ich hatte jetzt auch die Idee, zum Beispiel zur DTM auch einen Podcast zu machen. Und dann kam aber, ja, und wir wollen das vielleicht sogar alle gemeinsam. Und dann haben wir da mehrere Moderatoren für den Podcast und so. Den Podcast gibt es noch nicht. Und dann könnte ich jetzt einmal sagen, das ist aber meine Idee, ich will das alleine machen. Oder ich denke als Team und denke so, ja, ich glaube, Gemeinsam können wir das Ding auch echt cool machen und noch eine breitere Masse irgendwie erreichen. Und für mich selbst habe ich halt meinen kleinen, süßen. Podcast. Aber wie gesagt. Mit einem Handy-Mikro und einer Handy-App.

Joël Kaczmarek: Wir unterhalten uns da mal. Ich sehe schon.

Matthias Killing: Ich sehe das ja dann zum Beispiel, ich bin ja ein Riesenfan von Babylon Berlin, Der läuft ja im Fernsehen, habt ihr den wahrscheinlich auch mal gesehen. Der Thomas, der da sitzt in der Dreierrunde, Wir haben zusammen studiert, vor 20 Jahren. Also, wir haben beide Film studiert. Und Thomas Schmidt ist ja heute so eines der Gehirne hinter dieser ganzen Kreativität von Joko und Klaas. Und es ist immer schön, ihn da zu sehen. Und dann denke ich so zurück, wie wir vor 20 Jahren zusammen in Dortmund gehockt haben und Film studiert haben. Die machen das auch toll. Die haben sich eben auch entschieden, okay, Wir sitzen aber auch zusammen und ich lerne übrigens jetzt durch diesen Besuch hier bei euch gerade, Wie viel Sinn es übrigens macht, auch für einen Podcast. Ich hoffe, Ihr da draußen hört das, dass man sich gegenüber sitzt.

Sebastian Krumbiegel: Unbedingt. Es ist ein Unterschied. Wir haben da so lange drüber diskutiert, weil wir haben bis jetzt ja wirklich nur ausschließlich in Berlin aufgezeichnet, was natürlich irgendwie auch, Jetzt drehen wir uns echt um uns selbst gerade. Das müssen wir wirklich mal erzählen,

Joël Kaczmarek: das ist erzählenswert.

Sebastian Krumbiegel: Das ist echt witzig, weil wir haben echt gedacht, Wir wollen vielleicht auch irgendwie dann über Computer, das irgendwie machen, mit Zoom oder mit eben irgendeinem Programm. Ist was anderes. Und ich glaube, die Gespräche wären nicht so lebendig, wenn wir hier nichts zu dritt. übrigens, Liebe Leute, wirklich, ja, mit Plexiglasscheiben und Corona-Safe, Abstand und so und alles cool, Aber wir sehen uns in die Augen, und das ist was anderes. Am Ende, wie Musik machen. Du kannst heutzutage in einem Studio sein, Du kannst, ich habe gerade gehört, Die letzte Police-Platte, Die haben sich überhaupt nicht mehr verstanden. Am Ende, die drei, ja, Und die ist so aufgenommen worden, dass alle drei immer zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Studio waren, ja. Die haben sich gar nicht mehr getroffen. Die haben sich überhaupt nicht mehr...

Matthias Killing: Und man hört es, ne?

Sebastian Krumbiegel: Man hört es irgendwie.

Joël Kaczmarek: Ja, bei uns war es ja so, Einer der ersten Gäste oder Gästinnen, die wir angefragt haben, war Christina Stürmer. Die sitzt ja noch in Österreich, wo wir nicht mal hinfahren durften, selbst, wenn wir gewollt hätten, damals, als wir sie angefragt hatten. Und da haben wir echt genau dabei, angefangen zu diskutieren. Live, sich sehen versus, nicht sehen. Und dann haben wir schon... Also, wir haben uns jetzt vorgenommen, wir werden auch mal so einen Hamburg-Tag und einen Köln-Tag machen. Ich habe sogar schon keinen Witz angefangen, mal zu gucken, was so Busse kosten. Wenn man sich so einen Bus zu einem beweglichen Studio umbaut. Geil, Ja geil.

Matthias Killing: Gute Idee. Und dann kannst du nämlich zu den Leuten hinfahren und sagen, okay, wir zeichnen jetzt in Schwerin auf. Wir fahren da einfach hin, weil da XY sitzt. Übrigens zu Christina Stürmer. vielleicht, darf ich euch den, also gerade den Musiker unter uns, Das berührt mich nämlich, wenn ich alleine nur den Namen höre. Ich habe Klavierunterricht gehabt von sechs bis zehn. Anderes Thema jetzt, Aber weil du gerade das sagst. Und Christina Stürmer ist dafür verantwortlich, dass ich wieder Klavier spiele, seit ich 33 bin. Weil nämlich sie bei mir im Frühstücksfernsehen zu Gast war. Und ihr Songwriter, du wirst ihn vielleicht sogar kennen, der ist ein bekannter Songwriter, irgendwie, Der spielt auch. Piano und hat irgendwie ganz viele Sachen von ihr geschrieben. Ich habe den Namen vergessen.

Sebastian Krumbiegel: Tobias? Heißt der Tobias mit Vornamen? Also, dann kenne ich ihn.

Matthias Killing: Wenn er jetzt auf mich zukommt, würde ich ihn sehen. Und dann saß ich da so, und wir hatten für Christina ein Klavier aufgebaut. Und er wollte mit Christina spielen. Engel fliegen einsam. Und dann habe ich zu ihm gesagt, ich hatte mal Klavierunterricht, bis ich zehn war. Und das, ach, Aber ich hatte kein Talent und irgendwie, weiß ich auch nicht, Noten lesen konnte ich überhaupt nicht, und das ist alles, scheiße. Und dann hat er gesagt, du brauchst keine Noten, lesen können. Du musst zuhören. Ich zeige Dir mal was. Und dann hat er mir gezeigt, wie ich mit drei Akkorden Engel fliegen. Einsam spielen kann. Und dann habe ich das gemacht. Und das war irgendwie ein C, ein G, ein D oder was, keine Ahnung. Und dann habe ich gesagt, das war einfach. Und das hört sich aber gut an. Und seitdem spiele ich Klavier wieder. Ich bin wirklich an dem Tag, bin ich raus, in Prenzlauer Berg gefahren zu so einem Klavierstudio und habe gesagt, hier, ich brauche so ein Klavinova. Ich habe 1000 Euro, irgendwie so ein Ding, Elektroklavier, Was aber halbwegs Schick aussieht, irgendwie, das stelle ich mir in den Keller. Und dann habe ich das sofort gekauft. Und seitdem spiele ich wieder Klavier.

Sebastian Krumbiegel: Aber nicht nach Noten.

Matthias Killing: Ich kann gar keine Note legen. Ich war keine Ahnung.

Sebastian Krumbiegel: Ich auch nicht übrigens. Das glaubt mir zwar keiner, weil ich Tourmaner war. Aber ich spiele Klavier ausschließlich nach Gehör. Und nach Liedcheats. Ich nehme immer hier diese Gitarre-Tabs-App.

Matthias Killing: Und dann irgendein Lied. Und dann steht da F-Dur, FIS oder was auch immer. Und dann weiß ich genau, was ich drücken muss. Und das macht so einen Spaß. Ich würde damit nie eine Bühnenreife erreichen. ES MACHT EINFACH mir... SAG nie, nie. Nein, es macht unfassbar viel Spaß. Und das werde ich auf ewig mit Christina Stürmer verbringen.

Sebastian Krumbiegel: Das werde ich immer ausrichten, weil ich mag sie ja wirklich sehr. Wir waren ja zusammen, wir singen mal einen Song, damals. Und das war ja wirklich... Sie ist so eine Schamanie und Sie ist so... Ach, sie ist echt eine Gute. Dann frag sie,

Matthias Killing: wie der, hieß. Ich habe den später nochmal wieder getroffen. Irgendwann habe ich ihm das auch, erzählt, bei einer anderen Veranstaltung.

Sebastian Krumbiegel: Aber der kommt nicht aus dem Rheinischen.

Joël Kaczmarek: Aber ich weiß, was du meinst. Ich habe irgendwie damals, lange, bevor wir den Podcast hier gemacht haben, Vor zwei, drei, vier Jahren oder so, habe ich mal Oonagh getroffen. Senta-Sofia Delliponti. War ja auch schon da, Freund von dir. Und da habe ich erzählt, so ja, Mit Musik hat die gemeint, ich sage, ey, mich juckt das auch immer mal so. Musikunterricht. Ich meine, bei mir wäre das auch sinnvoll, meine Stimme mal zu trainieren, Ich verdiene mit meinem Geld. Dann hat die mir ihren Gesangslehrer gegeben. Der hat sogar hier eine deutsche Oper um die Ecke. Oder irgendwie sowas hier da, wo diese Musicals immer im Zoo gespielt werden, Da unterrichtet der und so. Ich habe den seit drei Jahren im Handy drin. Dann war die neulich wieder da, Dann meinte ich so, ey, Ich habe immer noch in meinem Handy die Nummer. Jedes Jahr ist es so mein Jahresziel, den Mal anzukaufen. Wahrscheinlich stimmt die Nummer schon gar nicht mehr. Ja, mach das doch einfach mal oder noch einfacher. Du hast doch jetzt den Sebastian, frag den doch mal, das traue ich mich noch nicht. Da will ich ein bisschen Was können, bevor ich ihm was vorsinge.

Sebastian Krumbiegel: Ich glaube, ich könnte das auch gar nicht. Ich bin überhaupt kein Pädagoge, das kann ich nicht. Ich kann nur irgendwie sagen, Sing, einfach, sei du und mach dein Ding. Ich halte es damit unter Lindenberg, der immer sagt, ich kann meine Songs nicht, was auch sprechen. Und das ist am Ende auch wirklich so. Und er macht das eben auch.

Matthias Killing: Ich glaube, wir haben ja über Erfolg und so auch gesprochen. Und die Frage, wie war das dann bei dir? Ich persönlich glaube, und das spüre ich ja auch bei euch, wie ihr das hier macht. Und das gilt, glaube ich, für jeden da draußen, der auch Erfolg haben möchte. Ich glaube, es gibt zwei Faktoren, die wichtig sind. Faktor eins ist Spaß dabei zu haben, was du tust. Und Faktor zwei ist, dann weiterzuarbeiten, wenn andere aufhören. Und in der Verbindung, diese beiden Dinge zu machen. Also, ich habe mich in meinem Leben 500 Mal beworben. 480 Mal habe ich keine Antwort bekommen. Fünfmal habe ich eine Positive gekriegt und 15 mal eine Absage, so ungefähr. Aber dann weiterzumachen, Ich glaube, das ist wichtig.

Joël Kaczmarek: Ja, da hast du absolut recht. Das stimmt, Das sind zwei Formeln. Ich habe die Tage mir den Podcast angehört. Von Clueso bei Hotel Matze. Und der hat geschrieben, wie er es so...

Matthias Killing: Das ist ja super erfolgreich, Hotel Matze, ne?

Joël Kaczmarek: Ja, bin ich auch ganz baff.

Matthias Killing: Ja, Total Erfolgreicher Podcast, ja. Finde ich auch super.

Joël Kaczmarek: Ja, ich mag den. Ich habe mich dabei manchmal überhöre oder denke so, ach, du Scheiße, zweieinhalb Stunden. Das sind so, okay, 15 Einkäufe oder so, wo ich das dann höre oder 15 Mal zum Bäcker und wieder zurück. Aber auf jeden Fall habe ich dem dazugehört. Und der, der so ein bisschen wie so ein Pferdeflüsterer hat, Ist der Matze manchmal nur für Menschen. Ja, das ist ja so, der denkt so, Wahnsinn, was für eine Frage, so unterm Radar durch und hoch, wieder hochgetaucht. Na, auf jeden Fall habe ich da bei Clueso zugehört. Und dann hast du das erste Mal auch gemerkt, was es bedeutet, Songs zu schreiben. Der macht das ja aber auch immer mit so einem, Das ist ja so der Eins-Plus-Schüler-Gefühl, ne, was so musikalisch angeht. Da denkst du immer so, fuck, das klingt gut, hat auch noch Sinn und überhaupt. Aber das hat er ganz interessant gesagt, dass der auch wie bei dir, Der hat, glaube ich, der meinte so, ey, Ich produziere halt teilweise 150 Songs im Jahr, ja, und weiß ich nicht, 140, schmeiße ich entweder Weg oder packe Sie auf Halde und benutze irgendwann oder auch nie, weil es einfach mein Ding ist und macht mir Spaß. Na gut, aber ich schweife ab.

Matthias Killing: Nee, aber ich finde das ganz, ganz toll. Also, wenn du jetzt den geheimen Traum hast, auch mal zu singen, das eint uns ja, weil es gibt ja... Kaum eine größere, Du unterbrichst mich, falls ich nicht recht haben sollte, Es gibt ja kaum eine größere Möglichkeit, Emotionen auszudrücken als durch Musik.

Sebastian Krumbiegel: Definitiv.

Matthias Killing: Da können wir so viel sprechen hier, wie wir wollen. Also die Emotionen, die du über Musik transportieren kannst, du sitzt irgendwo nachts um vier. In irgendeiner Hotelbar, saß ich vor ein paar Jahren mal, meine Randtruppe, Wir kamen von so einem Boxkampf. Und dann sagt einer, ey, kannst du? Hamburg Meine Perle spielen? ICH sag, klar. Und dann hab ich das gespielt, und dann lag der Wir hatten schon alle 18 Bier drin. Und dann lag dieser HSV-Fan auf dem Klavier.

Sebastian Krumbiegel: Und dann kam Lotto King Karl reingeflogen.

Matthias Killing: Aber da lag ein wachsender Mann auf meinem Klavier in der Hotelbar und hat angefangen zu weinen. Na geil. Weil er Hamburg meine Perle gehört hat, was ich gespielt habe. Und das habe ich nicht gut gespielt. Aber ist ja scheißegal. Aber diese Emotionen, das weißt du ja besser als jeder andere.

Joël Kaczmarek: Ja, ich verstehe manchmal nicht, Warum Musiker auf einmal Schauspiel machen wollen, während ich sehr gut verstehe, Warum Schauspieler Musik machen wollen. Weil das Halt so eine direkte Kunst ist, wo du auch mit deinem Publikum ja direkt Kontakt hast.

Matthias Killing: Senta, ALSO Oonagh, ist ja das allerbeste Beispiel. Die hat neulich ihr Release-Konzert noch vor Corona im Admiralspalast gegeben. Die hatte so eine kleine Tour, Ich glaube, das war eine kleine Tour, sogar. Auf jeden Fall wir da alle hin und so im Freundeskreis, und sie ist mit meiner Frau befreundet. Ich saß da wie ein kleiner, Junge und Hab da hochgeguckt und hab das zutiefst bewundert, Was dieses Mädel... Da, macht. Und dann habe ich ihren Mann angeguckt. Der auch Musiker ist, Vor allem aber auch Toningenieur ist. Und der ist so mitgegangen, der war so dabei die ganze Zeit. Ey, Es hat mich richtig berührt und das schafft nur Musik.

Joël Kaczmarek: Zwei Sachen, die mich noch beschäftigen oder uns hier immer, Wir sagen ja immer. Kunst trifft digital. Wie hat denn so deine Kunst sich durchs digitale verändert? Also merkst du zum Beispiel, dass so Social Media für dich viel macht? Hast du mal drüber nachgedacht, vielleicht doch mal, die Fronten zu wechseln und mehr in die Streamingdienste zu gehen? Oder auch, weiß ich nicht, Facebook und Co.?

Matthias Killing: Nee, bei Facebook habe ich mich abgemeldet, da bin ich nicht mehr. Das fand ich irgendwie doof. Facebook ist für mich. Also beruflich gucke ich da natürlich rein über die Frühstücksfernsehenseite, aber privat findet man mich nicht mehr, Weil bei Facebook war mir einfach zu viel Hass unterwegs und zu viel Krasses. Zeug, womit ich einfach mich nicht umgeben möchte. Und Instagram nutze ich sehr aktiv und das finde ich auch ganz lustig und auch ganz cool. Und da lasse ich an der einen oder anderen Stelle auch mal meinen Gefühlen. Freien Lauf, aber nicht so wahnsinnig viel, wobei ich vieles auch beruflich halte und wenig Privates. Also immer wieder mal, was Privates irgendwie von meinen Hunden. Oder dann zum Thema Tierschutz oder so, Das verbinde ich dann damit, was zu machen. Dafür nutze ich das schon. Zu einem Streaming-Dienst zu wechseln, Den Gedanken hatte ich noch nicht, aber alleine nur deswegen nicht, weil ich mich da, wo ich bin, wahnsinnig wohlfühle. Warum? Deshalb verschwende ich auch keinen Gedanken an einen Wechsel.

Joël Kaczmarek: Und auf der anderen Seite, wenn ich darüber nachdenke, du hast ja gesagt, Bei GIGA habt Ihr ja schon mit Chat gearbeitet. Also eigentlich hast du Digitalisierung wahrscheinlich schon vor vielen anderen, quasi mit deiner Kunst verbunden, wenn ich mal so drüber nachdenke.

Matthias Killing: Hundertprozentig ja. Und ich habe neulich noch darüber nachgedacht, als mir bei GIGA DAS ERSTE Mal... Als ich eine Hater-Mail bekommen, habe, die erste Hater-Mail meines Lebens, Was das aber mit mir gemacht hat. Diese Hater-Mail, das war für mich neu. Da habe ich wochenlang drüber nachgedacht. Und ich habe Jahre gebraucht, damit umzugehen. Also mit Hass, mit Beschimpfungen, Bedrohungen habe ich Jahre gebraucht, das auch so zu filtern, dass ich das nicht an mich ranlasse. Aber damit hatten wir tatsächlich auch weit vor der Zeit mit GIGA schon zu tun, ja.

Joël Kaczmarek: Hast du das immer noch? Also kriegst Du noch solche E-Mails? Ja,

Matthias Killing: natürlich, klar. Also jetzt, gerade in so einer Corona-Zeit, wenn ich dann für den Axel Springer Verlag arbeite und eine Sendung für SAT.1 moderiere, die heißt halt BILD Corona Spezial. Ja, was meinst du, was da los war? Ja, klar.

Joël Kaczmarek: Und wie ist deine Verarbeitungstechnik? Wie gehst Du damit um, dass das nicht anstrengend ist?

Matthias Killing: Das meine ich ja. Dieses dicke Feld zu bekommen, das hat Jahre gedauert.

Sebastian Krumbiegel: Aber hast du es wirklich? Also hast du wirklich ein dickes Feld oder redest Du Dir das nur ein? Weil ich hinterfrage mich da manchmal, ob ich wirklich eigentlich nur so tue, als ob mir das alles scheißegal ist. Weil es macht natürlich doch was mit dir. Natürlich kann man, wenn man Shitstorm erprobt ist, kann man damit besser umgehen, Aber es macht keinen Spaß. Und ich kann natürlich immer... Nein,

Matthias Killing: Hass-Mail Lesen Macht keinen Spaß. Das wird sich auch nie ändern.

Sebastian Krumbiegel: Mach ich auch nicht mehr. Man merkt Es ja sofort, wenn es losgeht, du linke Dreckfresse. Dann wird es gelöscht. So was kriegst du in alter Scheibe. Ich denke einfach, mein offensiver Umgang. Damit ist schon irgendwie zu sagen, ich versuche es, als Ritterschlacht zu sehen, wenn ich einen Shitstorm finde. Den richtigen Leuten kriege. Wenn mich Arschlöcher Scheiße finden, ist das doch okay.

Matthias Killing: Genau. Vielleicht ein Beispiel, weil wir vorhin über das Thema Rassismus gesprochen haben. Clemens Tönnies hat doch letztes Jahr diese Afrika-Aussage da gemacht. Völlig unnötig und völliger Irrsinn. Dann hat er sich drei Monate zurückgezogen und dann wurde ich von Schalke gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Ein Comeback-Interview mit ihm zu führen. Und dann habe ich gesagt, ja, wenn Ihr mir die Fragen nicht vorgebt, sondern ich das so führen kann, wie ich das möchte, dann mache ich das. Und dann habe ich mich mit ihm getroffen und dann habe ich mir das von ihm erklären lassen. Und ich habe... Dann festgestellt für mich, dass da jemand ist, der das wirklich bereut. Also, der es wirklich zutiefst bereut. Und wer sich mit der Person...

Sebastian Krumbiegel: Ist ja gerade ein heißes Thema, Da geht es ja so um die Wurst.

Matthias Killing: Jetzt sind wir gerade wieder bei einer anderen Wurst gerade. Jetzt gehe aber nochmal in meinen Gedanken ein paar Monate zurück, aber du hast völlig recht. Das ist natürlich auch Irrsinn, was da jetzt gerade passiert. Das ist auch unentschuldbar, was da gerade passiert. Das ist totaler Wahnsinn. Aber in dem Fall, diese Aussage, die er da getätigt hat, Ich habe ihm geglaubt, dass ihm das Zutiefst leid tut. Und ich habe ihm auch geglaubt, dass er wirklich einsieht, einen Fehler zu machen. Also habe ich dieses Interview geführt. Das wurde dann veröffentlicht und verschiedene TV-Sender haben das dann genommen. Und so weiter. Ja, und dann ging es los. Und dann war ich auf einmal Rassist. Und dann war ich Nazi. Und dann war ich was, was ich nicht alles. Und ich mache mich mit dem Nazi geheim. Also so, wo ich so gedacht habe, wow, das hat schon was mit mir gemacht. Weil jeder, der mich kennt, weiß, eins bin ich bestimmt nicht, Ein Rassist. Und das hat dann schon was mit mir auch gemacht. Und ich habe wieder dann auch so darüber nachgedacht, okay, das ist schon krass, wie diese Welt funktioniert. Und auch, wie schlimm es ist, Auch in den sozialen Medien, sich manche Menschen, Schrägstrich Kollegen, sich über einen erheben. Also das finde ich richtig. schlimm. Und das bringt mich dann immer wieder auch zum Nachdenken. Und dann fange ich an, zu antworten. Ja, dann antworte ich denen. Dann kannst du ja per Twitter oder so, kannst Du den Leuten ja Direktnachrichten schicken. Und bei neun von zehn Nachrichten lösche ich es dann wieder, nachdem ich es geschrieben habe.

Joël Kaczmarek: Ja, ich mache auch so therapeutisches Schreiben.

Matthias Killing: Genau. Und dann ist es wieder weg. Aber ich frage mich immer, was gibt denen das? Auch dieses Meinung rausbosaunen. Wenn es aber eben verletzend wird. Ich meine, Man muss den Menschen auch mal verzeihen können. Ich finde, das ist eine der wichtigsten Tugenden, die in unserer Gesellschaft leider viel zu kurz kommt. Das ist so, wie bei Uli Hoeneß damals, Die Steuergeschichte. Da habe ich immer gesagt, wir sind wieder bei der Wurst. Wer frei von Schuld ist, Wer verdient, ist die Wurst. So bei dieser Social-Media-Polizei und so, da sind wir. Doch in Deutschland irgendwie, weiß ich auch nicht. Das ist mir alles zu ernst.

Joël Kaczmarek: Ja, Ina Ogu hat das ganz geil gemacht. Die hat mal irgendwie so eine Story gemacht bei Instagram im Auto. Ja, ich war gerade bei wem im Friseur. Ich lade euch das mal hoch. Dann siehst du, wie sich da die Augenbrauen zupfen lässt. Oder sowas. Und dann kam wieder ein Video aus dem Auto und dann kam das nächste. Ja, und übrigens mal an die Internetpolizei, da draußen. Ja, ich hatte einen Mundschutz dabei und nein, ich habe ihn nicht getragen, weil ich bin schwanger. Ich kriege keine Luft. Wenn man schwanger ist, das stimmt nämlich wirklich, durch die Vergrößerung des Bauchs nimmt dein Lungenvolumen ab. Also du hast dann teilweise nur so 40, 60 Prozent Deines Lungenvolumens. Und wenn du dann noch was vornimmst, das verstehe ich schon. Und das fand ich irgendwie cool gemacht. Da hat die so eine drehende Sirene als Icon auf dieses Ding gemacht. Da habe ich gedacht, was für ein geiler Umgang. Ich meine, die ist ja auch hart erprobt, schätze ich mal. Aber da dachte ich, wie lässig. Die Leute hatten sich irgendwie gerechtfertigt, was man eigentlich nicht muss. Und doch auch was erklärt und die auch in ihre Grenzen verwiesen. Von daher verstehe ich, wie es dir da geht.

Matthias Killing: Und trotzdem bleibt das, was jetzt gerade in dieser Fleischfabrik da passiert. Und so ist es aber auch bei Westfleisch, in Paderborn oder Münsterland und so. Das ist natürlich Wahnsinn. Und ich bin froh, dass diese Zustände da jetzt auch aufgearbeitet werden. Das ist aber eine andere Geschichte, Da muss man auch differenzieren.

Joël Kaczmarek: Ja, weißt du, was ja? Das Ding dabei aber ist? Die beiden Beispiele, die du genannt hattest. Hoeneß, Der hat ja nochmal die Fresse aufgerissen. Hier und FC Hollywood und Attacke, Wie sagt der Mal zu sich?

Matthias Killing: Abteilung Attacke.

Joël Kaczmarek: Abteilung Attacke, danke. Das ist ja was anderes. Oder der Tönnies ist ja auch so ein Patriarch. Also, ich will nicht wissen, wen, der da schon abgesägt hat bei Schalke aufs Härteste. Ja, das ist so. Und du bist ja ein netter Typ. Du bist ja eigentlich ein Katalysator, sogar noch. Deswegen, da staumt man ja dann. Wenn jetzt schon die Katalysatoren quasi so angegangen werden, dass man sagt, ey, hier...

Sebastian Krumbiegel: Jeder, der den Kopf aus dem Fenster hält, wird geföhnt. Ja, dein wettkolleg hat es gesagt. Ja, es ist wirklich so und das stimmt. Das ist ein schöner Satz. Man muss damit klarkommen.

Matthias Killing: Wer hat das gesagt?

Sebastian Krumbiegel: Unser Basketler ist Matthias. Er hat das nach meinem ersten Shitstorm gesagt. Ich hatte damals, ich habe die Story, glaube ich, hier schon mal, erzählt. Shitstorm Irgendwie kurz nach den Ereignissen der Kölner Silvesternacht, wo ich mich wirklich irgendwie in irgendeinem Interview bei einer Anti-Legida-Demo in Leipzig wirklich doof geäußert habe oder eben nicht klug darüber nachgedacht habe und irgendwie, ja, ich will das jetzt gar nicht so wiederholen. Irgendwie habe ich einen richtigen Shitstorm gekriegt. Und die ganze Band hat einen richtigen Shitstorm gekriegt. Und alles wurde sozusagen auf uns abgeladen. Und das war echt nicht schön. Und da kam eben dann der Spruch von Matthias, Wer einen Kopf aus dem Fenster hält, wird geföhnt. Und das stimmt. Und dann muss man klarkommen. Und wenn ich mich dann darüber, also entweder. Ich halte meinen Mund in Zukunft und sage nichts mehr, Aber da sind wir dann auch wieder irgendwie bei. Es wäre wirklich die schlimmere Wahl. Weil wir waren vorhin bei Verantwortung. Und ich habe Verantwortung immer abgelehnt. früher. Ich habe immer gedacht, fuck, ich will das überhaupt nicht. Ich will überhaupt nicht für irgendwas verantwortlich sein. Ich mache mein Ding. Ich werde nicht von Steuergeldern bezahlt, ihr könnt mich alle mal. Und das ist aber Quatsch, weil natürlich hat jeder, der in der Öffentlichkeit steht, in irgendeiner Weise Eine Verantwortung für das, was er tut. Wenn er das ablehnt, hat er irgendwas nicht verstanden. Und wenn ich einfach sage, ich halte mich hier raus und ich sage nichts dazu. Und auch im Politischen ist mir sowieso alles egal, die da oben machen. Doch sowieso alle, was sie wollen, ist es Unsinn. Wir müssen uns gerade in solchen Zeiten wie heute, Wo Rassismus wieder eine Rolle spielt, wo Sexismus eine Rolle spielt, wo Antisemitismus eine Rolle spielt, Wo Nazis wieder mit Knarren durch die Gegend rennen. Man muss sich positionieren. Da hat man gar keine andere Möglichkeit. Also ich.

Joël Kaczmarek: Was ich manchmal schade finde, ist mal, dieses sich entschuldigen müssen. Das nervt mich auch manchmal so. Also, da hat jemand mal einen falschen Satz gesagt, und dann wird immer gleich zu Kreuze gekrochen. Ich nehme diese Entschuldigung auch mal nicht, so ernst, weil man immer den Eindruck hat, Die machen das nur, weil sie den Shitstorm fürchten. Deswegen ist es eigentlich ein interessanter Gedanke. Ich finde, das sollte man auch vortragen. Weil ich muss echt sagen, das mag Bizarr klingen, aber eine der ganz, ganz, ganz, ganz, Wahrscheinlich. Die einzige Eigenschaft, die ich an Trump interessant finde oder fast bewundernswert ist, Sein Ding so durchzuziehen.

Matthias Killing: Dass das alles abprallt. Ja,

Joël Kaczmarek: wirklich. Wo ich so denke, Wahnsinn, Dass der sogar noch in die Gegenoffensive geht und den Leuten sozusagen um die Ohren haut.

Matthias Killing: Es ist vielleicht auch zu träumerisch, wenn ich das sage, aber wir haben doch eigentlich genug Probleme auf der Welt. Und ich verstehe immer nicht, warum wir dann