Cover of the episode “Resilienz: 5 Wege, mit gesundheitlichen Schicksalsschlägen umzugehen”

Resilienz: 5 Wege, mit gesundheitlichen Schicksalsschlägen umzugehen

2 October 2026, with Joël Kaczmarek and Andre Bajorat

Transcript

André Bajorat: Mitleid ist der typische Mensch, der dir auf die Schulter klopft, so nach dem Motto Tätschel, Tätschel, Tätschel. Das habe ich ein paar Mal ganz bewusst unterbrochen, habe gesagt, so lass das. Ich will keine ungefragte Hilfe, dass dir einfach plötzlich jemand von hinten dich wegschiebt und du die Balance verlierst. Oder was auch immer. Willst du nicht und Du willst kein Mitleid. Anteilnahme in so einem positiven Sinne ist toll, spürt man sofort. Aber Mitleid ist Horror. Ich versuche es, damit zu machen, indem ich so viel Normalität, wie es irgendwie geht, Ich versuche, denen zu geben, so viel Unabhängigkeit lebe, wie es irgendwie auch nur möglich ist. Also, dass ich halt irgendwie nicht der Hilfebedürftige in jeder Lebenslage bin, sondern versuche halt irgendwie so viel wie möglich, einfach alleine zu machen. Und du kannst nicht alles auffangen. Da sind Dinge, da ist Trauer, Da ist Wut, nicht bei mir, sondern bei meinem Umfeld, die kann ich nicht auffangen. Ich kann nur versuchen, so viel wie möglich, Wie gesagt, auf der einen Seite Normalität, aber auch Nähe darüber Reden zu ermöglichen. Aber alles kannst du nicht auffangen.

Joël Kaczmarek: Hi, FIVE Leute, Hier ist Joël. Und ihr wisst, An unserem Feel Good Friday reden wir für gewöhnlich über Wachstum im Bereich der Gesundheit. Nur manchmal im Leben ist es ja auch so, dass einem die Gesundheit abhanden kommt. Also, dass einem schlimme Dinge passieren, dass auf einmal Dinge nicht mehr gehen, die vorher möglich waren. Unfälle, Schocks, Traumata. Also, Es gibt so einigerlei Dinge, die uns im Leben ereilen können. Und heute habe ich eine Folge für euch Parat mit einem Mann, der das gleich mindestens zweimal hatte. Und wo ich wirklich auch mal wieder bewundert, drauf schaue, weil die zwei Dinge, die er nicht verloren hat, sind seine Zuversicht und sein Humor. Das liebe ich an ihm.

Genau, also was passiert denn eigentlich? Wie bleibe ich resilient, wenn ich gesundheitlich wirklich mal einen echten Schicksalsschlag erleide? Weil der Liebe André Bajorat, der heute da ist, Der hat das gleich zweimal gehabt und kann uns einiges teilen, weil wir auch vieles übertragen können. Aus der Geschäftsführung, aus der er kommt. André wird nämlich immer so liebevoll als der Fintech-Papst bezeichnet. Also wann immer es um Finanzen und Technologie geht, ist André ein gern gesehener Gesprächspartner und ist momentan tätig in der Digitalstrategie der DWS. Und wir kennen uns schon ganz lange, Wir haben schon ganz viele Folgen gemacht, Aber ich glaube, es ist eine ganze Weile her, dass wir zuletzt geredet haben.

Von daher freue ich mich, lieber André, Auch wenn der Anlass ein bisschen ein emotionales Thema ist, ist es auf jeden Fall trotzdem sehr, sehr schön, dich mal wieder zu sehen.

André Bajorat: Das geht mir genauso. Danke, Joël. Ja, letzter Podcast Einige Zeit her mit Dominik von PAYBACK zum Thema Loyalty. Der Anlass könnte ein Besserer sein, aber den sucht man sich ja nicht aus. Und insofern, lass drüber reden.

Joël Kaczmarek: Ja, in der Tat. Mein Vater sagt immer, man hat es nicht leicht, aber leicht hat es einen. Und dich hat es ja auch wirklich schwer erwischt, zuletzt. Also, ich habe das immer nur so aus den sozialen Medien verfolgt. Oder aus Gesprächen mit dir oder auch, wenn Freunde mir erzählt haben von dir. Vielleicht holen wir die Menschen mal so als Erstes ab, was für eine gesundheitliche Reise du hinter Dir hast. Weil es gab ja doch zwei sehr einschneidende Momente in deinem Leben.

André Bajorat: Ja und witzigerweise, das, was du gerade sagst, mich hat es schwer erwischt. Das würde ich wahrscheinlich gar nicht selber so sagen. Obwohl es natürlich etwas ist, wenn man das anderen Menschen erzählt, was wahrscheinlich fast gar nicht einsteigender sein kann. Und dennoch fühle ich das nicht so. Und vielleicht ist das irgendwie auch eines der Geheimnisse, Warum ich so damit umgehe, wie ich damit umgehe. Ich bin vor etwas mehr als zwei Jahren bei einer Wanderung oder nach einer Wanderung im Harz plötzlich zusammengebrochen. Und hatte einen plötzlichen Herztod. Das war das Erste, was mir widerfahren ist. Ich hatte das super große Glück, dass ich Menschen um mich herum hatte.

Auf einem Campingplatz, die die Situation sofort erkannt haben und super gehandelt haben und so etwas Hartes gemacht haben, wie mich ungefähr 15 Minuten am Leben zu halten, bevor dann die Rettung in der Hinsicht. Da war, dass dann irgendwann auch ein Defibrillator und andere Dinge da waren und ich wieder wach geworden bin. Und letztendlich dann... Ein paar Operationen habe ich bei mir ergehen lassen, Mir ist aber genauso gut gegangen, wie eigentlich vorher, Außer dass ich zwei Maschinen in mir habe, nämlich einen Defi und einen Herzschrittmacher, der mich aber gar nicht behindert hat. Oder in irgendeiner Art und Weise, was mit mir gemacht hat, Aber trotzdem hat es natürlich etwas mit mir im Nachhinein gemacht, etwas mit meinem Umfeld gemacht, Weil man plötzlich gesehen hat, wie schnell es vorbei sein kann und hat mir natürlich ein paar Sachen vor Augen geführt, dass ich auch in meinem Leben ein paar Sachen vielleicht auch anders machen sollte.

Das habe ich dann auch echt getan, habe mir lange Zeit gelassen, bis ich dann auch wieder so in das normale Leben eingetreten bin. Aber kurz danach, ungefähr ein halbes Jahr danach, bin ich aber da.

Joël Kaczmarek: Wobei, warte Mal ganz kurz, Der zweite Teil, Der wird ja auch gleich nochmal richtig wuchtig. Ich bin ja mal neugierig mit dem Andersmachen, weil wenn ich es richtig erinnere, haben du und ich, glaube ich, mal telefoniert und du hast mir, erzählt, Das hatte am Ende des Tages, glaube ich, mit... Äderchenbildung auf der Rückseite des Herzens oder Sowas zu tun?

André Bajorat: Man weiß es nicht genau. Also das sind halt keine Äderchen, sondern es ist in der Tat so, Dass du Extrasystolen haben kannst und irgendetwas im Herz geht. Schief. Und du kannst es dann durch eine Verödung. Kannst du das Ganze Versuchen, zu verhindern? In der Zukunft. Also ein Vorhofflimmern, was dann entstehen kann. Und das war bei mir so, und das hat man halt auch mit einer sogenannten Ablation behandelt. Aber trotz alledem, was ich gerade schon, sagte. Einen Herzschrittmacher und auch einen Defi in mich einbauen lassen. Das kann dann schon danach ganz gut wieder funktionieren. Der Defi hat auch nur einmal ausgelöst.

André Bajorat: Merkt man übrigens, wenn er ausgelöst. Das hat schon ein bisschen was verändert.

Joël Kaczmarek: Ich bin neugierig. Du bist ja jetzt nicht so, dass du morgens, mittags, abends Hamburger isst. Und nur auf der Couch sitzt. Radfahren ist ein großes Thema für dich, ein sehr sportlicher Typ. Deswegen war ich mal ganz kurz neugierig, als du gemeint hast, du hast durchaus einige Sachen geändert. Im gesundheitlichen Lebensstil hätte ich jetzt nicht so viel vermutet. Was hast du denn hinterher anders gemacht?

André Bajorat: Ja, Unter anderem war es so, dass ich in einer privaten Reha-Klinik kurzzeitig war. war. Also, ich war in einer ganz normalen staatlichen Reha-Klinik oder einer berufsgenossenschaftlichen oder wie auch immer die heißen Reha-Klinik, aber habe davor halt auch eine Woche oder zehn Tage in einer privaten Reha gemacht. Und dort stellte eine Psychologin unter anderem fest, dass man bei mir nicht so richtig unterscheiden kann. Zwischen dem sogenannten Sympathikus und Parasympathikus. Was heißt das? Also, dass ich halt irgendwie immer in so einem Dauer-on-Modus war. Und mir, und auch meinem Organ damit gar keine Chance gegeben habe, zu erholen. Ich habe das zwar immer so empfunden, dass ich zum Beispiel beim Radfahren oder beim Laufen, doch super entspanne. Aber natürlich kannst du dir vorstellen, dass dann die Entspannung, wenn du trotz alledem wieder in deinem ganz normalen Modus oder sogar noch drüber bist, Nicht ganz so groß ist.

André Bajorat: Und wir haben uns dann festgestellt, durch das Herz auslesen, wie du eigentlich im Entspannungsmodus sein solltest. Und bei mir war es kein Unterschied. Also, da gibt es einfach eine HRV, nennt sich das Ganze.

Joël Kaczmarek: Herzfrequenzvariabilität.

André Bajorat: Genau, die du auslesen kannst und wo einfach mehr oder weniger eine Flat. Linie Da war und daran habe ich da was geändert, indem ich halt dann Dinge getan habe,

André Bajorat: die ich lange Zeit davor eigentlich immer für mich nicht geeignet oder sinnvoll erachtet habe. Yoga, Meditation, Dinge, Wo ich immer sagen würde, hey, für jeden, der das mag und sowas, super, Ich habe es davor nicht benötigt, erachtet mich näher, mit dem Thema zu beschäftigen oder es in irgendeiner Art und Weise in meine Routinen einzubauen. Das habe ich dann ab dem Moment, wirklich, wie ich das meine, ab dem Moment gemacht. Ich bin AUS dem... Zimmer der Psychologin rausgegangen und habe mir danach sofort

André Bajorat: Headspace wieder installiert, was ich Jahre zuvor schon mal von Jan Bechler empfohlen bekommen hatte, aber nie in meinen Alltag eingebaut hatte und habe dann auch sofort Yoga angefangen. Ein Jahr, bevor ich dann das zweite Thema, über das wir gleich noch sprechen werden, erlitten habe, bin ich dann schon mit einem geänderten Rhythmus, mit einem geänderten Alltag durchs Leben gegangen. Und es hat schon was verändert. Und natürlich auch der Umgang mit Freude, der Umgang mit Menschen, die mir wichtig sind, also, das heißt meine enge Familie, meine Freunde, Das hat sich schon danach sehr, sehr stark verändert. Wie sehr ich das, der schon immer ein Mensch war, der sehr mit Freunden und Familie umgegangen ist, Wie sehr ich das genossen habe und wie sehr ich das auch immer noch forciert, habe, Mit meinem engsten Freundeskreis Zeit zu verbringen.

Joël Kaczmarek: Die Zerbrechlichkeit des Lebens, Wenn die einem so ins Gesicht geschlagen wird, Da geht man nochmal anders aufs Leben.

André Bajorat: Ich glaube, das ist auch nicht bei jedem, so. Und es war jetzt auch nicht so, dass ich ab dem Moment alles, was ich getan habe, immer sofort abgewogen habe nach dem Motto, ey, Das könnte das letzte Mal sein, das wäre albern. Ich glaube, dann hat man keine Entspannung mehr und vielleicht auch weniger Freude. So bin ich mit Sicherheit nicht und auch nicht gewesen. Trotz alledem, ja, was ich gerade, sagte, also Bewusste Momente schaffen. Und das klingt immer so nach einer Allgemeinphrase. Aber ich habe das wirklich für mich noch mehr entdeckt, Freude zu haben, bewusst, Zeit mit Menschen zu verbringen, Dinge zu tun, die mir und meinem Umfeld gemeinsam Freude machen. Das konnte ich, glaube ich, schon immer ganz gut, aber das habe ich bewusster gemacht.

Joël Kaczmarek: Interessiert mich auch persönlich mal, wenn du dann mit Yoga und Meditation am Start warst, ist denn dann deine Herzratenvariabilität runtergegangen? Also konntest du den Effekt sehen? Hat es geholfen?

André Bajorat: Das konnte man dann irgendwann bei mir nicht mehr so richtig feststellen, durch meinen Herzschrittmacher. Deshalb war das dann irgendwann nicht mehr wirklich so richtig messbar. Ich habe das für mich aber schon unter einem Erfolg verbucht, weil es sich für mich einfach so anfühlte, als wenn ich deutlich besser in eine Entspannungsphase gekommen bin. Und in der Tat hat mir auch mein Umfeld Zeichen gegeben, Dass ich noch ein bisschen entspannter auch in bestimmten Situationen reagiert habe, als ich das vorher getan habe.

Joël Kaczmarek: Gut, und jetzt hast du ja irgendwie schon gesagt, ein Jahr später, glaube ich, hat es dich sozusagen ein zweites Mal getroffen.

André Bajorat: Ja, das ist richtig. Also ungefähr. Vor einem Jahr bin ich mit meiner kleinen Tochter in die USA geflogen und habe auf dem Flug schon etwas gemerkt, dass ich, mein Rücken, tat mir ein paar Tage vorher schon ein bisschen weh. Und dann merkte ich dann auf dem Flug, dass ich mein rechtes Bein nicht mehr richtig ansteuern lassen wollte. Ich habe das dann ja nicht ignoriert, aber habe dann gemerkt, okay, Mehr wird schon irgendwie wieder gehen und ist vielleicht irgendwo ein Nerv eingeklemmt. Aber als ich dann in Chicago, das war unser Ziel, ausgestiegen bin, konnte ich nicht mehr wirklich gehen. Und habe ein Bein hinter mir hergezogen und musste mich dann ein Stück weit stützen lassen.

Habe dann entschieden, dass wir das Mietauto, was wir eigentlich abholen wollten, nicht mehr abholen, sondern lieber erstmal in die Stadt zu fahren, ins Hotel und zu sehen, was da passiert. Und mir war aber irgendwo ab dem Moment relativ klar, dass das... Wahrscheinlich nicht am nächsten Tag wieder weg ist. Und genau so war das dann auch. Und am nächsten Tag, Nach der Nacht, die ich einigermaßen geschlafen habe, sogar, ging das dann weiter. Und dann haben wir uns entschieden, ins Krankenhaus zu gehen, meine Tochter und ich, die mir dann auch, sagte, nein, wir gehen jetzt ins Krankenhaus. Und das haben wir dann getan. Und dann war dann auch so relativ schnell, nachdem ich dann meine Kreditkarte im amerikanischen Krankenhaus vorzeigen durfte, war man dann im System drin.

Und dann hat man relativ schnell festgestellt, dass es aller Voraussicht nach ein sogenannter Rückenmarksinfarkt war, der mich da erwischt hat. Den ganzen Tag wollte man mich in der Nacht da behalten. Da habe ich mich dann entschieden, das nicht zu tun, weil ich nicht mit meiner Tochter gemeinsam in ein Krankenhaus einziehen wollte, sondern bin dann erstmal wieder raus, und dann haben wir eine Lösung gefunden, wo meine Tochter hin konnte. Und ich bin dann nach einer weiteren Nacht wieder zurück ins Krankenhaus. Und dann nahm das Schicksal mir da weniger seinen Lauf, weil dann... Die Sensibilität in den Beinen weiterhin abnahm und dann auch die Ansteuerung weiter abnahm. Und ich dann im Laufe der nächsten drei, vier Tage im Grunde genommen.

Vom Bauchnabel abwärts gelähmt war und dann nicht mehr gehen konnte. Und dann auch keine Empfindung mehr. Für das hatte, was unterhalb des Bauchnabels passiert. Und ab dem Moment war ich querschnittsgelähmt. Und ja, das bin ich weiterhin.

Joël Kaczmarek: Hätte es was geändert? Hättest du etwas anderes machen können, früher darauf eingehen? Und es hätte sozusagen nicht so schlimm gewesen? Oder war das... Ausweichlich.

André Bajorat: Das weiß ich nicht. Da möchte ich auch fast gar nicht drüber nachdenken, ob jetzt ein Flug noch einen Einfluss hatte oder nicht. Weiß ich nicht. Ist mir fast egal, weil es ist jetzt, wie es ist. Ab dem Moment war mir dann aber auch klar, dass das nichts ist, Was wie ein Schnupfen vorbeigeht. Ich habe dann auch sehr früh mit meiner Tochter darüber gesprochen. Natürlich waren wir beide traurig und haben auch geweint. Und das war dann irgendwie schon sehr bedrückend. Aber das, was ich dann mitgenommen habe, beziehungsweise, was ich ihr gesagt habe, Stell dir vor, Es wäre andersrum. Das wäre schlimmer. Das heißt, was ich damit meine ist, Meine Beine würden sich bewegen und mein Kopf würde nicht da sein.

Und andersherum wäre es schlimmer. War dann auch das, Ich habe dann ein Buch geschrieben über die ganze Sache, wie ich auch das Buch genannt habe, wo ich über die ganze Situation, über das Ganze, was ich erlitten habe, geschrieben habe. Das meine ich aber auch so virtuell. Also, das ist weiterhin genau das Motto, unter dem ich halt lebe, dass es einfach Beschissener gehen könnte. Und du hast vorhin gesagt, dass ich jemand war und auch immer noch bin, Auch wenn ich es nicht mehr mit den Beinen mache, der gerne mit Rädern auf der Straße ist, also Rad fährt oder jetzt Liegerad fährt. Das habe ich halt mein Leben lang getan, bin auch mein Leben lang gelaufen, habe Sport gemacht und habe dann irgendwann für mich auch festgestellt, dass ich wahrscheinlich meine Beine viel mehr bewegt habe, als andere Menschen am Ende ihres Lebens.

Und vielleicht haben Sie ein bisschen Ihre Schuldigkeit getan. Und ich bin super froh, dass mein Kopf da ist, dass meine Arme vernünftig funktionieren, dass ich ein sportlicher und auch ein Stück weit ehrgeiziger Mensch bin, der ja auch mit der Situation umgeht. Und vielleicht sogar auch ein bisschen kreativ mit der Situation umgeht und vor allen Dingen nicht aufgibt. Und ja, das ist jetzt die Situation, in der ich seit ungefähr einem Jahr lebe. Im Rollstuhl ist ein neues Leben. Aber ich versuche so viel von dem alten Leben, wie es geht, ins neue reinzupacken und neue Dinge zu entdecken.

Joël Kaczmarek: Ist es sozusagen wirklich volle Überzeugung von dir oder braucht es ein bisschen so eine Haltung, um das auszuhalten? Also ist es wirklich so, dass du sagst, nee, Genauso empfinde ich das. Oder ist es so ein bisschen sich Ablenken von Schmerz?

André Bajorat: Nee, es ist in der Tat genau so, dass ich das genauso liebe und ab dem ersten Moment so gelebt habe, im Krankenhaus, eigentlich immer danach geguckt habe, Wie gehen wir jetzt mit der Situation um, wie finde ich einen... Vernünftigen Umgang damit, dass ich irgendwie alleine auf die Toilette gehen kann, Wie gehe ich irgendwie alleine duschen? Und ich habe irgendwie nie zurückgeguckt. Ich habe manche Momente, in denen ich natürlich auch traurig bin. Und dann darüber nachdenke, dass ich auch in der Zukunft ein paar Dinge nicht mehr erleben werde. Und habe in der Tat auch ein paar Tränen verdrückt. Das erste Mal, Als ich wieder Gangschaltungen oder Fahrradnaben gehört, habe, die im Sommer an mir vorbeigefahren, sind, weil das Halt die Geräusche sind, die ich wirklich mein Leben lang immer um mich herum, hatte.

Und die ich auch sehr liebe. Und da ist es schon hart, Oder wenn ich mir vorstelle, Zwei, mehr oder weniger erwachsene Kinder, die jetzt irgendwann anfangen, zu studieren. Und ich darüber nachdenke, ob ich jemals deren Studentenwohnung sehen werde, weil die möglicherweise im zweiten oder dritten Stock sind. Das sind so Momente, die mich traurig machen. Aber gleichzeitig, Deine Frage war ja, Ist das gespielt oder ist das aufgesetzt, oder ist das in irgendeiner Art und Weise... etwas, wo ich mir selber einen Anschub gebe, dass ich das so sehen muss. Nee, ich bin, glaube ich, so. Und ich kann dir nicht genau sagen, woran es liegt, Aber ich habe in dem Buch, was ich da geschrieben habe, auch darüber nachgedacht, wo ich möglicherweise diese Resilienz, das Wort, was ich früher auch nie benutzt habe, herhabe.

Und ich glaube, es kommt ein bisschen daher, dass ich keine ganz einfache Kindheit hatte. Und für mich immer vorne mehr war als hinten. Genauso lebe ich halt auch deshalb seitdem. Oder das Bewusstsein habe ich möglicherweise jetzt, aber ich habe es unbewusst, unterbewusst immer schon so gelebt. Und das ist wahrscheinlich etwas, was in mir ist, dass ich keine Angst vor der Zukunft habe und nicht bedrückt in die Vergangenheit. Gucke oder mit Wehmut in die Vergangenheit. gucke.

Joël Kaczmarek: Wenn du sagst schwierige Kindheit, reden wir da auch von gesundheitlichen Themen oder eher sozial?

André Bajorat: Sozial. Nicht ganz so einfach mit geschiedenen Eltern und einer sehr, sehr jungen Mutter, die aber auch ihr Leben leben, wollte in jeglicher Hinsicht. Und da war man als Kind nicht unbedingt immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Joël Kaczmarek: Also Ich glaube, das eine, was mir sofort in den Kopf kommt, ich weiß, Ich hatte mal einen Podcast zusammen mit Raoul Krauthausen, der diese Glasknochenkrankheit hat. Und ich weiß, mir ist hängen geblieben, wie unglaublich, Was ist das Gegenteil von barrierefrei, barrierevoll irgendwie Deutschland? Eigentlich ist. Also, ich weiß noch, ich war ganz schockiert, wenn du mal so, ich weiß gar nicht, wo man da anfangen soll. Aber wie er es mir damals erzählt hat, war es wirklich Horror mit, Du brauchst Spezialtaxis, Es gibt aber kaum, welche, kaum ein Busseinstieg ist, irgendwie passend, Die Bahnhöfe haben keine Fahrstühle und so weiter und so fort. Wie erlebst du denn deine neue Realität?

André Bajorat: Ja, genau so. Also, ich musste auch ein paar Monate einfach in der Reha-Klinik sein. Und ein paar Wochen länger, als ich eigentlich gehofft habe, weil ich zu Hause nicht reinkam. Also, damit fängt es ja an. Das ist natürlich ein hausgemachtes Problem, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein 100 Jahre altes Haus mit Scham ist halt nicht barrierefrei. Allein das musst du erstmal umbauen. Dann kam der erste Winter, und ich kam einfach gar nicht mehr raus, weil plötzlich Schnee vor der Tür lag. Also, ich war in meinem eigenen Haus gefangen, weil einfach Schneeberge mir den Weg auf den Bürgersteig abgeschnitten haben. Das, was Raoul sagt, ist völlig richtig. Also, natürlich haben wir in einigen Bahnhöfen und in den meisten mittlerweile Fahrstühle, die sind aber häufig kaputt.

Und allein das zu wissen, also zum Beispiel, Ich arbeite ja normalerweise in Frankfurt und kann jetzt seit April bis November nicht von Hamburg mit dem Zug nach Frankfurt fahren, weil Gleis 13 und 14 nicht erreichbar ist für Rollstuhlfahrer, die auf den Aufzug angewiesen sind. Und ich glaube, da ist ein Unterschied zwischen Raoul und mir noch ein bisschen, Der ist, Er ist natürlich ein bisschen weniger mobil, als ich das sein kann. Und ich bringe mir dann solche Dinge bei, Wie Rolltreppe fahren im Rollstuhl. Ja, kann man, ist nicht leicht, lernt man. Und deshalb überwinde ich möglicherweise noch einige mehr Barrieren als Menschen, die zum Beispiel auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen sind.

Aber klar ist auch, Spontanität geht komplett verloren, wenn du auf die öffentlichen Personennahverkehrsangebote angewiesen bist, weil du zum Beispiel einen ICE-Fahrt immer anzeigen musst, anmelden musst, einen Tag vorher. Sonst kommst du gar nicht in den ICE rein. Es gibt ein paar gute Beispiele. Fußballstadien zum Beispiel sind ganz gut erreichbar. Stadien und Venues sind in der Regel ganz gut erreichbar. Also habe ich schon aus meiner Reha heraus immer wieder gemacht, dass ich zu Konzerten gegangen bin. Solche Dinge gehen, aber Shoppen gehen. Einfach ganz normal in der Innenstadt. Ich würde mal sagen, 50 Prozent der Geschäfte sind nicht ohne Hilfe erreichbar und teilweise gar nicht erreichbar, weil einfach zwei, drei Stufen davor sind.

Die kannst du überwinden. Aber was ich zum Beispiel habe, ist so eine Barriere dagegen, dass mich Menschen tragen wollen. Oder Stell dir vor, du machst Events, gehst auf Events, versuch, mal auf die Bühne zu kommen. Also in den meisten Event-Locations Keine Chance, dass du auf die Bühne kommst, als Rollstuhlfahrer oder nur eine ganz schwere Chance.

André Bajorat: Und das sind natürlich Luxusprobleme für Menschen, die irgendwie mal auf Bühnen stehen. Aber viele Sachen sind möglich. Und auch da siehst du, Gucke ich eher nach vorne,

André Bajorat: als dass ich mich darüber beklage, was nicht geht. Habe aber auch jetzt für mich angefangen, Tools zu bauen, ähnlich, wie es Raoul auch gemacht hat mit den Sozialhelden, dass man Halt Tools baut, Wheelmap hat er gebaut. Auf den setze ich in Teilen noch auf mit Apps, die ich jetzt gebaut habe, dass ich halt gesagt habe, was brauche ich im Alltag am meisten? Barrierefreien Parkplatz, Also einen Autoparkplatz, wo ich parken kann und vernünftig aussteigen kann. Barrierefreie Toiletten, Dass ich halt irgendwo unterwegs bin und irgendwo einen Raum habe, auf die ich gehen kann und mit dem Rollstuhl reinkomme. Hotels und Unterkünfte. Restaurants und Fahrstühle. Das habe ich halt selber gebaut in einer App, die mich anspricht, wo ich halt sage, okay, das ist eine Qualität, mit der ich halt irgendwie gut arbeiten kann. Und da kommt halt so ein bisschen dann meine digitale Affinität zum Tragen, gepaart mit dem, was seit einigen Monaten möglich ist, nämlich AI, die Dich und mich und andere, die halt irgendwo. Produktideen im Kopf haben, in die Lage versetzt, sowas zu bauen. Also insofern baue ich mir halt auch einiges von dem. Was sonst schwieriger möglich ist, selber und mache mir damit halt viel von dem wieder möglich, was ansonsten schwieriger im Rollstuhl wäre.

Joël Kaczmarek: Ja, ich sehe es ja trotzdem auch unternehmerisch, und ich weiß, Raoul, Der hat damals erzählt, dm war, glaube ich, Das Beispiel, dass die Umsätze bei dm massiv in die Höhe gegangen sind, als man irgendwie das Ding barrierefreundlicher gemacht hat. Weil das, was du dafür tust, zum Beispiel Gänge breiter machen, einen Drehkreuz am Anfang weglassen, Das Licht Heller drehen, damit du die Sachen lesen kannst und so, Am Ende des Tages macht das allen ein schöneres Einkaufserlebnis. Deswegen ist da eigentlich auch eine riesige Chance drin. Aber Naja gut, wir wollen jetzt mal nicht den Abgesang auf Deutschland hinterlegen, Aber das ist so ein bisschen, was ich schade finde.

André Bajorat: Aber es ist in der Tat in einigen anderen Ländern ein bisschen leichter, Keine Frage. So was wie zugfahren, zum Beispiel in Österreich, Zugfahren in Italien und so was ist deutlich leichter als in Deutschland. Da kommst du überall so rein. Aber wie gesagt, es geht und darüber will ich jetzt auch gar nicht klagen. Aber wie immer könnte es deutlich,

André Bajorat: deutlich, deutlich besser sein.

Joël Kaczmarek: So, und wir funktionieren ja oft hier nach den fünf Dingen, wie ich immer sage. So ein bisschen listenhaft. Und ich habe ja angekündigt, dass wir bei dir darüber reden, wie so eine Resilienz aussehen kann. Also, wie es dir gelungen ist, mit diesem gesundheitlichen Schicksalsschlägen umzugehen. Ich habe von dir ja schon so die Liste gelernt. Und wir können es ja vielleicht mal so ein Stück weit durchgehen. Weil ich finde, es hat wirklich so Anleitungscharakter bei dir. Das Erste, was du mir gesagt hast, war, du hast deine Leidenschaften aufrechterhalten. Wie darf ich mir das vorstellen?

André Bajorat: Ja, indem ich halt Dinge, die ich früher gerne gemacht habe, die ich auch gerne mit Freunden... Und sowas gemacht, habe, versucht, habe, weiterzuleben. Und dazu gehört, auf der einen Seite sowas wie zu Hause zu kochen. Das kann man auch im Rollstuhl, ist ein bisschen schwieriger. Und habe ich noch nicht ganz wiedergefunden. Aber eins der ersten Dinge, die ich mir geleistet habe, war ein Stehrollstuhl, um halt weiterhin in der Küche stehen zu können und kochen zu können. Eine andere Große habe ich gerade schon angedeutet, als ich über die Narbe sprach, die mir die Tränen in die Augen gebracht haben, war, so schnell wie möglich, wieder mit meinen alten Rennradkumpels Fahrrad fahren zu können.

Also habe ich mir ein Liegerad angeschafft. Also alles Duellen Dinge, die ich mir zum Glück leisten kann, weil ansonsten schwierig. Also, das muss man natürlich mal ganz klar dazu sagen. Meine Oberärztin in der Reha meinte, Meine Geschichte wird so ein bisschen reicher, Man wird krank. Ja, tut mir leid, dass es so ist, Aber dankenswerterweise kann ich mir so ein paar Sachen leisten. Also die Leidenschaft des Sports weitergemacht. Sofort zu Hause, auch mir die Möglichkeit geschaffen, selber jeden Tag Sport zu machen. Also einfach eine blöde Gummimatte, Gewichte, Gummibänder an der Decke und so weiter. So gebaut, dass ich hier sehr einfach auf den Boden kommen kann. Runterkommen ist leichter als Rollstuhlfahrer.

Wieder hochkommen ein bisschen schwieriger. Musik und Konzerte, gar nicht aufgegeben. Sofort aus der Reha, habe ich gerade schon gesagt, wieder auch auf Konzerte gegangen. Die Ärzte haben das gefeiert, ohne mich zu feiern. Also, die haben das irgendwie, wie ich jetzt mittlerweile erfahren habe, immer in ihren Teamsitzungen, weil ich dann irgendwann angefangen habe, auch darüber zu bloggen. Dann wieder gelesen, wo ich am Abend davor war, ob ich im Stadion beim FC St. Pauli war oder ob ich bei irgendwelchen Konzerten aus der Reha mehr oder weniger abgehauen bin. Das fanden die Halt großartig, weil sie gesehen haben, okay, da hört jemand nicht auf. Und das sind Leidenschaften, Zeit mit Freunden zu verbringen.

Also die Gruppen, mit denen ich früher Rennrad fahren war oder Mountainbike fahren, war, Mit denen mache ich weiter Urlaube. Meine Segeljungs, mit denen bin ich weiter unterwegs, noch nicht wieder segeln. Aber die verbringen halt mittlerweile die Wochenenden trotzdem mit mir an schönen Orten. Dankenswerterweise jetzt momentan ohne Segelboot, weil ich es halt noch nicht wieder kann oder mir nicht zutraue. Das sind so ein paar Sachen, wo ich noch Angst vor habe. Zeit mit meiner Familie. Also das habe ich alles nie aufgehört. Und ein paar Sachen gehen nicht. Aber viele Sachen, von denen, die mir früher viel, viel Freude gemacht haben, packe ich. Ey, TechBikers, Du hast schon mal davon gehört, was ich jedes Jahr mitgemacht habe, habe ich dieses Jahr wieder mitgemacht.

Auf dem Liegerad. Und dankenswerterweise... Das Jan ermöglicht und das Team ermöglicht und die Gruppe ermöglicht. Und das war so dermaßen gelebte Inklusion großartig. Also Leidenschaften, die ich vorher hatte, habe ich weiter.

Joël Kaczmarek: Irgendwen hatte ich auch, ich hatte einen Podcast gemacht mit Elena Semeci, die ist Paralympin, die ist zu, ich glaube, noch 3% Sehkraft, ist Schwimmerin und hat dann irgendwann, Was ja total Bitter war, Gold gewonnen und dann, Ich glaube, eine Woche danach Diagnose bekommen, Hirntumor. Und bei mir war das wie bei dir, dass die gesagt hat, Herr Doktor, Hier sind meine Trainingspläne, Hier sind die Events, auf denen ich schwimme, Darum müssen wir die Chemotherapie anordnen. Also, die kam gar nicht auf die Idee zu sagen, ich stelle mein Leben in irgendeiner Form zurück, sondern hat gesagt, Pass mal auf, Es geht hier weiter, ist jetzt ein Element davon, Aber so läuft es nicht, das ist bestimmt nicht mein Leben. Wie würdest du das denn in eigenen Worten wiedergeben, warum das für dich so wichtig war, diese Leidenschaften weiter aufrechtzuerhalten?

André Bajorat: Weiß gar nicht. warum, Aber ich glaube, es liegt einfach daran, dass ich gesagt habe, mein Leben ist nicht vorbei, sondern ich bin bewusst da, das, was ich vorhin schon, sagte, Also mein Kopf funktioniert und mein Kopf mochte in der Vergangenheit diese Dinge. Und warum soll ich die aufhören? Und ich möchte vor allen Dingen auch wieder mit den Leuten, mit denen ich vorher Freude hatte, Auch Freude haben. Ich habe ein paar Mal so Dinge ausprobiert wie Sport. Mit gleich Betroffenen, gleich Gesinnten, klingt immer so komisch. Das war immer ganz komisch, da fühlte ich mich nicht wohl. Nicht, weil ich das Gefühl hatte, irgendwie besser anders oder irgendwas zu sein. Sondern weil ich dann immer das Gefühl hatte, da geht es nur um dieses Thema.

Und natürlich ist es manchmal ganz hilfreich, dass man da auch Tipps, Tricks und was auch immer mitbekommt. Aber ich wollte mit meinen Leuten, meinen Freunden, Freundinnen zusammen sein. Und das war, glaube ich, Einer der Gründe, warum ich auch diese Dinge weitermachen wollte, die ich halt früher gemacht habe. Und diese Leidenschaften oder Dinge, die mir einfach Lebensfreude, nenne ich das, glaube ich, Oder ist es für mich, bereiten, dass ich die weitermache. Hey, warum soll man nicht auf Konzerte gehen, wenn man im Rollstuhl sitzt? Du hast manchmal sogar einen besseren Blick, weil du auf so einer kleinen Bühne stehst. Warum soll ich nicht irgendwie mit meinen alten Fahrradjungs Fahrrad fahren und einen Elektromotor dabei haben dürfen?

Und einfach, denen dann teilweise am Berg wegfahren können? Ich habe schon immer beim Triathlon früher Schwimmen gehasst. Jetzt wäre es eigentlich gut, das zu tun. Ich kann mich nicht aufraffen, obwohl ich es könnte. Also, ich könnte schwimmen gehen, habe ich auch in der Reha gemacht. Aber auch da merke ich, ey, ich... Machen lieber die Dinge, die mir halt Spaß machen, als die Dinge, die vernünftig sind. Also auch so ein Beispiel, Leidenschaft Köln. Ich bin ja ursprünglich aus der Ecke und natürlich würde ich super gerne wieder in den Karneval. Das werde ich mal sehen, ob ich das irgendwann nochmal mache.

André Bajorat: Also Kneipenkarneval, nicht irgendwelchen Blöden. Sitzungskarneval. Aber ich war zum Beispiel jetzt in Sommerferien, eine Woche in Köln. Also auch eine Leidenschaft, auch wieder da, eine Stadt und Menschen, um mich herum zu haben, die gebe ich nicht auf.

Joël Kaczmarek: Wie hat das für Dich funktioniert, Familie und Freunde? In so einer Rekonvaleszenz, in so einem Wiederfinden des Lebens, das sozusagen so hinzukriegen.

André Bajorat: Das musste ich irgendwie gar nicht hinbekommen.

André Bajorat: Die waren da. Also die waren, Im ersten Fall waren sie wirklich da, indem Sie mich gerettet haben. Also meine Frau und sehr, sehr gute Freunde von früher, meine Familie auch. Meine Frau hat irgendwann, als ich dann jetzt im Rollstuhl saß und im Krankenhaus war. Und in der Reha war, Irgendwann gesagt, können bitte mal jetzt diese ganzen Kondolenzbesuche aufhören. Also wir hatten wirklich, also? Ich hatte fast jedes Wochenende bei irgendjemand dann hier, bei uns oder Ja. Hat auch bei uns übernachtet und mich dann in der Reha besucht und so weiter. Also, es war wirklich echt wie ein Taubenschlag. Für mich war das großartig, Joël. Also, ich habe es einfach genossen. Ich habe es genossen, diese Menschen, die mir wichtig sind und denen ich irgendwie auch scheinbar wichtig bin, um mich herum zu haben. Und ich habe es irgendwann auch meiner Tochter Mal gesagt, So viele Dinge haben meine Frau und ich in unserem Leben in der Hinsicht nicht falsch gemacht, dass wir so viele Freunde um uns herum haben und so viele Menschen um uns herum haben, die so gut zu uns sind. Und ich musste nichts tun. Die waren einfach da. Ich glaube, ich musste einfach nur, na gut, ich war irgendwie auch da, weißt du, Ich habe mich nicht versteckt. Ich war responsive, um das Mal in so einem Neudeutsch zu sagen.

André Bajorat: Und ich habe interagiert, und ich habe ja auch sehr schnell auch sogar öffentlich darüber gesprochen, was mir passiert, ist. Also ich glaube, ich habe sogar aus dem Krankenhaus in Chicago sogar schon irgendwie darüber geschrieben. Habe das dann auch als Blog irgendwann angefangen, begleitet diese ganze Zeit. Nicht, weil ich irgendwie finde,

André Bajorat: das muss irgendwie jeder wissen oder was auch immer, aber einfach, Weil DAS mir... In so einer Art Therapie geholfen hat, was ich damit gerade Richtung Freundin nur sagen will, die mussten, glaube ich, Keine Angst vor mir und vor dieser Krankheit haben, weil ich damit offen umgegangen bin. Und es gab auch keine Tabus oder sowas. Und ich glaube, das hat sehr geholfen.

Joël Kaczmarek: Ja, ich wollte gerade sagen, es gibt ja manche Menschen, die dann, glaube ich, eher sich vergraben würden. Also, denen das unangenehm ist, so eine Exponiertheit zu haben, im Freundeskreis, ne?

André Bajorat: Ja, Exponiertheit auf der einen Seite. Und das ist so großartig bei meinen Freunden, dass es auch manchmal natürlich Thema ist, aber manchmal auch gar nicht. Oder meistens gar nicht. Und das ist großartig. Weißt du, also, wenn du sowohl das Gefühl hast, dass dich jemand fragt, wie geht es dir gerade damit? Das so im Sinne von, ja, also, da bist du exponiert, Aber vielleicht nicht mehr, als wenn jemand irgendwie gerade sich getrennt hat. Oder sowas. Wo man einfach auch die Frage dann manchmal stellt, wenn man das Gefühl hat, das ist der richtige Moment. Und manchmal bewusst nicht, stellt, weil man halt irgendwie auch darüber gerade hinweggehen will. Und andererseits... Bin ich einfach komplett inkludiert.

Ich werde nicht immer meinen Rollstuhl definiert, sondern das liegt aber halt auch daran, dass es die alten Menschen sind, von vorher. Ich habe glaube ich jetzt, ja, doch, Ich habe ein paar Menschen jetzt auch darüber kennengelernt, mit ähnlichen Schicksalen, zum Beispiel, Was dann auch wiederum verbindet. Wo man natürlich, wenn du jetzt einen Abend mit jemandem verbringst, der auch vor einem Jahr oder sowas in den Rollstuhl gekommen ist, dann redest du mit dem. Schon mehr darüber. Vielleicht so, als wenn du mit einem anderen Hertha-Fan zusammen bist. Und dann irgendwie die Hertha gestern 5-0 gewonnen hat, Redest du auch mal einen Abend darüber. Und das ist natürlich dann mehr so. 98% der Menschen, mit denen ich zusammen bin, hatte ich vorher.

Joël Kaczmarek: Auch wie du das mit deiner Tochter geschuldet hast. In den USA, hatte ich den Eindruck, Also, wenn ich aus dem Flugzeug gehen würde. Und könnte mindestens ein Bein nicht mehr bewegen, Dann wäre ich so schnell in der Notaufnahme, so schnell kannst du gar nicht gucken. Aber dein erstes Thema war, Erstmal ins Hotel gehen und sozusagen eine Ruhesituation und eine Sicherheitssituation für deine Tochter herstellen, so klang es für mich. Und auch danach ins Krankenhaus und wieder raus und dann wieder rein. Also, du scheinst mir auch jemand zu sein, der sich um sein Umfeld sehr stark kümmert.

André Bajorat: Das war intuitiv. Also, ich war nicht panisch und nicht, weil ich irgendwen schützen wollte. Sondern okay, das ist eine Situation, Mit der müssen wir jetzt umgehen. Und wie kriegen wir das gemanagt, dass es für beide Okay ist?

Joël Kaczmarek: Und ich meine, Jetzt gibt es ja auch eine... Sozusagen eine Komponente daran, die ist ja ganz undankbar, dass dir, was Schlimmes passiert, ist. Ich weiß gar nicht, ob du es als schlimm definierst, aber zumindest, also. Ich glaube, lockerer, als ich, aber dir ist, was passiert, was sehr einschneidend war. Und dann bist du in der Situation, dass die Menschen um dich rum ja auch damit konfrontiert sind. Und dass wahrscheinlich du manchmal auch in der Position bist, die auch mal trösten zu müssen oder aufzufangen. Also, ich stelle mir das nicht so einfach vor, wenn ich als, Ich weiß gar nicht, Wer deine Tochter war, aber Teenager-Alter in den USA bin. Und mein Vater kann auf einmal nicht mehr den Roadtrip mit mir, sondern ist sozusagen in der neuen Lebensrealität. Wie ist denn dein Angang da? Wie gehst Du denn damit um, Dass das deinem Umfeld genauso eine Angst und so eine Sorge bereiten kann? Wie dir?

André Bajorat: Ich versuche es, damit zu machen, indem ich so viel Normalität, wie es irgendwie geht, Versuche denen zu geben. So viel Unabhängigkeit lebe, wie es irgendwie auch nur möglich ist. Also, dass ich halt irgendwie nicht der Hilfebedürftige in jeder Lebenslage bin, sondern versuche halt irgendwie so viel wie möglich, einfach alleine zu machen. Und du kannst nicht alles auffangen. Da, sind Dinge, da ist Trauer, da ist Wut. Nicht bei mir, sondern bei meinem Umfeld. Die kann ich nicht auffangen. Ich kann nur versuchen. So viel wie möglich, Wie gesagt, auf der einen Seite Normalität, aber auch Nähe, darüber reden zu ermöglichen. Aber alles kannst du nicht auffangen. Jeder geht erst mal anders damit um. Meine Tochter ist wütend.

André Bajorat: Ich habe das gar nicht. Ich habe diese Wut nicht, und ich kann ihr aber auch nicht sagen, du musst nicht wütend sein, weil das ist ja ein Gefühl, was du nicht irgendwie wegbekommst und nicht wegreden kannst, weil das eine Emotion ist. Das muss man dann auch lernen, dass das nicht alles steuerbar ist. Über Vernunft.

Joël Kaczmarek: Wie ist es dir denn ergangen mit den Gefühlen? Deines Umfelds? Also zu erleben, Wenn die Deine lieben, sozusagen wütend, traurig, verängstigt sind, Wenn irgendwie Menschen geschockt, reagieren. Was hat das mit dir gemacht, Diese Reaktion der anderen?

André Bajorat: Weil ich so normal damit umgegangen bin und weil ich, Ich glaube, nie so richtig bedrückt war oder so irgendwie so eine schlechte Stimmung gemacht habe, hat mich das, der ein oder andere gar nicht irgendwie spüren lassen. Vielleicht waren die manchmal danach, wenn sie sich dann unter Freunden ohne mich unterhalten haben, Viel geschockt. Da als in den Momenten mit mir. Weißt du, was ich meine? Ich habe das nie so richtig oder in ganz seltenen Momenten so richtig gespürt. Weißt du, was ich vorhin schon mal sagte? So dieses Gefühl zu geben und auch diese Zuversicht auszustrahlen, Das Leben ist nicht vorbei, und wir verbringen gemeinsam noch viele, Viele Sachen miteinander. Das hat, glaube ich, bei vielen dann auch dazu geführt, dass Sie einfach diesen normalen Umgang mit mir gehabt haben.

Also, es gab auch keinen Moment, zum Beispiel in der Reha, wenn ich Besuch bekommen habe. Wo ich das Gefühl hatte, irgendwie jemand ist so total geschockt und kann gar nicht reden. Natürlich ist das ein Unterschied, Wenn wir uns jetzt begegnen, dann kann ich dich halt nicht mehr auf Augenhöhe in die Arme nehmen. Und das ist natürlich schon manchmal ein komischer Moment, wo egal, wer sich einfach zu mir runterblicken muss, egal wie groß oder klein oder so, was er ist. Und da habe ich manchmal Momente gehabt, wo ich dann schon gespürt habe und einen Unterschied. Feststellen konnte zwischen jemandem, Der Mitgefühl hat und Mitleid hat. Und Mitgefühl ist gut und Mitleid willst du nicht haben. Mitleid ist der typische Mensch, der dir auf die Schulter klopft, so nach dem Motto Tätschel, Tätschel, Tätschel.

Das habe ich ein paar Mal ganz bewusst unterbrochen. Hab gesagt, lass das. Ich will keine ungefragte Hilfe, dass dir einfach plötzlich jemand von hinten dich wegschiebt und du die Balance verlierst. Oder was auch immer. Willst du nicht. Und du willst kein Mitleid.

André Bajorat: in so einem positiven Sinne ist toll. Spürt man sofort. Aber Mitleid ist Horror.

Joël Kaczmarek: Hattest Du eigentlich nie Angst? Weil ich meine, das eine Mal bist, du tot umgefallen, Das andere Mal kommst du aus dem Flieger raus, kannst nicht mehr gehen. Ja,

André Bajorat: ich hatte zweimal Angst. Das erste Mal, als ich in den Hubschrauber getragen worden bin, nach dem plötzlichen Herztod. Und ich einen Moment lang nicht wusste, wo ich war und warum. Da hatte ich Angst. Das hat sich aber schnell wieder gelegt. Also, als wir dann in dem Krankenhaus angekommen waren, war das schon wieder vorbei. Also hatte sich dann einfach wieder vieles normalisiert, Weil ich irgendwie es hinbekommen hatte, mir dann in den, keine Ahnung, 10, 15 Minuten Flug vieles herzuleiten. Da fühlte ich mich wieder, war okay. Ich hatte Angst in Chicago, weil das ja ein schleichender Prozess war, dass es vom rechten Bein ins Linke Bein und Sowas ging. Und ich hatte kurzzeitig Angst, dass es höher rutscht. Und darüber habe ich dann kurz mit meiner Frau gesprochen, dass wir das dann auch... Beenden würden.

Joël Kaczmarek: Also höher Rutschen heißt bei Dir vom Hals an abwärts, So war dein Gedanke?

André Bajorat: Ja.

Joël Kaczmarek: Ach, du bist ja krass. Das hast du sozusagen, in der Sekunde dir schon so hergeleitet und war dir schon klar?

André Bajorat: Ja.

Joël Kaczmarek: Wie war denn Ihre Reaktion darauf?

André Bajorat: Ja,

Joël Kaczmarek: das war echt ein Brett.

André Bajorat: Harte Momente. Verbindet aber auch, Kann ich dir sagen.

Joël Kaczmarek: Du hast noch, was anderes zu mir gesagt. Du hast gesagt, das andere, was dir geholfen hat, sozusagen das dritte Ding. War so ein gewisses Transferwissen. Ich habe so eine vage Vorstellung, was du meinst, dass? glaube ich manchmal Dinge, die man so in der Berufswelt vielleicht macht, auch helfen können, wenn man die dann auf einmal auf etwas anderes anwendet. Wie war das denn bei Dir in dem Fall?

André Bajorat: Ich habe von vornherein und ich bin ja schon als Studienabbrecher immer jemand gewesen, der in Unternehmen nie... So auf Hierarchien geachtet hat. Weil ich irgendwie immer so da reingerutscht bin und irgendwie immer über Inhalte gekommen bin. Und da war das nie so, Weißt du, dass ich mich irgendwie über Hierarchien definiert habe und die auch nicht so richtig eingehalten habe. Und das habe ich im Krankenhaus auch im ersten Moment dann nicht. Das heißt nicht, dass ich irgendwie da revolutionsmäßig durchs Krankenhaus mit der Fahne gelaufen bin. Das meine ich nicht. Sondern was ich meine ist, und das kennst du vielleicht auch, dass man manchmal so eine merkwürdige Ehrfurcht vor visiten hat, Wo dann irgendwie der Oberarzt oder der Professor oder wer auch immer reinkommt mit seiner Armada an irgendwie keine Ahnung, 10, 15 Leuten.

Und dann traut man sich gar nicht mehr, was zu fragen. Das habe ich von vornherein nicht gemacht, sondern ich habe einfach versucht, auf Augenhöhe mit den Leuten zu sprechen. Und wenn ich irgendwas nicht verstanden habe, Fragen gestellt. Und das war von vornherein, so, dass ich das so gemacht habe, wie ich das in den 30 Jahren vorher im Beruf glaube, ich auch immer gemacht habe. Schon vorher in der Schule, muss ich ehrlich gesagt, sagen, Auch da hatte ich so ein Hierarchie-Problem vielleicht schon fast mit Lehrern. Und das war im Krankenhaus und in den Kliniken genauso. Und das hat mir unglaublich geholfen. Und hat den Umgang mit Ärzten und auch teilweise dann mit Pflegenden so viel besser gemacht, weil wir auf einer anderen Ebene gesprochen haben.

Und ich weiß nicht, woran das liegt, Ob die das ansonsten nicht so sehr häufig gewohnt sind, die auch anders bei mir gesprochen haben, als ich dann irgendwann nach fünf, sechs Wochen aus dem UKE verlegt wurde, ins Reha-Klinikum. Kam der Professor rein und meinte so, Herr Bajorat, es tut mir echt leid, dass Sie jetzt gehen. Sie waren einfach immer unser Lieblingspatient hier. Und bestimmt nicht, weil ich irgendwie der netteste, freundlichste, was auch immer bin, sondern einfach, Weil es, glaube ich, Eine andere Art von Kommunikation war, die wir halt hatten. Und ich bin mit denen immer noch im Austausch. Also mit dem Doc zum Beispiel oder mit dem Professor im UKE, Der möchte immer wissen, was ich gerade noch tue.

Und das Gleiche ist in der Reha-Klinik, in der ich dann war, diskutiere, mit denen darüber, Was kann man möglicherweise besser machen. Die wollen von mir wissen, wie ich es empfunden habe da und sagen, ey... Wie hast du die Zeit bei uns empfunden und wollen ernstes Feedback haben, weil sie halt gemerkt haben, Ich habe nicht alles als gut empfunden, dort, aber ich habe halt nie gemeckert. Mit denen bin ich im Austausch, und das macht es mir gerade natürlich leichter in meinem Alltag, auch im Rollstuhl, weil ich manchmal Tipps bekomme, Tricks bekomme, von denen und was wahrscheinlich da etwas ist, was ich aus dem Job mitgenommen habe, Netzwerke zu bauen. Und das Dritte, was ich gerade so merke, vielleicht lass mir das noch sagen, Ich habe ja immer in der Tech Related gearbeitet und das hilft mir halt gerade auch.

André Bajorat: die ich im Alltag nutzen will. Also, ich habe zum Beispiel eine neue App gebaut für meinen Fahrstuhl im Auto. Oder halt jetzt das, was ich gerade schon mal angedeutete, eine App gebaut, so nearby. Klappt der Fahrstuhl hier vorne bei mir an der Bahn? Das sind solche Dinge, die ich dann selber jetzt gerade gebaut habe. Hätte ich früher nicht gekonnt, gäbe es nicht. Low-Code.

Joël Kaczmarek: Ich bin noch ein Stück weit neugierig, also auf alles davon, aber vor allem auch gerade mal auf die Hierarchielosigkeit, Weil ich weiß, was du meinst. So dieses Götter-in-Weiß-Phänomen. Ich weiß mal gar nicht, Welche Seite das erzeugt. Also ob das sozusagen, die mit dem Kittel sind oder ob die, die auf der anderen Seite des Schreibtischs sitzen. Ich finde, da ist aber so ganz viel drin, dass da so wenig Augenhöhe oft ist. Also, es ist ganz oft so, Man bezeichnet sich als Patient. Ich finde, damit bist du schon mal irgendwie schlechter gestellt. Dir unterstellt man schon mal Unwissenheit. Dir unterstellt man schon mal, dass es einen Experten auf der einen Seite gibt, der bestimmt, wie es läuft.

Ich denke am Ende des Tages immer, Eigentlich sind das Dienstleister. Also Eigentlich bezahle ich die mit meinen Krankenkassenbeiträgen. Das heißt eigentlich, dass meine Auftragnehmer, möchte man so meinen. Von daher ist die Hierarchie eigentlich genau umgekehrt, Was das wirtschaftliche angeht, sozusagen, wenn man es jetzt mal kapitalistisch denkt. Und ich habe auch ganz oft festgestellt, dass Mediziner, Ärzte und Ärztinnen, sich oftmals, Also die Guten. Merkst du daran, dass die mit Nachfragen klarkommen und da positiv drauf umgehen. Die schlechten reagieren richtig gereizt, wenn Du quasi ins Fragen gehst und in die... Wenn du nicht mehr Schema F bist. Und deswegen bin ich mal neugierig, Hast du vielleicht so einzelne Beispiele, so Situationen, die dir in Erinnerung geblieben sind, wie du reagiert?

hast, was vielleicht anders war und was sozusagen, diese Beziehung so verändert hat?

André Bajorat: Zum Beispiel im UKE, Da habe ich schon aus Chicago mit dem Professor geschrieben. Also, ich habe den gefragt, ey, habt ihr einen Platz für mich und kann ich aufgenommen werden? Also, das war wahrscheinlich schon, das ist nicht normal, sonst wirst du halt irgendwie überwiesen und kommst da rein und so weiter. Was mir im Krankenhaus vielleicht dazu... Dazu beigetragen hat, dass ich halt sehr respektvoll mit allen Pflegerinnen und Pflegern umgegangen bin. Und damit schon mal so eine Grundlage für, Das ist kein Arschloch gelegt, habe. Das kannst du jetzt nicht eins zu eins auf Ärzte übertragen, Aber ich glaube auch Da ist es so, wenn du halt. Mit den meistens sind es ja Kolleginnen am Empfang vernünftig umgehst, hast, du glaube ich auch schon ein besseres Entree, als wenn Du da am Telefon schon ein Stinkstiefel warst.

Und wenn du reinkommst und sagst, ich will sofort rankommen. Dieses auf Augenhöhe zu kommunizieren. Ich glaube, was ich schon immer gemacht habe, ist, Zum Beispiel habe ich, als ich noch im Bett gelegen habe, bin ich nie liegen geblieben. Ich habe mich immer hingesetzt. Das ist eine minimale Kleinigkeit. Aber wenn du da liegst, bist du halt irgendwie noch so viel, Viel hilfloser und wie in so einer anderen Lage im wahrsten Sinne des Wortes. Und ich wollte dann immerhin, Auf Augenhöhe konnte ich ja nicht sein, weil ich im Bett gesessen habe, aber näher sein. Ich glaube, das sind Kleinigkeiten, die dann dazu beitragen, dass man auf Augenhöhe ist und anders wahrgenommen wird.

Joël Kaczmarek: Ja, ich glaube, Augenhöhe ist, so der Knackpunkt, weil ich auch gerade gedacht habe, ich finde es genauso blöd, Eine Arzt-Patienten-Beziehung als ein, Ich bezahle hier, ich kriege eine Leistung zu sehen, sondern eigentlich ist es so ein Give and Take. Du willst von Gesunden, das wertvollste Gut, was es für dich gibt und der andere Mensch zieht, glaube ich, auch, was draus, jemandem dabei zu helfen. Also, das Geld ist gar nicht der Faktor. Und deswegen glaube ich, Augenhöhe ist ein Thema, Respekt. Wahrscheinlich trotzdem auch so ein bisschen. Was ich bei dir auch raushöre, außerhalb der eingetrampelten Fahne, also der eine, der es anders macht und so, Aber verstehe ich, da gibt es sicher, so ein Bild draus.

André Bajorat: Und ich habe noch ein anderes Beispiel, Also auch da wiederum die Kolleginnen und Kollegen im UKE, als dann. Irgendwann haben die verschiedene Therapien noch bei mir versucht. Sie hatten noch Hoffnung, dass es möglicherweise irgendwie eine Entzündung sein könnte. Und dann gab es irgendwie noch eine Blutwäsche und bla bla bla, und dann hatten sie immer Hoffnung. Aber alle Hoffnungen haben sich immer wieder zerschlagen. Und dann kamen sie wieder am nächsten Morgen zu mir und mussten dann wieder sagen, nee, haben wir irgendwie nichts gefunden. Und dann waren die so niedergeschlagen, dass ich dann irgendwann in so einer Situation war. Und sagte, Jungs, it is okay. Also, ihr müsst hier nicht niedergeschlagen sein. Also, es wäre ja schön gewesen, wenn sie das geändert hätte, aber ich komme damit klar. Und ich war irgendwie, weißt du, hoffnungsvoller und nach vorne gerichteter, als die Ärzte, die vor mir waren. Und das war auch nochmal so ein Moment, glaube ich, wo die dann auch so gedacht haben, okay, ja, irgendwie anders hier.

Joël Kaczmarek: Und wenn wir jetzt so beim Transferwissen nochmal in den anderen Bereich gehen, die du gerade erwähnt, hast mit dem Thema Netzwerken. Wie sieht ein Networker im Gesundheitsbereich aus? Schreibst du dann immer irgendwelchen Dozenten und Professoren über Ihre neuen Forschungen? Oder hast du einen Freundeskreis, der Dich aktiv weiterempfiehlt? Wie arbeitest du da?

André Bajorat: Du warst ein gutes Beispiel dafür, Joël. Du wusstest, dass mir was passiert ist und hast mir dann jemanden aus der Charité vorgestellt, der bei dir auch schon im Podcast war und unter anderem mit denen. Mit dem bin ich jetzt gerade im Austausch, weil er gerade eine klinische Studie gestartet hat. Und das ist das typische Beispiel für Netzwerk. Also, wo einfach Business mit meiner jetzigen Situation zusammenkommt. Du triffst jemanden, denkst so, ey, kennst du den eigentlich? Machst einen Kontakt zwischen uns beiden. Und das Netzwerken bei mir funktioniert gerade so, dass ich zum Beispiel über LinkedIn mitbekommen habe, Dass in Hamburg eine neue Neuro-Reha aufgemacht hat. Also pinge ich den Typen an. So wie du es früher vertrieblich gemacht hast, wenn du irgendwas verkaufen wolltest. Jetzt will ich nichts verkaufen, sondern suche halt eher eine Dienstleistung für mich. Also war ich der erste Querschnittspatient in dieser Neuro-Reha. Was mache ich dann? Ich stelle natürlich den Typen, der das Ding aufgebaut hat, sofort dem Typen auch wieder vor, den du mir vorgestellt hast. Also, ich mache dann auch noch wieder ein bisschen Matchmaking unter den Leuten. Und genau so passiert es gerade. Und daraus nehme ich da manchmal was mit, aber auch nicht immer. Aber das hilft mir halt, dass ich, Ich versuche halt immer wieder Dinge, und das macht mir halt auch. Hoffnung.

Joël Kaczmarek: Ich finde es auch irgendwie plausibel. Ehrlich gesagt, mich beschäftigt es seit längerem. Ich habe immer so den Kopf, wenn es mich mal erwischt oder einen, den ich gerne habe, Hätte ich eigentlich gerne so ein Netzwerk. Und ich finde es so, ich weiß nicht, wie es dir so geht, Ich finde es immer so schwierig, Gesundheitsnetzwerke aufzubauen, wenn man nichts hat. Das ist so, wenn du gesund bist, brauchst du ja keinen. Aber deswegen, ich habe immer den Eindruck, Im Gesundheitsbereich ist es umso wichtiger, also Vitamin B? hat mein Vater immer gesagt, Vitaminbeziehungen ist da umso relevanter, weil der eine, der eine Studie macht, Der andere, der ein Präparat entwickelt hat. Der Dritte, der dir einen Ratschlag geben kann oder dir einen Platz besorgt.

André Bajorat: Ja, aber auch da, glaube ich, geht es wieder darum, Auch da triffst du ja manchmal vorher schon im Leben. Bestimmte Ärzte. Und wenn du mit denen einen vernünftigen Umgang hattest und dann die das von dir erfahren, helfen die dir auch wiederum weiter. Also meine Kardiologin, zum Beispiel, die ist so hilfsbereit jetzt für mich gewesen, Auch bei dem ganzen Thema wieder Führerschein machen und sowas. Da braucht die ein Gutachten, bla, bla. Und auch da ging es wieder darum, wie hast du die Leute vorher? behandelt? Und wie haben Sie dich behandelt? Aber wie hast du sie halt auch behandelt? Und so funktioniert es, glaube ich. Also sei einfach freundlich.

Joël Kaczmarek: Und sag mal noch vielleicht so ein kurzer Exkurs mit deinen Tools, die du baust. Also in der Tat die Segnungen der Künstlichen Intelligenz, die einen auf einmal sehr produktiv werden lassen. Und ich finde es auch sehr schön, so Ideen auf einmal in sichtbare Produkte umwandeln zu können. Wie gehst Du denn so vor? Also was sind denn so die Probleme, die du löst? Oder Wonach entscheidest du, was du entwickelst? Wie Podcast du An Andere Leute an? Da gibt es ja so ganz viele Möglichkeiten. eigentlich.

André Bajorat: Ganz einfach. Also als Querschnittspatient hast du in der Regel ein Problem, dass du halt deine Blase und Deinen darm nicht mehr so richtig managen, kannst. Und das ist für mich so einer der Treiber durch den ganzen Tag, wie ich das ganze Thema gemanagt bekomme. Also habe ich mir ein eigenes Tool dafür gebaut. Habe am Anfang gesagt, okay, das machst du einfach über einen Timer deiner Apple Watch oder Deines Telefons. Und irgendwann habe ich dann gemerkt, okay, das musst du besser tracken. Und verschiedene Dinge am besten, irgendwie in so einer App abgebildet bekommen oder anders in irgendetwas abgebildet bekommen. Und das kannst du jetzt papiermäßig aufschreiben, oder du kannst es irgendwie in einem Excel-Sheet machen.

Und dadurch, dass ich halt irgendwie in so einer App-Welt groß geworden bin, habe ich mir einfach dann angefangen, eine eigene App zu bauen. Erstmal nur für mich. Und habe die dann, weil ich dachte so, ach, weißt du, was, Jetzt geht es ja irgendwie auch, dass du das Ding einfach in den App Store bringst. Bring das doch einfach in den App Store. Ob das jemand nutzt oder nicht, ist ja völlig wurscht. Das ist ja eigentlich erstmal nur für dich gebaut. Und dann hast du aber sofort relativ schnell, wenn du dann, Ich habe ja dann irgendwann auch angefangen zu bloggen, Unter Kürzlich, Querschnitt, hast du natürlich eine gewisse Leserschaft, auch teilweise unter Querschnittspatienten. Da melden, die sich und sagen, hast du schon mal drüber nachgedacht, das und das da noch reinzubringen?

Also so passiert das dann. Also das heißt, Feature-Requests kommen dann halt über andere Patienten rein. Oder über Ärzte. Dann kommt halt der Urologe aus der Querschnittsklinik und sagt, das, und das wäre noch gut da. drin. Oder der sagt gar nicht, kannst du das reinbringen, sondern sagt einfach nur, das könnte ich mir darin auch noch vorstellen. Dann baust du es halt rein. Und gestern Abend war ich beim Fußball mit einer Ärztin auch wiederum aus der Klinik. Und dann meinte die so, Du hast schon mal darüber nachgedacht, auch die Medikation mit reinzunehmen. Ja, könnte man machen, habe ich gestern Abend reingebaut. Also das heißt, Die Feature-Requests kommen halt aus dieser Zielgruppe. Und das Zweite war das, was ich vorhin beschrieb.

Mit diesen Nearby-Sachen. Es gibt so bestimmte Dinge, die ich immer wieder brauche in meiner Umgebung. Parkplatz, Toilette, Vernünftiger Aufzug, Vernünftiges Restaurant. Und die halt barrierefrei. Und diese Daten liegen in Teilen irgendwo vor. Also habe ich sie zusammengebracht in einer App. Und lass das Ding halt gerade immer besser werden, einfach durch die Community und Krieg. Restaurant-Tipps, Restaurant-Empfehlungen, Hotels, Ferienhäuser und solche Sachen. Also habe ich sowas gebaut und dazu wiederum eine App und ein paar Web-Services gebaut, wo du Sowas abfragen kannst. Und der Feature-Request-Geber bin ich in meinem Alltag und dazu brauche ich meine Tools.

Joël Kaczmarek: Aber ist doch eigentlich fast ein bisschen absurd, dass wir das Jahr 2026 schreiben und es sowas nicht gibt, oder? Also, das ist ja immer so, wie kommt das?

André Bajorat: Ich glaube, Raoul, den du vorhin schon gesagt hast, hat, glaube ich, Ganz gute Services gebaut mit Wheelmap, hat ein paar Sachen da zusammengebracht. Und es gibt auch ein paar andere Services, die das irgendwie auch versuchen. Ich habe das auch genutzt und merkte aber dann, Diese Oberflächen sind nicht meine, und die waren mir einfach nicht intuitiv, genug und nicht nah genug. So an meinem Alltag. Also habe ich gedacht, okay, versuche ich da, wo es APIs gibt. Von diesen Anbietern, die zu nutzen und die dann halt selber bei mir einzubinden, aber halt auch zurückzuspielen. Also wenn ich neue Informationen bekomme, spiele ich die auch wiederum zurück. Und so bin ich rangegangen. Und sowas wie die Aufzüge gibt es halt auch bei der Deutschen Bahn, Aber völlig versteckt auf einer beschissenen Webseite. Bringst die Sachen zusammen. Und so mache ich das gerade, dass ich halt die verschiedenen Services, die es da gibt, wie du es gerade sagst, die muss es doch geben. Ja, die gibt es, aber die gibt es halt nicht vernünftig auf einer Aggregationsebene. Also habe ich halt das gebaut.

Joël Kaczmarek: Okay, das ist auch so ein bisschen Interface-Thema, sage ich mal, was man gewohnt ist oder woran man sucht. Vielleicht haben auch manche Leute, wie du ja gesagt. hast, jemand, der jetzt mit Raoul so einen motorisierten Rollstuhl hat, hat vielleicht auch mal andere Faktoren als du.

André Bajorat: Ja.

Joël Kaczmarek: Verstehe ich, verstehe ich. Gut, also lieber André, ich fasse zusammen. Die Leidenschaften aufrechterhalten, auf ein Netzwerk aus Freunden und Verwandten gebaut. Dann fleißig. Rübergetragen aus dem Business-Bereich, nämlich über Netzwerken, über Tools, die du gebaut hast und Hierarchielosigkeit herzustellen. Oder Augenhöhe ist vielleicht noch ein schönerer Begriff. Augenhöhe. Von daher Danke für diese, ja, ist ja lustig, wirklich mal fünf Dinge, die da genau passen, mit denen du da sozusagen, weiterhin mit so viel, Ich weiß gar nicht, Zuversicht und positiver Ausschau durch die Welt gehst. Also, ich bewundere das sehr und freue mich, dass wir deswegen auch mal wieder geredet haben. Wenn der Anlass auch... Auch doof war, So war es doch für mich sehr inspirierend und schön, dich wiedergesehen zu haben.

André Bajorat: Vielen Dank, hat mir Spaß gemacht.

André Bajorat: Also in der Tat gebe ich diese Erfahrung auch gerne weiter.

Joël Kaczmarek: Also lassen wir das nächste Mal nicht so spät werden. Wieder früher und in diesem Sinne alles Gute Dir und vielen, vielen Dank.

André Bajorat: Dankeschön.

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